07.07.2026
Das europäische Netzwerk der EuroApprentices (Erasmus+-Botschafterinnen und -Botschafter in der Berufsbildung) kam vom 10. bis 14. Juni 2026 in Danzig (Polen), zusammen, um sich weiterzubilden, zu vernetzen und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Zwei der deutschen Teilnehmenden, Pia und Benjamin, berichten aus ihrer Perspektive von dem Treffen.
Mittwoch, 10. Juni 2026: Aus elf verschiedenen Nationen – von Finnland bis Italien, von Portugal bis Rumänien – trafen sich die EuroApprentices in der Hafenstadt Danzig. Unser Programm begann mit Icebreaking-Aktivitäten und einem regen Austausch. Nach einem kurzen Briefing starteten wir mit unserem ersten Arbeitsauftrag, welchen wir bereits im Online-Vorbereitungsmeeting erhalten hatten: Unter dem Thema Democratic Turning Point arbeiteten die Teilnehmenden jedes Landes eine Präsentation aus. Das deutsche Team entschied sich für „Democracy is not given – it depends on all of us“ und setzte sich mit wiederkehrenden gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen sowie den daraus zu ziehenden Lehren auseinander. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der zunehmenden Verschiebung des politischen Diskurses nach rechts. Vor dem Hintergrund, dass Demokratien derzeit in vielen Ländern unter wachsendem Druck stehen, verdeutlichte die Präsentation zugleich, dass alle Teile der Gesellschaft Verantwortung tragen und dazu aufgerufen sind, demokratische Werte aktiv zu schützen und mitzugestalten.
Parallel dazu wurde bereits der European Market aufgebaut: Alle Nationen brachten landestypische Speisen, Süßigkeiten und Getränke zum Probieren mit. Obwohl es innerhalb der EU viel Transparenz gibt und die meisten Supermärkte gut ausgestattet sind, war es doch eine erfreuliche Erkenntnis, wie viel wir noch nicht kannten (Nachahmung sei an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen!).
Thematisch lag der Fokus jeden Tag auf einem anderen Sujet. So startete das Programm am Donnerstagmorgen mit dem Thema Migration. Anfängliche Fragen, wie „Was verstehen wir unter dem Begriff? Was sind Pull- und Push-Faktoren?“ wurden geklärt und intensiv diskutiert. Von freedom of movement, über Immigration in Europe, bis hin zu den Aspekten, die uns einen und unterscheiden, ließen wir kaum einen Punkt aus. Dieser Einstieg diente der Vorbereitung auf den Besuch des Immigrationsmuseums in Gdynia. Das Museum versorgte uns anschließend mit interessanten Informationen und wir bekamen die Gelegenheit, unser neu erworbenes Wissen mit der Geschichte Polens zu verknüpfen.
An Tag drei erweiterten wir im zweiten Workshop unseren Horizont rund um die Begriffe solidarity, civic action und democracy. Erneut stellten wir uns die Frage, was diese Begriffe für uns bedeuten: Ist es der menschliche Zusammenhalt? Sind es die Möglichkeit und die Pflicht, für seine Rechte einzutreten? Oder doch ausschließlich anderen zu helfen? Erneut wurden rege die Meinungen ausgetauscht – dieses Mal mithilfe einer Fishbowl-Diskussion – und zur Visualisierung unserer Ansichten erstellten wir gemeinsam Collagen. Anschließend fuhren wir zum European Solidarity Centre. Dort lag unser Fokus auf der Gewerkschaft Solidarność und auf dem polnischen Politiker Lech Wałęsa. Solidarność beschreibt die Solidaritätsbewegung der polnischen Bevölkerung, welche 1980 das Ende des Kommunismus einläutete und geleitet wurde von Lech Wałęsa (ehemaliger Präsident Polens und Friedensnobelpreisträger). Nach der ebenso bewundernswerten wie lehrreichen Ausstellung ließen wir den Abend bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Wałęsa bildete auch den Dreh- und Angelpunkt des Samstags. Bevor es aber zu dem Treffen kam, reflektierten wir zunächst den gestrigen Museumsbesuch. Alle nahmen für sich eine andere bedeutende Information mit, welche in der Reflexionsrunde eine breit gefächerte Wiedergabe der Ausstellung möglich machte. Im Anschluss daran folgten unsere Präsentationen, welche wir am Mittwoch vorbereitet hatten. Dadurch erhielten wir viele Einblicke in die Vergangenheit und Gegenwart verschiedener Nationen. Portugal erzählte beispielsweise von der Nelkenrevolution, einem friedlichen Militär Coup, welcher von Blumen statt durch Gewalt begleitet wurde.
