Demokratiebildung und Kompetenz im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) sind eng miteinander verknüpft. Daher sollten die Akteurinnen und Akteure der Erwachsenenbildung im Blick haben, wie KI die Bedingungen demokratischer Meinungsbildung verändert und wie Erwachsenenbildung und Weiterbildung Menschen stärken können, mit diesen Entwicklungen umzugehen. Zugleich spielt die Frage, wie Demokratiebildung digitale und KI-geprägte Informationsräume stärker einbeziehen kann und welche Kompetenzen es dazu braucht, eine wichtige Rolle.
Antworten lieferte die zweitägige Online-Konferenz „Europäische Perspektiven: kritisch, kreativ, kompetent – Impulse für Demokratie und KI in der Erwachsenenbildung“ am 30. Juni und 1. Juli 2026. Veranstaltet wurde sie von der Nationalen Koordinierungsstelle (NKS) Europäische Agenda für Erwachsenenbildung in der Nationalen Agentur Bildung für Europa (NA beim BIBB), dem Bayerischen Volkshochschulverband e.V. (bvv) und dem Thüringer Volkshochschulverband e.V. Rund 200 Akteurinnen und Akteure aus ganz Deutschland nutzten die Gelegenheit, durch spannende Impulsvorträge und Workshoprunden Anregungen für die eigene Arbeit zu gewinnen.
Während am ersten Tag das Thema Demokratie und Teilhabe im Fokus der Veranstaltung stand, wurden an Tag 2 die Entwicklung neuer Lernräume mit KI und die Kompetenzen erörtert, die Erwachsenenbilder/-innen benötigen, um digital kompetent und demokratisch handlungsfähig zu bleiben. Stets wurde dabei auch die europäische Perspektive einbezogen.
Wie aktuell das Thema für die Praxis der Erwachsenenbildung ist, bekräftige Dr. Regine Sgodda, Geschäftsführender Vorstand des bvv, in ihrem Grußwort. Sie unterstrich: „Künstliche Intelligenz hat in bemerkenswerter Geschwindigkeit Eingang in zentrale Bereiche unseres Alltags gefunden. Gleichzeitig beobachten wir eine Bedrohung der liberalen Demokratie, die Infragestellung von demokratisch stärkenden Bildungsangeboten sowie eine Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und unserer eigenen Urteilskraft. Das wird häufig im Kontext von KI-generierten Inhalten relevant.“ An dieser Stelle brachte sie auch die europäische Dimension ins Spiel. Sie tat dies am Beispiel der Entwicklung des EU-AI-Aktes. Ein im europäischen Austausch entstandenes Regelwerk, das definiere, wie künstliche Intelligenz verantwortungsvoll gestaltet werden könne.
Das in den Jahren 2024/25 realisierte Citizen Science-Projekt „Wehrhafte Demokratie im Bildungswesen“ erfasst erstmals, wie Erwachsenenbildungseinrichtungen von auf Menschenfeindlichkeit und Rassismus fußendem Populismus betroffen sind und wie sie auf diese Gefährdungen reagieren können. Realisiert wurde es von Professor Dr. Anke Grotlüschen, Professorin für Lebenslanges Lernen an der Universität Hamburg, gemeinsam mit Kooperationspartnerinnen und -partnern aus dem Bereich der Volkshochschulen. Es verbindet wissenschaftliche Perspektiven mit praktischen Erfahrungen. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der Erwachsenenbildung zu sichern und wirkungsvolle Reaktionsformen zu identifizieren und der Praxis zur Verfügung zu stellen. Dazu wurde mit Unterstützung des Deutschen Volkshochschul-Verbands eine bundesweite Onlinebefragung durchgeführt, um Fallberichte von Diskriminierung und Diskreditierung, politischer Einschüchterung und rechtspopulistischer Einflussnahme zu sammeln und zu dokumentieren.
Grotlüschen stellte die Ergebnisse des Projekts vor und verband dies mit der Frage, wie es gelingen kann, Brandmauern gegen den Schutz vor der extremen Rechten im Bildungswesen aufzubauen und zu stärken. Für sie sei die Erwachsenenbildung diesbezüglich ein „Vorreiter“, weil sie flexibler als andere Bildungsbereiche agieren und sich deshalb schneller modernisieren könne. Grotlüschen beschrieb Beispiele für Gefährdungslagen und verband dies mit der Entwicklung geeigneter Gegenstrategien auf der bildungspolitischen und der institutionellen Ebene sowie im konkreten Unterrichtsgeschehen.
