Art culinaire: Austausch in die französische Welt der Gastronomie - Good Practice

Junge Gesellinnen und Gesellen aus Augsburg lernen mehr als nur Französisch

29.04.2019

Die französische Küche und Gastronomie sind weltweit anerkannt. Denkt man als Laie an französische Vokabeln, sind nicht wenige davon Delikatessen oder entstammen der Gastronomie: Aperitif, Croissant, Kuvertüre oder der Gourmet sind Beispiele. Ein europäischer Fachaustausch ins gastronomische Frankreich liegt deshalb nahe. Dieser Ansicht ist auch die Berufsschule II in Augsburg, die ihren Absolventinnen und Absolventen seit vielen Jahren die Möglichkeit bietet, eine Zusatzqualifikation in Laval in Frankreich zu erlangen.

Trouver des amis: Europaklasse schafft Kontakte

Bereits seit 1989 organisiert das Ausbildungszentrum „CFA - Centre de Formation des Apprentis“ in Laval so genannte „Europaklassen“. Hier wird Teilnehmenden aus unterschiedlichsten europäischen Ländern die Chance geboten, eine einjährige Zweitausbildung mit abschließender französischen Gesellenprüfung zu machen. 

Die Berufsschule II in Augsburg arbeitet seit vielen Jahren mit der CFA zusammen und bietet ihren fertigen Auszubildenden aus dem Gastro-Bereich die Chance, für ein Jahr nach Frankreich zu reisen und mit einem französischen Gesellenbrief heimzukehren. Die Lehrer/-innen und das Direktorat dieser Schule zeigen damit besonderes europäisches Engagement, da dieser Austausch über die eigenen schulischen Interessen hinausgeht.
 
Mithilfe des Erasmus+ Programms wird den Absolventinnen und Absolventen nicht nur die Möglichkeit geboten, internationale Vorgehensweisen sowie Rezepte, sondern auch Land und Leute kennen zu lernen. Sie erfahren, wie sich ein Fremder im Ausland fühlt und entwickeln mehr Offenheit, Flexibilität sowie Eigenständigkeit. Auch das Erlernen einer neuen wichtigen Fremdsprache ist eine sinnvolle Bereicherung. Da in der Gastronomie viel Wert auf internationale Erfahrungen gelegt wird, kann der Aufenthalt in Frankreich für die Schüler/-innen ein wichtiger Schritt für ihre Karriere sein.

„Ich habe gesehen, wie Jugendliche dank Erasmus+ die Chance bekommen haben, für ein ganzes Jahr nach Frankreich zu gehen und dort zu leben und zu arbeiten. Alle waren nervös, manche hatten schlicht auch Angst. Manche haben zum ersten Mal das Meer gesehen oder waren zum ersten Mal im Ausland. Nach diesem einen Jahr sind die Jugendlichen zum Teil zurückgekommen, zum Teil aber auch in Frankreich geblieben oder arbeiten nun irgendwo auf der Welt, aber alle sind in diesem Jahr erwachsen(er) geworden. Das hat mich tief beeindruckt.“ Markus Wagner, Organisator des Programms

Allez-y: Eine erfolgreiche Reise in die französische Gastronomie

Von 2016 bis 2018 haben jedes Jahr vier Teilnehmer/-innen aus Augsburg den Austausch genutzt. Alle hatten gerade ihre Ausbildung zum Koch/ zur Köchin, zum Konditor/ zur Konditorin oder zu Gastronomiefachleuten abgeschlossen. So konnten sie nach einem Jahr in der Europaklasse in Laval zusätzlich die Gesellenprüfung in der französischen Kammer, der Chambre de Métiers, ablegen.

Die Ausbildung in Frankreich erfolgt wie in Deutschland nach dem dualen System mit Blockunterricht, z.B. in Nahrungsmittelkunde oder Servicetheorie. Am Ende des Ausbildungsjahres erfolgte eine schriftliche und praktische Gesellenprüfung nach Vorgaben des französischen Kultusministeriums – beides in der französischen Sprache.

Apprendre, apprendre, apprendre: Gutes Lehrkonzept

Möglich wurden diese sprachlichen Entwicklungen der Teilnehmenden durch ein gutes Lehrkonzept. Es wurde darauf geachtet, dass in den Ausbildungsbetrieben französisch gesprochen wurde. Auf diese Weise wurden schnell Fachvokabeln sowie grundlegende Alltagsformulierungen erlernt. In der Berufsschule wurden zudem grammatische und schriftliche Grundlagen unterrichtet. So konnten die Teilnehmenden innerhalb eines Jahres derart gute Kennntnisse erlangen, dass die Prüfung in der neuen Fremdsprache erfolgreich gemeistert wurde. Ein enormer Erfolg! 

Neben dem fachlichen Input erlebten die Auszubildenden französische Kultur hautnah, beispielsweise in gemeinsamen Besuchen der Austernzuchten in Cancale, der Altstadt St. Malo und der Insel Mont Saint Michel. Durch diese Ausflüge, sowie die gemeinsame Unterbringung mit anderen Schüler/-innen der Europaklasse wurden viele internationale Freundschaften geschlossen. So konnten die Teilnehmenden Toleranz erlernen und erleben. Alle Beteiligten berichteten von ihrem Jahr in Frankreich begeistert und empfehlen eine Teilnahme auch den nächsten Absolventenklassen der Berufschule II in Augsburg wärmstens.