Von Spanien über Deutschland nach Norwegen – und zurück - Hauptsache, die Chemie stimmt

Albert Estellé Caballer lebt und arbeitet heute in Ludwigshafen, wo er seit dem Abschluss seiner Ausbildung im Sommer 2017 als Chemikant bei der BASF SE beschäftigt ist. Seine Geschichte liest sich fast wie ein Märchen der europäischen Mobilität. Dabei nutzte Estellé Caballer gleich zweimal die Möglichkeit, über Erasmus+ und seine Vorläuferprogramme ins Ausland zu gehen, um dort Praxiserfahrung zu sammeln und seine Kompetenzen zu erweitern. Zum einen kam er als spanischer Azubi nach Deutschland, später dann ging er als deutscher Azubi nach Norwegen.

Begonnen hat das Ganze im Jahr 2009. Damals absolvierte der junge Spanier seine eher schulisch orientierte Ausbildung als Chemikant im katalonischen Tarragona. Die Schule wiederum bot einen Austausch mit der BASF in Ludwigshafen an, eine reizvolle Verlockung für den Azubi. „Ich war einfach neugierig und wollte die Chance nutzen, für ein paar Wochen nach Deutschland zu gehen. Es war toll, diese Möglichkeit zu bekommen, zum einen beruflich, zum anderen aber auch als Erfahrung für mich und mein Leben“, erinnert sich Estellé Caballer. Was letztlich daraus wurde, konnte er damals noch nicht erahnen.

„Ich wusste eigentlich nicht so richtig, was mich in Deutschland erwartet. Ich war aber offen für alles, und die Leute waren sehr nett“, erzählt er. Auch die praktischen Erfahrungen, die er im Werk der BASF SE machen konnte, beeindruckten ihn. Hinzu kam, dass die Dimensionen völlig anders waren, als er es von Spanien her kannte. „Das Ausbildungsgebäude war so riesig, das war wirklich eine neue Welt für mich. Zuhause hatten wir eine Minianlage und ein kleines, aber feines Labor. Hier war das alles sehr viel größer.“

Auch privat das Glück gefunden

© Rainer Zensen

Während des Praktikums verliebte sich Albert Estellé Caballer zudem in eine Auszubildende des Unternehmens. Noch heute sind die beiden ein Paar. Und seine Freundin kam später im Rahmen des deutsch-spanischen Austauschs mit ihrer Gruppe auch nach Tarragona. Dennoch lebte man zunächst einmal für einige Zeit eine Fernbeziehung. Die Vereinbarung war, gemeinsam dorthin zu gehen, wo beide am besten Arbeit finden.

So landete Albert Estellé Caballer nach verschiedenen Zwischenstationen wieder in Ludwigshafen, auch weil der Betrieb, bei dem er in Spanien Arbeit gefunden hatte, schließen musste. Er entschied sich, in Deutschland noch einmal eine Ausbildung zum Chemikanten zu beginnen, mit seinem spanischen Abschluss wäre er damals allenfalls als Laborassistent eingestellt worden. Das wäre heute anders, da die spanische Ausbildung mittlerweile neu geregelt und angepasst wurde.

Estellé Caballer absolvierte noch einmal drei Jahre lang die komplette Ausbildung bei der BASF SE in Deutschland. Auch hier gab es die Möglichkeit, an einem europäischen Austauschprogramm teilzunehmen, der angehende Chemikant entschied sich, für vier Wochen nach Norwegen zu gehen. Der Grund dafür: „Norwegen war für mich exotisch, ich wollte das einfach einmal ausprobieren, um noch einmal neue Anregungen zu bekommen.“

Das konnte er im Januar und Februar 2017 sowohl in Betrieben als auch in den Partnerschulen des Konzerns in der Kleinstadt Kyrksaeterora nördlich von Trondheim. Wieder einmal erschloss sich ihm eine völlig neue Welt, sowohl fachlich als auch über das Naturerlebnis und die Kultur in Norwegen. „Es ist schon erstaunlich, wie vielfältig Europa ist. Und wie unterschiedlich die Menschen miteinander arbeiten und leben“, bilanziert Estellé Caballer.

Für ihn war und ist es wichtig, viele unterschiedliche Welten kennenzulernen und neue Eindrücke, Gedanken und Ideen mitzunehmen: „In jeder Kultur gibt es Dinge, die einen ansprechen. Ich habe sehr Vieles entdeckt, dass ich vorher so nicht kannte. Durch die Auslandsaufenthalte habe ich meinen Horizont erheblich erweitert. Und ich habe meine Freundin kennengelernt. Für mich war Erasmus+ also ein Volltreffer.“

Wie Erasmus+ die duale Ausbildung stärkt

Ein Volltreffer ist das Programm längst auch für Unternehmen wie die BASF SE, unterstreicht Alexander Lang, Teamleiter Ausbildung Produktionstechnik in Ludwigshafen. Er hält die berufliche Zusammenarbeit mit Betrieben an ausländischen Standorten heutzutage für selbstverständlich. Was früher meist nur an Hochschulen möglich war, gelte nun auch für die Berufsausbildung. In einem international tätigen Konzern seien sprachliche und interkulturelle Kompetenzen nicht mehr nur für Führungs-, sondern auch für Fachkräfte unabdingbar. Mit Mobilitätsmaßnahmen während der Ausbildung lege man dazu einen wichtigen Grundstein. Hinzu komme, dass die Austauschprogramme die Attraktivität der dualen Ausbildung insgesamt steigerten. Lang wörtlich: „Über 60 Auszubildende pro Jahrgang nehmen an unseren Erasmus-Auslandsprogrammen teil. Sie verbringen drei bis vier Wochen bei unseren europäischen Partnerbetrieben oder Partnerschulen in Spanien, Norwegen oder Frankreich. Das ist für die Auszubildenden, aber auch für uns als Unternehmen ein enormer Gewinn.“

November 2017, Manfred Kasper