Bildungspolitische Maßnahmen

Initiativen zur Digitalisierung im europäischen Kontext

Um den Prozess der Digitalisierung in Europa und den Mitgliedstaaten voranzutreiben, gibt es eine ganze Reihe von Initiativen. Die wichtigsten Strategien und Meilensteine stellen wir Ihnen hier kurz vor.

ET 2020: Strategischer Rahmen – allgemeine und berufliche Bildung

„Allgemeine und berufliche Bildung 2020“ (ET 2020) ist der europäische Rahmen für den Austausch bewährter Verfahren, für gegenseitiges Lernen und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung. Die EU-Länder haben hierzu 2009 gemeinsame Ziele und Zielvorgaben definiert, um die Herausforderungen in der Aus- und Weiterbildung bis 2020 zu bewältigen. Dazu zählen unter anderem:

  • der Anstieg der Beschäftigungsquote,
  • die Stärkung der individuellen Jobchancen durch Aus- und Weiterbildung,
  • die Entwicklung von neuen Arbeitsplätzen,
  • die Verringerung der Schulabbrecherquote sowie
  • die Erhöhung des Anteils von Personen mit Hochschulabschluss.

Die digitale Bildung ist Teil dieser Ziele.

 Informationen zur ET 2020 (auf der Webseite der Europäischen Kommission)

Digitale Agenda für Europa – Leitinitiative der „Strategie Europa 2020“

Die „Digitale Agenda für Europa“ ist eine der sieben Leitinitiativen der Wachstumsstrategie der EU „Strategie Europa 2020“. Sie wurde im Mai 2010 veröffentlicht und mit ihrer Hilfe sollen folgende Ziele erreicht werden:

  •  die notwendige Infrastruktur für eine digitale Gesellschaft sicherstellen (Netzausbau, Hochgeschwindigkeitsinternet),
  •  digitale Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger fördern,
  •  mit digitalen Technologien die Wirtschaft ankurbeln (Vorteile des digitalen Binnenmarkts nutzen). 

Kompetenzagenda (Skills Agenda) - Leitinitiative der "Strategie Europa 2020"

Im Juni 2016 hat die Generaldirektion für Beschäftigung, Soziales und Integration eine neue Kompetenzagenda (New Skills Agenda for Europe) veröffentlicht. Aufbauend auf den Ergebnissen der großen Koalition für digitale Arbeitsplätze und der IKT-Kompetenz-Strategie der EU sowie in Abstimmung mit den Arbeiten im Rahmen von „ET 2020“ wurden mit der neuen europäischen Kompetenzagenda („Skills Agenda“) die Mitgliedstaaten aufgefordert, bis Mitte 2017 umfassende nationale Strategien für die Vermittlung und den Erwerb digitaler Kompetenzen auf der Grundlage von Zielen zu entwickeln.

Diese umfassen:

  • die Einrichtung nationaler Koalitionen für digitale Kompetenzen zwischen Vertretungen staatlicher Behörden, der Wirtschaft, der allgemeinen und beruflichen Bildung sowie des Arbeitsmarktes;
  • die Entwicklung konkreter Maßnahmen zur Einbindung digitaler Fertigkeiten und Kompetenzen auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung, zur Unterstützung der Lehr- und Ausbildungskräfte und unter aktiver Einbeziehung von Unternehmen und anderen Organisationen.

Die Kompetenzagenda ist auch eine Leitinitiative der „Strategie Europa 2020“. Sie zielt darauf ab, auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung, die Entwicklung von Fähigkeiten und Kompetenzen zu fördern, die notwendig sind für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungsfähigkeit. Darunter fallen auch die digitalen Kompetenzen.

 Weitere Informationen zur Skills Agenda der Europäischen Kommission

 Skills Agenda 2016

Rigaer Schlussfolgerungen

Aufbauend auf den Erfahrungen bei der Umsetzung des Brügge Communiqués (2010) nennen die Rigaer Schlussfolgerungen des Ministertreffens in Riga am 22. Juni 2015 fünf mittelfristige Leistungen für den Zeitraum 2015 bis 2020. Dazu gehört ein neuer Schwerpunkt auf die Förderung folgender Themen:

  • Lernen am Arbeitsplatz,
  • Qualitätssicherungsmechanismen,
  • der Zugang zur beruflichen Bildung und Ausbildung in einer Perspektive für lebenslanges Lernen,
  • die Aus- und Weiterbildung von Lehr- und Ausbildungskräften sowie Mentorinnen und Mentoren;
  • die weitere Stärkung der Schlüsselqualifikationen durch berufliche Aus- und Weiterbildung.

Bei all diesen Themen spielt die Digitalisierung eine Rolle.

Europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen

Als Instrumente, um die eigenen Fähigkeiten im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien einzuordnen und zu dokumentieren, wurden verschiedene europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen entwickelt: Für das Bildungspersonal, für Bürgerinnen und Bürger sowie für Institutionen, begleitet von einem Guide mit vielen Umsetzungsbeispielen.

Sie dienen der Transparenz in diesen Bereichen in Europa und sind Bestandteil des Europass, einem Instrument der Europäischen Kommission zur Darstellung von Qualifikationen und Kompetenzen – europaweit.

