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[…] Bildung für Europa 39 Aug. 2024 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Auslandsaufenthalte in Bildungseinrichtungen verankern 06 „Europa in Bewegung“ 22 Personalmobilität 23 Erste Ergebnisse RIA-AE 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Berthold Hübers Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 06.05.2024 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/ publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: BIBB Gedruckt auf Antalis Digicolor Bildnachweis Titel & Inhaltsver- zeichnis (S.5): JacobLund und Porcupen_AdobeStock (S. 1); D'Action Images_AdobeStock, Hella Krusche, Mediteraneo _AdobeStock, Mareike Marx, contrastwerkstatt_AdobeStock (S. 5). Für unverbindlich eingesandte Manu- skripte, Bildmaterial und andere Unter- lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich-net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. - www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. - Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. - Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de https://x.com/@nabibb_de https://x.com/@EUEB_de 2 3 Bildung für Europa | August 2024 © N A b ei m B IB B Liebe Leserinnen, liebe Leser, die Internationalisierung in der Bildung boomt. Die Zahl der bewilligten Auslandsaufenthalte steigt stark an. Die NA beim BIBB hat im Jahr 2023 über 35.000 Auslandsaufenthalte bewilligt, 42 Prozent mehr als im Jahr zuvor und der Zuwachs wird im Jahr 2024 voraussichtlich ähnlich hoch sein. In der Berufsbildung ist die Nach frage nach institutionellen Erasmus+-Akkreditierungen deutlich hö her als aufgrund der verfügbaren Mittel bedient werden kann. Auch das Interesse an Kooperationsprojekten bleibt auf hohem Niveau. - - All dies sind gute Zeichen und ein hoffnungsvolles Signal. Wir ste hen in Deutschland und Europa vor Herausforderungen, die wir nur mit guter Bildung bewältigen können. Wir brauchen Men schen, die kulturelle Unterschiede als Bereicherung erleben und gelernt haben, die damit zwangsläufig einhergehenden Heraus forderungen aufgrund eigener interkultureller Erfahrungen kom petent zu meistern. Das Bildungspersonal, das neue Ideen von Peer-Learning-Aktivitäten im Ausland aufgreift, hebt die Qualität unserer Bildungsangebote. Die Bildungseinrichtungen, die mit eu ropäischen Partnern kooperieren, entwickeln innovative Konzepte und sind zugleich attraktive Arbeitgeber im Bildungssektor. Dies alles sind Wirkungen der Programme, die wir in der Nationalen Agentur beim BIBB umsetzen. In dieser Journalausgabe finden Sie Berichte und Geschichten von Menschen, Projekten und Initiativen, die das beispielhaft belegen. - - - - - Die soeben veröffentlichte Ratsempfehlung „Europa in Bewegung“ gibt der Internationalisierung der Bildung nochmals Rückenwind und eine Richtung. Die darin genannten Empfehlungen gelten für die Erwachsenenbildung und Berufsbildung gleichermaßen. Für die Berufsbildung wird darüber hinaus ein Mobilitätsbenchmark formuliert, der mit 12 Prozent höher liegt als alle bisherigen natio nalen oder europäischen Zielmarken. Bemerkenswert ist, dass der Benchmark nun die gesamte Berufsbildung umfasst, also neben der Erstausbildung auch die Ausbildungsvorbereitung, Fortbildung und Umschulung. Das macht dieses Ziel noch wesentlich ambitio nierter. - - Noch ein Wort in eigener Sache: Es ist das erste Mal, dass ich mich als Direktor der NA beim BIBB an Sie wende. Ich habe die Leitung im Januar von Klaus Fahle übernommen, der sich in der letzten Ausgabe des Journals von Ihnen verabschiedet hat. Mit wem ha ben Sie es jetzt zu tun? Ich bin Elektriker und Diplom-Pädagoge, Interkultureller Trainer und Erwachsenenbildner, Westfale und Eu ropäer. Die Bildungspraxis, an die sich unsere Programme richten, ist mir also vertraut, auch wenn ich bereits seit 17 Jahren in der NA beim BIBB arbeite. Jetzt freue mich darauf, Ihnen mit den Program men, die bei uns angesiedelt sind, und zusammen mit dem starken Team der NA beim BIBB eine ideale Unterstützungsstruktur für Ihre Aktivitäten zur Internationalisierung der Bildung zu bieten. - - - Mit einem herzlichen Gruß aus Bonn Editorial Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB 4 5 Inhalt Nr. 39 | Schwerpunkt Internationalisierung 06 09 10 12 14 15 16 18 20 22 „Europa in Bewegung“ Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland Good Practice: Von Internationali sierung überzeugt - Gesamter Kammerbezirk profitiert von Internationalisierung Drei Jahre Akkreditierung in der Leitaktion 1 Was sind die Ziele und wo stehen wir? Europa bringt Farbe ins Spiel Wie der Bayerische Volkshochschulverband (bvv) die Internationalisierung fördert Good Practice: VHS Rottweil stellt sich neu auf Erasmus+ als Motor für Veränderungen Good Practice: International denken Die Möglichkeiten von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung nutzen Internationalisierung als Instrument Fortbildungsreihe für EU-Koordinierende Infografik „Internationalisierung auf gutem Weg Ausgewählte Erasmus+-Statistiken aus der Berufs- und Erwachsenenbildung“ „Ein Tor in den europäischen Bildungsraum“ Das Europass-Portal als Anlaufstelle zum Lernen und Arbeiten in Europa Personalmobilität in Europa Instrument zur Internationalisierung von Bildungseinrichtungen Das transnationale Forschungs netzwerk RIA-AE - Erste Ergebnisse zu Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Baukasten internationale beruf liche Handlungskompetenz - Ein erster Praxiseinsatz Good Practice: Bereit für Europa? upgrade2europe unterstützt Organisationen bei der Europäisierung Weltweite Öffnung für akkredi tierte Einrichtungen - Welche Möglichkeiten bietet Erasmus+ außerhalb der EU? Mit Erasmus+ zum Praktikum nach Asien Sprachförderung in der Kita – das kann man auch in Vietnam lernen Steigendes Interesse an weltwei ten Auslandspraktika - Eine Bestandsaufnahme des Förderprogramms AusbildungWeltweit Erasmus+ Erasmus+-Antragsrunde 2024 Mehr Auslandsaufenthalte als je zuvor beantragt – noch Potenzial in der Erwachsenenbildung Neues Portal für Projektträger Ausgliederung von Inhalten aus Website sorgt für bessere Auffindbarkeit Infosplitter Antragsfristen 23 24 26 27 28 30 32 33 34 36 4 5 Bildung für Europa | August 2024 „…. dass die EU-Ziele bis 2030 erreicht werden, und zwar im Hinblick darauf, dass […] in der beruflichen Aus- und Weiterbildung der Anteil der Lernenden in der Berufsausbildung, die in den Genuss einer Lernerfahrung im Aus- land kommen, mindestens 12 % betragen sollte. “ 28 Mit Erasmus+ nach Asien 24 Baukasten internationale berufliche Handlungskom petenz - 12 Nachgefragt beim Bayerischen Volkshochschulverband 16 Internationalisierung als Instrument 33 Neues Portal für Erasmus+-Projektträger 06 „Europa in Bewegung“– Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland 6 7 Internationalisierung „Europa in Bewegung“ Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland © D 'A ct io n Im ag es _A do be St oc k 6 7 Bildung für Europa | August 2024 - - Europäischer Bildungsraum und Ratsempfehlung Bildungsbezogene Auslandsaufenthalte stärken die Internationali sierung der Bildung. Fast alle Dokumente in Zusammenhang mit dem europäischen Bildungsraum verweisen auf ihre Bedeutung als wichtigen Baustein bei dessen Verwirklichung. Wie sie nennt die