Das Hamburger Modell - Good Practice

Berufsqualifizierung für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf

10.05.2017

Die berufliche Ausbildung hat stark an Attraktivität eingebüßt. Insbesondere in den neuen EU-Ländern (z. B. Polen, Litauen, Lettland) mit vorwiegend schulischer Berufsausbildung ist die Beteiligung auf ein sehr niedriges Niveau gesunken. Berufsausbildung wird von vielen Jugendlichen als Sackgasse empfunden. Gleichzeitig wächst in den meisten Ländern der Ostseeregion der Fachkräftemangel bei hoher Jugendarbeitslosigkeit.

Diesem Problem hat sich ein Projekt unter Koordination des Hanse-Parlaments gestellt. Ziel des Projekts: Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf und dem Risiko, von der Schule direkt in der Arbeitslosigkeit zu münden, den Berufseinstieg zu ermöglichen und gleichzeitig dem Fachkräftemangel in den beteiligten Ländern durch die Implementierung von Elementen der dualen Berufsausbildung entgegenzuwirken.

Einstieg in die Berufsausbildung

Das Hamburger Modell „Einjährige Berufsqualifizierung“ hat seine Grundlage im dualen System der beruflichen Bildung. Es wurde für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf entwickelt, die nicht sofort einen Platz in der beruflichen Ausbildung finden. Im Rahmen dieser Berufsqualifizierung erhalten die Jugendlichen in schulischen und betrieblichen Lernphasen eine intensive Beratung, lernen Unternehmen und Berufe kennen, entscheiden sich für einen Ausbildungsberuf und erhalten möglichst einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Diese „Einstiegsphase“ in die berufliche Ausbildung dauert maximal ein Jahr, danach setzen die Jugendlichen die reguläre Ausbildung in dem gewählten Beruf fort. Dieses erste Jahr kann dann gegebenenfalls auf die gesamte Ausbildungszeit angerechnet werden.

Dieses ursprünglich für Hamburg konzipierte Modell wurde an die länderspezifischen Bedingungen von Litauen und Ungarn – zwei Ländern mit vorwiegend schulischer Berufsausbildung – angepasst und in dortigen Einrichtungen implementiert. Dabei hat eine Berufsschule in Budapest das Konzept für die Berufe Maurer und Fliesenleger, Maler/Dekorateur sowie Trockenbauer und eine Berufsschule in Vilnius für den Beruf Fachkraft für Gebäudeisolierung angewandt. An beiden Standorten basiert die Umsetzung auf einer engen Zusammenarbeit mit Unternehmen vor Ort.

Damit bot das Projekt in diesen Ländern die Möglichkeit, zum einen Elemente der dualen Ausbildung in ihre Systeme einzubinden und zum anderen Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf die Chance auf eine berufliche Perspektive zu eröffnen.


Weitere Informationen

Zum Weiterlesen: Handbuch von Elina Priedulena, Hanse-Parlament: “The Hamburg Model – exemplary integration of youth into vocational education”, 2015. (pdf; 2,1 MB)

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