Die Küchenexperten setzen auf Internationalität - Carmen Schäfer, Auszubildende der WMF Group in Geislingen an der Steige, sammelte in Südengland fünf Wochen lang Auslandserfahrung

Seit über 160 Jahren stehen die Produkte der WMF Group für beste Koch-, Trink- und Esskultur – und das weltweit. Doch auch in Sachen Nachwuchsarbeit wird das Thema Internationalität bei WMF großgeschrieben. So können die Azubis des Unternehmens einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren. Ein Beispiel ist Carmen Schäfer. Sie war für fünf Wochen in Südengland, wo sie neue Arbeitswelten kennenlernte und ganz nebenbei auch ihr Englisch optimieren konnte.

März 2018, Manfred Kasper

Carmen Schäfer © Rainer Zensen

Im September 2016 war es endlich soweit. Die damals gerade erst 18 Jahre alte Carmen Schäfer, angehende Mechatronikerin bei der WMF Group GmbH in Geislingen an der Steige, ging nach Südengland, um im Rahmen ihrer Ausbildung Auslandsluft zu schnuppern. Fünf Wochen lang sollte sie hier unterschiedliche Arbeitserfahrungen machen und ihren Horizont erweitern. Dabei sei es vor allem wichtig, dass die Auszubildenden neue Arbeitswelten und Mentalitäten entdecken und sich in einer für sie fremden Situation zurechtfinden, betont Karl Grözinger, Ausbildungsleiter bei WMF.

Den Auslandsaufenthalt sieht er als Teil der Ausbildung, auch wenn die Teilnahme nach wie vor freiwillig ist. „Für uns als global agierendes Unternehmen ist es wichtig, den jungen Leuten derartige Angebote zu unterbreiten. Während unsere Auszubildenden in England Praktikum und Sprachkurs absolvieren, können unsere dualen Studierenden für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten an einem ausländischen Standort der WMF Group mitarbeiten“, erläutert Grözinger.

Die Nachfrage ist groß. So nutzten im vergangenen Jahr 20 Azubis die Möglichkeit des Auslandspraktikums. Das entspricht einer Teilnahmequote von rund 60 Prozent aller Auszubildenden. Vor Ort werden diese von einer Agentur betreut, die sowohl die Übernachtung in einer Gastfamilie als auch die Vermittlung in Unternehmen vor Ort übernimmt. Dies müssen nicht unbedingt Unternehmen aus der Branche sein. So ist auch denkbar, dass die Auszubildenden in der kaufmännischen Abteilung des Zoologischen Gartens arbeiten oder – wie Carmen Schäfer – in einem Fachgeschäft für Dekorationsartikel. Im Vordergrund steht die „Herausforderung Ausland“, an der die jungen Leute laut Grözinger ungemein wachsen.

Gute Erfahrungen mit Mobilitätsprojekten

Seit 2010 führt er bei WMF eigene Mobilitätsprojekte über Erasmus+ durch, zuvor hatte das Unternehmen jahrelang an der Aktion „Go für Europe“, einem Programm von Südwestmetall in Baden-Württemberg, teilgenommen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der Internationalität in der Berufsbildung gemacht und fördern diese, wo wir können“, unterstreicht Grözinger und ergänzt, dass er in Vorstellungsgesprächen immer häufiger nach entsprechenden Möglichkeiten gefragt werde.

Daher hält er es für wichtig, dass perspektivisch immer mehr junge Auszubildende die Chance zur Auslandserfahrung erhalten. Das steigere die Attraktivität der beruflichen Ausbildung und stärke zudem die Sprachkompetenz und die Fähigkeit, international denken und agieren zu können. Gerade für ein Unternehmen mit einem Exportanteil von über 50 Prozent sei dies ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Tatsache, dass die WMF rund 6.000 Mitarbeiter an internationalen Standorten in 40 Ländern weltweit beschäftige, zeige, wie wichtig das Thema Internationalität sei. Dazu Grözinger: „Wir können international nur dann erfolgreich sein, wenn wir wissen, wie unsere Kunden ticken. Dazu bedarf es interkultureller Kompetenzen, gerade beim Nachwuchs.“

Mit offenen Augen unterwegs

Carmen Schäfer hat eine Sensibilität dafür entwickelt, wie hilfreich ein Verständnis für andere Lebens- und Arbeitswelten ist, um international ins Geschäft zu kommen. Die junge Auszubildende war schon vor der Zeit in England sehr weltoffen und „mit offenen Augen unterwegs“. Die Erfahrungen des England-Aufenthaltes haben sie nach eigener Einschätzung noch einmal reifen lassen. „Ich habe sprachlich sehr viel dazu gelernt und in vielerlei Hinsicht Neuland betreten. Ich glaube, man wächst einfach an solchen Dingen, weil man lernt, sich in Situationen zu behaupten, denen man vorher in dieser Form noch nicht ausgesetzt war.“

Nach ihrer Ausbildung will sie weiter bei WMF im Service arbeiten und dabei viel unterwegs sein. Sie kann sich durchaus vorstellen, auch noch einmal ins Ausland zu gehen, denn Europa spielt auch über die eigentliche Ausbildung hinaus eine wichtige Rolle im Leben von Carmen Schäfer. So engagiert sie sich im europäischen Netzwerk EuroApprentices, das sich insbesondere die Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität in der Berufsbildung zur Aufgabe gemacht hat. Gebildet wird das Netzwerk von Azubis, die selbst über Erasmus+ im Ausland waren und ihre Erfahrungen gerne weitergeben möchten. „Wir leisten Bewusstseinsarbeit, um junge Auszubildende von den Vorteilen und Möglichkeiten Europas zu überzeugen“, so Schäfer.

Für sie selbst steht Europa vor allem für ein „gelebtes Miteinander“. Ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Sprachen, die gemeinsam das Gesamtbild Europa ergeben. Erasmus+ leiste dazu einen wesentlichen Beitrag. Oder, um es noch einmal in der Sprache der Küchenexperten zu sagen: Das Programm ist ein vorzügliches Rezept für ein gelebtes Europa.