Car-2-Lab - Die digitale Fahrt der Berufsbildung - Good Practice

08.04.2019

Durch die Digitalisierung nimmt die Beschleunigung der Innovationszyklen zu. Zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum müssen die EU-Mitgliedsstaaten Lösungen finden, wie neue Technologien mit hohem Innovationsdruck erfolgreich in die Berufsbildung integriert und wie digitale Kompetenzen praxisorientiert vermittelt werden können. Auch die Automobilbranche verändert sich einschneidend. Auszubildende, Facharbeiter/-innen sowie Ingenieurinnen und Ingenieure benötigen ständig neue Kompetenzen. Hier setzt das Projekt „Car-2-Lab“ an, das exemplarisch für den Kfz-Sektor im Technologiefeld Fahrzeugkommunikation aufzeigt, wie neue digitale Technologien in der beruflichen Bildung umgesetzt werden können und wie eine eng praktizierte Kooperation der Berufsbildung mit Wissenschaft und Wirtschaft eine nachhaltige Wirkung entfaltet.

© Foto: VIOM GmbH

Am 31.01.2019 wurden die Ergebnisse der Strategischen Partnerschaft „Car-2-Lab – Ein innovatives Modell zur praxisorientierten Vermittlung digitaler Innovationen in der beruflichen Erstausbildung - am Beispiel Fahrzeugtelematik“ im BTZ- Bildungstechnologiezentrum der Handwerkskammer Berlin einem internationalen Publikum aus VertreterInnen von Stakeholdern, Bildungsträgern und Behörden präsentiert. Die Strategische Partnerschaft hat u.a. ein VET-Curriculum für eine Lerneinheit zur Fahrzeugtelematik, ein Digitales Lerntool „Telematik-Kit“ , Lerneinheiten und didaktisches Handbuch zum Telematik-Modul und ein Telematik-Modul für Studierende im Bachelor und Leitfaden zum Einsatz des Telematik-Kits im Hochschulbereich erarbeitet.

 

Digitalisierung in der Automotive Industry erfordert neue Kompetenzen

Car-2-Lab leistet einen Beitrag dazu, Zukunftsorientierung in der beruflichen Bildung in Europa zu stärken. Das Projekt zeigt beispielhaft für den Bereich digitale Anwendungen in Kraftfahrzeugen (Fahrzeugtelematik) auf, wie neue, über das traditionelle Berufsbild hinausgehende, berufliche Kompetenzen vermittelt werden können, und stellt dafür innovative Lernformen und Lernmedien bereit. Dabei kooperieren Berufsschulen mit Akteuren aus Wissenschaft, Forschung und Industrie aus vier EU-Ländern.

Im Kfz-Bereich besteht inzwischen ein erkennbarer Qualifizierungsbedarf für Telematikanwendungen. Mitarbeiter mit diesen Kompetenzen werden gesucht. Telematik im Fahrzeug (Fahrzeugkommunikation C2C und C2X) ist ein völlig neues Kompetenzfeld. Die Berufsbildung bietet bisher wenig Ansatzpunkte für ein bereichsübergreifendes Lernen, das die Verbindung von Mechanik mit IKT abdeckt. Im Hochschulbereich sind diese Inhalte erst im Master Bestandteil des Curriculums, allerdings fehlt hier die Praxis. Die Projektpartnerschaft entwickelte dafür ein innovatives Lernmodell und Lerntools zur Telematik in Kraftfahrzeugen, das fahrzeugtechnische und digitale Inhalte in Kompetenzanforderungen abbildet und dies in Lerneinheiten und Ausbildungspraxis überträgt. Auszubildende und auch Studierende können Telematikanwendungen in Kraftfahrzeugen damit praktisch üben.

Dabei werden vermeintliche fachliche Grenzen in der Kfz-Technik überwunden: die Verbindung von Mechanik und IKT. Entsprechend typischen Arbeitsabläufen in der betrieblichen Praxis bei Montage, Wartung/Fehlerdiagnostik und Reparatur von Kfz-Telematiksystemen werden Einsatzszenarien abgeleitet. Sie bilden die Themenfelder der 12 Lerneinheiten zur Telematik. Das didaktische Handbuch fasst die Lerneinheiten mit den Lern- und Arbeitsaufgaben, die Lernmaterialien und die didaktischen Anleitungen zusammen und nimmt auch das Modul-Curriculum und die technische Dokumentation des Telematik-Kits mit auf.

Das Telematik-Kit nutzt in der Wirtschaft eingesetzte Hard- & Softwarekomponenten, die didaktisch aufbereitet sind. Es besteht aus einer mobilen Box, der IT-Hintergrundtechnik (Server) und einer webbasierten Anwendung (App).

