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[…] 2005 wurde Europass eingeführt, um das grenzüberschreitende Lernen und Arbeiten in Europa zu fördern. 2025 feiert Europass sein 20-jähriges Bestehen und hat sich zu einer digitalen Toolbox für Bildung, Job und Mobilität entwickelt. Die Broschüre blick auf 20 Jahre Europass und aktuelle Entwicklungen von Europass. …

[…] Bildung für Europa 41 Dez. 2025 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung KI in europäischen Projekten angekommen 14 SALTO Digital Resource Centre 16 KI: Zahlen und Fakten 24 Programmvorschlag Erasmus+ 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de LinkedIn: Nationale Agentur Bildung für Europa Verantwortlich: Berthold Hübers Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 06.10.2025 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Druckerei Kriechbaumer Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus SuperWhite FSC-, EU Ecolabel zertifiziert Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5): - Kazi/AdobeStock (S. 1); deagreez & ImageFlow/AdobeStock; Projekt VHS Bingen, Projekt AI in ADU, VHS Cham (S. 5). Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. - - - ISSN 1616-5837 - 2 - - Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de 2 3 Bildung für Europa | Dezember 2025 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, die digitale Transformation macht in Europa keine Pause und Künst liche Intelligenz (KI) hat sich als treibende Kraft in vielen Bereichen etabliert. In dieser Ausgabe widmen wir uns einem Thema, das nicht nur Zukunftsperspektiven aufzeigt, sondern auch bereits heu te in zahlreichen Erasmus+-Projekten eine zentrale Rolle spielt: KI. - - Mit der rasanten Entwicklung von KI-Tools und -Anwendungen erleben wir eine wesentliche Veränderung der Lern- und Lehrpro zesse. Vom Sprachtraining über digitale Lernassistenten bis hin zu innovativen Anwendungen in der Berufs- und Erwachsenenbil dung – KI verändert die Art und Weise, wie wir lernen, lehren und arbeiten. In den Good-Practice-Beispielen, die wir Ihnen in dieser Ausgabe vorstellen, können Sie einen lebendigen Eindruck davon gewinnen, wie europäische Bildungsprojekte KI gezielt einsetzen, um neue Lernmethoden zu erproben und die Digitalisierung sinn voll zu gestalten. - - - Besonders spannend in der Berufsbildung ist beispielsweise die Nutzung von KI im Erasmus+-Projekt „Career Intelligence“, das einen Lernassistenten entwickelt hat, der Jugendlichen bei der Berufsorientierung unterstützt und ihre Karriereplanung indivi duell fördert. Für den Bereich der Erwachsenenbildung zeigt die Volkshochschule Bingen in einem spannenden Praxisbeispiel, wie KI gezielt zur Entwicklung von Unterrichtsmaterialien und zur Opti mierung von Lernprozessen eingesetzt werden kann. - - Gleichzeitig möchten wir Sie in dieser Ausgabe auf den Programm vorschlag für Erasmus+ 2028-2034 aufmerksam machen. Die po sitive Botschaft: Der politische Prozess zur Gestaltung des Nach folgeprogramms ist auf einem guten Weg und der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass die Mittel von 26 auf 41 Milliarden Euro steigen sollen – trotz der auch in Europa angespannten Haus - - - - haltslage. Dennoch: Angesichts der ambitionierten Ziele und mit Blick auf den Finanzierungsumfang, den wir 2027 erreicht haben werden, muss man feststellen, dass das vorgeschlagene Budget nicht ausreichen wird, um die festgelegten Ziele im Bildungsbe reich vollständig zu erreichen und weiter zu wachsen. Das ist ein Thema, das uns alle betrifft, und wir laden Sie ein, mehr über die geplanten Änderungen zu erfahren und sich aktiv an der Diskussi on zu beteiligen. - - Europa lebt von der Vielfalt der Ideen und von der Zusammen arbeit über Grenzen hinweg. Die Projekte, die in dieser Ausgabe vorgestellt werden, zeigen, wie KI als Motor für Innovation in der europäischen Bildung wirkt. Lassen Sie sich von den praxisnahen Beispielen inspirieren und entdecken Sie, wie KI dazu beiträgt, das Lernen von morgen zu gestalten. - Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und einen spannenden Einblick in die Entwicklungen, die die Zukunft der Bildung prägen werden. Mit einem herzlichen Gruß aus Bonn Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B 4 5 Inhalt Nr. 41 | Künstliche Intelligenz 06 Lernen, Lehren, Künstliche Intelligenz Neue Chancen durch Erasmus+ 09 Kompetenzmodell AIComp Künstliche Intelligenz erfolgreich in Beruf und Alltag nutzen 10 Der neue Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz Auswirkungen der KI-Verordnung auf den Bildungsbereich 13 Good Practice: Erasmus+ meets KI in Essen Impulse für Ausbildung in Informatik, Elektronik und Robotik 14 Europäisches SALTO Digital Resource Centre Auftrag: Förderung der digitalen Bildung europaweit 16 Infografik: Künstliche Intelligenz Ausgewählte Facts zur Stimmung in der Gesellschaft 18 Good Practice: Mit KI in die Bildung von morgen Volkshochschule profitiert von Austausch 19 Good Practice: Career Intelligence Entwicklung eines KI-basierten Lernassistenten für die berufliche Bildung 20 Good Practice: KI in der Erwachsenenbildung Einsatzpotenziale mit Fokus auf Sprachenlernen 21 KI in der Grundbildung Gespräch mit einem Dozenten beim Bayerischen Volkshochschulverband Erasmus+ 22 Erasmus+-Antragsrunde 2025 Rekordergebnisse bei Auslandsaufenthalten, Partnerschaften etwa auf Vorjahresniveau 24 Programmvorschlag Erasmus+ 2028-2034 Starkes Programm mit knappem Budget 26 European Innovative Teaching Award 2025 Zwei deutsche Projekte aus der Erwachsenenbildung ausgezeichnet 28 Erasmus+ vernetzt Europa Wie Teilnehmende von TCAs profitieren 30 Infosplitter 32 Antragsfristen 4 5 Bildung für Europa | Dezember 2025 - 06 Lernen, Lehren, KI 10 Europäische KI-Verordnung 18 VHS profitiert von KI 20 Sprachenlernen mit KI 26 European Teaching Award 2025 „Der European Teaching Award 2025 ver deutlicht, dass europäische Projekte nicht nur Konzepte hervorbringen, sondern konkrete Veränderungen im Leben von Menschen. “ 6 7Künstliche Intelligenz © I m ag eF lo w /A do be St oc k Lernen, Lehren, Künstliche Intelligenz Neue Chancen durch Erasmus+ 6 7 Bildung für Europa | Dezember 2025 S eit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 hat das Thema Künstliche Intelligenz (KI) weltweit an Fahrt aufge nommen. Inzwischen gibt es unzählige Tools, deren Vielfalt und ständige Wei terentwicklung es schwer machen, ei nen Überblick zu behalten. - - - Darüber hinaus wurde mit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung über Künstliche Intelli genz (AI Act) im Sommer 2024 erstmals ein europäischer Rahmen geschaffen, der für mehr Systematik sorgt. Das Programm Eras mus+ bietet in diesem Zusammenhang ein besonderes Experimentierfeld, um das The ma KI in seinen verschiedenen Facetten auf zugreifen und KI-Tools in unterschiedlichen Kontexten der Berufs- und Erwachsenenbil dung zu erproben. - - - - - KI in der Berufsbildung Die europäische Berufsbildung muss ange sichts der hochdynamischen Entwicklungen besonders im Bereich der generativen KI sowohl aus technologischer als auch didak tischer und ethischer Perspektive Kompe tenzen entwickeln. - - - Partnerschaften für Zusammenarbeit Unter den Partnerschaftsprojekten, die im Rahmen der Priorität „Digitaler Wandel“ in Erasmus+ gefördert werden, sind ab 2020 nur singulär und dann ab 2023 zunehmend KI-Themen. Die Projekte untersuchen, wie Künstliche Intelligenz Branchen bzw. Berufs bilder beeinflusst und welche Anpassungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung erforderlich sind, um mit den rasanten Ent wicklungen Schritt zu halten. - - Die Projekte können strukturiert werden nach Grundlagenwissensvermittlung, Kom petenzentwicklung, Chatbots sowie KI in ausgewählten Branchen, z.B. Landwirt - - schaft/Ernährung, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Mechanik/Industrie 4.0, Tou rismus/Gastgewerbe, Multimediasektor und Kreativwirtschaft. Dazu werden Trainings und Tools entwickelt, wie spezifische Prompt-Ka taloge und die flexible Integration von KI-Modellen in Lernplattformen. Lehr- und Lerninhalte für den Einsatz von KI und Ava taren in der praktischen beruflichen Bildung für die Bereiche der Chemie, Biologie, IT und der Mechatronik werden erarbeitet, um den digitalen Transformationsprozess zu unter stützen. Ergänzend wird für EU-Vorschriften sensibilisiert, um etwa ein besseres Ver ständnis der KI-Verordnung, einschließlich Risikoklassifizierung, Compliance, Transpa renz, Data Governance und die Gewährlei stung ethischer KI-Praktiken zu schaffen. - - - - - - - Chatbots unterstützen Jugendliche bei der Berufswahl und Einarbeitung. Neue Perspek tiven für das Mentoring von Jugendlichen entstanden in einer Kooperationspartner schaft mittels KI-gestützter Lernassistenten. Ein im Jahr 2025 gestartetes neues Projekt modernisiert die Einarbeitung internationa ler Auszubildender durch eine KI-gestützte, spielerische Plattform, die Inklusion, interkul turelle Kompetenz und berufliche Einsatzbe reitschaft fördert. Der assistierte Einsatz von KI und Avataren als Bildungstechnologie hat das Potenzial, Ausbilderinnen und Ausbilder bei repetitiven Aufgaben zu entlasten sowie Auszubildende individueller zu unterstützen. - - - - - Ein anderes Projekt kombiniert die nachhal tigkeitsbezogenen Verantwortungsbereiche von Organisationen mit KI und entwickelt zur Implementierung der ESG-Kriterien (Um welt, Soziales und Unternehmensführung) der Vereinten Nationen ein auf einer KI-ba sierten E-Learning-Plattform beruhendes zertifiziertes Weiterbildungsangebot auf Niveau 5 des Europäischen Qualifikations rahmens. - - - - Eine aktuelle Kooperationspartnerschaft hat zum Ziel, die Stärkung der Ernährungs kompetenz und Ernährungserziehung in der beruflichen Bildung mit Schwerpunkt auf verarbeitete Lebensmittel und nachhaltigem Konsum durch die Entwicklung einer KI-ge stützten App zur Ernährungsüberwachung mit Gesundheitssimulation zu fördern. - - Schließlich entwickeln einige Projekte grundlegende KI-Kompetenzen für prak tische Bedarfe in KMU, um deren Innovati onsfähigkeit zu sichern. - - Mobilitätsprojekte Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung – auch im Rahmen von Eras mus+-Mobilitätsprojekten. Während Aus landsaufenthalte in der Vergangenheit vor allem dazu dienten, interkulturelle Kompe tenzen und Sprachkenntnisse zu vertiefen, gewinnen heute technologische Erfah rungen an Bedeutung. Besonders in wirt schaftsstarken Regionen mit ausgeprägtem Mittelstand nutzen Berufsschulen und Aus bildungsbetriebe Erasmus+, um Auszubil denden aus technischen Bildungsgängen den Zugang zu neuen und anderen Techno logien zu eröffnen. - - - - - - - - Ein prägnantes Beispiel ist der Umgang mit spezialisierter KI-Software: Viele Betriebe er möglichen ihren Auszubildenden einen Aus landsaufenthalt mit Erasmus+, damit sie im Gastland mit Anwendungen arbeiten kön nen, die ihnen im Entsendeland nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Dabei geht es nicht nur um den praktischen Kompetenzerwerb, sondern auch um den Innovationsvorsprung, den internationale Mobilität ermöglicht. In einigen Bildungs gängen wird der Praxisaufenthalt gezielt mit konkreten Zusatzqualifikationen kombiniert, wie etwa bei Auszubildenden in der Elektro nik für Informations- und Systemtechnik, die zusätzlich die Qualifikation „Digitale Vernet zung und Programmierung“ erwerben. Eras mus+ Mobilität wird somit zu einem stra tegischen Baustein, um Fachkräfte auf die digitalen Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. - - - - - - - - Doch nicht nur für die Auszubildenden, son dern auch für die Lehrenden wächst die Be deutung von KI rasant. Immer stärker nach gefragt sind Inhalte, die den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Pädagogik thematisieren. So verzeichnen Kurse wie „Integrating AI into language teaching and learning“ eine hohe Nachfrage. Die Vermittlung von Medi enkompetenzen hat gerade, aber nicht nur, in technischen Ausbildungsberufen einen hohen Stellenwert. - - - - Darüber hinaus trägt KI dazu bei, Teilha be zu ermöglichen und Bildung inklusiver zu gestalten. Digitale Tools erleichtern den Zugang für Lernende mit Sprachbarrieren oder mit besonderen Unterstützungsbedar fen. Automatische Übersetzungen, adaptive Lernsysteme oder individualisierte Hilfestel lungen machen es möglich, Bildungspro zesse stärker an den Fähigkeiten und Be - - - - - Künstliche Intelligenz 8 9 dürfnissen einzelner Schülerinnen und Schüler auszurichten. KI in der Erwachsenenbildung Partnerschaften für Zusammenarbeit In den Partnerschaftsprojekten der Erwach senenbildung tauchte das Thema KI zum ersten Mal 2020 explizit in einem Projekt auf, das sich mit diesem damals ganz neuen Thema auseinandersetzte und einen modu laren Grundlagenkurs für Lehrende und Ler nende entwickelte. In den darauffolgenden Antragsjahren 2021 und 2022 war KI als ei genes Projektthema kaum und eher indirekt vorhanden. - - - - Erst im Antragsjahr 2023, kurz nach dem weltweiten Bekanntwerden von generativen KI-Modellen, zeigte sich das Thema dann in den Projekten als ein erstes Herantasten: So ging es in einer Kooperationspartnerschaft um personalisierte und flexible Lernwege durch den Einsatz von KI-Technologien insbesondere im Sprachenlernen; in einer kleineren Partnerschaft stand die Reflexion über KI und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt im Mit telpunkt. Seit dem Antragsjahr 2024 hat sich das Bild vollständig gewandelt und KI ist klar in der Projektarbeit angekommen: Sowohl in den kleineren Partnerschaften als auch in den Kooperationspartnerschaf ten wird KI auf verschiedene Kontexte und Zielgruppen angewendet. Nun reichen die - - Themen von der Begleitung von Eltern in der Medienbildung, über die Anwendung von KI im Sprachenlernen für Migrantinnen und Migranten bis hin zu Lernsettings für das Empowering von Frauen, dem Einsatz von KI für Kunst- und Kulturschaffende so wie der Stärkung von Cyber-Resilienz. 2025 stehen dabei insbesondere die Verknüpfung von KI und Inklusion von verschiedenen Ziel gruppen sowie Aspekte der Cyber-Sicherheit und eines kritisch-bewussten Umgangs mit KI im Fokus. - - Neben diesen explizit bearbeiteten KI-The men gibt es noch zahlreiche Projekte zu an deren Themen, bei denen der Einsatz von KI-Tools eine wichtige Rolle spielt – das Aus maß davon lässt sich allerdings nur schwer feststellen. - - - Mobilitätsprojekte In den Mobilitätsprojekten der Erwachse nenbildung zeigt sich ein ganz ähnliches Bild: Vor 2023 gab es immer wieder Projekte im Themenbereich Digitalisierung, aber ex plizit zu Künstlicher Intelligenz finden sich vor allem ab dem Antragsjahr 2024 mehrere Projekte. Im Fokus steht hier beispielsweise das Erproben, wie KI-Tools auf administra tive Workflows, auf die Steigerung von or ganisatorischer Effizienz und inklusiven As pekten sowie auf die Modernisierung von Lehrmethoden und die Personalisierung von Lernen angewendet werden können. Dabei spielen auch Überlegungen zur Förderung des kritischen Denkens sowie ein verant wortungsvoller und ethisch angemessener Umgang mit KI eine große Rolle. - - - - - - Fazit und Ausblick Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich Erasmus+ einerseits sehr gut dazu eignet, ein Experimentierfeld für Themen zu bie ten, eine vielseitige Plattform zum Erproben innovativer Bildungsansätze. Andererseits können im Rahmen europäischer Koope rationen gezielte Weiterbildungsangebote entwickelt und Teile der Ausbildung als Zu satzqualifikationen im Bereich Künstliche In telligenz vermittelt werden. - - - - Die NA beim BIBB unterstützt Antragsteller und Projekte dabei insbesondere durch die Themenseite zur digitalen Bildung, auf der neben einer Orientierung an verschiedenen Dimensionen von Digitalisierung auch Bei spiele guter Praxis zu finden sind. - Wichtig bleibt bei alledem, eine vernünf tige und sinnvolle Balance zu wahren: KI eröffnet nahezu unbegrenzte Chancen für die Projekte, doch ein bewusster Einsatz muss den Wert menschlicher Kreativität, kri tischen Denkens und die transnationale Zu sammenarbeit menschlicher Akteure in den Mittelpunkt stellen – genau das prägt ihren eigentlichen europäischen Mehrwert. - - - www.na-bibb.de/digitale-bildung DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB dunkel@bibb.de MICHAEL MARQUART Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Kooperationsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB marquart@bibb.de INGA VAN DEN THILLART Mitarbeiterin im Projektmonitoring Team „Mobilität und Internationalisie rung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB - thillart@bibb.de Künstliche Intelligenz © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/digitale-bildung mailto:marquart@bibb.de mailto:dunkel@bibb.de mailto:thillart@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - Kompetenzmodell AIComp Künstliche Intelligenz erfolgreich in Beruf und Alltag nutzen D er Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gibt der digitalen Transformation weiter Auftrieb und stellt die Men schen in ihrer Lebens- und Arbeitswelt vor immer neue Herausforderungen. Welche Kompetenzen müssen sie haben, um fit für eine durch schnellen Wandel geprägte Zukunft zu sein? Ein Ergebnis der Forschung zu den sogenannten Future Skills ist das Kompetenzmodell AIComp (Artifi cial Intelligence Competences). Es wurde als Teil der Projekte KI-Campus und KI-Campus Hub Baden-Württemberg von NextEduca tion erarbeitet und basiert auf einer empi rischen Studie mit über 1.600 Berufstätigen in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2023. Diese wurden zu Kompetenzen befragt, die für die effektive Nutzung von KI erforderlich sind. AIComp zeigt Bedingungen für erfolg reiches berufliches und privates Handeln auf und liefert somit gleichzeitig wichtige Hin weise zu potenziellen Bildungsmaßnahmen. Nachstehend bilden wir die zwölf Kompe tenzfelder ab, die im Rahmen der Studie identifiziert wurden. Das Modell selbst be schreibt für jedes Kompetenzfeld exempla risch Wissen, Fähigkeiten und Werteeinstel lungen. Die umfassende Dokumentation des Forschungsprojektes und seiner Ergebnisse mitsamt dem AIComp-Modell finden Sie unter https://next-education.org/de/ projekte/ai-comp/ Grafik „Zwölf Kompetenzfelder im AIComp-Modell“ von NextEducation unter CC BY-NC-ND, https://next-education.org/downloads/AIComp_Part_2_Kompetenzmodell_final.pdf, S. 26 Künstliche Intelligenz https://next-education.org/de/projekte/ai-comp/ https://next-education.org/de/projekte/ai-comp/ https://next-education.org/downloads/AIComp_Part_2_Kompetenzmodell_final.pdf 10 11 © d ea gr ee z/ A do be St oc k - Der neue Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz Auswirkungen der KI-Verordnung auf den Bildungsbereich I m Juli 2024 wurde die EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz verabschiedet. Sie ist das weltweit erste umfassende Regel werk für die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Besonders strenge Vorgaben gelten für KI-Systeme, die in sensiblen Bereichen zum Einsatz kommen. Dazu zählt auch die allgemeine und berufliche Bildung. Sollen KI-Systeme künftig in Lehr- und Lernprozesse integriert werden, müssen eine Vielzahl rechtlicher, technischer und organisatorischer Anforderungen umgesetzt werden. 10 11 Bildung für Europa | Dezember 2025 Entwicklerinnen und Entwickler von KI-An wendungen sowie Bildungseinrichtungen sollten sich daher frühzeitig mit den neuen Vorgaben vertraut machen. - Schlüsselelemente des neuen Rechtsrahmens Die KI-Verordnung schafft EU-weit einheit liche Regeln für den Umgang mit Künst licher Intelligenz. KI soll sicher und ver trauenswürdig sein sowie im Einklang mit europäischen Werten und Grundrechten entwickelt und verwendet werden. Die Ver ordnung basiert auf einem risikobasierten Ansatz. Dieser stellt sicher, dass nicht alle KI-Systeme gleichermaßen reguliert wer den, sondern dass sich Art und Umfang der Vorgaben am jeweiligen Risiko orientieren. Besonders schädliche oder missbräuchliche Praktiken sind gänzlich verboten. Hierzu gehören etwa Systeme zur Verhaltensmani pulation oder zur Bewertung von Personen anhand sozialer Merkmale (Social Scoring). - - - - - - Weniger offensichtlich, aber ebenso verbo ten ist der Einsatz von KI-Systemen, die in Bildungseinrichtungen zur Ableitung emo tionaler Zustände genutzt werden, etwa durch die Analyse von Mimik, Stimme oder Körpersprache. Auch wenn der Einsatz sol cher Systeme technisch möglich und in eini gen Fällen pädagogisch geboten erscheinen mag, ist Vorsicht geboten. Bildungsein richtungen, Träger und Anbieter digitaler Lernsysteme sollten daher KI-gestützten Emotionserkennungssystemen besondere Zurückhaltung üben und im Zweifel darauf verzichten. - - - - - Hochrisikofälle in der allgemeinen und beruflichen Bildung Der Kern der KI-Verordnung liegt in der Re gulierung sogenannter Hochrisiko-KI-Sys teme. Diese sind nicht verboten, werden jedoch mit einem erhöhten Gefährdungs potenzial in Verbindung gebracht. Sie dür fen daher nur in Verkehr gebracht oder eingesetzt werden, wenn strenge Anforde rungen an Qualität, Sicherheit und Transpa renz erfüllt werden. - - - - - - Als hochriskant gelten unter anderem KI-Anwendungen, wenn sie in besonders grundrechtssensiblen Bereichen wie der Justiz oder im Beschäftigungskontext ein gesetzt werden. Erfasst sind jedoch auch - KI-Systeme im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung. Konkret betrifft dies Anwendungen, die über den Zugang zu Bildungseinrichtungen entscheiden, Lernergebnisse bewerten, Kompetenzen feststellen oder zur Prüfungsüberwachung eingesetzt werden. Der Gesetzgeber sieht in diesen Fällen ein besonders hohes Risi ko, da fehlerhafte, unausgewogene oder intransparente KI-Entscheidungen Bildungs biografien beeinträchtigen und die weite ren Berufs- und Lebenswege der betrof fenen Personen nachhaltig beeinträchtigen können, etwa indem sie den Zugang zu be stimmten Ausbildungs- oder Karrierewegen ungerechtfertigt erschweren oder zukünf tige Leistungsbewertungen verzerren. - - - - - - Aus diesem Grund gelten hohe Anforde rungen an die Entwicklung, den Betrieb und die laufende Kontrolle von Hochrisi ko-KI-Systemen. Anbieter solcher Systeme, also Unternehmen oder Institutionen, die eine KI entwickeln oder unter eigenem Namen in Verkehr bringen, müssen unter anderem ein Risikomanagementsystem einführen, die Qualität von Trainings- und Testdaten sicherstellen, eine technische Dokumentation und Gebrauchsanleitung bereitstellen sowie ein Konformitätsbewer tungsverfahren durchlaufen. Auch Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen, etwa Berufs schulen, Kammern oder Weiterbildungs träger, haben eigenständige Pflichten. Sie müssen sicherstellen, dass das System nur im vorgesehenen Rahmen genutzt wird, qualifiziertes Personal die Aufsicht über nimmt und die Nutzung überwacht wird. Treten Probleme oder Vorfälle auf, sind die se zu dokumentieren und zu melden. - - - - - - - Da mit der Einstufung als Hochrisi ko-KI-System weitreichende Anforderungen und Pflichten verbunden sind, sieht die KI-Verordnung in bestimmten Fällen eine Ausnahme vor. Nach Art. 6 Abs. 3 KI-VO entfällt die Hochrisikoeinstufung, wenn von dem System kein erhebliches Risiko für die betroffenen Personen ausgeht. Diese Aus nahme greift insbesondere dann, wenn die KI keine eigenständigen Entscheidungen trifft, sondern lediglich unterstützend wirkt, etwa bei der Datenvorverarbeitung oder der Vorbereitung menschlicher Bewer tungen. Je geringer der Einfluss der KI auf die zutreffende Entscheidung und je stärker die Kontrolle durch den Menschen, desto - - - eher kann die Ausnahme Anwendung fin den. Die Ausnahmeregelung trägt damit dem risikobasierten Ansatz der Verordnung Rechnung und stellt sicher, dass nur solche Systeme als hochriskant eingestuft werden, die tatsächlich ein relevantes Risiko für Bil dungschancen und Teilhabe begründen. - - Horizontale Pflichten: Transparenz und KI-Kompetenzen Neben den besonderen Vorschriften für Hochrisiko-KI-Systeme enthält die KI-Ver ordnung auch grundlegende Pflichten, die für alle KI-Anwendungen gelten. Sie sollen Transparenz, Nachvollziehbarkeit und ei nen verantwortungsvollen Umgang mit KI gewährleisten, unabhängig von der Risiko klassifizierung des Systems. - - - Eine zentrale Anforderung betrifft die Trans parenz gegenüber Nutzenden. Sie sollen er kennen können, ob sie mit einem KI-System interagieren oder ob Inhalte künstlich er zeugt wurden. Dies gilt insbesondere für Anwendungen, die unmittelbar mit Men schen interagieren, etwa als Chatbot oder Lernassistent. Geht aus dem Kontext nicht ohne Weiteres hervor, dass es sich um ein KI-System handelt, müssen Nutzende über den KI-Einsatz informiert werden. Gleiches gilt, wenn eine KI zur Emotionserkennung oder biometrischen Kategorisierung einge setzt wird. Auch in diesen Fällen ist ein kla rer Hinweis erforderlich. - - - - - - Neben diesen Transparenzvorgaben wurde als weitere horizontale Pflicht die Sicher stellung von KI-Kompetenz eingeführt, um einen sachgerechten und verantwortungs vollen Einsatz von KI-Systemen zu gewähr leisten. Wer KI-Systeme entwickelt, betreibt oder einsetzt, muss sicherstellen, dass die beteiligten Personen über angemessene Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Er forderlich sind kontextspezifische Kompe tenzen, um Funktionsweise, Grenzen und Risiken des jeweiligen Systems nachvoll ziehen und einschätzen zu können. Sollen KI-Systeme im Bildungsbereich eingesetzt werden, ist daher sicherzustellen, dass alle beteiligten Personen (etwa Lehr-, Fach- oder IT-Personal) die Funktionsweise der Systeme verstehen, deren Ergebnisse einordnen und mögliche Fehlfunktionen erkennen können. - - - - - - Künstliche Intelligenz 12 13 Ausblick Die KI-Verordnung bildet künftig den zentra len Bezugsrahmen für die Entwicklung und den Einsatz von KI in der Europäischen Union. Aufgrund ihres breiten Anwendungsbereichs erfordert ihre Umsetzung in vielen Bereichen neue Routinen und Verantwortlichkeiten. Da bei dürfen die neuen Vorgaben nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen mit be stehenden Regelungsbereichen, insbesondere dem Datenschutzrecht, in Einklang gebracht werden. Gerade im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung wird deutlich, dass der Einsatz von KI zunehmend nicht nur tech nische und pädagogische, sondern auch recht liche Fragen aufwirft. Einige Vorgaben, wie das Verbot bestimmter Systeme und die Sicher stellung von KI-Kompetenz, gelten bereits seit dem 2. Februar 2025. Ab dem 2. August 2026 treten zudem die Anforderungen für Hochri siko-KI-Systeme in Kraft, die insbesondere für Anwendungen zur Bewertung von Lernergeb - - - - - - - - nissen, zur Kompetenzfeststellung oder zur Prüfungsüberwachung von Bedeutung sind. Der verbleibende Zeitraum sollte genutzt wer den, um rechtzeitig geeignete Strukturen und Kompetenzen aufzubauen, Zuständigkeiten zu definieren und Verfahren zu entwickeln, die ei nen sicheren und rechtskonformen Einsatz von KI-Systemen ermöglichen. - - https://eur-lex.europa.eu/legal-content/ DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689 KI-Grundlagenschulung zum AI-Act für das Ausbildungs-und Prüfungspersonal: https://leando.de - Der risikobasierte Ansatz in der KI-Verordnung Künstliche Intelligenz Inakzeptables Risiko z.B. Social Scoring, Manipulation von Personen Verbote KI-Systeme mit einem inakzeptablen Risiko, die im Wi derspruch zu den Werten der EU und den Grundrechten stehen, z.B. Emotionserkennungssysteme in Bildungs einrichtungen. - - Für alle KI-Systeme: KI-Kompetenz Für bestimmte KI-Systeme: Transparenz Hohes Risiko z.B. Sicherheitsrelevante Komponenten von Produkten, Kritische Infrastrukturen, Bildung, Beschäftigung, Justiz Erlaubt unter strengen Auflagen KI-Systeme, die als Produkt oder Produktbestandteil sicherheitsreguliert sind oder die in einem besonders sensiblen Bereich eingesetzt werden sollen. Diese Hochrisiko-KI-Systeme unterliegen verbindlichen Anforderungen und müssen besonders sicher und vertrauenswürdig sein. Hochrisiko-KI in der beruflichen Bildung • Zugang, Zulassung und Zuweisung zu Bildungsreinrichtungen • Bewertung von Lernergebnissen • Bewertung des angemessenen Bildungsniveaus • Überwachung während Prüfungen Kein oder minimales Risiko z.B. Spamfilter, Videospiele Erlaubt ohne Einschränkungen KI-Systeme mit minimalem oder keinem Risiko unterliegen keinen regu latorischen Vorgaben durch die KI-Verordnung. - SEBASTIAN STRAUB Rechtsanwalt und seit 2018 wissenschaftlicher Berater bei der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH mit Schwer punkt Technologie- und Datenrecht. © p riv at https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689 https://leando.de 12 13 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Erasmus+ meets KI in Essen Impulse für Ausbildung in Informatik, Elektronik und Robotik © F EH Am Heinrich-Nixdorf-Berufskolleg (HNBK) in Essen zeigt sich, wie Auslandsaufenthalte im Rahmen von Erasmus+ die Ausbildung in In formatik, Elektronik und Robotik bereichern. Immer mehr Inhalte greifen direkt auf Anwen dungen von Künstlicher Intelligenz (KI) zu und machen sie für Lernende praxisnah erfahrbar. Frankreich-Projekt: KI in autonomen Systemen Besonders eindrücklich ist das Traineepro gramm mit dem Lycée Louis Armand in Frankreich. Hier entwickelten binationale Teams autonome Rover, also ferngesteuerte Fahrzeuge, sowie 3- und 4-Achsen-Roboter arme mit Kameras und Greifsystemen. Neben KI-basierten Steuerungselementen spielten auch Algorithmen, Vernetzung und Kreativität eine Rolle. Diese Praxisphasen führten dazu, dass Lernende ohne Programmier- oder Kon struktionskenntnisse bereits nach kurzer Zeit eigenständig komplexe Aufgaben im inter nationalen Kontext lösen konnten. Hürden in Sprache und Kommunikation wurden Schritt für Schritt abgebaut. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den französischen Partnern erwies sich als entscheidender Erfolgsfaktor. Während das HNBK seine Expertise in Elektronik und Pro grammierung einbringt, hat das französische Lycée Stärken in Konstruktion, Design und Ro botik. Gegenseitiges Lernen und ein offener Austausch über neue Ideen und Technologien ließen so Projekte wie den Rover stetig wach sen. Aus den EU-Erfahrungen entstand sogar eine neue Lernumgebung, die nun in beide Schulsysteme einfließt. Intelligente Häuser in Norwegen Auch in Norwegen konnten Auszubildende ihr Wissen praktisch vertiefen. Gemeinsam mit norwegischen Lernenden entwickelten sie ein Smart-Home-Modell mit Solartechnik, Sensoren, Zugangskontrolle und Vernetzung durch das Internet (Internet of Things, IOT). Besonders wertvoll waren die gemeinsame Installation und Anpassung des IOT-Brokers zur Überwachung und Steuerung des Hauses, bei der die Teams eigenständig Probleme ana lysierten und Lösungen erarbeiteten. Durch die Präsentation ihrer Ergebnisse auf Englisch wuchsen die Jugendlichen in ihrer Selbststän digkeit – fachlich wie sprachlich. Mehrfache Besuche norwegischer Schüle rinnen und Schüler sowie von Lehrkräften am HNBK führten darüber hinaus zu ge meinsamen Projekten im Bereich Robotik, Cyber Security und Europäischer Installati onsbus (KNX). Ergänzt wurde dies durch Job- Shadowings, bei denen Lehrkräfte neue Me thoden und Ansätze kennenlernten. Erasmus+ als Motor der Schulent wicklung Seit der Erasmus+-Akkreditierung ist Interna tionalität am HNBK selbstverständlich. Aus landsaufenthalte in Frankreich, Norwegen, Irland und Spanien gehören zum Schulalltag, genauso wie die Aufnahme internationaler Lernender, die an Projekten teilnehmen oder Kurse besuchen. Das EU-Team ist deutlich ge wachsen, die Projektergebnisse fließen direkt in den Unterricht ein – von neuen Methoden und Lehrmaterialien bis zu Projekten, die so wohl für die Auszubildenden in der dualen Berufsausbildung als auch für das Berufliche Gymnasium und die Höhere Berufsfachschule Anwendung finden. KI wird am Heinrich-Nix dorf-Berufskolleg nicht theoretisch im Klas senzimmer behandelt, sondern konsequent handlungsorientiert umgesetzt. PROJEKTINFO Projekttitel: Mit dem HNBK unterwegs in Europa Projektnummer: 2023-1-DE02-KA121-VET-000118936 Laufzeit: 01.06.2023 - 31.05.2025 Beteiligte Länder: FR, NO Koordinator: OStR Dr. Jörg Dixkens Kontakt: j.dixkens@hnbk.de Website: https://hnbk.de/index.php/europa/ Künstliche Intelligenz mailto:j.dixkens@hnbk.de https://hnbk.de/index.php/europa/ 14 15 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Europäisches SALTO Digital Resource Centre Auftrag: Förderung der digitalen Bildung europaweit Künstliche Intelligenz S ALTO Digital unterstützt die digitale Transformation von Bildung und Ju gendarbeit europaweit, indem es eine breite Palette an praxisnahen Mate rialien, Werkzeugen, Berichten und Publikationen bereitstellt, die auf un terschiedliche Zielgruppen wie Natio nale Agenturen, politische Entschei dungsträgerinnen und -träger sowie Erasmus+-Projektträger zugeschnitten sind. Es stellt zudem Beispiele guter Praxis aus den Programmen Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps vor, die digitale Dimensionen umsetzen. Digitale Transformation Projekte, die im Rahmen von Erasmus+ und dem Europäischen Solidaritätskorps (ESK) ge fördert werden, können eine wichtige Rolle bei der Entwicklung individueller und institutionel ler digitaler Bereitschaft sowie von Kapazitäten und Kompetenzen spielen. Sie können somit dazu beitragen, allen Menschen die gleichen Chancen auf ein erfolgreiches Leben, Arbeit und aktive Bürgerschaft zu bieten. Die besondere Bedeutung der digitalen Trans formation in Bildung und Ausbildung liegt dar in, dass sie systemische Veränderungsprozesse anstößt. Der gezielte Einsatz digitaler Techno logien, Künstlicher Intelligenz (KI) und ande rer neuer Technologien kann neue Lern- und Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen, den Zugang zu Informationen verbessern und mo derne pädagogische Ansätze fördern, um die Qualität von Lehre und Lernen in formalen wie auch nicht-formalen Kontexten zu steigern. Europäisches SALTO Digital Resource Centre Das SALTO Digital Resource Centre unterstützt die Umsetzung der digitalen Transformation als übergreifende Priorität in den Programmen Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps. Das Zentrum fungiert als Drehscheibe zwischen Politik und Praxis mit dem Ziel, die Qualität der digitalen Bildung und Jugendarbeit kontinuier lich zu steigern. SALTO Digital arbeitet in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbildung, Hochschulbildung, Erwachse nenbildung und Jugend und kooperiert eng mit 54 Nationalen Agenturen in 33 Ländern. Zu den Schwerpunkten von SALTO Digital zäh len der Aufbau eines starken digitalen Ökosys tems für Bildung, Ausbildung und Jugendar beit, die Förderung digitaler Kompetenzen, die Unterstützung digitaler und virtueller Zusam menarbeit sowie der virtuelle Austausch inner halb der EU-Programme. SALTO Digital trägt zur Umsetzung der digitalen Querschnittsprio rität bei und konzentriert sich unter anderem auf digitale Kompetenzen, Künstliche Intelli genz (KI), MINKT (Mathematik, Informatik, Na turwissenschaften, Kunst und Technik) sowie die Digitalisierung von Schulen und Bildungs einrichtungen durch europäische Initiativen. Werkzeuge, Materialien und Rah menwerke zur Unterstützung der digitalen Transformation Europäische Rahmenwerke, wie DigComp, DigCompEdu und DigCompOrg zusammen mit dem Digital Education Action Plan, können als Leitfäden für die Identifizierung von Bedar fen, Zielen und Aktivitäten bei der Projektge staltung dienen. Diese Rahmenwerke schaffen einen gemeinsamen europäischen Bezugsrah men, der es ermöglicht, institutionelle Initiati ven in einen breiteren politischen und strategi schen Kontext einzubetten. Sie bieten zudem strukturierte Instrumente zur Unterstützung von Aktivitäten im Bereich Kapazitätsaufbau digitaler Kompetenzen und institutioneller Selbstevaluierung, beispielsweise durch den Einsatz von SELFIE-Tools. Darüber hinaus för dern die Rahmenwerke die Reflexion über Projektaktivitäten und bieten Mechanismen 14 15 Bildung für Europa | Dezember 2025 zur Bewertung ihrer Wirkung auf die digitale Transformation in Bildungs- und Ausbildungs einrichtungen. - Um die digitale Transformation in Bildung, Ausbildung und Jugendarbeit voranzubringen, fördert SALTO Digital EU-Initiativen und entwi ckelt sowie verbreitet eine Vielzahl praxisnaher Ressourcen zu Themen wie MINKT, KI, Desin formation, digitales Wohlbefinden und digitale Kompetenz – und bringt bestehende Inhalte an einem leicht zugänglichen Ort zusammen. Die nachstehend genannten Formate stehen auf der Website von SALTO Digital zur Verfügung. - - > Themenkarten Themenkarten verdichten komplexe digitale Themen zu prägnanten und ansprechenden Zusammenfassungen und behandeln Bereiche wie Künstliche Intelligenz, digitale Pädagogik, MINKT, Computational Thinking und die Twin Transition (grüne und digitale Transformation). Sie sind darauf ausgelegt, Lehrkräfte, Ausbil dende und Projektverantwortliche dabei zu unterstützen, ein klares Verständnis neuer digi taler Konzepte zu entwickeln und diese in der Praxis anzuwenden. - - SALTO Digital Theme Card: Artificial Intelligence (AI) > One-Pager One-Pager oder einseitige Publikationen bieten klare und umsetzbare Handlungs empfehlungen zu zentralen digitalen The men. Dazu gehören gute Praktiken in der digitalen Transformation, das SELFIE-Tool, Strategien zur Bekämpfung von Desinfor mation und zur Förderung digitaler Kompe tenz, das DigComp-Rahmenwerk, der Digital Education Action Plan und der Europäische Digital Education Hub. Diese Ressourcen bie ten praktische Einblicke, wie europäische Rah menwerke und Strategien in institutionelle und projektbasierte Aktivitäten integriert werden können. - - - - - - SALTO Digital Onepager: How to make use of DigComp in your projects > Beispiele guter Praxis Die Sammlung von Beispielen guter Praxis prä sentiert herausragende Fälle digitaler Transfor mation aus Erasmus+- und ESK-Projekten. Die se Beispiele verdeutlichen innovative Ansätze und wirksame Umsetzungen und bieten Lehr kräften sowie Ausbildenden praktische Model le und Inspiration für die Weiterentwicklung der digitalen Transformation in ihren eigenen Initiativen. - - - - - Inspiring Good Practices on Implementing the Digital priority in Erasmus+.... > Werkzeuge und Lernressourcen SALTO Digital stellt eine Vielzahl von Lernres sourcen bereit, die darauf abzielen, digitale Kompetenzen und Wissen in allen Bereichen zu stärken. So unterstützt beispielsweise das Online-Modul zu digitalen Kompetenzen Lehrkräfte und Projektverantwortliche dabei, die Qualität und Wirkung von Erasmus+- und ESK-Projekten zu steigern. Darüber hinaus wer den KI-bezogene Lerninhalte angeboten, um kritische Reflexion und einen informierten Dia log über die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Bildung anzuregen. - - - Die genannten Materialien und weitere nützli che Ressourcen zur digitalen Transformation in der Bildung finden Sie unter: - https://saltodigital.eu PASI SILANDER leitet das European SALTO Digital Resource Centre, das bei der finnischen Nationalen Agentur angesiedelt ist. Künstliche Intelligenz © p riv at https://saltodigital.eu 16 17 Künstliche Intelligenz Ausgewählte Facts zur Stimmung in der Gesellschaft - D er D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, die von Kantar durchgeführt und vom Bundesministeri um für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird. Seit 2013 bietet der D21-Digital-Index ein jährliches Lage bild zur Digitalisierung der Gesellschaft in Deutschland. Einer der Schwerpunkte der Publikation 2024/2025 war das Thema „Künstliche Intelligenz“. Wir präsen tieren hier eine Auswahl von Infografiken aus diesem Studienbereich und eine kurze Einordnung der NA beim BIBB. Den kompletten D21-Digital-Index 2024/25 finden Sie unter: - - - https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital- index/2024-25 Zunehmende Akzeptanz KI-Anwendungen erfreuen sich zunehmender Akzeptanz. Eine Mehrheit sieht Vorteile, wie z.B. die Abnahme monoto ner Tätigkeiten. Dabei kommt KI sowohl im Alltag als auch in der Arbeitswelt zum Einsatz. Unterschiede in der Akzeptanz und Anwendungshäufigkeit gibt es nach Bildungsniveau und Tätigkeit. Spitzenreiter bei der Nutzung sind Schüler/ -innen, also die jüngere Generation, die in einem digitalen Umfeld heranwächst. Aber auch Menschen mit Bürojob nutzen KI-Anwendungen regelmäßig (mindestens einmal pro Monat). Es fällt auf, dass KI vorwiegend als Suchmaschine genutzt wird. Die Fähigkeit, KI-generierte Inhalte kritisch zu hinterfragen, ist angesichts dieser Tatsache von zentraler Bedeutung. - - - KI als Bedrohung oder Erleichterung Wahrnehmung von KI als Bedro hung oder Erleichterung nach Tätigkeiten Das könnte Sie auch interessieren https://job-futuromat.iab.de/ Auf dieser Seite des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsfor schung können Sie testen, wie digitale Technologien Ihren Job verändern. Sie können u.a. gezielt nach Berufsfeldern suchen. https://welten.ki.nrw Das Tool der Kompetenzplattform Künstliche Intelligenz NRW zeigt, wo und in welcher Form Künstliche Intelligenz in den Umgebungen „Unternehmen“, „Zuhause“ und „Kranken haus“ zum Einsatz kommen kann. https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index/2024-25 https://job-futuromat.iab.de/ https://welten.ki.nrw 16 17 Bildung für Europa | Dezember 2025 KI-Nutzung: Motivation und Hürden Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit in verschiedenen Gruppen Top-Anwendungsfälle von KI Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich? Gefragt wurde, welche von drei möglichen modernen Technologien Unternehmen – wenn überhaupt – bis heute eingeführt hätten. In Deutschland gaben 15 Prozent der Befragten an, Künstliche Intelligenz, z.B. maschinelles Lernen oder große Sprachmodelle (Large Language Models) einge führt zu haben. EU-weit waren es 14 Prozent. - https://europa.eu/eurobarometer/surveys/detail/3359 https://europa.eu/eurobarometer/surveys/detail/3359 18 19 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Mit KI in die Bildung von morgen Volkshochschule profitiert von Austausch © P ro je kt fo to Die Volkshochschule und Musikschu le Bingen am Rhein e.V. (vhs Bingen), gegründet 1946, ist mit jährlich über 79.000 Unterrichtseinheiten die dritt größte Erwachsenenbildungseinrich tung in Rheinland-Pfalz. Mit Lernenden aus 99 Ländern und internationalem Personal ist die vhs Bingen eine inter national ausgerichtete Institution. Im Rahmen des Erasmus+-Projekts „Zukunfts orientierte Weiterbildung - vhs Bingen 2030. Mobilität und Netzwerk im europäischen Raum“ führte die vhs gezielt Aktivitäten zum Thema Künstliche Intelligenz durch. Sieben Mitarbeitende der vhs nahmen an Kursen und Schulungen in Rijeka, Kroatien, teil, die sich auf den Einsatz von KI im Unterricht und in der Verwaltung konzentrierten. Diese Workshops führten in verschiedene KI-An wendungen ein. Die Teilnehmenden erlernten den effizienten Einsatz von Prompting und erprobten die Anwendungen in praktischen Übungen zur Erstellung von Lernmaterialien und zur Prozessoptimierung. Auch ethische Fragen und der Datenschutz im Umgang mit KI wurden diskutiert. Neues KI-Wissen zur Unterrichtsge staltung genutzt Zurück in der vhs Bingen wird das erworbene Wissen über KI-Tools intensiv zur Erstellung von Unterrichtsmaterialien, zur Förderung der Interaktion zwischen den Lernenden und zur Zeitersparnis in der Unterrichtsvorbereitung eingesetzt. Auch das Projekt „Lernraum 2.0“ der vhs Bin gen profitiert von den Erasmus+-Mobilitätsak tivitäten. Der „Lernraum 2.0“ ist ein kosten loses, offenes Angebot, das allen Menschen aus Herkunftsländern außerhalb der EU offen steht, die neben dem Besuch eines Deutsch kurses weitere individuelle Unterstützung beim Deutschlernen suchen. Eine Dozentin, die bei der Erasmus+-Aktivität in Rijeka dabei war, unterstützt jetzt andere Mitarbeitende des Lernraums bei der Arbeit mit KI. KI wird hier sowohl zur Arbeitserleichterung als auch bei der Arbeit mit den Lernenden eingesetzt. Der „Lernraum 2.0“ zeigt anschaulich, dass Erasmus+ zu einer internen Kapazitätsent wicklung der Volkshochschule beiträgt. Gesamte Einrichtung öffnet sich gegenüber KI Doch nicht nur der Unterricht, sondern auch die Verwaltung der vhs Bingen profitiert von Erasmus+. So widmet sich ein Erasmus+-Teil nehmer in seiner Masterarbeit dem Thema KI und begleitet andere Verwaltungsmitarbei tende, die KI in ihre Arbeit integrieren möch ten. Die Volkshochschule plant im Sinne der europäischen KI-Verordnung zudem KI-Schu lungen für Verwaltungspersonal und Lehrkräf te, um den verantwortungsvollen Umgang mit KI zu gewährleisten und die Medienkom petenz zu stärken. Auch das Kursangebot der vhs hat sich verän dert. Inzwischen wird ein KI-Kurs für Lernende angeboten. Eine Reihe in Leichter Sprache für Anfänger/-innen wird zurzeit geplant. Die vhs Bingen ist sich bewusst: Die Fähigkeit, digitale Tools und KI effektiv zu nutzen, ist entscheidend, um flexible Bildungsangebote zu schaffen, innovative Lernumgebungen zur Förderung sozialer Inklusion zu gestalten und langfristige europäische Kooperationen auf zubauen. PROJEKTINFO Projekttitel: Zukunftsorientierte Weiterbildung - vhs Bingen 2030. Mobilität und Netzwerk im europäischen Raum Projektnummer: 2023-1-DE02-KA122-ADU-000140516 Laufzeit: 01.06.2023 – 30.11.2024 Beteiligte Länder: HR, ES, IT Koordinator: Maria José Lafuente López-Seiter Kontakt: seiter@vhs-bingen.de Website: https://www.vhs-bingen.de/ Künstliche Intelligenz mailto:seiter@vhs-bingen.de https://www.vhs-bingen.de/ 18 19 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Career Intelligence Entwicklung eines KI-basierten Lernassistenten für die berufliche Bildung Künstliche Intelligenz © P ro je kt fo to Welche Unterstützung bei der Berufs orientierung gibt es? KI, wie virtuelle Lernassistenten und intel ligente Empfehlungssysteme können dabei helfen, individuelle Stärken sichtbar zu ma chen sowie Entscheidungsprozesse zu för dern. Das Erasmus+-Projekt „Career Intelli gence“ setzt genau hier an. Ziel des Projekts war die Entwicklung eines neuen Lernkon zepts, das etablierte Best-Practice-Projekte mit KI-gestützten Innovationen verbindet. Von der Idee zur Praxis: Weiterent wicklung der digitalen Lernplattform Dabei ging es im Kern um die Weiterent wicklung der in sieben EU-Ländern erprobten digitalen Lernplattform „Karriere 4.0“. Die se wurde durch vier KI-gestützte Module (Empfehlungs-, Qualitätssicherungs-, Unter stützungs- und Prozessoptimierungsmodul) erweitert. Die Nutzung der Plattform lässt sich am besten als eine persönliche Entwicklungs reise verstehen: Die Jugendlichen stehen zu nächst vor der Frage, wohin die Reise gehen soll. Anschließend planen sie, wie sie ihr Ziel erreichen können. Zuletzt geht es um die Um setzung. Auf ihrer Reise werden die Jugend lichen nicht alleine gelassen. Ein besonders wertvolles Projektergebnis ist der virtuelle Lern assistent „Botty“, der ihnen als Ko-Mentor zur Seite steht. Ausgestattet mit interaktiven, jugendgerechten Dialogen in sechs Sprachen, der Erstellung eines persönlichen Entwick lungsplans und der Formulierung individueller SMART-Ziele gibt „Botty“ folgende personali sierte Lernempfehlungen: (1) Unterstützung der Gestaltung indivi dueller Lernprojekte durch die Empfeh lung passender Lern-Sprints; (2) Entdecken von Beschäftigungstrends durch 13 Videos, Dialoge und ein Assess ment, um persönliche Top- und Flop-Me gatrends zu identifizieren. Parallel dazu wurden sieben Selbstlernmodule (einschließlich Lernvideos) für das Mentoring entwickelt, die Themen wie Chatsbots, Big Data, KI-Akzeptanz, reflexive Handlungskom petenz, Entrepreneurship, Cybersicherheit, berufliche Bildung im Kontext der Digitalisie rung abdecken. Die Mentorinnen und Men toren sind beispielsweise qualifizierte Fach- und Führungskräfte, Wirtschaftssenioren und/ oder Experten, die die Jugendlichen beratend unterstützen. Stakeholder unterstützen den Ansatz Das Feedback zur Weiterentwicklung der Lernplattform fällt positiv aus. So betont bei spielsweise Galina Mihneva, Hauptgeschäfts führerin der Industrie- und Handelskammer in Gabrovo (Bulgarien): „Junge Menschen brauchen heute mehr als nur Informationen, sie brauchen Orientierung. Career Intelligence bietet genau das: eine Plattform, die interak tiv, persönlich und praxisnah begleitet.“ Das Projekt zeigt, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann, um Lernprozesse zu individua lisieren und Jugendliche auf dem Weg in die Berufswelt zu unterstützen. „Career Intelli gence“ trägt dazu bei, die Zukunftsfähigkeit der beruflichen Bildung zu sichern und Ju gendliche im digitalen Zeitalter zu stärken – ein Baustein für eine moderne, vernetzte und chancengerechte Bildungslandschaft in Europa. PROJEKTINFO Projekttitel: Career Intelligence Projektnummer: 2021-2-DE02-KA220-VET-000050347 Laufzeit: 2022 – 2024 Beteiligte Länder: DE, HU, BG, EL, FI Koordinator: Ruhr-Universität Bochum, Institut für Arbeitswissenschaft Kontakt: Prof. Dr. Martin Kröll martin.kroell@ruhr-uni-bochum.de Website: https://career-intelligence.eu/ E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2021-2-DE02- KA220-VET-000050347 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2021-2-DE02-KA220-VET-000050347 mailto:martin.kroell@ruhr-uni-bochum.de https://career-intelligence.eu/ 20 21 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: KI in der Erwachsenenbildung Einsatzpotenziale mit Fokus auf Sprachenlernen © P ro je kt fo to Künstliche Intelligenz (KI) spielt im Bildungsbereich eine immer größere Rolle. Sie eröffnet neue Chancen für fle xible und individuelle Lernprozesse. Vor diesem Hintergrund wurde das Eras mus+-Projekt „Artificial Intelligence in Adult Education and Self-Learning“ (AI in ADU) ins Leben gerufen. „AI in ADU“ bringt Partnereinrichtungen aus sechs Ländern zusammen, um die Potenziale von KI in der Erwachsenenbildung – mit be sonderem Fokus auf Sprachenlernen – zu un tersuchen. Ziel der Kooperationspartnerschaft ist es, die Bedürfnisse von Lehrenden und Ler nenden besser zu verstehen und praxisnahe Materialien zu entwickeln, die zeigen, wie KI-gestützte Lösungen sinnvoll ausgewählt und eingesetzt werden können. Projektergebnisse zeigen: KI kann Lernen bereichern Bereits in der ersten Projektphase konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden: Eine umfangreiche Literaturrecherche be leuchtete Chancen, Herausforderungen und Beispiele guter Praxis rund um den Einsatz von KI in der Erwachsenenbildung. Darauf folgte eine Online-Umfrage unter Erwachsenenbild nerinnen und -bildnern sowie Selbstlernenden aus sechs Ländern. Die Teilnehmenden be richteten, wie sie KI-Tools nutzen – etwa zur Recherche, Inhaltserstellung oder für Sprach übungen. Viele sehen klare Vorteile: höhere Produktivität, bessere Lernergebnisse und individuellere Lernwege. Gleichzeitig wurden auch kritische Aspekte genannt, darunter Bedenken zu Datenschutz, ethischen Fragen und einem übermäßigen Technologieeinsatz. Zusätzlich führten die Partner Fokusgrup pen-Interviews durch. Die Ergebnisse zeigen: KI kann Lernen bereichern, wenn sie bewusst eingesetzt wird. Besonders wichtig sind dabei digitale Kompetenzen, kritisches Denken und eine ausgewogene Kombination aus klas sischen Methoden und neuen Technologien. Darüber hinaus analysierte das Projektteam KI-Lernplattformen und zeichnete Podcasts mit Expertinnen und Experten auf. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse entstanden praxisorientierte Leitfäden für Lehrkräfte und Selbstlernende. Ergänzend wurden interaktive Inhalte entwickelt, die dabei helfen, KI-ge stütztes Lernen im Alltag gezielt auszuprobie ren. Die Pilotphase dieser Materialien ist für November 2025 geplant. Wirkung und Ausblick Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen: KI hat Potenzial für die Erwachsenenbildung – vor allem für das selbstgesteuerte Sprachen lernen. Sie kann Motivation, Lernfortschritt und Selbstorganisation stärken. Gleichzeitig ist ein reflektierter Einsatz entscheidend, der ethische Fragen, Datenschutz und pädago gische Anforderungen berücksichtigt. Inso fern trägt „AI in ADU“ dazu bei, die digitale Transformation in der Erwachsenenbildung aktiv mitzugestalten. Mit praxisnahen Leitfä den und interaktiven Materialien bietet das Projekt Orientierung für Lehrende und Ler nende – und zeigt, wie KI verantwortungsvoll, inklusiv und gewinnbringend in Bildungspro zesse integriert werden kann. PROJEKTINFO Projekttitel: Artificial Intelligence in Adult Education and Self-Learning: Providing personalized and adaptive learning experiences with emphasis on language learning Projektnummer: 2023-1-DE02-KA220-ADU-000155302 Laufzeit: 12/2023 – 05/2026 Beteiligte Länder: CY, CZ, IT, PL, TR Koordinator: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Kontakt: ai-erasmusplus@zww.uni-mainz.de Website: https://aiineducation.eu/ E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2023-1-DE02- KA220-ADU-000155302 Künstliche Intelligenz https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2023-1-DE02-KA220-ADU-000155302 mailto:ai-erasmusplus@zww.uni-mainz.de https://aiineducation.eu/ 20 21 Bildung für Europa | Dezember 2025 KI in der Grundbildung Ein Gespräch mit einem Dozenten beim Bayerischen Volkshochschulverband W ie kann Erwachsenenbildung gestaltet wer den, dass Lernende aktiv am ökologischen und digitalen Wandel teilhaben? Die Natio nale Koordinierungsstelle der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung (NKS Agenda Erwachsenenbildung) setzt seit 2024 u.a. ei nen Fokus auf Künstliche Intelligenz (KI). Sie kooperiert dazu eng mit dem Bayerischen Volkshochschulverband e.V. (bvv), der um fangreiche Erfahrung zum Thema einbringt. Bei einer gemeinsamen virtuellen Konferenz im Juli 2024 wurden rechtliche, ethische und praktische Aspekte des KI-Einsatzes in der Erwachsenenbildung beleuchtet. Chan cen und Herausforderungen – insbesondere für die Grundbildung – standen im Fokus. Vorgestellt wurden verschiedene Projekte, darunter der digitale Baukasten für Grund bildungsangebote. Dieser richtet sich an Lehrende und Lernende in der Grundbil dung (Alpha+) und will Letztere gleichzeitig zur digitalen Teilhabe befähigen. - - - - - - - Die Agenda hat Sascha Dowidat, Dozent für Alphabetisierung, Grundbildung und Künst liche Intelligenz beim bvv, befragt: - Wie hat sich der KI-Einsatz in der Grund bildung seit unserer gemeinsamen Kon ferenz im Juli 2024 entwickelt? - - Das Thema und die Tools haben sich rasant weiterentwickelt. Ging es vor zwölf Mo naten hauptsächlich noch um LLMs (Large Language Models) wie ChatGPT und Text erstellung, sprechen wir heute über KI-ge stützte Tutoring-Systeme, KI als interaktiven Gesprächspartner sowie kreative Audio-, Bild- und Video-Erstellung. Diese Themen wandern natürlich in die Praxis. Allerdings warne ich immer vor der sogenannten Tool ification: Es braucht nicht immer ein neues, tolles Tool, sondern in erster Linie eine gute - - - - Methodik und Didaktik, die durch KI sinnvoll ergänzt werden sollte, um einer immer he terogeneren Teilnehmerschaft passgenauen Unterricht zu ermöglichen. Arbeitsblätter lassen sich heute nicht mehr einfach nur skalieren, sondern mit Agenten interaktiv gestalten und mit Hinweisen in verschie denen Sprachen versehen. Bilder dienen zur besseren Visualisierung schwieriger Themen, und gemeinsam mit Teilnehmenden erstellte Songs bringen Bildung auf schwungvolle Weise ins Ohr. Ein echter Mehrwert! - - Welche Tools haben sich in der Grund bildungspraxis durchgesetzt? - Im Bereich der LLMs liefern sich ChatGPT und Googles Gemini ein enges Rennen. Vor allem im Bereich der Bild- und Videoerstel lung hat Gemini aktuell klar die Nase vorn. Doch auch für den Bildungsbereich liefern beide Modelle dank interner „Study-Modes“ mittlerweile gute Möglichkeiten für Teilneh mende, ohne dass KI sofort die Lösung vor gibt. Fobizz und das dazugehörige To-Teach. ai sowie auch Teachino bieten insbesondere Lehrenden einen guten Einstieg in das The ma KI. - - - - Wie gelingt es, alle Akteure mitzuneh men – und welche Rolle spielt der di gitale Baukasten für Grundbildungsan gebote? - - - Die Bedarfe der einzelnen Gruppen sind sehr unterschiedlich, bedingen sich aber gegen seitig. In der Verwaltung spielen rechtliche Bedingungen eine wichtige Rolle, für Leh rende sind es konkrete Anwendungsfälle von KI, und Lernende beschäftigen sich mit Zugangsbarrieren, etwa wenn das passende Endgerät oder das nötige Datenvolumen fehlt. Ein regelmäßiger Austausch zwischen allen Beteiligten ist deshalb zwingend not wendig. Bei der Anwendung des Digitalen Baukastens wird beispielsweise immer wie der deutlich, dass Lehrende mit dem neuen Werkzeug, das ihnen zur Verfügung steht, anfangs wenig anzufangen wissen. Dafür braucht es konkrete Schulungsangebote, - - - - die aufzeigen, wie man KI als Lerncoach ein setzt oder in wenigen Minuten individuelle Hörverständnis-Aufgaben erstellt. - Welche nächsten Schritte plant der bvv und wie wird dabei Erasmus+ genutzt? Der bvv nutzt Erasmus+-Seminare zum Thema KI, um Lehrkräften und Planungs personal den Anschluss an die rasanten Weiterentwicklungen zu ermöglichen. Da rüber hinaus empfängt der bvv regelmäßig Kolleginnen und Kollegen aus anderen eu ropäischen Ländern und nutzt die Gelegen heit, insbesondere KI im Kontext der entwi ckelten Fortbildungen im Programm des bvv für den Transfer bekannt zu machen. - - - - - KI in der Erwachsenenbildung bleibt auch wei terhin ein zentrales Thema der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung. - Agenda Erwachsenenbildung: www.na-bibb.de/agenda- erwachsenenbildung SASCHA DOWIDAT Dozent für Alphabetisierung, Grundbildung und Künstliche In telligenz beim Bayerischen Volkhochschulverband e.V. - Künstliche Intelligenz © p riv at http://www.na-bibb.de/agenda-erwachsenenbildung 22 23 Erasmus+ - - - - - - - - © J ak ob Lu nd /A do be St oc k Erasmus+-Antragsrunde 2025 Rekordergebnisse bei Auslandsaufenthalten, Partnerschaften etwa auf Vorjahresniveau D ieser Beitrag gibt den Informations stand vom 31.10.2025 wieder. Die Förderentscheidungen für die zwei te Antragsrunde in der Leitaktion 1 (Mobilität) Erwachsenenbildung und für die Akkreditierung (beide mit An tragsfrist 01.10.2025) lagen zu die sem Zeitpunkt noch nicht vor. Berufsbildung Mobilität 2025 war mit 972 Projektanträgen, davon 845 im Rahmen einer Akkreditierung, die Nachfra ge nach Fördermitteln für die Mobilität in der Berufsbildung (Leitaktion 1) ungebrochen. Dies belegt auch die Zahl der beantragten Teilneh menden, die mit über 61.000 Personen 15 Prozent höher lag als im bis dahin stärksten Antragsjahr 2024. Auch die Kurzzeitprojekte stellen mit 127 Anträgen einen neuen Rekord auf, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die Anzahl der Neuakkreditierungen im Jahr 2024 auf 100 begrenzt war und einige Einrichtungen ihre Pläne auf ein Kurzzeitprojekt umstellen mussten. Bewilligt wurden letzt lich mehr als 60.000 Teilnehmende (48.149 Lernende, 11.902 Bildungspersonal) in 122 Kurzzeit- und 836 akkreditierten Projekten und damit 30 Prozent mehr Personen als im Vorjahr. Insgesamt beläuft sich die Bewilligungssumme in der Leitaktion 1 für die Berufsbildung auf 132 Millionen Euro. Nach wie vor ist die beliebteste Aktivitätsart bei den Lernenden die Kurzzeitmobilität mit 36.407 bewilligten Teilnehmenden (76 Prozent aller bewilligten Aktivitäten für Lernende). Beim Personal sind weiterhin das Job-Shadowing (60 Prozent der bewilligten Personal-Aktivitäten) und die Teilnahme an Kursen und Schulungen (35 Prozent der bewilligten Personal-Aktivitä 22 23 Bildung für Europa | Dezember 2025 Erasmus+ ten) mit zusammen 11.312 bewilligten Teilneh menden am gefragtesten. Die im Vorjahr neu hinzugekommene Aktivitätsart der Gruppen mobilität für Lernende erfreut sich ebenfalls weiterhin steigender Nachfrage. Während die bewilligten Teilnehmenden dieser Aktivitätsart 2024 noch einen Anteil von 14 Prozent an allen bewilligten Lernenden-Aktivitäten hatte, wurde 2025 bereits ein Anteil von 21 Prozent erreicht. - - Berufsbildung Partnerschaften In der Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zu sammenarbeit) wurden 2025 insgesamt 211 Projektanträge im Bereich der Berufsbildung eingereicht. Diese verteilen sich auf 133 Koope rationspartnerschaften und 78 kleinere Partner schaften, wobei ein Gesamtbudget von 45,16 Millionen Euro beantragt wurde. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Anträge leicht ge sunken. Dies ist möglicherweise auf die Umstel lung auf eine Antragsrunde pro Jahr zurückzu führen, während es in den Jahren zuvor jeweils zwei Antragsrunden gab. - - - - - - Angesichts des begrenzten Budgets konnten schließlich 78 Projekte mit einem Gesamtför dervolumen von 13,45 Millionen Euro bewilligt werden. Diese setzen sich aus 34 Koopera tionspartnerschaften und 44 kleineren Partner schaften zusammen, an denen insgesamt über 300 Organisationen aus ganz Europa beteiligt sind. Die bewilligten Fördersummen verteilen sich auf 16 Projekte mit jeweils 400.000 Euro, 18 Projekte mit 250.000 Euro, 41 Projekte mit 60.000 Euro und drei Projekte mit 30.000 Euro. Wie auch in den vergangenen Jahren wur den die Förderbeträge von 30.000 Euro und 120.000 Euro nur selten beantragt. - - - - Inhaltlich liegen die Schwerpunkte der Projekte unverändert auf den gleichen Themen wie im Vorjahr. Die beiden am häufigsten gewählten Prioritäten sind „Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Ar beitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“. Danach folgen die horizontalen Prioritäten „Bewältigung des digitalen Wandels durch Aufbau von digitaler Bereitschaft, Wider standsfähigkeit und Kapazität“ sowie „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“. - - Die Förderquote liegt insgesamt bei rund 37 Prozent, was bedeutet, dass etwa ein Drittel der eingereichten Anträge erfolgreich waren. Dabei variiert die Quote je nach Partnerschaftstyp: Bei den Kooperationspartnerschaften beträgt sie etwa 25 Prozent, während bei den kleineren Partnerschaften rund 56 Prozent der Anträge bewilligt wurden. Erwachsenenbildung Mobilität In der Leitaktion 1 (Mobilität) der Erwachsenen bildung konnte in der ersten Antragsrunde 2025 bereits ein neuer Rekord erzielt werden: Zum ers ten Mal wurden 100 Projekte bewilligt. 76 dieser Projekte kommen von akkreditierten Einrichtun gen, 24 sind Kurzzeitprojekte. Von den 24 Ein richtungen, die Ende 2024 neu akkreditiert wur den, haben alle direkt Mittel für ein erstes Projekt beantragt und sind aktiv geworden. - - - - - Bereits ohne die zweite Antragsrunde über steigt die Anzahl der geförderten Personen die Zahlen des Vorjahres bei Weitem: Es konnten bislang insgesamt 4.879 Auslandsaufenthal te bewilligt werden – im Jahr davor waren es 3.100. Von den geförderten Personen entfallen 3.088 Auslandsaufenthalte auf das Personal von Erwachsenenbildungseinrichtungen. Die beliebtesten Aktivitäten für Personal bleiben weiterhin Kurse und Schulungen (1.520 Perso nen), dicht gefolgt von Job-Shadowings (1.346 Personen). Besonders erfreulich ist der starke Anstieg bei den Lernendenmobilitäten: Bereits ohne die zweite Antragsrunde konnten 1.791 Lernende gefördert werden – das sind über 1.000 Personen mehr als im Jahr zuvor. Davon entfallen 1.068 Lernende auf Gruppenmobili täten, 693 auf Kurzzeitmobilitäten und 30 auf Langzeitmobilitäten. - - - - Der positive Trend bei den Auslands aufenthalten in der Erwachsenenbil dung setzt sich also weiterhin fort. Die Antragsfrist der zweiten Antrags runde endete am 1. Oktober 2025. Erstmals wurde 2025 die Hälfte der verfügbaren Mittel im Bereich Erwach senenbildung beantragt. Dies ist eine erfreuliche Feststellung. Andererseits bedeutet dies aber auch, dass das För derpotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Es bleibt spannend, welche Höhen die Erwachsenenbildung im weiteren Verlauf noch erreichen wird. - - - - - Erwachsenenbildung Partnerschaften Die nachfolgende Zusammenfassung gibt den Stand nach dem Auswahlausschuss Anfang September 2025 wieder, da sich in der Ver tragsschließungsphase noch Veränderungen ergeben können. - In den Partnerschaften der Erwachsenenbil dung gingen zur Antragsrunde im März insge samt 304 Anträge ein, die sich auf die beiden Aktionstypen folgendermaßen verteilen: 162 Anträge bei den Kooperationspartnerschaften und 142 Anträge bei den kleineren Partner schaften. Damit blieb die Zahl der Kooperati onspartnerschaften im Vergleich zum Vorjahr auf einem hohen Niveau weitgehend konstant. Bei den kleineren Partnerschaften stieg die Zahl zwar in dieser Antragsrunde nochmals an und erreichte eine neue Rekordmarke; aber da durch, dass ab 2025 die zweite Antragsrunde nicht mehr durchgeführt wird, fiel die Gesamt zahl im Vergleich zum Vorjahr geringer aus. - - - - - - Ähnlich wie im Vorjahr musste aufgrund der zahlreichen Anträge der Bewertungszeitraum verlängert werden, so dass die Förderentschei dung erst Ende August getroffen werden konn te. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget konnten 44 kleinere Partnerschaften mit einem Budget von 2,6 Millionen Euro bewilligt wer den, so dass sich hier eine Förderquote von circa 30 Prozent ergibt. Bei den Kooperations partnerschaften wurde das ursprünglich zur Verfügung stehende Budget durch Restmittel aus anderen Förderaktionen fast verdoppelt, so dass 42 Projekte mit einem Volumen von 12,2 Millionen Euro bewilligt wurden. Das entspricht einer Förderquote von circa 25 Prozent und ist sehr erfreulich, da mit dem ursprünglichen Bud get nur die Hälfte der Projekte hätte bewilligt werden können. - - - - - Auffällig in dieser Antragsrunde war, dass mehr als ein Drittel der bewilligten Einrichtungen kei ne ausreichende finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen konnte. So müssen diese Projekte mit einer verringerten Vorauszahlung zurecht kommen, was für eine vollständige Umsetzung des jeweiligen Projekts herausfordernd sein kann. - - Inhaltlich wurde, ähnlich wie im Vorjahr, bei den bewilligten Projekten am häufigsten die Priorität „Inklusion und Vielfalt“ vor „Verbesse rung der Kompetenzen von Bildungspersonal“ und „Gemeinsame Werte“ in den Fokus ge nommen. - - Die Bewilligungslisten können auf der NA-Website eingesehen werden. 24 25 Programmvorschlag Erasmus+ 2028-2034 Starkes Programm mit knappem Budget - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+ © C ag ka n/ A do be St oc k N och bevor sich Brüssel in die Sommer pause verabschiedete, präsentierte die Europäische Kommission zwei zentrale Dokumente für die Zukunft von Eras mus+: den Entwurf für den EU-Haushalt 2028-2034 und den neuen Programm vorschlag. Ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist, ist eine Frage der Betrachtung. In knapper Form kann man festhalten, dass es ein aus gewogener Programmvorschlag ist, für den aber nicht das erforderliche Budget zur Verfü gung steht, um die damit verbundenen Ziele zu erreichen. Das vorgeschlagene Budget Die Kommissionspräsidentin, Ursula von der Leyen, hat einen Mittelfristigen Finanzrahmen 2028-2034 von rund zwei Billiarden Euro vor geschlagen. Das sind rund 60 Prozent mehr als im aktuellen siebenjährigen Haushalt. Be gründet wird dies mit den besonderen geo politischen und wirtschaftlichen Herausfor derungen. Einige Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, haben die Gesamtsum me bereits in Frage gestellt. Bei allen Über legungen zur Verteilung des Geldes muss derzeit also berücksichtigt werden, dass die vorgeschlagenen Einzelbudgets nicht sicher sind. In den jetzt begonnenen Verhand lungen wird noch umgeschichtet und ver mutlich auch gekürzt werden. Das für Erasmus+ vorgeschlagene Budget beläuft sich auf 40,8 Milliarden Euro. Die EU-Kommission nennt das bezogen auf die laufende Programmgeneration eine Steige rung von 50 Prozent. Arithmetisch ist das nicht falsch, da das aktuelle Budget 26,4 Milliarden Euro beträgt. Der wissenschaft liche Dienst des EU-Parlaments errechnet jedoch ein Plus von lediglich rund 30 Pro zent. Er kommt zu diesem Ergebnis, da er 24 25 Bildung für Europa | Dezember 2025 berücksichtigt, dass die Inflation in den letzten Jahren erheblich war und zudem das bisher eigenständige „Europäische So lidaritätskorps“ in das Programm integriert werden soll. Eine weitere Beobachtung lässt aufmerken. Der Anteil des Programms Eras mus+ am laufenden Haushalt der EU beträgt rund 2,5 Prozent. Dieser Anteil wird aber den Vorschlägen nach zukünftig sinken. Der Ge samthaushalt soll viel stärker wachsen als das Budget des neuen Programms. Damit würde der Anteil des Erasmus+-Programms am Ge samthaushalt auf rund 2 Prozent sinken. Das ist angesichts der politisch häufig betonten Bedeutung von Bildung und des Programms überraschend. - - - - In der aktuellen Laufzeit des Erasmus+-Pro gramms (2021-2027) stehen rund doppelt so viele Mittel zur Verfügung wie in der Pro grammgeneration zuvor. Angesichts der po litischen Lage war zu erwarten, dass sich ein solches Wachstum nicht fortsetzen wird. Das starke Wachstum des laufenden Programms wird nun aber zur Herausforderung. Standen 2021 europaweit rund drei Milliarden Euro für Erasmus+ zur Verfügung, so werden es 2027 voraussichtlich rund sechs Milliarden Euro sein. Viele sehen darin die Messlatte für die Zukunft – das neue Programm ab 2028 sollte mindestens dieses Niveau halten. Die ses Wunschziel ist aber nach gemeinsamen Berechnungen vom Deutschen Akademi schen Austauschdienst (DAAD) und der Na tionalen Agentur beim BIBB nicht erreicht. Hierfür müssten knapp 44 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, es fehlen folglich der zeit drei Milliarden Euro. - - - - - - - Das vorgeschlagene Programm Wer den Programmvorschlag liest, ist zu nächst möglicherweise verwundert, wie wenig Konkretes drinsteht. Die Verordnung des Programms ist ein Gesetzestext, der nur das Notwendige regelt, wichtige Fragen der Umsetzung werden in nachgelagerten Doku menten festgelegt, wie beispielsweise in den jährlichen Programmleitfäden. - - Positiv ist festzuhalten, dass die bewährte grundsätzliche Architektur des Programms fortgeführt und modernisiert werden soll. Die bisherigen Leitaktionen werden nun Säulen genannt und davon soll es dann nur noch zwei geben. Die erste Säule für Lernmobilität und die zweite für Kapazitätsaufbau („capacity building“). Bezogen auf die Bildungsbereiche finden sich in beiden Säulen alle von den Na tionalen Agenturen umgesetzten Aktivitäten wieder, die derzeit in den drei Leitaktionen - gefördert werden. Es geht also nichts verloren. Dabei gibt es eine erfreuliche Entwicklung für die Sektoren Berufsbildung, Erwachse nenbildung und allgemeine Schulbildung. Die bisher zentral in Brüssel verwalteten Jean Monnet-Mittel sollen zukünftig im Rahmen der Mobilitätsprojekte beantragt werden können. Die Mittel werden bereitgestellt, um spezifische Aktivitäten zu finanzieren, die das Lernen über die Europäische Union fördern. Das wäre eine deutliche Vereinfachung, mit der das Wissen über die EU und die Iden tifikation mit den Werten der EU besonders unterstützt würde. - - Vier Aspekte des Programmvorschlags müs sen kritisch bewertet werden. Zum einen fehlen Regelungen, wie das Budget auf die Bereiche des Programms aufgeteilt werden wird. Für das Vertrauen der teilnehmenden Einrichtungen ist es aber wichtig, eine Plan barkeit zu haben, wie sich die finanzielle Ausstattung „ihres“ Sektors in den sieben Jahren des Programms entwickeln wird. Ein zweiter kritischer Punkt ist die veränderte De finition der Erwachsenenbildung. Sie ist im Vorschlag aufgeweicht und lässt sich kaum von der beruflichen Weiterbildung abgren zen. Diese wäre damit im Ergebnis in beiden Bildungssektoren antragsberechtigt. Für ein Förderprogramm ist es aber essentiell, dass eindeutig geregelt ist, wer die Zielgruppen der Programmbereiche sind. Des Weiteren fehlt weiterhin die Ankündigung, „EPALE für die Berufsbildung“ einzuführen. Eine Online-Plattform für die Vernetzung und den Austausch gibt es seit langem für die Er wachsenenbildung und auch für allgemein bildende Schulen, nicht aber für die Berufs ausbildung. Zudem ist festzuhalten, dass die Formulierung zur IT-Struktur des Programms irritiert. Der Start des laufenden Programms war von massiven IT-Schwierigkeiten ge prägt, die bis weit in das laufende Programm hineinreichen und zum Teil immer noch fort bestehen. In dieser Situation wäre es selbst für einen Gesetzestext angemessen, nicht nur aufzuführen, dass eine IT-Struktur zur Verfügung gestellt wird, sondern dass die se ergänzt wird mit Kriterien wie integrierte Architektur, pünktlicher Bereitstellung, sta biler Performance und nutzerfreundlichem Zugang. - - - - - - - - - - - Was nicht in den Dokumenten steht Wie das neue Erasmus+-Programm ab 2028 aussehen wird, ist damit nur in Grundzügen zu erkennen. Auch zentrale Aspekte wie die Horizontalen Prioritäten oder die Akkreditie rung findet man in den Vorschlägen nicht. - Sie stehen aber auch nicht in der Verordnung des laufenden Programms, daher kann auch in diesen Punkten von Kontinuität ausgegan gen werden. Auf der Themenseite „Zukunft von Erasmus+“ der NA-Website ist der Pro zess beschrieben, in dem nun das neue Pro gramm zwischen Europäischer Kommission, Parlament und Rat verhandelt wird. Auch die zentralen Dokumente des Prozesses sind dort veröffentlicht. - - - Abschließend lässt sich festhalten: Der Pro grammvorschlag für die Erasmus+ Generati on 2028-2034 ist inhaltlich auf einem guten Weg. Das derzeit vorgesehene Budget wird jedoch bei Weitem nicht ausreichen, um die ambitionierten politischen Ziele umzusetzen, die die Mitgliedstaaten beispielsweise in der Ratsschlussfolgerung „Europa in Bewegung“ auf Vorschlag der EU-Kommission beschlos sen haben. - - - Weiterführende und jeweils aktuelle Infos zur Programmgeneration 2028-2034 Erasmus+ www.na-bibb.de/erasmus2028 Ratsschlussfolgerung „Europa in Bewegung“ https://data.consilium.europa.eu/doc/ document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf http://www.na-bibb.de/erasmus2028 26 27Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - European Innovative Teaching Award 2025 Zwei deutsche Projekte aus der Erwachsenen bildung ausgezeichnet - E uropa lebt davon, dass Menschen sich begegnen, voneinander lernen und ge meinsam gestalten. Damit das gelingt, braucht es Bildungsprojekte, die Brücken schlagen – über Ländergrenzen hinweg, aber auch zwischen Generationen, Le benswelten und Sprachen. Der European Innovative Teaching Award (EITA) macht genau solche Initiativen sichtbar. Der EITA will Mut machen, Neues auszu probieren. Die Europäische Kommission zeichnet seit 2021 in mehreren Katego rien – in 2025 erstmalig in der Kategorie Erwachsenenbildung – Projekte aus, die kreative Lösungen für aktuelle Herausfor derungen finden. Ergänzend dazu wurde 2025 ebenfalls das bisher eigenständige European Language Label (ELL) in den EITA integriert. Es wird an Projekte vergeben, die innovative Wege zur Sprachförderung gehen. Dabei geht es nicht nur um klassische Fremdsprachen, sondern auch um sprachliche Teilhabe. Sprache öffnet Türen zu Bildung, Mitbe stimmung und Partizipation am gesell schaftlichen Leben. Die diesjährige Ausgabe des EITA steht unter dem Thema „Citizenship education – participation in democratic life, common values and civic engagement“. Im Mittel punkt steht damit die Frage, wie Bildung Bürgerinnen und Bürger zu aktiver Mitge staltung befähigt und demokratische Teil habe erfahrbar macht. Aus Deutschland werden in diesem Jahr zwei Projekte ausge zeichnet, die dieses Thema auf sehr unter schiedliche Weise, aber jeweils mit hoher Strahlkraft aufgreifen: das Projekt „SPACE – Seniors Perceive A Common Europe“, das den EITA in der Kategorie Erwachse nenbildung erhielt und das Projekt „Politi cal Education and Empowerment for Deaf Citizens“, das mit dem European Language Label (ELL) geehrt wurde. Ein ganzheitliches Konzept für die Zukunft Ausstellung "Europa durch die Augen von Senioren" im Projekt "SPACE" © V H S C ha m Kategorie Adult Education: Senioren entdecken Europa neu Ältere Erwachsene sind im europäischen Bildungsprogramm bislang selten im Fo kus. Das Projekt „SPACE – Seniors Perceive A Common Europe“, koordiniert von der Volkshochschule im Landkreis Cham, hat genau das verändert. Über 150 Seniorinnen und Senioren aus fünf europäischen Län dern nahmen teil. Ziel war es, ältere Men schen nicht als passive Lernende, sondern als aktive Gestalterinnen und Gestalter von Bildungsprozessen zu verstehen. Gemein sam mit Pädagoginnen und Pädagogen entwickelten sie neue Lernformate, die an ihren Lebenswelten anknüpfen und die Lust auf Europa machen. Das Projekt griff dabei auf den LifeComp zurück, das EU-Kompetenzmodell für Le benskompetenzen. In Workshops und Begegnungen setzten sich die Teilneh menden mit Themen wie europäische Iden tität, Nachhaltigkeit und kulturellem Erbe auseinander. Sie erstellten digitale Aus stellungen, dokumentierten ihre Geschich ten und entwickelten sogenannte „Digital Trails“, die eigene Biografien mit europä ischer Zeitgeschichte verbinden. Besonders eindrücklich war ein Besuch an der ehema ligen innerdeutschen Grenze, wo Geschich te nicht abstrakt vermittelt, sondern in per sönlicher Begegnung erfahrbar wurde. Die Wirkung war spürbar: Viele Teilneh mende gaben an, ihr Bild von Europa habe sich gewandelt. Aus Skepsis wurde Neugier, aus Distanz Verbundenheit. Das Projekt hat nicht nur Kompetenzen im digitalen und interkulturellen Bereich gestärkt, sondern auch ein neues Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt. Eine Teilnehmerin fasste es so zusammen: „Wir sind stolz auf das, was wir geschaffen haben – und nutzen es weiter, auch nach Ende des Projekts.“ 26 27 Bildung für Europa | Dezember 2025 Erasmus+ - Bemerkenswert ist auch die Rolle der Lehr kräfte: Sie entwickelten Materialien nicht allein, sondern gemeinsam mit den Teilneh menden. Dieses Lernen auf Augenhöhe wirkte motivierend und zeigte, dass Inno vation auch darin besteht, vertraute Rollen zu hinterfragen. Die Ergebnisse sind nach haltig: Die digitale Plattform und über 100 regionale Ausstellungen bleiben auch nach Projektende verfügbar, werden weiter ge nutzt und inspirieren andere Bildungsein richtungen. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Kick-off-Veranstaltung des Projekts "Political Education and Empowerment for Deaf Citizens" © N ET G ES T e. V. Kategorie European Language Label: Politische Bildung in Gebärdensprache Das Projekt „Political Education and Empo werment for Deaf Citizens“, getragen vom Netzwerk Gebärdensprache, Erwachse nenbildung und soziale Teilhabe e.V. (NET GEST), richtet den Fokus auf eine andere Gruppe: gehörlose Erwachsene. Ihr Zugang zu Bildung und politischer Information ist häufig von Barrieren geprägt. Klassische Angebote werden, wenn überhaupt, „zu gänglich gemacht“, indem Dolmetschende hinzugezogen werden – die Inhalte gehen aber nicht selten an der Lebensrealität vor bei. Das Projekt von NETGEST setzte hier an und veränderte die Perspektive: Politische Bildung wurde direkt in den jeweiligen nati onalen Gebärdensprachen der fünf Partner entwickelt, gestaltet und vermittelt – von gehörlosen Expertinnen und Experten für ihre Community. Rudi Sailer, Vorsitzender des Netzwerkes der Gehörlosen-Stadt verbände e.V. © N ET G ES T e. V. Das Besondere daran ist die vollständige sprachliche Barrierefreiheit. Statt Inhalte nachträglich zu übersetzen, entstanden Lernmaterialien unmittelbar in Gebärden sprache. Die Inhalte sind praxisnah: Videos greifen aktuelle politische und gesellschaft liche Themen auf, erklären sie in Gebärden sprache und stellen Bezüge zum Alltag der Community her. Ergänzend entwickelte das Projekt ein Fachvokabular in Gebärdenspra che, das politische Begriffe und Zusammen hänge erschließt, die zuvor sprachlich nicht verfügbar waren. Messenger-Dienste und Online-Plattformen dienten als Lernorte, die für Gehörlose leicht zugänglich sind. So wird politische Bildung nicht nur vermit telt, sondern in der Sprache der Community verankert. Das ist Empowerment im besten Sinne: Gehörlose Erwachsene gewinnen Zugang zu Debatten, können mitreden und eigene Standpunkte entwickeln. Auch im Hinblick auf das Jahresthema des EITA ist der Beitrag unübersehbar: Das Projekt er öffnet neue Räume demokratischer Teilha be und macht sichtbar, dass eine inklusive Gesellschaft nur dann gelingt, wenn alle Menschen mitsprechen können. Die Wirkung war unmittelbar. Viele Teilneh mende berichteten, dass sie zum ersten Mal politische Inhalte in einer Form erhielten, die für sie verständlich, relevant und inspi rierend war. Durch die digitale Verbreitung wurde zudem eine enorme Reichweite er zielt – weit über die direkte Projektgruppe hinaus. Damit setzt das Projekt Maßstäbe für inklusive Erwachsenenbildung und be weist, dass sprachliche Vielfalt nicht als Hürde, sondern als Ressource begriffen werden kann. Bildung stärkt Europa – auf vielfältige Weise Die beiden deutschen Preisträger des EITA 2025 machen deutlich, was europäische Bildungsarbeit bewirken kann. Sie öffnen Räume für Menschen, die bisher kaum im Fokus standen: ältere Erwachsene und ge hörlose Bürgerinnen und Bürger. Beide Pro jekte zeigen, wie wichtig es ist, Barrieren abzubauen, Menschen ernst zu nehmen und Bildung als gemeinsamen Gestaltungs raum zu verstehen. Europa wird hier nicht abstrakt verhandelt, sondern konkret erlebt. Ob digitale Ausstel lungen von Seniorinnen und Senioren oder politische Bildungs-Videos in Gebärden sprache: Beide Projekte machen sichtbar, dass Europa eine Sache von allen ist. Der European Innovative Teaching Award 2025 verdeutlicht, dass europäische Pro jekte nicht nur Konzepte hervorbringen, sondern konkrete Veränderungen im Leben von Menschen. Und genau darin liegt ihre eigentliche Kraft. www.vhs-cham.de www.net-gest.de DR. CHRISTINE BERTRAM Leiterin des Teams „Erwachse nenbildung: Erasmus+ Koopera tionsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB bertram@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.vhs-cham.de http://www.net-gest.de mailto:bertram@bibb.de 28 29 Erasmus+ vernetzt Europa Wie Teilnehmende von TCAs profitieren Workshop des TCA "Green Erasmus" in Lüneburg, Mai 2025 Plenum TCA "Green Erasmus" in Lüneburg, Mai 2025 © F ot os tu d io H eu pe l Gruppenarbeit auf dem interna tionalen EuroApprentices-Treffen in Bukarest - -Teilnehmende des bundeswei ten EuroApprentices-Treffen in Heidelberg Teilnehmende in Bukarest mit Motto-Shirt der EuroApprentices © N A b ei m B IB B 28 29 Bildung für Europa | Dezember 2025 Z wischen Juni 2024 und Juni 2025 ha ben 97 Teilnehmende aus Deutschland an externen Trainings- und Koopera tionsaktivitäten (TCAs) im Rahmen von Erasmus+ teilgenommen. Finan ziert durch Erasmus+-Programmmittel reisten sie nach Italien, Frankreich, Spanien und viele weitere Länder mit dem Ziel, neue Impulse, Kontakte und Projektideen für die europäische Bil dungszusammenarbeit zu gewinnen. - - - - Die NA beim BIBB hat die Feedbackbögen der Teilnehmenden systematisch ausge wertet, um einen besseren Einblick zum Mehrwert der Veranstaltungen zu erhalten. Die Bilanz fällt eindeutig aus: 96 Prozent der Befragten bewerten ihre Teilnahme als hilfreich und nützlich. Vor allem der per sönliche Austausch überzeugte. „Persön licher Kontakt ist durch nichts zu ersetzen – deshalb sind diese Seminare so wertvoll“, bringt es eine Rückmeldung auf den Punkt. Knapp 90 Prozent der Teilnehmenden knüpften neue Kontakte, mehr als die Hälf te konnte durch die Veranstaltung konkrete Partner für künftige Projekte gewinnen. - - - - Fast ein Viertel der TCA-Teilnehmenden kam aus Nordrhein-Westfalen, jeweils gut 16 Prozent aus Baden-Württemberg und Bayern; die übrigen Bundesländer waren deutlich schwächer vertreten. Sektoral do minierte die Berufsbildung mit rund zwei Dritteln, während die Erwachsenenbildung ein Drittel ausmachte. Die Teilnehmenden brachten überwiegend bereits Erasmus+-Er fahrung mit. - - Inhaltlich standen besonders die Prioritäten Inklusion und Vielfalt sowie Partizipation am demokratischen Leben im Mittelpunkt. Auch Themen wie Nachhaltigkeit, Digitali sierung oder Gesundheitsförderung spiel ten eine wichtige Rolle. Deutlich wird: Die thematische Bandbreite der TCAs reicht von Kontaktseminaren für Mobilitätsprojekte über Workshops zur Gestaltung innovativer Lehrkonzepte bis hin zu europäischer Wer tebildung von Auszubildenden. - - - Besonders positiv hervorgehoben wurden praxisnahe Workshops, intensive Networ king-Formate und inspirierende Vorträge. Viele Teilnehmende sprechen von gewinn bringenden Erfahrungen, neuen Perspek tiven und nachhaltigen Impulsen für ihre Arbeit. - - - Als Fazit kann festgehalten werden: TCAs erweisen sich als Motor für internationale Bildungskooperationen. Sie erweitern das Fachwissen, fördern den Dialog zwischen Organisationen und schaffen konkrete Grundlagen für neue Erasmus+-Projekte. Oder, wie es ein Teilnehmender formulierte: „Das Networking war hier so stark wie bei wenigen anderen Erasmus+-Events.“ Vernetzung und Weiterbildung von Erasmus+-Botschafterinnen und -Botschaftern europaweit Neben den oben beschriebenen einzelnen Trainings- und Kooperationsaktivitäten gibt es auch Langfristige Trainings- und Koope rationsaktivitäten, sogenannte LTAs (Long term activities), die aus verschiedenen Trai nings- und Kooperationsaktivitäten (TCAs) bestehen und durch eine langfristige und strategische Zusammenarbeit von Natio nalen Agenturen gesteuert werden. - - - - Im Rahmen der Long-Term Activity (LTA) „EuroApprentices – Erasmus+ Botschaf ter/-innen in der Berufsbildung“ wurde zwischen 2022 und 2024 ein europaweites Netzwerk aufgebaut, das von der NA beim BIBB koordiniert wird und die Programm priorität Teilhabe am demokratischen Le ben adressiert. - - - Im Rahmen der LTA wurden über 300 jun ge Menschen aus elf europäischen Ländern für ihre Rolle als Erasmus+-Botschafte rinnen und -Botschafter (EuroApprentices) in der Berufsbildung geschult, die sich nun als EuroApprentices engagieren. Sie sind ehemalige Erasmus+-Teilnehmende in - - der beruflichen Bildung, die ihre Auslands erfahrungen weitergeben und andere Aus zubildende für Lernaufenthalte im Ausland begeistern. Sie berichten an Schulen, auf Messen, in Podcasts sowie über Social Me dia von ihren persönlichen Erfahrungen und sie klären auf über die Chancen, die ein von Erasmus+ geförderter Auslandsauf enthalt bietet. Kurzum: Die EuroAppren tices begegnen anderen Auszubildenden auf Augenhöhe und beantworten Fragen. Insgesamt fanden von 2022 bis 2024 in den beteiligten Ländern über 32 natio nale Trainings und Netzwerktreffen sowie acht internationale Veranstaltungen statt. Die Trainings boten praxisnahe Weiterbil dungen zu Themen wie Storytelling, Prä sentationstechniken, europäische Werte, Nachhaltigkeit, Social Media oder Medi enkompetenz. Sowohl bei den nationalen als auch bei den internationalen Trainings- und Netzwerktreffen standen nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch Teamarbeit, Netzwerken und die Stärkung europäischer Identität im Mittelpunkt. „Der Austausch mit anderen EuroApprentices ist sehr motivierend und gibt viel Inspiration für neue Aktivitäten“, so die Rückmeldung einer Teilnehmerin. - - - - - - - - - Weitere Informationen und einen Film über das europäische EuroApprentices-Netzwerk finden Sie unter - Erasmus+ www.euroapprentices.eu www.na-bibb.de/ vernetzungstreffen KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationali sierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de JANINA MEYER TCA-Beauftragte der NA beim BIBB meyer@bibb.de © N A b ei m B IB B & p riv at http://www.na-bibb.de/vernetzungstreffen http://www.euroapprentices.eu mailto:meyer@bibb.de mailto:wilkens@bibb.de 30 31 Infosplitter - - - - - Infosplitter Neue Publikationsreihe Um in knapper und übersichtlicher Form über wichtige Entwicklungen oder Themen zu informieren, hat die NA beim BIBB das Format „Factsheet“ ent wickelt. Den Auftakt in diesem Jahr machen Factsheets zum 25-jährigen Jubiläum der NA beim BIBB, zu 25 Jahre Erwachsenenbildung und 10 Jahre EPALE. Die NA beim BIBB hat sich über die Jahre zum Kompetenzzentrum für Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung und zur zentralen Ansprechpartne- rin für die europäische Förderung und Vernetzung der Erwachsenenbildung in Deutschland entwickelt. 2008 2007 2000 2010 2012 2013 2015 2017 2024 2025 NA beim BIBB | Fakten zum 25-jährigen Jubiläum | 2000 - 2025 Die Nationale Agentur „Bildung für Europa“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Dachorganisation für die Verwaltung europäischer Programme in der Berufsbildung eingerichtet. Sie ist zudem zuständig für Sokrates-Grundtvig, dem EU-Förderprogramm in der Erwachsenenbildung. Mit dem Start des Programms für lebenslanges Lernen (PLL) kommt es zu einer Verwaltungsstrukturänderung, die im Kern bis heute gilt: Die Zuständigkeiten für das europäische Bildungsprogramm gliedern sich seitdem nach Bildungsbereichen. Die NA beim BIBB wird alleinige Durchführungsorganisation für die Berufs- und Erwachsenenbildung in Deutschland. Das Nationale Europass Center wird in der NA beim BIBB angesiedelt. Europass als Instrument für Transparenz von Quali- fikationen ermöglicht mit seinem Mobilitätsnachweis die europaweit vergleichbare Dokumentation von Lernerfahrungen im Ausland. Das EU-Studienbesuchsprogramm fördert den Erfahrungsaustausch zwischen Entscheidungsträgern und Verantwortlichen in der Berufsbildung auf europäischer Ebene. Die NA beim BIBB konzipiert und organisiert die Incoming-Besuche (bis 2014). Das BMBF siedelt 2010 die Nationale Koordinierungsstelle ECVET in der NA beim BIBB an (bis 2015). ECVET ist das Europäische Kreditpunktesystem in der beruflichen Bildung und soll die Lernmobilität in Europa unterstützen. Die Nationale Koordinierungsstelle Europäische Agenda für Erwachsenenbildung (NKS Agenda) nimmt im Auftrag der EU-Kommission und des BMBF ihre Arbeit auf. Ihre Kernaufgabe ist es, über die Ziele und Inhalte der Agenda zu infor- mieren und zu einer Vernetzung von europäischen und nationalen Prozessen beizutragen. Die NA beim BIBB wird vom BMBF mit der Durchführung des Deutsch-Israelischen Programms zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung betraut (bis 2020). Das Programm fördert u.a. den Austausch von Auszubildenden sowie Study Tours für Fachkräfte. Die Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) wird in der NA beim BIBB angesiedelt. Ab 2021 wird die Informations- und Beratungsarbeit in den Beratungsservice für Auslandsauf- enthalte überführt und mit neuen Informationsangeboten ausgebaut. Zur europaweiten Vernetzung der Fachkräfte der Erwachsenenbildung und zum Wissensaustausch richtet die EU-Kommis- sion die elektronische Plattform EPALE ein. Die Nationale Koordinierungsstelle wird in der NA beim BIBB angesiedelt. Um internationale Berufskompetenzen durch außereuropäische Auslandsaufenthalte während der Ausbildung zu fördern, startet das BMBF das nationale Förderprogamm AusbildungWeltweit. Mit dem Projektauftrag „Stärkung der Auslandsmobilität“ beauftragt das BMBF die NA beim BIBB weitere Dienstleistun- gen und Unterstützungsmöglichkeiten zur Förderung von Auslandsaufenthalten zu eruieren und Umsetzungsempfehlungen abzuleiten. Die NA beim BIBB ist nicht nur Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ in der Berufs- und Erwachse- nenbildung, sondern verantwortet aus beiden Bildungsbereichen weitere europäische und internationale Projekte. Sie ist geschätzte Partnerin der Bildungspolitik sowie der Bildungspraxis. - Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ist die NA beim BIBB verantwortlich für die Durchführung europäischer Programme im Bereich der Erwachsenenbildung – angefangen von GRUNDTVIG bis Erasmus+. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung von Auslandsaufenthalten und grenzüberschreitender Kooperation. 25 Jahre Erwachsenenbildung Eine Vision: Austausch und Kooperation in Europa stärken Budgetentwicklung der EU-Programme für Erwachsenenbildung gesamt Beantragte Kooperationsprojekte 2000 / 2001 2025 2000 2025 0,5 Mio. € 68 32 Mio. € 304 Wirkung: Auslandsaufenthalte stärken Men- schen, Kooperationen stärken Organisationen „Wir haben 2023 eine Lernreise mit Teilnehmenden aus der Grundbildung in Schweden organisiert. Noch heute merken wir, wie die Lernenden durch diese Erfahrung gewachsen sind und wie sie immer noch davon profitieren.“ Anke Wigger, Direktorin VHS Husum „Der intensive Fokus auf das Projektthema hat zu einer ver- stärkten Wahrnehmung und einem Haltungswandel bei unseren Kolleginnen und Kollegen geführt. Die Projektergebnisse werden nun dauerhaft in den verschiedenen Organisationen genutzt.“ Katrin Echtermeyer, Wisamar Bildungsgesellschaft gGmbH Teilnehmende (TN) an Auslandsaufent- halten der EU-Programme Personal Lernende 2000 2024* 2021 2024* * Antragsjahr 2025 noch nicht abgeschlossen 61 TN 194 TN 3.088 TN 1.792 TN EPALE wurde 2015 ins Leben gerufen und ist virtueller Treffpunkt für alle, die beruflich mit Erwachsenen- und Weiterbildung zu tun haben: > Lehrkräfte > Projektmitarbeitende > Entscheidungsträger/-innen EPALE | Fakten zum 10-jährigen Jubiläum | 2015 - 2025 EPALE wird im Rahmen des Programms Erasmus+ von der EU-Kommission finanziert. Europaweit arbeiten 37 nationale Koordinierungsstellen zur Unterstützung und Stärkung der Community. EPALE Deutschland ist bei der NA beim BIBB angesiedelt und arbeitet sehr eng mit dem ebenfalls dort verantworteten Programm Erasmus+ Erwachsenenbildung und der Europäischen Agenda für Erwachsenenbildung zusammen. EPALE ist heute Europas größte mehrsprachige offene Online-Community für Erwachsenenbildung und Weiterbildung. EPALE Geteilte Inhalte EPALE gesamt EPALE DEEntwicklung Mitgliederzahl: Mai 2015 Juni 2025 4.484 187 150.615 5.649 Januar bis Juni 2025 > 400 Beiträge bündelt Wissen und Know-how der Erwachsenenbildungs-Community; bietet die Möglichkeit der Vernetzung; erlaubt Mitgliedern, ihre Arbeit sichtbar zu machen; bietet die Möglichkeit, die Erwachsenen- bildung in Europa mitzugestalten. Deutschland Deutschland https://epale.ec.europa.eu/de 5TOP im europäischen Ranking z.B. Blogbeiträge, Veranstaltungshinweise, Fachressourcen www.na-bibb.de/ factsheets -© N A b ei m B IB B Neue Zuständigkeit Ist Ihnen das geänderte Förderlogo auf unserer Website und unseren neuen Publi kationen aufgefallen? Seit dem 1. Novem ber 2025 liegt die Zuständigkeit für die NA beim BIBB beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Jahrestagung 2025 Die diesjährige Jahrestagung der NA beim BIBB fand online statt und stand unter dem Motto der Erasmus Days „Live our values, inspire our future“. Am 24. und 25. September 2025 kamen insgesamt über 1.000 Akteurinnen und Akteure der Erasmus+-Community zum virtuellen Aus tausch zusammen. Die Dokumentation mit den Präsentationen finden Sie auf unserer Website: www.na-bibb.de/ veranstaltungsrueckblicke Neue Podcastfolgen Seit 2022 veröffentlicht die NA beim BIBB mehrmals im Jahr einen Podcast zu The men aus ihrem Verantwortungsbereich. So entstand z.B. im Mai 2025 ein Beitrag zur Erinnerungskultur mit der Shoah-Über lebenden Henriette Kretz. Hören Sie im mer die aktuellen Folgen unter https://open.spotify.com/ show/5xFZTD087UqPafS 0qu4sTF?si=TFSo0iFPTkS wy2fA8Yg8vA https://open.spotify.com/show/5xFZTD087UqPafS0qu4sTF?si=TFSo0iFPTkSwy2fA8Yg8vA http://www.na-bibb.de/factsheets http://www.na-bibb.de/veranstaltungsrueckblicke 30 31 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - - - - - Infosplitter - - - Podcast der EuroApprentices Kennen Sie bereits den Podcast „Eras mus+-Stories – Auslandsaufenthalte während der Ausbildung“, den unsere EuroApprentices in Eigenregie erstellen? Jeden Monat gibt es eine neue Folge, in der die EuroApprentices anderen Azubis zeigen, warum ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung nicht nur eine coole Erfahrung, sondern auch ein echter Karriere-Booster ist. Unbedingt reinhören! Den Podcast findet man z.B. auf Spotify, Podcast.de und Audible. Gutachter/-innen gesucht Für gutachterliche Tätigkeiten im Programm Erasmus+ sucht die NA beim BIBB laufend externe Gutachter/-innen. www.na-bibb.de/gutachterinnen- gesucht Neue Klima-Puzzle-Anleiterinnen Eine Mitarbeiterin der NA beim BIBB und eine VET-Expertin haben in diesem Jahr er folgreich die Schulung zu Anleiterinnen für das Klima Puzzle (Climate Fresk) absolviert. Damit haben wir die Nachhaltigkeitskom petenzen in der NA beim BIBB und für die europäischen Programme um einen weiteren Baustein gestärkt. Videobotschaften Erwachsenenbil dung Welche Erfahrungen haben Erwachse nenbildner/-innen mit Auslandsaufenthal ten gemacht? Im Rahmen der Kampagne “Wenn Austausch Türen öffnet“ haben wir erfahrene Projektnehmer befragt. www.na-bibb.de/wenn-austausch -tueren-oeffnet Inklusion in Erasmus+: NA zeigt hilfreiche Tools Am 30. Januar 2026 führt die NA beim BIBB im Rahmen einer On line-Mittagspause durch einige Hilfsinstrumente des SALTO Ressour cenzentrums für Inklusion und Viel falt in Erasmus+. Die Tools werden europaweit zur Verfügung gestellt, um Projektträger bei der Organisation von inklusiven Erasmus+-Projekten zu unterstützen. Details zur Anmeldung finden Sie unter: www.na-bibb.de/veranstaltungen Deutschland Neues Ressourcen-Kit online In einer globalisierten Welt braucht es Bil dungsräume, die Austausch fördern, Vorur teile abbauen und Zusammenhalt stärken. Das neue EPALE Ressourcen-Kit „Identität und Werte in der Erwachsenenbildung“ zeigt in Blogbeiträgen, Praxisbeispielen und Methoden, welche Werte Erwachsenen bildung prägen – und wie Sie die eigene Bildungsarbeit reflektieren und weiterent wickeln können. Alle Inhalte stehen kosten frei auf EPALE bereit: https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ epale-deutschland-ressourcen-kits Stimmen aus der Praxis Zehn EPALE-Botschafter/-innen geben persönliche Einblicke in ihre Arbeit und sprechen über „Identität und Werte in der Erwachsenenbildung“. Die Porträts zeigen, wie vielfältig Engagement auf Europas größter Plattform für Erwach senenbildung sein kann. Mehr über die einzelnen Botschafter/-innen erfah ren Sie per Klick auf die Namen: https://epale.ec.europa.eu/ de/blog/epale-botschafter-stellen- sich-vor Literaturtipp KI Sie erkennen das Potenzial von KI, haben aber gleichzeitig Vorbehalte, weil sie Risiken sehen? Dann sollten Sie sich die kostenlose Publikation „Ethische Leitlinien für Lehr kräfte und die Nutzung von KI und Daten für Lehr- und Lernzwecke“ herunterladen. https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/d81a0d54- 5348-11ed-92ed-01aa75ed71a1 Der Frage, wie sich Arbeitsinhalte und berufliche Tätigkeiten sowie Bildungsprozesse durch KI verändern, geht u.a. die BWP-Ausgabe 4/2025 „Innovationen durch KI“ des BIBB nach. www.bwp-zeitschrift.de/4-2025 http://www.na-bibb.de/wenn-austausch-tueren-oeffnet http://www.na-bibb.de/veranstaltungen https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-botschafter-stellen-sich-vor https://www.na-bibb.de/gutachterinnen-gesucht https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-ressourcen-kits https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/d81a0d54-5348-11ed-92ed-01aa75ed71a1 http://www.bwp-zeitschrift.de/4-2025 Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 LinkedIn: www.linkedin.com/ company/nationale-agentur- bildung-für-europa www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Hochschulbil dung - - 19.02.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA > nur im Bereich Sport (Personal) 12.02.2026, 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend > nur im Bereich Jugend 12.02.2026 01.10.2026 jeweils 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend - Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 29.09.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften 05.03.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA > im Bereich Sport 05.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbil dung, Erwachsenenbildung und Jugend 05.03.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA > im Bereich Sport 05.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Zentren der beruflichen Exzellenz 03.09.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Innovationsallianzen 10.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Kapazitätsaufbau im Bereich be rufliche Aus- und Weiterbildung 26.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu/index_de AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 24.02.2026 für Aufenthalte zwischen Juni 2026 und Mai 2027 Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (12.11.2025). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A12/2025. - http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu/index_de https://education.ec.europa.eu/de Bildung für Europa 41 · Dezember 2025 Impressum Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Titel & Inhaltsverzeichnis Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Künstliche Intelligenz Lernen, Lehren, Künstliche Intelligenz KI in der Berufsbildung Partnerschaften für Zusammenarbeit Mobilitätsprojekte KI in der Erwachsenenbildung Partnerschaften für Zusammenarbeit Mobilitätsprojekte Fazit und Ausblick Kompetenzmodell AIComp Künstliche Intelligenz erfolgreich in Beruf und Alltag nutzen Der neue Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz Auswirkungen der KI-Verordnung auf den Bildungsbereich Schlüsselelemente des neuen Rechtsrahmens Hochrisikofälle in der allgemeinen und beruflichen Bildung Horizontale Pflichten: Transparenz und KI-Kompetenzen Ausblick Der risikobasierte Ansatz in der KI-Verordnung Good Practice: Erasmus+ meets KI in Essen Impulse für Ausbildung in Informatik, Elektronik und Robotik Frankreich-Projekt: KI in autonomen Systemen Intelligente Häuser in Norwegen Erasmus+ als Motor der Schulentwicklung Projektinfo Europäisches SALTO Digital Resource Centre Auftrag: Förderung der digitalen Bildung europaweit Digitale Transformation Europäisches SALTO Digital Resource Centre Werkzeuge, Materialien und Rahmenwerke zur Unterstützung der digitalen Transformation > Themenkarten > One-Pager > Beispiele guter Praxis > Werkzeuge und Lernressourcen Ausgewählte Facts zur Stimmung in der Gesellschaft Zunehmende Akzeptanz KI als Bedrohung oder Erleichterung Wahrnehmung von KI als Bedrohung oder Erleichterung nach Tätigkeiten Das könnte Sie auch interessieren KI-Nutzung: Motivation und Hürden Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit in verschiedenen Gruppen Top-Anwendungsfälle von KI Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich? Good Practice Mit KI in die Bildung von morgen Neues KI-Wissen zur Unterrichtsgestaltung genutzt Gesamte Einrichtung öffnet sich gegenüber KI Projektinfo Career Intelligence Welche Unterstützung bei der Berufsorientierung gibt es? Von der Idee zur Praxis: Weiterentwicklung der digitalen Lernplattform Stakeholder unterstützen den Ansatz Projektinfo KI in der Erwachsenenbildung Projektergebnisse zeigen: KI kann Lernen bereichern Wirkung und Ausblick Projektinfo KI in der Grundbildung Wie hat sich der KI-Einsatz in der Grundbildung seit unserer gemeinsamen Konferenz im Juli 2024 entwickelt? Welche Tools haben sich in der Grundbildungspraxis durchgesetzt? Wie gelingt es, alle Akteure mitzunehmen – und welche Rolle spielt der digitale Baukasten für Grundbildungsangebote? Welche nächsten Schritte plant der bvv und wie wird dabei Erasmus+ genutzt? Erasmus+ Erasmus+-Antragsrunde 2025 Berufsbildung Mobilität Berufsbildung Partnerschaften Erwachsenenbildung Mobilität Erwachsenenbildung Partnerschaften Programmvorschlag Erasmus+ 2028-2034 Das vorgeschlagene Budget Das vorgeschlagene Programm Was nicht in den Dokumenten steht European Innovative Teaching Award 2025 Zwei deutsche Projekte aus der Erwachsenenbildung ausgezeichnet Kategorie Adult Education: Senioren entdecken Europa neu Kategorie : Politische Bildung in Gebärdensprache: Politische Bildung in Gebärdensprache Bildung stärkt Europa – auf vielfältige Weise Erasmus+ vernetzt Europa Wie Teilnehmende von TCAs profitieren Vernetzung und Weiterbildung von Erasmus+-Botschafterinnen und -Botschaftern europaweit Infosplitter Neue Publikationsreihe Neue Zuständigkeit Jahrestagung 2025 Neue Podcastfolgen Podcast der EuroApprentices Gutachter/-innen gesucht Neue Klima-Puzzle-Anleiterinnen Videobotschaften Erwachsenenbildung Inklusion in Erasmus+: NA zeigt hilfreiche Tools EPALE Deutschland Neues Ressourcen-Kit online Stimmen aus der Praxis Literaturtipp KI Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …

[…] Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 41 Dez. 2025 24 Programmvorschlag Erasmus+ 16 KI: Zahlen und Fakten 14 SALTO Digital Resource Centre KI in europäischen Projekten angekommen …

[…] - Bildung für Europa 40 April 2025 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Das Jahr der Jubiläen 10 30 Jahre Erwachsenenbildung 16 Erasmus+-Halb zeitevaluation 22 Erasmus+- Statistik 2024 2 3 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de LinkedIn: Nationale Agentur Bildung für Europa Verantwortlich: Berthold Hübers Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 06.01.2025 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Druckerei im Bundesministerium für Bildung und Forschung Gedruckt auf Cocoon Silk Recyclingpapier aus 100% Altfasern Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5) - : djmaxx24/AdobeStock (S. 1); Ivan und btiger/Adobestock, NA beim BIBB / ar gum Heller, Bert-Jan Buiskool, Miteinan der in Europa e.V. (S. 5). - - Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. - - - ISSN 1616-5837 - 2 - - Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, „Bildung für ein starkes Europa“ war das Motto unserer Jahresta gung im letzten September. Welche Dringlichkeit dieses Thema im Jahr 2025 entfalten würde, haben wir seinerzeit nicht geahnt. Die weiter andauernden Kriege und vor allem die transatlantische Ver unsicherung führen dazu, dass ein starkes Europa wichtiger ist als je zuvor. Die EU-Kommission hat im März reagiert und die „Union of Skills“ vorgestellt, ein Rahmenkonzept, das sie in den nächsten Jahren weiter entfalten wird. Im Mittelpunkt der Politik steht hier das Ziel einer starken Union basierend auf ihrer Wettbewerbsfä higkeit. Insbesondere die Rolle der Berufsbildung, aber auch der Erwachsenenbildung ist in der „Union of Skills“ zentral. Es wurden zunächst nur das Rahmenkonzept mit zwei weiteren Dokumenten veröffentlicht. In den kommenden Monaten und bis 2027 wird die EU-Kommission weitere Teilstrategien publizieren. Wir werden Sie im Journal darüber informieren. Erasmus+ ist als Programm bis 2027 beschlossen. Die Vorberei tungen für das Nachfolgeprogramm haben aber schon begonnen. Deutschland hat unter der Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die nationale Zwischenevaluation vor gelegt und zugleich ein zwischen Bund und Ländern abgestimm tes Papier mit Kernforderungen für das Nachfolgeprogramm nach Brüssel übersandt. Zentral ist die Feststellung, dass das Programm seine Ziele erreicht, in vielen Punkten aber verbessert werden kann. Dies ist ein guter Ausgangspunkt, um das Nachfolgeprogramm zu erarbeiten, das auf der vorhandenen Grundlage weiterentwickelt wird. Was sich bewährt hat, was aus deutscher Sicht weiterent wickelt werden sollte und in welchem Prozess das Nachfolgepro gramm in den nächsten Jahren erarbeitet wird, stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor. Jetzt zu uns. Wir stellen uns sonst nicht in den Mittelpunkt, aber diese Ausgabe des Journals ist eine Ausnahme, da es 2025 wirklich viel zu feiern gibt. Es sind gleich vier Jubiläen: 25 Jahre NA beim BIBB, 30 Jahre Erwachsenenbildung im Rahmen der europäischen Bildungsprogramme, 20 Jahre Europass und 10 Jahre EPALE. Die 25 Jahre NA beim BIBB können mit beeindruckenden Zahlen illustriert werden: 500.000 geförderte Auslandsaufenthalte, 20.000 geför derte Projekte und 1,5 Milliarden Euro Förderung bewilligt. Die se Zahlen und alle vier Jubiläen verdeutlichen aber vor allem eins: Der europäische Bildungsraum lebt. Während es vor zwei Dekaden noch etwas Außergewöhnliches war, wenn eine Auszubildende oder ein Lehrer einer Volkshochschule ein Praktikum im Ausland machten, so ist das Programm Erasmus+ heute allgemein bekannt und viele Bildungseinrichtungen sind aktiv und in einen Prozess der kontinuierlichen Internationalisierung eingebunden. Wir als NA beim BIBB freuen uns darauf, mit Ihnen zusammen den europäischen Bildungsraum weiter zu gestalten, Europa zu stärken und Chancen für Lernende, Personal und Bildungsinstitutionen zu eröffnen! Mit einem herzlichen Gruß aus Bonn Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de 4 5 Bildung für Europa | April 2025 Inhalt 06 25 Jahre NA beim BIBB Mehr als eine Förderinstitution 10 30 Jahre Erwachsenenbildung Von Pionierprojekten zu europäischen Erfolgsmodellen 13 20 Jahre Europass Das EU-Transparenzinstrument in Zahlen 14 Wissen teilen, Erwachsenen bildung stärken EPALE feiert zehnjähriges Jubiläum Erasmus+ 16 Nationaler Bericht zur Halbzeit evaluation von Erasmus+ Wichtige Erfolge, Raum für Verbesserungen 17 Erasmus+ 2028-2034: Die nächsten Schritte Ausblick auf den Weg zum Nachfolgeprogramm 19 Entwicklungen in den Leit aktionen 1 und 2 Akkreditierung und Pauschalierung haben sich bewährt 21 Erasmus+-Antragsrunde 2024 Nachfrage nach Partnerschaften stabil oder wachsend 22 Infografik Erasmus+-Jahres statistik 2024 Ausgewählte Facts aus der Berufs- und Erwachsenen bildung kurz präsentiert 24 Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Erster transnationaler Forschungsbericht des Netzwerks RIA-AE veröffentlicht 26 European Innovative Teaching Award 2024 Frieden lehren und leben 27 Good Practice: Demokratiebildung spielerisch fördern Interesse am Kartenspiel auch außerhalb der Erwachsenenbildung 28 Good Practice: Steigerung der Kundeninnovation in KMU Weitreichende Implementierung neu entwickelter Materialien 29 Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ Zusammensetzung, Arbeitsweise und Bedeutung 30 Infosplitter 32 Antragsfristen Nr. 40 | Schwerpunkt Jahr der Jubiläen - - - - - 06 25 Jahre NA beim BIBB „[Der Erfolg der NA beim BIBB] liegt … auch darin begründet, dass sie … ein „Ermöglicher“ für europäische und internationale Zusam menarbeit geworden ist … “ 13 20 Jahre Europass (siehe auch Einleger) 20 JAHRE EUROPASS Vom Dokument zur digitalen Toolbox für Bildung, Job und Mobilität https://europass.europa.eu 14 10 Jahre EPALE 17 Erasmus+ ab 2028 24 Transnationaler Forschungsbericht des RIA-Netzwerks 27 Good Practice zur Demokratiebildung - 6 7 Bildung für Europa | April 2025 Jubiläen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilnehmende der NA-Jahrestagung im Gespräch © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r 25 Jahre NA beim BIBB Mehr als eine Förderinstitution V or 25 Jahren wurde die Nationale Agen tur Bildung für Europa beim Bundesin stitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) gegründet. Aber wie kam es dazu? Um dies besser zu verstehen, müssen wir uns in das Jahr 1999 zurückversetzen… Die Europäische Union (EU) hatte mit Leo nardo da Vinci und Sokrates zwar bereits Dachprogramme für die berufliche und all gemeine Bildung geschaffen, an der Um setzung in Deutschland waren jedoch eine Vielzahl von Organisationen beteiligt. Da die EU-Programme im Bildungsbereich zunächst nur sehr kleine Budgets hatten und zum Teil sehr spezifische Zielsetzungen verfolgten, wurden die Unterstützungsstrukturen in Deutschland bei bestehenden Organisati onen angesiedelt. Ergebnis war eine große Zahl von Koordinierungsstellen. 1999 gab es ein weiteres einschneidendes Ereignis: Die EU-Kommission unter Präsi dent Santer musste aufgrund von Korrup tionsvorwürfen, die auch die zentrale Ver waltung des Programms Leonardo da Vinci betrafen, zurücktreten. Die EU-Kommission war nun bereit, nicht nur die Mobilitätspro jekte, sondern auch sogenannte Pilotpro jekte mit Budgets bis zu 600.000 Euro in den Mitgliedstaaten verwalten zu lassen. All dies rief das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf den Plan, die zersplit terten Strukturen in der Berufsbildung neu zu ordnen und in einem ersten Schritt eine koordinierende Dachstruktur einzurichten: die Nationale Agentur Bildung für Europa beim BIBB. Das Bundesinstitut für Berufsbil dung (BIBB) bot sich dabei als nachgeord nete Behörde mit eigener Rechtspersönlich keit und fachlicher Expertise an. Da die EU im Bildungsbereich keine Unterscheidung in Hinblick auf die innerstaatlichen Zuständig keiten vornimmt, musste die NA auch die schulische Berufsbildung und weitere Aus bildungen außerhalb des Berufsbildungsge setzes abdecken. Hierfür war ein neutraler Status der NA gegenüber allen Akteuren einschließlich des BIBB erforderlich. Die seit dem verankerte fachliche Autonomie zählt somit zur DNA der Nationalen Agentur. Mit dem Deutschen Akademischen Aus tauschdienst (DAAD), der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWEnt) und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) wurden im Jahr 2000 zunächst Unterverträge zur Durchführung des Programms Leonardo da Vinci und Tei len des Sokrates-Programms geschlossen. Trotz der Einrichtung der NA beim BIBB als Dachkoordination war die Umsetzung der Programme jedoch weiterhin sehr aufwen dig. Dies änderte sich 2007. Das Programm für Lebenslanges Lernen (PLL) 2007-2013 brachte zwei fundamen tale Veränderungen: Einerseits war es das erste integrierte Gesamtprogramm der EU im Bildungsbereich, wenn auch mit den Bil dungssektoren als strukturierendes Element. Andererseits übernahm die NA beim BIBB die Aufgaben von InWEnt, während die vom DAAD betreuten Programmteile in den Hochschulbereich wanderten. Diese Struktur ist bis heute im Kern unverändert: Alle Akti vitäten der Berufs- und Erwachsenenbildung werden von der NA beim BIBB betreut, der DAAD, der Pädagogische Austauschdienst (PAD) und Jugend für Europa verantwor ten aufgrund ihrer fachlichen Expertise die Durchführung jeweils ihrer Bildungsbereiche in den EU-Programmen. Die NA als lernende Organisation: Professionalisierung, Kundenorientie rung und Fehlerkultur Die weitere Entwicklung der NA beim BIBB ist eng mit den europäischen Programmzy klen und politischen Initiativen auf EU-Ebene verbunden. Das zu verwaltende EU-Budget stieg seit 2000 von circa 7 Millionen über 40 Millionen im Jahr 2010 auf über 160 Millio nen Euro im Jahr 2025. Die NA beim BIBB übernahm ab 2007 die Förderung der Mo bilität von Lernenden und Lehrenden. Auch hier ist ein bemerkenswertes Wachstum zu verzeichnen: 13.000 geförderten Teilneh menden 2009 stehen 2024 circa 46.000 Förderzusagen gegenüber. Nationale Agenturen waren in den ersten Jahren der EU-Programme als Einrichtungen nicht unumstritten. Der Europäische Rech nungshof bezeichnete die Abwicklung eines Teils des EU-Haushalts durch Nationale Agenturen zu Beginn als ein Risiko. Darauf hin trieb die EU-Kommission erfolgreich eine umfassende Professionalisierung der Natio nalen Agenturen voran und verankerte die Rolle der NAs in der EU-Haushaltsordnung. Heute sind nahezu alle NAs nach ISO 9001:2015 zertifiziert. Geschäftsprozesse werden systematisch dokumentiert und mit Key Performance Indikatoren (KPI) gesteu ert. Nationale Agenturen müssen bereits seit Jahren über ein internes Audit (interne Revision) verfügen und die Jahresabschlüsse werden zusätzlich von externen Wirtschafts prüfungsgesellschaften zertifiziert. Die NA beim BIBB ist zudem die einzige Stelle in der Bundesverwaltung, die mit Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen über Ge schäftskonten bei privaten Banken verfügt, um das Programm finanztechnisch abzuwi ckeln. Während die Nationalen Agenturen fachlich eng mit den Mitgliedstaaten koo perieren, sind sie administrativ ein Teil der EU-Verwaltung geworden. Heute ist das System der Nationalen Agenturen in der EU-Haushaltsordnung fest verankert und gilt als äußerst zuverlässig, effizient und vorbildlich. Auch jenseits der europäischen Anforde rungen sind für die NA beim BIBB Transpa renz und Kundenorientierung immer zentral gewesen. Bereits 2009 wurde ein Leitbild erarbeitet, zuvor hatte sich die NA bereits Führungsgrundsätze gegeben. Die NA beim BIBB führt regelmäßige Kundenbefragungen durch und hat 2016 einen Nutzerbeirat eingerichtet, der von den Projektträgern gewählt wird und der NA Rückmeldungen zu ihrer Arbeit gibt. Von besonderer Be deutung für die Leistungsfähigkeit der NA beim BIBB ist die Fehlerkultur: Fehler sind Ausgangspunkt eines gemeinsamen Lern prozesses; ein konstruktiver Umgang mit Fehlern ist eine Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung einer Organisation wie der NA. 2011 hat die NA beim BIBB u.a. eine Ombudsstelle eingerichtet. Die NA ist mehr als eine Förderinsti tution Die EU-Bildungsprogramme sollen die bil dungspolitischen Ziele der EU in der Umset zung unterstützen, die EU-Bildungspolitik soll Impulse für die Bildungsprogramme ge ben. Es war immer Anspruch der NA beim BIBB, Brücken zwischen Programm und Po litik zu bauen. Als im Zuge der Wirtschafts- und Finanz krise 2008 die Jugendarbeitslosigkeit in der EU massiv anstieg, initiierte die NA ein europäisches Netzwerk, das die Beiträge des Programms zur Förderung des „Work- based Learning“ (NetWBL) zusammenführte. Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) und die Empfehlung zu einem europäischen 8 9 Bildung für Europa | April 2025 JubiläenJubiläen Kreditpunktesystem waren zur gleichen Zeit wichtige Impulse, um einen europäischen Bildungsraum zu schaffen. Die NA beim BIBB initiierte und leitete ein europäisches ECVET-Netzwerk, wenig später siedelte das BMBF die nationale ECVET-Koordinie rungsstelle in der NA an. Weitere Beispiele sind die Einrichtung einer zunächst „nur“ deutsch-österreichischen Projektdatenbank im Jahr 2002, die ab 2008 mit finanzieller Unterstützung der EU-Kommission als Pro jektdatenbank ADAM europaweit betrieben wurde und zunächst die einzige Plattform war, auf der im Bereich der beruflichen Bil dung Projektergebnisse zugänglich gemacht werden konnten. - - - Im Bereich der Mobilität konzipierte die NA beim BIBB sogenannte Pool-Projekte, die vor allem Auszubildenden aus KMU den Zu gang zur Mobilität eröffnen sollen. Bis heute sind Pool-Projekte unverzichtbarer Bestand teil der Förderstrukturen. - - Mit mittlerweile drei Studien zum Umfang der Mobilität in der beruflichen Bildung hat die NA beim BIBB die Grundlage für die Dis kussion um Benchmarks geschaffen. 2012 veröffentlichte die NA eine Studie zum Nut zen von Auslandsmobilität für benachteiligte Jugendliche. Es folgten u.a. Studien zu den Innovationstransferprojekten und den Wir kungen der Strategischen Partnerschaften in der Erwachsenenbildung. Gemeinsam ist den Studien, dass sie über die Ermittlung - - - des Status Quo hinausgehen und umfang reiche Handlungsempfehlungen beinhalten. - Gebündelte Kompetenz in der europä ischen Erwachsenenbildung - Eine wichtige Rolle spielten und spielen wei tere EU-Programme und insbesondere auch Initiativen und Angebote der Erwachsenenbil dung. Die NA beim BIBB nutzt Synergien zwi schen dem Förderprogramm Erasmus+ und dem Nationalen Europass Center, der Agenda für Erwachsenenbildung und der Electronic Platform for Adult Learning in Europe (EPALE), die in der NA beim BIBB angesiedelt sind. Gemeinsam mit dem von der NA beim BIBB initiierten transnationalen Forschungsnetz werk RIA-AE, das die Wirkung des Programms Erasmus+ in der Erwachsenenbildung auf europäischer Ebene systematisch erforscht, bündeln Erasmus+, EPALE und die Agenda für Erwachsenenbildung die europäische Erwach senenbildung in Deutschland und bilden ein wichtiges Standbein der Nationalen Agentur. - - - - - Nationale Projekte Die enge Zusammenarbeit mit dem BMBF hat dazu geführt, dass die NA beim BIBB auch mit Programmen und Projekten außerhalb der un mittelbaren EU-Förderung betraut wird. Diese ergänzen die EU-Programme oder sind von besonderem nationalem Interesse. - Seit 2009 unterstützt das BMBF Pool-Pro jekte mit einer nationalen Ko-Finanzierung. - Ab 2017 ergänzt das BMBF-Programm AusbildungWeltweit die EU-Mobilitätsför derung um außereuropäische Zielländer. Es zeichnet sich durch eine große Flexibilität und Kundenorientierung aus und erreicht wie kaum ein anderes Programm unmittel bar Ausbildungsbetriebe. - - Von besonderer Bedeutung sind darüber hi naus Beratungsangebote. Die Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) kam 2013 zur NA beim BIBB und bildete das Funda ment einer umfassenden Mobilitätsbera tung, die die NA heute anbieten kann. - - - Von 2013 bis 2020 betreute die NA beim BIBB darüber hinaus das Israel-Programm, das die Mobilität von Auszubildenden und die fachliche Zusammenarbeit mit der israe lischen Regierung umfasste. - Und die Zukunft? Im Jahr 2000 betrat die NA beim BIBB mit zwölf Stellen und einem kleinen Budget för derpolitisches Neuland. Heute arbeiten 116 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der NA und sie ist erste Adresse für die Mobilitäts förderung in der Berufs- und Erwachsenen bildung. In der Erwachsenen- und Berufsbil dung ist sie ein geschätzter Partner – sowohl der Bildungspolitik als auch der Akteure in der Bildungspraxis. - - - - Sicherlich hat die NA beim BIBB kein ei genständiges bildungspolitisches Mandat. Ihr Erfolg liegt aber darin begründet, dass sie sich nicht nur als effiziente Förderinsti tution verstanden hat, sondern als „facili tator“ bildungspolitische Zielsetzungen unterstützt und ein „Ermöglicher“ für europäische und internationale Zusam menarbeit geworden ist und sich dabei immer auch selbst weiterentwickelt hat. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NA haben daran einen entscheidenden An teil, denn fast alle sind „Überzeugungstäter/ -innen“ und die Arbeit in der NA ist für sie nicht nur ein Job. - - - - - Die großen Herausforderungen Klimawan del, Digitalisierung und demografische Ent - - wicklung lassen sich nicht national lösen. Es ist eine immer wichtigere Aufgabe, auch in Zukunft ein weltoffenes gesellschaftliches Klima zu fördern und ausreichend Ressour cen für europäische und internationale Akti vitäten zu sichern. - - Die Erfolgsgeschichte der NA beim BIBB ist eng mit der Internationalisierung und Glo balisierung der Gesellschaft verbunden. Die Unterstützung der europäischen Integration ist aber nicht mehr selbstverständlich, Ab schottung und Rückzug auf nationale Lö sungen haben an Attraktivität gewonnen. Die NA beim BIBB wird auch in Zukunft ihren Beitrag für ein weltoffenes, demo kratisches und modernes Deutschland und Europa leisten. - - - - Die Zeitleiste der NA beim BIBB 2000 Einrichtung der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB Dachkoordination des Programms Leonardo da Vinci und Durchfüh rung von Teilen des Programms Sokrates Grundtvig - 2007 Übernahme der Aufgaben von InWEnt, Ansiedelung des Nationa len Europass Centers - Start des Programms für lebens langes Lernen (2007-2013) mit Zuständigkeit für Leonardo da Vinci und Grundtvig - 2008 Die von der NA beim BIBB und der österreichischen Nationalagentur entwickelte Datenbank ADAM wird zur verbindlichen EU-Projektdaten bank für Leonardo da Vinci. 2009 Start der Zusatzförderung in der Berufsbildung durch das BMBF QM-Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 2010 Ansiedelung der Nationalen Koordinierungsstelle ECVET 2013 Einrichtung der Nationalen Koordi nierungsstelle Europäische Agenda in der Erwachsenenbildung - Übernahme des Israel-Programms in der beruflichen Bildung (bis 2020) und der IBS* von GIZ Start des europäischen Netzwerks NetWBL - - 2014 Start von Erasmus+ 2014-2020 mit Zuständigkeit für die Berufs- und Erwachsenenbildung 2015 Einrichtung der Nationalen Koordinierungsstelle EPALE 2016 Einrichtung des Nutzerbeirats Erasmus+ 2017 Start des Programms Ausbildung- Weltweit, zunächst als Pilotprojekt Start des EuroApprentices-Netz werks 2020 Akkreditierung der Erasmus+-Berater und -Beraterinnen 2021 Start von Erasmus+ 2021-2027 mit Zuständigkeit für die Berufs- und Erwachsenenbildung 2022 Koordination des Forschungs netzwerks RIA in der Erwachsenenbildung - * Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung // [Der Erfolg der NA beim BIBB] liegt ... darin begründet, dass sie ... ein „Ermöglicher“ für europäische und internationale Zusammenarbeit geworden ist ... // KLAUS FAHLE leitete die NA beim BIBB seit ihrer Gründung bis zu seinem Ruhestand im Dezember 2023. © N A b ei m B IB B 10 11 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - 30 Jahre Erwachsenenbildung Von Pionierprojekten zu europäischen Erfolgsmodellen Austausch unter Erwachsenenbildnerinnen auf dem europäischen Erasmus+-Vernetzungstreffen in Bensberg im Mai 2025 © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r W as verbindet das Sokrates-Programm, das 1995 als Pionierinitiative der euro päischen Erwachsenenbildung ins Le ben gerufen wurde, mit der digitalen Transformation unserer Zeit? Auf den ersten Blick scheinen die beiden in völlig unterschiedlichen Welten zu existieren. Doch bei genauerem Hinse hen offenbart sich ein faszinierender Zusammenhang: Beide stehen für den grundlegenden Wandel des Lernens, der gesellschaftlichen Teilhabe und der europäischen Zusammenarbeit. Seit den bescheidenen Anfängen von So krates hat sich die europäische Erwach senenbildung zu einem dynamischen, vielschichtigen System entwickelt. Was als Experiment begann, ist heute ein un verzichtbarer Bestandteil europäischer Bil dungs- und Sozialpolitik. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Förderprogramme, die Einführung neuer Formate und die zu nehmende Verknüpfung mit politischen Strategien haben die Erwachsenenbildung zu einem Schlüsselbereich europäischer In tegration gemacht. Ein Blick zurück zeigt, wie sich aus einem kleinen Pionierprojekt ein leistungsstarkes Netzwerk für lebens langes Lernen entwickelt hat – und wohin die Reise weitergehen könnte. Ein Pionierprojekt nimmt Fahrt auf 1995 startete Sokrates I als ein überschau bares Programm zur Förderung der nicht berufsbezogenen Erwachsenenbildung. In einer Zeit, in der die Idee grenzüberschrei tender Kooperation noch in den Kinder schuhen steckte, eröffnete Sokrates den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, Bildung über nationale Grenzen hinweg zu fördern. Diese Initiative war nicht nur ein Impuls für den europäischen Bildungsraum, sondern rief früh ein Bewusstsein für die Bedeutung des lebenslangen Lernens hervor. Mit der zweiten Phase, beispielsweise im Programm Sokrates II (2000-2006) wur den die Maßnahmen verstärkt und mit GRUNDTVIG ab 2001 ein eigenständiges Programm für die Erwachsenenbildung ge schaffen. Bildungsakteure und Zivilgesell schaft profitierten von neuen, innovativen Instrumenten wie Lernpartnerschaften und Mobilitätsprogrammen. Der Erfolg dieser Initiativen spiegelte sich in steigenden Bud gets wider – ein Vorbote für das noch be vorstehende exponentielle Wachstum der europäischen Bildungsförderung. - - - - - Transformation und Konsolidierung: Erasmus+ Im darauffolgenden Programm für lebens langes Lernen (2007-2013) gab es eine deutliche Erweiterung des Konzepts des lebenslangen Lernens, indem neben klas sischen Bildungsangeboten auch innovative Maßnahmen wie Freiwilligenprojekte und regionale Workshops in den Mittelpunkt rückten. Diese Erweiterung stellte nicht nur eine qualitative Aufwertung der Fördermaß nahmen dar, sondern offenbarte zugleich die damit verbundenen administrativen He rausforderungen, welche einen erhöhten Beratungs- und Steuerungsaufwand erfor derlich machten. - - - - - 2014 entschied die EU-Kommission die Förderprogramme der verschiedenen Bil dungsbereiche unter einem Namen zu sammenzuführen. Aus Erasmus, dem im Hochschulbereich etablierten Förderzweig, wurde Erasmus+, das Programm für allge meine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Gleichzeitig wurden mit der neuen Programmgeneration (2014-2020) ein ge waltiger Schritt in die weitere Dezentra lisierung der Aktionen unternommen. So wurden die Nationalen Agenturen auch verantwortlich für die Umsetzung größe rer Partnerschaften. Gleichzeitig etablierten sich Schlüsselaktionen wie internationale Partnerschaften (Leitaktion 2) und gezielte Mobilitätsmaßnahmen (Leitaktion 1) als tra gende Säulen im neuen Förderprogramm. - - - - - - - Im Hier und Jetzt 2021 startete die aktuelle siebenjährige Pro grammgeneration. Erneut wurde das För derportfolio angepasst. So können erstmalig auch Mobilitätsmaßnahmen von erwachse nen Lernenden gefördert werden – zunächst nur von benachteiligten Lernenden, diese Beschränkung ist jedoch seit 2023 aufge hoben. Eine wichtige Neuerung ist auch die Einführung der Akkreditierung in der Mobili tät (Leitaktion 1), denn damit soll die Interna tionalisierung der Bildungseinrichtungen vo rangetrieben werden. Die Pauschalisierung der Projektbudgets bei den Kooperations projekten (Leitaktion 2) hat das Programm vereinfacht und so für neue und unerfahrene Einrichtungen attraktiver gemacht. - - - - - - - - Finanzielle Weichenstellungen belegen die sen Wandel: Mit einem Gesamtbudget von über 1,18 Milliarden Euro und einer stra tegischen Verteilung, die vor allem gegen Ende der Laufzeit ansteigt, wird deutlich, dass hier langfristig und zielgerichtet in vestiert wird. Der Anstieg des Budgets gera de in der Erwachsenenbildung verdeutlicht auch eine gesteigerte Wahrnehmung der Wichtigkeit des Bildungssektors zur Errei chung europäischer Politikziele. - - - - - Wechselspiel Politik und Praxis Die Entwicklung der europäischen Erwach senenbildung und den Förderprogrammen ist geprägt durch ein dynamisches Wech selspiel zwischen politischen Vorgaben und deren praktischer Umsetzung in den Mitgliedstaaten. Bereits seit den frühen 2000er-Jahren flankieren Memoranden, Ratsentschließungen und Aktionspläne die Förderprogramme der EU, um strategische Leitlinien vorzugeben (Journal 26, Juni 2017). Von den neueren Politiken und Initi ativen war die erste „Agenda Erwachsenen bildung“ (2011-2020) prägend. Sie stellte mit der Einrichtung nationaler Koordinie rungsstellen, wie der NKS in Deutschland, strukturelle Weichen. Hierdurch wurden zentrale Themen wie geringe Weiterbil dungsbeteiligung und Grundbildung stär ker in den Fokus gerückt. Die Einführung der Plattform EPALE (Electronic Platform for Adult Learning in Europe) im Jahr 2015 markierte einen weiteren Meilenstein. Mit ihrem europaweiten Netzwerk aus natio nalen Koordinierungsstellen stärkt sie den - - - - - - - - Wissenstransfer und die Vernetzung in nerhalb der europäischen Erwachsenenbil dungscommunity. - - Trotz der kontinuierlichen Weiterentwick lung blieben einige zentrale Themen weit gehend unverändert. Dazu gehören zum Beispiel Inklusion, Teilhabe, Kompetenz entwicklung und Zugang zu Bildung so wie Transformation, die sich als Prioritäten im Programm Erasmus+ wiederfinden. Der „European Pillar of Social Rights“ (EPSR) von 2017 betonte das Recht auf lebens langes Lernen als zentrales Element gesell schaftlicher Teilhabe. Hier werden insbe sondere Herausforderungen wie niedrige Weiterbildungsquoten, unzureichende digitale Kompetenzen und die Inklusion von sozial benachteiligten Gruppen adres siert. Das ambitionierte Ziel, dass 80 Pro zent der erwachsenen Europäer/-innen zumindest grundlegende digitale Kompe tenzen besitzen sollen, wird hier formuliert. - - - - - - - - - - Die neue Europäische Agenda für Erwach senenbildung (2021-2030) baut auf den Prinzipien der ersten Agenda auf, setzt je doch neue Akzente in den Bereichen grü ne und digitale Transformation. Weiterhin setzt sie neue Benchmarks für die Mitglied staaten, darunter eine angestrebte jährliche Weiterbildungsbeteiligung von 60 Prozent der Erwerbsbevölkerung bis 2030. - - - - Gleichzeitig intensivierte sich der poli tische Fokus auf Kompetenzentwicklung und Transformation. Die Ratsempfehlung „Upskilling Pathways“ (2016) konkretisier te diesen Ansatz, indem sie gezielt Schritte empfiehlt, um geringqualifizierten Arbeit nehmenden eine Höherqualifizierung zu ermöglichen und so auch die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Probleme wie den Fachkräftemangel und den demogra fischen Wandel adressiert. Die „European Skills Agenda“ von 2020 unterstreicht die Bedeutung von digitalen und fachübergrei fenden Kompetenzen für den Arbeitsmarkt. Doch hier stehen neben soliden Grund- und Querschnittskompetenzen, auch digitale Fertigkeiten sowie Nachhaltigkeit im Fokus. Unterstützend sollen hier auch Maßnah men wie Individual Learning Accounts und Microcredentials den Zugang zur beruflichen Fort- und Weiterbildung ermöglichen. - - - - - - Insgesamt ist über die Jahre ein stetiger Shift in den europäischen Politiken und JubiläenJubiläen 12 13 Bildung für Europa | April 2025 Initiativen hin zum beruflichen Nutzen der Erwachsenenbildung zu beobachten. Die kürzlich verkündete „Union of Skills“ sieht das lebenslange Lernen und somit auch die Erwachsenenbildung als wesentlichen Fak tor für ein wettbewerbsfähiges und faires Europa. Hier ist es wichtig für die allgemeine Erwachsenenbildung eine Lanze zu brechen, denn Menschen werden selten nur über ihr berufliches Umfeld integriert und Lernen, gerade auch im interkulturellen Kontext, findet zu großen Teilen außerhalb der Ar beitswelt statt. - - Erwachsenenbildung bleibt ein Motor für Innovation und Zusammenhalt Der Blick in die Zukunft zeigt, dass die Er wachsenenbildung weiterhin einem stetigen Wandel unterliegt. Digitale Transformation, - grüne Entwicklung und gesellschaftliche Diversität fordern flexible und integrative Bildungsansätze – ein Anspruch, der bereits in den frühen Förderprogrammen angelegt war. Die Verbindung zwischen politischen Strategien und praxisnaher Umsetzung mit Hilfe der Förderprogramme wie Erasmus+, sowie den Netzwerken der Nationalen Ko ordinierungsstellen von Agenda und EPALE, bleibt dabei essenziell. Genau wie das So krates-Programm einst den Grundstein für eine Kultur des lebenslangen Lernens legte, stehen auch die heutigen Initiativen für eine dynamische und zukunftsorientierte Wei terentwicklung des europäischen Bildungs raums. Die Erwachsenenbildung ist damit nicht nur ein Spiegel gesellschaftlicher Ver änderungen, sondern auch ein Motor für Innovation und Zusammenhalt in Europa. - - - - - JubiläenJubiläen DR. CHRISTINE BERTRAM Leiterin des Teams „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Kooperationsprojekte / EPALE“ in der NA beim BIBB bertram@bibb.de - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - © p riv at - - - - - - - - - - - - - - - - - © B itt ed an ke sc hö n/ A do be St oc k | D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e wENN austausch türen öffnet Infos zu Auslandsaufenthalten in der Erwachsenenbildung gibts hier. Gleich scannen und dabei sein! www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven Erasmus+ schafft Perspektiven – auch in der Erwachsenenbildung Wenn Austausch Türen öffnet Kampagne in der Erwachsenenbildung erfolgreich gestartet Die aktuelle Programmgeneration eröffnet für die Erwachsenen bildung mit der Förderung der Lernenden neue Perspektiven: Lernreisen ins Ausland werden erstmalig für diese Zielgruppe fi nanziert. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der Förderung von Lernenden mit geringeren Chancen, seit 2023 wurde diese Opti on auf alle erwachsenen Lernenden ausgeweitet. Flankiert wur de dies mit vergleichsweise hohen und kontinuierlich steigenden Förderbudgets, die aber trotz zahlreicher Informationsveranstal tungen, Vor-Ort-Gesprächen und erhöhter Serviceleistungen der NA beim BIBB nicht im gewünschten Maße abgerufen wurden. Die Kampagne Vor diesem Hintergrund hat die Nationale Agentur eine Kampa gne ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Zahl der Teilnehmenden an Erasmus+ zu steigern und so einen besseren Einsatz der För dermittel zu ermöglichen. Unter dem Kampagnenmotto „Wenn Austausch Türen öffnet“ und dem Claim: „Erasmus+ schafft Per spektiven - auch in der Erwachsenenbildung“ werben Lernende, Bildungspersonal und Vertreter/-innen von Organisationen mit starken Textbotschaften über Plakate, Postkarten sowie kurze Vi deoclips für die Teilnahme an Lernreisen. Während das Plakat durch das Kampagnenmotto und dem Claim übergreifend wirkt und sowohl geförderte Einrichtungen und deren Mitarbeitende als auch Lernende und neue Einrichtungen anspricht, wenden sich die Postkarten gezielt an die Zielgruppen Lernende, Bildungspersonal und Einrichtungen. Mit starken Text botschaften wie „Selbst erleben ist besser als Status checken“ oder „Wir können jetzt auch Europa“ holen sie diese ab und be geistern für das Programm Erasmus+ und seine Angebote. Zehn kurze Videostatements aus der Praxis sowie die Kampagnenseite runden das Angebot ab. Geschaltet wurden zudem Anzeigen, Advertorials und redaktionelle Beiträge in Fachmedien der Er wachsenenbildung, die für Mobilität werben und auf die Kampa gnenwebsite verlinken. Darüber hinaus wird eine eigene Kampa gnenpräsentation für die Verbreitung eingesetzt. Die Kampagne „Wenn Austausch Türen öffnet“ ist in der Com munity der Erwachsenenbildung platziert und angekommen, die Antragszahlen steigen kontinuierlich, es bedarf aber weiterhin starker Stimmen aus der Praxis, die sich im Rahmen der fortlau fenden Kampagne für Lernreisen in der Erwachsenenbildung ein setzen, denn: Mitmachen lohnt sich! Auf der Kampagnenseite www.na-bibb.de/ erasmus-perspektiven können alle Medien abgerufen und bestellt werden. 20 Jahre Europass Das EU-Transparenzinstrument in Zahlen D as Europass-Rahmenkonzept wurde 2005 ins Leben gerufen, um das grenz überschreitende Lernen und Arbeiten in Europa zu erleichtern. Nach dem Start mit fünf einzelnen Dokumenten ist Europass heute eine Toolbox für Bil dung, Job und Mobilität. Das Europass-Rahmenkonzept umfasste Eu ropass Lebenslauf, Europass Sprachenpass, den Mobilitätsnachweis, die Europass Zeug niserläuterungen und das Diploma Supple ment. Mit ihnen konnten Nutzer/-innen ihre Kompetenzen transparent und europaweit vergleichbar darstellen. Im Jahr 2018 wurde infolge der Europä ischen Kompetenzagenda eine neue Rechts grundlage für Europass geschaffen mit dem Ziel, Europass zu flexibilisieren und zu digi talisieren und dabei Synergien mit anderen europäischen Instrumenten und Portalen zu stärken. Als Ergebnis schuf die Europäische Kommission 2020 das Europass-Portal, das viele Tools für Bewerbung und Jobsuche bietet, zum Beispiel Lebenslauf-Editor, per sönliches Profil, Dateiablage und die Job- und Kurssuche. Inzwischen zählt es mehr als 105 Millionen Besuche und ist damit eine der meistbesuchten Websites der EU. Im Rahmen des neuen Europass-Portals ent wickelte die EU-Kommission außerdem eine technische Infrastruktur für das Erstellen, Speichern, Überprüfen und Teilen digitaler Bildungsnachweise: die European Digital Credentials for Learning. Mit diesem Stan dard ist es möglich, fälschungssichere Zeug nisse und Zertifikate auszustellen. Weiterhin gibt es folgende Europass-Do kumente: die Europass Zeugniserläute rungen als Erläuterungen zu beruflichen Aus- und Weiterbildungen, das Diploma Supplement als Erläuterung von Studienab schlüssen sowie den Europass Mobilität als Nachweis von Lernaufenthalten im euro päischen Ausland. Seit der Einführung von Europass wurden bis Dezember 2024 mehr als 415.000 Mobilitätsnachweise in Deutschland beantragt, davon rund 95 Pro zent für Mobilitäten, die durch das EU-Bil dungsprogramm Erasmus+ und seine Vor gängerprogramme gefördert wurden. Europass-Verleihung im Roten Rathaus Berlin im Januar 2025 © M ira S ie ve rin g Festliche Europass-Verleihungen wie im Januar 2025 im Berliner Roten Rathaus, bei der mehr als 230 Auszubildende den Europass Mobilität für ihre erfolgreichen Auslandspraktika erhielten, würdigen das Engagement von Teilnehmenden, Organi satorinnen und Organisatoren und machen das Programm Erasmus+ sichtbar. ISABEL GÖTTE Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Nationalen Europass Center in der NA beim BIBB goette@bibb.de © N A b ei m B IB B 2004 Verabschiedung des Europass-Beschlusses 2005 Start des Europass- Rahmenkonzepts 2018 Verabschiedung des neuen Europass-Beschlusses 2020 Launch des Europass-Portals 2021 Launch der European Digital Credentials 2025 20 Jahre Europass http://www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven http://www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven mailto:bertram@bibb.de mailto:goette@bibb.de 14 15 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - Wissen teilen, Erwachsenen bildung stärken - EPALE feiert zehnjähriges Jubiläum JubiläenJubiläen - - - - - - - - - - - - Deutschland seit 2024 Seit 2024 hat die deutschsprachige Startseite ein neues Design mit neuer Farb gebung. bis 2020 Die deutschsprachige Startseite von EPALE bis 2020. © M on ito re : A do be St oc k. co m Abb. inks: - Abb. unten: - - - - S eit einem Jahrzehnt ist EPALE ein zen traler Treffpunkt für Fachkräfte der Erwachsenenbildung in Europa. Zum 10-jährigen Bestehen der Plattform werfen wir einen Blick auf die Meilen steine, Erfolge und Zukunftsperspek tiven von EPALE Deutschland. EPALE (Electronic Platform for Adult Learning in Europe) wurde von der Europäischen Kommis sion ins Leben gerufen, um Fachkräfte der Er wachsenenbildung europaweit miteinander zu vernetzen und den Austausch von Wissen, Res sourcen und bewährten Praktiken zu fördern und somit zur Stärkung der Erwachsenenbil dung beizutragen. Finanziert wird EPALE durch das Programm Erasmus+ und ist Teil der Strate gie der Europäischen Union, mehr und bessere Lernangebote für alle Erwachsenen zu fördern. Die Plattform dient seit 2015 als zentrale An laufstelle für Lehrkräfte, Trainer/-innen, Wis senschaftler/-innen, politische Entscheidungs träger/-innen und andere Akteure, die sich für lebenslanges Lernen engagieren. EPALE bietet eine Vielzahl von Ressourcen, wie Fachartikel, Best-Practice-Beispiele, thematische Foren und verschiedene Gruppenbereiche. Darüber hin aus gibt es eine Veranstaltungsübersicht sowie eine Projektpartnersuche. Diese Inhalte unter stützen Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit und tragen dazu bei, die Erwachsenenbildung in Europa kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die europaweite Betreuung und Weiterent wicklung der Plattform liegt in der Hand von 37 nationalen Koordinierungsstellen (NKS). In Deutschland ist die NKS in der NA beim BIBB angesiedelt. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung und Weiterentwicklung von EPALE in Deutschland, indem sie dafür sorgt, dass die Plattform auf die Bedürfnisse der deutschen Fachkräfte in der Erwachsenen bildung zugeschnitten bleibt. Zudem betreut die deutsche NKS die Nutzerinnen und Nutzer, sucht nach spannenden Themen und Stories und organisiert Veranstaltungen für die Com munity. Wachsende Nutzerzahlen und neue Angebote Seit ihrem Start ist die EPALE-Community in Deutschland auf 5.126 Personen angewach- sen (Stand: September 2024). Europaweit zählt die Plattform nach stetigem Wachstum inzwischen bereits knapp 160.000 Mitglieder. Erfreulich ist zudem, dass in den letzten Jahren immer mehr Beiträge von den Nutzerinnen und Nutzern (selbst) auf EPALE veröffentlicht wurden und auch die Teilnahme am Work- shop-Angebot zugenommen hat. Dies zeigt das zunehmende Engagement der Community und die wachsende Nutzung der Plattform als Quelle für fachliche Inhalte und Austausch. Ei- nen wichtigen Anteil an der Bekanntmachung der Plattform hatten von Anfang an die EPALE- Botschafterinnen und -Botschafter, die die NKS bei der Verbreitung und im Austausch mit der Community unterstützen. Neben dem thematischen Angebot ist die Ver- netzung der Community und der Austausch ein zentrales Ziel der Plattform. So kamen schnell neue Formate hinzu, um diese Bedarfe zu erfül- len. Hier sind besonders die EPALE-Akademien hervorzuheben, mit denen die NKS Deutsch land ein kostenfreies Weiterbildungsangebot für die Community geschaffen hat. Des Weite ren findet alle zwei Jahre im November (vormals jährlich) in Kooperation mit der Professur für Er wachsenenbildung und Weiterbildung der Uni versität Bamberg das „Bamberger Forum für Erwachsenenbildung und Weiterbildung“ statt. Dieses dient als Austausch- und Vernetzungs format für Akteurinnen und Akteure aus der Praxis, der Wissenschaft sowie Studierende der Erwachsenenbildung. EPALE ist aber auch eine Plattform, um Ideen und neue Formate zu tes ten. So erschien 2020 der erste EPALE-Podcast #epalerocks, der jetzt unter dem Titel „EPALE insights“ neu aufgelegt wurde. Erfolgreich war auch die Einführung der Ressourcen KITs, die nun mit zu den beliebtesten Downloads der deutschen Community zählen. Insgesamt hat die Plattform große Verände rungen durchlaufen. War die Ladegeschwin digkeit anfangs extrem langsam, so brachte der Umzug in die Cloud (als eine der ersten EU-Plattformen), wesentliche Verbesserungen. Auch visuell hat sich die Plattform stark verän dert, was durch den aktiven Einfluss der Nut zer/-innen vorangetrieben wurde. In den letzten zehn Jahren hat sich EPALE als unverzichtbare Plattform für den Austausch und die Vernetzung in der Erwachsenenbil dung etabliert und einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Bildungslandschaft geleistet. Dieses Jubiläum ist nicht nur Anlass, auf Erfolge zurückzublicken, sondern auch eine Einladung, die Zukunft der Erwachsenenbildung gemein sam aktiv zu gestalten. EPALE Ressourcen KITs In Kooperation mit journalistischen Dienstleistern arbeiten wir an der regel mäßigen Veröffentlichung thematischer Ressourcen KITs. Aufbauend auf den nationalen Themenschwerpunkten EPALE Deutschlands reflektieren diese Publikationen veröffentlichte Blogbeiträ ge und Ressourcen. Sie geben umfas sende thematische Einblicke in Projekte, Beispiele guter Praxis, Handlungsemp fehlungen und vieles mehr. https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ epale-deutschland-ressourcen-kits Bereits erschienene Ressourcen KITs: 1. Bildung für nachhaltige Entwicklung 2. Inklusion der alternden Bevölkerung und intergenerationelles Lernen 3. Gesundheitsbildung 4. Prävention von Rassismus und Diskriminierung 5. Grundbildung 6. Kunst, Kultur und Kreativität 7. Life Skills – Kompetenzerwerb 8. Stadt und Land 9. Wellbeing & Emotionen 10. New Learning 11. Aufbrüche I Umbrüche 12. Über I Leben I Kunst SONDERHEFT: Politische Bildung & kritische Medienkompetenz 13. Selbstwirksamkeit 14. Individualität vs. Kollektivität 15. Future Skills SONDERHEFT: Künstliche Intelligenz 16. Demokratie erleben 17. Lernort Sport 18. Organisationen nachhaltig gestalten https://epale.ec.europa.eu/de Link zu den Podcasts: https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ podcast-epale-insights-staffel-3- organisationsentwicklung-der- erwachsenenbildung LinkedIn Seite: EPALE - Deutschsprachiges Netzwerk der Erwachsenenbildung in Europa MARLENE RÖDER Wissenschaftliche Mitarbeiterin und derzeitige Leitung der NKS EPALE in der NA beim BIBB roeder@bibb.de © p riv at https://epale.ec.europa.eu/de https://epale.ec.europa.eu/de/blog/podcast-epale-insights-staffel-3-organisationsentwicklung-der-erwachsenenbildung https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-ressourcen-kits mailto:roeder@bibb.de 16 17Erasmus+ Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Nationaler Bericht zur Halbzeit evaluation von Erasmus+ - Wichtige Erfolge, Raum für Verbesserungen B - - - - - - - - - - - - - is zum 31. Mai 2024 mussten die Mit gliedstaaten der Kommission einen Bericht zur Halbzeitevaluation des Programms Erasmus+ 2021-2027 vor legen. Die in Deutschland zuständigen Behörden haben eine gemeinsame Evaluation für den Bereich Bildung so wie eine separate Evaluation für die Bereiche Jugend und Sport durchge führt. Ziele der Zwischenevaluation Die Zwischenevaluation ist verpflichtender Bestandteil der Erasmus+-Verordnung und soll das Programm auf Grundlage der Kri terien Wirksamkeit, Effizienz, Relevanz, Kohärenz und europäischer Mehrwert überprüfen. Die Europäische Kommission hat für die nationalen Evaluationen einen 36 Fragen umfassenden Prüfkatalog er stellt. Die Zwischenevaluation bot aber auch eine ideale Gelegenheit, weitere As pekte des Programms zu prüfen – so hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Zusammenarbeit mit den anderen nationalen Behörden einen spezifischen Fragebogen zur IT-Landschaft des Programms entwickelt. Insgesamt woll te das Ministerium damit feststellen, ob die Programmziele sowie die horizontalen Prio ritäten wie soziale Inklusion, der grüne und digitale Wandel sowie die Förderung der Teilhabe junger Menschen am demokrati schen Wandel erreicht werden konnten. Die zentralen Ergebnisse Das Fazit: Erasmus+ ist in der Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität unange fochtener Spitzenreiter. Das Ziel, in der lau fenden Programmgeneration zehn Millio nen Menschen in ihrer Mobilität zu fördern, wird voraussichtlich erreicht. Die Zwischenevaluation kam außerdem zu dem Ergebnis, dass die Ziele und intendier ten Wirkungen von Erasmus+ weitestgehend erreicht werden konnten. Teilnehmende be richten von besseren Schlüsselkompetenzen, Vorteilen beim Spracherwerb, einer größe ren Offenheit für unterschiedliche Kulturen und Lebenslagen und fühlen sich in ihrer europäischen Identität bestärkt. Auch die entsendenden Einrichtungen wie Berufs schulen und Betriebe bestätigen die posi tiven Effekte auf die Teilnehmenden. Aber auch auf systemischer Ebene bestätigte die Evaluation wichtige Fortschritte, insbeson dere die Flaggschiffinitiativen tragen zur Stärkung eines gemeinsamen europäischen Bildungsraums bei. Die Evaluation deckte aber auch Verbesse rungspotenzial auf, nicht zuletzt die kom plexen administrativen Abläufe, die insbe sondere für kleinere Organisationen schwer umzusetzen sind. Aber auch die Ansprache und Inklusion bestimmter Zielgruppen so wie die Verbreitung von Projektergebnissen kann noch verbessert werden. Kernforderungen für Erasmus+ ab 2028 Die Zwischenevaluation bietet neben der Retrospektive eine exzellente Chance, ei nen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Ergebnisse dienten daher auch als Grund lage für das deutsche Positionspapier zur nächsten Programmgeneration von Erasmus+. Das Papier stellt übergreifende Kernforderungen für alle Bereiche des Pro gramms sowie spezifische Forderungen für die einzelnen Sektoren auf. Übergeordne te Priorität genießt dabei die Kontinuität des Programms: Die Mobilität als stärkste Leitaktion des Programms ist zentraler Be standteil der übergreifenden Forderungen und soll beibehalten werden. Dabei spielt insbesondere die Integration unterreprä sentierter Zielgruppen eine wichtige Rolle. Neben virtuellen Angeboten sind insbe sondere die Social Top-Ups für unterreprä sentierte Zielgruppen zu betonen, die das BMBF durch eine Zusammenarbeit mit dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) be sonders stärken will. Eine Fortsetzung oder sogar ein Ausbau dieser Synergien wäre sehr zu begrüßen. Zu den übergreifenden Forderungen gehört ebenfalls der Abbau von administrativen Hürden durch den Ausbau der Akkreditie rung und vereinfachte Antragsverfahren für Schulen und kleinere sowie mittlere Unter nehmen. Zudem sollen Pauschalen genutzt werden. Das deutsche Positionspapier fordert überdies ein stabiles und optimier tes IT-System für Antragstellerinnen und Antragsteller, Begünstigte und Nationale Agenturen in allen Bereichen. Spezifische Kernforderungen für die Be reiche Berufsbildung und Erwachsenenbil dung wurden ebenfalls erarbeitet. Zu den wichtigsten Forderungen im Bereich der Berufsbildung gehören: Erhaltung der Mobilität in Drittstaaten, eigene Online-Vernetzungsplattform für Berufsbildung in Europa, Förderungen für die Verbreitung von Projektergebnissen, Ausbau der Synergien zwischen der Eu ropass-Plattform und Erasmus+. Für den Bereich Erwachsenenbildung kön nen die folgenden Forderungen hervorge hoben werden: Sondierung von Synergieeffekten so wie fachlicher Austausch mit anderen EU-Förderprogrammen wie dem ESF Plus und der Initiative der Europäischen Kom mission „Aim, Learn, Master, Achieve“ (ALMA), Berücksichtigung der Spezifika in der Erwachsenenbildung bei der Förderung, auch durch die Nutzung von Pauschalen. Ausblick Ein erster Verordnungsvorschlag für die nächste Generation von Erasmus+ wird in der zweiten Jahreshälfte 2025 erwartet. Dieser Vorschlag bildet die Grundlage für alle dar auffolgenden Diskussionen. Das BMBF ist zu versichtlich, dass Erasmus+ auch ab 2028 vie len Europäerinnen und Europäern die Chance geben wird, Europa zu erleben! - - - Nationaler Bericht zur Halbzeitevaluati on der Erasmus+-Programmgeneration 2021-2027: - https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_ upload/na-bibb.de/Dokumente/06_ Metanavigation/03_Presse/01_News/ Nationaler_Bericht_zur_Halbzeitevaluation_ ohne_Anlagen.pdf Deutsches Positionspapier zur nächsten Programmgeneration von Erasmus+: https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_ upload/na-bibb.de/Dokumente/01_ Erasmusplus_2021-2027/Dokumente_ uebergreifend/2024/Positionspapier_ Erasmus__2028-2034.pdf - KRISTIN HESS war bis zum 28.02.2025 Referentin im Referat „ERASMUS; Internationale Zusammenarbeit in der Berufsbil dung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung. © B M BF Erasmus+ 2028-2034: Die nächsten Schritte Ausblick auf den Weg zum Nachfolgeprogramm K ein anderes europäisches Programm ist so nah an den Bürgerinnen und Bürgern wie Erasmus+. Jeder kennt jemanden, der oder die durch das Programm geför dert wurde. Der hohe Bekanntheitsgrad und die Wertschätzung der Bevölkerung sind auch auf politischer Ebene deutlich, denn es gibt viel Unterstützung. So hat sich beispielsweise der Rat mit sei ner im Mai 2024 angenommenen Empfeh lung „Europa in Bewegung“ für die Stär kung von Erasmus+ ausgesprochen und konkrete Vorschläge zur Steigerung von Lernaufenthalten im Bildungssektor in allen Bereichen gemacht. Für die Berufsbildung und Hochschulbildung hat er darüber hi naus konkrete Zielwerte für 2030 formuliert (Mobilitätsquote von 12 bzw. 23 Prozent). Prominente und wichtige Fürsprecher des Programms sind darüber hinaus die beiden italienischen Politiker Enrico Letta und Ma rio Draghi. In ihren unabhängigen Berichten zur Weiterentwicklung des Binnenmarktes und zur Stärkung der europäischen Wettbe werbsfähigkeit weisen auch sie auf die Be deutung der Stärkung des Programms hin. Draghi stellt fest, dass das Erasmus+-Budget 2028-2034 verfünffacht werden müsste, um die Ziele der Ratsempfehlung in Euro pa zu erreichen. Diese Berichte sind in der Ausarbeitung der politischen Leitlinien der neuen von Ursula von der Leyen geführten EU-Kommission berücksichtigt worden. Hier findet sich auch die für Erasmus+ entschei dende Aussage: „Wir werden Erasmus+ stärken – auch für die berufliche Bildung –, sodass mehr Personen teilnehmen können. Dies ist überaus wichtig für die Menschen, damit sie Kompetenzen erwerben, gemein same Erfahrungen sammeln und einander besser verstehen können“. Erasmus+ ist da rüber hinaus das einzige Programm, das von der Leyen in ihrer Bewerbungsrede vor dem Europäischen Parlament im Juli 2024 explizit erwähnte. Das Budget: erhebliche Herausforderung Die Bekanntheit des Programms und die po litische Wertschätzung sind wichtig, dürfen aber nicht über die aktuellen budgetären Herausforderungen hinwegtäuschen. Dabei gibt es im Hinblick auf das Erasmus+-Budget 2028 bis 2034 zwei wesentliche Aspekte zu beachten. Einerseits sind auf nationaler wie auf europäischer Ebene die Haushalte unter Druck. Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz, Bildung sind hier nur einige https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/06_Metanavigation/03_Presse/01_News/Nationaler_Bericht_zur_Halbzeitevaluation_ohne_Anlagen.pdf https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/01_Erasmusplus_2021-2027/Dokumente_uebergreifend/2024/Positionspapier_Erasmus__2028-2034.pdf 18 19 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+Erasmus+ Stichworte. Die Aufgaben sind groß und die Zukunft mit erheblichen Unsicherheiten be haftet. - Andererseits gilt für Erasmus+, dass eine knappe Verdopplung des Budgets praktisch Stagnation bedeuten würde. Das muss erklärt und politisch vermittelt werden. In den Jahren 2021 bis 2027 hat Erasmus+ ein Budget von insgesamt 28 Milliarden Euro. Das jährliche Budget verdoppelt sich in der Laufzeit des Programms dabei von rund 3 auf 6 Milliarden Euro. Wenn in den Jahren 2028 bis 2034 die Aktivitäten im Umfang des Jahres 2027 nur fortgeführt werden sollen, so braucht es da her einschließlich eines Inflationsausgleiches ein Budget von 46 Milliarden Euro. Der deut liche Zuwachs von 18 Milliarden Euro würde also lediglich eine Stagnation des neuen Pro gramms auf dem Niveau von 2027 sichern. Erst eine Verdopplung des bisherigen Budgets von 28 auf 56 Milliarden Euro würde zu ei ner quantitativen und qualitativen Stärkung führen. - - - - Die NA beim BIBB hat eine Abschätzung der Lernmobilität in der Berufsbildung in Abhän gigkeit vom zukünftigen Erasmus+-Budget erstellt. Dabei gehen wir von der günstigen Annahme aus, dass die Lernmobilität au ßerhalb von Erasmus+ im gleichen Umfang steigt, wie im Programm. Ein Budget von 46 Milliarden Euro ließe eine Mobilitätsquote von 6 Prozent erwarten, eine Verdopplung des Erasmus+-Budgets auf 56 Milliarden Euro eine Quote von 7 Prozent und eine Verdreifachung eine Quote von 11 Prozent. Selbst bei einer sehr günstigen Annahme bräuchte es folg lich mehr als eine Verdreifachung, um die mit „Europa in Bewegung“ gesetzten Ziele für die Berufsbildung zu erreichen. - - - Die Zwischenevaluation: Erasmus+ 2021-2027 Die Zwischenevaluation des laufenden Pro gramms zeigt, dass das Programm sehr er folgreich und der Wunsch nach Kontinuität hoch ist. Die Steigerung der Lernmobilität, die Einführung der Akkreditierung, die Stär kung europäischer Kooperationen, die vier horizontalen Prioritäten, die überwiegend dezentrale Verwaltung des Programms und die ausgeweitete Pauschalierung sind bei spielsweise Aspekte, die von allen Beteiligten positiv bewertet werden. Wichtige Impulse für eine Weiterentwicklung des Programms 2028-2034 haben die Bundesministerien un ter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und zusam men mit der Kultusministerkonferenz (KMK) - - - - - - in einem Kernforderungspapier der EU-Kom mission übermittelt. Im Mittelpunkt steht die Stärkung von Erasmus+ als bürgernahes Pro gramm, das in seiner Grundstruktur mit seinen Sektoren, Leitaktionen und horizontalen Prio ritäten erhalten bleibt. Neben der Stärkung der Mobilität gilt es die dezentralen Koope rationsprojekte zu erhalten und ihre Wirkung noch zu steigern, indem die Verbreitung be sonders erfolgreicher Projekte eigenständig gefördert wird. Das Programm ist inklusiver geworden, sollte aber die Anstrengungen in dem Bereich weiter steigern. Die Aktion Jean Monnet sollte dezentralisiert werden, um den Zugang für Bildungseinrichtungen zu erleich tern. Grundlegend ist darüber hinaus die Be reitstellung einer funktionalen IT-Umgebung. - - - - - - - Für die Erwachsenenbildung wird betont, dass der Anteil des Sektors am Gesamtbudget sta bil bleiben soll, um die Erwachsenenbildung in Europa weiter zu stärken. Angesichts der vielfältigen und sich schnell vollziehenden Umbrüche in Gesellschaft und Arbeitsmarkt hat die Erwachsenenbildung eine bedeutende gesellschaftliche Funktion. Eine Besonderheit der Erwachsenenbildung, die im neuen Pro gramm spezifischer berücksichtigt werden sollte, ist, dass Lernende und Lehrende gleich alt sind und daher auch gleich gefördert wer den sollten. - - - Die Rolle der Berufsbildung im Programm sollte angesichts ihrer Bedeutung für die Wett bewerbsfähigkeit Europas gestärkt werden. Eine Vernetzungsplattform analog zu EPALE und e-Twinning ist dringend erforderlich, um die Praktikerinnen und Praktiker der Berufsbil dung in Europa auch jenseits von Erasmus+ zu vernetzen, innovative Konzepte zu verbreiten und die Suche nach Kooperationspartnern zu erleichtern. - - Der Weg: Erasmus+ 2028-2034 Anfang 2028 startet das Nachfolgeprogramm. Bis dahin sind es noch zweieinhalb Jahre, die es aber auch braucht, um die beiden erforder lichen Gesetzgebungsverfahren abzuschlie ßen. Sowohl der siebenjährige Haushalt von 2028 bis 2034 als auch das Nachfolgepro gramm Erasmus+ werden als EU-Verordnung, also im Rahmen des europäischen Gesetzge bungsprozesses, verabschiedet. Dazu wird die EU-Kommission im Sommer 2025 zunächst einen Vorschlag für den gesamten EU-Finanz rahmen 2028 bis 2034 machen. Im Anschluss daran wird sie dann ihren Vorschlag für das EU-Bildungsprogramm in diesem Zeitraum vorlegen. Das laut Finanzrahmen verfügbare Budget ist dabei für die Ausgestaltung des Nachfolgeprogramms von besonderer Bedeu - - - - - - tung. Beide Verordnungen werden dann ab der zweiten Jahreshälfte 2025 unabhängig voneinander verhandelt. Drei Dinge können dabei als sicher angenommen werden: Ers tens bleibt keine Verordnung im parlamen tarischen Prozess unverändert. Es wird zwei tens einen engagierten sogenannten „Trilog“ zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und Rat geben und drittens werden am Ende bei de Verordnungen erfolgreich verabschiedet. Der Erasmus+-Nutzerbeirat der NA beim BIBB hat bereits im April 2024 eine Stellungnahme zum Nachfolgeprogramm erarbeitet, die auf der Website der NA beim BIBB veröffentlicht ist. Allen Projektträgern steht es frei, ihre EU-Parlamentarierinnen und -Parlamentarier über ihr Engagement im Programm und die Bedeutung von Erasmus+ für ihre Arbeit zu in formieren. Viele Abgeordnete freuen sich über konkrete Rückmeldungen, die sie in ihre Ar beit im Parlament einbringen und damit auch Entscheidungsprozesse beeinflussen können. Es beginnt nun also ein komplexer demokra tischer Prozess, an dem sich alle beteiligen können. Wenn alles gut geht, ist dieser bis zum Herbst 2027 abgeschlossen und die neue Programmgeneration Erasmus+ 2028-2034 kann pünktlich an den Start gehen. - - - - - - - Eine Darstellung des ordentlichen Gesetz gebungsverfahrens in der EU sowie aktuelle Meldungen zum Prozessfortschritt finden Sie auf der NA-Website. - Auf dieser Seite finden Sie auch Links zu wichtigen Dokumenten wie den Draghi- und den Letta-Bericht oder die Ratsempfehlung „Europa in Bewegung“. www.na-bibb.de/erasmusplus2028 BERTHOLD HÜBERS Leiter der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B Entwicklungen in den Leitaktionen 1 und 2 Akkreditierung und Pauschalisierung haben sich bewährt M it der Erasmus+-Programmgeneration 2021-2027 wurden verschiedene Än derungen in den beiden Leitaktionen 1 (Mobilität) und 2 (Kooperationen) ein geführt. Nachfolgend geben wir einen Überblick über die weitreichendsten Änderungen und ihre Entwicklungen. Insgesamt betrachtet erfährt das Pro gramm Erasmus+ aber große Kontinu ität. Teilnehmende der NA-Jahrestagung 2024 © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r Leitaktion 1 – Akkreditierung und horizontale Prioritäten des Eras mus+-Programms Eine zentrale Neuerung ist die Einführung der Akkreditierung sowohl in der Berufs- als auch in der Erwachsenenbildung. Hat eine Bildungseinrichtung die Akkreditierung ein malig erfolgreich beantragt, ermöglicht diese ihr langfristig mit reduziertem bürokratischen Aufwand Fördermittel für Mobilitätsaktivi täten anzufordern. Mit der Akkreditierung verpflichten sich die Bildungseinrichtungen, neben den geplanten Mobilitätsaktivitäten im Rahmen von Erasmus+ ihre Einrichtung systematisch und langfristig weiterzuentwi ckeln. Dazu formulieren sie in einem Eras mus-Plan individuelle Ziele, etwa in den Bereichen Inklusion, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung, die sie durch Mobilitätsmaß nahmen erreichen möchten. Neben der Akkreditierung bleiben Kurzzeit projekte eine Option, um erste Erfahrungen mit Auslandsaufenthalten zu sammeln. In der aktuellen Programmgeneration haben programmübergreifende Prioritäten an Be deutung gewonnen. Alle geförderten Akti vitäten sollen zu den gesellschaftlichen He rausforderungen Inklusion, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und demokratische Teilhabe beitragen. So geht es in der Leitaktion 1 z.B. darum, insbesondere Personen mit gerin geren Chancen einzubeziehen und zu einem gerechten Zugang zu Bildung beizutragen. Dafür kann die Organisation zusätzliche För dermittel erhalten, die sogar flexibel aufge stockt werden können. Außerdem gibt es zusätzliche Fördermittel, wenn die Teilneh menden „grüne“ Reisemittel wählen. Berufsbildung: Internationalisierung und neue Aktivitäten für Lernende und Bildungspersonal Seit 2021 werden im Rahmen von Erasmus+ Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung nicht nur in EU- oder mit dem Programm assoziierte Länder, sondern weltweit ge fördert. Dafür können akkreditierte Ein richtungen bis zu 20 Prozent ihres Budgets nutzen, um Auslandspraktika in Ländern wie den USA, Brasilien oder Indien anzubieten. Für Lernende wurden zwei neue Aktivitäten eingeführt: Kompetenzwettbewerbe und Gruppenmobilitäten. Die Teilnahme an inter nationalen Wettbewerben bietet Lernenden die Chance, sich einem transnationalen Vergleich zu stellen und ihre branchenspe zifischen Fähigkeiten zu zeigen. Gruppen mobilitäten ermöglichen Lernenden aus mindestens zwei Ländern verschiedene The men zu bearbeiten oder auch europäische Institutionen zu besuchen. Damit fördert diese Aktivität gezielt politische Bildung von http://www.na-bibb.de/erasmusplus2028 20 21 Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Lernenden im Ausland. Das Bildungsperso nal profitiert seit 2021 von der Möglichkeit, an Kursen oder Schulungen teilzunehmen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Exper tinnen und Experten aus dem Ausland ein zuladen. - - - Allgemeine Erwachsenenbildung: För derung von Lernenden mit geringen Chancen - Für die Erwachsenenbildung hat die neue Programmgeneration mit der Einbeziehung der Lernenden eine fundamentale Verände rung gebracht. Diese Zielgruppe, also Nutze rinnen und Nutzer von Bildungsangeboten in der allgemeinen Erwachsenenbildung, kann nun seit 2021 auch mobil werden und an sogenannten Lernreisen ins Ausland teil haben. Obwohl bereits im Programmjahr 2023 die Zielgruppe auf alle Lernenden er weitert wurde, liegt der Schwerpunkt auch hier auf der Förderung von Lernenden mit geringeren Chancen, also Menschen, die bisher wenig bis gar keinen Zugang zu Bil dung hatten, wie beispielsweise Teilneh mende an Grundbildungsangeboten. Für diese Zielgruppe gibt es seit 2023 ebenfalls die Möglichkeit für Auslandsaufenthalte bis zu einem Jahr. Damit sind die Aktivitäten der Zielgruppen in den verschiedenen Bildungs bereichen weitestgehend angeglichen wor den. - - - - - - - - Zudem zeigt der stark gewachsene Bud getanteil für die Erwachsenenbildung die Wertschätzung und Aufmerksamkeit für diesen die Menschen lebensbegleitenden Bildungsbereich. - Insgesamt hat in der Leitaktion 1 in beiden Bildungsbereichen neben der individuellen Förderung von Lernaufenthalten, die Inter nationalisierung und Entwicklung der In stitutionen an Bedeutung gewonnen und Mobilitätsaktivitäten dadurch in ihrer nach haltigen Wirkung gestärkt. - - - Leitaktion 2 – Pauschalisierung von Förderung und starke Ausprägung der horizontalen Prioritäten Die größte Veränderung in der Leitaktion 2 ist die Einführung der Pauschalisierung. Hierbei haben Antragstellende die Möglichkeit, zwi schen fünf verschiedenen Pauschalförder summen zu wählen. Sowohl die kleineren als auch die Kooperationspartnerschaften werden so in ihrer administrativen Abwick lung für Projektträger und Nationale Agen turen vereinfacht – eine Forderung, die be - - - - - reits im Vorgängerprogramm Erasmus+ von vielen Stakeholdern eingebracht wurde. Die Einführung der Pauschalisierung hat auch einen weiteren positiven Effekt: Die Projekt ergebnisse und Aktivitäten werden verstärkt auf ihre Qualität und auch ihre Wirkung im Bildungsbereich hin überprüft. Somit stellt das Programm sicher, dass mit Erasmus+ entwickelte Ergebnisse nachhaltig im Feld verwendbar sind sowie die bildungsbe reichsspezifische Verankerung der beteilig ten Organisationen eine hervorgehobene Rolle spielt. In diesem Zusammenhang sind auch die besonders in der Leitaktion 2 er weiterten Checks zu verstehen. Mit dem „Financial Capacity Check“, dem „Opera tonal Capacity Check“, dem „Multiple Sub mission Check“ und dem Check auf Plagia rismus wird die koordinierende Einrichtung bereits in der Antragsrunde unter die Lupe genommen und die Eignung für die Teilnah me am Erasmus+-Programm überprüft. Dies ist auch eine Antwort auf die Beobachtung, dass vermehrt Organisationen, die keinen Bildungsbezug haben oder allein kommer zielle Interessen verfolgen, versuchen, am Programm teilzunehmen. - - - - - - - - - Die Einführung der programmübergreifen den Prioritäten hat auch in der Leitaktion 2 sehr positive Effekte gezeigt. Neben den bildungsbereichsspezifischen Schwerpunk ten, die weiterhin gut bedient werden, sind die programmübergreifenden Prioritäten Digitalisierung und Nachhaltigkeit bei An tragsstellern in der Berufsbildung besonders beliebt. Die in der Erwachsenenbildung be reits länger und historisch verankerte Prio rität “gemeinsame Werte, zivilgesellschaft liches Engagement und Teilhabe“ hat mit - - - - - - dem EU-Wahl-Jahr 2024 auch in der Berufs bildung verstärkt Fuß gefasst. - Rückläufige Budgetentwicklung Trotz der in dieser Programmgeneration erstarkten Ausrichtung der Leitaktion 2 auf Inhalte und Bildungsprodukte für die Praxis, gibt es eine rückläufige Entwicklung in der finanziellen Ausstattung sowohl in der Er wachsenen- als auch in der Berufsbildung. Die durch die Covid-19-Pandemie bedingten Budgetverschiebungen in den Jahren 2020 und 2021 wurden von der Leitaktion 2 ab sorbiert und so viele Projekte gefördert wie noch nie. Mit der Wiederaufnahme von Mobilitätsaktivitäten in der Leitaktion 1 ab 2022 ist das Budget der Leitaktion 2 stetig gesunken. Dies führt dazu, dass in beiden Bildungsbereichen in den letzten Jahren eine Förderquote von 20 bis 30 Prozent zur Normalität geworden ist. Dies ist gerade mit Blick auf die große Zahl vielversprechender und qualitativ hochwertiger Anträge bedau erlich. Die Durchführung von europäischen Projekten, in denen Partnerschaften aufge baut und vor allem erprobt werden, ist auch ein vitaler Teil der Internationalisierung von Bildungseinrichtungen – einem Kernziel des Gesamtprogramms Erasmus+. - - - - www.na-bibb.de CLAUDIA LAUBENSTEIN Leiterin des Teams „Erwachsenen bildung: Erasmus+ Lernmobilität / Europäische Agenda für Erwachse nenbildung“ in der NA beim BIBB JULIA LUBJUHN Leiterin des Teams „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung / Europass“ in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B Erasmus+-Antragsrunde 2024 Nachfrage nach Partnerschaften stabil oder wachsend D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 04.02.2025 wieder. Nachdem wir im letzten Journal über die Antragsrunde 2024 im Bereich der Mobilität berichtet hatten, konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die Akkreditierung und die Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zu sammenarbeit). Akkreditierung Die Antragsfrist für die Akkreditierung ende te am 1. Oktober 2024. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass aus budgetären Grün den, genau wie im Vorjahr, maximal 100 neue Akkreditierungen in der Berufsbildung vergeben werden können. 125 Anträge er reichten die NA beim BIBB. 100 Einrichtungen erhielten die langfristige Förderzusage, womit sich die Zahl der insgesamt akkreditierten Ein richtungen auf 985 erhöhte. In der Erwachsenenbildung besitzen ins gesamt 88 Einrichtungen eine Akkreditierung und profitieren damit zukünftig von einem ver einfachten Mittelabruf für ihre Mobilitätspro jekte. 2024 sind 39 Anträge auf Akkreditierung eingegangen, 25 davon wurden positiv be schieden. Betrachtet man das Gesamtgesche hen ist erkennbar, dass in der Erwachsenenbil dung mit ihren vielen kleinen Einrichtungen der zweite Zugang zur Mobilitätsförderung, sprich die Kurzzeitprojekte wichtig bleiben, denn hier besteht eine hohe Nachfrage. Partnerschaften In der Berufsbildung wurden in den beiden Antragsrunden 2024 (Antragsfrist 05.03. und 01.10.2024) insgesamt 242 Projektanträge ein gereicht, wobei die zweite Antragsrunde aus schließlich kleinere Partnerschaften adressierte. Insgesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 44,35 Millionen Euro beantragt. Davon vertei len sich 119 Anträge auf die kleineren Partner schaften mit 6,81 Millionen Euro und 123 An träge auf die Kooperationspartnerschaften mit 37,54 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Antragszahlen somit ähnlich hoch ge blieben (2023: 246 Anträge), insbesondere im Bereich der Kooperationspartnerschaften. Aufgrund des begrenzten Budgets und nach den formalen Prüfungen erhielten 80 Projekte eine Förderzusage, davon 30 Kooperations partnerschaften mit einem Fördervolumen von 9,45 Millionen Euro und 50 kleinere Partner schaften mit 2,73 Millionen Euro. In circa einem Drittel aller Anträge wurde die Fördersumme von 250.000 Euro gewählt. Da hinter folgen mit deutlichem Abstand Koope rationspartnerschaften mit 400.000 Euro und kleinere Partnerschaften mit 60.000 Euro. Wie bereits im letzten Jahr wurden nur vereinzelt die Pauschalsummen 120.000 Euro oder 30.000 Euro zur Förderung beantragt. Am häufigsten wurden die berufsbildungsspe zifischen Prioritäten „Anpassung der berufli chen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovati on in der Berufsbildung“ adressiert. An dritter Stelle folgt mit „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“ die erste bildungsbereichsüber greifende Priorität. In der Erwachsenenbildung gingen zur ersten Antragsrunde 2024 insgesamt 273 Anträge ein, die sich auf die beiden Akti onstypen folgendermaßen verteilten: 171 Anträge bei den Kooperationspartnerschaf ten und 102 Anträge bei den kleineren Part nerschaften. Damit bewegten sich die Zahlen ziemlich genau auf dem hohen Niveau der ersten Antragsrunde von 2023. Ähnlich wie im Vorjahr musste aufgrund der zahlreichen An träge wiederum der Begutachtungszeitraum verlängert werden, sodass erst Ende August die Förderentscheidung feststand. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget und mit zusätzli chen Mitteln aus der Förderaktion Mobilität Er wachsenenbildung konnten schließlich 33 Ko operationspartnerschaften mit einem Budget von circa 9,2 Millionen Euro gefördert werden sowie 26 kleinere Partnerschaften mit einem Budget von 1,5 Millionen Euro. Für die zweite Antragsrunde 2024 stand für die kleineren Partnerschaften nur knapp eine Million Euro zur Verfügung. Nichtsdestotrotz ging eine neue Rekordzahl von 133 Anträgen ein – so viele wie noch nie zuvor in einer An tragsrunde bei den kleineren Partnerschaften. Aufgrund des zur Verfügung stehenden gerin gen Budgets konnten nur 17 kleinere Partner schaften in die Förderung gehen. Bezüglich der Förderquote konnten sich die Kooperationspartnerschaften dank des zusätz lichen Budgets im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 20 Prozent steigern. Bei den kleineren Partnerschaften ergab sich für beide Antrags runden zusammen aufgrund der enormen An tragszahlen eine Förderquote von nur rund 18 Prozent. Inhaltlich stehen bei den geförderten Projek ten, ähnlich wie im Vorjahr, die Themen digi tale Kompetenzen, grüne Kompetenzen und Klimawandel sowie Inklusion im Vordergrund. Dies spiegelt sich auch in den am häufigsten in den Projekten fokussierten Prioritäten wider: „Inklusion und Vielfalt“ wurde vor „Verbesse rung der Kompetenzen von Pädagoginnen und Pädagogen“ und „Digitaler Wandel“ gewählt. Die Bewilligungslisten können auf der NA-Web site unter „Bewilligte Aktivitäten“ bzw. „Bewil ligte Projekte“ eingesehen werden. http://www.na-bibb.de 22 23 Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+-Jahresstatistik 2024 Ausgewählte Facts aus der Berufs- und Erwachsenenbildung kurz präsentiert D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e, B ild qu el le n: © D an ie lE rn st u nd K on st ia nt yn /A do be st oc k. co m Die aktuelle Erasmus+-Programmgeneration läuft von 2021 bis 2027. Neu eingeführt mit dem Programmstart wurde die Akkreditierung – eine Art Erasmus+-Mitgliedschaft in der Mobilität. Auch seitdem hat es verschiedene kleinere Neuerun gen gegeben, wie z.B. die Einführung von Gruppenmobilitäten für Lernende in der Berufsbildung. Von der NA beim BIBB betreut werden die Leitaktionen 1 (Mobilität) und 2 (Partnerschaften) in der Berufs- und Erwachsenenbildung. Für das Antragsjahr stand dafür in Deutschland ein Förderbudget von insgesamt mehr als 130 Millionen Euro zur Verfügung. - Berufsbildung Rekord bei bewilligten Auslandsaufenthalten | Jahr Lernende | Bildungspersonal | Gesamt ... 2019 26.858 6.029 32.887 2022 18.725 5.029 23.754 2023 25.259 7.752 33.011 2024 36.720 | | 9.365 46.085 Hohe Zuwachsrate bei Lernenden 2024 im Vergleich zu 2023 45% mehr Bewilligungen für Lernende 21% mehr Bewilligungen für Bildungspersonal Gruppenmobilitäten gut angenommen 2024 - Gesamtzahl der bewilligten Lernenden36.720 4.958 Teilnehmende in Gruppen mobilitäten 14% > : - Auslandserfahrung für alle 18% Anteil der Lernenden mit geringeren Chancen an bewilligten Aufenthalten für Lernende Quelle: Dashboard zum Yearly Report (06.01.2025) Partnerschaften – Top-Prioritäten 1. Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeits markts 2. Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung Erwachsenenbildung Weiteres Wachstum bei Auslandsaufenthalten Bewilligte Auslandsaufenthalte Jahr Lernende Bildungspersonal Gesamt 2021 194 961 1.155 2022 379 1.001 1.380 2023 619 2.151 2.770 2024 883 2.731 3.614 Quelle: NA beim BIBB Gute Förderchancen > 70% Bewilligungsquote für Lernende und Bildungs personal jeweils über 70% - Partnerschaften – Top-Prioritäten: 1. Inklusion und Vielfalt 2. Verbesserung der Kompetenzen von Personal Starker Zuwachs bei Kurzzeitprojekten 2023 2024 32 bewilligte Kurzzeitprojekte +97% 63 bewilligte Kurzzeitprojekte Bundesländer mit den meisten bewilligten Kurzzeitprojekten 2024 Nr. 1 | Berlin Nr. 2 | Bayern Nr. 3 | NRW Weitere Statistiken finden Sie unter: www.na-bibb.de/presse/statistik http://www.na-bibb.de/presse/statistik 24 25 Bildung für Europa | April 2025 Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Erster transnationaler Forschungsbericht des Netzwerks RIA-AE veröffentlicht - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+Erasmus+ - - - - - RIA-Netzwerktreffen 2024 in Slowenien © B er t- Ja n Bu is ko ol D ie NA beim BIBB hat es sich in der Programm periode 2021-2027 zum Ziel gesetzt, die Wirkungen von Erasmus+ in der Erwach senenbildung systematischer zu erforschen – sowohl national als auch europäisch, um vergleichende Analysen zu ermöglichen. 2022 wurde gemeinsam mit sieben weite ren Nationalen Agenturen das transnationale Forschungsnetzwerk RIA-AE (Research-based Impact Assessment of Erasmus+ Adult Educa tion Programmes) gegründet, das mittlerwei le 20 Mitgliedsländer umfasst. 2023/2024 führte das Netzwerk erfolgreich eine erste Datenerhebung durch, deren Ergebnisse im November 2024 im ersten europäischen Bericht veröffentlicht wurden. Die Studie un tersucht die Auswirkungen der Leitaktionen 1 (Lernmobilität) und 2 (Kooperationen) auf Organisationen, Mitarbeitende, Lernende so wie den Erwachsenenbildungssektor in den teilnehmenden Ländern. Sie basiert auf einer Mixed-Methods-Methodik, die Dokumenten analyse, Online-Umfragen, Fallstudien und Interviews umfasst, und wurde in 15 Ländern durchgeführt. Nachfolgend fassen wir die zentralen Erkenntnisse zusammen. Inklusivität von Erasmus+ Die Studie zeigt, dass Erasmus+ eine Vielzahl von Organisationen und erwachsenen Ler nenden in den teilnehmenden Ländern unter stützt, wobei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Erwachsenenbildungsanbieter am häufigsten vertreten sind. Trotz Heraus forderungen wie begrenzten Ressourcen oder Schwierigkeiten, neue Teilnehmende zu gewinnen, erreichen die Organisationen viele benachteiligte Zielgruppen und erkennen den hohen Mehrwert der Förderung. Aller dings nutzen viele Organisationen nur eine der Leitaktionen, obwohl Synergien zwischen beiden ausgebaut werden könnten. Zudem bleibt das Potenzial für Mobilitätsprojekte bei erwachsenen Lernenden oft ungenutzt, was auf fehlendes Wissen über das Format, Hindernisse auf Organisationsebene und komplexe Programmanforderungen zurück zuführen ist. Wirkung auf Organisationsebene Erasmus+ hat Organisationen in Europa maßgeblich dabei unterstützt, ihre Lern angebote zu verbessern und Strukturen weiterzuentwickeln, insbesondere in den Bereichen Inklusion, Digitalisierung, grüne Transformation und demokratische Teilhabe. Viele Organisationen konnten durch das Pro gramm ihre Internationalisierungsaktivitäten stärken, internationale Netzwerke ausbauen und das Management internationaler Pro jekte verbessern. Etwa 60 Prozent der Orga nisationen entwickelten im Rahmen von Ko operationsprojekten (Leitaktion 2) Curricula, Leitfäden oder digitale Tools, die größtenteils erfolgreich genutzt werden. Herausforde rungen bleiben jedoch in der praktischen An wendbarkeit der Ergebnisse, fehlender Aner kennung und begrenzter Kapazität, die den langfristigen Impact erschweren können. Wirkung auf horizontale Prioritäten Die Analyse zeigt, dass viele begünstigte Organisationen Maßnahmen zur Förderung von Inklusion und Vielfalt, Digitalisierung, Umweltbewusstsein und aktiver Bürgerschaft umgesetzt haben. Dennoch fehlen oft spezi fische Strategien und Personal für Inklusion, digitale Unterstützung für Lernende mit be sonderen Bedürfnissen und Maßnahmen zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks. Ebenso sind Strukturen zur Mitbestimmung der Lernenden und Strategien zur Förderung aktiver Bürgerschaft weniger verbreitet. Die größten Fortschritte verzeichnen die Orga nisationen in den Bereichen Digitalisierung (66 Prozent), Inklusion und Vielfalt (65 Pro zent) sowie aktive Bürgerschaft (62 Prozent), während die Priorität Nachhaltigkeit und Kli maschutz etwas weniger Wirkung zeigt (53 Prozent). Wirkung auf Lernende und Personal Die Teilnahme an Erasmus+-Projekten er möglicht Mitarbeitenden im Bereich der Er wachsenenbildung, internationale Kompe tenzen sowie pädagogische und didaktische Fähigkeiten zu stärken. Besonders profitieren sie von den Erfahrungen, die sie im Bereich Projektmanagement, zu kulturellen Unter schieden und internationaler Zusammenar beit sammeln, was auch ihre Motivation und ihr Engagement für Mobilitätsprojekte er höht. Zudem werden Sprachkenntnisse und die Fähigkeit zur Innovation gefördert, wo bei Mitarbeitende oft als Multiplikatoren in ihren Organisationen wirken. Auch Lernende profitieren deutlich, etwa durch die Erwei terung ihres sozialen Umfelds, persönliche Weiterentwicklung und bessere Bildungs- oder Arbeitsmarktchancen. Die Qualität der Vorbereitung, Betreuung und Nachbereitung beeinflusste den Erfolg für beide Gruppen maßgeblich. Wirkung auf systemischer Ebene Erasmus+-Projekte haben positive Effekte auf Organisationen und den Erwachsenen bildungssektor, beeinflussen jedoch die po litische Entscheidungsfindung auf lokaler, re gionaler und nationaler Ebene nur begrenzt. Hauptgründe hierfür sind der geringe Umfang vieler Projekte und die Herausforderung, ihre langfristigen Wirkungen zu verfolgen. Zudem fehlen in einigen Ländern Dachor ganisationen, die den Wissenstransfer zwi schen Projekten und der Politik erleichtern könnten. Eine stärkere Einbindung von po litischen Akteuren sowie die Teilnahme an lokalen und regionalen Netzwerken könnten den politischen Einfluss von Erasmus+-Pro jekten verbessern. Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der Studie in Bezug auf bereits erreichte Erfolge und noch bestehende Herausforderungen kompakt zusammen: Erfolge Erasmus+ erreicht eine breite Vielfalt an Organisationen der Erwachsenenbildung und Lernenden. Begünstigte Organisationen schätzen Erasmus+ und bleiben dem Programm treu. Die Internationalisierung ist stärker in den Organisationen verankert. Die meisten entwickelten Ergebnisse wur den in das reguläre Angebot integriert. Projekte tragen zu den horizontalen Prioritäten von Erasmus+ bei. Erasmus+ verbessert die beruflichen Kompetenzen der Mitarbeitenden. Die Teilnahme an Erasmus+ stärkt die Fähigkeiten erwachsener Lernender und fördert ihre soziale Integration. Herausforderungen Noch nicht alle Organisationstypen werden erreicht. Potenzial zur Stärkung der Synergien zwischen Leitaktion 1 (Mobilität) und 2 (Kooperationen). Möglichkeiten, die Wirkung des Pro gramms auf Organisations-, Mitarbeiten den- und Lernendenebene zu erhöhen. Schwieriger Start der Lernreisen für er wachsene Lernende, jedoch vielverspre chende Zukunft. Begrenzte systemische Wirkung aufgrund fehlenden Dialogs zwischen Programm- und Politikebene. Den vollständigen Bericht auf Englisch finden Sie unter: https://epale.ec.europa.eu/en/ resource-centre/content/ transnational-analysis-impact- erasmus-adult-education-sector JANINA MEYER TCA-Beauftragte der NA beim BIBB meyer@bibb.de © p riv at https://epale.ec.europa.eu/en/resource-centre/content/transnational-analysis-impact-erasmus-adult-education-sector mailto:meyer@bibb.de 26 27 Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - European Innovative Teaching Award 2024 Frieden lehren und leben D as Erasmus+-Projekt PEEC (Peace Educa tion in Early Childhood to prevent Bul lying) hat 2024 den European Innovative Teaching Award (EITA) in der Kategorie "berufliche Bildung" erhalten. Die Preis verleihung fand während der Jahresta gung der NA beim BIBB statt und wür digte das Projekt für seinen innovativen Ansatz in der Friedenserziehung. Der Award wird seit 2021 jährlich von der Europäischen Kommission verliehen und zeichnet herausragende Bildungsinitiativen aus, die mit kreativen Methoden zur Ver besserung der Lehre beitragen. 2024 lag der Schwerpunkt des Preises auf der psychi schen Gesundheit und dem Wohlbefinden an Schulen. Das PEEC-Projekt überzeugte die Jury durch seinen umfassenden, praxis nahen Ansatz und die nachhaltige Wirkung der entwickelten Materialien. Das Hauptziel von PEEC besteht darin, Friedens erziehung bereits in der frühkindlichen Bildung zu verankern, um Mobbing vorzubeugen. Lars Menzel, Leiter der Johanniter-Akademie Mitteldeutschland und Initiator des Projekts, entwickelte gemeinsam mit seiner Kollegin Jana Goldberg und internationalen Partnern Lehrmaterialien, die Erzieherinnen und Erzie hern einfache und effektive Möglichkeiten bieten, Kindern die Prinzipien von Frieden und Konfliktbewältigung nahezubringen. Diese Innovation führt nicht nur zu einem besseren Verständnis von Frieden, sondern stärkt auch das Wohlbefinden der Kinder und Fachkräfte gleichermaßen. Besonders hervorgehoben wurde von der Jury, wie das Projekt systematisch Bedarfsanalysen durchführte, um die Materialien auf die täg lichen Herausforderungen von Erzieherinnen und Erziehern abzustimmen. Jana Goldberg, Fachbereichsleiterin für Internationale Bildung und Integration sowie Projektkoordinatorin von PEEC, erklärte: "Unser Ziel war es, praxis orientierte Lehrmittel zu schaffen, die ohne großen Aufwand in den Arbeitsalltag integriert werden können." Das Ergebnis ist eine mo dulare Materialsammlung, die individuell an Gruppengröße, Zeit und Lernformate ange passt werden kann. Zu den behandelten The men gehören Toleranz, Inklusion, Mitgefühl und die Prävention von Cybermobbing. Internationale Zusammenarbeit als Erfolgsschlüssel Im PEEC-Projekt arbeiteten Partnerorganisati onen aus Deutschland, Spanien, Kroatien und Litauen eng zusammen, um ein gemeinsames Verständnis von Friedenserziehung zu ent wickeln. Diese Zusammenarbeit ermöglichte nicht nur den Austausch von Best Practices, sondern auch die Entwicklung eines Fortbil dungskonzepts, das in verschiedenen Ländern Anwendung findet. In Litauen wurde das Kon zept bereits offiziell in die Ausbildung von Er zieherinnen und Erziehern integriert. Auch in den anderen teilnehmenden Ländern finden regelmäßig Schulungen statt. Nachhaltige Wirkung und Perspektiven Das Konzept von PEEC geht über die reine Materialentwicklung hinaus. Es soll langfristig als Bestandteil der Ausbildung von pädago gischem Fachpersonal etabliert werden. In Deutschland setzt die Johanniter-Akademie auf die Schulung von Multiplikatoren, die das Wissen weitertragen und in die Praxis umset zen. Goldberg berichtet, dass eine Projektteil nehmerin ganz begeistert von den Materialien war: "Die Kinder haben gefragt, wann sie so etwas wieder machen können." Solche Rück meldungen zeigen die Wirkung des Projekts und unterstreichen dessen Relevanz. Die Vision der Projektverantwortlichen reicht jedoch noch weiter. Sie streben eine feste Verankerung der Friedenserziehung in der Bildungslaufbahn von pädagogischem Personal an. "Frieden zu leh ren ist nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Verantwortung", fasst Goldberg zusammen. Das PEEC-Projekt und die Auszeichnung mit dem EITA verdeutlichen, wie innovative Bil dungsprojekte den Grundstein für eine fried lichere Gesellschaft legen können. - © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - INFO https://peec-online.eu/de/ergebnisse/ Auf unserem YouTube-Kanal finden Sie einen Kurzfilm zum Projekt: NADJA LINKE Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Information und Öffentlich keitsarbeit“ in der NA beim BIBB nadja.linke@bibb.de © N A b ei m B IB B Good Practice: Demokratiebildung spielerisch fördern Interesse am Kartenspiel auch außerhalb der Erwachsenenbildung - © M ite in an de r in E ur op a e. V. „Peter, 11 Jahre, möchte in die Schu le ab morgen einen Rock tragen. Wie gehen wir damit um?“ Das ist eine der zahlreichen Fragen, die bei dem Spiel SIMBOLO gestellt und dann anhand von verschiedenen Antwortvorschlä gen oder einer offenen Antwortmög lichkeit diskutiert werden. Die Ko operationspartnerschaft zur Förde rung der Demokratieerziehung hat mit diesem analogen Kartenspiel ein pra xisnahes Werkzeug geschaffen, das auf spielerische Weise für demokratische Werte sensibilisiert und eine aktive Ge staltung der Gesellschaft fördert. Von der Bedarfsanalyse zur Umsetzung Das Projektkonsortium aus fünf Ländern hatte sich zum Ziel gesetzt, den vielfältigen Herausforderungen und Bedrohungen für unsere Demokratie mit einem Ansatz des spie lerischen Lernens zu begegnen. Das Projekt begann mit einer umfassenden Bedarfsana lyse, bei der durch Desktop-Recherche und einer Umfrage unter 100 europäischen Eltern die Grundlage für die Entwicklung geschaffen wurde. Als zentrales Ergebnis entstand das Kartenspiel „SIMBOLO – Sag’s demokratisch" in sechs Sprachen, das grundlegende demo kratische Werte vermittelt, den Austausch un terschiedlicher Perspektiven fördert sowie zur Diskussion und Kompromissfindung anregt. Ergänzt wird das Spiel durch ein Begleitheft, das ebenfalls in sechs Sprachen verfügbar ist und Denkimpulse, Gesprächsanregungen so wie philosophische Fragestellungen enthält. Diese Handreichung unterstützt Fachkräfte in der Erwachsenenbildung, soziale Einrich tungen und Schulen bei der Integration von Demokratiebildung in ihre Arbeit. Wesentlicher Bestandteil: gezielte Verbreitung Da das Spiel nicht nur Wissen vermitteln, sondern vor allem eine aktive Auseinander setzung mit demokratischen Prinzipien be wirken wollte und will, hatte von Beginn an die Verbreitung einen hohen Stellenwert im Projekt. So waren bereits früh Politikerinnen und Politiker auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene aktiv in den Projektbeirat einbezogen und brachten sich auch in die Verbreitung ein. Zudem boten mehr als zehn Multiplikationsveranstaltungen in den ver schiedenen Ländern mit Akteuren aus Politik, Bildung und Gesellschaft Raum für Diskus sionen und Rückmeldungen zur Weiterent wicklung des Spiels. Eine wichtige Rolle für die Verbreitung nahm eine Radio-Kampagne ein, bei der regionale bzw. nationale Sender aus den beteiligten Ländern Projektvertreter/ -innen interviewten und eine breite Hörer schaft erreichten. Flankiert wurde diese durch eine umfangreiche Nutzung von Social Me dia; nach Fertigstellung des Spiels wurden bei spielsweise wöchentlich Spielkarten als „Karte der Woche“ gepostet. Große Nachfrage nach dem Kartenspiel Auch nach Projektende nutzte der deutsche Koordinator Gelegenheiten wie den 75. Ge burtstag des Grundgesetzes und präsentierte das Projekt im Rahmen der Demokratiemeile in Lüneburg an einem Infostand. So entfaltet das Projekt eine nachhaltige Wirkung: Mitt lerweile setzen nicht nur Einrichtungen der Erwachsenenbildung, wie Familienbildungs stätten das Kartenspiel ein, sondern auch bei Schulen steigt das Interesse. Und Interessierte sollten sich beeilen, denn die Nachfrage ist groß und das Kartenspiel ist aufgrund der begrenzten Stückzahl möglicherweise bald vergriffen! PROJEKTINFO Projekttitel: Förderung der Demokratieerziehung im Familienalltag Projektnummer: 2021-1-DE02-KA220-ADU-000026502 Laufzeit: 12/2021 - 11/2023 Beteiligte Länder: BG, ES, GR, DE, NO Koordinator: Miteinander in Europa e.V. (DE) Kontakt: bernd.werner@miteinander-in-europa.eu E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/pro jects/search/details/2021-1-DE02-KA220- ADU-000026502 https://peec-online.eu/de/ergebnisse/ https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2021-1-DE02-KA220-ADU-000026502 mailto:nadja.linke@bibb.de mailto:bernd.werner@miteinander-in-europa.eu 28 29 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Steigerung der Kundeninnovation in KMU Weitreichende Implementierung neu entwickelter Materialien © H an se -P ar la m en t e. V. Bei der Entwicklung von kundenorien tierten Lösungen tun sich KMU im Vergleich zu Großunternehmen besonders schwer. Dabei können Kundenfeedbacks und neue Ideen, wenn sie systematisch gesammelt und ausgewertet werden, zu wert vollen Lösungen und Innovationen im Unternehmen führen. Digitalisierung eröffnet nun weitreichende Möglich keiten, durch Kunden angestoßene Innovationen auch in KMU umfas send zu nutzen. Vor diesem Hintergrund verfolgte das Ko operationsprojekt ICIinSMEs das Ziel, KMU zu befähigen, das Potenzial der von Kunden eingebrachten Innovationen auszuschöp fen sowie Lehrkräfte und Berater/-innen zu qualifizieren, diese Förderaufgaben für KMU professionell zu erbringen. Dazu wurden ver schiedene Instrumente entwickelt und den entsprechenden Zielgruppen zusammen mit Implementierungsberatungen zur Verfügung gestellt. Ausgangsbasis war z.T. die Analyse von Best Practices aus bis zu zwölf verschie denen Ländern. Die daraus gewonnenen Er kenntnisse wurden aufbereitet und ergänzt. Eine Toolbox zur Realisierung von Kunden innovationen sowie zur Nutzung digitaler Technologien richtete sich an KMU-Förderer und KMU. Speziell für den Transfer an Wei terbildungsträger wurde ein KMU-Training zur Vermittlung von Kompetenzen zur Realisie rung von Kundeninnovationen und Nutzung digitaler Technologien entwickelt. Zwei neu entwickelte Train-the-Trainer-Pro gramme zur Qualifizierung von Lehrkräften sowie Beraterinnen und Beratern der KMU (Curricula und Lehrmaterialien) wurden zu 24 Hochschulen und Universitäten in 13 Ländern transferiert. Zudem wurden Curricula, Lehr materialien und Prüfungsordnungen für zwei Trainings- und Coaching-Programme für KMU erprobt. Damit verbunden wurden einschlä gige Entwicklungsprojekte in KMU realisiert sowie eine Online-Beratung für KMU entwi ckelt und durchgeführt. Verbreitung und Implementierungs beratungen Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes betraf die intensive Durchführung von Ver breitungsaktivitäten und Implementierungs beratungen auf breiter internationaler Basis. Der Lead Partner Hanse-Parlament ist ein Zu sammenschluss von 50 Wirtschaftskammern und 24 Hochschulen/Universitäten aus 13 Ländern. Diese Mitglieder waren assoziierte Partner des Projektes, die als Transferempfän ger und Implementierungspartner während der gesamten Projektdurchführung mitwirk ten. Sie brachten laufend ihre Anregungen, Vorarbeiten, regionalen Bedingungen usw. in die Projektarbeit ein, berieten Zwischener gebnisse und nahmen an Workshops und Konferenzen teil. Die Kammern umfassen jeweils das Gebiet einer Region, sodass über die Wirtschaftskammern 50 Regionen abge deckt werden. Den Kammern gehören rund 500.000 KMU an, sodass KMU auf sehr breiter Basis erreicht wurden. Die beteiligten Hochschulen und Universitäten führen Bache lorstudiengänge durch, bilden Fach- und Füh rungskräfte für KMU aus und widmen sich der Innovationsförderung. Sie wirken auch künftig mit bei der Durchführung der im Pro jekt entwickelten Weiterbildungsprogramme und der damit verbundenen F&E-Projekte für KMU. Sie führen bedarfsorientiert die beiden Train-the-Trainer-Programme durch, sodass in den Ländern ständig in ausreichendem Um fang gut qualifizierte Trainer/-innen und Bera ter/-innen bereitgestellt werden. PROJEKTINFO Projekttitel: Digital methods, toolbox and trainings for increasing customer innovation in SMEs Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007397 Laufzeit: 2020 - 2023 Beteiligte Länder: DE, DK, HU, PL Koordinator: Hanse-Parlament e.V., Hamburg Kontakt: Dr. Jürgen Hogeforster jhogeforster@hanse-parlament.eu Website: www.ci-smes.eu https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2020-1-DE02- KA202-007397 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ Zusammensetzung, Arbeitsweise und Bedeutung D - Erasmus+Erasmus+ er Nutzerbeirat Erasmus+ agiert seit 2018 als wichtiges Bindeglied zwi schen der NA beim BIBB und den Projektträgern. Ziel des Gremiums ist es, die Dienstleistungen der NA kon struktiv und kundenorientiert weiter zuentwickeln. Gleichzeitig dient der Beirat als nationaler Resonanzboden für das Erasmus+-Programm, indem er Organisationen aus der Berufs- und Erwachsenenbildung in Deutschland eine unkomplizierte Plattform bietet, um Einschätzungen, Rückmeldungen sowie Kritik und Zukunftswünsche einzubringen. © P et er D oh m en Die Mitglieder des Nutzerbeirats überneh men eine vermittelnde Rolle, indem sie An fragen, Herausforderungen und Anliegen der Projektträger sammeln und diese in den regelmäßigen Sitzungen mit der NA beim BIBB diskutieren. So wird sichergestellt, dass die Perspektiven der Projektträger in die Weiterentwicklung des Programms ein fließen. Wahlverfahren und Zusammenset zung des neuen Nutzerbeirats Das Wahlverfahren für die Amtsperiode 2024-2026 wurde im Frühsommer 2024 durchgeführt. Von den insgesamt 41 einge reichten Interessensbekundungen schaff ten es 23 Kandidatinnen und Kandidaten aus der Berufs- und Erwachsenenbildung auf die Shortlist. Die Wahlbeteiligung war mit 944 von rund 1.400 stimmberechtigten Projektträgern äußerst hoch und verdeut licht die große Bedeutung dieses Gremiums für die Stakeholder des Programms. Insgesamt wurden elf Plätze im neuen Bei rat vergeben, um der Budgetsteigerung in der Leitaktion 1 Erwachsenenbildung Rech nung zu tragen. Die Verteilung der Sitze er folgte wie folgt: Berufsbildung Leitaktion 1: 5 Plätze Erwachsenenbildung Leitaktion 1: 2 Plätze Berufsbildung Leitaktion 2: 2 Plätze Erwachsenenbildung Leitaktion 2: 2 Plätze Der neu gewählte Nutzerbeirat wurde auf der NA-Jahrestagung im September 2024 in Ludwigsburg offiziell vorgestellt. Die elf Mit glieder repräsentieren ein breites Spektrum von Institutionen, darunter große Berufs schulen, Volkshochschulen sowie kleinere Vereine und Bildungseinrichtungen. Diese Vielfalt stellt sicher, dass die Bedürfnisse der unterschiedlichen Projektträgergruppen angemessen berücksichtigt werden. Neue Sprecherin und Arbeitsweise des Beirats Zur Sprecherin des Nutzerbeirats wurde Eva-Lisa Finzi vom Institut für Internationale Kommunikation e.V. in Düsseldorf gewählt. Ihr Stellvertreter ist Andreas Steck von der Humpis-Schule in Ravensburg. Beide brin gen umfangreiche Erfahrungen aus ihren jeweiligen Bildungsbereichen mit und ste hen dem Gremium nun als zentrale An sprechpartner zur Verfügung. Alle Mitglieder des Nutzerbeirats sind mit ihren Kontaktdaten auf der Website der NA beim BIBB veröffentlicht und somit di rekt ansprechbar. Der Beirat trifft sich etwa zweimal jährlich, um aktuelle Themen und Anliegen zu erörtern. Jedes Treffen wird protokolliert, und die Ergebnisse werden transparent auf der Homepage der NA be reitgestellt. Bedeutung des Nutzerbeirats für das Erasmus+-Programm Der Nutzerbeirat spielt eine entscheidende Rolle, um die Wirkung und Effizienz des Erasmus+-Programms in der Berufs- und Erwachsenenbildung zu stärken. Er bietet Projektträgern nicht nur die Möglichkeit, ihre Anliegen gehört zu wissen, sondern sorgt auch für eine kontinuierliche Ver besserung der Dienstleistungen der NA. Mit seiner Arbeit trägt der Beirat dazu bei, dass Erasmus+ weiterhin ein starkes und zukunftsweisendes Programm für die eu ropäische Bildungszusammenarbeit bleibt. https://www.na-bibb.de/ ueber-uns/nutzerbeirat CLAUDIA LAUBENSTEIN Ansprechperson zum Nutzerbei rat in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B http://www.ci-smes.eu https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007397 https://www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat mailto:jhogeforster@hanse-parlament.eu 30 31 Bildung für Europa | April 2025 Infosplitter - - - - - - - - - - - - - - - - - - - InfosplitterInfosplitter Veröffentlichungen © B itt ed an ke sc hö n/ A do be St oc k | D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e wENN austausch türen öffnet Infos zu Auslandsaufenthalten in der Erwachsenenbildung gibts hier. Gleich scannen und dabei sein! www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven Erasmus+ schafft Perspektiven – auch in der Erwachsenenbildung Mit einer langfristig angelegten Kampagne wirbt die NA beim BIBB für Auslandsaufenthalte in der Erwachsenenbildung (s. S. 12). So wurden u.a. diverse Materialien erstellt, die kostenlos über die Website bestellt werden können. ZUGANG FÜR ALLE> > Erasmus+-Inklusions- strategie der NA beim BIBB Umsetzung von Inklusion und Vielfalt 2021-2027 www.na-bibb.de Die NA beim BIBB hat ihre Inklusi onsstrategie überarbeitet und im September 2024 als PDF veröffent licht. Auf zwölf Seiten können Sie sich über Ziele und Umsetzungsmaß nahmen informieren. Auslandsaufenthalte in Bildungseinrichtungen verankern Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 39 Aug. 2024 23 Erste Ergebnisse RIA-AE 22 Personalmobilität 06 „Europa in Bewegung“ - - - Das Titelbild der letzten Journalausgabe zeigte eine Person, die eine historische Weltkarte betrachtete. Einige unserer Leserinnen und Leser waren von den abgebildeten Ländergrenzen bzw. -bezeichnungen irri tiert. Wir haben ihre Kritik ernst genommen und die historische Weltkar te in einem Nachdruck durch eine aktuelle Karte ersetzt. Zukünftig sind wir bei der Bildauswahl besonders wachsam. www.na-bibb.de/ publikationen - - - - © N A b ei m B IB B Ganz Ohr? Kennen Sie schon unsere Podcast-Reihe „Talking Erasmus+“? Die zwei jüngsten Fol gen beschäftigen sich mit dem Mehrwert von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung (Wenn Austausch Türen öffnet) und dem Engagement der EuroApprentices. www.na-bibb.de/ presse/podcasts Jahrestagung 2024 Alle zwei Jahre veranstaltet die NA beim BIBB eine große Jahrestagung in Präsenz – zuletzt am 18. und 19. September 2024 in Ludwigsburg. Rund 600 Teilnehmende aus der Berufs- und Erwachsenenbildung nutzten die Gelegenheit, sich zu informie ren und auszutauschen. - Eine Dokumentation mit den Policy Paper zu den Fachforen finden Sie auf unserer Website: www.na-bibb.de/service/ veranstaltungsrueckblicke NA jetzt bei LinkedIn Seit Sommer 2024 hat die NA beim BIBB ihre Aktivitäten auf X ruhen lassen und zu ihrem Account auf LinkedIn verlagert. Un seren Account auf X haben wir aufgrund der fehlenden Vereinbarkeit der aktuellen Ausrichtung der Plattform mit unseren Grundwerten abgeschaltet. Als NA setzen wir uns ein für eine faktenbasierte Kom munikation und gegen antidemokratische Kräfte, wogegen unserer Meinung nach die Veränderungen auf X sprechen. www.linkedin.com/company/ nationale-agentur-bildung- für-europa Film über das europäische EuroApprentices-Netzwerk: Mehr als 300 junge Leute aus 11 Ländern engagieren sich ehrenamtlich, um Auslands aufenthalte in der Berufsbildung bekannter zu machen. Mehr über die Motivation und Arbeit der EuroApprentices erfahren Sie in einem Film: https://youtu.be/mNDvLjEQjBY Neu auf Auslandsberatung-Aus bildung Ab sofort sind Flyer und Broschüren der verschiedenen Förderprogramme für Auslandsaufenthalte in der Berufs bildung auf unserer Website zur Auslands beratung verfügbar. www.auslandsberatung- ausbildung.de/unser-service/ publikationen Zukunftsorientiert weiterbilden Wie man die sozial-ökologische Transfor mation der beruflichen Zukunft gestalten kann, war Thema der Fachtagung am 4. Februar 2025 im BIBB, an der die Europä ische Agenda für Erwachsenenbildung als Mitveranstalterin beteiligt war. U.a. haben zwei von Erasmus+ geförderte Projekte dort gezeigt, wie man Weiterbildungsange bote für kleine und mittlere Unternehmen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft er folgreich umsetzt. © N ik ol au s H au ss er / BI BB www.agenda- erwachsenenbildung.de/ veranstaltungen/ veranstaltungsdokumentation Deutschland Nationale Themenschwerpunkte EPALE Deutschland hat für 2025 folgende Quartalsthemen festgelegt: 1. Quartal: Erwachsenenbildung im Justizvollzug 2. Quartal: Twin Transition in der Erwachsenenbildung 3. Quartal: Identität und Werte in der Erwachsenenbildung 4. Quartal: Qualität in der Lehre Zusätzlich zu Beiträgen aus der Commu nity erwarten Sie Themenwochen sowie EPALE-Akademien. Freuen Sie sich auf in teressante Impulse, neue Perspektiven und die Möglichkeit, sich mit der Community auszutauschen. https://epale.ec.europa.eu/ de/Blog/Fokusthemen-2025 © G ro un d Pi ct ur e - Sh ut te rs to ck Neue Europass-Unterrichts materialien Das Europass-Portal bietet viele Funk tionen für die Bewerbung. Wie die Tools der EU-Plattform in der Berufso rientierung und für das Bewerbungs training im fächerübergreifenden Unterricht ab Klasse 8 eingesetzt werden können, zeigen die neuen Un terrichtsmaterialien, die das Nationale Europass Center entwickelt hat. Sie bestehen aus interaktiven Übungen und Arbeitsblättern für Schülerinnen und Schüler sowie aus einer Handrei chung für Lehrkräfte. www.europass-info.de/ bildungseinrichtungen/ europass-im-unterricht/ unterrichtsmaterialien Studie zu Auslandserfahrung im Studium Eine vom Institut der Deutschen Wirtschaft im Auftrag des Deutschen Akademischen Austausch dienstes durchgeführte Studie zeigt die Relevanz von internationaler Erfahrung für Unternehmen. Zu den gefragten Kompetenzen, die Studierende während eines Auslandsaufenthaltes weiterent wickelt haben, gehören Eigeninitiative, Problemlösefähigkeit und Offenheit für Neues. https://eu.daad.de/medien/eu.daad.de.2016/dokumente/service/ medien-und-publikationen/studien-und-auswertungen/ unternehmensbefragung_2024_25_daad_iw.pdf http://www.na-bibb.de/presse/podcasts http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.auslandsberatung-ausbildung.de/unser-service/publikationen http://www.europass-info.de/bildungseinrichtungen/europass-im-unterricht/unterrichtsmaterialien http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/veranstaltungen/veranstaltungsdokumentation https://eu.daad.de/medien/eu.daad.de.2016/dokumente/service/medien-und-publikationen/studien-und-auswertungen/unternehmensbefragung_2024_25_daad_iw.pdf http://www.na-bibb.de/publikationen https://epale.ec.europa.eu/de/Blog/Fokusthemen-2025 http://www.na-bibb.de/service/veranstaltungsrueckblicke https://youtu.be/mNDvLjEQjBY Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 LinkedIn: www.linkedin.com/ company/nationale-agentur- bildung-für-europa www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > im Bereich Erwachsenenbildung 01.10.2025, 12:00 Uhr NA beim BIBB NA beim BIBB > im Bereich Jugend 01.10.2025, 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen berufliche Bildung, Schulbildung, Erwachsenenbildung und Jugend 01.10.2025 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Virtueller Erasmus+-Austausch > im Bereich Hochschule und Jugend 29.04.2025 17:00 Uhr EACEA EACEA AusbildungWeltweit > Aufenthalte von Februar 2026 bis Januar 2027 07.10.2025 13:00 Uhr AusbildungWeltweit AusbildungWeltweit Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (14.02.2025). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A08/2024. Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu/index_de http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de http://www.eacea.ec.europa.eu/index_de Bildung für Europa 40 · April 2025 Impressum Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Titel & Inhaltsverzeichnis ISSN Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Jubiläen 25 Jahre NA beim BIBB Die NA als lernende Organisation: Professionalisierung, Kundenorientierung und Fehlerkultur Die NA ist mehr als eine Förderinstitution Gebündelte Kompetenz in der europäischen Erwachsenenbildung Nationale Projekte Und die Zukunft? Die Zeitleiste der NA beim BIBB 2000 2007 2008 2009 2010 2013 2014 2015 2016 2017 2020 2021 2022 30 Jahre Erwachsenenbildung Ein Pionierprojekt nimmt Fahrt auf Transformation und Konsolidierung: Erasmus+ Im Hier und Jetzt Wechselspiel Politik und Praxis Erwachsenenbildung bleibt ein Motor für Innovation und Zusammenhalt Wenn Austausch Türen öffnet Kampagne in der Erwachsenenbildung erfolgreich gestartet Die Kampagne 20 Jahre Europass europass (2004–2025) Wissen teilen, Erwachsenenbildung stärken Wachsende Nutzerzahlen und neue Angebote EPALE Ressourcen KITs Erasmus+ Nationaler Bericht zur Halbzeitevaluation von Erasmus+ Ziele der Zwischenevaluation Die zentralen Ergebnisse Kernforderungen für Erasmus+ ab 2028 Ausblick Erasmus+ 2028-2034: Die nächsten Schritte Das Budget: erhebliche Herausforderung Die Zwischenevaluation: Erasmus+ 2021-2027 Der Weg: Erasmus+ 2028-2034 Entwicklungen in den Leitaktionen 1 und 2 Leitaktion 1 – Akkreditierung und horizontale Prioritäten des Erasmus+-Programms Berufsbildung: Internationalisierung und neue Aktivitäten für Lernende und Bildungspersonal Allgemeine Erwachsenenbildung: Förderung von Lernenden mit geringen Chancen Leitaktion 2 – Pauschalisierung von Förderung und starke Ausprägung der horizontalen Prioritäten Rückläufige Budgetentwicklung Erasmus+-Antragsrunde 2024 Akkreditierung Partnerschaften Erasmus+-Jahresstatistik 2024 Berufsbildung Rekord bei bewilligten Auslandsaufenthalten Hohe Zuwachsrate bei Lernenden 2024 im Vergleich zu 2023 Gruppenmobilitäten gut angenommen 2024 Auslandserfahrung für alle Partnerschaften – Top-Prioritäten Erwachsenenbildung Weiteres Wachstum bei Auslandsaufenthalten Gute Förderchancen Partnerschaften – Top-Prioritäten Starker Zuwachs bei Kurzzeitprojekten Bundesländer mit den meisten bewilligten Kurzzeitprojekten 2024 Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Inklusivität von Erasmus+ Wirkung auf Organisationsebene Wirkung auf horizontale Prioritäten Wirkung auf Lernende und Personal Wirkung auf systemischer Ebene Erfolge Niederlagen European Innovative Teaching Award 2024 Internationale Zusammenarbeit als Erfolgsschlüssel Nachhaltige Wirkung und Perspektiven Info Good Practice: Demokratiebildung spielerisch fördern Von der Bedarfsanalyse zur Umsetzung Wesentlicher Bestandteil: gezielte Verbreitung Große Nachfrage nach dem Kartenspiel Projektinfo Good Practice: Steigerung der Kundeninnovation in KMU Verbreitung und Implementierungsberatungen Projektinfo Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ Wahlverfahren und Zusammensetzung des neuen Nutzerbeirats Neue Sprecherin und Arbeitsweise des Beirats Bedeutung des Nutzerbeirats für das Erasmus+-Programm Infosplitter Veröffentlichungen Ganz Ohr? Jahrestagung 2024 NA jetzt bei LinkedIn Film über das europäische EuroApprentices-Netzwerk: Neu auf Auslandsberatung-Ausbildung Zukunftsorientiert weiterbilden Nationale Themenschwerpunkte Neue Europass-Unterrichtsmaterialien Studie zu Auslandserfahrung im Studium Aktuelle Ausschreibungstermine Wichtige Internet-Adressen …

[…] Bildung für Europa 39 Aug. 2024 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Auslandsaufenthalte in Bildungseinrichtungen verankern 06 „Europa in Bewegung“ 22 Personalmobilität 23 Erste Ergebnisse RIA-AE 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Berthold Hübers Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 06.05.2024 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/ publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: BIBB Gedruckt auf Antalis Digicolor Bildnachweis Titel & Inhaltsver- zeichnis (S.5): JacobLund und Porcupen_AdobeStock (S. 1); D'Action Images_AdobeStock, Hella Krusche, Mediteraneo _AdobeStock, Mareike Marx, contrastwerkstatt_AdobeStock (S. 5). Für unverbindlich eingesandte Manu- skripte, Bildmaterial und andere Unter- lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich-net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. - www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. - Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. - Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de https://x.com/@nabibb_de https://x.com/@EUEB_de 2 3 Bildung für Europa | August 2024 © N A b ei m B IB B Liebe Leserinnen, liebe Leser, die Internationalisierung in der Bildung boomt. Die Zahl der bewilligten Auslandsaufenthalte steigt stark an. Die NA beim BIBB hat im Jahr 2023 über 35.000 Auslandsaufenthalte bewilligt, 42 Prozent mehr als im Jahr zuvor und der Zuwachs wird im Jahr 2024 voraussichtlich ähnlich hoch sein. In der Berufsbildung ist die Nach frage nach institutionellen Erasmus+-Akkreditierungen deutlich hö her als aufgrund der verfügbaren Mittel bedient werden kann. Auch das Interesse an Kooperationsprojekten bleibt auf hohem Niveau. - - All dies sind gute Zeichen und ein hoffnungsvolles Signal. Wir ste hen in Deutschland und Europa vor Herausforderungen, die wir nur mit guter Bildung bewältigen können. Wir brauchen Men schen, die kulturelle Unterschiede als Bereicherung erleben und gelernt haben, die damit zwangsläufig einhergehenden Heraus forderungen aufgrund eigener interkultureller Erfahrungen kom petent zu meistern. Das Bildungspersonal, das neue Ideen von Peer-Learning-Aktivitäten im Ausland aufgreift, hebt die Qualität unserer Bildungsangebote. Die Bildungseinrichtungen, die mit eu ropäischen Partnern kooperieren, entwickeln innovative Konzepte und sind zugleich attraktive Arbeitgeber im Bildungssektor. Dies alles sind Wirkungen der Programme, die wir in der Nationalen Agentur beim BIBB umsetzen. In dieser Journalausgabe finden Sie Berichte und Geschichten von Menschen, Projekten und Initiativen, die das beispielhaft belegen. - - - - - Die soeben veröffentlichte Ratsempfehlung „Europa in Bewegung“ gibt der Internationalisierung der Bildung nochmals Rückenwind und eine Richtung. Die darin genannten Empfehlungen gelten für die Erwachsenenbildung und Berufsbildung gleichermaßen. Für die Berufsbildung wird darüber hinaus ein Mobilitätsbenchmark formuliert, der mit 12 Prozent höher liegt als alle bisherigen natio nalen oder europäischen Zielmarken. Bemerkenswert ist, dass der Benchmark nun die gesamte Berufsbildung umfasst, also neben der Erstausbildung auch die Ausbildungsvorbereitung, Fortbildung und Umschulung. Das macht dieses Ziel noch wesentlich ambitio nierter. - - Noch ein Wort in eigener Sache: Es ist das erste Mal, dass ich mich als Direktor der NA beim BIBB an Sie wende. Ich habe die Leitung im Januar von Klaus Fahle übernommen, der sich in der letzten Ausgabe des Journals von Ihnen verabschiedet hat. Mit wem ha ben Sie es jetzt zu tun? Ich bin Elektriker und Diplom-Pädagoge, Interkultureller Trainer und Erwachsenenbildner, Westfale und Eu ropäer. Die Bildungspraxis, an die sich unsere Programme richten, ist mir also vertraut, auch wenn ich bereits seit 17 Jahren in der NA beim BIBB arbeite. Jetzt freue mich darauf, Ihnen mit den Program men, die bei uns angesiedelt sind, und zusammen mit dem starken Team der NA beim BIBB eine ideale Unterstützungsstruktur für Ihre Aktivitäten zur Internationalisierung der Bildung zu bieten. - - - Mit einem herzlichen Gruß aus Bonn Editorial Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB 4 5 Inhalt Nr. 39 | Schwerpunkt Internationalisierung 06 09 10 12 14 15 16 18 20 22 „Europa in Bewegung“ Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland Good Practice: Von Internationali sierung überzeugt - Gesamter Kammerbezirk profitiert von Internationalisierung Drei Jahre Akkreditierung in der Leitaktion 1 Was sind die Ziele und wo stehen wir? Europa bringt Farbe ins Spiel Wie der Bayerische Volkshochschulverband (bvv) die Internationalisierung fördert Good Practice: VHS Rottweil stellt sich neu auf Erasmus+ als Motor für Veränderungen Good Practice: International denken Die Möglichkeiten von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung nutzen Internationalisierung als Instrument Fortbildungsreihe für EU-Koordinierende Infografik „Internationalisierung auf gutem Weg Ausgewählte Erasmus+-Statistiken aus der Berufs- und Erwachsenenbildung“ „Ein Tor in den europäischen Bildungsraum“ Das Europass-Portal als Anlaufstelle zum Lernen und Arbeiten in Europa Personalmobilität in Europa Instrument zur Internationalisierung von Bildungseinrichtungen Das transnationale Forschungs netzwerk RIA-AE - Erste Ergebnisse zu Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Baukasten internationale beruf liche Handlungskompetenz - Ein erster Praxiseinsatz Good Practice: Bereit für Europa? upgrade2europe unterstützt Organisationen bei der Europäisierung Weltweite Öffnung für akkredi tierte Einrichtungen - Welche Möglichkeiten bietet Erasmus+ außerhalb der EU? Mit Erasmus+ zum Praktikum nach Asien Sprachförderung in der Kita – das kann man auch in Vietnam lernen Steigendes Interesse an weltwei ten Auslandspraktika - Eine Bestandsaufnahme des Förderprogramms AusbildungWeltweit Erasmus+ Erasmus+-Antragsrunde 2024 Mehr Auslandsaufenthalte als je zuvor beantragt – noch Potenzial in der Erwachsenenbildung Neues Portal für Projektträger Ausgliederung von Inhalten aus Website sorgt für bessere Auffindbarkeit Infosplitter Antragsfristen 23 24 26 27 28 30 32 33 34 36 4 5 Bildung für Europa | August 2024 „…. dass die EU-Ziele bis 2030 erreicht werden, und zwar im Hinblick darauf, dass […] in der beruflichen Aus- und Weiterbildung der Anteil der Lernenden in der Berufsausbildung, die in den Genuss einer Lernerfahrung im Aus- land kommen, mindestens 12 % betragen sollte. “ 28 Mit Erasmus+ nach Asien 24 Baukasten internationale berufliche Handlungskom petenz - 12 Nachgefragt beim Bayerischen Volkshochschulverband 16 Internationalisierung als Instrument 33 Neues Portal für Erasmus+-Projektträger 06 „Europa in Bewegung“– Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland 6 7 Internationalisierung „Europa in Bewegung“ Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland © D 'A ct io n Im ag es _A do be St oc k 6 7 Bildung für Europa | August 2024 - - Europäischer Bildungsraum und Ratsempfehlung Bildungsbezogene Auslandsaufenthalte stärken die Internationali sierung der Bildung. Fast alle Dokumente in Zusammenhang mit dem europäischen Bildungsraum verweisen auf ihre Bedeutung als wichtigen Baustein bei dessen Verwirklichung. Wie sie nennt die Ratsempfehlung „Europa in Bewegung“ zunächst als besondere Herausforderungen den Fachkräftemangel sowie den digitalen und den grünen Wandel, denen aus Sicht des Rats mit Hilfe von Aus landsaufenthalten begegnet werden kann. Darüber hinaus werden mit Lernmobilität im Ausland persönlichkeitsbildende Effekte, die Förderung einer europäischen Identität, eine verbesserte Beschäf tigungsfähigkeit sowie die Qualitätsverbesserung der Bildungsan bieter und ihrer Angebote verbunden. Die neue Ratsempfehlung soll helfen, noch bestehende Hindernisse für die Lern- und Lehr mobilität zu beseitigen und gleichzeitig inklusive, nachhaltige und ausgewogene Lernaufenthalte im Ausland zu fördern. Dabei sind alle Bildungsbereiche sowie neben der formalen auch die non-for male und informelle Bildung angesprochen. Besondere Beachtung finden die beiden Zielgruppen Lehrkräfte und Auszubildende. - - - - - - Mitgliedstaaten: Benchmarks und Systeme „Europa in Bewegung“ enthält 17 teilweise sehr konkrete Emp fehlungen für die Mitgliedstaaten, aus denen hier drei herausge griffen werden sollen. So soll in der Berufsbildung der Anteil der Lernenden, die einen Auslandsaufenthalt absolvieren, bis 2030 EU- weit auf 12 Prozent ansteigen (Empfehlung 3). Die ursprünglich vorgeschlagene Zielmarke von 15 Prozent wurde demnach zwar reduziert, aber auch der neue Benchmark stellt ein sehr ambiti oniertes Ziel dar. Ebenfalls anders als im Vorschlag vom Novem ber 2023 enthält die endgültige Ratsempfehlung keine konkrete Zielmarke mehr für die Beteiligung von Menschen mit geringeren Chancen an der Lernmobilität. Den Mitgliedstaaten wird stattdes - - - - - sen empfohlen, bis 2027 einen Anteil von 20 Prozent anzustreben; als Schätzungsgrundlage sollen Erasmus+ und das Programm für das Europäische Sozialkorps herangezogen werden. Der Rat hält jedoch an seiner Empfehlung fest, bis 2030 eine konkrete Zielmar ke zu definieren. Als Basis hierfür soll ein Vorschlag für eine valide Datenerhebungsmethode für diese Personengruppe dienen, den die EU-Kommission bis 2026 vorlegen soll (Empfehlung 4). - Eine weitere interessante Empfehlung ist die, “systemische Lernmo bilitätschancen“ zu schaffen (Empfehlung 6). Unter anderem wird angeregt, Lernmobilität zu einem festen Bestanteil der Bildungs systeme zu machen, etwa durch Wahlkurse, feste „Mobilitätsfen ster“ in den Bildungsgängen oder andere, nicht weiter präzisierte Maßnahmen. Nicht nur in diesem Abschnitt wird der umfassende Ansatz des Rats deutlich: Explizit werden alle Bildungsbereiche und Lernformen genannt und in die Empfehlungen einbezogen. Zu den systemischen Mobilitätschancen gehören für den Rat auch die Incoming-Mobilität, die Bedeutung von Qualitätsstandards sowie die Notwendigkeit einer Koordination von Förder- und Unterstüt zungsmöglichkeiten in den Mitgliedstaaten. - - - - Das Dokument enthält darüber hinaus Empfehlungen zur Förde rung des Sprachenlernens, zu mobilitätsfördernden Maßnahmen wie die Schaffung einer „Mobilitätskultur“, zu Informations- und Netzwerkaktivitäten, zu Initiativen zur Transparenz und Anerken nung von Lernergebnissen sowie zur Stärkung von Inklusion, Nach haltigkeit, Digitalisierung und europäischer Werte mittels europä ischer Lernmobilität. - - - - Bis Ende 2026 sollen die Mitgliedstaaten der EU-Kommission einen Bericht über bestehende oder geplante Konzepte bzw. Strategien zur Umsetzung der Empfehlungen vorlegen. Unterstützung durch die EU-Kommission Mit 17 sogenannten „Ersuchen“ wendet sich der Rat der Europä ischen Union auch direkt an die EU-Kommission. Sie reichen von der Schaffung einer guten Datengrundlage über die Unterstützung der Mitgliedstaaten bei allen bereits genannten Themen bis hin zu Begleitung von Reformen und strategischen Entwicklungen in den Ländern. Erasmus+ wird hier wie in den anderen Abschnitten wiederholt als Referenzprogramm und Beispiel herangezogen. Bis 2025 soll die EU-Kommission eine Studie über Chancen, Heraus forderungen und Auswirkungen einer ausgewogenen Mobilität erstellen. - - Besonders wichtige Zielgruppen: Lehrkräfte und Auszubildende In zwei Anlagen hebt der Rat zwei Themen besonders hervor: Die Lernmobilität von Lehrkräften und die von Auszubildenden. Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland 8 9 Mobilität von Lehrkräften In der ersten Anlage formuliert der Rat Anregungen, wie beste hende Mobilitätshindernisse speziell für das Bildungspersonal über wunden werden können. So soll Auslandsmobilität sowohl in der Ausbildung als auch in der Weiterbildung von Lehrkräften gestärkt werden. Dies zum Beispiel durch die Verankerung von Mobilitäts möglichkeiten in Lehrplänen, durch „Mobilitätsfenster“ im Studium und im Beruf sowie durch Vereinbarungen zur Vergleichbarkeit und Anerkennung von Lehrtätigkeiten oder erworbene Kompetenzen im Ausland. Auf lokaler Ebene soll ein strategischer Ansatz dabei helfen, Lehrkräftemobilität und Schulentwicklung besser mitei nander zu verbinden. Hier werden unter anderem genannt: eine verstärkte Unterstützung der Akteurinnen und Akteure in Entschei dungspositionen, konkrete Zielsetzungen auf Einrichtungsebene sowie die Zusammenarbeit von Schulen untereinander und mit relevanten lokalen Organisationen. Für die Organisation der Lehr kräftemobilität sollen die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden, zum Beispiel indem lokale Kapazitäten gebündelt oder aktive Schulen mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet werden. Grundsätzlich wird eine Anerkennung des Engagements Einzelner für die Mobilität und deren Ermöglichung angeregt. Ein eigener Ab schnitt widmet sich Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen für Schulleitungen und Entscheidungsträger. - - - - - - - Mobilität von Auszubildenden Die zweite Anlage trägt der besonderen Situation von Auszubilden den Rechnung und schlägt Maßnahmen vor, die helfen könnten, deren Beteiligung an Auslandsmobilität zu erleichtern und zu er höhen. Auf Systemebene wird die Einbettung von europäischer Lernmobilität in nationale oder branchenspezifische Internationa lisierungsstrategien angeregt. Die Einbindung der relevanten Ak teure und die Expertise von Zentren beruflicher Exzellenz könnten aus Sicht des Rats die Integration von Mobilität in Lehrpläne sowie die Qualität von Auslandsaufenthalten vorantreiben. In der Bereit stellung von Personalressourcen, Anlaufstellen und Beratungsstruk turen werden sinnvolle Initiativen gesehen, um die Mobilitätsbetei ligung von Auszubildenden zu erleichtern. Weitere vorgeschlagene Maßnahmen haben einen einfachen Zugang zu Informationen, administrative Erleichterungen für die Aufnahme von Auszubilden den anderer Länder sowie bilaterale Abkommen zur besseren Ver gleichbarkeit und gegenseitigen Anerkennung von Lernleistungen zum Inhalt. Mit Blick auf die Auszubildenden selbst wird ein inklusiver Ansatz besonders hervorgehoben. Außerdem werden unter anderem ge nannt: eine finanzielle Unterstützung zusätzlich zu Erasmus+, die Entwicklung relevanter Begleitmaßnahmen vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt sowie der Aufbau von Beratungsstruk turen und -angeboten. Mit Blick auf Unternehmen regt der Rat die Schaffung finanzieller Anreize, die organisatorische Unterstützung vor allem von KMU und die Förderung der grenzüberscheitenden Zusammenarbeit der relevanten Stellen an, letzteres insbesondere in Branchen, die vom digitalen und grünen Wandel betroffen sind bzw. zur Abmilderung des Fachkräftemangels in diesen Branchen. - - - - - - - - - - - Einschätzung aus Erasmus+-Perspektive Die Ratsempfehlung gibt den Mitgliedstaaten wichtige und kon krete Anregungen zur Steigerung der Teilnahme an und zur Quali tätsverbesserung von Lernaufenthalten im Ausland. Sie richtet sich vor allem an (politische) Entscheidungsträger, stellt aber auch für alle, die sich in Erasmus+ engagieren, ein wichtiges Dokument dar. Grundsätzlich haben Empfehlungen des Rats der Europäischen Uni on eine große Verbindlichkeit, da ihre Inhalte von Vertreterinnen und Vertretern aller Mitgliedstaaten ausgehandelt wurden und in sofern auch mitgetragen werden. - - - - - - - - - Internationalisierung © N A b ei m B IB B © lu ci an o_ A do be St oc k Für Akteurinnen und Akteure im Erasmus+-Programm enthält „Europa in Bewegung“ eine Reihe vielversprechender Aussagen. Der Stellenwert von Lernmobilität im Ausland in allen Bildungs bereichen wird deutlich gestärkt. Lernmobilität, und damit Eras mus+, wird als wichtiges Mittel zur Vollendung des europäischen Bildungsraums angesehen. Die zentralen Ziele und Prioritäten des Erasmus+-Programms finden sich in der Ratsempfehlung wieder. Auch der Anspruch von Erasmus+, Wirkung auf Einrichtungsebene zu erzielen, wird bestätigt und gestärkt. Mobilität wird von der Ebe ne vieler Einzelfälle auf die Systemebene gehoben, die Ressourcen frage und die der Wertschätzung von europäischem Engagement werden zu wichtigen Gelingensfaktoren. Lehrkräftemobilität sowie die Situation von Auszubildenden und ihrer Ausbildungsunterneh men erhalten eine hohe Aufmerksamkeit. Und schließlich kann sogar der hohe Benchmark für die Berufsbildung dazu beitragen, das Erasmus+-Programm zu stärken, denn ohne die notwendige Mittelausstattung der nächsten Programmgeneration ist er kaum zu erreichen. ULRIKE SCHRÖDER Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB ulrike.schroeder@bibb.de https://data.consilium.europa.eu/doc/ document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf mailto:ulrike.schroeder@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung Good Practice: Von Internationalisierung überzeugt Gesamter Kammerbezirk profitiert von Internationalisierung © F ra nk O el ze Die Handwerkskammer Erfurt hat jah relange Erfahrung sowohl als entsen dende als auch aufnehmende Einrich tung im Programm Erasmus+ und ist bereits seit 2020 akkreditiert. Gründe für die Kammer, international aktiv zu sein und entsprechende Angebote auch mit Erasmus+ anzubieten, gibt es einige. Wettbewerbsfähigkeit - - - Auszubildende, die einen Aufenthalt im Aus land durchführen, stärken nicht nur ihr fach liches Wissen, indem sie z.B. neue Techniken lernen, sondern verbessern auch ihre Soft Skills wie Flexibilität oder Selbstvertrauen. Gemeinsam mit den interkulturellen Kompe tenzen, die durch einen Auslandsaufenthalt erworben werden, wird damit die Wettbe werbsfähigkeit der Auszubildenden erhöht. Auch den Betrieben und der Kammer selber kann Erasmus+ helfen, die Konkurrenzfähig keit zu erhöhen: sei es durch die Mobilität von Ausbildungspersonal, das selber neue Fähig keiten erwerben kann, oder durch die Koor dination des Angebots, was zukünftige Fach kräfte dazu bewegen kann, im Kammerbezirk eine Ausbildung anzutreten. Attraktivität - - - - - - - - Die internationale Arbeit der Handwerks kammer ermöglicht ein niedrigschwelliges Angebot für ihre Mitgliedsbetriebe und leistet somit einen langfristigen Beitrag für die In ternationalisierung im Kammerbezirk, auch durch die Entlastung von Betrieben, die selber keine Erasmus+-Anträge stellen möchten. Die enge Vernetzung mit den Mitgliedsbe trieben erlaubt es der Kammer zudem, einen guten Überblick des Bedarfs der Wirtschaft zu haben. So kann bedürfnisorientiert reagiert und entsprechende Angebote können zeit nah erarbeitet und umgesetzt werden. Durch das Angebot der Kammer wird somit die At traktivität der Berufsbildung im Kammerbezirk erhöht. Dies zeigt sich am Beispiel des Fach kräftemangels. Dieser kann durch Kooperati onen mit Partnern aus Ländern, auch außer halb Europas, aus denen vermehrt Fachkräfte nach Deutschland kommen, verringert wer den. Ein Austausch auf fachlicher, aber auch kultureller Ebene kann helfen, die Eingliede rung dieser Fachkräfte in Deutschland zu ver einfachen. Auch der Austausch zu Inhalten und Rahmenbedingungen von europäischen Berufsabschlüssen kann die Fachkräfteanwer bung erleichtern. Von Guter Praxis lernen - - - - - - - - - - - - Ein Beispiel im Bereich Digitalisierung zeigt deutlich, dass Auslandsaufenthalte nicht nur den Teilnehmenden zugutekommen, son dern auch großflächig eine positive Wirkung auf das Angebot der beruflichen Bildung ha ben können und sich damit wie beschrieben günstig auf die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Berufsbildung im Kammer bezirk Erfurt auswirken. Seit 2023 verfügt die Handwerkskammer über ein Kompetenzzen trum für Robotik und Sensorik. Der Wunsch, hier auch Gute Praxis, zum Beispiel im Bereich der Lehre von Robotik aus anderen Ländern einfließen zu lassen, konnte durch Mobilitäten nach Estland erfüllt werden. Die hier erwor benen Kompetenzen fließen zurück in das Kompetenzzentrum und stehen somit einer großen Anzahl an Personen zur Verfügung, die selber nicht zwingend für einen Lernauf enthalt im Ausland waren. - - - - - - PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2023-1-DE02-KA121-VET-000113362 Laufzeit: 01.06.2023 - 31.08.2024 Zielländer: ES, IE, AT, MT, IT, EE, VN Projektnehmer: Handwerkskammer Erfurt Kontakt: Frau Pizarro-Weingart bweingart@hwk-erfurt.de Website: www.hwk-erfurt.de Internationalisierung mailto:bweingart@hwk-erfurt.de http://www.hwk-erfurt.de 10 11 - - - - - - - - - - - - - - - - B ereits ein Jahr vor dem offiziellen Beginn der aktuellen Erasmus+-Programmge neration (2021-2027), haben sich die NA beim BIBB und die in der Leitaktion 1 (Mobilität) aktiven Einrichtungen aus der Berufs- und Erwachsenenbildung mit einer großen Neuerung auseinan dergesetzt: der Akkreditierung. Drei Jahre Akkreditierung in der Leitaktion 1 Was sind die Ziele und wo stehen wir? Internationalisierung Was genau ist die Akkreditierung? Die Akkreditierung ist eine Art Mitglied schaft, mit der Einrichtungen in der Leitaktion 1 langfristig mit weniger bü rokratischem Aufwand Mittelanforde rungen bei der NA einreichen können. Für neue Einrichtungen gibt es auch wei terhin die Möglichkeit, über Kurzzeitpro jekte die Durchführung von Auslandsauf enthalten zu Lernzwecken zu „testen“ bzw. Erfahrung zu gewinnen. Doch wer langfristig am Programm teilnehmen möchte, kommt um die Akkreditierung nicht herum. Teil des Akkreditierungsantrags sind kon krete Ziele, die sich die Einrichtungen setzen und die sie mithilfe der Akkreditie rung, sprich mit Erasmus+-Mobilitätsakti vitäten, erreichen möchten. Diese werden als Teil des Erasmus Plans formuliert und sind so individuell wie die Einrichtungen, die im Programm aktiv sind. So reichen sie von der Einführung neuer Curricula über die Qualifizierung von Management-, Ver waltungs- und Lehrpersonal bis hin zum Aufbau konkreter Kompetenzen inner halb der Einrichtungen. Hierbei beziehen sich die Einrichtungen nicht selten auf die Schwerpunktthemen des Erasmus+-Pro gramms und streben Kompetenzaufbau hauptsächlich in den Bereichen Inklusion, Nachhaltigkeit und Digitalisierung an. Ziele der Akkreditierung Anders als bei der projektbezogenen För derung der Vergangenheit soll die Akkredi 10 11 Bildung für Europa | August 2024 tierung Einrichtungen dabei unterstützen, ihre internationale Arbeit zu reflektieren und diese, wo nötig und möglich, mit Hil fe des Programms zu festigen und auszu bauen. Der Fokus liegt somit weniger auf den einzelnen Mobilitätsaktivitäten, son dern auf den aktiven Einrichtungen selbst. Auch die mit einer Akkreditierung einher gehenden weniger aufwendigen Mittel anforderungen sollen die Einrichtungen dabei unterstützen, ihre Ressourcen statt dessen in die internationale Arbeit zu in vestieren. Statt einer jährlichen inhaltlichen Antrags stellung muss nach spätestens fünf Jah ren ein Bericht zum Fortschritt des Eras mus Plans eingereicht werden. Da bisher nur einzelne Berichte eingegangen sind, lässt sich auf deren Basis noch keine um fassende Einschätzung zur Wirkung der Akkreditierung treffen. Gespräche und Monitoring-Veranstaltungen mit akkre ditierten Einrichtungen deuten jedoch eine insgesamt positive Wirkung an. So haben viele Träger die Planungssicher heit aufgrund der Langfristigkeit der Ak kreditierung betont. Betrug die Laufzeit der Projekte im alten Programm nur ma ximal zwei Jahre, gilt die Akkreditierung bis zum Ende der Programmlaufzeit, also bis einschließlich 2027. So gibt es Einrich tungen, die diese langfristige Planungssi cherheit genutzt haben, um eine eigene Stelle für die Koordination und Durchfüh rung der Erasmus+-Mobilitätsaktivitäten einzurichten. Die Erstellung eines Erasmus-Plans und die damit verbundene Auseinanderset zung mit der bisherigen internationalen Arbeit haben vielen Einrichtungen erst bewusst gemacht, wie viel sie in dem Zusammenhang bereits umsetzen. Es wurden aber auch Defizite entdeckt und Wege gefunden, diese mit Hilfe von Eras mus+ anzugehen. Da die Akkreditierung auf Einrichtungsebene ansetzt und eine langfristige Organisationsentwicklung an strebt, sind Entscheidungsträger/-innen in den Einrichtungen stärker als zuvor in die Erasmus+-Tätigkeiten involviert. Dies wird von vielen Erasmus+-Koordinato rinnen und Koordinatoren als positiv für die eigene Arbeit angesehen. Auch die Identifizierung mit Europa ist bei Mitar beitenden und Lernenden einiger Einrich tungen durch die Erasmus-Akkreditierung nachhaltig gestiegen. Projektträger haben darüber hinaus zurückgemeldet, dass die Akkreditierung sie dabei unterstütze, eu ropäische Antworten auf aktuelle Krisen und Herausforderungen zu finden. Wie wurde die Akkreditierung bisher angenommen? Internationalisierung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Aufgrund der langen Laufzeit der Ak kreditierung nimmt die Zahl der Akkre ditierungsanträge in der Berufsbildung im Verlauf insgesamt ab, ist aber immer noch erfreulich hoch. In der Erwachse nenbildung gestaltet sich die Situation anders. Nach einer hohen Nachfrage zu Beginn der Programmgeneration sind die Antragszahlen in den folgenden Jahren unter anderem bedingt durch die Coro na-Pandemie deutlich zurückgegangen. 2023 war jedoch eine Entspannung der Situation zu erkennen und ein sichtbarer Anstieg der Antragszahlen bei den Akkre ditierungen zu verzeichnen. Seit Einführung der Akkreditierung im Jahr 2020 wurden in der Berufsbildung 885 Einrichtungen akkreditiert, 58 davon als Konsortialführer. In der Erwachsenen bildung konnten bisher 63 Akkreditie rungen vergeben werden. 11 dieser Ein richtungen sind zusammen mit weiteren Partnern in einem Konsortium organisiert. In den bisher vier Antragrunden für Mit telanforderungen konnten in der Berufs bildung Auslandsaufenthalte für ungefähr 83.800 Lernende bewilligt werden, eben so 23.200 Aufenthalte für Bildungsperso nal. In der Erwachsenenbildung beläuft sich die Zahl auf ungefähr 1.600 Auslands aufenthalte für Lernende und ungefähr 4.750 für Mitarbeitende. 2023 musste in der Berufsbildung aufgrund der hohen Nachfrage, die nicht mehr vollständig von dem vorhandenen Budget gedeckt werden konnte, die Anzahl der neu ver gebenen Akkreditierungen auf 100 be schränkt werden. Da in der Erwachsenen bildung nach wie vor ausreichend Budget zur Verfügung steht, gibt es eine solche Deckelung dort nicht. Wie geht es weiter? - - - - - - - - - - - - - - - - Auch im Jahr 2024 gehen wir von einem großen Interesse in der Erwachsenen- und Berufsbildung an der Akkreditierung aus. In der Berufsbildung wurde bereits ange kündigt, dass auch im laufenden Jahr wie der nur maximal 100 Einrichtungen eine Akkreditierung bekommen können. - - - - - - Mit mehr abgeschlossenen Mittelanforde rungen und Akkreditierungsberichten lässt sich in den nächsten Monaten und Jahren ein besseres Bild über die Auswirkung der Akkreditierung auf die beteiligten Einrich tungen gewinnen. Doch schon jetzt zeich net sich ab, dass die Akkreditierung einen positiven und nachhaltigen Einfluss auf die einzelnen Teilnehmenden an Mobilitätsak tivitäten und die Einrichtungen selbst hat und dadurch zur Weiterentwicklung aller Beteiligten beiträgt. LAURA BROSS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Inter nationalisierung der Berufsbil dung“ in der NA beim BIBB - - TANJA MÖLLER Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Lernmobilität und Agenda“ in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B & p riv at 12 13 Europa bringt Farbe ins Spiel Wie der Bayerische Volkshochschulverband (bvv) die Internationalisierung fördert - - - - - - - - - - - - - - - © H el la K ru sc he Internationalisierung E in Gespräch mit Hella Krusche, Leiterin Grundbildung und europäische Zusam menarbeit in der Fach- und Koordina tionsstelle für Alphabetisierung und Grundbildung beim bvv Frau Krusche, wie wichtig ist Ihnen das Thema Internationalisierung? Die kulturelle Verständigung in unserer Ge sellschaft ist zu einer echten Herausforde rung geworden – auch in der Erwachsenen bildung. Die Frage dabei lautet: Wie können wir uns internationalisieren und interkultu relle Kompetenzen fördern? Nur wenn wir unser Bildungspersonal entsprechend quali fizieren, bekommen wir Menschen anderer Nationalitäten in unsere Kurse. Und dafür sind wir ja angetreten: eine Erwachsenen bildung für alle, in der niemand zurückge lassen wird. Wie ist das bei den Volkshochschulen (VHS)? Internationalität gehört zu unserem Selbst verständnis. Unsere Aufgabe ist es, das Gemeinwesen zu unterstützen und Ange bote für die Bürger/-innen vor Ort zu ent wickeln. Europa ist in diesem Sinne eine Art Türöffner, um sich als Organisation weiterzuentwickeln. Genau hier kommen EU-Bildungsprogramme wie Erasmus+ und die Akkreditierung ins Spiel. Sie helfen uns, im Zusammenwirken mit anderen Einrich tungen in Europa das erforderliche Know- how zu erwerben und als Organisation zu wachsen. Es gibt diesbezüglich auch den Spruch: Alleine bin ich schneller, gemeinsam komme ich weiter. Genauso ist das. Seit wann sind Sie in Erasmus+ akkre ditiert? Und welchen Beitrag leistet dies? Wir sind seit 2022 akkreditiert, machen aber schon seit 25 Jahren europäische Projekte. Seit der Akkreditierung haben wir bereits über 500 Teilnehmer/-innen entsendet. Das liegt an den vielen Vorteilen, zum Beispiel der Flexibilität, Programminhalte anzupas sen. Wir führen verschiedene Aktivitäten durch – von der Entsendung zu Kursen und Schulungen über Job-Shadowing bis zur 12 13 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung Teilnahme an Konferenzen. Dabei leitet uns, wohin wir uns als Einrichtung entwi ckeln wollen und welche Handlungsfelder prioritär sind. So wollen wir zum Beispiel vermehrt digitale Tools einsetzen, um noch mehr soziale und sprachliche Inklusion zu erreichen. Das ist ein sehr dynamischer Bereich. Die Akkreditierung ermöglicht es uns, hier auf aktuelle Entwicklungen und Bedarfe zu reagieren. - Als Dachverband vertreten Sie rund 160 VHS in Bayern. Wie schaffen Sie es, diese mitzunehmen? Wer noch nicht europäisch unterwegs war, muss erst einmal ein Gefühl dafür entwi ckeln, was das eigentlich bedeutet. Für die einzelne VHS bleibt im Tagesgeschäft oft wenig Zeit, um Neues zu entwickeln. Unse re Angebote setzen hier Impulse, die Inno vation und Vereinfachung versprechen. Wir greifen Themen auf, die den Kolleginnen und Kollegen unter den Nägeln brennen – nehmen Sie künstliche Intelligenz oder Di versity. Über den europäischen Austausch können die Akteure vor Ort sich Know-how einholen und vernetzt an relevanten The men arbeiten. Eine Voraussetzung dazu sind gute Vertriebswege. Alle Erasmus+-An gebote werden bei uns ganz normal im Regelprogramm ausgeschrieben. Zudem versuchen wir, uns an bestehende Arbeits gruppen, Initiativen und Gremien anzudo cken, um auch deren Kanäle zu nutzen. Wichtig ist mir auch das Follow-up. Das einzelne Bildungsangebot ist im besten Fall der Einstieg in einen Prozess, der sich umso mehr lohnt, wenn man dranbleibt. Daher wollen wir den Volkshochschulen in un serem Verband zugleich die Vorteile einer eigenen Akkreditierung vermitteln. Neben den Inhalten und der Vernetzung geht es in unserer Ansprache immer auch um nach haltige Strukturen. Was meinen Sie damit? - - - - - - - - - - Ich veranstalte für jede Entsendung eine Serie von Vorbereitungsworkshops. Alle, die sich bei uns angemeldet haben, erstel len ein Motivationsschreiben, in dem sie ihre Beweggründe für die Teilnahme zum Ausdruck bringen und einordnen, wie das Ganze in ihre Arbeit passt. In den Work shops besprechen wir dann inhaltliche und organisatorische Aspekte und entwickeln Ideen für die jeweiligen Anliegen. Nach der Teilnahme hole ich alle wieder zusammen, um Ansatzpunkte für eine Weiterarbeit und neue Synergien zu finden. - - Welche Rolle spielt die Professionali sierung des Bildungspersonals? - Eine sehr wichtige Rolle. Die Weiterbil dungsimpulse, die wir aus der europäischen Arbeit bekommen, nehmen wir auf, um das Bildungspersonal unserer Volkshochschulen zu schulen und zu professionalisieren. Das ist übrigens ein wesentlicher Nutzen der Akkreditierung. Denn sie zielt darauf, die Ergebnisse der Mobilitäten so zu verwerten, dass wir die neuen Fortbildungsansätze in die Regelstrukturen überführen. - Worin liegt der Kern Ihrer Philosophie? Der Schlüssel zum Erfolg ist für mich Erfah rung gepaart mit Reflexion. Alle teilneh menden Kolleginnen und Kollegen verin nerlichen, dass der berühmte Blick über den Tellerrand einen Nutzen hat, ebenso wie der Austausch vor Ort. Für viele unserer Teilneh mer/-innen hat das auch Auswirkungen auf ihr Selbstverständnis als Lehrende. Oft bin ich selbst erstaunt darüber, wie wichtig die ser Aspekt der europäischen Erfahrung ist. Der Prozess geht ja im heimischen Umfeld weiter. Sei es, dass ich Expertinnen und Ex perten in den Verband einlade oder wir ge meinsam mit den Einrichtungen ausloten, welche Formen der Kooperation, Entsen dung und Aufnahme künftig möglich sind. Vor diesem Hintergrund ist mir auch der Mix der Teilnehmenden sehr wichtig: Wir haben Leiter/-innen und hauptamtliche pä dagogische Mitarbeiter/-innen, die das Pro gramm planen, aber auch Lehrkräfte sowie engagierte Ehrenamtler/-innen, die seit Jahr und Tag Aufgaben für die Volkshochschu le übernehmen. All diese Gruppen sollten einbezogen werden, denn die Mischung macht es letztlich aus, sie schafft unter schiedliche Perspektiven. Meine Erfahrung ist, dass die Kolleginnen und Kollegen, die an Erasmus+-Aktivitäten teilnehmen, sehr rasch eine ehrliche Begeisterung für das Thema entwickeln – das gilt für Leiter/-in nen, Planer/-innen und Lehrkräfte gleicher maßen. Warum ist das so? - - - - - - - - - - - - - - Die Erwachsenenbildung ist ein Bildungs sektor, der mit nur wenigen festangestell ten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie vielen Honorarkräften arbeitet. Die Teilnahme an Erasmus+ kann da wie eine Offenbarung wirken. Teil der Erasmus-Fa milie zu werden, ist nicht selbstverständlich und wird als echte Bereicherung empfun den. Diese Freude und das sich daraus ent wickelnde Engagement motivieren mich. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Kontext auch eine Plattform wie EPALE, die vielen Kolleginnen und Kollegen die Wertschät zung, die sie als Erwachsenenbildner erfah ren können, erst deutlich macht. Welche Tipps würden Sie anderen geben? - - - - - - - Nutzt die Akkreditierung! Denn sie ermög licht es, bei der Gestaltung der Mobilität von den Entwicklungsbedarfen der eigenen Institution auszugehen. Die vielfältigen und flexiblen Instrumente helfen dabei, die eige ne Internationalisierung voranzutreiben und einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft zu gehen. Die NA beim BIBB leistet diesbe züglich hervorragende Unterstützung, sie ist für uns ein Fels in der Brandung. - - - Das Gespräch führte Manfred Kasper im Auftrag der NA beim BIBB. HELLA KRUSCHE ist seit 1997 beim bvv und seit 2013 für die Bereiche Grund bildung und die Europäische Zusammenarbeit zuständig. Die 63-Jährige bezeichnet sich selbst als passionierte Europäerin. - © p riv at 14 15 - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: VHS Rottweil stellt sich neu auf Erasmus+ als Motor für Veränderungen © D r. A nj a Ru do lf Der Verband der Volkshochschulen in Baden-Württemberg ist schon lange in europäischen Bildungsprogrammen aktiv und verfügt seit 2021 zudem über eine Erasmus+-Akkreditierung. Aufgrund der Verbandsstruktur er möglicht diese allen Volkshochschu len in Baden-Württemberg, Auslands- aufenthalte für ihr Personal und ihre Lernenden durchzuführen. Werkzeug interner und externer Internationalisierung Eines der Ziele der Akkreditierung des Volks hochschulverbandes ist es, durch Erasmus+- Auslandsaufenthalte seine Mitglieder dabei zu unterstützen, sich internationaler auszu richten. Dies beinhaltet zum einen die Verbes serung der interkulturellen Kompetenzen und Sprachkenntnisse des Bildungspersonals, um unter anderem den diversen Zielgruppen der Volkshochschulen gerecht zu werden. Zum anderen sollen die Volkshochschulen befä higt werden, eigene grenzüberschreitende Bildungsangebote zu etablieren. Der Verband möchte zudem Volkshochschulen dabei un terstützen, Bildungsinnovationen in anderen europäischen Ländern aufzuspüren und diese in den eigenen Einrichtungen umzusetzen. Impulse für neue Initiativen Die VHS Rottweil hat beispielsweise dank der Akkreditierung des Verbandes das Programm in kürzester Zeit auf unterschiedlichste Weise gewinnbringend genutzt: So hat eine Gruppe Seniorinnen aus einem Englisch-Sprachkurs eine Lernreise nach Dublin gemacht. Neben Sprachunterricht bei der aufnehmenden Partnereinrichtung haben die Teilnehmerinnen auch eine Veranstaltung von Language Exchange Ireland besucht, die sie dazu animiert hat, zurück in Deutschland ehrenamtlich ein wöchentliches Sprachcafé anzubieten, bei dem sich seitdem Menschen unterschiedlicher Herkunft bei Tee und Kaffee austauschen. Auch die Leiterin der VHS Rottweil selbst kam mit neuen Anregungen von einem Erasmus+-Aufenthalt in Italien zurück: Durch diesen Austausch wurde deutlich, dass die Sprachkurse in ihrer Einrichtung anders auf gesetzt werden müssen, um ein tieferes kul turelles und politisches Verständnis für das Gegenüber entwickeln zu können. Seitdem spielen Konversationskurse eine größere Rol le in der Sprachvermittlung der Einrichtung. So wurde der Kurs „D’English at Rottweil“ ins Leben gerufen, bei dem zunächst kurz auf Deutsch, dann auf Englisch über ein po litisches Thema gesprochen wird. Blick in die Zukunft Dank der Langfristigkeit der Akkreditierung ist die europäische Reise der VHS Rottweil noch nicht zu Ende. Kooperationen mit wei teren europäischen Partnern sind schon in der Entwicklung. Unter anderem plant sie, in Zukunft für europäische Partner auch als auf nehmende Einrichtung zu fungieren und eine Gruppe Deutschlernender aus der Partner stadt Hyères bei sich zu begrüßen. PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2023-1-DE02-KA121-ADU-000137180 Laufzeit: 01.06.2023 – 31.08.2024 Beteiligte Länder: IE, IT Koordinator: Verband: Andrea Bernert-Bürkle VHS Rottweil: Dr. Anja Rudolf Kontakt: Verband: bernert-buerkle@vhs-bw.de VHS Rottweil: Anja.Rudolf@VHS-Rottweil.de Website: Verband: https://www.vhs-bw.de VHS Rottweil: https://www.vhs-rottweil.de Internationalisierung mailto:bernert-buerkle@vhs-bw.de mailto:Anja.Rudolf@VHS-Rottweil.de https://www.vhs-bw.de https://www.vhs-rottweil.de 14 15 Bildung für Europa | August 2024 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: International denken Die Möglichkeiten von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung nutzen © w el tg ew an dt e .V . Der Verein weltgewandt bietet gesell schaftliche und politische Bildung in Berlin und Europa an. Die Aktivitäten orientieren darauf, Lernprozesse zu einem Thema mit der Stärkung kre ativer Potenziale und des Selbstaus drucks der Teilnehmer/-innen zu ver binden. Desgleichen lädt weltgewandt zu öffentlichen Diskussionen und dem Studium von Texten und Online-Kursen ein. Dabei fördert der Verein das Be greifen von Zusammenhängen und den Dialog zwischen Menschen ver schiedener (politischer) Milieus und Kulturen im Sinne von Demokratie und Menschenrechten. Leitend ist das hu manistische Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt. Die internationale Dimension gleicht der Lek türe von Büchern – man kann aus der Fülle des Lebens schmecken. Sie ist bei weltge wandt fast immer präsent. Bei den Begeg nungsprojekten in Marzahn kommen Alt- und Neu-Berliner (u.a. aus Syrien, Afghanistan, Irak) zusammen. Seit 2022 werden diese Ak tivitäten enger mit Erasmus+-Kooperationen verknüpft. weltgewandt realisiert(e) kleinere Partnerschaften zu Klima+Wandel, STADT und „Mauern im Kopf“, bei denen Lernende auch auf Reisen gehen. In einem Innovationspro jekt zur finanziellen Bildung wiederum waren Treffen des lokalen Self-Help-Clubs integriert. Projekte miteinander verzahnen Angefangen hatte weltgewandt 2016 mit Erasmus+-Kooperationen zum Austausch guter Praxis. Daraus gingen Publikationen zu „Zukunft 4.0“, Digitalisierung, Erinnerungs politik, Klimawandel und Geschlechterge rechtigkeit hervor. Darauf aufbauend wurden Projekte mit größeren Outputs zu Themen der politisch-ökonomischen Bildung und Transfor mationen in der Geschichte europäischer Län der realisiert. Mit Folgeprojekten wie z.B. klei neren Partnerschaften können die Ergebnisse in die Breite des eigenen Kontexts und wei terer Regionen Europas getragen werden. Zu dem spiegelt sich die europäische Dimension auch im Design lokaler Projekte. weltgewandt betreibt gegenwärtig „STIMM_BILDUNG“, indem nach Möglichkeiten der Mitbestim mung in der EU gefragt wird. Dem kommen die Erfahrungen in der theaterpädagogischen Arbeit zugute, die während zwei Job- Shadowings im Rahmen von Erasmus+ gemacht wurden und eine deutliche Kompetenzerwei terung bewirkten. Die internationale Ausrichtung erlaubt Hori zonterweiterungen und stärkt Selbstwertge fühl wie Gestaltungskraft der Beteiligten. Sie schärft den Blick für das, was als gut befun den wird, stimuliert zu Ideen und lenkt die Aufmerksamkeit auch lokal auf Möglichkeiten – und Aufgaben. Im Kontext von Erasmus+ hat die Öffnung einen besonderen Charme durch den Gedanken der Kooperation und eine Kultur des Respekts. Um die Klaviatur der Möglichkeiten von Erasmus+ auszuspielen, ist es sinnvoll, die verschiedenen Projekttypen aufeinander zu beziehen. Das „Buch“ will nicht nur gelesen werden. Das Schöne ist, Projektträger schrei ben es selbst. Wenn darin Aktion und Refle xion ihren Platz haben, dürfte die Wirkung langlebig sein. PROJEKTINFO Internationalisierung Akkreditierungsnummer: 2020-1-DE02-ADU008318 Kontakt: weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung e.V. Sophia Bickhardt info@weltgewandt-ev.de Website: https://weltgewandt-ev.de mailto:info@weltgewandt-ev.de https://weltgewandt-ev.de 16 17 © M ed ite ra ne o_ A do be St oc k Internationalisierung als Instrument Fortbildungsreihe für EU-Koordinierende 16 17 Bildung für Europa | August 2024 D ie Lehrkräfte für Fremdsprachen an beruflichen Schulen haben oftmals im Rahmen ihres Studiums ein durch Erasmus+ gefördertes Semester im Ausland absolviert. „Enriching lives, opening minds“ erfuhren sie selbst. Nun möchten sie ihren Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ebenfalls Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Stellen Sie sich nun beispielsweise ein Be rufskolleg vor, das sich auf den Weg zur Internationalisierung macht: Betreut mit der Aufgabe „Auslandsaufenthalte für alle“ zu ermöglichen, beginnt die sogenannte „EU-Koordinierende“, sich bei den ver schiedenen Veranstaltungen der NA beim BIBB und bei den Kolleginnen und Kolle gen zu informieren. Die ersten Auslands aufenthalte kann sie über Pool-Projekte ermöglichen. Ihre Arbeitszeit, die sie mit den EU-Formularen verbringt, steigt. Ihr erster Antrag für ein Kurzzeitprojekt wird genehmigt. Wird sie nun zur Leiterin der Erasmus+-Mobilitätsagentur ihrer Schule? An dieser Stelle setzt unser Fortbildungsan gebot an. Denn „Internationalisierung als Instrument“ bedeutet mehr als Mobilitäten anzubieten. Auch die EU möchte mit der neuen Programmgeneration mehr als „Aus landsaufenthalte für alle“ ermöglichen; sie möchte die Entwicklung der geförderten Institution unterstützen. Dazu erwartet sie, dass in dem Leitbild und den Zielen der Schule die vier Erasmus+-Prioritäten veran kert sind und dass die Erasmus+-Aktivitäten dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Schulentwicklung im Dreiklang denken - - - - - - - Schulentwicklung zu stärken bedeutet, die drei Elemente Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwicklung zu fördern. Daher bieten wir bei der Bezirksregierung Arnsberg Fortbildungsreihen für EU-Koor dinierende an. Die Teilnahme ist freiwillig. Ziel ist, die EU-Koordinierenden zu unter stützen, die Internationalisierungsbestre bungen ihrer Schulen strategisch in Ab stimmung mit dem Kollegium zu planen und mit der Umsetzung zu starten. So ler nen die Teilnehmenden zuerst das gesamte mögliche Tätigkeitsfeld kennen. Gemein sam mit ihrer Schulleitung legen sie fest, welches die ersten Meilensteine und Ziele ihrer Arbeit als EU-Koordinierende sein können. Die Fortbildung besteht aus vier Modulen à drei Zeitstunden, die in Präsenz über das gesamte Schuljahr zu festen Ter minen angeboten werden. Nach dem er sten Durchlauf etabliert sich ein Netzwerk zwischen den Teilnehmenden. Es entsteht der Wunsch, sich gemeinsam in Themen feldern der Schulentwicklung fortzubilden. So ist eine zweite Fortbildungsreihe mit fünf Modulen entstanden. Ein Modul der zweiten Reihe befasst sich mit dem Thema „Change-Management-Prozesse in Schule mit Erasmus+ unterstützen“ unter der Fra gestellung „Wie gestalten wir unsere Schu le hinsichtlich der aktuellen Herausforde rungen?“ Die in den seit 2017 angebotenen Fort bildungen erarbeiteten Internationalisie rungsstrategien konnten für den Akkre ditierungs-Antrag verwendet werden. So sind 42 von 49 staatlichen Berufskollegs im Regierungsbezirk Arnsberg akkreditiert. Aktuell erarbeiten und erproben wir die Fortbildungsreihe „Innovationsmanagement: Entwicklungsprozesse managen und ge meinsam gestalten“. Beispielsweise stellt sich den EU-Koordinierenden immer wieder die Frage, wie sie die Lehrkräfte der einzel nen Abteilungen überzeugen können, mit Erasmus-Aktivitäten wie Job-Shadowing, Besuchen von Kursen und Schulungen und beruflichen Praktika ihrer Lernenden oder auch Gruppenmobilitäten die Ziele des Bil dungsganges zu erreichen. Dabei ist die Kommunikation innerhalb der Schulgemeinde und mit den Stakeholdern wesentlich für eine erfolgreiche Umset zung der Internationalisierungsstrategie. Die Themen der Module sind daher „Be ratungs- und Konfliktgespräche führen“, „Teilnahme und/oder Moderation von Teamsitzungen“, „Professionelle Lernge meinschaften initiieren und gestalten“ und „Mit Kanban und Canvas Projekte agil ma nagen“. Gesprächsanlässe aus der Praxis eines EU-Koordinierenden finden sich in den Modulen wieder. Diese Module wer den ab dem Schuljahr 2024/25 den EU-Ko ordinierenden und ihren Teams angeboten. Die Teilnahme einer akkreditierten Schule am Erasmus+-Programm in der Leitaktion 1 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - bedeutet, dass die Schule sich in allen drei Ebenen der Schulentwicklung – Organisa tions-, Personal- und Unterrichtsentwick lung – auf den Weg macht. Dabei wird die Schule nicht nur finanziell unterstützt, son dern erfährt zudem Beratung in den einzel nen Dimensionen der Schulentwicklung, wie sie im „Referenzrahmen Schulqualität NRW“ und im neuen Qualitätsrahmen für berufliche Schulen abgebildet sind. Sie för dert die Kompetenzen ihres Bildungsper sonals und ihrer Lernenden; sie vernetzt sich nicht nur lokal, sondern international. Sie begegnet den Herausforderungen Kli mawandel, digitalen Neuerungen, gesell schaftlichen Veränderungen aktiv durch Change-Management-Prozesse, sucht Gleich gesinnte und positioniert sich als offene, in novative Schule in der Bildungslandschaft. Wir möchten die EU-Koordinierenden der Schulen und ihre Teams durch unsere Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote unterstützen. - - - - - - - - - - Internationalisierung © p riv at ANDREA STEIN ist Geschäftsführerin der EU- Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufsbildung des Dezernats 45 bei der Bezirksregierung Arnsberg. „Fortbildungsangebot für EU-Koordinierende“: https://www.bra.nrw.de/-2119 (Downloadbereich) Ausschreibungen: https://lfb.nrw.de/bra# (Schulform „Berufskolleg“, Stichwort „EU-Teams“) https://www.bra.nrw.de/-2119 https://lfb.nrw.de/bra# 18 19 Internationalisierung auf gutem Weg Ausgewählte Erasmus+-Statistiken aus der Berufs- und Erwachsenenbildung - Berufsbildung Klarer Wachstumstrend bei Lernaufenthalten im Ausland Der Fokus liegt auf Azubis, aber auch das Bildungs personal benötigt internationale Kompetenzen und ist als „Wegbereiter“ wichtig. > | Jahr Lernende Bildungspersonal Brexit 22.03.2020 bundesweiter Lockdown Quelle: NA beim BIBB Bewilligte Akkreditierungen 885 Institutionen seit 2020 akkreditiert Quelle: NA beim BIBB Weitere Statistiken finden Sie unter: www.na-bibb.de/presse/statistik Mit Erasmus+ weltweit unterwegs Akkreditierte Einrichtungen nutzen die seit 2021 bestehende Möglichkeit, 20 Prozent ihres Budgets für Lernaufenthalte in nicht mit dem Programm assoziierte Länder einzusetzen. Quelle: NA beim BIBB Beliebteste Zielkontinente 2021-2023 Auslandsaufenthalte in nicht mit dem Programm assoziierte Länder Nordamerika 10,2% Afrika 9,4% Australien 2,3% Südamerika 3,7% Asien 13,2% Europa 61,2% 2017 3.672 18.877 2016 3.536 16.986 2015 3.513 16.104 2014 3.485 15.069 2018 4.204 18.688 2019 6.029 26.858 2020 5.867 23.129 2021 2.437 7.785 2022 5.029 18.725 2023 7.752 25.259 Bewilligte Lernende in nicht assoziierte Länder 399 2.232 2.495 Anteil an bewilligten Lernenden gesamt 5,1 % 11,9 % 9,9 % Bewilligtes Bildungspersonal in nicht assoziierte Länder 102 285 687 Anteil an bewilligtem Bildungspersonal gesamt 4,2 % 5,7 % 8,7 % 2021 2022 2023 Top-3-Zielländer in Europa: 1 Vereinigtes Königreich 49,6% 2 Schweiz 9,2% 3 Bosnien- Herzegowina 1,3% Quelle: EU-Dashboard, Stand: 06.05.2024 http://www.na-bibb.de/presse/statistik 18 19 Bildung für Europa | August 2024 Incoming Mobilität: Top-5-Herkunftsländer 2021-2023 Internationalisierung ist keine Einbahnstraße. Im Rahmen von Erasmus+ kommen auch Auszubildende und Bildungspersonal aus dem Ausland für einen Lernaufenthalt nach Deutschland. Auszubildende und Bildungspersonal Top 1 | Frankreich Top 2 | Türkei Top 3 | Niederlande Top 4 | Polen Top 5 | Italien Quelle: EU-Dashboard, Stand: 06.05.2024 Erwachsenenbildung Neues Mobilitätsangebot von Jahr zu Jahr besser angenommen In der Erwachsenenbildung gibt es seit 2021 die Möglichkeit, Lernende zu Lernaufenthalten ins Ausland zu entsenden. * | Jahr Lernende Bildungspersonal 2021 194 961 2022 379 1.001 2023 619 2.151 * Lernende bezog sich von 2021 bis 2022 speziell auf solche mit geringeren Chancen. Quelle: NA beim BIBB Top-3-Zielländer 2021 -2023 1 Österreich 17,0% 2 Italien 16,1% 3 Spanien 12,2% Quelle: EU-Dashboard, Stand: 06.05.2024 Bewilligte Akkreditierungen 63 Institutionen seit 2020 akkreditiert Quelle: NA beim BIBB D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e, B ild qu el le n: © A ts to ck Pr od uc tio ns _ A do be St oc k. co m 20 21 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - „Ein Tor in den europäischen Bildungsraum“ Das Europass-Portal als Anlaufstelle zum Lernen und Arbeiten in Europa Internationalisierung Franziska Bopp, Leiterin des Nationalen Europass Centers (NEC) in der NA beim BIBB, zum Beitrag von Europass in Sachen Internationalisierung und Europabildung Frau Bopp, worin sehen Sie die Potenziale von Europass in Sachen Internationalisierung und Europabildung? Als zentrales Web-Portal ist Europass eine hervorragende Anlauf stelle zum Lernen und Arbeiten in Europa und ein Einfallstor für den Zugang zum europäischen Bildungsraum und zum europäischen Ar beitsmarkt. Dazu können verschiedene Tools und Bausteine genutzt werden – zum Beispiel der Europass Lebenslauf zum Erstellen von Bewerbungsunterlagen im Unterricht. Andere Bausteine wie der Eu ropass Mobilitätsnachweis wiederum kommen im Zusammenspiel mit Programmen wie Erasmus+ und AusbildungWeltweit zum Tra gen und unterstützen diese. Glauben Sie, dass das Europass-Portal den europäischen Gedanken in die berufliche Bildung trägt? Ja. Durch die Mehrsprachigkeit des Portals und die Verbindung von Bildungssystem und Arbeitsmarkt in Kombination mit insgesamt 31 Sprachversionen ist Europass ein wichtiges Instrument, um Eu ropa greifbar zu machen und den Schülerinnen und Schülern ein konkretes Tool an die Hand zu geben, mit dem sie sich in Europa bewegen können. Wenn ich mein Profil anlege, über meine Kom petenzen reflektiere und dokumentiere, was ich im Ausland gelernt und welche Sprachkenntnisse ich dabei erworben habe, dann pas siert auch sehr viel in meinem Kopf. Europass ist letztlich das, was diese Dinge verschriftlicht und nachhaltig verankert. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Vorteile? Zusammenfassend würde ich sagen, dass Europass Strukturen schafft und Prozesse vereinfacht. Dabei sichert er vor allem die Qualität der Auslandsaktivitäten, denn je mehr systematische Qua litätsbausteine eingesetzt werden, desto klarer ist das Verständnis dessen, was wir dort tun. Das gilt für die Auszubildenden wie für die Lehrenden. Insbesondere der Europass Mobilitätsnachweis stellt sicher, dass wir Auslandserfahrung dokumentieren und Kompetenzen transparent darstellen und beschreiben können. Beim Lebenslauf hingegen kön nen Sie nach einem standardisierten Raster vorgehen, wobei Sie die Einträge zugleich individuell anpassen können. Der einheitliche Auf bau führt in jedem Fall dazu, dass alle den gleichen Standard nutzen und gleichzeitig Raum für Selbstreflexion entsteht. Diese Kombina tion aus Standardisierung, Individualisierungsmöglichkeiten und at traktivem Design ist für mich eine große Stärke von Europass. Der 2005 eingeführte Europass Mobilität hat im März bundesweit die 400.000er-Marke erreicht. Zeigt das, wie groß seine Bedeutung ist? Absolut. Auslandserfahrung gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil internationale Märkte internationale Kompetenzen verlangen. In einer globalisierten Wirtschaft sind interkulturelle und internatio nale Kompetenzen wichtiger denn je. Ich sehe Europass insgesamt diesbezüglich als nachhaltiges Instrument, in dem man die einzel nen Nachweise im Profil sammeln, dokumentieren und aufeinander aufbauen kann. Das spielt auch für die Zeit nach dem schulischen Leben eine Rolle und hilft beim Übergang von der Schule in den Beruf und bei der weiteren beruflichen Entwicklung. Das Knacken der 400.000er Marke unterstreicht aus meiner Sicht die Bedeutung von Erasmus+ und der Mobilitätsnachweise. Es ist aber auch für die Schülerinnen und Schüler eine Anerkennung, ganz nach dem Motto: „Toll, dass du dich getraut hast, diesen Schritt zu gehen!“ Wie wichtig ist es, auch die Lehrenden in die Austausch programme einzubeziehen? Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn letztlich ist es oft der Blick über den Tellerrand, der die Innovationskraft fördert – Stichwort Job Shadowing. Indem Sie sich anschauen, wie andere es machen und sich mit den Kollegen und Kolleginnen in europäischen Ländern austauschen, erweitern Sie auch den eigenen Horizont. Die neuen Ideen können Sie dann im eigenen Unterricht umsetzen. Apropos Unterricht: Inwiefern trägt das Europass-Portal dazu bei, die Schüler/-innen besser auf den europäischen Arbeitsmarkt vorzubereiten? Das Portal fördert – gerade weil es kostenlos und mehrsprachig ist und einen standardisierten Editor hat – die Chancengleichheit beim Berufseinstieg – einfach indem es jeder und jedem die Chance gibt, sich mit allen Talenten darzustellen und die eigenen Unterlagen pro fessionell aufzubereiten. Aspekte wie internationale Handlungskom petenzen und interkulturelles Verständnis sowie die Erweiterung der Sprachkenntnisse und der sozialen und digitalen Fähigkeiten sind weitere Komponenten, die individuell dargestellt werden können. Wie kann ich als Lehrer/-in diesen Vorteil im Unterricht nutzen? Das Gute am Europass-Portal ist ja, dass es verschiedene Kompo nenten gibt, sowohl für den Fremdsprachenunterricht als auch zum Thema Bewerbung und Lebenslauf oder zur Selbsteinschätzung der digitalen Kompetenzen. Die einzelnen Bausteine eignen sich für ver schiedene Fächer und Unterrichtssituationen, wobei ich die jeweils passenden Tools nutzen kann, um zu sehen, worin meine Kompe tenzen liegen, wo ich aktuell stehe und wohin ich mich entwickeln will. Einsatzmöglichkeiten gibt es also viele. Und einen eigenen Le benslauf müssen wir ja alle irgendwann im Leben einmal erstellen. Ein anderes Thema: Internationalisierung und Europass als Baustein der Schulentwicklung? Geht das? Wenn ja, wie? Eine Schule, die mit europäischen Partnern arbeitet und von diesen 20 21 Bildung für Europa | August 2024 lernt, tut sich auch leichter, neue Wege zu gehen. Insofern sehe ich Europass als eine Art „Türöffner“, wenn es darum geht, Schule zu internationalisieren und die europäische Idee in die Schulpro gramme zu tragen. Europass steht für europäische Werte, grenzü bergreifenden Austausch und den Mehrwert internationaler Erfah rungen für den europäischen Arbeitsmarkt. Er macht dieses Thema anpackbar und trägt das europäische Denken in die Köpfe. Das ist gerade in einer Zeit von enormer Bedeutung, in der wir uns fragen, wie wir unsere Demokratie stärken und europäische Werte in den Fokus rücken können. Der Europass leistet also einen Beitrag zur Sicherung von Frieden und Demokratie? - - - So gesehen schon, denn Demokratiebildung, Toleranz und Frie denssicherung sind ja genau die Dinge, die wir durch Auslands programme wie Erasmus+ vermitteln. Europass bietet die unterstüt- zenden Komponenten, um dies auf eine Art und Weise zu veran kern, dass alle Beteiligten daraus neue Einblicke und Erkenntnisse mitnehmen. Insofern glaube ich, dass Europass ein sehr gutes Ve hikel ist, um die Vorteile der Internationalisierung und der europä ischen Werte sichtbar und transparent zu machen. Was würden Sie den Schulen in punkto Internationalisie rung empfehlen? Das europäische Denken und Aspekte wie Austausch, Vernetzung und Voneinanderlernen sind heute enorm wichtig, auch für das Image, die Innovationskraft und die Attraktivität der Schulen. Euro pass kann an diesem Punkt ein Tool sein, um das Thema voranzu treiben und die Internationalisierung und Professionalisierung der eigenen Schule in diesem Sinne zu fördern. - - - - - - - - > Das Gespräch führte Manfred Kasper. © p riv at // // - - // Internationalisierung FRANZISKA BOPP leitet das Nationale Europass Center in der NA beim BIBB. bopp@bibb.de Mit Europass die Internationalisierung von Schulen fördern ORGANISATION VERANKERUNG DES EUROPÄISCHEN GEDANKENS IM LEITBILD DER SCHULE Erasmus+/AusbildungWeltweit institutionalisieren Europass als Standard für Mobilität und Berufseinstieg einführen Zeugniserläuterungen ausgeben Europäische Digitale Zertifikate vergeben PERSONAL WEITERBILDUNG DES LEHRPERSONALS Schulungen zur Nutzung von Europass im Unterricht EU-weite Suche nach Fortbildungen im Europass-Portal Europass-Portal als Informations quelle zum Europäischen Bildungs raum und Arbeitsmarkt UNTERRICHT EINSATZ VON EUROPASS IM UNTERRICHT Deutsch: Selbstreflektion & Dokumentation der eigenen Kompetenzen Vorbereitung auf den Übergang Schule-Beruf: Lebenslauf und Anschreiben verfassen Fremdsprachen: internationale Bewerbung für Auslandspraktika Politik: Einstieg in das Thema EU, Europäischer Bildungsraum und EU-Binnenmarkt Informatik: Digital Skills Test Europass-Portal: https://europass.europa.eu | Information und Beratung beim Nationalen Europass Center: www.europass-info.de mailto:bopp@bibb.de https://europass.europa.eu http://www.europass-info.de 22 23 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Personalmobilität in Europa Instrument zur Internationalisierung D ie Mobilität des Bildungspersonals gewinnt für die Internationalisierung von Bildungs einrichtungen weiter an Bedeutung. Berufsbildung: Schulen sind Vorreiter In der Berufsbildung sind es vor allem die Schulen, die ihre internationale Ausrichtung strategisch vorantreiben, indem sie dazu die vielfältigen Mobilitätsangebote des Pro gramms Erasmus+ zur Qualifizierung ihres Lehrpersonals nutzen. Häufig absolvieren die Lehrkräfte an ausländischen Schulen Job-Shadowings, die dem transnationalen Austausch und dem Voneinander-Lernen dienen. Dieser fachliche und persönliche Austausch bringt nicht nur neue Praktiken und Ideen für die eigene Lehrtätigkeit mit, sondern motiviert diese oftmals, sich in den Internationalisierungsprozess der eigenen Schule aktiv einzubringen. Großer Beliebt heit bei der schulischen Personalmobilität er freuen sich auch Kurse und Schulungen, die klar umrissene Lerninhalte vermitteln und den Erwerb fachlicher Kompetenzen durch ein strukturiertes Lernangebot ermöglichen. Die neu erworbenen Kenntnisse fließen in die Praxis ein und bereichern dadurch die Unterrichtsentwicklung. Dabei sind die the matischen Schwerpunkte vielfältig. Häufig geht es darum, neue fachspezifische Unter richtspraktiken und Ausbildungsansätze aus anderen Ländern kennenzulernen. Verstärkt spielen auch Themen des digitalen Wandels eine Rolle, z.B. der Erwerb neuer metho disch-didaktischer Ansätze für den Einsatz digitaler Tools im Unterricht. Es zeigt sich, dass Auslandsaufenthalte des Lehrpersonals verschiedene Bereiche der Internationalisierung bereichern und einen Mehrwert für die gesamte Organisations entwicklung erzeugen können, wenn sie in der Schule strategisch und langfristig veran kert werden. So entsteht ein Multiplikatoren effekt für die Lernendenmobilität, und die Integration der Internationalisierung in das Schulprofil wird gefördert. Auslandsquali fikationen für Personal an Schulen stärken zudem internationale Netzwerke, und sie können das Lehrangebot bereichern. Aus landsaufenthalte für das Bildungspersonal an Schulen sind somit auch ein Instrument der Partizipation. Sie ermöglichen dem Lehrpersonal, die Schule mitzugestalten, indem Ergebnisse der internationalen Lern erfahrungen in den Prozess der Internatio nalisierung einfließen. Erwachsenenbildung: Internationalisierung im formalen und non-formalen Bereich Die Bandbreite von Einrichtungen in der Er wachsenenbildung, die über eine Akkreditie rung den Weg der Internationalisierung ein geschlagen haben, ist groß. Allen gemeinsam ist das Bestreben, die Möglichkeiten, die das Programm Erasmus+ bietet, für ihre Bedarfe und Ziele optimal zu nutzen. Genauso viel fältig und heterogen wie die Landschaft der Erwachsenenbildung ist auch die Gruppe der Lernenden, die seit 2021 in der Erwachsenen bildung aktiv an Lernaufenthalten in Europa teilnehmen können. Wirkten sich internatio nale Mobilitäten bis dahin eher indirekt auf die Lernenden aus, profitieren sie jetzt direkt von den eigenen im Ausland erworbenen Erfahrungen, die die Entwicklung von per sönlichen sowie der Schlüsselkompetenzen befördern. Die politische Situation und gesellschaft liche Entwicklungen erfordern kontinuier liche Veränderungen. Methodisches Um denken durch den verstärkten Einsatz von digitalen Werkzeugen im Unterricht und die Nachfrage nach online-gestützten Lernum gebungen nehmen großen Einfluss auf die Professionsentwicklung der Lehrenden. Der internationale Austausch trägt stetig dazu bei, Fachwissen zu erweitern und Wettbe werbsfähigkeit zu stärken. Ein weiterer As pekt rückt zunehmend in den Blickpunkt: „Die Teilnahme an einer Auslandsfortbil dung ist mehr als eine einzelne Lehr- oder Lernerfahrung“, so die Koordinatorin eines Erasmus+-Projekts. „Sie beginnt für die Teilnehmenden schon, bevor es zur eigent lichen Reise kommt und endet nicht mit dem Kursende oder dem Ende einer Hos pitation.