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Foto von zwei Studenten
Foto einer Lerngruppe von 5 Personen an Computern.

Innovation in der Praxis - LEONARDO und GRUNDTVIG Preis 2009

1. Preis LEONARDO DA VINCI: ReSye-Co 1. Preis GRUNDTVIG: Together!2. Preis LEONARDO DA VINCI: Netzwerk ENETOSH2. Preis GRUNDTVIG: BICOM3. Preis LEONARDO DA VINCI: UMBAU & KO3. Preis GRUNDTVIG: Creative friendship

1. Preis LEONARDO DA VINCI: ReSye-Co

ReSye-Co (Retail Systems and E-Commerce)
2000-2002
Carl-Severing-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Bielefeld


Das Carl-Severing-Berufskolleg der Stadt Bielefeld hat mit seinem Projekt ReSye-Co die "Handelsstrukturen von morgen" im Blick. Gemeinsam mit seinen Partnern wurden zum Thema "webgestützte Warenwirtschaftssysteme und E-Commerce" Lehr- und Lernarrangements für den Ausbildungsberuf Verkäufer/Verkäuferin und Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel erarbeitet.

Die veränderten Strukturen im Handel erfordern entsprechende Instrumente. Doch die Anforderungen sind nicht nur technischer Art: Es werden qualifizierte Mitarbeiter benötigt, die mit den modernen Systemen vertraut sind. Besonders praxisnah gelingt es dem Carl-Severing-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung durch die Gründung des Bildungsunternehmens Onshopper e.V. diesen Bedarf zu decken. Er bietet realistische Übungsmöglichkeiten im „Modelllädchen“. Hier können die Schülerinnen und Schüler im stationären und online-Handel formale und informelle Kompetenzen erwerben und zwar auf einem zukunftsweisenden Niveau durch die Integration von Warenwirtschaft, E-Business und mobilem Lernen.

In den Kategorien „Qualität“, „bildungspolitische Relevanz“ und vor allem „Praxiswirkung“ erhielt dieses Projekt von der Jury Bestnoten: Die entstandene Lehr-CD-ROM wird mittlerweile von einem Fachverlag vertrieben. Der Erschließung eines ganz neuen Lernfeldes durch die Einbindung webgestützter Instrumente war 2000 zum Projektstart eine Pionierleistung. Dieser besonders innovative Einsatz für die berufliche Handlungsfähigkeit der Auszubildenden im Handel sowie die Tatsache, dass für das entwickelte Lehrmaterial gleich Fortbildungen für zahlreiche Lehrkräfte im deutschsprachigen In- und Ausland stattfanden, wird mit dem ersten Preis gewürdigt.

Darüber hinaus wurden die erarbeiteten Inhalte wesentlicher Bestandteil der neuen Prüfungsordnung für Zertifikate zum Handelsassistenten der Zentralstelle für die Berufsbildung im Einzelhandel (ZBB e. V.). Die damit erreichte Zertifizierung der Projektinhalte zeichnet die Projektverantwortlichen ebenso aus wie der effektiv eingebundene Projektbeirat. Einige Mitglieder des Beirats wirkten an der 2004 in Kraft getretenen Neuordnung der zentralen Ausbildungsberufe im Einzelhandel mit. Vor allem im Bereich Warenwirtschaft gibt es viele curriculare Bezugspunkte zu den Vorleistungen des Projekts ReSye-Co.

www.resye-co.org
Projektinformationen in der Datenbank ADAM


1. Preis GRUNDTVIG: Together!

Together! Active Citizenship for People with Learning Disabilities
2005-2008, Transnationales Kooperationsprojekt
Ulmer Volkshochschule


Die Ulmer Volkshochschule hat in ihrem mit fünf europäischen Partnern durchgeführten Projekt „Together!“ ein Angebot für eine bislang häufig vernachlässigte Personengruppe entwickelt. Projektziel war es, Menschen mit geistiger Behinderung und Lernschwierigkeiten zu befähigen, in alle sie betreffenden Lebensentscheidungen einzugreifen bzw. einen möglichst großen Anteil davon selbst zu bestimmen. Das reicht vom unmittelbaren Lebens- und Arbeitsbereich bis hin zur aktiven Teilhabe an Entscheidungen in der Kommune, im Land oder im Bund – etwa zur Befähigung der Ausübung des Wahlrechts.