Anschließend stand ein herausragender Punkt auf der Agenda: Das Treffen mit Lech Wałęsa. Zu Beginn erzählte der ehemalige Präsident von Polen von sich und seinen Erfahrungen. Später ging er zu der aktuellen Lage und der Demokratie über. Wałęsa ratterte keine politische Standard-Rede herunter, sondern wirkte ehrlich und erzählte das, was er dachte, wie er dazu steht und motivierte uns. Zum Beispiel sei die Demokratie hier und da veraltet und könne ein wenig frischen Wind gut vertragen. Aus diesem Grund setze Lech Wałęsa große Stücke auf uns. Damit meine er nicht nur uns EuroApprentices, sondern alle jungen Menschen der Welt. Laut Wałęsa liege es nun an der jungen Generation, Verantwortung zu übernehmen und sich für demokratische Veränderungen zu engagieren. Er selbst habe sich über viele Jahre für die Demokratie eingesetzt und sehe es nun als unsere Aufgabe der jungen Generation, dieses Engagement fortzuführen. Unsere Fragen in der anschließenden Austauschrunde beantwortete er ausführlich und mit vielen witzigen Anekdoten. Mit dem Besuch im Museum, seinen Erzählungen und Antworten auf unsere Fragen zeichnete sich ein schärferes Bild von einer für uns sonst unerreichbaren Persönlichkeit ab.
Der restliche Tag stand uns zur freien Verfügung. Manche sind zum Strand nach Sopot gefahren, andere probierten sich durch die kulinarischen Spezialitäten, wie Pierogi, Bigos oder Żurek. Auch die Erkundung der Innenstadt, der Besuch eines lost places oder aber die Bewunderung der vielen Schiffe war heute möglich.
Sonntag, 14.06.2026: Time to say goodbye. Der Sonntagmorgen kam schneller, als wir gucken konnten. Innerhalb der gesamten Gruppe starteten wir mit einer Reflexion in den Tag: Was haben wir über Migration gelernt? Inwiefern veränderte sich die Bedeutung des Begriffs Solidarität für uns? Wie hat sich unser Bild von der Demokratie entwickelt? Auch von besonderer Wichtigkeit ist die Frage: Was werden wir nun unternehmen, um Dinge zu verändern oder zu erhalten? Die polnische NA knüpfte mit abschließenden Worten an und es folgte der Abschied. Und so reisten die EuroApprentices mit neuem Wissen und neu gewonnenen Freundschaften zurück in ihre Heimat – in der Hoffnung, sich auf dem nächsten International EuroApprentices Meeting, ausgerichtet von Deutschland, oder vielleicht sogar schon etwas früher zu privat organisierten Treffen wiederzusehen.
– Bericht verfasst von Pia Saurer und Benjamin Dinh, EuroApprentices
Die EuroApprentices-Initiative ist ein europäisches Netzwerk, bestehend aus über 300 Botschafter/-innen für Erasmus+ in der Berufsbildung aus insgesamt 11 Ländern. Sie berichten ehrenamtlich über ihre Erfahrungen mit dem Erasmus+-Programm und machen Mut, damit auch andere Lernende der Berufsbildung sich trauen, den Schritt ins Ausland zu wagen. EuroApprentices sind deutschlandweit vertreten und können für Veranstaltungen, Redebeiträge und Online-Events angefragt werden. Zudem betreiben sie ihre eigenen Social-Media-Kanäle und einen eigenen Podcast:
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