Aus der Praxis
Internationalisierung
Mobilität

Internationalisierungsstrategie in NRW

EU-Geschäftsstellen unterstützen berufsbildende Schulen bei der 10-Prozent-Strategie

03.09.2025

Die Möglichkeiten, als Auszubildende Lernaufenthalte im Ausland zu absolvieren, werden immer vielfältiger. Das Wissen darüber verbreitet sich eher langsam. Das Land Nordrhein-Westfalen hat daher 2017 eine Strategie entwickelt, um das Thema Internationalisierung in der Berufsbildung bekannter zu machen.

Strategie zur Förderung von Auslandsaufenthalten in der Berufsbildung

2013 wurde vom Deutschen Bundestag für ganz Deutschland ein Ziel definiert, das alle Beteiligten bestärken soll, kontinuierlich den Anteil der Auszubildenden mit Auslandserfahrungen zu steigern. Demnach sollten zunächst bis 2020 mindestens zehn Prozent der Auszubildenden in ihrer Ausbildung Auslandserfahrungen sammeln können.

Zwei Jahre später entwickelte die Bezirksregierung Köln ein Zertifizierungsangebot mit dem Leitziel „strategisch – beruflich – mobil“ für berufsbildende Schulen. Ziel war es, im Raum Köln die Internationalisierung der Berufsbildung voranzutreiben und zu fördern. Im April 2017 gelang auf Landesebene ein weiterer wichtiger Schritt, um diesem Ziel näher zu kommen. Das Ministerium für Schule und Weiterbildung unterzeichnete den Runderlass zur Übernahme des 10-Prozent-Ziels. So beschloss Nordrhein-Westfalen, die internationale Zusammenarbeit in der europäischen Berufsbildung gesondert zu fördern. Es wurde in Zusammenarbeit des Ministeriums für Schule und Weiterbildung und der fünf Bezirksregierungen ein Zertifizierungsangebot für international ausgerichtete Berufskollegs in NRW geschaffen.

Zertifizierungsangebot für berufsbildende Schulen in NRW

Die Zertifizierung erfolgt auf zwei Ebenen: Zum einen können Schülerinnen und Schüler die Zusatzqualifikation "Internationale berufliche Mobilität" erlangen. Die Qualifikation bindet internationale Aktivitäten in die didaktische Planung ein und bringt das Thema „Auslandsaufenthalt“ direkt in den Unterricht. Es handelt sich dabei um mindestens 40 Unterrichtsstunden sowie die Anforderung eines betrieblichen Auslandspraktikums oder eines beruflichen Projekts im Ausland. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich so nicht nur theoretisch mit dem Thema, sondern können auch ganz praktisch Grenzen überschreiten und andere Länder kennenlernen.

Zum anderen werden die berufsbildenden Schulen auch als Einrichtung gefordert und gefördert. Sie erhalten das Zertifikat, wenn sie eine gelungene Dokumentation ihrer strategischen Internationalisierung vorweisen und außerdem eine Quote von zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler mit der Zusatzqualifikation "Internationale berufliche Mobilität" auszeichnen konnten. 

Umsetzung in den Regierungsbezirken

Die EU-Geschäftsstellen passen ihre Aktivitäten an die jeweiligen Bedarfe ihrer Regierungsbezirke an. Die meisten verfolgen zunächst eine Informationskampagne. Diese sieht vor, die Berufskollegs zunächst an das Thema Internationalisierung in der Berufsausbildung heranzuführen.

Zu diesem Zweck haben z. B. die EU-Geschäftsstellen der Bezirksregierungen Düsseldorf und Arnsberg Fortbildungsreihen konzipiert. Im Rahmen der Fortbildungsreihe „Düsseldorfer Seminare zu Erasmus+ Auslandsmobilitäten“ wird eine dreiteilige Fortbildung für alle interessierten Lehrkräfte angeboten. Themen sind hier vorrangig die Planung und Durchführung von Mobilitätsprojekten in der Berufsbildung, dazu besteht Gelegenheit zur Arbeit am eigenen Fördermittelantrag. Die Fortbildung „go international“ der EU-Geschäftsstelle in Arnsberg ermöglicht Lehrerinnen und Lehrern eine strategische Herangehensweise. Im ersten Jahr der zweijährigen Qualifizierung geht es um die Förderung der Internationalisierung durch die Entwicklung schulspezifischer Strategien an den Berufskollegs. Der Fokus im zweiten Jahr liegt dann auf der Etablierung und Leitung eines EU-Teams, sowie Methoden des Projektmanagements und damit einhergehend der weiteren Schulentwicklung.

Zudem wurde gemeinsam ein Qualitätsrahmen und Leitfaden zur Durchführung von Lernaufenthalten und Praktika im Ausland entwickelt. Dieser soll der Qualitätssicherung dienen, indem er Elemente einer systematischen und strukturierten Durchführung beschreibt. Dies wird beispielsweise mit Hinweisen zur inhaltlichen Ausgestaltung der Lernaufenthalte und dem dazugehörigen Kommunikationsprozess mit internationalen Partnern erreicht. Das Dokument ist unter diesem Link abrufbar.

Weiteres Engagement der EU-Geschäftsstellen

Ein zentraler Schritt war für die EU-Geschäftsstellen in Arnsberg, Düsseldorf, Köln und Münster die Beantragung der Mobilitätscharta und später der Akkreditierung im Programm Erasmus+. Hierdurch wurde ein nahtloser Übergang von der einen in die nächste Programmgeneration möglich, bei der die inhaltliche und finanzielle Planungssicherheit durchgängig gewährleistet blieben. Akkreditiert als Koordinatorinnen eines Erasmus+ Konsortiums wurde es für die Geschäftsstellen einfacher, strategisch und umfassend an der Internationalisierung der beruflichen Schulen des jeweiligen Regierungsbezirks zu arbeiten. Auf diesem Weg eröffnet sich für viele Berufsschülerinnen und Berufsschüler ein Zugang zu Auslandsaufenthalten. Zudem werden Aufenthalte für das Berufsbildungspersonal der Konsortialmitglieder angeboten, sodass auch Lehrkräfte von der zunehmenden Internationalisierung in die Berufsbildung profitieren können.

Nicht zuletzt betreiben alle EU-Geschäftsstellen eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit sowie eine aktive Netzwerkarbeit zur Verbreitung des Themas. Zudem werden fortwährend Initiativen und Projektschwerpunkte gesetzt, um den allgegenwärtigen Herausforderungen der Berufsbildung aktiv entgegenzuwirken, wie beispielsweise verpflichtende Reisen per Green Travel als aktiver Beitrag zum Klimaschutz (Münster) oder das aktive Werben für Mobilitäten von Teilnehmende aus Handwerksberufen zur Förderung der Internationalisierung in diesem Bereich (Arnsberg).

Alle diese Maßnahmen helfen dabei, Auszubildende den Traum vom Auslandsaufenthalt zu ermöglichen und das Thema in den Köpfen der Menschen zu verankern und sind damit ein großer Erfolg!

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