Ratsempfehlung „Europa in Bewegung“ zunächst als besondere Herausforderungen den Fachkräftemangel sowie den digitalen und den grünen Wandel, denen aus Sicht des Rats mit Hilfe von Aus landsaufenthalten begegnet werden kann. Darüber hinaus werden mit Lernmobilität im Ausland persönlichkeitsbildende Effekte, die Förderung einer europäischen Identität, eine verbesserte Beschäf tigungsfähigkeit sowie die Qualitätsverbesserung der Bildungsan bieter und ihrer Angebote verbunden. Die neue Ratsempfehlung soll helfen, noch bestehende Hindernisse für die Lern- und Lehr mobilität zu beseitigen und gleichzeitig inklusive, nachhaltige und ausgewogene Lernaufenthalte im Ausland zu fördern. Dabei sind alle Bildungsbereiche sowie neben der formalen auch die non-for male und informelle Bildung angesprochen. Besondere Beachtung finden die beiden Zielgruppen Lehrkräfte und Auszubildende. - - - - - - Mitgliedstaaten: Benchmarks und Systeme „Europa in Bewegung“ enthält 17 teilweise sehr konkrete Emp fehlungen für die Mitgliedstaaten, aus denen hier drei herausge griffen werden sollen. So soll in der Berufsbildung der Anteil der Lernenden, die einen Auslandsaufenthalt absolvieren, bis 2030 EU- weit auf 12 Prozent ansteigen (Empfehlung 3). Die ursprünglich vorgeschlagene Zielmarke von 15 Prozent wurde demnach zwar reduziert, aber auch der neue Benchmark stellt ein sehr ambiti oniertes Ziel dar. Ebenfalls anders als im Vorschlag vom Novem ber 2023 enthält die endgültige Ratsempfehlung keine konkrete Zielmarke mehr für die Beteiligung von Menschen mit geringeren Chancen an der Lernmobilität. Den Mitgliedstaaten wird stattdes - - - - - sen empfohlen, bis 2027 einen Anteil von 20 Prozent anzustreben; als Schätzungsgrundlage sollen Erasmus+ und das Programm für das Europäische Sozialkorps herangezogen werden. Der Rat hält jedoch an seiner Empfehlung fest, bis 2030 eine konkrete Zielmar ke zu definieren. Als Basis hierfür soll ein Vorschlag für eine valide Datenerhebungsmethode für diese Personengruppe dienen, den die EU-Kommission bis 2026 vorlegen soll (Empfehlung 4). - Eine weitere interessante Empfehlung ist die, “systemische Lernmo bilitätschancen“ zu schaffen (Empfehlung 6). Unter anderem wird angeregt, Lernmobilität zu einem festen Bestanteil der Bildungs systeme zu machen, etwa durch Wahlkurse, feste „Mobilitätsfen ster“ in den Bildungsgängen oder andere, nicht weiter präzisierte Maßnahmen. Nicht nur in diesem Abschnitt wird der umfassende Ansatz des Rats deutlich: Explizit werden alle Bildungsbereiche und Lernformen genannt und in die Empfehlungen einbezogen. Zu den systemischen Mobilitätschancen gehören für den Rat auch die Incoming-Mobilität, die Bedeutung von Qualitätsstandards sowie die Notwendigkeit einer Koordination von Förder- und Unterstüt zungsmöglichkeiten in den Mitgliedstaaten. - - - - Das Dokument enthält darüber hinaus Empfehlungen zur Förde rung des Sprachenlernens, zu mobilitätsfördernden Maßnahmen wie die Schaffung einer „Mobilitätskultur“, zu Informations- und Netzwerkaktivitäten, zu Initiativen zur Transparenz und Anerken nung von Lernergebnissen sowie zur Stärkung von Inklusion, Nach haltigkeit, Digitalisierung und europäischer Werte mittels europä ischer Lernmobilität. - - - - Bis Ende 2026 sollen die Mitgliedstaaten der EU-Kommission einen Bericht über bestehende oder geplante Konzepte bzw. Strategien zur Umsetzung der Empfehlungen vorlegen. Unterstützung durch die EU-Kommission Mit 17 sogenannten „Ersuchen“ wendet sich der Rat der Europä ischen Union auch direkt an die EU-Kommission. Sie reichen von der Schaffung einer guten Datengrundlage über die Unterstützung der Mitgliedstaaten bei allen bereits genannten Themen bis hin zu Begleitung von Reformen und strategischen Entwicklungen in den Ländern. Erasmus+ wird hier wie in den anderen Abschnitten wiederholt als Referenzprogramm und Beispiel herangezogen. Bis 2025 soll die EU-Kommission eine Studie über Chancen, Heraus forderungen und Auswirkungen einer ausgewogenen Mobilität erstellen. - - Besonders wichtige Zielgruppen: Lehrkräfte und Auszubildende In zwei Anlagen hebt der Rat zwei Themen besonders hervor: Die Lernmobilität von Lehrkräften und die von Auszubildenden. Ratsempfehlung zur Lernmobilität im Ausland 8 9 Mobilität von Lehrkräften In der ersten Anlage formuliert der Rat Anregungen, wie beste hende Mobilitätshindernisse speziell für das Bildungspersonal über wunden werden können. So soll Auslandsmobilität sowohl in der Ausbildung als auch in der Weiterbildung von Lehrkräften gestärkt werden. Dies zum Beispiel durch die Verankerung von Mobilitäts möglichkeiten in Lehrplänen, durch „Mobilitätsfenster“ im Studium und im Beruf sowie durch Vereinbarungen zur Vergleichbarkeit und Anerkennung von Lehrtätigkeiten oder erworbene Kompetenzen im Ausland. Auf lokaler Ebene soll ein strategischer Ansatz dabei helfen, Lehrkräftemobilität und Schulentwicklung besser mitei nander zu verbinden. Hier werden unter anderem genannt: eine verstärkte Unterstützung der Akteurinnen und Akteure in Entschei dungspositionen, konkrete Zielsetzungen auf Einrichtungsebene sowie die Zusammenarbeit von Schulen untereinander und mit relevanten lokalen Organisationen. Für die Organisation der Lehr kräftemobilität sollen die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden, zum Beispiel indem lokale Kapazitäten gebündelt oder aktive Schulen mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet werden. Grundsätzlich wird eine Anerkennung des Engagements Einzelner für die Mobilität und deren Ermöglichung angeregt. Ein eigener Ab schnitt widmet sich Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen für Schulleitungen und Entscheidungsträger. - - - - - - - Mobilität von Auszubildenden Die zweite Anlage trägt der besonderen Situation von Auszubilden den Rechnung und schlägt Maßnahmen vor, die helfen könnten, deren Beteiligung an Auslandsmobilität zu erleichtern und zu er höhen. Auf Systemebene wird die Einbettung von europäischer Lernmobilität in nationale oder branchenspezifische Internationa lisierungsstrategien angeregt. Die Einbindung der relevanten Ak teure und die Expertise von Zentren beruflicher Exzellenz könnten aus Sicht des Rats die Integration von Mobilität in Lehrpläne sowie die Qualität von Auslandsaufenthalten vorantreiben. In der Bereit stellung von Personalressourcen, Anlaufstellen und Beratungsstruk turen werden sinnvolle Initiativen gesehen, um die Mobilitätsbetei ligung von Auszubildenden zu erleichtern. Weitere vorgeschlagene Maßnahmen haben einen einfachen Zugang zu Informationen, administrative Erleichterungen für die Aufnahme von Auszubilden den anderer Länder sowie bilaterale Abkommen zur besseren Ver gleichbarkeit und gegenseitigen Anerkennung von Lernleistungen zum Inhalt. Mit Blick auf die Auszubildenden selbst wird ein inklusiver Ansatz besonders hervorgehoben. Außerdem werden unter anderem ge nannt: eine finanzielle Unterstützung zusätzlich zu Erasmus+, die Entwicklung relevanter Begleitmaßnahmen vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt sowie der Aufbau von Beratungsstruk turen und -angeboten. Mit Blick auf Unternehmen regt der Rat die Schaffung finanzieller Anreize, die organisatorische Unterstützung vor allem von KMU und die Förderung der grenzüberscheitenden Zusammenarbeit der relevanten Stellen an, letzteres insbesondere