STAII VIT - Empowerment und Inklusion durch Sport europaweit - Good Practice

28.08.2018

Menschen mit Sehbeeinträchtigungen machen in ihrem Alltag immer wieder die Erfahrung, dass ihre Leistungsfähigkeit aufgrund geringerer physischer Autonomie und Mobilität niedriger bewertet oder falsch eingeschätzt wird. Diese Bedenken dominieren häufig über die fachlichen Qualifikationen der Personen. An dieser Stelle setzte die Strategische Partnerschaft „STAII VIT“ an. Es machte ein Sportkonzept für verbesserte Beschäftigungschancen und mehr Lebensqualität für Menschen mit Sehschädigungen europaweit anwendbar.

© BFW Düren

Es transferierte ein bereits erprobtes Schulungskonzept für Sportlehrer und Trainer an beruflichen Rehabilitationseinrichtungen in andere europäische Länder. Dieses vom FIBS (Forschungsinstitut für Bewegung und Sport) in Zusammenarbeit mit dem BFW Düren 2014 abgeschlossene Projekt „Förderung der beruflichen Rehabilitation und der Beschäftigungsfähigkeit von Menschen mit Sehschädigungen durch regelmäßiges Sporttreiben“ bildet die Grundlage für das EU-Projekt STAII VIT. Es zielt darauf ab, die Rehabilitanden zu sportlicher Aktivität zu motivieren.

Im Rahmen des Projekts wurden die Sportangebote in die berufliche Rehabilitation integriert. Die bereits entwickelten Curricula wurden übersetzt und auf das jeweilige Land und die Sportangebote der beteiligten Berufsbildungseinrichtungen angepasst: Schwimmen in Rumänien, Goalball in Italien sowie Fitness in Bulgarien. Das Sportkonzept war vor allem darauf ausgerichtet, die Teilnehmenden auch außerhalb des Sportangebots in den Rehabilitationseinrichtungen zu motivieren, aktiv zu sein und diese Aktivitäten im Alltag - zum Beispiel in einem Sportverein - zu verstetigen.

Insgesamt wurden 33 TrainerInnen in den beteiligten Ländern Italien, Rumänien, Ungarn und Deutschland ausgebildet, um entsprechend dem Sportkonzept zu unterrichten. Das Trainingskonzept vermittelte neben den wissenschaftlichen Grundlagen, wie z.B. dem Konzept der Handlungsfähigkeit und dem Peer-Teaching, die verschiedenen Arten von Sportdisziplinen für Menschen mit Sehschädigungen, wie z.B. Pezzivolleyball oder Blindenfußball. Dazu gehörten ebenso die Regeln und Übungen für die Anwendung in der Praxis. Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei diesem Konzept darin, dass es die Rolle der Teilnehmenden verändert. Sie verlassen die Komfortzone des reinen „Konsumenten“ und übernehmen auch aktivere Rollen, wie z.B. eine Schiedsrichtertätigkeit oder Peer-Teaching im Rahmen des Sportangebots.

Erfolgreiche Erprobung des Konzepts in der Praxis, die Wirkung zeigt

Die ausgebildeten Trainerinnen und Trainer unterrichteten Menschen mit Sehschädigungen während eines Jahres. Im Anschluss berichtete die rumänische Trainerin Emese Maniu:

„Durch die Teilnahme am Projekt sind meine Teilnehmer selbstbewusster geworden, und es fällt ihnen leichter, Herausforderungen anzunehmen. Sie sind kommunikativer und offener gegenüber anderen Menschen und unbekannten Situationen geworden.“

Die Wirksamkeit des Konzepts spiegelt sich auch in den Projektergebnissen insgesamt wider. So erhöhte sich die körperliche Aktivität der Teilnehmenden sowie ihre Lebensqualität in mehreren Bereichen. Besonders hervorzuheben ist hier die Verbesserung der sozialen Lebensrealität der Teilnehmenden sowie die Erhöhung ihrer Selbstwirksamkeitserwartung. Darunter versteht man die Erwartung, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können. Auch einige der “frisch” ausgebildeten Trainer/-innen waren sichtlich von den guten Ergebnissen überrascht. So stellten sie fest, dass auch mit Sehbehinderten ein sicheres Training möglich sei. Damit können in Zukunft die sehbehinderten Teilnehmenden auch in Trainingsaktivitäten mit Sehenden involviert werden.

 


Weitere Informationen