Andreas Jörk (Foto: Andreas Kühne, HWK für Ostthüringen)

Der Brückenbauer von Gera - Als Mobilitätsberater unterstützt Andreas Jörk Betriebe, Berufsschulen und Auszubildende beim Aufbau einer Mobilitätskultur

In Deutschland gibt es mehr als 50 Mobilitätsberaterinnen und Mobilitätsberater, die im Netzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ aktiv sind. Angedockt an die Strukturen von Handwerks- bzw. Industrie- und Handelskammern unterstützen sie Unternehmen, Auszubildende und junge Fachkräfte bei der Realisierung von Auslandsaufenthalten und dem Aufbau einer Mobilitätskultur. Andreas Jörk ist einer von ihnen: Seit der Gründung des Netzwerkes arbeitet er als Mobilitätsberater in der Handwerkskammer für Ostthüringen in Gera.

Juli 2017, Manfred Kasper

„Als ich im Jahr 2009 anfing, war das Thema Mobilitätsberatung völlig neu für mich“, erinnert sich Andreas Jörk. „Den Kammern ging es darum, ein zusätzliches Serviceangebot für ihre Mitgliedsunternehmen sowie deren Beschäftigte und Auszubildende aufzubauen“. Dahinter, so Jörk, steckte schon damals die Haltung, die Auszubildenden wettbewerbsfähiger und die Berufsbildung insgesamt attraktiver zu machen. Ein Ansatz, der heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. So nutzen aktuell rund vier bis fünf Prozent aller Azubis die Möglichkeit eines Auslandspraktikums während der Ausbildung – bis 2020 sollen es nach dem Wunsch der Bundesregierung zehn Prozent sein. Jörk hält dieses Ziel für ambitioniert, aber machbar, denn in punkto Mobilität sei etwas in Bewegung gekommen, auch wenn der Weg zum politisch gesetzten Ziel noch weit sei. Die wesentliche Herausforderung liege darin, nicht nur Studierenden, sondern auch Auszubildenden die Chance zu eröffnen, das Lernen und Arbeiten in einem anderen Land kennenzulernen und ihren Horizont zu erweitern. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels bringe dies auch für die Unternehmen Vorteile mit sich.

Um entsprechende Sensibilisierungsarbeit zu leisten, geht der 57-Jährige gerne einmal ungewohnte Wege. „Man überzeugt die Leute am besten, indem man die Dinge einfach lebt“, lautet sein Credo. Neben der Arbeit mit Betrieben und Innungen führt er regelmäßig Infoveranstaltungen an Berufsschulen durch oder besucht regionale Bildungsmessen. Ein wichtiges Format sind auch Angebote für Bildungspersonal, zum Beispiel in Form einer gemeinsamen Ausbilder-Reise, auf der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Vorteile der Mobilität vor Ort erleben können. Sie besuchen Schulen und Betriebe und kommen mit den dortigen Ausbildern ins Gespräch. Zum Beispiel in Schweden, wo Andreas Jörk im Oktober 2016 gemeinsam mit wichtigen Akteuren der Berufsbildung aus Ostthüringen Einblick in das Berufsbildungssystem und die Arbeitsabläufe in einzelnen Betrieben gewann.

„In Schweden haben wir zwei Berufsschulen und mehrere Betriebe besucht“, berichtet Jörk, der überzeugt ist, dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum deutschen Ausbildungssystem bei dieser Form des Job-Shadowing am besten sichtbar werden. Wichtig sei der unmittelbare Erfahrungsaustausch, denn er vermittle den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Bild davon, wie die Ausbildung im anderen Land aufgebaut ist, welche Inhalte vermittelt werden und welche Lernformen und Methoden zum Einsatz kommen.

Auch in Schweden diene das duale System häufig als Vorbild, wenn es um das Verhältnis von Theorie und Praxis in der Ausbildung geht. So werden zunehmend Schülerinnen und Schüler in Betriebe entsendet, um den Übergang von der Ausbildung in den Beruf zu erleichtern. In Fragen des Prüfungswesens hingegen führe der Austausch zu neuen Denkanstößen bezüglich landesweit vergleichbarer Zertifikate.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Die Vorteile für die Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen liegen neben der Chance, ihren eigenen Auszubildenden Erfahrungen in ausländischen Betrieben zu ermöglichen, hauptsächlich im Wissenstransfer, der durch den Dialog entstehe. Dieser umfasse sowohl innovative Ideen als auch Fragen der Arbeitsorganisation und der Kundenorientierung.  

Nach Ansicht von Andreas Jörk tragen die persönlichen Kontakte im Rahmen der gemeinsamen Auslandsreisen wesentlich zum Entstehen tragfähiger Netzwerke in Europa bei. Der Mobilitätsberater selbst hat mittlerweile in 16 europäischen Ländern Partner, auf die er sich verlassen kann. Er kennt das jeweilige Bildungs- und Wirtschaftssystem und stellt grenzüberschreitende Kontakte her, um den Auszubildenden individuelle Praktika zu vermitteln. „Meine Arbeit ist es, Brücken zu bauen, zu beraten, zu vermitteln und fit zu machen für die Mobilität“, unterstreicht er. Hilfreich sei dabei die langjährige eigene Tätigkeit im ostthüringischen Handwerk. Jörk machte seinen Meister als Kfz-Elektromechaniker (heute Kfz-Mechatroniker) und arbeitete anschließend in der beruflichen Ausbildung, bevor er 1990 als Ausbildungsberater zur Kammer wechselte und später dann zwei Jahre Erfahrung als Berufsbildungsexperte in Südostasien sammelte. Er kennt „seine Unternehmen“ und kann sehr gut mit unterschiedlichen Perspektiven umgehen. Besonders stolz ist er darauf, dass er seit letztem Jahr eine Teamkollegin hat, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt.

Für die Zukunft wünscht er sich vor allem Kontinuität. Die Basis für den Aufbau einer Mobilitätskultur in Deutschland sei geschaffen. Um auch künftig erfolgreich sein zu können, müsse dieser Weg jedoch konsequent fortgeführt werden. Nur so könne das Niveau, das die Mobilitätsberatung in Deutschland bereits heute erreicht habe, noch weiter verbessert werden. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch das bundesweite Multiplikatorennetzwerk der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB), dem Jörk ebenfalls angehört. Es trage aktuelle Informationen zu den Angeboten und Programmen der europäischen Mobilität in die Fläche und versuche so noch mehr Menschen für die Ideen der Programme zu sensibilisieren und zu begeistern.