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[…] Digitale Transformation gestalten – mit Erasmus+ 26 Ausgezeichnet: Max-Eyth-Schule 24 Europäische Digitale Bildungs- nachweise Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 36 Dez. 2022 07 Digitalisierung im Fokus der Projektarbeit jeweilige NA NA-Jugend jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) EACEA EACEA EACEA jeweilige NA jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Weitere Informationen 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 04.11.2022 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus Bildnachweis Titel & Inhaltsver- zeichnis (S.5): NA beim BIBB Jahrestagung / ©hristian Meyer (Titel); AdobeStock.com: metamorworks, m.m- photo, goodluz; Adb e.V., Max Fröhlich/ Liebherr-Verzahntechnik GmbH; NA beim BIBB / ©hristian Meyer (S.5) Für unverbindlich eingesandte Manu- skripte, Bildmaterial und andere Unter- lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich- net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver- ständlich darstellen – in ganz Europa. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Deutschland Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de mailto:infodienst%40bibb.de?subject= http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 3 Bildung Für Europa | Dezember 2022 © N A b ei m B IB B Liebe Leserinnen, liebe Leser, im europäischen Digitalisierungsranking ist Deutschland derzeit Mittelmaß: Gemäß dem Index für die digitale Wirtschaft und Ge- sellschaft (DESI) für das Jahr 2022 reicht es gerade einmal zum 13. Platz bei 27 EU-Mitgliedstaaten, Tendenz Richtung Abstiegszone. Diese Erkenntnis ist auch in der Politik angekommen, wie Sie täg- lich den Medien entnehmen können. Im Bildungsbereich ist Digitalisierung spätestens seit der Coro- na-Krise ein Top-Thema. Im Programm Erasmus+ hat die Europä- ische Kommission mit dem Jahr 2021 Digitalisierung zu einer der vier übergreifenden Prioritäten des Programms gemacht – unab- hängig vom Bildungsbereich und der Leitaktion. Während viele nationale Projekte gezielt Dienstleistungen und Ver- fahren digitalisieren sollen, verfolgt das Programm Erasmus+ einen anderen Ansatz. Der jährliche Aufruf zur Einreichung von Anträgen ist ein „call for proposals“: Es wird zwar ein thematischer Schwer- punkt vorgegeben, aber nicht ein spezifischer Digitalisierungsbe- reich oder eine Dienstleistung. Damit ist das Programm sehr offen für die unterschiedlichsten Ansätze und Bedürfnisse. Dies spiegelt sich in der Vielfalt und Kreativität wieder, die viele Digitalisierungs- projekte im Programm Erasmus+ auszeichnen. Und vor allem: Sie bilden Bedarfe der Bildungspraxis ab. Grundlegende systemische Veränderungen können die Projekte nicht erzielen, aber mit diesem Ansatz ergänzt das Programm die na- tionale und europäische Politik und Digitalisierung in den beteiligten Einrichtungen. Digitalisierung ist dann besonders erfolgreich, wenn sie in der Praxis auch umgesetzt werden kann. Das Journal gibt einen guten Einblick in spannende und innovative Projekte, die Erasmus+ fördert. Digitalisierung findet aber auch in der Programmverwaltung von Erasmus+ statt. Jürgen van Capelle und Bahram Kazemkhani gewähren uns in ihrem Beitrag einen Ein- blick in den Maschinenraum des Programms. Dr. Christine Bertram beleuchtet das Potenzial von EPALE für die digitale Zusammenar- beit in Europa. Machen Sie sich mit der Lektüre des Journals also auf eine span- nende Reise … Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB Editorial 4 5 Inhalt Nr. 36 | Schwerpunkt Digitale Transformation 06 10 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Digitalisierung – ein Schwerpunkt in Erasmus+ Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung Strategisches Veränderungsma- nagement in digital lernenden Organisationen In drei Schritten zu mehr Digitalisierung Good Practice: Digi4VET Immersive Medien in der beruflichen Bildung Potenziale immersiver Medien (XR) in der Berufsbildung Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung Good Practice: Digitales Bauen Einsatz neuer Technologien in der Baubranche Digitaler Wandel betrifft uns alle! Preisträgerprojekt fordert Lernen über, für und durch die Digitalisierung Good Practice: Lehren und Lernen mit dem Netz Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften Good Practice: Verstehen von künstlicher Intelligenz leicht gemacht Grundlagenkurs für die Erwachsenenbildung Good Practice: Liebherr- Verzahntechnik GmbH Ausbildung profitiert von Digitalisierung Good Practice: Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung Eine Herausforderung für Lernende und Lehrende IT-Tools in der Programm- umsetzung Mehr Transparenz und Effizienz Fünf EPALE-Tools für Ihr Projekt Erasmus+-Projektnehmer profitieren vom Angebot der E-Plattform für Erwachsenenbildung Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis EU-Kommission steht Rede und Antwort zu neuer Initiative Erasmus+ European Innovative Teaching Award 2022 Max-Eyth-Schule in der Kategorie „berufliche Schulen“ ausgezeichnet Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ gewählt Mitwirkungsmöglichkeit inzwischen gut etabliert Erasmus+-Antragsrunde 2022 Erfreuliche Entwicklung Hinweise zur Antragstellung Leitaktion 2: Einreichung von „Mandaten“ Weitere Bildungsthemen Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal Neue europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021 - 2030 Erstes Jahr der Umsetzung und Aussichten auf 2023 „Für Ihre Fachkräfte von morgen“ Medienkampagne wirbt für Auslandsaufenthalte während der Ausbildung Infosplitter Termine 22 24 26 28 29 30 30 32 33 34 36 4 5 Bildung Für Europa | Dezember 2022 „Gleichzeitig ist Digitalisierung nicht nur von oben gemacht und alternativlos, daher ist auch Lernen für die Digitalisierung wichtig.“ 19 Industrie 4.0 in der Ausbildung 10 Digitaler Reifegrad lernender Organisationen 20 Lernangebot für Lehrende und Lernende zur KI 16 Preisträgerprojekt in der Erwachsenenbildung 22 EPALE nutzen, aber wie? 33 Kampagne: Ausbildung international gestalten 28 Erasmus+- Nutzerbeirat bis 2024 Mit der Unterstützung von Erasmus+ und AusbildungWeltweit werden Auslandsaufenthalte möglich. Machen Sie Ihre Ausbildung attraktiv und profitieren Sie von Fördergeldern. www.na-bibb.de/erasmus-ausbildung www.ausbildung-weltweit.de Design: blueberry-starnberg.de | © SydaProductions/AdobeStock & camille-brodard/Unsplash Ausbildung international gestalten Für die Fachkräfte von morgen 6 7 Digitalisierung – ein Schwerpunkt in Erasmus+ Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung © B lu e Pl an et S tu di o/ A do be St oc k 6 7 Bildung Für Europa | Dezember 2022 it dem Ziel, einen digitalen Binnenmarkt und einen euro- päischen Bildungsraum zu schaffen, treibt die Europäische Kommission das Thema Digitalisierung bereits seit Jahren voran. Hier geht es vor allem darum, die europäischen Bür- gerinnen und Bürger sowie die Unternehmen und ihre Ar- beitskräfte für den digitalen Wandel fit zu machen. Der Aus- und Weiterbildung kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie muss die digitalen Kompetenzen von Arbeitskräften in Unter- nehmen und Lernenden in Bildungsinstitutionen sowie deren Lehr- personal fördern und stetig ausbauen. Gleichzeitig hat der rasante technologische Wandel große Auswirkungen auf verschiedene Be- rufsfelder, die Arbeitswelt und die Gesellschaft. Gefordert ist daher nicht nur das Individuum, sondern auch Bildungseinrichtungen und die Lehre in Theorie und Praxis müssen sich mit dem digitalen Wan- del auseinandersetzen. Digitale Bildung als Programmziel von Erasmus+ Das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ nimmt hier als bil- dungspolitisches Instrument der Europäischen Kommission eine wichtige Funktion ein. Es bietet Bildungseinrichtungen unterschied- licher Sektoren sowie Unternehmen viele Möglichkeiten, durch in- ternationale Zusammenarbeit die Digitalisierung voranzutreiben. Erasmus+ ist Teil der Digitalisierungsstrategie auf europäischer und nationaler Ebene und unterstützt die Umsetzung der politischen Ziele in die Praxis. Daher wird der digitalen Bildung sowohl in der Leitaktion Mobilität (Leitaktion 1) als auch in der Leitaktion Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2) im Pro- gramm Erasmus+ eine große Bedeutung beigemessen. Dies drückt sich auch aus in der horizontalen Priorität zur „Bewältigung des digitalen Wandels“, die alle Bildungsbereiche umfasst. Großer Digitalisierungsschub durch Corona In der Berufs- und Erwachsenenbildung haben geförderte Insti- tutionen bereits vor Corona den Schwerpunkt Digitalisierung ge- wählt. Durch die Pandemie und ihre weitreichenden Auswirkungen hat das Thema allerdings einen weiteren großen Schub erhalten. So hat sich beispielsweise die Zahl der Partnerschaften in der Er- wachsenenbildung, die im Bereich Digitalisierung arbeiten, von 2019 auf 2020 etwa verdoppelt und ist 2021 noch einmal deut- lich gestiegen. Auch bei den Partnerschaften in der Berufsbildung ist dieser Trend klar ersichtlich – nicht zuletzt befördert durch die zusätzliche Antragsrunde im Jahr 2020 zum Thema Digitalisierung. Ebenso hat das Thema für berufsbildende Einrichtungen, die mit Erasmus+ transnationale Mobilitäten für Auszubildende und Per- sonal durchführen, stark an Bedeutung gewonnen. Hier geht es um den Einsatz von digitalen Tools zur Organisation und Durch- führung von beruflichen Auslandsaufenthalten ebenso wie um die fachliche Weiterbildung des Personals, das wie die Auszubildenden für die Herausforderungen des digitalen Wandels fit gemacht wer- den muss. Dabei zeigt sich, dass der digitale Wandel mit all seinen Herausfor- derungen und auch Chancen inhaltlich auf sehr vielfältige Art und Weise von Erasmus+-Projektträgern in der Erwachsenen- und Be- rufsbildung bearbeitet wird. In den Projekten stehen insbesondere folgende Fragen im Mittelpunkt: Was bedeutet die Digitalisierung für das Lehren und Lernen in der Zukunft? Wie werden digitale Instrumente und Lernmedien genutzt? Welche Rolle übernehmen Bildungspersonal und Lernende? Welche Medienkompetenzen sind notwendig? Wie kann die digitale Transformation von Einrichtungen gelin- gen? In der Erwachsenenbildung werden sowohl im Bereich der Mobi- lität wie auch bei den Partnerschaften ganz unterschiedliche Pro- jekte zum Thema Digitalisierung durchgeführt. Wenn man trotz vorhandener Überschneidungen eine Kategorisierung versucht, ergibt sich grob folgende Einteilung: Projekte, die digitale Anwendungs-Tools für verschiedene Ziel- gruppen entwickeln. Oftmals ist damit die Inklusion von bildungs- benachteiligten Gruppen verbunden, die u.a. Personen mit Grund- bildungsbedarf, ältere Menschen, Migrantinnen und Migranten, Personen in ländlichen Gebieten sowie Menschen mit Behinde- rungen umfassen. Zudem werden bei diesen Instrumenten gele- gentlich Ansätze von Gamification verwendet, d.h. spieltypische Elemente werden in neuen Zusammenhängen eingesetzt. Bisher noch eher selten vertreten ist bei diesen Tools der Einsatz von virtu- ellen Realitäten und von künstlicher Intelligenz. Projekte, die sich mit der Professionalisierung und mit digita- len Kompetenzen für Lehrkräfte und anderes Bildungspersonal Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung M Digitale Transformation Digitalisierung in der Erwachsenenbildung 8 9Digitale Transformation beschäftigen. Im Fokus stehen hier verschiedene Themenfelder, wie z.B. der Fremdsprachenerwerb, die Kulturbranche, das Unter- nehmertum oder die Freiwilligenarbeit. Manchmal werden dabei vorhandene Kompetenzrahmen im Bereich Digitalisierung genutzt und weiterentwickelt. Insbesondere in den Projekten der Mobilität stehen die Fortbildung der Mitarbeitenden einer Einrichtung hin- sichtlich technischer und didaktischer Fähigkeiten sowie der Einsatz digitaler Lehr- und Lernmaterialien im Fokus. Projekte, die im Bereich von kritischer Medienkompetenz und Medienbildung arbeiten. Hier stehen dann beispielsweise die Sensi- bilisierung für Fake News oder der Umgang mit sogenannter Hate Speech, d.h. mit Aggression und Anfeindung in sozialen Netzwer- ken im Vordergrund. Ziel ist bei diesen Projekten oftmals, eine ak- tive Bürgerschaft und die Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern. Projekte, die sich mit der Wirkung von Digitalisierung auf die Ge- sellschaft und Einzelpersonen befassen sowie mit ethi- schen Überlegungen. Dabei werden in einigen Projekten gesel lschaft l iche Teilstrukturen an- gesprochen, z.B. wie sich das di- gitale Lernen auf das Zusammenle- ben in der Familie auswirkt. Oder es werden die Auswir- kungen des digitalen Lernens und Distanz- lernens auf die emoti- onale Befindlichkeit von Lehrenden und Lernenden untersucht. In den Partnerschaftsprojekten der Berufsbildung kommt die ganze Vielfalt des Digitalisierungsthemas zum Ausdruck. Exemplarisch für diese Bandbreite kann man wie folgt kategorisieren. Die Digitalisierung der Arbeitswelt erfordert von allen Erwerbstä- tigen künftig verstärkte IT-Qualifikationen. Daher liegt ein Schwer- punkt bei Projekten, die zukünftige Qualifikationsanforderungen einzelner Berufe bzw. Branchen durch diese transversalen Techno- logien antizipieren (u.a. in Gesundheit, Logistik, Bau, Mode, Che- mie, Malerei, Floristik, Landwirtschaft). Ein anderer Fokus sind Projekte, die sich mit immersiven Medien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und neuen Tech- nologien wie Künstliche Intelligenz (KI) Robotik, Simulation und 3D-Druck mit Schwerpunkt auf den Lernorten Schule (z.B. hand- lungsorientierte Medienkompetenz für pädagogische Fachkräfte, Escape Rooms, Maker Spaces) und Betrieb (z.B. Produktionsorien- tiertes Lernen mit Lehrfabriken, Industrie 4.0, Digitale Methoden, Toolboxen und Trainings) beschäftigen. Auch die Entwicklung digi- taler Kompetenz mittels der Europäischen digitalen Kompetenzrah- men (bDigCompEdu, bDigCompOrg) in der Berufsbildung auf individueller und organisationaler Ebene (digitale Transformation) fällt in diese Kategorie: Daneben gibt es einige Projekte im Zusammenhang mit Inklusi- on, die virtuelle Realität für Sehbehinderte nutzen, erweiterte Re- alitäts-Technologien zur Steigerung literarischer und sozialer Emo- tionsfähigkeiten bei Lernenden mit Autismus Störungen erproben und sich mit inklusiver Führung im digitalen Zeitalter beschäftigen. Einzelne Projekte befassen sich mit den Randbedingungen des Digitalen, z.B. rechtlichen, ethischen, psycho-sozialen und men- talen Aspekten wie Cybersicherheit, Wohlbefinden und Stressprä- vention bei digitaler Arbeit im Home Office. Einrichtungen, die im Rahmen der Leitaktion 1 Fördergelder erhal- ten, um internationale Mobilitäten für Lernende und Personal in der Berufsbildung durchzuführen, beschäftigt der digitale Wandel ebenfalls auf verschiedene Arten. Mobilitätsprojekte, die sich die- sem Schwerpunkt widmen, verfolgen dabei sehr unterschiedliche Ziele, es entsteht aber häufig ein hoher Mehrwert für alle Beteiligten und die entsendende Institution: Zunehmend werden in Mobilitätsprojekten digitale Tools ein- gesetzt und erprobt oder sogar neu entwickelt, um den adminis- trativen Aufwand bei Organisation, Durchführung und Nachberei- tung von Auslandsaufenthalten zu verringern. Dabei können solche Tools Organisations- und Kommunikationswege verkleinern und zudem die digitalen Kompetenzen derjenigen stärken, die diese anwenden. Deutlich wurde in der jüngeren Vergangenheit der hohe Bedarf an der Förderung der digitalen Kompetenzen des schulischen und betrieblichen Lehrpersonals. Der Fokus liegt auf der Entwicklung neuer technischer und didaktischer Fähigkeiten und, wie auch in der Erwachsenenbildung, auf dem Einsatz von digitalen Tools in Ausbildung und Unterricht. Überwiegend nutzt das Personal dazu die Möglichkeit, an Fachkursen im Ausland teilzunehmen oder bei einer europäischen Partnereinrichtung im Unterricht zu hospitieren. Insgesamt zeigt sich, dass sowohl die Kompetenzerweiterung des Personals als auch der Einsatz digitaler Tools dazu beiträgt, die Organisationsentwicklung der geförderten Einrichtungen vor- anzutreiben. Nicht selten werden erfolgreiche Ergebnisse, die im Rahmen der Mobilität entstanden sind, auf ganze Organisations- bereiche oder Abteilungen übertragen. Neues technisches und didaktisches Wissen kommt dann im Unterricht zum Einsatz oder digitale Tools, die während der Mobilität erprobt wurden, werden flächendeckend eingesetzt. Es hat sich auch gezeigt, dass Blended Mobilities zwar noch nicht in großem Ausmaß, aber erfolgreich durchgeführt werden. So reduzieren zum Beispiel virtuelle Betriebsbesichtigungen oder die gemeinsame virtuelle Arbeit an einer Projektaufgabe vor dem eigentlichen Auslandsaufenthalt erste Hemmschwellen. © A nd re y Po po v/ A do be St oc k Digitalisierung in der Berufsbildung https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcompedu_en https://joint-research-centre.ec.europa.eu/european-framework-digitally-competent-educational-organisations-digcomporg/digcomporg-framework_en 8 9 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Erfreulich sind auch die in- zwischen zahlreich vorhan- denen Beispiele, in denen die jahrelange Zusammenar- beit im Rahmen von Mobili- tätsprojekten