in Branchen, die vom digitalen und grünen Wandel betroffen sind bzw. zur Abmilderung des Fachkräftemangels in diesen Branchen. - - - - - - - - - - - Einschätzung aus Erasmus+-Perspektive Die Ratsempfehlung gibt den Mitgliedstaaten wichtige und kon krete Anregungen zur Steigerung der Teilnahme an und zur Quali tätsverbesserung von Lernaufenthalten im Ausland. Sie richtet sich vor allem an (politische) Entscheidungsträger, stellt aber auch für alle, die sich in Erasmus+ engagieren, ein wichtiges Dokument dar. Grundsätzlich haben Empfehlungen des Rats der Europäischen Uni on eine große Verbindlichkeit, da ihre Inhalte von Vertreterinnen und Vertretern aller Mitgliedstaaten ausgehandelt wurden und in sofern auch mitgetragen werden. - - - - - - - - - Internationalisierung © N A b ei m B IB B © lu ci an o_ A do be St oc k Für Akteurinnen und Akteure im Erasmus+-Programm enthält „Europa in Bewegung“ eine Reihe vielversprechender Aussagen. Der Stellenwert von Lernmobilität im Ausland in allen Bildungs bereichen wird deutlich gestärkt. Lernmobilität, und damit Eras mus+, wird als wichtiges Mittel zur Vollendung des europäischen Bildungsraums angesehen. Die zentralen Ziele und Prioritäten des Erasmus+-Programms finden sich in der Ratsempfehlung wieder. Auch der Anspruch von Erasmus+, Wirkung auf Einrichtungsebene zu erzielen, wird bestätigt und gestärkt. Mobilität wird von der Ebe ne vieler Einzelfälle auf die Systemebene gehoben, die Ressourcen frage und die der Wertschätzung von europäischem Engagement werden zu wichtigen Gelingensfaktoren. Lehrkräftemobilität sowie die Situation von Auszubildenden und ihrer Ausbildungsunterneh men erhalten eine hohe Aufmerksamkeit. Und schließlich kann sogar der hohe Benchmark für die Berufsbildung dazu beitragen, das Erasmus+-Programm zu stärken, denn ohne die notwendige Mittelausstattung der nächsten Programmgeneration ist er kaum zu erreichen. ULRIKE SCHRÖDER Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB ulrike.schroeder@bibb.de https://data.consilium.europa.eu/doc/ document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf mailto:ulrike.schroeder@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung Good Practice: Von Internationalisierung überzeugt Gesamter Kammerbezirk profitiert von Internationalisierung © F ra nk O el ze Die Handwerkskammer Erfurt hat jah relange Erfahrung sowohl als entsen dende als auch aufnehmende Einrich tung im Programm Erasmus+ und ist bereits seit 2020 akkreditiert. Gründe für die Kammer, international aktiv zu sein und entsprechende Angebote auch mit Erasmus+ anzubieten, gibt es einige. Wettbewerbsfähigkeit - - - Auszubildende, die einen Aufenthalt im Aus land durchführen, stärken nicht nur ihr fach liches Wissen, indem sie z.B. neue Techniken lernen, sondern verbessern auch ihre Soft Skills wie Flexibilität oder Selbstvertrauen. Gemeinsam mit den interkulturellen Kompe tenzen, die durch einen Auslandsaufenthalt erworben werden, wird damit die Wettbe werbsfähigkeit der Auszubildenden erhöht. Auch den Betrieben und der Kammer selber kann Erasmus+ helfen, die Konkurrenzfähig keit zu erhöhen: sei es durch die Mobilität von Ausbildungspersonal, das selber neue Fähig keiten erwerben kann, oder durch die Koor dination des Angebots, was zukünftige Fach kräfte dazu bewegen kann, im Kammerbezirk eine Ausbildung anzutreten. Attraktivität - - - - - - - - Die internationale Arbeit der Handwerks kammer ermöglicht ein niedrigschwelliges Angebot für ihre Mitgliedsbetriebe und leistet somit einen langfristigen Beitrag für die In ternationalisierung im Kammerbezirk, auch durch die Entlastung von Betrieben, die selber keine Erasmus+-Anträge stellen möchten. Die enge Vernetzung mit den Mitgliedsbe trieben erlaubt es der Kammer zudem, einen guten Überblick des Bedarfs der Wirtschaft zu haben. So kann bedürfnisorientiert reagiert und entsprechende Angebote können zeit nah erarbeitet und umgesetzt werden. Durch das Angebot der Kammer wird somit die At traktivität der Berufsbildung im Kammerbezirk erhöht. Dies zeigt sich am Beispiel des Fach kräftemangels. Dieser kann durch Kooperati onen mit Partnern aus Ländern, auch außer halb Europas, aus denen vermehrt Fachkräfte nach Deutschland kommen, verringert wer den. Ein Austausch auf fachlicher, aber auch kultureller Ebene kann helfen, die Eingliede rung dieser Fachkräfte in Deutschland zu ver einfachen. Auch der Austausch zu Inhalten und Rahmenbedingungen von europäischen Berufsabschlüssen kann die Fachkräfteanwer bung erleichtern. Von Guter Praxis lernen - - - - - - - - - - - - Ein Beispiel im Bereich Digitalisierung zeigt deutlich, dass Auslandsaufenthalte nicht nur den Teilnehmenden zugutekommen, son dern auch großflächig eine positive Wirkung auf das Angebot der beruflichen Bildung ha ben können und sich damit wie beschrieben günstig auf die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Berufsbildung im Kammer bezirk Erfurt auswirken. Seit 2023 verfügt die Handwerkskammer über ein Kompetenzzen trum für Robotik und Sensorik. Der Wunsch, hier auch Gute Praxis, zum Beispiel im Bereich der Lehre von Robotik aus anderen Ländern einfließen zu lassen, konnte durch Mobilitäten nach Estland erfüllt werden. Die hier erwor benen Kompetenzen fließen zurück in das Kompetenzzentrum und stehen somit einer großen Anzahl an Personen zur Verfügung, die selber nicht zwingend für einen Lernauf enthalt im Ausland waren. - - - - - - PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2023-1-DE02-KA121-VET-000113362 Laufzeit: 01.06.2023 - 31.08.2024 Zielländer: ES, IE, AT, MT, IT, EE, VN Projektnehmer: Handwerkskammer Erfurt Kontakt: Frau Pizarro-Weingart bweingart@hwk-erfurt.de Website: www.hwk-erfurt.de Internationalisierung mailto:bweingart@hwk-erfurt.de http://www.hwk-erfurt.de 10 11 - - - - - - - - - - - - - - - - B ereits ein Jahr vor dem offiziellen Beginn der aktuellen Erasmus+-Programmge neration (2021-2027), haben sich die NA beim BIBB und die in der Leitaktion 1 (Mobilität) aktiven Einrichtungen aus der Berufs- und Erwachsenenbildung mit einer großen Neuerung auseinan dergesetzt: der Akkreditierung. Drei Jahre Akkreditierung in der Leitaktion 1 Was sind die Ziele und wo stehen wir? Internationalisierung Was genau ist die Akkreditierung? Die Akkreditierung ist eine Art Mitglied schaft, mit der Einrichtungen in der Leitaktion 1 langfristig mit weniger bü rokratischem Aufwand Mittelanforde rungen bei der NA einreichen können. Für neue Einrichtungen gibt es auch wei terhin die Möglichkeit, über Kurzzeitpro jekte die Durchführung von Auslandsauf enthalten zu Lernzwecken zu „testen“ bzw. Erfahrung zu gewinnen. Doch wer langfristig am Programm teilnehmen möchte, kommt um die Akkreditierung nicht herum. Teil des Akkreditierungsantrags sind kon krete Ziele, die sich die Einrichtungen setzen und die sie mithilfe der Akkreditie rung, sprich mit Erasmus+-Mobilitätsakti vitäten, erreichen möchten. Diese werden als Teil des Erasmus Plans formuliert und sind so individuell wie die Einrichtungen, die im Programm aktiv sind. So reichen sie von der Einführung neuer Curricula über die Qualifizierung von Management-, Ver waltungs- und Lehrpersonal bis hin zum Aufbau konkreter Kompetenzen inner halb der Einrichtungen. Hierbei beziehen sich die Einrichtungen nicht selten auf die Schwerpunktthemen des Erasmus+-Pro gramms und