Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB)

Navigation und Suche

Work-based Learning / Arbeitsweltbasiertes Lernen

Telefon

Kontakt

Ulrike Engels

Fon: 0228 107 1610

In Europa stehen Formen von Work-based Learning (WBL) seit Jahren verstärkt im Interesse der Öffentlichkeit. Im Zuge der europäischen Wirtschaftskrise zeigte sich, dass die Länder, in denen arbeitsweltbasiertes Lernen fester Bestandteil der Bildungssysteme ist, relativ unbeschadet durch die Krise gegangen sind. Insbesondere dem Modell der dualen Berufsausbildung wird zugute gehalten, dass es in positiver Weise den Übergang von Schule zum Arbeitsmarkt organisiert und zu einer bedarfsgerechten Qualifizierung von Fachkräften beiträgt. Auf unserer Themenseite stellen wir Ihnen das Thema WBL im Kontext der europäischen Bildungsarbeit vor.

Was bedeutet Work-based Learning?

Grundsätzlich zielt Work-based Learning auf den Erwerb von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen durch die Durchführung und Reflexion von Aufgaben in einem beruflichen Umfeld, entweder am Arbeitsplatz (wie in der dualen Berufsausbildung) oder in einer Berufsbildungseinrichtung. WBL kommt auch in anderen Bildungsbereichen vor, wie z.B. in der schulisch basierten Aus- und Fortbildung, Hochschulbildung und Erwachsenenbildung. Somit kann WBL sowohl Teil der Erstausbildung in allen Bildungssektoren sein, als auch Bestandteil von Weiterbildungen.

WBL in der Berufsbildung

Ein besonderer Fokus liegt dennoch auf der Berufsbildung. Dabei kann zwischen drei Formen von WBL in der Berufsbildung unterschieden werden:

Lehrlingsausbildung (duale Berufsausbildung): Es handelt sich um einen formalen Bildungsweg, in dem Ausbildungsinhalte zwischen Schule und Unternehmen kombiniert werden und zu einem national anerkannten Bildungsabschluss führen.

Schulbasierte Berufsbildung mit Lernphasen am Arbeitsplatz: Diese Form der Ausbildung beinhaltet verpflichtende oder freiwillige, unterschiedlich lange Praktika in Unternehmen und führt ebenfalls zu einer formalen Qualifikation.

WBL in der Schule: Bei dieser Form von WBL werden praktische Erfahrungen vor Ort in der Bildungseinrichtung erworben, z.B. im Labor, in Werkstätten, Ausbildungsrestaurants, durch Projekte, in denen das "echte Leben" simuliert wird oder auch echte Projekte aus der Arbeitswelt durchgeführt werden. Ziel ist es, ein möglichst authentisches Arbeitsumfeld zu schaffen, dabei mit Firmen und Kundschaft zu kooperieren und unternehmerische Fähigkeiten zu entwickeln.

Politische Ziele der Europäischen Bildungspolitik

Im Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit hat die Berufsbildung auf der europäischen Politikagenda in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung und an Sichtbarkeit gewonnen. 2013 wurden auf einem EU-Gipfel mit der Jugendgarantie und der Jugendbeschäftigungsinitiative zentrale Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beschlossen.

Ein wichtiger Aspekt der meisten EU-Initiativen ist die nachhaltige Stärkung von "Work-based Learning" in der Berufsausbildung. International vergleichende Studien zeigen, dass Jugendliche mit einer dualen Ausbildung oder zumindest starken dualen Elementen in der Ausbildung deutlich geringere Arbeitslosigkeitsrisiken haben und den Übergang von Schule in Beruf wesentlich besser meistern als Jugendliche mit einer allgemeinbildenden oder einer vollzeitschulischen Ausbildung. Zu den wichtigsten EU-Maßnahmen gehören aktuell

  • die Jugendgarantie,
  • die Jugendbeschäftigungsinitiative und
  • die Europäische Ausbildungsallianz.

Die Jugendgarantie sieht vor, allen jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb eines Zeitraums von vier Monaten, nachdem sie arbeitslos geworden sind oder die Schule verlassen haben, eine Arbeitsstelle, eine Weiterbildungsmaßnahme oder einen hochwertigen Ausbildungs- bzw. Praktikumsplatz anzubieten. Alle Länder haben Ausbildungsmodelle mit arbeitsplatzbezogenem Lernen in ihre Umsetzungspläne aufgenommen.

Zusätzlich wurden über die Jugendbeschäftigungsinitiative weitere sechs Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, die insbesondere Regionen mit einer Jugendarbeitslosigkeit von über 25 Prozent unterstützen sollen.

Im Juli 2013 startete die Europäische Ausbildungsallianz. Diese will den Austausch der Mitgliedsländer im Bereich der Berufsbildung fördern und verfolgt damit drei Ziele: Qualität, Angebot und das Image von Ausbildungsformen mit einem starken Fokus auf arbeitsplatzbezogenes Lernen zu verbessern.

Im Juni 2015 wurde das "Riga-Kommuniqué" veröffentlicht. Zu den Zielen gehören die Stärkung von arbeitsplatzbezogenem Lernen u. a. durch stärkere Einbindung der Sozialpartner, Verbesserung der Qualitätssicherungsmechanismen, Zugang zur Berufsbildung für alle, Stärkung von Schlüsselkompetenzen in der Berufsbildung und Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von Berufsbildungspersonal.

Politische Ziele in der Bildungspolitik in Deutschland

Das BMBF unterstützt Strategien und Maßnahmen zur Implementierung der Ausbildungsallianz und sucht dabei die Kooperation und Konsultation mit der 5-Länder-Gruppe der dual orientierten Staaten (Österreich, Schweiz, Luxemburg, Dänemark und Deutschland). Die Entwicklung einer exzellenten Berufsbildung bildet auch das Leitmotiv in der bilateralen Zusammenarbeit im Rahmen des Berlin-Memorandums (PDF, 109 kb) vom Dezember 2012 mit Spanien, Griechenland, Portugal, Italien, der Slowakei und Lettland.

Umsetzung in Deutschland

German Office for International Cooperation in Vocational Education and Training (GOVET)

Die Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation (GOVET) beim BIBB ist die zentrale Anlaufstelle für internationale Berufsbildungskooperation. Sie ist im Auftrag der Bundesregierung in folgenden Kerngebieten tätig:

  • der Geschäftsstellenfunktion für den Runden Tisch zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit,
  • dem Anfragenmanagement aus dem In- und Ausland zu Kooperations- und Partizipationsmöglichkeiten sowie
  • der Durchführung von Kooperations- und Beratungsmaßnahmen von bilateralen Arbeitsgruppen und Berufsbildungskooperationen.

Hintergrundinformationen zu Work-based Learning