Inhaltlich erstreckt sich das Spektrum der Gegenstrategien – die anschließend in sogenannten Reflexionssessions diskutiert wurden – von gesetzlichen Regulatorien, Aufklärungsarbeit und Publikationen zur wehrhaften Demokratie über Bündnisse und klare Leitbilder bis zu Strategien für den pädagogischen Alltag. Dies können beispielsweise Präventions- und Fortbildungsmaßnahmen sein.
„Die politische Bildung ist nicht neutral. Es ist die demokratische Pflicht von Lehrkräften, Demokratie- und Menschenfeindlichkeit sowie Geschichtsrevisionismus zurückzuweisen. Erwachsenenbildungseinrichtungen sind Orte, an denen demokratische Grundwerte geschützt werden müssen.“
Dabei reichten Positionspapiere allein nicht aus. Entscheidend sei es, die Menschen vor Ort zu stärken und Lehrkräfte in entsprechenden Situationen zu schützen. Dazu Grotlüschen: „Wir müssen vom Reden ins Handeln kommen.“ Das bedeute beispielsweise, dass die Politik und die Leitung der Einrichtungen klar Position beziehen und sich hinter die Werte von Demokratie und gesellschaftlichem Miteinander stellen. Ihr Wunsch, so Grotlüschen, sei es, dass ein Ruck durch die Formate gehe", auch hinsichtlich der Frage, „wie wir mit den Menschen wieder besser ins Gespräch kommen können“. Greife dies nicht, seien im Umgang mit schwierigen Teilnehmenden und Mitarbeitenden auch disziplinarische Maßnehmen denkbar. Eine umfangreiche Liste geeigneter Gegenstrategien enthalte das Buch „Keine Macht der Ohnmacht – Wie wir Krisen bewältigen und uns gegen Faschismus wehren“ von Matthias Quendt (2026).
Wie wichtig das Thema Lese- und Schreibkompetenz (Literacy) für gelebte Demokratie und Teilhabe ist, zeigte der Vortrag von Maria Deskur, Präsidentin der European Reading Foundation in Polen und eine starke Stimme zur Bedeutung von Literacy in der europäischen Bildungsarbeit. Sie sagte: „Lesen ist nicht nur eine individuelle Fähigkeit, sondern die Grundlage allen Lernens und Voraussetzung für ein zukunftsfähiges und demokratisches Leben – sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene.“
Besorgniserregend sind in diesem Kontext die Ergebnisse der 2023 veröffentlichten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU). Demnach lesen Schülerinnen und Schüler in Deutschland in der vierten Klasse heute deutlich schlechter als noch vor Jahren. Ein Viertel der Kinder erreicht beim Lesen nicht den international festgelegten Mindeststandard, der für das weitere erfolgreiche Lernen nötig wäre.
„Nicht-Lesen ist nicht nur schlecht für uns, sondern auch gefährlich im Hinblick darauf, wie wir die Zukunft Europas und unserer Länder sehen“, warnte Deskur und verwies auf das 2023 von Neurowissenschaflern entwickelte Ljubljana-Manifest zur Bedeutung fortgeschrittener Lesekompetenzen. Erfahren Sie mehr zum Ljubjana-Manifest auf dieser Webseite. Dieses fordert Politik und Gesellschaft auf, Lesen auf höherem Niveau zu stärken, um analytisches Denken und demokratische Werte zu sichern. Deskur wörtlich: „Darin heißt es, dass wir eine gewisse Kompetenz entwickeln müssen, um die Kontrolle zu behalten – also nicht zu Subjekten zu werden, die von der KI gesteuert werden, sondern auf der Seite derjenigen zu bleiben, die ihr Leben und ihre Zukunft selbst gestalten können“.
