24.09.2026
Drei Tage lang standen aktuelle Programmentwicklungen, die Wirkung europäischer Zusammenarbeit und Impulse für die Projektpraxis im Fokus.
Der gemeinsame Auftakt verband den Blick auf aktuelle und künftige Fördermöglichkeiten in Erasmus+ mit Forschungsergebnissen zur Wirkung des Programms in der Erwachsenenbildung. Das mit dem European Innovative Teaching Award ausgezeichnete Euro BBW Bitburg zeigte zudem, wie internationale Lernerfahrungen Grundkompetenzen stärken und gesellschaftliche Teilhabe fördern können.
Zum Auftakt begrüßte Bundesbildungsministerin Karin Prien die Teilnehmenden mit einer Video-Grußbotschaft. Angesichts der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz sowie gesellschaftspolitischer Umbrüche und der Frage von Krieg und Frieden hob sie die Bedeutung der beruflichen Bildung und der Erwachsenenbildung hervor. Beide stärken die Innovationskraft und den Wirtschaftsstandort Deutschland und fördern zugleich europäische Werte wie Freiheit, Demokratie, Gleichstellung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. Erasmus+ bezeichnete sie dabei als Schlüssel zum Erfolg: Das Programm ermöglicht grenzüberschreitendes Lernen, bringt Menschen zusammen und vermittelt Werte.
Dabei betonte Prien auch die europäische Verbundenheit, die durch internationalen Bildungsaustausch mit Erasmus+, AusbildungWeltweit und ProTandem entsteht. Die Jahrestagung würdigte sie als Gelegenheit, Einblicke in Erasmus+ und Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen.
Berthold Hübers, Direktor der NA beim BIBB, erläuterte die aktuellen Fördermöglichkeiten und Perspektiven für Erasmus+. Dabei hob er die positive Entwicklung der internationalen Mobilität in der Erwachsenenbildung und der Berufsbildung sowie die weiterhin steigende Nachfrage in fast allen Aktionen hervor. Einschränkend wies er darauf hin, dass die etwas geringeren Fördermittel 2026 zu einem leichten Rückgang der bewilligten Mobilitäten gegenüber dem Vorjahr führten.
Für 2027 stellte Hübers zentrale Neuerungen vor: Auslandsaufenthalte im Vereinigten Königreich werden wieder förderfähig, in der Schweiz voraussichtlich ebenfalls. Über die Beteiligung beider Länder ab 2028 muss noch entschieden werden. Für bereits akkreditierte Einrichtungen ist eine Re-Akkreditierung für den Zeitraum 2028 bis 2034 vorgesehen. Leichte Budgetzuwächse ermöglichen auch im kommenden Jahr eine umfangreiche Förderung.
Mit Blick auf Erasmus+ 2028 bis 2034 betonte Hübers die angestrebte Kontinuität: Die bewährten Leitaktionen, Bildungsbereiche und Zielgruppen sollen erhalten bleiben. Der Vorschlag der Europäischen Kommission sieht zudem ein weiterhin eigenständiges Programm mit deutlich höherem Budget vor. Die endgültige finanzielle Ausstattung bleibt Gegenstand der Verhandlungen. Nach dem vorgestellten Zeitplan wird die neue Programmverordnung im Herbst 2027 erwartet.
Tanja Möller, wissenschaftliche Mitarbeiterin der NA beim BIBB, stellte Ergebnisse des RIA-AE-Netzwerks zur Wirkung von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung vor. Das Forschungsnetzwerk aus 25 europäischen Partnerländern untersucht, wie das Programm Einrichtungen, Bildungspersonal und Lernende unterstützt.
