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Neue Perspektiven für die Museumsentwicklung

Wie das Neanderthal-Museum die Chancen von Erasmus+ genutzt hat

Von Manfred Kasper

 

05.08.2026

Aktion

Auslandsaufenthalte

Bildungsbereich

Erwachsenenbildung

Thema

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Koordination

Neanderthal-Museum in Mettmann

Erasmus+ bietet auch in der kulturellen Bildung vielfältige Möglichkeiten, durch europäischen Austausch neue Perspektiven und Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen. Das gilt sowohl für Institutionen als auch für deren Mitarbeitende. Wie es in der Praxis konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel des Neanderthal-Museums in Mettmann bei Düsseldorf. Das Museum versteht sich als Teil einer Erlebniswelt, die Inhalte zur Ur- und Frühgeschichte der Menschheit auf spannende Art und Weise vermittelt. Anregungen für die Vermittlung lieferten die Erasmus+-Kurzzeitprojekte, die das Museum in den Jahren 2022 bis 2025 gemeinsam mit Partnern aus ganz Europa realisiert hat. 

„Wir haben unseren Mitarbeitenden vor allem Job-Shadowings und Sprachkurse in europäischen Museen und Institutionen ermöglicht“, beschreibt Dr. Bärbel Auffermann, Direktorin der Stiftung Neanderthal-Museum, die Idee der Projekte. Inhaltlich ging es dabei sowohl um die Stärkung europäischer Netzwerke als auch um die Weiterbildung des eigenen Personals, zum Beispiel hinsichtlich einer „nachhaltigen musealen Bildung mit digitalen Mitteln“. So hatten 20 der insgesamt 40 Mitarbeitenden des Museums die Gelegenheit, in verschiedenen europäischen Ländern Einblicke zu gewinnen, um diese anschließend in die eigene Arbeit einbringen zu können.

Auffermann unterstreicht: „Zum einen wollten wir fachlich von anderen Einrichtungen lernen – insbesondere von großen Museen und Wissenschaftszentren. So waren wir beispielsweise in Finnland oder in Paris – in Häusern, in deren Foyer unser Museum vermutlich komplett Platz finden würde. Von solchen Einrichtungen kann man sehr viel lernen. Zum anderen war es uns aber auch wichtig, dass nicht nur die Museumsleitung oder einzelne Fachbereiche internationale Kontakte pflegen, sondern Mitarbeitende aus möglichst vielen Bereichen unseres Hauses die Gelegenheit zum Austausch erhalten. Deshalb haben wir Kolleginnen und Kollegen aus der Museumsvermittlung, dem Marketing, der Haustechnik, der Verwaltung und anderen Arbeitsbereichen eingebunden. Darin lag für uns ein großer Mehrwert des Programms.“ 

Die Umsetzung der Idee war nicht immer einfach. „Es gab schon auch Hemmschwellen, zum Beispiel wegen der Sprache oder der Vorstellung, allein in ein anderes Land zu fahren“, erinnert sich Auffermann, die ergänzt: „Wir haben dann gemeinsam nach Lösungen gesucht. Wer sich mit Englisch unsicher fühlte, konnte beispielsweise zunächst in ein deutschsprachiges Land reisen. Das nahm vielen die Angst.“

Empowerment und Professionalisierung

Mareike Holtkamp, die im Bereich Marketing und Tourismus des Museums arbeitet, nutzte die Chance, um im Rahmen von Erasmus+ den Kolleginnen und Kollegen im Tiergarten Schönbrunn in Wien eine Woche lang über die Schulter zu schauen – das Ganze in Form eines Job-Shadowings. Auch wenn dies im ersten Augenblick fast ein wenig fachfremd wirft, weiß Holtkamp: „Mein Fokus lag auf dem Tourismus. Wir verstehen uns hier als Erlebnisort für Familien und haben neben dem Museum auch einen großen Außenbereich. Da wollte ich von den Besten lernen, denn der Tiergarten Schönbrunn ist mit über zwei Millionen Besuchern aus aller Welt ein ´Big Player` in seinem Segment.“ Konkret konnte Holtkamp Erfahrungen im Busreise-Marketing sammeln, einem Bereich, mit dem man sich in Mettmann, „immer noch ein bisschen schwertue“. Mit den Erkenntnissen aus ihrer Zeit in Wien hat sie zahlreiche Busunternehmen kontaktiert und hofft, dass die Auswirkungen perspektivisch sichtbar werden.

