(Mitte, v.l.n.r.) Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssektetär BMBF; Theresa Fleidl, Leiterin Konzernausbildung und HR Marketing, Flughafen München; Klaus Fahle, Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa (NA beim BIBB) im Kreis der Auszubildenden, die die Arbeitsgruppen moderierten und die Botschaften präsentierten. Foto: ©ATFpictures/Alex Tino Friedel.

Mobilitätstag 2017 - Berufsbildung international und attraktiv

München, 17. März 2017

Wie können noch mehr junge Menschen von einem Auslandsaufenthalt während der Ausbildung profitieren? Und was kann getan werden, um bestehende Rahmenbedingungen weiter zu verbessern? 80 Auszubildende, die mit Erasmus+ im Ausland waren, trafen sich zu diesen Themen am 17. März 2017 beim Mobilitätstag auf dem Flughafen in München. Dort tauschten sie sich über ihre fachlichen und persönlichen Erfahrungen aus und formulierten Botschaften für mehr Mobilität. Das Event fand in Kooperation mit der Flughafen München GmbH statt, die sich seit über 20 Jahren für eine internationale und attraktive Ausbildung engagiert.

Stimmengewirr, Gelächter und immer wieder die Frage "Und wie war's bei dir?" erfüllten am 17. März das Municon Tagungszentrum am Flughafen München: Die Atmosphäre erinnerte an ein großes Klassentreffen, als sich die Auszubildenden über ihre Auslandserfahrung austauschten. Sie alle haben im Rahmen ihrer dualen Berufsausbildung mit Erasmus+ ein Praktikum im Ausland gemacht  - für alle ein besonderes Erlebnis, von dem es viel zu erzählen gibt.

Um von genau diesen Erzählungen der Auszubildenden zu lernen, hatte die NA beim BIBB sie zum Mobilitätstag eingeladen. 80 ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten und ihre ausbildenden Unternehmen und Schulen aus dem Freistaat Bayern folgten der Einladung.

Das Motto der Veranstaltung lautete "Berufsbildung international und attraktiv". Auf Basis ihrer Auslandserfahrungen erarbeiteten die jungen Leute Botschaften für mehr internationale Mobilität in der Berufsbildung. Ziel war es, anhand dieser Erfahrungen und Botschaften neue Impulse für die Weiterentwicklung einer internationalen Ausbildung zu setzen. Was ist der Mehrwert, wo liegen die Herausforderungen, und wie kann Erasmus+ noch besser werden, damit noch mehr junge Menschen während ihrer Berufsausbildung von einem Auslandsaufenthalt profitieren können?

Von den Erfahrungen der Auszubildenden lernen

Zu diesen Fragen tagten die Auszubildenden vormittags in unterschiedlichen Arbeitsgruppen. Am Nachmittag präsentieren sie ihre Ergebnisse unter der Moderation der Fernsehjournalistin Brigitte Büscher einem Publikum aus Bildung, Politik sowie betrieblichen und schulischen Vertreter/-innen.

Die Begrüßungsrede hielt Stefan Müller, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Er dankte den Auszubildenden für ihren Mut ins Ausland zu gehen und betonte, wie wichtig ihre Erfahrungen für den Zusammenhalt Europas seien, an dem die europäischen Bildungsprogramme bereits seit 30 Jahren mitwirken. Auch hob er die Bedeutung von Erasmus+ für die deutsche Wirtschaft hervor, welche international qualifizierte Leute brauche.

"Ganz Europas profitiert vom Friedensinstrument Erasmus+. Wenn es das Programm nicht schon gäbe, müssten wir es jetzt einführen." Stefan Müller, Parlamentarischer Staatsekretär

Die Botschaften ...

... an Auszubildende:

  • Macht mit und nutzt die Chance, im Ausland neue persönliche und fachliche Erfahrungen zu machen!
  • Erzählt eure Geschichte und teilt eure Auslandserfahrungen mit anderen!

