Bedarfsgerechte Bildung für Arbeitsmigrantinnen und -migranten - Aus der laufenden Projektarbeit

Die prekäre Situation von Arbeitsmigranten und -migrantinnen in der EU ist wegen der Covid-19-Pandemie erneut zum Thema geworden. Masseninfektionen in Schlachthäusern und der Tod eines rumänischen Arbeitsmigranten in Deutschland haben die Diskussionen über Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und überfüllte, unhygienische Unterbringung erneut entfacht. Während diese Umstände in der Coronavirus-Pandemie besonders schwerwiegend sind, sind sie doch nicht neu. Die Gründe für die prekäre Situation vieler Arbeitsmigrantinnen und -migranten sind vielfältig. Ökonomische Ungleichheit zwischen Herkunfts- und Aufenthaltsland, mangelnde Arbeitsplatzkontrollen, aber auch soziale Isolation und fehlende Kenntnisse über das Zielland machen ihnen das Leben schwer. Genau hier setzt das ErasmusPlus-Projekt NAMED an.

Projektlogo NAMED
©NAMED

NAMED steht für „Narratives of Working Migration as Tools for the Assessment of Education Demands”. Im Rahmen dieser Strategischen Partnerschaft haben die Katholische Erwachsenenbildung im Lande Niedersachsen e. V., die Stiftung für Europäische Studien (FEPS) und Asociatia Institutio Pro Educationem Transilvaniensis eine Studie erstellt, die die Bildungsbedarfe von Arbeitsmigrantinnen und -migranten durch die Analyse biographisch-narrativer Interviews erhebt. Die Ergebnisse der Analyse wurden in einer Open-Access-Studie veröffentlicht.

 

Arbeitsmigration und Bildung

Bildungsbedarfe von Arbeitsmigrantinnen und -migranten bestehen nicht nur hinsichtlich der Sprache der jeweiligen Zielländer, sondern umfassen zum Beispiel auch Aspekte des Arbeitsrechts, der Sozialpolitik sowie der Bildungsberatung und der allgemeinen Orientierung im Zielland. Vor allem mangelnde Sprachkenntnisse und mangelnde Kenntnisse ihrer Rechte wurden von den interviewten Personen als Probleme betrachtet, die halbseidene Unternehmer gerne ausnutzen würden.

Auch was Bildungsformen angeht, haben Arbeitsmigranten und -migrantinnen besondere Bedarfe. Die zeitlichen und finanziellen Einschränkungen und der teilweise räumlich erschwerte Zugang zu Bildungseinrichtungen, erfordern, dass Bildungsanbieter anders planen, um sie zu erreichen. Neben einer bedarfsgerechten Terminplanung und -Ausgestaltung könnte hier auch der Einsatz elektronischer Lernressourcen weiterhelfen. So erwähnen diverse Interviewpartner/-innen den positiven Effekt informellen Lernens durch Fernseh- oder Radiosendungen und die Nutzung von Übersetzungsdiensten und Apps.

Die Bildungsbedarfe von Arbeitsmigranten und -migrantinnen und die Möglichkeiten, Bildung in Anspruch zu nehmen, werden durch eine Vielzahl von Faktoren geprägt, die von der individuellen Persönlichkeit bis zu den politischen Systemen der Herkunfts- und Zielländer reicht. Die Familien von Arbeitsmigrantinnen und -migranten, ihr Arbeitsplatz und die Art ihrer Migration spielen ebenfalls eine Rolle. Grundsätzlich gilt: je größer der ökonomische oder soziale Druck ist, unter dem Arbeitsmigranten und -migrantinnen stehen, desto schwieriger wird es für sie, Bildungsangebote wahrzunehmen. Dies kann dazu führen, dass gerade diejenigen, die solche Angebote am nötigsten hätten, nicht von diesen erreicht werden.   

Von der Studie zum Curriculum

Mit diesem Problembefund setzen sich die NAMED-Projektpartner in der zweiten Projektphase auseinander. Basierend auf den Ergebnissen der Studie wird in den kommenden Monaten ein Querschnittscurriculum entstehen, das die erhobenen Bildungsbedarfe aufgreift und Zielgruppengerecht adressiert, mit dem Ziel, zur Inklusion und zum Empowerment von Arbeitsmigranten und -migrantinnen in der EU beizutragen.