Die süßen Seiten der Mobilität

Die Konditorei Schöner in Bad Godesberg kreiert seit 60 Jahren und in zweiter Generation Kuchen und andere Leckereien auf höchstem Niveau.
Dabei ist Handarbeit ein Markenzeichen und Gütesiegel für die Qualität der Produkte. Diese spielt auch in Sachen Ausbildung eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ein berufliches Praktikum im europäischen Ausland zu absolvieren.

Konditormeister Rudolf Schöner junior erzählt gerne von seinen Reisen. Man spürt dann geradezu, dass er eine Vielzahl besonderer Geschichten erlebt hat. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Töchtern bereiste der passionierte Fotograf fast die gesamte Welt. Geheiratet wurde übrigens auf der Südsee-Insel West Samoa, wo das junge Paar 1983 Station machte. Weltoffenheit ist daher weit mehr als ein Wort für den heute 61-jährigen, auch im täglichen Geschäft zwischen Backstube und Café. So können die jungen Leute, die bei der Konditorei Schöner in die Lehre gehen, immer wieder einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland verbringen. Ein Engagement, das vor allem aus der Überzeugung des Inhabers erwächst. Schöner wörtlich: "Ich glaube fest daran, dass die Auszubildenden an den Erfahrungen, die sie in einem anderen Land sammeln, wachsen. Das bringt gerade junge Menschen enorm weiter. Zudem sind sie hoch motiviert, wenn sie zurück in den Betrieb kommen."

Der Konditormeister weiß, wovon er spricht, war er doch während der eigenen Lehrjahre in England, Frankreich und sogar Ägypten. Dort habe er in zahlreiche Betriebe hineingeschnuppert – zum einen, weil er gerne Menschen aus anderen Kulturen begegne, zum anderen aber auch, weil er selbst dabei stets Neues lernte. So habe er eine Vielzahl von Rezepten entdeckt, die er heute in die eigene Backkunst einfließen lasse.

Ein lebendiger Autausch

Damals – in den 1970er-Jahren – beruhten derartige Auslandspraktika in erster Linie auf Eigeninitiative. Heute weiß Schöner zum Beispiel die Bemühungen des Carl-Reuther Berufskollegs des Rhein-Sieg-Kreises in Hennef zu schätzen. Diese sorgen auch dafür, dass nicht nur die eigenen Auszubildenden die Chance zu einem Auslandsaufenthalt erhalten, sondern die Idee auch umgekehrt funktioniert. Immer wieder kommen junge Konditorinnen und Konditoren aus England, Dänemark, Frankreich oder anderen europäischen Ländern für eine Zeit nach Bad Godesberg.

"Das ist für alle Seiten bereichernd", weiß Rudolf Schöner junior. Die jungen Leute brächten schließlich neue Sichtweisen mit, auch sprachlich profitierten er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den "Gastspielen", insbesondere angesichts der internationalen Kundschaft in Bad Godesberg. Er selbst möchte, dass die Auszubildenden, wenn sie in ihre Heimatländer zurückgehen, etwas mitnehmen. "Ich versuche, ihnen Einblick in möglichst viele Dinge zu geben, zeige ihnen deutsche Spezialitäten und Dinge, die sie in ihren Ländern so nicht machen". Das ist es, was Rudolf Schöner junior antreibt und was er gerne vermitteln möchte. Er will junge Menschen weiterbringen und ihnen den Blick für die Welt öffnen – jeden und jede entsprechend seiner oder ihrer Fähigkeiten.

Offen für neue Erfahrungen

Eine, die davon profitiert hat, ist Melanie Lanzerath. Sie hat ihre Ausbildung in der Konditorei Schöner 2013 abgeschlossen und arbeitet heute als Gesellin dort. Im Jahr 2011 war sie für drei Wochen in Chester (England), wo sie in der Patisserie eines Sterne-Hotels arbeitete. Sie erinnert sich: "Für mich war das eine sehr wichtige Zeit, wobei ich anfangs noch relativ unsicher war, am Ende aber kaum noch zurück wollte. Ich bin froh, dass ich die Erfahrung machen konnte, zumal das in vielen Betrieben leider immer noch nicht selbstverständlich ist."

Schöner versteht die Bedenken, die in der Branche oft noch vorherrschen. Seiner Meinung nach müsse deutlicher werden, dass und wie sowohl die Auszubildenden als auch die Betriebe von den Programmen profitierten. Dies könne durch einen intensiven Dialog zwischen Berufsschule und Innung unterstützt werden. Der Konditormeister ist überzeugt, dass man nie aufhören sollte, neue Dinge zu tun und den eigenen Horizont zu erweitern, gerade in einem kreativen Beruf wie dem seinen. "Denn das Leben", so Schöner abschließend, "ist viel zu kurz, um alles das zu lernen, was es im Konditoreiwesen gibt."

Februar 2016, von Manfred Kasper

Lesen Sie im Journal "Bildung für Europa" (Nr. 23) das Interview mit dem Konditormeister Rudolf Schöner ("Strategie aus Leidenschaft", S. 20).

Bildung für Europa - Nr. 2015/23: International und strategisch aufgestellt

Medientyp: Journal, Format: A4, Seitenzahl: 44, Erscheinungsjahr: 2015

Beim Stichwort Globalisierung denkt man automatisch an die Wirtschaft und grenzüberschreitende Handelsbeziehungen. Aber auch die Bildung muss sich zunehmend international öffnen, um die Bedarfe des Arbeitsmarktes zu bedienen. Wie die Internationalisierung von Bildungseinrichtungen aussehen kann,...

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