Antragsverfahren - Mobilitätsprojekte planen und beantragen

Sie planen ein Mobilitätsprojekt in der Berufsbildung? Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Sie für die Beantragung vorgehen, welche Fristen und Formalien Sie beachten sollten und welche Kriterien bei der Bewertung der Projektanträge eine Rolle spielen.

Wer kann Anträge einreichen?

Antragsberechtigt sind alle öffentlichen und privaten Einrichtungen, die ihren Sitz in Deutschland haben, sowie Organisationen die eine berufliche Ausbildung nach BBiG und HWO anbieten. Dies können z.B. Unternehmen, berufsbildende Schulen, Bildungseinrichtungen oder Kammern sein. Eine detaillierte Auflistung antragsberechtigter Einrichtungen finden Sie im Programmleitfaden "Teil B".


Grundsätzlich gilt für die Antragstellung

  • Jede Einrichtung kann in einer Antragsrunde nur ein Mobilitätsprojekt im Bereich der Berufsbildung beantragen. Aktivitäten für Lernende und Berufsbildungspersonal oder für Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen werden daher in einem Antrag zusammengefasst.
  • Es gibt in der Regel eine Antragsfrist im Jahr; sie gilt europaweit.
  • Die Antragstellung erfolgt elektronisch.
  • Der Aufruf zur Einreichung von Projekten und der Programmleitfaden der EU-Kommission sind grundlegende Dokumente, die vor jeder Antragsrunde aktualisiert werden. Antragstellerinnen und Antragsteller sollten die wesentlichen Beschreibungen und Regelungen in Bezug auf Mobilitätsprojekte in der Berufsbildung kennen.

Für das Antragsjahr 2017 gilt: Entsendungen in das Vereinigte Königreich können für den gesamten Durchführungszeitraum beantragt und durchgeführt werden, auch wenn das Vereinigte Königreich im Verlauf des Jahres einen Austritt aus der EU beantragen sollte.

Einzelpersonen können keinen Projektantrag stellen. Sie können jedoch über die Praktikumsplatzsuche auf dem Portal  www.machmehrausdeinerausbildung.de Zugang zu einer Förderung im Rahmen eines Mobilitätsprojekts erhalten, das indiviuelle Mobilität für Einzelpersonen ermöglicht. Weitere Informationen zu dieser Projektform erhalten Sie auf unserer Info-Seite "Pool-Projekte - mit EU-Stipendien für Einzelpersonen individuelle Mobilität fördern".  

Im Folgenden stellen wir Ihnen die wesentlichen Aspekte und Schritte des Antragsverfahrens vor:

  1. Projekt planen
  2. Formale Schritte zur Antragstellung und Antragsunterlagen
  3. Antrag inhaltlich ausarbeiten
  4. Online-Sprachunterstützung (OLS) planen - für Aufenthalte ab 19 Tagen (ohne Reisetage)
  5. Auswahlverfahren und Förderkriterien
  6. Auf einen Blick: Dokumente zur Antragsrunde 2017

In jedem dieser Kapitel finden Sie die notwendigen Tools und Dokumente. Die Dokumente werden in jeder Antragsrunde neu zur Verfügung gestellt. Dabei kann es von Jahr zu Jahr Veränderungen geben. Nutzen Sie bitte stets die Unterlagen der aktuellen Antragsrunde.

1. Projekt planen

Für eine erfolgreiche Antragstellung sollten Sie Ihre Projektidee bereits hinreichend konkretisiert haben:

  • Welcher Personenkreis soll angesprochen werden?
  • Welche Ziele sollen durch den Auslandsaufenthalt erreicht werden?
  • Welches Land, welche Partnereinrichtung ist geeignet?
  • Wie lange sollte der Aufenthalt dauern?
  • Planen Sie Ihr Projekt als Pool-Projekt, in dem sie alle oder einen Teil der Teilnahmeplätze bundesweit für Interessierte ausschreiben möchten?

Machen Sie sich mit den Rahmenbedingungen des Programms vertraut und planen Sie die Eckpunkte Ihres Projekts so konkret wie möglich. Dafür sollten Sie ausreichend Vorlaufzeit einplanen.

Wir beraten Sie gern! Vor allem Einrichtungen, die noch keine Erfahrung mit Mobilitätsprojekten in der Berufsbildung haben, empfehlen wir, unser umfassendes Beratungsangebot zu nutzen. 

2. Formale Schritte zur Antragstellung und Antragsunterlagen

2.1. Informieren Sie sich über die Rahmenbedingungen.

Die Rahmenbedingungen des Programms sind in folgenden Dokumenten beschrieben. Auch Einrichtungen, die bereits Erfahrungen mit dem Antragsverfahren haben, empfehlen wir, sich hier über mögliche Neuerungen zu informieren.