Professor Dr. Anke Grotlüschen hob in der anschließenden Diskussion hervor, wie relevant das Thema Literacy für die Stabilität von Demokratien sei. So mache die Level-One-Studie (LEO-Studie) der Universität Hamburg deutlich, dass Menschen mit geringen Literacy-Fähigkeiten zunehmend Schwierigkeiten mit kritischem Denken und Hinterfragen hätten. Lesen Sie dazu, wie die Leo Level-One Studie den Grad der Literalität der deutsch sprechenden Bevölkerung untersucht.
Ein gutes Praxisbeispiel für gelebte Teilhabe in Sachen Literacy lieferte Fabian Walpuski vom Thüringer Volkshochschulverband e.V., der von einer Erasmus+ Mobilität von Lernenden zum Thema KI in der Alphabetisierung berichtete. Dabei wurden Literacy und KI dergestalt miteinander verknüpft, dass die Teilnehmenden kreative Anwendungsformen künstlicher Intelligenz kennenlernten, sich gleichzeitig aber mit Risiken, und der Gefahr von Manipulationen und Täuschungen auseinandersetzten.
„Eine wichtige Erkenntnis war, dass auch Lernende mit Grundbildungsbedarf KI nutzen, wenn sie die Möglichkeit erhalten, es selbst auszuprobieren und man es gut begleitet“, weiß Walpuski. „Wir haben geschaut, wo das Thema den Menschen begegnet und versucht, die Möglichkeiten der KI über praxisnahe Aufgaben zu vermitteln. Unser Bestreben war es, die Voraussetzungen für eine kompetente Nutzung zu schaffen.“
Das Format der Lernreise erwies sich dazu als äußerst geeignet. Das bestätigte Maik Stadermann vom Lerner-Rat Thüringen, der als Lernender an der Reise partizipierte. Er hob hervor, dass ein solcher Auslandsaufenthalt immer auch das eigene Selbstvertrauen stärke, weil viele der Teilnehmenden sich alleine nicht zutrauen würden, ins Ausland zu reisen. Eine derartige Erfahrung als Gruppe zu machen, habe laut Walpuski sehr zum Gelingen der Maßnahme beigetragen, zumal die Kombination aus KI und Literacy eindrucksvoll sichtbar gemacht habe, was in der Praxis möglich sei. Lernreisen seien ein gutes Beispiel, wenn es um die Vorteile von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung gehe (Siehe dazu weiter unten).
Tag 2 der Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz. Dabei ging es in insgesamt zehn Workshops um die Frage, wie mit KI neue Lernräume kreativ, praxisnah und teilhabeorientiert gestaltet werden können und welche Kompetenzen dazu notwendig sind. Was müssen Erwachsenenbildnerinnen und -bildner über KI wissen, um entsprechend agieren zu können und welche Tools und Materialien gibt es bereits?
Der Code of Conduct – eine gemeinsame Selbstverpflichtung
Zuvor stellte Monika Ilves, Vorständin beim Zentrum für Digitalen Fortschritt D64, den Code of Conduct vor, eine Art Verhaltenskodex für eine demokratische Nutzung von KI. Mehr zum Hintergrund des Code of Conducts erfahren Sie auf dieser Webseite . Sie konstatierte, dass künstliche Intelligenz zwar viel genutzt werde, es aber kaum Kriterien für die Art und Weise gebe, wie dies erfolgt. Auch wenn die KI längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, dürfe sie nicht den großen Technologieunternehmen überlassen werden. Ihre Gestaltung sei vielmehr eine zivilgesellschaftliche Aufgabe. Ilves wörtlich: „Wir begreifen die digitale Transformation als große Chance, das Miteinander unserer modernen Gesellschaft zu verbessern. Die soziale, ökologische, technologische und politische Entwicklung wollen wir konstruktiv, kritisch und kreativ mitgestalten.“
Der Code of Conduct (CoC) fungiert dabei als gemeinsame Selbstverpflichtung für den Umgang mit KI. Mehr als 220 Organisationen aus der deutschen Zivilgesellschaft (Stand 2026) haben ihn bereits unterzeichnet. Seine Bedeutung manifestiert sich in acht Leitprinzipien: von der Menschenzentrierung über eine diskriminierungskritische Haltung bis zu Teilhabe, Partizipation und Transparenz im Einsatz der KI. Tenor bei alledem: Wie kann die KI im Sinne der eigenen Organisation und Wertmaßstäbe sinnvoll genutzt und gestaltet werden?
