Der digitale Wandel verändert, wie Erwachsene lernen, arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Dabei betrifft er die gesamte Erwachsenenbildung: ihre Bildungsangebote, die Kompetenzen von Lernenden und Bildungspersonal sowie die Organisation der Einrichtungen. Erwachsenenbildung soll Menschen deshalb unterstützen, digitale Technologien selbstbestimmt zu nutzen und den Wandel aktiv mitzugestalten.
Eine wichtige Grundlage dafür ist die digitale Grundbildung. Sie befähigt Erwachsene, digitale Angebote im Alltag und Beruf zu nutzen. Außerdem hilft sie ihnen, Informationen zu beurteilen und selbstständig weiterzulernen. Damit alle daran teilhaben können, braucht es niedrigschwellige und barrierearme Lernangebote. Ebenso wichtig sind geeignete technische Ausstattung und Lernbegleitung. Dabei müssen unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigt werden. Das gilt insbesondere für Menschen mit Grundbildungsbedarf oder geringer digitaler Erfahrung.
KI eröffnet zudem neue Möglichkeiten, beispielsweise beim Erstellen von Lernmaterialien, beim Sprachlernen oder bei der individuellen Lernbegleitung. Entscheidend ist jedoch, dass ihr Einsatz zu den Lernzielen und Bedürfnissen der Teilnehmenden passt. Dabei umfasst KI-Kompetenz mehr als die Nutzung einzelner Anwendungen und Tools. Teilnehmende müssen auch lernen, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen sowie Fehler und diskriminierende Verzerrungen zu erkennen. Ebenso wichtig ist ein verantwortungsvoller Umgang mit personenbezogenen Daten.
Damit verbindet sich auch ein Auftrag zur Demokratiebildung: Erwachsene benötigen Orientierung in digitalen Informationsräumen, in denen KI-generierte Inhalte und Desinformation die Meinungsbildung beeinflussen können.
Für Weiterbildungseinrichtungen ist die digitale Transformation zugleich eine Aufgabe der Organisationsentwicklung. Dazu gehört die Qualifizierung des gesamten Personals, also der Lehrenden, Leitung und der Verwaltung. Darüber hinaus braucht es geeignete technische Voraussetzungen und Verständigung auf gemeinsame Regeln für die Auswahl und Nutzung digitaler Anwendungen.
Die Neue Europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021–2030 setzt einen zentralen Rahmen für die Arbeit der Nationalen Koordinierungsstelle. Dabei benennt sie den grünen und digitalen Wandel als eines von fünf prioritären Handlungsfeldern. Erwachsenenbildung soll Menschen befähigen, diese Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Der Aktionsplan für digitale Bildung 2021 –2027 verfolgt das Ziel einer hochwertigen, inklusiven und zugänglichen digitalen Bildung. Dafür verbindet er die Weiterentwicklung digitaler Bildungsstrukturen mit der Stärkung digitaler Kompetenzen.
Die 2025 vorgestellte Union of Skills greift die Anforderungen der digitalen Transformation ebenfalls auf. Dabei kommt dem Erwerb digitaler Kompetenzen eine wichtige Rolle zu. Sie erweitert den bisherigen Ansatz systematisch durch einen klaren Schwerpunkt auf Lebenslanges Lernen, kontinuierliche Weiterbildung und berufliche Neuorientierung (Europäische Initiativen zu KI und Kompetenzen).
Die europäischen Kompetenzrahmen bieten zusätzliche Orientierung für die Bildungspraxis. Der allgemeine europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (DigComp 3.0) beschreibt, welche digitalen Fähigkeiten für den Alltag, die Arbeit und die gesellschaftliche Teilhabe benötigt werden, und berücksichtigt KI als Querschnittsthema. DigCompEdu konzentriert sich auf die digitalen Kompetenzen, die Bildungspersonal für seine berufliche Rolle benötigt, und unterstützt die pädagogisch fundierte Nutzung digitaler Technologien.