Der Beschluss des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats setzt den politischen Rahmen für die Programmgeneration 2014-2020.

Der Aufruf 2017 (Call) ist die Aufforderung der Europäischen Kommission zur Einreichung von Anträgen. Im Aufruf werden Antragsfristen und Budgets für die einzelnen Bildungsbereiche und Aktionen des Programms Erasmus+ veröffentlicht. Der Aufruf erfolgt jährlich.

Im Programmleitfaden (Programm Guide) finden Sie grundlegende bildungsbereichspezifische Informationen wie Teilnahme- und Finanzierungsbedingungen.

2.2. Ablaufplan | Zeitplan der Antragsrunde

  • Einreichungsfrist: 02. Februar 2017, 12:00 Uhr mittags (Brüsseler Zeit).
  • Durchführungszeitraum: Projektbeginn zwischen dem 01.06. und 31.12.2017 für 12 bis 24 Monate.

2.3. Registrierung Ihrer Einrichtung | Aktualisierung Ihrer Daten

Um einen Antrag zu stellen, müssen Ihre Einrichtung sowie alle Partner, die im Antrag aufgeführt werden, im Teilnehmerportal (ehem. URF) registriert sein. Das Teilnehmerportal der Europäischen Kommission verwaltet alle Stammdaten der am Programm Erasmus+ beteiligten Institutionen. Identifikationsmerkmal jeder Einrichtung ist ein neunstelliger PIC (Programmteilnehmer-Identifikations-Code), der automatisch bei der Registrierung im Teilnehmerportal vergeben wird.

  • Ihre Einrichtung ist bereits registriert und verfügt über einen PIC? Dann prüfen Sie bitte, ob die Daten Ihrer Einrichtung sowie die hinterlegten Dokumente noch aktuell sind und aktualisieren Sie sie bei Bedarf. Die Partnereinrichtungen registrieren sich selbst. Fordern Sie deren PICs an, damit Sie sie im Antrag aufführen können.
  • Ihre Einrichtung ist  noch nicht registriert? Dann nehmen Sie die Registrierung bitte vor.

2.4. Antragsunterlagen

Folgende Dokumente und Tools benötigen Sie, um einen Mobilitätsantrag zu stellen:

Entfernungsrechner

 Entfernungsrechner (Distance Calculator): Um den zu erwartenden Zuschuss besser bestimmen zu können, steht Ihnen der Entfernungsrechner der Europäischen Kommission zur Verfügung.

Weitere Informationen, die Ihnen bei der Antragstellung helfen könnten

 Hinweise zur Antragstellung

 Tabelle Fördersätze Leitaktion 1 (KA1) 2017

 Erläuterungen zu ECVET in Mobiltätsprojekten

 Memorandum of UnderstandingECVET-Instrument, das Sie einsetzen können, um Lerneinheiten mit den Partnereinrichtungen abzustimmen

 Qualitätsstandards für Pool-Projekte: Allgemeine Informationen zu Pool-Projekten finden Sie hier.

2.5. Elektronische Antragstellung

Wenn Sie über die PICs aller beteiligten Einrichtungen verfügen, können Sie Ihren Antrag ausarbeiten.
Die Antragstellung ist nur elektronisch möglich.

  • Laden Sie das Antragsformular (eForm) (siehe 2.4 Antragsunterlagen) herunter, speichern Sie es auf Ihrem Rechner.
  • Füllen Sie das Antragsformular auf Ihrem Rechner aus. Denken Sie daran, zwischendurch zu speichern.
  • Drucken Sie die Ehrenwörtliche Erklärung aus (siehe Print-Button im Antragsformular) und lassen Sie sie von der zeichnungsberechtigen Person unterschreiben. Scannen Sie die Erklärung ein (beide Seiten!) und fügen Sie sie dem Antrag als elektronische Anlage bei.
  • Übermitteln Sie den Antrag online (mit allen Anlagen) über den entsprechenden Button im elektronischen Antragsformular.

Der Antrag wird nur bearbeitet, wenn er elektronisch eingereicht wurde.

Kalkulieren Sie ausreichend Puffer für Unwägbarkeiten in letzter Minute ein.

Falls Sie technische Schwierigkeiten bei der Übermittlung des Antrags haben, so beachten Sie bitte das alternative Einreichungsverfahren, welches auf der letzten Seite des Antrags beschrieben wird.

