Die Zukunft von Erasmus+

Die aktuelle Programmgeneration von Erasmus+ endet 2027. Die Vorbereitungen für das Nachfolgeprogramm haben schon begonnen. Was hat sich bewährt? Was sollte aus deutscher Sicht weiterentwickelt werden? Welche Vorschläge hat die EU-Kommission unterbreitet? Wie läuft der Prozess dazu ab – und was ist gerade der aktuelle Stand?

Der Weg zu Erasmus+ 2028 bis 2034

Viele Akteure sind an den Vorbereitungen des neuen Programms beteiligt. Der Haushalt von 2028 bis 2034 und des Programms werden als EU-Verordnungen im Rahmen des „Ordentlichen Gesetzgebungsverfahren“ der Europäischen Union verabschiedet. Im Sommer 2025 hat die Kommission einen Vorschlag für den gesamten EU-Finanzrahmen und einen Vorschlag für Erasmus+ vorgelegt. Ab der zweiten Jahreshälfte werden diese beiden Verordnungen verhandelt und voraussichtlich 2027 verabschiedet.

Dies ist ein komplexer demokratischer Prozess, an dem sich alle beteiligen können.

  • Der Erasmus+-Nutzerbereit der NA beim BIBB hat bereits im April 2024 eine Stellungnahme zum Nachfolgeprogramm erarbeitet.
  • Projektträger in Erasmus+ können ihre EU-Parlamentarierinnen und -Parlamentarier über ihr Engagement im Programm und die Bedeutung von Erasmus+ für ihre Arbeit informieren. Viele Abgeordnete freuen sich über konkrete Rückmeldungen, die sie in ihre Arbeit im Parlament einbringen und damit auch Entscheidungsprozesse beeinflussen können.

Das EU-Parlament, der Europäische Rat und die EU-Kommission streben an, diesen Prozess bis Ende 2027 abzuschließen, damit die neue Programmgeneration Erasmus+ 2028 bis 2034 pünktlich an den Start gehen kann. 

Nationale Zwischenevaluation von Erasmus+

Der „Nationale Bericht zur Halbzeitevaluation der Erasmus+-Programmgeneration 2021-2027“ ist verpflichtender Bestandteil der Erasmus+-Verordnung. Diese Zwischenevaluation dient dem Bundesbildungsministerium dazu, festzustellen, ob die Programmziele sowie die angestrebten Wirkungen erreicht wurden.

Das Ergebnis zeigt: Erasmus+ ist sehr erfolgreich und der Wunsch nach Kontinuität hoch. Positiv bewertet wurden u.a.:

  • die Steigerung der Lernmobilität,
  • die Fortführung der Akkreditierung,
  • die Stärkung europäischer Kooperationen,
  • die Wirkung des Programms im Kontext der Prioritäten (Inklusion und Vielfalt, Nachhaltigkeit, Digitaler Wandel, Teilhabe),
  • die überwiegend dezentrale Verwaltung des Programms und
  • die ausgeweitete Pauschalierung.

Nationale Kernforderungen an die Europäische Kommission

Die Evaluation macht auch deutlich, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Die Erkenntnisse daraus flossen direkt in das deutsche Positionspapier zur nächsten Generation von Erasmus+ ein. Darin haben die Bundesministerien der EU-Kommission gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz wichtige Forderungen und Impulse für die Weiterentwicklung des Programms übermittelt.

Die Vorschläge der Europäischen Kommission zu Budget, Zielen und Programmstruktur

Die Europäische Kommission hat im Juli 2025 von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch gemacht und zwei zentrale Dokument vorgelegt:

Vorschlag für Erasmus+ 2028 bis 2034: Budget – Mehrjähriger Finanzrahmen

Das Budget des Erasmus+-Programms für den Zeitraum 2028 bis 2034 soll nach den Vorstellungen der EU-Kommission 40,8 Milliarden Euro betragen. Dies entspricht rund 2 Prozent des gesamten EU-Haushalts, der in diesem Zeitraum nahezu 2 Billionen Euro umfassen soll. Das aktuelle Programm verfügt über ein Budget von 26,4 Milliarden Euro, sodass die EU-Kommission von einem Budgetzuwachs um 50 Prozent spricht.

Diese geplante Budgetsteigerung kann zunächst als Anerkennung der Bedeutung und Wirksamkeit des Programms verstanden werden – für die individuellen Bildungschancen, die Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie die Stärkung der Werte der Europäischen Union.

Bei der Bewertung des Vorschlags sind jedoch drei Aspekte besonders zu berücksichtigen:

Haushaltsverhandlungen auf EU-Ebene

Deutschland und weitere Mitgliedstaaten haben bereits angekündigt, dem Entwurf des Gesamtbudgets für den EU-Haushalt in seiner derzeitigen Höhe nicht zuzustimmen. Sie halten ihn für zu umfangreich. Eine Kürzung des Erasmus+-Budgets im weiteren Verlauf der Verhandlungen ist daher möglich.

Relativer Anteil des Programms am EU-Haushalt

Der Anteil von Erasmus+ am EU-Gesamthaushalt beträgt derzeit rund 2,5 Prozent. Im neuen Finanzrahmen würde dieser Anteil trotz absoluter Steigerung auf etwa 2 Prozent sinken.

