IBS richtet ihr Beratungsangebot wirtschaftsnäher aus - Auslandsaufenthalte nicht nur fürs Ausbildungsmarketing nutzen

14.01.2019

Die Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) richtet ihr Beratungsangebot wirtschafsnäher aus: Veranstaltungen für Ausbildungspersonal sowie Beratungsgespräche bestätigen, dass Unternehmen sich häufig über das Ausbildungsmarketing der internationalen Lernendenmobilität nähern. Auslandsaufenthalte in der Ausbildung werden als Attraktivitätsfaktor betrachtet. Jugendliche achten heute auf markante Ausbildungsprofile (z. B. hohe technische Standards, frühe Verantwortungsübernahme) sowie abwechslungsreiche Zusatzangebote (wie Teamtrainings oder Messebesuche).

Lernaufenthalte im Ausland passen in beide Kategorien. Auch das Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e. V. (RKW) empfiehlt Auslandsaufenthalte als eine Maßnahme für attraktive Ausbildungsbetriebe, die sich mit mittlerem Aufwand umsetzen lässt. Wie zahlreiche Webseiten belegen, kommt das Incentive „Auslandsaufenthalt“ bei der Azubirekrutierung für Industrieberufe häufig zum Einsatz.

Eine Informationsarbeit, die das „Ausbildungsmarketing“ in den Mittelpunkt stellt, würde aber zu kurz greifen. Ausbildungsverantwortliche suchen vor allem Antworten auf aktuelle Qualifizierungsbedarfe: Man wolle die internationale Verständigung z. B. mit Auslandsniederlassungen und Kunden verbessern, den Fremdsprachenerwerb im beruflichen Kontext fördern und auf spätere Auslandseinsätze vorbereiten, heißt es häufig. Positive Imageeffekte für die Arbeitgebermarke werden ebenfalls gesehen. Vereinzelt besteht Interesse an der Aufnahme ausländischer Trainees (Incoming) - als möglichen Weg zur Rekrutierung von Fachkräften.

Auslandsaufenthalte als Verstärker für die Erreichung betrieblicher Ausbildungsziele

Auch eine im Rahmen des laufenden EU-Projekts „Measuring Return on Investment from EU VET mobility (ROI MOB)“ im Raum Hamburg durchgeführte Unternehmensbefragung zeigt, dass Ausbildungszeiten im Ausland geeignet sind, um den Fachkräftenachwuchs auf Anforderungen der Globalisierung einzustellen. Die befragten Betriebe wertschätzen darüber hinaus Wirkungen wie bessere Selbstorganisation, erweiterte Einsatzmöglichkeiten, größere Leistungsbereitschaft, stärkere Unternehmensbindung sowie erhöhte Kreativität und Innovationsfähigkeit. Die wahrgenommene Erweiterung der personalen Kompetenz belegt, dass mit der Azubi-Entsendung wesentliche Ziele der betrieblichen Berufsausbildung effizient erreicht werden können – insbesondere, wenn die Lernaufenthalte länger als drei Wochen dauern. Jedoch werden die Auslandszeiten noch zu selten als gezielte Qualifizierungsmaßnahme gestaltet und evaluiert, weshalb Optimierungsmöglichkeiten und Transparenz verloren gehen.

Ausbilderinnen und Ausbilder sind häufig auf der Suche nach Ansatzpunkten und Informationen zur Umsetzung und zur betrieblichen Bedeutung der Lernendenmobilität. Vorhandene Programme und Unterstützungsangebote sind selten umfassend bekannt, bei der Verweisberatung hakt es gelegentlich. So benennt auch die aktuelle Studie „Auslandsaufenthalte in der Berufsausbildung 2017“ der NA beim BIBB fehlende Informationen und mangelnde Transparenz der Lernaufenthalte als Umsetzungshemmnisse.

Gezielte Informationsarbeit

Die IBS nutzt deshalb gemeinsam mit anderen Servicestellen und regionalen Multiplikator/-innen vermehrt wirtschaftsnahe Verbreitungswege. Inhalte werden künftig auch mit Organisationen des betrieblichen Ausbildungspersonals und mit Wirtschaftsverbänden abgestimmt und verbreitet. Für Ausbildungsverantwortliche werden eigene Veranstaltungsformate umgesetzt und bei der IBS-Programmdatenbank wird ein eigener Zugang eingerichtet.

Die Unternehmensansprache soll durch folgende Darstellungsweisen verbessert werden:

  • Wirkung in Bezug auf betriebliche Herausforderungen (wie Ausbildungsmarketing, Personalbindung, Arbeitgebermarke, betriebliche Ausbildungsziele, Globalisierung)
  • Aufwand (vom Zugriff auf „fertige Programme“ bis hin zur selbstgestalteten Maßnahme)
  • Beratungsangebote (Finanzierung, Ausgestaltung)
  • Qualität mit Transparenz: Wege zur Optimierung personaler und fachlicher Qualifizierungswirkungen
  • betriebliche Hemmnisse und konstruktive Lösungen

Weitere Infos zum Beratungsangebot der IBS für Unternehmen finden Sie auf der Website.

Hinweis: Dieser Text erschien im Journal „Bildung für Europa“ (Ausgabe 29) im Dezember 2018 (S. 32).