3. Antrag inhaltlich ausarbeiten

Im Mobilitätsantrag wird vor allem danach gefragt, welche Teilnehmenden welche Art von Lernerfahrung machen sollen, welche Einrichtungen daran beteiligt sind und wie die Phasen vor, während und nach den Lernaufenthalten in organisatorischer und inhaltlicher Sicht ausgestaltet werden.
Um Sie bei der inhaltlichen Ausarbeitung Ihres Antrags zu unterstützen, erläutern wir im Ihnen im Folgenden kurz die wesentlichen Punkte, die im Antrag abgefragt werden:

Partner: Stellen Sie Ihre Einrichtung sowie Ihre Partnerorganisation im Ausland vor und beschreiben die jeweiligen Rollen im gemeinsamen Projekt.

Relevanz: Beschreiben Sie den Lernbedarf Ihrer Teilnehmenden und auf welche Art und Weise Ihr Projekt diesem Bedarf gerecht wird.

Projektzyklus: Stellen Sie Ihren Projektplan vor und beachten Sie dabei alle Phasen vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt.

Aktivitäten und Finanzen: Erläutern Sie, wie genau der Lernaufenthalt ablaufen soll und wie das Lernen angeleitet und begleitet wird. Füllen Sie zudem das Mengengerüst (wie viele Personen über welchen Zeitraum in welche Zielländer gehen) in die Tabellen ein, um den möglichen Zuschuss zu errechnen.

Ergebnisse und Wirkung:  Schildern Sie, wie Sie nach Ende des Auslandsaufenthaltes das Ergebnis evaluieren und Projekterfolge verbreiten werden. Da Erasmus+ der Wirkung der Projekte eine wachsende Bedeutung beimisst, sind diese Schritte bereits bei Antragstellung zu bedenken.

Europäischer Entwicklungsplan:  Welche Entwicklung soll Ihr geplantes Projekt in Ihrer Einrichtung anstoßen? Nicht nur die teilnehmenden Personen profitieren von Auslandsaufenthalten. Die internationale Arbeit prägt auch die beteiligten Einrichtungen. Überlegen Sie, was sich in Ihrer Einrichtung über das beantragte Projekt hinaus entwickeln soll. In einigen Fällen werden dies erste Gedanken und Ideen zu einer strategischeren Entwicklung sein (z.B. bei neuen Antragstellerinnen und Antragstellern); Einrichtungen mit mehrjähriger Erfahrung können spezifischer beschreiben, welche nächsten Schritte in der Einrichtung geplant sind.

ECVET in Mobilitätsprojekten: Seit mehreren Jahren läuft auf europäischer Ebene ein Prozess zu einer wechselseitigen Anerkennung von Kompetenzen, die während eines Ausbildungsabschnittes im Ausland erworben wurden: European Credit System for Vocational Education and Training, abgekürzt ECVET. Projektträgerinnen und -träger, die nach ECVET-Qualitätskriterien arbeiten wollen, identifizieren und beschreiben mögliche Lernabschnitte zusammen mit der Partnereinrichtung im Dokument "Memorandum of Understanding", in der "ECVET-Lernvereinbarung" was im Ausland gelernt werden soll und wie diese erworbenen Kompetenzen erfasst und dokumentiert werden. Projektdurchführung nach ECVET-Standards ist keine Pflicht, führt aber erfahrungsgemäß zu guten Ergebnissen. Dabei können ECVET-Instrumente auch sukzessive eingeführt werden. Erfahren Sie mehr dazu in der Unterlage ECVET in Mobilitätsprojekten oder auf dem ECVET-Infoportal.

Zusammenfassung: Fassen Sie Ihr Vorhaben in deutscher und englischer Sprache so zusammen, dass Außenstehende schnell erfassen können, was in Ihrem Projekt erarbeitet werden soll. Was macht Ihr Projekt aus? Die englische Fassung wird mit Vertragsschluss automatisch in die "Erasmus+ Project Results Platform“ übertragen und veröffentlicht.

Rechtsgültige Unterschrift: Die zeichnungsberechtigte Person Ihrer Institution unterschreibt den Projektantrag in der erforderlichen Form.

4. Online-Sprachunterstützung (OLS) planen - für Aufenthalte ab 19 Tagen

Die EU unterstützt Lernende, die länger im Ausland bleiben beim Sprachlernen mit der Lernplattform Online Linguistic Support (OLS). Für das Jahr 2017 muss der Aufenthalt 19 Tage (ohne Reisetage) oder länger dauern, um diese zusätzliche Unterstützung zu erhalten.

Die Online-Sprachunterstützung umfasst zwei Funktionen:

  1. Sprachtests vor und nach dem Aufenthalt dokumentieren den Fortschritt, den Teilnehmende während des Mobilitätsprojekts beim Lernen der betreffenden Fremdsprache gemacht habe. Sprachtests sind bislang für 12 Sprachen verfügbar. Sie sind verpflichtend für alle Erasmus+ Lernenden mit längeren Aufenthalten. Die Teilnehmenden erhalten eine Auswertung auf Basis des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER): europass.cedefop.europa.eu. So wird über alle Projekte hinweg messbar, inwiefern Mobilitätsprojekte zur Verbesserung der Fremdsprachenkompetenzen beitragen.