dazu geführt hat, neue digitale Ideen zu entwickeln. Dazu gehören nicht nur virtuelle Aus- tauschprojekte für Lernende, sondern zum Beispiel auch die Entwicklung digitaler Ausbildungsmodule oder die Erprobung einer ge- meinsamen Software zur Steuerung von Produktionsanla- gen im Bereich Industrie 4.0. Wie unterstützt die Nationale Agentur das Thema und die Projekte? Die Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung bleiben viel- fältig und gleichzeitig entwickeln sich die digitalen Technologien rasant weiter – sowohl national wie auch europäisch und interna- tional. Dadurch ergeben sich ständig neue Anknüpfungspunkte für Projekte in Erasmus+ und auch die Möglichkeit, von anderen Län- dern zu lernen und gemeinsam etwas Neues zu entwickeln. Die Nationale Agentur hat seit Ende 2021 eine teamübergreifende Arbeits- gruppe zu digitaler Bildung etabliert, die das vorhan- dene Wissen bün- delt und als Ziel verfolgt, Antragsteller und Projekte zum Thema Digitalisierung zu unterstüt- zen und Projektergebnisse zu vernetzen. Eine neu strukturierte Themenseite „Digitale Bildung“ auf der NA-Website zeigt, auf welche Weise Digitalisierung in Mobilitätsprojekten und Part- nerschaften aufgegriffen werden kann und welche Initiativen auf europäischer und nationaler Ebene relevant sind. Zudem findet man auf der Themenseite die neuesten Good Practice-Beispiele aus der Berufs- und Erwachsenenbildung sowie einen Film mit Experten- stimmen. Ein Blick lohnt sich! INFO www.na-bibb.de/themen/digitale-bildung MICHAEL MARQUART Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung“ marquart@bibb.de DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Koo- peration in der Berufsbildung, Europass“ dunkel@bibb.de © N A b ei m B IB B © G or od en ko ff /A do be St oc k FRIEDERIKE WIETHÖLTER Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Interna- tionalisierung der Berufsbildung“ wiethoelter@bibb.de 10 11 in digital lernenden Organisationen. In drei Schritten zu mehr Digitalisierung Strategisches Veränderungsmanagement © M et am or w or ks /A do be St oc k 10 11 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation D igitaler Reifegrad einer lernenden Or- ganisation: Die zunehmende Durch- dringung vielfältiger Lebensbereiche durch digitale Medien und Technolo- gien führt zu tiefgreifenden Verände- rungen für das Lernen und Arbeiten und berührt die Veränderungen ler- nender Organisationen im Kern. Or- ganisationen stehen vor der Heraus- forderung, den daraus erwachsenden Aufgaben mit passenden Maßnahmen der Technologie- (TE), Personal- (PE) und Organisationsentwicklung (OE) zu begegnen. Dabei geht es nicht nur darum, über kurz oder lang Digitalität in der Aus- und Wei- terbildungspraxis einer Organisation zu verankern. Ziel ist es vielmehr, den weit- reichenden Veränderungen durch die digi- tale Transformation auf der Makro- bis hin zur Mikro-Ebene der Organisation adäquat begegnen zu können. Den inhaltlichen Bezugspunkt für entsprechende TE-Maß- nahmen stellen Ansätze mit Fokus auf In- formationssysteme. PE-Maßnahmen finden ihre Verankerung in Medienkompetenzmo- dellen. Ein vergleichbarer Bezugspunkt für OE-Maßnahmen in digital lernenden Organisationen bieten Reifegradmodelle (Maturity Models). Das Konstrukt der ‚digitalen Reife‘ be- schreibt den Status quo der digitalen Transformation einer lernenden Orga- nisation. Die Reifegrade entsprechen den verschiedenen Reifestufen, die den Leistungsstand bzw. Veränderungspro- zess einer Organisation abbilden. Häufig besitzen Reifegradmodelle fünf Reifegra- de, die jeweils auf den Anforderungen der vorhergehenden Stufe aufbauen. Je höher der Reifegrad ist, desto weiter ist der Veränderungsprozess vorangeschrit- ten. Der Nutzen von Reifegradmodellen besteht darin, dass eine objektive Be- wertung eines Veränderungsprozesses der Organisation erfolgt, durch die die Abweichung zwischen der aktuellen und der angestrebten Performanz identifiziert werden kann. Mit Reifegradmodellen steht ein Werk- zeug zur Verfügung, das beim Abwägen verschiedener Zielsetzungen und bei der Entscheidungsfindung unter Berücksich- tigung der organisationalen Gegebenhei- ten hilft. Reifegradmodelle sind deshalb als eine Kombination von Modell und Methode zu sehen: Einerseits beschreiben sie den Status einer lernenden Organisa- tion in Form des Reifegrads; andererseits zeigen sie Aktivitäten auf, die für das Er- reichen der nächsten Stufe durchgeführt werden müssen. Diese Aktivitäten lassen sich durch strategisches Veränderungs- management implementieren. Strategisches Veränderungsmanage- ment Ziel des strategischen Veränderungsma- nagements ist, Systeme, Prozesse, Mecha- nismen und Stakeholder einer lernenden Abbildung: Vom Readiness Assessment zur Strategie der Implementierung 12 13Digitale Transformation PROF. DR. DIRK IFENTHALER Inhaber des Lehrstuhls für Wirt- schaftspädagogik - Technologie- basiertes Instruktionsdesign an der Universität Mannheim und des UNESCO Deputy Chair on Data Science in Higher Education Learning and Teaching an der Curtin University Organisation zielgerichtet zu koordinieren, um einen Lern- und Veränderungsprozess aktiv steuern zu können. Der Prozess des strategischen Veränderungsmanagements zeigt sich durch eine konzeptuelle, aber auch durch eine pragmatische Struktur, wobei Mitarbeitende, Inhalte, Richtlinien, Technologien sowie Strukturen integriert werden. Das strategische Veränderungsma- nagement porträtiert den Verlauf der Maß- nahmen möglichst in Echtzeit und deckt da- bei bisher unentdeckte interne und externe Kräfte, Probleme sowie Potenziale auf. Der Prozess an sich bedarf einer Struktur, die den Rahmen der Umsetzung bietet. Prozesse des strategischen Veränderungs- managements sollen beim Vorbereiten und Planen der intendierten Veränderung helfen, dürfen sich aber nicht aus dieser Rolle entfernen. Während des Entwerfens von Prozessen des strategischen Verände- rungsmanagements steht die Strukturiert- heit und gleichzeitig die flexibel angepass- te und multidimensionale Entwicklung der intendierten Veränderung im Vordergrund. Die Durchführung des strategischen Verän- derungsmanagements vollzieht sich in drei Schritten (siehe Abb. auf S. 11): 1. Planung einer Veränderungsstra- tegie Im ersten Schritt werden Instrumente zur eingehenden Überprüfung der vorhan- denen digitalen Praktiken, Verfahren und Fähigkeiten identifiziert. Die Veränderungs- strategie verlangt Entscheidungen darüber, welche Vorteile und spezifischen Merkmale von Digitalität einbezogen werden sollen und welche Infrastruktur für eine erfolgrei- che Implementierung erforderlich ist. 2. Durchführung einer eingehenden Bewertung Die eingehende Bewertung (Readiness As- sessment) erfordert belastbare Daten der Organisation, welche mittels standardisier- ter Instrumente gewonnen werden. Daten für die eingehende Bewertung werden auf organisatorischer Ebene (z.B. bestehen- de Richtlinien, Datenschutzbestimmun- gen), mit einem besonderen Schwerpunkt auf erforderliche Technologien (z.B. Data Warehouse, Systemintegration) und in Be- zug auf die Fähigkeiten, die Mitarbeitende der Organisation besitzen (z.B. Bildungsda- tenkompetenz, Digital und Data Literacy), durchgeführt. 3. Umsetzung der Strategie Basierend auf den Ergebnissen der einge- henden Bewertung deckt die resultieren- de Umsetzungsstrategie alle Bereiche der Veränderung ab. Überdies soll die schritt- weise Implementierung von Digitalität im Hinblick auf vordefinierte und messbare Key Performance Indicators (KPIs) über- wacht und bewertet werden. Entsprechend kann die Kapitalrendi- te (Return on Investment), definiert als die erwarteten Gewinne (Renditen) pro Kosteneinheit (Investition) einer Vielzahl potenzieller Maßnahmen, kalkuliert und transparent gemacht werden. Die Kapi- talrendite kann nicht nur als monetäre Rendite, sondern auch als Bindung von Mitarbeitenden an die Organisation, als Verbesserung der Zufriedenheit von Mit- arbeitenden oder als Optimierung von in- ternen Prozessen abgeleitet werden. Ausblick Digitale Transformationsprozesse beein- flussen unsere Gesellschaft nachhaltig und damit verbunden die Veränderung digital lernender Organisationen. Diese Veränderungsprozesse erwarten lebens- langes Lernen aller Stakeholder. Folglich erfordert der Prozess des strategischen Veränderungsmanagements einer digital lernenden Organisation eine längerfristi- ge Entwicklungs-, Implementierungs- und Evaluationsstrategie. Literatur Anderson, D., & Ackerman-Anderson, L. (2001). Beyond change management: Ad- vanced strategies for today's transforma- tional leaders. The Practicing organization development series. Jossey-Bass/Pfeiffer. Chanias, S. & Hess, T. (2016). How digital are we? Maturity models for the assess- ment of a company’s status in the digital transformation. Management Report, 2, 1–14. Zugriff Egloffstein, M., Heilig, T., & Ifenthaler, D. (2019). Entwicklung eines Reifegradmo- dells der Digitalisierung für Bildungsorgani- sationen. In E. Wittmann, D. Frommberger, & U. Weyland (Eds.), Jahrbuch der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung 2019 (pp. 31–44). Verlag Barbara Budrich. Gerholz, K.-H., Dormann, M. (2017). Aus- bildung 4.0: Didaktische Gestaltung der betrieblich-beruflichen Ausbildung in Zei- ten der digitalen Transformation. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online 32, 1-22. Gibson, D. C., Huband, S., Ifenthaler, D., & Parkin, E. (2018). Return on investment in higher education retention: Systematic focus on actionable information from data analytics ascilite Conference, Geelong, VIC, Australia, 25-11-2018. Ifenthaler, D. (2020). Change management for learning analytics. In N. Pinkwart & S. Liu (Eds.), Artificial intelligence supported educational technologies (pp. 261–272). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3- 030-41099-5_15 Ifenthaler, D., & Egloffstein, M. (2020). De- velopment and implementation of a maturity model of digital transformation. TechTrends, 64, 302–309. https://doi.org/10.1007/ s11528-019-00457-4 INFO dirk@ifenthaler.info © p riv at https://doi.org/10.1007/978-3-030-41099-5_15 https://doi.org/10.1007/978-3-030-41099-5_15 https://doi.org/10.1007/s11528-019-00457-4 https://doi.org/10.1007/s11528-019-00457-4 12 13 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Lehr- und Lernszenarien ermögli- chen dem Bildungspersonal die lern- haltige Einbindung von Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und 3D-Druck in die praktische Ausbildung und unterstützen den Wandel hin zum lernerzentrierten Lernen. Das Erasmus+-Projekt DIGI4VET liefert Beispiele für die Umsetzung der neuen bStandardberufsbildposition „Digitalisierte Arbeitswelt“ im Handwerk und im Handel sowie für die Wahlqualifikation „Digitalisie- rung und vernetzte Produktion“ in der Che- mie. Die entwickelten Lehr- und Lernsze- narien beinhalten einfache Anwendungen ohne Programmierung, wie das AR-ge- stützte Echtzeittraining, bei dem Experten mit audiovisuellen Anweisungen Auszubil- dende anleiten (sogenanntes „Remote Trai- ning“ mit Microsoft-App). Zur Anwendung kommen in der Floristik interaktive AR-Vi- sualisierungen für die Raumdekoration und der Pflanzenpflege, damit Lernende u. a. selbstständig Änderungen der Temperatur, von Licht und Feuchtigkeit vornehmen. Damit ist die Änderung entsprechender Parameter direkt erfahrbar und es werden vorausschauend mögliche Fehler verhin- dert. Im Malerhandwerk steht der Einsatz von VR zur Übung der Vorbereitung und Beschichtung einer Wand im Mittelpunkt. Lernhaltigkeit und didaktischer Mehr- wert als Richtschnur In drei Online-Schulungsprogrammen ste- hen u.a. folgende Fragen im Mittelpunkt: bChemie: Welche AR-Brille ist die Richtige unter Einhaltung der Arbeits- sicherheit (inklusive Beachtung des Explosionsschutzes bzw. sogenannter EX-Zonen)? Welche Kommunikations- und Kollaborationsform ist in einer Che- mieanlage sinnvoll? bMalerhandwerk: Wo kann man VR in der Ausbildung und im Marketing von Malerunternehmen sinnvoll anwenden? bFloristik: Wo eignen sich AR und 3D-Druck in der praktischen Ausbil- dung? Ein Best-Practice-Guide bündelt die lernhal- tige Integration immersiver und additiver Technologien in praktische Ausbildungsum- gebungen und gibt Ausblicke zum Einsatz von AR, VR und 3D-Druck in der praktischen beruflichen Ausbildung in Industrie und Handwerk. Stakeholder sind vom Potenzial überzeugt „Der Einsatz von Virtual Reality in der Ma- lerausbildung macht Sinn, gerade da, wo man es nicht erwartet. … Die Auszubilden- den sind dadurch besser bei der Sache. Sie sind motivierter und können sich das in VR Erlernte besser merken“, resümiert Miete Matheussen, Ausbilderin in der Malerschule in Mol, Belgien. Und Jochen Seibold, Aus- bilder im Chemiebereich, fasst die Vorteile so zusammen: „Die Auszubildenden müs- sen zum Erwerb berufspraktischer Fähigkei- ten beim Fahren einer Chemieanlage unter- stützt werden. Der Einsatz von Datenbrillen in unserem Chemietechnikum (EX-Schutz frei) ermöglicht dies technisch und pädago- gisch, u. a. durch eine verbesserte Kommu- nikation und Kollaboration unter den Aus- zubildenden." Good Practice: Digi4VET Immersive Medien in der beruflichen Bildung © S BG D re sd en PROJEKTINFO Projekttitel: Qualification needs for VET trainers and teachers for coping with industry 4.0, craftmanship 4.0 and trade 4.0 Projektnummer: 2018-1-DE02-KA202-005157 Laufzeit: 2018 - 2021 Beteiligte Länder: DE, NL, BE, UK, CY Koordination: Sächsische Bildungsgesellschaft für Um- weltschutz und Chemieberufe Dresden mbH Kontakt: Jens Hofmann j.hofmann@sbgdd.de Website: www.digi4vet.com E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2018-1-DE02- KA202-005157 http://www.bibb.de/de/139365.php http://www.bibb.de/de/139365.php https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DyLM3d8-uqJc https://www.youtube.com/supported_https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DyLM3d8-uqJcbrowsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D3YVQnmOlD8E https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Ft%3D21&v=AckSkSksbeM&feature=youtu.be https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 14 15Digitale Transformation er digitale Wandel ist in vollem Gange. Dieser Transformationsprozess hat Auswir- kungen auf die Arbeits- und Berufswelt und damit auch auf die Berufsbildung. Lan- ge Zeit war VR-Hardware teuer und nicht intuitiv zu nutzen. Dies hat sich geändert. XR-Technologien wie 360-Grad-Videos auf YouTube, AR-Filter auf Snapchat sowie selbst gebaute VR-Geräte wie Google Card- board ermöglichen eine niederschwellige Nutzung im Beruflichem und im Privatem. Das steigende Interesse an AR und VR in der Aus- und Weiterbildung verdeutlicht eine Befragung von 2022 unter 600 Unter- nehmen. Von diesen nutzen nach eigenen Angaben 76 Prozent VR und 57 Prozent AR für die Qualifizierung von Mitarbeitenden (BITKOM, 2022). Immersive Medien In der AR (Augmented Reality) werden virtuelle Informationen und Objekte der realen Welt überlagert. Diese Erfahrung bereichert die reale Welt mit digitalen De- tails wie Bildern, Text und Animationen, auf die mittels AR-Brille oder über Bild- schirme, Tablets und Smartphones zuge- griffen wird. VR (Virtual Reality) lässt Nutzer voll- ständig in eine simulierte, digital ge- nerierte Umgebung eintauchen. Ein VR-Headset oder ein am Kopf befestigtes Display sorgt für eine 360-Grad-Ansicht einer künstlichen Welt. XR (Extended Reality) ist ein Sammel- begriff für verschiedene Formen von AR und VR, um Erlebnisse insbesondere visuell, haptisch und akustisch wahrzunehmen. Handeln und Erfahren in der erwei- terten Realität Immersive Medien eröffnen neue inno- vative Qualifizierungsansätze und zeigen Handlungs- und Modernisierungsbedarf auf, indem sie flexibel digitale Medien zum integrierten Lern- und Arbeitsmittel ma- chen. Hier sind offene Bildungsmaterialien (OER) von Bedeutung. Diese Flexibilität bie- tet Möglichkeiten für die Entwicklung neu- er didaktischer Konzepte, pädagogischer Herangehensweisen und die Motivation der Zielgruppe junge Lernende. In der Ausbildung kann XR hyperrealis- tische Trainingswerkzeuge anbieten, um Pilotinnen und Piloten, Chemikerinnen und Chemiker oder auch medizinisches Fachpersonal dabei zu unterstützen, kol- laborativ Problemlösungen zu finden. Be- gleitendes Lernen ist durch audiovisuelle Unterstützung in Echtzeit und ohne Pro- grammieraufwand (Remote Training) z. B. für Wartungsprozesse in Anlagen möglich. Das Eintauchen bzw. die Immersion um- fasst derzeit verstärkt visuelle und audi- tive Elemente. Die Simulation von Haptik und Gerüchen wird kurz- bzw. mittelfristig möglich sein. Für das didaktische Design gilt es bei VR-Lernumgebungen zu beach- ten, dass sie den realen Gegenstand und die soziale Interaktion in der beruflichen Handlung nicht gänzlich ersetzen können. Der Fokus sollte hierbei auf der Förderung von Kommunikation und Kollaboration so- wie der Vermittlung von Handlungsabläu- fen liegen, die real z. B. zu teuer oder zu gefährlich sind. Im Handwerk hat der Einsatz von AR und VR auch Potenzial. So können in einem VR- basierten Vorabtraining nicht kodifizierte Prozesse geübt werden. Im Malerhandwerk ist es möglich, verschiedene Untergründe zu simulieren sowie die Anbringung teurer