Internationalisierung als Strategie - An der Hotelfachschule im fränkischen Pegnitz gehört Mobiliät quasi zur Ausbildung

"Fränkisch modern" lautet der Slogan, mit dem die Stadt Pegnitz sich als Wirtschafts- und Schulstandort präsentiert. Das gilt auch für die hier beheimatete Berufsfachschule für Hotelmanagement, hat sie doch ein beachtliches Niveau in Sachen Internationalisierung erreicht. Mehr als 80 Prozent eines Jahrgangs nutzen die Chance, während der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Eine Entwicklung, die nicht von ungefähr kommt, denn Schulleiter Christian Länger und sein Team wissen um die Bedeutung interkultureller Kompetenzen im Berufsleben. Entsprechend werden Strategien und Maßnahmen systematisch ausgerichtet.

Schulleiter Christian Länger mit Teilnehmenden am Erasmus+ Projekt (© Hotelfachschule Pegnitz)

"Wir haben von Beginn an auf das Thema Auslandserfahrung gesetzt, weil uns klar war, wie wichtig dieser Aspekt ist", betont Christian Länger. In der 1997 gegründeten Schule werden angehende Führungskräfte in international orientierten Hotelbetrieben ausgebildet. Sie profitieren von den Mobilitätsprojekten, indem sie schon während der Ausbildung einen Auslandsaufenthalt in erstklassigen Hotels absolvieren können – ein großer Vorteil für den weiteren Berufsweg. Das wird deutlich, wenn man sich die Geschichten ehemaliger Absolventen anschaut. So hat die Schule zwei Hoteldirektoren hervorgebracht, darüber hinaus gibt es viele weitere beeindruckende Karrieren weltweit.

Azubis werden selbst aktiv

Das Grundprinzip des Ansatzes ist dabei recht simpel: Gefragt ist die Eigenmotivation der Auszubildenden, die selbst ihre Zielländer und Betriebe auswählen – in der Regel Häuser der Vier- oder Fünf-Sterne-Kategorie. Dazu Christian Länger: "Wir stellen fest, dass unsere Auszubildenden eine hohe Motivation mitbringen, weil sie selbst entscheiden, was sie machen wollen und wie es ablaufen könnte. Sollte jemand keine adäquate Stelle finden oder anderweitig Probleme haben, dann helfen wir als Schule natürlich."

Nach vielen Jahren Praxiserfahrung verfügen der Schulleiter und sein Team weltweit über ein dynamisches Netzwerk. Seit 2008 werden die europäischen Maßnahmen zudem über Erasmus+ und den Vorläufer Leonardo da Vinci gefördert. Insgesamt gibt es europaweit zwölf Partnerländer, wobei mehr als ein Drittel der geförderten Mobilitäten das Ziel Spanien haben. Hier arbeitet man eng mit der Partnerschule Hoteles Escuela de Canarias (Hecansa) zusammen. Seit 2011 werden gemeinsam Intensivsprachkurse angeboten und Praktika in Hotelbetrieben organisiert.

Teilnehmerinnen am dreiwöchigen Intensivsprachkurs Spanisch im Februar 2014 an der "Hoteles Escuela de Canarias SA" (© Hotelfachschule Pegnitz)

Der dreiwöchige Sprachkurs dient in der Regel als Einstieg, die Praktika selbst dauern rund 18 Wochen. Für Länger ist dies auch eine Frage der Qualität, denn nur bei langen Aufenthalten erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Meinung nach interessante und verantwortungsvolle Aufgaben.

Weitere Länderschwerpunkte sind Österreich, Frankreich, Italien und der englischsprachige Raum. Seit die Projekte über die EU-Programme gefördert werden, gab es bei rund 180 Maßnahmen nur zwei Abbrüche – und diese aus persönlichen Gründen. Viel öfter kommt es vor, dass die Auszubildenden ihre Zeit im Ausland verlängern, weil sie beeindruckt sind von den Möglichkeiten des Aufenthaltes.

Die geographische Spannbreite der Zielländer spiegelt sich auch im Kollegium der Schule wider. Dieses umfasst zehn Lehrkräfte aus fünf Ländern. "Wir haben eigens ein siebenköpfiges Europa-Team aus Lehrkräften des fremdsprachigen und fachpraktischen Unterrichts gebildet", betont Länger. Das zeigt, wie hoch der Stellenwert der Projekte an der Schule ist.

Auslandsmobilität macht Berufsausbildung attraktiver

Leitfaden ist die schuleigene Internationalisierungsstrategie, die 2011 geschaffen und im Laufe der Jahre kontinuierlich fortgeschrieben wurde. "Wir als Schule profitieren von der Entwicklung, weil wir stets wissen, welches Leistungsspektrum in den besten Hotels Europas angeboten wird", umschreibt Länger die Vorteile der Programme. Auch das Image der Schule wachse durch die Auslandspraktika, zumal viele Jugendliche das, was im Studium selbstverständlich ist, heute auch in der Ausbildung erwarten. Hier sei die Schule gefordert, durch entsprechende Angebote eine für junge Leute attraktive "wertschätzende Berufsausbildung" zu ermöglichen.  

Teilnehmerin Steffi Ries im The Mount Hotel Malton (© Hotelfachschule Pegnitz)

Für ihre Projekte wurde die Schule bereits mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Leonardo da Vinci-Mobilitätszertifikat (2011) und der Mobilitätscharta (2016). Beide wurden von der Nationalen Agentur Bildung für Europa verliehen, wobei – so Länger – vor allem die Charta sehr zur Vereinfachung der Prozesse beitrage. Sie gebe Planungssicherheit und steigere die Motivation der Beteiligten. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Mobilitätsmaßnahmen erhalten zudem den Europass Mobilität, der die erworbenen Kompetenzen dokumentiert. Seine Übergabe erfolgt in einer Feierstunde im Rahmen der Zeugnisverleihung.

Wie das Modell in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel von Stefanie Ries. Sie ist im dritten Ausbildungsjahr und war zwischen Mai 2015 und Januar 2016 für jeweils drei Monate im englischen Malton und im österreichischen Seefeld, wo sie in sehr unterschiedlichen Häusern arbeitete. "Ich habe in dieser Zeit unheimlich viel dazugelernt", schwärmt Ries, die überzeugt ist, dass Auslandserfahrungen gerade in der Hotelbranche – insbesondere auf einem gewissen qualitativen Level – ein wichtiger Baustein für die Karriereplanung seien.

Möglich ist dies jedoch nur durch den Einsatz eines engagierten Schulleiters wie Christian Länger. Er hat erkannt, wie wichtig die internationalen Erfahrungen für die Azubis sind. Dafür stellt er Personal frei und passt Curricula an. Für motivierte Lehrkräfte ist er damit nicht nur eine wichtige Unterstützung sondern auch Vorbild. 

Januar 2017, von Manfred Kasper