  2. Sprachkurs: Mit einem Online-Sprachkurs können Lernende ihre Fremdsprachenkenntnisse vor und während des Aufenthaltes verbessern. Die Module des Online-Sprachkurses sind variabel und abwechslungsreich gestaltet; sie umfassen allgemeinsprachliche und fachspezifische Einheiten. Das Angebot  eignet sich zum selbständigen Lernen und wird von Jahr zu Jahr um weitere Sprachen ergänzt.

Bei der Antragstellung planen Sie, wie Sie Selbstlernphasen mit OLS in Ihr Konzept zur sprachlichen Vorbereitung der Teilnehmenden integrieren und für wie viele Teilnehmende Sie Zugänge zum Sprachtest und zum Sprachkurs beantragen.

Für Sprachen, die mit dem Online-Sprachkurs noch nicht abgedeckt sind, können Sie stattdessen 150 Euro für Lernmittel oder einen externen Sprachkurs beantragen.

Hier können Sie sich die Lernplattform schon einmal ansehen.

Weitere Infos zur Online-Sprachunterstützung

 Online Linguistic Support (OLS) -  Sprachtests und Sprachkurse bei Aufenthalten ab 19 Tagen (ohne Reisetage)

5. Auswahlverfahren und Förderkriterien

Nach der Einreichung wird Ihr Antrag zuerst nach formalen Kriterien geprüft.

Die inhaltliche Bewertung erfolgt durch geschulte Gutachterinnen und Gutachter nach drei Leitaspekten:

  • Relevanz des Projekts (30%)
  • Projektkonzeption und Umsetzung (40%)
  • Ergebnisse des Projekts und deren Verbreitung (30%)

In jedem dieser Bereiche muss eine Mindestpunktzahl (15/20/15) erreicht werden. Die Unterschreitung der Mindestpunktzahl in einem Bereich führt zur Ablehnung des Antrags. Alle Anträge werden in allen Bereichen durchbewertet, auch wenn die Mindestpunktzahl in einem Bereich unterschritten wurde.

Eine Förderentscheidung erhalten Sie Anfang Mai.

Die Richtlinien, nach denen die Anträge begutachtet werden, können Sie im Leitfaden für Gutacher/innen einsehen.

6. Auf einen Blick: Dokumente und Tools zur Antragstellung 2017

Weitere Informationen, die Ihnen bei der Antragstellung helfen könnten

 Hinweise zur Antragstellung

 Tabelle Fördersätze Leitaktion 1 (KA1) 2017

 Erläuterungen zu ECVET in Mobiltätsprojekten

 Memorandum of UnderstandingECVET-Instrument, das Sie einsetzen können, um Lerneinheiten mit den Partnereinrichtungen abzustimmen

 Qualitätsstandards für Pool-Projekte: Allgemeine Informationen zu Pool-Projekten finden Sie hier.

Entfernungsrechner

 Entfernungsrechner (Distance Calculator): Um den zu erwartenden Zuschuss besser bestimmen zu können, steht Ihnen der Entfernungsrechner der Europäischen Kommission zur Verfügung.

Erasmus+: Mobilität machen - Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung erfolgreich durchführen

Handbuch für Projektkoordinatorinnen und -koordinatoren

Medientyp: Handbuch, Format: A4, Seitenzahl: 43, Erscheinungsjahr: 2016

Das Handbuch unterstützt Projektkoordinatorinnen und -koordinatoren auf ihrem Weg von der Projektidee zum Konzept und vom Projektantrag über die Durchführung des Projekts bis zum Abschlussbericht. Schritt für Schritt führt es durch den Prozess "Mobilität machen" und stellt hierfür Merkblätter,...

Maximale Bestellmenge: 5

Video

Mehrwert durch Auslandserfahrung in der Berufsbildung

21.10.2016

Internationale Kompetenzen werden in der Arbeitswelt immer wichtiger. Am besten wäre es daher, berufliche Erfahrungen auch im Ausland zu sammeln - und dies bereits während der Ausbildung. Wie gut, dass Erasmus+ Auslandsaufenthalte nicht nur für Studierende, sondern auch für Auszubildende in der Berufsbildung fördert. Und die Antragstellung lässt sich gut bewältigen. Das Video erklärt wie's geht.

Dauer: 2:45 Minuten  |  Deutschland 2016 © NA beim BIBB 2016