Dazu wurde ein Handbuch für Kurse und Seminare erarbeitet, das bei der Ulmer Volkshochschule und bei den Projektpartnern in Österreich, den Niederlanden, Rumänien, Spanien und Schweden erhältlich ist. Die darin enthaltenen Konzepte, Übungen, Rollenspiele und Arbeitsblätter ermöglichen es Kursleiter(inne)n der Erwachsenenbildung, aber auch Eltern, persönlichen Assistent(inn)en oder Mitarbeiter(inne)n in Behinderteneinrichtungen, die Mit- und Selbstbestimmung behinderter Menschen gezielt zu fördern und zu begleiten. Menschen mit geistiger Behinderung waren an der Entwicklung der Materialien von Anfang an beteiligt. Mehr aktive Teilhabe ist daher nicht erst das Ergebnis des Projekts, sondern Teil des gesamten Entwicklungsprozesses.

Die Jury hat dieses Projekt mit dem 1. Preis ausgezeichnet, weil es trotz entsprechender Nachfrage, noch sehr wenige Bildungsanbieter gibt, die die Zielgruppe der erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung mit adäquaten Bildungsangeboten versorgen. „Together!“ überzeugt durch seine sehr gute Konzeption und seine fachwissenschaftlich fundierte Grundlage.

Hervorgehoben hat die Jury zudem, dass das Projekt und seine Ergebnisse hervorragend dokumentiert und somit auch weiteren Einrichtungen als Anregung sehr gut zugänglich sind. Die entstandenen Materialien werden auch über die Projektlaufzeit hinaus genutzt und belegen die hohe Praxisrelevanz des Projekts. Die Projektunterlagen machen zudem deutlich, wie sehr der transnationale Austausch die Projektpartner und die gemeinsame Arbeit bereichert hat.

www.togetherproject.eu


2. Preis LEONARDO DA VINCI: Netzwerk ENETOSH

Netzwerk ENETOSH Europäisches Netzwerk Aus- und Weiterbildung in Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
2005-2007
Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)


Mit dem Projekt ENETOSH aus Dresden wird ein Projekt ausgezeichnet, das die Qualität der Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit in Europa erheblich steigert. Dem Preisträger ist es gelungen, ein Netzwerk aufzubauen, das den bisher unzulänglichen Austausch zwischen Arbeitsschutz und Bildungsexperten fördert. Das Projekt umfasst alle Bildungsbereiche vom Kindergarten bis zur beruflichen Weiterbildung. Es richtet sich gleichermaßen an das Bildungspersonal sowie an Akteure der nationalen und internationalen Arbeitsschutzpolitik.

So wurden im Rahmen von ENETOSH Standards in den Kompetenzbereichen Aus- und Weiterbildung, Sicherheit und Gesundheit, betriebliches Gesundheitsmanagement und Arbeitsschutzmanagement entwickelt. Diese Standards ermöglichen es, ganz gezielt geeignetes Personal für die entsprechenden Aufgaben auszuwählen, Trainingsinhalte zu entwickeln und Fachkräfte für diesen Bereich zu zertifizieren. Die ENETOSH Standards liegen in 11 Sprachen vor, und wurden von 14 Einrichtungen aus 10 Ländern anerkannt.
Die Anerkennung basiert vor allem darauf, dass die Standards sich an die Niveaustufen des Europäischen Qualifikationsrahmens anlehnen, und somit auf europäischer Ebene transparent sind.

Neben der hervorragenden Qualität der Ergebnisse hat die Jury mit dem 2. Preis insbesondere die bislang vernachlässigte Verschränkung von Arbeitsschutz und Bildung gewürdigt. Das Projekt ermöglicht einen Zugang zu einer Vielzahl von Informationen und Good-Practice-Beispielen. Es weist eine Fülle von – auch forschungsgestützten - Aktivitäten im politischen wie praktischen Bereich auf nationaler und internationaler Ebene vor. Diese machen deutlich, dass das Netzwerk auch über die Leonardo da Vinci-Projektförderung hinaus sehr aktiv und anerkannt ist.

