Inklusive Bildung

Inklusive Bildung ist nicht nur im Schulunterricht, sondern im gesamten Bildungsbereich von großer Bedeutung. Inklusion betrifft also auch die Berufs- und der Erwachsenenbildung. Im Programm Erasmus+ ist Inklusion eines der Schwerpunktthemen. Wie kann das europäische Programm die Inklusionsthematik aufgreifen und dazu beitragen, sozial, sprachlich, körperlich, gesundheitlich, wirtschaftlich und geographisch Benachteiligten die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen und Chancengleichheit voranzutreiben?

Nationale Diskussion

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Inklusion ist ein Menschenrecht. Dies ist in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben, die Deutschland 2009 unterzeichnet hat. Inklusion (lateinisch inclusio, „Einschluss“) bedeutet Zugehörigkeit, womit bereits ihr wichtigstes Kriterium ausgedrückt wird: Inklusion sichert allen Mitgliedern der Gesellschaft gleiche und volle Rechte auf individuelle Entwicklung und Teilhabe zu – unabhängig ihrer Fähigkeiten, ihres Geschlechts und sexuellen Orientierung, ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft etc.

Ziel inklusiver Maßnahmen ist es, alle Prozesse, die Menschen ausschließen (Exklusion), zu beseitigen. Inklusion bekämpft Ausgrenzungsrisiken wie Armut und Diskriminierung. Wenn alle Menschen gleichberechtigt Zugang zu allen Angeboten des Bildungssystems haben und bei Bedarf individualisierte Unterstützung erhalten, um die Angebote zu nutzen, dann ist Inklusion erreicht.

Zur Kontroverse: Wen betrifft Inklusion?

In Deutschland wird der Begriff der Inklusion kontrovers diskutiert. Die Umsetzung inklusiver Maßnahmen in der Bildungspolitik konzentriert sich in Deutschland überwiegend auf den gemeinsamen Unterricht von jungen Menschen mit und ohne Behinderung. Während sich das in der deutschen Politik vorherrschende Verständnis von Inklusion vor allem auf Personen mit Behinderungen bezieht, geht die UN-Konvention darüber hinaus: Sie versteht Behinderung als soziale Kategorie, die alle Formen möglicher Behinderungen von sozialer Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe im Blick hat:

In der Behin­derten­recht­skon­ven­tion geht es nicht mehr um die Inte­gra­tion von „Aus­ge­gren­zten“, son­dern darum, von vorn­herein allen Men­schen die uneingeschränkte Teil­nahme an allen Aktiv­itäten möglich zu machen. Nicht das von vorn­herein neg­a­tive Ver­ständ­nis von Behin­derung soll Nor­mal­ität sein, son­dern ein gemein­sames Leben aller Men­schen mit und ohne Behin­derun­gen. Fol­glich hat sich nicht der Men­sch mit Behin­derung zur Wahrung seiner Rechte anzu­passen, son­dern das gesellschaftliche Leben Aller muss von vorn­herein für alle Men­schen (inklu­sive der Men­schen mit Behin­derun­gen) ermöglicht werden."  
(Quelle: UN-Behindertenrechtskonvention, 2006 unter www.behindertenrechtskonvention.info/inklusion vom 04.11.2015)

Soziale Inklusion

Die Kontroverse um den Begriff besteht nach wie vor. Doch allmählich setzt sich der Begriff der sozialen Inklusion (Teilhabe aller Menschen) auch bei deutschen Regierungsbehörden immer mehr durch. Es findet eine Annäherung an den europäischen ganzheitlichen Inklusionsbegriff an.

Welchen Beitrag kann Erasmus+ leisten?

Wie bereits im Vorläuferprogramm, dem Programm für lebenslanges Lernen (PLL), widmen sich im Programm Erasmus+ zahlreiche Projekte und Initiativen dem Thema Inklusion. Inklusion ist auf europäischer Ebene von großer Bedeutung, was sich auch in der Strategie Europas 2020 widerspiegelt.