Das zeigt gleich zwei Wirkungen von Erasmus+: Zum einen das Empowerment und der Beitrag zur Motivation der Mitarbeitenden, zum anderen aber auch den Effekt auf die Professionalisierung der Museumsarbeit. Dazu Bärbel Auffermann: „Oft sind es gar nicht die großen und spektakulären Ideen, sondern viele kleine Verbesserungen, die sich unmittelbar auf die tägliche Arbeit übertragen lassen. Das können zum Beispiel Anregungen sein, wie Angebote optimiert oder Vermittlungsformate weiterentwickelt werden können.“

Die Chancen der digitalen Vermittlung

Ein gutes Beispiel ist das Angebot – sowohl in den Ausstellungen als auch bei der Besucherführung und Vermittlung. Auffermann selbst war in diesem Zusammenhang im Louvre und in der Cité des Sciences et de l´industrie in Paris. Dort hat sie sich angeschaut, wie digitale Medien in Ausstellungen eingesetzt werden und welche Möglichkeiten sie für die Besucherlenkung bieten. Bei aller Begeisterung räumt sie jedoch ein: „Inwieweit man das letztlich realisiert, muss jedes Museum für sich selbst entscheiden. Manche Museen setzen inzwischen stark auf immersive Formate, andere bleiben bewusst analog. Entscheidend ist nicht die Technik an sich, sondern die Frage, wie ein Museum seine Inhalte erzählt und welche Form der Vermittlung zur eigenen Geschichte und zum eigenen Haus passt.“

Ulrike Krautz arbeitet eigentlich in der Verwaltung des Neanderthal-Museums. Sie hatte über Erasmus+ die Möglichkeit, ins Muzeikomuseum nach Sofia in Bulgarien zu gehen – ein hochmodernes Haus speziell für Kinder. „Hier konnte ich mir anschauen, wie die digitale Vermittlung von Wissen bei Kindern abläuft. Meine Erkenntnisse habe ich an unser Ausstellungsmanagement weitergegeben, das sie heute für neue und innovative Konzepte für alle Besucherinnen und Besucher nutzt. Zugleich habe ich auch persönlich von dieser Reise profitiert, weil ich als Verwaltungsmitarbeiterin selten eine derartige Gelegenheit habe."

Nachhaltige Veränderungen durch Erasmus+

Fragt man Bärbel Auffermann nach ihrer Bilanz aus der Arbeit mit dem EU-Bildungsprogramm, so sagt sie: „Erasmus+ hat unser Museum nachhaltig verändert – sowohl inhaltlich als auch personell. Damit meine ich fachliche Impulse, aber auch die persönliche Entwicklung vieler Mitarbeitender. Zugleichhat sich unser Netzwerk erheblich erweitert. Ich war viele Jahre im Vorstand von Ecsite (European Collaborative for Science, Industry & Technology Exhibitions), dem größten europäischen Netzwerk von Wissenschaftsmuseen. Dort habe ich anderen Museen von unseren Erfahrungen berichtet. Inzwischen haben viele dieser Einrichtungen ähnliche Projekte auf den Weg gebracht. Es waren bereits Kolleginnen und Kollegen aus Italien und Kroatien hier bei uns, die unser Vorgehen und unsere Arbeit mit Erasmus+ kennenlernen wollten.“

Auffermann wirbt auch unter Museumskolleginnen und -kollegen in Deutschland dafür, die Möglichkeiten von Erasmus+ zu nutzen. Dabei empfiehlt sie, zum Einstieg Kurzzeitprojekte durchzuführen, da diese sich im Neanderthal-Museum als sehr gewinnbringend erwiesen haben. Eine dauerhafte Akkreditierung in Erasmus+ wäre für ihr Haus zwar prinzipiell vorstellbar, scheitert aber aktuell vor allem an personellen Ressourcen. 

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Die NA beim BIBB informiert mit der Kampagne „Wenn Austausch Türen öffnet“ zu den Chancen und Möglichkeiten, die Erasmus+ für Auslandsaufenthalte in der Erwachsenenbildung bietet. 

Mehr dazu erfahren Sie unter www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven

 

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