“ Es entstehen internationale Netz werke, die sich auf die gesamte Einrichtung auswirken. Persönliche Kontakte bei den Partnereinrichtungen führen zudem dazu, dass deutsche Einrichtungen auch Personal und Lernende aus dem europäischen Aus land empfangen. Die Einrichtungen wer den mit ihrem Bildungsangebot für andere Länder sichtbar und interessant und tragen nachhaltig zu dem Ziel eines offenen euro päischen Bildungsraums bei. FRIEDERIKE WIETHÖLTER leitet seit 1. Juli 2024 das Team „Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB. ANKE DREESBACH Mitarbeiterin im Team „Erwachsenen bildung: Erasmus+ Lernmobilität und Agenda“ in der NA beim BIBB - Internationalisierung © N A b ei m B IB B 22 23 Bildung für Europa | August 2024 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das transnationale Forschungsnetzwerk RIA-AE Erste Ergebnisse zu Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung D ie Nationale Agentur beim BIBB hat es sich mit der neuen Programmgenerati on 2021-2027 zum Ziel gesetzt, die Wir kung des Programms Erasmus+ in der Erwachsenenbildung systematischer zu erforschen. Dieses Ziel soll nicht nur auf nationaler, sondern auch auf europäischer Ebene verfolgt werden, um die Wirkung des Programms auch vergleichend analy sieren zu können. Gemeinsam mit sieben weiteren NAs wurde 2022 das trans nationale Forschungsnetzwerk RIA-AE (Research-based Impact Assessment of Erasmus+ Adult Education Programmes) ins Leben gerufen. Koordiniert wird es von der NA beim BIBB. Mittlerweile ist das Netzwerk auf 15 Mitgliedsländer angewachsen und konnte Ende 2023/ Anfang 2024 erfolgreich eine erste Da tenerhebungsrunde durchführen. Das Forschungsvorhaben ist auf drei Erhe bungsrunden ausgelegt: Auch im Jahr 2025 und 2027 soll die Wirkung des Pro gramms durch weitere Datenerhebungen gemessen werden. Internationalisierung Dieses Design zielt darauf ab, die Aktivitäten in der Erwachsenenbildung nicht nur europäisch vergleichbar zu untersuchen, sondern auch die Entwicklung im zeitlichen Verlauf zu ana lysieren. Es wurden verschiedene Methoden angewandt, um das Programm zu analysieren: Diese umfassen eine Auswertung der verfüg baren Dokumente und Tools in den NAs, eine Online-Umfrage unter den Projektträgern so wie gezielte Fallstudien und Interviews. Die Partner des Forschungsnetzwerks arbeiten aktuell an der Finalisierung und Zusammenfüh rung der Berichte. Die NA beim BIBB konnte bereits erste Einblicke aus dem nationalen Be richt zu Erasmus+ in der Erwachsenenbildung in Deutschland erhalten. Zentrale Erkenntnisse auf nationaler Ebene Der nationale Bericht lässt erkennen, dass der Mehrwert von Erasmus+ in der Erwach senenbildung langfristig überzeugt: Orga nisationen, die einmal am Programm teil genommen haben, werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weitere Förderanträge stellen. Die befragten Projektträger sehen die Internationalisierung durch Erasmus+ als große Chance, um über Innovation und Kompetenzentwicklung die eigene Orga nisation weiterzuentwickeln. Im Hinblick auf die Wirkung von Erasmus+ über die teilnehmenden Organisationen hinaus auf die Systemebene und auf die Politik der Erwachsenenbildung gibt es noch Verbes serungspotenzial: Die Reichweite ist nach Angaben der befragten Einrichtungen durch fehlende Ressourcen nach Abschluss der Projekte, Sprachbarrieren und das Feh len geeigneter Verbreitungsstrategien und -instrumente noch eingeschränkt. Auch die horizontalen Prioritäten des Eras mus+-Programms können in der Erwach senenbildung gestärkt werden, besonders die Themen Inklusion und Vielfalt sowie Digitalisierung. Das Thema Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels hat noch ein großes Ausbaupotenzial, diese Priorität wird vergleichsweise selten in den Projekten fokussiert. Auf der individuellen Ebene sehen die Ein richtungen neben der sehr positiven Wir kung des Programms auf das Personal auch die persönliche Entwicklung von Lernenden mit geringeren Chancen durch die Teilnah me an Auslandsaufenthalten als großen Vorteil. Es werden jedoch einige Hinder nisse für die Umsetzung von Mobilitätspro jekten für Lernende genannt, darunter die notwendige Finanzierung durch Erasmus+ von Kursgebühren für Lernende, die an Mobilitätsmaßnahmen teilnehmen (z. B. Sprachkurse), Unterhaltszuschüsse für Ler nende und Personal in gleicher Höhe und die Verfügbarkeit von Programmunterlagen in leichter Sprache. Zusammenfassend bescheinigt die Studie dem Erasmus+-Programm in der Erwachse nenbildung in Deutschland eine sehr posi tive Wirkung und eine hohe Relevanz, auch wenn es noch Verbesserungspotenzial in einigen Bereichen der Programmgestaltung gibt. Der Bericht zur Wirkungsstudie in Deutsch land, die nationalen Berichte der anderen beteiligten Länder sowie der europäische Gesamtbericht werden im Sommer 2024 veröffentlicht und von der NA beim BIBB zum Download zur Verfügung gestellt wer den. Zusätzlich ist ein eigenes Internetportal des Netzwerks geplant. RIA-AE ist eine Long-Term Activity (LTA) mit Forschungsausrichtung im Rahmen der Leitaktion 3. JANINA MEYER TCA-Beauftragte der NA beim BIBB meyer@bibb.de © p riv at mailto:meyer@bibb.de 24 25Internationalisierung Baukasten internationale berufliche Handlungskompetenz Ein erster Praxiseinsatz D ie Internationalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft führt zu Verände rungen beruflicher Anforderungen. Auf dem Arbeitsmarkt werden in eini gen Berufen zunehmend Kompetenzen erwartet, die ein professionelles Auf treten in internationalen Kontexten sicherstellen. Dies gilt insbesondere für Beschäftigte, die international ver netzt bzw. in Auslandseinsätzen arbei ten. Doch auch bei Erwerbstätigen ohne direkten internationalen Arbeits kontext nehmen Kommunikationssitu ationen zu, die interkulturelle Kompe tenzen erfordern. © c on tr as tw er ks ta tt _A do be St oc k - - - - - - - - Dies wirkt sich auch auf die Berufsausbildung aus; in einigen Ausbildungsberufen hat sich ein zusätzlicher Qualifizierungsbedarf erge ben, dem auf unterschiedliche Art begegnet wird. So haben Kammern ein umfassendes Angebot an regionalen Zusatzqualifikati onen mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „in ternationale Qualifikationen und Fremdspra chen“ geschaffen. Auch in den bundesweit gültigen Ausbildungsordnungen wurden in den letzten Jahren vermehrt Fremdspra chenkompetenzen sowie interkulturelle Kompetenzen aufgenommen. Allerdings handelt es sich hierbei überwiegend um vereinzelte und eher allgemein gehaltene Formulierungen. - - - - - Kompetenzbaukasten für Ausbildungsordnungen Um die Integration von internationaler be ruflicher Handlungskompetenz in Ausbil dungsordnungen zu unterstützen, hat das BIBB im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) einen Kom petenzbaukasten für die Neuordnung von Berufen entwickelt. Der Baukasten beinhal tet Formulierungsmöglichkeiten für die drei Dimensionen der internationalen beruflichen Handlungskompetenz: internationale fach liche Kompetenzen, interkulturelle Kompe tenzen sowie Fremdsprachenkompetenzen. Zu den drei Dimensionen werden jeweils mehrere mögliche Berufsbildpositionen mit zu vermittelnden Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten aufgeführt. Darüber hinaus zeigt ein konkretes Anwendungsbeispiel, wie eine Zusatz- oder Wahlqualifikation mit dem Schwerpunkt „internationale berufliche Handlungskompetenz“ formuliert werden kann. Bei der Erstellung des Baukastens wurde das BIBB von einem Beirat sowie weiteren Ex pertinnen und Experten auf dem Gebiet der internationalen beruflichen Handlungskom petenz unterstützt. Anwendung in der Praxis - - - - - - - - Die Einführung des 2022 fertiggestellten Baukastens in die Neuordnungsarbeit von Ausbildungsberufen wurde der Empfehlung des Projektbeirates folgend in einem offe nen freiwilligen Verfahren durchgeführt. Öffentlichkeitsarbeit bzw. eine umfassende Information der relevanten Akteure über das Unterstützungsangebot soll dazu führen, dass der Baukasten bei Bedarf genutzt und erprobt wird. Ein Leitfaden mit praxisorien tierten Hinweisen bietet den Sachverständi gen Unterstützung bei der Anwendung und weist u.a. darauf hin, dass der Baukasten insgesamt als freiwillig anwendbare Ideen quelle zu betrachten ist – Formulierungen können flexibel genutzt und bedarfsabhän gig modifiziert werden. Praxisbeispiel Neuordnung der Berufs ausbildung der Industriekaufleute Ein erstes Praxisbeispiel, bei dem der Bau kasten zum Einsatz gekommen ist, stellt das Neuordnungsverfahren der Berufsaus bildung der Industriekaufleute dar. Die alte Verordnung stammte noch aus dem Jahr 2002 und die Anforderungen an Industrie kaufleute haben sich unter anderem durch die voranschreitende Digitalisierung in der - - - - - - - - - 24 25 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung Industrie weiterentwickelt. Digitale Tech nologien verändern die industriellen Wert schöpfungsprozesse und erlauben eine spezifische Berücksichtigung von Kunden anforderungen und neue Geschäftsmo delle. Auch internationale Zusammenar beit wird erleichtert. Neben umfänglichen Fachkompetenzen sind verstärkt Sozial- und Selbstkompetenzen notwendig, um res sourcenbewusst mit diesen Anforderungen umzugehen und mit internen und externen Personen zielführend zusammenzuarbeiten. Die Ausbildungsbetriebe der Industriekauf leute sind sehr heterogen hinsichtlich der Branche, Betriebsgröße, Geschäftsprozesse, digitalen Ausstattung sowie internationalen Aktivitäten. In der Neuordnung musste dies berücksichtigt und geprüft werden, ob und in welcher Form die notwendigen Kom petenzen als Mindestanforderung in der Verordnung verankert werden können. Die Sachverständigen in Neuordnungsverfahren arbeiten entlang der Vorgaben aus den Eck werten sowie ergänzenden Prüfaufträgen seitens des Bundesministeriums für Wirt schaft und Klimaschutz im Einvernehmen mit dem BMBF. Im Verfahren der Industriekauf leute bezog sich einer der Prüfaufträge expli zit auf die Verankerung von internationaler beruflicher Handlungskompetenz und die Klärung, in welchem Umfang der Kompe tenzbaukasten bei den Ausbildungsinhalten berücksichtigt werden kann. Zur Verfolgung des Prüfauftrags erläuterte die Leiterin des Baukastenprojekts in einer der Sachverständigensitzungen zunächst den Baukasten. Anschließend zeigte die Verfahrensleiterin die Bedingungen für und Anforderungen an eine Schaffung von Zu satzqualifikationen in der Verordnung auf. Gerüstet mit diesem Hintergrundwissen diskutierten die Sachverständigen intensiv, welche Inhalte der internationalen Hand lungskompetenz als Mindestanforderung aufzunehmen sind und in welcher Form dies erfolgen sollte. Hierbei wurden alle Mög lichkeiten in Erwägung gezogen: sowohl eine Verankerung in den berufsspezifischen und integrativen Berufsbildpositionen als auch in einer Zusatzqualifikation. Im Verlauf der Diskussion wurde der Baukasten immer wieder zu Rate gezogen und einzelne For mulierungen entnommen. Im Laufe des Verfahrens kristallisierte sich der Konsens heraus, dass internationale Handlungskompetenzen für alle Auszu bildenden in einem bestimmten Ausmaß notwendig sind und an diversen Stellen der Wertschöpfungskette gebraucht werden, so zum Beispiel bei der Recherche von Zube hör für den Einkauf ebenso wie im Vertrieb. Daher wurden die Kompetenzen innerhalb der integrativ zu vermittelnden Berufsbild position „Zusammenarbeit, Kommunika tion und individuelle Arbeitsorganisation gestalten“ verankert. Hierbei wurden in terkulturelle Kompetenzen über “kulturelle Unterschiede im eigenen beruflichen Kon text identifizieren, mögliche Auswirkungen auf die Kommunikation reflektieren und in der Zusammenarbeit berücksichtigen“ inte griert. Mündliche oder schriftliche Fremd sprachenkompetenzen wurden in verschie denen Kontexten berücksichtigt, z. B. bei Recherche- und Auswertungstätigkeiten und bei der Zusammenarbeit mit internen und ex ternen Zielgruppen. Zusätzlich können sich noch weitere Anforderungen aus dem ge wählten Einsatzgebiet ergeben, wenn hier internationale Aspekte von Bedeutung sind. Eine Prüfung der Kompetenz „englisch sprachige Informationen und Fachbegriffe situationsbezogen anzuwenden“ erfolgt im Prüfungsbereich „Marketing, Vertrieb, Per sonalwesen und kaufmännische Steuerung und Kontrolle“. Fazit und Ausblick - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In seinem ersten Einsatz bewährte sich der Baukasten somit als Orientierungshilfe mit seinem Gesamtüberblick über die ver schiedenen Kompetenzdimensionen und als hilfreicher Fundus mit vielfältigen For mulierungsanregungen. Anhand der In dustriekaufleute wurde deutlich, dass der Baukasten in Neuordnungsverfahren für die internationale Ausrichtung der Berufsaus bildung Unterstützung bieten kann. Es wird andere Berufe geben, in denen eher nur einzelne Dimensionen maßgeblich sind, wie - - - - - - - möglicherweise im Dienstleistungssektor die interkulturellen Kompetenzen. Die wei teren Einsätze des Baukastens in der Neu ordnungsarbeit werden zeigen, ob er sich in Abhängigkeit von der Akzeptanz der Sach verständigen als Standardinstrument bei der Verankerung internationaler beruflicher Handlungskompetenz etabliert. - - - - - - - © B IB B Kompetenzbaukasten für die Ordnungsarbeit www.bibb.de/de/155594.php BIBB / DaPro - Datenbank der Pro jekte des Bundesinstituts für Berufs bildung www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_ dapro.php/detail/2.2.345 Verordnung der Berufsausbildung zum Industriekaufmann und zur In dustriekauffrau vom 12.3.2024 BIBB / Informationen zu Aus- und Fortbil dungsberufen www.bibb.de/dienst/berufesuche/de/ index_berufesuche.php/profile/apprenti ceship/indust24) DR. JULIA JÖRGENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich 1 der Abteilung 2 „Struktur und Ordnung der Berufsbil dung“ im BIBB GABRIELE JORDANSKI Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich 2 in der Abteilung 2 „Struktur und Ordnung der Berufsbil dung“ im BIBB © B IB B http://www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_dapro.php/detail/2.2.345 http://www.bibb.de/dienst/berufesuche/de/index_berufesuche.php/profile/apprenticeship/indust24 http://www.bibb.de/de/155594.php 26 27 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Bereit für Europa? upgrade2europe unterstützt Organisationen bei der Europäisierung © u pg ra de 2e ur op e Europa bietet vielfältige Chancen und neue Möglichkeiten. Aber welche Vo raussetzungen sind notwendig, damit der Weg über die nationalen Grenzen zum Erfolg wird? Die Angebote von upgrade2europe machen es noch einfacher, die eigene Organisation weiter zu professionalisieren und die bestehenden Chancen besser zu nutzen. Bei der emcra GmbH in Berlin ist das Thema Europäisierung schon lange angekommen. „Werte europäisch leben, sich zivilgesellschaft lich grenzüberschreitend engagieren und aktiv am europäischen (Wirtschafts-)Leben teilneh men kann nur, wer seine Möglichkeiten kennt und dazu befähigt wird, diese auch zu nutzen. Vielen Organisationen fehlt dafür die notwen dige institutional readiness“. Diese Erkenntnis von Heike Kraack-Tichy, die emcra - Co-sha ring Europe seit mehr als 20 Jahren leitet, ist das Resultat eines eigenen internen Lernpro zesses. Tools für die Selbstanalyse und Umsetzung Sein Wissen wollte das emcra-Team weiter geben bzw. mit europäischen Partnern wei terentwickeln. Zusammen mit sechs Einrich tungen aus Bulgarien, Estland, Deutschland, Italien, Ungarn und Zypern wurde von 2020 bis 2023 im Rahmen eines Erasmus+-Projekts ein digitales Lerntool entwickelt, das Organi sationen aller Art praxisnah dabei unterstützt, die ersten Schritte ins europäische Ausland zu gehen oder einen bereits laufenden Europäi sierungsprozess zu optimieren. Ein Selbstanalyse-Tool wurde bereits in einem Vorgängerprojekt 2016 entwickelt und über Jahre in Weiterbildungen und bei Organisati onsberatungen erfolgreich angewandt. Hier mit können vor allem Organisationen aus dem Bildungssektor ihre institutional readiness für die transnationale Arbeit in Europa analysie ren. Was noch fehlte, waren Tipps aus der Praxis und eine schrittweise Anleitung für das weitere Vorgehen, nachdem man die Selbst analyse durchgeführt hatte. Nach der Selbstanalyse erhält die Organisa tion nun eine umfassende Auswertung und praxisorientierte Tipps für die nächsten Schrit te. Als steter Begleiter dieses Prozesses dient das von upgrade2europe erstellte Handbuch. Das Handbuch steht kostenlos auf der Projekt website zur Verfügung und bietet praktische Werkzeuge für alle wesentlichen Aufgaben der Europäisierung. Wer zuerst nur einmal in das Thema reinschnuppern möchte, kann sich bei upgrade2europe für einen E-Mail- Kurs registrieren. Über einen Zeitraum von zehn Wochen erhalten Organisationen dann jede Woche einen spannenden Einblick in die europäische Arbeit – sozusagen als Motivator und ersten Lernimpuls zum Weiterdenken. Wie geht es weiter? Die Projektteam von upgrade2europe kommt aus allen Ecken Europas, nicht allein aus der EU. Teona und Ana von der Tallinn University of Technology aus Estland haben georgische und ukrainische Wurzeln. Bisher stehen die upgrade2europe-Materialien in acht Spra chen, u. a. Deutsch und Englisch, zur Verfü gung. Nicht nur Teona und Ana freuen sich sehr über eine georgische und ukrainische Version. Daran will emcra zusammen mit den europäischen Projektpartnern als nächstes ar beiten. PROJEKTINFO Projekttitel: upgrade2europe Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007626 Laufzeit: 01.10.2020 – 31.08.2023 Beteiligte Länder: BG, EE, DE, IT, HU, CY Koordinator: emcra GmbH Kontakt: Sarah Duttenhöfer sarah.duttenhoefer@emcra.eu Website: https://upgrade2europe.eu Link zum Projekt: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2020-1-DE02- KA202-007626 Internationalisierung https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007626 mailto:sarah.duttenhoefer@emcra.eu https://upgrade2europe.eu 26 27 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Weltweite Öffnung für akkreditierte Einrichtungen Welche Möglichkeiten bietet Erasmus+ außerhalb der EU? I nternationale Arbeitserfahrung über Eu ropa hinaus ist zunehmend gefragt. Seit 2021 werden in der Berufsbildung nicht mehr nur Aufenthalte in den EU-Mit gliedstaaten und den assoziierten Dritt ländern, sondern anteilig auch außerhalb dieser Programmländer gefördert. Berufs bildende Einrichtungen und Unternehmen, die bereits über eine Akkreditierung im Erasmus+-Programm verfügen, können bis zu 20 Prozent ihres Budgets nutzen, um ihren Auszubildenden z. B. Auslandsprak tika in den USA, in Brasilien oder aber in Indien anzubieten. Die neue internationa le Dimension wird von den akkreditierten Einrichtungen gut angenommen. So wur den im Antragsjahr 2023 im Rahmen der Akkreditierung 10,5% der Auslandsaufent halte unter den Lernenden in nicht mit dem Programm assoziierte Ländern bewilligt, bei der Zielgruppe Personal waren es 9,5% al ler bewilligter Auslandsaufenthalte. Innerhalb des europäischen Kontinents bie tet die Öffnung des Erasmus+-Programms zudem die Möglichkeit, bestehende Koo perationen mit Ländern, die nicht Teil des Programms sind, aufrechtzuhalten. Aus landspraktika im Vereinigten Königreich, ehemalig eines der beliebtesten Zielländer der Erasmus+-Projekte, sind weiterhin mög lich. Und auch die Schweiz ist mit ihrem du alen Berufsbildungssystem ein interessantes Partnerland für deutsche Einrichtungen der beruflichen Bildung. Beispiele aus der Praxis Die Möglichkeiten und der Nutzen welt weiter Auslandserfahrungen während der beruflichen Ausbildung sind vielfältig – so auch die Beispiele für internationale Quali fizierungsphasen während der Ausbildung: International aufgestellte Unternehmen können ihre Auszubildenden einen Teil ihrer Ausbildung bei weltweiten Nie derlassungen, bei Tochterunternehmen oder bei Geschäftspartnern absolvie ren lassen. Die Berufsbildende Schule Brinkstraße in Osnabrück schickte bei spielsweise drei Auszubildende über Erasmus+ in die USA. An den jeweiligen Servicestandorten ihres Ausbildungs betriebes in Wisconsin und Kalifornien konnten die Auszubildenden bei der In standsetzung und Reparatur von Land maschinen unterstützen. In den sozialen Berufen in Deutschland sind durch den wachsenden Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund zunehmend interkulturelle und sprach liche Kompetenzen gefragt. Internatio nale Betreuungseinrichtungen mit einem deutschen Sprachförderungsangebot stellen z.B. eine sinnvolle Möglichkeit für angehende Erzieherinnen und Erzie her dar, interkulturelle Kompetenzen au ßerhalb Europas zu erwerben. So hat die Erzieherin Mareike mit Erasmus+ ihr Aus landspraktikum an einem deutschen Kin dergarten in Vietnam absolviert (s. S. 28f.). Auszubildende im Bereich der Fremd sprachen finden unter anderem An stellung als Deutsch-Lehrkräfte in Unternehmen, die Fachkräfte durch sprachliche und kulturelle Bildung auf eine Anstellung in Deutschland vorbe reiten. Das Fremdspracheninstitut in München bereitet beispielsweise aktuell die Lernmobilität zweier Übersetzer-/ innen bei einem solchen Unternehmen in Bogotá (Kolumbien) vor. Die Initiative für das Projekt kommt von einer Auszu bildenden mit familiärem Hintergrund in Kolumbien, die ihre gelernten Fachkom petenzen vor Ort erproben möchte. Zu erwähnen bleibt, dass ein Auslandsauf enthalt am anderen Ende der Welt für die meisten jungen Menschen besonderes Entwicklungspotenzial bietet. In einem „grenzfreien“ Europa haben viele vielleicht bereits die europäischen Nachbarländer bereist und sehen sich als „erfahren“. Aber ein Lernaufenthalt auf einem anderen Kontinent bietet wieder neue Herausfor derungen. Erasmus+ öffnet Türen, damit Unternehmen und Bildungseinrichtungen in der Internationalisierung ihres Ausbil dungsangebots keine Grenzen gesetzt sind. Wer kann Förderungen für Auslandsauf enthalte außerhalb der EU erhalten? Einrichtungen, die durch eine Akkreditie rung bereits Zugang zum Erasmus+-Pro gramm haben, können 20 Prozent ihres bewilligten Budgets dafür verwenden, ihre Teilnehmenden aus Deutschland in nicht mit dem Programm assoziierte Länder zu senden. Zu den Programmländern gehören alle EU-Mitgliedstaaten sowie die mit dem Programm assoziierten Drittländer Island, Liechtenstein, Nordmazedonien, Norwe gen, Serbien und die Türkei. Abgedeckt ist die Entsendung von Ler nenden und Personal ins Ausland, die Ak tivitätenform „Kurse und Schulungen“ ist ausgenommen. VERENA LEHNEN Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationalisierung der Be rufsbildung“ in der NA beim BIBB - © N A b ei m B IB B 28 29 Mit Erasmus+ zum Praktikum nach Asien © M ar ei ke M ar x Sprachförderung in der Kita – das kann man auch in Vietnam lernen 28 29 Bildung für Europa | August 2024 „F reitag, Samstag, Sonntag…“, konzen triert zählt ein kleines Mädchen im Morgenkreis eines Kindergartens die Wochentage auf, um dann strahlend zu verkünden: „Montag! Montag kommt nach Sonntag!“ Die angehende Erziehe rin Mareike Marx verfolgt die Sprach übung interessiert. Denn Deutsch ist nicht für alle Kinder der Gruppe Mutter sprache, der Kindergarten befindet sich in Ho Chi Minh Stadt in Vietnam. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Mareike Marx macht dort ein Praktikum. Sie ist begeistert, als sie während ihrer Aus bildung an der Fachschule erfährt, dass sie einen Teil der Ausbildung im Ausland ma chen kann, gefördert von Erasmus+. Sofort schreibt sie 16 Bewerbungen an Kinder gärten in Europa und erhält: Absagen. Der Grund: Im Juli 2023, in dem sie mit dem Anerkennungsjahr auch ihr Praktikum star ten will, beginnen in ganz Europa die Som merferien. Sie fragt ihre Lehrerin, ob ein Praktikum auch außerhalb Europas möglich wäre. Bald ist klar: Auch das geht während der Ausbildung und gefördert werden durch Erasmus+ kann es auch! „Wie traurig, dass kaum einer weiß, dass es diese Möglichkeit gibt“, meint die 32-jährige Mareike. Wieder schreibt sie Bewerbungen, 36, und diesmal bekommt sie vier Zusagen, unter anderem aus Peru und Vietnam. Sie entscheidet sich für die Internationale Deut sche Schule (IGS) in Ho Chi Minh Stadt in Vietnam, an die auch ein Kindergarten an gegliedert ist. „Ich war vorher noch nie in Asien, es hat mich interessiert, die Kultur kennenzulernen“, erklärt sie. Ihre Ansprech partnerin an der IGS hilft ihr bei der Woh nungssuche, holt sie auch vom Flughafen ab, zeigt ihr, wo sie einkaufen kann und den Weg zur IGS. Deutsch-Unterricht zur Vorbereitung auf den Schulbesuch „Besonders viel habe ich über Sprachför derung gelernt“, freut sich die Auszubil dende. Diese steht im Mittelpunkt des Ta gesprogramms in der Vorschulgruppe, in der sie eingesetzt ist. „Ziel ist es, Deutsch zu lernen“, erklärt sie. „Kinder kommen in die Gruppe und können nur Vietnamesisch, vielleicht noch etwas Englisch und müssen auf einmal wissen, wie man zum Beispiel auf Deutsch nach einem Glas fragt.“ Ohne Deutschkenntnisse könnten die Kinder dem Unterricht an der IGS Grundschule nicht folgen, die sie zukünftig besuchen sollen. „Es gibt oft Einzelbetreuung, man setzt sich zusammen und übt mit vielen Wiederho lungen“, ergänzt Mareike. Dabei werden so genannte Kikus-Karten genutzt, Bildkarten zu Themen der kindlichen Erfahrungswelt, etwa zur Familie. Die Karten können auch spielerisch eingesetzt werden. „Über die Bil der kommt man immer gut ins Gespräch“, berichtet sie. Die vietnamesischen Eltern, so die Auszubildende, „wollen den Kindern eine bessere Möglichkeit fürs Leben geben, damit sie mit dem deutschen Abschluss in Europa studieren können.“ In der Gruppe sind aber auch Kinder, deren deutsche Eltern in Vietnam arbeiten und deren Kinder „mit der deutschen Kultur aufwachsen, zum Bei spiel die deutschen Feiertage kennenlernen sollen“, ergänzt sie. Mareike sieht deutliche Bezüge ihres Prak tikums in Ho Chi Minh Stadt zu ihrer jet zigen Arbeit im Anerkennungsjahr an der OGS einer Grundschule in der Kleinstadt St. Augustin bei Bonn. „In meiner Gruppe hier sind Kinder aus dem Irak, dem Iran, der Ukraine, aus Griechenland“, so die Auszu bildende. Zwar könnten sich die Kinder be reits auf Deutsch verständigen, erklärt sie. Einbringen könne sie aber ihre Erfahrungen aus Vietnam dennoch. Sie habe gelernt, noch einfühlsamer zu sein, sich mehr Zeit mit einzelnen Kindern zu nehmen und viel zu wiederholen. „Es gab kaum Konflikte in der Gruppe in Vietnam, das ist hier anders“, meint Mareike. Vielleicht habe es an den Sprachbarrieren gelegen, überlegt sie, oder daran, dass vietnamesische Kinder dazu er zogen würden, strebsam zu sein. Im Gegensatz zu deutschen Kindergärten spielen die Kinder in Ho Chi Minh Stadt nicht oft draußen. „Der Smog ist an den meisten Tagen zu stark“, berichtet die Auszubilden de. Zudem ist Regenzeit in Vietnam. Den noch gefällt Mareike das Land sehr, insbe sondere die Menschen seien sehr freundlich. In ihrer freien Zeit erkundet sie die Stadt und das umliegende Land. Vietnam, so betont sie, sei sehr sicher für allein reisende Frauen. Lernen durch den Vergleich mit Kitas im Ausland Wenn sie ihr Anerkennungsjahr beendet hat, will Mareike Marx zunächst in Asien reisen. „Danach möchte ich bei einer Zeit arbeitsfirma arbeiten, um verschiedene Konzepte und Einrichtungen kennenzuler nen.“ Seitdem die angehende Erzieherin herausgefunden hat, dass sie bis zu einem Jahr nach Abschluss der Ausbildung ein wei teres gefördertes Praktikum machen kann, schreibt sie wieder Bewerbungen. „Ich will noch ein dreimonatiges Praktikum in Europa machen“, so Mareike. „Zu vergleichen, das finde ich spannend und die Arbeit mit ausländischen Kindern wird in der heutigen Zeit mit Krieg und vielen Flüchtlingen weiter wichtig sein.“ Internationalisierung Julia Göhring, freie Journalistin, im Auftrag der NA beim BIBB © a lle M ot iv e: M ar ei ke M ar x 30 31Internationalisierung Steigendes Interesse an weltweiten Auslandspraktika Eine Bestandsaufnahme des Förderprogramms AusbildungWeltweit A usbildungWeltweit ist ein flexibel ange legtes Förderprogramm des Bundesmi nisteriums für Bildung und Forschung (BMBF) für weltweite Auslandsauf enthalte im Rahmen der Berufsausbil dung. In Ergänzung zum europäischen Bildungsprogramm Erasmus+ leistet es einen Beitrag zu mehr qualitätsgesteu erter Auslandsmobilität in der Berufs bildung. Das Programm startete 2017 mit einer Pilotphase. Es wurde 2018 lanciert und zeichnet sich durch Wirt schaftsnähe und gute Zugänglichkeit für berufliche Schulen sowie Kleinstun ternehmen, kleine und mittlere Unter nehmen (KMU) aus. „In der Ausbildung Brücken schla gen“ – Auszeichnung für geförderte Projekte Nicole Heimann, Global Senior Expert Train ing & Education bei Gerresheimer, erklärt, dass ihr Angebot von Auslandsaufenthalten dazu beiträgt, engagierte Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen. Koordiniert vom Standort Regensburg ent sendet Gerresheimer seit dem Jahr 2020 jähr lich Auszubildende mit AusbildungWeltweit an seinen Standort Peachtree City, USA. Für sein Engagement wurde das Unternehmen im vergangenen Jahr von der IHK Regens burg mit dem Sonderpreis „In der Ausbildung Brücken schlagen“ ausgezeichnet. „Für uns als globales Unternehmen ist die Zusammenarbeit in internationalen Teams entscheidend für den Unternehmenserfolg. Deshalb fördern wir diesen internationalen Austausch auch im Rahmen der Ausbildung bei Gerresheimer“, so Oliver Burgel, VP Op erations Procurement HR & Quality bei Gerres heimer. Eine umfassende Vorbereitung der Lernauf enthalte und die enge Zusammenarbeit mit dem Partner in Peachtree sind entscheidend für den Erfolg. Neben Sprachkursen und interkulturellen Trainings werden die Aus zubildenden frühzeitig in die Planung und Vorbereitung einbezogen und lernen die Ansprechpartner vor Ort bereits im Vorfeld über gemeinsame Videokonferenzen ken nen. Zur Sicherstellung des Lernerfolgs greift Gerresheimer auf eine gemeinsame digitale Ausbildungsplattform zurück, die auch vom Partnerunternehmen genutzt werden kann. Individuelle Lernzielvereinbarungen werden durch enge Absprachen mit den einzelnen Auszubildenden geschlossen. Globale Perspektiven im Praktikum: Neue Möglichkeiten für berufliche Schulen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Zu Beginn des Jahres 2020 wurde der Kreis der Antragsberechtigten im Programm um berufliche Schulen erweitert. Auch der Schul bereich nutzt AusbildungWeltweit mit großer Kreativität, um den Auszubildenden zusätz liche persönliche und berufliche Entwick lungsmöglichkeiten zu eröffnen. Von den Innovationsimpulsen und neuen Sichtweisen, die sich aus der internationalen Zusammen arbeit ergeben, profitieren auch die Schulen selbst. Deshalb integrieren immer mehr berufliche Schulen Auslandsaufenthalte in ihr Schulpro gramm, um die berufsbezogene Horizonter weiterung systematisch zu ermöglichen. Die Lernaufenthalte zahlen dabei auch auf das Ziel einer Bildung für nachhaltige Entwick lung ein. Am „Lernort Ausland“ erhalten Aus zubildende einen vertieften Einblick in globa le Zusammenhänge und Abhängigkeiten von Lieferketten und Produktion. „Als UNESCO-Projektschule ist es uns ein Anliegen, die jungen Menschen beim „be rufsbezogenen Hinausgehen“ zu begleiten. Gemeinsam mit unseren Partnern in Nami bia können wir so unseren Auszubildenden helfen, im Praktikum ihre Kompetenzen im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele in den Be reichen Hotel- und Gaststättengewerbe und Erziehungswesen um eine globale Perspekti ve zu erweitern“, betont Katja Türk vom Ro bert-Wetzlar-Berufskolleg Bonn. Gute Chancen für angehende Fach kräfte aus dualen und vollzeitschu lischen Ausbildungsgängen Das globale Förderprogramm Ausbildung Weltweit und das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ waren von den Einschränkungen der Pandemie stark betroffen. Seit dem Jahr 2022 nahmen die Berufsbildungsein richtungen ihre internationalen Aktivitäten jedoch zügig wieder auf. Zwischenzeitlich konnten bei AusbildungWeltweit wieder mehr als 1.300 Auslandsaufenthalte bewilligt werden, womit das vorpandemische Niveau sogar noch etwas übertroffen wurde. Die Wachstumsprognose bleibt positiv. Fast zwei Drittel der Förderanträge kommen direkt von ausbildenden Unternehmen in exportorientierten und international agie renden Branchen. Auf berufliche Schulen entfallen etwa ein Viertel der Anträge. Wei tere Anträge kommen von Kammern und Bildungsträgern. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - // Das Feedback von Auszubildenden zeigt, dass die Möglichkeit zu Auslandsaufenthal ten sie dazu motiviert hat, sich bei unseren Gerresheimer Werken in Deutschland zu bewerben. Interessierte sprechen uns auf Messen und Informationstagen gezielt auf unser Programm an. // - 30 31 Bildung für Europa | August 2024 Grundsätzlich können Auszubildende in ei ner Erstausbildung nach BBiG/HwO sowie nach Bundes- oder Landesrecht von der fi nanziellen Unterstützung profitieren. Etwa 90 Prozent der geförderten Auszubildenden befinden sich in einer dualen Berufsausbildung. Internationalisierung - - Die große Wirtschaftsnähe von Ausbildung Weltweit kommt auch bei den bevorzugt längeren Aufenthaltsdauern und den vor herrschenden Berufsbereichen zum Aus druck. Lernaufenthalte mit AusbildungWelt weit dauern im Schnitt sieben Wochen. In den Förderrunden der Jahre 2022 und 2023 zeigte sich folgende Beteiligung der Berufsbereiche: - - - - - - - - - - - - - Förderrunden 2022-2023: Anteil nach Berufsbereichen Gewerblich-technische Berufe 32% Kaufmännische Berufe 21% IT-Berufe 11% Gesundheitsberufe 10% Handwerksberufe 7% Agrarberufe 5% Laborberufe 5% Erziehungsberufe 3% sonstige Berufsbereiche 6% Seit Programmstart im Jahr 2018 wurden rund 2.900 Auslandsaufenthalte in über 60 Ländern auf allen Kontinenten bewilligt. Das Vereinigte Königreich wurde nach dem Brexit Anfang 2021 in die Liste der förder fähigen Länder von AusbildungWeltweit aufgenommen. Die zehn gefragtesten Zielländer der letzten Jahre sind: USA (28%), China (9%), die Schweiz (6%), Kanada (5%), das Vereinigte Königreich (5%), Aus tralien (4%), die Republik Südafri ka (4%), Mexiko (4%), Tansania (3%) und Indien (2%). Lernaufenthalte von Auszubildenden haben einen Anteil von 80 Prozent. Aufenthalte für Ausbildungsverantwortliche liegen bei 9 Prozent. Die restlichen Bewilligungen ent fallen auf vorbereitende Besuche (10%) und wenige Begleitpersonen. Die Bewilligungs quote lag im Schnitt bei 90 Prozent. Das BMBF startete im Dezember 2022 die Exzellenzinitiative Berufliche Bildung. Sie zielt u. a. darauf ab, die Berufsbildung durch eine noch intensivere internationale Ausrichtung zu stärken. AusbildungWeltweit trägt durch Mobilitätsförderung, Medienkampagnen, Vernetzungsaktivitäten und eine orientieren de Beratung u. a. zu Einreisebestimmungen und Versicherungsfragen dazu bei. Der Kom petenzerwerb im Ausland ist Bestandteil ei ner leistungsfähigen und attraktiven Berufs ausbildung und sollte jeder Generation von Auszubildenden ermöglicht werden. AusbildungWeltweit fördert weltweite Auslandsaufenthalte während der Berufsausbildung. Azubis: 3 Wochen bis 3 Monate Betrieblich Ausbildende: 2 Tage bis 2 Wochen Vorbereitende Besuche: 2 Tage bis 5 Tage Alle Infos zum Programm unter www.ausbildung-weltweit.de Die nächste Antragsfrist endet am 10.10.2024. Aufenthalte dieser Runde können von Februar 2025 bis Januar 2026 durchgeführt werden. STEFAN METZDORF Leiter des Teams „Stärkung der Auslandsmobilität I AusbildungWeltweit“ metzdorf@bibb.de STEPHANIE PLETSCH ist im Programm AusbildungWeltweit für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig pletsch@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.ausbildung-weltweit.de mailto:metzdorf@bibb.de mailto:pletsch@bibb.de 32 Erasmus+ 33 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+-Antragsrunde 2024 Mehr Auslandsaufenthalte als je zuvor – noch Potenzial in der Erwachsenenbildung D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 17. Juni 2024 wieder. Er konzen triert sich auf die Mobilität (Leitaktion 1), weil die Förderentscheidungen für die Partnerschaften für Zusammenar beit (Leitaktion 2) noch nicht vorliegen. Berufsbildung Mit 870 Projektanträgen, davon 750 im Rahmen einer Erasmus+-Akkreditierung, war 2024 die Nachfrage nach Fördermit teln für die Mobilität in der Berufsbildung erfreulich hoch. Die deutliche Zurückhal tung in den Jahren 2021 und 2022 wurde demnach nicht nur aufgegeben, sondern das Interesse an Auslandsaufenthalten ist so groß wie nie. Dies belegt auch die Zahl der beantragten Teilnehmenden. Mit nahe zu 53.000 war sie dieses Jahr 27 Prozent höher als im bis dahin stärksten Antragsjahr 2023. Auch die Kurzzeitprojekte stellen mit 120 Anträgen einen neuen Rekord auf, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die Anzahl der Neuakkreditierungen im letzten Jahr auf 100 begrenzt wurde und einige Einrichtungen ihre Pläne auf ein Kurzzeitprojekt umstellen mussten. Bewilligt wurden letztlich mehr als 46.000 Teilnehmende in 111 Kurzzeit- und 745 ak kreditierten Projekten und damit 40 Prozent mehr Personen als im vergangenen Jahr. Dies war nur möglich dank nicht genutz ter Mittel aus der Erwachsenenbildung, da das Budget für die Berufsbildung deutlich überzeichnet war. Insgesamt wurden in der Leitaktion 1 für die Berufsbildung nahezu 99 Millionen Euro bewilligt. Für die Zielgruppe der Lernenden wurde die neu eingeführte Gruppenmobilität sehr gut angenommen. Rund vierzehn Prozent aller Lernaufenthalte sind in diesem Format geplant, bei dem das Peer Learning mit an deren europäischen Gruppen im Rahmen kürzerer Aufenthalte im Zentrum steht. Nach wie vor ist aber die Kurzzeitmobilität die mit Abstand beliebteste Aktivitätsart; sie macht mit 30.550 Teilnehmenden rund 83 Prozent aller bewilligten Aktivitäten für Lernende aus. Beim Personal sind wie in den Vorjahren das Job-Shadowing und die Teilnahme an Kursen und Schulungen die am stärksten nachgefragten Aktivitätsarten. Von 9.364 bewilligten Aktivitäten für Personal entfal len rund 94 Prozent (8.819) auf diese bei den Formate. Die anderen Aktivitätsarten für Personal und ihr Nutzen für die Inter nationalisierung einer Einrichtung werden offenbar bisher noch unterschätzt. Eine zweite Antragsrunde wird es in der Berufsbildung 2024 nicht geben. Darüber hinaus wird wie im Vorjahr die Anzahl der Neuakkreditierungen auf 100 begrenzt. Erwachsenenbildung Der bereits 2023 zu verzeichnende positive Trend in den Antragszahlen für Mobilitäts projekte in der Erwachsenenbildung setzte sich in der ersten Antragsrunde 2024 fort. Insgesamt konnten 83 Projekte bewilligt werden. Das sind 30 Projekt mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. 46 der Pro jekte entfallen auf die akkreditierten Ein richtungen. 37 der Projekte sind Kurzzeit projekte. Besonders erfreulich ist, dass 15 der 17 Einrichtungen, die Ende 2023 neu akkreditiert wurden, direkt Mittel für ein erstes Projekt angefordert haben und somit sofort aktiv werden können. Auch die Anzahl der Personen, die die ge förderten Einrichtungen planen zu entsen den, ist weiter angestiegen. Obwohl die zweite Antragsrunde für Kurzzeitprojekte im Jahr 2024 noch aussteht, übersteigt die Anzahl der geförderten Personen schon jetzt die Gesamtzahl des Jahres 2023. Während 2023 Mobilitätsaktivitäten für gut 2.770 Personen bewilligt wurden, liegt die Zahl für 2024 bereits jetzt schon bei über 3.100. Es konnten gut 2.300 Aktivitäten für Mitarbeitende von Erwachsenenbildungs einrichtungen bewilligt werden. Die be liebteste Aktivitätsart für die Zielgruppe des Personals bleiben nach wie vor Kurse und Schulungen (1324 geförderte Personen), gefolgt von Job-Shadowings (930 geför derte Personen). Der stetige Anstieg zeigt sich auch in der Anzahl der geförderten Auslandsaufent halte für Lernende. Insgesamt konnten in der ersten Antragsrunde Aktivitäten für 775 Lernende bewilligt werden. 316 Personen entfallen auf eine Gruppenmobilität, 457 auf eine individuelle Kurzzeitmobilität und 2 auf eine individuelle Langzeitmobilität. Trotz des erfreulichen Trends besteht nach wie vor Potenzial. Erneut konnte das zur Verfügung stehende Budget nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft werden. Da für die Erwachsenenbildung weitere finanzi elle Mittel zur Verfügung stehen, wird es im Herbst 2024 neben der Antragsrunde für neue Akkreditierungen deswegen eine zweite Antragsrunde für Kurzzeitprojekte geben. Die Antragsfrist endet am 1. Oktober 2024. Die Bewilligungslisten können auf der NA-Website eingesehen werden: www.na-bibb.de/erasmus- berufsbildung/mobilitaet/ bewilligte-aktivitaeten www.na-bibb.de/erasmus- erwachsenenbildung/mobilitaet/ bewilligte-aktivitaeten http://www.na-bibb.de/erasmus-berufsbildung/mobilitaet/bewilligte-aktivitaeten http://www.na-bibb.de/erasmus-erwachsenenbildung/mobilitaet/bewilligte-aktivitaeten 32 33 Bildung für Europa | August 2024 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Neues Portal für Projektträger Ausgliederung von Inhalten aus Website sorgt für bessere Auffindbarkeit A uf der Website der NA beim BIBB waren sehr viele und umfangreiche Informati onen dargestellt. So waren dort allein mehr als 1.100 Dokumente hinterlegt. Dieser große Umfang führte dazu, dass die Übersichtlichkeit der Website litt. Die Heterogenität der Suchanfragen bzw. der Ansprüche der Nutzerinnen und Nutzer und die Regelungstiefe des Programms Erasmus+ standen immer wieder im Kon flikt zu einer präzisen und schnellen Auf findbarkeit. Während beispielsweise eine berufsbil dende Schule ein Formular für einen End bericht für ein Partnerschaftsprojekt des Jahres 2021 sucht, benötigt eine VHS-Do zentin, die erstmalig ein Mobilitätsprojekt in Erasmus+ beantragen möchte, vielmehr aktuelle Informationen über grundlegende Teilnahmebedingungen. Und dann gibt es z.B. auch noch die Mitarbeitenden eines Bildungswerks, die Vorträge zum Thema „Inklusion“ suchen, von denen sie bei einer Online-Veranstaltung der NA gehört haben. Um diesen sehr unterschiedlichen Bedürf nissen gerecht zu werden, stehen seit Juni 2024 die Informationen und Dokumente für bestehende Vertragsnehmer der NA beim BIBB auf der neuen Erasmus+-Projektplatt form gebündelt zur Verfügung, mit der die Dokumentation von Wissen und der Wis sensaustausch vereinfacht und beschleu nigt werden sollen. Da die NA beim BIBB die genutzte Wiki-Software vor vier Jahren auch für ihr eigenes Wissensmanagement eingeführt hat, versprechen wir uns hier Synergieeffekte durch das Aufeinander treffen dynamischer Arbeitsbereiche für unsere „Kunden“ auf der einen Seite und kollaborativer Lösungsmöglichkeiten für eigene Mitarbeitende auf der anderen Sei te. Die neue Plattform für Projektträger ist direkt über Eingabe der Internet-Adresse oder über die NA-Website www.na-bibb. de frei zugänglich. Auf der Website erfolgt der Zugang derzeit über einen Link auf den Unterseiten „Durchführung“. Vorteile und Aufbau der Projektplattform Seit der neuen Programmgeneration ab 2021 sind viele Neuerungen in der Mittel bewirtschaftung und Projektdurchführung des Programms (teilweise zeitversetzt) ein geführt worden; durch die zeitliche Koin zidenz mit der Corona-Pandemie und dem daraus resultierendem Informationsbedarf sowie teilweise großen Problemen in der Funktionalität zentraler IT-Werkzeuge der EU ergab sich für die NA beim BIBB ein hoher Handlungsdruck, die internen und externen Anforderungen zu verknüpfen und smarte Lösungen zu finden. Mit der Einführung des internen Wissensmanage ment-Portals im Jahr 2021 und die im Juni 2024 erfolgte Freischaltung der ersten Ar beitsbereiche im Wiki-Portal für Projektträ ger ist nun ein nächster Schritt in der digi talen Entwicklung der Nationalen Agentur gemacht. Für unsere Projektträger verbessert sich nunmehr der Zugang zu den (vertrags-)re levanten Informationen und Dokumenten, da diese nun ohne Umwege erreichbar sind. Die entscheidende Weiche in der Pro jektplattform ist die Wahl der Leitaktion, zu der Informationen und Dokumente abgeru fen werden sollen. Die Leitaktion 1 (KA1, Mobilität) teilt sich dabei in die Bildungs bereiche „Berufsbildung“ und „Erwachse nenbildung“ auf, während der Zugang zur Leitaktion 2 (KA2, Partnerschaften) beide Bildungsbereiche umfasst. In einem dritten Bereich werden den Projektträgern soge nannte FAQ-Listen angeboten sowie Infor mationen zu den Werkzeugen (Tools) der Projektverwaltung und Berichterstattung. Auf den FAQ-Seiten werden den Projekt trägern unterschiedliche Themen praxisnah erklärt. Die FAQ werden stetig ergänzt. Die Suche ist ein wichtiger Bestandteil die ser Plattform. Die Plattform wird mit den Themen kontinuierlich wachsen. Zum ein fachen und schnellen Auffinden der Inhalte – auch in den Dokumenten – ist die Platt form mit einer einfach zu bedienenden, aber mächtigen Suchunktion ausgestattet. Hinsichtlich der Strukturierung der Unter lagen und deren Verfügbarkeit verspre chen wir uns, dass die Plattform durch ihre vielfältigen Möglichkeiten eine benutzer freundlichere Darstellung ermöglicht und das Auffinden einfacher macht. Zudem gibt uns die neue Plattform die Möglichkeit, zielgruppengerechte Informa tionen, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Projektträger, noch zeitnäher zur Ver fügung zu stellen. Sie erlaubt eine schnel le Verbreitung von wichtigen Neuigkeiten, z.B. zu Änderungen in den Rahmenbedin gungen, an unsere Projektnehmer. Erasmus+ https://na-bibb.atlassian.net/wiki/ spaces/WILL/overview JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB (bis Juni 2024) © N A b ei m B IB B https://na-bibb.atlassian.net/wiki/spaces/WILL/overview https://na-bibb.atlassian.net/wiki/spaces/WILL/overview http://www.na-bibb 34 35 - - - - - Infosplitter Infosplitter - - - Neuerscheinungen Wie haben sich Erasmus+ und die anderen bei der NA beim BIBB angesie delten Programme bzw. Projekte entwickelt? Was waren Arbeitsschwer punkte? Aufschluss darüber gibt der NA-Jahresbericht, der nunmehr im zweijäh rigen Rhythmus erscheint. Kennen Sie schon unsere EuroApprentices? In einem Flyer erfahren Sie, was diese motiviert und wie die ehemaligen Erasmus+-Teilnehmenden für Auslands erfahrung während der Ausbildung werben. - Alle NA-Publikationen können kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden. www.na-bibb.de/publikationen - - Für Audio-Affine Die Podcastreihe "Talking Erasmus+" der NA beim BIBB informiert über das Förderprogramm Erasmus+, spannende Bildungsprojekte und europäische Quer schnittsthemen. Hören Sie immer die ak tuellen Folgen unter www.na-bibb.de/ presse/podcasts ErasmusDays 2024 Sie haben ein laufendes Erasmus+-Projekt im Bereich Berufsbildung oder Erwachse nenbildung oder dieses bereits abgeschlos sen? Dann machen Sie vom 14. bis 19. Oktober mit bei den ErasmusDays! Alles ist denkbar, lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und überlegen Sie, welche Aktion am besten zu Ihrer Einrichtung und zu Ihren Erasmus-Skills passt. Jetzt anmelden unter.... www.erasmusdays.eu Europa in den sozialen Medien Die NA-Social-Media-Redaktion hat ge meinsam mit Auszubildenden im BIBB eine Serie von Kurzclips erstellt, die junge Menschen motivieren sollte, an den Euro pawahlen teilzunehmen. Die Videos wur den crossmedial geteilt und fanden mit 12.000 Aufrufen große Resonanz. © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/presse/podcasts http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.erasmusdays.eu 34 35 Bildung für Europa | August 2024 Instalive aus aller Welt Die während eines Auslandsaufenthalts erzielten Lernergebnisse werden im Europass Mobilität bescheinigt. Die Lernbereitschaft junger Menschen wird besonders gewürdigt, wenn die Übergabe des Mobilitätsnachweises in fei- erlichem Rahmen erfolgt, wie in Berlin, wo die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey 160 Auszubildende ins Rote Rathaus einlud. Die jungen Menschen waren über Erasmus+ im Ausland; organisiert wurden die Prakti- ka über GoEurope. In Bild und Ton In der dreiteiligen Videoreihe „Gute Gründe für Auslandsaufent halte in der Ausbildung“ berichten die (ehemalige) Mobilitätsbe raterin Nadine Rosell, der Ausbilder und Geschäftsführer Michel Lohmann sowie der Auszubildende Henrik Bellgardt jeweils aus der eigenen Perspektive, weshalb sie von Auslandsaufenthalten überzeugt sind und diese weiterempfehlen. Nutzen Sie die Vi deos auch gerne für Ihre Arbeit! - - - www.auslandsberatung-ausbildung.de/ gute-gruende-fuer-auslandsaufenthalte - Infosplitter - - - - - - - - - - - Neues Video: Bewerben mit Europass © N at io na le s Eu ro pa ss C en te r Das neue Video erklärt, wie Nutzerinnen und Nutzer im Europass-Portal ein Profil anlegen und daraus Lebensläufe erstellen, wie sie ihre digitalen Kompetenzen testen und digitale Bewerbungsmappen anferti gen. Das Video ist auch für den Einsatz im Unterricht geeignet. 400.000ster Europass Mobilität verliehen Im März 2024 wurde der bundesweit 400.000ste Europass Mobilität überreicht. Verliehen wurde das Jubiläumsdokument von Christina Henke, Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie in der Berliner Senatsverwaltung. Empfänger war der Schüler Dominik Diehr, der im Jahr 2023 sechs Monate seiner Ausbildung in Irland absolvierte. © N A b ei m B IB B © D ie te r K ro ll Themenwoche - Demokratie erleben, Teilhabe gestalten Im April 2024 widmete sich EPALE dem Thema Demokratie und Teilhabe mit span nenden Erasmus+-Projektbeispielen und Initiativen. Diese zeigen, wie Erwachsenen bildung dazu beitragen kann, die Demokra tie zu stärken und die Teilhabe aller Bürge rinnen und Bürger zu fördern. https://epale.ec.europa.eu/de/content/ themenwoche-demokratie-erleben- teilhabe-gestalten Deutschland Lernort Sport: Mehr als Bewegung Gesundheitsbildung als ein wesent licher Teil der Erwachsenenbildung umfasst Bewegungsangebote von Yoga über Tanz bis zum Hantel training. Doch welche Möglich keiten bietet der Sport jenseits von Bewegung und Gesundheit? Im dritten Quartal 2024 liegt bei EPALE Deutschland der Fokus auf dem Thema Lernort Sport: Mehr als Bewegung. https://epale.ec.europa.eu/de/ content/themenfokus- lernort-sport-mehr-als- bewegung EPALE Akademie Am 7. und 28. November 2024 bietet EPALE Deutschland jeweils von 10:00 bis 12:00 Uhr online eine EPALE Akademie zum Thema nachhaltige Organisationsent wicklung in der Erwachsenen bildung an. In der Lernphase zwi schen den Online-Terminen können die gewonnenen Erkenntnisse ver tieft und angewendet werden. https://epale.ec.europa.eu/de/ content/epale-akademien- uebersicht http://www.auslandsberatung-ausbildung.de/gute-gruende-fuer-auslandsaufenthalte https://epale.ec.europa.eu/de/content/themenwoche-demokratie-erleben-teilhabe-gestalten https://epale.ec.europa.eu/de/content/themenfokus-lernort-sport-mehr-als-bewegung https://epale.ec.europa.eu/de/content/epale-akademien-uebersicht Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114-116 (NA beim BIBB) 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > im Bereich Erwachsenenbildung sowie Jugend 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbil dung, Erwachsenenbildung und Jugend - 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA AusbildungWeltweit > Aufenthalte zwischen Februar 2025 und Januar 2026 10.10.2024 AusbildungWeltweit AusbildungWeltweit Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu/index_de Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (01.07.2024). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A07/2023. http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de http://www.eacea.ec.europa.eu/index_de Bildung für Europa 39 · August 2024 Impressum Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Internationalisierung „Europa in Bewegung“ Europäischer Bildungsraum und Ratsempfehlung Mitgliedstaaten: Benchmarks und Systeme Unterstützung durch die EU-Kommission Besonders wichtige Zielgruppen: Lehrkräfte und Auszubildende Mobilität von Lehrkräften Mobilität von Auszubildenden Einschätzung aus Erasmus+-Perspektive Good Practice: Von Internationalisierung überzeugt Wettbewerbsfähigkeit Attraktivität Von Guter Praxis lernen Projektinfo Drei Jahre Akkreditierung in der Leitaktion 1 Was genau ist die Akkreditierung? Ziele der Akkreditierung Wie wurde die Akkreditierung bisher angenommen? Wie geht es weiter? Europa bringt Farbe ins Spiel Good Practice: VHS Rottweil stellt sich neu auf Werkzeug interner und externer Internationalisierung Impulse für neue Initiativen Blick in die Zukunft Projektinfo Good Practice: International denken Projekte miteinander verzahnen Projektinfo Internationalisierung als Instrument Schulentwicklung im Dreiklang denken Internationalisierung auf gutem Weg Berufsbildung Bewilligte Akkreditierungen Mit Erasmus+ weltweit unterwegs Beliebteste Zielkontinente 2021-2023 Incoming Mobilität:Top-5-Herkunftsländer 2021-2023 Erwachsenenbildung Top-3-Zielländer 2021 -2023 Bewilligte Akkreditierungen „Ein Tor in den europäischen Bildungsraum“ Mit Europass die Internationalisierung von Schulen fördern Organisation Personal Unterricht Personalmobilität in Europa Berufsbildung: Schulen sind Vorreiter Erwachsenenbildung: Internationalisierung im formalen und non-formalen Bereich Das transnationale Forschungsnetzwerk RIA-AE Zentrale Erkenntnisse auf nationaler Ebene Baukasten internationale berufliche Handlungskompetenz Kompetenzbaukasten für Ausbildungsordnungen Anwendung in der Praxis Praxisbeispiel Neuordnung der Berufsausbildung der Industriekaufleute Fazit und Ausblick Good Practice: Bereit für Europa? Tools für die Selbstanalyse und Umsetzung Wie geht es weiter? Projektinfo Weltweite Öffnung für akkreditierte Einrichtungen Beispiele aus der Praxis Wer kann Förderungen für Auslandsaufenthalte außerhalb der EU erhalten? Mit Erasmus+ zum Praktikum nach Asien Deutsch-Unterricht zur Vorbereitung auf den Schulbesuch Lernen durch den Vergleich mit Kitas im Ausland Steigendes Interesse an weltweiten Auslandspraktika Globale Perspektiven im Praktikum: Neue Möglichkeiten für berufliche Schulen Gute Chancen für angehende Fachkräfte aus dualen und vollzeitschulischen Ausbildungsgängen AusbildungWeltweit fördert weltweite Auslandsaufenthalte während der Berufsausbildung. Erasmus+ Erasmus+-Antragsrunde 2024 Berufsbildung Erwachsenenbildung Neues Portal für Projektträger Vorteile und Aufbau der Projektplattform Infosplitter Neuerscheinungen Für Audio-Affine ErasmusDays 2024 Europa in den sozialen Medien In Bild und Ton Neues Video: Bewerben mit Europass 400.000ster Europass Mobilität verliehen Themenwoche - Demokratie erleben, Teilhabe gestalten Lernort Sport: Mehr als Bewegung EPALE Akademie Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …

[…] Bildung für Europa 38 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Dez 2023 Mitmischen in Europa 12 Das EuroApprentices- Netzwerk 19 Fake News und Antisemitismus 28 Neues Portal für Möglichmacher Bildung für Europa 38 Dez 2023 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 02.10.2023 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus - : - - - - - 2 - - : Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5) TCA Nachhaltigkeit in der Erwachsenen bildung, argum GbR / Falk Heller (S. 1); Martin Schmidt, Julia Essl, argum GbR / Thomas Einberger, NA beim BIBB, RochelleBrown/Unsplash.com (S. 5). Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de https://twitter.com/nabibb_de https://twitter.com/EUEB_de 2 3 Bildung für Europa | Dezember 2023 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, mit dem Schwerpunkt „Teilhabe“ schließen wir den Zyklus ab, in dem wir die horizontalen Prioritäten des Programms beleuchtet ha ben. Dass wir die drei anderen Prioritäten schon zuvor behandelt haben bedeutet keineswegs, dass hier nun die Unbedeutendste zur Sprache käme – im Gegenteil. Uns wird in den letzten Jah ren immer deutlicher, wie wichtig europäische und demokratische Werte für die Europäische Union und unser Zusammenleben sind. - - Erasmus+ kommt aus der Tradition der europäischen Programme, die die Qualität der Bildung im weitesten Sinne verbessern sollen. Dies wird auch in Zukunft so sein. Das Programm hat Europa mit einem riesigen Netz von Partnerschaften und Kooperationen über zogen, die unsere Bildungspraxis – und manchmal auch die Bil dungspolitik – verändert haben. Diese Netzwerke, Kooperationen und Mobilitätsprojekte fördern aber auch den gegenseitigen Re spekt, verringern Vorurteile und machen Menschen neugierig. Die se Dimension des Programms ist uns gerade in den letzten Jahren – manchmal auch schmerzhaft – deutlich geworden. - - - - Auch wir als NA beim BIBB müssen an uns dem Anspruch stellen, Teilhabe zu ermöglichen. Wir selber bilden die Brücke zwischen der Praxis vor Ort und den politischen Zielsetzungen und Rahmen bedingungen, denen die Europäische Kommission verpflichtet ist. Ihre Meinung ist uns wichtig, Ihnen zuzuhören macht letztlich das Programm und unsere Arbeit besser. Dafür haben wir seit dem 20.09.2017 unseren Nutzerbeirat als Ihr unmittelbares Sprachrohr eingesetzt. Er begleitet unsere Arbeit kritisch und konstruktiv und ermöglicht einen echten Dialog. Unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen, die sich für Sie stark machen und nutzen Sie dieses Angebot. - Dies ist nun das 38. und letzte Editorial, das ich für unser Journal schreibe. Zum Jahreswechsel gebe ich den Staffelstab an meinen Kollegen Berthold Hübers weiter. Ich bin sicher, dass die NA bei ihm in guten Händen ist und er der NA und der europäischen Zu sammenarbeit viele Impulse geben wird. - Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, mit denen ich in den Jahren als Leiter der NA zusammenarbeiten durfte. Mir hat es große Freude gemacht und ich glaube, dass wir gemeinsam einiges bewegen konnten. Mit dem Abschied verbinde ich auch eine Bitte: Die Europäische Union ist sicher nicht perfekt, aber sie ist die beste und friedlichste Form, in der wir Europäerinnen und Europäer jemals zusammenge lebt haben. Bitte tragen Sie dazu bei, dass dies so bleibt! Beteiligen Sie sich an der Europawahl im kommenden Jahr und helfen Sie mit, dass Erasmus+ auch in Zukunft einen großen Beitrag hierzu leisten kann. - Herzlichst, Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B 4 5 Inhalt Nr. 38 | Schwerpunkt Teilhabe und gemeinsame Werte 06 Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement 09 Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Teil des Bildungsauftrags an Berufskollegs 10 EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB Auslandserfahrungen teilen und sich für europäische Werte engagieren 12 Gemeinsam europäische Werte stärken Warum EuroApprentices sich ehrenamtlich für Erasmus+ engagieren 14 Good Practice: #GetInvolved Förderung von Demokratie und bürgerschaftlichem Engagement in der Berufsbildung 15 Good Practice: KOSMO_POLIS Job Shadowings für partizipatives Lernen 16 SALTO PI die Helpline für Partizipationsprojekte 18 Good Practice: Wires Crossed Bürgerinnen und Bürger bekämpfen Fake News vor Ort 19 : Fake News und Antisemitismus Tipps im Umgang mit Desinformation und Verschwörungserzählungen In eigener Sache - 20 Europäer aus tiefer Überzeugung Anerkennung und Dank zum Ruhestand von Klaus Fahle Erasmus+ 24 Intelligente Stromnetze für die Zukunft Erasmus+-Projekt mit European Innovative Teaching Award 2023 ausgezeichnet 25 Neue Kriterien für Kooperations partnerschaften Prüfung der operationalen Leistungsfähigkeit von Antragstellern 26 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Partnerschaften stark nachgefragt – neuer Rekord in der Erwachsenenbildung Weitere Bildungsthemen 28 Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen So werden Auslandsaufenthalte für Azubis möglich 29 Europäische Agenda Erwachsenenbildung Aufbruch in die achte Förderperiode 2024 bis 2025 30 Infosplitter 32 Termine 4 5 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe, gemeinsame Werte und zivilgesell schaftliches Engage ment 06 Was treibt EuroApprentices an? 12 Zur Programmgeneration 2021-2027: „Lassen Sie uns ehrgeizig sein und die Chancen nutzen. Wir brauchen mehr Europa in unserer Bildung, aber Europa braucht auch viele Beiträge aus Deutsch land. Es gibt viel zu tun ...“ Klaus Fahle: Abschied nach 23 Jahren 20 Projekt „Smart Grid“ ausgezeichnet 24 - - - www.Auslandsberatung-Ausbildung.de ist online28 Agenda: Schwerpunkte der achten Förderperiode 29 http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de 6 7 Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement © R oc he lle Br ow n/ U ns pl as h. co m rasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement © R oc he lle Br ow n/ U ns pl as h. co m E 6 7 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte E uropaweit ist die Tendenz einer abnehmenden Beteiligung am demokratischen Leben zu beobachten. Gerade mit Blick auf die anstehenden Europawahlen ist es brisant, dass der Kenntnisstand zu europäischen Fragen ebenso wie das Be wusstsein dafür häufig nur gering ausgeprägt sind. Gleich zeitig lässt sich bei immer mehr Menschen eine Empfäng lichkeit für radikale Ideologien oder Verschwörungstheorien erkennen und die Demokratie in Europa wird zusätzlich durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine heraus gefordert. Um diesen Problemen mit dem Mittel der Bildung zu begegnen, ist das Thema „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches En gagement“ seit dem Jahr 2021 eine horizontale Priorität im Programm Erasmus+. Der Aus- und Weiterbildung kommt in dieser Hinsicht eine zentrale Bedeutung zu. Sie hat Zugang zu einer großen und heterogenen Gruppe an Menschen und kann diesen die Relevanz der aktiven Beteiligung am politischen und gesellschaftlichen Leben näherbrin gen. Gleichzeitig werden hier Fähigkeiten vermittelt, die für das Zusammenleben in einem demokratischen und vielfältigen Europa notwendig sind, wie beispielsweise soziale und interkulturelle Kom petenzen, kritisches Denken und Medienkompetenz. Den bildungspolitischen Hintergrund bildet die Pariser Erklärung aus dem Jahr 2015 und die Jugendstrategie der Europäischen Uni on 2019 bis 2027, in denen die Förderung aktiven zivilgesellschaft lichen Engagements und europäischer Werte verankert ist. Dadurch hat das Thema im Programm Erasmus+ sowohl in der Mobilität (Leitaktion 1) als auch bei den Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2) eine besondere Bedeutung. Als Querschnittsthema im Programm ist „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement“ bei der Umsetzung der Projekte in beiden Leitaktionen zu berücksichtigten, entweder durch formale oder nichtformale Lernaktivitäten. Das Verständnis für die Europäische Union und die gemeinsamen europäischen Werte zu entwickeln oder zu verbessern sowie kritisches Denken und Medienkompetenz bei den Teilnehmenden zu stärken, ist Ziel der Aktivitäten. Für Leitaktion 2 bedeutet diese Priorität zudem, dass gemeinsam mit europäischen Partnern Lehr- und Lernmateri alien in Hinblick auf die Thematik entwickelt werden können oder bewährte Praxis ausgetauscht wird. Wachsende Bedeutung für die Projektpraxis In beiden Leitaktionen können sich Projekte zur Priorität mit allen Formen des Lernens (formal und non-formal) beschäftigen, die den Aufbau und die Weiterentwicklung zivilgesellschaftlicher und de mokratischer Kompetenzen zum Ziel haben. Diese umfassen alle Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, gesellschaftliche und politische Prozesse zu verstehen, kritisch zu beobachten und sich aktiv dazu zu verhalten. Überdies betrifft die Priorität alle so zialen und interkulturellen Kompetenzen mit direktem Bezug zur Verwirklichung einer europäischen Gesellschaft, die sich durch starken gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und allgemeine Achtung von Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität auszeichnet. Die im Vergleich zum Vorgängerprogramm wesentlich prominen tere Platzierung von „Teilhabe“ als horizontale Priorität spiegelt sich insbesondere in der Erwachsenenbildung in der Vielzahl an Pro jekten wieder, die das Thema adressieren. So arbeiten in der Leitak tion 2 der Erwachsenenbildung seit 2021 insgesamt 87 geförderte Projekte hierzu und erste kleinere Projekte sind bereits abgeschlos sen. In der Berufsbildung hingegen wird die Priorität weniger in den Fokus genommen und bisher nur in 19 Projekten aufgegriffen. Heterogenes Feld an Themen und Zielgruppen In der Leitaktion 2 gibt es sowohl in der Erwachsenenbildung als auch der Berufsbildung ganz unterschiedliche Projekte zum Thema. Grob lässt sich folgende Kategorisierung vornehmen: Bildung für Demokratie und Teilhabe am demokratischen Leben Aktive Bürgerschaft und Mitgestaltung der Gesellschaft Förderung von europäischer Identität und Stärkung europä ischer Werte (Achtung der Menschenwürde und Menschen rechte, Demokratie, Gleichheit vor dem Gesetz, Rechtsstaatlichkeit) - - Gleichberechtigung und Antidiskriminierung Überbrückung von interkulturellem, intergenerationalem und sozialem Ausschluss Bewusstsein für die Europäische Union Medienkompetenz und Prävention gegen Desinformation Soziale Innovation 8 9 Die Projekte sind äußerst heterogen, was ihre Zielgruppen betrifft, und adressieren die Kompetenzen verschiedenster Gruppen von Lernenden oder des Bildungspersonals. Das Spektrum der Ergeb nisse ist ebenfalls sehr breit und reicht von spielbasierten Metho den über Online-Lernplattformen bis hin zum Austausch bewährter Praxis. Die Einbindung von Lernenden spielt dabei meist eine ent scheidende Rolle. - - - In der Leitaktion 1 nehmen in der Berufsbildung die Teilnehmenden beispielsweise in der Regel an interkulturellen Trainings in Vorberei tung auf ihren Auslandsaufenthalt teil. Die Phase der Vorbereitung eignet sich gut, um die Teilnehmenden mit Wissen über europä ische Institutionen und europäische Werte auszustatten. In der Pha se nach einem Auslandsaufenthalt kann insbesondere die Wirkung der Mobilität in Bezug auf diese Priorität überprüft werden. So werden die Teilnehmenden beispielsweise gefragt, ob sie sich jetzt „europäischer und zugehöriger zur europäischen Gemeinschaft fühlen“ und ob ihr Interesse an der Teilnahme an Wahlen und de mokratischen Prozessen gestiegen ist, was in der Regel bejaht wird. - - - - Eine Möglichkeit für Lernende, um sich zu engagieren und die eu ropäische Idee und europäische Werte zu leben und zu verbreiten, ist die Teilnahme an der Initiative „Erasmus+-Botschafter/-innen in der Berufsbildung“, den sogenannten EuroApprentices (s. auch S. 10 ff.). EuroApprentices sind ehemalige Erasmus+-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, die aus eigener Erfahrung vom Mehrwert eines Auslandsaufenthaltes berichten. Sie engagieren sich dafür, andere Auszubildende zu motivieren, den Schritt ins Ausland zu wagen. Die NA beim BIBB bildet die Botschafter/-innen einmal pro Jahr aus. EuroApprentices gibt es mittlerweile in zehn europäischen Ländern. Durch regelmäßige Netzwerktreffen entsteht so eine länderüber greifende Zusammenarbeit von Jugendlichen, die die europäischen Werte vertreten und zivilgesellschaftliches Engagement beweisen. Die NA beim BIBB koordiniert dieses europaweite Netzwerk. - - In Erasmus+-Projekten wird das zusammenwachsende Europa ge lebt. Die Teilnehmenden nutzen die offenen Grenzen, arbeiten in transnationalen Projekten zusammen und profitieren von der Ex pertise ihrer Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern. Durch ihre Ergebnisse, den Kompetenzgewinn und die Beziehungen, die hier entstehen, tragen sie zur Stärkung des europäischen Zusam menhaltes bei. - - - Welche neuen Angebote gibt es? Die zunehmende Relevanz des Themas spiegelt sich auch in der Eröffnung des neuen europäischen Zentrums „SALTO Participation & Information“ in Estland wieder (s. auch S. 16 f.). Aufgabe des Zentrums ist die Stärkung von Synergien zwischen Politik, EU-Bil dungsprogrammen und der Bildungspraxis hinsichtlich „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsamer Werte und zivilgesell schaftlichen Engagements“. Es unterstützt und berät die Nationalen Agenturen bei der Entwicklung von passenden Angeboten für die Projektträger. Die Website des SALTO Zentrums gibt Überblick über Beispiele guter Praxis und bietet eine umfangreiche Toolbox mit vielseitigen Lehr- und Lernmaterialien zum Thema. - - Ab dem Jahr 2024 wird es eine neue Aktivität in der Leitaktion 1 in der Berufsbildung geben, die es Gruppen von Lernenden ermög licht, gemeinsam mit Lernenden aus mindestens einem anderen Land an verschiedenen Themen zu arbeiten, aber auch europäische Institutionen zu besuchen. Damit fördert diese Aktivität explizit po litische Bildung von Lernenden im Rahmen von Lernaufenthalten im Ausland. Detaillierte Informationen sind dem Programmleitfaden 2024 zu entnehmen. In der Leitaktion 1 in der Erwachsenenbildung gibt es diese Gruppenaktivitäten schon länger. - - Auch in der Arbeit der Nationalen Agentur beim BIBB erhält das Querschnittsthema zunehmende Bedeutung. So befindet sich der zeit eine teamübergreifende Arbeitsgruppe im Aufbau, die das vorhandene Wissen bündelt und zum Ziel hat, Antragsteller und laufende Projekte hinsichtlich dieses zentralen Themas zu unter stützen. Die neustrukturierte Themenseite „Teilhabe, gemeinsame Werte“ auf der NA-Website gibt Informationen und Anregungen, welche Bedeutung das Thema im Programm hat und auf welche Weise es in Mobilitätsprojekten und Partnerschaften aufgegriffen werden kann. Die Seite wird fortlaufend um neue Good-Prac tice-Beispiele aus der Berufs- und Erwachsenenbildung erweitert. - - - INFO: Themenseite der NA beim BIBB: www.na-bibb.de/themen/teilhabe Website des SALTO-Zentrums: https://www.salto-youth.net/rc/participation/ Teilhabe & gemeinsame Werte - TORSTEN SCHNEIDER Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Kooperationsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB Torsten.Schneider@bibb.de FREDERIK HUGO Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB hugo@bibb.de © N A b ei m B IB B KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationali sierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de http://www.na-bibb.de/themen/teilhabe https://www.salto-youth.net/rc/participation/ mailto:Torsten.Schneider@bibb.de mailto:hugo@bibb.de mailto:wilkens@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Teil des Bildungsauftrags an Berufskollegs © E U -G es ch äf ts st el le A rn sb er g Mit ihrer Initiative „Demokratie fördern in internationalen Projekten“ (DiP) un terstützt die EU-Geschäftsstelle Wirt schaft und Berufsbildung Arnsberg die Berufskollegs in ihrem Regierungsbe zirk bei der Umsetzung von internatio nalen Projekten im Bereich der Erinne rungskultur und Demokratieförderung. „Die Berufskollegs sind ideale Orte für attraktive Bildungsangebote, durch die junge Menschen demokratische Wer te, Toleranz und Weltoffenheit lernen. Diese Werte sollen in allen Fächern vermittelt werden. Zum Bildungs- und Erziehungsauftrag des Berufskollegs gehört es, diese Werte in das beruf lich-ethische Handeln der Auszubilden den zu transferieren“, erklärt Ludger Dieckmann, schulfachlicher Dezernent in Arnsberg. Um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sei es wichtig, diese Themen in die Schulent wicklung zu inkludieren. Neben der Plattform “NRW cConnect extern“, die eine Sammlung von Ressourcen wie z.B. Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellt, sind internationale Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Schulleitungen zentraler Be standteil der Initiative. Qualifizierung „Gedenkstättenpäda gogik“ An der aus vier Modulen bestehenden Quali fizierung „Gedenkstättenpädagogik“ nahmen 26 Lehrkräfte teil, um Impulse zu erhalten und methodisches Wissen für die Durchführung von internationalen Aktivitäten zur Förderung der Demokratie in der beruflichen Bildung zu erlernen. In Modul 1 und 2 tauschten sich die Teilnehmenden mit Blick auf den Status Quo zur Erinnerungskultur am eigenen Berufs kolleg aus, entwickelten Projektideen für ent sprechende Schulentwicklungsvorhaben und setzten sich mit der Verortung des Themas in Lernsituationen auseinander. Das dritte Modul beinhaltete ein einwöchiges Job-Shadowing in der Internationalen Begegnungsstätte in Oświęcim, Polen, mit Besuch des Konzentra tionslagers Auschwitz und dem Austausch mit polnischen Lehrkräften. Durch eine Aus einandersetzung mit dem historischen Ort Auschwitz-Birkenau lernten die teilneh menden Lehrkräfte z.B. die Wirkung päda gogischer Methoden zur Bewältigung der Eindrücke kennen und können diese in der Arbeit mit ihren Schülerinnen und Schülern einsetzen. Die Fortbildung endete mit dem 4. Modul, in welchem die Lehrkräfte ihre Er fahrungen in Polen fachlich auswerteten und erste Meilensteine zur Umsetzung von Aktivi täten an ihren Schulen planten. Die Fortbildung für Schulleiter/-innen fand in Kooperation mit dem Institut für Demokra tiepädagogik in Eupen, Belgien, statt. Neben einer Sensibilisierung für die Relevanz des Themas im Schulprogramm lernten die Schul leitungen mittels im Ausland erprobter Prak tiken Zugangswege für Lernende kennen, um dieses Themenfeld zu erschließen und Mög lichkeiten der Verknüpfung mit berufsspezi fischen und berufsübergreifenden Inhalten zu präzisieren. Die Berufskollegs im Regierungs bezirk Arnsberg sind mit neuen Kompetenzen ins Schuljahr 2023/2024 gestartet. Nun ist das DiP-Team sehr gespannt, welche Vorhaben zur Demokratieförderung in internationalen Projekten begleitet werden. PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2020-1-DE02-KA120-VET-000007909 Laufzeit: 01.06.2022 – 31.05.2024 Beteiligte Länder: BE, PL, DE Koordinatorin: EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufs bildung der Bezirksregierung Arnsberg (Dez. 45) - Kontakt: Andrea Stein, Andrea.Stein@bra.nrw.de Website: www.bra.nrw.de/bildung-schule/ schulformen-abschluesse/ schulformen/eu-geschaeftsstelle- fuer-wirtschaft-und-berufsbildung http://www.bra.nrw.de/bildung-schule/schulformen-abschluesse/schulformen/eu-geschaeftsstelle-fuer-wirtschaft-und-berufsbildung mailto:Andrea.Stein@bra.nrw.de 10 11 Workshop zu European Values während des interna tionalen EuroApprentices Treffens 2023 in Terceira, Portugal © N A b ei m B IB B Internationales Treffen 2017 in Köln mit EuroApprentices aus sechs Ländern © N A b ei m B IB B EuroApprentice Svenja auf dem European Youth Event 2023 in Straßburg © M ar tin S ch m id t (E ur oA pp re nt ic e) Deutsche EuroApprentices beim internationalen EuroApprentices Treffen 2022 in Prag, Tschechien © t sc he ch is ch e N at io na le A ge nt ur „ D ům z ah ra ni čn í s po lu pr ác e (D ZS ) EuroApprentice Anna mit NA-Mitarbeiterin auf der Messe „Einstieg Berlin 2022" © A nn a Ro ßb an d (E ur oA pp re nt ic e) - 10 11 Bildung für Europa | Dezember 2023 © t sc he ch is ch e N at io na le A ge nt ur „ D ům z ah ra ni čn í s po lu pr ác e (D ZS ) © N A b ei m B IB B © N A b ei m B IB B - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB Auslandserfahrungen teilen und sich für europäische Werte engagieren Internationales Treffen 2017 in Köln mit EuroApprentices aus sechs Ländern E uroApprentices sind Lernende in der Be rufsbildung, die als Botschafter/-innen von ihren eigenen Auslandserfahrungen mit Erasmus+ u.a. in Berufsschulen, auf Social-Media-Kanälen und Ausbildungs messen berichten. Sie sind zentraler Be standteil einer europäischen Initiative, die 2017 von der Nationalen Agentur beim BIBB zusammen mit fünf weiteren Ländern gegründet wurde. Diese will die Sichtbarkeit von Auslandsaufenthal ten in der Berufsbildung erhöhen. „Dieser Ansatz ist auch heute noch be deutsam, denn noch immer wissen viele Lernende in der Berufsbildung nicht, dass Auslandsaufenthalte während der Ausbildung gefördert werden“, erläutert Berthold Hübers, stellvertretender Lei ter der NA beim BIBB. „Zudem tragen EuroApprentices aktiv dazu bei, die At traktivität der Berufsbildung zu steigern: Ihre authentischen Berichte über ihre Auslandspraktika machen klar, dass die Berufsbildung international offen ist und persönliches Wachstum ermöglicht, wie es landläufig oft nur mit dem Studium verbunden wird. Aus der Arbeit mit den EuroApprentices haben wir außerdem gelernt, wie stark das Programm europä ische Identität und politische Teilhabe för dert. EuroApprentices möchten sich aktiv an der Weiterentwicklung des Programms und Europas beteiligen und andere moti vieren, ebenfalls daran mitzuwirken“, so Hübers weiter. 120 Aktive in elf Ländern EuroApprentices gibt es aktuell in elf Län dern. Diese haben sich in einer sogenann ten LTA (eine von der Europäischen Union geförderten Langzeitaktivität) zu einem europäischen Netzwerk zusammenge schlossen, welches die NA beim BIBB ko ordiniert. Ziele sind eine „Community“ von Erasmus+-Botschafterinnen und -Bot schaftern europaweit als Vorreiter eines Alumninetzwerks aufzubauen, die Euro Apprentices in ihren Kompetenzen und Fähigkeiten zu stärken und gemeinsam die Attraktivität der Berufsbildung in Euro pa zu verbessern. Derzeit beteiligen sich die Nationalen Agenturen aus Finnland, Italien, Österreich, Ostbelgien, Polen, Portu gal, Rumänien, Spanien, aus der Slowakei, der Tschechischen Republik und Deutsch land an dem Netzwerk und bilden jedes Jahr neue Erasmus+-Botschafter/-innen aus. Die aktuell 120 EuroApprentices reprä sentieren eine vielfältige Gruppe von Teil nehmenden aus den unterschiedlichsten Regionen Europas, mit ganz unterschied lichen Berufsprofilen und vielfältigen He rausforderungen. Aktivitäten der ehrenamtlich Tätigen EuroApprentices nutzen die sozialen Medien, um über ihre Erasmus+-Erfah rungen zu berichten, z.B. auf Instagram unter „MeinAuslandspraktikum“ oder auf „euroapprentices_germany“. Außerdem können EuroApprentices beispielsweise von Unternehmen, berufsbildenden Schu len und Ausbildungszentren angefragt werden, um über ihren Auslandsaufent halt zu berichten. Darüber hinaus planen sie verschiedene Aktivitäten in ihrem lo kalen oder regionalen Umfeld zur Vernet zung wie z.B. auf einer Veranstaltung ihrer zuständigen Handwerkskammer oder in ihrer ehemaligen Berufsschule. Außerdem stehen sie für Presseanfragen zur Verfü gung. Die Botschafter/-innen sind auch auf europäischer Ebene gefragt: So vertra ten sie die Initiative unter anderem beim European Youth Event 2023. In einem Pa nel, welches von der Generaldirektion für Arbeit und Beschäftigung organisiert wur de, sprach der Erasmus+-Botschafter Mar tin Schmidt über die Vorteile einer dualen Berufsausbildung, den Nutzen, während der Ausbildung mit Erasmus+ ins Ausland zu gehen, und er erläuterte, warum sein Ehrenamt als Erasmus+-Botschafter gera de in der heutigen Zeit so wichtig ist. Wie unterstützen die Nationalen Agenturen? Nach einer erfolgreichen Bewerbung oder Auswahl nehmen die EuroApprentices an einem Training oder Treffen in ihrem Land teil. Hier erfahren sie mehr über ihre Rol le als EuroApprentice und das Programm Erasmus+. Außerdem werden verschie dene Kompetenzen wie z.B. Story Telling geschult. Dann kann es losgehen! Bei der Umsetzung ihrer Aktivitäten werden sie je nach Land von ein bis zwei Mitarbeite rinnen oder Mitarbeitern der zuständigen NA unterstützt. Ein zusätzlicher Nutzen ist, dass die ehrenamtliche Tätigkeit zerti fiziert wird – eine tolle Ergänzung für den Lebenslauf, denn ehrenamtliches Engage ment hat bei Bewerbungen deutlich an Bedeutung gewonnen. Highlight: Europäische Treffen Zu den Highlights gehören die europä ischen Treffen, an denen die EuroAppren tices jährlich teilnehmen können. Diese werden abwechselnd von den beteiligten Nationalen Agenturen durchgeführt. Bis her konnten die jungen Europäer/-innen sich in Deutschland, Österreich, Malta, in der Tschechischen Republik und in Por tugal treffen. „Hier spürt man den Eras 12 13Teilhabe & gemeinsame Werte mus+-Spirit – eine Community junger Euro päer/-innen, die etwas bewegen möchte. Das europäische Netzwerk und seine Tref fen stärken nicht nur die Kompetenz der Botschafter/-innen, sondern auch ihr En gagement für diese Aufgabe. Wir freuen uns, das Treffen endlich in Helsinki ausrich ten zu können”, sagt Sari Turunen-Zwinger, Leiterin der Abteilung Internationalisierung der Berufsbildung bei Edufi, der Finnischen NA. 2024 heißt es also „Tervetuloa Euro Apprentices“ in Finnland. - - - - - INFO Profile der deutschen EuroApprentices: www.na-bibb.de/euroapprentices Informationen zum Europäischen Netzwerk: www.euroapprentices.eu Kontakt und Koordination des LTA: Kristin Wilkens, wilkens@bibb.de, Tel.: 0228 107 2913 KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Inter nationalisierung der Berufsbil dung“ in der NA beim BIBB - - © N A b ei m B IB B Gemeinsam europäische Werte stärken Warum EuroApprentices sich ehrenamtlich für Erasmus+ engagieren Martin Schmidt (hintere Reihe, 1. v. l.), Leslie Elimbi (hintere Reihe, 3. v. l.), Cindy Klink (hintere Reihe, 1. v. r.) und Svenja Naumann (vordere Reihe, 1. v. r.) beim Netzwerktreffen der EuroApprentices 2023 © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/euroapprentices http://www.euroapprentices.eu mailto:wilkens@bibb.de 12 13 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte E uroApprentices sind junge Menschen, die während ihrer Berufsausbildung mit Erasmus+ im europäischen Aus land waren und ihre dort gemachten Erfahrungen mit anderen teilen möch ten. Als ehrenamtliche Botschafte rinnen und Botschafter informieren und motivieren sie in Berufsschulen, auf Ausbildungsmessen, in Berufsin formationszentren oder einfach auf der Straße. Doch was treibt sie an? Da rüber haben wir mit vier EuroApprenti ces gesprochen. - - - - - - Martin Schmidt engagiert sich bereits seit 2018 als EuroApprentice, er ist sozusagen ein „Mann der ersten Stunde“. Der 26-jäh rige Mechatroniker im Maschinenbau hatte während seiner Ausbildung vier Wochen im englischen Portsmouth verbracht, für ein zweites Praktikum zog es ihn Ende 2019 nach Malta. Die Arbeit als EuroApprentice hält er gerade in der heutigen Zeit für wich tig, „damit die junge Generation ihren Weg in die berufliche Bildung findet“. „Passion for Profession“ und der Wunsch nach Sicht barkeit und Wahrnehmung der dualen Be rufsbildung treiben ihn an. - - - - Hinzu kommt die gesellschaftliche Dimen sion. Schmidt wörtlich: „Wir leben in einer Zeit, in der wir die Demokratie als etwas ver stehen sollten, für das es sich zu kämpfen lohnt. Zurzeit droht es manchmal ein wenig unterzugehen, welche Freiheiten und Vor teile wir aus einem geeinten Europa ziehen können.“ Schmidt lebt heute in Magdeburg und setzt sich vor allem im mittel- und ost deutschen Raum für Erasmus+ und die euro päischen Werte ein. Zum einen, weil es sei ne Heimat ist, zum anderen aber auch, weil die Idee des Programms hier seiner Ansicht nach noch stärker verankert werden müsse, auch in den Berufsschulen. Dabei möchte er vermitteln, wie sehr Erasmus+ die Qualität und die Attraktivität der beruflichen Bildung erhöhe. - - - - - - Das motiviert auch Svenja Naumann. Die Erzieherin aus dem bayerischen Landshut glaubt, „dass wir in Europa unheimlich viel voneinander lernen können, wenn wir offen und interessiert sind“. Sie erzählt gerne von ihrer Zeit in einem deutsch-französischen Kindergarten in Paris und der Entscheidung, auch das anschließende Anerkennungsjahr im Nachbarland zu absolvieren. Seit Mai 2022 ist sie als EuroApprentice ak tiv, um auch andere Azubis zu inspirieren und für einen solchen Schritt zu ermutigen. „Im erzieherischen Umfeld nutzen immer noch viel zu wenige die Chance zum Aus landsaufenthalt während der Ausbildung“, sagt sie, und ergänzt: „Vor allem die inter kulturellen Erfahrungen und die Zweispra chigkeit haben meinen Horizont enorm erweitert“. Kürzlich war die 21-Jährige in einem Vortrag, in dem es hieß: „Ich bin nicht nur Deutsche, ich bin Europäerin“. Genauso fühle sie sich auch, lächelt Naumann. - - - - Im Zeichen der Vielfalt Szenenwechsel. Leslie Elimbi ist 27 Jahre alt und arbeitet als Kauffrau für Büromanage ment beim Chemie- und Pharmakonzern Merck KGaA in Darmstadt. Dort hat sie im Januar 2021 ihre Ausbildung abgeschlossen und zuvor die Gelegenheit genutzt, für drei Monate praktische Erfahrungen bei einem Tochterunternehmen in Finnland zu sam meln. Eine Zeit, die ihr sowohl beruflich als auch privat viele neue Impulse gegeben hat. Merck habe dies sehr unterstützt, berichtet Elimbi, auch die Arbeit als ehrenamtliche EuroApprentice finde hier viel Zustimmung. Ihr selbst gehe es vor allem darum, „andere Menschen für andere Kulturen zu begeis tern, denn ich weiß aus meiner eigenen Ge schichte, wie bereichernd Vielfalt und die kulturelle Begegnung sein können“. - - - - Das erlebe sie auch bei den Treffen im Rahmen des EuroApprentices-Netzwerkes. Dazu Elimbi: „Das Tolle dabei ist für mich, wie unterschiedlich die Leute sind, die dort zusammenkommen. Wir stammen alle aus sehr verschiedenen Berufen und Umfeldern – das ist ein spannender Mix. Zu einigen EuroApprentices pflege ich auch über die re gelmäßigen Treffen hinaus einen intensiven Kontakt.“ - Während Leslie Elimbi sich erst seit wenigen Monaten als EuroApprentice engagiert, ist Cindy Klink – wie Martin Schmidt – schon seit 2018 dabei. Die 25-Jährige aus dem rheinland-pfälzischen Weinort Maring-Novi and ist seit ihrem dritten Lebensjahr taub heitsgrenzend schwerhörig und seit einigen Jahren komplett gehörlos. An ihre Ausbil dung zur Verwaltungsfachangestellten hat - - - sie ein Studium angeschlossen, sie arbeitet zudem als Deaf Performerin und Schauspie lerin. - Durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit möchte sie vor allem Menschen mit einer Behinde rung dafür begeistern, während der Ausbil dung ins Ausland zu gehen, so wie sie selbst 2017 für fünf Wochen im irischen Cork war. Klink betont: „Meine ,Behinderung‘, wie sie oft von anderen wahrgenommen wird, hat mich nie daran gehindert, das zu tun, wo für ich brenne. Im Gegenteil, sie hat mich gelehrt, Herausforderungen anzunehmen und nach Lösungen zu suchen, die mei ne Leidenschaft und Ziele unterstützen.“ Abschließend unterstreicht sie: „Als Euro Apprentice kann ich den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Inklusion und Vielfalt aktiv unterstützen. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist, eine Welt zu schaffen, in der jeder Mensch, unabhängig von seinen Un terschieden, die gleichen Chancen und den gleichen Respekt verdient.