Die ENETOSH-Kompetenzstandards für Ausbilder und Trainer in Gesundheit und Sicherheit werden immer mehr angenommen und mit einem Zertifikat der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) abgeschlossen.
Zurzeit umfasst das Netzwerk 38 Mitglieder aus 16 europäischen Ländern und Südkorea.

www.enetosh.net
Projektinformationen in der Datenbank ADAM


2. Preis GRUNDTVIG: BICOM

BICOM – Promoting Bilingual Competencies in Public Health
2005-2007, Lernpartnerschaft
dock europe, Hamburg


Das von dock europe koordinierte Lernpartnerschaftsprojekt BICOM beschäftigt sich mit einem Thema von aktueller gesellschaftlicher Relevanz. Es gibt in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund, die auch medizinisch versorgt werden müssen. Die Gesundheitsversorgung von Menschen, die der Sprache eines Landes nicht ausreichend mächtig sind, stellt Krankenhäuser und Arztpraxen immer wieder vor sprachliche Probleme.

Krankenhauspersonal ist nicht darin geschult, in Fremdsprachen zu kommunizieren, und auch Englisch als gemeinsam gesprochene Basis kann weder bei den Patient(inn)en noch beim Krankenhauspersonal als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Daher wird zumeist mehrsprachiges Personal – von Reinigungskräften über Verwaltungsangestellte bis hin zu Pflegekräften – spontan zu sogenannten Ad-hoc-Dolmetscheinsätzen hinzugezogen, wobei das Risiko einer nicht zufriedenstellenden Dolmetscherleistung in Kauf genommen wird.

An diese Problematik des Ad-hoc-Dolmetschens im Gesundheitswesen knüpfte BICOM an. Auf eine Bestandsaufnahme folgte eine intensive Austausch- und Erprobungsphase. Die Hauptthemen und die Diskussionsergebnisse sind in einem Booklet schriftlich festgehalten. Ferner liegt als Ergebnis eine Bedarfsliste für gelungenes Ad-hoc-Dolmetschen vor. Sämtliche Materialien stehen über die projekteigene Website der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Das Projekt BICOM erhielt von der Jury den 2. Preis. Die Projektergebnisse sind sowohl in einem fundierten wissenschaftstheoretischen Kontext gestellt als auch von einer hohen Praxisrelevanz und Nachhaltigkeit geprägt. So werden die erzielten Erfolge u. a. in einem um einen türkischen Partner erweiterten multilateralen Folgeprojekt weitergeführt und ausgebaut. Zum anderen entwickelte dock europe die Erkenntnisse und Ergebnisse für eigene Fortbildungsangebote weiter. Positiv bewertet wurde auch, dass im Projekt die Kompetenz der Mehrsprachigkeit von Beschäftigten mit Migrationshintergrund Anerkennung findet und für das Ad-hoc-Dolmetschen genutzt wird.

http://www.bicom-eu.net


3. Preis LEONARDO DA VINCI: UMBAU & KO

UMBAU & KO - Umweltgerechtes Bauen mit Kompetenz
2004-2006
BGZ – Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit


Die Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit hat mit ihrem Projekt „Umbau & Ko“ ein hochaktuelles Thema angenommen: die Bedeutung von energetischen Sparmaßnahmen im Bauwesen. Dazu hat sie gemeinsam mit ihren Partnern eine europäische Qualifizierungs- und Zertifizierungsstrategie für die Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich entwickelt. Dabei werden moderne Aus- und Weiterbildungsmodule angeboten, die sich an einheitlichen Kompetenzstandards auf europäischer Ebene orientieren. Behandelt werden die Bereiche Dach, Fassade, Fenster, Keller, Heizung.

Ein weiteres Ergebnis bilden Leitfäden für die Ermittlung des Bildungsbedarfs der Unternehmen und die entsprechende Anpassung der Berufsbildung im Bausektor.
Die Ergebnisse werden direkt in der Fortbildung des Bildungspersonals in Deutschland, Polen und Belgien nachhaltig integriert und für Auszubildende, Meister und junge Arbeitnehmer genutzt.