streben Kompetenzaufbau hauptsächlich in den Bereichen Inklusion, Nachhaltigkeit und Digitalisierung an. Ziele der Akkreditierung Anders als bei der projektbezogenen För derung der Vergangenheit soll die Akkredi 10 11 Bildung für Europa | August 2024 tierung Einrichtungen dabei unterstützen, ihre internationale Arbeit zu reflektieren und diese, wo nötig und möglich, mit Hil fe des Programms zu festigen und auszu bauen. Der Fokus liegt somit weniger auf den einzelnen Mobilitätsaktivitäten, son dern auf den aktiven Einrichtungen selbst. Auch die mit einer Akkreditierung einher gehenden weniger aufwendigen Mittel anforderungen sollen die Einrichtungen dabei unterstützen, ihre Ressourcen statt dessen in die internationale Arbeit zu in vestieren. Statt einer jährlichen inhaltlichen Antrags stellung muss nach spätestens fünf Jah ren ein Bericht zum Fortschritt des Eras mus Plans eingereicht werden. Da bisher nur einzelne Berichte eingegangen sind, lässt sich auf deren Basis noch keine um fassende Einschätzung zur Wirkung der Akkreditierung treffen. Gespräche und Monitoring-Veranstaltungen mit akkre ditierten Einrichtungen deuten jedoch eine insgesamt positive Wirkung an. So haben viele Träger die Planungssicher heit aufgrund der Langfristigkeit der Ak kreditierung betont. Betrug die Laufzeit der Projekte im alten Programm nur ma ximal zwei Jahre, gilt die Akkreditierung bis zum Ende der Programmlaufzeit, also bis einschließlich 2027. So gibt es Einrich tungen, die diese langfristige Planungssi cherheit genutzt haben, um eine eigene Stelle für die Koordination und Durchfüh rung der Erasmus+-Mobilitätsaktivitäten einzurichten. Die Erstellung eines Erasmus-Plans und die damit verbundene Auseinanderset zung mit der bisherigen internationalen Arbeit haben vielen Einrichtungen erst bewusst gemacht, wie viel sie in dem Zusammenhang bereits umsetzen. Es wurden aber auch Defizite entdeckt und Wege gefunden, diese mit Hilfe von Eras mus+ anzugehen. Da die Akkreditierung auf Einrichtungsebene ansetzt und eine langfristige Organisationsentwicklung an strebt, sind Entscheidungsträger/-innen in den Einrichtungen stärker als zuvor in die Erasmus+-Tätigkeiten involviert. Dies wird von vielen Erasmus+-Koordinato rinnen und Koordinatoren als positiv für die eigene Arbeit angesehen. Auch die Identifizierung mit Europa ist bei Mitar beitenden und Lernenden einiger Einrich tungen durch die Erasmus-Akkreditierung nachhaltig gestiegen. Projektträger haben darüber hinaus zurückgemeldet, dass die Akkreditierung sie dabei unterstütze, eu ropäische Antworten auf aktuelle Krisen und Herausforderungen zu finden. Wie wurde die Akkreditierung bisher angenommen? Internationalisierung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Aufgrund der langen Laufzeit der Ak kreditierung nimmt die Zahl der Akkre ditierungsanträge in der Berufsbildung im Verlauf insgesamt ab, ist aber immer noch erfreulich hoch. In der Erwachse nenbildung gestaltet sich die Situation anders. Nach einer hohen Nachfrage zu Beginn der Programmgeneration sind die Antragszahlen in den folgenden Jahren unter anderem bedingt durch die Coro na-Pandemie deutlich zurückgegangen. 2023 war jedoch eine Entspannung der Situation zu erkennen und ein sichtbarer Anstieg der Antragszahlen bei den Akkre ditierungen zu verzeichnen. Seit Einführung der Akkreditierung im Jahr 2020 wurden in der Berufsbildung 885 Einrichtungen akkreditiert, 58 davon als Konsortialführer. In der Erwachsenen bildung konnten bisher 63 Akkreditie rungen vergeben werden. 11 dieser Ein richtungen sind zusammen mit weiteren Partnern in einem Konsortium organisiert. In den bisher vier Antragrunden für Mit telanforderungen konnten in der Berufs bildung Auslandsaufenthalte für ungefähr 83.800 Lernende bewilligt werden, eben so 23.200 Aufenthalte für Bildungsperso nal. In der Erwachsenenbildung beläuft sich die Zahl auf ungefähr 1.600 Auslands aufenthalte für Lernende und ungefähr 4.750 für Mitarbeitende. 2023 musste in der Berufsbildung aufgrund der hohen Nachfrage, die nicht mehr vollständig von dem vorhandenen Budget gedeckt werden konnte, die Anzahl der neu ver gebenen Akkreditierungen auf 100 be schränkt werden. Da in der Erwachsenen bildung nach wie vor ausreichend Budget zur Verfügung steht, gibt es eine solche Deckelung dort nicht. Wie geht es weiter? - - - - - - - - - - - - - - - - Auch im Jahr 2024 gehen wir von einem großen Interesse in der Erwachsenen- und Berufsbildung an der Akkreditierung aus. In der Berufsbildung wurde bereits ange kündigt, dass auch im laufenden Jahr wie der nur maximal 100 Einrichtungen eine Akkreditierung bekommen können. - - - - - - Mit mehr abgeschlossenen Mittelanforde rungen und Akkreditierungsberichten lässt sich in den nächsten Monaten und Jahren ein besseres Bild über die Auswirkung der Akkreditierung auf die beteiligten Einrich tungen gewinnen. Doch schon jetzt zeich net sich ab, dass die Akkreditierung einen positiven und nachhaltigen Einfluss auf die einzelnen Teilnehmenden an Mobilitätsak tivitäten und die Einrichtungen selbst hat und dadurch zur Weiterentwicklung aller Beteiligten beiträgt. LAURA BROSS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Inter nationalisierung der Berufsbil dung“ in der NA beim BIBB - - TANJA MÖLLER Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Lernmobilität und Agenda“ in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B & p riv at 12 13 Europa bringt Farbe ins Spiel Wie der Bayerische Volkshochschulverband (bvv) die Internationalisierung fördert - - - - - - - - - - - - - - - © H el la K ru sc he Internationalisierung E in Gespräch mit Hella Krusche, Leiterin Grundbildung und europäische Zusam menarbeit in der Fach- und Koordina tionsstelle für Alphabetisierung und Grundbildung beim bvv Frau Krusche, wie wichtig ist Ihnen das Thema Internationalisierung? Die kulturelle Verständigung in unserer Ge sellschaft ist zu einer echten Herausforde rung geworden – auch in der Erwachsenen bildung. Die Frage dabei lautet: Wie können wir uns internationalisieren und interkultu relle Kompetenzen fördern? Nur wenn wir unser Bildungspersonal entsprechend quali fizieren, bekommen wir Menschen anderer Nationalitäten in unsere Kurse. Und dafür sind wir ja angetreten: eine Erwachsenen bildung für alle, in der niemand zurückge lassen wird. Wie ist das bei den Volkshochschulen (VHS)? Internationalität gehört zu unserem Selbst verständnis. Unsere Aufgabe ist es, das Gemeinwesen zu unterstützen und Ange bote für die Bürger/-innen vor Ort zu ent wickeln. Europa ist in diesem Sinne eine Art Türöffner, um sich als Organisation weiterzuentwickeln. Genau hier kommen EU-Bildungsprogramme wie Erasmus+ und die Akkreditierung ins Spiel. Sie helfen uns, im Zusammenwirken mit anderen Einrich tungen in Europa das erforderliche Know- how zu erwerben und als Organisation zu wachsen. Es gibt diesbezüglich auch den Spruch: Alleine bin ich schneller, gemeinsam komme ich weiter. Genauso ist das. Seit wann sind Sie in Erasmus+ akkre ditiert? Und welchen Beitrag leistet dies? Wir sind seit 2022 akkreditiert, machen aber schon seit 25 Jahren europäische Projekte. Seit der Akkreditierung haben wir bereits über 500 Teilnehmer/-innen entsendet. Das liegt an den vielen Vorteilen, zum Beispiel der Flexibilität, Programminhalte anzupas sen. Wir führen verschiedene