Tapeten an diese virtuellen Untergründe zu trainieren. Hierfür können neben der VR-Brille auch sogenannte „haptic gloves“ zur Anwendung kommen. Damit sind rea- litätsnähere haptische VR-Erlebnisse mög- lich. Die derzeitige Entwicklung geht dahin, dass 3D-Inhalte einfach z. B. mittels eines Smartphone-Scans eines realen Objekts er- zeugt werden. Dies ermöglicht die Einbin- dung einer Vielzahl dieser 3D-Objekte bzw. von digitalen Twins in AR- und VR-Umge- bungen. Erasmus+ unterstützt digitalen Wandel Bedarfe für immersive Medien in der Aus- und Weiterbildung können durch branchen- und länderübergreifende Schu- lungen des Bildungspersonals gedeckt wer- den. Erasmus+ fördert den Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Lern- aktivitäten und Erprobung von Lehrinhal- ten digitaler Kompetenz und den Einsatz immersiver Medien in der Berufsbildung. Europäische Kooperationsprojekte kön- nen einen wichtigen Beitrag zum Transfer guter Praxis und des Gelingens der digitalen Transformation leisten, wie exemplarisch die Projekte Digi4VET (s. S. 13) und DigiCon (s. S. 15) zeigen. INFO Presseinformation der BITKOM "Unterneh- men nutzen VR oder AR vor allem für die Weiterbildung" vom 29.08.2022 Potenziale immersiver Medien (XR) in der Berufsbildung D DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB dunkel@bibb.de JENS HOFMANN Leiter Digitalisierungsprojekte, SBG Dresden Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung 14 15 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Das Projekt DigiCon greift die aktu- ellen Herausforderungen „Digitales Bauen” und „Baustelle 4.0” für die Bauwirtschaft auf. Baufachkräfte müs- sen mit digitalen Technologien und Anwendungen umgehen können – von digitaler Kommunikation über das Handling mobiler Endgeräte bis hin zur Robotik am Bau. Die Bedeutung des digitalen und zugleich kli- maneutralen Bauens – auch beim Sanieren in Gebäuden und Quartieren – wächst ständig. Zukunftsweisende, tragfähige und umsetz- bare Digitalisierungsstrategien sind für die Un- ternehmen der Bauwirtschaft elementar, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die digitalen Kompetenzen Auszubilden- der und des Bildungspersonals zu verbessern. DigiCon beantwortet u.a. folgende Fragen: Welche einzelnen Arbeitsprozessab- schnitte können in der Ausbildung digital vermittelt werden und wie? Welche Unterprozesse gehören zu diesen Prozessen und an welcher Stelle können diese durch digitale Werkzeuge unter- stützt werden? Reicht die Digitalisierung als Hoffnungs- träger der Innovationsexzellenz der Be- rufsbildung aus, um die Fachkräfte zu sichern? Handlungsszenarien für unterschied- liche Bildungssysteme Ziel war es, die unterschiedlichen Erfah- rungen hinsichtlich des Digitalisierungsfort- schritts und der Nutzung von digitalen Tools in der didaktischen Arbeit in den beteiligten Ländern aufzunehmen und die Modernisie- rungspotenziale sichtbar zu machen. Dazu wurden zunächst die Ausbildungsumge- bungen je Land und die typischen Szenari- en entlang der Handlungsprozesse auf der Baustelle identifiziert und nach der Business Process Model Notation (BPMN) dokumen- tiert. Dabei wurden drei exemplarische Handlungsszenarien festgelegt: Herstellung einer Mauerwerkswand Herstellung eines Stahlbetonbalkens/ Stahlbetonträgers Herstellung eines Dachstuhls Für exemplarische Bauberufe entstanden darauf basierend Lernszenarien mit An- wendungsanleitungen als konkrete Umset- zungsschritte für eine sinnvolle, machbare und nachhaltige Gestaltung der Digitalisie- rung in unterschiedlichen Bildungssyste- men. In die Projektarbeit waren neben den Baufachleuten auch zuständige Behörden und Regulierungsstellen eingebunden. Verschiedene Anwendungen, u.a. Aug- mented Reality, Tools wie z.B. die digitale Bauakte zum digitalen Bauen für die Be- rufsschulen oder auch ein Leitfaden zum Capacity Building für Berufsbildungseinrich- tungen können zugleich von ausbildenden Betrieben genutzt werden. Für Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäfts- führer Bauindustrieverband Ost e. V. steht fest: „Durch digitale Lernbausteine und innovative Bildungskonzepte werden Bau- fachkräfte befähigt, sich den Herausforde- rungen des digitalen und nachhaltigen Bau- ens zu stellen.“ Good Practice: Digitales Bauen Einsatz neuer Technologien in der Baubranche Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung © H al fp oi nt /A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: DigiCon – Digital Construction for Europe: Technologien auf der Baustelle von mor- gen in der Ausbildung von heute Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007604 Laufzeit: 2020 - 2022 Beteiligte Länder: DE, PL, BE Koordinator: BGZ Berliner Gesellschaft für internatio- nale Zusammenarbeit mbH Kontakt: Grazyna Wittgen wittgen@BGZ-Berlin.de Website: https://digicon-project.eu E+PRP: https://erasmus-plus.ec. europa.eu/projects/search/ details/2020-1-DE02-KA202-007604 mailto:wittgen%40BGZ-Berlin.de?subject= https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 16 17Digitale Transformation Der digitale Wan- del betrifft die ganze Gesellschaft und bringt neue Herausforderungen mit sich – in allen sozialen Rollen, in allen Alltagsfragen. Der Arbeitskreis deut- scher Bildungsstätten (AdB) hat sich darauf in der Erasmus+ Strategischen Partnerschaft DIGIT-AL konzentriert. Ein Gespräch mit Nils Zimmermann und Georg Pirker vom AdB. Warum haben Sie Ihr Projekt in der Erwachsenenbildung angesiedelt? Unter anderem, weil Erwachsene wählen gehen! Es geht darum, Perspektiven von Berufsbildung, politischer Bildung und le- benslangem Lernen integrativ zu denken, Kompetenzen aufzubauen und Fragen der Bearbeitung aufzuwerfen. Digitalisierung betrifft Demokratie und Menschenrechte grundlegend und so war es uns wichtig, Anforderungen, aber auch Chancen in Er- wachsenenbildung genauer in den Blick zu nehmen. Welche Anforderungen sind das? Viele Bildnerinnen und Bildner fühlen sich vom Thema gefordert oder überfordert: Es sei sehr komplex, technisch, immateriell – oder im Falle von Hate Speech und Fake News herausfordernd und negativ. In der Vermitt- lung und Bildung wird zudem stark auf Skills und Tools fokussiert – und auf Lernen unterstützt durch Digitalisierung. Das greift uns zu kurz. Und die Potenziale? Ein komplexes gesellschaftspolitisches The- ma wie die Digitalisierung systematisch von seiner gesellschaftlichen Wirkung her begreifen und es pädagogisch bearbeit- bar machen – damit hat politische Bildung ja viele Erfahrungen, etwa, wenn sie Klima- wandel, Wirtschaft, Gerechtigkeit themati- siert. Wir finden, dass in ähnlicher Weise das größere Bild hinter Plattformen, Tools und digitalen Playern angeschaut werden sollte: Lernen über die digitale Transformation. Gleichzeitig ist Digitalisierung nicht nur von oben gemacht und alternativlos, daher ist auch Lernen für die Digitalisierung wichtig. Welche Bedeutung hat aktive Bürger- schaft und kritisches Denken? Eine politische Bildung des Digitalen er- öffnet die Möglichkeit, das Lernen über, durch und für Digitalisierung miteinander zu verknüpfen. Allerorts wird von Politik verlangt, Menschen auf die Transformation vorzubereiten, damit sie nicht zu sozialen und politischen Verwerfungen führt. Wenn wir anerkennen, dass wir schon längst im „Neuland“ leben, in der Postdigitalität, wird klar, dass Bildung und Engagementpolitik Menschen besser unterstützen müssten, ihre Vision vom Demokratischen der Digita- lisierung erfolgreich einzubringen – Europa spielt hier eine maßgebliche Rolle. Sie haben im Projekt einige Materi- alien entwickelt. Wie nutzbar sind diese für andere? Wir haben uns bemüht, viele Perspektiven zu berücksichtigen und nutzbar für die Bildung- spraxis und Bildungspolitik in der Bandbreite der Erwachsenenbildung zu machen. Von Berufsbildung über Bibliotheken, Volks- hochschulen, Hochschulbildung und der Breite der außerschulischen Bildung benöti- gen wir einen solchen Austausch, denn zu- sammen erreichen wir ja Menschen in ihren ganz unterschiedlichen Lebenskontexten. Sie haben 2021 den Grundtvig-Award der European Association for the Education of Adults (EAEA) erhalten. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie? Erstmal ist das natürlich eine tolle Anerken- nung und Unterstützung. Die Vielfalt der Praktiken, Erfahrungen und auch Ansätze wären in einem rein national fokussierten Projekt kaum ergründbar gewesen – we- gen der unterschiedlichen Diskurse, Digital- politiken und Strukturen der Arbeitsfelder. Die Fragen stellte Michael Marquart, NA beim BIBB. PROJEKTINFO Projekttitel: DIGIT-AL – Digital Transformation and Ac- tive Citizenship in Adult Learning Projektnummer: 2019-1-DE02-KA204-006421 Laufzeit: 2019 - 2022 Koordinator: Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB) e.V. Partnerländer: BE, BG, EE, IT, LV, PT Kontakt: Nils Zimmermann zimmermann@adb.de Projektwebseite: https://www.dttools.eu Digitaler Wandel betrifft uns alle! Preisträgerprojekt fordert Lernen über, für und durch die Digitalisierung © A dB e .V . 16 17 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Das Institut für Internationale Kommu- nikation (IIK) in Düsseldorf bietet Fort- und Weiterbildungskurse für Studium und Beruf an. Die Schwerpunkte bil- den dabei Sprachkurse in Deutsch als Fremdsprache und anderen Fremdspra- chen sowie Fortbildungskurse für Lehr- kräfte Deutsch als Fremdsprache. Seit mehr als 20 Jahren nutzt das IIK europä- ische Programme wie Erasmus+, weil moder- ner Sprachenunterricht an Lehrkräfte hohe Anforderungen stellt und Fortbildungen ein zentraler Bestandteil der notwendigen perma- nenten Weiterqualifizierung sind. Der eigene Fortbildungsbereich profitiert außerdem von den Erfahrungen im Austausch mit anderen Fortbildungsträgern und die europäische Aus- richtung fördert den Perspektivenreichtum der Lehrkräfte. Digitale Medien im Unterricht Bereits seit den 90er Jahren setzt das IIK digi- tale Medien im Sprachunterricht ein. Der Fort- bildungsbereich vermittelt nicht nur in exter- nen Programmen, sondern auch intern neue Methoden des Sprachunterrichts unter Nut- zung von EduApps und Webanwendungen. „Mit dem Einbezug möglichst vieler Lehrkräf- te in Erasmus+ und sein Vorgängerprogramm wollten wir neue Anregungen für unseren Un- terricht und unsere Fortbildungsprogramme erhalten“, betont Rüdiger Riechert, Senior Consultant bei IIK. In dem Projekt wurde der Fokus auch auf die eigene Erstellung digitaler Unterrichtsmaterialien gelegt. Erreicht wurde neben dem Erwerb von neuen Fertigkeiten u. a. zur Gestaltung von Hörverstehensübungen auch eine hohe Motivation im Team. Auch die zu Hause gebliebenen Lehrkräfte haben letzt- endlich profitiert, denn die Teilnehmenden haben ihre neu erworbenen Fähigkeiten im Rahmen von internen Fortbildungen weiter- gegeben. Ergebnisse für die Praxis Bei einer Fortbildung in Portugal wurden tech- nische und didaktische Fähigkeiten zur Erstel- lung und Bearbeitung von Videos geschult. Durch die neu gewonnenen Kompetenzen konnten in der Unterrichtspraxis am IIK kleine- re Videoprojekte organisiert werden, die ein- fach mit Smartphones durchgeführt wurden. Außerdem wurden in Kursen Erklärvideos zu verschiedenen, selbst gewählten Themen eigenständig produziert. Diese sind über die Projektseite zugänglich. Die Fortbildung in Wien hatte durch den hohen Anteil an freiberuflichen Lehrkräften sowohl direkte unterrichtliche Wirkung als auch darüber hinaus weitere positive Effekte. Eva-Lisa Finzi aus der pädagogischen Leitung des IIK sagt dazu: „Die Fortbildung hat mir persönlich neue technische und didaktische Möglichkeiten z. B. in der Nutzung von H5P eröffnet, einem kostenlosen in Moodle inte- grierten Autorentool. Ich habe außerdem viel über österreichisches Deutsch erfahren, was Deutsch als eine plurizentrische Sprache cha- rakterisiert, und besonders beeindruckend war auch das Teambuilding als Folge dieser gemeinsamen Fortbildungserfahrung.“ Good Practice: Lehren und Lernen mit dem Netz Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften @ I IK PROJEKTINFO Projekttitel: Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften - Lehren und Lernen mit dem Netz Projektnummer: 2019-1-DE02-KA104-005432 Laufzeit: 01.09.2019 - 31.10.2021 Beteiligte Länder: PT, AT Koordinator/Kontakt: Institut für Internationale Kommunikation e. V. Website: https://www.erasmus-plus-eu.de/ training-courses/ka1-projekt- 2019-2020-digitale- kompetenzentwicklung-von- fremdsprachenlehrkraeften- lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ 18 19Digitale Transformation Das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) zieht so langsam in die Fachdis- kussionen über zukünftige Arbeits- formen ein. Gleichzeitig ist das Thema aber häufig mit gewissen Vorbehalten oder gar Ängsten verbunden und hat noch nicht die breite Öffentlichkeit erreicht, sondern wird eher den Fach- leuten überlassen. Auch in der Er- wachsenenbildung spielt der Einsatz KI-gestützter Lernformen derzeit eine deutlich untergeordnete Rolle. Auf der anderen Seite gehen viele Menschen im täglichen Leben unbewusst, aber ganz selbstverständlich mit Systemen und Tools um, die auf künstlicher In- telligenz beruhen. Beispiele sind Chat- bots oder auch Sprachassistenten wie Alexa oder Siri. An dieser diffusen Gemengelage setzte die Strategische Partnerschaft „KI Curriculum – Künstliche Intelligenz in der Erwachse- nenbildung“ an und griff dieses innovative Thema auf. Die fünf Partnereinrichtungen aus vier europäischen Ländern setzten sich zum Ziel, einen niedrigschwelligen Grund- lagenkurs zum Thema KI zu entwickeln, an dem jede und jeder ohne Vorkenntnisse teilnehmen kann. Zudem mussten auch erst einmal die Trainerinnen und Trainer in den beteiligten Einrichtungen zu diesem Thema geschult werden. Umfangreiche Materialien zu KI entwickelt So entwickelten die Partner auf der einen Seite zwölf thematische Briefings, die sich aus fünf Grundlagenmodulen und sieben weiterführenden Modulen zusammen- setzen. Diese führen anschaulich in den Themenkomplex ein und zeigen die An- wendungsmöglichkeiten von KI in verschie- denen Bereichen auf – beispielsweise im Finanz- und Gesundheitsbereich. Auf der anderen Seite entstanden Trainings- und Begleitmaterialien für Lehrende in Form von einem Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur Durchführung von Online- und Offline-Ver- anstaltungen, einem ausführlichen Hand- buch und einem Toolkit. Abgerundet wird das Ergebnisportfolio des Projektes durch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen sowie durch Audio-Snippets, die basierend auf Interviews mit Expertinnen und Exper- ten weitere Informationen zu Themen- feldern und Anwendungsbereichen von KI geben. Um die Trainerinnen und Trainer best- möglich auf ihre Aufgaben vorzubereiten, wurden in jedem der beteiligten Länder Train-the-trainer-Workshops durchgeführt. Zudem organisierten die Projektpartner Ver- breitungsveranstaltungen, damit Einrich- tungen für das noch neue Thema sensibi- lisiert und weitere interessierte Trainerinnen und Trainer gewonnen werden. So sind durch das Projekt frei zugängliche Produkte entstanden, die nun von anderen Personen und Einrichtungen verwendet werden können, um auf dieser Basis eigene Trainings zu entwickeln. Außerdem können alle Interessierten ihr Wissen zum Thema KI erweitern und Vorurteile abbauen – auch ganz ohne Vorkenntnisse. Good Practice: Verstehen von künstlicher Intelligenz leicht gemacht Grundlagenkurs für die Erwachsenenbildung © N ic oE lN in o/ A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: AI Curriculum – Artificial Intelligence in Adult Education Projektnummer: 2020-1-DE02-KA204-007713 Laufzeit: 2020 - 2022 Beteiligte Länder: DE, IT, SI, CY Koordinator: Studio2B GmbH Kontakt: elise.vernay@studio2b.de Website: https://www.studio2b.de/aiae-en/ 18 19 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH aus Kempten im Allgäu nutzt bereits seit 2013 europäische Förderprogramme, um Auszubildenden Auslandsaufent- halte zur beruflichen Qualifizierung zu ermöglichen. So bietet das Unterneh- men unter anderem angehenden Indus- triemechanikerinnen und -mechanikern, Elektronikerinnen und Elektronikern, Technischen Produktdesignerinnen und -designern sowie Industriekaufleuten die Möglichkeit, einen mehrwöchigen Auslandsaufenthalt in Trondheim oder Fredrikstad in Norwegen zu verbringen. Dort absolvieren sie Einsätze in Betrie- ben und besuchen die Partnerschulen Strinda VGS und Glemmen VGS. Industrie 4.0 praxisnah in die Ausbil- dung integrieren Die intensive Zusammenarbeit mit der nor- wegischen Partnerschule führte auch beim verantwortlichen Ausbildungspersonal zu einem fruchtbaren fachlichen Austausch. Entstanden ist dabei bereits vor Jahren die Idee, gemeinsam eine Hebestation zu entwickeln, an der Auszubildenden unter- schiedlicher Fachrichtungen Industrie 4.0 praxisnah vermittelt werden kann. Die He- bestation ähnelt laut der Liebherr-Verzahn- technik GmbH einem Trainingsgerät im Fitnessstudio und kann „mit unterschied- lich schweren Gewichten belastet werden. Ihr Motor reagiert auf steigende Gewichte mit einer Erhöhung der Stromaufnahme, was wiederum direkt Rückschlüsse auf die Auslastung des Motors zulässt. […] In der Ausbildung können mit einer solchen Anlage die Antriebstechnik, Bustechnolo- gien wie Profinet, IO-Link-Komponenten, Messtechnik, Analogwertverarbeitung und RFID-Technologien vermittelt werden.