Nicht nur die anschaulichen Materialien, sondern die Vorlage einer Zertifizierungsstrategie, die den Ländern auf dem Weg zur gegenseitigen Anerkennung bzw. Anrechnung von erworbenen Fachkompetenzen dient, haben die Jury beeindruckt.

Das System soll für Unternehmen und Bauteams Transparenz erzeugen. In der hervorragenden Partnerschaft aus Deutschland, Dänemark, Polen und Belgien, und durch die Einbindung der Kammern und Wirtschaftsverbände konnte das Projekt eine breite Wirkung erzielen.

Die Nachfrage aus ganz Europa ist groß. Das Projekt schafft es immer wieder, diese Ergebnisse nachhaltig zu nutzen, sie fort zu entwickeln und sie in die Bildungssysteme der beteiligten Länder und in Deutschland zu verankern:
So wird zum Beispiel die Zertifizierungsstrategie in Polen vom Dachverband des Polnischen Handwerks zur Anerkennung von ausländischen Abschlüssen in Bauberufen genutzt.

Die im Projekt „Umbau & Ko“ erstellten Module und Lernaufgaben werden weiterhin in Anschlussprojekten genutzt und fort entwickelt. Berliner Jugendliche aus den Bauberufen erhalten zum Beispiel eine zertifizierte Zusatzqualifikation, die aus Weiterbildung und mehrmonatigem Auslandspraktikum besteht.
Die Beispiele zeigen, dass die Ergebnisse vom Markt akzeptiert werden.

www.umbau-und-ko.eu
Projektinformationen in der Datenbank ADAM


3. Preis GRUNDTVIG: Creative friendship

Creative friendship in Europe – Experiencing self-esteem and empowerment by intercultural and inclusive workshops
2006-2008, Lernpartnerschaft
Robert-Kümmert-Akademie gGmbH, Würzburg


Das von der Robert-Kümmert-Akademie koordinierte Projekt widmete sich der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Ziel der europäischen Partnerschaft „Creative Friendship in Europe“ war es, behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen zu bringen und so einer gesellschaftlichen Ausgrenzung der Behinderten entgegenzuwirken. Gearbeitet wird mit musisch-kreativen Ansätzen, die Menschen mit und ohne Behinderungen eine Möglichkeit eröffnen, Selbstbewusstsein und ein Gefühl für die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Ein Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit war darauf ausgerichtet, Wege der Kommunikation zu finden und auszuprobieren, die nicht nur auf gesprochener oder geschriebener Sprache basieren. In den internationalen Workshops wurde miteinander auf vielfältige Weise erfolgreich kooperiert. Es wurde Musik gemacht, es wurde gemalt und getanzt. Der Unterschied zwischen den Menschen mit und ohne Behinderung löste sich auf und die Lernergebnisse wurden miteinander geteilt. Zusätzlich gab es vielfältige weitere Kontakte zwischen den europäischen Partnern, u. a. über die Projektwebsite. Das erlebte Gemeinsamkeitsgefühl wird von den Kursteilnehmern in ihren rückblickenden Bewertungen besonders hervorgehoben.

Die Jury ehrt dieses Projekt mit dem 3. Platz, weil es vielen behinderten und nichtbehinderten Teilnehmer(inne)n neue Lernerfahrungen ermöglicht hat, die bei ihnen zu einem wachsenden Selbstbewusstsein geführt haben. Das Projekt hat die Vielfalt, die unsere Gesellschaft, aber auch Europa ausmacht, erfahrbar gemacht. Neben vielfältigen Bilddokumenten und einer sehenswerten Projektwebseite sind auch eine Tabelle mit den wichtigsten Wörtern in den Sprachen der beteiligten Partner und drei Facharbeiten über das Projekt entstanden.

Die „Europakompetenz“ der Einrichtung und der Beteiligten hat sich nachhaltig erhöht, so dass es nicht verwundert, dass bereits ein neues Projekt in Angriff genommen wurde.

http://cfie.svefi.net/route.php