Wie können Einrichtungen beginnen?
Ilves empfahl den Akteurinnen und Akteuren, den Code of Conduct iterativ und in kleinen Schritten anzugehen und dazu Prozesse in der eigenen Institution zu hinterfragen. Es sei wichtig, die KI als ein Werkzeug zu betrachten, dessen Einsatz nicht per se zu Verbesserungen führen müsse. Anhand eines Wertekompass ermögliche der Code of Conduct es, selbst zu definieren, wie und wo der KI-Einsatz im jeweiligen Umfeld etabliert werden könne. Dabei gelte: „Kompetenz sollte immer vor KI-Einsatz stehen. Man muss eine gewisse Expertise erlernen sowie Haltung und kritisches Denken mitbringen, um KI sinnvoll einsetzen zu können. Die entscheidende Frage ist nicht, wann ich KI einsetze, sondern wie.“
Sinnvoll könne es beispielsweise sein, einzelne Arbeitspakete im Rahmen der Kursvorbereitung an die KI zu delegieren. In jedem Falle sei es ratsam, die Thematik im Vorfeld zu durchdringen und selbst eigene Lösungsansätze zu entwickeln. Das impliziere, dass die Annahmen der KI kritisch geprüft und eingeordnet werden können.
In Workshops zu verschiedenen Themen konnten die Einsatzmöglichkeiten von KI und die Frage der Demokratiebildung in der KI-Ära detailliert betrachtet werden:
So ging es beispielsweise um den KI-Einsatz zur Automatisierung von Lernbausteinen in der vhs.cloud, maßgeschneiderte KI-Helfer für die Lehrpraxis oder personalisierte Lernwege mit KI. Betrachtet man die KI-Helfer für die Lehrpraxis, so sollte vorab genau definiert werden, in welchen Bereichen ein KI-Einsatz zielführend ist. Hierbei sollte nicht nur auf einen Anbieter gesetzt werden, um die Antworten abgleichen und systematische Fehler oder Diskriminierungen in den Ergebnissen (BIAS) erkennen zu können.
Im Workshop zu den personalisierten Lernwegen lag der Fokus derweil auf dem Erstellen von KI-Chats mit Übungsszenarien für die Lernenden – einem sehr praxisrelevanten Thema für Lehrkräfte. Diese sollten eine Schritt-für-Schritt Einführung in die Art der Nutzung und eine Nachbesprechung der Übungen im Unterricht vornehmen, vor allem hinsichtlich des exakten Promptens. Mithilfe von KI ließen sich einfache interaktive Übungen erstellen, die im Unterricht oder als Hausaufgabe genutzt werden können.
Apropos Unterricht: Wussten Sie, dass Sie mit Hilfe von KI-Tools auch selbst Lehrmaterialien erstellen können? So bietet zum Beispiel NotebookLM ein Designstudio mit verschiedenen Darstellungsformaten, die sich für die Erarbeitung von Lerninhalten eignen. Mit Claude Cowork hingegen kann die KI direkt auf eigene Ordner gelenkt werden, um daraus Materialien zu erstellen.
Spannend war auch die Frage nach der KI-Literacy aus medienpädagogischer Sicht. Hier könnte der Code of Conduct als niederschwelliger Einstieg in den Aufbau von Kompetenzen in der eigenen Organisation dienen. Wichtig ist ein strategisches und strukturiertes Vorgehen, der Kompetenzaufbau sollte immer damit verbunden sein, die Akteurinnen und Akteure zu befähigen, reflektieren, kritisch einordnen und Gefahren erkennen zu können.
Eher emotionale Einstiegsmöglichkeiten bietet das interaktive Hörspiel „Unter Verdacht“ zu dem Sie auf dieser Webseite detailiertere Informationen finden. Das Angebot richtet sich an all diejenigen, die an digitalen Räumen interessiert sind, bislang aber noch wenig Zugang zu politischen Bildungsräumen haben. Es zielt darauf ab, die digitale Welt als politischen Raum zu begreifen und die Urteilskompetenz und Kritikfähigkeit der Nutzerinnen und Nutzer zu stärken. Um Letzteres ging es auch im Workshop zu „Manosphere“, einem losen und vorwiegend antifeministischen Netzwerk, das vor allem Internetforen und Blogs nutzt, um Themen wie Selbstoptimierung und hegemoniale Männlichkeit zu verbreiten. In der Diskussion wurden Strategien und Empfehlungen für den Umgang mit diesem Thema in der pädagogischen Praxis ausgetauscht.
