Abenteuer in den Wäldern Schwedens - Azubis aus Norddeutschland lernen schwedische Forstwirtschaft kennen

Unterwegs in den schwedischen Wäldern. Und das mit riesigen Forstmaschinen wie Harvester oder Forwarder. Für vier angehende Forstwirte und eine angehende Forstwirtin aus Schleswig-Holstein und Hamburg wurden die sieben Wochen, die sie über Erasmus+ in Schweden verbrachten, zum Abenteuer. Dabei gab es neben der Arbeit mit den Großmaschinen auch eine zweiwöchige Rundreise mit Betriebsbesichtigungen und Exkursionen sowie einen einwöchigen Schulaufenthalt an der Partnerschule vor Ort.

Eva-Marei Noffke bei Waldarbeiten in Schweden (© Foto: Welcker)

Sebastian Arps und Eva-Marei Noffke haben von Mitte April bis Ende Mai 2015 an dem Programm teilgenommen. Beide absolvierten damals ihr letztes Jahr an der Lehranstalt für Forstwirtschaft (LAF) der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Im Sommer 2015 schlossen sie ihre Ausbildung erfolgreich ab. Für den Schweden-Aufenthalt im Rahmen des Advanced Forestry Education Mobilityprogram (AFEM) wurden sie aus einem Pool von Interessierten ausgewählt. Es folgte ein Vorbereitungslehrgang, in dem die Lerninhalte erläutert und wichtige Aspekte zu Land und Leuten besprochen wurden. Zudem gab es fachbezogenen Englischunterricht, der die Auszubildenden auch sprachlich auf das Abenteuer Schweden vorbereitete.

Aufwärmen am Lagerfeuer (© Foto: Welcker)

Dann war es endlich soweit. Für Arps und Noffke ging es nach Svenljunga, eine Kleinstadt 95 Kilometer östlich von Göteborg. Hier befindet sich das Naturbruksgymnasium, die einzige Schule für Forstwirtschaft in der Provinz Västra Götalands län. „Dort können unsere Auszubildenden Erfahrungen machen, die in Deutschland in dieser Form nicht möglich sind“, erläutert Dr. Borris Welcker, seit 2001 Leiter der LAF und Mitinitiator von AFEM. Dabei eröffnet sich den deutschen Forstwirtinnen und -wirten einerseits die Möglichkeit zum Einblick in die Großmaschinentechnik, andererseits lernen sie neue Formen der Waldbewirtschaftung und weitere Herausforderungen kennen. Das, so Welcker, erweitere ihren persönlichen und fachlichen Horizont und verbessere ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Besonders faszinierend sei die Waldarbeit mit den Großmaschinen gewesen, unterstreichen Sebastian Arps und Eva-Marei Noffke, zumal keiner von ihnen je zuvor auf einer so großen Maschine gesessen hatte. „Ich habe mich manchmal wie in einem Video- oder Computerspiel gefühlt. Es geht viel um die Hand-Auge-Koordination, die zwar körperlich nicht anstrengend ist, bei der man sich aber enorm konzentrieren muss“, berichtet Arps. Den mittlerweile 23-Jährigen hat die Arbeit mit den Maschinen vor allem technisch weitergebracht. Während morgens in der Schule das Fachwissen im Vordergrund stand oder am Simulator geprobt wurde, ging es nachmittags raus ins Gelände. Dabei hat Sebastian Arps verstanden, wie die Maschinen funktionieren und worauf es ankommt, wenn man mit ihnen arbeitet. Ein Aspekt, der in der deutschen Ausbildung laut Arps nur eine geringe Rolle spielt.

Besonders spannend für die Azubis: Die Arbeit mit den Großmaschinen (© Foto: Welcker)

Auch Eva-Marei Noffke wollte sich im Fahren von Forwardern weiterqualifizieren. Die heute 24-jährige hat im Anschluss an die Ausbildung ein Studium der Fachrichtung Waldwirtschaft und Umwelt in Freiburg begonnen und spürt dabei immer öfter, „dass viele Dinge bei mir nicht in der Theorie bleiben.“ Den Nutzen fasst sie wie folgt zusammen: „Ich weiß einfach, wie es in der Praxis funktioniert, das hilft mir gerade im Studium weiter.“ Besonders die Kombination aus Technik, Wissen und Kennenlernen der schwedischen Kultur hat sie in Svenljunga nachhaltig beeindruckt. Aufgefallen ist ihr zudem, dass die Frauen dort viel selbstverständlicher mit dem Forwarder fahren oder eine Motorsäge in die Hand nehmen als in Deutschland. Hierzulande werde so etwas oft noch belächelt, sagt Noffke. Insgesamt habe die Zeit in Schweden ihr eine Grundlage geschaffen, auf die sie gut aufbauen könne.

Die Azubis erhielten auch Einblick in die faszinierende Natur Schwedens. (© Foto: Welcker)

Sätze, die Boris Welcker gefallen. Er ist bei den Schweden-Aufenthalten zeitweise selbst vor Ort, um die Auszubildenden gemeinsam mit seinen deutschen und schwedischen Kollegen zu unterstützen. „Ich staune immer wieder, wie viel Engagement die jungen Leute mitbringen und wie sich dies auf die gesamte Ausbildung auswirkt. Das gilt auch für die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen und Konflikten umzugehen, denn die können in sieben Wochen schon einmal vorkommen“, so Welcker. Die Länge des Aufenthaltes und die intensive Betreuung durch die Lehrenden sind seiner Meinung nach zwei besondere Pluspunkte des Projektes.

Betrachtet man dieses auf der übergeordneten Ebene, wird deutlich, dass die Internationalisierung die Ausbildung der Forstwirte in Schleswig-Holstein und Hamburg sowohl inhaltlich weitergebracht als auch attraktiver gemacht hat. Auch in den Betrieben wird der Ansatz sehr positiv aufgenommen, allein schon deshalb, weil diejenigen, die in Schweden waren, ihre Eindrücke und Erkenntnisse hier anschließend einbringen. In der Regel überwiegt dabei die Begeisterung, wie auch bei Sebastian Arps und Eva-Marei Noffke.

Oktober 2016, von Manfred Kasper