Wie wirkt Erasmus+ auf die Erwachsenenbildung in Europa?

Neue Forschungsergebnisse des RIA-AE-Netzwerks veröffentlicht

15.10.2026

Das europäische RIA-AE-Netzwerk hat seinen zweiten länderübergreifenden Bericht über die Auswirkungen des Erasmus+-Programms auf die Erwachsenenbildung in Europa veröffentlicht. Die Studie stützt sich auf Forschungsergebnisse aus 21 Ländern und untersucht die Zugänglichkeit, Inklusivität und die Auswirkungen des Programms auf Einrichtungen, Mitarbeitende und Lernende in der Erwachsenenbildung. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und bürgerschaftliches Engagement sowie auf die Auswirkungen der Mobilität von Lernenden gelegt.

Was ist das RIA-Netzwerk?

Das RIA-AE-Netzwerk (Research-based Impact Analysis of Erasmus+ Adult Education Programmes) ist ein transnationales Forschungsnetzwerk. Es wurde 2022 unter der Koordination der NA beim BIBB gegründet und bringt inzwischen Nationale Agenturen und Forschungseinrichtungen aus 24 europäischen Ländern zusammen, um die Evidenzbasis zur Erwachsenenbildung im Rahmen von Erasmus+ zu stärken.

Die Forschung wird in drei Erhebungsrunden durchgeführt, die sich jeweils auf spezifische thematische Prioritäten und Trends in der Erwachsenenbildung konzentrieren. In jeder Erhebungsrunde werden Daten in allen teilnehmenden Partnerländern zuerst auf nationaler Ebene erhoben. Im Anschluss werden die nationalen Ergebnisse zu einem transnationalen Bericht zusammengeführt.

Die transnationalen Ergebnisse der zweiten Erhebungsrunde zeigen, dass Erasmus+ das Lernangebot, die Kompetenzen der Mitarbeitenden, die internationale Zusammenarbeit und die Organisationsentwicklung stärkt. Lernende in der Erwachsenenbildung profitieren in Bereichen wie Selbstvertrauen, praktischen und sprachlichen Fähigkeiten, interkulturellem Lernen und sozialen Beziehungen.

Der Bericht hebt zudem den Beitrag von Erasmus+ zu europäischen Werten, bürgerschaftlichen Kompetenzen und gesellschaftlichem Engagement hervor, stellt jedoch fest, dass die Auswirkungen auf die direkte politische Teilhabe weniger deutlich sind. Gleichzeitig bleiben begrenzte personelle Kapazitäten, administrative Komplexität und finanzielle Engpässe wichtige Hindernisse für die Teilnahme an Erasmus+.

Der Bericht schließt mit Empfehlungen, Erasmus+ zugänglicher und inklusiver zu gestalten, die Nachhaltigkeit und breitere Nutzung von Projektergebnissen zu stärken sowie die Verbindungen zwischen Forschung, Praxis und Politik zu verbessern.

Den transnationalen Bericht finden Sie auf dem RIA-Portal
2. Transnationaler RIA-AE-Bericht über die Auswirkungen von Erasmus+ auf die Erwachsenenbildung (englisch)

Nationale Forschungsergebnisse

Auch deutsche Forschungsergebnisse zählen zur Datengrundlage des transnationalen RIA-AE-Berichts. Die zweite deutsche RIA-AE-Studie bestätigt – wie auch die transnationale Auswertung – den wichtigen Beitrag von Erasmus+ zur Internationalisierung, Qualitätsentwicklung und Professionalisierung der Erwachsenenbildung.

Besonders deutlich wird die Wirkung bei der Mobilität von Lernenden: Die Zahl der Auslandsaufenthalte ist seit 2023 erheblich gestiegen. Rund die Hälfte der Teilnehmenden an individueller Lernmobilität sind Menschen mit geringeren Chancen. Die Aufenthalte eröffnen neue soziale und interkulturelle Erfahrungen, stärken das Selbstvertrauen und werden von vielen Lernenden als prägend erlebt.

Ein Schwerpunkt der Studie lag auf dem Thema der demokratischen Teilhabe, gemeinsamen europäischen Werten und des bürgerschaftlichen Engagements. 78 Prozent der befragten deutschen Einrichtungen greifen diese Priorität direkt oder indirekt auf. Erasmus+ trägt dazu bei, politische Bildung, kritisches Denken und gesellschaftliche Verantwortung stärker in den Bildungsangeboten zu verankern.

Handlungsbedarf besteht im deutschen Kontext vor allem beim Abbau administrativer Hürden, bei der Unterstützung kleiner Einrichtungen und bei einer ausgewogeneren regionalen Beteiligung. Zugleich sollte die inklusive Mobilität weiter gestärkt und das Potenzial von Erasmus+ für Demokratiebildung und sozialen Zusammenhalt noch sichtbarer genutzt werden.

Den nationalen deutschen Bericht finden Sie auf dem RIA-Portal: 2. Deutscher RIA-AE-Bericht über die Auswirkungen von Erasmus+ auf die Erwachsenenbildung

Policy Paper zu Erasmus+ in der Erwachsenenbildung

Aufbauend auf den Ergebnissen der zweiten Erhebungsrunde hat das RIA-AE-Netzwerk darüber hinaus ein Policy Paper veröffentlicht, in dem die Erwachsenenbildung als strategische Investition in die Wettbewerbsfähigkeit, die demokratische Widerstandsfähigkeit und den sozialen Zusammenhalt Europas hervorgehoben wird.

Das Policy Paper fordert:

  • die Anerkennung der Erwachsenenbildung als strategische Säule des nächsten Erasmus+-Programms;
  • eine Programmgestaltung, die den Realitäten der erwachsenen Lernenden und der Bildungsanbieter besser Rechnung trägt;
  • angemessenere administrative Anforderungen und einfachere Verfahren;
  • eine stärkere Nutzung der Erasmus+-Ergebnisse in der nationalen und europäischen Politikgestaltung.

Das Papier zeigt, dass Erasmus+ Kompetenzen, Inklusion, demokratische Teilhabe und Organisationsentwicklung in ganz Europa stärkt. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, sollte die nächste Programmgeneration Rahmenbedingungen und Ressourcen bereitstellen, die der Vielfalt und den spezifischen Bedürfnissen der Erwachsenenbildung besser Rechnung tragen.

Das Policy Paper können Sie auf dem RIA-Portal lesen: RIA-AE Policy Paper 2026 (englisch)

Weitere Informationen

Möchten Sie mehr über das RIA-AE-Netzwerk, seine Arbeit und Forschungsergebnisse erfahren? Dann besuchen Sie das Portal des Netzwerks: RIA-AE Network (englisch)

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