“ - - - - - - Text: Manfred Kasper im Auftrag der NA beim BIBB NUTZERBEIRAT ERASMUS+ Teilhabe hat viele Formen. So hat die NA beim BIBB mit dem Nutzerbeirat ein strukturiertes Dialogangebot an ihre Projektträger eingerichtet. Wir freuen uns, dass dieses gut an genommen wird. Die Amtszeit des aktuellen Nutzerbeirats läuft bis 2024. Er trifft sich zweimal jährlich in Bonn. Das Protokoll der letzten Sitzung vom 26.09.2023 sowie die Kontaktdaten der zehn Mitglieder aus der Berufs- und Erwachsenenbil dung finden Sie unter: - - www.na-bibb.de/ueber-uns/ nutzerbeirat http://www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat 14 15 Good Practice: #GetInvolved Förderung von Demokratie und bürgerschaft lichem Engagement in der Berufsbildung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte © A nd re a W is ot zk i Seit einigen Jahren nehmen antidemo kratische Tendenzen, unter anderem durch das Erstarken von nationalpo pulistischen Parteien, in europäischen Staaten zu. Um dem entgegen zu wirken, hat es sich das EU-Projekt „#GetInvolved“ zum Ziel gesetzt, ins besondere bei jungen Menschen im Berufsbildungssystem das demokra tische Bewusstsein zu stärken. Dabei sollen vor allem demokratische Ge staltungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, welche sich nicht nur auf die klassischen institutionalisierten For men beschränken. Zu Beginn ging die Strategische Partnerschaft unter der Koordination der QBS Gewerkstatt der Frage nach, wo dem Bereich „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement“ im Berufsbildungssystem Raum gegeben wird. Dabei hat das Projektteam, bestehend aus fünf Partnern in vier EU-Ländern, festgestellt, dass dieses Thema in der alltäglichen Praxis stark vernachlässigt wird. Im Projekt wird die se Problematik aufgegriffen, indem die Sensi bilisierung für Diskriminierung geschärft wer den soll und Methoden bereitgestellt werden, um die Erfahrung von Teilhabe entsprechend dem Konzept der Inclusive Citizenship zu er möglichen. Hierbei ist die Wertschätzung für die Perspektive der Teilnehmenden ein zen trales Element. Die Materialien richten sich da bei nicht nur an Berufsbildungseinrichtungen, sondern auch explizit an Betriebe. Materialien für Lehrende und Lernende Die erstellten Materialien bieten auf verschie denen Ebenen Methoden und Anregungen, um das Projektziel zu erreichen. In einem Train-the-Trainer-Workshop werden dem Bildungspersonal Methoden vermittelt, die sich einerseits der Sensibilisierung für Diskri minierung und Macht sowie andererseits der aktiven Teilhabe widmen. Diesen Workshop können Bildungseinrichtungen und Betriebe selbstständig mit Hilfe der Materialien orga nisieren oder bei den Projektpartnern eine Durchführung anfragen. Das Angebot be steht auch nach Projektende fort. Zur Förderung des Engagements von jungen Menschen wurde ebenfalls ein Handbuch für Schülerwettbewerbe entwickelt, das von Leh renden wie Lernenden gleichermaßen genutzt werden kann. Darüber hinaus unterstützt ein Self-Monitoring-Tool die Vermittlung einer de mokratischen Haltung in der Berufsbildung, indem unter anderem Diskriminierungspoten ziale und Machtstrukturen in Organisationen aufgezeigt werden. Zusätzlich wurde ein Konzept für eine mögliche Zertifizierung von Organisationen nach demokratischen Kom petenzen und Strukturen entwickelt. Eine Herausforderung in der Projektarbeit war es, die unterschiedlichen landesspezifischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und entsprechend bei der Produktentwicklung umzusetzen. „Im Umgang mit dem Thema Teilhabe ist die Bereitschaft zu Selbstreflexion und zum Perspektivwechsel von großer Be deutung“, betont Andrea Wisotzki, die Projekt koordinatorin. Die Partnerschaft ist derzeit be müht, das Konzept für ein „#GetInvolved“-Label in einem Folgeprojekt Wirklichkeit werden zu lassen. PROJEKTINFO Projekttitel: #GetInvolved: Supporting Democracy and Citizenship in VET Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007408 Laufzeit: 01.11.2020 – 28.02.2023 Beteiligte Länder: AT, DE, IT, PL Koordinator: QBS Gewerkstatt gGmbH, Bochum Kontakt: Andrea Wisotzki Website: https://getinvolved-project.eu/ intellectual-outputs https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2020-1-DE02- KA202-007408 https://getinvolved-project.eu/intellectual-outputs https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007408 14 15 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: KOSMO_POLIS Job Shadowings für partizipatives Lernen Teilhabe & gemeinsame Werte © w el tg ew an dt e .V . weltgewandt, das Institut für interkul turelle politische Bildung e. V. mit Sitz in Berlin-Marzahn, verfügt über ein breites Spektrum: Es lädt zu DIALOG- Cafés, Theaterprojekten, Seminaren zu wirtschaftlicher Allgemeinbildung und zur Diskussion aktueller gesellschaft licher Themen ein. In europäischen Kooperationen werden Materialien zur sozio- ökonomischen Bildung, zu Wahrnehmungen von Geschichte, Kli mawandel und ökologischen Fragen, Digitalisierung und weiteren Themen entwickelt. Die Angebote richten sich an Menschen unterschiedlichster Her kunft und verschiedener Einkommen, Lebensstile und (politischer) Auffassungen mit dem Ziel, Aufklärung, Debatte und Em powerment zu fördern, sodass Teilneh mende mitreden können und sich für Demokratie und Gemeinsinn in ihrem Umfeld engagieren. Um dieses Portfolio weiterzuentwickeln, benötigen Mitarbeitende Anregungen und geeignete Qualifizierungsangebote: Das Eras mus+-Projekt „KOSMO_POLIS“ setzt hier an und ermöglicht es, pädagogische Kompe tenzen der bei weltgewandt Mitwirkenden auszubauen. Zwei von ihnen bildeten sich beim Fremdsprachenlehren und der freien Theaterarbeit weiter. Sie erprobten während mehrwöchiger Job Shadowings neue Metho den der teilnehmerorientierten Bildungsarbeit. Lernorte: Sprachschule und Theater Bei der „Associazione di promozione sociale Asinitas Aps“ in Rom lernte Alisa Jordan eine Sprachschule für Migrantinnen und Migranten und Geflüchtete kennen, die Bildung mit sozialer Betreuung verbindet. Der intensive persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden geschieht hier auf Augenhöhe, und die Lebens- und Migra tionswege der Menschen werden in den Un terricht einbezogen. Beispielsweise werden neue Vokabeln praxisnah beim Erstellen von Einkaufslisten gelernt. Manuelle und kreative Tätigkeiten, Spiele, Tanz und Gesang sowohl im Sprachunterricht als auch in Theaterwork shops und Handarbeitskursen stimulieren das Lernen. Hinzu kommt die Begleitung zu Sozial- und Gesundheitsdiensten, Schwanger schaftskursen sowie Bildungs- und Rechts beratung. Die Zugewanderten werden moti viert, ihre Migrationserfahrung als Quelle zu betrachten, aus der sie für ihre Zukunft schöp fen können. Jordan lässt diese interaktiven, alltagsbezogenen und doch spielerischen Methoden nun in die Gestaltung der DIALOG- Cafés einfließen. Sophia Bickhardt, Leiterin von weltgewandt und Co-Trainerin von Theaterprojekten, tauchte in die Welt des professionellen The aters ein. Während ihres Job Shadowings mit der Compagnie DUANAMA in Marseille war es besonders eindrücklich, ein Stück von und mit ehemals obdachlosen Menschen zu entwickeln. Höhepunkt ihres zweiten Job Shadowings beim DAH Teatar in Belgrad war das Festival „Arts and Human Rights“. Bickhardt kam in Kontakt mit Schauspiele rinnen und Schauspielern sowie Theater macherinnen und Theatermachern. In Work shops konnte sie Methoden in Anlehnung an Jerzy Grotowski erproben: Viel Körperarbeit, konzentriert in der gesprochenen Sprache. Die Übungen regten dazu an, authentisch zu sein und so Entfremdung zu überwinden. Die Beteiligten kamen sich näher und erfuhren, wie Theater mit seinen Formen des Selbstaus drucks es erlaubt, Inhalte zur Sprache zu brin gen, die mitunter schwer sagbar sind. Die vielfältigen Anregungen durch die Job Shadowings fließen nun sukzessive in die Bil dungsarbeit von weltgewandt ein und bieten Stoff für neue Ideen und Projekte. PROJEKTINFO Projekttitel: KOSMO_POLIS Projektnummer: 2021-1-DE02-KA121-ADU-000004012 Laufzeit: 01.09.2021 – 31.08.2023 Beteiligte Länder: RS, FR, IT Koordinator: weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung e. V. Kontakt: info@weltgewandt-ev.de Website: https://weltgewandt-ev.de/kosmo_polis/ mailto:info@weltgewandt-ev.de https://weltgewandt-ev.de/kosmo_polis/ 16 17 SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte © ? ?? ?? © M ar ia V itk ov sk a/ A do be St oc k. co m SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte 16 17 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte S ie bezeichnen sich selbst als Parti zipations-Enthusiastinnen. Joana Freitas und Kelly Hrupa erforschen im SALTO Resource Centre in Tallinn, Estland, wie echte Beteiligung in den Jugendbildungsprogrammen von Erasmus+ und Europäischem Solidari tätskorps aussehen kann. Wie gelingt Beteiligung von jungen Menschen in Projekten? Joana Freitas: Es gibt drei wichtige Be dingungen. Erstens: Es reicht nicht, die Jugendlichen zur Beteiligung aufzufordern, sondern sie müssen genau informiert sein, was sie tun sollen, was das Ziel, wie der Ablauf ist. Zweitens müssen sie sich tat sächlich mit eigenen Beiträgen zum Thema beteiligen können. Ist die Sprache verständ lich? Oder ist das Setting sehr formal? Dann fühlen sie sich vielleicht nicht eingeladen, mitzureden. Drittens muss man bereit sein, Entscheidungsgewalt zu teilen. Kelly Hrupa: Außerdem muss man unbe dingt vermitteln, ob und wie Ideen umge setzt wurden - und noch wichtiger, was die Gründe sind, wenn nicht. Nichts ist schlim mer als ein Prozess, an dessen Ende das Ge fühl zurückbleibt, dass meine Stimme doch nicht zählt. Joana, Ihr Fokus ist Partizipation in der beruflichen Bildung. Lassen sich diese Prinzipien einfach übertragen? Joana Freitas: Grundsätzlich kann man sagen, Projektlernen eröffnet mehr Räume für Beteiligung als Lernen nach Lehrbuch. Deshalb bietet gerade Erasmus+ Möglich keiten, Lernende in Entscheidungen ein zubeziehen: Mit wem wollen wir koope rieren? Wie nennen wir das Projekt? Auch die Projektergebnisse selbst können von den Jugendlichen präsentiert werden. Es ist wichtig, deutlich zu machen: Deine Mei nung ist wertvoll für uns. Auch, weil die jenigen, die eine Ausbildung machen und nicht studieren, sich vielleicht nicht in dem selben Maße von der Gesellschaft wertge schätzt fühlen. In Ausbildung und Schule steht die Vermittlung von Wissen im Vorder grund. Wo finden sich Lücken für Be teiligung außerhalb von Projekten? Kelly Hrupa: Oft ist es schon die Beteili gung an Mikro-Entscheidungen, die einen Unterschied macht. Für welches Unter richtsthema man sich entscheidet beispiels weise, welches Exkursionsziel man wählt. Joana Freitas: Natürlich liegt das Ausbil dungsziel immer auf den beruflichen Fer tig- und Fähigkeiten, auch die Lernenden selbst sind auf den Arbeitsmarkt fokussiert. Aber wenn wir sie befähigen wollen, er folgreich zu sein, sollten wir die Fähigkeit, sich zu beteiligen, immer mit in den Blick nehmen. Denn wie kann jemand eine gute Mitarbeiterin sein, die nicht gelernt hat, sich einzubringen? Wie soll jemand ein wertvolles Teammitglied werden, der in der Ausbildung niemals seine Ideen formulieren sollte? Jugendbeteiligung in der Demokratie ist seit 2021 eine der horizontalen Prioritäten von Erasmus+ und ein Schwerpunkt von SALTO PI (Partici pation and Information). Wie findet sich das Thema bislang in Projekten wieder? Joana Freitas: Um dies genauer heraus zufinden, sammeln wir zurzeit für eine Be standsaufnahme europaweit Daten bei den Nationalen Agenturen (NAs). Wie viele Pro jekte mit dieser Priorität gab es? Was war der jeweilige Hauptfokus? Was sind die Er gebnisse? Kelly Hrupa: Die Ergebnisse werden wir veröffentlichen. Dieses Wissen basiert dann nicht auf zufälligen Beobachtungen, son dern auf gezielter Recherche: Wo läuft es gut, wo müssen wir besser werden? Den SALTO Ressource Centern (Support, Ad vanced Learning and Training Opportuni ties for Youth) - liegt eben dieser Gedanke der EU-Kommission zugrunde, dass es ei nen strategischen Blick auf die Jugendbil dungsprogramme braucht, für den die NAs keine Mittel haben. Joana Freitas: Wir haben einen europa weiten Überblick und können besser iden tifizieren, welche Ressourcen für ein Thema wichtig sind. Der Gesprächskanal ist aber auch in die andere Richtung offen. NAs können sich an uns wenden mit ihrem Be darf, mit Ideen, etwa für Kooperationen. Wir versuchen auch, auf Veranstaltungen zu dem Thema präsent zu sein. Wie können Sie jetzt schon denen helfen, die Partizipation zu einem Projektschwerpunkt machen wollen? Joana Freitas: Alle, die ein Partizipa tions-Projekt planen, können sich auf un serer Website informieren, wie man am bes ten vorgeht. Grundlage dafür ist die “Youth Participation Strategy”, die wir mit Experten, NAs und NGOs entwickelt haben. Es gibt ein praktisches Tool-Kit dafür auf unserer Web site https://participationpool.eu. Wenn ein Projektträger dazu arbeiten will, kann er das Projekt mithilfe des Toolkits konzi pieren. Wie etwa schafft man die richtigen Voraussetzungen für Partizipation? Zum Beispiel, indem man Hindernisse identifi ziert und beseitigt, die eine Gruppe an der Beteiligung hindern könnte, etwa Sprach barrieren. Kelly Hrupa: Für einen Projektträger kön nen sich auch die Chancen auf Förderung des Projektes erhöhen, wenn er sich in der Konzeption auf unsere Handreichung be ziehen kann. Joana Freitas: Unser Angebot richtet sich an alle, die ein Angebot zum Thema ent wickeln wollen. Auf unserer Website findet man viele Projektbeispiele. Unsere Daten bank bietet neben Studien auch praktische Tipps. Und in einem Trainingskalender kann man Fortbildungsangebote suchen. Wir sind also eine Art Partizipations-Helpline. Das Interview führte Julia Göhring im Auftrag der NA beim BIBB. INFO www.salto-youth.net/rc/participation/ https://participationpool.eu http://www.salto-youth.net/rc/participation/ 18 19 Good Practice: Wires Crossed Bürgerinnen und Bürger bekämpfen Fake News vor Ort - - - - - - - - - - - - - - - - - - © J ug en d- & K ul tu rp ro je kt e .V . Fake News, die absichtliche Verbrei tung von Falschmeldungen, stellen zunehmend eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie dar. Weltweit nutzen populistische und radikale Gruppen un terschiedlicher politischer Richtungen Falschmeldungen ganz bewusst, um Gemeinschaften zu spalten und somit Anknüpfungspunkte zur Durchsetzung ihrer politischen Agenda zu finden. Die Strategische Partnerschaft „Wires Crossed – Developing Community Media to Mitigate the Impact of Fake News“ hat sich diesem Problem gestellt. Die insgesamt sieben Part ner aus sieben Ländern entwickelten ein Rahmenwerk, um auf lokaler Ebene Fake News durch die Verbreitung echter und faktenbasierter Nachrichten zu bekämpfen. Koordiniert wurde das EU-Projekt von Ju gend- & Kulturprojekt e.V. aus Dresden. Aufbau kommunaler Bürgermedien In den Heimatstädten der beteiligten Ein richtungen wurden Menschen zu lokalen Expertinnen und Experten qualifiziert und kommunale Bürgermedien aufgebaut, die mit eigenen Inhalten Falschmeldungen entgegentreten. Zudem wurden Lehr- und Lernmaterialien entwickelt, mit denen sich der Aufbau solcher Bürgermedien unter stützen lässt und über die die dazu not wendigen Kompetenzen vermittelt werden können. Alle Materialien stehen online auf der Projektwebseite frei zur Verfügung, so dass sie auch in anderen Städten genutzt werden können. Myrto-Helena Pertsinidi, die Koordinatorin des Projektes, empfiehlt für den Aufbau von Bürgermedien, die Si tuation vor Ort zunächst zu analysieren und die Materialien dann auf die jeweiligen Be dürfnisse anzupassen. „Aus unserer Erfahrung ist es für eine er folgreiche Umsetzung besonders entschei dend, sowohl bei der Qualifizierung der Expertinnen und Experten als auch bei der Verbreitung von Nachrichten eine möglichst einfache Sprache zu nutzen, da so deutlich mehr Menschen erreicht werden können. Zudem ist es wichtig, genau die Medien zu nutzen, über die auch Falschmeldungen ihre Zielgruppen erreichen“, so ihre Emp fehlung. Für Pertsinidi ist das Thema Fake News wei terhin von Belang. Sie sieht auch in Zukunft große Herausforderungen, beispielsweise gehe es darum, attraktive Wege zu finden, mit denen sich gerade die Zielgruppen er reichen lassen, die besonders vulnerabel für Falschmeldungen sind. Jugend- & Kul turprojekt e.V. untersucht derzeit Möglich keiten des Einsatzes spielbasierter Lernma terialien mit dem Ziel, an "Wires Crossed" anzuknüpfen und junge Menschen, aber auch Seniorinnen und Senioren zu errei chen. PROJEKTINFO Projekttitel: Wires Crossed – Developing Community Media to Mitigate the Impact of Fake News Projektnummer: 2019-1-DE02-KA204-006115 Laufzeit: 01.09.2019 – 31.12.2021 Beteiligte Länder: DE, CY, IT, HR, IE, CZ, PL Koordinator: Jugend- & Kulturprojekt e.V. Kontakt: myrto.pertsinidi@jkpev.de Website: https://wirescrossed.eu/de/startseite/ Verbreitungsdatenbank: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2019-1-DE02- KA204-006115 Teilhabe & gemeinsame Werte https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA204-006115 mailto:myrto.pertsinidi@jkpev.de https://wirescrossed.eu/de/startseite/ 18 19 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Fake News und Antisemitismus Tipps im Umgang mit Desinformationen und Verschwörungserzählungen N ach den jüngsten Angriffen der Hamas auf Israel kursieren Falschmeldungen im Internet und die damit verbundenen öffentlichen Sympathiekundgebungen zeigen, dass ein befürchteter Anstieg von israelbezogenen Antisemitismus in Deutschland nicht unbegründet ist. Im Rahmen des deutschen Side-Events „Fake News & Antisemitismus. Hand lungsstrategien im Umgang mit Ver schwörungserzählungen“ während der EPALE Community Conference diskutierten die Experten Dr. Thorben Prenzel und Jan Rathje, was es für den kritischen Umgang mit Falschinforma tionen braucht. Was versteht man unter Fake News und Antisemitismus? Um zu verstehen, warum Sympathiebekun dungen für den Terrorangriff der Hamas ein Fall für den Staatsschutz sind, ist ein Grund verständnis von Antisemitismus wichtig. Rathje erklärte, dass Antisemitismus sich nicht nur gegen Juden oder deren religi ösen Stätten richte, sondern auch den israe lischen Staat als jüdisches Kollektiv betreffe. Die terroristischen Angriffe der Hamas bezeichnete er daher als israelbezogenen Antisemitismus. In Bezug auf den Angriff kursieren auch falsche Behauptungen oder bearbeitete Bilder. Fake News sind tückisch, da sie den Anschein von echten Nachrich ten vermitteln und ein besonderes Desinfor mationsrisiko darstellen bei Jüngeren und denjenigen, die Nachrichten hauptsächlich über soziale Medien konsumieren. Was verbindet diese beiden Themen? Fake News und Antisemitismus haben eines gemeinsam: die Verwendung von Ver schwörungserzählungen. Diese bieten ein fache Antworten auf komplexe Probleme und verbreiten sich rasant über soziale Me dien. Ein kritischer Umgang mit Nachrich ten und Sprache stellt daher eine wirksame Präventionsmaßnahme gegen Verschwö rungserzählungen dar. Die Erwachsenenbil dung kann dazu beitragen, demokratische Kompetenzen zu stärken und Menschen widerstandsfähiger gegenüber Verschwö rungserzählungen zu machen. Gibt es Strategien im Umgang mit Verschwörungserzählungen? Ob beim Thema Klimawandel oder wäh rend der Corona-Pandemie, laut Prenzel be gegnen Verschwörungserzählungen einem im privaten als auch öffentlichen Umfeld. Der wichtigste Schritt im Umgang damit ist: ins Gespräch kommen. Beide Exper ten waren sich einig, dass der Dialog die effektivste Strategie sei, insbesondere bei Menschen, die gar nicht oder wenig mit Verschwörungserzählungen in Berührung gekommen sind, aber anfällig dafür sind. Rathje empfahl zudem Strategien wie „Pre bunking", also die Vorbeugung, z.B. durch die Förderung von Medienkompetenz, oder „Debunking", das Widerlegen von Falsch behauptungen, z.B. durch Faktencheck. Im Fall von hartnäckigen Verschwörungsan hängern bleibe hingegen oft nur die soziale Ausgrenzung als letzter Ausweg. Welche Tipps gibt es für Gespräche in der Endlosschleife? Beim Familienessen lässt der Onkel erneut fallen, dass die „AfD die einzige Partei ist, die sich traut, Probleme offen anzuspre chen." Prenzel verdeutlichte anhand dieses Beispiels, dass jeder solche oder ähnliche Situationen kennt, in denen Gegenargu mente oft nicht ausreichen. Hier sind eini ge Tipps zu beachten: Vergessen Sie nicht, dass Sie es mit Menschen zu tun haben und Menschen Ausreden brauchen. Bedenken Sie, dass Sie selbst nicht fehlerfrei sind und reflektieren Sie Ihre eigene Position sowie mögliche Auslöser von Frustration und Är ger. Vergegenwärtigen Sie sich, dass es keine Verpflichtung gibt, Gegenargumente zu lie fern, insbesondere als Selbstschutz. Als Ausweg aus endlosen Gesprächen empfahl Prenzel die „Tripel A-Regel": Plat zieren Sie die Kernbotschaft an den An fang, erkennen Sie die Aussage des Ge sprächspartners an und liefern Sie dann Ihr Argument. Das wichtigste Element ist die Kernbotschaft, indem Sie einen prägnanten Satz wiederholen, um diesen im Gedächt nis Ihres Gesprächspartners zu verankern, beispielsweise: „Die AfD stellt gute Fragen, bietet aber keine Antworten". Die Aner kennung der Aussage des Gegenübers, ohne sofort dagegen zu argumentieren, ist entscheidend, da Behauptungen oft auf emotionaler Ebene statt auf sachlicher Basis getroffen werden. So können Sie sich aus der Rechtfertigungsschleife be freien. Erst wenn Ihre Kernbotschaft beim Gesprächspartner verankert ist, können Sie Argumente vorbringen, die gehört werden. Auf diese Weise führen Sie einen Dialog statt eines Streitgesprächs. Weitere Informationen und Beiträge zum Thema erhalten Sie in der Sonderausgabe des EPALE Ressourcen KITs: https://epale.ec.europa.eu/de/ sonder-ressourcen-kit-politische- bildung © N A b ei m B IB B NATALIA LOHMEYER leitet die Nationale Koordinierungsstelle EPALE in der NA beim BIBB lohmeyer@bibb.de https://epale.ec.europa.eu/de/sonder-ressourcen-kit-politische-bildung mailto:lohmeyer@bibb.de 20 In eigener Sache 21 - - - - - - - - - - - - - - - Europäer aus tiefer Überzeugung Anerkennung und Dank zum Ruhestand von Klaus Fahle K laus Fahle hat die NA beim BIBB seit ihrer Gründung vor 23 Jahren geleitet. Zum Jahresende 2023 geht er in Ruhestand. Als NA beim BIBB wollen wir an dieser Stelle zusammen mit unseren Auftraggebern Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und EU-Kommission sowie nationalen und europäischen Kolleginnen und Kollegen das Wirken von Klaus Fahle würdigen und Danke sagen. 2022: Anschneiden der Erasmus-Geburtstagstorte auf der Jahrestagung © N A b ei m B IB B / C hr is tia n M ey er Zahlen sind evident und Evidenz ist Klaus Fahle wichtig. Daher zu nächst ein paar Zahlen. Bei ihrer Gründung im Jahr 2000 hatte die Agentur 12 Mitarbeitende und verfügte über jährliche Programm mittel in Höhe von 9 Millionen Euro. Heute, 23 Jahre später, arbei ten über 100 Personen in der NA beim BIBB und im Rahmen der Programme stehen Fördermittel von über 120 Millionen Euro zur Verfügung. Das europäische Bildungsprogramm war im Jahr 2000 der Ausgangspunkt der Gründung der Agentur und ist bis heute ihr Raison d´Être. Nach der Gründung führte Klaus Fahle die Organisati on sehr erfolgreich durch drei Programmübergänge und richtete sie systematisch als dienstleistungs- und kundenorientierte Einrichtung aus. Aus „Leonardo da Vinci“ und „Grundtvig“ wurde zunächst das „Programm für lebenslanges Lernen“ und dann „Erasmus+“, welches sich jetzt schon in seiner zweiten Programmphase befindet. Dabei war es Klaus Fahle immer wichtig, mit dem Programm einen spür baren Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufs- und Erwachsenen bildung in Deutschland zu leisten und den gemeinsamen euro päischen Bildungsraum aktiv mitzugestalten. Das veranlasste das BMBF dazu, die Agentur ab dem Jahr 2007 auch mit der Umset zung der Leitaktion Mobilität und des Europasses zu betrauen. Wichtige weitere Schritte der Entwicklung waren die ISO-Zertifizie rung im Jahr 2009 sowie 2012 die Benennung als nationale Koordi nierungsstelle der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung und 2014 für EPALE. Seit 2017 hat die NA beim BIBB darüber hinaus das BMBF-Programm AusbildungWeltweit pilothaft entwickelt und um gesetzt. Der Zuwachs an Aufgaben verdeutlicht die hohe Wertschät zung der Auftraggeber BMBF und EU-Kommission für die Arbeit der NA beim BIBB und ihre kluge, vorausschauende und strategische Leitung durch Klaus Fahle. Jede Organisation wird stark von der Person geprägt, die ihre Grün dung umsetzt. Das gilt erst recht, wenn die Leitung einen so lan gen Zeitraum umfasst. Klaus Fahle war dabei das Wachstum an sich nicht wichtig, sondern die Möglichkeit, als überzeugter Europäer am gemeinsamen Haus Europa mitzubauen. Die Nationale Agentur beim BIBB hat von seiner innovativen Kraft, seinem Gestaltungs willen und weitgespannten Netzwerken sehr profitiert. Wir haben großen Respekt vor dieser Leistung und danken Klaus Fahle. Berthold Hübers, Stellvertretender Leiter der NA beim BIBB, im Namen aller Kolleginnen und Kollegen der Nationalen Agentur 20 21 Bildung für Europa | Dezember 2023 In eigener Sache SOPHIA ERIKSSON WATERSCHOOT Direktorin der Abteilung „Jugend, Bildung und Erasmus“ bei der EU-Kommission UTE HALLER-BLOCK Referatsleiterin „Erasmus+- Koordinierung“ bei der EU-Kommission MICHAEL TEUTSCH Referatsleiter „Schulen und Mehrsprachigkeit“ bei der EU-Kommission © E U -K om m is si on // Klaus ist ein unermüdlicher Unterstützer europäischer Ko operationen im Bereich der Berufsbildung sowie der Erwachse nenbildung. Als Direktor der Nationalen Agentur beim BIBB hat er mehr als 23 Jahre lang maßgeblich die dort angesiedelten EU-Pro gramme gestaltet. Dazu zählen Leonardo da Vinci, das Programm für lebenslanges Lernen und Erasmus+. Er verfügt ohne Zweifel über ein ausgeprägtes historisches Ge dächtnis der Programme seit ihren Anfängen, was für die Gestal tung der Zukunft von immenser Bedeutung ist. Mit einer Kombination aus beeindruckendem Wissen, Kreativität, intelligenten Ideen und einem stets pragmatischen Umsetzungs ansatz hat Klaus maßgeblich dafür gesorgt, dass die Programme in Deutschland und darüber hinaus sichtbar und attraktiv waren. Er leistete einen vorbildlichen Beitrag zum Netzwerk der Nationalen Agenturen und war immer hilfsbereit bei der Lösungsfindung; und stets behielt er dabei die Programmziele im Hinterkopf. Wir ha ben oft seinen Sinn für Humor bewundert, den selbst die größ ten Herausforderungen nicht erschüttern konnten. Wir schätzten die offenen und vertrauensvollen Begegnungen mit ihm und die starken Beziehungen, die auf der Grundlage gegenseitigen Ver trauens und Austausches entstanden. All das werden wir sicherlich vermissen, wenn er uns verlässt, um neue Abenteuer zu beginnen. Einmal Erasmus, immer Erasmus: Klaus wird ohne Zweifel auch im Ruhestand ein wichtiger Botschafter des Programms bleiben! // STEFAN SCHNEIDER MinRat, Leiter des Referats 222 „Erasmus: Internationale Zusam menarbeit in der Berufsbildung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung - - - - - - - - - - © p riv at // In den über 20 Jahren als Leiter der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung hat sich Klaus Fahle in vielfältiger Weise um die europäische Bildungszusammenarbeit verdient gemacht. Ihm ist es gelungen, ein hervor ragendes Team zu formen, das Erasmus+ und seine Vorgängerprogramme in der Erwachsenen- und beruflichen Bildung exzellent und engagiert umsetzt. Dabei hat sich Klaus Fahle nie nur als Verwalter verstanden. Er hat auch viele Initiativen ergriffen, die Instrumente der Bildungspolitik der EU in Deutschland weiter zu verbreiten durch Informationsveranstaltun gen, aber auch durch dauerhafte Unterstützungsmaßnahmen wie z.B. das Nationale Europass Center. Auch die Förde rung der außereuropäischen Mobilität in der beruflichen Bildung hat er mit AusbildungWeltweit zu seiner Sache gemacht. - - - Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung war Klaus Fahle durchweg ein überaus verlässlicher, kluger, sach kundiger Ratgeber und loyaler Unterstützer, der sich unermüdlich für das Gelingen der europäischen Zusammenarbeit in der Erwachsenenbildung und der beruflichen Bildung eingesetzt hat. Klaus Fahle kann auf sein Wirken stolz sein. Das Erasmusreferat des BMBF wünscht ihm von Herzen alles Gute! - // 22 23 ERNST GESSLBAUER Direktor Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps – OeAD Agentur für Bildung und Internationalisierung, Wien © O eA D _K lim pt // - - - - - - - - Europa braucht Menschen, die sich mit Neuem auseinandersetzen, mit anderen zu sammenarbeiten und Herausforderungen annehmen wollen. Klaus Fahle ist dafür selbst das beste Beispiel: Er denkt und überlegt immer europäisch und gemeinschaftlich, ganz besonders wenn es um Berufsbildung und Erwachsenenbildung geht. Mit seinem Gespür, immer einer Pri se Humor, wenn nötig auch Kampfesgeist, gelingt es ihm seit vielen Jahren, andere zu überzeu gen, auf den gemeinsamen Weg mitzunehmen und dadurch europäische Programme positiv mitzugestalten. - - - Klaus Fahle trägt maßgeblich dazu bei, dass viele Menschen, Unternehmen und Bildungsein richtungen aus Deutschland erfolgreich am Programm Erasmus+ teilnehmen. Und noch etwas, das mir beruflich und persönlich ganz wichtig ist: Klaus Fahle hat großen Anteil an der höchst erfolgreichen deutsch-österreichischen Zusammenarbeit in Erasmus+. Aus der gegenseitigen Wertschätzung entstand in unserem Fall persönliche Freundschaft, die mir sehr wertvoll ist. - // MIKA SAARINEN Direktor Finnische Erasmus+ Nationale Agentur Nationale Agentur für Bildung EDUFI © S at u H aa vi st o // Bei den EU-Programmtreffen in Brüssel gibt es immer einen Moment, in dem Klaus um das Wort bittet. Da weiß man dann, dass ein besonders wich tiger Punkt der Tagesordnung ansteht. Wenn man Klaus zuhört, hat man die Chance, Neues zu lernen und frische Einblicke zu gewinnen. Sehr häufig hat er es auch geschafft, einen Kompromiss zu schmieden, mit dem alle Parteien vo rankommen. Das ist Klaus: Er beteiligt sich gezielt dort, wo die wichtigen Fragen ausdiskutiert werden! - - Ich hatte das Glück, Klaus viele Jahrzehnte lang zu kennen und eng mit ihm zusammenzuarbeiten. In all den Jahren war er ein unermüdlicher Unterstützer multilateraler Kooperationen zwischen unseren europäischen Staaten und Na tionalen Agenturen, auch bildungsbereichsübergreifend. Doch sein besonderes Interesse galt natürlich der Berufsbildung und dort sind uns in den vergangenen Jahren große Fortschritte gelungen. - Klaus ist ein echter Europäer. Das heißt, er versucht immer, Probleme aus der Sicht aller Mitgliedstaaten zu betrachten, wobei ein deutscher Filter hin und wieder durchscheint. Dank seiner herausragenden EU-weiten Netzwerke und Kontakte war er einer der Eckpfeiler unserer Zusammenarbeit mit der EU-Kommission. Mit einem fröhlichen und humorvollen, jedoch stets pragmatischen Augenzwinkern meistert Klaus professionelle und soziale Begegnungen. Er verfolgt Ziele mit Di plomatie sowie Entschlossenheit und agiert dabei lösungsorientiert. Ich habe sei ne Art zu arbeiten schon oft bewundert und es gibt sicherlich niemanden in der EU-Programmgemeinschaft, der mit mehr Hingabe arbeitet. - - Wenn Klaus jetzt seinen Ruhestand antritt, zieht sich nicht nur der Direktor einer Nationalen Agentur mit der längsten Amtszeit aus dem Berufsleben zurück, son dern es tritt gemeinsam mit ihm auch viel verborgenes Wissen und Kompetenz in den Ruhestand. Und ich persönlich werde sicherlich einen wahren Freund und inspirierenden Dialogpartner in unseren künftigen Brüsseler Sitzungen vermissen. - In eigener Sache // FRAUKE MUTH Leiterin der Nationalen Agentur JUGEND für Europa © K at hr in W ei de nt P ho to gr ap hy // Obwohl ich erst seit kur zem Leiterin der Nationalen Agentur JUGEND für Europa bin, fühlt es sich so an, als hätte ich Klaus Fahle bereits recht gut kennengelernt. Das liegt sicher daran, dass Klaus ein offener und engagierter Mensch ist, der sehr klare Haltungen zu den meisten Fra gen hat. Er hat sich seine große Ex pertise über lange Zeit erarbeitet und beschäftigt sich leidenschaftlich mit Themen, die für andere außerhalb der fachlichen Reichweite lägen. Klaus ist auch ein streitbarer Mensch, im besten Sinne des Wortes. In dem knappen Jahr, in dem wir uns ken nen, gab es Situationen, in denen wir uns nicht einig waren. Ich habe seine direkte und ehrliche Art in der Debat te von Anfang an geschätzt. Zweifel an gegenseitigem Respekt und Ver trauen gab es nie. Klaus´ Expertise, sein Engagement und sein Einfluss werden in der Grup pe der NA-Direktor*innen eine Lücke hinterlassen. Auf die Angelegenhei ten, denen Klaus nun sein Wirken widmen wird, werden wir ein kleines bisschen neidisch sein. // 22 23 Bildung für Europa | Dezember 2023 DR. THOMAS SPIELKAMP Direktor der Nationalen Agentur Erasmus+ Schulbildung im PAD © P A D /M ar cu s G lo ge r // Seit 1996 bin ich im Kontext der EU-Bil dungsprogramme unterwegs; und schon damals war Klaus Fahle der Doyen der EU-Programme im Bereich der beruflichen Bildung. Über mehrere Programmge nerationen hinweg hat Klaus sich kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Programme eingebracht. Seine Beiträge im „jour fixe“ der vier deutschen NA-Leitungen waren legendär und auch in den Diskussionen unter allen europäischen Nationalen Agenturen in Brüssel mit der EU-Kommission hatte Klaus stets einen proaktiven Part. - - Wir beide haben an Schnittstellen zwischen beruflicher und allgemeiner Bildung immer konstruktiv miteinan der kooperiert und viel voneinander gelernt. Vermissen werde ich sicherlich Klaus‘ strategischen Blick auf die Dinge: Immer hatte er das Große und Ganze im Blick, aber über die Details war er auch im Bilde. Wortge wandt hat er uns auf unseren „jours fixes“ auch schon mal die höhere Politik erklärt, und unsere Gespräche waren in der Sache immer eine Bereicherung. - - Lieber Klaus, vielen Dank für die Jahrzehnte der konst ruktiven Zusammenarbeit und alles Gute für den neuen Lebensabschnitt! - // DR. STEPHAN GEIFES Direktor der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD © D A A D // Seit 36 Jahren steht Erasmus+ einschließlich seiner Vorgängerprogramme für den europäischen Aus tausch junger Menschen in Europa. Über 13 Millionen Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studie renden, aber auch Erwachsenen hat sich dadurch Euro pa erschlossen. Eine Erfolgsgeschichte! - - - Klaus Fahle hat maßgeblich Anteil an diesem Erfolg. Auf europäischer Ebene für das große Ganze und auf natio naler Ebene speziell für die Berufs- und Erwachsenenbil dung. In den letzten vier Jahren seines jahrzehntelangen unermüdlichen Engagements hatte ich das Privileg und Vergnügen, sein Kollege als Direktor einer der vier deut schen Nationalen Agenturen zu sein. Und da NA beim BIBB und NA DAAD beide im Geschäftsbereich des Bun desministeriums für Bildung und Forschung angesiedelt sind, waren die Berührungspunkte noch enger als zu den anderen Agenturen. In dieser Zeit habe ich viel von Klaus gelernt und habe seinen großen Erfahrungsschatz immer zu schätzen gewusst. Die Corona-Pandemie und der Start einer neuen Programmgeneration 2021 haben viele Anlässe zum Austausch und Vorstößen geboten. Ich habe immer gerne mit Klaus zusammengearbeitet. - - - - // 2010: Teilnahme am Firmenlauf im T-Shirt „Lebenslanges Laufen“ © p riv at 2022: Zum 35-jährigen Programmjubiläum am Steuer © N A b ei m B IB B / F ot os tu d io H eu pe l In eigener Sache 2022: Am Rednerpult © N A b ei m B IB B / C hr is tia n M ey er 24 25Erasmus+ Intelligente Stromnetze für die Zukunft Erasmus+-Projekt Smart Grid mit European Innovative Teaching Award 2023 ausgezeichnet I m Jahr 2021 verlieh die Europäische Kommission erstmals den European In novative Teaching Award (EITA). Damit würdigt sie europaweit herausragende Unterrichtspraktiken von Lehrenden und Schulen, die sich in Erasmus+-Pro jekten engagieren. In diesem Jahr stan den Impulse für Bildung und Innovation und die Einführung neuer Technologien in aktuelle Bildungssysteme im Fokus. Unter den Preisträgerinnen der Rubrik Berufliche Schule, ist die Heinrich-Ema nuel-Merck-Schule aus Darmstadt mit ihrem Projekt Smart Grid. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - © J ul ia E ss l „Mit Smart Grid wollen wir das vernetzte Denken in der Berufsbildung fördern und unseren Auszubildenden Handlungskom petenzen für die Herausforderungen der Zukunft vermitteln“, berichtet Dr. Gerald Hubacek, stellvertretender Leiter der Darm städter Schule für Elektro- und Informa tionstechnik. Von 2018 bis 2021 haben er und sein Team in einer Strategischen Partnerschaft zusammen mit Institutionen aus Österreich, Italien und Tschechien ein Ausbildungskonzept entwickelt, das tech nologieorientierte berufliche Kompetenzen in den Lernfeldern Energieerzeugung, -ver teilung und -umwandlung stärkt. Beson ders nachhaltig dabei: Die Erasmus+-Part nerschaft mündete in ein transnationales Bildungsnetzwerk, das sich der Verbreitung des Smart Grid-Ansatzes auch über das Pro jektende hinaus widmet. Smart Grids unterstützen die Energie wende Ein Smart Grid, auf Deutsch intelligentes Stromnetz, steuert auf Basis von innova tiven Technologien und Kommunikations systemen die optimale Energieversorgung. Dabei wird der Energiefluss über einen Al gorithmus clever und smart gesteuert. Auf diese Weise unterstützen Smart Grids den Übergang zu einer nachhaltigen und zuver lässigen Energieversorgung – sie sind von elementarer Bedeutung für das Gelingen der Energiewende. Mit Blick auf die Berufsbildung erfordert der vernetzte technologische Ansatz neue Denk- und Arbeitsweisen in den Fachge bieten Elektro- und Informationstechnik. „Wir sind sicher ein Stück weit Vorreiter, indem wir bestehende Berufsbilder zusam menbringen und Prozesse abbilden, die gerade in den klima- und energierelevanten Arbeitsfeldern richtungsweisend sind“, un terstreicht Hubacek. Den internationalen Austausch hält er dabei auch deshalb für wichtig, weil er es ermögliche, über den eigenen Tellerrand zu blicken und stets am Puls der Zeit zu sein. Hubacek wörtlich: „Wir haben festgestellt, dass in Italien und Tschechien bereits digitale Leistungsmesser (Smart Meter) in den Haushalten installiert sind, während bei uns noch die analogen zum Einsatz kommen. Entsprechend konn ten wir sehr viel voneinander lernen und gemeinsam innovative Zukunftskonzepte entwickeln.“ Lernende spielen aktive Rolle Im Unterricht möchten die beteiligten Schulen mit dem Projekt neue Wege beschreiten. Dazu entwickelten sie modulare Lernbausteine, die neben der Vermittlung der Inhalte und der Vertiefung des vorhandenen Wissens auch zum selbstgesteuerten und selbstorganisier ten Lernen anregen. „Uns war es von Beginn an wichtig, dass die Lernenden eine aktive Rolle spielen, um sie bestmöglich auf zu künftige Anforderungen im europäischen Energiesektor vorzubereiten“, so Hubacek. „Sie erhalten eine berufliche Kompetenzen fördernde Aufgabe, bei der sie die Lern schritte selbst ableiten und planen. Die Lehr kraft oder die Ausbilderinnen und Ausbilder fungieren dabei eher als Berater/-innen und Lernpartner/-innen.“ Bei der Entwicklung der Lernmaterialien konnten die Projektakteure auf eine gewach sene und vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen aufbauen. Dazu Hubacek: „Wir hatten schon zuvor Projekte erfolgreich miteinander realisiert und sind daher aufeinander eingespielt. Unser gemeinsames Ziel in Smart Grid war es, in internationaler Zusammenarbeit ei nen Mehrwert für die Bildungsprozesse in den jeweiligen Ländern zu generieren. Das gilt sowohl in technischer und fachlich-di daktischer Hinsicht als auch bezüglich eu ropäischer Werte wie Demokratie, Frieden und den europäischen Einheitsgedanken. Diesen Gedanken wollen wir über die beruf liche Bildung auch in unsere Lernprozesse transportieren.“ Materialien stehen zur Verfügung Um die Ergebnisse von Smart Grid in den Unterricht der Berufsschulen zu implemen tieren, waren von Beginn an Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Auszu bildende in die Projektarbeit eingebunden. Die Resultate wurden im Kontext von Ver anstaltungen auch der Fachöffentlichkeit und anderen Akteuren der beruflichen Bil dung präsentiert und stehen als Download auf der Projektwebsite zur Verfügung. Die Preisverleihung durch die NA beim BIBB erfolgte am 7. November 2023 in Darm stadt. Ende November wurden die sieg reichen EITA-Projekte zudem im Rahmen eines europäischen Netzwerkevents bei der Europäischen Kommission in Brüssel vorge stellt. Manfred Kasper im Auftrag der NA Kontakt: Gerhard Hubacek hck@hems.de Website: https://leonardo-projekt.eu/ index.php/projects/smart-grid- intelligente-stromnetze-4-0/ mailto:hck@hems.de https://leonardo-projekt.eu/index.php/projects/smart-grid-intelligente-stromnetze-4-0/ 24 25 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - Neue Kriterien für Kooperations partnerschaften Prüfung der operationalen Leistungs fähigkeit von Antragstellern E in Wesensmerkmal der Partnerschaftspro jekte (Leitaktion 2) im Programm Eras mus+ ist die Erstellung hochqualitativer Ergebnisse. Die im Projektverlauf er stellten und implementierten Produkte wiederum wirken positiv zurück auf das Leistungsportfolio und die Außen wahrnehmung der teilnehmenden Or ganisationen. Diese Wirkungsdynamik wurde sowohl in eigenen Befragungen als auch in externen Analysen des Vor läuferprogramms bestätigt. In der aktuellen Programmgeneration mit ihrem tendenziell geringeren Entwick lungs- und Managementaufwand bei ver einfachten Finanzierungsregeln durch das eingeführte Pauschalsatz-Modell hat sich ab 2021 ein deutlicher Verdichtungsprozess unter den Akteuren in der Leitaktion 2 ent wickelt. Diese Entwicklung setzte sich im Jahr 2023 auf höherem Niveau fort: Europaweit finden sich heute in über 75 Prozent aller Ko operationsprojekte hochaktive Einrichtungen mit extrem vielen parallelen Projektvorhaben als Koordinator oder Projektpartner. - - - - Der Europäischen Kommission und den Na tionalen Agenturen stellt sich in dieser Si tuation die Frage, ob weiterhin die „alte“ Wirkungsdynamik gilt, wenn Einrichtungen 20, 50, 100 oder 150 Projekte gleichzeitig durchführen. Durch sogenannte „Opera tional Capacity Checks“ soll sichergestellt werden, dass die Leistungsfähigkeit der Organisation einer Durchführung von meh reren parallelen Vorhaben angemessen ist und sich keine Einrichtung mit der Imple mentierung und dem Management von Partnerschaftsprojekten übernimmt. Nach europaweiten Diskussionen im Jahr 2023 haben wir uns für eine neue und einheit liche Strategie entschieden, die ab dem An tragsjahr 2024 umgesetzt werden wird. - - - - - - - Neue Strategie ab 2024 Alle Einrichtungen in der Leitaktion 2, die drei oder mehr Anträge für eine Koopera tionspartnerschaft einreichen, werden im Nachgang der Antragstellung aufgefordert werden, zusätzliche Informationen zur ope rationalen Leistungsfähigkeit ihrer Organi sation einzureichen. Diese Nachfragen kön nen sich auf unterschiedliche Dimensionen operationaler Kapazität beziehen, also bei spielsweise auf Angaben zu Mitarbeitenden in der Einrichtung und deren Profilen und Vertragsverhältnissen, auf Fragen zu frühe ren Projekten und deren Ergebnissen, auf Fragen zur Passung zwischen antragstellen der Einrichtung und beantragtem Vorha ben, aber auch auf Fragen zur finanziellen Einordnung des beantragten Projekts in den Gesamthaushalt des Antragstellers. - - - - - - - - Nach der Bewertung der eingereichten Un terlagen werden die Anträge dann entwe der in die Begutachtung weitergeleitet oder ggf. auch abgelehnt, falls die Prüfungen der Nationalen Agentur zu negativen Ergebnis sen führen, also z.B. die Leistungsfähigkeit der Einrichtung in Relation zur Anzahl der eingereichten Anträge nicht angemessen scheint oder die Ergebnisse in den einzel nen Dimensionen nicht zueinander passen. Idealerweise fügen sich die unterschied lichen Dimensionen in ein plausibles Ge samtbild von antragstellender Einrichtung und vorliegendem Projektvorhaben ein. Die NA beim BIBB versteht diese Überprüfung der Leistungsfähigkeit als Merkmal der Qua litätssicherung, denn die antragstellende Einrichtung verspricht mit ihrer Einreichung, dass sie über die professionelle Eignung zur Durchführung des Vorhabens verfügt. Und dies soll von jenen Antragstellern, die mehrere Anträge einreichen, nachgewiesen werden. - - - - - - - Die Europäische Kommission hat 2023 ag gregierte Daten zur Verfügung gestellt, die die Beteiligungen von Einrichtungen in ganz Europa und in jeglicher Rolle sichtbar machen. Zudem berücksichtigen die Da tenbanken auch zunehmend Vorhaben, die - - zwar eingereicht werden, aufgrund qua litativer Mängel jedoch nicht in Förderung genommen werden. Sollten die jeweiligen Anstrengungen der Nationalen Agenturen zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen, so kann die Tendenz ggf. abgewendet wer den, von vornherein nur noch eine geringe Anzahl an Anträgen je Einrichtung zuzu lassen. In der Leitaktion 2 bei den kleine ren Partnerschaften wird für das Jahr 2024 schon eine Grenze eingezogen werden, in dem pro Organisation nur noch ein Antrag eingereicht werden darf; Ähnliches wird im Augenblick auch für die Kooperationspart nerschaften diskutiert. - - - - - - In der NA beim BIBB wird eine solch starre Reglementierung nicht unbedingt präfe riert. Prinzipiell sollen die besten Anträge von den am besten geeigneten Projekt trägern genehmigt werden. Die Leitaktion 2 im Programm Erasmus+ erlebt seit 2021 je doch einen sehr starken Sog und zieht auch Antragsteller an, deren Priorität auf einer hohen Zahl von Einreichungen zu liegen scheint und nicht auf Exzellenz des einzel nen Vorhabens. Dies kann programmseitig kaum als Erfolgsstrategie gelten und des halb wird die NA beim BIBB ab dem kom menden Jahr diese Prüfungen sehr ernst haft durchführen. - - - - - - - - - JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB Erasmus+ © N A b ei m B IB B 26 27Erasmus+ © S tr el ci uc /A do be st oc k. co m 26 27 Bildung für Europa | Dezember 2023 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Partnerschaften stark nachgefragt – neuer Rekord in der Erwachsenenbildung Erasmus+ D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 13.11.2023 wieder. Im Vorgängerjour nal hatten wir ausführlich über die (erste) Antragsrunde des Jahres 2023 im Bereich der Mobilität (Leitaktion 1) berichtet. Daher konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2). - Nicht eingegangen wird dabei auf die zweite Antragsrunde. Zwar konnten zum 04.10.2023 erneut kleinere Partnerschaf ten beantragt werden, aber hierzu liegen noch keine Förderentscheidungen vor. Zur gleichen Frist konnten auch nochmals Mo bilitäten für Einzelpersonen in der Erwach senenbildung beantragt werden. Darüber ebenso wie über die neue Akkreditierungs runde (Frist 19.10.2023) berichten wir im Rahmen unserer Jahresstatistik. - - - - Berufsbildung Partnerschaften Im Bereich der Berufsbildung wurden in der ersten Antragsrunde 2023 191 Projekt anträge für Partnerschaften eingereicht. Ins gesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 45,01 Millionen Euro beantragt. Davon ver teilen sich 46 Anträge auf die kleineren Part nerschaften mit 2,9 Millionen Euro und 145 Anträge auf die Kooperationspartnerschaf ten mit 42,37 Millionen Euro. - - - - - Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Stei gerung der Antragszahlen von 66 Prozent (2022: 115 Anträge), den größten Zuwachs gab es im Bereich der Kooperationspartner schaften. - - 58 Projekte erhielten eine Förderzusage, wobei 37 Kooperationspartnerschaften mit einem Fördervolumen von 11,8 Millionen Euro und 21 kleinere Partnerschaften mit 1,23 Millionen Euro bewilligt wurden. In annähernd der Hälfte aller Anträge 2023 wurde die Fördersumme von 250.000 Euro gewählt. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand Kooperationspartnerschaften über 400.000 Euro und kleinere Partnerschaften mit einer Fördersumme von 60.000 Euro. Wie bereits im letzten Jahr wurden nur ver einzelt die Pauschalsummen 120.000 Euro oder 30.000 Euro beantragt. - Am häufigsten wurden die berufsbildungs spezifischen Prioritäten „Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“ adressiert. An dritter Stelle folgt mit „Bewältigung des digitalen Wandels durch Aufbau von digi taler Bereitschaft, Widerstandsfähigkeit und Kapazität“ die erste horizontale Priorität. - - Erwachsenenbildung Partnerschaften Einrichtungen der Erwachsenenbildung ha ben zur ersten Antragsrunde 2023 insge samt 278 Anträge eingereicht – so viele wie noch nie zuvor. Diese verteilten sich auf die Kooperationspartnerschaften mit 179 und auf die kleineren Partnerschaften mit 99 Anträgen. Die Zahl der Anträge zur ersten Antragsrunde war damit deutlich höher als in den beiden Runden 2022 zusammen und stellt eine Steigerung von über 85 Prozent im Vergleich zur ersten Runde 2022 dar. Eindeutig erklären lässt sich diese enorme Steigerung nicht; möglicherweise hängt sie mit einer gestiegenen Popularität des Pro gramms oder mit einem Motivationsschub nach der Corona-Pandemie zusammen. - - - Durch die hohen Antragszahlen und den damit verbundenen größeren Aufwand, die Anträge inhaltlich zu bewerten, verlängerte sich der Begutachtungszeitraum, so dass erst Ende August die Förderentscheidung fallen konnte. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget können nun 19 Kooperationspart nerschaften mit einem Fördervolumen von 6,1 Millionen Euro und 32 kleinere Partner schaften mit einem Budget von knapp 1,9 Millionen Euro gefördert werden. Da das zur Verfügung stehende Budget im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen ist und gleich zeitig keine Restmittel aus anderen Aktionen umgewidmet werden konnten, fällt die Förderquote in dieser Runde entsprechend niedrig aus: nur circa 10 Prozent bei den Ko operationspartnerschaften und rund 32 Pro zent bei den kleineren Partnerschaften. - - - - - Bezüglich der in den Projekten angespro chenen Themen lagen bei den Anträgen Inklusion, digitale Kompetenzen sowie Um welt und Klimawandel auf den ersten drei Plätzen. Dies spiegelt sich im Großen und Ganzen auch in der Wahl der Prioritäten wi der: Am häufigsten wurden Projekte mit der horizontalen Priorität „Inklusion und Vielfalt“ eingereicht, gefolgt von der erwachsenenbil dungsspezifischen Priorität „Kompetenzen von Pädagogen“ und den horizontalen Prio ritäten „Gemeinsame Werte“ und „Digitaler Wandel“. - - - - - Partnerschaften: Erste Antragsrunde 2022 und 2023 im Vergleich 2022 2023 B er u fs b ild u n g 115 Anträge + 66% 191 Anträge Er w ac h se n en b ild u n g 149 Anträge + 87% 278 Anträge 28 Weitere Themen 29 Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen So werden Auslandsaufenthalte für Azubis möglich - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Z u Beginn des Ausbildungsjahres 2023 startete die NA beim BIBB das neue Service-Portal www.Auslandsberatung- Ausbildung.de und ergänzt damit ihr Informations- und Beratungsangebot rund um Auslandsaufenthalte während der Ausbildung. Das Portal richtet sich an Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist eine attraktive und leistungsfähige Aus bildung für Unternehmen ein wichtiger Baustein. So sollen engagierte Schulabgän ger/-innen für den Betrieb begeistert und auch langfristig gehalten werden. Auslands aufenthalte während der Ausbildung sind ein klarer Wettbewerbsvorteil für Unterneh men, die Auslandsqualifikationen für ihren Nachwuchs anbieten. Für die Umsetzung von Auslandsaufent halten kommt den ausbildungsverantwort lichen Personen in den berufsbildenden Ein richtungen und Lernorten eine bedeutende Rolle zu: An den Schlüsselpositionen ent wickeln sie neue Angebote und motivieren Auszubildende, diese Möglichkeiten für ihre Entwicklung zu nutzen. Denn Auslandsauf enthalte in der Berufsausbildung sind immer noch nicht so selbstverständlich wie in an deren Bildungsbereichen. Ziel: Zahl der Azubis mit Auslandser fahrung erhöhen Die Europäische Union – damit auch Deutschland – hat sich zum Ziel gesetzt, die Quote von Auszubildenden mit Auslands praxis bis zum Jahr 2025 auf acht Prozent zu erhöhen. Die vom Deutschen Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission „Beruf liche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ hatte in ihrem im Juni 2021 veröffentlichten Abschlussbericht sogar eine Quote von 20 Prozent bis zum Jahr 2030 vorgeschlagen. Das Bundesministerium für Bildung und For schung hat diese Richtung im Rahmen seiner Exzellenzinitiative Berufliche Bildung aufge griffen und will noch mehr Auszubildende für einen Auslandsaufenthalt begeistern. Hierbei unterstützt das neue Service-Portal. Die „Möglichmacher/-innen“ von Auslands aufenthalten finden dort einen Überblick über die Chancen, Rahmenbedingungen und konkrete Planungsschritte für die Pra xis. Der integrierte Stipendienfinder bündelt alle Förderprogramme, die Auslandsauf enthalte in der Berufsbildung finanzieren. Zudem berichten Berufsbildungsvertre ter/-innen, die von Lernaufenthalten im Ausland überzeugt sind, aus ihrer Perspek tive zum Mehrwert von Auslandsaufenthal ten und geben Tipps für die Organisation. Doch nicht nur Auszubildende können von Auslandsaufenthalten profitieren. Auch Ausbilderinnen, Ausbilder sowie Lehrkräf te beruflicher Schulen können ins Ausland gehen und sich dort für ihre Ausbildungs tätigkeit und ihre internationale Arbeit wei terbilden. Zu diesen Angeboten und über Möglichkeiten, wie Ausbildungseinrich tungen Auslandsaufenthalte strategisch ein setzen können, informiert das neue Portal ebenfalls. Auslandsberatung-Ausbildung.de ist ein kostenfreies und unabhängiges An gebot und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Auszubildende sowie Schülerinnen und Schüler berufsbildender Schulen finden wei terhin alle Informationen rund um Auslands aufenthalte während der Ausbildung auf dem Portal MeinAuslandspraktikum.de und den dazugehörigen Kanälen @meinauslands- praktikum auf Instagram und YouTube. - - INFO www.Auslandsberatung-Ausbildung.de Beratung: 0228 107 1566 Auslandsberatung-Ausbildung@bibb.de THERESA MAYERHÖFFER Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Beratungsservice für Aus landsaufenthalte in der Ausbil dung in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de mailto:Auslandsberatung-Ausbildung@bibb.de 28 29 Bildung für Europa | Dezember 2023 Europäische Agenda Erwachsenenbildung Aufbruch in die achte Förderperiode 2024 bis 2025 Weitere Themen D ie Europäische Agenda Erwachsenenbildung (2021-2030) ist ein Schlüsselelement der europäischen Bildungsstrategie und zielt darauf ab, Bildung im Erwachsenenalter zu fördern und Lernmöglichkeiten für alle Bür gerinnen und Bürger zu verbessern. An der Umsetzung in Deutschland arbeiten wir, die Nationale Koordinierungsstelle für die Euro päische Agenda Erwachsenenbildung, auch in der achten Förderperiode, d.h. von 2024 bis 2025. - - Für Veranstaltungen und Vernetzungen in der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung haben wir folgende drei Pri oritäten festgelegt: - Grüner und digitaler Wandel In Anknüpfung an die Fachveranstaltung zum Thema Bildung für nachhaltige Ent wicklung (s. S. 31) soll hier der Austausch in der Umweltgrundbildung verstärkt wer den. Für den Bereich digitale Transformation möchten wir die entstandene Vernetzung zum Thema Qualifizierung von Bildungsper sonal zur digitalen Bildung älterer Menschen fortführen und intensivieren. Die Konzeption von weiteren Veranstaltungen zu aktuellen Themen der Digitalisierung von nationaler oder europäischer Ebene ist möglich. - - - Innovative Lernumgebungen Das Thema innovative Lernorte soll vor allem mit Fokus auf die Zielgruppe der er wachsenen Lernenden mit niedriger Weiter bildungsbeteiligung umgesetzt und aktuelle erfolgreiche Beispiele von europäischer Ebe ne vorgestellt werden. - - - Förderung der Sichtbarkeit des Eu ropäischen Jahres der Kompetenzen im Rahmen der Nationalen Weiterbil dungsstrategie - - Die bisherige Fokussierung auf das Thema Life Skills planen wir mit der Erweiterung Future Skills fortzuführen. Hierbei handelt es sich um bereichsübergreifende Kompe tenzen, wie z.B. Kreativität, Problemlösungs kompetenz usw. Mit der Weiterentwicklung der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) möchten wir die Konzepte zu Schlüsselkom petenzen und Future Skills intensiver disku tieren und mit Blick auf ihre Anschlussfähig keit zur beruflichen und berufsbezogenen Weiterbildung überprüfen. Ein Beispiel für Future Skills ist die Demokratiekompetenz, die thematisch in Veranstaltungen einge bunden werden soll. Unser Ziel ist es, das European Year of Skills und die Rolle der all gemeinen Erwachsenenbildung in Deutsch land sichtbarer zu machen. - - - - - - - - Kooperationsmöglichkeiten für Sie Für neue Kooperationen und Veranstaltungs ideen zu den Schwerpunktthemen der eu ropäischen Agenda Erwachsenenbildung ist die Nationale Koordinierungsstelle immer offen. Dies gilt sowohl für Themen der be ruflichen Weiterbildung wie der allgemeinen Erwachsenenbildung. Wir laden Sie daher ein, die Umsetzung der Themenauswahl durch Ihre Beiträge aktiv mitzugestalten! - - - „Mission possible: Neue Wege politischer Erwachsenenbil dung“ - Was sind die aktuellen Entwicklungen und Debatten in der politischen Er wachsenenbildung? Und welche Rolle spielt Europa dabei? - In Kooperation mit Transfer für Bildung e.V. / Fachstelle politische Bildung – Transversalen hat eine Konferenz im Juni 2023 zu neuen Wegen politischer Erwachsenenbildung stattgefunden. U.a. wurde dort die Beteiligung an einem erweiterten europäischen Transformationsprozess diskutiert. Der Journalist und Schriftsteller Jürgen Wiebicke betonte, dass Erfahrungsräu me von Selbstwirksamkeit geschaffen werden müssten, in denen Menschen erleben können, dass sie Zusammen leben mitgestalten können. Wiebicke bezeichnete sie als „gute Orte“. Bezo gen auf Europa heißt das auch, dass es in der politischen Erwachsenenbildung neuer Kooperationen und Formate be darf, die Europa erlebbar machen. - - - - Veranstaltungsdokumentation: www.agenda-erwachsenenbil dung.de/Veranstaltungsdoku mentationen SIMONE KAUFHOLD Koordinatorin der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung in der NA beim BIBB kaufhold@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/Veranstaltungsdokumentationen mailto:kaufhold@bibb.de 30 31 Infosplitter - - - - - Infosplitter EUROPÄISCHE UNION Du möchtest auch dabei sein? www.na-bibb.de Infos zu Fördermöglichkeiten in der Berufs- und Erwachsenenbildung gibts hier. Gleich scannen und dabei sein! Wir sind Teil der Community! © T ur ka n Ra hi m li & ro yy im zy /A do be St oc k | D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ © N A b ei m B IB B Das Erasmus+-Projekt CorEdu sensibilisiert Auszubildende im Schneiderhandwerk sowie in der Mode- und Textilindustrie für die Herausforderungen und Chancen nachhaltigen Handelns. Das Thema Nachhaltigkeit wird dabei nicht nur in Workshops, sondern auch bei Auslandsaufenthalten behandelt. Die NA beim BIBB hat angehende Maßschneiderinnen sowohl in Leipzig als auch in Vicenza, Italien, mit der Kamera begleitet. Der Film „Geschickt eingefädelt – Nachhaltige Auslandspraktika für angehende Maßschneiderinnen“ ist online abrufbar: @nationaleagenturbildungfur3652 Poster „Wir sind Teil der Erasmus+ Community“ Passend zum Schwerpunktthema ist diesem Journal ein Poster beigelegt, mit dem Sie Ihre Beteiligung am europäischen Bil dungsprogramm nach außen kommunizieren und dafür werben können. Bei Bedarf können zusätzliche Poster über unsere Website angefordert werden. Sprechen Sie uns an, falls Sie die Druckvorlage nutzen und Ihr eigenes Logo ergänzen wollen. www.na-bibb.de/publikationen Flyer in Leichter Sprache Bereits seit Juni 2021 gibt es den Azubi-Flyer „Ein echter Gewinn für deine Ausbildung“. Dieser wirbt für Auslandsaufenthalte während der Ausbildung und beschreibt die Fördermöglichkeiten im Rahmen von Erasmus+. Er wurde jetzt in Leichte Sprache übertra gen. Unter dem Titel „Ein Vorteil für deine Berufs-Aus bildung“ liegt der Flyer als barrierefreie PDF und dem nächst als Printprodukt vor. www.na-bibb.de/publikationen Termin vormerken: Europawahl 2024 steht zum zehnten Mal die Wahl des Europäischen Parlaments an. Alle Bürge rinnen und Bürger der Europäischen Union sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Erstmals können auch Unionsbürgerinnen und -bürger wählen, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben. In Deutschland findet die Wahl am 9. Juni 2024 statt. https://elections.europa.eu/de/ https://elections.europa.eu/de/ http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.na-bibb.de/publikationen https://www.youtube.com/@nationaleagenturbildungfur3652 30 31 Bildung für Europa | Dezember 2023 Datenbank Europass Mobilität: Neue Video-Tutorials Wie lassen sich Daten aus dem Mobility Tool und Beneficiary Modul in die Europässe Mobilität importieren? Wie können in der Datenbank Teilnehmendenverträge erzeugt werden? Das Nationale Europass Center hat neue Video-Tutorials zu häufigen Fragen rund um die Beantragung und Erstellung des Mobilitätsnachweises erstellt. Insgesamt bietet die Videohilfe in der Datenbank jetzt zehn Videotutorials. https://de.europass-db.com/de/europass-mobilitaet-login.asp (Menüpunkt Videohilfe) So nutzen Sie EPALE für Ihr Projekt EPALE ist mit mehr als 100.000 Mitgliedern die größte Online-Community in Europa, die sich speziell an Menschen richtet, die in der Erwachsenen- und Weiterbildung tätig sind. Die Plattform bietet Ihnen vielfältige Möglichkeiten, sich und Ihre Projekte in ternational zu präsentieren und durch den gesamten Projektzyklus hindurch sichtbar zu machen. - Entdecken Sie die neue EPALE Matrix als interaktives Online-Dokument mit weiter führenden Informationen, Tipps und Tricks. - https://epale.ec.europa.eu/de/ resource-centre/content/so- nutzen-sie-epale-fuer-ihr-projekt Weiterbildungssuche jetzt mit Ange boten aus Deutschland - Lernende aus ganz Europa können im Eu ropass-Portal nach Weiterbildungen und Kursen suchen. Im Oktober 2023 wurden auch die Angebote aus Kursnet, dem Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesa gentur für Arbeit, an Europass übertragen. Somit können Nutzer/-innen nun nach Weiterbildungsangeboten in insgesamt 20 europäischen Ländern im Europass-Portal recherchieren. Die Kurssuche ist aktuell noch im Aufbau und wird laufend ergänzt. - - https://europa.eu/europass/ eportfolio/screen/course?lang=de „Vom Wissen ins Tun: Wie kann Europäische Erwachsenenbildung zum nachhaltigen Handeln aktivieren?" Unterstützung für Bildungsverantwortliche und Erwachsenenbildungsinstitutionen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft stand im Mittelpunkt der Fachver anstaltung von Erasmus+ Erwachsenenbildung, EPALE und der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung. Spannende Inputs u.a. von Lea Dohm (Psychologists for Future) können Sie sich noch einmal als Video anschauen. - www.agenda-erwachsenenbildung.de/ Veranstaltungsdokumentationen - - Neues EPALE Ressourcen-KIT Diskriminierung, Migration und Klimawandel - solch einschneidende Lebensereignisse oder belastende Lebensumstände erzeugen Stress. Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, aus eigener Kraft handlungsfähig zu sein und Krisen zu meistern. Entdecken Sie im neuen Ressourcen-KIT einen umfassenden Über blick über Beiträge auf EPALE zum Thema Selbstwirksamkeit und erfahren Sie, was die Erwachsenenbildung beitragen kann. - https://epale.ec.europa.eu/ de/blog/epale-deutschland- ressourcen-kits Infosplitter Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ Deutschland Europäisches Jahr der Kompetenzen Noch bis Mai 2024 steht europaweit die Förderung der Aus- und Weiterbildung im Fokus. Das Europäische Jahr der Kompetenzen adressiert den Fachkräftemangel und un terstützt Menschen dabei, ihre Kompetenzen auf die Arbeitsmarkterfordernisse auszu richten. Sie möchten sich beteiligen? Besuchen Sie die offizielle Kampagnen-Webseite: https://year-of-skills.europa.eu https://epale.ec.europa.eu/de/resource-centre/content/so-nutzen-sie-epale-fuer-ihr-projekt https://europa.eu/europass/eportfolio/screen/course?lang=de http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/Veranstaltungsdokumentationen https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-ressourcen-kits https://de.europass-db.com/de/europass-mobilitaet-login.asp https://year-of-skills.europa.eu Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Hochschulbil dung, Sport (Personal) - - > 20.02.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA nur Bereich Jugend 20.02.2024 01.10.2024 jeweils 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend > > Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften 05.03.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA im Bereich Sport 05.03.2024, 17:00 Uhr NA Jugend NA Jugend Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbil dung, Erwachsenenbildung und Jugend - > 05.03.2024 01.10.2024 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA im Bereich Sport 05.03.2024, 17:00 Uhr NA Jugend NA Jugend : - Zentren der beruflichen Exzellenz 07.05.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Innovationsallianzen 07.03.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Kapazitätsaufbau im Bereich berufliche Bildung 29.02.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Wichtige Internet-Adressen Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Infor mationsstand (28.11.2023). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A07/2023. AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 15.02.2024 für Aufenthalte zwischen Juni 2024 und Mai 2025 http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu https://education.ec.europa.eu/de https://twitter.com/nabibb_de https://twitter.com/EUEB_de https://www.instagram.com/meinauslandspraktikum/?hl=de Bildung für Europa 38 Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Titel & Inhaltsverzeichnis (Seite 5) Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Wachsende Bedeutung für die Projektpraxis Heterogenes Feld an Themen und Zielgruppen Welche neuen Angebote gibt es? Info Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Qualifizierung „Gedenkstättenpädagogik“ Projektinfo EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB 120 Aktive in elf Ländern Aktivitäten der ehrenamtlich Tätigen Wie unterstützen die Nationalen Agenturen? Highlight: Europäische Treffen Info Gemeinsam europäische Werte stärken Im Zeichen der Vielfalt Nutzerbeirat Erasmus+ Good Practice: #GetInvolved Materialien für Lehrende und Lernende Projektinfo Good Practice: KOSMO_POLIS Lernorte: Sprachschule und Theater Projektinfo SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte Info Good Practice: Wires Crossed Aufbau kommunaler Bürgermedien Projektinfo Fake News und Antisemitismus Was versteht man unter Fake News und Antisemitismus? Was verbindet diese beiden Themen? Gibt es Strategien im Umgang mit Verschwörungserzählungen? Welche Tipps gibt es für Gespräche in der Endlosschleife? In eigener Sache Europäer aus tiefer Überzeugung Erasmus+ Intelligente Stromnetze für die Zukunft Smart Grids unterstützen die Energiewende Lernende spielen aktive Rolle Materialien stehen zur Verfügung Neue Kriterien für Kooperationspartnerschaften Neue Strategie ab 2024 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Berufsbildung Partnerschaften Erwachsenenbildung Partnerschaften Weitere Themen Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen Ziel: Zahl der Azubis mit Auslandserfahrung erhöhen Info Europäische Agenda Erwachsenenbildung Grüner und digitaler Wandel Innovative Lernumgebungen Förderung der Sichtbarkeit des Europäischen Jahres der Kompetenzen im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie Kooperationsmöglichkeiten für Sie „Mission possible: Neue Wege politischer Erwachsenenbildung“ Infosplitter Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ Poster „Wir sind Teil der Erasmus+ Community“ Flyer in Leichter Sprache Termin vormerken: Europawahl Datenbank Europass Mobilität: Neue Video-Tutorials So nutzen Sie EPALE für Ihr Projekt Weiterbildungssuche jetzt mit Angeboten aus Deutschland „Vom Wissen ins Tun: Wie kann Europäische Erwachsenenbildung zum nachhaltigen Handeln aktivieren?" Neues EPALE Ressourcen-KIT Europäisches Jahr der Kompetenzen Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …

[…] Bildung für Europa 38 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Dez 2023 Mitmischen in Europa 12 Das EuroApprentices- Netzwerk 19 Fake News und Antisemitismus 28 Neues Portal für Möglichmacher Bildung für Europa 38 Dez 2023 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 02.10.2023 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus - : - - - - - 2 - - : Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5) TCA Nachhaltigkeit in der Erwachsenen bildung, argum GbR / Falk Heller (S. 1); Martin Schmidt, Julia Essl, argum GbR / Thomas Einberger, NA beim BIBB, RochelleBrown/Unsplash.com (S. 5). Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de https://twitter.com/nabibb_de https://twitter.com/EUEB_de 2 3 Bildung für Europa | Dezember 2023 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, mit dem Schwerpunkt „Teilhabe“ schließen wir den Zyklus ab, in dem wir die horizontalen Prioritäten des Programms beleuchtet ha ben. Dass wir die drei anderen Prioritäten schon zuvor behandelt haben bedeutet keineswegs, dass hier nun die Unbedeutendste zur Sprache käme – im Gegenteil. Uns wird in den letzten Jah ren immer deutlicher, wie wichtig europäische und demokratische Werte für die Europäische Union und unser Zusammenleben sind. - - Erasmus+ kommt aus der Tradition der europäischen Programme, die die Qualität der Bildung im weitesten Sinne verbessern sollen. Dies wird auch in Zukunft so sein. Das Programm hat Europa mit einem riesigen Netz von Partnerschaften und Kooperationen über zogen, die unsere Bildungspraxis – und manchmal auch die Bil dungspolitik – verändert haben. Diese Netzwerke, Kooperationen und Mobilitätsprojekte fördern aber auch den gegenseitigen Re spekt, verringern Vorurteile und machen Menschen neugierig. Die se Dimension des Programms ist uns gerade in den letzten Jahren – manchmal auch schmerzhaft – deutlich geworden. - - - - Auch wir als NA beim BIBB müssen an uns dem Anspruch stellen, Teilhabe zu ermöglichen. Wir selber bilden die Brücke zwischen der Praxis vor Ort und den politischen Zielsetzungen und Rahmen bedingungen, denen die Europäische Kommission verpflichtet ist. Ihre Meinung ist uns wichtig, Ihnen zuzuhören macht letztlich das Programm und unsere Arbeit besser. Dafür haben wir seit dem 20.09.2017 unseren Nutzerbeirat als Ihr unmittelbares Sprachrohr eingesetzt. Er begleitet unsere Arbeit kritisch und konstruktiv und ermöglicht einen echten Dialog. Unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen, die sich für Sie stark machen und nutzen Sie dieses Angebot. - Dies ist nun das 38. und letzte Editorial, das ich für unser Journal schreibe. Zum Jahreswechsel gebe ich den Staffelstab an meinen Kollegen Berthold Hübers weiter. Ich bin sicher, dass die NA bei ihm in guten Händen ist und er der NA und der europäischen Zu sammenarbeit viele Impulse geben wird. - Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, mit denen ich in den Jahren als Leiter der NA zusammenarbeiten durfte. Mir hat es große Freude gemacht und ich glaube, dass wir gemeinsam einiges bewegen konnten. Mit dem Abschied verbinde ich auch eine Bitte: Die Europäische Union ist sicher nicht perfekt, aber sie ist die beste und friedlichste Form, in der wir Europäerinnen und Europäer jemals zusammenge lebt haben. Bitte tragen Sie dazu bei, dass dies so bleibt! Beteiligen Sie sich an der Europawahl im kommenden Jahr und helfen Sie mit, dass Erasmus+ auch in Zukunft einen großen Beitrag hierzu leisten kann. - Herzlichst, Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B 4 5 Inhalt Nr. 38 | Schwerpunkt Teilhabe und gemeinsame Werte 06 Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement 09 Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Teil des Bildungsauftrags an Berufskollegs 10 EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB Auslandserfahrungen teilen und sich für europäische Werte engagieren 12 Gemeinsam europäische Werte stärken Warum EuroApprentices sich ehrenamtlich für Erasmus+ engagieren 14 Good Practice: #GetInvolved Förderung von Demokratie und bürgerschaftlichem Engagement in der Berufsbildung 15 Good Practice: KOSMO_POLIS Job Shadowings für partizipatives Lernen 16 SALTO PI die Helpline für Partizipationsprojekte 18 Good Practice: Wires Crossed Bürgerinnen und Bürger bekämpfen Fake News vor Ort 19 : Fake News und Antisemitismus Tipps im Umgang mit Desinformation und Verschwörungserzählungen In eigener Sache - 20 Europäer aus tiefer Überzeugung Anerkennung und Dank zum Ruhestand von Klaus Fahle Erasmus+ 24 Intelligente Stromnetze für die Zukunft Erasmus+-Projekt mit European Innovative Teaching Award 2023 ausgezeichnet 25 Neue Kriterien für Kooperations partnerschaften Prüfung der operationalen Leistungsfähigkeit von Antragstellern 26 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Partnerschaften stark nachgefragt – neuer Rekord in der Erwachsenenbildung Weitere Bildungsthemen 28 Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen So werden Auslandsaufenthalte für Azubis möglich 29 Europäische Agenda Erwachsenenbildung Aufbruch in die achte Förderperiode 2024 bis 2025 30 Infosplitter 32 Termine 4 5 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe, gemeinsame Werte und zivilgesell schaftliches Engage ment 06 Was treibt EuroApprentices an? 12 Zur Programmgeneration 2021-2027: „Lassen Sie uns ehrgeizig sein und die Chancen nutzen. Wir brauchen mehr Europa in unserer Bildung, aber Europa braucht auch viele Beiträge aus Deutsch land. Es gibt viel zu tun ...“ Klaus Fahle: Abschied nach 23 Jahren 20 Projekt „Smart Grid“ ausgezeichnet 24 - - - www.Auslandsberatung-Ausbildung.de ist online28 Agenda: Schwerpunkte der achten Förderperiode 29 http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de 6 7 Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement © R oc he lle Br ow n/ U ns pl as h. co m rasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement © R oc he lle Br ow n/ U ns pl as h. co m E 6 7 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte E uropaweit ist die Tendenz einer abnehmenden Beteiligung am demokratischen Leben zu beobachten. Gerade mit Blick auf die anstehenden Europawahlen ist es brisant, dass der Kenntnisstand zu europäischen Fragen ebenso wie das Be wusstsein dafür häufig nur gering ausgeprägt sind. Gleich zeitig lässt sich bei immer mehr Menschen eine Empfäng lichkeit für radikale Ideologien oder Verschwörungstheorien erkennen und die Demokratie in Europa wird zusätzlich durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine heraus gefordert. Um diesen Problemen mit dem Mittel der Bildung zu begegnen, ist das Thema „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches En gagement“ seit dem Jahr 2021 eine horizontale Priorität im Programm Erasmus+. Der Aus- und Weiterbildung kommt in dieser Hinsicht eine zentrale Bedeutung zu. Sie hat Zugang zu einer großen und heterogenen Gruppe an Menschen und kann diesen die Relevanz der aktiven Beteiligung am politischen und gesellschaftlichen Leben näherbrin gen. Gleichzeitig werden hier Fähigkeiten vermittelt, die für das Zusammenleben in einem demokratischen und vielfältigen Europa notwendig sind, wie beispielsweise soziale und interkulturelle Kom petenzen, kritisches Denken und Medienkompetenz. Den bildungspolitischen Hintergrund bildet die Pariser Erklärung aus dem Jahr 2015 und die Jugendstrategie der Europäischen Uni on 2019 bis 2027, in denen die Förderung aktiven zivilgesellschaft lichen Engagements und europäischer Werte verankert ist. Dadurch hat das Thema im Programm Erasmus+ sowohl in der Mobilität (Leitaktion 1) als auch bei den Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2) eine besondere Bedeutung. Als Querschnittsthema im Programm ist „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement“ bei der Umsetzung der Projekte in beiden Leitaktionen zu berücksichtigten, entweder durch formale oder nichtformale Lernaktivitäten. Das Verständnis für die Europäische Union und die gemeinsamen europäischen Werte zu entwickeln oder zu verbessern sowie kritisches Denken und Medienkompetenz bei den Teilnehmenden zu stärken, ist Ziel der Aktivitäten. Für Leitaktion 2 bedeutet diese Priorität zudem, dass gemeinsam mit europäischen Partnern Lehr- und Lernmateri alien in Hinblick auf die Thematik entwickelt werden können oder bewährte Praxis ausgetauscht wird. Wachsende Bedeutung für die Projektpraxis In beiden Leitaktionen können sich Projekte zur Priorität mit allen Formen des Lernens (formal und non-formal) beschäftigen, die den Aufbau und die Weiterentwicklung zivilgesellschaftlicher und de mokratischer Kompetenzen zum Ziel haben. Diese umfassen alle Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, gesellschaftliche und politische Prozesse zu verstehen, kritisch zu beobachten und sich aktiv dazu zu verhalten. Überdies betrifft die Priorität alle so zialen und interkulturellen Kompetenzen mit direktem Bezug zur Verwirklichung einer europäischen Gesellschaft, die sich durch starken gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und allgemeine Achtung von Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität auszeichnet. Die im Vergleich zum Vorgängerprogramm wesentlich prominen tere Platzierung von „Teilhabe“ als horizontale Priorität spiegelt sich insbesondere in der Erwachsenenbildung in der Vielzahl an Pro jekten wieder, die das Thema adressieren. So arbeiten in der Leitak tion 2 der Erwachsenenbildung seit 2021 insgesamt 87 geförderte Projekte hierzu und erste kleinere Projekte sind bereits abgeschlos sen. In der Berufsbildung hingegen wird die Priorität weniger in den Fokus genommen und bisher nur in 19 Projekten aufgegriffen. Heterogenes Feld an Themen und Zielgruppen In der Leitaktion 2 gibt es sowohl in der Erwachsenenbildung als auch der Berufsbildung ganz unterschiedliche Projekte zum Thema. Grob lässt sich folgende Kategorisierung vornehmen: Bildung für Demokratie und Teilhabe am demokratischen Leben Aktive Bürgerschaft und Mitgestaltung der Gesellschaft Förderung von europäischer Identität und Stärkung europä ischer Werte (Achtung der Menschenwürde und Menschen rechte, Demokratie, Gleichheit vor dem Gesetz, Rechtsstaatlichkeit) - - Gleichberechtigung und Antidiskriminierung Überbrückung von interkulturellem, intergenerationalem und sozialem Ausschluss Bewusstsein für die Europäische Union Medienkompetenz und Prävention gegen Desinformation Soziale Innovation 8 9 Die Projekte sind äußerst heterogen, was ihre Zielgruppen betrifft, und adressieren die Kompetenzen verschiedenster Gruppen von Lernenden oder des Bildungspersonals. Das Spektrum der Ergeb nisse ist ebenfalls sehr breit und reicht von spielbasierten Metho den über Online-Lernplattformen bis hin zum Austausch bewährter Praxis. Die Einbindung von Lernenden spielt dabei meist eine ent scheidende Rolle. - - - In der Leitaktion 1 nehmen in der Berufsbildung die Teilnehmenden beispielsweise in der Regel an interkulturellen Trainings in Vorberei tung auf ihren Auslandsaufenthalt teil. Die Phase der Vorbereitung eignet sich gut, um die Teilnehmenden mit Wissen über europä ische Institutionen und europäische Werte auszustatten. In der Pha se nach einem Auslandsaufenthalt kann insbesondere die Wirkung der Mobilität in Bezug auf diese Priorität überprüft werden. So werden die Teilnehmenden beispielsweise gefragt, ob sie sich jetzt „europäischer und zugehöriger zur europäischen Gemeinschaft fühlen“ und ob ihr Interesse an der Teilnahme an Wahlen und de mokratischen Prozessen gestiegen ist, was in der Regel bejaht wird. - - - - Eine Möglichkeit für Lernende, um sich zu engagieren und die eu ropäische Idee und europäische Werte zu leben und zu verbreiten, ist die Teilnahme an der Initiative „Erasmus+-Botschafter/-innen in der Berufsbildung“, den sogenannten EuroApprentices (s. auch S. 10 ff.). EuroApprentices sind ehemalige Erasmus+-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, die aus eigener Erfahrung vom Mehrwert eines Auslandsaufenthaltes berichten. Sie engagieren sich dafür, andere Auszubildende zu motivieren, den Schritt ins Ausland zu wagen. Die NA beim BIBB bildet die Botschafter/-innen einmal pro Jahr aus. EuroApprentices gibt es mittlerweile in zehn europäischen Ländern. Durch regelmäßige Netzwerktreffen entsteht so eine länderüber greifende Zusammenarbeit von Jugendlichen, die die europäischen Werte vertreten und zivilgesellschaftliches Engagement beweisen. Die NA beim BIBB koordiniert dieses europaweite Netzwerk. - - In Erasmus+-Projekten wird das zusammenwachsende Europa ge lebt. Die Teilnehmenden nutzen die offenen Grenzen, arbeiten in transnationalen Projekten zusammen und profitieren von der Ex pertise ihrer Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern. Durch ihre Ergebnisse, den Kompetenzgewinn und die Beziehungen, die hier entstehen, tragen sie zur Stärkung des europäischen Zusam menhaltes bei. - - - Welche neuen Angebote gibt es? Die zunehmende Relevanz des Themas spiegelt sich auch in der Eröffnung des neuen europäischen Zentrums „SALTO Participation & Information“ in Estland wieder (s. auch S. 16 f.). Aufgabe des Zentrums ist die Stärkung von Synergien zwischen Politik, EU-Bil dungsprogrammen und der Bildungspraxis hinsichtlich „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsamer Werte und zivilgesell schaftlichen Engagements“. Es unterstützt und berät die Nationalen Agenturen bei der Entwicklung von passenden Angeboten für die Projektträger. Die Website des SALTO Zentrums gibt Überblick über Beispiele guter Praxis und bietet eine umfangreiche Toolbox mit vielseitigen Lehr- und Lernmaterialien zum Thema. - - Ab dem Jahr 2024 wird es eine neue Aktivität in der Leitaktion 1 in der Berufsbildung geben, die es Gruppen von Lernenden ermög licht, gemeinsam mit Lernenden aus mindestens einem anderen Land an verschiedenen Themen zu arbeiten, aber auch europäische Institutionen zu besuchen. Damit fördert diese Aktivität explizit po litische Bildung von Lernenden im Rahmen von Lernaufenthalten im Ausland. Detaillierte Informationen sind dem Programmleitfaden 2024 zu entnehmen. In der Leitaktion 1 in der Erwachsenenbildung gibt es diese Gruppenaktivitäten schon länger. - - Auch in der Arbeit der Nationalen Agentur beim BIBB erhält das Querschnittsthema zunehmende Bedeutung. So befindet sich der zeit eine teamübergreifende Arbeitsgruppe im Aufbau, die das vorhandene Wissen bündelt und zum Ziel hat, Antragsteller und laufende Projekte hinsichtlich dieses zentralen Themas zu unter stützen. Die neustrukturierte Themenseite „Teilhabe, gemeinsame Werte“ auf der NA-Website gibt Informationen und Anregungen, welche Bedeutung das Thema im Programm hat und auf welche Weise es in Mobilitätsprojekten und Partnerschaften aufgegriffen werden kann. Die Seite wird fortlaufend um neue Good-Prac tice-Beispiele aus der Berufs- und Erwachsenenbildung erweitert. - - - INFO: Themenseite der NA beim BIBB: www.na-bibb.de/themen/teilhabe Website des SALTO-Zentrums: https://www.salto-youth.net/rc/participation/ Teilhabe & gemeinsame Werte - TORSTEN SCHNEIDER Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Kooperationsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB Torsten.Schneider@bibb.de FREDERIK HUGO Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB hugo@bibb.de © N A b ei m B IB B KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationali sierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de http://www.na-bibb.de/themen/teilhabe https://www.salto-youth.net/rc/participation/ mailto:Torsten.Schneider@bibb.de mailto:hugo@bibb.de mailto:wilkens@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Teil des Bildungsauftrags an Berufskollegs © E U -G es ch äf ts st el le A rn sb er g Mit ihrer Initiative „Demokratie fördern in internationalen Projekten“ (DiP) un terstützt die EU-Geschäftsstelle Wirt schaft und Berufsbildung Arnsberg die Berufskollegs in ihrem Regierungsbe zirk bei der Umsetzung von internatio nalen Projekten im Bereich der Erinne rungskultur und Demokratieförderung. „Die Berufskollegs sind ideale Orte für attraktive Bildungsangebote, durch die junge Menschen demokratische Wer te, Toleranz und Weltoffenheit lernen. Diese Werte sollen in allen Fächern vermittelt werden. Zum Bildungs- und Erziehungsauftrag des Berufskollegs gehört es, diese Werte in das beruf lich-ethische Handeln der Auszubilden den zu transferieren“, erklärt Ludger Dieckmann, schulfachlicher Dezernent in Arnsberg. Um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sei es wichtig, diese Themen in die Schulent wicklung zu inkludieren. Neben der Plattform “NRW cConnect extern“, die eine Sammlung von Ressourcen wie z.B. Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellt, sind internationale Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Schulleitungen zentraler Be standteil der Initiative. Qualifizierung „Gedenkstättenpäda gogik“ An der aus vier Modulen bestehenden Quali fizierung „Gedenkstättenpädagogik“ nahmen 26 Lehrkräfte teil, um Impulse zu erhalten und methodisches Wissen für die Durchführung von internationalen Aktivitäten zur Förderung der Demokratie in der beruflichen Bildung zu erlernen. In Modul 1 und 2 tauschten sich die Teilnehmenden mit Blick auf den Status Quo zur Erinnerungskultur am eigenen Berufs kolleg aus, entwickelten Projektideen für ent sprechende Schulentwicklungsvorhaben und setzten sich mit der Verortung des Themas in Lernsituationen auseinander. Das dritte Modul beinhaltete ein einwöchiges Job-Shadowing in der Internationalen Begegnungsstätte in Oświęcim, Polen, mit Besuch des Konzentra tionslagers Auschwitz und dem Austausch mit polnischen Lehrkräften. Durch eine Aus einandersetzung mit dem historischen Ort Auschwitz-Birkenau lernten die teilneh menden Lehrkräfte z.B. die Wirkung päda gogischer Methoden zur Bewältigung der Eindrücke kennen und können diese in der Arbeit mit ihren Schülerinnen und Schülern einsetzen. Die Fortbildung endete mit dem 4. Modul, in welchem die Lehrkräfte ihre Er fahrungen in Polen fachlich auswerteten und erste Meilensteine zur Umsetzung von Aktivi täten an ihren Schulen planten. Die Fortbildung für Schulleiter/-innen fand in Kooperation mit dem Institut für Demokra tiepädagogik in Eupen, Belgien, statt. Neben einer Sensibilisierung für die Relevanz des Themas im Schulprogramm lernten die Schul leitungen mittels im Ausland erprobter Prak tiken Zugangswege für Lernende kennen, um dieses Themenfeld zu erschließen und Mög lichkeiten der Verknüpfung mit berufsspezi fischen und berufsübergreifenden Inhalten zu präzisieren. Die Berufskollegs im Regierungs bezirk Arnsberg sind mit neuen Kompetenzen ins Schuljahr 2023/2024 gestartet. Nun ist das DiP-Team sehr gespannt, welche Vorhaben zur Demokratieförderung in internationalen Projekten begleitet werden. PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2020-1-DE02-KA120-VET-000007909 Laufzeit: 01.06.2022 – 31.05.2024 Beteiligte Länder: BE, PL, DE Koordinatorin: EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufs bildung der Bezirksregierung Arnsberg (Dez. 45) - Kontakt: Andrea Stein, Andrea.Stein@bra.nrw.de Website: www.bra.nrw.de/bildung-schule/ schulformen-abschluesse/ schulformen/eu-geschaeftsstelle- fuer-wirtschaft-und-berufsbildung http://www.bra.nrw.de/bildung-schule/schulformen-abschluesse/schulformen/eu-geschaeftsstelle-fuer-wirtschaft-und-berufsbildung mailto:Andrea.Stein@bra.nrw.de 10 11 Workshop zu European Values während des interna tionalen EuroApprentices Treffens 2023 in Terceira, Portugal © N A b ei m B IB B Internationales Treffen 2017 in Köln mit EuroApprentices aus sechs Ländern © N A b ei m B IB B EuroApprentice Svenja auf dem European Youth Event 2023 in Straßburg © M ar tin S ch m id t (E ur oA pp re nt ic e) Deutsche EuroApprentices beim internationalen EuroApprentices Treffen 2022 in Prag, Tschechien © t sc he ch is ch e N at io na le A ge nt ur „ D ům z ah ra ni čn í s po lu pr ác e (D ZS ) EuroApprentice Anna mit NA-Mitarbeiterin auf der Messe „Einstieg Berlin 2022" © A nn a Ro ßb an d (E ur oA pp re nt ic e) - 10 11 Bildung für Europa | Dezember 2023 © t sc he ch is ch e N at io na le A ge nt ur „ D ům z ah ra ni čn í s po lu pr ác e (D ZS ) © N A b ei m B IB B © N A b ei m B IB B - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB Auslandserfahrungen teilen und sich für europäische Werte engagieren Internationales Treffen 2017 in Köln mit EuroApprentices aus sechs Ländern E uroApprentices sind Lernende in der Be rufsbildung, die als Botschafter/-innen von ihren eigenen Auslandserfahrungen mit Erasmus+ u.a. in Berufsschulen, auf Social-Media-Kanälen und Ausbildungs messen berichten. Sie sind zentraler Be standteil einer europäischen Initiative, die 2017 von der Nationalen Agentur beim BIBB zusammen mit fünf weiteren Ländern gegründet wurde. Diese will die Sichtbarkeit von Auslandsaufenthal ten in der Berufsbildung erhöhen. „Dieser Ansatz ist auch heute noch be deutsam, denn noch immer wissen viele Lernende in der Berufsbildung nicht, dass Auslandsaufenthalte während der Ausbildung gefördert werden“, erläutert Berthold Hübers, stellvertretender Lei ter der NA beim BIBB. „Zudem tragen EuroApprentices aktiv dazu bei, die At traktivität der Berufsbildung zu steigern: Ihre authentischen Berichte über ihre Auslandspraktika machen klar, dass die Berufsbildung international offen ist und persönliches Wachstum ermöglicht, wie es landläufig oft nur mit dem Studium verbunden wird. Aus der Arbeit mit den EuroApprentices haben wir außerdem gelernt, wie stark das Programm europä ische Identität und politische Teilhabe för dert. EuroApprentices möchten sich aktiv an der Weiterentwicklung des Programms und Europas beteiligen und andere moti vieren, ebenfalls daran mitzuwirken“, so Hübers weiter. 120 Aktive in elf Ländern EuroApprentices gibt es aktuell in elf Län dern. Diese haben sich in einer sogenann ten LTA (eine von der Europäischen Union geförderten Langzeitaktivität) zu einem europäischen Netzwerk zusammenge schlossen, welches die NA beim BIBB ko ordiniert. Ziele sind eine „Community“ von Erasmus+-Botschafterinnen und -Bot schaftern europaweit als Vorreiter eines Alumninetzwerks aufzubauen, die Euro Apprentices in ihren Kompetenzen und Fähigkeiten zu stärken und gemeinsam die Attraktivität der Berufsbildung in Euro pa zu verbessern. Derzeit beteiligen sich die Nationalen Agenturen aus Finnland, Italien, Österreich, Ostbelgien, Polen, Portu gal, Rumänien, Spanien, aus der Slowakei, der Tschechischen Republik und Deutsch land an dem Netzwerk und bilden jedes Jahr neue Erasmus+-Botschafter/-innen aus. Die aktuell 120 EuroApprentices reprä sentieren eine vielfältige Gruppe von Teil nehmenden aus den unterschiedlichsten Regionen Europas, mit ganz unterschied lichen Berufsprofilen und vielfältigen He rausforderungen. Aktivitäten der ehrenamtlich Tätigen EuroApprentices nutzen die sozialen Medien, um über ihre Erasmus+-Erfah rungen zu berichten, z.B. auf Instagram unter „MeinAuslandspraktikum“ oder auf „euroapprentices_germany“. Außerdem können EuroApprentices beispielsweise von Unternehmen, berufsbildenden Schu len und Ausbildungszentren angefragt werden, um über ihren Auslandsaufent halt zu berichten. Darüber hinaus planen sie verschiedene Aktivitäten in ihrem lo kalen oder regionalen Umfeld zur Vernet zung wie z.B. auf einer Veranstaltung ihrer zuständigen Handwerkskammer oder in ihrer ehemaligen Berufsschule. Außerdem stehen sie für Presseanfragen zur Verfü gung. Die Botschafter/-innen sind auch auf europäischer Ebene gefragt: So vertra ten sie die Initiative unter anderem beim European Youth Event 2023. In einem Pa nel, welches von der Generaldirektion für Arbeit und Beschäftigung organisiert wur de, sprach der Erasmus+-Botschafter Mar tin Schmidt über die Vorteile einer dualen Berufsausbildung, den Nutzen, während der Ausbildung mit Erasmus+ ins Ausland zu gehen, und er erläuterte, warum sein Ehrenamt als Erasmus+-Botschafter gera de in der heutigen Zeit so wichtig ist. Wie unterstützen die Nationalen Agenturen? Nach einer erfolgreichen Bewerbung oder Auswahl nehmen die EuroApprentices an einem Training oder Treffen in ihrem Land teil. Hier erfahren sie mehr über ihre Rol le als EuroApprentice und das Programm Erasmus+. Außerdem werden verschie dene Kompetenzen wie z.B. Story Telling geschult. Dann kann es losgehen! Bei der Umsetzung ihrer Aktivitäten werden sie je nach Land von ein bis zwei Mitarbeite rinnen oder Mitarbeitern der zuständigen NA unterstützt. Ein zusätzlicher Nutzen ist, dass die ehrenamtliche Tätigkeit zerti fiziert wird – eine tolle Ergänzung für den Lebenslauf, denn ehrenamtliches Engage ment hat bei Bewerbungen deutlich an Bedeutung gewonnen. Highlight: Europäische Treffen Zu den Highlights gehören die europä ischen Treffen, an denen die EuroAppren tices jährlich teilnehmen können. Diese werden abwechselnd von den beteiligten Nationalen Agenturen durchgeführt. Bis her konnten die jungen Europäer/-innen sich in Deutschland, Österreich, Malta, in der Tschechischen Republik und in Por tugal treffen. „Hier spürt man den Eras 12 13Teilhabe & gemeinsame Werte mus+-Spirit – eine Community junger Euro päer/-innen, die etwas bewegen möchte. Das europäische Netzwerk und seine Tref fen stärken nicht nur die Kompetenz der Botschafter/-innen, sondern auch ihr En gagement für diese Aufgabe. Wir freuen uns, das Treffen endlich in Helsinki ausrich ten zu können”, sagt Sari Turunen-Zwinger, Leiterin der Abteilung Internationalisierung der Berufsbildung bei Edufi, der Finnischen NA. 2024 heißt es also „Tervetuloa Euro Apprentices“ in Finnland. - - - - - INFO Profile der deutschen EuroApprentices: www.na-bibb.de/euroapprentices Informationen zum Europäischen Netzwerk: www.euroapprentices.eu Kontakt und Koordination des LTA: Kristin Wilkens, wilkens@bibb.de, Tel.: 0228 107 2913 KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Inter nationalisierung der Berufsbil dung“ in der NA beim BIBB - - © N A b ei m B IB B Gemeinsam europäische Werte stärken Warum EuroApprentices sich ehrenamtlich für Erasmus+ engagieren Martin Schmidt (hintere Reihe, 1. v. l.), Leslie Elimbi (hintere Reihe, 3. v. l.), Cindy Klink (hintere Reihe, 1. v. r.) und Svenja Naumann (vordere Reihe, 1. v. r.) beim Netzwerktreffen der EuroApprentices 2023 © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/euroapprentices http://www.euroapprentices.eu mailto:wilkens@bibb.de 12 13 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte E uroApprentices sind junge Menschen, die während ihrer Berufsausbildung mit Erasmus+ im europäischen Aus land waren und ihre dort gemachten Erfahrungen mit anderen teilen möch ten. Als ehrenamtliche Botschafte rinnen und Botschafter informieren und motivieren sie in Berufsschulen, auf Ausbildungsmessen, in Berufsin formationszentren oder einfach auf der Straße. Doch was treibt sie an? Da rüber haben wir mit vier EuroApprenti ces gesprochen. - - - - - - Martin Schmidt engagiert sich bereits seit 2018 als EuroApprentice, er ist sozusagen ein „Mann der ersten Stunde“. Der 26-jäh rige Mechatroniker im Maschinenbau hatte während seiner Ausbildung vier Wochen im englischen Portsmouth verbracht, für ein zweites Praktikum zog es ihn Ende 2019 nach Malta. Die Arbeit als EuroApprentice hält er gerade in der heutigen Zeit für wich tig, „damit die junge Generation ihren Weg in die berufliche Bildung findet“. „Passion for Profession“ und der Wunsch nach Sicht barkeit und Wahrnehmung der dualen Be rufsbildung treiben ihn an. - - - - Hinzu kommt die gesellschaftliche Dimen sion. Schmidt wörtlich: „Wir leben in einer Zeit, in der wir die Demokratie als etwas ver stehen sollten, für das es sich zu kämpfen lohnt. Zurzeit droht es manchmal ein wenig unterzugehen, welche Freiheiten und Vor teile wir aus einem geeinten Europa ziehen können.“ Schmidt lebt heute in Magdeburg und setzt sich vor allem im mittel- und ost deutschen Raum für Erasmus+ und die euro päischen Werte ein. Zum einen, weil es sei ne Heimat ist, zum anderen aber auch, weil die Idee des Programms hier seiner Ansicht nach noch stärker verankert werden müsse, auch in den Berufsschulen. Dabei möchte er vermitteln, wie sehr Erasmus+ die Qualität und die Attraktivität der beruflichen Bildung erhöhe. - - - - - - Das motiviert auch Svenja Naumann. Die Erzieherin aus dem bayerischen Landshut glaubt, „dass wir in Europa unheimlich viel voneinander lernen können, wenn wir offen und interessiert sind“. Sie erzählt gerne von ihrer Zeit in einem deutsch-französischen Kindergarten in Paris und der Entscheidung, auch das anschließende Anerkennungsjahr im Nachbarland zu absolvieren. Seit Mai 2022 ist sie als EuroApprentice ak tiv, um auch andere Azubis zu inspirieren und für einen solchen Schritt zu ermutigen. „Im erzieherischen Umfeld nutzen immer noch viel zu wenige die Chance zum Aus landsaufenthalt während der Ausbildung“, sagt sie, und ergänzt: „Vor allem die inter kulturellen Erfahrungen und die Zweispra chigkeit haben meinen Horizont enorm erweitert“. Kürzlich war die 21-Jährige in einem Vortrag, in dem es hieß: „Ich bin nicht nur Deutsche, ich bin Europäerin“. Genauso fühle sie sich auch, lächelt Naumann. - - - - Im Zeichen der Vielfalt Szenenwechsel. Leslie Elimbi ist 27 Jahre alt und arbeitet als Kauffrau für Büromanage ment beim Chemie- und Pharmakonzern Merck KGaA in Darmstadt. Dort hat sie im Januar 2021 ihre Ausbildung abgeschlossen und zuvor die Gelegenheit genutzt, für drei Monate praktische Erfahrungen bei einem Tochterunternehmen in Finnland zu sam meln. Eine Zeit, die ihr sowohl beruflich als auch privat viele neue Impulse gegeben hat. Merck habe dies sehr unterstützt, berichtet Elimbi, auch die Arbeit als ehrenamtliche EuroApprentice finde hier viel Zustimmung. Ihr selbst gehe es vor allem darum, „andere Menschen für andere Kulturen zu begeis tern, denn ich weiß aus meiner eigenen Ge schichte, wie bereichernd Vielfalt und die kulturelle Begegnung sein können“. - - - - Das erlebe sie auch bei den Treffen im Rahmen des EuroApprentices-Netzwerkes. Dazu Elimbi: „Das Tolle dabei ist für mich, wie unterschiedlich die Leute sind, die dort zusammenkommen. Wir stammen alle aus sehr verschiedenen Berufen und Umfeldern – das ist ein spannender Mix. Zu einigen EuroApprentices pflege ich auch über die re gelmäßigen Treffen hinaus einen intensiven Kontakt.“ - Während Leslie Elimbi sich erst seit wenigen Monaten als EuroApprentice engagiert, ist Cindy Klink – wie Martin Schmidt – schon seit 2018 dabei. Die 25-Jährige aus dem rheinland-pfälzischen Weinort Maring-Novi and ist seit ihrem dritten Lebensjahr taub heitsgrenzend schwerhörig und seit einigen Jahren komplett gehörlos. An ihre Ausbil dung zur Verwaltungsfachangestellten hat - - - sie ein Studium angeschlossen, sie arbeitet zudem als Deaf Performerin und Schauspie lerin. - Durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit möchte sie vor allem Menschen mit einer Behinde rung dafür begeistern, während der Ausbil dung ins Ausland zu gehen, so wie sie selbst 2017 für fünf Wochen im irischen Cork war. Klink betont: „Meine ,Behinderung‘, wie sie oft von anderen wahrgenommen wird, hat mich nie daran gehindert, das zu tun, wo für ich brenne. Im Gegenteil, sie hat mich gelehrt, Herausforderungen anzunehmen und nach Lösungen zu suchen, die mei ne Leidenschaft und Ziele unterstützen.“ Abschließend unterstreicht sie: „Als Euro Apprentice kann ich den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Inklusion und Vielfalt aktiv unterstützen. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist, eine Welt zu schaffen, in der jeder Mensch, unabhängig von seinen Un terschieden, die gleichen Chancen und den gleichen Respekt verdient.