Tatsächlicher Finanzbedarf

Nach Berechnungen der NA beim BIBB würde das vorgeschlagene Budget nicht ausreichen, um die im Jahr 2027 finanzierten Aktivitäten des Programms im Zeitraum 2028 bis 2034 auf gleichem Niveau fortzuführen. Ursache hierfür sind zum einen die Inflation der Jahre 2021 bis 2024, die sich auf nahezu 20 Prozent belief, sowie das starke Wachstum des Programms in der laufenden Generation. Um allein den Status quo zu sichern, ist somit bereits ein erhebliches finanzielles Wachstum notwendig.

Um darüber hinaus eine quantitative und qualitative Weiterentwicklung des Programms zu ermöglichen – wie sie auch in den Initiativen „Europa in Bewegung – Lernmobilität für alle“ und „Union der Kompetenzen“ formuliert ist – bedarf es eines Erasmus+-Budgets, das über den aktuellen Vorschlag hinausgeht. Dieses Ziel sollte in den nun beginnenden Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) konsequent verfolgt werden.

Zum Vorschlag
 

Vorschlag für Erasmus+ 2028 bis 2034: Ziele, Struktur und Perspektiven

Die Verordnung zum Erasmus+-Programm legt die grundlegenden Ziele und Strukturen fest.

Zum Vorschlag

Ziele des Programms

Im Mittelpunkt des Vorschlags der EU-Kommission steht weiterhin die Lernmobilität. Inklusion bleibt ein zentrales Anliegen. Gleichzeitig gewinnen die Förderung von Wettbewerbsfähigkeit, Kompetenzerwerb sowie die politische und gesellschaftliche Teilhabe weiter an Bedeutung.

Programmstruktur bleibt

Die grundlegende Programmarchitektur bleibt im Wesentlichen erhalten. Die sechs Sektoren – Berufsbildung, Hochschulbildung, Erwachsenenbildung, Jugend und Sport – bleiben bestehen. Der bislang eigenständige Europäische Solidaritätskorps wird in das Erasmus+-Programm integriert.

Leitaktionen werden zu Säulen

Die bekannten Leitaktionen werden im Kommissionsvorschlag künftig als „Säulen“ bezeichnet. Die bisherigen Leitaktionen 2 und 3 sollen zu einer neuen Säule 2 zusammengeführt werden. 

Bedeutung von Kooperationsprojekten

Kooperationsprojekte, wie sie von den Nationalen Agenturen gefördert werden, bleiben Teil des Programms. Unklar ist, ob ihr Stellenwert im Vergleich zu Mobilitätsmaßnahmen oder zentralen Projekten auf EU-Ebene im gleichen Maße wächst. Dabei sind diese Projekte essenziell, um praxisnahe Impulse für die Weiterentwicklung des Europäischen Bildungsraums zu liefern. Es wird wichtig sein, diesen Aspekt in die weiteren Verhandlungen einzubringen.

Zielgruppen bleiben

Alle Zielgruppen, die im aktuellen Erasmus+-Programm förderfähig sind, sollen laut Vorschlag auch in der neuen Programmgeneration unterstützt werden.

Der Standpunkt des Rates zum Vorschlag der EU-Kommission für Erasmus 2028-2024

Der Rat hat im Mai 2026 seinen Standpunt zum Vorschlag der EU-Kommission veröffentlicht, dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Nachfolgeprogramm.

Bewährtes erhalten, keine Position zum Budget

Mit der Vorlage des Standpunktes haben die 27 Mitgliedsstaaten sich inhaltlich positioniert für die voraussichtlich Anfang 2027 beginnenden Verhandlungen mit dem EU-Parlament und der EU-Kommission. Der Rat stimmt dem Vorschlag der EU-Kommission zu die Grundstruktur des Programms Erasmus+ zu erhalten. Vor allem Mobilität aber auch Kooperation sollen die Schwerpunkte des Programms bleiben. Darüber hinaus positioniert sich der Rat vor allem zur Governance des Programms, um die gewichtige Rolle der Mitgliedsstaaten in der Steuerung des Programms zu erhalten. 

Der Rat der Bildungsministerinnen und Bildungsminister hat sich nicht zum Programmbudget geäußert, da dies an anderer Stelle verhandelt wird.  Deutschland hat bereits gefordert, dass das EU-Gesamtbudget gekürzt wird.

 Zur Pressemitteilung

Standpunkt des Rates

Bildung für Europa – Nr. 40/2025 – Das Jahr der Jubiläen

Wussten Sie, dass die europäische Erwachsenenbildung auf eine 30-jährige Geschichte zurückblicken kann? Mit Sokrates ging es seinerzeit los, heute ist der Bereich im Programm Erasmus+ fest etabliert. 2025 stehen für die NA beim BIBB gleich drei weitere Jubiläen an: Der Europass existiert seit 20 und EPALE seit 10 Jahren. Die Nationale Agentur selbst wurde vor 25 Jahren ins Leben gerufen. Wir berichten von den Anfängen und der erfreulichen Entwicklung der Jubilare. Darüber hinaus nimmt das Journal das Erasmus+-Nachfolgeprogramm (2028-2034) in den Blick. Zu welchem Ergebnis kommen die nationalen …

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