  1. DigComp (Digital Competence Framework for Citizens): Hier finden sich alle wichtigen europäischen Dokument zum Thema.
  2. DigCompEdu: European Framework for the Digital Competence of Educators 
  3. GET INSPIRED MAKE IT HAPPEN – a user guide to the European Digital Competence Framework: Hier geht es um die Praxis.
  4. Developing digital youth work – Policy recommendations, training needs and good practice examples /Expert group set up under the European Union Work Plan for Youth for 2016-2018
  5. Learning and Skills for the Digital Era
  6. Zum Raster zur Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen
  7. Zur Europass-Webseite
  8. Auf nationaler Ebene: Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“

Europäische Programme und Strukturfonds

Folgende europäischen Programme und Initiativen ermöglichen die Umsetzung der politischen Ziele auf unterschiedliche Weise:

  • Horizont 2020 ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation. Als Förderprogramm zielt es darauf ab, EU-weit eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen sowie gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Das Programm unterstützt damit auch die Umsetzung der Ziele der Strategie „Europa 2020“.
  • Erasmus+ ist das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport (2014–2020). Im Zentrum von Erasmus+ steht die Förderung der Mobilität zu Lernzwecken und der transnationalen Zusammenarbeit. Das Programm soll Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit verbessern und die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung voranbringen.
  • Strukturfonds: Die EU-Strukturfonds sind ein zentraler Bestandteil der Kohäsions- und Strukturpolitik der Europäischen Union. In Deutschland werden sie koordiniert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Initiativen zur Digitalisierung in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl nationaler Maßnahmen und Förderprogramme zum Thema Digitalisierung. Die Ministerien (u.a. BMBF, BMWI, BMAS, BMG) fördern hierzu Forschung und Umsetzung. Viele Weiterbildungsorganisationen haben sich schon frühzeitig mit der digitalen Transformation ihrer Bildungsangebote, Dienstleistungen und Prozesse auseinandergesetzt und digitale Formate zum festen Bestandteil ihres Portfolios gemacht.

Da das Thema „Digitale Bildung“ bildungsbereichsübergreifend praxisrelevant ist, ist es nicht an die Strukturen des Bildungssystems gebunden. Es lebt von Innovation und dem Austausch – auch mit europäischen Partnern. Ergebnisse können in die (Berufs)Bildungspraxis europaweit und in Deutschland umgesetzt werden. Die Akzeptanz der Stakeholder ist dabei sehr positiv.

Synergien schaffen

Synergien mit anderen Netzwerken und Bildungsbereichen sind sinnvoll. Dabei gibt es Unterschiede in der Akzeptanz und der Breite der Einsatzmöglichkeiten von digitalem Lernen in den jeweiligen Bildungsbereichen.

  • Erasmus+: In der Kooperation und dem Austausch mit europäischen Partnern setzt das Programm Erasmus+ an. Es wird empfohlen, mögliche Synergien mit den Förderprogrammen auf nationaler Ebene zu nutzen. Wichtig ist es dabei, dass die europäische Zusammenarbeit einen Mehrwert zum bereits Vorhandenen bringt. 

Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten nationalen Strategien, Programme und Maßnahmen vor.

Digitale Medien in der beruflichen Bildung – Förderprogramm des BMBF

Digitale Medien erleichtern die berufliche Aus- und Weiterbildung. Sie machen sie flexibler und individueller. Das Bundesbildungsministerium fördert Innovationen wie z.B. neue Lehr- und Lernformate, die diese Entwicklung voranbringen. Das Förderprogramm unterstützt das Lehren und Lernen mittels digitaler Medien, um die berufliche Aus- und Weiterbildung zu stärken und attraktiver zu machen.

 Themenseite „Digitale Medien“ – auf der Webseite des BMBF

 Informationen zum Förderprogramm – auf der Webseite des BMBF

Berufsbildung 4.0

Berufsbildung 4.0 ist eine Initiative des BMBF und des BIBB, die 2016 gestartet wurde. Untersucht werden exemplarisch und systemisch Fachkräftequalifikationen und Kompetenzen für die digitalisierte Arbeit von morgen. Unter dem Dach der Initiative ist dazu eine Vielzahl von Projekten zusammengefasst (z.B. zu den Säulen Berufe- und Branchen-Screening, Medienkompetenz, Fachkräftebedarf).

 Informationen zur Pilotinitiative auf der Themenseite des BIBB

Qualifizierung digital

Qualifizierungdigital.de ist eine Initiative des BMBF zum Digitalen Wandel in der Bildung. Sie bietet umfangreiche Informationen zum Einsatz digitaler Medien in der beruflichen Qualifizierung. Der Schwerpunkt liegt in der beispielhaften Darstellung von Projektergebnissen und -erkenntnissen mit einem besonderen Nutzen für die berufliche Bildung.

 Zum Portal qualifizierungdigital.de

Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“digital

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat die Herausforderungen des digitalen Wandels in der Bildung und der damit einhergehenden Transformation angenommen und mit der Strategie „Bildung in der digitalen Welt" ein Handlungskonzept für die zukünftige Entwicklung der Bildung in Deutschland vorgelegt .

  Informationen zur Strategie der KMK „Bildung in der digitalen Welt"

Weitere Informationen

 

 Berufsbildung 4.0 – Umsetzungsstrategie Digitalisierung der Bundesregierung: Die Dachinitiative „Berufsbildung 4.0“ bündelt seit 2016 die vielfältigen Aktivitäten des BMBF zur strukturellen und inhaltlichen Ausrichtung der dualen Ausbildung auf die Erfordernisse einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Wirtschaft. 

 Arbeiten 4.0: Grünbuchbuch „Arbeiten 4.0“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: In diesem Dokument erfahren Sie, von welchem Ausgangspunkt aus das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in den Dialogprozess „Arbeiten 4.0“ startet.