Bildungspolitische Maßnahmen

Wie ist der Stand der Umsetzung in Europa?

2009 hat die Europäische Kommission eine Empfehlung des Europäischen Parlamentes und des Rates zur Einrichtung eines
Europäischen Leistungspunktesystems für die Berufsbildung (ECVET) herausgegeben. Die Empfehlung hat zum Ziel, die Anrechnung, Anerkennung und Akkumulierung der Lernergebnisse von Einzelpersonen auf ihrem Weg zum Erwerb einer Qualifikation zu erleichtern. Damit sollen Transparenz und Anerkennung von erworbenen beruflichen Kompetenzen verbessert sowie Mobilität, Durchlässigkeit und lebenslanges Lernen gefördert werden.

Erprobung in Europa

  • Die Europäische Kommission erprobte bis 2013 in mehr als 300 europäischen Pilotprojekten die Anwendung von ECVET-Prinzipien. Die Ergebnisse dieser Erprobungsphase sind auf der Seite  ECVET-Projects zusammengefasst.
  • 2014 wurde die externe Evaluierung zur Implementierung der ECVET-Empfehlung veröffentlicht. Demnach werden die ECVET-Prinzipien in den europäischen Ländern im unterschiedlichen Maße sowohl als Qualitätssicherungsinstrument, als Kreditpunktesystem und als Werkzeugkasten genutzt. Dabei hat sich ECVET in der europäischen Gesamtschau eher als Werkzeugkasten, denn als System durchgesetzt.
  • 14 Nationale Agenturen haben im Rahmen eines thematischen Netzwerkes das ECVET Toolkit entwickelt. Das Toolkit ist ein praxisorientierter Online-Werkzeugkasten, der die Anwendung von ECVET bei der Durchführung von Auslandsaufenthalten erklärt.
  • Das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop) hat den Auftrag, die Entwicklung der europäischen Berufsbildungspolitik zu unterstützen und zu ihrer Umsetzung beizutragen. In Monitoringberichten wurde der Entwicklungsstand von ECVET im  Zeitraum von 2011-2013 und im Zeitraum 2013-2015 in 28 EU-Mitgliedsstaaten untersucht.

ECVET-Sekretariat

Das ECVET-Sekretariat unterstützt im Auftrag der EU-Kommission die Mitgliedsstaaten bei der Anwendung von ECVET, durch Leitfäden, durch die Organisation von Seminaren und Workshops zu ECVET-Themen sowie durch die Herausgabe des ECVET Magazins.

Wie ist der Stand der Umsetzung in Deutschland?

In Deutschland wurden die ECVET-Prinzipien schwerpunktmäßig in transnationalen Mobilitätsmaßnahmen sowie im nationalen Kontext in der vertikalen Durchlässigkeit erprobt. Dabei nutzen Bildungsakteurinnen und -akteure ECVET-Prinzipien auf freiwilliger Basis, um nachgewiesene Lernergebnisse in einem anderen Lernkontext zu transferieren, zum Beispiel bei Kooperation von Berufsbildungseinrichtungen mit Fachhochschulen. In der transnationalen Mobilität, vor allem bei Mobilitätsprojekten in Erasmus+, gewinnt ECVET als Qualitätssicherungsinstrument kontinuierlich an Bedeutung.

ECVET-Prinzipien haben sich in Deutschland eher als Tool, denn als System durchgesetzt. Von 2010-2015 unterstützte die Nationale Koordinierungsstelle ECVET im Auftrag des BMBF in der NA beim BIBB die Einrichtungen bei der Umsetzung von ECVET-Prinzipien. Aktuell bietet das nationale Team von ECVET-Expertinnen und Experten unterschiedliche Unterstützungsangebote für Bildungseinrichtungen an. Die Nationale Agentur beim BIBB führt im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen Workshops zur Nutzung von ECVET -Prinzipien durch und sammelt Praxisbeispiele in der Übersicht der Lernergebniseinheiten von A-Z.