Gleich dreimal spielte Europa eine wesentliche Rolle in den Workshops, zum Beispiel hinsichtlich der To dos für eine Einführung des EU AI Aktes in der Erwachsenenbildung. Die neuen Regelungen haben die Verantwortung für KI-Kompetenz so verlagert, dass Mitgliedstaaten und Institutionen diese Einführung unterstützen und fördern können. „Sie selbst sind diejenigen, die die demokratische Kompetenz aufbauen“, betonte Veerle Ponnet, Bildungsexpertin und Kursdirektorin der Europass Teacher Academy in Belgien.
Im Kontext der Erasmus+-geförderten Partnerschaft „Demokratiebildung in der ‚KI-Ära‘: Zwischen Manipulation und Mündigkeit“, erarbeiteten Organisationen aus Deutschland, Österreich und Belgien gemeinsam Lernmaterialien zur kompetenten KI-Nutzung. Die praxisnahen Inhalte dienen der Stärkung der politischen Urteilskompetenz und dem Aufbau einer Critical AI Literacy als wichtige Zielkompetenz fächerübergreifender politischer Bildung. Sie sind über die Website des Projekts abrufbar.
Ein ethischer und rechtlicher Leitfaden zum Einsatz von KI in der Bildung bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Projekts „Empowering Educational Leaders with AI Strategies“, dessen Ergebnisse über diese Webseite abrufbar sind. Träger des ebenfalls Erasmus+-geförderten Projekts ist ein internationales Konsortium mit Organisationen aus neun europäischen Ländern, deren Expertise in den Leitfaden einfloss. Dieser ist mit Beispielen hinterlegt und immer auch ein Leitfaden zur Selbsteinschätzung. Zudem wurde der EU AI-Act grafisch aufgearbeitet.
Die Diskussionen der Impulsvorträge und Workshops machten deutlich, dass die wichtigsten Fragen zu den besprochenen Themen nicht nur im nationalen Kontext diskutiert werden. Die europäische Perspektive macht Erfahrungen, Praxisbeispiele und Lösungsansätze sichtbar – sowohl in Partnerschaftsprojekten als auch in Erasmus+ Mobilitäten von Lernenden oder dem Bildungspersonal. Das zeigen die Ergebnisse der Erasmus+-Lernreise aus Thüringen und die Workshops zum Thema KI an Tag 2 der Veranstaltung.
Welche Möglichkeiten Erasmus+ den Akteurinnen und Akteuren der Erwachsenenbildung bietet, verdeutlichte Tanja Möller von der NA beim BIBB. Sie verwies darauf, dass neben der Lernenden auch Mitarbeitende aus Erwachsenenbildungseinrichtungen an dem Programm teilnehmen und sich in durch Job-Shadowings oder vergleichbare Formate im Ausland qualifizieren können. Erasmus+ eröffne sowohl Räume für echte Teilhabe als für den Kompetenzaufbau und die Erweiterung der eigenen Horizonte. In vielen Organisationen sei dies zu einem wichtigen Baustein der Personal- und Organisationsentwicklung geworden. Wie die Einrichtungen das Programm konkret nutzen können, stellte Möller anhand verschiedener Beispiele dar. Informationen zu den Vorteilen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung liefert auch die Kampagne „Wenn Austausch Türen öffnet“, nachzulesen auf der Serviceseite der NA beim BIBB.