“ - - - - - - Text: Manfred Kasper im Auftrag der NA beim BIBB NUTZERBEIRAT ERASMUS+ Teilhabe hat viele Formen. So hat die NA beim BIBB mit dem Nutzerbeirat ein strukturiertes Dialogangebot an ihre Projektträger eingerichtet. Wir freuen uns, dass dieses gut an genommen wird. Die Amtszeit des aktuellen Nutzerbeirats läuft bis 2024. Er trifft sich zweimal jährlich in Bonn. Das Protokoll der letzten Sitzung vom 26.09.2023 sowie die Kontaktdaten der zehn Mitglieder aus der Berufs- und Erwachsenenbil dung finden Sie unter: - - www.na-bibb.de/ueber-uns/ nutzerbeirat http://www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat 14 15 Good Practice: #GetInvolved Förderung von Demokratie und bürgerschaft lichem Engagement in der Berufsbildung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte © A nd re a W is ot zk i Seit einigen Jahren nehmen antidemo kratische Tendenzen, unter anderem durch das Erstarken von nationalpo pulistischen Parteien, in europäischen Staaten zu. Um dem entgegen zu wirken, hat es sich das EU-Projekt „#GetInvolved“ zum Ziel gesetzt, ins besondere bei jungen Menschen im Berufsbildungssystem das demokra tische Bewusstsein zu stärken. Dabei sollen vor allem demokratische Ge staltungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, welche sich nicht nur auf die klassischen institutionalisierten For men beschränken. Zu Beginn ging die Strategische Partnerschaft unter der Koordination der QBS Gewerkstatt der Frage nach, wo dem Bereich „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement“ im Berufsbildungssystem Raum gegeben wird. Dabei hat das Projektteam, bestehend aus fünf Partnern in vier EU-Ländern, festgestellt, dass dieses Thema in der alltäglichen Praxis stark vernachlässigt wird. Im Projekt wird die se Problematik aufgegriffen, indem die Sensi bilisierung für Diskriminierung geschärft wer den soll und Methoden bereitgestellt werden, um die Erfahrung von Teilhabe entsprechend dem Konzept der Inclusive Citizenship zu er möglichen. Hierbei ist die Wertschätzung für die Perspektive der Teilnehmenden ein zen trales Element. Die Materialien richten sich da bei nicht nur an Berufsbildungseinrichtungen, sondern auch explizit an Betriebe. Materialien für Lehrende und Lernende Die erstellten Materialien bieten auf verschie denen Ebenen Methoden und Anregungen, um das Projektziel zu erreichen. In einem Train-the-Trainer-Workshop werden dem Bildungspersonal Methoden vermittelt, die sich einerseits der Sensibilisierung für Diskri minierung und Macht sowie andererseits der aktiven Teilhabe widmen. Diesen Workshop können Bildungseinrichtungen und Betriebe selbstständig mit Hilfe der Materialien orga nisieren oder bei den Projektpartnern eine Durchführung anfragen. Das Angebot be steht auch nach Projektende fort. Zur Förderung des Engagements von jungen Menschen wurde ebenfalls ein Handbuch für Schülerwettbewerbe entwickelt, das von Leh renden wie Lernenden gleichermaßen genutzt werden kann. Darüber hinaus unterstützt ein Self-Monitoring-Tool die Vermittlung einer de mokratischen Haltung in der Berufsbildung, indem unter anderem Diskriminierungspoten ziale und Machtstrukturen in Organisationen aufgezeigt werden. Zusätzlich wurde ein Konzept für eine mögliche Zertifizierung von Organisationen nach demokratischen Kom petenzen und Strukturen entwickelt. Eine Herausforderung in der Projektarbeit war es, die unterschiedlichen landesspezifischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und entsprechend bei der Produktentwicklung umzusetzen. „Im Umgang mit dem Thema Teilhabe ist die Bereitschaft zu Selbstreflexion und zum Perspektivwechsel von großer Be deutung“, betont Andrea Wisotzki, die Projekt koordinatorin. Die Partnerschaft ist derzeit be müht, das Konzept für ein „#GetInvolved“-Label in einem Folgeprojekt Wirklichkeit werden zu lassen. PROJEKTINFO Projekttitel: #GetInvolved: Supporting Democracy and Citizenship in VET Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007408 Laufzeit: 01.11.2020 – 28.02.2023 Beteiligte Länder: AT, DE, IT, PL Koordinator: QBS Gewerkstatt gGmbH, Bochum Kontakt: Andrea Wisotzki Website: https://getinvolved-project.eu/ intellectual-outputs https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2020-1-DE02- KA202-007408 https://getinvolved-project.eu/intellectual-outputs https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007408 14 15 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: KOSMO_POLIS Job Shadowings für partizipatives Lernen Teilhabe & gemeinsame Werte © w el tg ew an dt e .V . weltgewandt, das Institut für interkul turelle politische Bildung e. V. mit Sitz in Berlin-Marzahn, verfügt über ein breites Spektrum: Es lädt zu DIALOG- Cafés, Theaterprojekten, Seminaren zu wirtschaftlicher Allgemeinbildung und zur Diskussion aktueller gesellschaft licher Themen ein. In europäischen Kooperationen werden Materialien zur sozio- ökonomischen Bildung, zu Wahrnehmungen von Geschichte, Kli mawandel und ökologischen Fragen, Digitalisierung und weiteren Themen entwickelt. Die Angebote richten sich an Menschen unterschiedlichster Her kunft und verschiedener Einkommen, Lebensstile und (politischer) Auffassungen mit dem Ziel, Aufklärung, Debatte und Em powerment zu fördern, sodass Teilneh mende mitreden können und sich für Demokratie und Gemeinsinn in ihrem Umfeld engagieren. Um dieses Portfolio weiterzuentwickeln, benötigen Mitarbeitende Anregungen und geeignete Qualifizierungsangebote: Das Eras mus+-Projekt „KOSMO_POLIS“ setzt hier an und ermöglicht es, pädagogische Kompe tenzen der bei weltgewandt Mitwirkenden auszubauen. Zwei von ihnen bildeten sich beim Fremdsprachenlehren und der freien Theaterarbeit weiter. Sie erprobten während mehrwöchiger Job Shadowings neue Metho den der teilnehmerorientierten Bildungsarbeit. Lernorte: Sprachschule und Theater Bei der „Associazione di promozione sociale Asinitas Aps“ in Rom lernte Alisa Jordan eine Sprachschule für Migrantinnen und Migranten und Geflüchtete kennen, die Bildung mit sozialer Betreuung verbindet. Der intensive persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden geschieht hier auf Augenhöhe, und die Lebens- und Migra tionswege der Menschen werden in den Un terricht einbezogen. Beispielsweise werden neue Vokabeln praxisnah beim Erstellen von Einkaufslisten gelernt. Manuelle und kreative Tätigkeiten, Spiele, Tanz und Gesang sowohl im Sprachunterricht als auch in Theaterwork shops und Handarbeitskursen stimulieren das Lernen. Hinzu kommt die Begleitung zu Sozial- und Gesundheitsdiensten, Schwanger schaftskursen sowie Bildungs- und Rechts beratung. Die Zugewanderten werden moti viert, ihre Migrationserfahrung als Quelle zu betrachten, aus der sie für ihre Zukunft schöp fen können. Jordan lässt diese interaktiven, alltagsbezogenen und doch spielerischen Methoden nun in die Gestaltung der DIALOG- Cafés einfließen. Sophia Bickhardt, Leiterin von weltgewandt und Co-Trainerin von Theaterprojekten, tauchte in die Welt des professionellen The aters ein. Während ihres Job Shadowings mit der Compagnie DUANAMA in Marseille war es besonders eindrücklich, ein Stück von und mit ehemals obdachlosen Menschen zu entwickeln. Höhepunkt ihres zweiten Job Shadowings beim DAH Teatar in Belgrad war das Festival „Arts and Human Rights“. Bickhardt kam in Kontakt mit Schauspiele rinnen und Schauspielern sowie Theater macherinnen und Theatermachern. In Work shops konnte sie Methoden in Anlehnung an Jerzy Grotowski erproben: Viel Körperarbeit, konzentriert in der gesprochenen Sprache. Die Übungen regten dazu an, authentisch zu sein und so Entfremdung zu überwinden. Die Beteiligten kamen sich näher und erfuhren, wie Theater mit seinen Formen des Selbstaus drucks es erlaubt, Inhalte zur Sprache zu brin gen, die mitunter schwer sagbar sind. Die vielfältigen Anregungen durch die Job Shadowings fließen nun sukzessive in die Bil dungsarbeit von weltgewandt ein und bieten Stoff für neue Ideen und Projekte. PROJEKTINFO Projekttitel: KOSMO_POLIS Projektnummer: 2021-1-DE02-KA121-ADU-000004012 Laufzeit: 01.09.2021 – 31.08.2023 Beteiligte Länder: RS, FR, IT Koordinator: weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung e. V. Kontakt: info@weltgewandt-ev.de Website: https://weltgewandt-ev.de/kosmo_polis/ mailto:info@weltgewandt-ev.de https://weltgewandt-ev.de/kosmo_polis/ 16 17 SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte © ? ?? ?? © M ar ia V itk ov sk a/ A do be St oc k. co m SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte 16 17 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte S ie bezeichnen sich selbst als Parti zipations-Enthusiastinnen. Joana Freitas und Kelly Hrupa erforschen im SALTO Resource Centre in Tallinn, Estland, wie echte Beteiligung in den Jugendbildungsprogrammen von Erasmus+ und Europäischem Solidari tätskorps aussehen kann. Wie gelingt Beteiligung von jungen Menschen in Projekten? Joana Freitas: Es gibt drei wichtige Be dingungen. Erstens: Es reicht nicht, die Jugendlichen zur Beteiligung aufzufordern, sondern sie müssen genau informiert sein, was sie tun sollen, was das Ziel, wie der Ablauf ist. Zweitens müssen sie sich tat sächlich mit eigenen Beiträgen zum Thema beteiligen können. Ist die Sprache verständ lich? Oder ist das Setting sehr formal? Dann fühlen sie sich vielleicht nicht eingeladen, mitzureden. Drittens muss man bereit sein, Entscheidungsgewalt zu teilen. Kelly Hrupa: Außerdem muss man unbe dingt vermitteln, ob und wie Ideen umge setzt wurden - und noch wichtiger, was die Gründe sind, wenn nicht. Nichts ist schlim mer als ein Prozess, an dessen Ende das Ge fühl zurückbleibt, dass meine Stimme doch nicht zählt. Joana, Ihr Fokus ist Partizipation in der beruflichen Bildung. Lassen sich diese Prinzipien einfach übertragen? Joana Freitas: Grundsätzlich kann man sagen, Projektlernen eröffnet mehr Räume für Beteiligung als Lernen nach Lehrbuch. Deshalb bietet gerade Erasmus+ Möglich keiten, Lernende in Entscheidungen ein zubeziehen: Mit wem wollen wir koope rieren? Wie nennen wir das Projekt? Auch die Projektergebnisse selbst können von den Jugendlichen präsentiert werden. Es ist wichtig, deutlich zu machen: Deine Mei nung ist wertvoll für uns. Auch, weil die jenigen, die eine Ausbildung machen und nicht studieren, sich vielleicht nicht in dem selben Maße von der Gesellschaft wertge schätzt fühlen. In Ausbildung und Schule steht die Vermittlung von Wissen im Vorder grund. Wo finden sich Lücken für Be teiligung außerhalb von Projekten? Kelly Hrupa: Oft ist es schon die Beteili gung an Mikro-Entscheidungen, die einen Unterschied macht. Für welches Unter richtsthema man sich entscheidet beispiels weise, welches Exkursionsziel man wählt. Joana Freitas: Natürlich liegt das Ausbil dungsziel immer auf den beruflichen Fer tig- und Fähigkeiten, auch die Lernenden selbst sind auf den Arbeitsmarkt fokussiert. Aber wenn wir sie befähigen wollen, er folgreich zu sein, sollten wir die Fähigkeit, sich zu beteiligen, immer mit in den Blick nehmen. Denn wie kann jemand eine gute Mitarbeiterin sein, die nicht gelernt hat, sich einzubringen? Wie soll jemand ein wertvolles Teammitglied werden, der in der Ausbildung niemals seine Ideen formulieren sollte? Jugendbeteiligung in der Demokratie ist seit 2021 eine der horizontalen Prioritäten von Erasmus+ und ein Schwerpunkt von SALTO PI (Partici pation and Information). Wie findet sich das Thema bislang in Projekten wieder? Joana Freitas: Um dies genauer heraus zufinden, sammeln wir zurzeit für eine Be standsaufnahme europaweit Daten bei den Nationalen Agenturen (NAs). Wie viele Pro jekte mit dieser Priorität gab es? Was war der jeweilige Hauptfokus? Was sind die Er gebnisse? Kelly Hrupa: Die Ergebnisse werden wir veröffentlichen. Dieses Wissen basiert dann nicht auf zufälligen Beobachtungen, son dern auf gezielter Recherche: Wo läuft es gut, wo müssen wir besser werden? Den SALTO Ressource Centern (Support, Ad vanced Learning and Training Opportuni ties for Youth) - liegt eben dieser Gedanke der EU-Kommission zugrunde, dass es ei nen strategischen Blick auf die Jugendbil dungsprogramme braucht, für den die NAs keine Mittel haben. Joana Freitas: Wir haben einen europa weiten Überblick und können besser iden tifizieren, welche Ressourcen für ein Thema wichtig sind. Der Gesprächskanal ist aber auch in die andere Richtung offen. NAs können sich an uns wenden mit ihrem Be darf, mit Ideen, etwa für Kooperationen. Wir versuchen auch, auf Veranstaltungen zu dem Thema präsent zu sein. Wie können Sie jetzt schon denen helfen, die Partizipation zu einem Projektschwerpunkt machen wollen? Joana Freitas: Alle, die ein Partizipa tions-Projekt planen, können sich auf un serer Website informieren, wie man am bes ten vorgeht. Grundlage dafür ist die “Youth Participation Strategy”, die wir mit Experten, NAs und NGOs entwickelt haben. Es gibt ein praktisches Tool-Kit dafür auf unserer Web site https://participationpool.eu. Wenn ein Projektträger dazu arbeiten will, kann er das Projekt mithilfe des Toolkits konzi pieren. Wie etwa schafft man die richtigen Voraussetzungen für Partizipation? Zum Beispiel, indem man Hindernisse identifi ziert und beseitigt, die eine Gruppe an der Beteiligung hindern könnte, etwa Sprach barrieren. Kelly Hrupa: Für einen Projektträger kön nen sich auch die Chancen auf Förderung des Projektes erhöhen, wenn er sich in der Konzeption auf unsere Handreichung be ziehen kann. Joana Freitas: Unser Angebot richtet sich an alle, die ein Angebot zum Thema ent wickeln wollen. Auf unserer Website findet man viele Projektbeispiele. Unsere Daten bank bietet neben Studien auch praktische Tipps. Und in einem Trainingskalender kann man Fortbildungsangebote suchen. Wir sind also eine Art Partizipations-Helpline. Das Interview führte Julia Göhring im Auftrag der NA beim BIBB. INFO www.salto-youth.net/rc/participation/ https://participationpool.eu http://www.salto-youth.net/rc/participation/ 18 19 Good Practice: Wires Crossed Bürgerinnen und Bürger bekämpfen Fake News vor Ort - - - - - - - - - - - - - - - - - - © J ug en d- & K ul tu rp ro je kt e .V . Fake News, die absichtliche Verbrei tung von Falschmeldungen, stellen zunehmend eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie dar. Weltweit nutzen populistische und radikale Gruppen un terschiedlicher politischer Richtungen Falschmeldungen ganz bewusst, um Gemeinschaften zu spalten und somit Anknüpfungspunkte zur Durchsetzung ihrer politischen Agenda zu finden. Die Strategische Partnerschaft „Wires Crossed – Developing Community Media to Mitigate the Impact of Fake News“ hat sich diesem Problem gestellt. Die insgesamt sieben Part ner aus sieben Ländern entwickelten ein Rahmenwerk, um auf lokaler Ebene Fake News durch die Verbreitung echter und faktenbasierter Nachrichten zu bekämpfen. Koordiniert wurde das EU-Projekt von Ju gend- & Kulturprojekt e.V. aus Dresden. Aufbau kommunaler Bürgermedien In den Heimatstädten der beteiligten Ein richtungen wurden Menschen zu lokalen Expertinnen und Experten qualifiziert und kommunale Bürgermedien aufgebaut, die mit eigenen Inhalten Falschmeldungen entgegentreten. Zudem wurden Lehr- und Lernmaterialien entwickelt, mit denen sich der Aufbau solcher Bürgermedien unter stützen lässt und über die die dazu not wendigen Kompetenzen vermittelt werden können. Alle Materialien stehen online auf der Projektwebseite frei zur Verfügung, so dass sie auch in anderen Städten genutzt werden können. Myrto-Helena Pertsinidi, die Koordinatorin des Projektes, empfiehlt für den Aufbau von Bürgermedien, die Si tuation vor Ort zunächst zu analysieren und die Materialien dann auf die jeweiligen Be dürfnisse anzupassen. „Aus unserer Erfahrung ist es für eine er folgreiche Umsetzung besonders entschei dend, sowohl bei der Qualifizierung der Expertinnen und Experten als auch bei der Verbreitung von Nachrichten eine möglichst einfache Sprache zu nutzen, da so deutlich mehr Menschen erreicht werden können. Zudem ist es wichtig, genau die Medien zu nutzen, über die auch Falschmeldungen ihre Zielgruppen erreichen“, so ihre Emp fehlung. Für Pertsinidi ist das Thema Fake News wei terhin von Belang. Sie sieht auch in Zukunft große Herausforderungen, beispielsweise gehe es darum, attraktive Wege zu finden, mit denen sich gerade die Zielgruppen er reichen lassen, die besonders vulnerabel für Falschmeldungen sind. Jugend- & Kul turprojekt e.V. untersucht derzeit Möglich keiten des Einsatzes spielbasierter Lernma terialien mit dem Ziel, an "Wires Crossed" anzuknüpfen und junge Menschen, aber auch Seniorinnen und Senioren zu errei chen. PROJEKTINFO Projekttitel: Wires Crossed – Developing Community Media to Mitigate the Impact of Fake News Projektnummer: 2019-1-DE02-KA204-006115 Laufzeit: 01.09.2019 – 31.12.2021 Beteiligte Länder: DE, CY, IT, HR, IE, CZ, PL Koordinator: Jugend- & Kulturprojekt e.V. Kontakt: myrto.pertsinidi@jkpev.de Website: https://wirescrossed.eu/de/startseite/ Verbreitungsdatenbank: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2019-1-DE02- KA204-006115 Teilhabe & gemeinsame Werte https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA204-006115 mailto:myrto.pertsinidi@jkpev.de https://wirescrossed.eu/de/startseite/ 18 19 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Fake News und Antisemitismus Tipps im Umgang mit Desinformationen und Verschwörungserzählungen N ach den jüngsten Angriffen der Hamas auf Israel kursieren Falschmeldungen im Internet und die damit verbundenen öffentlichen Sympathiekundgebungen zeigen, dass ein befürchteter Anstieg von israelbezogenen Antisemitismus in Deutschland nicht unbegründet ist. Im Rahmen des deutschen Side-Events „Fake News & Antisemitismus. Hand lungsstrategien im Umgang mit Ver schwörungserzählungen“ während der EPALE Community Conference diskutierten die Experten Dr. Thorben Prenzel und Jan Rathje, was es für den kritischen Umgang mit Falschinforma tionen braucht. Was versteht man unter Fake News und Antisemitismus? Um zu verstehen, warum Sympathiebekun dungen für den Terrorangriff der Hamas ein Fall für den Staatsschutz sind, ist ein Grund verständnis von Antisemitismus wichtig. Rathje erklärte, dass Antisemitismus sich nicht nur gegen Juden oder deren religi ösen Stätten richte, sondern auch den israe lischen Staat als jüdisches Kollektiv betreffe. Die terroristischen Angriffe der Hamas bezeichnete er daher als israelbezogenen Antisemitismus. In Bezug auf den Angriff kursieren auch falsche Behauptungen oder bearbeitete Bilder. Fake News sind tückisch, da sie den Anschein von echten Nachrich ten vermitteln und ein besonderes Desinfor mationsrisiko darstellen bei Jüngeren und denjenigen, die Nachrichten hauptsächlich über soziale Medien konsumieren. Was verbindet diese beiden Themen? Fake News und Antisemitismus haben eines gemeinsam: die Verwendung von Ver schwörungserzählungen. Diese bieten ein fache Antworten auf komplexe Probleme und verbreiten sich rasant über soziale Me dien. Ein kritischer Umgang mit Nachrich ten und Sprache stellt daher eine wirksame Präventionsmaßnahme gegen Verschwö rungserzählungen dar. Die Erwachsenenbil dung kann dazu beitragen, demokratische Kompetenzen zu stärken und Menschen widerstandsfähiger gegenüber Verschwö rungserzählungen zu machen. Gibt es Strategien im Umgang mit Verschwörungserzählungen? Ob beim Thema Klimawandel oder wäh rend der Corona-Pandemie, laut Prenzel be gegnen Verschwörungserzählungen einem im privaten als auch öffentlichen Umfeld. Der wichtigste Schritt im Umgang damit ist: ins Gespräch kommen. Beide Exper ten waren sich einig, dass der Dialog die effektivste Strategie sei, insbesondere bei Menschen, die gar nicht oder wenig mit Verschwörungserzählungen in Berührung gekommen sind, aber anfällig dafür sind. Rathje empfahl zudem Strategien wie „Pre bunking", also die Vorbeugung, z.B. durch die Förderung von Medienkompetenz, oder „Debunking", das Widerlegen von Falsch behauptungen, z.B. durch Faktencheck. Im Fall von hartnäckigen Verschwörungsan hängern bleibe hingegen oft nur die soziale Ausgrenzung als letzter Ausweg. Welche Tipps gibt es für Gespräche in der Endlosschleife? Beim Familienessen lässt der Onkel erneut fallen, dass die „AfD die einzige Partei ist, die sich traut, Probleme offen anzuspre chen." Prenzel verdeutlichte anhand dieses Beispiels, dass jeder solche oder ähnliche Situationen kennt, in denen Gegenargu mente oft nicht ausreichen. Hier sind eini ge Tipps zu beachten: Vergessen Sie nicht, dass Sie es mit Menschen zu tun haben und Menschen Ausreden brauchen. Bedenken Sie, dass Sie selbst nicht fehlerfrei sind und reflektieren Sie Ihre eigene Position sowie mögliche Auslöser von Frustration und Är ger. Vergegenwärtigen Sie sich, dass es keine Verpflichtung gibt, Gegenargumente zu lie fern, insbesondere als Selbstschutz. Als Ausweg aus endlosen Gesprächen empfahl Prenzel die „Tripel A-Regel": Plat zieren Sie die Kernbotschaft an den An fang, erkennen Sie die Aussage des Ge sprächspartners an und liefern Sie dann Ihr Argument. Das wichtigste Element ist die Kernbotschaft, indem Sie einen prägnanten Satz wiederholen, um diesen im Gedächt nis Ihres Gesprächspartners zu verankern, beispielsweise: „Die AfD stellt gute Fragen, bietet aber keine Antworten". Die Aner kennung der Aussage des Gegenübers, ohne sofort dagegen zu argumentieren, ist entscheidend, da Behauptungen oft auf emotionaler Ebene statt auf sachlicher Basis getroffen werden. So können Sie sich aus der Rechtfertigungsschleife be freien. Erst wenn Ihre Kernbotschaft beim Gesprächspartner verankert ist, können Sie Argumente vorbringen, die gehört werden. Auf diese Weise führen Sie einen Dialog statt eines Streitgesprächs. Weitere Informationen und Beiträge zum Thema erhalten Sie in der Sonderausgabe des EPALE Ressourcen KITs: https://epale.ec.europa.eu/de/ sonder-ressourcen-kit-politische- bildung © N A b ei m B IB B NATALIA LOHMEYER leitet die Nationale Koordinierungsstelle EPALE in der NA beim BIBB lohmeyer@bibb.de https://epale.ec.europa.eu/de/sonder-ressourcen-kit-politische-bildung mailto:lohmeyer@bibb.de 20 In eigener Sache 21 - - - - - - - - - - - - - - - Europäer aus tiefer Überzeugung Anerkennung und Dank zum Ruhestand von Klaus Fahle K laus Fahle hat die NA beim BIBB seit ihrer Gründung vor 23 Jahren geleitet. Zum Jahresende 2023 geht er in Ruhestand. Als NA beim BIBB wollen wir an dieser Stelle zusammen mit unseren Auftraggebern Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und EU-Kommission sowie nationalen und europäischen Kolleginnen und Kollegen das Wirken von Klaus Fahle würdigen und Danke sagen. 2022: Anschneiden der Erasmus-Geburtstagstorte auf der Jahrestagung © N A b ei m B IB B / C hr is tia n M ey er Zahlen sind evident und Evidenz ist Klaus Fahle wichtig. Daher zu nächst ein paar Zahlen. Bei ihrer Gründung im Jahr 2000 hatte die Agentur 12 Mitarbeitende und verfügte über jährliche Programm mittel in Höhe von 9 Millionen Euro. Heute, 23 Jahre später, arbei ten über 100 Personen in der NA beim BIBB und im Rahmen der Programme stehen Fördermittel von über 120 Millionen Euro zur Verfügung. Das europäische Bildungsprogramm war im Jahr 2000 der Ausgangspunkt der Gründung der Agentur und ist bis heute ihr Raison d´Être. Nach der Gründung führte Klaus Fahle die Organisati on sehr erfolgreich durch drei Programmübergänge und richtete sie systematisch als dienstleistungs- und kundenorientierte Einrichtung aus. Aus „Leonardo da Vinci“ und „Grundtvig“ wurde zunächst das „Programm für lebenslanges Lernen“ und dann „Erasmus+“, welches sich jetzt schon in seiner zweiten Programmphase befindet. Dabei war es Klaus Fahle immer wichtig, mit dem Programm einen spür baren Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufs- und Erwachsenen bildung in Deutschland zu leisten und den gemeinsamen euro päischen Bildungsraum aktiv mitzugestalten. Das veranlasste das BMBF dazu, die Agentur ab dem Jahr 2007 auch mit der Umset zung der Leitaktion Mobilität und des Europasses zu betrauen. Wichtige weitere Schritte der Entwicklung waren die ISO-Zertifizie rung im Jahr 2009 sowie 2012 die Benennung als nationale Koordi nierungsstelle der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung und 2014 für EPALE. Seit 2017 hat die NA beim BIBB darüber hinaus das BMBF-Programm AusbildungWeltweit pilothaft entwickelt und um gesetzt. Der Zuwachs an Aufgaben verdeutlicht die hohe Wertschät zung der Auftraggeber BMBF und EU-Kommission für die Arbeit der NA beim BIBB und ihre kluge, vorausschauende und strategische Leitung durch Klaus Fahle. Jede Organisation wird stark von der Person geprägt, die ihre Grün dung umsetzt. Das gilt erst recht, wenn die Leitung einen so lan gen Zeitraum umfasst. Klaus Fahle war dabei das Wachstum an sich nicht wichtig, sondern die Möglichkeit, als überzeugter Europäer am gemeinsamen Haus Europa mitzubauen. Die Nationale Agentur beim BIBB hat von seiner innovativen Kraft, seinem Gestaltungs willen und weitgespannten Netzwerken sehr profitiert. Wir haben großen Respekt vor dieser Leistung und danken Klaus Fahle. Berthold Hübers, Stellvertretender Leiter der NA beim BIBB, im Namen aller Kolleginnen und Kollegen der Nationalen Agentur 20 21 Bildung für Europa | Dezember 2023 In eigener Sache SOPHIA ERIKSSON WATERSCHOOT Direktorin der Abteilung „Jugend, Bildung und Erasmus“ bei der EU-Kommission UTE HALLER-BLOCK Referatsleiterin „Erasmus+- Koordinierung“ bei der EU-Kommission MICHAEL TEUTSCH Referatsleiter „Schulen und Mehrsprachigkeit“ bei der EU-Kommission © E U -K om m is si on // Klaus ist ein unermüdlicher Unterstützer europäischer Ko operationen im Bereich der Berufsbildung sowie der Erwachse nenbildung. Als Direktor der Nationalen Agentur beim BIBB hat er mehr als 23 Jahre lang maßgeblich die dort angesiedelten EU-Pro gramme gestaltet. Dazu zählen Leonardo da Vinci, das Programm für lebenslanges Lernen und Erasmus+. Er verfügt ohne Zweifel über ein ausgeprägtes historisches Ge dächtnis der Programme seit ihren Anfängen, was für die Gestal tung der Zukunft von immenser Bedeutung ist. Mit einer Kombination aus beeindruckendem Wissen, Kreativität, intelligenten Ideen und einem stets pragmatischen Umsetzungs ansatz hat Klaus maßgeblich dafür gesorgt, dass die Programme in Deutschland und darüber hinaus sichtbar und attraktiv waren. Er leistete einen vorbildlichen Beitrag zum Netzwerk der Nationalen Agenturen und war immer hilfsbereit bei der Lösungsfindung; und stets behielt er dabei die Programmziele im Hinterkopf. Wir ha ben oft seinen Sinn für Humor bewundert, den selbst die größ ten Herausforderungen nicht erschüttern konnten. Wir schätzten die offenen und vertrauensvollen Begegnungen mit ihm und die starken Beziehungen, die auf der Grundlage gegenseitigen Ver trauens und Austausches entstanden. All das werden wir sicherlich vermissen, wenn er uns verlässt, um neue Abenteuer zu beginnen. Einmal Erasmus, immer Erasmus: Klaus wird ohne Zweifel auch im Ruhestand ein wichtiger Botschafter des Programms bleiben! // STEFAN SCHNEIDER MinRat, Leiter des Referats 222 „Erasmus: Internationale Zusam menarbeit in der Berufsbildung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung - - - - - - - - - - © p riv at // In den über 20 Jahren als Leiter der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung hat sich Klaus Fahle in vielfältiger Weise um die europäische Bildungszusammenarbeit verdient gemacht. Ihm ist es gelungen, ein hervor ragendes Team zu formen, das Erasmus+ und seine Vorgängerprogramme in der Erwachsenen- und beruflichen Bildung exzellent und engagiert umsetzt. Dabei hat sich Klaus Fahle nie nur als Verwalter verstanden. Er hat auch viele Initiativen ergriffen, die Instrumente der Bildungspolitik der EU in Deutschland weiter zu verbreiten durch Informationsveranstaltun gen, aber auch durch dauerhafte Unterstützungsmaßnahmen wie z.B. das Nationale Europass Center. Auch die Förde rung der außereuropäischen Mobilität in der beruflichen Bildung hat er mit AusbildungWeltweit zu seiner Sache gemacht. - - - Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung war Klaus Fahle durchweg ein überaus verlässlicher, kluger, sach kundiger Ratgeber und loyaler Unterstützer, der sich unermüdlich für das Gelingen der europäischen Zusammenarbeit in der Erwachsenenbildung und der beruflichen Bildung eingesetzt hat. Klaus Fahle kann auf sein Wirken stolz sein. Das Erasmusreferat des BMBF wünscht ihm von Herzen alles Gute! - // 22 23 ERNST GESSLBAUER Direktor Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps – OeAD Agentur für Bildung und Internationalisierung, Wien © O eA D _K lim pt // - - - - - - - - Europa braucht Menschen, die sich mit Neuem auseinandersetzen, mit anderen zu sammenarbeiten und Herausforderungen annehmen wollen. Klaus Fahle ist dafür selbst das beste Beispiel: Er denkt und überlegt immer europäisch und gemeinschaftlich, ganz besonders wenn es um Berufsbildung und Erwachsenenbildung geht. Mit seinem Gespür, immer einer Pri se Humor, wenn nötig auch Kampfesgeist, gelingt es ihm seit vielen Jahren, andere zu überzeu gen, auf den gemeinsamen Weg mitzunehmen und dadurch europäische Programme positiv mitzugestalten. - - - Klaus Fahle trägt maßgeblich dazu bei, dass viele Menschen, Unternehmen und Bildungsein richtungen aus Deutschland erfolgreich am Programm Erasmus+ teilnehmen. Und noch etwas, das mir beruflich und persönlich ganz wichtig ist: Klaus Fahle hat großen Anteil an der höchst erfolgreichen deutsch-österreichischen Zusammenarbeit in Erasmus+. Aus der gegenseitigen Wertschätzung entstand in unserem Fall persönliche Freundschaft, die mir sehr wertvoll ist. - // MIKA SAARINEN Direktor Finnische Erasmus+ Nationale Agentur Nationale Agentur für Bildung EDUFI © S at u H aa vi st o // Bei den EU-Programmtreffen in Brüssel gibt es immer einen Moment, in dem Klaus um das Wort bittet. Da weiß man dann, dass ein besonders wich tiger Punkt der Tagesordnung ansteht. Wenn man Klaus zuhört, hat man die Chance, Neues zu lernen und frische Einblicke zu gewinnen. Sehr häufig hat er es auch geschafft, einen Kompromiss zu schmieden, mit dem alle Parteien vo rankommen. Das ist Klaus: Er beteiligt sich gezielt dort, wo die wichtigen Fragen ausdiskutiert werden! - - Ich hatte das Glück, Klaus viele Jahrzehnte lang zu kennen und eng mit ihm zusammenzuarbeiten. In all den Jahren war er ein unermüdlicher Unterstützer multilateraler Kooperationen zwischen unseren europäischen Staaten und Na tionalen Agenturen, auch bildungsbereichsübergreifend. Doch sein besonderes Interesse galt natürlich der Berufsbildung und dort sind uns in den vergangenen Jahren große Fortschritte gelungen. - Klaus ist ein echter Europäer. Das heißt, er versucht immer, Probleme aus der Sicht aller Mitgliedstaaten zu betrachten, wobei ein deutscher Filter hin und wieder durchscheint. Dank seiner herausragenden EU-weiten Netzwerke und Kontakte war er einer der Eckpfeiler unserer Zusammenarbeit mit der EU-Kommission. Mit einem fröhlichen und humorvollen, jedoch stets pragmatischen Augenzwinkern meistert Klaus professionelle und soziale Begegnungen. Er verfolgt Ziele mit Di plomatie sowie Entschlossenheit und agiert dabei lösungsorientiert. Ich habe sei ne Art zu arbeiten schon oft bewundert und es gibt sicherlich niemanden in der EU-Programmgemeinschaft, der mit mehr Hingabe arbeitet. - - Wenn Klaus jetzt seinen Ruhestand antritt, zieht sich nicht nur der Direktor einer Nationalen Agentur mit der längsten Amtszeit aus dem Berufsleben zurück, son dern es tritt gemeinsam mit ihm auch viel verborgenes Wissen und Kompetenz in den Ruhestand. Und ich persönlich werde sicherlich einen wahren Freund und inspirierenden Dialogpartner in unseren künftigen Brüsseler Sitzungen vermissen. - In eigener Sache // FRAUKE MUTH Leiterin der Nationalen Agentur JUGEND für Europa © K at hr in W ei de nt P ho to gr ap hy // Obwohl ich erst seit kur zem Leiterin der Nationalen Agentur JUGEND für Europa bin, fühlt es sich so an, als hätte ich Klaus Fahle bereits recht gut kennengelernt. Das liegt sicher daran, dass Klaus ein offener und engagierter Mensch ist, der sehr klare Haltungen zu den meisten Fra gen hat. Er hat sich seine große Ex pertise über lange Zeit erarbeitet und beschäftigt sich leidenschaftlich mit Themen, die für andere außerhalb der fachlichen Reichweite lägen. Klaus ist auch ein streitbarer Mensch, im besten Sinne des Wortes. In dem knappen Jahr, in dem wir uns ken nen, gab es Situationen, in denen wir uns nicht einig waren. Ich habe seine direkte und ehrliche Art in der Debat te von Anfang an geschätzt. Zweifel an gegenseitigem Respekt und Ver trauen gab es nie. Klaus´ Expertise, sein Engagement und sein Einfluss werden in der Grup pe der NA-Direktor*innen eine Lücke hinterlassen. Auf die Angelegenhei ten, denen Klaus nun sein Wirken widmen wird, werden wir ein kleines bisschen neidisch sein. // 22 23 Bildung für Europa | Dezember 2023 DR. THOMAS SPIELKAMP Direktor der Nationalen Agentur Erasmus+ Schulbildung im PAD © P A D /M ar cu s G lo ge r // Seit 1996 bin ich im Kontext der EU-Bil dungsprogramme unterwegs; und schon damals war Klaus Fahle der Doyen der EU-Programme im Bereich der beruflichen Bildung. Über mehrere Programmge nerationen hinweg hat Klaus sich kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Programme eingebracht. Seine Beiträge im „jour fixe“ der vier deutschen NA-Leitungen waren legendär und auch in den Diskussionen unter allen europäischen Nationalen Agenturen in Brüssel mit der EU-Kommission hatte Klaus stets einen proaktiven Part. - - Wir beide haben an Schnittstellen zwischen beruflicher und allgemeiner Bildung immer konstruktiv miteinan der kooperiert und viel voneinander gelernt. Vermissen werde ich sicherlich Klaus‘ strategischen Blick auf die Dinge: Immer hatte er das Große und Ganze im Blick, aber über die Details war er auch im Bilde. Wortge wandt hat er uns auf unseren „jours fixes“ auch schon mal die höhere Politik erklärt, und unsere Gespräche waren in der Sache immer eine Bereicherung. - - Lieber Klaus, vielen Dank für die Jahrzehnte der konst ruktiven Zusammenarbeit und alles Gute für den neuen Lebensabschnitt! - // DR. STEPHAN GEIFES Direktor der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD © D A A D // Seit 36 Jahren steht Erasmus+ einschließlich seiner Vorgängerprogramme für den europäischen Aus tausch junger Menschen in Europa. Über 13 Millionen Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studie renden, aber auch Erwachsenen hat sich dadurch Euro pa erschlossen. Eine Erfolgsgeschichte! - - - Klaus Fahle hat maßgeblich Anteil an diesem Erfolg. Auf europäischer Ebene für das große Ganze und auf natio naler Ebene speziell für die Berufs- und Erwachsenenbil dung. In den letzten vier Jahren seines jahrzehntelangen unermüdlichen Engagements hatte ich das Privileg und Vergnügen, sein Kollege als Direktor einer der vier deut schen Nationalen Agenturen zu sein. Und da NA beim BIBB und NA DAAD beide im Geschäftsbereich des Bun desministeriums für Bildung und Forschung angesiedelt sind, waren die Berührungspunkte noch enger als zu den anderen Agenturen. In dieser Zeit habe ich viel von Klaus gelernt und habe seinen großen Erfahrungsschatz immer zu schätzen gewusst. Die Corona-Pandemie und der Start einer neuen Programmgeneration 2021 haben viele Anlässe zum Austausch und Vorstößen geboten. Ich habe immer gerne mit Klaus zusammengearbeitet. - - - - // 2010: Teilnahme am Firmenlauf im T-Shirt „Lebenslanges Laufen“ © p riv at 2022: Zum 35-jährigen Programmjubiläum am Steuer © N A b ei m B IB B / F ot os tu d io H eu pe l In eigener Sache 2022: Am Rednerpult © N A b ei m B IB B / C hr is tia n M ey er 24 25Erasmus+ Intelligente Stromnetze für die Zukunft Erasmus+-Projekt Smart Grid mit European Innovative Teaching Award 2023 ausgezeichnet I m Jahr 2021 verlieh die Europäische Kommission erstmals den European In novative Teaching Award (EITA). Damit würdigt sie europaweit herausragende Unterrichtspraktiken von Lehrenden und Schulen, die sich in Erasmus+-Pro jekten engagieren. In diesem Jahr stan den Impulse für Bildung und Innovation und die Einführung neuer Technologien in aktuelle Bildungssysteme im Fokus. Unter den Preisträgerinnen der Rubrik Berufliche Schule, ist die Heinrich-Ema nuel-Merck-Schule aus Darmstadt mit ihrem Projekt Smart Grid. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - © J ul ia E ss l „Mit Smart Grid wollen wir das vernetzte Denken in der Berufsbildung fördern und unseren Auszubildenden Handlungskom petenzen für die Herausforderungen der Zukunft vermitteln“, berichtet Dr. Gerald Hubacek, stellvertretender Leiter der Darm städter Schule für Elektro- und Informa tionstechnik. Von 2018 bis 2021 haben er und sein Team in einer Strategischen Partnerschaft zusammen mit Institutionen aus Österreich, Italien und Tschechien ein Ausbildungskonzept entwickelt, das tech nologieorientierte berufliche Kompetenzen in den Lernfeldern Energieerzeugung, -ver teilung und -umwandlung stärkt. Beson ders nachhaltig dabei: Die Erasmus+-Part nerschaft mündete in ein transnationales Bildungsnetzwerk, das sich der Verbreitung des Smart Grid-Ansatzes auch über das Pro jektende hinaus widmet. Smart Grids unterstützen die Energie wende Ein Smart Grid, auf Deutsch intelligentes Stromnetz, steuert auf Basis von innova tiven Technologien und Kommunikations systemen die optimale Energieversorgung. Dabei wird der Energiefluss über einen Al gorithmus clever und smart gesteuert. Auf diese Weise unterstützen Smart Grids den Übergang zu einer nachhaltigen und zuver lässigen Energieversorgung – sie sind von elementarer Bedeutung für das Gelingen der Energiewende. Mit Blick auf die Berufsbildung erfordert der vernetzte technologische Ansatz neue Denk- und Arbeitsweisen in den Fachge bieten Elektro- und Informationstechnik. „Wir sind sicher ein Stück weit Vorreiter, indem wir bestehende Berufsbilder zusam menbringen und Prozesse abbilden, die gerade in den klima- und energierelevanten Arbeitsfeldern richtungsweisend sind“, un terstreicht Hubacek. Den internationalen Austausch hält er dabei auch deshalb für wichtig, weil er es ermögliche, über den eigenen Tellerrand zu blicken und stets am Puls der Zeit zu sein. Hubacek wörtlich: „Wir haben festgestellt, dass in Italien und Tschechien bereits digitale Leistungsmesser (Smart Meter) in den Haushalten installiert sind, während bei uns noch die analogen zum Einsatz kommen. Entsprechend konn ten wir sehr viel voneinander lernen und gemeinsam innovative Zukunftskonzepte entwickeln.“ Lernende spielen aktive Rolle Im Unterricht möchten die beteiligten Schulen mit dem Projekt neue Wege beschreiten. Dazu entwickelten sie modulare Lernbausteine, die neben der Vermittlung der Inhalte und der Vertiefung des vorhandenen Wissens auch zum selbstgesteuerten und selbstorganisier ten Lernen anregen. „Uns war es von Beginn an wichtig, dass die Lernenden eine aktive Rolle spielen, um sie bestmöglich auf zu künftige Anforderungen im europäischen Energiesektor vorzubereiten“, so Hubacek. „Sie erhalten eine berufliche Kompetenzen fördernde Aufgabe, bei der sie die Lern schritte selbst ableiten und planen. Die Lehr kraft oder die Ausbilderinnen und Ausbilder fungieren dabei eher als Berater/-innen und Lernpartner/-innen.“ Bei der Entwicklung der Lernmaterialien konnten die Projektakteure auf eine gewach sene und vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen aufbauen. Dazu Hubacek: „Wir hatten schon zuvor Projekte erfolgreich miteinander realisiert und sind daher aufeinander eingespielt. Unser gemeinsames Ziel in Smart Grid war es, in internationaler Zusammenarbeit ei nen Mehrwert für die Bildungsprozesse in den jeweiligen Ländern zu generieren. Das gilt sowohl in technischer und fachlich-di daktischer Hinsicht als auch bezüglich eu ropäischer Werte wie Demokratie, Frieden und den europäischen Einheitsgedanken. Diesen Gedanken wollen wir über die beruf liche Bildung auch in unsere Lernprozesse transportieren.“ Materialien stehen zur Verfügung Um die Ergebnisse von Smart Grid in den Unterricht der Berufsschulen zu implemen tieren, waren von Beginn an Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Auszu bildende in die Projektarbeit eingebunden. Die Resultate wurden im Kontext von Ver anstaltungen auch der Fachöffentlichkeit und anderen Akteuren der beruflichen Bil dung präsentiert und stehen als Download auf der Projektwebsite zur Verfügung. Die Preisverleihung durch die NA beim BIBB erfolgte am 7. November 2023 in Darm stadt. Ende November wurden die sieg reichen EITA-Projekte zudem im Rahmen eines europäischen Netzwerkevents bei der Europäischen Kommission in Brüssel vorge stellt. Manfred Kasper im Auftrag der NA Kontakt: Gerhard Hubacek hck@hems.de Website: https://leonardo-projekt.eu/ index.php/projects/smart-grid- intelligente-stromnetze-4-0/ mailto:hck@hems.de https://leonardo-projekt.eu/index.php/projects/smart-grid-intelligente-stromnetze-4-0/ 24 25 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - Neue Kriterien für Kooperations partnerschaften Prüfung der operationalen Leistungs fähigkeit von Antragstellern E in Wesensmerkmal der Partnerschaftspro jekte (Leitaktion 2) im Programm Eras mus+ ist die Erstellung hochqualitativer Ergebnisse. Die im Projektverlauf er stellten und implementierten Produkte wiederum wirken positiv zurück auf das Leistungsportfolio und die Außen wahrnehmung der teilnehmenden Or ganisationen. Diese Wirkungsdynamik wurde sowohl in eigenen Befragungen als auch in externen Analysen des Vor läuferprogramms bestätigt. In der aktuellen Programmgeneration mit ihrem tendenziell geringeren Entwick lungs- und Managementaufwand bei ver einfachten Finanzierungsregeln durch das eingeführte Pauschalsatz-Modell hat sich ab 2021 ein deutlicher Verdichtungsprozess unter den Akteuren in der Leitaktion 2 ent wickelt. Diese Entwicklung setzte sich im Jahr 2023 auf höherem Niveau fort: Europaweit finden sich heute in über 75 Prozent aller Ko operationsprojekte hochaktive Einrichtungen mit extrem vielen parallelen Projektvorhaben als Koordinator oder Projektpartner. - - - - Der Europäischen Kommission und den Na tionalen Agenturen stellt sich in dieser Si tuation die Frage, ob weiterhin die „alte“ Wirkungsdynamik gilt, wenn Einrichtungen 20, 50, 100 oder 150 Projekte gleichzeitig durchführen. Durch sogenannte „Opera tional Capacity Checks“ soll sichergestellt werden, dass die Leistungsfähigkeit der Organisation einer Durchführung von meh reren parallelen Vorhaben angemessen ist und sich keine Einrichtung mit der Imple mentierung und dem Management von Partnerschaftsprojekten übernimmt. Nach europaweiten Diskussionen im Jahr 2023 haben wir uns für eine neue und einheit liche Strategie entschieden, die ab dem An tragsjahr 2024 umgesetzt werden wird. - - - - - - - Neue Strategie ab 2024 Alle Einrichtungen in der Leitaktion 2, die drei oder mehr Anträge für eine Koopera tionspartnerschaft einreichen, werden im Nachgang der Antragstellung aufgefordert werden, zusätzliche Informationen zur ope rationalen Leistungsfähigkeit ihrer Organi sation einzureichen. Diese Nachfragen kön nen sich auf unterschiedliche Dimensionen operationaler Kapazität beziehen, also bei spielsweise auf Angaben zu Mitarbeitenden in der Einrichtung und deren Profilen und Vertragsverhältnissen, auf Fragen zu frühe ren Projekten und deren Ergebnissen, auf Fragen zur Passung zwischen antragstellen der Einrichtung und beantragtem Vorha ben, aber auch auf Fragen zur finanziellen Einordnung des beantragten Projekts in den Gesamthaushalt des Antragstellers. - - - - - - - - Nach der Bewertung der eingereichten Un terlagen werden die Anträge dann entwe der in die Begutachtung weitergeleitet oder ggf. auch abgelehnt, falls die Prüfungen der Nationalen Agentur zu negativen Ergebnis sen führen, also z.B. die Leistungsfähigkeit der Einrichtung in Relation zur Anzahl der eingereichten Anträge nicht angemessen scheint oder die Ergebnisse in den einzel nen Dimensionen nicht zueinander passen. Idealerweise fügen sich die unterschied lichen Dimensionen in ein plausibles Ge samtbild von antragstellender Einrichtung und vorliegendem Projektvorhaben ein. Die NA beim BIBB versteht diese Überprüfung der Leistungsfähigkeit als Merkmal der Qua litätssicherung, denn die antragstellende Einrichtung verspricht mit ihrer Einreichung, dass sie über die professionelle Eignung zur Durchführung des Vorhabens verfügt. Und dies soll von jenen Antragstellern, die mehrere Anträge einreichen, nachgewiesen werden. - - - - - - - Die Europäische Kommission hat 2023 ag gregierte Daten zur Verfügung gestellt, die die Beteiligungen von Einrichtungen in ganz Europa und in jeglicher Rolle sichtbar machen. Zudem berücksichtigen die Da tenbanken auch zunehmend Vorhaben, die - - zwar eingereicht werden, aufgrund qua litativer Mängel jedoch nicht in Förderung genommen werden. Sollten die jeweiligen Anstrengungen der Nationalen Agenturen zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen, so kann die Tendenz ggf. abgewendet wer den, von vornherein nur noch eine geringe Anzahl an Anträgen je Einrichtung zuzu lassen. In der Leitaktion 2 bei den kleine ren Partnerschaften wird für das Jahr 2024 schon eine Grenze eingezogen werden, in dem pro Organisation nur noch ein Antrag eingereicht werden darf; Ähnliches wird im Augenblick auch für die Kooperationspart nerschaften diskutiert. - - - - - - In der NA beim BIBB wird eine solch starre Reglementierung nicht unbedingt präfe riert. Prinzipiell sollen die besten Anträge von den am besten geeigneten Projekt trägern genehmigt werden. Die Leitaktion 2 im Programm Erasmus+ erlebt seit 2021 je doch einen sehr starken Sog und zieht auch Antragsteller an, deren Priorität auf einer hohen Zahl von Einreichungen zu liegen scheint und nicht auf Exzellenz des einzel nen Vorhabens. Dies kann programmseitig kaum als Erfolgsstrategie gelten und des halb wird die NA beim BIBB ab dem kom menden Jahr diese Prüfungen sehr ernst haft durchführen. - - - - - - - - - JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB Erasmus+ © N A b ei m B IB B 26 27Erasmus+ © S tr el ci uc /A do be st oc k. co m 26 27 Bildung für Europa | Dezember 2023 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Partnerschaften stark nachgefragt – neuer Rekord in der Erwachsenenbildung Erasmus+ D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 13.11.2023 wieder. Im Vorgängerjour nal hatten wir ausführlich über die (erste) Antragsrunde des Jahres 2023 im Bereich der Mobilität (Leitaktion 1) berichtet. Daher konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2). - Nicht eingegangen wird dabei auf die zweite Antragsrunde. Zwar konnten zum 04.10.2023 erneut kleinere Partnerschaf ten beantragt werden, aber hierzu liegen noch keine Förderentscheidungen vor. Zur gleichen Frist konnten auch nochmals Mo bilitäten für Einzelpersonen in der Erwach senenbildung beantragt werden. Darüber ebenso wie über die neue Akkreditierungs runde (Frist 19.10.2023) berichten wir im Rahmen unserer Jahresstatistik. - - - - Berufsbildung Partnerschaften Im Bereich der Berufsbildung wurden in der ersten Antragsrunde 2023 191 Projekt anträge für Partnerschaften eingereicht. Ins gesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 45,01 Millionen Euro beantragt. Davon ver teilen sich 46 Anträge auf die kleineren Part nerschaften mit 2,9 Millionen Euro und 145 Anträge auf die Kooperationspartnerschaf ten mit 42,37 Millionen Euro. - - - - - Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Stei gerung der Antragszahlen von 66 Prozent (2022: 115 Anträge), den größten Zuwachs gab es im Bereich der Kooperationspartner schaften. - - 58 Projekte erhielten eine Förderzusage, wobei 37 Kooperationspartnerschaften mit einem Fördervolumen von 11,8 Millionen Euro und 21 kleinere Partnerschaften mit 1,23 Millionen Euro bewilligt wurden. In annähernd der Hälfte aller Anträge 2023 wurde die Fördersumme von 250.000 Euro gewählt. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand Kooperationspartnerschaften über 400.000 Euro und kleinere Partnerschaften mit einer Fördersumme von 60.000 Euro. Wie bereits im letzten Jahr wurden nur ver einzelt die Pauschalsummen 120.000 Euro oder 30.000 Euro beantragt. - Am häufigsten wurden die berufsbildungs spezifischen Prioritäten „Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“ adressiert. An dritter Stelle folgt mit „Bewältigung des digitalen Wandels durch Aufbau von digi taler Bereitschaft, Widerstandsfähigkeit und Kapazität“ die erste horizontale Priorität. - - Erwachsenenbildung Partnerschaften Einrichtungen der Erwachsenenbildung ha ben zur ersten Antragsrunde 2023 insge samt 278 Anträge eingereicht – so viele wie noch nie zuvor. Diese verteilten sich auf die Kooperationspartnerschaften mit 179 und auf die kleineren Partnerschaften mit 99 Anträgen. Die Zahl der Anträge zur ersten Antragsrunde war damit deutlich höher als in den beiden Runden 2022 zusammen und stellt eine Steigerung von über 85 Prozent im Vergleich zur ersten Runde 2022 dar. Eindeutig erklären lässt sich diese enorme Steigerung nicht; möglicherweise hängt sie mit einer gestiegenen Popularität des Pro gramms oder mit einem Motivationsschub nach der Corona-Pandemie zusammen. - - - Durch die hohen Antragszahlen und den damit verbundenen größeren Aufwand, die Anträge inhaltlich zu bewerten, verlängerte sich der Begutachtungszeitraum, so dass erst Ende August die Förderentscheidung fallen konnte. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget können nun 19 Kooperationspart nerschaften mit einem Fördervolumen von 6,1 Millionen Euro und 32 kleinere Partner schaften mit einem Budget von knapp 1,9 Millionen Euro gefördert werden. Da das zur Verfügung stehende Budget im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen ist und gleich zeitig keine Restmittel aus anderen Aktionen umgewidmet werden konnten, fällt die Förderquote in dieser Runde entsprechend niedrig aus: nur circa 10 Prozent bei den Ko operationspartnerschaften und rund 32 Pro zent bei den kleineren Partnerschaften. - - - - - Bezüglich der in den Projekten angespro chenen Themen lagen bei den Anträgen Inklusion, digitale Kompetenzen sowie Um welt und Klimawandel auf den ersten drei Plätzen. Dies spiegelt sich im Großen und Ganzen auch in der Wahl der Prioritäten wi der: Am häufigsten wurden Projekte mit der horizontalen Priorität „Inklusion und Vielfalt“ eingereicht, gefolgt von der erwachsenenbil dungsspezifischen Priorität „Kompetenzen von Pädagogen“ und den horizontalen Prio ritäten „Gemeinsame Werte“ und „Digitaler Wandel“. - - - - - Partnerschaften: Erste Antragsrunde 2022 und 2023 im Vergleich 2022 2023 B er u fs b ild u n g 115 Anträge + 66% 191 Anträge Er w ac h se n en b ild u n g 149 Anträge + 87% 278 Anträge 28 Weitere Themen 29 Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen So werden Auslandsaufenthalte für Azubis möglich - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Z u Beginn des Ausbildungsjahres 2023 startete die NA beim BIBB das neue Service-Portal www.Auslandsberatung- Ausbildung.de und ergänzt damit ihr Informations- und Beratungsangebot rund um Auslandsaufenthalte während der Ausbildung. Das Portal richtet sich an Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist eine attraktive und leistungsfähige Aus bildung für Unternehmen ein wichtiger Baustein. So sollen engagierte Schulabgän ger/-innen für den Betrieb begeistert und auch langfristig gehalten werden. Auslands aufenthalte während der Ausbildung sind ein klarer Wettbewerbsvorteil für Unterneh men, die Auslandsqualifikationen für ihren Nachwuchs anbieten. Für die Umsetzung von Auslandsaufent halten kommt den ausbildungsverantwort lichen Personen in den berufsbildenden Ein richtungen und Lernorten eine bedeutende Rolle zu: An den Schlüsselpositionen ent wickeln sie neue Angebote und motivieren Auszubildende, diese Möglichkeiten für ihre Entwicklung zu nutzen. Denn Auslandsauf enthalte in der Berufsausbildung sind immer noch nicht so selbstverständlich wie in an deren Bildungsbereichen. Ziel: Zahl der Azubis mit Auslandser fahrung erhöhen Die Europäische Union – damit auch Deutschland – hat sich zum Ziel gesetzt, die Quote von Auszubildenden mit Auslands praxis bis zum Jahr 2025 auf acht Prozent zu erhöhen. Die vom Deutschen Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission „Beruf liche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ hatte in ihrem im Juni 2021 veröffentlichten Abschlussbericht sogar eine Quote von 20 Prozent bis zum Jahr 2030 vorgeschlagen. Das Bundesministerium für Bildung und For schung hat diese Richtung im Rahmen seiner Exzellenzinitiative Berufliche Bildung aufge griffen und will noch mehr Auszubildende für einen Auslandsaufenthalt begeistern. Hierbei unterstützt das neue Service-Portal. Die „Möglichmacher/-innen“ von Auslands aufenthalten finden dort einen Überblick über die Chancen, Rahmenbedingungen und konkrete Planungsschritte für die Pra xis. Der integrierte Stipendienfinder bündelt alle Förderprogramme, die Auslandsauf enthalte in der Berufsbildung finanzieren. Zudem berichten Berufsbildungsvertre ter/-innen, die von Lernaufenthalten im Ausland überzeugt sind, aus ihrer Perspek tive zum Mehrwert von Auslandsaufenthal ten und geben Tipps für die Organisation. Doch nicht nur Auszubildende können von Auslandsaufenthalten profitieren. Auch Ausbilderinnen, Ausbilder sowie Lehrkräf te beruflicher Schulen können ins Ausland gehen und sich dort für ihre Ausbildungs tätigkeit und ihre internationale Arbeit wei terbilden. Zu diesen Angeboten und über Möglichkeiten, wie Ausbildungseinrich tungen Auslandsaufenthalte strategisch ein setzen können, informiert das neue Portal ebenfalls. Auslandsberatung-Ausbildung.de ist ein kostenfreies und unabhängiges An gebot und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Auszubildende sowie Schülerinnen und Schüler berufsbildender Schulen finden wei terhin alle Informationen rund um Auslands aufenthalte während der Ausbildung auf dem Portal MeinAuslandspraktikum.de und den dazugehörigen Kanälen @meinauslands- praktikum auf Instagram und YouTube. - - INFO www.Auslandsberatung-Ausbildung.de Beratung: 0228 107 1566 Auslandsberatung-Ausbildung@bibb.de THERESA MAYERHÖFFER Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Beratungsservice für Aus landsaufenthalte in der Ausbil dung in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de mailto:Auslandsberatung-Ausbildung@bibb.de 28 29 Bildung für Europa | Dezember 2023 Europäische Agenda Erwachsenenbildung Aufbruch in die achte Förderperiode 2024 bis 2025 Weitere Themen D ie Europäische Agenda Erwachsenenbildung (2021-2030) ist ein Schlüsselelement der europäischen Bildungsstrategie und zielt darauf ab, Bildung im Erwachsenenalter zu fördern und Lernmöglichkeiten für alle Bür gerinnen und Bürger zu verbessern. An der Umsetzung in Deutschland arbeiten wir, die Nationale Koordinierungsstelle für die Euro päische Agenda Erwachsenenbildung, auch in der achten Förderperiode, d.h. von 2024 bis 2025. - - Für Veranstaltungen und Vernetzungen in der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung haben wir folgende drei Pri oritäten festgelegt: - Grüner und digitaler Wandel In Anknüpfung an die Fachveranstaltung zum Thema Bildung für nachhaltige Ent wicklung (s. S. 31) soll hier der Austausch in der Umweltgrundbildung verstärkt wer den. Für den Bereich digitale Transformation möchten wir die entstandene Vernetzung zum Thema Qualifizierung von Bildungsper sonal zur digitalen Bildung älterer Menschen fortführen und intensivieren. Die Konzeption von weiteren Veranstaltungen zu aktuellen Themen der Digitalisierung von nationaler oder europäischer Ebene ist möglich. - - - Innovative Lernumgebungen Das Thema innovative Lernorte soll vor allem mit Fokus auf die Zielgruppe der er wachsenen Lernenden mit niedriger Weiter bildungsbeteiligung umgesetzt und aktuelle erfolgreiche Beispiele von europäischer Ebe ne vorgestellt werden. - - - Förderung der Sichtbarkeit des Eu ropäischen Jahres der Kompetenzen im Rahmen der Nationalen Weiterbil dungsstrategie - - Die bisherige Fokussierung auf das Thema Life Skills planen wir mit der Erweiterung Future Skills fortzuführen. Hierbei handelt es sich um bereichsübergreifende Kompe tenzen, wie z.B. Kreativität, Problemlösungs kompetenz usw. Mit der Weiterentwicklung der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) möchten wir die Konzepte zu Schlüsselkom petenzen und Future Skills intensiver disku tieren und mit Blick auf ihre Anschlussfähig keit zur beruflichen und berufsbezogenen Weiterbildung überprüfen. Ein Beispiel für Future Skills ist die Demokratiekompetenz, die thematisch in Veranstaltungen einge bunden werden soll. Unser Ziel ist es, das European Year of Skills und die Rolle der all gemeinen Erwachsenenbildung in Deutsch land sichtbarer zu machen. - - - - - - - - Kooperationsmöglichkeiten für Sie Für neue Kooperationen und Veranstaltungs ideen zu den Schwerpunktthemen der eu ropäischen Agenda Erwachsenenbildung ist die Nationale Koordinierungsstelle immer offen. Dies gilt sowohl für Themen der be ruflichen Weiterbildung wie der allgemeinen Erwachsenenbildung. Wir laden Sie daher ein, die Umsetzung der Themenauswahl durch Ihre Beiträge aktiv mitzugestalten! - - - „Mission possible: Neue Wege politischer Erwachsenenbil dung“ - Was sind die aktuellen Entwicklungen und Debatten in der politischen Er wachsenenbildung? Und welche Rolle spielt Europa dabei? - In Kooperation mit Transfer für Bildung e.V. / Fachstelle politische Bildung – Transversalen hat eine Konferenz im Juni 2023 zu neuen Wegen politischer Erwachsenenbildung stattgefunden. U.a. wurde dort die Beteiligung an einem erweiterten europäischen Transformationsprozess diskutiert. Der Journalist und Schriftsteller Jürgen Wiebicke betonte, dass Erfahrungsräu me von Selbstwirksamkeit geschaffen werden müssten, in denen Menschen erleben können, dass sie Zusammen leben mitgestalten können. Wiebicke bezeichnete sie als „gute Orte“. Bezo gen auf Europa heißt das auch, dass es in der politischen Erwachsenenbildung neuer Kooperationen und Formate be darf, die Europa erlebbar machen. - - - - Veranstaltungsdokumentation: www.agenda-erwachsenenbil dung.de/Veranstaltungsdoku mentationen SIMONE KAUFHOLD Koordinatorin der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung in der NA beim BIBB kaufhold@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/Veranstaltungsdokumentationen mailto:kaufhold@bibb.de 30 31 Infosplitter - - - - - Infosplitter EUROPÄISCHE UNION Du möchtest auch dabei sein? www.na-bibb.de Infos zu Fördermöglichkeiten in der Berufs- und Erwachsenenbildung gibts hier. Gleich scannen und dabei sein! Wir sind Teil der Community! © T ur ka n Ra hi m li & ro yy im zy /A do be St oc k | D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ © N A b ei m B IB B Das Erasmus+-Projekt CorEdu sensibilisiert Auszubildende im Schneiderhandwerk sowie in der Mode- und Textilindustrie für die Herausforderungen und Chancen nachhaltigen Handelns. Das Thema Nachhaltigkeit wird dabei nicht nur in Workshops, sondern auch bei Auslandsaufenthalten behandelt. Die NA beim BIBB hat angehende Maßschneiderinnen sowohl in Leipzig als auch in Vicenza, Italien, mit der Kamera begleitet. Der Film „Geschickt eingefädelt – Nachhaltige Auslandspraktika für angehende Maßschneiderinnen“ ist online abrufbar: @nationaleagenturbildungfur3652 Poster „Wir sind Teil der Erasmus+ Community“ Passend zum Schwerpunktthema ist diesem Journal ein Poster beigelegt, mit dem Sie Ihre Beteiligung am europäischen Bil dungsprogramm nach außen kommunizieren und dafür werben können. Bei Bedarf können zusätzliche Poster über unsere Website angefordert werden. Sprechen Sie uns an, falls Sie die Druckvorlage nutzen und Ihr eigenes Logo ergänzen wollen. www.na-bibb.de/publikationen Flyer in Leichter Sprache Bereits seit Juni 2021 gibt es den Azubi-Flyer „Ein echter Gewinn für deine Ausbildung“. Dieser wirbt für Auslandsaufenthalte während der Ausbildung und beschreibt die Fördermöglichkeiten im Rahmen von Erasmus+. Er wurde jetzt in Leichte Sprache übertra gen. Unter dem Titel „Ein Vorteil für deine Berufs-Aus bildung“ liegt der Flyer als barrierefreie PDF und dem nächst als Printprodukt vor. www.na-bibb.de/publikationen Termin vormerken: Europawahl 2024 steht zum zehnten Mal die Wahl des Europäischen Parlaments an. Alle Bürge rinnen und Bürger der Europäischen Union sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Erstmals können auch Unionsbürgerinnen und -bürger wählen, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben. In Deutschland findet die Wahl am 9. Juni 2024 statt. https://elections.europa.eu/de/ https://elections.europa.eu/de/ http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.na-bibb.de/publikationen https://www.youtube.com/@nationaleagenturbildungfur3652 30 31 Bildung für Europa | Dezember 2023 Datenbank Europass Mobilität: Neue Video-Tutorials Wie lassen sich Daten aus dem Mobility Tool und Beneficiary Modul in die Europässe Mobilität importieren? Wie können in der Datenbank Teilnehmendenverträge erzeugt werden? Das Nationale Europass Center hat neue Video-Tutorials zu häufigen Fragen rund um die Beantragung und Erstellung des Mobilitätsnachweises erstellt. Insgesamt bietet die Videohilfe in der Datenbank jetzt zehn Videotutorials. https://de.europass-db.com/de/europass-mobilitaet-login.asp (Menüpunkt Videohilfe) So nutzen Sie EPALE für Ihr Projekt EPALE ist mit mehr als 100.000 Mitgliedern die größte Online-Community in Europa, die sich speziell an Menschen richtet, die in der Erwachsenen- und Weiterbildung tätig sind. Die Plattform bietet Ihnen vielfältige Möglichkeiten, sich und Ihre Projekte in ternational zu präsentieren und durch den gesamten Projektzyklus hindurch sichtbar zu machen. - Entdecken Sie die neue EPALE Matrix als interaktives Online-Dokument mit weiter führenden Informationen, Tipps und Tricks. - https://epale.ec.europa.eu/de/ resource-centre/content/so- nutzen-sie-epale-fuer-ihr-projekt Weiterbildungssuche jetzt mit Ange boten aus Deutschland - Lernende aus ganz Europa können im Eu ropass-Portal nach Weiterbildungen und Kursen suchen. Im Oktober 2023 wurden auch die Angebote aus Kursnet, dem Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesa gentur für Arbeit, an Europass übertragen. Somit können Nutzer/-innen nun nach Weiterbildungsangeboten in insgesamt 20 europäischen Ländern im Europass-Portal recherchieren. Die Kurssuche ist aktuell noch im Aufbau und wird laufend ergänzt. - - https://europa.eu/europass/ eportfolio/screen/course?lang=de „Vom Wissen ins Tun: Wie kann Europäische Erwachsenenbildung zum nachhaltigen Handeln aktivieren?" Unterstützung für Bildungsverantwortliche und Erwachsenenbildungsinstitutionen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft stand im Mittelpunkt der Fachver anstaltung von Erasmus+ Erwachsenenbildung, EPALE und der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung. Spannende Inputs u.a. von Lea Dohm (Psychologists for Future) können Sie sich noch einmal als Video anschauen. - www.agenda-erwachsenenbildung.de/ Veranstaltungsdokumentationen - - Neues EPALE Ressourcen-KIT Diskriminierung, Migration und Klimawandel - solch einschneidende Lebensereignisse oder belastende Lebensumstände erzeugen Stress. Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, aus eigener Kraft handlungsfähig zu sein und Krisen zu meistern. Entdecken Sie im neuen Ressourcen-KIT einen umfassenden Über blick über Beiträge auf EPALE zum Thema Selbstwirksamkeit und erfahren Sie, was die Erwachsenenbildung beitragen kann. - https://epale.ec.europa.eu/ de/blog/epale-deutschland- ressourcen-kits Infosplitter Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ Deutschland Europäisches Jahr der Kompetenzen Noch bis Mai 2024 steht europaweit die Förderung der Aus- und Weiterbildung im Fokus. Das Europäische Jahr der Kompetenzen adressiert den Fachkräftemangel und un terstützt Menschen dabei, ihre Kompetenzen auf die Arbeitsmarkterfordernisse auszu richten. Sie möchten sich beteiligen? Besuchen Sie die offizielle Kampagnen-Webseite: https://year-of-skills.europa.eu https://epale.ec.europa.eu/de/resource-centre/content/so-nutzen-sie-epale-fuer-ihr-projekt https://europa.eu/europass/eportfolio/screen/course?lang=de http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/Veranstaltungsdokumentationen https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-ressourcen-kits https://de.europass-db.com/de/europass-mobilitaet-login.asp https://year-of-skills.europa.eu Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Hochschulbil dung, Sport (Personal) - - > 20.02.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA nur Bereich Jugend 20.02.2024 01.10.2024 jeweils 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend > > Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften 05.03.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA im Bereich Sport 05.03.2024, 17:00 Uhr NA Jugend NA Jugend Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbil dung, Erwachsenenbildung und Jugend - > 05.03.2024 01.10.2024 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA im Bereich Sport 05.03.2024, 17:00 Uhr NA Jugend NA Jugend : - Zentren der beruflichen Exzellenz 07.05.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Innovationsallianzen 07.03.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Kapazitätsaufbau im Bereich berufliche Bildung 29.02.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Wichtige Internet-Adressen Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Infor mationsstand (28.11.2023). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A07/2023. AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 15.02.2024 für Aufenthalte zwischen Juni 2024 und Mai 2025 http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu https://education.ec.europa.eu/de https://twitter.com/nabibb_de https://twitter.com/EUEB_de https://www.instagram.com/meinauslandspraktikum/?hl=de Bildung für Europa 38 Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Titel & Inhaltsverzeichnis (Seite 5) Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Wachsende Bedeutung für die Projektpraxis Heterogenes Feld an Themen und Zielgruppen Welche neuen Angebote gibt es? Info Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Qualifizierung „Gedenkstättenpädagogik“ Projektinfo EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB 120 Aktive in elf Ländern Aktivitäten der ehrenamtlich Tätigen Wie unterstützen die Nationalen Agenturen? Highlight: Europäische Treffen Info Gemeinsam europäische Werte stärken Im Zeichen der Vielfalt Nutzerbeirat Erasmus+ Good Practice: #GetInvolved Materialien für Lehrende und Lernende Projektinfo Good Practice: KOSMO_POLIS Lernorte: Sprachschule und Theater Projektinfo SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte Info Good Practice: Wires Crossed Aufbau kommunaler Bürgermedien Projektinfo Fake News und Antisemitismus Was versteht man unter Fake News und Antisemitismus? Was verbindet diese beiden Themen? Gibt es Strategien im Umgang mit Verschwörungserzählungen? Welche Tipps gibt es für Gespräche in der Endlosschleife? In eigener Sache Europäer aus tiefer Überzeugung Erasmus+ Intelligente Stromnetze für die Zukunft Smart Grids unterstützen die Energiewende Lernende spielen aktive Rolle Materialien stehen zur Verfügung Neue Kriterien für Kooperationspartnerschaften Neue Strategie ab 2024 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Berufsbildung Partnerschaften Erwachsenenbildung Partnerschaften Weitere Themen Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen Ziel: Zahl der Azubis mit Auslandserfahrung erhöhen Info Europäische Agenda Erwachsenenbildung Grüner und digitaler Wandel Innovative Lernumgebungen Förderung der Sichtbarkeit des Europäischen Jahres der Kompetenzen im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie Kooperationsmöglichkeiten für Sie „Mission possible: Neue Wege politischer Erwachsenenbildung“ Infosplitter Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ Poster „Wir sind Teil der Erasmus+ Community“ Flyer in Leichter Sprache Termin vormerken: Europawahl Datenbank Europass Mobilität: Neue Video-Tutorials So nutzen Sie EPALE für Ihr Projekt Weiterbildungssuche jetzt mit Angeboten aus Deutschland „Vom Wissen ins Tun: Wie kann Europäische Erwachsenenbildung zum nachhaltigen Handeln aktivieren?" Neues EPALE Ressourcen-KIT Europäisches Jahr der Kompetenzen Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …

[…] Digitale Transformation gestalten – mit Erasmus+ 26 Ausgezeichnet: Max-Eyth-Schule 24 Europäische Digitale Bildungs- nachweise Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 36 Dez. 2022 07 Digitalisierung im Fokus der Projektarbeit jeweilige NA NA-Jugend jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) EACEA EACEA EACEA jeweilige NA jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Weitere Informationen 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 04.11.2022 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus Bildnachweis Titel & Inhaltsver- zeichnis (S.5): NA beim BIBB Jahrestagung / ©hristian Meyer (Titel); AdobeStock.com: metamorworks, m.m- photo, goodluz; Adb e.V., Max Fröhlich/ Liebherr-Verzahntechnik GmbH; NA beim BIBB / ©hristian Meyer (S.5) Für unverbindlich eingesandte Manu- skripte, Bildmaterial und andere Unter- lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich- net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver- ständlich darstellen – in ganz Europa. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Deutschland Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de mailto:infodienst%40bibb.de?subject= http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 3 Bildung Für Europa | Dezember 2022 © N A b ei m B IB B Liebe Leserinnen, liebe Leser, im europäischen Digitalisierungsranking ist Deutschland derzeit Mittelmaß: Gemäß dem Index für die digitale Wirtschaft und Ge- sellschaft (DESI) für das Jahr 2022 reicht es gerade einmal zum 13. Platz bei 27 EU-Mitgliedstaaten, Tendenz Richtung Abstiegszone. Diese Erkenntnis ist auch in der Politik angekommen, wie Sie täg- lich den Medien entnehmen können. Im Bildungsbereich ist Digitalisierung spätestens seit der Coro- na-Krise ein Top-Thema. Im Programm Erasmus+ hat die Europä- ische Kommission mit dem Jahr 2021 Digitalisierung zu einer der vier übergreifenden Prioritäten des Programms gemacht – unab- hängig vom Bildungsbereich und der Leitaktion. Während viele nationale Projekte gezielt Dienstleistungen und Ver- fahren digitalisieren sollen, verfolgt das Programm Erasmus+ einen anderen Ansatz. Der jährliche Aufruf zur Einreichung von Anträgen ist ein „call for proposals“: Es wird zwar ein thematischer Schwer- punkt vorgegeben, aber nicht ein spezifischer Digitalisierungsbe- reich oder eine Dienstleistung. Damit ist das Programm sehr offen für die unterschiedlichsten Ansätze und Bedürfnisse. Dies spiegelt sich in der Vielfalt und Kreativität wieder, die viele Digitalisierungs- projekte im Programm Erasmus+ auszeichnen. Und vor allem: Sie bilden Bedarfe der Bildungspraxis ab. Grundlegende systemische Veränderungen können die Projekte nicht erzielen, aber mit diesem Ansatz ergänzt das Programm die na- tionale und europäische Politik und Digitalisierung in den beteiligten Einrichtungen. Digitalisierung ist dann besonders erfolgreich, wenn sie in der Praxis auch umgesetzt werden kann. Das Journal gibt einen guten Einblick in spannende und innovative Projekte, die Erasmus+ fördert. Digitalisierung findet aber auch in der Programmverwaltung von Erasmus+ statt. Jürgen van Capelle und Bahram Kazemkhani gewähren uns in ihrem Beitrag einen Ein- blick in den Maschinenraum des Programms. Dr. Christine Bertram beleuchtet das Potenzial von EPALE für die digitale Zusammenar- beit in Europa. Machen Sie sich mit der Lektüre des Journals also auf eine span- nende Reise … Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB Editorial 4 5 Inhalt Nr. 36 | Schwerpunkt Digitale Transformation 06 10 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Digitalisierung – ein Schwerpunkt in Erasmus+ Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung Strategisches Veränderungsma- nagement in digital lernenden Organisationen In drei Schritten zu mehr Digitalisierung Good Practice: Digi4VET Immersive Medien in der beruflichen Bildung Potenziale immersiver Medien (XR) in der Berufsbildung Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung Good Practice: Digitales Bauen Einsatz neuer Technologien in der Baubranche Digitaler Wandel betrifft uns alle! Preisträgerprojekt fordert Lernen über, für und durch die Digitalisierung Good Practice: Lehren und Lernen mit dem Netz Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften Good Practice: Verstehen von künstlicher Intelligenz leicht gemacht Grundlagenkurs für die Erwachsenenbildung Good Practice: Liebherr- Verzahntechnik GmbH Ausbildung profitiert von Digitalisierung Good Practice: Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung Eine Herausforderung für Lernende und Lehrende IT-Tools in der Programm- umsetzung Mehr Transparenz und Effizienz Fünf EPALE-Tools für Ihr Projekt Erasmus+-Projektnehmer profitieren vom Angebot der E-Plattform für Erwachsenenbildung Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis EU-Kommission steht Rede und Antwort zu neuer Initiative Erasmus+ European Innovative Teaching Award 2022 Max-Eyth-Schule in der Kategorie „berufliche Schulen“ ausgezeichnet Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ gewählt Mitwirkungsmöglichkeit inzwischen gut etabliert Erasmus+-Antragsrunde 2022 Erfreuliche Entwicklung Hinweise zur Antragstellung Leitaktion 2: Einreichung von „Mandaten“ Weitere Bildungsthemen Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal Neue europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021 - 2030 Erstes Jahr der Umsetzung und Aussichten auf 2023 „Für Ihre Fachkräfte von morgen“ Medienkampagne wirbt für Auslandsaufenthalte während der Ausbildung Infosplitter Termine 22 24 26 28 29 30 30 32 33 34 36 4 5 Bildung Für Europa | Dezember 2022 „Gleichzeitig ist Digitalisierung nicht nur von oben gemacht und alternativlos, daher ist auch Lernen für die Digitalisierung wichtig.“ 19 Industrie 4.0 in der Ausbildung 10 Digitaler Reifegrad lernender Organisationen 20 Lernangebot für Lehrende und Lernende zur KI 16 Preisträgerprojekt in der Erwachsenenbildung 22 EPALE nutzen, aber wie? 33 Kampagne: Ausbildung international gestalten 28 Erasmus+- Nutzerbeirat bis 2024 Mit der Unterstützung von Erasmus+ und AusbildungWeltweit werden Auslandsaufenthalte möglich. Machen Sie Ihre Ausbildung attraktiv und profitieren Sie von Fördergeldern. www.na-bibb.de/erasmus-ausbildung www.ausbildung-weltweit.de Design: blueberry-starnberg.de | © SydaProductions/AdobeStock & camille-brodard/Unsplash Ausbildung international gestalten Für die Fachkräfte von morgen 6 7 Digitalisierung – ein Schwerpunkt in Erasmus+ Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung © B lu e Pl an et S tu di o/ A do be St oc k 6 7 Bildung Für Europa | Dezember 2022 it dem Ziel, einen digitalen Binnenmarkt und einen euro- päischen Bildungsraum zu schaffen, treibt die Europäische Kommission das Thema Digitalisierung bereits seit Jahren voran. Hier geht es vor allem darum, die europäischen Bür- gerinnen und Bürger sowie die Unternehmen und ihre Ar- beitskräfte für den digitalen Wandel fit zu machen. Der Aus- und Weiterbildung kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie muss die digitalen Kompetenzen von Arbeitskräften in Unter- nehmen und Lernenden in Bildungsinstitutionen sowie deren Lehr- personal fördern und stetig ausbauen. Gleichzeitig hat der rasante technologische Wandel große Auswirkungen auf verschiedene Be- rufsfelder, die Arbeitswelt und die Gesellschaft. Gefordert ist daher nicht nur das Individuum, sondern auch Bildungseinrichtungen und die Lehre in Theorie und Praxis müssen sich mit dem digitalen Wan- del auseinandersetzen. Digitale Bildung als Programmziel von Erasmus+ Das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ nimmt hier als bil- dungspolitisches Instrument der Europäischen Kommission eine wichtige Funktion ein. Es bietet Bildungseinrichtungen unterschied- licher Sektoren sowie Unternehmen viele Möglichkeiten, durch in- ternationale Zusammenarbeit die Digitalisierung voranzutreiben. Erasmus+ ist Teil der Digitalisierungsstrategie auf europäischer und nationaler Ebene und unterstützt die Umsetzung der politischen Ziele in die Praxis. Daher wird der digitalen Bildung sowohl in der Leitaktion Mobilität (Leitaktion 1) als auch in der Leitaktion Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2) im Pro- gramm Erasmus+ eine große Bedeutung beigemessen. Dies drückt sich auch aus in der horizontalen Priorität zur „Bewältigung des digitalen Wandels“, die alle Bildungsbereiche umfasst. Großer Digitalisierungsschub durch Corona In der Berufs- und Erwachsenenbildung haben geförderte Insti- tutionen bereits vor Corona den Schwerpunkt Digitalisierung ge- wählt. Durch die Pandemie und ihre weitreichenden Auswirkungen hat das Thema allerdings einen weiteren großen Schub erhalten. So hat sich beispielsweise die Zahl der Partnerschaften in der Er- wachsenenbildung, die im Bereich Digitalisierung arbeiten, von 2019 auf 2020 etwa verdoppelt und ist 2021 noch einmal deut- lich gestiegen. Auch bei den Partnerschaften in der Berufsbildung ist dieser Trend klar ersichtlich – nicht zuletzt befördert durch die zusätzliche Antragsrunde im Jahr 2020 zum Thema Digitalisierung. Ebenso hat das Thema für berufsbildende Einrichtungen, die mit Erasmus+ transnationale Mobilitäten für Auszubildende und Per- sonal durchführen, stark an Bedeutung gewonnen. Hier geht es um den Einsatz von digitalen Tools zur Organisation und Durch- führung von beruflichen Auslandsaufenthalten ebenso wie um die fachliche Weiterbildung des Personals, das wie die Auszubildenden für die Herausforderungen des digitalen Wandels fit gemacht wer- den muss. Dabei zeigt sich, dass der digitale Wandel mit all seinen Herausfor- derungen und auch Chancen inhaltlich auf sehr vielfältige Art und Weise von Erasmus+-Projektträgern in der Erwachsenen- und Be- rufsbildung bearbeitet wird. In den Projekten stehen insbesondere folgende Fragen im Mittelpunkt: Was bedeutet die Digitalisierung für das Lehren und Lernen in der Zukunft? Wie werden digitale Instrumente und Lernmedien genutzt? Welche Rolle übernehmen Bildungspersonal und Lernende? Welche Medienkompetenzen sind notwendig? Wie kann die digitale Transformation von Einrichtungen gelin- gen? In der Erwachsenenbildung werden sowohl im Bereich der Mobi- lität wie auch bei den Partnerschaften ganz unterschiedliche Pro- jekte zum Thema Digitalisierung durchgeführt. Wenn man trotz vorhandener Überschneidungen eine Kategorisierung versucht, ergibt sich grob folgende Einteilung: Projekte, die digitale Anwendungs-Tools für verschiedene Ziel- gruppen entwickeln. Oftmals ist damit die Inklusion von bildungs- benachteiligten Gruppen verbunden, die u.a. Personen mit Grund- bildungsbedarf, ältere Menschen, Migrantinnen und Migranten, Personen in ländlichen Gebieten sowie Menschen mit Behinde- rungen umfassen. Zudem werden bei diesen Instrumenten gele- gentlich Ansätze von Gamification verwendet, d.h. spieltypische Elemente werden in neuen Zusammenhängen eingesetzt. Bisher noch eher selten vertreten ist bei diesen Tools der Einsatz von virtu- ellen Realitäten und von künstlicher Intelligenz. Projekte, die sich mit der Professionalisierung und mit digita- len Kompetenzen für Lehrkräfte und anderes Bildungspersonal Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung M Digitale Transformation Digitalisierung in der Erwachsenenbildung 8 9Digitale Transformation beschäftigen. Im Fokus stehen hier verschiedene Themenfelder, wie z.B. der Fremdsprachenerwerb, die Kulturbranche, das Unter- nehmertum oder die Freiwilligenarbeit. Manchmal werden dabei vorhandene Kompetenzrahmen im Bereich Digitalisierung genutzt und weiterentwickelt. Insbesondere in den Projekten der Mobilität stehen die Fortbildung der Mitarbeitenden einer Einrichtung hin- sichtlich technischer und didaktischer Fähigkeiten sowie der Einsatz digitaler Lehr- und Lernmaterialien im Fokus. Projekte, die im Bereich von kritischer Medienkompetenz und Medienbildung arbeiten. Hier stehen dann beispielsweise die Sensi- bilisierung für Fake News oder der Umgang mit sogenannter Hate Speech, d.h. mit Aggression und Anfeindung in sozialen Netzwer- ken im Vordergrund. Ziel ist bei diesen Projekten oftmals, eine ak- tive Bürgerschaft und die Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern. Projekte, die sich mit der Wirkung von Digitalisierung auf die Ge- sellschaft und Einzelpersonen befassen sowie mit ethi- schen Überlegungen. Dabei werden in einigen Projekten gesel lschaft l iche Teilstrukturen an- gesprochen, z.B. wie sich das di- gitale Lernen auf das Zusammenle- ben in der Familie auswirkt. Oder es werden die Auswir- kungen des digitalen Lernens und Distanz- lernens auf die emoti- onale Befindlichkeit von Lehrenden und Lernenden untersucht. In den Partnerschaftsprojekten der Berufsbildung kommt die ganze Vielfalt des Digitalisierungsthemas zum Ausdruck. Exemplarisch für diese Bandbreite kann man wie folgt kategorisieren. Die Digitalisierung der Arbeitswelt erfordert von allen Erwerbstä- tigen künftig verstärkte IT-Qualifikationen. Daher liegt ein Schwer- punkt bei Projekten, die zukünftige Qualifikationsanforderungen einzelner Berufe bzw. Branchen durch diese transversalen Techno- logien antizipieren (u.a. in Gesundheit, Logistik, Bau, Mode, Che- mie, Malerei, Floristik, Landwirtschaft). Ein anderer Fokus sind Projekte, die sich mit immersiven Medien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und neuen Tech- nologien wie Künstliche Intelligenz (KI) Robotik, Simulation und 3D-Druck mit Schwerpunkt auf den Lernorten Schule (z.B. hand- lungsorientierte Medienkompetenz für pädagogische Fachkräfte, Escape Rooms, Maker Spaces) und Betrieb (z.B. Produktionsorien- tiertes Lernen mit Lehrfabriken, Industrie 4.0, Digitale Methoden, Toolboxen und Trainings) beschäftigen. Auch die Entwicklung digi- taler Kompetenz mittels der Europäischen digitalen Kompetenzrah- men (bDigCompEdu, bDigCompOrg) in der Berufsbildung auf individueller und organisationaler Ebene (digitale Transformation) fällt in diese Kategorie: Daneben gibt es einige Projekte im Zusammenhang mit Inklusi- on, die virtuelle Realität für Sehbehinderte nutzen, erweiterte Re- alitäts-Technologien zur Steigerung literarischer und sozialer Emo- tionsfähigkeiten bei Lernenden mit Autismus Störungen erproben und sich mit inklusiver Führung im digitalen Zeitalter beschäftigen. Einzelne Projekte befassen sich mit den Randbedingungen des Digitalen, z.B. rechtlichen, ethischen, psycho-sozialen und men- talen Aspekten wie Cybersicherheit, Wohlbefinden und Stressprä- vention bei digitaler Arbeit im Home Office. Einrichtungen, die im Rahmen der Leitaktion 1 Fördergelder erhal- ten, um internationale Mobilitäten für Lernende und Personal in der Berufsbildung durchzuführen, beschäftigt der digitale Wandel ebenfalls auf verschiedene Arten. Mobilitätsprojekte, die sich die- sem Schwerpunkt widmen, verfolgen dabei sehr unterschiedliche Ziele, es entsteht aber häufig ein hoher Mehrwert für alle Beteiligten und die entsendende Institution: Zunehmend werden in Mobilitätsprojekten digitale Tools ein- gesetzt und erprobt oder sogar neu entwickelt, um den adminis- trativen Aufwand bei Organisation, Durchführung und Nachberei- tung von Auslandsaufenthalten zu verringern. Dabei können solche Tools Organisations- und Kommunikationswege verkleinern und zudem die digitalen Kompetenzen derjenigen stärken, die diese anwenden. Deutlich wurde in der jüngeren Vergangenheit der hohe Bedarf an der Förderung der digitalen Kompetenzen des schulischen und betrieblichen Lehrpersonals. Der Fokus liegt auf der Entwicklung neuer technischer und didaktischer Fähigkeiten und, wie auch in der Erwachsenenbildung, auf dem Einsatz von digitalen Tools in Ausbildung und Unterricht. Überwiegend nutzt das Personal dazu die Möglichkeit, an Fachkursen im Ausland teilzunehmen oder bei einer europäischen Partnereinrichtung im Unterricht zu hospitieren. Insgesamt zeigt sich, dass sowohl die Kompetenzerweiterung des Personals als auch der Einsatz digitaler Tools dazu beiträgt, die Organisationsentwicklung der geförderten Einrichtungen vor- anzutreiben. Nicht selten werden erfolgreiche Ergebnisse, die im Rahmen der Mobilität entstanden sind, auf ganze Organisations- bereiche oder Abteilungen übertragen. Neues technisches und didaktisches Wissen kommt dann im Unterricht zum Einsatz oder digitale Tools, die während der Mobilität erprobt wurden, werden flächendeckend eingesetzt. Es hat sich auch gezeigt, dass Blended Mobilities zwar noch nicht in großem Ausmaß, aber erfolgreich durchgeführt werden. So reduzieren zum Beispiel virtuelle Betriebsbesichtigungen oder die gemeinsame virtuelle Arbeit an einer Projektaufgabe vor dem eigentlichen Auslandsaufenthalt erste Hemmschwellen. © A nd re y Po po v/ A do be St oc k Digitalisierung in der Berufsbildung https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcompedu_en https://joint-research-centre.ec.europa.eu/european-framework-digitally-competent-educational-organisations-digcomporg/digcomporg-framework_en 8 9 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Erfreulich sind auch die in- zwischen zahlreich vorhan- denen Beispiele, in denen die jahrelange Zusammenar- beit im Rahmen von Mobili- tätsprojekten dazu geführt hat, neue digitale Ideen zu entwickeln. Dazu gehören nicht nur virtuelle Aus- tauschprojekte für Lernende, sondern zum Beispiel auch die Entwicklung digitaler Ausbildungsmodule oder die Erprobung einer ge- meinsamen Software zur Steuerung von Produktionsanla- gen im Bereich Industrie 4.0. Wie unterstützt die Nationale Agentur das Thema und die Projekte? Die Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung bleiben viel- fältig und gleichzeitig entwickeln sich die digitalen Technologien rasant weiter – sowohl national wie auch europäisch und interna- tional. Dadurch ergeben sich ständig neue Anknüpfungspunkte für Projekte in Erasmus+ und auch die Möglichkeit, von anderen Län- dern zu lernen und gemeinsam etwas Neues zu entwickeln. Die Nationale Agentur hat seit Ende 2021 eine teamübergreifende Arbeits- gruppe zu digitaler Bildung etabliert, die das vorhan- dene Wissen bün- delt und als Ziel verfolgt, Antragsteller und Projekte zum Thema Digitalisierung zu unterstüt- zen und Projektergebnisse zu vernetzen. Eine neu strukturierte Themenseite „Digitale Bildung“ auf der NA-Website zeigt, auf welche Weise Digitalisierung in Mobilitätsprojekten und Part- nerschaften aufgegriffen werden kann und welche Initiativen auf europäischer und nationaler Ebene relevant sind. Zudem findet man auf der Themenseite die neuesten Good Practice-Beispiele aus der Berufs- und Erwachsenenbildung sowie einen Film mit Experten- stimmen. Ein Blick lohnt sich! INFO www.na-bibb.de/themen/digitale-bildung MICHAEL MARQUART Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung“ marquart@bibb.de DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Koo- peration in der Berufsbildung, Europass“ dunkel@bibb.de © N A b ei m B IB B © G or od en ko ff /A do be St oc k FRIEDERIKE WIETHÖLTER Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Interna- tionalisierung der Berufsbildung“ wiethoelter@bibb.de 10 11 in digital lernenden Organisationen. In drei Schritten zu mehr Digitalisierung Strategisches Veränderungsmanagement © M et am or w or ks /A do be St oc k 10 11 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation D igitaler Reifegrad einer lernenden Or- ganisation: Die zunehmende Durch- dringung vielfältiger Lebensbereiche durch digitale Medien und Technolo- gien führt zu tiefgreifenden Verände- rungen für das Lernen und Arbeiten und berührt die Veränderungen ler- nender Organisationen im Kern. Or- ganisationen stehen vor der Heraus- forderung, den daraus erwachsenden Aufgaben mit passenden Maßnahmen der Technologie- (TE), Personal- (PE) und Organisationsentwicklung (OE) zu begegnen. Dabei geht es nicht nur darum, über kurz oder lang Digitalität in der Aus- und Wei- terbildungspraxis einer Organisation zu verankern. Ziel ist es vielmehr, den weit- reichenden Veränderungen durch die digi- tale Transformation auf der Makro- bis hin zur Mikro-Ebene der Organisation adäquat begegnen zu können. Den inhaltlichen Bezugspunkt für entsprechende TE-Maß- nahmen stellen Ansätze mit Fokus auf In- formationssysteme. PE-Maßnahmen finden ihre Verankerung in Medienkompetenzmo- dellen. Ein vergleichbarer Bezugspunkt für OE-Maßnahmen in digital lernenden Organisationen bieten Reifegradmodelle (Maturity Models). Das Konstrukt der ‚digitalen Reife‘ be- schreibt den Status quo der digitalen Transformation einer lernenden Orga- nisation. Die Reifegrade entsprechen den verschiedenen Reifestufen, die den Leistungsstand bzw. Veränderungspro- zess einer Organisation abbilden. Häufig besitzen Reifegradmodelle fünf Reifegra- de, die jeweils auf den Anforderungen der vorhergehenden Stufe aufbauen. Je höher der Reifegrad ist, desto weiter ist der Veränderungsprozess vorangeschrit- ten. Der Nutzen von Reifegradmodellen besteht darin, dass eine objektive Be- wertung eines Veränderungsprozesses der Organisation erfolgt, durch die die Abweichung zwischen der aktuellen und der angestrebten Performanz identifiziert werden kann. Mit Reifegradmodellen steht ein Werk- zeug zur Verfügung, das beim Abwägen verschiedener Zielsetzungen und bei der Entscheidungsfindung unter Berücksich- tigung der organisationalen Gegebenhei- ten hilft. Reifegradmodelle sind deshalb als eine Kombination von Modell und Methode zu sehen: Einerseits beschreiben sie den Status einer lernenden Organisa- tion in Form des Reifegrads; andererseits zeigen sie Aktivitäten auf, die für das Er- reichen der nächsten Stufe durchgeführt werden müssen. Diese Aktivitäten lassen sich durch strategisches Veränderungs- management implementieren. Strategisches Veränderungsmanage- ment Ziel des strategischen Veränderungsma- nagements ist, Systeme, Prozesse, Mecha- nismen und Stakeholder einer lernenden Abbildung: Vom Readiness Assessment zur Strategie der Implementierung 12 13Digitale Transformation PROF. DR. DIRK IFENTHALER Inhaber des Lehrstuhls für Wirt- schaftspädagogik - Technologie- basiertes Instruktionsdesign an der Universität Mannheim und des UNESCO Deputy Chair on Data Science in Higher Education Learning and Teaching an der Curtin University Organisation zielgerichtet zu koordinieren, um einen Lern- und Veränderungsprozess aktiv steuern zu können. Der Prozess des strategischen Veränderungsmanagements zeigt sich durch eine konzeptuelle, aber auch durch eine pragmatische Struktur, wobei Mitarbeitende, Inhalte, Richtlinien, Technologien sowie Strukturen integriert werden. Das strategische Veränderungsma- nagement porträtiert den Verlauf der Maß- nahmen möglichst in Echtzeit und deckt da- bei bisher unentdeckte interne und externe Kräfte, Probleme sowie Potenziale auf. Der Prozess an sich bedarf einer Struktur, die den Rahmen der Umsetzung bietet. Prozesse des strategischen Veränderungs- managements sollen beim Vorbereiten und Planen der intendierten Veränderung helfen, dürfen sich aber nicht aus dieser Rolle entfernen. Während des Entwerfens von Prozessen des strategischen Verände- rungsmanagements steht die Strukturiert- heit und gleichzeitig die flexibel angepass- te und multidimensionale Entwicklung der intendierten Veränderung im Vordergrund. Die Durchführung des strategischen Verän- derungsmanagements vollzieht sich in drei Schritten (siehe Abb. auf S. 11): 1. Planung einer Veränderungsstra- tegie Im ersten Schritt werden Instrumente zur eingehenden Überprüfung der vorhan- denen digitalen Praktiken, Verfahren und Fähigkeiten identifiziert. Die Veränderungs- strategie verlangt Entscheidungen darüber, welche Vorteile und spezifischen Merkmale von Digitalität einbezogen werden sollen und welche Infrastruktur für eine erfolgrei- che Implementierung erforderlich ist. 2. Durchführung einer eingehenden Bewertung Die eingehende Bewertung (Readiness As- sessment) erfordert belastbare Daten der Organisation, welche mittels standardisier- ter Instrumente gewonnen werden. Daten für die eingehende Bewertung werden auf organisatorischer Ebene (z.B. bestehen- de Richtlinien, Datenschutzbestimmun- gen), mit einem besonderen Schwerpunkt auf erforderliche Technologien (z.B. Data Warehouse, Systemintegration) und in Be- zug auf die Fähigkeiten, die Mitarbeitende der Organisation besitzen (z.B. Bildungsda- tenkompetenz, Digital und Data Literacy), durchgeführt. 