“ Damit werden den Auszubildenden Tech- nologien vermittelt, die im zukünftigen Arbeitsalltag an Automationsanlagen der Liebherr-Verzahntechnik GmbH zum Ein- satz kommen. Ein Mehrwert ist auch, dass an der Hebestation Auszubildende und Stu- dierende verschiedener Fachrichtungen ler- nen, in interdisziplinären Teams Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Papierlose und modulare Ausbildung Die Hebestation ist ein fester Bestandteil der Ausbildung im Elektrobereich. Das gesamte Ausbildungskonzept hat das Un- ternehmen in den letzten 20 Jahren mo- dularisiert und jetzt auch digitalisiert. Die Hebestation dient als Basis für die Entwick- lung verschiedener Module, welche die Auszubildenden während ihrer Ausbildung bearbeiten müssen. Diese Module stehen vollkommen digital zur Verfügung und wer- den von den Auszubildenden auf Conver- tibles bearbeitet, die groß genug sind, um auf ihnen mit einem Stift zu arbeiten. Die Azubis bearbeiten diese selbstständig und je nach individuellem Entwicklungsstand. Neben gezielten Aufgabenstellungen und Leitfragen, enthalten sie auch unterstüt- zende Lernmaterialien zum Beispiel in Form von Fotos oder Videos. Die Module hat die Liebherr-Verzahntechnik GmbH alleine ent- wickelt, ohne Lehrmaterialien von externen Anbietern einzukaufen. Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH bietet so- mit eine qualitativ hochwertige Ausbildung an, die die Auszubildenden auf die Heraus- forderungen einer komplexen und digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Erfreulich ist, dass mit der Hebestation auch die internationale Zu- sammenarbeit mit der norwegischen Partner- schule in Trondheim einen Beitrag zu dieser innovativen Entwicklung geleistet hat. Good Practice: Liebherr-Verzahntechnik GmbH Ausbildung profitiert von Digitalisierung © M ax F rö hl ic h / Li eb he rr -V er za hn te ch ni k G m bH PROJEKTINFO Projekttitel: Qualifizierung im Ausland Laufzeit: 2013 - 2022 (verschiedene Projekte) Beteiligte Länder: DE, NO Koordinator: Liebherr-Verzahntechnik GmbH Kontakt: Matthias Fendt matthias.fendt@liebherr.com Website: www.liebherr.com/ausbildung- kempten http://www.liebherr.com/ausbildung-kempten http://www.liebherr.com/ausbildung-kempten 20 21 Digitale Technologien, die auf künst- licher Intelligenz (KI) oder maschi- nellem Lernen basieren, ermöglichen es einer Maschine, aussagekräftige Ergebnisse zu liefern, ohne ihr vorher ausdrücklich zu sagen, was sie tun soll. Infolgedessen können Aufgaben, die bisher von Menschen ausgeführt wurden, nun potenziell vollständig von Computern und computergestütz- ten Maschinen übernommen oder un- terstützt werden. Vor diesem Hintergrund vollzieht sich bran- chenübergreifend ein fundamentaler Wan- del der Arbeits- und Geschäftsprozesse. Berufliche Tätigkeiten werden sich verän- dern; eine Reihe von Arbeitsplätzen werden wegfallen, aber es werden auch neue Ar- beitsaufgaben entstehen. An diese Entwick- lungen muss sich die berufliche Aus- und Weiterbildung anpassen. Die Erasmus+-Strategische Partnerschaft TACCLE-AI hat sich unter der Koordination des Instituts Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen zum Ziel gesetzt, Lehr- kräfte sowie Ausbilderinnen und Ausbilder in der beruflichen Bildung dabei zu unter- stützen, Auszubildende auf die durch die Digitalisierung entstehenden Herausfor- derungen vorzubereiten. Gemeinsam mit Partnereinrichtungen aus vier Ländern wur- den für Lehrende Lernressourcen und eine Lernplattform entwickelt, die sie mit dem notwendigen Wissen über Künstliche Intel- ligenz ausstatten und es ihnen ermöglichen sollen, neue Lernarrangements für Schule und Ausbildung zu erstellen. Zu den Projektergebnissen gehören: Bericht über die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf die Kompetenzen von Lehrenden und Aus- bildenden in der beruflichen Bildung. TACCLE-AI-Toolkit: Das Toolkit für Lehrende und Ausbildende liefert the- oretische und praktische Informationen um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, die Anerkennung von KI-re- levanten Kompetenzen und zu digitaler Pädagogik. MOOC „ArtificiaI Intelligence and VET“: Der Massive Open Online Course (MOOC) ist ein Bildungsangebot in Eng- lisch und Deutsch für Lehrkräfte und Ausbildende, um ihnen die fachliche Grundlage für das neue Lehrgebiet zu vermitteln. Es besteht aus fünf Modu- len. Politische Empfehlungen „Künst- liche Intelligenz und Berufsbildung – Zur (Um-)Gestaltung von Lehr- plänen, Projekten, Berufen sowie der Kooperation von Lernorten“: Die Empfehlungen richten sich an In- stitutionen, die an der Ausbildung von Berufsschullehrerinnen und -lehrern be- teiligt sind, sowie an politische Entschei- dungsträger und Berufsbildungseinrich- tungen. Alle Ergebnisse wurden unter einer Offe- nen Lizenz veröffentlicht. Die meisten der Ergebnisse liegen in fünf Sprachen vor, min- destens jedoch auf Englisch. Das Projekt hat schon jetzt große Resonanz hervorgerufen. So haben mehr als 300 Personen am ersten Durchlauf des MOOCs teilgenommen. Good Practice: Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung Eine Herausforderung für Lernende und Lehrende © m .m ph ot o/ A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: „Improving skills and competences of VET teachers and trainers in the age of Artifi- cial Intelligence“ (TACCLE-AI) Projektnummer: 2019-1-DE02-KA202-006317 Laufzeit: 01.10.2019 - 31.12.2021 Beteiligte Länder: DE, GR, IT, LT, UK Koordinator: Institut für Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen Website: http://taccleai.eu/ E+PRP: https://erasmus-plus.ec. europa.eu/projects/search/details/ 2019-1-DE02-KA202-006317 Digitale Transformation https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 20 21 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation er Einsatz zentraler digitaler Werkzeuge im Management des Programms Erasmus+ lie- fert ein extrem heterogenes Bild. Während die IT-Tools zur Projektsteuerung teilweise deutlich verspätet und/oder fehleranfällig zum Einsatz kommen (allen voran das Bene- ficiary Module), so werden die Datenvisua- lisierungen kontinuierlich ausgebaut und liefern heute eine Vielzahl an Reports zu nahezu allen Komponenten des Programms Erasmus+. Mit den unterschiedlichen Dashboards kön- nen im Prinzip alle Daten aufgerufen wer- den, die in der Laufzeit eines Projekts an- fallen und in den jeweiligen Datenbanken eingetragen sind, von der Antragstellung über die Projektdurchführung bis zum Ab- schlussbericht. Die Visualisierungen berück- sichtigen also die Daten aus den Antrags- plattformen, aus den Management-Tools (wie z.B. MobilityTool+, Beneficiary Module) und aus den Teilnehmer-Berichten. Darüber hinaus ist auch der jeweilige Status eines Projektvorhabens von der Antragstellung bis zur Vertragsschließung wählbar. Aufgrund der Mächtigkeit des Datenma- terials gibt es einige thematisch vorausge- wählte Datenvisualisierungen zu einzelnen Detailbereichen, so z.B. zu „Projekten“, „Budgets“, „Teilnehmenden“, „Mobilitäten“ und „Einrichtungen“, jedoch bietet die Soft- ware auch größte Freiheit für benutzerdefi- nierte Analysen jeglicher Anwendungsfälle im Programm Erasmus+. Dies bedeutet, dass die NA beim BIBB sowohl Auswer- tungen in größtmöglicher Aggregierung vornehmen kann (beispielsweise für die gesamte EU oder über alle Programmjahre hinweg seit 2014) als auch Analysen bis auf kleinste Ebenen durchführen kann (z.B. für einzelne Projekte oder für einzelne Regi- onen und Städte oder einzelne Aktivitäten). Neben diesen operationalen Clustern des Programms Erasmus+ werden in Kürze auch sogenannte taktische Cluster zur Ver- fügung gestellt, die auch aggregierte und konsolidierte Daten aus anderen Program- men beinhalten. Die Transparenz des För- dergeschäfts der Europäischen Union wird damit weiter gesteigert. NA-interne Anwendungen Schon vor der Etablierung dieser zentralen Werkzeuge der EU-Kommission hat sich auch die NA beim BIBB dafür entschieden, die internen Verfahren digital zu gestalten. Hierfür gab es unterschiedliche Beweg- gründe; zum einen war die Digitalisierung der Erasmus+-Verfahren in der Nationalen Agentur eine logische Folgerung der voll- ständig IT-gestützten EU-Verfahren, zum anderen war die Verschlankung und Effizi- enz der Verfahren eine unserer Prioritäten. Da es kein fertiges Produkt auf dem Markt gab, das nahtlos auf die EU-Tools bzw. EU-Datenbanken aufgesetzt werden konn- te, haben wir uns für eine Eigenentwick- lung entschieden. Das letztlich entwickelte webbasierte Tool setzt vollständig auf die zentralen Projektverwaltungsanwen- dungen der Kommission auf. Hierdurch ist gewährleistet, keine redundanten oder asynchronen Daten für weitere Verfahrens- schritte zu verwenden. Durch das hierdurch mögliche Monitoring der Verfahrensschritte können idealerwei- se Bearbeitungszeiten (z.B. hinsichtlich der Fristen) übersichtlich dargestellt wer- den. Durch den Einsatz unterschiedlicher Anwendungen soll gewährleistet werden, alle Verfahrens- und Bearbeitungsschrit- te einzelner Projekte für alle Beteiligten transparent zu halten. Nur so kann unser Ziel, allen Mitarbeitenden zu jeder Zeit an jedem Ort den gleichen Wissens- und In- formationsstand zu bieten, überhaupt er- reicht werden. Idealerweise werden durch digitale Arbeitsprozesse die unproduktiven Arbeitsschritte signifikant reduziert. Das Zusammenspiel der digitalen Prozesse der Europäischen Kommission und der Nationalen Agentur wird seit kurzem kom- plettiert durch den Einsatz der E-Akte des Bundes. Hierdurch sollen nicht nur man- che Prozesse produktiver gestaltet werden, sondern Unterlagen und Dokumente kön- nen hierdurch rechtssicher digital nachge- halten und archiviert werden. Auch wenn es sicherlich noch lange Zeit dauern wird, bis die laufenden Meter tonnenschwerer Aktenordner in den großflächigen Archi- ven der Bundesbehörden der Vergangen- heit angehören, so ist zumindest ein erster Schritt dazu getan. IT-Tools in der Programmumsetzung Mehr Transparenz und Effizienz D BAHRAM KAZEMKHANI Leiter des Teams „Finanzen und Informationstechnologie“ in der NA beim BIBB JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B un d pr iv at 22 23Digitalisierung ie sitzen an Ihrem Projektantrag für Erasmus+ und sind fast fertig. Doch dann kommt diese eine Frage: Wie werden Sie die Online-Plattformen der Europäischen Kommission (z. B. EPALE) für Ihr Projekt nutzen? EPALE… da war doch mal was? Das Angebot an Informationen und Tools der E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa ist enorm groß. Alleine die Möglich- keit, sich Inspiration aus 37 Ländern zu ho- len, lässt die Größe der Plattform erkennen. Wo also soll man als Projekt beginnen? Und wie kann man die vorhandenen Tools am Besten nutzen? Unsere fünf Tool-Tipps ge- ben Ihnen eine erste Orientierung. Tipp 1: Projektpartnersuche Die Projektpartnersuche auf EPALE ist eine Erfolgsgeschichte. Hier finden Sie Projekt- partner aus den Programmländern von Erasmus+ oder Sie können sich finden lassen. Vielfältige Filtermöglichkeiten z. B. nach Land, Thema, Art der Organisation oder Leitaktion vereinfachen Ihre Suche. Ganz neu gibt es nun die Möglichkeit für ak- kreditierte Organisationen der Leitaktion 1, sich einfacher zu präsentieren und so sicht- barer zu werden. Das Feedback aus den unterschiedlichen Organisationen ist positiv und berichtet eher von einem Überfluss an Angeboten als von einem Mangel. Tipp 2: Erasmus+ Space Der Erasmus+ Space ist das Schaufenster für Ihr Projekt. Als Micro-Site konzipiert ver- fügen Sie im Erasmus+ Space sowohl über einen internen, privaten Bereich für sich und Ihre Projektpartner als auch über einen öffentlichen Bereich, in dem Sie Neuigkei- ten, Veranstaltungen und Ergebnisse aus Fünf EPALE-Tools für Ihr Projekt Erasmus+-Projektnehmer profitieren vom Angebot der E-Plattform für Erwachsenenbildung S © g oo dl uz /A do be St oc k 22 23 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Ihrem Projekt der gesamten EPALE-Commu- nity präsentieren können. Der interne Bereich kann dabei sehr gut zum Projektmanagement genutzt werden. Der Erasmus+ Space ist be- sonders für kleinere Projekte geeignet, die möglicherweise keine eigene Website besit- zen und trotzdem eine dauerhafte Präsenz im Web haben möchten. Tipp 3: Praxisbezogene Communities Sich mit Menschen aus ganz Europa austau- schen können Sie in den Praxisbezogenen Communities. Das sind offene Räume, die speziell zum thematischen Austausch ge- schaffen wurden. Ein Thema interessiert Sie? Durch einen einfachen Klick treten Sie der Gruppe bei und können sich nun aktiv an der Diskussion und der Weiterentwicklung des Themas beteiligen. Ihr Thema gibt es noch nicht? Auch das ist kein Problem. Denn eine Praxisbezogene Community lässt sich in weni- gen Augenblicken über ein Formular anlegen. Die Praxisbezogenen Communities sind be- sonders geeignet, um vor der Antragstellung Themen zu vertiefen und zu recherchieren oder auch um neue Projekte zu entwickeln. Tipp 4: Online-Diskussionen Die circa alle sechs Wochen stattfindenden Online-Diskussionen bieten Ihnen eine Platt- form zum fokussierten Austausch und zur Vertiefung des jeweiligen Diskussionsthemas. Experteninputs legen den Grundstein für die nachfolgende Diskussion. Sie haben ein Pro- jekt zum Diskussionsthema gemacht? Umso besser, denn die Diskussion bietet auch einen Rahmen, in dem Sie Ihre Ergebnisse vorstellen bzw. sich Feedback aus der Community zu Ih- ren Ideen holen können. Tipp 5: Ressourcen-Zentrum Das Ressourcen-Zentrum ist eine wahre Fund- grube, wenn Sie gerade ein bestimmtes The- ma für Ihren Projektantrag recherchieren. Lassen Sie sich von den bereits existierenden Projektergebnissen und -materialien inspi- rieren, finden Sie die Nische, die Ihr Projekt füllen kann, oder ein Themenfeld, das Sie in Ihren Kontext transferieren möchten. Im Res- sourcen-Zentrum finden Sie z.B. Forschungs- berichte, Projektmaterialien, Zugriff auf Lern- plattformen, Unterrichtsmaterialien (als OER), Policy-Dokumente und Statistiken. Stöbern Sie doch einfach mal! EPALE ist eine offene, mehrsprachige Com- munity. Auf die meisten Angebote können Sie ohne Registrierung zugreifen. Für die interak- tiven Angebote (Projektpartner-Suche, Eras- mus+ Space, Praxisbezogene Communities, Online-Diskussionen usw.) benötigen Sie ein EPALE-Konto, für das Sie sich kostenfrei mit einer E-Mail-Adresse registrieren können. INFO https://epale.ec.europa.eu/de Digitale Transformation DR. CHRISTINE BERTRAM leitet die Nationale Koordinie- rungsstelle EPALE in der NA beim BIBB bertram@bibb.de © N A b ei m B IB B 24 25 Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis © G ra fik : B lu eb er ry & A do be St oc k EUROPEAN DIGITAL CREDENTIALS FOR LEARNING Funktionen: Mehrwert für: Jetzt starten: Beratung: www.europass-info.de Bildungsnachweise aus dem In- und Ausland einfach verstehen und überprüfen, Bewer- bungsunterlagen effizienter verarbeiten AUSSTELLEN SPEICHERN ÜBERPRÜFEN TEILEN Fälschungssichere digitale Bildungsnachweise aus- stellen und an die Lernen- den vergeben https://europa.eu/europass/de/european-digital- credentials-learning Digitale Bildungsnach- weise sicher speichern, on- und offline Digitale Bildungsnach- weise unmittelbar und automatisch auf Echtheit und Gültigkeit prüfen Digitale Bildungsnach- weise mit einem Klick an andere Personen oder Organisationen senden Zeugnisse papierlos erstellen und Bildungsnachweise aus anderen Ländern besser verstehen BILDUNGSEINRICHTUNGEN ARBEITGEBER/-INNEN Alle Bildungsnachweise sicher digital verwahren und ganz einfach für Online-Bewerbungen nutzen LERNENDE EU-Kommission steht Rede und Antwort zu neuer Initiative Die EU-Kommission hat im Oktober 2021 offiziell ihre Initiative der Europäischen Digitalen Bildungsnachweise (European Digital Credentials for Learning) gestartet. Damit stellt sie einen europäischen Standard zum Ausstellen, Speichern, Verifizie- ren und Teilen von digitalen Zeugnissen und Zertifikaten bereit. Die Initiative ist eng verknüpft mit Europass, denn im Europass-Portal können Nutzerinnen und Nutzer solche Zertifikate in ihrer Online-Bibliothek speichern und im Rahmen von Bewerbungen teilen. https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning 24 25 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation arum sollten Bildungseinrichtungen ihre Zertifikate digitalisieren? Die Digitalisierung von Zeugnissen und Zertifikaten bringt Bildungseinrichtungen viele Vorteile. Nach einem anfänglichen Aufwand zur erstmaligen Einrichtung der Software kann die Umstellung auf digitale Bescheinigungen die Kosten für deren Aus- stellung signifikant senken. Sie kann ferner dazu beitragen, spätere Aufgaben wie die Bereitstellung von beglaubigten Kopien oder die Überprüfung der Gültigkeit und Echtheit der mit Bewerbungen eingereich- ten Nachweise zu verringern. Digitale Bil- dungsnachweise nach dem internationalen Standard der Verifiable Credentials sind si- cher und können nicht manipuliert werden. Bildungseinrichtungen werden auch in der Lage sein, die Nachweise von Lernenden besser zu verstehen. Schließlich kann die Digitalisierung von