Professionalisierung des Strohbaus in Europa - Good Practice

Das Baumaterial „Strohballen“ für den Hausbau überzeugt durch seine sehr guten ökologischen Eigenschaften. Es in Verbindung mit anderen Baumaterialien und unter Einhaltung der Bauvorschriften richtig zu verwenden, muss erlernt werden. Die Strategische Partnerschaft „Building Careers on Straw Recognition of the Professional Qualification“ (StrawBuildPro) hat eine europaweit abgestimmte und auf Lernergebnissen basierte Qualifizierung im Strohballenbau entwickelt.

Mit Strohballen gebaute Häuser sind sehr ökologisch. Stroh ist ein regional und schnell nachwachsender Rohstoff und - wie Holz - CO2-neutral. Zudem muss für die Herstellung der Ballen sehr wenig Energie aufgewendet werden. Am Ende ihrer Lebenszeit sind die Strohballen vollständig abbaubar. Das ist auch möglich, da sie ohne chemische Zusätze verbaut werden. Die typische Kombination im Strohballenbau mit Holz, Lehm- und Kalkputz sorgt außerdem, insbesondere durch die Feuchte regulierende Wirkung des Lehms, für ein gesundes und angenehmes Raumklima. Somit stellt Stroh eine gute ökologische Alternative für den Hausbau dar, für die jedoch eine gewisse Expertise notwendig ist und Weiterbildungsmaßnahmen erfordert.

Anerkennung der Lernergebnisse

Im Projekt StrawBuildPro erarbeiteten vier Partner aus Deutschland, Frankreich, Österreich und Slowenien unter der Koordination der Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung e.V. gemeinsam ein „Memorandum of Understanding“ (MoU). Dies regelt die gegenseitige Anerkennung von bestätigten Trainingsergebnissen anderer Partner. Es basiert auf der Beschreibung der Lernergebnisse mit Niveaus, Testmethoden und Kriterien alle basierend auf dem ECVET-System. Die Idee dahinter: die formelle berufliche Anerkennung von Strohbau in den eurpäischen Ausbildungssystemen.

Learning by Doing

Zehn Trainingseinheiten

Die Grundlage für eine europaweit abgestimmte und auf Lernergebnissen basierte Qualifizierung im Strohballenbau wurde bereits im Projekt „STEP - Strawbalebuilding Training for European Professionals“ im Rahmen des Erasmus+-Vorgängerprogramms Leonardo da Vinci gelegt. So wurde neben einer Sammlung von sechs Best-Practice-Techniken ein Ausbildungsprogramm mit zehn Lernergebnis-orientierten Trainingseinheiten erstellt. Die daraus entstandene Qualifikation zur „Fachkraft im Strohballenbau“ folgt dabei dem europäischen Leistungspunktesystem ECVET.

Indikatoren

Der nächste Schritt bestand darin, für dieses Ausbildungsprogramm ein europaweit kompatibles Prüfungs- und Anerkennungssystem zu entwickeln. Mit diesem Ziel entstanden im Rahmen des Projekts „StrawBuildPro“ modular aufgebaute Qualifikationsbausteine, die ebenfalls auf dem ECVET-System basieren. Dazu wurden für die entwickelten Lernergebniseinheiten des Vorgängerprojekts „STEP“ Indikatoren bestimmt und beschrieben sowie Prüfungsaufgaben festgelegt, mit denen die jeweiligen Lernergebnisse einheitlich überprüft werden können.

Trainingszentrum

Anerkennung der „Fachkraft im Strohballenbau“

Die Ergebnisse des Projekts dienen als Basis für eine gegenseitige Anerkennung des Trainings zur „Fachkraft für Strohballenbau“ innerhalb Europas. „Strohbauer/-in“ ist dabei ein Berufsbild in Entstehung, das für Handwerker/-innen verschiedener Gewerke eine Zusatzqualifikation, für Quereinsteiger/-innen aber auch die Möglichkeit einer Existenzgründung bietet. Bereits jetzt werden in verschiedenen europäischen Ländern mithilfe des entwickelten Ausbildungsprogramms Seminare und umfassende Weiterbildungen im Bereich des Strohbaus angeboten. Einer der größten Erfolge des Projekts: die Aussicht auf die Anerkennung der Ausbildung als „Fachkraft Strohballenbau“ durch die deutsche Handwerkskammer.

Weitere Informationen

Bilder im Text: © Dittmar Hecken