Europäische Bildungsarbeit als Reaktion auf bildungspolitische Herausforderungen - Good Practice

30.06.2015

Meike Nandico, Sprachendozentin an verschiedenen Bildungseinrichtungen für Erwachsenenbildung in Berlin, war während ihrer zehnmonatigen Grundtvig Assistenz in einer Bildungseinrichtung in Palermo (Italien) tätig. Durch die konkrete Arbeit mit (Boots-)Flüchtlingen aus aller Welt konnte sie viele hilfreiche Anregungen mit nachhause nehmen.

Sprache ist ein Grundbaustein, um sich als Flüchtling im Aufnahmeland zurechtzufinden. Sizilien ist eine der Inseln im Mittelmeer, die regelmäßig von Bootsflüchtlingen aus Afrika und Asien angesteuert werden. Viele dieser Flüchtlinge bleiben zunächst auf Sizilien, ein Teil wird in andere Länder Europas geleitet. Meike Nandico war während ihrer Grundtvig Assistenz 38 Wochen bei einer Bildungseinrichtung in Palermo, mitten in einer Krisenregion, und hat sich von dem Enthusiasmus der Kolleginnen und Kollegen inspirieren lassen.

"Ich habe während meiner Tätigkeit in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt in den letzten 20 Jahren die Herausforderungen an die Bildungspolitik in Deutschland stetig wachsen sehen und diese gestiegenen Anforderungen auch selbst verspürt."

Aus dieser Erfahrung leitete sich ihr Wunsch ab, in einen Austausch mit Anbietern in einer Krisenregion wie Palermo zu kommen, insbesondere um Sprachförderungsangebote u.a. für benachteiligte Bevölkerungsgruppen kennenzulernen. Meike Nandicos Ziel war, neue methodische Ansätze kennenzulernen und darüber hinaus die italienische Sprache und das landeskundliche Wissen so zu vertiefen, dass sie zukünftig neben Deutsch als Fremdsprache und Englisch auch neue Angebote für entsprechende Zielgruppen konzipieren kann.

Das Internationale Zentrum für die Förderung von Bildung und Entwicklung in Palermo (CEIPES) arbeitet mit Flüchtlingen und anderen Randgruppen. Die dortigen Lehrkräfte agieren projektorientiert und setzen unterschiedliche Methoden ein, um der Diversität der Zielgruppe gerecht zu werden. Einmal pro Woche findet der Unterricht nicht im Klassenraum statt, und es wird beispielsweise gemeinsam gekocht. Dabei steht die Kommunikation im Mittelpunkt. In einem anderen Projekt wurde theaterpädagogisch mit der Zielgruppe gearbeitet, wobei der Umgang mit der italienischen Sprache und die Probleme verschiedener Herkünfte zentrales Thema war. Die italienische Tradition, sich am frühen Abend zu einem Glas Wein inklusive Snack zu treffen, wurde als Inspiration für das Konversationsangebot "Let‘s have aperitivo and talk together" genutzt.

Während der Assistenzzeit sind auch mehrere Kursangebote für Bildungspersonal entstanden. In Kooperation mit der französischen Grundtvig Assistentin entwickelte Meike Nandico einen Englischkurs auf der Niveaustufe B1, der sich an Beschäftigte in der kulturellen Bildung richtet, die sich in der europäischen Zusammenarbeit engagieren möchten sowie einen Französischkurs, der Sprachvermittlung mit der Geschichte des französischen Chansons verknüpfte. Bei der Konzeption dieser Kurse flossen die neuen methodischen Erfahrungen und projektorientierte Ansätze bereits ein. Der Aufenthalt in Palermo ermöglichte auf vielfältige Weise, Lehr- und Lernangebote miteinander zu verknüpfen und eine Zusammenarbeit in einem interkulturellen Zusammenhang herbeizuführen.


Weitere Informationen

 Quelle: Jahresbericht 2014, Mai 2015