Zeugnissen den Einrich- tungen helfen, einen weiteren Schritt in ihrem digitalen Transformationsprozess zu gehen. Können digitale Bildungsnachweise auch für nicht-formale und informelle Lernerfahrungen erstellt werden? Europäische Digitale Bildungsnachweise (EDB) können für jede Lernleistung ausge- stellt werden. Sie sind so konzipiert, dass sie eine gemeinsame Sprache für verschie- dene Arten von Nachweisen wie Qualifi- kationen, Leistungsnachweise und Zeug- niserläuterungen bieten. Sie können auch für berufliche Nachweise, Arbeitszeugnisse und jede andere Art von Lernbestätigungen verwendet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Lernergebnisse aus formalem, informellem oder nicht-formalem Lernen resultieren. Entscheidend ist das Lernergeb- nis selbst, einschließlich der dabei erwor- benen Fähigkeiten. Mehrere Organisati- onen nutzen EDB bereits für nicht-formales und informelles Lernen – zum Beispiel das Erasmus Student Network (ESN), das EDB für die Ausstellung von nicht-formalen Zer- tifikaten für Schulungen nutzt, die es für seine Mitglieder organisiert. Welche Vorteile haben Lernende davon? Lernende können ihre Europäischen Di- gitalen Bildungsnachweise in der Online- Bibliothek ihres Europass-Profils oder in einer anderen digitalen Brieftasche sowie auf einem PC ihrer Wahl speichern. Die Online-Bibliothek von Europass ist Teil des ePortfolios und ermöglicht es den Nutze- rinnen und Nutzern, sämtliche Zeugnisse und Zertifikate dauerhaft online zu spei- chern und einzusehen sowie diese auf einfache und sichere Weise z.B. mit Ar- beitgebern, Bildungseinrichtungen oder Anerkennungsbehörden zu teilen. Die Lernenden haben dabei die volle Kontrol- le über ihre Daten; alle hier beschriebenen Prozesse sind DSGVO-konform. Gleichzei- tig werden Anerkennungsprozesse durch die digitale Überprüfbarkeit der Echtheit und Gültigkeit der Nachweise enorm ver- einfacht, was die Mobilität zum Lernen und Arbeiten in Europa erleichtert. Was sind die größten Herausforde- rungen, denen Sie bei der Umsetzung begegnen? Insgesamt zielt die Arbeit rund um die EDB darauf ab, sicherzustellen, dass digitale Bil- dungsnachweise in ganz Europa leicht ver- standen werden können. Da derzeit viele Initiativen für digitale Zeugnisse entwickelt werden, besteht eine der größten Heraus- forderungen darin, sicherzustellen, dass diese verschiedenen Systeme miteinander „sprechen“ und dieselben semantischen Standards verwenden können. Zu diesem Zweck wurde das „Europäische Lernmo- dell“ entwickelt. Eine weitere Herausforde- rung ist die Verwendung des elektronischen Siegels. EDB-Zugangsdaten werden durch ein E-Siegel digital signiert, das mit der EU-Verordnung eIDAS konform ist. Dank des E-Siegels haben EDB denselben recht- lichen Wert wie Papierzertifikate. Die Erlan- gung des E-Siegels kann manchmal eine Herausforderung sein. Das EDC-Support- team kann jedoch in diesen Fällen helfen. Die Fragen stellte Franziska Bopp vom Nationalen Europass Center in der NA beim BIBB. bobb@bibb.de INFO https://europa.eu/europass/de/ european-digital-credentials-learning CÉLINE JAMBON Referentin Referat B.2 Skills Agenda, Generaldirektion Beschäftigung und Soziales, EU-Kommission KOEN NOMDEN Teamleiter Referat B.2 Skills Agenda, Generaldirektion Beschäftigung und Soziales, EU-Kommission © E U -K om m is si on Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis W https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning 26 27 s war ein bewegender Moment, als Schulleiter Harald Köster und die Leh- rer David Distelmann und Andreas Gaul von der Max-Eyth-Schule in Dreieich die Bühne auf der Jahrestagung der Natio- nalen Agentur betraten. Im Namen der Europäischen Kommission wurden sie für ihr herausragendes Engagement bei der Umsetzung von Erasmus+-Pro- jekten mit dem „European Innovative Teaching Award“ ausgezeichnet. Kurz zuvor hatten die Anwesenden die drei Preisträger noch in einer Kurzdokumentati- on auf der großen Leinwand gesehen. Dort berichteten sie voller Begeisterung von ihrem Erasmus+-Projekt „Die Brücke der Verstän- digung und Begegnung“. Die Idee – simpel und genial zugleich. Deutsche und spanische Schülerinnen und Schüler, auch mit gerin- geren Chancen, gemeinsam eine Brücke nach dem Vorbild des Ureuropäers Leonardo da Vinci bauen zu lassen und gleichzeitig den interkulturellen Austausch zu fördern. Gesagt, getan: Zusammen mit einer Schü- lergruppe stiegen die beiden Lehrer in den Flieger nach Spanien. Besonders auf- regend: Für einige der Schülerinnen und Schüler war es die erste Auslandsreise ihres Lebens. Anfängliche Berührungsängste und Sprachbarrieren wurden angesichts des gemeinsamen Projekts jedoch schnell überwunden. Alle packten mit an und nutzten die Chance, ihre individuellen Fä- higkeiten einzubringen. Am Ende standen sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrer Gaul und Distelmann sicht- lich zufrieden vor ihrem Bauwerk und sogar das spanische Fernsehen berichtete über das Projekt. European Innovative Teaching Award 2022 Max-Eyth-Schule in der Kategorie „berufliche Schulen“ ausgezeichnet E Klaus Fahle und die Preisträger Andreas Gaul, Harald Köster und David Distelmann auf der NA-Jahrestagung N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er + 26 27 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Einstimmiges Fazit: Einsatz zahlt sich aus Auf die Frage, welchen Mehrwert Eras- mus+-Projekte hätten, schließlich handelt es sich bereits um das dritte Erasmus+-Projekt, das die beiden Lehrer begleiteten, antworten beide ohne zu zögern. Für sie als Lehrer sei es unglaublich bereichernd zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler über sich hinaus- wachsen, selbstbewusster werden und zu- nehmend an sich und ihre eigenen Fähigkei- ten glauben. Das mache die Projekte in ihren Augen auch so nachhaltig. Nachhaltigkeit spielt auch sonst eine große Rolle an der Max-Eyth-Schule, wie Schullei- ter Harald Köster betont. Angefangen mit dem schuleigenen Obst- und Gemüsegarten und dem angrenzenden Biotop bis hin zum Recycling von Baumaterialien vergangener Projekte. Alles sind Initiativen, die die drei in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern ins Leben gerufen haben. Schnell wird deutlich: Es ist dem Lehrpersonal ein großes Anliegen, ein inklusives Lernum- feld zu schaffen, in dem junge Menschen ihr Potenzial nutzen können. Auch wenn dies teilweise mehr Einsatz erfordert. Am Ende lohnt es sich. Denn alle Jugendlichen, die am Projekt beteiligt waren, haben im Anschluss einen Ausbildungsplatz in der Tasche gehabt. INFO https://mes-dreieich.de Sie möchten mehr über das Projekt erfahren? Die ganze Kurzdokumentation finden Sie auf unserem YouTube-Kanal: Abb. 1: David Distelmann mit Schülern in der Werkstatt Abb. 2: Schulleiter Harald Köster auf der EITA-Preisver- leihung in Brüssel Abb. 3: Schülerinnen und Schüler vor dem Geodome (aus recycletem Material erstellt) Erasmus+ NADJA LINKE ist wissenschaftliche Mitarbei- terin im Team „Information und Öffentlichkeitsarbeit“ in der NA beim BIBB nadja.linke@bibb.de © N A b ei m B IB B © N A b ei m B IB B © S ar ah B ün n © E U -K om m is si on Der „European Innovative Teaching Award“ (EITA) wird seit 2021 jährlich von der EU-Kommission vergeben. Ausgezeichnet werden abgeschlossene Erasmus+-Pro- jekte, in denen herausragende Unterrichtspraktiken umgesetzt wurden und die zum Jahresthema der Aus- zeichnung passen. Dieses lautete 2022 „Learning to- gether, promoting creativity and sustainability“ und ist eng verbunden mit der EU-Initiative „New European Bauhaus“. EITA würdigt Leistungen in den Kategorien „vorschulische Bildung“, „Grundschule“, „Sekundar- schule“ und „berufliche Schulen“. 1 32 28 29 © B ar ba ra W ild eit 2017 dient der Nutzerbeirat Erasmus+ als ein strukturiertes Dialogangebot zwischen der NA beim BIBB und den Projektträgern; er soll die kon- struktive und passgenaue Weiterentwicklung der Dienstleistungen in der Nationalen Agentur un- terstützen. Zugleich gibt er allen Organisationen der Berufs- und Erwachsenenbildung die Chance, ohne formalen Aufwand Kritik und Wünsche für die Zukunft des Programms Erasmus+ zu formu- lieren, da die Mitglieder des Nutzerbeirats einge- hende Meldungen sammeln und auf den regu- lären Sitzungen zur Diskussion stellen. Auf der Jahrestagung in Weimar Ende Septem- ber 2022 präsentierte sich der neu gewählte Nutzerbeirat dem anwesenden Publikum. Zuvor hatten sich über 400 Einrichtungen an der Wahl beteiligt und ihre Stimme für eine oder einen der insgesamt 26 Kandidatinnen und Kandidaten abgegeben. Im Ergebnis wurden die folgenden Vertreterinnen und Vertreter in den Nutzerbeirat gewählt, der sich im Januar 2023 zu seiner konsti- tuierenden Sitzung in Bonn treffen wird. Die Wahlperiode des neu gewählten Nutzerbei- rats geht bis Ende 2024. Projektnehmer können sich mit ihren Meinungen und Anliegen direkt an die Mitglieder des Nutzerbeirats wenden. Die Kontaktdaten finden sich auf der NA-Website. INFO www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ gewählt Mitwirkungsmöglichkeit inzwischen gut etabliert S Name Institution Bildungsbereich/Aktion Dr. Wolfgang Bautz Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit, Potsdam Erwachsenenbildung - Partnerschaften Sabine Beyer Airbus Operations GmbH, Bremen Berufsbildung - Mobilität Sophia Bickhardt weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Erwachsenenbildung - Partnerschaften Bildung, Berlin Julia Francke Landesverband der Volkshochschulen Schleswig- Erwachsenenbildung - Mobilität Holsteins, Kiel Andreas Koth Internationaler Bund (IB) Region Sachsen Ost, Berufsbildung - Partnerschaften Dresden Marko Krahmer BBZ am Nord-Ostsee-Kanal – Europaschule, Berufsbildung - Mobilität Rendsburg Ursula Lieb Staatliches Berufliches Schulzentrum Kronach, Berufsbildung - Mobilität Kronach Thorsten Noelle Bezirksregierung Köln Dezernat 45 – Berufsbildung - Mobilität EU-Geschäftsstelle, Köln Robert Stolzenberg Staatsinstitut für Schulqualität, München Berufsbildung - Mobilität Andrea Wisotzki QBS Gewerkstatt, Bochum Berufsbildung - Partnerschaften Erasmus+ N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er Der neue Nutzerbeirat (nicht alle Mitglieder anwesend) stellt sich auf der NA-Jahrestagung vor. 28 29 Bildung Für Europa | Dezember 2022 © B ar ba ra W ild ieser Beitrag gibt den Informations- stand vom 9. Dezember 2022 wieder. Nachdem wir über die erste Antrags- runde des Jahres 2022 im Journal Nr. 35 berichtet hatten, geht es aktuell um die Herbst-Antragsrunde des Jah- res 2022. Mobilitäten für Einzelper- sonen und kleinere Partnerschaften konnten zusätzlich zum Februar-Ter- min ein zweites Mal zum 04.10.2022 beantragt werden. Die Frist für die Beantragung von Erasmus-Akkreditie- rungen endete am 19.10.2022. Berufsbildung Mobilität Im Bereich der Berufsbildung wurden 227 Anträge auf eine Erasmus+-Akkreditierung eingereicht. Nach rund 400 bzw. 200 An- trägen in den beiden Vorjahren zeigt sich, dass das Interesse an der Akkreditierung auch im dritten Jahr erfreulich hoch ist. Über die Vergabe der neuen Akkreditierung wird Anfang des Jahres 2023 entschieden. Im Rahmen der zweiten Antragsrunde der Kurzzeitprojekte wurden 22 Projekte mit knapp 400 Teilnehmenden und einem Bud- get von rund 1 Million Euro bewilligt. Insgesamt wurden im Jahr 2022 23.758 Auslandsaufenthalte bewilligt. Mit dem Abschluss der Antragsrunden 2022 ist es nun möglich, eine Bewertung der Entwick- lung vorzunehmen. Der bisher höchste Stand wurde im Jahr 2019 mit fast 33.000 Auslandsauenthalten erreicht. Im Jahr 2020 sanken die Aufenthalte aufgrund des Brexits auf rund 29.000 Aufenthalte ab. Im Jahr 2021 brachen die Zahlen dann wegen der Corona-Pandemie auf gut 10.000 Mobili- täten ein. Daraus ergibt sich, dass die Aus- landsaufenthalte mit dem Abklingen der Pandemie im Jahr 2022 sehr schnell auf 80 Prozent des Vor-Corona-Niveaus des Jahres 2020 angestiegen sind und bereits bei 70 Prozent des bisher höchsten Wertes vor dem Brexit im Jahr 2019 liegen. Dies ist ein erfreulicher Trend. Erwachsenenbildung Mobilität Auch in der Erwachsenenbildung fällt die Bewertung der Antragsrunden 2022 positiv aus. Im Rahmen der zweiten Antragsrun- de 2022 sind sieben Kurzzeitprojekte für 134 Teilnehmende mit einem Budget von 253.562 Euro bewilligt worden. Außerdem wurden 14 Anträge auf Akkreditierung ge- stellt, über deren Förderung Anfang 2023 entschieden wird. Im Vergleich zum Jahr 2021 ist die Anzahl der bewilligten Anträge und Mobilitäten 2022 leicht gestiegen. So konnten Auslands- aufenthalte für 1.479 Teilnehmende in 43 verschiedenen Projekten gefördert werden. 2021 waren es 1.238 Teilnehmende in 37 Projekten. Erfreulich ist außerdem, dass deutlich mehr Mobilitäten für die neue Ziel- gruppe der Lernenden mit geringeren Chan- cen bewilligt wurden. Während 2021 194 Lernenden-Mobilitäten gefördert werden konnten, waren es 2022 insgesamt 379. Berufsbildung Partnerschaften In der zweiten Antragsrunde 2022 konnten in der Leitaktion 2 ausschließlich kleinere Partnerschaften beantragt werden. In der Berufsbildung wurden 38 Projektanträge eingereicht, davon drei in der Pauschalka- tegorie 30.0000 Euro und 35 in der För- derpauschale 60.0000 Euro. Insgesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 2,19 Millionen Euro beantragt. Die Entscheidung des Auswahlausschusses erfolgt nach Re- daktionsschluss dieses Journals. Die am häufigsten adressierten Programm- prioritäten waren „Bewältigung des digi- talen Wandels durch Aufbau von digitaler Bereitschaft, Widerstandsfähigkeit und Kapazität“ (15) als horizontale Priorität gleichauf mit der berufsbildungsspezi- fischen Priorität „Anpassung der beruf- lichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ (15). Dahinter folgten die Prioritäten „Inklusion und Viel- falt“ (14) und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“ (12) als berufsbildungsspe- zifische Priorität. Die weiteren horizontalen Prioritäten „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“ sowie „Gemeinsame Werte, zivilgesellschaftliches Engagement und Teil- habe“ wurden jeweils achtmal adressiert. Erwachsenenbildung Partnerschaften Bei den Partnerschaften für Zusammenar- beit in der Erwachsenenbildung wurden in der zweiten Antragsrunde insgesamt 78 Anträge für kleinere Partnerschaften einge- reicht. Dies ist die bislang höchste Anzahl an Anträgen, die für diese Aktion zu einer Antragsfrist eingereicht wurden. Davon kamen 76 Anträge in die inhaltliche Bewertung, was einem Fördervolumen von 4.350.000 Euro entspricht. Die überwie- gende Mehrheit der Projekte beantragte die Pauschalsumme von 60.000 Euro, nur sieben Projekte entschieden sich für ein Budget von 30.000 Euro. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses befindet sich die inhaltliche Bewertung der Anträge gerade in der Endphase, sodass Mitte Dezember durch den Auswahlaus- schuss die Auswahlergebnisse bestätigt werden. Im Zeitraum von 1. Januar bis 31. August 2023 werden dann die Projekte ihre Arbeit aufnehmen. Bezüglich der adressierten Prioritäten bei den beantragten Projekten lag die horizon- tale Priorität „Inklusion und Vielfalt“ klar an der Spitze. Dahinter folgten bei den hori- zontalen Prioritäten „Gemeinsame Werte und Teilhabe“, „Bewältigung des digitalen Wandels“ sowie „Umwelt und Bekämp- fung des Klimawandels“. Spitzenreiter bei den bereichsspezifischen Prioritäten war „Verbesserung der Kompetenzen von Pä- dagogen“. Erasmus+-Antragsrunde 2022 Erfreuliche Entwicklung D Erasmus+ 30 31Erasmus+ Hinweise zur Antrag- stellung Leitaktion 2: Einreichung von „Mandaten“ In der Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zusam- menarbeit) müssen Antragsteller sogenannte „Mandate“ der beteiligten Einrichtungen einbrin- gen – idealerweise zum Zeitpunkt der Antrag- stellung, doch in Ausnahmefällen auch im Nach- gang der Antragseinreichung. Seit einigen Jahren steigen die Fallzahlen, in denen die Antragsteller aufgefordert werden müssen, diese „Mandate“ nachzureichen. Dies führt auf der Seite der Na- tionalen Agentur mittlerweile zu einer deutlichen Belastung der Folgeprozesse – von der qualita- tiven Bewertung durch Gutachtende bis zur Sit- zung der Auswahlausschüsse, da über mehrere Wochen Dokumente nachgefordert und ggf. mehrere Fristen gesetzt werden müssen. Die NA beim BIBB möchte daher alle Antragsteller auffordern, alle notwendigen Unterlagen zusam- men mit dem Antrag einzureichen, also neben der (unterschriebenen) ehrenwörtlichen Erklärung auch die (beiderseitig unterschriebenen) Manda- te aller Partner. Im Falle von Anträgen mit einem Antragsvolumen von mehr als 60.000 Euro ist darüber hinaus eine Gewinn- und Verlustrech- nung sowie die Bilanz des letzten abgeschlos- senen Geschäftsjahres eizureichen. Positiver Effekt guter Planung Die Einreichung der kompletten Unterlagen schon zum Zeitpunkt der Antragstellung führt idealerweise auch dazu, dass eine andere wahrnehmbare Tendenz der Vorhaben in der Leitaktion 2 aufgebrochen wird: der Austritt einzelner Einrichtungen aus den Konsortien der Partnerschaftsprojekte. In der neuen Programm- generation werden deutlich häufiger als in der Vergangenheit entsprechende Anträge auf Part- nerwechsel eingereicht, teilweise sogar schon vor dem eigentlichen Beginn der Projektlaufzeit. Wenn die Anforderung, signierte Mandate ein- zureichen, zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Auswahl der am besten geeigneten Partner eines Konsortiums führt, so erscheint dies als ein positiver Nebeneffekt für ein erfolg- reiches und stabiles Projektvorhaben. JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB vancapelle@bibb.de as ist ein “Scam”? Was ist der Zweck von „Clickbaiting“? Und wie erken- ne ich illegale Angebote im Internet? Digitale Kompetenzen sind heutzu- tage ein unverzichtbarer Bestandteil sowohl im Arbeitsleben also auch im Alltag. Die EU-Kommission hat ein Tool veröffentlicht, mit dem die eigenen digitalen Kompetenzen anhand eines Online-Tests systematisch eingeschätzt werden können. Das Selbstbewertungstool zur Erfassung digitaler Kompetenzen (Digital Skills Self Assessment Tool) ist Teil der erneuerten Europäischen Kompetenzagenda (07/2020). Darin wird das Ziel formuliert, dass bis 2025 der Anteil der Erwachse- nen zwischen 16 und 74 Jahren mit zumindest grundlegenden digitalen Kompe- tenzen auf 70 Prozent steigen soll (von 56 Prozent im Jahr 2019). Weitere poli- tische Initiativen in dem Kontext sind der Aktionsplan digitale Bildung (09/2020) und der Digitale Kompass 2030 (03/2021), in dem ein weiteres Ziel formuliert wird: Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent der Bevölkerung über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat 2023 zum „Europäischen Jahr der Kompetenzen“ ausgerufen. Digitales Know- how ist auch wichtig, um sich vor zunehmendem Datendiebstahl und Betrugs- maschen im Internet zu schützen. In diesem Zusammenhang bezeichnet „Scam“ einen Betrug, bei dem Opfern Geld abgeknöpft wird, oft durch per E-Mail ver- schickte Gewinnversprechen. „Clickbaiting“ setzt sich zusammen aus den engli- schen Begriffen für „Klicken“ und „Ködern“ und bezeichnet die Methode, mittels reißerischer Überschriften viel Aufmerksamkeit in Form von Klicks (und damit u.a. mehr Werbeeinnahmen) zu generieren. Doch wie genau lassen sich nun digitale Kompetenzen messen? Umfang und Funktion des Tools Das „Digital Skills Self Assessment Tool“ basiert auf dem europäischen Refe- renzrahmen für digitale Kompetenzen DigComp1 und ist sowohl über das Euro- pass-Portal als auch über die Digital Skills and Jobs Platform der EU-Kommission aufrufbar. Anhand eines dynamischen Online-Fragenkatalogs werden die Kom- petenzen in fünf Bereichen abgefragt: Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal W 30 31 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Weitere Themen Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal 1. Informations- und Datenkompetenz 2. Kommunikation und Kooperation 3. Erstellung digitaler Inhalte 4. Sicherheit 5. Problemlösung Am Ende erhalten die Nutzerinnen und Nutzer des Tools eine Be- scheinigung als PDF, auf der das Niveau ihrer Antworten auf einer Skala von 1 bis 6 eingestuft wird. Das Dokument enthält auch eine inhaltliche Beschreibung der jeweiligen Niveaustufe. So bedeutet Niveau 4 in der Kategorie „Sicherheit“ zum Beispiel: „Auf diesem fortgeschrittenen Niveau kannst du sowohl einfache als auch un- vorhersehbare Situationen alleine bewältigen. Dazu gehört der Schutz deiner Geräte (z. B. Mobiltelefon, Laptop), deiner persön- lichen Daten, deiner Gesundheit und der Umwelt bei der Nutzung digitaler Dienste.“ Nutzen der Kompetenzerfassung Wofür kann das Ergebnis des Tests nun genutzt werden? Wie der Name schon sagt, dient das Instrument der Selbsteinschätzung und ist keine offizielle Zertifizierung2. Das Tool ist im Wesentlichen auf drei Ebenen hilfreich: 1. Zum einen bietet das Raster eine objektive und systematische Kategorisierung des Konzepts der „digitalen Kompetenzen“. Das hilft dabei, eine gemeinsame Sprache für die verschiedenen Akteu- re zu etablieren. Mit dem Raster können zum Beispiel Kompetenzen von Bewerberinnen und Bewerbern und Anforderungsprofile von Stellenanzeigen oder Weiterbildungsangeboten besser aufeinander abgestimmt werden. 2. Lernende oder Jobsuchende können anhand des Rasters ihre digitalen Kompetenzen erfassen und in ihrem Lebenslauf entspre- chend angeben. Das fördert auch die Selbstreflexion und Sensibi- lisierung für dieses Thema. Die Ergebnisse des Tests sind mit weni- gen Klicks in das Europass-Profil und damit auch in einen Europass Lebenslauf übertragbar. 3. Anhand des Tests können zudem mögliche Lernlücken identifi- ziert werden. Über das Europass-Portal ist es dann möglich, passen- de Kurse und Lernangebote auf der Basis des eigenen Testergebnis- ses zu erhalten oder zu suchen. Das hier vorgestellte Tool ist vor allem in Kombination mit dem Europass-Profil und der Europass-Plattform eine praktische und einfache Anwendung, die auch gut in Schulen oder in Beratungs- kontexten genutzt werden kann. Das Tool steht in 30 Sprachen zur Verfügung. Damit die digitalen Kompetenzen der Bevölkerung noch besser und die politischen Ziele erreicht werden können, hat die EU-Kommissi- on zudem angekündigt, Vorschläge zu unterbreiten für zwei neue Ratsempfehlungen: eine für bessere Vermittlung digitaler Kompe- tenzen in der allgemeinen und beruflichen Bildung3 und eine über Schlüsselfaktoren für den Erfolg digitaler Bildung4. INFO www.europass.eu 1 Vuorikari, R., Kluzer, S. and Punie, Y., DigComp 2.2: The Digital Competence Framework for Citizens - With new examples of knowledge, skills and attitudes, EUR 31006 EN, Publications Office of the European Union, Luxembourg, 2022. 2 Im Auftrag der EU-Kommission läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie für ein European Digital Skills Certificate (EDSC), siehe https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital- competence-certificate-edsc_de. 3 https://education.ec.europa.eu/de/focus-topics/digital-education/action-plan/action-10 4 https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/13207-Digital-education-enabling-factors-for-success_en FRANZISKA BOPP leitet das Nationale Europass Center in der NA beim BIBB. bopp@bibb.de © N A b ei m B IB B https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital-competence-certificate-edsc_de https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital-competence-certificate-edsc_de 32 33Weitere Themen m Dezember 2021 verabschiedete der Europäische Rat die neue Entschlie- ßung für eine neue europäische Agen- da für die Erwachsenenbildung bis 2030. Diese erneuerte Agenda setzt einige neue Akzente für die digitale und grüne Transformation, beschreibt jedoch im Wesentlichen die Kontinuität der bisherigen Agenda Erwachsenen- bildung 2011-2020. Wie für die Umsetzung in den Jahren bis 2020 hat das zuständige Bundesministeri- um für Bildung und Forschung (BMBF) die Nationale Agentur beim BIBB mit der Imple- mentierung der Agenda im nationalen Kon- text beauftragt. Die Agenda-Koordinierung arbeitet weiterhin eng mit den zuständigen Landesministerien und Fachverbänden auf Bundes- und Landesebene zusammen. Fünf Prioritäten und neue Benchmarks Der Europäische Rat hat fünf Schwerpunkt- bereiche definiert, die die neue Agenda pri- oritär in den Blick nehmen soll: Bessere Governance, etwa durch inten- sivere Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Erwachsenenbildung und dem Streben nach einem ganzheit- lichen Ansatz; Verbesserung der Angebote und der Fi- nanzierung für das lebenslange Lernen und eine generelle Sensibilisierung für den Wert der Erwachsenenbildung; Steigerung der Zugangsmöglichkeiten zu Erwachsenenbildung, der Flexibilität und der Chancengleichheit; Förderung der Qualität, der Chan- cengleichheit und der Inklusion durch Professionalisierung des Bildungsper- sonals, durch Inklusion, Mobilität und Qualitätssicherung; Unterstützung des grünen und digi- talen Wandels als treibende Kraft für mehr Innovation, Nachhaltigkeit und Teilhabe. Daneben definiert die erneuerte Agenda neue Benchmarks für die Weiterbildungsbe- teiligung in den Mitgliedstaaten. Bis 2030 soll europaweit eine Beteiligungsquote von 60 Prozent erreicht sein. Hier ist Deutsch- land mit 60 Prozent Beteiligungsquote laut letztem Trendbericht des Adult Education Survey (AES)1 auf sehr gutem Weg. Die deutliche Zunahme gegenüber den Vorjah- ren war dabei nicht nur im Bereich der be- trieblichen Weiterbildung spürbar, auch bei der nicht-beruflichen Weiterbildung ließen sich deutliche Zuwächse feststellen. Dass trotz dieser positiven Entwicklung auch in Deutschland weitere Anstrengungen er- forderlich sind, ist Konsens und wird durch Initiativen wie der Nationalen Weiterbil- dungsstrategie (NWS) unterstrichen. Nationale Umsetzung 2022/23 Für die laufende Umsetzung der neuen Agenda in den Jahren 2022 und 2023 wur- de festgelegt, dass die Themen „Bildungs- beratung“ und „Skills for Life“ national Prio- rität haben. Im Bereich der lebensweltlichen Grundbildung werden wir als Nationale Ko- ordinierungsstelle uns im Besonderen mit den Themen Zukunft der Grundbildung, Bil- dung für Nachhaltige Entwicklung, Demo- kratiebildung und digitaler Grundbildung beschäftigen. Hierzu bieten wir verschie- dene Veranstaltungsformate an, die wir mit europäischen, nationalen und regionalen Partnereinrichtungen aus Politik, Praxis und Wissenschaft umsetzen. Die Ergebnisse die- ser Veranstaltungen werden auf der Web- site der Agenda Erwachsenenbildung unter www.agenda-erwachsenenbildung.de dokumentiert. Seit 2014 ist die Koordinierung der Agen- da in Deutschland ebenfalls einer der über 20 Mitveranstalter des Deutschen Weiter- bildungstags (DWT). Der nächste wird am 26.09.2023 in Berlin begangen. Das Motto 2023 „Lösungen schaffen. Zukunft sichern. Weiterbildung für die ökologisch-ökono- mische Transformation“ ist dabei passgenau für die Prioritäten der Erwachsenenbildung – national wie auch europäisch. Stärker als früher gewinnen Schnittmengen zwischen den europäisch definierten Schwerpunk- ten und nationalen Prioritäten an Kontur. So stellt die aktuelle Fortführung der NWS vom September 2022 ausdrücklich fest, dass Themen der allgemeinen Weiterbil- dung wie „Alphabetisierung und Grund- bildung“ und „Future Skills“ die Ziele aktiv unterstützen. Zwar ist die NWS weiterhin den Zielen der beruflichen Weiterbildung im gegenwärtigen Transformationsprozess verpflichtet, Themen der allgemeinen Er- wachsenenbildung gewinnen jedoch zu- nehmend an Bedeutung. Die neue Agenda Erwachsenenbildung ist weiter bemüht, diese Ziele nach Kräften zu unterstützen. INFO www.agenda-erwachsenenbildung.de Neue europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021 - 2030 Erstes Jahr der Umsetzung und Aussichten auf 2023 I 1S. BMBF, Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2020, Auflage August 2022 HANS GEORG ROSENSTEIN Nationaler Koordinator der Agenda Erwachsenenbildung in der NA beim BIBB rosenstein@bibb.de © N A b ei m B IB B 32 33 Bildung Für Europa | Dezember 2022 NATHALIE SCHNABEL Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Informa- tion und Öffentlichkeitsarbeit der NA beim BIBB für das Programm AusbildungWeltweit schnabel@bibb.de Weitere Themen © B ar ba ra W ild ach Rücknahme der meisten Coro- na-Einschränkungen in Deutschland und anderen Ländern nimmt das Inte- resse an Auslandsaufenthalten in der Ausbildung wieder verstärkt zu. Zuvor hatte die Pandemie ab März 2020 für einen Einbruch der internationalen Mobilität in der Berufsausbildung ge- sorgt. Darunter hatte nicht nur das globale Förderprogramm Ausbildung- Weltweit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, sondern auch das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ gelitten. Aus diesem Grund hat das Team von Aus- bildungWeltweit gemeinsam mit dem Erasmus+-Team im Sommer 2022 eine Kampagne ins Leben gerufen, um Aus- landsaufenthalte wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Die Kampagne mit dem Slogan „Ausbil- dung international gestalten – Für Ihre Fachkräfte von morgen“ startete zum Aus- bildungsstart 2022 und wurde von August bis Ende Oktober umgesetzt. Sie richtete sich insbesondere an Ausbildungsbetriebe in Industrie und Handwerk und will sie dort abholen, wo sie aktuell stehen: vor den He- rausforderungen der Fachkräftekrise. Die Anzeigen und Advertorials zeigen die Mög- lichkeit auf, die Ausbildungsattraktivität mit Auslandsaufenthalten zu steigern. Es erschienen Beiträge in zahlreichen Me- dien wie beispielsweise der Handwerks- presse sowie den Beilagen der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung. Flankiert wurde die Medienkampagne von der Kampagnen- webseite www.na-bibb.de/ ausbildung-international-gestalten. Wieder steigende Antragszahlen Erste positive Effekte der Kampagne und der nachlassenden Corona-Einschrän- kungen machen sich bereits bemerkbar: So konnten die Förderprogramme die Antrags- zahlen bis zum Herbst 2022 wieder deutlich steigern. Bei AusbildungWeltweit wurde mit über 250 beantragten Auslandsaufent- halten das beste Ergebnis seit Pandemie- beginn erzielt. Inzwischen kommt hier ein Drittel der Anträge von beruflichen Schulen und das Vereinigte Königreich gewinnt an Bedeutung. Die nächste Antragsrunde im Förderprogramm AusbildungWeltweit en- det am 9. Februar 2023 – es wird mit einer ähnlich guten Antragslage wie im Herbst 2022 gerechnet. „Für Ihre Fachkräfte von morgen“ Medienkampagne wirbt für Auslands- aufenthalte während der Ausbildung N © A rt w or k: N A b ei m B IB B, B ild m ot iv e: C on tr as tw er ks ta tt & M an dr ito iu /A do be St oc k © A rt w or k: N A b ei m B IB B, B ild m ot iv e: Sy da Pr od uc tio ns /A do be St oc k & c am ill e- br od ar d/ U ns pl as hk http://www.na-bibb.de/ausbildung-international-gestalten http://www.na-bibb.de/ausbildung-international-gestalten 34 35Infosplitter Infosplitter Stipendienfinder für Jugendliche Ab Januar 2023 finden Suchende in nur zwei Klicks das passende Förderprogramm für ihre geplanten Auslandsaufenthalte. Im Rahmen einer umfassenden Weiterent- wicklung wurden Struktur und Darstellung der bisherigen Förder- programm-Datenbank überarbeitet sowie die Erasmus+ Praktikums- platzsuche integriert. Ein Leitsystem bietet Orientierung, ob die Azubis selbst oder ihre Ausbildungsinstituti- on die Förderung beantragen. Europass-Vergabe Die während eines Auslandsaufenthalts erzielten Lernergebnisse werden im Europass Mobilität bescheinigt. Die Lernbereitschaft junger Menschen wird besonders gewürdigt, wenn die Übergabe des Mobilitätsnachweises in fei- erlichem Rahmen erfolgt, wie in Berlin, wo die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey 160 Auszubildende ins Rote Rathaus einlud. Die jungen Menschen waren über Erasmus+ im Ausland; organisiert wurden die Prakti- ka über GoEurope. Ideensammlung „Nachhaltigkeit“ Von der Praxis für die Praxis – so lautet der Gedanke hinter dieser Sammlung grüner Ideen. Dazu wurden unter ande- rem bisherige Projektträger von der NA beim BIBB befragt und „Gute Beispiele“ aus den bewilligten Erasmus+-Anträ- gen der letzten Jahre ausgewählt. www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/ praxisideensammlung An das 35-jährige Bestehen des europäischen Bildungsprogramms wurde im Laufe des Jahres 2022 auf verschiedene Art und Weise gedacht. Die Teilnehmenden der NA-Jahrestagung in Weimar kamen in den Genuss einer speziellen Geburts- tagstorte. Die Bonnerinnen und Bonner oder auch Besucher der Stadt, in der alle vier deutschen Nationalen Agenturen angesiedelt sind, können bis Mitte 2023 mit der „Erasmus+-Bahn“ fahren. Und vielleicht haben Sie ja eine der zu diesem Anlass herausgegebenen 2-Euro-Gedenkmünze in Ihrem Portemonnaie. Schauen Sie doch mal nach! 35 Jahre Erasmus © G oE ur op e/ Be rn d G as se r Armin Reinartz (Bundesministerium für Bildung und Forschung, links) und Klaus Fahle (NA beim BIBB) schneiden die Geburtstagstorte an. Die Idee, eine Bonner Straßenbahn als Werbeträger für Erasmus+ zu nutzen, ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen NAs zum Jubiläum. www.MeinAuslandspraktikum.de/stipendienfinder © N A b ei m B IB B / Fo to st ud ie H eu pe l N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er http://www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/praxisideensammlung http://www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/praxisideensammlung 34 35 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Infosplitter Die quadratische Flyer-Serie mit Erstinformationen zu Erasmus+ ist nunmehr komplett. Zuletzt erschienen sind Flyer zu den Partnerschaften für Zusammen- arbeit in der Berufs- (1) und Erwachsenenbil- dung (2) sowie eine Broschüre, die für Auslands- aufenthalte während der Ausbildung (3) wirbt. Sie richtet sich speziell an Unternehmen und zeigt u.a. den Mehrwert auf, der sich für ihre internationale Entwicklung ergibt. Wer sich dafür interessiert, wie Erasmus+ den Inklu- sionsgedanken umsetzt und sich auch Lernenden mit geringeren Chancen stärker öffnet, der wird im Factsheet „Zugang für alle“ (4) fündig. Das Nationale Europass Center hat ein Infoblatt zu den „European Digital Credentials for Learn- ing“ (5) sowie ein Infopaket für Lehrkräfte veröffent- licht. Dieses bietet Anregungen, wie der Europass im Unterricht eingesetzt werden kann. Ein Gemeinschaftsprodukt ist der Flyer „Europä- ische Erwachsenenbildung in Deutschland“ (6). Er zeigt auf, wie sich Erasmus+ Erwachsenenbildung, NKS Agenda und EPALE ergänzen und welche Ziele sie verfolgen. Alle Produkte können kostenlos bestellt oder als PDF heruntergeladen werden: www.na-bibb.de/publikationen An die Zielgruppe der Jugendlichen richtet sich eine neue zweiteilige Postkartenserie von MeinAus- landspraktikum. Sie will bei diesen das Interesse an einem Auslandsaufenthalt während der Ausbildung wecken (7). www.MeinAuslandspraktikum.de/ infomaterial Allgemein über Auslandsaufenthalte informiert eine Broschüre des Arbeitskreises „Wege ins Aus- land.