Aktivitäten durch – von der Entsendung zu Kursen und Schulungen über Job-Shadowing bis zur 12 13 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung Teilnahme an Konferenzen. Dabei leitet uns, wohin wir uns als Einrichtung entwi ckeln wollen und welche Handlungsfelder prioritär sind. So wollen wir zum Beispiel vermehrt digitale Tools einsetzen, um noch mehr soziale und sprachliche Inklusion zu erreichen. Das ist ein sehr dynamischer Bereich. Die Akkreditierung ermöglicht es uns, hier auf aktuelle Entwicklungen und Bedarfe zu reagieren. - Als Dachverband vertreten Sie rund 160 VHS in Bayern. Wie schaffen Sie es, diese mitzunehmen? Wer noch nicht europäisch unterwegs war, muss erst einmal ein Gefühl dafür entwi ckeln, was das eigentlich bedeutet. Für die einzelne VHS bleibt im Tagesgeschäft oft wenig Zeit, um Neues zu entwickeln. Unse re Angebote setzen hier Impulse, die Inno vation und Vereinfachung versprechen. Wir greifen Themen auf, die den Kolleginnen und Kollegen unter den Nägeln brennen – nehmen Sie künstliche Intelligenz oder Di versity. Über den europäischen Austausch können die Akteure vor Ort sich Know-how einholen und vernetzt an relevanten The men arbeiten. Eine Voraussetzung dazu sind gute Vertriebswege. Alle Erasmus+-An gebote werden bei uns ganz normal im Regelprogramm ausgeschrieben. Zudem versuchen wir, uns an bestehende Arbeits gruppen, Initiativen und Gremien anzudo cken, um auch deren Kanäle zu nutzen. Wichtig ist mir auch das Follow-up. Das einzelne Bildungsangebot ist im besten Fall der Einstieg in einen Prozess, der sich umso mehr lohnt, wenn man dranbleibt. Daher wollen wir den Volkshochschulen in un serem Verband zugleich die Vorteile einer eigenen Akkreditierung vermitteln. Neben den Inhalten und der Vernetzung geht es in unserer Ansprache immer auch um nach haltige Strukturen. Was meinen Sie damit? - - - - - - - - - - Ich veranstalte für jede Entsendung eine Serie von Vorbereitungsworkshops. Alle, die sich bei uns angemeldet haben, erstel len ein Motivationsschreiben, in dem sie ihre Beweggründe für die Teilnahme zum Ausdruck bringen und einordnen, wie das Ganze in ihre Arbeit passt. In den Work shops besprechen wir dann inhaltliche und organisatorische Aspekte und entwickeln Ideen für die jeweiligen Anliegen. Nach der Teilnahme hole ich alle wieder zusammen, um Ansatzpunkte für eine Weiterarbeit und neue Synergien zu finden. - - Welche Rolle spielt die Professionali sierung des Bildungspersonals? - Eine sehr wichtige Rolle. Die Weiterbil dungsimpulse, die wir aus der europäischen Arbeit bekommen, nehmen wir auf, um das Bildungspersonal unserer Volkshochschulen zu schulen und zu professionalisieren. Das ist übrigens ein wesentlicher Nutzen der Akkreditierung. Denn sie zielt darauf, die Ergebnisse der Mobilitäten so zu verwerten, dass wir die neuen Fortbildungsansätze in die Regelstrukturen überführen. - Worin liegt der Kern Ihrer Philosophie? Der Schlüssel zum Erfolg ist für mich Erfah rung gepaart mit Reflexion. Alle teilneh menden Kolleginnen und Kollegen verin nerlichen, dass der berühmte Blick über den Tellerrand einen Nutzen hat, ebenso wie der Austausch vor Ort. Für viele unserer Teilneh mer/-innen hat das auch Auswirkungen auf ihr Selbstverständnis als Lehrende. Oft bin ich selbst erstaunt darüber, wie wichtig die ser Aspekt der europäischen Erfahrung ist. Der Prozess geht ja im heimischen Umfeld weiter. Sei es, dass ich Expertinnen und Ex perten in den Verband einlade oder wir ge meinsam mit den Einrichtungen ausloten, welche Formen der Kooperation, Entsen dung und Aufnahme künftig möglich sind. Vor diesem Hintergrund ist mir auch der Mix der Teilnehmenden sehr wichtig: Wir haben Leiter/-innen und hauptamtliche pä dagogische Mitarbeiter/-innen, die das Pro gramm planen, aber auch Lehrkräfte sowie engagierte Ehrenamtler/-innen, die seit Jahr und Tag Aufgaben für die Volkshochschu le übernehmen. All diese Gruppen sollten einbezogen werden, denn die Mischung macht es letztlich aus, sie schafft unter schiedliche Perspektiven. Meine Erfahrung ist, dass die Kolleginnen und Kollegen, die an Erasmus+-Aktivitäten teilnehmen, sehr rasch eine ehrliche Begeisterung für das Thema entwickeln – das gilt für Leiter/-in nen, Planer/-innen und Lehrkräfte gleicher maßen. Warum ist das so? - - - - - - - - - - - - - - Die Erwachsenenbildung ist ein Bildungs sektor, der mit nur wenigen festangestell ten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie vielen Honorarkräften arbeitet. Die Teilnahme an Erasmus+ kann da wie eine Offenbarung wirken. Teil der Erasmus-Fa milie zu werden, ist nicht selbstverständlich und wird als echte Bereicherung empfun den. Diese Freude und das sich daraus ent wickelnde Engagement motivieren mich. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Kontext auch eine Plattform wie EPALE, die vielen Kolleginnen und Kollegen die Wertschät zung, die sie als Erwachsenenbildner erfah ren können, erst deutlich macht. Welche Tipps würden Sie anderen geben? - - - - - - - Nutzt die Akkreditierung! Denn sie ermög licht es, bei der Gestaltung der Mobilität von den Entwicklungsbedarfen der eigenen Institution auszugehen. Die vielfältigen und flexiblen Instrumente helfen dabei, die eige ne Internationalisierung voranzutreiben und einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft zu gehen. Die NA beim BIBB leistet diesbe züglich hervorragende Unterstützung, sie ist für uns ein Fels in der Brandung. - - - Das Gespräch führte Manfred Kasper im Auftrag der NA beim BIBB. HELLA KRUSCHE ist seit 1997 beim bvv und seit 2013 für die Bereiche Grund bildung und die Europäische Zusammenarbeit zuständig. Die 63-Jährige bezeichnet sich selbst als passionierte Europäerin. - © p riv at 14 15 - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: VHS Rottweil stellt sich neu auf Erasmus+ als Motor für Veränderungen © D r. A nj a Ru do lf Der Verband der Volkshochschulen in Baden-Württemberg ist schon lange in europäischen Bildungsprogrammen aktiv und verfügt seit 2021 zudem über eine Erasmus+-Akkreditierung. Aufgrund der Verbandsstruktur er möglicht diese allen Volkshochschu len in Baden-Württemberg, Auslands- aufenthalte für ihr Personal und ihre Lernenden durchzuführen. Werkzeug interner und externer Internationalisierung Eines der Ziele der Akkreditierung des Volks hochschulverbandes ist es, durch Erasmus+- Auslandsaufenthalte seine Mitglieder dabei zu unterstützen, sich internationaler auszu richten. Dies beinhaltet zum einen die Verbes serung der interkulturellen Kompetenzen und Sprachkenntnisse des Bildungspersonals, um unter anderem den diversen Zielgruppen der Volkshochschulen gerecht zu werden. Zum anderen sollen die Volkshochschulen befä higt werden, eigene grenzüberschreitende Bildungsangebote zu etablieren. Der Verband möchte zudem Volkshochschulen dabei un terstützen, Bildungsinnovationen in anderen europäischen Ländern aufzuspüren und diese in den eigenen Einrichtungen umzusetzen. Impulse für neue Initiativen Die VHS Rottweil hat beispielsweise dank der Akkreditierung des Verbandes das Programm in kürzester Zeit auf unterschiedlichste Weise gewinnbringend genutzt: So hat eine Gruppe Seniorinnen aus einem Englisch-Sprachkurs eine Lernreise nach Dublin gemacht. Neben Sprachunterricht bei der aufnehmenden Partnereinrichtung haben die Teilnehmerinnen auch eine