HCEU - HealthCareEurope - Good Practice

03.07.2018

Das Gesundheitswesen in ganz Europa spürt den Druck durch Fachkräftemangel mehr als deutlich. Um diese Herausforderung zu überwinden, ist die Mobilität von Fachkräften unabdingbar und Anerkennungen von Qualifikationen über europäische Grenzen hinweg notwendig. Allerdings gestalten sich gerade Anerkennungsverfahren oft als sehr aufwendig und können somit die Mobilität von Fachkräften behindern.

Die Strategische Partnerschaft „HCEU - HealthCareEurope“ nimmt sich dieser Herausforderung an und zeigt Möglichkeiten der Vergleichbarkeit der Qualifikationen innerhalb Europas auf.

Grenzüberschreitende Mobilität von Pflegefachkräften erleichtern und fördern

© Foto: DEKRA Akademie GmbH

Unter Leitung des Projektkoordinators DEKRA Akademie entwickeln die Partner in der dreijährigen Projektlaufzeit Werkzeuge und Methoden, um Vergleichbarkeiten zwischen beruflichen Abschlüssen im Bereich der ‚Professionellen Pflege‘ auf europäischer Ebene herzustellen und somit Anerkennungsverfahren zu erleichtern. Hierzu wurde eine Kompetenzmatrix entwickelt, die sowohl formale Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden, als auch die Resultate von nicht-formalem und informellem Lernen wie z.B. durch praktische Arbeitserfahrung abbildet.

HCEU orientiert sich dabei an einer Methode, die berufliche, intendierte Tätigkeiten in Arbeitsprozesse gliedert und innerhalb dieser Bereiche verschiedene Kompetenzentwicklungsschritte definiert. Unter Verwendung der EQR-Deskriptoren wurden auf einer weiteren Ebene Lernergebnisse (Learning Outcomes) für die Kompetenzentwicklungsschritte formuliert, die u.a. auf Basis verschiedener Curricula der Länder des Projektkonsortiums und darüber hinaus herausgearbeitet wurden.

Die Projektergebnisse können Fachkräfte in ihrer Mobilität innerhalb Europas unterstützen, Anerkennungsverfahren beschleunigen und tragen somit dazu bei, das Ungleichgewicht und den Fachkräftemangel innerhalb Europas zu verringern.

Die Vergleichbarkeit der Abschlüsse macht deutlich, dass und welche Unterschiede zwischen beruflichen Abschlüssen in den Partnerländern vorliegen und welche Kenntnisse, Fertigkeiten und/oder Kompetenzen ‚überschüssig‘ oder ‚fehlend‘ sind. Dargestellt wird dies in einer innovativen 3-D-Darstellung. Dank dieses intuitiv verständlichen Kubus ist es möglich, sowohl die Ähnlichkeit der Berufsinhalte wie auch die der Qualifizierungen abzubilden und den sich aus Migration von Pflegefachkräften ergebenden Schulungsbedarf abzuleiten.

 

Stakeholder betonen hohes Nutzungspotenzial

Am 27.06.2018 haben die fünf Projektpartner das Projekt „HCEU“ und dessen Ergebnisse in Dresden einem internationalem Publikum aus Repräsentanten von Arbeitgebern, Bildungsträgern und Behörden präsentiert. Dietmar Metzger von der DEKRA Akademie stellte dem interessierten Publikum die 3-D-Matrix in Form eines Kubus vor und betonte das vielfältige Nutzungspotenzial. Anhand dieser Matrix lassen sich neben anderem insbesondere auch Lücken zwischen den einzelnen Länderprofilen innerhalb der Qualifikationen aufzeigen.

Frau Naase, Ministerialdirektorin beim Bundesministerium für Gesundheit, zeigte sich sehr interessiert an den Projektergebnissen und brachte in ihrem Vortrag zum Ausdruck, wie sehr man sich um Lösungen und Unterstützung für die Pflege bemühe. So soll die Einwanderung nach Deutschland vereinfacht und bürokratische Hürden abgebaut werden.

Auch Frau Mann vom Regierungspräsidium Stuttgart (Anerkennungsstelle) würdigte die Projektergebnisse:

„Wenn diese Ergebnisse anwendbar sind, können sie uns helfen, die Bearbeitung zu beschleunigen."

© Foto: DEKRA Akademie GmbH

Die Rückmeldungen aus dem Publikum waren durchweg positiv. Dabei fand besonders die politische Diskussion großen Anklang, die im Rahmen eines Panels moderiert durch Jürgen Zurheide vom WDR stattfand. Personen aus Politik und Wirtschaft, aber auch der Arbeitgeberverband Pflege, vertreten durch Isabell Halletz, gaben sich hier einen spannenden Schlagabtausch, rund um Fachkräftemangel und dessen politische, wie auch gesellschaftliche Dimension.

Nachhaltige Nutzung der Ergebnisse nach Projektende

Die entwickelte Kompetenzmatrix steht bereits jetzt in ihrer 2-D-Version inklusive der Lernergebnisse auf die Webseite des Projekts zur Verfügung. Weitere Ergebnisse wie die 3D-Version der Matrix, Handreichungen z.B. zum Validierungsprozess der HCEU–Matrix für weitere Länder und zur Erstellung von Organisationsprofilen sowie der Forschungsbericht zum Projekthintergrund werden in Kürze ebenfalls unter www.project-hceu.eu online abrufbar und nutzbar sein.