“ An der aktualisierten 2. Auflage von „In die Ferne, fertig, los: dein Weg ins Auslandspraktikum“ war auch die NA beim BIBB beteiligt (8). https://wege-ins-ausland.org/ auslandspraktika NA-Neuerscheinungen © p ok ki /A do be St oc k. co m ZUGANG FÜR ALLE> > Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+ Das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ hat für die Programmphase 2021 bis 2027 Inklusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und zu einem Grundprinzip für alle Projekte und Aktivitäten in allen Programmaktionen erklärt. Viel- falt soll zukünftig als Chance begriffen und gesamt- gesellschaftlich als Mehrwert betrachtet werden. Barrieren und Hindernisse, die eine Teilnahme am Erasmus+-Programm bislang verhindert haben, sollen ausgeräumt werden. Dazu stehen verschie- dene Instrumente zur Inklusionsunterstützung zur Verfügung. Zielgruppen: Erasmus+ folgt einem ganzheitlichen Inklusionsbegriff und um- fasst generell Lernende mit geringeren Chancen. Hindernisse zur Teilnahme an Bildungsangeboten können entstehen durch eine wirtschaftlich prekäre Situation, soziale Ungleichheit, kulturelle Unterschiede, geografische Hindernisse, gesundheitliche Einschränkungen, körperliche oder geistige Behinderungen, Lernschwierigkeiten, einen Migrationshintergrund oder einer Flüchtlingserfahrung. 1 2 3 4 6 7 5 8 http://www.MeinAuslandspraktikum.de/infomaterial http://www.MeinAuslandspraktikum.de/infomaterial https://wege-ins-ausland.org/auslandspraktika https://wege-ins-ausland.org/auslandspraktika Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Hochschulbildung, Sport (Personal) > nur Bereich Jugend 23.02.2023 12:00 Uhr 23.02.2023 04.10.2023 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA NA-Jugend jeweilige NA NA-Jugend Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften > im Bereich Sport 22.03.2023 12:00 Uhr 22.03.2023, 17:00 Uhr jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Zentren der beruflichen Exzellenz Innovationsallianzen Kapazitätsaufbau im Bereich berufliche Bildung 08.06.2023 17:00 Uhr 03.05.2023 17:00 Uhr 28.02.2023 17:00 Uhr EACEA EACEA EACEA EACEA EACEA EACEA Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Jugend 19.10.2023 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Bildung, Erwachsenenbil- dung und Jugend > im Bereich Sport 22.03.2023 04.10.2023 jeweils 12:00 Uhr 22.03.2023, 17:00 Uhr jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (23.11.2022). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A10/2022. AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 9. Februar 2023 um 12:00 Uhr für Auf- enthalte zwischen dem 1. Mai 2023 und 30. April 2024 http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu …

[…] ZUGANG FÜR ALLE> > Erasmus+-Inklusions- strategie der NA beim BIBB Umsetzung von Inklusion und Vielfalt 2021-2027 www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de 2 3 Inhalt 2 1 Vorwort 03 2 Europäischer Hintergrund und Ausgangslage in Deutschland 04 2.1 Europäischer Hintergrund 04 2.2 Ausgangslage in Deutschland 04 3 Ziele 05 3.1 Auf europäischer Ebene 05 3.2 Auf Ebene der NA beim BIBB 05 4 Handlungsfelder 06 5 Maßnahmen zur Zielerreichung nach Handlungsfeldern 06 6 Indikatoren 07 7 Nächste Schritte und Ausblick 08 8 Referenzen und Links 10 Erasmus+-Inklusionsstrategie 2 3 1. Vorwort F ür die Programmgeneration 2021 bis 2027 wurde In- klusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und Grundprinzipien für alle Projekte und Aktivitäten in allen Programmaktionen des europäischen Bildungs- programms Erasmus+ erklärt. Inklusion bedeutet im laufenden Erasmus+-Programm, bewusst und aktiv Barrieren und Hindernisse der Teilhabe, des Zugangs und der Beteiligung für Lernende sowie Gruppen mit geringeren Chancen zu beseitigen. Erasmus+ folgt einem ganzheitlichen Inklusionsbegriff und möchte Bildungsangebote gestalten, die offen für alle Menschen sind. Menschen, die aufgrund verschie- dener Barrieren bisher nicht am Programm teilgenom- men haben, soll der Zugang zu Auslandsaufenthalten erleichtert werden. Die folgenden Hindernisse können – einzeln oder in Kombination – einer Teilnahme an Erasmus+ im Wege stehen: mentale, körperliche, sensorische oder sonstige Beeinträchtigungen; gesundheitliche Probleme (wie zum Beispiel chro nische oder psychische Erkrankungen); - Hindernisse im Zusammenhang mit Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung, die dazu füh ren, dass Menschen keine guten Leistungen erbrin gen oder frühzeitig aus diesen System ausscheiden; - - kulturelle Unterschiede gegenüber der Mehrheits gesellschaft, wie sie zum Beispiel Geflüchtete, Neuzugezogene, Angehörige einer nationalen oder ethnischen Minderheit, sprachlich und kulturell nicht integrierte Menschen erfahren; - soziale Hindernisse, die durch Anpassungsschwie rigkeiten hervorgerufen werden, wie beispielsweise durch begrenzte soziale Kompetenzen, risiko reichem Verhalten oder Alkohol- und Drogenmiss brauch; - - - soziale Hindernisse, die durch familiäre Verhältnisse entstehen; wirtschaftliche Hindernisse, wie beispielsweise ein niedriger Lebensstandard, Langzeitarbeitslosigkeit oder ein geringes Einkommen; Hindernisse im Zusammenhang mit Diskriminierung (zum Beispiel aufgrund von Alter, Geschlecht, eth nischer Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, sexueller Orientierung, Behinderung oder über greifender Faktoren (eine Kombination eines oder mehrerer der genannten Diskriminierungsgründe ist möglich)); - - geografische Hindernisse (zum Beispiel durch das Wohnen in abgelegenen oder ländlichen Gebieten, auf kleinen Inseln, in Randgebieten, in städtischen Vororten, in strukturschwachen Gegenden (be grenzter öffentlicher Nahverkehr, unzureichende Versorgungseinrichtungen)). - Personen, auf die diese oder ähnliche Merkmale zu- treffen, können zusätzliche Förderung erhalten. Zu den Inklusionsmaßnahmen zählen dabei gezielte finanzielle Förderung, individuelle Begleitung der Teilnehmenden in allen Phasen des Programms, Unterstützung teilneh- mender Organisationen und flexible Lernangebote. 1 Um die Umsetzung der Priorität Inklusion und Vielfalt in allen Programmbereichen und Leitaktionen der Be- rufs- und Erwachsenenbildung zu gewährleisten, ent- wickelte die Nationale Agentur (NA) beim BIBB im Jahr 2021 eine Inklusionsstrategie. 2 Diese beinhaltet Grund- lagen, Ziele und Maßnahmen der NA beim BIBB im Be- reich Inklusion und Vielfalt für die Programmgenerati- on 2021 bis 2027. Aufgrund der Erfahrung der letzten Jahre ergab sich das Bedürfnis, die Inklusionsstrategie zu aktualisieren und inhaltlich zu fokussieren. Zentrales Ziel der vorliegenden, aktualisierten Inklusionsstrategie besteht darin, sowohl für die NA beim BIBB als auch für die Träger ein gemeinsames Verständnis von der Umsetzung von Inklusion und Vielfalt in der aktuellen Programmgeneration festzulegen. Dabei wird der Handlungsrahmen für die realistische Umsetzung von Maßnahmen deutlich definiert und im Vergleich zu der vorherigen Strategie an die Ressourcen angepasst. Die Strategie setzt sich aus sieben Kapiteln zusammen. Auf diese einleitenden Worte folgt ein Kapitel mit der Darstellung des europäischen Hintergrunds und der Ausgangslage in Deutschland. In den nächsten Ab- schnitten werden die Hauptziele der Strategie definiert (Kapitel 3) und die Ziele nach spezifischen Handlungs- feldern (Kapitel 4) aufgeführt. In den Kapiteln 5 und 6 folgt die Darstellung der Maßnahmen zur Zieler- reichung sowie der Indikatoren. Der letzte Abschnitt schließt mit den nächsten Schritten (Kapitel 7). 1 Mehr Infos zu Inklusionsmaßnahmen: https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/06_Metanavigation/02_Service/Publikationen_Warenkorb/Flyer/Zu gang_f%C3%BCr_alle_-_Inklusion_und_Vielfalt_in_Erasmus.pdf - (11.06.2024). 2 Es handelt sich um ein unveröffentlichtes Papier. https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/06_Metanavigation/02_Service/Publikationen_Warenkorb/Flyer/Zugang_f%C3%BCr_alle_-_Inklusion_und_Vielfalt_in_Erasmus.pdf 4 5 2. Europäischer Hintergrund und Ausgangslage in Deutschland 2.1 Europäischer Hintergrund Die Grundsätze der Gleichheit und Inklusivität gehören zu den zentralen Werten der EU. Bereits im Jahr 1950 beschloss der Europarat mit der Europäischen Menschenrechtskonvention das Kernstück des Menschenrechtsschutzes (Council of Europe 2021). Das erste Zusatzprotokoll von 1952 beinhaltet u.a. ein umfassendes Diskriminierungsverbot (ebd.). Die Werte der Gleichheit, Nichtdiskriminierung, Inklusion, menschlichen Würde, Freiheit und Demokratie garantieren allen EU-Bürgerinnen und -Bürgern dieselben Grundrechte. Die in den EU-Verträgen und in der Charta der Grundrechte festge- schriebene Rechtsstaatlichkeit untermauert und schützt diese Werte (s. u.a. Europäische Union 2016). 3 In der Proklamation der europäischen Säule sozialer Rechte auf dem Sozialgipfel von Göteborg im Jahr 2017 heißt es, dass „[j]ede Person … das Recht auf allgemeine und berufliche Bildung und lebenslanges Lernen von hoher Qualität und in inklusiver Form“ hat (European Commission 2017). Dies steht im Einklang mit der Bildungsagenda 2030 für nachhaltige Ent- wicklung der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015, die u. a. das Ziel hat, eine „inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung [zu] gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle [zu] fördern“ (Europäische Kommission 2024). Mit der Schaffung eines europäischen Bildungsraums sollen u.a. widerstandsfähigere und inklusivere Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in den Mitgliedstaaten aufgebaut wer- den. Dabei soll die Inklusion von Menschen, die mit Zugangs- hindernissen konfrontiert sind oder geringere Chancen in der allgemeinen und beruflichen Bildung und in der Jugendarbeit haben, gefördert werden (Europäische Kommission 2018). Eine wichtige Initiative der EU, die zur Umsetzung des Europä- ischen Bildungsraums beitragen soll, ist das Bildungsprogramm Erasmus+. Für die Programmgeneration 2021 bis 2027 wurde Inklusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und Grundprinzipien für alle Projekte und Aktivitäten in allen Pro- grammaktionen von Erasmus+ erklärt. Die Europäische Kom- mission hat für die Mitgliedstaaten Umsetzungsleitlinien für Inklusion und Vielfalt veröffentlicht, die gemeinsam mit dem Durchführungsbeschluss der Kommission über den Rahmen für Inklusionsmaßnahmen für die Programme Erasmus+ und Eu- ropäisches Solidaritätskorps 2021 - 2027 wichtige Referenzen für die vorliegende Inklusionsstrategie darstellen (Europäische Kommission 2021a; 2021b). Auch der aktuelle Erasmus+ Programme Guide (2024) stellt ein wichtiges Dokument dar, welches bei der Aktualisierung der Inklusionsstrategie der NA beim BIBB berücksichtigt wurde (Europäische Kommission 2024 b). 2.2 Ausgangslage in Deutschland Auch in Deutschland gibt es wichtige Referenzdokumente für Inklusion und Vielfalt als gesellschaftliches und politisches Ziel. Seit 1994 ist das Benachteiligungsverbot von Menschen mit Behinderung im Artikel 3 des Grundgesetzes verankert. Seit 2002 gibt es weitere Gesetze, um Inklusion weiter voranzutrei- ben: Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) verpflichtet Behörden zum Beispiel dazu, ihre Internetseiten, Formulare und Anträge barrierefrei zu gestalten. Die Weiterentwicklung des BGG regelt auch Fragen der Barrierefreiheit in den Bereichen Bau, Infrastruktur und die Verwendung der Gebärdensprache sowie der Leichten Sprache. Im Jahr 2006 kam das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) hinzu (auch: Anti-Diskriminierungs- gesetz). Das Gesetz verbietet es, Menschen mit Behinderung zu benachteiligen. Mit der Unterzeichnung der UN-Behinder- tenrechtskonvention durch die Bundesregierung im Jahr 2009 ist Inklusion eine maßgebliche Handlungsmaxime für Bildung in Deutschland geworden (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen 2018). Am 28. Juni 2016 verabschiedete das Bundeskabinett die zweite Auflage des Nationalen Aktionsplans zur UN-Behindertenrechts- konvention (NAP 2.0). Der NAP setzt auf den ersten Aktions- plan aus dem Jahr 2011 auf und enthält 175 Maßnahmen in 13 Handlungsfeldern. Er soll dazu beitragen, dass Inklusion als in allen Lebensbereichen zu berücksichtigendes Prinzip Einzug hält. 2021 wurde die im Koalitionsvertrag vereinbarte ganzheitliche Diversitätsstrategie für die Bundesverwaltung veröffentlicht. Unter anderem soll die vielfältige Gesellschaft Deutschlands auch in der Beschäftigtenstruktur des öffentlichen Dienstes sichtbar werden. Vielfaltsmanagement und interkulturelle Öff- nung werden als wichtige Zukunftsaufgaben für den öffentli- chen Dienst benannt. Zudem wurden in der Diversitätsstrategie Handlungsschwerpunkte festgelegt. 3 Artikel 9 der konsolidierten Fassung des Vertrags über die Europäische Union. Erasmus+-Inklusionsstrategie 4 5 3. Ziele Die vorliegende Inklusionsstrategie verfolgt Ziele auf europä- ischer Ebene und auf Ebene der NA beim BIBB. Diese werden im Folgenden vorgestellt. 3.1 Auf europäischer Ebene Die Zielsetzungen der Inklusionsstrategie der NA beim BIBB basieren auf dem Durchführungsbeschluss der Kommission vom 22.10.2021 (über den Rahmen für Inklusionsmaßnahmen für die Programme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps 2021 - 2027) (Europäische Kommission 2021a; 2021b). All- gemeines Ziel des Rahmens für Inklusionsmaßnahmen ist es, Menschen mit geringeren Chancen den Zugang zum Programm Erasmus+ zu erleichtern, und dass Maßnahmen zur Beseitigung der Zugangshindernisse getroffen werden. Ausgehend von dem Grundsatz, dass das Programm anstrebt, ungeachtet etwaiger Barrieren allen Menschen zugänglich zu sein, besteht die Zielsetzung darin, niemanden zurückzulassen und einen Beitrag zu inklusiveren Gesellschaften zu leisten; Inklusion und Vielfalt als bereichsübergreifende Priorität und Leitprinzip durchgängig zu berücksichtigen; bei der Projektgestaltung und der finanziellen Ausstattung der Maßnahmen inklusive Merkmale und Mechanismen vor zusehen; - in allen Phasen der Programmverwaltung einen Schwer punkt auf Inklusion und Vielfalt zu legen; - ein gemeinsames Verständnis davon zu entwickeln, welche Personen als Menschen mit geringeren Chancen zu betrach ten sind; - begünstigte Organisationen zu unterstützen, damit diese hochwertigere, auf Inklusion und Vielfalt abzielende Pro jekte ausarbeiten und bei der Gestaltung und Durchführung der Projekte Inklusion und Vielfalt stärker berücksichtigen können; - ein Bewusstsein um die Relevanz von Inklusion im Pro gramm Erasmus+ sowie für verschiedene Optionen und Unterstützungsmechanismen für Projekte zur Förderung von Inklusion und Vielfalt zu schaffen; - die Teilnehmendenzahl aus den Zielgruppen mit geringeren Chancen sowie der Projekte mit Inklusionsbezug entspre chend der Ratsempfehlung der Europäischen Kommission zu steigern. - 3.2 Auf Ebene der NA beim BIBB Sowohl die Sensibilisierung für die Themen als auch die Be- ratung und Förderung von EU-geförderten Projekten in den Bereichen Bildung durch die NA tragen zur Erreichung der politischen Ziele bei. In diesem Sinne setzt die NA sich mittel- bis langfristig zum Ziel, das Bewusstsein um die Wichtigkeit und den Wert von Inklusion sowie der anderen Prioritäten zu fördern und zur Schaffung von mehr und besseren Projekten beizutragen, die entweder Menschen mit geringeren Chancen direkt einbeziehen oder deren Schwerpunkt auf Fragen der In- klusion, aber auch den anderen Prioritäten, liegt. Hiervon ausgehend hat die NA beim BIBB folgende übergeord- nete Ziele im Bereich Inklusion und Vielfalt für die Programm- laufzeit 2024 bis 2027 abgeleitet: 1. Erhöhung der Sichtbarkeit von Inklusion und Vielfalt im Pro- gramm. 2. Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwach- senenbildung mehr Teilnehmenden mit geringeren Chancen Auslandsaufenthalte zu ermöglichen und umzusetzen sowie ihr Personal für den Umgang mit besonderen Zielgruppen zu qualifizieren. 3. Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachse- nenbildung Inklusion und Vielfalt in der Durchführung von Kooperationspartnerschaften und kleineren Partnerschaften zu ermöglichen und umzusetzen. Die NA beim BIBB verpflichtet sich, diese Ziele im Rahmen der vorliegenden Inklusionsstrategie umzusetzen. Die Federführung für die Umsetzung der Strategie liegt bei der Beauftragten für Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+. Eine interne Ar- beitsgruppe für Inklusion und Vielfalt befasst sich regelmäßig mit aktuellen Themen und berät die Inklusionsbeauftragte. Inklusion und Vielfalt ist zudem Teil des Leitbilds der NA beim BIBB und Teil der jährlichen Qualitätsziele. Auch das restliche BIBB setzt sich für die Umsetzung von Vielfalt und Inklusion ein. Diversität stellt einen wichtigen Bestandteil der Personalpolitik und Organisationskultur des Hauses dar. Bereits im Jahr 2007 unterzeichnete das BIBB die Urkunde der Charta der Vielfalt. Durch die Unterzeichnung der Charta verpflichtet sich das In- stitut freiwillig dazu, Vielfalt zu fördern, Diskriminierung zu be- kämpfen und ein inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen. Zudem wurde 2024 ein Diversitätsbeauftragter im BIBB ernannt. Ein wichtiger anstehender Meilenstein seiner Arbeit besteht in der Initiierung einer Diversitätsstrategie des BIBB. Die Beauftragte für Inklusion und Vielfalt der NA steht im engen Austausch mit dem Diversitätsbeauftragten des BIBB. Zudem besteht ein enger Austausch mit den Inklusionsbeauftragten auf deutscher und europäischer Ebene. 6 7 4. Handlungsfelder Diese o.g. Ziele auf europäischer Ebene und auf Ebene der NA beim BIBB sollen vor allem in folgenden Handlungsfeldern um- gesetzt werden: 1. Öffentlichkeitsarbeit (Information und Verbreitung); 2. Veranstaltungen; 3. NA-interne Organisationsentwicklung; 4. Akquisemaßnahmen neuer Antragsteller. 5. Maßnahmen zur Zielerreichung nach Handlungsfeldern 1. Öffentlichkeitsarbeit (Information und Verbreitung): Geeignetes und zugängliches Informationsmaterial erstellen und verschiedene Kanäle für die Information und Öffent lichkeitsarbeit nutzen. - Themenseite der NA beim BIBB zu Inklusion und Vielfalt wird gepflegt. 2. Veranstaltungen: Beitrag zu Inklusion und Vielfalt auf allen relevanten Groß veranstaltungen der NA beim BIBB. - Unterstützung der Träger, ihre Projekte inklusiv zu gestalten. Förderung des regelmäßigen Austauschs von Projektträgern. Unterstützung und Sensibilisierung von Projektträgern zur Einbeziehung von Inklusion und Vielfalt in der Projektarbeit. Alle Veranstaltungen der NA beim BIBB sind bedarfsgerecht barrierefrei. 3. NA-interne Organisationsentwicklung: „Awareness“ zu Inklusion und Vielfalt bei Mitarbeitenden der NA beim BIBB erhöhen. 4. Akquise-Maßnahme neuer Antragsteller mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen: Neue Projektnehmer/-antragsteller mit Zugang zu Men schen mit geringeren Chancen werden auf das Thema In klusion und Vielfalt im Programm aufmerksam gemacht. - - Erasmus+-Inklusionsstrategie 6 7 6. Indikatoren Als Indikatoren für die Zielerreichung werden die folgenden vier Bereiche herangezogen: 1. Öffentlichkeitsarbeit (Information und Verbreitung): Alle neuen Online-Veröffentlichungen sind barrierefrei. Der neue Internetauftritt der NA beim BIBB ist barrierefrei. Veröffentlichung von mindestens einem Good-Practice-Bei spiel zum Thema Inklusion und Vielfalt in jedem Bildungsbe reich und jeder Leitaktion pro Jahr auf der Themenseite. - - 2. Veranstaltungen: Mindestens ein Workshop zum Thema Inklusion und Vielfalt auf jeder NA-Jahrestagung und jedem National Event. Eine Monitoring-Veranstaltung für laufende Erasmus+-Pro jekte pro Jahr. Die Durchführung erfolgt im Wechsel zwi schen Leitaktionen und Bildungsbereichen. - - Zweimal jährlich Workshops zu Inklusion und Vielfalt ab 2025. In allen Präsenz- und Onlineveranstaltungen wird bei der Anmeldung der Unterstützungsbedarf abgefragt und bei Bedarf zur Verfügung gestellt (z.B. Gebärdensprachdolmet schen, Untertitel bei Veranstaltungen, Assistenz). - 3. NA-interne Organisationsentwicklung: Mindestens ein internes Kolloquium zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden der NA beim BIBB pro Jahr. 4. Akquisemaßnahme neuer Antragsteller: Die beiden Inklusionsbotschafter im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung halten pro Jahr jeweils mindestens vier Informationsvorträge zum Thema Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+ bei Trägern mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen. 8 9 7. Nächste Schritte und Ausblick Im Folgenden wird ein Rahmenplan für die Umsetzung in den jährlichen und mehrjährigen Arbeitsprogrammen tabellarisch dargestellt (Tabelle 1). Die Tabelle beinhaltet Angaben zum Handlungsfeld und Ziel, zu Maßnahmen, zum Indikator sowie geplanten Umsetzungszeitpunkt. Tabelle 1: Aktionsplan der NA beim BIBB 2024-2027 Handlungsfeld Ziel Maßnahmen Indikator Umsetzungszeitpunkt Information und Verbreitung Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Interessierte, Projektträger und Zielgruppen werden anhand von geeigneten und zugäng- lichen Materialien für Inklusion und Vielfalt im Programm sensibilisiert. Gestaltung einer barrierearmen NA-Website, barrierearme Online-Veröffent- lichungen. Alle neuen Online-Veröffentli- chungen sind barrierefrei. Der neue Internetauftritt der NA beim BIBB ist barrierefrei. Fortlaufend Information und Verbreitung Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Themenseite zu Inklusion und Vielfalt wird gepflegt (www.na-bibb.de/themen/inklu- sion-und-vielfalt). Veröffentlichung von mindes- tens einem Good-Practice-Bei- spiel zum Thema Inklusion und Vielfalt in jedem Bildungsbereich und jeder Leitaktion pro Jahr auf der Themenseite. Fortlaufend Veranstaltungen Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Beitrag zu Inklusion auf Groß- veranstaltungen der NA beim BIBB. Mindestens ein Workshop zum Thema Inklusion und Vielfalt auf jeder NA-Jahrestagung und jedem National Event. Fortlaufend Veranstaltungen Ziel 2: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung mehr Teilnehmenden mit geringeren Chancen Auslandsaufenthalte zu ermöglichen und umzusetzen sowie ihr Personal für den Um- gang mit besonderen Zielgrup- pen zu qualifizieren Ziel 3: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung Inklusion und Vielfalt in der Durchführung von Kooperationspartnerschaf- ten und kleineren Partner- schaften zu ermöglichen und umzusetzen Unterstützung der Träger, ihre Projekte inklusiv zu gestalten. Förderung des regelmäßigen Austauschs von Projektträgern. Eine Monitoring-Veranstaltung für laufende Erasmus+-Projekte pro Jahr. Die Durchführung erfolgt im Wechsel zwischen Leitaktionen und Bildungsbe- reichen. Seit 2023 http://www.na-bibb.de/themen/inklusion-und-vielfalt Erasmus+-Inklusionsstrategie 8 9 Handlungsfeld Ziel Maßnahmen Indikator Umsetzungszeitpunkt Veranstaltungen Ziel 2: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung mehr Teilnehmenden mit geringeren Chancen Auslandsaufenthalte zu ermöglichen und umzusetzen sowie ihr Personal für den Um- gang mit besonderen Zielgrup- pen zu qualifizieren Ziel 3: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung Inklusion und Vielfalt in der Durchführung von Kooperationspartnerschaf- ten und kleineren Partner- schaften zu ermöglichen und umzusetzen Unterstützung und Sensibili- sierung von Projektträgern zur Einbeziehung von Inklusion und Vielfalt in der Projektarbeit. Ab 2025 zwei Workshops zu Inklusion und Vielfalt jährlich. Ab 2025 Veranstaltungen Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Alle Veranstaltungen der NA beim BIBB sind bedarfsgerecht barrierefrei. In allen Präsenz- und Onlinever- anstaltungen wird bei der An- meldung der Unterstützungs- bedarf abgefragt und bei Bedarf zur Verfügung gestellt (z.B. Gebärdensprachdolmetschen, Untertitel bei Veranstaltungen, Assistenz). Fortlaufend NA-interne Organi- sationsentwicklung Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Sensibilisierung für Inklusion und Vielfalt bei Mitarbeitenden der NA beim BIBB erhöhen. Mindestens ein internes Kollo- quium zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden pro Jahr. Ab 2024 Akquisemaßnah- men neuer Antrag- steller Ziele 1 bis 3 Neue Projektnehmer/-antrag- steller mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen wer- den auf das Thema Inklusion und Vielfalt im Programm aufmerksam gemacht. Die beiden Inklusionsbotschaf- ter im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung halten pro Jahr jeweils mindestens vier Informationsvorträge zum Thema Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+ bei Trägern mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen. Ab 2024 10 11 8. Referenzen und Links Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (2006): > https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ (06.06.2024). Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (2018): Die UN-Behindertenrechtskonvention Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. > Die UN-Behindertenrechtskonvention (institut-fu- er-menschenrechte.de) (11.06.2024). Behindertengleichstellungsgesetz vom 27. April 2002 (BGBl. I S. 1467, 1468), das zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 23. Mai 2022 (BGBl. I S. 760) geändert worden ist" > BGG.pdf (gesetze-im-internet.de) (11.06.2024). Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2016): „Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft“. 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Die Bundesregierung (2016): Nationaler Aktionsplan 2.0 der Bundesregierung zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). > https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Teilhabe/inklusion-nationaler-aktionsplan-2.pdf? __blob=publi- cationFile&v=2 (06.06.2024). Die Bundesregierung (2021): Diversitätsstrategie für die Bundesverwaltung. Nationaler Aktionsplan Integration Bericht zum Themenforum „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung“. > https://www.integrationsbeauftragte.de/resource/ blob/1872554/1948320/2b6f0b1a0b8fea7132c6dd8d3b54efbb/diversitaetsstrategie-data.pdf?download=1 (10.06.2024). Entschließung des Rates zu einem strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und be- ruflichen Bildung mit Blick auf den europäischen Bildungsraum und darüber hinaus (2021-2030) (ABl. C 66 vom 26.2.2021, S. 1-21). > eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021G0226(01) (11.06.2024). Europäische Kommission (2020): Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Wirtschafts- und Sozial- ausschuss und den Ausschuss der Regionen über Vollendung des Europäischen Bildungsraums bis 2025. > eur-lex.europa.eu/ legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52020DC0625 (24.04.2024). https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/PDF/DB_Menschenrechtsschutz/CRPD/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/BGG.pdf https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/SharedDocs/Downloads/DE/AS/NAP2/NAP2.pdf;jsessionid=B7E665D16DF8CD24DA25758063FED7D7.internet002?__blob=publicationFile&v=3 https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/SharedDocs/Downloads/DE/AS/NAP2/NAP2.pdf;jsessionid=B7E665D16DF8CD24DA25758063FED7D7.internet002?__blob=publicationFile&v=3 https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/SharedDocs/Downloads/DE/AS/NAP2/NAP2.pdf;jsessionid=B7E665D16DF8CD24DA25758063FED7D7.internet002?__blob=publicationFile&v=3 https://www.echr.coe.int/documents/d/echr/convention_deu https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ https://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdf https://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdf https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Teilhabe/inklusion-nationaler-aktionsplan-2.pdf?__blob=publicationFile&v=2 https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Teilhabe/inklusion-nationaler-aktionsplan-2.pdf?__blob=publicationFile&v=2 https://www.integrationsbeauftragte.de/resource/blob/1872554/1948320/2b6f0b1a0b8fea7132c6dd8d3b54efbb/diversitaetsstrategie-data.pdf?download=1 https://www.integrationsbeauftragte.de/resource/blob/1872554/1948320/2b6f0b1a0b8fea7132c6dd8d3b54efbb/diversitaetsstrategie-data.pdf?download=1 http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021G0226(01) https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52020DC0625 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52020DC0625 Erasmus+-Inklusionsstrategie 10 11 Europäische Kommission (2021 a): Umsetzungsleitlinien. Strategie Inklusion und Vielfalt – Erasmus+ und Europäisches Solidaritäts- korps. > https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_ de.pdf (24.04.2024). Europäische Kommission (2021 b): Durchführungsbeschluss der Kommission über den Rahmen für Inklusionsmaßnahmen für die Programme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps 2021-2027 vom 22. Oktober 2021: > https://eur-lex.europa.eu/le- gal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021D1877&from=MT (18.04.2024) Europäische Kommission (2024): Erasmus+ Programmleitfaden. > https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de/erasmus-pro- gramme-guide (06.06.2024). Europäische Kommission (2024 a): Ziele für nachhaltige Entwicklung. > https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/ sustainable-development-goals_de (10.06.2024). Europäische Kommission (2024 b): Programmleitfaden Erasmus+. Version 1 (2024): 28.11.2023. > https://erasmus-plus.ec.eur- opa.eu/sites/default/files/2023-11/2024-Erasmus%2BProgramme-Guide_DE.pdf (11.06.2024). Europäische Union (2016): Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SEV Nr. 005). (2016/C 202/02). > Charta der Grundrechte der Europäischen Union (europa.eu) (11.06.2024). European Commission (2017): Europäische Säule sozialer Rechte. > social-summit-european-pillar-social-rights-booklet_ de.pdf (europa.eu) (11.06.2024). Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz - BGG): > https://www.ge- setze-im-internet.de/bgg/BJNR146800002.html (06.06.2024). United Nations (2015): TRANSFORMING OUR WORLD. THE 2030 AGENDA FOR SUSTAINABLE DEVELOPMENT. > https://sus- tainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Develop- ment%20web.pdf (24.04.2024). Vereinte Nationen (1948): Allgemeine Erklärung der Menschenrechte > https://www.un.org/depts/german/menschenrechte/ aemr.pdf (06.06.2024). Vertrag über die Europäische Union (konsolidierte Fassung): In: Amtsblatt der Europäischen Union C 326/13. > Vertrag über die Europäische Union (konsolidierte Fassung) (europa.eu) (10.06.2024). https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_de.pdf https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_de.pdf https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021D1877&from=MT https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021D1877&from=MT https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de/erasmus-programme-guide https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de/erasmus-programme-guide https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/sustainable-development-goals_de https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/sustainable-development-goals_de https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2023-11/2024-Erasmus%2BProgramme-Guide_DE.pdf https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2023-11/2024-Erasmus%2BProgramme-Guide_DE.pdf https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:12016P/TXT https://commission.europa.eu/system/files/2017-11/social-summit-european-pillar-social-rights-booklet_de.pdf https://commission.europa.eu/system/files/2017-11/social-summit-european-pillar-social-rights-booklet_de.pdf https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/BJNR146800002.html https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/BJNR146800002.html https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf https://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf https://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:2bf140bf-a3f8-4ab2-b506-fd71826e6da6.0020.02/DOC_1&format=PDF https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:2bf140bf-a3f8-4ab2-b506-fd71826e6da6.0020.02/DOC_1&format=PDF Wir sind die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung - kurz: NA beim BIBB. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sind wir für die Umsetzung des europäischen Programms Erasmus+ in der Berufsbildung und Erwachsenenbildung zuständig. Darüber hinaus nehmen wir weitere zahlreiche europabezo- gene und internationale Aufgaben in beiden Bildungsbereichen wahr. Wir arbeiten eng mit der EU-Kommission sowie auf nati- onaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- einrichtungen zusammen. Mehr Informationen finden Sie unter: www.na-bibb.de Impressum Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Fon: +49 (0)228 / 107 1608 www.na-bibb.de www.meinauslandspraktikum.de www.auslandsberatung-ausbildung.de @meinauslandspraktikum Verantwortlich: Berthold Hübers Text und Konzeption: Dr. Sabrina Weller Beauftragte für Inklusion und Vielfalt (bis Ende Juni 2024) Stand: Juni 2024 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Titelbild: pokki/AdobeStock.com (S. 1) http://www.na-bibb.de http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de http://www.meinauslandspraktikum.de http://www.auslandsberatung-ausbildung.de Zugang für Alle Inhalt 1. Vorwort 2. Europäischer Hintergrund und Ausgangslage in Deutschland 2.1 Europäischer Hintergrund 2.2 Ausgangslage in Deutschland 3. Ziele 3.1 Auf europäischer Ebene 3.2 Auf Ebene der NA beim BIBB 4. Handlungsfelder 5. Maßnahmen zur Zielerreichung nach Handlungsfeldern 6. Indikatoren 7. Nächste Schritte und Ausblick 8. Referenzen und Links Impressum Verantwortlich Text und Konzeption Stand Gestaltung …

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