Die Erhebungsrunde 2025/2026 zeigt, dass Erasmus+ Bildungsangebote nachhaltig weiterentwickelt: Projektergebnisse fließen in reguläre Angebote ein, die sich stärker an den Bedürfnissen der Lernenden orientieren. 91 Prozent der befragten Einrichtungen auf europäischer Ebene gaben an, dass ihr Projekt ohne Erasmus+ nicht stattgefunden hätte. Auch Mitarbeitende profitieren: Sie erweitern ihre internationalen und pädagogischen Kompetenzen. Unter den befragten Lernenden berichteten 96 Prozent von Verbesserungen in mindestens einem der untersuchten Kompetenzbereiche.
Die deutschen Ergebnisse unterstreichen zudem die Bedeutung für demokratische Teilhabe und europäische Verbundenheit. Gerade im ländlichen Raum kann europäische Vernetzung Isolation entgegenwirken und Menschen ermutigen, ihre Gemeinschaften mitzugestalten. Möllers Beitrag machte deutlich, wie Erasmus+ persönliche Entwicklung, die Qualität von Bildungsangeboten und europäisches Miteinander stärkt.
Im Rahmen der Online-Jahrestagung wurde zudem durch den Leiter der NA der European Innovative Teaching Award 2026 an das Europäische Berufsbildungswerk des DRK Landesverbandes Rheinland-Pfalz e. V. (Euro BBW) in Bitburg verliehen. Das Euro BBW zeige in besonderer Weise, so Berthold Hübers in seiner Laudatio, wie berufliche Bildung fachliche Grundkompetenzen mit persönlicher Entwicklung, gesellschaftlicher Teilhabe und europäischer Erfahrung verbinden kann.
Der European Innovative Teaching Award 2026 würdigt Projekte, die innovative Lehr- und Lernansätze zur Förderung von „Basic Skills“ umsetzen. Dazu zählen grundlegende schulische Kompetenzen, ein digitales Grundverständnis und die Fähigkeit, sich in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt selbstständig zu bewegen.
Das Euro BBW Bitburg setzt diesen Anspruch konsequent um. Seine Auslandspraktika richten sich auch an junge Menschen, die auf ihrem Bildungsweg Misserfolge und Benachteiligung erlebt haben. In einem anderen europäischen Land wenden sie berufliche Fachkenntnisse an und lernen zugleich, sich in einer ungewohnten Umgebung zu orientieren, zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen. Das stärkt Selbstwirksamkeit, Teamfähigkeit und interkulturelle Kompetenzen. Gleichzeitig erleben die Teilnehmenden konkret, was es bedeutet, Teil von Europa zu sein.
Anne Unfried, Mitarbeiterin im Bereich Mobilität & Kommunikation / Erasmus+ beim Euro BBW, nahm die Urkunde entgegen und sprach im anschließenden Interview mit Moderatorin Julia Lubjuhn über die Bedeutung der Auszeichnung und Empfehlungen für andere Einrichtungen. Unfried betonte, dass die Auszeichnung die Leistungen junger Menschen mit psychischen Erkrankungen sichtbar mache. Auslandsaufenthalte stärkten nicht nur ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstständigkeit, sondern auch die beruflichen Chancen. Entscheidend für den Erfolg seien verlässliche Partnerschaften, eine individuelle Vorbereitung und eine Begleitung, die Sicherheit gebe und sich schrittweise zurückziehe, sobald eine enge Begleitung nicht mehr erforderlich sei. Der dafür notwendige Aufwand lohne sich besonders bei jungen Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf.
Nach dem gemeinsamen Auftakt richtete sich der Blick auf die beiden weiteren Tagungstage am 23. und 24. September. Unterschiedliche Themensessions und praxisnahe Fachimpulse boten den Teilnehmenden Anregungen für ihre Arbeit mit Erasmus+, Europass und EPALE sowie weiteren Programmen zur Förderung von Auslandsaufenthalten wie AusbildungWeltweit und ProTandem. Damit erhielten die Teilnehmenden einen vollständigen und umfassenden Überblick über die Neuigkeiten der Förder- und Unterstützungsangebote für internationalen Austausch in der Berufs- und Erwachsenenbildung.