Migrantinnen und Migranten - Geflüchtete, Asylsuchende und Zugewanderte in Europa

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund nimmt kontinuierlich zu. Haben Menschen mit Migrationshintergrund die gleichen Bildungschancen wie Menschen ohne Migrationshintergrund? Falls nein, was ist zu tun? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um das zu ändern? Welchen Beitrag kann das Programm Erasmus+ leisten?

Chancengleichheit und Inklusion zu fördern ist im europäischen Programm Erasmus+ ein übergreifendes Ziel. Lernenden, die mit Benachteiligungen im Bildungssystem konfrontiert sind, soll der Zugang zu bestehenden Angeboten erleichtert werden. Zu den benachteiligten Personengruppen gehören u.a. Menschen mit Migrationshintergrund. Dies sind:

  • Personen, die seit 1950 als Zugewanderte nach Deutschland gekommen sind, 
  • in Deutschland als Ausländerin oder Ausländer Geborene, 
  • Deutsche mit mindestens einem Elternteil, das ausländische Wurzeln hat

Gründe für Migration

Die Ursachen von Migration sind vielfältig und komplex wie z.B.:

  • Flucht vor Kriegen oder Naturkatastrophen, 
  • politische, ethnische und religiöse Verfolgung, 
  • wirtschaftliche Not, 
  • soziokulturelle Gründe, 
  • berufsbiographische Gründe, 
  • soziale Gründe wie z.B. Familienzusammenführung und auch 
  • persönliche Motive.

Ausgangslage

Wie viele andere europäische Länder auch ist Deutschland aufgrund der demographischen Entwicklung auf Zuwanderung angewiesen. In den letzten Jahren und Monaten ist der Zuzug von Menschen nach Deutschland rasant gestiegen. Das Interesse hier zu leben ist groß, denn Deutschland ist ein weltoffenes, sicheres und wohlhabendes Land. Da die zugezogenen Menschen unterschiedliche sprachliche wie kulturelle Hintergründe aufweisen, bedarf es einer guten Integrationsarbeit. Jeder von ihnen hat dabei eine eigene Biographie mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Erwartungen. Nun sind alle, sowohl die Zugewanderten als auch die Einheimischen, aufgefordert, diese Vielfalt als Chance und als Gewinn zu betrachten und schließlich zu nutzen.

Integration ist ohne Bildung nicht möglich

Menschen mit Migrationshintergrund sind im Vergleich zur restlichen Bevölkerung im Durchschnitt geringer qualifiziert und schlechter in den Arbeitsmarkt integriert. Ihr Anteil an den Personen ohne allgemeinen Schulabschluss sowie ohne berufsqualifizierenden Abschluss ist überdurchschnittlich hoch. Sie sind häufiger ausschließlich geringfügig beschäftigt oder erwerbslos, ihre Aufstiegschancen sind schlecht. Zwar gibt es in den letzten Jahren Fortschritte zu verzeichnen. So ist zum Beispiel der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund mit Abitur gestiegen und auch die Zahl der Erwerbstätigen hat zugenommen. Dennoch haben es Menschen mit Migrationshintergrund im Bereich Bildung und Beschäftigung immer noch schwer.

Bildung als Schlüssel zur Weiterentwicklung

Ohne Bildung können Menschen ihre Talente und ihr Potenzial nicht entfalten. Die Integration in den Arbeitsmarkt gestaltet sich schwierig und die Teilhabe an Gesellschaft, Kultur und auch Weiterbildung ist nur eingeschränkt möglich.
Eckpfeiler einer gelingenden gesellschaftlichen Integration sind Spracherwerb, Ausbildung und Beschäftigung. Bildung ist demnach Motor zur Beschäftigungsfähigkeit und Türöffner zur gesamtgesellschaftlichen Integration und persönlichen Weiterentwicklung. Sie ermöglicht es sozial und sprachlich benachteiligten Menschen, sich zu selbstständigen und verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu entwickeln und diese mit zu formen.

Ursachen sozialer Benachteiligung

Aus folgenden Gründen können Menschen mit Migrationshintergrund daran gehindert werden, gleichberechtigt an der Gesellschaft teilzuhaben:

  • juristische Hindernisse (z.B. fehlender Aufenthaltstitel), 
  • schlechte sozioökonomische Rahmenbedingungen, 
  • Sprachdefizite, 
  • Diskriminierung oder sonstige diverse gesellschaftspolitische Hindernisse, 
  • persönliche Schwierigkeiten.

Benachteiligte Personengruppen

Bei den sozial und sprachlich benachteiligten Personengruppen mit kulturellen Hindernissen stehen laut Programmleitfaden von Erasmus+ u.a. folgende im Fokus:

  • Geflüchtete, 
  • Asylsuchende, 
  • Angehörige einer nationalen oder ethnischen Minderheit sowie 
  • Menschen, die sprachlich und kulturell nicht integriert sind.

Welchen Beitrag kann Erasmus+ leisten?

Alle europäischen Gesellschaften stehen vor der Herausforderung, Geflüchtete, Asylsuchende und Menschen mit Migrationshintergrund bestmöglich zu integrieren. Bildung nimmt dabei eine Schlüsselfunktion ein: sie schafft Angebote zur Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben und sie zeigt Möglichkeiten auf – sei es zum Erlernen einer Sprache oder zur Arbeitsmarktintegration. Für eine gelingende Integration ist der gleichberechtigte Zugang aller zu Bildungsangeboten daher eine Notwendigkeit.

Erasmus+ setzt an diesem Punkt an: Das Programm bietet durch die Förderung von transnationalen Projekten die Möglichkeit zum länderübergreifenden Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung, um die Herausforderung im Bildungsbereich europaweit gemeinsam anpacken zu können. Ergebnisse und Verfahren aus europäischen Projekten im Rahmen von Erasmus+ und seinem Vorgängerprogramm, dem Programm für lebenslanges Lernen (PLL), können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten.

 Der aktuelle Programmleitfaden zu Erasmus+ zeigt: Das Programm reagiert auf die Flüchtlingskrise in Europa, indem Projektaktivitäten angeregt werden, die gezielt Geflüchtete, Asylsuchende und Migrantinnen und Migranten in den Fokus nehmen. Über die Förderung von transnationalen Projekten sollen mit dem Programm Maßnahmen, Produkte und Aktivitäten entwickelt und durchgeführt werden, die Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die o.g. Zielgruppen schaffen. Konkret bedeutet dies für die Berufs- und Erwachsenenbildung, dass

  • in der Leitaktion 1 (Mobilität) Projekte gefördert werden, bei denen das Bildungspersonal interkulturelle Kompetenzen erlernt oder lehrt mit dem Ziel Kompetenzen im Umgang mit Geflüchteten, Asylsuchenden und jungen Migrantinnen und Migranten zu verbessern (z.B. Ausbildung von Flüchtlingskindern, interkulturelles Klassenzimmer, Diversität). 

  • in der Leitaktion 2 (Strategische Partnerschaften) das Ziel verfolgt wird, Geflüchtete, Asylsuchende sowie Migrantinnen und Migranten konkret bei ihren Integrationsschritten zu unterstützen. Zu diesem Zweck werden innovative Verfahren entwickelt und wird gute Praxis ausgetauscht.