Veranstaltung von Language Exchange Ireland besucht, die sie dazu animiert hat, zurück in Deutschland ehrenamtlich ein wöchentliches Sprachcafé anzubieten, bei dem sich seitdem Menschen unterschiedlicher Herkunft bei Tee und Kaffee austauschen. Auch die Leiterin der VHS Rottweil selbst kam mit neuen Anregungen von einem Erasmus+-Aufenthalt in Italien zurück: Durch diesen Austausch wurde deutlich, dass die Sprachkurse in ihrer Einrichtung anders auf gesetzt werden müssen, um ein tieferes kul turelles und politisches Verständnis für das Gegenüber entwickeln zu können. Seitdem spielen Konversationskurse eine größere Rol le in der Sprachvermittlung der Einrichtung. So wurde der Kurs „D’English at Rottweil“ ins Leben gerufen, bei dem zunächst kurz auf Deutsch, dann auf Englisch über ein po litisches Thema gesprochen wird. Blick in die Zukunft Dank der Langfristigkeit der Akkreditierung ist die europäische Reise der VHS Rottweil noch nicht zu Ende. Kooperationen mit wei teren europäischen Partnern sind schon in der Entwicklung. Unter anderem plant sie, in Zukunft für europäische Partner auch als auf nehmende Einrichtung zu fungieren und eine Gruppe Deutschlernender aus der Partner stadt Hyères bei sich zu begrüßen. PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2023-1-DE02-KA121-ADU-000137180 Laufzeit: 01.06.2023 – 31.08.2024 Beteiligte Länder: IE, IT Koordinator: Verband: Andrea Bernert-Bürkle VHS Rottweil: Dr. Anja Rudolf Kontakt: Verband: bernert-buerkle@vhs-bw.de VHS Rottweil: Anja.Rudolf@VHS-Rottweil.de Website: Verband: https://www.vhs-bw.de VHS Rottweil: https://www.vhs-rottweil.de Internationalisierung mailto:bernert-buerkle@vhs-bw.de mailto:Anja.Rudolf@VHS-Rottweil.de https://www.vhs-bw.de https://www.vhs-rottweil.de 14 15 Bildung für Europa | August 2024 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: International denken Die Möglichkeiten von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung nutzen © w el tg ew an dt e .V . Der Verein weltgewandt bietet gesell schaftliche und politische Bildung in Berlin und Europa an. Die Aktivitäten orientieren darauf, Lernprozesse zu einem Thema mit der Stärkung kre ativer Potenziale und des Selbstaus drucks der Teilnehmer/-innen zu ver binden. Desgleichen lädt weltgewandt zu öffentlichen Diskussionen und dem Studium von Texten und Online-Kursen ein. Dabei fördert der Verein das Be greifen von Zusammenhängen und den Dialog zwischen Menschen ver schiedener (politischer) Milieus und Kulturen im Sinne von Demokratie und Menschenrechten. Leitend ist das hu manistische Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt. Die internationale Dimension gleicht der Lek türe von Büchern – man kann aus der Fülle des Lebens schmecken. Sie ist bei weltge wandt fast immer präsent. Bei den Begeg nungsprojekten in Marzahn kommen Alt- und Neu-Berliner (u.a. aus Syrien, Afghanistan, Irak) zusammen. Seit 2022 werden diese Ak tivitäten enger mit Erasmus+-Kooperationen verknüpft. weltgewandt realisiert(e) kleinere Partnerschaften zu Klima+Wandel, STADT und „Mauern im Kopf“, bei denen Lernende auch auf Reisen gehen. In einem Innovationspro jekt zur finanziellen Bildung wiederum waren Treffen des lokalen Self-Help-Clubs integriert. Projekte miteinander verzahnen Angefangen hatte weltgewandt 2016 mit Erasmus+-Kooperationen zum Austausch guter Praxis. Daraus gingen Publikationen zu „Zukunft 4.0“, Digitalisierung, Erinnerungs politik, Klimawandel und Geschlechterge rechtigkeit hervor. Darauf aufbauend wurden Projekte mit größeren Outputs zu Themen der politisch-ökonomischen Bildung und Transfor mationen in der Geschichte europäischer Län der realisiert. Mit Folgeprojekten wie z.B. klei neren Partnerschaften können die Ergebnisse in die Breite des eigenen Kontexts und wei terer Regionen Europas getragen werden. Zu dem spiegelt sich die europäische Dimension auch im Design lokaler Projekte. weltgewandt betreibt gegenwärtig „STIMM_BILDUNG“, indem nach Möglichkeiten der Mitbestim mung in der EU gefragt wird. Dem kommen die Erfahrungen in der theaterpädagogischen Arbeit zugute, die während zwei Job- Shadowings im Rahmen von Erasmus+ gemacht wurden und eine deutliche Kompetenzerwei terung bewirkten. Die internationale Ausrichtung erlaubt Hori zonterweiterungen und stärkt Selbstwertge fühl wie Gestaltungskraft der Beteiligten. Sie schärft den Blick für das, was als gut befun den wird, stimuliert zu Ideen und lenkt die Aufmerksamkeit auch lokal auf Möglichkeiten – und Aufgaben. Im Kontext von Erasmus+ hat die Öffnung einen besonderen Charme durch den Gedanken der Kooperation und eine Kultur des Respekts. Um die Klaviatur der Möglichkeiten von Erasmus+ auszuspielen, ist es sinnvoll, die verschiedenen Projekttypen aufeinander zu beziehen. Das „Buch“ will nicht nur gelesen werden. Das Schöne ist, Projektträger schrei ben es selbst. Wenn darin Aktion und Refle xion ihren Platz haben, dürfte die Wirkung langlebig sein. PROJEKTINFO Internationalisierung Akkreditierungsnummer: 2020-1-DE02-ADU008318 Kontakt: weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung e.V. Sophia Bickhardt info@weltgewandt-ev.de Website: https://weltgewandt-ev.de mailto:info@weltgewandt-ev.de https://weltgewandt-ev.de 16 17 © M ed ite ra ne o_ A do be St oc k Internationalisierung als Instrument Fortbildungsreihe für EU-Koordinierende 16 17 Bildung für Europa | August 2024 D ie Lehrkräfte für Fremdsprachen an beruflichen Schulen haben oftmals im Rahmen ihres Studiums ein durch Erasmus+ gefördertes Semester im Ausland absolviert. „Enriching lives, opening minds“ erfuhren sie selbst. Nun möchten sie ihren Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ebenfalls Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Stellen Sie sich nun beispielsweise ein Be rufskolleg vor, das sich auf den Weg zur Internationalisierung macht: Betreut mit der Aufgabe „Auslandsaufenthalte für alle“ zu ermöglichen, beginnt die sogenannte „EU-Koordinierende“, sich bei den ver schiedenen Veranstaltungen der NA beim BIBB und bei den Kolleginnen und Kolle gen zu informieren. Die ersten Auslands aufenthalte kann sie über Pool-Projekte ermöglichen. Ihre Arbeitszeit, die sie mit den EU-Formularen verbringt, steigt. Ihr erster Antrag für ein Kurzzeitprojekt wird genehmigt. Wird sie nun zur Leiterin der Erasmus+-Mobilitätsagentur ihrer Schule? An dieser Stelle setzt unser Fortbildungsan gebot an. Denn „Internationalisierung als Instrument“ bedeutet mehr als Mobilitäten anzubieten. Auch die EU möchte mit der neuen Programmgeneration mehr als „Aus landsaufenthalte für alle“ ermöglichen; sie möchte die Entwicklung der geförderten Institution unterstützen. Dazu erwartet sie, dass in dem Leitbild und den Zielen der Schule die vier Erasmus+-Prioritäten veran kert sind und dass die Erasmus+-Aktivitäten dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Schulentwicklung im Dreiklang denken - - - - - - - Schulentwicklung zu stärken bedeutet, die drei Elemente Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwicklung zu fördern. Daher bieten wir bei der Bezirksregierung Arnsberg Fortbildungsreihen für EU-Koor dinierende an. Die Teilnahme ist freiwillig. Ziel ist, die EU-Koordinierenden zu unter stützen, die Internationalisierungsbestre bungen ihrer Schulen strategisch in Ab stimmung mit dem Kollegium zu planen und mit der Umsetzung zu starten. So ler nen die Teilnehmenden zuerst das gesamte mögliche Tätigkeitsfeld kennen. Gemein sam mit ihrer Schulleitung legen sie fest, welches die ersten Meilensteine und Ziele ihrer Arbeit als EU-Koordinierende sein können. Die Fortbildung besteht aus vier Modulen à drei Zeitstunden, die in Präsenz über das gesamte Schuljahr zu festen Ter minen angeboten werden. Nach dem er sten Durchlauf etabliert sich ein Netzwerk zwischen den Teilnehmenden. Es entsteht der Wunsch, sich gemeinsam in Themen feldern der Schulentwicklung fortzubilden. So ist eine zweite Fortbildungsreihe mit fünf Modulen entstanden. Ein Modul der zweiten Reihe befasst sich mit dem Thema „Change-Management-Prozesse in Schule mit Erasmus+ unterstützen“ unter der Fra gestellung „Wie gestalten wir unsere Schu le hinsichtlich der aktuellen Herausforde rungen?