3. Umsetzung der Strategie Basierend auf den Ergebnissen der einge- henden Bewertung deckt die resultieren- de Umsetzungsstrategie alle Bereiche der Veränderung ab. Überdies soll die schritt- weise Implementierung von Digitalität im Hinblick auf vordefinierte und messbare Key Performance Indicators (KPIs) über- wacht und bewertet werden. Entsprechend kann die Kapitalrendi- te (Return on Investment), definiert als die erwarteten Gewinne (Renditen) pro Kosteneinheit (Investition) einer Vielzahl potenzieller Maßnahmen, kalkuliert und transparent gemacht werden. Die Kapi- talrendite kann nicht nur als monetäre Rendite, sondern auch als Bindung von Mitarbeitenden an die Organisation, als Verbesserung der Zufriedenheit von Mit- arbeitenden oder als Optimierung von in- ternen Prozessen abgeleitet werden. Ausblick Digitale Transformationsprozesse beein- flussen unsere Gesellschaft nachhaltig und damit verbunden die Veränderung digital lernender Organisationen. Diese Veränderungsprozesse erwarten lebens- langes Lernen aller Stakeholder. Folglich erfordert der Prozess des strategischen Veränderungsmanagements einer digital lernenden Organisation eine längerfristi- ge Entwicklungs-, Implementierungs- und Evaluationsstrategie. Literatur Anderson, D., & Ackerman-Anderson, L. (2001). Beyond change management: Ad- vanced strategies for today's transforma- tional leaders. The Practicing organization development series. Jossey-Bass/Pfeiffer. Chanias, S. & Hess, T. (2016). How digital are we? Maturity models for the assess- ment of a company’s status in the digital transformation. Management Report, 2, 1–14. Zugriff Egloffstein, M., Heilig, T., & Ifenthaler, D. (2019). Entwicklung eines Reifegradmo- dells der Digitalisierung für Bildungsorgani- sationen. In E. Wittmann, D. Frommberger, & U. Weyland (Eds.), Jahrbuch der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung 2019 (pp. 31–44). Verlag Barbara Budrich. Gerholz, K.-H., Dormann, M. (2017). Aus- bildung 4.0: Didaktische Gestaltung der betrieblich-beruflichen Ausbildung in Zei- ten der digitalen Transformation. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online 32, 1-22. Gibson, D. C., Huband, S., Ifenthaler, D., & Parkin, E. (2018). Return on investment in higher education retention: Systematic focus on actionable information from data analytics ascilite Conference, Geelong, VIC, Australia, 25-11-2018. Ifenthaler, D. (2020). Change management for learning analytics. In N. Pinkwart & S. Liu (Eds.), Artificial intelligence supported educational technologies (pp. 261–272). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3- 030-41099-5_15 Ifenthaler, D., & Egloffstein, M. (2020). De- velopment and implementation of a maturity model of digital transformation. TechTrends, 64, 302–309. https://doi.org/10.1007/ s11528-019-00457-4 INFO dirk@ifenthaler.info © p riv at https://doi.org/10.1007/978-3-030-41099-5_15 https://doi.org/10.1007/978-3-030-41099-5_15 https://doi.org/10.1007/s11528-019-00457-4 https://doi.org/10.1007/s11528-019-00457-4 12 13 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Lehr- und Lernszenarien ermögli- chen dem Bildungspersonal die lern- haltige Einbindung von Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und 3D-Druck in die praktische Ausbildung und unterstützen den Wandel hin zum lernerzentrierten Lernen. Das Erasmus+-Projekt DIGI4VET liefert Beispiele für die Umsetzung der neuen bStandardberufsbildposition „Digitalisierte Arbeitswelt“ im Handwerk und im Handel sowie für die Wahlqualifikation „Digitalisie- rung und vernetzte Produktion“ in der Che- mie. Die entwickelten Lehr- und Lernsze- narien beinhalten einfache Anwendungen ohne Programmierung, wie das AR-ge- stützte Echtzeittraining, bei dem Experten mit audiovisuellen Anweisungen Auszubil- dende anleiten (sogenanntes „Remote Trai- ning“ mit Microsoft-App). Zur Anwendung kommen in der Floristik interaktive AR-Vi- sualisierungen für die Raumdekoration und der Pflanzenpflege, damit Lernende u. a. selbstständig Änderungen der Temperatur, von Licht und Feuchtigkeit vornehmen. Damit ist die Änderung entsprechender Parameter direkt erfahrbar und es werden vorausschauend mögliche Fehler verhin- dert. Im Malerhandwerk steht der Einsatz von VR zur Übung der Vorbereitung und Beschichtung einer Wand im Mittelpunkt. Lernhaltigkeit und didaktischer Mehr- wert als Richtschnur In drei Online-Schulungsprogrammen ste- hen u.a. folgende Fragen im Mittelpunkt: bChemie: Welche AR-Brille ist die Richtige unter Einhaltung der Arbeits- sicherheit (inklusive Beachtung des Explosionsschutzes bzw. sogenannter EX-Zonen)? Welche Kommunikations- und Kollaborationsform ist in einer Che- mieanlage sinnvoll? bMalerhandwerk: Wo kann man VR in der Ausbildung und im Marketing von Malerunternehmen sinnvoll anwenden? bFloristik: Wo eignen sich AR und 3D-Druck in der praktischen Ausbil- dung? Ein Best-Practice-Guide bündelt die lernhal- tige Integration immersiver und additiver Technologien in praktische Ausbildungsum- gebungen und gibt Ausblicke zum Einsatz von AR, VR und 3D-Druck in der praktischen beruflichen Ausbildung in Industrie und Handwerk. Stakeholder sind vom Potenzial überzeugt „Der Einsatz von Virtual Reality in der Ma- lerausbildung macht Sinn, gerade da, wo man es nicht erwartet. … Die Auszubilden- den sind dadurch besser bei der Sache. Sie sind motivierter und können sich das in VR Erlernte besser merken“, resümiert Miete Matheussen, Ausbilderin in der Malerschule in Mol, Belgien. Und Jochen Seibold, Aus- bilder im Chemiebereich, fasst die Vorteile so zusammen: „Die Auszubildenden müs- sen zum Erwerb berufspraktischer Fähigkei- ten beim Fahren einer Chemieanlage unter- stützt werden. Der Einsatz von Datenbrillen in unserem Chemietechnikum (EX-Schutz frei) ermöglicht dies technisch und pädago- gisch, u. a. durch eine verbesserte Kommu- nikation und Kollaboration unter den Aus- zubildenden." Good Practice: Digi4VET Immersive Medien in der beruflichen Bildung © S BG D re sd en PROJEKTINFO Projekttitel: Qualification needs for VET trainers and teachers for coping with industry 4.0, craftmanship 4.0 and trade 4.0 Projektnummer: 2018-1-DE02-KA202-005157 Laufzeit: 2018 - 2021 Beteiligte Länder: DE, NL, BE, UK, CY Koordination: Sächsische Bildungsgesellschaft für Um- weltschutz und Chemieberufe Dresden mbH Kontakt: Jens Hofmann j.hofmann@sbgdd.de Website: www.digi4vet.com E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2018-1-DE02- KA202-005157 http://www.bibb.de/de/139365.php http://www.bibb.de/de/139365.php https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DyLM3d8-uqJc https://www.youtube.com/supported_https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DyLM3d8-uqJcbrowsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D3YVQnmOlD8E https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Ft%3D21&v=AckSkSksbeM&feature=youtu.be https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 14 15Digitale Transformation er digitale Wandel ist in vollem Gange. Dieser Transformationsprozess hat Auswir- kungen auf die Arbeits- und Berufswelt und damit auch auf die Berufsbildung. Lan- ge Zeit war VR-Hardware teuer und nicht intuitiv zu nutzen. Dies hat sich geändert. XR-Technologien wie 360-Grad-Videos auf YouTube, AR-Filter auf Snapchat sowie selbst gebaute VR-Geräte wie Google Card- board ermöglichen eine niederschwellige Nutzung im Beruflichem und im Privatem. Das steigende Interesse an AR und VR in der Aus- und Weiterbildung verdeutlicht eine Befragung von 2022 unter 600 Unter- nehmen. Von diesen nutzen nach eigenen Angaben 76 Prozent VR und 57 Prozent AR für die Qualifizierung von Mitarbeitenden (BITKOM, 2022). Immersive Medien In der AR (Augmented Reality) werden virtuelle Informationen und Objekte der realen Welt überlagert. Diese Erfahrung bereichert die reale Welt mit digitalen De- tails wie Bildern, Text und Animationen, auf die mittels AR-Brille oder über Bild- schirme, Tablets und Smartphones zuge- griffen wird. VR (Virtual Reality) lässt Nutzer voll- ständig in eine simulierte, digital ge- nerierte Umgebung eintauchen. Ein VR-Headset oder ein am Kopf befestigtes Display sorgt für eine 360-Grad-Ansicht einer künstlichen Welt. XR (Extended Reality) ist ein Sammel- begriff für verschiedene Formen von AR und VR, um Erlebnisse insbesondere visuell, haptisch und akustisch wahrzunehmen. Handeln und Erfahren in der erwei- terten Realität Immersive Medien eröffnen neue inno- vative Qualifizierungsansätze und zeigen Handlungs- und Modernisierungsbedarf auf, indem sie flexibel digitale Medien zum integrierten Lern- und Arbeitsmittel ma- chen. Hier sind offene Bildungsmaterialien (OER) von Bedeutung. Diese Flexibilität bie- tet Möglichkeiten für die Entwicklung neu- er didaktischer Konzepte, pädagogischer Herangehensweisen und die Motivation der Zielgruppe junge Lernende. In der Ausbildung kann XR hyperrealis- tische Trainingswerkzeuge anbieten, um Pilotinnen und Piloten, Chemikerinnen und Chemiker oder auch medizinisches Fachpersonal dabei zu unterstützen, kol- laborativ Problemlösungen zu finden. Be- gleitendes Lernen ist durch audiovisuelle Unterstützung in Echtzeit und ohne Pro- grammieraufwand (Remote Training) z. B. für Wartungsprozesse in Anlagen möglich. Das Eintauchen bzw. die Immersion um- fasst derzeit verstärkt visuelle und audi- tive Elemente. Die Simulation von Haptik und Gerüchen wird kurz- bzw. mittelfristig möglich sein. Für das didaktische Design gilt es bei VR-Lernumgebungen zu beach- ten, dass sie den realen Gegenstand und die soziale Interaktion in der beruflichen Handlung nicht gänzlich ersetzen können. Der Fokus sollte hierbei auf der Förderung von Kommunikation und Kollaboration so- wie der Vermittlung von Handlungsabläu- fen liegen, die real z. B. zu teuer oder zu gefährlich sind. Im Handwerk hat der Einsatz von AR und VR auch Potenzial. So können in einem VR- basierten Vorabtraining nicht kodifizierte Prozesse geübt werden. Im Malerhandwerk ist es möglich, verschiedene Untergründe zu simulieren sowie die Anbringung teurer Tapeten an diese virtuellen Untergründe zu trainieren. Hierfür können neben der VR-Brille auch sogenannte „haptic gloves“ zur Anwendung kommen. Damit sind rea- litätsnähere haptische VR-Erlebnisse mög- lich. Die derzeitige Entwicklung geht dahin, dass 3D-Inhalte einfach z. B. mittels eines Smartphone-Scans eines realen Objekts er- zeugt werden. Dies ermöglicht die Einbin- dung einer Vielzahl dieser 3D-Objekte bzw. von digitalen Twins in AR- und VR-Umge- bungen. Erasmus+ unterstützt digitalen Wandel Bedarfe für immersive Medien in der Aus- und Weiterbildung können durch branchen- und länderübergreifende Schu- lungen des Bildungspersonals gedeckt wer- den. Erasmus+ fördert den Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Lern- aktivitäten und Erprobung von Lehrinhal- ten digitaler Kompetenz und den Einsatz immersiver Medien in der Berufsbildung. Europäische Kooperationsprojekte kön- nen einen wichtigen Beitrag zum Transfer guter Praxis und des Gelingens der digitalen Transformation leisten, wie exemplarisch die Projekte Digi4VET (s. S. 13) und DigiCon (s. S. 15) zeigen. INFO Presseinformation der BITKOM "Unterneh- men nutzen VR oder AR vor allem für die Weiterbildung" vom 29.08.2022 Potenziale immersiver Medien (XR) in der Berufsbildung D DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB dunkel@bibb.de JENS HOFMANN Leiter Digitalisierungsprojekte, SBG Dresden Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung 14 15 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Das Projekt DigiCon greift die aktu- ellen Herausforderungen „Digitales Bauen” und „Baustelle 4.0” für die Bauwirtschaft auf. Baufachkräfte müs- sen mit digitalen Technologien und Anwendungen umgehen können – von digitaler Kommunikation über das Handling mobiler Endgeräte bis hin zur Robotik am Bau. Die Bedeutung des digitalen und zugleich kli- maneutralen Bauens – auch beim Sanieren in Gebäuden und Quartieren – wächst ständig. Zukunftsweisende, tragfähige und umsetz- bare Digitalisierungsstrategien sind für die Un- ternehmen der Bauwirtschaft elementar, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die digitalen Kompetenzen Auszubilden- der und des Bildungspersonals zu verbessern. DigiCon beantwortet u.a. folgende Fragen: Welche einzelnen Arbeitsprozessab- schnitte können in der Ausbildung digital vermittelt werden und wie? Welche Unterprozesse gehören zu diesen Prozessen und an welcher Stelle können diese durch digitale Werkzeuge unter- stützt werden? Reicht die Digitalisierung als Hoffnungs- träger der Innovationsexzellenz der Be- rufsbildung aus, um die Fachkräfte zu sichern? Handlungsszenarien für unterschied- liche Bildungssysteme Ziel war es, die unterschiedlichen Erfah- rungen hinsichtlich des Digitalisierungsfort- schritts und der Nutzung von digitalen Tools in der didaktischen Arbeit in den beteiligten Ländern aufzunehmen und die Modernisie- rungspotenziale sichtbar zu machen. Dazu wurden zunächst die Ausbildungsumge- bungen je Land und die typischen Szenari- en entlang der Handlungsprozesse auf der Baustelle identifiziert und nach der Business Process Model Notation (BPMN) dokumen- tiert. Dabei wurden drei exemplarische Handlungsszenarien festgelegt: Herstellung einer Mauerwerkswand Herstellung eines Stahlbetonbalkens/ Stahlbetonträgers Herstellung eines Dachstuhls Für exemplarische Bauberufe entstanden darauf basierend Lernszenarien mit An- wendungsanleitungen als konkrete Umset- zungsschritte für eine sinnvolle, machbare und nachhaltige Gestaltung der Digitalisie- rung in unterschiedlichen Bildungssyste- men. In die Projektarbeit waren neben den Baufachleuten auch zuständige Behörden und Regulierungsstellen eingebunden. Verschiedene Anwendungen, u.a. Aug- mented Reality, Tools wie z.B. die digitale Bauakte zum digitalen Bauen für die Be- rufsschulen oder auch ein Leitfaden zum Capacity Building für Berufsbildungseinrich- tungen können zugleich von ausbildenden Betrieben genutzt werden. Für Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäfts- führer Bauindustrieverband Ost e. V. steht fest: „Durch digitale Lernbausteine und innovative Bildungskonzepte werden Bau- fachkräfte befähigt, sich den Herausforde- rungen des digitalen und nachhaltigen Bau- ens zu stellen.“ Good Practice: Digitales Bauen Einsatz neuer Technologien in der Baubranche Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung © H al fp oi nt /A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: DigiCon – Digital Construction for Europe: Technologien auf der Baustelle von mor- gen in der Ausbildung von heute Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007604 Laufzeit: 2020 - 2022 Beteiligte Länder: DE, PL, BE Koordinator: BGZ Berliner Gesellschaft für internatio- nale Zusammenarbeit mbH Kontakt: Grazyna Wittgen wittgen@BGZ-Berlin.de Website: https://digicon-project.eu E+PRP: https://erasmus-plus.ec. europa.eu/projects/search/ details/2020-1-DE02-KA202-007604 mailto:wittgen%40BGZ-Berlin.de?subject= https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 16 17Digitale Transformation Der digitale Wan- del betrifft die ganze Gesellschaft und bringt neue Herausforderungen mit sich – in allen sozialen Rollen, in allen Alltagsfragen. Der Arbeitskreis deut- scher Bildungsstätten (AdB) hat sich darauf in der Erasmus+ Strategischen Partnerschaft DIGIT-AL konzentriert. Ein Gespräch mit Nils Zimmermann und Georg Pirker vom AdB. Warum haben Sie Ihr Projekt in der Erwachsenenbildung angesiedelt? Unter anderem, weil Erwachsene wählen gehen! Es geht darum, Perspektiven von Berufsbildung, politischer Bildung und le- benslangem Lernen integrativ zu denken, Kompetenzen aufzubauen und Fragen der Bearbeitung aufzuwerfen. Digitalisierung betrifft Demokratie und Menschenrechte grundlegend und so war es uns wichtig, Anforderungen, aber auch Chancen in Er- wachsenenbildung genauer in den Blick zu nehmen. Welche Anforderungen sind das? Viele Bildnerinnen und Bildner fühlen sich vom Thema gefordert oder überfordert: Es sei sehr komplex, technisch, immateriell – oder im Falle von Hate Speech und Fake News herausfordernd und negativ. In der Vermitt- lung und Bildung wird zudem stark auf Skills und Tools fokussiert – und auf Lernen unterstützt durch Digitalisierung. Das greift uns zu kurz. Und die Potenziale? Ein komplexes gesellschaftspolitisches The- ma wie die Digitalisierung systematisch von seiner gesellschaftlichen Wirkung her begreifen und es pädagogisch bearbeit- bar machen – damit hat politische Bildung ja viele Erfahrungen, etwa, wenn sie Klima- wandel, Wirtschaft, Gerechtigkeit themati- siert. Wir finden, dass in ähnlicher Weise das größere Bild hinter Plattformen, Tools und digitalen Playern angeschaut werden sollte: Lernen über die digitale Transformation. Gleichzeitig ist Digitalisierung nicht nur von oben gemacht und alternativlos, daher ist auch Lernen für die Digitalisierung wichtig. Welche Bedeutung hat aktive Bürger- schaft und kritisches Denken? Eine politische Bildung des Digitalen er- öffnet die Möglichkeit, das Lernen über, durch und für Digitalisierung miteinander zu verknüpfen. Allerorts wird von Politik verlangt, Menschen auf die Transformation vorzubereiten, damit sie nicht zu sozialen und politischen Verwerfungen führt. Wenn wir anerkennen, dass wir schon längst im „Neuland“ leben, in der Postdigitalität, wird klar, dass Bildung und Engagementpolitik Menschen besser unterstützen müssten, ihre Vision vom Demokratischen der Digita- lisierung erfolgreich einzubringen – Europa spielt hier eine maßgebliche Rolle. Sie haben im Projekt einige Materi- alien entwickelt. Wie nutzbar sind diese für andere? Wir haben uns bemüht, viele Perspektiven zu berücksichtigen und nutzbar für die Bildung- spraxis und Bildungspolitik in der Bandbreite der Erwachsenenbildung zu machen. Von Berufsbildung über Bibliotheken, Volks- hochschulen, Hochschulbildung und der Breite der außerschulischen Bildung benöti- gen wir einen solchen Austausch, denn zu- sammen erreichen wir ja Menschen in ihren ganz unterschiedlichen Lebenskontexten. Sie haben 2021 den Grundtvig-Award der European Association for the Education of Adults (EAEA) erhalten. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie? Erstmal ist das natürlich eine tolle Anerken- nung und Unterstützung. Die Vielfalt der Praktiken, Erfahrungen und auch Ansätze wären in einem rein national fokussierten Projekt kaum ergründbar gewesen – we- gen der unterschiedlichen Diskurse, Digital- politiken und Strukturen der Arbeitsfelder. Die Fragen stellte Michael Marquart, NA beim BIBB. PROJEKTINFO Projekttitel: DIGIT-AL – Digital Transformation and Ac- tive Citizenship in Adult Learning Projektnummer: 2019-1-DE02-KA204-006421 Laufzeit: 2019 - 2022 Koordinator: Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB) e.V. Partnerländer: BE, BG, EE, IT, LV, PT Kontakt: Nils Zimmermann zimmermann@adb.de Projektwebseite: https://www.dttools.eu Digitaler Wandel betrifft uns alle! Preisträgerprojekt fordert Lernen über, für und durch die Digitalisierung © A dB e .V . 16 17 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Das Institut für Internationale Kommu- nikation (IIK) in Düsseldorf bietet Fort- und Weiterbildungskurse für Studium und Beruf an. Die Schwerpunkte bil- den dabei Sprachkurse in Deutsch als Fremdsprache und anderen Fremdspra- chen sowie Fortbildungskurse für Lehr- kräfte Deutsch als Fremdsprache. Seit mehr als 20 Jahren nutzt das IIK europä- ische Programme wie Erasmus+, weil moder- ner Sprachenunterricht an Lehrkräfte hohe Anforderungen stellt und Fortbildungen ein zentraler Bestandteil der notwendigen perma- nenten Weiterqualifizierung sind. Der eigene Fortbildungsbereich profitiert außerdem von den Erfahrungen im Austausch mit anderen Fortbildungsträgern und die europäische Aus- richtung fördert den Perspektivenreichtum der Lehrkräfte. Digitale Medien im Unterricht Bereits seit den 90er Jahren setzt das IIK digi- tale Medien im Sprachunterricht ein. Der Fort- bildungsbereich vermittelt nicht nur in exter- nen Programmen, sondern auch intern neue Methoden des Sprachunterrichts unter Nut- zung von EduApps und Webanwendungen. „Mit dem Einbezug möglichst vieler Lehrkräf- te in Erasmus+ und sein Vorgängerprogramm wollten wir neue Anregungen für unseren Un- terricht und unsere Fortbildungsprogramme erhalten“, betont Rüdiger Riechert, Senior Consultant bei IIK. In dem Projekt wurde der Fokus auch auf die eigene Erstellung digitaler Unterrichtsmaterialien gelegt. Erreicht wurde neben dem Erwerb von neuen Fertigkeiten u. a. zur Gestaltung von Hörverstehensübungen auch eine hohe Motivation im Team. Auch die zu Hause gebliebenen Lehrkräfte haben letzt- endlich profitiert, denn die Teilnehmenden haben ihre neu erworbenen Fähigkeiten im Rahmen von internen Fortbildungen weiter- gegeben. Ergebnisse für die Praxis Bei einer Fortbildung in Portugal wurden tech- nische und didaktische Fähigkeiten zur Erstel- lung und Bearbeitung von Videos geschult. Durch die neu gewonnenen Kompetenzen konnten in der Unterrichtspraxis am IIK kleine- re Videoprojekte organisiert werden, die ein- fach mit Smartphones durchgeführt wurden. Außerdem wurden in Kursen Erklärvideos zu verschiedenen, selbst gewählten Themen eigenständig produziert. Diese sind über die Projektseite zugänglich. Die Fortbildung in Wien hatte durch den hohen Anteil an freiberuflichen Lehrkräften sowohl direkte unterrichtliche Wirkung als auch darüber hinaus weitere positive Effekte. Eva-Lisa Finzi aus der pädagogischen Leitung des IIK sagt dazu: „Die Fortbildung hat mir persönlich neue technische und didaktische Möglichkeiten z. B. in der Nutzung von H5P eröffnet, einem kostenlosen in Moodle inte- grierten Autorentool. Ich habe außerdem viel über österreichisches Deutsch erfahren, was Deutsch als eine plurizentrische Sprache cha- rakterisiert, und besonders beeindruckend war auch das Teambuilding als Folge dieser gemeinsamen Fortbildungserfahrung.“ Good Practice: Lehren und Lernen mit dem Netz Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften @ I IK PROJEKTINFO Projekttitel: Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften - Lehren und Lernen mit dem Netz Projektnummer: 2019-1-DE02-KA104-005432 Laufzeit: 01.09.2019 - 31.10.2021 Beteiligte Länder: PT, AT Koordinator/Kontakt: Institut für Internationale Kommunikation e. V. Website: https://www.erasmus-plus-eu.de/ training-courses/ka1-projekt- 2019-2020-digitale- kompetenzentwicklung-von- fremdsprachenlehrkraeften- lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ 18 19Digitale Transformation Das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) zieht so langsam in die Fachdis- kussionen über zukünftige Arbeits- formen ein. Gleichzeitig ist das Thema aber häufig mit gewissen Vorbehalten oder gar Ängsten verbunden und hat noch nicht die breite Öffentlichkeit erreicht, sondern wird eher den Fach- leuten überlassen. Auch in der Er- wachsenenbildung spielt der Einsatz KI-gestützter Lernformen derzeit eine deutlich untergeordnete Rolle. Auf der anderen Seite gehen viele Menschen im täglichen Leben unbewusst, aber ganz selbstverständlich mit Systemen und Tools um, die auf künstlicher In- telligenz beruhen. Beispiele sind Chat- bots oder auch Sprachassistenten wie Alexa oder Siri. An dieser diffusen Gemengelage setzte die Strategische Partnerschaft „KI Curriculum – Künstliche Intelligenz in der Erwachse- nenbildung“ an und griff dieses innovative Thema auf. Die fünf Partnereinrichtungen aus vier europäischen Ländern setzten sich zum Ziel, einen niedrigschwelligen Grund- lagenkurs zum Thema KI zu entwickeln, an dem jede und jeder ohne Vorkenntnisse teilnehmen kann. Zudem mussten auch erst einmal die Trainerinnen und Trainer in den beteiligten Einrichtungen zu diesem Thema geschult werden. Umfangreiche Materialien zu KI entwickelt So entwickelten die Partner auf der einen Seite zwölf thematische Briefings, die sich aus fünf Grundlagenmodulen und sieben weiterführenden Modulen zusammen- setzen. Diese führen anschaulich in den Themenkomplex ein und zeigen die An- wendungsmöglichkeiten von KI in verschie- denen Bereichen auf – beispielsweise im Finanz- und Gesundheitsbereich. Auf der anderen Seite entstanden Trainings- und Begleitmaterialien für Lehrende in Form von einem Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur Durchführung von Online- und Offline-Ver- anstaltungen, einem ausführlichen Hand- buch und einem Toolkit. Abgerundet wird das Ergebnisportfolio des Projektes durch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen sowie durch Audio-Snippets, die basierend auf Interviews mit Expertinnen und Exper- ten weitere Informationen zu Themen- feldern und Anwendungsbereichen von KI geben. Um die Trainerinnen und Trainer best- möglich auf ihre Aufgaben vorzubereiten, wurden in jedem der beteiligten Länder Train-the-trainer-Workshops durchgeführt. Zudem organisierten die Projektpartner Ver- breitungsveranstaltungen, damit Einrich- tungen für das noch neue Thema sensibi- lisiert und weitere interessierte Trainerinnen und Trainer gewonnen werden. So sind durch das Projekt frei zugängliche Produkte entstanden, die nun von anderen Personen und Einrichtungen verwendet werden können, um auf dieser Basis eigene Trainings zu entwickeln. Außerdem können alle Interessierten ihr Wissen zum Thema KI erweitern und Vorurteile abbauen – auch ganz ohne Vorkenntnisse. Good Practice: Verstehen von künstlicher Intelligenz leicht gemacht Grundlagenkurs für die Erwachsenenbildung © N ic oE lN in o/ A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: AI Curriculum – Artificial Intelligence in Adult Education Projektnummer: 2020-1-DE02-KA204-007713 Laufzeit: 2020 - 2022 Beteiligte Länder: DE, IT, SI, CY Koordinator: Studio2B GmbH Kontakt: elise.vernay@studio2b.de Website: https://www.studio2b.de/aiae-en/ 18 19 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH aus Kempten im Allgäu nutzt bereits seit 2013 europäische Förderprogramme, um Auszubildenden Auslandsaufent- halte zur beruflichen Qualifizierung zu ermöglichen. So bietet das Unterneh- men unter anderem angehenden Indus- triemechanikerinnen und -mechanikern, Elektronikerinnen und Elektronikern, Technischen Produktdesignerinnen und -designern sowie Industriekaufleuten die Möglichkeit, einen mehrwöchigen Auslandsaufenthalt in Trondheim oder Fredrikstad in Norwegen zu verbringen. Dort absolvieren sie Einsätze in Betrie- ben und besuchen die Partnerschulen Strinda VGS und Glemmen VGS. Industrie 4.0 praxisnah in die Ausbil- dung integrieren Die intensive Zusammenarbeit mit der nor- wegischen Partnerschule führte auch beim verantwortlichen Ausbildungspersonal zu einem fruchtbaren fachlichen Austausch. Entstanden ist dabei bereits vor Jahren die Idee, gemeinsam eine Hebestation zu entwickeln, an der Auszubildenden unter- schiedlicher Fachrichtungen Industrie 4.0 praxisnah vermittelt werden kann. Die He- bestation ähnelt laut der Liebherr-Verzahn- technik GmbH einem Trainingsgerät im Fitnessstudio und kann „mit unterschied- lich schweren Gewichten belastet werden. Ihr Motor reagiert auf steigende Gewichte mit einer Erhöhung der Stromaufnahme, was wiederum direkt Rückschlüsse auf die Auslastung des Motors zulässt. […] In der Ausbildung können mit einer solchen Anlage die Antriebstechnik, Bustechnolo- gien wie Profinet, IO-Link-Komponenten, Messtechnik, Analogwertverarbeitung und RFID-Technologien vermittelt werden.“ Damit werden den Auszubildenden Tech- nologien vermittelt, die im zukünftigen Arbeitsalltag an Automationsanlagen der Liebherr-Verzahntechnik GmbH zum Ein- satz kommen. Ein Mehrwert ist auch, dass an der Hebestation Auszubildende und Stu- dierende verschiedener Fachrichtungen ler- nen, in interdisziplinären Teams Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Papierlose und modulare Ausbildung Die Hebestation ist ein fester Bestandteil der Ausbildung im Elektrobereich. Das gesamte Ausbildungskonzept hat das Un- ternehmen in den letzten 20 Jahren mo- dularisiert und jetzt auch digitalisiert. Die Hebestation dient als Basis für die Entwick- lung verschiedener Module, welche die Auszubildenden während ihrer Ausbildung bearbeiten müssen. Diese Module stehen vollkommen digital zur Verfügung und wer- den von den Auszubildenden auf Conver- tibles bearbeitet, die groß genug sind, um auf ihnen mit einem Stift zu arbeiten. Die Azubis bearbeiten diese selbstständig und je nach individuellem Entwicklungsstand. Neben gezielten Aufgabenstellungen und Leitfragen, enthalten sie auch unterstüt- zende Lernmaterialien zum Beispiel in Form von Fotos oder Videos. Die Module hat die Liebherr-Verzahntechnik GmbH alleine ent- wickelt, ohne Lehrmaterialien von externen Anbietern einzukaufen. Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH bietet so- mit eine qualitativ hochwertige Ausbildung an, die die Auszubildenden auf die Heraus- forderungen einer komplexen und digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Erfreulich ist, dass mit der Hebestation auch die internationale Zu- sammenarbeit mit der norwegischen Partner- schule in Trondheim einen Beitrag zu dieser innovativen Entwicklung geleistet hat. Good Practice: Liebherr-Verzahntechnik GmbH Ausbildung profitiert von Digitalisierung © M ax F rö hl ic h / Li eb he rr -V er za hn te ch ni k G m bH PROJEKTINFO Projekttitel: Qualifizierung im Ausland Laufzeit: 2013 - 2022 (verschiedene Projekte) Beteiligte Länder: DE, NO Koordinator: Liebherr-Verzahntechnik GmbH Kontakt: Matthias Fendt matthias.fendt@liebherr.com Website: www.liebherr.com/ausbildung- kempten http://www.liebherr.com/ausbildung-kempten http://www.liebherr.com/ausbildung-kempten 20 21 Digitale Technologien, die auf künst- licher Intelligenz (KI) oder maschi- nellem Lernen basieren, ermöglichen es einer Maschine, aussagekräftige Ergebnisse zu liefern, ohne ihr vorher ausdrücklich zu sagen, was sie tun soll. Infolgedessen können Aufgaben, die bisher von Menschen ausgeführt wurden, nun potenziell vollständig von Computern und computergestütz- ten Maschinen übernommen oder un- terstützt werden. Vor diesem Hintergrund vollzieht sich bran- chenübergreifend ein fundamentaler Wan- del der Arbeits- und Geschäftsprozesse. Berufliche Tätigkeiten werden sich verän- dern; eine Reihe von Arbeitsplätzen werden wegfallen, aber es werden auch neue Ar- beitsaufgaben entstehen. An diese Entwick- lungen muss sich die berufliche Aus- und Weiterbildung anpassen. Die Erasmus+-Strategische Partnerschaft TACCLE-AI hat sich unter der Koordination des Instituts Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen zum Ziel gesetzt, Lehr- kräfte sowie Ausbilderinnen und Ausbilder in der beruflichen Bildung dabei zu unter- stützen, Auszubildende auf die durch die Digitalisierung entstehenden Herausfor- derungen vorzubereiten. Gemeinsam mit Partnereinrichtungen aus vier Ländern wur- den für Lehrende Lernressourcen und eine Lernplattform entwickelt, die sie mit dem notwendigen Wissen über Künstliche Intel- ligenz ausstatten und es ihnen ermöglichen sollen, neue Lernarrangements für Schule und Ausbildung zu erstellen. Zu den Projektergebnissen gehören: Bericht über die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf die Kompetenzen von Lehrenden und Aus- bildenden in der beruflichen Bildung. TACCLE-AI-Toolkit: Das Toolkit für Lehrende und Ausbildende liefert the- oretische und praktische Informationen um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, die Anerkennung von KI-re- levanten Kompetenzen und zu digitaler Pädagogik. MOOC „ArtificiaI Intelligence and VET“: Der Massive Open Online Course (MOOC) ist ein Bildungsangebot in Eng- lisch und Deutsch für Lehrkräfte und Ausbildende, um ihnen die fachliche Grundlage für das neue Lehrgebiet zu vermitteln. Es besteht aus fünf Modu- len. Politische Empfehlungen „Künst- liche Intelligenz und Berufsbildung – Zur (Um-)Gestaltung von Lehr- plänen, Projekten, Berufen sowie der Kooperation von Lernorten“: Die Empfehlungen richten sich an In- stitutionen, die an der Ausbildung von Berufsschullehrerinnen und -lehrern be- teiligt sind, sowie an politische Entschei- dungsträger und Berufsbildungseinrich- tungen. Alle Ergebnisse wurden unter einer Offe- nen Lizenz veröffentlicht. Die meisten der Ergebnisse liegen in fünf Sprachen vor, min- destens jedoch auf Englisch. Das Projekt hat schon jetzt große Resonanz hervorgerufen. So haben mehr als 300 Personen am ersten Durchlauf des MOOCs teilgenommen. Good Practice: Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung Eine Herausforderung für Lernende und Lehrende © m .m ph ot o/ A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: „Improving skills and competences of VET teachers and trainers in the age of Artifi- cial Intelligence“ (TACCLE-AI) Projektnummer: 2019-1-DE02-KA202-006317 Laufzeit: 01.10.2019 - 31.12.2021 Beteiligte Länder: DE, GR, IT, LT, UK Koordinator: Institut für Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen Website: http://taccleai.eu/ E+PRP: https://erasmus-plus.ec. europa.eu/projects/search/details/ 2019-1-DE02-KA202-006317 Digitale Transformation https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 20 21 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation er Einsatz zentraler digitaler Werkzeuge im Management des Programms Erasmus+ lie- fert ein extrem heterogenes Bild. Während die IT-Tools zur Projektsteuerung teilweise deutlich verspätet und/oder fehleranfällig zum Einsatz kommen (allen voran das Bene- ficiary Module), so werden die Datenvisua- lisierungen kontinuierlich ausgebaut und liefern heute eine Vielzahl an Reports zu nahezu allen Komponenten des Programms Erasmus+. Mit den unterschiedlichen Dashboards kön- nen im Prinzip alle Daten aufgerufen wer- den, die in der Laufzeit eines Projekts an- fallen und in den jeweiligen Datenbanken eingetragen sind, von der Antragstellung über die Projektdurchführung bis zum Ab- schlussbericht. Die Visualisierungen berück- sichtigen also die Daten aus den Antrags- plattformen, aus den Management-Tools (wie z.B. MobilityTool+, Beneficiary Module) und aus den Teilnehmer-Berichten. Darüber hinaus ist auch der jeweilige Status eines Projektvorhabens von der Antragstellung bis zur Vertragsschließung wählbar. Aufgrund der Mächtigkeit des Datenma- terials gibt es einige thematisch vorausge- wählte Datenvisualisierungen zu einzelnen Detailbereichen, so z.B. zu „Projekten“, „Budgets“, „Teilnehmenden“, „Mobilitäten“ und „Einrichtungen“, jedoch bietet die Soft- ware auch größte Freiheit für benutzerdefi- nierte Analysen jeglicher Anwendungsfälle im Programm Erasmus+. Dies bedeutet, dass die NA beim BIBB sowohl Auswer- tungen in größtmöglicher Aggregierung vornehmen kann (beispielsweise für die gesamte EU oder über alle Programmjahre hinweg seit 2014) als auch Analysen bis auf kleinste Ebenen durchführen kann (z.B. für einzelne Projekte oder für einzelne Regi- onen und Städte oder einzelne Aktivitäten). Neben diesen operationalen Clustern des Programms Erasmus+ werden in Kürze auch sogenannte taktische Cluster zur Ver- fügung gestellt, die auch aggregierte und konsolidierte Daten aus anderen Program- men beinhalten. Die Transparenz des För- dergeschäfts der Europäischen Union wird damit weiter gesteigert. NA-interne Anwendungen Schon vor der Etablierung dieser zentralen Werkzeuge der EU-Kommission hat sich auch die NA beim BIBB dafür entschieden, die internen Verfahren digital zu gestalten. Hierfür gab es unterschiedliche Beweg- gründe; zum einen war die Digitalisierung der Erasmus+-Verfahren in der Nationalen Agentur eine logische Folgerung der voll- ständig IT-gestützten EU-Verfahren, zum anderen war die Verschlankung und Effizi- enz der Verfahren eine unserer Prioritäten. Da es kein fertiges Produkt auf dem Markt gab, das nahtlos auf die EU-Tools bzw. EU-Datenbanken aufgesetzt werden konn- te, haben wir uns für eine Eigenentwick- lung entschieden. Das letztlich entwickelte webbasierte Tool setzt vollständig auf die zentralen Projektverwaltungsanwen- dungen der Kommission auf. Hierdurch ist gewährleistet, keine redundanten oder asynchronen Daten für weitere Verfahrens- schritte zu verwenden. Durch das hierdurch mögliche Monitoring der Verfahrensschritte können idealerwei- se Bearbeitungszeiten (z.B. hinsichtlich der Fristen) übersichtlich dargestellt wer- den. Durch den Einsatz unterschiedlicher Anwendungen soll gewährleistet werden, alle Verfahrens- und Bearbeitungsschrit- te einzelner Projekte für alle Beteiligten transparent zu halten. Nur so kann unser Ziel, allen Mitarbeitenden zu jeder Zeit an jedem Ort den gleichen Wissens- und In- formationsstand zu bieten, überhaupt er- reicht werden. Idealerweise werden durch digitale Arbeitsprozesse die unproduktiven Arbeitsschritte signifikant reduziert. Das Zusammenspiel der digitalen Prozesse der Europäischen Kommission und der Nationalen Agentur wird seit kurzem kom- plettiert durch den Einsatz der E-Akte des Bundes. Hierdurch sollen nicht nur man- che Prozesse produktiver gestaltet werden, sondern Unterlagen und Dokumente kön- nen hierdurch rechtssicher digital nachge- halten und archiviert werden. Auch wenn es sicherlich noch lange Zeit dauern wird, bis die laufenden Meter tonnenschwerer Aktenordner in den großflächigen Archi- ven der Bundesbehörden der Vergangen- heit angehören, so ist zumindest ein erster Schritt dazu getan. IT-Tools in der Programmumsetzung Mehr Transparenz und Effizienz D BAHRAM KAZEMKHANI Leiter des Teams „Finanzen und Informationstechnologie“ in der NA beim BIBB JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B un d pr iv at 22 23Digitalisierung ie sitzen an Ihrem Projektantrag für Erasmus+ und sind fast fertig. Doch dann kommt diese eine Frage: Wie werden Sie die Online-Plattformen der Europäischen Kommission (z. B. EPALE) für Ihr Projekt nutzen? EPALE… da war doch mal was? Das Angebot an Informationen und Tools der E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa ist enorm groß. Alleine die Möglich- keit, sich Inspiration aus 37 Ländern zu ho- len, lässt die Größe der Plattform erkennen. Wo also soll man als Projekt beginnen? Und wie kann man die vorhandenen Tools am Besten nutzen? Unsere fünf Tool-Tipps ge- ben Ihnen eine erste Orientierung. Tipp 1: Projektpartnersuche Die Projektpartnersuche auf EPALE ist eine Erfolgsgeschichte. Hier finden Sie Projekt- partner aus den Programmländern von Erasmus+ oder Sie können sich finden lassen. Vielfältige Filtermöglichkeiten z. B. nach Land, Thema, Art der Organisation oder Leitaktion vereinfachen Ihre Suche. Ganz neu gibt es nun die Möglichkeit für ak- kreditierte Organisationen der Leitaktion 1, sich einfacher zu präsentieren und so sicht- barer zu werden. Das Feedback aus den unterschiedlichen Organisationen ist positiv und berichtet eher von einem Überfluss an Angeboten als von einem Mangel. Tipp 2: Erasmus+ Space Der Erasmus+ Space ist das Schaufenster für Ihr Projekt. Als Micro-Site konzipiert ver- fügen Sie im Erasmus+ Space sowohl über einen internen, privaten Bereich für sich und Ihre Projektpartner als auch über einen öffentlichen Bereich, in dem Sie Neuigkei- ten, Veranstaltungen und Ergebnisse aus Fünf EPALE-Tools für Ihr Projekt Erasmus+-Projektnehmer profitieren vom Angebot der E-Plattform für Erwachsenenbildung S © g oo dl uz /A do be St oc k 22 23 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Ihrem Projekt der gesamten EPALE-Commu- nity präsentieren können. Der interne Bereich kann dabei sehr gut zum Projektmanagement genutzt werden. Der Erasmus+ Space ist be- sonders für kleinere Projekte geeignet, die möglicherweise keine eigene Website besit- zen und trotzdem eine dauerhafte Präsenz im Web haben möchten. Tipp 3: Praxisbezogene Communities Sich mit Menschen aus ganz Europa austau- schen können Sie in den Praxisbezogenen Communities. Das sind offene Räume, die speziell zum thematischen Austausch ge- schaffen wurden. Ein Thema interessiert Sie? Durch einen einfachen Klick treten Sie der Gruppe bei und können sich nun aktiv an der Diskussion und der Weiterentwicklung des Themas beteiligen. Ihr Thema gibt es noch nicht? Auch das ist kein Problem. Denn eine Praxisbezogene Community lässt sich in weni- gen Augenblicken über ein Formular anlegen. Die Praxisbezogenen Communities sind be- sonders geeignet, um vor der Antragstellung Themen zu vertiefen und zu recherchieren oder auch um neue Projekte zu entwickeln. Tipp 4: Online-Diskussionen Die circa alle sechs Wochen stattfindenden Online-Diskussionen bieten Ihnen eine Platt- form zum fokussierten Austausch und zur Vertiefung des jeweiligen Diskussionsthemas. Experteninputs legen den Grundstein für die nachfolgende Diskussion. Sie haben ein Pro- jekt zum Diskussionsthema gemacht? Umso besser, denn die Diskussion bietet auch einen Rahmen, in dem Sie Ihre Ergebnisse vorstellen bzw. sich Feedback aus der Community zu Ih- ren Ideen holen können. Tipp 5: Ressourcen-Zentrum Das Ressourcen-Zentrum ist eine wahre Fund- grube, wenn Sie gerade ein bestimmtes The- ma für Ihren Projektantrag recherchieren. Lassen Sie sich von den bereits existierenden Projektergebnissen und -materialien inspi- rieren, finden Sie die Nische, die Ihr Projekt füllen kann, oder ein Themenfeld, das Sie in Ihren Kontext transferieren möchten. Im Res- sourcen-Zentrum finden Sie z.B. Forschungs- berichte, Projektmaterialien, Zugriff auf Lern- plattformen, Unterrichtsmaterialien (als OER), Policy-Dokumente und Statistiken. Stöbern Sie doch einfach mal! EPALE ist eine offene, mehrsprachige Com- munity. Auf die meisten Angebote können Sie ohne Registrierung zugreifen. Für die interak- tiven Angebote (Projektpartner-Suche, Eras- mus+ Space, Praxisbezogene Communities, Online-Diskussionen usw.) benötigen Sie ein EPALE-Konto, für das Sie sich kostenfrei mit einer E-Mail-Adresse registrieren können. INFO https://epale.ec.europa.eu/de Digitale Transformation DR. CHRISTINE BERTRAM leitet die Nationale Koordinie- rungsstelle EPALE in der NA beim BIBB bertram@bibb.de © N A b ei m B IB B 24 25 Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis © G ra fik : B lu eb er ry & A do be St oc k EUROPEAN DIGITAL CREDENTIALS FOR LEARNING Funktionen: Mehrwert für: Jetzt starten: Beratung: www.europass-info.de Bildungsnachweise aus dem In- und Ausland einfach verstehen und überprüfen, Bewer- bungsunterlagen effizienter verarbeiten AUSSTELLEN SPEICHERN ÜBERPRÜFEN TEILEN Fälschungssichere digitale Bildungsnachweise aus- stellen und an die Lernen- den vergeben https://europa.eu/europass/de/european-digital- credentials-learning Digitale Bildungsnach- weise sicher speichern, on- und offline Digitale Bildungsnach- weise unmittelbar und automatisch auf Echtheit und Gültigkeit prüfen Digitale Bildungsnach- weise mit einem Klick an andere Personen oder Organisationen senden Zeugnisse papierlos erstellen und Bildungsnachweise aus anderen Ländern besser verstehen BILDUNGSEINRICHTUNGEN ARBEITGEBER/-INNEN Alle Bildungsnachweise sicher digital verwahren und ganz einfach für Online-Bewerbungen nutzen LERNENDE EU-Kommission steht Rede und Antwort zu neuer Initiative Die EU-Kommission hat im Oktober 2021 offiziell ihre Initiative der Europäischen Digitalen Bildungsnachweise (European Digital Credentials for Learning) gestartet. Damit stellt sie einen europäischen Standard zum Ausstellen, Speichern, Verifizie- ren und Teilen von digitalen Zeugnissen und Zertifikaten bereit. Die Initiative ist eng verknüpft mit Europass, denn im Europass-Portal können Nutzerinnen und Nutzer solche Zertifikate in ihrer Online-Bibliothek speichern und im Rahmen von Bewerbungen teilen. https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning 24 25 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation arum sollten Bildungseinrichtungen ihre Zertifikate digitalisieren? Die Digitalisierung von Zeugnissen und Zertifikaten bringt Bildungseinrichtungen viele Vorteile. Nach einem anfänglichen Aufwand zur erstmaligen Einrichtung der Software kann die Umstellung auf digitale Bescheinigungen die Kosten für deren Aus- stellung signifikant senken. Sie kann ferner dazu beitragen, spätere Aufgaben wie die Bereitstellung von beglaubigten Kopien oder die Überprüfung der Gültigkeit und Echtheit der mit Bewerbungen eingereich- ten Nachweise zu verringern. Digitale Bil- dungsnachweise nach dem internationalen Standard der Verifiable Credentials sind si- cher und können nicht manipuliert werden. Bildungseinrichtungen werden auch in der Lage sein, die Nachweise von Lernenden besser zu verstehen. Schließlich kann die Digitalisierung von Zeugnissen den Einrich- tungen helfen, einen weiteren Schritt in ihrem digitalen Transformationsprozess zu gehen. Können digitale Bildungsnachweise auch für nicht-formale und informelle Lernerfahrungen erstellt werden? Europäische Digitale Bildungsnachweise (EDB) können für jede Lernleistung ausge- stellt werden. Sie sind so konzipiert, dass sie eine gemeinsame Sprache für verschie- dene Arten von Nachweisen wie Qualifi- kationen, Leistungsnachweise und Zeug- niserläuterungen bieten. Sie können auch für berufliche Nachweise, Arbeitszeugnisse und jede andere Art von Lernbestätigungen verwendet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Lernergebnisse aus formalem, informellem oder nicht-formalem Lernen resultieren. Entscheidend ist das Lernergeb- nis selbst, einschließlich der dabei erwor- benen Fähigkeiten. Mehrere Organisati- onen nutzen EDB bereits für nicht-formales und informelles Lernen – zum Beispiel das Erasmus Student Network (ESN), das EDB für die Ausstellung von nicht-formalen Zer- tifikaten für Schulungen nutzt, die es für seine Mitglieder organisiert. Welche Vorteile haben Lernende davon? Lernende können ihre Europäischen Di- gitalen Bildungsnachweise in der Online- Bibliothek ihres Europass-Profils oder in einer anderen digitalen Brieftasche sowie auf einem PC ihrer Wahl speichern. Die Online-Bibliothek von Europass ist Teil des ePortfolios und ermöglicht es den Nutze- rinnen und Nutzern, sämtliche Zeugnisse und Zertifikate dauerhaft online zu spei- chern und einzusehen sowie diese auf einfache und sichere Weise z.B. mit Ar- beitgebern, Bildungseinrichtungen oder Anerkennungsbehörden zu teilen. Die Lernenden haben dabei die volle Kontrol- le über ihre Daten; alle hier beschriebenen Prozesse sind DSGVO-konform. Gleichzei- tig werden Anerkennungsprozesse durch die digitale Überprüfbarkeit der Echtheit und Gültigkeit der Nachweise enorm ver- einfacht, was die Mobilität zum Lernen und Arbeiten in Europa erleichtert. Was sind die größten Herausforde- rungen, denen Sie bei der Umsetzung begegnen? Insgesamt zielt die Arbeit rund um die EDB darauf ab, sicherzustellen, dass digitale Bil- dungsnachweise in ganz Europa leicht ver- standen werden können. Da derzeit viele Initiativen für digitale Zeugnisse entwickelt werden, besteht eine der größten Heraus- forderungen darin, sicherzustellen, dass diese verschiedenen Systeme miteinander „sprechen“ und dieselben semantischen Standards verwenden können. Zu diesem Zweck wurde das „Europäische Lernmo- dell“ entwickelt. Eine weitere Herausforde- rung ist die Verwendung des elektronischen Siegels. EDB-Zugangsdaten werden durch ein E-Siegel digital signiert, das mit der EU-Verordnung eIDAS konform ist. Dank des E-Siegels haben EDB denselben recht- lichen Wert wie Papierzertifikate. Die Erlan- gung des E-Siegels kann manchmal eine Herausforderung sein. Das EDC-Support- team kann jedoch in diesen Fällen helfen. Die Fragen stellte Franziska Bopp vom Nationalen Europass Center in der NA beim BIBB. bobb@bibb.de INFO https://europa.eu/europass/de/ european-digital-credentials-learning CÉLINE JAMBON Referentin Referat B.2 Skills Agenda, Generaldirektion Beschäftigung und Soziales, EU-Kommission KOEN NOMDEN Teamleiter Referat B.2 Skills Agenda, Generaldirektion Beschäftigung und Soziales, EU-Kommission © E U -K om m is si on Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis W https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning 26 27 s war ein bewegender Moment, als Schulleiter Harald Köster und die Leh- rer David Distelmann und Andreas Gaul von der Max-Eyth-Schule in Dreieich die Bühne auf der Jahrestagung der Natio- nalen Agentur betraten. Im Namen der Europäischen Kommission wurden sie für ihr herausragendes Engagement bei der Umsetzung von Erasmus+-Pro- jekten mit dem „European Innovative Teaching Award“ ausgezeichnet. Kurz zuvor hatten die Anwesenden die drei Preisträger noch in einer Kurzdokumentati- on auf der großen Leinwand gesehen. Dort berichteten sie voller Begeisterung von ihrem Erasmus+-Projekt „Die Brücke der Verstän- digung und Begegnung“. Die Idee – simpel und genial zugleich. Deutsche und spanische Schülerinnen und Schüler, auch mit gerin- geren Chancen, gemeinsam eine Brücke nach dem Vorbild des Ureuropäers Leonardo da Vinci bauen zu lassen und gleichzeitig den interkulturellen Austausch zu fördern. Gesagt, getan: Zusammen mit einer Schü- lergruppe stiegen die beiden Lehrer in den Flieger nach Spanien. Besonders auf- regend: Für einige der Schülerinnen und Schüler war es die erste Auslandsreise ihres Lebens. Anfängliche Berührungsängste und Sprachbarrieren wurden angesichts des gemeinsamen Projekts jedoch schnell überwunden. Alle packten mit an und nutzten die Chance, ihre individuellen Fä- higkeiten einzubringen. Am Ende standen sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrer Gaul und Distelmann sicht- lich zufrieden vor ihrem Bauwerk und sogar das spanische Fernsehen berichtete über das Projekt. European Innovative Teaching Award 2022 Max-Eyth-Schule in der Kategorie „berufliche Schulen“ ausgezeichnet E Klaus Fahle und die Preisträger Andreas Gaul, Harald Köster und David Distelmann auf der NA-Jahrestagung N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er + 26 27 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Einstimmiges Fazit: Einsatz zahlt sich aus Auf die Frage, welchen Mehrwert Eras- mus+-Projekte hätten, schließlich handelt es sich bereits um das dritte Erasmus+-Projekt, das die beiden Lehrer begleiteten, antworten beide ohne zu zögern. Für sie als Lehrer sei es unglaublich bereichernd zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler über sich hinaus- wachsen, selbstbewusster werden und zu- nehmend an sich und ihre eigenen Fähigkei- ten glauben. Das mache die Projekte in ihren Augen auch so nachhaltig. Nachhaltigkeit spielt auch sonst eine große Rolle an der Max-Eyth-Schule, wie Schullei- ter Harald Köster betont. Angefangen mit dem schuleigenen Obst- und Gemüsegarten und dem angrenzenden Biotop bis hin zum Recycling von Baumaterialien vergangener Projekte. Alles sind Initiativen, die die drei in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern ins Leben gerufen haben. Schnell wird deutlich: Es ist dem Lehrpersonal ein großes Anliegen, ein inklusives Lernum- feld zu schaffen, in dem junge Menschen ihr Potenzial nutzen können. Auch wenn dies teilweise mehr Einsatz erfordert. Am Ende lohnt es sich. Denn alle Jugendlichen, die am Projekt beteiligt waren, haben im Anschluss einen Ausbildungsplatz in der Tasche gehabt. INFO https://mes-dreieich.de Sie möchten mehr über das Projekt erfahren? Die ganze Kurzdokumentation finden Sie auf unserem YouTube-Kanal: Abb. 1: David Distelmann mit Schülern in der Werkstatt Abb. 2: Schulleiter Harald Köster auf der EITA-Preisver- leihung in Brüssel Abb. 3: Schülerinnen und Schüler vor dem Geodome (aus recycletem Material erstellt) Erasmus+ NADJA LINKE ist wissenschaftliche Mitarbei- terin im Team „Information und Öffentlichkeitsarbeit“ in der NA beim BIBB nadja.linke@bibb.de © N A b ei m B IB B © N A b ei m B IB B © S ar ah B ün n © E U -K om m is si on Der „European Innovative Teaching Award“ (EITA) wird seit 2021 jährlich von der EU-Kommission vergeben. Ausgezeichnet werden abgeschlossene Erasmus+-Pro- jekte, in denen herausragende Unterrichtspraktiken umgesetzt wurden und die zum Jahresthema der Aus- zeichnung passen. Dieses lautete 2022 „Learning to- gether, promoting creativity and sustainability“ und ist eng verbunden mit der EU-Initiative „New European Bauhaus“. EITA würdigt Leistungen in den Kategorien „vorschulische Bildung“, „Grundschule“, „Sekundar- schule“ und „berufliche Schulen“. 1 32 28 29 © B ar ba ra W ild eit 2017 dient der Nutzerbeirat Erasmus+ als ein strukturiertes Dialogangebot zwischen der NA beim BIBB und den Projektträgern; er soll die kon- struktive und passgenaue Weiterentwicklung der Dienstleistungen in der Nationalen Agentur un- terstützen. Zugleich gibt er allen Organisationen der Berufs- und Erwachsenenbildung die Chance, ohne formalen Aufwand Kritik und Wünsche für die Zukunft des Programms Erasmus+ zu formu- lieren, da die Mitglieder des Nutzerbeirats einge- hende Meldungen sammeln und auf den regu- lären Sitzungen zur Diskussion stellen. Auf der Jahrestagung in Weimar Ende Septem- ber 2022 präsentierte sich der neu gewählte Nutzerbeirat dem anwesenden Publikum. Zuvor hatten sich über 400 Einrichtungen an der Wahl beteiligt und ihre Stimme für eine oder einen der insgesamt 26 Kandidatinnen und Kandidaten abgegeben. Im Ergebnis wurden die folgenden Vertreterinnen und Vertreter in den Nutzerbeirat gewählt, der sich im Januar 2023 zu seiner konsti- tuierenden Sitzung in Bonn treffen wird. Die Wahlperiode des neu gewählten Nutzerbei- rats geht bis Ende 2024. Projektnehmer können sich mit ihren Meinungen und Anliegen direkt an die Mitglieder des Nutzerbeirats wenden. Die Kontaktdaten finden sich auf der NA-Website. INFO www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ gewählt Mitwirkungsmöglichkeit inzwischen gut etabliert S Name Institution Bildungsbereich/Aktion Dr. Wolfgang Bautz Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit, Potsdam Erwachsenenbildung - Partnerschaften Sabine Beyer Airbus Operations GmbH, Bremen Berufsbildung - Mobilität Sophia Bickhardt weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Erwachsenenbildung - Partnerschaften Bildung, Berlin Julia Francke Landesverband der Volkshochschulen Schleswig- Erwachsenenbildung - Mobilität Holsteins, Kiel Andreas Koth Internationaler Bund (IB) Region Sachsen Ost, Berufsbildung - Partnerschaften Dresden Marko Krahmer BBZ am Nord-Ostsee-Kanal – Europaschule, Berufsbildung - Mobilität Rendsburg Ursula Lieb Staatliches Berufliches Schulzentrum Kronach, Berufsbildung - Mobilität Kronach Thorsten Noelle Bezirksregierung Köln Dezernat 45 – Berufsbildung - Mobilität EU-Geschäftsstelle, Köln Robert Stolzenberg Staatsinstitut für Schulqualität, München Berufsbildung - Mobilität Andrea Wisotzki QBS Gewerkstatt, Bochum Berufsbildung - Partnerschaften Erasmus+ N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er Der neue Nutzerbeirat (nicht alle Mitglieder anwesend) stellt sich auf der NA-Jahrestagung vor. 28 29 Bildung Für Europa | Dezember 2022 © B ar ba ra W ild ieser Beitrag gibt den Informations- stand vom 9. Dezember 2022 wieder. Nachdem wir über die erste Antrags- runde des Jahres 2022 im Journal Nr. 35 berichtet hatten, geht es aktuell um die Herbst-Antragsrunde des Jah- res 2022. Mobilitäten für Einzelper- sonen und kleinere Partnerschaften konnten zusätzlich zum Februar-Ter- min ein zweites Mal zum 04.10.2022 beantragt werden. Die Frist für die Beantragung von Erasmus-Akkreditie- rungen endete am 19.10.2022. Berufsbildung Mobilität Im Bereich der Berufsbildung wurden 227 Anträge auf eine Erasmus+-Akkreditierung eingereicht. Nach rund 400 bzw. 200 An- trägen in den beiden Vorjahren zeigt sich, dass das Interesse an der Akkreditierung auch im dritten Jahr erfreulich hoch ist. Über die Vergabe der neuen Akkreditierung wird Anfang des Jahres 2023 entschieden. Im Rahmen der zweiten Antragsrunde der Kurzzeitprojekte wurden 22 Projekte mit knapp 400 Teilnehmenden und einem Bud- get von rund 1 Million Euro bewilligt. Insgesamt wurden im Jahr 2022 23.758 Auslandsaufenthalte bewilligt. Mit dem Abschluss der Antragsrunden 2022 ist es nun möglich, eine Bewertung der Entwick- lung vorzunehmen. Der bisher höchste Stand wurde im Jahr 2019 mit fast 33.000 Auslandsauenthalten erreicht. Im Jahr 2020 sanken die Aufenthalte aufgrund des Brexits auf rund 29.000 Aufenthalte ab. Im Jahr 2021 brachen die Zahlen dann wegen der Corona-Pandemie auf gut 10.000 Mobili- täten ein. Daraus ergibt sich, dass die Aus- landsaufenthalte mit dem Abklingen der Pandemie im Jahr 2022 sehr schnell auf 80 Prozent des Vor-Corona-Niveaus des Jahres 2020 angestiegen sind und bereits bei 70 Prozent des bisher höchsten Wertes vor dem Brexit im Jahr 2019 liegen. Dies ist ein erfreulicher Trend. Erwachsenenbildung Mobilität Auch in der Erwachsenenbildung fällt die Bewertung der Antragsrunden 2022 positiv aus. Im Rahmen der zweiten Antragsrun- de 2022 sind sieben Kurzzeitprojekte für 134 Teilnehmende mit einem Budget von 253.562 Euro bewilligt worden. Außerdem wurden 14 Anträge auf Akkreditierung ge- stellt, über deren Förderung Anfang 2023 entschieden wird. Im Vergleich zum Jahr 2021 ist die Anzahl der bewilligten Anträge und Mobilitäten 2022 leicht gestiegen. So konnten Auslands- aufenthalte für 1.479 Teilnehmende in 43 verschiedenen Projekten gefördert werden. 2021 waren es 1.238 Teilnehmende in 37 Projekten. Erfreulich ist außerdem, dass deutlich mehr Mobilitäten für die neue Ziel- gruppe der Lernenden mit geringeren Chan- cen bewilligt wurden. Während 2021 194 Lernenden-Mobilitäten gefördert werden konnten, waren es 2022 insgesamt 379. Berufsbildung Partnerschaften In der zweiten Antragsrunde 2022 konnten in der Leitaktion 2 ausschließlich kleinere Partnerschaften beantragt werden. In der Berufsbildung wurden 38 Projektanträge eingereicht, davon drei in der Pauschalka- tegorie 30.0000 Euro und 35 in der För- derpauschale 60.0000 Euro. Insgesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 2,19 Millionen Euro beantragt. Die Entscheidung des Auswahlausschusses erfolgt nach Re- daktionsschluss dieses Journals. Die am häufigsten adressierten Programm- prioritäten waren „Bewältigung des digi- talen Wandels durch Aufbau von digitaler Bereitschaft, Widerstandsfähigkeit und Kapazität“ (15) als horizontale Priorität gleichauf mit der berufsbildungsspezi- fischen Priorität „Anpassung der beruf- lichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ (15). Dahinter folgten die Prioritäten „Inklusion und Viel- falt“ (14) und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“ (12) als berufsbildungsspe- zifische Priorität. Die weiteren horizontalen Prioritäten „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“ sowie „Gemeinsame Werte, zivilgesellschaftliches Engagement und Teil- habe“ wurden jeweils achtmal adressiert. Erwachsenenbildung Partnerschaften Bei den Partnerschaften für Zusammenar- beit in der Erwachsenenbildung wurden in der zweiten Antragsrunde insgesamt 78 Anträge für kleinere Partnerschaften einge- reicht. Dies ist die bislang höchste Anzahl an Anträgen, die für diese Aktion zu einer Antragsfrist eingereicht wurden. Davon kamen 76 Anträge in die inhaltliche Bewertung, was einem Fördervolumen von 4.350.000 Euro entspricht. Die überwie- gende Mehrheit der Projekte beantragte die Pauschalsumme von 60.000 Euro, nur sieben Projekte entschieden sich für ein Budget von 30.000 Euro. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses befindet sich die inhaltliche Bewertung der Anträge gerade in der Endphase, sodass Mitte Dezember durch den Auswahlaus- schuss die Auswahlergebnisse bestätigt werden. Im Zeitraum von 1. Januar bis 31. August 2023 werden dann die Projekte ihre Arbeit aufnehmen. Bezüglich der adressierten Prioritäten bei den beantragten Projekten lag die horizon- tale Priorität „Inklusion und Vielfalt“ klar an der Spitze. Dahinter folgten bei den hori- zontalen Prioritäten „Gemeinsame Werte und Teilhabe“, „Bewältigung des digitalen Wandels“ sowie „Umwelt und Bekämp- fung des Klimawandels“. Spitzenreiter bei den bereichsspezifischen Prioritäten war „Verbesserung der Kompetenzen von Pä- dagogen“. Erasmus+-Antragsrunde 2022 Erfreuliche Entwicklung D Erasmus+ 30 31Erasmus+ Hinweise zur Antrag- stellung Leitaktion 2: Einreichung von „Mandaten“ In der Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zusam- menarbeit) müssen Antragsteller sogenannte „Mandate“ der beteiligten Einrichtungen einbrin- gen – idealerweise zum Zeitpunkt der Antrag- stellung, doch in Ausnahmefällen auch im Nach- gang der Antragseinreichung. Seit einigen Jahren steigen die Fallzahlen, in denen die Antragsteller aufgefordert werden müssen, diese „Mandate“ nachzureichen. Dies führt auf der Seite der Na- tionalen Agentur mittlerweile zu einer deutlichen Belastung der Folgeprozesse – von der qualita- tiven Bewertung durch Gutachtende bis zur Sit- zung der Auswahlausschüsse, da über mehrere Wochen Dokumente nachgefordert und ggf. mehrere Fristen gesetzt werden müssen. Die NA beim BIBB möchte daher alle Antragsteller auffordern, alle notwendigen Unterlagen zusam- men mit dem Antrag einzureichen, also neben der (unterschriebenen) ehrenwörtlichen Erklärung auch die (beiderseitig unterschriebenen) Manda- te aller Partner. Im Falle von Anträgen mit einem Antragsvolumen von mehr als 60.000 Euro ist darüber hinaus eine Gewinn- und Verlustrech- nung sowie die Bilanz des letzten abgeschlos- senen Geschäftsjahres eizureichen. Positiver Effekt guter Planung Die Einreichung der kompletten Unterlagen schon zum Zeitpunkt der Antragstellung führt idealerweise auch dazu, dass eine andere wahrnehmbare Tendenz der Vorhaben in der Leitaktion 2 aufgebrochen wird: der Austritt einzelner Einrichtungen aus den Konsortien der Partnerschaftsprojekte. In der neuen Programm- generation werden deutlich häufiger als in der Vergangenheit entsprechende Anträge auf Part- nerwechsel eingereicht, teilweise sogar schon vor dem eigentlichen Beginn der Projektlaufzeit. Wenn die Anforderung, signierte Mandate ein- zureichen, zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Auswahl der am besten geeigneten Partner eines Konsortiums führt, so erscheint dies als ein positiver Nebeneffekt für ein erfolg- reiches und stabiles Projektvorhaben. JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB vancapelle@bibb.de as ist ein “Scam”? Was ist der Zweck von „Clickbaiting“? Und wie erken- ne ich illegale Angebote im Internet? Digitale Kompetenzen sind heutzu- tage ein unverzichtbarer Bestandteil sowohl im Arbeitsleben also auch im Alltag. Die EU-Kommission hat ein Tool veröffentlicht, mit dem die eigenen digitalen Kompetenzen anhand eines Online-Tests systematisch eingeschätzt werden können. Das Selbstbewertungstool zur Erfassung digitaler Kompetenzen (Digital Skills Self Assessment Tool) ist Teil der erneuerten Europäischen Kompetenzagenda (07/2020). Darin wird das Ziel formuliert, dass bis 2025 der Anteil der Erwachse- nen zwischen 16 und 74 Jahren mit zumindest grundlegenden digitalen Kompe- tenzen auf 70 Prozent steigen soll (von 56 Prozent im Jahr 2019). Weitere poli- tische Initiativen in dem Kontext sind der Aktionsplan digitale Bildung (09/2020) und der Digitale Kompass 2030 (03/2021), in dem ein weiteres Ziel formuliert wird: Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent der Bevölkerung über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat 2023 zum „Europäischen Jahr der Kompetenzen“ ausgerufen. Digitales Know- how ist auch wichtig, um sich vor zunehmendem Datendiebstahl und Betrugs- maschen im Internet zu schützen. In diesem Zusammenhang bezeichnet „Scam“ einen Betrug, bei dem Opfern Geld abgeknöpft wird, oft durch per E-Mail ver- schickte Gewinnversprechen. „Clickbaiting“ setzt sich zusammen aus den engli- schen Begriffen für „Klicken“ und „Ködern“ und bezeichnet die Methode, mittels reißerischer Überschriften viel Aufmerksamkeit in Form von Klicks (und damit u.a. mehr Werbeeinnahmen) zu generieren. Doch wie genau lassen sich nun digitale Kompetenzen messen? Umfang und Funktion des Tools Das „Digital Skills Self Assessment Tool“ basiert auf dem europäischen Refe- renzrahmen für digitale Kompetenzen DigComp1 und ist sowohl über das Euro- pass-Portal als auch über die Digital Skills and Jobs Platform der EU-Kommission aufrufbar. Anhand eines dynamischen Online-Fragenkatalogs werden die Kom- petenzen in fünf Bereichen abgefragt: Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal W 30 31 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Weitere Themen Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal 1. Informations- und Datenkompetenz 2. Kommunikation und Kooperation 3. Erstellung digitaler Inhalte 4. Sicherheit 5. Problemlösung Am Ende erhalten die Nutzerinnen und Nutzer des Tools eine Be- scheinigung als PDF, auf der das Niveau ihrer Antworten auf einer Skala von 1 bis 6 eingestuft wird. Das Dokument enthält auch eine inhaltliche Beschreibung der jeweiligen Niveaustufe. So bedeutet Niveau 4 in der Kategorie „Sicherheit“ zum Beispiel: „Auf diesem fortgeschrittenen Niveau kannst du sowohl einfache als auch un- vorhersehbare Situationen alleine bewältigen. Dazu gehört der Schutz deiner Geräte (z. B. Mobiltelefon, Laptop), deiner persön- lichen Daten, deiner Gesundheit und der Umwelt bei der Nutzung digitaler Dienste.“ Nutzen der Kompetenzerfassung Wofür kann das Ergebnis des Tests nun genutzt werden? Wie der Name schon sagt, dient das Instrument der Selbsteinschätzung und ist keine offizielle Zertifizierung2. Das Tool ist im Wesentlichen auf drei Ebenen hilfreich: 1. Zum einen bietet das Raster eine objektive und systematische Kategorisierung des Konzepts der „digitalen Kompetenzen“. Das hilft dabei, eine gemeinsame Sprache für die verschiedenen Akteu- re zu etablieren. Mit dem Raster können zum Beispiel Kompetenzen von Bewerberinnen und Bewerbern und Anforderungsprofile von Stellenanzeigen oder Weiterbildungsangeboten besser aufeinander abgestimmt werden. 2. Lernende oder Jobsuchende können anhand des Rasters ihre digitalen Kompetenzen erfassen und in ihrem Lebenslauf entspre- chend angeben. Das fördert auch die Selbstreflexion und Sensibi- lisierung für dieses Thema. Die Ergebnisse des Tests sind mit weni- gen Klicks in das Europass-Profil und damit auch in einen Europass Lebenslauf übertragbar. 3. Anhand des Tests können zudem mögliche Lernlücken identifi- ziert werden. Über das Europass-Portal ist es dann möglich, passen- de Kurse und Lernangebote auf der Basis des eigenen Testergebnis- ses zu erhalten oder zu suchen. Das hier vorgestellte Tool ist vor allem in Kombination mit dem Europass-Profil und der Europass-Plattform eine praktische und einfache Anwendung, die auch gut in Schulen oder in Beratungs- kontexten genutzt werden kann. Das Tool steht in 30 Sprachen zur Verfügung. Damit die digitalen Kompetenzen der Bevölkerung noch besser und die politischen Ziele erreicht werden können, hat die EU-Kommissi- on zudem angekündigt, Vorschläge zu unterbreiten für zwei neue Ratsempfehlungen: eine für bessere Vermittlung digitaler Kompe- tenzen in der allgemeinen und beruflichen Bildung3 und eine über Schlüsselfaktoren für den Erfolg digitaler Bildung4. INFO www.europass.eu 1 Vuorikari, R., Kluzer, S. and Punie, Y., DigComp 2.2: The Digital Competence Framework for Citizens - With new examples of knowledge, skills and attitudes, EUR 31006 EN, Publications Office of the European Union, Luxembourg, 2022. 2 Im Auftrag der EU-Kommission läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie für ein European Digital Skills Certificate (EDSC), siehe https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital- competence-certificate-edsc_de. 3 https://education.ec.europa.eu/de/focus-topics/digital-education/action-plan/action-10 4 https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/13207-Digital-education-enabling-factors-for-success_en FRANZISKA BOPP leitet das Nationale Europass Center in der NA beim BIBB. bopp@bibb.de © N A b ei m B IB B https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital-competence-certificate-edsc_de https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital-competence-certificate-edsc_de 32 33Weitere Themen m Dezember 2021 verabschiedete der Europäische Rat die neue Entschlie- ßung für eine neue europäische Agen- da für die Erwachsenenbildung bis 2030. Diese erneuerte Agenda setzt einige neue Akzente für die digitale und grüne Transformation, beschreibt jedoch im Wesentlichen die Kontinuität der bisherigen Agenda Erwachsenen- bildung 2011-2020. Wie für die Umsetzung in den Jahren bis 2020 hat das zuständige Bundesministeri- um für Bildung und Forschung (BMBF) die Nationale Agentur beim BIBB mit der Imple- mentierung der Agenda im nationalen Kon- text beauftragt. Die Agenda-Koordinierung arbeitet weiterhin eng mit den zuständigen Landesministerien und Fachverbänden auf Bundes- und Landesebene zusammen. Fünf Prioritäten und neue Benchmarks Der Europäische Rat hat fünf Schwerpunkt- bereiche definiert, die die neue Agenda pri- oritär in den Blick nehmen soll: Bessere Governance, etwa durch inten- sivere Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Erwachsenenbildung und dem Streben nach einem ganzheit- lichen Ansatz; Verbesserung der Angebote und der Fi- nanzierung für das lebenslange Lernen und eine generelle Sensibilisierung für den Wert der Erwachsenenbildung; Steigerung der Zugangsmöglichkeiten zu Erwachsenenbildung, der Flexibilität und der Chancengleichheit; Förderung der Qualität, der Chan- cengleichheit und der Inklusion durch Professionalisierung des Bildungsper- sonals, durch Inklusion, Mobilität und Qualitätssicherung; Unterstützung des grünen und digi- talen Wandels als treibende Kraft für mehr Innovation, Nachhaltigkeit und Teilhabe. Daneben definiert die erneuerte Agenda neue Benchmarks für die Weiterbildungsbe- teiligung in den Mitgliedstaaten. Bis 2030 soll europaweit eine Beteiligungsquote von 60 Prozent erreicht sein. Hier ist Deutsch- land mit 60 Prozent Beteiligungsquote laut letztem Trendbericht des Adult Education Survey (AES)1 auf sehr gutem Weg. Die deutliche Zunahme gegenüber den Vorjah- ren war dabei nicht nur im Bereich der be- trieblichen Weiterbildung spürbar, auch bei der nicht-beruflichen Weiterbildung ließen sich deutliche Zuwächse feststellen. Dass trotz dieser positiven Entwicklung auch in Deutschland weitere Anstrengungen er- forderlich sind, ist Konsens und wird durch Initiativen wie der Nationalen Weiterbil- dungsstrategie (NWS) unterstrichen. Nationale Umsetzung 2022/23 Für die laufende Umsetzung der neuen Agenda in den Jahren 2022 und 2023 wur- de festgelegt, dass die Themen „Bildungs- beratung“ und „Skills for Life“ national Prio- rität haben. Im Bereich der lebensweltlichen Grundbildung werden wir als Nationale Ko- ordinierungsstelle uns im Besonderen mit den Themen Zukunft der Grundbildung, Bil- dung für Nachhaltige Entwicklung, Demo- kratiebildung und digitaler Grundbildung beschäftigen. Hierzu bieten wir verschie- dene Veranstaltungsformate an, die wir mit europäischen, nationalen und regionalen Partnereinrichtungen aus Politik, Praxis und Wissenschaft umsetzen. Die Ergebnisse die- ser Veranstaltungen werden auf der Web- site der Agenda Erwachsenenbildung unter www.agenda-erwachsenenbildung.de dokumentiert. Seit 2014 ist die Koordinierung der Agen- da in Deutschland ebenfalls einer der über 20 Mitveranstalter des Deutschen Weiter- bildungstags (DWT). Der nächste wird am 26.09.2023 in Berlin begangen. Das Motto 2023 „Lösungen schaffen. Zukunft sichern. Weiterbildung für die ökologisch-ökono- mische Transformation“ ist dabei passgenau für die Prioritäten der Erwachsenenbildung – national wie auch europäisch. Stärker als früher gewinnen Schnittmengen zwischen den europäisch definierten Schwerpunk- ten und nationalen Prioritäten an Kontur. So stellt die aktuelle Fortführung der NWS vom September 2022 ausdrücklich fest, dass Themen der allgemeinen Weiterbil- dung wie „Alphabetisierung und Grund- bildung“ und „Future Skills“ die Ziele aktiv unterstützen. Zwar ist die NWS weiterhin den Zielen der beruflichen Weiterbildung im gegenwärtigen Transformationsprozess verpflichtet, Themen der allgemeinen Er- wachsenenbildung gewinnen jedoch zu- nehmend an Bedeutung. Die neue Agenda Erwachsenenbildung ist weiter bemüht, diese Ziele nach Kräften zu unterstützen. INFO www.agenda-erwachsenenbildung.de Neue europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021 - 2030 Erstes Jahr der Umsetzung und Aussichten auf 2023 I 1S. BMBF, Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2020, Auflage August 2022 HANS GEORG ROSENSTEIN Nationaler Koordinator der Agenda Erwachsenenbildung in der NA beim BIBB rosenstein@bibb.de © N A b ei m B IB B 32 33 Bildung Für Europa | Dezember 2022 NATHALIE SCHNABEL Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Informa- tion und Öffentlichkeitsarbeit der NA beim BIBB für das Programm AusbildungWeltweit schnabel@bibb.de Weitere Themen © B ar ba ra W ild ach Rücknahme der meisten Coro- na-Einschränkungen in Deutschland und anderen Ländern nimmt das Inte- resse an Auslandsaufenthalten in der Ausbildung wieder verstärkt zu. Zuvor hatte die Pandemie ab März 2020 für einen Einbruch der internationalen Mobilität in der Berufsausbildung ge- sorgt. Darunter hatte nicht nur das globale Förderprogramm Ausbildung- Weltweit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, sondern auch das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ gelitten. Aus diesem Grund hat das Team von Aus- bildungWeltweit gemeinsam mit dem Erasmus+-Team im Sommer 2022 eine Kampagne ins Leben gerufen, um Aus- landsaufenthalte wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Die Kampagne mit dem Slogan „Ausbil- dung international gestalten – Für Ihre Fachkräfte von morgen“ startete zum Aus- bildungsstart 2022 und wurde von August bis Ende Oktober umgesetzt. Sie richtete sich insbesondere an Ausbildungsbetriebe in Industrie und Handwerk und will sie dort abholen, wo sie aktuell stehen: vor den He- rausforderungen der Fachkräftekrise. Die Anzeigen und Advertorials zeigen die Mög- lichkeit auf, die Ausbildungsattraktivität mit Auslandsaufenthalten zu steigern. Es erschienen Beiträge in zahlreichen Me- dien wie beispielsweise der Handwerks- presse sowie den Beilagen der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung. Flankiert wurde die Medienkampagne von der Kampagnen- webseite www.na-bibb.de/ ausbildung-international-gestalten. Wieder steigende Antragszahlen Erste positive Effekte der Kampagne und der nachlassenden Corona-Einschrän- kungen machen sich bereits bemerkbar: So konnten die Förderprogramme die Antrags- zahlen bis zum Herbst 2022 wieder deutlich steigern. Bei AusbildungWeltweit wurde mit über 250 beantragten Auslandsaufent- halten das beste Ergebnis seit Pandemie- beginn erzielt. Inzwischen kommt hier ein Drittel der Anträge von beruflichen Schulen und das Vereinigte Königreich gewinnt an Bedeutung. Die nächste Antragsrunde im Förderprogramm AusbildungWeltweit en- det am 9. Februar 2023 – es wird mit einer ähnlich guten Antragslage wie im Herbst 2022 gerechnet. „Für Ihre Fachkräfte von morgen“ Medienkampagne wirbt für Auslands- aufenthalte während der Ausbildung N © A rt w or k: N A b ei m B IB B, B ild m ot iv e: C on tr as tw er ks ta tt & M an dr ito iu /A do be St oc k © A rt w or k: N A b ei m B IB B, B ild m ot iv e: Sy da Pr od uc tio ns /A do be St oc k & c am ill e- br od ar d/ U ns pl as hk http://www.na-bibb.de/ausbildung-international-gestalten http://www.na-bibb.de/ausbildung-international-gestalten 34 35Infosplitter Infosplitter Stipendienfinder für Jugendliche Ab Januar 2023 finden Suchende in nur zwei Klicks das passende Förderprogramm für ihre geplanten Auslandsaufenthalte. Im Rahmen einer umfassenden Weiterent- wicklung wurden Struktur und Darstellung der bisherigen Förder- programm-Datenbank überarbeitet sowie die Erasmus+ Praktikums- platzsuche integriert. Ein Leitsystem bietet Orientierung, ob die Azubis selbst oder ihre Ausbildungsinstituti- on die Förderung beantragen. Europass-Vergabe Die während eines Auslandsaufenthalts erzielten Lernergebnisse werden im Europass Mobilität bescheinigt. Die Lernbereitschaft junger Menschen wird besonders gewürdigt, wenn die Übergabe des Mobilitätsnachweises in fei- erlichem Rahmen erfolgt, wie in Berlin, wo die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey 160 Auszubildende ins Rote Rathaus einlud. Die jungen Menschen waren über Erasmus+ im Ausland; organisiert wurden die Prakti- ka über GoEurope. Ideensammlung „Nachhaltigkeit“ Von der Praxis für die Praxis – so lautet der Gedanke hinter dieser Sammlung grüner Ideen. Dazu wurden unter ande- rem bisherige Projektträger von der NA beim BIBB befragt und „Gute Beispiele“ aus den bewilligten Erasmus+-Anträ- gen der letzten Jahre ausgewählt. www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/ praxisideensammlung An das 35-jährige Bestehen des europäischen Bildungsprogramms wurde im Laufe des Jahres 2022 auf verschiedene Art und Weise gedacht. Die Teilnehmenden der NA-Jahrestagung in Weimar kamen in den Genuss einer speziellen Geburts- tagstorte. Die Bonnerinnen und Bonner oder auch Besucher der Stadt, in der alle vier deutschen Nationalen Agenturen angesiedelt sind, können bis Mitte 2023 mit der „Erasmus+-Bahn“ fahren. Und vielleicht haben Sie ja eine der zu diesem Anlass herausgegebenen 2-Euro-Gedenkmünze in Ihrem Portemonnaie. Schauen Sie doch mal nach! 35 Jahre Erasmus © G oE ur op e/ Be rn d G as se r Armin Reinartz (Bundesministerium für Bildung und Forschung, links) und Klaus Fahle (NA beim BIBB) schneiden die Geburtstagstorte an. Die Idee, eine Bonner Straßenbahn als Werbeträger für Erasmus+ zu nutzen, ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen NAs zum Jubiläum. www.MeinAuslandspraktikum.de/stipendienfinder © N A b ei m B IB B / Fo to st ud ie H eu pe l N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er http://www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/praxisideensammlung http://www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/praxisideensammlung 34 35 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Infosplitter Die quadratische Flyer-Serie mit Erstinformationen zu Erasmus+ ist nunmehr komplett. Zuletzt erschienen sind Flyer zu den Partnerschaften für Zusammen- arbeit in der Berufs- (1) und Erwachsenenbil- dung (2) sowie eine Broschüre, die für Auslands- aufenthalte während der Ausbildung (3) wirbt. Sie richtet sich speziell an Unternehmen und zeigt u.a. den Mehrwert auf, der sich für ihre internationale Entwicklung ergibt. Wer sich dafür interessiert, wie Erasmus+ den Inklu- sionsgedanken umsetzt und sich auch Lernenden mit geringeren Chancen stärker öffnet, der wird im Factsheet „Zugang für alle“ (4) fündig. Das Nationale Europass Center hat ein Infoblatt zu den „European Digital Credentials for Learn- ing“ (5) sowie ein Infopaket für Lehrkräfte veröffent- licht. Dieses bietet Anregungen, wie der Europass im Unterricht eingesetzt werden kann. Ein Gemeinschaftsprodukt ist der Flyer „Europä- ische Erwachsenenbildung in Deutschland“ (6). Er zeigt auf, wie sich Erasmus+ Erwachsenenbildung, NKS Agenda und EPALE ergänzen und welche Ziele sie verfolgen. Alle Produkte können kostenlos bestellt oder als PDF heruntergeladen werden: www.na-bibb.de/publikationen An die Zielgruppe der Jugendlichen richtet sich eine neue zweiteilige Postkartenserie von MeinAus- landspraktikum. Sie will bei diesen das Interesse an einem Auslandsaufenthalt während der Ausbildung wecken (7). www.MeinAuslandspraktikum.de/ infomaterial Allgemein über Auslandsaufenthalte informiert eine Broschüre des Arbeitskreises „Wege ins Aus- land.“ An der aktualisierten 2. Auflage von „In die Ferne, fertig, los: dein Weg ins Auslandspraktikum“ war auch die NA beim BIBB beteiligt (8). https://wege-ins-ausland.org/ auslandspraktika NA-Neuerscheinungen © p ok ki /A do be St oc k. co m ZUGANG FÜR ALLE> > Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+ Das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ hat für die Programmphase 2021 bis 2027 Inklusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und zu einem Grundprinzip für alle Projekte und Aktivitäten in allen Programmaktionen erklärt. Viel- falt soll zukünftig als Chance begriffen und gesamt- gesellschaftlich als Mehrwert betrachtet werden. Barrieren und Hindernisse, die eine Teilnahme am Erasmus+-Programm bislang verhindert haben, sollen ausgeräumt werden. Dazu stehen verschie- dene Instrumente zur Inklusionsunterstützung zur Verfügung. Zielgruppen: Erasmus+ folgt einem ganzheitlichen Inklusionsbegriff und um- fasst generell Lernende mit geringeren Chancen. Hindernisse zur Teilnahme an Bildungsangeboten können entstehen durch eine wirtschaftlich prekäre Situation, soziale Ungleichheit, kulturelle Unterschiede, geografische Hindernisse, gesundheitliche Einschränkungen, körperliche oder geistige Behinderungen, Lernschwierigkeiten, einen Migrationshintergrund oder einer Flüchtlingserfahrung. 1 2 3 4 6 7 5 8 http://www.MeinAuslandspraktikum.de/infomaterial http://www.MeinAuslandspraktikum.de/infomaterial https://wege-ins-ausland.org/auslandspraktika https://wege-ins-ausland.org/auslandspraktika Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Hochschulbildung, Sport (Personal) > nur Bereich Jugend 23.02.2023 12:00 Uhr 23.02.2023 04.10.2023 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA NA-Jugend jeweilige NA NA-Jugend Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften > im Bereich Sport 22.03.2023 12:00 Uhr 22.03.2023, 17:00 Uhr jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Zentren der beruflichen Exzellenz Innovationsallianzen Kapazitätsaufbau im Bereich berufliche Bildung 08.06.2023 17:00 Uhr 03.05.2023 17:00 Uhr 28.02.2023 17:00 Uhr EACEA EACEA EACEA EACEA EACEA EACEA Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Jugend 19.10.2023 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Bildung, Erwachsenenbil- dung und Jugend > im Bereich Sport 22.03.2023 04.10.2023 jeweils 12:00 Uhr 22.03.2023, 17:00 Uhr jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (23.11.2022). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A10/2022. AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 9. Februar 2023 um 12:00 Uhr für Auf- enthalte zwischen dem 1. Mai 2023 und 30. April 2024 http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu …

[…] Inklusion und Vielfalt jeweilige NA jeweilige NA EACEA EACEA NA beim BIBB/ AusbildungWeltweit jeweilige NA Weitere Informationen 32 Europäisches Jahr der Jugend 26 35 Jahre Erasmus+ Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 35 Juli 2022 06 EU-Konzept zur Erasmus+-Priorität 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 Fax: 0228 107-2964 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 08.04.2022 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 7.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Cyclus Silk Bildnachweis Titel & Inhaltsver- zeichnis (S.5): Sharon Pittaway/Unsplash.com (Titel); AdobeStock.com: Drobot Dean, Seventyfour, Daniel Ahrndt, EYY, Zarya Maxim; Bildercollage privat Für unverbindlich eingesandte Manu- skripte, Bildmaterial und andere Unter- lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich- net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver- ständlich darstellen – in ganz Europa. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Deutschland Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 3 Bildung Für Europa | Juli 2022 © N A b ei m B IB B Liebe Leserinnen, liebe Leser, vor zehn Jahren hat die NA beim BIBB eine Studie mit dem Titel „Mobilität – Kompetenzzuwachs für Benachteiligte“ veröffent- licht. Man könnte meinen, hier bestünde große Kontinuität im Programm. Vielleicht läge auch die Vermutung nahe, die Natio- nale Agentur sei ihrer Zeit schon weit voraus gewesen. Beides trifft jedoch nicht ganz zu. Vor zehn Jahren war die Beteiligung von „Benachteiligten“ alles andere als selbstverständlich. Gerade wenn es um Internationalität und Mobilität ging, waren die unausgesprochenen Zweifel groß, ob „Benachteiligte“ wirklich hierfür geeignet seien. Mobilität war in vielen Köpfen noch mit einer „Bestenauswahl“ verbunden: Nur besonders Leistungsstarke kämen hierfür in Frage, denn nur sie würden mit den besonderen Herausforderungen zurechtkommen. Damals hatte unsere Studie vor allem eine Zielsetzung: nachzuwei- sen, dass gerade auch „Benachteiligte“ von Internationalität pro- fitieren. Im Jahr 2022 hat sich der (politische) Blickwinkel geändert. Erasmus+ soll ein inklusives Programm sein, nicht zu verwechseln mit einem Inklusionsprogramm. Menschen mit geringeren Chan- cen sollen in gleichem Umfang vom Programm partizipieren wie alle anderen. Wir sprechen auch nicht mehr von „Benachteiligten“. Vielmehr sollen alle denkbaren Zugangshürden zum Programm ab- gebaut werden. Je nach Kontext können dies unterschiedlichste Hindernisse sein und nicht nur die soziale Situation oder Behinde- rungen umfassen. Inklusion wird um Vielfalt ergänzt. Damit hat die Politik einen hohen Anspruch an das Programm for- muliert. Die Umsetzung von Erasmus+ – europäisch wie national – wird sich daran messen lassen müssen, ob dieser Anspruch ein- gelöst werden kann. Damit dies gelingt, brauchen wir aber Ihre Unterstützung. Das Journal gibt hierfür Anstöße und Informatio- nen! Denn am Schluss ist immer besonders wichtig, dass Sie gut informiert sind…. Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa Editorial 4 5 Inhalt Nr. 35 | Schwerpunkt Inklusion und Vielfalt 06 10 13 14 16 19 20 22 24 25 26 27 28 30 32 34 36 Inklusion und Vielfalt: eine Schlüsselpriorität des neuen Programms Erasmus+ Zugang für alle Die Inklusionsstrategie in der neuen Programmgeneration Good Practice: SymfoS for Youth Care Symbole sagen mehr als tausend Worte Vom Jugendbereich lernen Inklusion und Vielfalt in Erasmus+ Jugend und Europäischem Solidaritätskorps Teilhabe fördern durch lebensweltorientierte Grundbildung Die AlphaDekade hat seit 2016 gering literalisierte Erwachsene im Blick LEO-Studie: Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick Aus den Möglichkeiten eine Chance machen Während der Ausbildung beim Berufsbildungs- werk ins Ausland Auslandspraktika öffnen Türen in die Arbeitswelt Integration durch Austausch (IdA) Good Practice: Auf den Weg in den Arbeitsmarkt Empowerment von Frauen mit Migrations-/ Fluchthintergrund Aus der laufenden Projekt- arbeit: Caring & Sharing Communities Öffentliche Daseinsvorsorge im ländlichen Raum Erasmus+ 35 Jahre Erasmus+ Antragsrunde 2022 Wachsendes Interesse an Mobilität, Partnerschaften gut nachgefragt Das Netzwerk der Erasmus+ Beraterinnen und Berater wächst Gemeinsam die Mobilität in der Berufs- ausbildung fördern Weitere Bildungsthemen EPALE: Nationale The- menschwerpunkte 2022 EPALE lädt die Community zum Mitmachen ein „Dein Europa – Dein Jahr!“ Das europäische Jahr der Jugend 2022 Infosplitter Antragsfristen 4 5 Bildung Für Europa | Juli 2022 „Zentrales Ziel der Inklusions- strategie besteht darin, für alle Lernenden Zugangschancen zum Erasmus+-Programm zu schaffen.“ 22 Integration durch Austausch (IdA) 14 Vom Jugendbereich lernen 20 Berufsbildungswerk fördert Auslands- aufenthalte 10 Inklusionsstrategie der neuen Programmgeneration 28 Netzwerk der Erasmus+ Beraterinnen und Berater wächst 32 „Dein Europa – Dein Jahr“ 26 35 Jahre Erasmus+ 6 7 Inklusion und Vielfalt: eine Schlüsselpriorität des neuen Programms Erasmus+ © C la ud io S ch w ar z/ un sp la sh .c om 6 7 Bildung Für Europa | Juli 2022 ie Grundsätze der Gleichheit und Inklusi- on gehören zu den wichtigsten Werten der Europäischen Union und sind in den EU-Verträgen verankert. Im Zentrum der EU-Strategien und Programme steht seit jeher die Arbeit an diesen Kernzielen, die insbesondere in der allgemeinen und beruf- lichen Bildung, aber auch im Jugendbereich ein wichtiges Ziel darstellt. Als Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihr Amt antrat, stellte sie bei ih- rer ersten großen Rede im Europäischen Parlament, bei der es um ihre politischen Prioritäten ging, ihr Ziel einer „Union der Gleichheit“ in den Mittelpunkt. „Es bedarf Gleichheit für alle und zwar Gleichheit in allen Wortbedeutungen“, so von der Leyen. Einer der Aspekte, der ihr dabei beson- ders am Herzen lag, war ein besserer Zu- gang zu Bildungsmöglichkeiten. Der erste Grundsatz der europäischen Säule sozialer Rechte, die bereits im November 2017 von den EU-Organen verkündet worden war, lautet, dass jede Person das Recht hat auf allgemeine und berufliche Bildung und le- benslanges Lernen von hoher Qualität und in inklusiver Form. Dem stimmten die EU- Staats- und Regierungschefs im Dezember 2017 zu, indem sie die EU-Mitgliedstaaten, den Rat und die Europäische Kommission explizit aufforderten, die Arbeiten weiter voranzubringen, um Mobilität und Aus- tausch zu stärken, auch durch ein wesent- lich gestärktes, inklusives und erweitertes Programm Erasmus+. Die europäischen Strategien im Bereich all- gemeine und berufliche Bildung spiegeln die strategische Ausrichtung der Europä- ischen Union auf eine stärkere Inklusion wi- der. In der Mitteilung über die Vollendung des europäischen Bildungsraums bis 2025 wird hervorgehoben, dass das Erreichen eines bestimmten Bildungsniveaus vom sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Status entkoppelt werden sollte, um sicher- zustellen, dass die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung die Fähigkeiten jedes Einzelnen fördern. Somit steht der erneute Schwerpunkt im neuen Programm Erasmus+ auf der Inklusion voll und ganz im Einklang mit den durch den europäischen Bildungsraum entwickelten Strategien und stärkt diese noch. Befasst man sich mit den Erfahrungen der letzten beiden Jahre, so haben die Auswir- kungen der Covid-19-Pandemie gezeigt, dass die Herausforderungen hinsichtlich der Gleichheit und Inklusion in allen Be- reichen und insbesondere in der allgemei- nen und beruflichen Bildung wirksam an- gegangen werden müssen, um gegen eine immer größer werdende Kluft vorzugehen, die nicht nur die digitalen Aspekte, sondern auch den Zugang zu allgemeiner und beruf- licher Bildung betrifft. Das Konzept der Inklusion „Das Ziel einer inklusiven Bildung ist es, allen Lernenden zu ermöglichen, ihr Po- tenzial voll und ganz auszuschöpfen, indem qualitativ hochwertige Bildung in allen Be- reichen angeboten wird, wobei besonderes Augenmerk auf die Lernenden gerichtet wird, die Gefahr laufen, ausgeschlossen zu werden und unterdurchschnittliche Leis- tungen zu erbringen, indem sich aktiv um deren Förderung bemüht und flexibel auf die jeweiligen Umstände und Bedürf- nisse aller Lernenden eingegangen wird, auch durch individualisierte Ansätze, gezielte Förderung und Zusammenarbeit mit den Familien und lokalen Gemeinschaf- ten.“1 Bei der Inklusion muss es daher um die verschiedenen und vielfältigen Lebens- umstände der einzelnen Lernenden gehen. Mit Vielfalt sind hier Unterschiede aller Ar- ten gemeint. Manche Arten von Vielfalt sind offensichtlicher als andere, zum Bei- spiel wenn es um die ethnische Herkunft, Religion, Kultur und Sprache geht. Die Vielfalt geht jedoch über diese Aspekte hinaus. Sie bezieht sich auch auf Unter- schiede bei den Behinderungen und Fähig- keiten, den Bildungsniveaus, der sozialen Herkunft, der wirtschaftlichen Lage, dem Gesundheitszustand oder der Herkunft – und führt somit zur Definition von „Men- schen mit geringeren Chancen“. Beim Programm Erasmus+ sollte eine stär- kere Schwerpunktsetzung auf Inklusion und Vielfalt letzten Endes zu mehr und bes- seren Projekten führen, bei denen es ent- weder direkt um Menschen mit geringeren Chancen oder um Fragen der Inklusion und Vielfalt geht. Bei beiden Projektarten sollten positive Veränderungen für Men- schen mit geringeren Chancen und für die Gesellschaft herbeigeführt werden, sodass ein Beitrag zum Abbau von Ungleichheiten geleistet wird. Wie kann dies bewerkstelligt wer- den? Der Beitrag des Programms Erasmus+ Seit 1987 haben mehr als 12 Millionen Teilnehmende von EU-Programmen in den Bereichen allgemeine und berufliche Bil- dung, Jugend und Sport profitiert. In den Jahren 2014–2017 belief sich der Anteil von Menschen mit geringeren Chancen auf durchschnittlich 11,5 Prozent aller Teil- nehmenden in allen Programmbereichen. Dabei waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Programmen allerdings er- heblich. An Jugendprojekten nahmen bei- spielsweise bis zu 30 Prozent junge Men- schen mit geringeren Chancen teil, und bei einem Drittel der Sportprojekte ging es um Fragen aus dem Bereich der sozia- eine Schlüsselpriorität des neuen Programms Erasmus+ D Inklusion und Vielfalt 1 Weitere Orientierungshilfen für die Förderung von Gleichheit und Inklusion in der allgemeinen und beruflichen Bildung bieten die Elemente eines politischen Rahmenwerks (das von den „ET2020“-Arbeitsgruppen erstellt wurde). 8 9Inklusion und Vielfalt len Integration. Und obwohl das Programm Erasmus+ hinsichtlich der Einbeziehung von Menschen mit geringeren Chancen mit bes- seren Ergebnissen aufwarten konnte als sei- ne Vorgängerprogramme, zeigte sich bei sei- ner Zwischenevaluation, dass der Zugang zu ihm ausgebaut und die Inklusion verbessert werden musste. Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Strategie Ein wichtiges Element, das Beurteilungen und Vergleiche erschwerte, war die Tatsache, dass es in den verschiedenen Sektoren sowie bei den Zielgruppen und speziell inklusions- bezogenen Zielen keine gemeinsamen De- finitionen gab. Mit dem gemeinsamen stra- tegischen Ansatz für Inklusion und Vielfalt2, der für die neuen Programme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps 2021–2027 entwickelt wurde, soll ein gemeinsames Ver- ständnis darüber geschaffen werden, wer als Mensch mit geringeren Chancen ange- sehen werden kann, wie die Hindernisse für diese Menschen abgebaut werden können, welche Merkmale das Programm Erasmus+ aufweist und welche möglichen finanziellen Anreize es gibt. Die Strategie baut auf den Erfahrungen mit der Inklusion in den einzelnen Sektoren auf und stützt sich vor allem auf die erfolgreiche Anwendung der früheren Strategie für In- klusion und Vielfalt im Bereich Jugend (aus dem Jahr 2003) als praktisches Instrument zur Förderung von Organisationen und zur Erhöhung der Inklusivität der durchgeführten Maßnahmen sowie das bewährte Know- how der beteiligten Akteure (Interessengrup- pen, nationale Erasmus+-Agenturen und Pro- jektbegünstigte). Gleichzeitig haben die Erfahrungen mit einer Strategie zur Lenkung der Arbeit auch einen soliden Referenzrahmen auf verschiedenen Ebenen erforderlich gemacht, der auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnitten ist, um die verstärkten Bemühungen um Inklusi- on und Vielfalt zu unterstützen. Als Ergebnis dessen und zum ersten Mal in unseren Pro- grammen wurde in die Verordnung für das neue Programm Erasmus+ ein eigenes Inklu- sionskapitel aufgenommen, in dem der Eck- pfeiler für die in den sieben Jahren der Pro- grammlaufzeit gemeinsam zu entwickelnden Tätigkeiten festgelegt wird. In diesem Kapitel wird die Kommission zudem aufgefordert, einen umfassenden Rahmen für Inklusions- maßnahmen auf europäischer Ebene3 zu entwickeln, der im Oktober 2021 als zusätz- liches starkes Signal für mehr Inklusion und Vielfalt im Programm angenommen wurde. Die neue Strategie beinhaltet den Grundsatz, dass Programme allen Menschen zugänglich sein sollten, unabhängig von möglichen Hin- dernissen, und bildet das Fundament für alle Chancen, die sie Einzelpersonen und Orga- nisationen innerhalb und außerhalb der EU bieten, mit dem Ziel, niemanden zurückzu- lassen und inklusivere, gerechtere, ökologi- schere und für das digitale Zeitalter gerüstete Gesellschaften herbeizuführen. Das Hauptziel dieser Bemühungen besteht in der Tat darin, mehr Menschen im Rah- men von Erasmus+ zu ermöglichen, Lerner- fahrungen im Ausland zu machen und ins- besondere mehr Menschen mit geringeren Chancen in die Projekte einzubeziehen, un- abhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozio- ökonomischem Kontext und ihrem körper- lichen und psychischen Zustand oder ihrer Gesundheit. In Anerkennung der Tatsache, dass mehr getan werden kann, um verstärkt Personen zu erreichen, die bei der Teilnahme an den Programmen noch immer mit Hin- dernissen konfrontiert sind, stellt die Strate- gie die Grundlage für die Verbesserung der Umsetzung der Inklusionsmechanismen dar. Für mehr Inklusion in der Praxis sorgen Die Kommission hat sich mit den Bedürfnis- sen an der Basis beschäftigt und die Mög- lichkeiten untersucht, die im Rahmen des Programms Erasmus+ angeboten werden können. So müsste das Programm offener für die Teilnahme verschiedener Zielgrup- pen sein und auch Schülerinnen und Schü- ler sowie erwachsene Lernende in die Mo- bilitätsaktionen einbeziehen, sich auf deren Lernbedürfnisse konzentrieren und flexiblere Lernformate beinhalten. Natürlich bedarf es für eine größere Inklusion finanzieller Unter- stützung und einer angemessenen Bereitstel- lung derselben, doch es müssen auch andere Elemente gefördert werden, beispielsweise die Zugänglichkeit der Maßnahmen durch ihre spezielle Konzeption oder eine verstärkte Unterstützung derjenigen, die Projekte dieser Art durchführen. Beispiele hierfür sind: Unterstützung der teilnehmenden Or- ganisationen: Neben der größeren finanziellen Unterstützung für Teilneh- mende mit geringeren Chancen bein- halten die Programme nun zusätzliche Hilfe für Organisationen, die an inklusi- ven Projekten beteiligt sind, und hono- riert so die zusätzlichen Bemühungen, die inklusivere Projekte und die Einbe- ziehung von Teilnehmenden, die indi- viduellere und fortlaufende Unterstüt- zung benötigen, erfordern. Maßgeschneiderte Unterstützung der Teilnehmenden in allen Phasen ihres Projekts: Sie können auf vielerlei Weise vor, während und nach ihrem Projekt oder ihrer Mobilitätsaktion unterstützt werden (z. B. durch sprachliche Unter- stützung oder vorbereitende Besuche), um den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Flexiblere Lernangebote: Die Pro- gramme beinhalten nun vielfältigere Projekt- und Mobilitätsmöglichkeiten mit unterschiedlicher Dauer und un- terschiedlichem Format (virtuell oder in Präsenz, individuell oder in der Gruppe), damit alle Teilnehmenden die für sie passendsten Angebote wahrnehmen können. Klarere Kommunikation und Berichter- stattung: Bei der Kommunikation über die Programme sind die Europäische Kommission, die Nationalen Agenturen und alle auf nationaler und lokaler Ebene beteiligten Akteure stark um be- nutzerfreundlichere, barrierefreie und mehrsprachige Dokumente und Mate- rialien bemüht. Im Einklang mit diesen Neuerungen eröff- net das neue Programm Erasmus+ neue Möglichkeiten für die Mobilität erwachse- ner Lernender. Um die Wirkung der Aktion zu maximieren, richten sich diese Aktivi- täten speziell an erwachsene Lernende mit geringeren Chancen sowie an geringquali- fizierte Erwachsene. Zu den angebotenen Aktivitäten gehören auch Gruppenmobilität und individuelle Auslandsaufenthalte. 2 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_de.pdf 3 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/document/commission-decision-framework-inclusion-2021-27 8 9 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt Ein weiteres Beispiel für die Übertragung von Erfahrungen aus anderen Bereichen in die allgemeine und berufliche Bildung und Erwachsenenbildung zwecks Erhöhung der Inklusivität der geförderten Aktionen ist die Möglichkeit eines vorbereitenden Besuchs der Organisationen beim aufneh- menden Partner vor der Mobilitätsaktivität. Diese Besuche sind besonders interessant, um die Mobilität von Teilnehmenden mit geringeren Chancen besser vorzubereiten, die Zusammenarbeit mit einer neuen Part- nerorganisation aufzunehmen oder längere Mobilitätsaktivitäten vorzubereiten. Darüber hinaus wurde im Rahmen von Eras- mus+ kürzlich eine neue DiscoverEU-Aktion aufgelegt, um noch mehr jungen Erwachse- nen mit geringeren Chancen die Teilnahme an dieser Initiative und eine Horizont- und Wissenserweiterung durch das Bereisen verschiedener EU-Länder mit dem Zug zu ermöglichen. Dabei werden Teilnehmende, die vor kurzem das 18. Lebensjahr vollen- det haben, direkt von einschlägigen Orga- nisationen unterstützt und von gezielterer Unterstützung und entsprechenden Finan- zierungsmöglichkeiten profitieren. Aktive Rolle von Organisationen Damit all diese Mechanismen in der Praxis funktionieren, müssen wir natürlich auf die aktive Rolle und die Bemühungen aller Or- ganisationen setzen, die Erasmus+-Projekte durchführen. Von den neuen Programmen erhoffen wir uns vor allem eine verstärkte Beteiligung kleiner Organisationen, insbe- sondere von Erstantragstellern und Basisor- ganisationen auf lokaler Ebene, die direkt mit Lernenden mit geringeren Chancen al- ler Altersgruppen zusammenarbeiten, bei- spielsweise im Rahmen neuer Formate wie den kleineren Partnerschaften. Wer in diesen Bereich tätig ist, kann mit Menschen, die am schwersten zu erreichen sind, am leichtesten in Kontakt kommen und ihnen dabei helfen, die Ängste und Hindernisse zu überwinden und sie auf dem Weg zu einer einmaligen Erfahrung im Rahmen der Programme begleiten. Damit diese Inklusionsmechanismen greifen, sind wir auf Sie angewiesen! © A nd re yP op ov /A do be St oc k. co m Gebärdensprache unterstützt die Kommunikation mit gehörlosen oder stark schwerhörigen Menschen. UTE HALLER-BLOCK Leiterin des Referats "Erasmus+ Koordinierung" bei der Europäischen Kommission © p riv at & E ur op äi sc he K om is si onMARTA GUTIERREZ BENET Leiterin des Sektors "Erasmus+ Design und Umsetzung" 10 11 D © Z ar ya M ax im /A do be St oc k. co m Die Inklusionsstrategie in der neuen Programmgeneration Zugang für alle as europäische Bildungsprogramm Eras- mus+ hat für die Programmgeneration 2021 bis 2027 Inklusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und Grundprinzipien für alle Projekte und Aktivitäten in allen Programmaktionen erklärt. Inklusion bedeutet im neuen Erasmus+-Programm, bewusst und aktiv Barrieren und Hindernisse der Teilhabe, des Zugangs und der Beteiligung für Lernende sowie Gruppen mit geringeren Chancen zu beseitigen. Dabei werden verschiedene Eigenschaften und Be- sonderheiten, durch die sich Indivi- duen und Gruppen unterscheiden, anerkannt und wertgeschätzt. Es wird angestrebt, unter- schiedliche Identitäten als selbstverständlichen Teil unserer europäischen Ge- sellschaft anzusehen. 10 11 Bildung Für Europa | Juli 2022 Bei der Entwicklung der Projekte und Aktivitäten in der neuen Pro- grammgeneration sind Organisationen gefordert den Zugang zu bestehenden Angeboten für Lernende mit geringeren Chancen zu sichern und ihre Projekte didaktisch inklusiver zu gestalten. Neben gezielter finanzieller und individueller Unterstützung der Teilneh- menden in allen Phasen des Programms sollen auch teilnehmende Organisationen und flexible Lernangebote unterstützt werden. Ziele der Inklusionsstrategie Zentrales Ziel der Inklusionsstrategie besteht darin, für alle Ler- nenden Zugangschancen zum Erasmus+-Programm zu schaffen. Neben der Erhöhung der Sichtbarkeit des Themas soll ein gemein- sames Verständnis der Personen und Einrichtungen mit geringen Chancen entwickelt werden. Dabei soll sichergestellt werden, dass der Fokus auf Inklusion und Vielfalt in allen Phasen des Projekts beachtet wird. Zudem soll das „Commitment“ zu Inklusion und Vielfalt von allen am Programm Beteiligten erhöht werden. Auch Instrumente von Projektträgern sowie akkreditierten Einrichtungen zur Umsetzung von Inklusionsprojekten sollen besser unterstützt werden. Des Weiteren sollen sowohl für die Teilnehmenden als auch für die antragstellenden Einrichtungen jegliche Hindernisse re- duziert werden. Auch soll die Anerkennung der Kompetenzen von Teilnehmenden mit geringen Chancen verbessert werden. Zu den Inklusionsmaßnahmen zählen dabei konkret: gezielte finanzielle Förderung, individuelle Begleitung der Teilnehmenden in allen Phasen des Programms, Unterstützung teilnehmender Organisationen und flexible Lernangebote. Barrieren und Hindernisse Mit den neuen Inklusionsmaßnahmen wird angestrebt, Barrieren und Hindernisse, die eine Teilnahme am Erasmus+-Programm bis- lang verhindert haben, auszuräumen. Erasmus+ folgt dabei einem ganzheitlichen Inklusionsbegriff. Angebote im Bildungsbereich sol- len so gestaltet werden, dass sie alle Menschen erreichen. Men- schen, die aufgrund verschiedener Barrieren und Hindernisse bisher nicht am Programm teilgenommen haben, soll der Zugang erleich- tert werden. So können diskriminierungsbedingte Hindernisse aufgrund von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Weltan- schauung, sexueller Orientierung, Behinderung oder übergrei- fenden Faktoren entstehen, wobei auch eine Kombination eines oder mehrerer der genannten Diskriminierungsgründe möglich ist. Neben Menschen mit mentalen, körperlichen, sensorischen oder sonstigen Beeinträchtigungen sowie Menschen mit anderweitigen gesundheitlichen Problemen (z.B. chronische oder psychische Er- krankungen), sprechen die Inklusionsmaßnahmen auch Menschen mit Migrationshintergrund, Geflüchtete sowie Neuzugezogene an. Des Weiteren werden auch Menschen mit familiär bedingten sozialen Hürden adressiert. Diese können beispielsweise durch be- grenzte soziale Kompetenzen, risikoreiches Verhalten oder Alkohol- und Drogenmissbrauch entstehen. Auch wirtschaftliche Faktoren, wie beispielsweise ein niedriger Lebensstandard, Langzeitarbeitslo- sigkeit oder ein geringes Einkommen, werden bei den Inklusions- maßnahmen berücksichtigt. Zugangsbarrieren können aber auch geografisch bedingt sein, wie z.B. das Wohnen in abgelegenen oder ländlichen Gebieten, in Randgebieten, in städtischen Voror- ten, in strukturschwachen Gegenden mit begrenztem öffentlichen Nahverkehr oder unzureichenden Versorgungseinrichtungen. Hin- dernisse im Zusammenhang mit Systemen der allgemeinen und be- ruflichen Bildung, können dazu führen, dass Menschen keine guten Leistungen erbringen, frühzeitig aus dem System ausscheiden oder sich nicht am Erasmus+-Programm beteiligen. Unterstützungsmöglichkeiten zur Förderung von Inklusion und Diversität Beide Leitaktionen des Erasmus+-Programms bieten Möglichkeiten, um die oben erwähnten Hürden abzubauen und somit eine Teilha- be zu ermöglichen. Des Weiteren bestehen in allen Leitaktionen für Teilnehmende mit geringeren Chancen zusätzliche Fördermöglich- keiten, welche unter dem Begriff „Inklusionsunterstützung“ gefasst werden. Diese besondere finanzielle Unterstützung für Inklusions- projekte kann beispielsweise die Übernahme von Kosten für Special Needs für alle Menschen mit geringeren Chancen beinhalten. So können erhöhte Unterkunfts-, Reisekosten, Betreuungskosten oder auch Kosten die aufgrund einer schwierigen finanziellen Situation der Teilnehmenden entstehen, übernommen werden. Auch eine Pauschale für die Organisation, flexible und verständ- liche Finanzierungsmechanismen (angepasst an Bedarfe vor Ort, Vorschüsse) oder spezielle Förderung von kleinen Organisationen und Newcomern sind Teil der Inklusionsunterstützung. Des Weiteren bietet die neue Programmgeneration auch kleine und niedrigschwellige Programmaktionen mit geringem adminis- trativem Aufwand, Kurzzeitmobilitäten und kleinere Projekte zum Einstieg in die europäische Arbeit, europäische Aktivitäten auf lo- kaler Ebene sowie den Online-Austausch über virtuelle Lernräume. Zudem unterstützt Erasmus+ beim Sprachenlernen durch das Eras- mus+-Tool „Online Linguistic Support“ wie auch Möglichkeiten des Capacity Building der Projektteilnehmenden. In der Leitaktion 1 (Mobilität von Einzelpersonen) können sowohl Lernenden als auch Bildungspersonal mit geringeren Chancen Aus- landspraktika und Lernaufenthalte ermöglicht werden. Zudem kön- Inklusion und Vielfalt 12 13Inklusion und Vielfalt nen Job-Shadowings oder Lehraufenthalte von Bildungspersonal und in Auslandspraktika von Lernenden, wie zum Beispiel ange- hende Erzieherinnen und Erzieher, gefördert werden. Auch mit der Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zusammenarbeit) sind verschiedene thematische Schwerpunkte im Bereich Inklusion und Vielfalt möglich. Während in einigen Projekten die Entwicklung von Curricula für das Bildungspersonal mit dem Ziel der Erweite- rung der Kompetenzen im Bereich der Diversität und Inklusion im Lehr- und Lerngeschehen im Mittelpunkt steht, fokussieren sich andere Projekte auf die Entwicklung und Erprobung neuer Lern- methoden oder digitale Lernumgebungen, um die Integration von benachteiligten Gruppen in die Gesellschaft und/oder die Arbeits- welt zu verbessern. Andere Träger befassen sich mit dem Aufbau und der Stärkung ihrer europäischen Netzwerke oder organisieren Lernaufenthalte im europäischen Ausland für Menschen mit gerin- geren Chancen. Die Rolle der Nationalen Agentur Bei der Umsetzung der Inklusionsstrategie nimmt die Nationale Agentur zahlreiche Aufgaben wahr. Neben der Öffentlichkeits- arbeit und Sensibilisierung bietet sie Unterstützungsangebote im gesamten Projektzyklus an (u. a. Projektbesuche, Coaches, Social Media). Des Weiteren sollen Trainings und Networking für Organi- sationen, NA-Mitarbeiter/-innen und Gutachter/-innen angeboten werden. Um bereits geförderte oder interessierte Träger näher über die Möglichkeiten im Bereich Inklusion und Vielfalt zu informie- ren, plant die NA beim BIBB in der nahen Zukunft niederschwel- lige Beratungs- und Schulungsangebote. Auch die Förderung von Synergien mit anderen Programmen, z.B. dem Europäischen Sozi- alfond (ESF), ist eine wichtige Aufgabe der NA. Es wird angestrebt, Gutachter/-innen mit besonderem Förderbedarf aktiv einzubinden. Zudem entwickelt die NA beim BIBB eine nationale Strategie zu Inklusion und Diversität und legt Indikatoren für die Inklusion im Berichtswesen der EU-Kommission fest. Die Umsetzung der Inklusi- onsstrategie wird federführend von Inclusion Officers angetrieben, welche in jeder Nationalen Agentur eingesetzt werden. INFO: https://www.na-bibb.de/themen/inklusion-und-vielfalt DR. SABRINA INEZ WELLER Inklusionsbeauftragte des Erasmus+-Programms in der NA beim BIBB weller@bibb.de Behinderungen, Beeinträchtigungen Diskriminierung Gesundheitliche Probleme Geografische HindernisseWirtschaftliche Hindernisse Kulturelle Unterschiede Soziale Hindernisse Hindernisse im System der allgemeinen und beruflichen Bildung Abb. Hindernisse und Barrieren © M as te r1 30 5| ad ob eS to ck .c om © p riv at https://www.na-bibb.de/themen/inklusion-und-vielfalt 12 13 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt Im Rahmen des Projekts „SymfoS for Youth Care“ wurde eine innovative Beratungsmethode basierend auf dem Ansatz der Symbolarbeit entwickelt. Die Einführung dieser Methode in die Systeme der Jugendhilfe verbessert die Integrationschancen benachteilig- ter junger Menschen (NEETs) in Euro- pa und fördert deren gesellschaftliche Teilhabe. „SymfoS for Youth Care“ ist ein integrativer, lernzentrierter An- satz, der Jugendliche befähigt, Wörter für Situationen zu finden, die schwer zu beschreiben sind. Es hilft ihnen, sich ein klares Bild von ihrer ei- genen Zukunft zu machen und erreichbare Ziele zu definieren. Der Ansatz hilft, "ver- steckte" Ressourcen zu entdecken, erhöht die Motivation und Eigenverantwortung und stärkt die Fähigkeit zur Problemlösung. Junge Menschen werden so befähigt, ihre Probleme zu bewältigen – sei es in Bezug auf ihre Familien oder ihre Lebenssituation, auf persönliche Gewohnheiten oder auf die Teilnahme an Ausbildung und Arbeit. Die Arbeit mit Symbolen in der Jugendhil- fe bietet jungen Menschen eine zusätzliche universelle Sprache. Kurz gesagt: Symbolar- beit bringt Menschen dazu, nach sich selbst zu suchen. Symbole sind in den Situationen hilfreich, die mit Worten oder anderen Kommunikationsmitteln nur schwer oder gar nicht beschreibbar sind. Materialien für Fachkräfte in der Jugendarbeit Die Methoden und Interventionen von „SymfoS for Youth Care“ sollen sowohl Fachkräfte in der Jugendarbeit als auch Studierende im Bereich Sozialwesen dazu befähigen, junge Menschen mit geringen Chancen wirkungsvoll zu unterstützen. Innovativ sind zum einen die Übertragung der bisherigen Methode von der Berufs- beratung auf das Jugendfürsorgesystem in jedem Partnerland und zum anderen die Erweiterung des SymfoS-Bildungsansatzes mit Webkursen zur Erstausbildung an Hoch- schulen. Mit den folgenden Produkten, Instrumenten und Angeboten, die über die Projektwebsite verfügbar sind, können diese Fachkräfte ihr berufliches Handlungsspektrum effek- tiv erweitern: Ein Interventionsset beste- hend aus großer und kleiner Intervention der Symbolarbeit, ein Curriculum für einen Face-to-Face-Trainingskurs, ein Blended- Learning-Ansatz, eine Online-Lernplattform. Das SymfoS-Peer-Buddy-System erläutert die Möglichkeiten, Grenzen und Vorausset- zungen für den Einsatz von Peers in Sym- foS-Interventionen. Um die Umsetzung der SymfoS-Methode zu erleichtern, wurde zudem ein Transferhandbuch, in dem alle Anforderungen auf organisatorischer und systemischer Ebene für die langfristige Um- setzung der SymfoS-Methode für Dienstleis- tende im Bereich der Jugendhilfe beschrie- ben werden, entwickelt. Die SymfoS-Methode wurde bereits an mehreren Hochschulen in Deutschland und Österreich in das Ausbildungsprogramm für Studierende im Bereich Sozialwesen inte- griert. Good Practice: SymfoS for Youth Care Symbole sagen mehr als tausend Worte © S t. H en ke / S W D C PROJEKTINFO Projekttitel: SymfoS for Youth Care Projektnummer: 2018-1-DE02-KA202-005183 Projektdauer: 01.09.2018 - 31.08.2021 Beteiligte Länder: DE, ES, PT, UK, AT Projektträger: Sozialwerk Dürener Christen Kontakt: Josef Loup j.loup@sozialwerk-dueren.de Website: www.symfos-youth.eu Erasmus+ Project Results Platform: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2018-1-DE02- KA202-005183 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005183 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005183 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005183 14 15Inklusion und Vielfalt Vom Jugendbereich lernen ie gelingt die inklusive Programmum- setzung und was können Nationale Agenturen, Organisationen und Fach- kräfte dazu beitragen? Im Jugendbe- reich wurden hierzu in erfolgreichen inklusiven Projekten bereits Erfah- rungen gesammelt. Inklusiven und diversitätssensiblen Projekt- ansätzen wird in den EU-Programmen für den Jugendbereich – heute Erasmus+ Ju- gend und Europäisches Solidaritätskorps – schon seit Langem eine hohe Priorität beigemessen. Dementsprechend lag der Anteil Lernender mit geringeren Chancen in Erasmus+-Projekten im Jugendbereich in der Programmgeneration 2014-2020 in Deutschland bei etwa 40 Prozent1. Bereits im Vorgängerprogramm JUGEND IN AKTION (2007-2013) wurde eine Inklu- sionsstrategie verabschiedet, die 2014 im Rahmen von Erasmus+ als Inklusions- und Diversitätsstrategie für den Jugendbereich2 aktualisiert wurde. Seither hat die Förde- rung der Programmpriorität im Jugendsek- tor stetig an Bedeutung und Sichtbarkeit hinzugewonnen, wurde durch konkrete Maßnahmen unterlegt und durch euro- päische und nationale Gremien begleitet. Durch die Benennung von Inclusion Officers wurden in vielen Nationalen Agenturen fes- te Zuständigkeiten für das Thema geschaf- fen. Gleichzeitig wurde durch langfristige strategische Kooperationsprojekte3 und in Arbeitsgruppen auf europäischer Ebene der Austausch dazu zwischen den Natio- nalen Agenturen gefördert. Dies hat den Auf- und Ausbau entsprechender Expertise sowie gezielte gemeinsame Initiativen und Aktivitäten, wie die Schaffung einschlä- giger Weiterbildungs- und Netzwerkange- bote für Fachkräfte und Organisationen, begünstigt. Zentrale Rolle der Stakeholder und Projektträger Wichtig war und ist den Nationalen Agen- turen im Jugendbereich immer auch die Zusammenarbeit mit externen Stakehol- dern aus relevanten Arbeitsfeldern, wie der Jugendsozialarbeit oder der Behinderten- hilfe. So arbeitet JUGEND für Europa, die Nationale Agentur für die EU-Programme Erasmus+ Jugend und Europäisches So- lidaritätskorps in Deutschland, bei der Entwicklung nationaler Strategien und Maßnahmen zur inklusiven Programmum- setzung unter anderem im Rahmen der Arbeitsgruppe Inklusion und Vielfalt des Programmbeirats mit Expertinnen und Ex- perten zusammen. Zu den Maßnahmen, die weiterhin ausgebaut werden, gehören neben der unterstützenden Beratung von Antragstellenden und Projektträgern zum Beispiel die gezielte Ansprache und Beglei- tung von Organisationen, die mit unterre- präsentierten Zielgruppen arbeiten. Letztlich sind es die in den Programmen engagierten Organisationen und Fachkräf- te, welche die Programmpriorität Inklusion und Vielfalt mit Leben füllen. Neben Trä- gern, die bereits seit vielen Jahren hervor- ragende inklusive Jugendprojekte umsetzen oder Methoden und Konzepte der inklusi- ven Jugendarbeit weiterentwickeln, ist zu beobachten, dass sich immer mehr Organi- sationen auf den Weg machen, die eigene Arbeit inklusiver zu gestalten. Gleichzeitig finden, wenn auch immer noch mit Hür- den, immer mehr Einrichtungen und Or- ganisationen Zugang zu den Programmen, die nicht originär aus dem Feld der (euro- päischen) Jugendarbeit stammen, sondern aus Arbeitsfeldern, die für die inklusive Pro- grammnutzung besonders interessant sind – Hilfen zur Erziehung, Jugendsozialarbeit, Organisationen von Migrantinnen und Mi- granten usw. Gelingensfaktoren für mehr Inklusion So unterschiedlich die an der Programm- umsetzung beteiligten Akteurinnen und Akteure sowie ihre Zielgruppen – entspre- chend dem weiten Inklusionsbegriff der EU-Jugendprogramme – auch sind, zeigen die Erfahrungen doch, dass bestimmte Fak- toren für die inklusive Arbeit besonders re- levant sind. Das fängt mit Haltung, Kenntnissen und Qualifikationen aller Beteiligten an, denn nach wie vor gelten europäische Projekte eher als „Luxusaktivitäten“ und als unge- eignet für junge Menschen, die zum Bei- spiel in prekären Situationen leben oder geringere schulische Leistungen erbringen – nicht zuletzt bei den jungen Menschen selbst4. Es reicht daher nicht zu deklarie- ren, dass Projekte allen Personen offenste- hen, denn Menschen, die immer wieder Ablehnung erfahren, werden davon nicht angesprochen. Hier sind Sensibilisierung, Qualifizierung, direkte Ansprache, aber auch Peer-Vermittlung nötig und hilfreich – von Fachkräften zu Fachkräften, aber auch von ehemaligen Projektteilnehmenden zu Gleichaltrigen. Inklusion und Vielfalt in Erasmus+ Jugend und Europäischem Solidaritätskorps W 1 Zahlen für alle bereits abgerechneten Projekte aus der Programmgeneration 2014-2020 (Stand 18.01.2022) 2 Erasmus+ Inclusion and Diversity Strategy – in the field of Youth, European Commission, Directorate General for Education and Culture, 2014. www.salto-youth.net/downloads/4-17-3103/InclusionAndDiversityStrategy.pdf (13.04.2022) 3 Zum Beispiel der Strategic Partnership for Inclusion: www.salto-youth.net/rc/inclusion/inclusionfornas/spinclusion/ (20.04.2022) 4 Siehe hierzu auch die Erkenntnisse der „Zugangsstudie - Warum nicht? Studie zum internationalen Jugendaustausch: Zugänge und Barrieren“: Forschung und Praxis im Dialog – Internationale Jugendarbeit (FPD)/transfer e.V.: Die Zugangsstudie Ergebnisse des Forschungsprojektes, S. 28 (https://www.zugangsstudie.de/wp-content/uploads/2020/01/Broschüre_Die-Zugangsstudie_Ergebnisse-des-Forschungsprojektes_ Stand-August-2019.pdf) http://www.salto-youth.net/downloads/4-17-3103/InclusionAndDiversityStrategy.pdf http://www.salto-youth.net/rc/inclusion/inclusionfornas/spinclusion/ https://www.zugangsstudie.de/wp-content/uploads/2020/01/Broschüre_Die-Zugangsstudie_Ergebnisse-des-Forschungsprojektes_Stand-August-2019.pdf https://www.zugangsstudie.de/wp-content/uploads/2020/01/Broschüre_Die-Zugangsstudie_Ergebnisse-des-Forschungsprojektes_Stand-August-2019.pdf 14 15 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt Von grundlegender Bedeutung sind au- ßerdem stabile Partnerschaften und Netz- werke, sowohl auf lokaler als auch auf europäischer Ebene. So erleichtern Part- nerschaften zwischen erfahrenen Trägern europäischer Projekte und lokalen Einrich- tungen und Initiativen, die mit benachtei- ligten jungen Menschen arbeiten, letzteren den Einstieg in die EU-Jugendprogramme und ersteren die Erreichung neuer Ziel- gruppen. Durch die Einbindung lokaler Träger, zum Beispiel der Flüchtlings- oder Erziehungshilfe, können junge Menschen durch Bezugs- und Vertrauenspersonen für europäische Projekte motiviert und auf dem Weg dorthin sowie währenddessen begleitet werden. Die lokale bzw. natio- nale Vorbereitung eines Projekts und der Beziehungsaufbau mit den Projektverant- wortlichen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Hier kommt die finanzielle Inklusions- förderung in Erasmus+ ins Spiel, die zum Beispiel für eine engere Betreuung genutzt werden kann. Außerdem kann die Einbe- ziehung des persönlichen Umfelds wichtig sein, denn auch Eltern, Lehrende, Sozialar- beiterinnen und Sozialarbeiter usw. können einem Auslandsaufenthalt skeptisch gegen- überstehen oder ihn fördern. Ebenso wichtig wie die Berücksichtigung der Lebensrealität potenzieller Teilneh- mender ist deren Partizipation und Ein- bindung in die Projektvorbereitung und -gestaltung. Dadurch kann sichergestellt werden, dass ihre Bedürfnisse und Interes- sen in der Projektplanung Berücksichtigung finden, seien es Bedarfe im Zusammenhang mit einer körperlichen Beeinträchtigung oder Inhalte und Formate, die sie langfristig zur Teilnahme motivieren. Learning by Doing Sicher lassen sich viele der genannten Gelingensfaktoren auf Projekte der beruf- lichen oder Erwachsenenbildung übertra- gen. Wichtig ist dabei, dass der Aufbau inklusiver Strukturen Zeit braucht. Es geht nicht darum, von Anfang an perfekte inklu- sive Projekte umzusetzen, sondern sich auf den Weg zu machen, erste Schritte zu ge- hen und mit den Erfahrungen zu wachsen – genau wie die Teilnehmenden an europä- ischen Projekten. INFO: HANNA SCHÜSSLER Fachreferentin für Inklusion und Vielfalt bei JUGEND für Europa Programmteil Jugend in Erasmus+: www.erasmusplus-jugend.de Programmwebsite Europäisches Solidaritätskorps: www.solidaritaetskorps.de © p riv at 16 17Inklusion © P in ka se vi ch /A do be St oc k. co m Die Publikation ist als Download oder gedrucktes Buch erhältlich: wbv.de/isbn/9783763971503 http://wbv.de/isbn/9783763971503 16 17 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt esen und Schreiben stellen nach wie vor wichtige Schlüsselfertigkeiten dar, um all- tägliche Anforderungen in einer zuneh- mend digitalisierten Arbeits- und Lebens- welt selbstständig bewältigen zu können. Laut LEO-Studie 2018 der Universität Ham- burg sind 6,2 Millionen Erwachsene im Deutschen gering literalisiert, d.h. sie kön- nen allenfalls nur bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben1. Die LEO-Studie erfasst bundesweit die Lese- und Schreib- kompetenz von deutsch sprechenden Er- wachsenen im Alter von 18 bis 64 Jahren sowie literale Praktiken und Kompetenzen in den Bereichen Digitale Medien, Ge- sundheit, Finanzen und Politik; erstmalig wurde die LEO-Studie 2010 durchgeführt. Die Ursachen von geringer Literalität sind vielfältig und häufig ist es ein Zusammen- spiel verschiedener Faktoren individueller und struktureller Art, die zu den Problemen geführt haben. So werden schwierige sozi- ale und familiäre Verhältnisse, Brüche in der Schulbiografie, nicht erkannte Lese- und Rechtschreibschwächen, negative Erfah- rungen in der Schule und wenig Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten als häufigste Ur- sachen genannt. Die LEO-Studie 2018 hat gezeigt, dass die Mehrheit der gering lite- ralisierten Erwachsenen nicht vom Arbeits- markt oder sozialen Leben ausgeschlossen, sondern dauerhaft in den ersten Arbeits- markt und in familiale Strukturen einge- bunden ist. Die Studie zeigt aber auch, dass gering literalisierte Personen schriftsprach- bezogene Anforderungen des praktischen Lebens zwar häufig bewältigen können, aber die Mehrheit Schwierigkeiten damit hat, politische, gesundheitliche, finanzielle oder digitale Angelegenheiten wie z.B. die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichten oder Gesundheitsinformationen eigenständig zu beurteilen. Hier macht sich der Nachteil ge- ringer Literalität deutlich bemerkbar und es kann zu vielerlei Teilhabeausschlüssen kom- men.2 Bund und Länder haben im Jahre 2016 die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (2016 – 2026) ausgerufen mit dem Ziel, die Zahl an gering literalisier- ten Erwachsenen deutlich zu verringern und das Grundbildungsniveau zu erhöhen. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen ge- hören dazu auch digitale, finanzielle, ge- sundheitliche, familienbezogene und po- litische Grundbildung. Bund, Länder und Dekade-Partner zielen daher mit vielfältigen Initiativen und Maßnahmen in der Alpha- Dekade darauf, die Öffentlichkeit aufzuklä- ren, das soziale und berufliche Umfeld zu sensibilisieren und mehr Beratungs- und Lernangebote für gering literalisierte Er- wachsene zu schaffen. Lebensweltorientierte Grundbildung: Lernangebote an alltäglichen Anfor- derungen ausrichten Trotz des gestiegenen Bewusstseins und Angebots für Alphabetisierung und Grund- bildung in den letzten Jahren ist die Teil- nahme an entsprechenden Lernangeboten immer noch gering. Aus der Forschung weiß man, dass Nichtteilnahme nicht mit mangelndem Interesse begründet werden kann, sondern der Besuch von Kursen für bildungsungewohnte Personen eine hohe Hürde darstellt, die erst unter großem Handlungsdruck überwunden wird. Das Interesse an Lern- und Bildungsprozessen entzündet sich dabei in der Regel an alltäg- lichen Anforderungen und Themen, z.B. in der Kindererziehung, bei der Wohnungs- suche, bei Behördengängen, beim Arztbe- such oder im Arbeitskontext. Maßnahmen der Alphabetisierung und Grundbildung sind also insbesondere dann wirkungsvoll, wenn sie über den schulbil- dungsnahen Schriftspracherwerb hinaus- gehen und sich stärker an den Interessen und konkreten Bedürfnissen der Teilneh- menden orientieren. Um die Menschen in ihrem gewohnten sozialen Umfeld und mit alltagsrelevanten Themen anzusprechen, Teilhabe fördern durch lebens- weltorientierte Grundbildung Die AlphaDekade hat seit 2016 gering literalisierte Erwachsene im Blick L 1 Anke Grotlüschen, Klaus Buddeberg (Hrsg.): LEO 2018. Leben mit geringer Literalität. Bielefeld, 2020, S. 21 2 Anke Grotlüschen: Verletzbarkeit und Literalität im 21. Jahrhundert. In: Anke Grotlüschen (Hrsg.). Alphabetisierung und Grundbildung von Erwachsenen. Zeitschrift für Pädagogik. 67. Beiheft. Weinheim, 2021, S. 16-34 3 Richtlinie zur Förderung von lebensweltlich orientierten Entwicklungsvorhaben in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener vom 30. Mai 2017, Bundesministerium für Bildung und Forschung // Alphabetisierung und Grundbil- dung – im Sinne von Minimalvoraus- setzungen an Wissensbeständen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, ins- besondere im Lesen, Schreiben und Rechnen – sind Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben sowie für die Wahrnehmung demokratischer Rechte und einer aktiven gesell- schaftlichen, kulturellen und ökono- mischen Teilhabe.3 // 18 19 bieten sich aufsuchende Beratungsange- bote im Sozialraum in Kooperation mit den dort beratenden und unterstützenden Ein- richtungen an. Schlüsselpersonen können hier Mitarbeitende von sozialen Beratungs- stellen, Familienzentren oder Kirchenge- meinden sein, die das Vertrauen der Men- schen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten genießen und somit eine Brücke zu Weiter- bildung schlagen können. Neben der Förderung von Projekten der ar- beitsorientierten Grundbildung, die gezielt gering literalisierte Beschäftigte und Aus- zubildende in Betrieben sowie Arbeitssu- chende adressieren, setzt die AlphaDekade daher auch auf die Förderung von Grund- bildungsmaßnahmen in der Lebenswelt. Erkenntnisse der Entwicklungsvor- haben Von 2018 bis 2021 hat das Bundesministe- rium für Bildung und Forschung (BMBF) 20 Entwicklungsvorhaben der lebensweltori- entierten Alphabetisierung und Grundbil- dung Erwachsener gefördert, von denen 12 Vorhaben in eine Transferphase bis 2024 überführt wurden. Bildungseinrichtungen haben in Zusammenarbeit mit sozialräum- lichen Partnern neue Zugangswege zu der Zielgruppe sowie neue Lernorte identifi- ziert und niedrigschwellige und alltagsnahe Lernangebote und Materialien entwickelt, die den Menschen helfen, die erworbenen Grundkenntnisse unmittelbar anzuwenden und alltägliche Aufgaben selbständig zu bewältigen. So sind zahlreiche Material- sammlungen und Handreichungen u.a. in den Themenbereichen Gesundheit und Er- nährung, familienbezogene Grundbildung, Alltagsrechnen und Verbraucherschutz entstanden, die in vielfältigen Beratungs-, Lehr- und Lernsettings genutzt werden können. Ebenso wurden Mitarbeitende der sozialräumlichen Partner wie soziale Dienste, Familienberatungsstellen, Verbrau- cherzentralen oder Kindertagesstätten zum Thema geringe Literalität sensibilisiert und darin geschult, Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten anzusprechen und für die Teilnahme an Lernangeboten zu ge- winnen. Es hat sich gezeigt, dass über die Zusammenarbeit mit den sozialräumlichen Partnern Zielgruppen erreicht werden, die über herkömmliche Komm-Strukturen nicht erreichbar sind. Viele sozialräumliche Einrichtungen sind bereit, in ihren eigenen Strukturen Grundbildungsangebote zu rea- lisieren und auch langfristig zu etablieren. So können Orte der Beratung und Begeg- nung zu Orten der Bildung werden. Es hat sich auch gezeigt, dass in lebensweltlichen Lernangeboten durch die hohe Nutzener- wartung und das Erleben von Teilhabe z.B. beim gemeinsamen Kochen oder im Fami- lientreff, das Selbstvertrauen der Teilneh- menden erweitert und die Lernmotivation gesteigert werden können. Die Erkennt- nisse und Praxisbeispiele aus den 20 Ent- wicklungsvorhaben wurden in einem Sam- melband zusammengeführt. Erfolgreiche Ansätze in die Praxis überführen In der Transferphase zielen die Lebenswelt- projekte darauf, erfolgreiche Konzepte zu verbreiten und strukturell zu verankern. So soll beispielsweise die 1-zu-1-Lernbe- gleitung nachhaltig in zahlreichen Frank- furter Quartieren umgesetzt werden (1zu1 Basic-plus), um Erwachsene, die nicht an einem Gruppenangebot teilnehmen kön- nen oder wollen, in ihrem Sozialraum indi- viduell zu unterstützen. Dass auch Fußball- stadien zu Lernorten werden können, um fußballbegeisterte Menschen für Grundbil- dung zu gewinnen, beweist die Volkshoch- schule Dresden in Zusammenarbeit mit dem SG Dynamo Dresden (mittendrin - mit Kopf und Ball). Und im Projekt Alpha-Kooperativ Transfer werden die im Vorgängerprojekt entwi- ckelten Fortbildungen und Workshops für Lehrkräfte und planendes Bildungspersonal „Vom Lernanlass zum Lernkonzept“ landes- und bundesweit verbreitet. Auch Mehrgenerationenhäuser sind bes- tens vernetzte Orte der Begegnung, des Austauschs und der Unterstützung im All- tag. Sie sind daher wichtige Lernorte und Partner der AlphaDekade. Seit 2018 stellt das BMBF Mittel für den Sonderschwer- punkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“ im Rahmen des Bun- desprogramms Mehrgenerationenhaus des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Verfügung. Mehr- generationenhäuser entwickeln neuartige und niedrigschwellige Angebote wie bei- spielsweise offene Lerncafés, Workshops über den Umgang mit Geld, Formularhilfen oder kreative Angebote, bei denen beim Kochen oder Nähen Lesen und Schreiben geübt wird. Übergreifendes Ziel der Projektförderung ist es, lebensweltlich orientierte Alphabetisie- rung und Grundbildung als festen Bestand- teil des allgemeinen Weiterbildungssystems zu etablieren. Ein reger Austausch über neue bildungspo- litische Initiativen in anderen europäischen Ländern sowie über gute Praxis der Umset- zung findet im Rahmen des European Basic Skills Network (www.basicskills.eu) statt. INFO Webseite der Koordinierungsstelle der AlphaDekade: https://www.alphadekade.de/ BMBF-Kampagne „Lesen & Schreiben – mein Schlüssel zur Welt“: https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de 1zu1 Basics_plus: https://vhs.frankfurt.de/de/ 1zu1basics?page=1 mittendrin – mit Kopf und Ball: https://www.vhs-dresden.de/ projekte/mittendrin-2.html Alpha-Kooperativ Transfer: https://ttwportal.vhs-bayern.de/web/ ttwbvv.nsf/id/alpha-kooperativ?open BIRGIT GARBE-EMDEN Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Koordinierungsstelle der AlphaDekade im Bundesinstitut für Berufsbildung © B IB B Inklusion und Vielfalt https://www.alphadekade.de/ https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de https://vhs.frankfurt.de/de/1zu1basics?page=1 https://vhs.frankfurt.de/de/1zu1basics?page=1 https://www.vhs-dresden.de/projekte/mittendrin-2.html https://www.vhs-dresden.de/projekte/mittendrin-2.html https://ttwportal.vhs-bayern.de/web/ttwbvv.nsf/id/alpha-kooperativ?open https://ttwportal.vhs-bayern.de/web/ttwbvv.nsf/id/alpha-kooperativ?open 18 19 Bildung Für Europa | Juli 2022 LEO-Studie: Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte LEO-Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2018 untersucht die Literalität (oder Lese- und Schreibfähigkeit) erwachsener Menschen in Deutschland. Die wichtigsten Informationen finden Sie unter https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de/de/helfen/zahlen-und-fakten/zahlen-und-fakten Die LEO-Studie unterscheidet die erwachsene Bevölkerung an- hand verschiedener Stufen der Lese- und Schreibkompetenz. Rund zwei Millionen Erwachsene erreichen beim Lesen und Schreiben der deutschen Schriftsprache lediglich die Ebene von Wörtern, weitere 4,2 Millionen erreichen die Ebene rela- tiv kurzer Sätze mit gebräuchlichem Wortschatz. Diese 6,2 Mil- lionen Erwachsenen werden im Rahmen der Studie als gering literalisiert beschrieben. Durch die geringe Lese- und Schreib- kompetenz sind betroffene Erwachsene einem erhöhten Risiko ausgesetzt, von einer umfassenden gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen zu sein. Weitere zehn Millionen Erwachsene haben Schwierigkeiten mit der korrekten Rechtschreibung, die über Flüchtigkeitsfehler und Fehler bei komplizierten Wörtern hinausgehen. Im Studien- kontext wird dies als fehlerhaftes Schreiben bezeichnet. Mehr zur LEO-Studie: leo.blogs.uni-hamburg.de Geringe Literalität – eine Definition © B M BF Inklusion und Vielfalt https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de/de/helfen/zahlen-und-fakten/zahlen-und-fakten http://leo.blogs.uni-hamburg.de 20 21 er heute 27-jährige Daniel Ahrndt wurde in den Jahren 2017 bis 2020 am Berufsbildungswerk Neckargemünd zum Industriekaufmann ausgebildet. In dieser Zeit war er über Erasmus+ für ein achtwöchiges Praktikum im spanischen Granada, wo er bei einem Hersteller für Baumaschinen arbeite- te. Heute ist er in der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg beschäftigt. Herr Ahrndt, aufgrund einer hochgra- digen Hör- und Sehschädigung haben Sie sich lange Zeit schwer getan mit dem Lernen. Wie hat sich das ausge- wirkt? Ahrndt: Von meiner Hörbeeinträchtigung habe ich erst kurz vor der Einschulung er- fahren. Dennoch fiel damals die Entschei- dung, mich auf eine Regelschule zu schi- cken, was gut war. Später kam noch die Diagnose meiner Augenerkrankung hinzu, das hatte immer stärkere Auswirkungen auf mein soziales und schulisches Leben. Schließlich wechselte ich auf eine Förder- schule und habe dort mein Abitur gemacht. Meine Idee war, anschließend Physik in Aachen zu studieren. Der Sprung war je- doch zu groß, ich habe das auch ein wenig unterschätzt. Daher habe ich das Studium abgebrochen, ebenso wie den Versuch, Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni- versität Hagen zu studieren. Wie kam es zur Entscheidung, am Be- rufsbildungswerk Neckargemünd eine Ausbildung zu beginnen? Ahrndt: Das war letztlich eine Entschei- dung für mehr Struktur. Ich war seinerzeit einfach noch nicht bereit für ein Studium, da mir Disziplin und Durchhaltevermögen fehlten. Schon während des Studiums habe ich parallel nach Möglichkeiten der Berufsausbildung gesucht. Dennoch war der Schritt nach Neckargemünd eine große Herausforderung, zugleich aber auch eine kluge Entscheidung. Mir hat die Zeit dort von Anfang an Spaß gemacht. Sehr hilf- reich war dabei, dass alles nah beieinander lag: die Ausbildungsorte, die Berufsschule, das Zusammensein mit anderen Schüle- rinnen und Schülern, die ja alle Betreuung brauchten. Ein Mitarbeiter hat das einmal „das große Haus der kurzen Wege“ ge- nannt. Hier konnte ich die Unterstützung bekommen, die es braucht, um aus den Möglichkeiten eine Chance zu machen. Im Rahmen der Ausbildung haben Sie 2018 die Gelegenheit genutzt, für acht Wochen ins spanische Granada zu gehen. Warum? Ahrndt: Das Thema Ausland war für mich nicht neu. Ich hatte vorher schon ähnliche Erfahrungen gemacht, beim Praktikum in Granada ging es mir vor allem auch um die praktische Arbeit. Für mich war es eine Chance, um nachzuweisen, dass ich die Aus den Möglichkeiten eine Chance machen Während der Ausbildung beim Berufsbildungswerk ins Ausland D © D an ie l A hr nd t Inklusion und Vielfalt Im Sport wie im Leben setzt sich Daniel Ahrndt immer wieder neue Ziele. 20 21 Bildung Für Europa | Juli 2022 © A le ja nd ro /A do be St oc k. co m Inklusion und Vielfalt Kenntnisse, die ich am Berufsbildungswerk erworben habe, auch konkret anwenden kann, noch dazu in einem völlig neuen Um- feld. Wie war die Zeit in Spanien? Ahrndt: Bei einem beruflichen Auslands- aufenthalt ist man sehr unmittelbar am Alltag vor Ort beteiligt. Mein Praktikum bei einem Hersteller für Baumaschinen wurde von einem Partner des Berufsbildungs- werkes organisiert, ebenso die Übernach- tung in dem Hostel, in dem ich wohnte. Dort waren auch andere Erasmus+-Stipen- diaten, vorwiegend aus osteuropäischen Ländern. Es war ein sehr spannender Aus- tausch. Die Arbeit im Betrieb bestand hauptsäch- lich aus Sekretariatsaufgaben. So habe ich Besucherinnen und Besucher empfangen und viel telefoniert. Umso hilfreicher war es, dass ich zuvor einen Spanischkurs ab- solvieren konnte. Wie überhaupt die Vor- bereitung durch das Berufsbildungswerk sehr intensiv war. So habe ich mich schnell zurechtgefunden und konnte mich gut ein- bringen. Sie waren acht Wochen lang dort. Das ist eine lange Zeit, in der Sie sich nicht nur mit Arbeit beschäftigt haben ... Ahrndt: Neben meinem Praktikum habe ich natürlich auch Granada und die Um- gebung erkundet. Besonders beeindruckt hat mich das UNESCO-Weltkulturerbe Al- hambra. Gemeinsam mit einem Freund, der mich besucht hat, habe ich zudem die spanische Küche entdeckt. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Über Erasmus+ ist es möglich, auch Mehrbedarfe in der Betreuung zu för- dern, beispielsweise eine Begleitper- son, die vor Ort unterstützt. Ahrndt: Ja, darüber haben wir gespro- chen. Ich habe mich jedoch dagegen ent- schieden, weil ich mir den Aufenthalt auf jeden Fall allein zutraute. Für Menschen, die noch nicht über entsprechende Erfah- rungen verfügen und sich daher unsicher fühlen, oder auch für diejenigen, deren Mobilität eingeschränkt ist, ist das aber si- cher eine gute Sache. Es nimmt ihnen die Angst, wenn sie jemanden haben, der sie an die Dinge heranführt. Sie wirken auf mich wie ein Mensch, der sehr willensstark ist. Sie waren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und haben sogar die Triathlon-Lang- distanz gefinisht. Hat Ihnen das auf Ihrem Weg geholfen? Ahrndt: Nein, nein, es war bisher nur die olympische Distanz (lacht), die Langdistanz steht im Juli bei der traditionsreichen „Chal- lenge Roth“ im Frankenland an. Aber Sie haben recht, im Sport wie im Leben halte ich es für wichtig, mir immer wieder neue Ziele zu setzen und zu versuchen, diese zu erreichen. Für mich gilt: Scheitern ist eine Option, Aufgeben aber nicht. Sowohl meine Zeit bei der Feuerwehr als auch der Sport haben zu dem Selbstvertrauen bei- getragen, das ich heute habe und auch im Rahmen des Erasmus+-Praktikums anwen- den konnte. In gewisser Weise sind Sie auch ein Vorbild. So engagieren Sie sich als Euro-Apprentice, um Ihre Erfahrungen weiterzugeben und für Erasmus+ zu werben. Ahrndt: Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch von einer derartigen Erfahrung profitiert, egal ob in einem Berufsbildungs- werk oder einer normalen Berufsschule. Gerade bei Menschen, die ein physisches oder psychisches Handicap haben, kann dies jedoch einen Schub an Selbstvertrauen schaffen, den sie sonst in zehn Jahren nicht erreichen würden. Das kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Vor diesem Hintergrund engagiere ich mich seit 2020 als Botschafter für die Eras- mus+-Auslandspraktika in der beruflichen Bildung. Das ist für mich auch ein Beitrag zur Kultur- und Völkerverständigung – ein Aspekt, den ich gerade angesichts der ak- tuellen weltpolitischen Lage für äußerst wichtig halte. Wo stehen Sie persönlich heute? Ahrndt: Seit etwas mehr als einem Jahr arbeite ich jetzt in der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zum Thema Kurzar- beitergeld. Ich bin sehr froh, wie sich die Dinge entwickelt haben, möchte neben der Arbeit aber auch noch einmal meine Stu- dienpläne aufnehmen. Ich bin noch nicht sicher, in welche Richtung das Ganze ge- hen wird. Das werden wir sehen. Zunächst einmal aber will ich im Juli natürlich die Tri- athlon-Langdistanz schaffen! Herr Ahrndt, viel Erfolg dabei und vie- len Dank für das Gespräch. Das Interview führte Manfred Kasper, freier Journalist, im Auftrag der NA beim BIBB. INFO BERUFSBILDUNGSWERK Berufsbildungswerke sind Unternehmen der überbetrieblichen, dualen Berufsaus- bildung. Sie qualifizieren an bundesweit über 50 Standorten Jugendliche und junge Erwachsene mit einem individuellen För- derbedarf in über 250 Berufen. In Koope- ration mit externen Partner-Betrieben wer- den so über 15 000 junge Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet. Das Berufsbildungswerk Neckargemünd ist mit aktuell 947 Teilnehmerinnen und Teilneh- mern in über 40 Berufen einer der größten Anbieter für duale berufliche Rehabilitation in Deutschland und zudem ein Pionier in Sachen Erasmus+. Bereits vor 20 Jahren wurde hier der Nutzen von Auslands- aufenthalten erkannt. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Podcast unter www.na-bibb.de/podcast-zugang- fuer-alle http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle 22 23 icht jedem ist es von Haus aus gege- ben, geradlinig in Ausbildung und Beruf einzumünden. Mit „Integration durch Austausch (IdA)“, können junge Menschen mit besonderem Förderbe- darf, oftmals in schwierigen Lebensla- gen, denen der Weg ins Ausland nicht selbstverständlich offensteht, ein Praktikum im europäischen Ausland absolvieren, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Dieser Ansatz wurde bereits im Rahmen des Vorgängerprogramms „IdA – Integra- tion durch Austausch“ der ESF-Förderpe- riode 2007-2013 entwickelt. Er ergänzte die bisherigen europäischen Austauschpro- gramme für Studierende und Auszubilden- de erstmals um ein Austauschprogramm für benachteiligte, arbeitslose junge Men- schen. Mit IdA werden insbesondere junge Menschen im Alter von 18 bis zu 35 Jahren am Übergang Schule-Ausbildung und Aus- bildung-Beruf angesprochen, die aufgrund von beruflichen Startschwierigkeiten und oft auch sozialen Problemen von den Job- centern bzw. Agenturen für Arbeit nicht erfolgreich erreicht werden. Zentraler Bestandteil der Förderung ist ein zwei- bis sechsmonatiger begleiteter Aus- landsaufenthalt mit einem betrieblichen Praktikum in einem anderen EU-Mitglied- staat, eingebunden in einen Projektzyklus mit intensiver Vor- und Nachbereitungspha- se für die Teilnehmenden und enger Einbin- dung der Jobcenter, Agenturen für Arbeit sowie von Betrieben. Die Integration der Zielgruppe in Arbeit oder Ausbildung wird in der Nachbereitungsphase durch eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den regionalen Arbeitsmarktakteuren und Kooperationsbetrieben sichergestellt. Flan- kiert werden diese Aktivitäten durch re- gelmäßige fachliche Austausche mit den transnationalen Partnerorganisationen, an denen auch regelmäßig die Vertreterinnen und Vertreter der Jobcenter teilnehmen. Gefördert werden seit 2015 ingesamt 32 Projekte. Einige Projekte sind noch bis Juni 2022 aktiv. Das Programm läuft nun mit Ende der aktuellen Förderperiode aus. Ein Grund zurück zu blicken. Mit den IdA-Projekten wurden seit Mitte Juli 2015 bis Dezember 2021 circa 3.500 junge Menschen ins Ausland in 16 Länder entsen- det. Trotz der sehr schwierigen Zielgruppe mit teilweise erheblichen auch psychischen Einschränkungen gelingt eine hohe Arbeits- marktintegration von circa 55 Prozent. Erfolg durch Lernerfahrung im Ausland – Potenziale von Auslandspraktika Die Erfahrungen der IdA-Projekte bestäti- gen, dass die Teilnehmenden motivierter in den Bewerbungsprozess starten. Sie ge- winnen praktische Erfahrungen und entwi- ckeln darauf aufbauend klarere berufliche Zukunftsvorstellungen. Die Möglichkeit, in einem komplett anderen Umfeld Erfah- rungen zu sammeln und sich beruflich zu orientieren, stärkt gleichermaßen die per- sönlichen Kompetenzen und das Selbst- bewusstsein. Viele Teilnehmende sind das erste Mal über einen so langen Zeitraum von ihren Familien und ihrem Freundeskreis N Integration durch Austausch (IdA) Auslandspraktika öffnen Türen in die Arbeitswelt © S ev en ty fo ur /A do be St oc k. co m 22 23 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt entfernt und gewinnen über das eigenstän- dige Leben in einer fremden Kultur und das mehrmonatige Praktikum eine Perspektive für die berufliche und persönliche Entwick- lung. „IDA IST DER TÜRÖFFNER ZUM PERSPEKTIVENWECHSEL. DIE JUNGEN MENSCHEN GEWINNEN AN SELBSTVERTRAUEN, PERSÖN- LICHKEIT, SOZIALEN UND FACH- LICHEN KOMPETENZEN. SIE ERLEBEN ANERKENNUNG, ACHTUNG UND ERFOLG.“ // Jobcenter Salzlandkreis IdA – Modell für weitere EU-Mitglied- staaten und -Regionen Basierend auf diesen positiven Ergebnissen führen in der jetzigen ESF-Förderperiode insgesamt acht europäische Mitgliedstaa- ten und Regionen erfolgreich korrespondie- rende Mobilitätsprogramme für benachtei- ligte junge Menschen durch (Deutschland, Polen, Schweden, Slowenien, Tschechien sowie die Regionen Galizien, Katalonien und Trento). Koordiniert werden diese Pro- gramme durch das europäische Lernnetz- werk zu Transnationalen Mobilitätsmaß- nahmen für benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene (TLN Mobility). Circa 660 Teilnehmende wurden von den IdA-Projekten aus Italien, Polen, Slowenien, Spanien, Tschechien im Rahmen dieser Pro- gramme aufgenommen. Erfolgsfaktoren Entscheidend zum Erfolg des Programms haben u.a. die Umsetzung als Kooperati- onsverbund mit aktiver und verbindlicher Einbindung von Betrieben und Jobcentern sowie anderen relevanten Arbeitsmarktak- teuren der Region in das Projekt, die von Beginn an durchgehende intensive päd- agogische Begleitung und Betreuung der Teilnehmenden, die Weitergewährung der Transferleistungen sowie insbesondere die Verlässlichkeit der transnationalen Koope- rationsbeziehungen beigetragen. Ausblick: Wie geht es weiter? Was in Deutschland bereits mit dem ESF-Programm "Integration durch Aus- tausch (IdA)" erfolgreich praktiziert wird, soll nun auch europaweit möglich werden. Mit dem neuen EU-Austauschprogramm ALMA (Aim, Learn, Master, Achieve) der Europäischen Kommission sollen junge Menschen, die weder Ausbildung noch Job gefunden haben, in Zukunft verstärkt die Möglichkeit haben, Berufserfahrung im Ausland zu sammeln. Anknüpfend an die erfolgreiche Umset- zung des IdA-Programms beteiligt sich das Bundesministerium für Arbeit und Sozia- les mit dem ESF Plus-Programm der ESF Plus-Förderperiode 2021-2027 "JUVENTUS Deutschland - Mobilität stärken - für ein soziales Europa“ an der neuen Initiative ALMA. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Mitgliedstaaten, die im Rahmen von ALMA Mobilitätsprogram- me planen, den Zugang zu Auslandserfah- rung für benachteiligte Jugendliche auch weiterhin zu ermöglichen und hierdurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ver- bessern. Ein Schwerpunkt von JUVENTUS soll daher die Verstärkung des Austauschs der Jugendlichen sein. Darüber hinaus geht es um die Vermittlung der Chancen, die ein soziales Europa bietet, dem Kennenlernen und der Wertschätzung anderer National- staaten sowie die Stärkung der transnati- onalen Zusammenarbeit der im Bereich Mobilität beteiligten Organisationen und der dort beschäftigten Fachkräfte. Die Ver- öffentlichung der Richtlinie ist für Sommer dieses Jahres geplant. Ergänzend ist ein Austausch zwischen künftigen JUVENTUS-Projektträgern und Trägern bzw. Beteiligten im Erasmus+-Pro- gramm zu den jeweiligen Rahmenbedin- gungen beider Förderstrukturen sowie den spezifischen Förderbedarfen der benachtei- ligten Zielgruppen in Abgrenzung zur Eras- mus+-Förderung vorgesehen. INFO Lernnetzwerk zu Transnationalen Mobilitätsmaßnahmen für benachtei- ligte Jugendliche und junge Erwach- sene https://www.esf.de/portal/EN/Fun- ding-period- 2014-2020/TLN-Mobili- ty/content.html Integration durch Austausch (IdA) auf einen Blick 32 Projekte Laufzeit: 2015 - Juni 2022 inkl. Verlängerungen Mittelvolumen: 78 Mio. EUR Gesamtausgaben, davon 45,5 Mio. EUR ESF und 24,7 Mio. EUR nationale Mittel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales 10 % Eigenmittel des Projektträgers EU-Programm ALMA https://ec.europa.eu/social/main. jsp?catId=1549&langId=de Die Projekte werden im Rahmen der "ESF- Integrationsrichtlinie Bund, Handlungs- schwerpunkt Integration durch Austausch (IdA)" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. MECHTHILD JÜRGENS Referentin im Referat EF2 „ESF Programmumsetzung, EHAP Verwaltungsbehörde, Digitale Transformation“ im Bundesminis- terium für Arbeit und Soziales © S ilk e Sc hw ae pp e https://www.esf.de/portal/EN/Funding-period-2014-2020/TLN-Mobility/content.html https://www.esf.de/portal/EN/Funding-period-2014-2020/TLN-Mobility/content.html https://www.esf.de/portal/EN/Funding-period-2014-2020/TLN-Mobility/content.html https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1549&langId=de https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1549&langId=de 24 25Inklusion und Vielfalt Geflüchtete und migrierte Frauen blei- ben in der öffentlichen Wahrnehmung oft unsichtbar. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen in der Gesellschaft häufig kaum als Akteurinnen am Ar- beitsmarkt wahrgenommen werden und in vielen Statistiken nicht auftau- chen – so konstatiert es ein Kurzdos- sier der Bundeszentrale für politische Bildung. Haupthindernisse bei der In- tegration in den Arbeitsmarkt liegen oft in der fehlenden Anerkennung von Qualifikationen und früheren Be- rufserfahrungen wie auch in geringen Sprachkenntnissen. An dieser Stelle setzte die Strategische Part- nerschaft EMIRE an. Das Projekt möchte Frauen mit Migrations-/Fluchthintergrund bei der Integration in den Arbeitsmarkt un- terstützen und sie für eine soziale Einglie- derung in die Gesellschaft stärken. Dazu richtet sich die Partnerschaft an zwei Ziel- gruppen: Zum einen an Frauen mit Migra- tions-/Fluchthintergrund im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, die noch nicht in den Arbeitsmarkt integriert sind, aber ein hohes Potenzial aufweisen. Zum anderen an Sozi- alarbeiter/-innen, Berater/-innen und Frei- willige, die im Bereich der Integration mit erwachsenen Migrantinnen arbeiten. Ziel ist es, innerhalb der Partnerschaft Konzepte und Instrumente zu entwickeln, die den Empowerment-Prozess der Frauen für eine positive Wahrnehmung auf dem Arbeits- markt unterstützen. Zunächst entwickelte das Projektteam eine Videoreihe mit dem Titel „Mein persön- licher Weg“. In den teilnehmenden Ländern Deutschland, Italien, Slowenien, Schweden, Österreich und Zypern wurden jeweils zwei Videos erstellt, die die unterschiedlichen Perspektiven in den Ländern zeigen. Die Videos mit den persönlichen Geschichten bieten Einblicke in die Arbeitsmarktintegra- tion und die damit verbundenen Herausfor- derungen von Frauen mit Flucht- und/oder Migrationshintergrund und berichten von Unterschieden zum Arbeitsmarkt in ihren Herkunftsländern. Sie wurden auf YouTube und Facebook veröffentlicht. Tools für die Praxis Danach begann die Arbeit an einem Toolkit für Sozialarbeiter/-innen und Berater/-innen zur Unterstützung einer weiblichen beruf- lichen Identität durch Empowerment-Pro- zesse. Das Toolkit beinhaltet unter anderem Informationen zum Rollenverständnis sowie Empfehlungen für den Umgang mit heraus- fordernden Situationen im Beratungspro- zess. Es ist auf der Projektwebsite verfügbar. Im letzten Projektjahr stehen nun die Durch- führung eines Trainingskurses für Sozialar- beiter/-innen, die Verbreitung des Toolkits in der Öffentlichkeit sowie die Erstellung einer Policy Guideline an. Diese ist auf politische Entscheidungsträgerinnen und -träger ausgerichtet und soll lokale Initiati- ven für Migrantinnen und Migranten beim Ansprechen und Erreichen dieser Personen unterstützen. Good Practice: Auf dem Weg in den Arbeitsmarkt Empowerment von Frauen mit Migrations-/ Fluchthintergrund @ K ul tu rL ife - E M IR E PROJEKTINFO Projekttitel: EMIRE – Empowerment of migrant and refugee women Projektnummer: 2020-1-DE02-KA204-007398 Projektdauer und -trägerinnen: 01.11.2020 - 31.01.2023 Beteiligte Länder: AT, CY, DE, IT, SE, SI Koordinator DE: KulturLife gGmbH Kontakt: Chiara Dickmann chiara@kultur-life.de Website: https://kultur-life.de/projekte/emire/ Facebook: https://www.facebook.com/EMIRE. ErasmusPlus.Project/ https://www.facebook.com/EMIRE.ErasmusPlus.Project/ https://www.facebook.com/EMIRE.ErasmusPlus.Project/ 24 25 Bildung Für Europa | Juli 2022 © B ar ba ra W ild Inklusion und Vielfalt In den ländlichen Regionen in Euro- pa fehlen vielerorts Einkaufsmög- lichkeiten, medizinische und soziale Versorgung, Mobilitätsangebote, Be- gegnungsmöglichkeiten, Beratungs- einrichtungen sowie Betreuungs- und Unterstützungsangebote. Dadurch ist die Lebensqualität vieler Menschen stark eingeschränkt. Vor allem ältere Menschen, aber auch Personen mit körperlichen oder psychischen Beein- trächtigungen, Menschen mit Migra- tionshintergrund, Langzeitarbeitslose oder schwer vermittelbare Arbeitssu- chende finden Barrieren vor, die ihnen die Teilhabe am öffentlichen, gesell- schaftlichen Leben erschweren. Gravierend werden die Einschränkungen, wenn die Menschen nicht (mehr) selbstän- dig mobil sind und damit nicht mehr zum Einkaufen, zum Arzt, zum Besuch von Ver- wandten und Freunden, zu Veranstaltungen oder zu Beratungseinrichtungen fahren können. Die Gefahr der sozialen Isolation ist hoch. Wenn zusätzlich Hilfe und Unterstüt- zung im Alltag benötigt wird, wird die Si- tuation prekär. Denn die älteren Menschen im ländlichen Raum sind es nicht gewohnt, eigene Bedürfnisse zu artikulieren. Sie wol- len niemandem zur Last fallen und nehmen dafür einschneidende Einschränkungen in Kauf. Der demografische Wandel verschärft die Situation, weil er die ländlichen Ge- meinden besonders hart trifft. Die auch hier veränderten Familienstrukturen bedingen ein abnehmendes familiäres Pflege- und Be- treuungspotenzial. Dadurch entsteht eine Versorgungslücke. Projektgrundlage Das Projekt geht die Herausforderungen im ländlichen Raum unter zwei Aspekten an: „Caring“ und „Sharing“. “Caring“ orientiert sich an der Definition des Bundesministeri- ums für Familie, Senioren, Frauen und Ju- gend: „Eine ‚Sorgende Gemeinschaft‘ ist das gelingende Zusammenspiel von Bürge- rinnen und Bürgern, Staat, Organisationen der Zivilgesellschaft und professionellen Dienstleistern in der Bewältigung der mit dem demografischen Wandel verbundenen Aufgaben“. „Sharing“ bezieht sich auf die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe von älteren und be- nachteiligten Personengruppen, die Aktivie- rung und das Einbringen eigener Fähigkei- ten, das Teilen und Tauschen von Zeit und Ressourcen. Ziel: Etablierung von Caring & Sharing Communities Caring & Sharing Communities entstehen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern es braucht dazu breite Beteiligungsprozesse. Für die Begleitung der Prozesse, die orts- spezifische Konzeptentwicklung, die Lei- tung und das Management einer Caring & Sharing Community sowie für die Mitarbei- tenden werden im Projekt spezifische Schu- lungen und Qualifikationen entwickelt. Aus der laufenden Projektarbeit: Caring & Sharing Communities Öffentliche Daseinsvorsorge im ländlichen Raum © S PE S e. V. PROJEKTINFO Projekttitel: Caring and Sharing Communities Projektnummer: 2021-1-DE02-KA220-ADU-000028340 Projektdauer: 01.11.2021 - 31.10.2024 Beteiligte Länder: DE, AT, IT Koordinator: SPES e.V. Kontakt: info@spes.de Website: www.spes.de Caring & Sharing Communities bieten: aufsuchende Beteiligung, zugehende Beratung, persönliche Bedarfsermitt- lung Aktivierung und Einbringen von eigenen Fähigkeiten und Ressourcen Begegnungsmöglichkeiten für alle Generationen Betreuungs- und Unterstützungsan- gebote in der vertrauten Umgebung Vernetzung und Kooperation mit anderen Einrichtungen http://www.spes.de 26 27Erasmus+ 35 Jahre Erasmus+ 12 Mio. geförderte Teilnehmende europaweit in allen Bildungsbereichen Das europäische Bildungsprogramm feiert 2022 sein 35-jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwünsch! Die Grafik vermittelt ein Bild von der deutschen Beteiligung. Zahlen für Deutschland (2007 bis 2021) und europaweit: Von deutschen Einrichtungen koordinierte Kooperationsprojekte (seit 2008) Von deutschen Einrichtungen koordinierte Kooperationsprojekte Teilnehmende an Mobilitätsmaßnahmen aus Deutschland (z.T. ab 2009) Teilnehmende an Mobilitätsmaßnahmen aus Deutschland 1.436 1.314 12 Mio. geförderte Teilnehmende europaweit seit Beginn des Programms 1987 16.148 229.862 ERWACHSENENBILDUNG ALLE BEREICHE EUROPAWEIT BERUFSBILDUNG © Y ur yV el ik an ov /A do be St oc k. co m | G es ta ltu ng : b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e 26 27 Bildung Für Europa | Juli 2022 Erasmus+ ieser Beitrag gibt den Informations- stand vom 18. Juli 2022 wieder. Die später im Jahr liegenden Antrags- fristen sind nicht berücksichtigt. Berufsbildung Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hat sich die Nachfrage nach Auslandsaufenthalten mehr als verdop- pelt. 2022 wurden im Rahmen der Akkre- ditierung und der ersten Antragsrunde der Kurzzeitprojekte insgesamt 22.563 Aus- landsaufenthalte bewilligt. Die Folgen der Pandemie hemmen damit die Mobilität in deutlich geringerem Maße. Auch bei der Anzahl der Kurzzeitprojekte gibt es einen deutlichen Anstieg von 17 im Jahr 2021 auf 63 im Jahr 2022. Diese Projektform wird vor allem von Einrichtungen genutzt, die noch keine Erfahrung mit der Durchführung von Auslandsaufenthalten haben. Neue Einrich- tungen nehmen folglich in großer Zahl erst- malig am Programm teil. Auch die Entwicklung bei den Akkreditie- rungen ist erfreulich. Zum 1. Februar 2022 haben 205 Einrichtungen die Erasmus+- Akkreditierung erhalten, knapp ein Viertel davon sind neu im Programm. Sie können damit in den kommenden Jahren im verein- fachten Verfahren am Programm teilneh- men und Auslandsaufenthalte durchfüh- ren. Im Bereich Berufsbildung haben sich in den ersten beiden Jahren fast 600 Einrich- tungen akkreditieren lassen und sind somit dauerhaft aktiv im Programm. In der ersten Antragsrunde 2022 wurden 115 Anträge für Partnerschaften für Zu- sammenarbeit (Leitaktion 2) eingereicht und Finanzmittel in Höhe von 26,83 Mil- lionen Euro beantragt. Davon fielen 31 Anträge auf die kleineren Partnerschaften und 84 auf die Kooperationspartnerschaf- ten. Insgesamt erhielten 60 Projekte eine Förderzusage, wodurch 36 Kooperations- partnerschaften mit einem Fördervolumen von 10,41 Millionen Euro und 24 kleinere Partnerschaften mit 1,41 Millionen Euro be- willigt wurden. Eine Neuerung dieser Antragsrunde stel- len die zu beantragenden Pauschalsum- men dar. Mehr als die Hälfte der Anträge der Kooperationspartnerschaften fiel in die Fördersumme 250.000 Euro, gefolgt von 400.000 Euro. Die überwiegende Mehrheit der kleineren Partnerschaften beantragte 60.000 Euro. Die geringsten Fördersum- men (120.000 bzw. 30.000 Euro) fanden hingegen kaum Interesse. Die am häufigsten adressierten horizonta- len Programmprioritäten waren „Bewälti- gung des digitalen Wandels durch Aufbau von digitaler Bereitschaft, Widerstandsfä- higkeit und Kapazität“ gefolgt von „Um- welt und Bekämpfung des Klimawandels“ sowie „Inklusion und Vielfalt“. Spitzenreiter bei den gewählten berufsbildungsspezi- fischen Prioritäten waren „Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“. Erwachsenenbildung In der Mobilität (Leitaktion 1) haben im Jahr 2022 von insgesamt 41 akkreditierten Einrichtungen 21 Einrichtungen für 973 Teilnehmende Aktivitäten geplant und da- für Mittel in Höhe von 2 Millionen Euro abgerufen. Die Einrichtungen planen ins- gesamt 314 Lernende und 628 Personen aus dem Bildungspersonal zu europäischen Partnern zu entsenden. Von diesen 628 Personen sollen 389 zu Kursen, 189 zu Job Shadowings und 50 zu Lehraufenthalten geschickt werden. 7 der 21 Einrichtungen machen darüber hinaus von der Möglich- keit Gebrauch, Expertinnen und Experten in die eigene Einrichtung einzuladen (insge- samt 31 Personen). Die Mittelausschöpfung liegt aktuell bei 21 Prozent. In der ersten Antragsrunde der Kurzzeit- projekte im Februar 2022 konnten Aus- landsaufenthalte für 16 Lernende und 257 Mitarbeitende in Erwachsenenbildungsein- richtungen mit einem Budget von 706.801 Euro bewilligt werden. Die Mobilitäten verteilen sich auf 15 verschiedene Einrich- tungen. 149 Personen sollen zu Kursbe- suchen, 80 zu Job Shadowings und 24 zu Lehraufenthalten entsendet werden. Zwei der Einrichtungen planen Expertinnen und Experten in die eigene Einrichtung einzula- den (insgesamt 4 Personen). Die Mittelaus- schöpfung liegt derzeit bei 42 Prozent. Einrichtungen der Erwachsenenbildung haben bis dato insgesamt 149 Anträge für Partnerschaften für Zusammenarbeit eingereicht. Darunter sind 108 Anträge für Kooperationspartnerschaften, wovon 26 bewilligt wurden. Von den 42 Anträ- gen auf kleinere Partnerschaften erhielten 34 eine Förderzusage. Insgesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 34,4 Millionen Euro beantragt (32 Millionen für Koope- rationspartnerschaften und 2,4 Millionen Euro für kleinere Partnerschaften). Für Ko- operationspartnerschaften konnten 7,61 Millionen Euro bewilligt werden, für klei- nere Partnerschaften 1,95 Millionen Euro. Wie im Vorjahr stehen die Themen Inklu- sion, Gleichberechtigung und Nicht-Diskri- minierung sowie digitale Kompetenzen im Vordergrund, gefolgt von neuen Lern- und Lehrmethoden und -ansätzen und der Ent- wicklung innovativer und neuer Curricula und Kurse. Anders als unter den Corona-Bedingungen des vergangenen Jahres gab es 2022 in deutlich geringerem Umfang Budgetum- widmungen von Mobilitätsaktionen hin zu Kooperationsprojekten. Mit einem zur Ver- fügung stehenden Budget von rund 10 Mil- lionen Euro können entsprechend weniger Projekte gefördert werden als im Jahr zuvor. 2021 standen knapp 30 Millionen Euro für 175 geförderte Projekte zur Verfügung. Erasmus+-Antragsrunde 2022 Wachsendes Interesse an Mobilität, Partnerschaften gut nachgefragt D 28 29 uslandsaufenthalte in der Berufsaus- bildung sind ein wichtiger Baustein, um die Qualität der Ausbildung zu erhöhen und wichtige Kompetenzen, wie Sprachkenntnisse oder interkul- turelle Kompetenz zu vermitteln. Die Planung und Durchführung von Aus- landsaufenthalten in der Berufsbildung erfordert Kenntnisse über die Vor- und Nachbereitung von Teilnehmenden, die Suche und Vermittlung von geeigneten Partnereinrichtungen, zur Zertifizierung der Auslandsaufenthalte und nicht zuletzt zur Existenz und den Möglichkeiten von entsprechenden Förderprogrammen, wie z.B. das Programm Erasmus+. Neben der NA beim BIBB, die den öffentlichen Infor- mations- und Beratungsauftrag für die För- derprogramme Erasmus+ und Ausbildung- Weltweit hat und einen Beratungsservice zu Auslandsaufenthalten in der Ausbildung anbietet, gibt es ein Netzwerk von mehr als 140 Multiplikatorinnen und Multiplikato- ren, die regional rund um die Antragsstel- lung zu Fördermitteln sowie zur Planung und Durchführung von Auslandsaufenthal- ten in der Berufsbildung beraten. Dieses Netzwerk wurde 2004 ins Leben gerufen. Am ersten Treffen haben seinerzeit sechs Vertreterinnen bzw. Vertreter von Kammern und Kultusministerien teilgenommen und sich ausgetauscht. Seitdem ist das Netz- werk enorm gewachsen. Ein Teil des Netz- werks besteht aus schulischen Beraterinnen und Beratern, vor allem Lehrkräfte von beruflichen Schulen, die von der zuständi- gen Landesschulbehörde oder dem Kultus- ministerium mit der Beratung beauftragt wurden. Der andere Teil des Netzwerks sind betriebliche Beraterinnen und Berater. Diese sind als Mobilitätsberaterinnen und -berater bei den Handwerks- und Indus- trie- und Handelskammern angesiedelt, im Beratungsnetzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ organisiert und werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie oder durch das Wirtschaftsminis- terium ihres Bundeslandes gefördert. Auch gibt es einzelne, zum Teil auch bundesweite Beratungsstellen bei Wohlfahrtsverbänden. Die Kontaktdaten der einzelnen Beraterin- nen und Berater können geordnet nach Bundesländern über die Mobilitätslandkar- te auf der NA-Website abgerufen werden. Akkreditierung steht für Unabhängig- keit und Qualität der Beratung Seit 2020 können sich Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Mobilität in der Berufsbil- dung als Erasmus+ Beraterin Berufsbildung bzw. Erasmus+ Berater Berufsbildung akkredi- tieren lassen. Voraussetzung ist, dass sie ein Mandat zur Beratung zu Erasmus+-Auslands- aufenthalten und der Internationalisierung in der Berufsbildung erhalten haben, z.B. von einer Kammer (zuständige Stelle), einem (Landes-)Ministerium, einem Arbeitge- berverband oder einer Gewerkschaft. Des Weiteren ist es für eine Akkreditierung als Erasmus+ Beraterin oder Berater erforder- lich, mindestens einmal pro Jahr an den halbjährlichen Schulungs- und Netzwerk- treffen der NA beim BIBB teilzunehmen. Diese Schulungs- und Netzwerktreffen informieren über Neuigkeiten zu den För- derprogrammen AusbildungWeltweit und Erasmus+ und bieten thematische Work- shops rund um die Planung und Durchfüh- rung von Auslandsaufenthalten in der Be- rufsbildung an. Ein wichtiger Baustein der Veranstaltungen ist zudem der Austausch der Beraterinnen und Berater untereinan- der und mit den zuständigen Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern der NA beim BIBB. SEIT MÄRZ 2020 HABEN MEHR ALS 100 MULTIPLIKATORINNEN UND MULTIPLIKATOREN DIE VORAUSSETZUNGEN ERFÜLLT SOWIE DIE CHANCE GENUTZT, SICH ALS ERASMUS+ BERATERIN ODER BERATER AKKREDITIEREN ZU LASSEN. 100 Erasmus+ Beraterinnen und Berater bereits akkreditiert Mit der Zusage für die Akkreditierung erhal- ten die Erasmus+ Beraterinnen und Berater eine Urkunde und ein Label, welches allen akkreditierten Erasmus+ Beraterinnen und Beratern eine gemeinsame Sichtbarkeit ver- leiht. Die Akkreditierung ist ein Qualitäts- siegel für eine unabhängige und kostenlose Beratung zu Auslandsaufenthalten in der Berufsbildung. Zudem impliziert die Ak- kreditierung einen aktuellen Kenntnisstand zum Thema Erasmus+ und Internationalisie- rung der Berufsbildung, da die akkreditier- ten Beraterinnen und Berater regelmäßig an den Schulungs- und Netzwerktreffen der NA beim BIBB teilnehmen. Die Akkreditierung als Erasmus+ Beraterin oder Berater Berufsbildung ist eine individu- elle aber auch institutionelle Anerkennung der Beratungstätigkeit zu Erasmus+. Das Netzwerk verfügt über geballte Expertise zu den Förderprogrammen Erasmus+ und AusbildungWeltweit und zur Planung und Durchführung von Auslandsaufenthalten. Nutzen Sie diese! Das Netzwerk der Erasmus+ Beraterinnen und Berater wächst Gemeinsam die Mobilität in der Berufsausbildung fördern A Erasmus+ 28 29 Bildung Für Europa | Juli 2022 Gemeinsam die Mobilität in der Berufsausbildung fördern INFO Auf der Mobilitätslandkarte finden Sie die Kontaktdaten der regionalen Beraterinnen und Berater: www.na-bibb.de/mobi-landkarte Hier finden Sie auch eine Liste mit allen akkreditierten Erasmus+ Beraterinnen und Beratern Berufsbildung. Einige Erasmus+ Beraterinnen und Berater mit ihren Akkreditierungszertifikaten KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de © N A b ei m B IB B © p riv at Erasmus+ http://www.na-bibb.de/mobi-landkarte 30 31XX Nationale Themenschwerpunkte 2022 © E PA LE D eu ts ch la nd 30 31 Bildung Für Europa | Juli 2022 Weitere Bildungsthemen o vielfältig wie die Themen der Erwachse- nenbildung ist auch die Themenlandschaft auf EPALE. EPALE Deutschland widmet sich jedes Jahr spannenden Fokusthemen, die aktuelle Fragestellungen der Erwachsenen- bildung widerspiegeln und die Community zum Mitmachen anregen. Die zahlreichen Angebote, wie die EPALE Akademie, die passend zu den Themenschwerpunkten angeboten werden, sind offen für alle in- teressierten Personen. Insbesondere Eras- mus+-Projektträger haben so die Möglich- keit, wichtige Kompetenzen zu vertiefen, die bei der Projektarbeit helfen können. Durch das gesamte Jahr 2022 begleitet EPALE Deutschland das Thema Nachhal- tigkeit. Dieses umfasst die Bereiche Klima und Umwelt, Ökobilanz der Weiterbildung sowie Green Erasmus. Gemeinsam mit der EPALE-Community wollen wir Angebote und gute Praktiken der Erwachsenenbildung im Bereich der Umweltbildung kennenlernen und auch darauf schauen, wie Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung das Thema Nachhaltigkeit in ihren Institutionen selbst leben und umsetzen. 1. Quartal: Life Skills und Kompetenzerwerb Mit Blick auf eine sich wandelnde Welt, stellen Life Skills wichtige Kompetenzen und Fertigkeiten dar, die eine aktive Teilha- be an der Gesellschaft ermöglichen. Es han- delt sich dabei um Kompetenzen, die dazu beitragen, die individuelle Lebensqualität zu erhöhen und die positive Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes haben.1 Der Fokus lag darauf, gemeinsam mit der EPALE-Community zu entdecken, wie ver- schiedene Projekte die unterschiedlichen Life Skills in ihrer Projektarbeit aufgreifen, welche Rolle Life Skills auf europäischer Ebene spielen und wie diese Kompetenzen und Fertigkeiten im lebenslangen Lernen erworben und vermittelt werden. Hierzu fand Mitte März eine Themenwoche statt. Weiterhin wurde im Rahmen der EPALE Akademie ein Workshop zum Europäischen Rahmen für persönliche, soziale und lern- bezogene Schlüsselkompetenzen (Life- Comp) angeboten. Durch die angebotenen Workshops zu den Themenschwerpunkten werden neue Kenntnisse vermittelt sowie der aktive Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden gefördert. 2. Quartal: Stadt und Land Während es in Städten und Ballungszentren breitgefächerte Bildungsangebote gibt und viele lebenslange Lernmöglichkeiten bereit- gestellt werden, gestaltet sich der Zugang zu passenden Bildungsangeboten in länd- lichen Gegenden oft schwieriger. In diesem Themenquartal möchte EPALE Deutschland sich diesen gegensätzlichen Räumen von Stadt und Land widmen und erkunden, welche innovativen Lösungsan- sätze die Erwachsenenbildung bereithält, um das Lebenslange Lernen in beiden Räu- men zu fördern: Welche Lernangebote und Unterrichtsmodelle gibt es in ländlichen Gebieten und in der Stadt? Wie stärken Initiativen des Lebenslangen Lernens in ruralen und urbanen Räumen die demo- kratischen Strukturen und das zivilgesell- schaftliche Engagement? Was bedeutet nachhaltige Mobilität in der Stadt und auf dem Land? Wie wird politische Bildung dort jeweils vermittelt? 3. Quartal: Wellbeing und Emotionen Wellbeing und Emotionen bilden einen wichtigen Bereich der Erwachsenenbil- dung, denn gesundheitsfördernde Bildung und Lebenslanges Lernen wirken sich po- sitiv auf die Gesundheit und die Lebens- zufriedenheit aus. Aber was bedeutet emotionale Intelligenz überhaupt und wie können Bildungsangebote dazu beitragen, die Lebenszufriedenheit zu erhöhen? In diesem Zusammenhang ist auch die Re- silienz eine Fähigkeit, die vor allem in der Covid-19-Pandemie immer wieder genannt wurde, um in einer sich wandelnden Welt widerstandsfähiger zu sein. In diesem Themenquartal lädt EPALE dazu ein, Projekte und Initiativen der Erwachse- nenbildung kennenzulernen, die sich da- mit befassen, wie die Erwachsenenbildung wichtige Kompetenzen vermitteln kann, die dazu beitragen unser persönliches Wohlbe- finden und somit auch den gesellschaft- lichen Zusammenhalt zu stärken. 4. Quartal: New Learning Unsere Welt befindet sich in einem stän- digen Wandel und dadurch ist auch unsere Lernwelt Transformationsprozessen un- terworfen. Somit müssen das Lehren und Lernen an immer neue Herausforderungen angepasst und innovative Lernkonzepte entworfen werden. Im vierten Quartal des Jahres 2022 liegt der Schwerpunkt daher auf neuen Lehr- und Lernmethoden und da- rauf, wie diese in der Erwachsenenbildung gelebt werden: Welche neuen Lehr- und Lernmethoden gibt es? Wie findet Lernen in Gemeinschaften statt und wie entwickeln sich Lerngemeinschaften in physischen, virtuellen und hybriden Lernräumen? Wie kann durch die Erwachsenenbildung selbst- bestimmtes Lernen in verschiedenen Lern- räumen gefördert werden? Nutzen Sie die Gelegenheit und teilen Sie Ihre Erfahrungen, Ideen und Pro- jekte mit der europäischen Erwachse- nenbildungs-Community! Wie das geht, erfahren Sie hier: https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ willkommen INFO Kontakt: epale@bibb.de EPALE: https://epale.ec.europa.eu/de S 1 Weitere Einblicke ins Thema gibt das Projekt „Life Skills for Europe“: https://eaea.org/project/life-skills-for-europe-lse/ MARLENE RÖDER Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Nationalen Koordinie- rungsstelle EPALE roeder@bibb.de © p riv at Nationale Themenschwerpunkte 2022 https://epale.ec.europa.eu/de/blog/willkommen https://epale.ec.europa.eu/de/blog/willkommen mailto:epale%40bibb.de?subject= https://epale.ec.europa.eu/de mailto:roeder%40bibb.de?subject= 32 33Weitere Bildungsthemen © I jA B, E ur od es k D eu ts ch la nd 32 33 Bildung Für Europa | Juli 2022 m Dezember 2021 wurde vom Rat der Eu- ropäischen Union und vom Europäischen Parlament das Europäische Jahr der Jugend 2022 beschlossen. Die Verantwortlichen haben damit die Hoffnung verbunden, ein Jahr auszurufen, das für junge Menschen und für Jugendorganisationen in Europa einen Aufbruch bedeutet. Mit dem Europäischen Jahr der Jugend soll die junge Generation in Europa besonders gewürdigt werden. Dabei stehen insbeson- dere auch junge Menschen mit geringeren Chancen oder aus benachteiligten Verhält- nissen im Fokus. Junge Menschen sollen nach der Pandemie neue Chancen erhalten und ermutigt werden, sich bürgerschaftlich und politisch zu beteiligen. Ihre Bedürfnisse und Ideen, aber auch die Herausforde- rungen, mit denen sie zu kämpfen haben, sollen in den Mittelpunkt der Aufmerksam- keit gerückt werden – in Europa, auf Bun- desebene und auch vor Ort. Die Möglichkeiten und Themengebiete sind dabei genauso vielfältig wie die Lebensre- alität junger Menschen selbst. So soll das Europäische Jahr auch der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen weitere Impulse verleihen und junge Menschen darin bestärken, sich für einen ökologischen, sozialen und wirt- schaftlichen Wandel in einer grünen, digi- talen und inklusiven Welt zu engagieren. Durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine gibt es darüber hinaus ein weiteres Thema, das sehr aktuell und bedeutsam für junge Menschen ist. Ein Krieg mitten in Europa, unmittelbar an den Grenzen der EU, ist nicht nur für viele junge Menschen, aber gerade für diese Generation, schwer vorstellbar und auch schwer zu verstehen. Und dennoch ist er seit einigen Wochen ein stetiger Begleiter in unserem Alltag. Dieser Krieg stellt viele unserer gemein- samen Werte auf die Probe. Er zeigt aber auch, wie sehr die Menschen in Europa bereit sind, in Krisenzeiten diese Werte zu verteidigen. Wir erleben eine Welle der Solidarität und der Unterstützung. Auch das Europäische Jahr der Jugend wird sich dieser veränderten Situation anpassen. Die Themen Frieden und Sicherheit sowie So- lidarität werden nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa ein wichtiger Be- standteil des Europäischen Jahres sein. Mitmach-Kampagne „Dein Europa - Dein Jahr!“ in Deutschland Sich beteiligen, sich einmischen, sich en- gagieren - das sind nicht nur die Ziele des Europäischen Jahres, das ist auch der Anspruch der jungen Generation an sich selbst. Das Herzstück der Aktivitäten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird daher unsere große Mitmach-Kampagne unter dem Titel „Dein Europa – Dein Jahr!“ sein. Beginnend mit dem Schuman-Tag am 9. Mai sollen bis zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August überall in Deutsch- land kurze Gesprächsformate von jungen Menschen mit Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, in der Schulklasse, im Jugendzentrum oder auf dem Marktplatz stattfinden. Ziel der Kampagne ist es, Entscheidungs- trägerinnen und Entscheidungsträger so- wie die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, was junge Menschen bewegt und welche Meinungen und Ansichten sie zu verschiedenen Themen haben. Die vielfältigen und kreativen Formate, die jun- ge Menschen und Jugendgruppen in den nächsten Monaten initiieren werden, wer- den einen Beitrag dazu leisten, den Ideen der jungen Menschen Sichtbarkeit in die- sem Jahr zu verleihen. Mit den unterschied- lichen Themen und Schwerpunkten wer- den die jungen Menschen dabei selbst ihre Agenda für das Europäische Jahr setzen und zeigen, was ihnen wichtig ist. Denn das ist das Ziel: Nicht über junge Menschen und ihre Bedürfnisse reden, sondern mit ihnen. Nutzen daher auch Sie in Ihren Betrieben und Einrichtungen die Möglichkeit, an der Kampagne „Dein Europa - Dein Jahr!“ teilzunehmen und mit jungen Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern, Auszubildenden oder Praktikantinnen und Praktikanten ins Gespräch zu kommen. INFO Mehr Informationen zum Europäischen Jahr der Jugend 2022 gibt es auf www.ejj2022.de und auf dem Europäischen Jugendportal https://europa.eu/youth/year-of- youth_de „Dein Europa - Dein Jahr!“ Das Europäische Jahr der Jugend 2022 I BETTINA BUNDSZUS Leiterin der Abteilung „Kinder und Jugend“ im Bundesministeri- um für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Nationale Ko- ordinatorin für das Europäische Jahr der Jugend 2022 © p riv at Weitere Bildungsthemen http://www.ejj2022.de https://europa.eu/youth/year-of-youth_de https://europa.eu/youth/year-of-youth_de 34 35Infosplitter Infosplitter Podcast-Serie „Inklusion“ Vor gut einem Jahr hat die NA beim BIBB ihr Angebot auf den Au- dio-Bereich erweitert. Die aktuelle Podcast-Serie fokussiert auf das Erasmus+-Querschnittsthema „In- klusion und Vielfalt“. In drei Folgen haben wir Mobilitäts- und Partner- schaftsprojekte aus der Berufs- und Erwachsenenbildung zu unter- schiedlichen Aspekten des Themas Inklusion interviewt. Wo gelingt die Umsetzung schon und wo sehen unsere Projektträger noch Hürden? Unbedingt reinhören! www.na-bibb.de/podcast- zugang-fuer-alle Fachtagung Inklusion und Diversität Am 9. Juni fand in Frank- furt die Fachtagung "Zugang für alle" statt. Die Veranstaltung im Open-Space-Format bot viel Raum für Austausch. Die Dokumentation ist online verfügbar: www.na-bibb.de/ rueckblick- fachtagung- inklusion Neue Themenseiten auf MeinAuslandspraktikum Auf dem Portal MeinAuslandspraktikum finden Auszubil- dende jetzt Informationen dazu, wie sie trotz einer Behin- derung oder Benachteiligung ins Ausland reisen können. Eine weitere Themenseite gibt Tipps, wie Azubis ihren Auslandsaufenthalt nachhaltig und klimafreundlich gestal- ten können. www.MeinAuslandspraktikum.de/inklusiv www.MeinAuslandspraktikum.de/ klimafreundlich Die neue Programmgeneration ist quadratisch, zumindest was die Infoflyer betrifft. Die ersten zwei Print-Publikationen im neuen CD informieren über die Mobilitätsmaßnahmen in Erasmus+. „Auslandsaufenthalte während der Ausbildung“ richtet sich insbesondere an die Zielgruppe der Berufsschulen, das Pendant in der Erwachsenenbildung informiert allgemein. Im Sinne der Nachhaltigkeit sind beide Flyer auf Recyclingpapier gedruckt. Erasmus+: Infoflyer im neuen Look & Feel © A do be St oc k | B G St oc k7 2 /D av id Pr ad o www.na-bibb.de/ publikationen http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.MeinAuslandspraktikum.de/inklusiv http://www.MeinAuslandspraktikum.de/klimafreundlich http://www.MeinAuslandspraktikum.de/klimafreundlich http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.na-bibb.de/publikationen 34 35 Bildung Für Europa | Juli 2022 Infosplitter Die NA beim BIBB hat einen neuen Film mit Erfahrungsberichten zu Auslandsaufenthalten mit Erasmus+ und AusbildungWeltweit veröffentlicht. In dem Video „Von Hamburg in die Welt“ berich- tet der Ausbildungsleiter des Logistikunternehmens a. hartrodt von dem großen Mehrwert von geförderten Auslandsaufenthal- ten im Rahmen der Ausbildung – sowohl für das Unternehmen als auch für die Auszubildenden. Auch die Auszubildenden be- schreiben, was sie während ihrer Auslandspraktika in Prag, Ant- werpen und Basel erlebt und gelernt haben. Das Video finden Sie unter www.na-bibb.de/mediathek News zum Europass Die Website des Nationalen Europass Cen- ters präsentiert sich in neuem Look und mit überarbeiteten Inhalten. Die Seite in- formiert zum Europass-Portal und den Eu- ropass-Dokumenten und bietet weiterhin Zugang zur Datenbank für den Europass Mobilität. Dort gibt es mit der „Videohilfe“ jetzt einen neuen Bereich mit Erklärvideos. Die Tutori- als erläutern verschiedene Datenbankfunk- tionen und unterstützen beim Beantragen und Ausfüllen der Mobilitätsnachweise. Das Helpcenter enthält Videos u.a. zu The- men wie Signatur und Stempel hochladen, Import von Daten aus dem Mobility Tool oder Kopieren von Inhalten in andere Eu- ropässe. Zudem wurde die Datenbank für den Europass Mobilität im Hinblick auf Bar- rierefreiheit optimiert. www.europass-info.de Das EU-Portal Europass ist jetzt in insgesamt 30 Sprachen verfügbar: Hinzugekommen ist ukrainisch als Sprachversion für das e-Portfolio. Mit der neuen Sprachversion möchte die EU-Kommission ein Angebot schaffen für Menschen aus der Ukraine und ih- nen dabei helfen, ihre Fähigkeiten im Europass-Profil zu dokumentieren, Le- bensläufe zu erstellen und europaweit nach Stellen zu suchen. Forum Berufliche Bildung auf der didacta Bei der diesjährigen Bildungsmesse didacta hat die NA beim BIBB an der Diskussions- runde „Going abroad: Praktische Fragen und viel Service zum internationalen Aus- tausch in der Berufsbildung“ teilgenom- men. Bei dem Forum Berufliche Bildung informierte das Team der NA zu den Mög- lichkeiten der Förderprogramme Erasmus+ und AusbildungWeltweit. Zu den Podiums- gästen gehörte auch ein Auszubildender, der live aus den USA von seinem Auslands- praktikum mit AusbildungWeltweit zuge- schaltet war. Jetzt vormerken: EPALE Community Conference Unter dem Titel „Imagine. Enriching, Sustainible, Inclusive Europe“ findet vom 18. bis 20. Oktober 2022 die EPALE Community Conference statt. Ein spannendes Programm mit Keynotes, Interviews, Gesprächen und Workshops erwartet die Teilnehmenden. Regional sind unterstützende Live-Events in Pla- nung. Seien Sie mit dabei! https://epale.ec.europa.eu/de Deutschland © N N A b ei m B IB B © G oV ET © N A b ei m B IB B Neuer Film zur Auslandsmobilität http://www.na-bibb.de/mediathek http://www.europass-info.de/pm-digital-credentials https://epale.ec.europa.eu/de Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Tel.: 0228 107-1608 Fax: 0228 107-2964 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum Aktuelle Ausschreibungstermine Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Erwachsenen- bildung und Jugend 04.10.2022 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Erwachsenen- bildung und Jugend 04.10.2022 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Zentren der beruflichen Exzellenz Innovationsallianzen 07.09.2022 17:00 Uhr 15.09.2022 17:00 Uhr EACEA EACEA EACEA EACEA AusbildungWeltweit (für Aufenthalte zwischen dem 01.02.2023 und dem 31.01.2024) 13.10.2022 12:00 Uhr NA beim BIBB/ AusbildungWeltweit NA beim BIBB/ AusbildungWeltweit Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Jugend 19.10.2022 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (18.07.2022). Alle Angaben ohne Gewähr. www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu http://www.na-bibb.de …

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