Kommunikation über Tablets bietet Chancen für Menschen mit Behinderungen - Good Practice

Inklusives Lernen

02.10.2015

Wie können digitale Medien Menschen mit Behinderung zu mehr Teilhabe an den Angeboten unserer Gesellschaft und zu mehr Eigenständigkeit verhelfen? Zu diesem Thema fand 2013 in Graz (Österreich) im Vorgängerprogramm von Erasmus+ eine Mobilitätsmaßnahme statt, um Menschen mit Lernschwierigkeiten für die Nutzung von iPads und Tablets zu sensibilisieren.

Die gezielte Nutzung neuer Medien ermöglicht es Menschen mit Behinderung, sich eigenständiger und effektiver Bildungsinhalte anzueignen und aktiver am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Der Kurs in Österreich gab einen ersten Einblick, wie die Nutzung von Tablets Menschen mit Behinderung zu mehr Partizipation verhelfen kann. Besonders wirksam war der Ansatz, betroffene Lernende exemplarisch in dem Kurs zu Wort kommen zu lassen. Aus ihrer persönlichen Betroffenheit konnten sie zu den dargestellten Methoden unmittelbar Stellung nehmen. Dr. Allmuth Bober, Koordinatorin für unterstützte Kommunikation in der Stiftung Scheuern, kann als Teilnehmerin zu den vermittelten Lerninhalten nur positiv berichten. "Die pädagogischen Ansätze waren ausgezeichnet und ich werde sicherlich einiges davon in die zukünftigen Unterrichtsstrukturen einfließen lassen können."

Der Kurs wurde durch Dozenten aus Finnland, Österreich und dem Vereinigten Königreich fachlich geleitet, die jeweils einen Schwerpunkt im multimedialen, technischen und pädagogischen Bereich hatten. Die besondere Stärke dieses Kurses lag im Wechsel zwischen theoretischen Anteilen und dem praktischen Erproben. Gezeigt wurde beispielsweise, wie blinde Menschen Tablets zur Informationsrecherche oder zur elektronischen Kommunikation nutzen können. Ein weiterer Schwerpunkt war der Einsatz von Tablets bei Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen, beispielsweise zur Diagnostik des Symbolverständnisses oderzur Unterstützung des fundamentalen Verständnisses darüber, wie Kommunikation funktioniert.

Insgesamt waren Teilnehmende aus neun europäischen Ländern vertreten, so dass auch die unterschiedlichen Praktiken und Herangehensweisen in den verschiedenen Ländern thematisiert wurden und Anlässe zur Diskussion und zum Austausch boten.

Dauerhaftes Angebot

Die Stiftung Scheuern hat inzwischen über 20 Tablets für ihre Arbeit angeschafft, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Kommunikation und zur Weiterbildung sowie auch zur Unterhaltung genutzt werden. Analog der bereits bestehenden "Talkerrunde" (Treffen von Menschen, die mit Sprachausgabegeräten kommunizieren) wird voraussichtlich ein entsprechendes Angebot für Menschen, die über Tablets kommunizieren, eingerichtet werden. Darüber hinaus sind die Materialien des Kurses für die Teilnehmenden nach dem Kurs weiterhin zugänglich, so dass auf dieser Basis eigene Fortbildungsangebote entstanden sind, die zu Weiterbildungszwecken von Bildungspersonal in der Stiftung und darüber hinaus eingesetzt werden. Der Kontakt zu den anderen europäischen Teilnehmenden wird über ein geschlossenes Forum aufrechterhalten.

(Erstveröffentlichung des Beitrags im Journal 2014 von Mai 2015)