.. an Betriebe:

  • Entsendet eure Auszubildenden nicht zu kurz! Fünf Wochen sind die perfekte Länge!
  • Informiert euch besser über den Mehrwert von Auslandsaufenthalten!
  • Auslandsaufenthalte brauchen eine intensive organisatorische und fachliche Vorbereitung!
  • Gemeinsam geht es besser: Schulen und Betriebe müssen enger zusammenarbeiten!
  • Schickt auch eure Ausbilder/-innen ins Ausland, denn wir wünschen uns international erfahrene Ausbilder/-innen.

...an Erasmus+:

  • Danke! Erasmus+ ist eine tolle Möglichkeit, um Auslandserfahrungen zu sammeln!
  • Erhöht die finanzielle Förderung, damit mehr Auszubildende sich Auslandsaufenthalte leisten können!
  • Weniger Papierkram, dafür mehr Informationen und Unterstützung für Betriebe und Berufsschulen!
  • Macht mehr Werbungs für das Programm, auch in Social Media Kanälen und an allgemeinbildenden Schulen!

... an die Politik und Europa:

  • Danke!
  • Europa muss besser mit nationalen Entscheidungsträgern kommunizieren!
  • Auslandsaufenthalte in Großbritannien müssen trotz Brexit weiterhin möglich sein!
  • Mobilität sollte auch über die Grenzen Europas hinaus möglich sein!

Wie geht es weiter?

Als Leiter der NA beim BIBB nahm Klaus Fahle die Botschaften entgegen. Er erklärte, wie wichtig es sei, Informationen zu Erasmus+ bereits in die Berufsberatung zu integrieren. Ein Ziel der NA sei es auch, Auslandsaufenthalte in den Ausbildungsordnungen zu verankern und so zu einem festen Bestandteil der Berufsausbildung zu machen.

Das Schlusswort gehörte Petra Kammerevert, Vorsitzenden des Ausschusses für Bildung und Kultur im europäischen Parlament. Sie stellte heraus, wie wichtig die Auslandserfahrungen gerade von Auszubildenden seien, da sie die Dominanz des Hochschulsektors in Erasmus+ aufbrechen. Kammerevert forderte von den Handwerkskammern mehr Unterstützung für Betriebe und warf einen Blick auf die nahende Programmgeneration, mit der Europa verstärkt in die Jugend investieren müsse. Sie betonte, dass Mobilität kein Privileg für wenige sein dürfe. Die finanzielle Förderung durch Erasmus+ müsse in Zukunft  weiter ausgebaut werden, um allen jungen Menschen einen Auslandsaufenthalt in Europa zu ermöglichen.

"Jeder junge Mensch unter 25 sollte einmal in seiner Schul- oder Ausbildungslaufbahn die Chance zu einem Auslandsaufenthalt in Europa erhalten." Petra Kammerevert

Die Veranstaltung stieß nicht nur bei den teilnehmenden Auszubildenden, sondern auch bei den anwesenden Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Unternehmerinnen und Unternehmern auf ein positives Feedback. Karl Grözinger, Ausbildungsleiter bei der WMF Group, betonte, dass auch die Unternehmen von Erasmus+ profitieren. "Als international tätiges Unternehmen sind wir auf die Kompetenzen der Azubis, die sie im Ausland erwerben, angewiesen. Das sind nicht nur Sprachkompetenzen, sondern vor allem die Fähigkeit zum Arbeiten mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen", erklärte Grözinger.

"Auf dem Mobilitätstag können sich nicht nur die Auszubildenden untereinander austauschen, sondern auch wir als Unternehmen können dazu lernen und Erfahrungen teilen." Karl Grözinger

Video

Statements zum Mobilitätstag 2017

Warum organisiert die NA beim BIBB den Mobilitätstag und warum entsendet ein Unternehmen wie die Flughafen München GmbH seine Auszubildenden ins Ausland? Klaus Fahle, Leiter der NA beim BIBB, und Theresa Fleid, Leiterin Konzernausbildung und HR Management der Flughafen München GmbH, berichten.


Fotos: © ATFpictures/Alex Tino Friedel