 

Stakeholder betonen hohes Nutzungspotential

„Die wachsende Vernetzung der Kraftfahrzeuge erfordert eine stete Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an die sich rasant entwickelnden Technologien. Das Projekt „Car2Lab“ ist beispielgebend für den Transfer von modernen Fahrzeugsystemen in die berufliche Aus- und Weiterbildung und dies in enger Verbindung mit Hochschulen wie hier als Beispiel die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Nur so wird das Kfz-Gewerbe auch zukünftig einen adäquaten Service für die kommenden Fahrzeuggenerationen gewährleisten können. Somit ist sichergestellt, dass diese Technologien sicher eingesetzt, gewartet und repariert werden können.“

DIETER RAU, Geschäftsführer Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin www.kfz-innung-berlin.de

 

„Dank der Beteiligung an den, durch die BGZ geführten Erasmus+ Projekten, gelingt es der Innung neue Partner nicht nur in Berlin sondern auch in Europa zu finden. Es entstehen neue Möglichkeiten, zusätzliche Kooperationen auch außerhalb der Projekte zu realisieren.“

SEBASTIAN NIEWIARA, Technischer Ausbilder

 

Car-2-Lab wirkt

Car-2-Lab hat bereits jetzt vielfältige Wirkungen entfaltet - bei den Auszubildenden selbst, bei den Lehrkräften, beim Schulmanagement, bei den Unternehmen, aber auch bei politischen Entscheidungsträgern.

  • Kompetenzzuwachs bei den Lehrkräften zur Vermittlung digitaler Inhalte und zum Umgang mit technologischen Innovationen und neuen Lernmedien im Fachunterricht,
  • eine transnational deutlich gestärkte Kooperation zwischen Berufsschule, Hochschule und Forschung sowie Unternehmen,
  • verbesserte Handlungskompetenzen bei den Auszubildenden selbst, die ihre Beschäftigungschancen steigern, und schließlich
  • gibt es vielfältige Wirkungen für die Berufsbildungspraxis - hinsichtlich der Integration neuer beruflicher Kompetenzen, die über das traditionelle Berufsbild hinausgehen und hinsichtlich neuer Lernformen und Lernmedien. Es ist gelungen, sowohl bildungspolitische Entscheidungsträger als auch Betriebe in die Projektarbeit einzubinden, die die Entwicklung begleitet haben.

Das Telematik-Lerntool inkl. Telematik-Box hat sich als ein absoluter „Schlager“ erwiesen, da bis jetzt ein vergleichbares didaktisches Lehr-und Lernmittel nicht existierte. Auch die Hochschulen wissen ihre flexiblen Nutzungsmöglichkeiten zu schätzen. Im Projekt sind sogar, anders als ursprünglich geplant, mehr Telematik-Boxen hergestellt worden.

Durch die Verbreitung bei den Multiplikatorenveranstaltungen ist das Interesse anderer Berufsschulen/Hochschulen geweckt worden. So wurden sie bereits z.B. vom OSZ für Kfz-Technik in Berlin, auch von der TU Posen sowie bei Schulungen für internationale Gäste der Kfz-Innung Berlin (Ungarn, China) eingesetzt.

„Die VIOM GmbH ist Lieferant von Optimierungssystemen für die Transportlogistik und benötigt dafür kompetente Partner zur Installation von Telematik-Ausrüstungen von Fahrzeugen und Maschinen. Deshalb sind unsere Kunden und wir auf die Zusammenarbeit mit den Werkstätten angewiesen. Es liegt uns daher besonders am Herzen, dass die Digitalisierung der Fahrzeugtechnik mit allen Aspekten von Funktion und Einbau bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Auswirkungen in der beruflichen Bildung ankommt. Mit unserem Engagement im internationalen Projekt „Car-2-Lab“ wollen wir die Übermittlung von praxisoriertiertem und technisch aktuellem Knowhow ermöglichen.“

RALF LIPINSKI, Geschäftsführer VIOM GmbH

 

Fazit

Die neuen praxisbezogene Lernangebote und die partizipativen Lernformen (Einbeziehung von Azubis und Studenten, die an den Arbeitsgruppen beteiligt waren) steigerten die Attraktivität des Kompetenzerwerbs und erleichtern den Lehrkräften die Kompetenzvermittlung. Die Einbindung von digitalen Inhalten wie Telematik in der Berufsbildung stärkt die Beschäftigungsfähigkeit der Auszubildenden und hilft gleichzeitig den Unternehmen, ihren Bedarf an Fachkräften mit derartigen Kompetenzen zu decken. Die Kooperation zwischen beruflicher Bildung und dem Hochschulbereich und das gemeinsame Erarbeiten innovativer Inhalte fördert die positive Wahrnehmung untereinander und unterstreicht gleichermaßen die Bedeutung beider Ausbildungszweige.

„Die BGZ beschäftigt sich seit Jahren mit Projekten, die exemplarisch aufzeigen, wie neue Technologien in die berufliche Bildung integriert werden können. Unsere Projekte sind durch aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft, Bildung und Politik geprägt und orientieren sich an den Bedarfen der Berliner Betriebe. Dabei ist die Digitalisierung ein sehr wichtiges Thema. So wurde im „Car-2-Lab“ in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern das digitale Lerntool „Telematik-Kit“ entwickelt, um Lernende mit der Funktionsweise und Leistungsfähigkeit von Telematiksystemen vertraut zu machen. Ein wichtiges Merkmal des Projekts ist eine besonders enge Kooperation der Berufsbildung mit Wissenschaft und Wirtschaft gewesen.“

Dr. HILDE HANSEN, Geschäftsführerin BGZ Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit mbH

 


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