Innovative Lernumgebungen eröffnen Erwachsenen neue, flexible und lebensnahe Zugänge zum Lernen. Sie entstehen aus dem Zusammenspiel geeigneter Orte, zeitgemäßer didaktischer Formate, digitaler Möglichkeiten und verlässlicher sozialer Beziehungen. Damit reagieren sie auf die Vielfalt erwachsener Lernender, deren Erfahrungen, Bedürfnisse, Lebenssituationen und Motivationen sehr unterschiedlich sind. Klassische Unterrichtsformate allein reichen häufig nicht aus, um dieser Vielfalt gerecht zu werden und insbesondere Menschen zu erreichen, die bislang nur selten an Weiterbildung teilnehmen.
Innovative Lernumgebungen verbinden daher sinnvoll analoge und digitale Elemente, ermöglichen Lernen an unterschiedlichen Orten und berücksichtigen neben technischen Anforderungen auch die sozialen und emotionalen Dimensionen des Lernens. Sie können im Kursraum, online, im Sozialraum oder am Arbeitsplatz entstehen. Entscheidend ist, dass sie niedrigschwellig, motivierend und an den konkreten Lebens- und Arbeitswelten der Lernenden ausgerichtet sind und Räume schaffen, in denen Lernende ihre Kompetenzen nachhaltig weiterentwickeln und Lernen als positiven, selbstbestimmten Prozess erleben können.
Die Neue Europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021–2030 bildet den zentralen Rahmen für die Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung. Sie soll die Teilnahme am formalen, nichtformalen und informellen Lernen erhöhen, indem sie den Zugang erleichtert, flexible Lernmöglichkeiten fördert und die Qualität der Erwachsenenbildung weiterentwickelt. Im Mittelpunkt stehen Chancengerechtigkeit, Inklusion und Lernerfolg sowie der digitale und grüne Wandel. Damit stärkt sie das in der Europäischen Säule sozialer Rechte verankerte Recht auf lebenslanges Lernen.
Innovative Lernumgebungen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag: sie bauen Barrieren ab, eröffnen unterschiedliche Lernwege und erreichen insbesondere benachteiligte Gruppen. Um das europäische Weiterbildungsziel von jährlich 60 Prozent bis 2030 zu erreichen, müssen Lernangebote Erwachsene in ihren Lebens- und Arbeitswelten erreichen, Orientierung geben und Lernen zeitlich, räumlich und didaktisch flexibler machen.
Die Schwerpunktthemen der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung greifen zentrale Herausforderungen und Entwicklungen der Erwachsenenbildung auf – von Future Skills und digitalem Wandel über innovative Lernräume bis hin zu Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Wie diese Themen in der Praxis umgesetzt werden können, zeigen ausgewählte Erasmus+-Projekte und Mobilitäten. Die Beispiele geben Einblicke in konkrete Ansätze, Methoden und Erfahrungen aus der europäischen Bildungsarbeit und machen sichtbar, wie europäischer Austausch dazu beiträgt, die Ziele der Agenda mit Leben zu füllen.
Im Themenschwerpunkt "Innovative Lernumgebungen" richtet die NKS den Blick sowohl auf die arbeitsorientierte Grundbildung als auch auf Menschen mit Grundbildungsbedarf. Ziel ist es, innovative Formen der Ansprache sichtbar zu machen, ihren Transfer in die Praxis zu fördern und damit auch schwer erreichbare Zielgruppen besser für Erwachsenenbildung zu gewinnen. Die Arbeit der NKS knüpft somit an das europäische Anliegen an, eine Kultur des lebenslangen Lernens für alle zu fördern.
Die NKS führt die europäische und nationale Vernetzung der vergangenen Jahre fort. Durch die Mitarbeit im europäischen Cluster "Innovative Learning Environments in Adult Education" unterstützt und fördert sie aktiv den Austausch guter Praxis und ermöglicht damit den Transfer von erfolgreichen Beispielen. Besuche von Lernorten, der Dialog mit Fachleuten und die Dokumentation guter Praxis zeigen, wie kommunale, soziale und betriebliche Partner gemeinsam neue Lernmöglichkeiten schaffen können.
Ein Study Visit zum Lernen am Arbeitsplatz bot europäischen Expertinnen und Experten zudem Einblicke in arbeitsplatzbezogenes Lernen, duale Ausbildung und Erwachsenenbildung in Deutschland und besuchte in diesem Rahmen auch Orte gemeinsamen Lernens.
Ein wichtiger Meilenstein war 2025 die gemeinsam mit der AEWB (Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Niedersachsen) ausgerichtete Fachtagung "Lernräume in der Grundbildung gestalten" in Göttingen. Fachleute aus Deutschland und Europa diskutierten, wie analoge und digitale Lernräume niedrigschwellig, lebensnah und mit vertretbarem Aufwand gestaltet werden können. Im Mittelpunkt standen Lernorte und Kooperationen vor Ort, eine am Menschen orientierte Digitalisierung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Grundbildung, europäische Mobilität und die Beteiligung der Lernenden.
In der Förderperiode 2026/2027 legt die NKS den Fokus auch auf aufsuchende Bildungsarbeit im Sozialraum. Gemeinsam mit Akteuren aus Praxis, Politik und Forschung sollen innovative Lernumgebungen und Bildungswege für non-formales, intergenerationelles und interkulturelles Lernen weiterentwickelt werden. Europäische Praxisbeispiele und Erfahrungen aus der Netzwerkarbeit werden einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für 2027 ist eine europäische Fachkonferenz geplant, die die Debatte über Grundbildung, Teilhabe, die Ansprache schwer erreichbarer Zielgruppen und innovative Lernumgebungen weiterführen soll.
Auf der Elektronischen Plattform für Erwachsenenbildung finden Sie gesammelte Ressourcen aus der Themenwoche: Innovative Lernorte in der Grundbildung
Das Themennetz Lernorte bietet ein großes Repertoire an Beiträgen und gezielt praktische Materialien zum Thema
In diesem Beitrag der Gesprächsreihe zu aktuellen Herausforderungen in der Erwachsenenbildung kommt Oksana Janzen, Programmbereichsleiterin für Alphabetisierung, Grundbildung und Zweiter Bildungsweg bei der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) Niedersachsen, zum Thema “Innovative Lernumgebungen” zu Wort.