Mitarbeiterentwicklung international - Mit Erasmus+ interkulturelle Kompetenzen fördern

Lernangebote guter Qualität im Bereich der Erwachsenenbildung setzt kompetentes Bildungspersonal voraus. Dies weiß auch die VHS der Stadt Selb und setzt daher auf die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor dem Hintergrund, dass die Zusammensetzung der Teilnehmenden an VHS-Angeboten zunehmend internationaler wird, sind interkulturelle Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders stark gefragt. Mit ihrem Erasmus+-Projekt "VHS goes Europe" stellt sich die VHS der Stadt Selb dieser Herausforderung.

© Foto: VHS Selb

Das EU-Recht für die Bürgerinnen und Bürger, in einem anderen europäischen Staat zu wohnen und zu arbeiten sowie die Immigration geflüchteter Menschen, hat Auswirkungen auf die Gestaltung von Bildungsangeboten. Die Zusammensetzung der an VHS-Kursen teilnehmenden Lerngruppen wird auch in der Erwachsenenbildung internationaler und vielfältiger. Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund, aus unterschiedlichen Kulturen und sehr unterschiedlichen Sprachkenntnissen nehmen die Angebote der VHS wahr. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind daher auf allen Ebenen gefordert, ihre interkulturellen Kompetenzen zu entwickeln und sich die notwendigen Sprachkenntnisse anzueignen, um Beratung, Unterstützung und Schulung der Teilnehmenden in gleichbleibender Qualität sicherzustellen.

Für die Lehrkräfte stellen Lernende mit unterschiedlichem kulturellen Background eine Herausforderung dar. Sie müssen ihre Unterrichtskonzepte anpassen, Lehrmethoden modifizieren und Lehrmittel ergänzen. Durch die Heterogenität der Teilnehmenden auch hinsichtlich ihrer Vorkenntnisse und Kompetenzen, ihres Bildungsstandes und ihrer finanziellen Ausstattung erfordert die Betreuung von Teilnehmenden zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Besonders gefordert sind Lehrkräfte, die Voll- und Teilzeitmaßnahmen zur gesellschaftlichen und beruflichen Integration sowie für verschieden benachteiligte Zielgruppe anbieten. Aus dieser Gesamtkonstellation ergeben sich die Weiterbildungsbedarfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Mit Erasmus+ fit werden für internationale Lerngruppen

Das Erasmus+ Projekt „VHS goes Europe“ hat diese Bedarfe aufgegriffen. Ziel des Projekts war es, die bisher vorwiegend national ausgerichteten Weiterbildungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ein internationales Niveau zu heben. Im Fokus stand die Entwicklung der interkulturellen Kompetenzen mittels verschiedener Fortbildungsmaßnahmen. Die Teilnehmenden lernten, Situationen neu zu bewerten; sie wurden befähigt, einen Perspektivwechsel vorzunehmen und sich in die Lage der Lernenden zu versetzen.

Wegen der im Projektzeitraum starken Nachfrage nach Sprach- und Integrationskursen für Geflüchtete, war ein Kompetenzgewinn für einen kultursensiblen Umgang mit Teilnehmenden notwendig. Zu den Aufgaben der Leitung und der Fachbereichsleitung gehört es, Projekte nach europäischen Qualitätsstandards durchzuführen. Angesichts der aktuellen Situation erfordert dies vor allem auch einen professionellen Umgang mit Vorurteilen und evtl. auftretenden rassistischen Tendenzen. Das dafür ausgewählte Seminar sensibilisierte die Leitungsebene wie auch pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Anzeichen von Rassismus und kultureller Diskriminierung und vermittelte Handlungsstrategien im Umgang damit.

Welche Wirkung hatte das Erasmus+ Projekt?

Nach der Weiterbildung war ausnahmslos eine Steigerung der Empathie feststellbar und eine größere Bereitschaft, sich auf die individuellen Probleme des und der Einzelnen einzulassen. Dies führte dazu, dass im Vergleich zum  Vorjahr deutlich bessere Eingliederungserfolge in den Arbeitsmarkt der Lernenden festzustellen waren. Ein besonderer Erfolg, der über die Erwartungen hinausging, ist dass sich alle beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagiert an die Arbeit machten, neue Lernangebote für Menschen mit Fluchthintergrund zu entwickeln. Auch die Bereitschaft, dafür notwendigen Schulungen zu absolvieren und erweiterte Aufgabenstellungen zu bedienen, war sehr groß.

Die Volkshochschule der Stadt Selb wird zunehmend als kompetente Bildungspartnerin wahrgenommen, nicht  nur für die Arbeit mit Geflüchteten. Insbesondere die Zusammenarbeit mit regional ansässigen Unternehmen konnte auf weitere Betriebe ausgeweitet werden. Dieser Erfolg beruht auf Empfehlungen von Firmen, die bereits vor dem Erasmus+ Projekt mit der Volkshochschule kooperiert haben und deutliche Qualitätsverbesserungen feststellen konnten. Auch die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit konnte ausgebaut werden: Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen setzten beide Einrichtungen vermehrt auf die qualitativ hohen Angebote der Volkshochschule. Diese Entwicklung ist vor allem auch den sozialpädagogischen Betreuungskräften zu verdanken, die es geschafft haben, nach der Weiterbildung einen verbesserten Kontakt zu Teilnehmenden herzustellen, sie zu motivieren und zur aktiven Teilhabe am Kurs zu bewegen.

Weitere Verbreitung passend zum Projektziel

Die Volkshochschule Selb ist eine kommunale Einrichtung, die zu Projektbeginn als städtische Volkshochschule für die Stadt Selb zuständig war. 2016  wurde der Auftrag zur Erwachsenenbildung vom Landkreis ganz auf die Volkshochschule Selb übertragen. Damit ist die Volkshochschule Selb mit allen Angeboten landkreisweit vertreten. Im Projekt beteiligte Dozentinnen und Dozenten werden dementsprechend auch landkreisweit eingesetzt, so dass sich die Volkshochschule auch hier langfristig Auswirkungen des Erasmus+-Projekts erhofft.

Auf nationaler Ebene engagiert sich die Volkshochschule Selb in unterschiedlichen Projekten. So werden z.B. regelmäßig Angebote im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus organisiert, auch finden Angebote im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ in Kooperation mit der Volkshochschule statt. Diese Projekte haben einen direkten Bezug zum Erasmus+Projektziel. Teilnehmende an Projektaktivitäten sind in beide Programme eingebunden und tragen dazu bei, dass der Wissenszuwachs auch überregional Verbreitung findet.

"[Die Fortbildung] war hervorragend: sie motiviert, liefert neues Know-how und trägt zur Vernetzung der europäischen Teilnehmerschaft bei. Ich kann diese Forbildung allen Menschen im Bildungsbereich empfehlen.“

(Teilnehmerin über den Workshop "Sensation training with reference to migration, racism, disrimination, culture and diversity with strategies for teaching these issues to diverse age groups" in Island)

Weitere Informationen

 Lesen Sie in unserer Story "Wärmende Ideen für das Miteinander in Europa",  wie die Dozentinnen und Dozenten der VHS Selb erfahren haben, wie Inklusion nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt wird.

 Projektergebnisse auf der Erasmus+ Project Results Platform