Auch die europäische KI-Verordnung unterstreicht die Bedeutung von KI-Kompetenz (Digital Strategy). Für Weiterbildungseinrichtungen ist damit neben dem pädagogischen Nutzen ein verantwortungsvoller Umgang mit KI auf Organisationsebene relevant.
Die Schwerpunktthemen der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung greifen zentrale Herausforderungen und Entwicklungen der Erwachsenenbildung auf – von Future Skills und digitalem Wandel über innovative Lernräume bis hin zu Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Wie diese Themen in der Praxis umgesetzt werden können, zeigen ausgewählte Erasmus+-Projekte und Mobilitäten. Die Beispiele geben Einblicke in konkrete Ansätze, Methoden und Erfahrungen aus der europäischen Bildungsarbeit und machen sichtbar, wie europäischer Austausch dazu beiträgt, die Ziele der Agenda mit Leben zu füllen.
Die Nationale Koordinierungsstelle verbindet europäische Impulse mit Fragen der Erwachsenenbildung in Deutschland. Sie schafft Möglichkeiten für fachlichen Austausch und Vernetzung. Außerdem macht sie praktische Erfahrungen mit Digitalisierung und KI für Bildungspersonal und Einrichtungen zugänglich.
Am 1. und 2. Juli 2024 veranstaltete die NKS Agenda EB gemeinsam mit dem Bayerischen Volkshochschulverband die virtuelle Konferenz „KI verstehen und gestalten: Europäische Perspektiven und konkrete Anwendungsbereiche für die Erwachsenenbildung“. Im Mittelpunkt standen dabei pädagogische Einsatzmöglichkeiten sowie rechtliche und ethische Fragen. Ergänzend zeigten Workshops Anwendungen für die Grundbildung, das Sprachlernen und die Gestaltung individueller Lernangebote.
Zwei Jahre später knüpfte eine weitere Online-Fachkonferenz daran an. Unter dem Titel „Europäische Perspektiven: Kritisch, kreativ, kompetent – Impulse für Demokratie & KI in der Erwachsenenbildung“ am 30. Juni und 1. Juli 2026, richtete die NKS Agenda EB sie gemeinsam mit dem Bayerischen und dem Thüringer Volkshochschulverband aus. Dabei verband das Programm Demokratiebildung und KI mit europäischen Praxisbeispielen. Zudem griff es Fragen der Organisationsentwicklung auf und gab Anregungen für die Lehrpraxis.
Die Veranstaltungen unterstützen den Transfer zwischen Wissenschaft, Bildungspolitik und Praxis. Zugleich fördern sie die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren der Erwachsenenbildung. Beispiele aus Erasmus+-Projekten und Austauschmöglichkeiten auf EPALE ergänzen diese Arbeit. So können Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen europäischen Ländern voneinander lernen und ihre Erfahrungen teilen. Das gewonnene Wissen können sie anschließend für die eigene Praxis nutzen.
Auf diese Weise stärkt die NKS Agenda EB den Wissenstransfer zwischen der europäischen und der nationalen Ebene. Gleichzeitig macht sie europäische Perspektiven für die Gestaltung der digitalen Erwachsenenbildung sichtbar. Damit leistet sie einen Beitrag zu einem resilienten und inklusiven Europa.
In diesem Beitrag der Gesprächsreihe zu aktuellen Herausforderungen in der Erwachsenenbildung kommt Sascha Dowidat, Dozent für Alphabetisierung, Grundbildung und Künstliche Intelligenz beim Bayerischen Volkhochschulverband e.V., zum Thema “KI in der Grundbildung" zu Wort.
Die Nationale Agentur Bildung für Europa arbeitet zum Thema Digitalisierung, als eine von vier horizontalen Prioritäten des Erasmus+-Programms.
Das Dossier „Digitalisierung in der Erwachsenenbildung“ bietet praktische Hilfen für verschiedene Aspekte des Themas: von den rechtlichen Grundlagen über Tipps für Präsentationen und Handouts, den Einsatz von digitalen Werkzeugen bis hin zur Künstlichen Intelligenz, die im Lehr-Lern-Prozess unterstützt.