Dr. Marc Jäger vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus veranschaulichte am Beispiel Bayern, wie Erasmus+ auf Landesebene gedacht und realisiert werden kann. Er gab zugleich einen Ausblick auf die Herausforderungen, vor denen die Europäische Erwachsenenbildung in den nächsten Jahren stehen wird. Jäger im Wortlaut: „Dass Erasmus+ auf Landesebene ein großer Erfolg ist, zeigt sich daran, dass immer mehr Einrichtungen die Angebote nutzen und von den Vorteilen des Programms profitieren. Das hat eine starke Community geschaffen, die seit vielen Jahren dafür kämpft, Themen der Erwachsenenbildung in Europa voranzubringen.“
Der große Verdienst des Programms sei es, dass es über verschiedene Ebenen hinweg als europäisches Projekt funktioniere und sowohl in die Strukturen der Trägerinnen und Träger als auch in viele Themen hineinwirke, selbst wenn diese nicht unbedingt das Wort Europa im Munde führten. Mit der Akkreditierung sei zudem eine Möglichkeit geschaffen worden, nachhaltig zu arbeiten. Dazu Jäger: „Ziel sollte es immer sein, die Zeitschienen, auf denen Förderprogramme aufgestellt werden, so zu gestalten, dass die Akteurinnen und Akteure langfristig planen und Projekte ansetzen können, die nicht nur auf das jeweilige Haushaltsjahr begrenzt sind.“
Betrachte man all dies, so sei die Erwachsenenbildung in Europa angekommen. Sie habe ihren Platz neben großen „Tankern“ wie Hochschule und Schule gefunden und sei auch für die Zukunft gut gerüstet. Dennoch, so Jäger, werde auch die Erwachsenenbildung in den nächsten Jahren um ihre Anteile an Fördermitteln kämpfen müssen. Deshalb sei es wichtig, dass die Akteurinnen und Akteure zusammenstehen und ihre Interessen gemeinsam vertreten. Eine der Stärken der Erwachsenenbildung liege darin, in einer Welt, in der sich Berufsbilder täglich ändern, die Bildung der Menschen über die gesamte Lebensdauer zu unterstützen. Dass sie dabei auch zu gesellschaftlichen Entwicklungen beitragen könne, solle immer ein Stück weit mitgedacht werden.
Das ist auch ein wichtiges Anliegen der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung, die als politischer Orientierungsrahmen der Europäischen Union die wichtigsten Themen bündelt und die Bedeutung der Erwachsenenbildung auf europäischer Ebene sichtbar macht. So sollen die Qualität der Angebote weiterentwickelt und der Zugang zu Lernmöglichkeiten für Erwachsene verbessert werden. Simone Kaufhold, Koordinatorin in der NKS Europäische Agenda Erwachsenenbildung, machte deutlich, was die Erwachsenenbildung für gesellschaftliche Teilhabe, Chancengerechtigkeit und lebenslanges Lernen leisten könne. Dabei wirke die Arbeit der NKS europaweit und im Zusammenspiel mit dem Erasmus+ Programm, der Erwachsenenbildungsplattform EPALE und dem EU-Verbundprojekt RIA zur wissenschaftlichen Wirkungsanalyse von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung (Research-based impact Analysis of Erasmus+ Adult Education Programms).
Die Erwachsenenbildung kann – auf nationaler wie auf europäischer Ebene – für die im Rahmen der Veranstaltung diskutierten Themen und Herausforderungen Räume schaffen. Sie ist mehr als eine Begleiterin gesellschaftlicher Veränderung – sie ist ein Ort, an dem Orientierung entsteht – kritisch, kreativ und kompetent. Dass die Veranstaltung dazu zahlreiche Ideen lieferte, wurde in der Schlussrunde deutlich. Auf die Frage nach dem nächsten Schritt, den die Teilnehmenden gehen möchten, überwogen die Vorhaben, Lernbausteine und Lernwege mit KI zu entwickeln, Fortbildungsangebote wahrzunehmen und die Ideen des Code of Conduct auf die eigene Einrichtung zu übertragen. Zugleich standen die Stärkung der Lese- und Schreibfähigkeit und die Nutzung europäischer Perspektiven via Erasmus+ im Fokus. Bezüglich des Beitrags der Erwachsenenbildung zu einer „Wehrhaften Demokratie“ wurde vor allem der Wunsch nach Vernetzung und dem Austausch von Erfahrungen genannt. Einigkeit bestand darin, starke Bündnisse gegen aktuelle und künftige Gefährdungslagen etablieren zu wollen.
Die Materialien und vollständigen Präsentationen zu der Veranstaltung finden sich auf der Taskcard.
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