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"Bei uns sitzt Europa an einem Tisch"

Mit ihren Mobilitätsprojekten stärkt die Walter-Gropius-Schule in Hildesheim die Attraktivität der Ausbildungsangebote in der Gastronomie

18.09.2014, von MANFRED KASPER

Gastronomische Betriebe haben zunehmend Probleme, qualifizierte und motivierte Nachwuchskräfte zu finden. Daher ist es für sie wichtig, die Attraktivität der Ausbildungsangebote zu erhöhen. Wie dies konkret aussehen kann, zeigt das Projekt "Europa an einem Tisch" der Walter-Gropius-Schule in Hildesheim. Diese schickte elf Auszubildende aus gastronomischen Berufen im Herbst 2013 zu fünfwöchigen Hotelpraktika nach Italien und Frankreich. Dort wurden sie ausbildungsadäquat eingesetzt und konnten ihre fachlichen, fremdsprachlichen und persönlichen Kompetenzen verbessern.

"Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie Mobilitätsprojekte die Attraktivität von Ausbildungsberufen und ausbildenden Betrieben erhöhen", meint Rafael Meyer, Koordinator für Mobilitätsmaßnahmen an der Hildesheimer Schule. Besonders sei, dass die Ergebnisse des Projekts auch in die Betriebe getragen und hier wahrgenommen wurden. Das zeige sich zum Beispiel daran, dass nach anfänglicher Skepsis heute immer mehr Betriebe ihren Auszubildenden ein Auslandspraktikum ermöglichen und auf der eigenen Website für das Vorhaben werben.

Wer hätte das im Jahr 2011 gedacht? Damals beteiligte sich die Schule erstmals am europäischen Mobilitätsprogramm Leonardo da Vinci und ermöglichte ihren Auszubildenden eine Lernerfahrung in der westfranzösischen Charente. Beim Folgeprojekt "Europa an einem Tisch" wurde neben dem französischen Partner nun auch eine italienische Fachschule miteinbezogen. "Die Idee war, nach der positiven Resonanz aus der ersten Mobilitätsmaßnahme unseren Radius weiter auszuweiten und mit der Schule aus dem sizilianischen Castelvetrano einen zweiten Partner hinzuzunehmen", erzählt Rafael Meyer. Als man sich schließlich zusammensetzte, sei das Bild von "Europa an einem Tisch" entstanden – "gerade in unserer Branche eine schöne Metapher für gelebte Gemeinsamkeit", so Meyer.

Jungen Menschen Europa näher bringen

Die Schülerinnen und Schüler der beteiligten Institutionen hatten die Möglichkeit, Einblicke in bislang unbekannte Welten zu gewinnen, zum Beispiel in den Alltag eines italienischen Fünf-Sterne-Hotels. "Es war toll für mich, in einer anderen Kultur die gehobene Gastronomie kennenzulernen", schildert die 23-jährige Cornelia Huwald, die eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert, ihre Eindrücke. Die Arbeit sei zwar oft stressig gewesen, zugleich aber auch spannend, da sie verschiedene Bereiche kennenlernte. Anfängliche Ängste waren bald überwunden, am Ende überwog die Begeisterung.

Das gilt auch für Marcel Rüddiger, der zur gleichen Zeit ein Praktikum in Frankreich absolvierte. Den angehenden Koch haben vor allem "die Sitten und Arbeitstechniken der französischen Küche" fasziniert, zum Beispiel die Fertigkeiten, mit denen eine Torte zubereitet wird. "Was die Patisserie dort gezaubert hat, das war für mich ein Traum! Es waren zum Teil echte Kunstwerke", schwärmt der 22-Jährige, der einige Ideen für seine künftige Arbeit mit nach Hause nahm.

Solche Aspekte gefallen Rafael Meyer, dessen Arbeit sogar von der NA beim BIBB als "Good Practice" ausgezeichnet wurde. Die Ehrung ist ein Ansporn, Projekte wie "Europa an einem Tisch" weiter voranzubringen. "Mir geht es darum, jungen Menschen Europa näher zu bringen und ihnen Erfahrungen zu ermöglichen, die der Persönlichkeitsentwicklung gut tun", betont er. Letztlich seien alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Zeit im Ausland gewachsen.

Für Meyer ist all dies "eine phantastische Entwicklung", die nicht nur in den Betrieben, sondern auch in der Schule einiges bewegt hat. "Der Erfolg des Projektes hat sogar unsere Schulstruktur verändert. Wir haben jetzt offiziell ein EU-Projektteam, das in die Struktur eingebunden ist", berichtet der Pädagoge nicht ganz ohne Stolz. Seiner Meinung nach ist die Internationalisierung eine wichtige strategische Grundlage für die Zukunft der berufsbildenden Schulen. Gerade junge Menschen seien heute viel stärker mit Europa verbunden. Daher müsse auch die Schule lernen, europäisch zu denken.

Die nächsten Schritte auf diesem Weg sind bereits angedacht. So wurden erste Gespräche mit einer spanischen Schule geführt, auch in England sind Kontakte geknüpft. Der Weg, den die Walter-Gropius-Schule eingeschlagen hat, findet also seine Fortsetzung. Und der gemeinsame Tisch wird dabei in Zukunft immer größer werden.

Das Projekt im Überblick

Programm: Leonardo da Vinci Mobilität

Zielgruppe: Personen in der Erstausbildung

Partnerländer: Frankreich, Italien

Koordination: Walter-Gropius-Schule Hildesheim, www.bbs-walter-gropius.de

Mobilität

LEONARDO DA VINCI ist das Programm der Europäischen Kommission für die berufliche Bildung im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen (PLL), das Ende 2013 ausgelaufen ist. LEONARDO DA VINCI hat Mobilitätsprojekte für verschiedene Zielgruppen gefördert. Über Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Form von Ausbildungsabschnitten oder Praktika, konnten Teilnehmende fachliche, soziale und interkulturelle Kompetenzen stärken sowie  Fremdsprachenkenntnisse weiterentwickeln. 2014 wurde das PLL von dem neuen EU-Programm Erasmus+ abgelöst.

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