“ Die in den seit 2017 angebotenen Fort bildungen erarbeiteten Internationalisie rungsstrategien konnten für den Akkre ditierungs-Antrag verwendet werden. So sind 42 von 49 staatlichen Berufskollegs im Regierungsbezirk Arnsberg akkreditiert. Aktuell erarbeiten und erproben wir die Fortbildungsreihe „Innovationsmanagement: Entwicklungsprozesse managen und ge meinsam gestalten“. Beispielsweise stellt sich den EU-Koordinierenden immer wieder die Frage, wie sie die Lehrkräfte der einzel nen Abteilungen überzeugen können, mit Erasmus-Aktivitäten wie Job-Shadowing, Besuchen von Kursen und Schulungen und beruflichen Praktika ihrer Lernenden oder auch Gruppenmobilitäten die Ziele des Bil dungsganges zu erreichen. Dabei ist die Kommunikation innerhalb der Schulgemeinde und mit den Stakeholdern wesentlich für eine erfolgreiche Umset zung der Internationalisierungsstrategie. Die Themen der Module sind daher „Be ratungs- und Konfliktgespräche führen“, „Teilnahme und/oder Moderation von Teamsitzungen“, „Professionelle Lernge meinschaften initiieren und gestalten“ und „Mit Kanban und Canvas Projekte agil ma nagen“. Gesprächsanlässe aus der Praxis eines EU-Koordinierenden finden sich in den Modulen wieder. Diese Module wer den ab dem Schuljahr 2024/25 den EU-Ko ordinierenden und ihren Teams angeboten. Die Teilnahme einer akkreditierten Schule am Erasmus+-Programm in der Leitaktion 1 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - bedeutet, dass die Schule sich in allen drei Ebenen der Schulentwicklung – Organisa tions-, Personal- und Unterrichtsentwick lung – auf den Weg macht. Dabei wird die Schule nicht nur finanziell unterstützt, son dern erfährt zudem Beratung in den einzel nen Dimensionen der Schulentwicklung, wie sie im „Referenzrahmen Schulqualität NRW“ und im neuen Qualitätsrahmen für berufliche Schulen abgebildet sind. Sie för dert die Kompetenzen ihres Bildungsper sonals und ihrer Lernenden; sie vernetzt sich nicht nur lokal, sondern international. Sie begegnet den Herausforderungen Kli mawandel, digitalen Neuerungen, gesell schaftlichen Veränderungen aktiv durch Change-Management-Prozesse, sucht Gleich gesinnte und positioniert sich als offene, in novative Schule in der Bildungslandschaft. Wir möchten die EU-Koordinierenden der Schulen und ihre Teams durch unsere Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote unterstützen. - - - - - - - - - - Internationalisierung © p riv at ANDREA STEIN ist Geschäftsführerin der EU- Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufsbildung des Dezernats 45 bei der Bezirksregierung Arnsberg. „Fortbildungsangebot für EU-Koordinierende“: https://www.bra.nrw.de/-2119 (Downloadbereich) Ausschreibungen: https://lfb.nrw.de/bra# (Schulform „Berufskolleg“, Stichwort „EU-Teams“) https://www.bra.nrw.de/-2119 https://lfb.nrw.de/bra# 18 19 Internationalisierung auf gutem Weg Ausgewählte Erasmus+-Statistiken aus der Berufs- und Erwachsenenbildung - Berufsbildung Klarer Wachstumstrend bei Lernaufenthalten im Ausland Der Fokus liegt auf Azubis, aber auch das Bildungs personal benötigt internationale Kompetenzen und ist als „Wegbereiter“ wichtig. > | Jahr Lernende Bildungspersonal Brexit 22.03.2020 bundesweiter Lockdown Quelle: NA beim BIBB Bewilligte Akkreditierungen 885 Institutionen seit 2020 akkreditiert Quelle: NA beim BIBB Weitere Statistiken finden Sie unter: www.na-bibb.de/presse/statistik Mit Erasmus+ weltweit unterwegs Akkreditierte Einrichtungen nutzen die seit 2021 bestehende Möglichkeit, 20 Prozent ihres Budgets für Lernaufenthalte in nicht mit dem Programm assoziierte Länder einzusetzen. Quelle: NA beim BIBB Beliebteste Zielkontinente 2021-2023 Auslandsaufenthalte in nicht mit dem Programm assoziierte Länder Nordamerika 10,2% Afrika 9,4% Australien 2,3% Südamerika 3,7% Asien 13,2% Europa 61,2% 2017 3.672 18.877 2016 3.536 16.986 2015 3.513 16.104 2014 3.485 15.069 2018 4.204 18.688 2019 6.029 26.858 2020 5.867 23.129 2021 2.437 7.785 2022 5.029 18.725 2023 7.752 25.259 Bewilligte Lernende in nicht assoziierte Länder 399 2.232 2.495 Anteil an bewilligten Lernenden gesamt 5,1 % 11,9 % 9,9 % Bewilligtes Bildungspersonal in nicht assoziierte Länder 102 285 687 Anteil an bewilligtem Bildungspersonal gesamt 4,2 % 5,7 % 8,7 % 2021 2022 2023 Top-3-Zielländer in Europa: 1 Vereinigtes Königreich 49,6% 2 Schweiz 9,2% 3 Bosnien- Herzegowina 1,3% Quelle: EU-Dashboard, Stand: 06.05.2024 http://www.na-bibb.de/presse/statistik 18 19 Bildung für Europa | August 2024 Incoming Mobilität: Top-5-Herkunftsländer 2021-2023 Internationalisierung ist keine Einbahnstraße. Im Rahmen von Erasmus+ kommen auch Auszubildende und Bildungspersonal aus dem Ausland für einen Lernaufenthalt nach Deutschland. Auszubildende und Bildungspersonal Top 1 | Frankreich Top 2 | Türkei Top 3 | Niederlande Top 4 | Polen Top 5 | Italien Quelle: EU-Dashboard, Stand: 06.05.2024 Erwachsenenbildung Neues Mobilitätsangebot von Jahr zu Jahr besser angenommen In der Erwachsenenbildung gibt es seit 2021 die Möglichkeit, Lernende zu Lernaufenthalten ins Ausland zu entsenden. * | Jahr Lernende Bildungspersonal 2021 194 961 2022 379 1.001 2023 619 2.151 * Lernende bezog sich von 2021 bis 2022 speziell auf solche mit geringeren Chancen. Quelle: NA beim BIBB Top-3-Zielländer 2021 -2023 1 Österreich 17,0% 2 Italien 16,1% 3 Spanien 12,2% Quelle: EU-Dashboard, Stand: 06.05.2024 Bewilligte Akkreditierungen 63 Institutionen seit 2020 akkreditiert Quelle: NA beim BIBB D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e, B ild qu el le n: © A ts to ck Pr od uc tio ns _ A do be St oc k. co m 20 21 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - „Ein Tor in den europäischen Bildungsraum“ Das Europass-Portal als Anlaufstelle zum Lernen und Arbeiten in Europa Internationalisierung Franziska Bopp, Leiterin des Nationalen Europass Centers (NEC) in der NA beim BIBB, zum Beitrag von Europass in Sachen Internationalisierung und Europabildung Frau Bopp, worin sehen Sie die Potenziale von Europass in Sachen Internationalisierung und Europabildung? Als zentrales Web-Portal ist Europass eine hervorragende Anlauf stelle zum Lernen und Arbeiten in Europa und ein Einfallstor für den Zugang zum europäischen Bildungsraum und zum europäischen Ar beitsmarkt. Dazu können verschiedene Tools und Bausteine genutzt werden – zum Beispiel der Europass Lebenslauf zum Erstellen von Bewerbungsunterlagen im Unterricht. Andere Bausteine wie der Eu ropass Mobilitätsnachweis wiederum kommen im Zusammenspiel mit Programmen wie Erasmus+ und AusbildungWeltweit zum Tra gen und unterstützen diese. Glauben Sie, dass das Europass-Portal den europäischen Gedanken in die berufliche Bildung trägt? Ja. Durch die Mehrsprachigkeit des Portals und die Verbindung von Bildungssystem und Arbeitsmarkt in Kombination mit insgesamt 31 Sprachversionen ist Europass ein wichtiges Instrument, um Eu ropa greifbar zu machen und den Schülerinnen und Schülern ein konkretes Tool an die Hand zu geben, mit dem sie sich in Europa bewegen können. Wenn ich mein Profil anlege, über meine Kom petenzen reflektiere und dokumentiere, was ich im Ausland gelernt und welche Sprachkenntnisse ich dabei erworben habe, dann pas siert auch sehr viel in meinem Kopf. Europass ist letztlich das, was diese Dinge verschriftlicht und nachhaltig verankert. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Vorteile? Zusammenfassend würde ich sagen, dass Europass Strukturen schafft und Prozesse vereinfacht. Dabei sichert er vor allem die Qualität der Auslandsaktivitäten, denn je mehr systematische Qua litätsbausteine eingesetzt werden, desto klarer ist das Verständnis dessen, was wir dort tun. Das gilt für die Auszubildenden wie für die Lehrenden. Insbesondere der Europass Mobilitätsnachweis stellt sicher, dass wir Auslandserfahrung dokumentieren und Kompetenzen transparent darstellen und beschreiben können. Beim Lebenslauf hingegen kön nen Sie nach einem standardisierten Raster vorgehen, wobei Sie die Einträge zugleich individuell anpassen können. Der einheitliche Auf bau führt in jedem Fall dazu, dass alle den gleichen Standard nutzen und gleichzeitig Raum für Selbstreflexion entsteht. Diese Kombina tion aus Standardisierung, Individualisierungsmöglichkeiten und at traktivem Design ist für mich eine große Stärke von Europass. Der 2005 eingeführte Europass Mobilität hat im März bundesweit die 400.000er-Marke erreicht. Zeigt das, wie groß seine Bedeutung ist? Absolut. Auslandserfahrung gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil internationale Märkte internationale Kompetenzen verlangen. In einer globalisierten Wirtschaft sind interkulturelle und internatio nale Kompetenzen wichtiger denn je. Ich sehe Europass insgesamt diesbezüglich als nachhaltiges Instrument, in dem man die einzel nen Nachweise im Profil sammeln, dokumentieren und aufeinander aufbauen kann. Das spielt auch für die Zeit nach dem schulischen Leben eine Rolle und hilft beim Übergang von der Schule in den Beruf und bei der weiteren beruflichen Entwicklung. Das Knacken der 400.000er Marke unterstreicht aus meiner Sicht die Bedeutung von Erasmus+ und der Mobilitätsnachweise. Es ist aber auch für die Schülerinnen und Schüler eine Anerkennung, ganz nach dem Motto: „Toll, dass du dich getraut hast, diesen Schritt zu gehen!“ Wie wichtig ist es, auch die Lehrenden in die Austausch programme einzubeziehen? Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn letztlich ist es oft der Blick über den Tellerrand, der die Innovationskraft fördert – Stichwort Job Shadowing. Indem Sie sich anschauen, wie andere es machen und sich mit den Kollegen und Kolleginnen in europäischen Ländern austauschen, erweitern Sie auch den eigenen Horizont. Die neuen Ideen können Sie dann im eigenen Unterricht umsetzen. Apropos Unterricht: Inwiefern trägt das Europass-Portal dazu bei, die Schüler/-innen besser auf den europäischen Arbeitsmarkt vorzubereiten? Das Portal fördert – gerade weil es kostenlos und mehrsprachig ist und einen standardisierten Editor hat – die Chancengleichheit beim Berufseinstieg – einfach indem es jeder und jedem die Chance gibt, sich mit allen Talenten darzustellen und die eigenen Unterlagen pro fessionell aufzubereiten. Aspekte wie internationale Handlungskom petenzen und interkulturelles Verständnis sowie die Erweiterung der Sprachkenntnisse und der sozialen und digitalen Fähigkeiten sind weitere Komponenten, die individuell dargestellt werden können. Wie kann ich als Lehrer/-in diesen Vorteil im Unterricht nutzen? Das Gute am Europass-Portal ist ja, dass es verschiedene Kompo nenten gibt, sowohl für den Fremdsprachenunterricht als auch zum Thema Bewerbung und Lebenslauf oder zur Selbsteinschätzung der digitalen Kompetenzen. Die einzelnen Bausteine eignen sich für ver schiedene Fächer und Unterrichtssituationen, wobei ich die jeweils passenden Tools nutzen kann, um zu sehen, worin meine Kompe tenzen liegen, wo ich aktuell stehe und wohin ich mich entwickeln will. Einsatzmöglichkeiten gibt es also viele. Und einen eigenen Le benslauf müssen wir ja alle irgendwann im Leben einmal erstellen. Ein anderes Thema: Internationalisierung und Europass als Baustein der Schulentwicklung? Geht das? Wenn ja, wie? Eine Schule, die mit europäischen Partnern arbeitet und von diesen 20 21 Bildung für Europa | August 2024 lernt, tut sich auch leichter, neue Wege zu gehen. Insofern sehe ich Europass als eine Art „Türöffner“, wenn es darum geht, Schule zu internationalisieren und die europäische Idee in die Schulpro gramme zu tragen. Europass steht für europäische Werte, grenzü bergreifenden Austausch und den Mehrwert internationaler Erfah rungen für den europäischen Arbeitsmarkt. Er macht dieses Thema anpackbar und trägt das europäische Denken in die Köpfe. Das ist gerade in einer Zeit von enormer Bedeutung, in der wir uns fragen, wie wir unsere Demokratie stärken und europäische Werte in den Fokus rücken können. Der Europass leistet also einen Beitrag zur Sicherung von Frieden und Demokratie? - - - So gesehen schon, denn Demokratiebildung, Toleranz und Frie denssicherung sind ja genau die Dinge, die wir durch Auslands programme wie Erasmus+ vermitteln. Europass bietet die unterstüt- zenden Komponenten, um dies auf eine Art und Weise zu veran kern, dass alle Beteiligten daraus neue Einblicke und Erkenntnisse mitnehmen. Insofern glaube ich, dass Europass ein sehr gutes Ve hikel ist, um die Vorteile der Internationalisierung und der europä ischen Werte sichtbar und transparent zu machen. Was würden Sie den Schulen in punkto Internationalisie rung empfehlen? Das europäische Denken und Aspekte wie Austausch, Vernetzung und Voneinanderlernen sind heute enorm wichtig, auch für das Image, die Innovationskraft und die Attraktivität der Schulen. Euro pass kann an diesem Punkt ein Tool sein, um das Thema voranzu treiben und die Internationalisierung und Professionalisierung der eigenen Schule in diesem Sinne zu fördern. - - - - - - - - > Das Gespräch führte Manfred Kasper. © p riv at // // - - // Internationalisierung FRANZISKA BOPP leitet das Nationale Europass Center in der NA beim BIBB. bopp@bibb.de Mit Europass die Internationalisierung von Schulen fördern ORGANISATION VERANKERUNG DES EUROPÄISCHEN GEDANKENS IM LEITBILD DER SCHULE Erasmus+/AusbildungWeltweit institutionalisieren Europass als Standard für Mobilität und Berufseinstieg einführen Zeugniserläuterungen ausgeben Europäische Digitale Zertifikate vergeben PERSONAL WEITERBILDUNG DES LEHRPERSONALS Schulungen zur Nutzung von Europass im Unterricht EU-weite Suche nach Fortbildungen im Europass-Portal Europass-Portal als Informations quelle zum Europäischen Bildungs raum und Arbeitsmarkt UNTERRICHT EINSATZ VON EUROPASS IM UNTERRICHT Deutsch: Selbstreflektion & Dokumentation der eigenen Kompetenzen Vorbereitung auf den Übergang Schule-Beruf: Lebenslauf und Anschreiben verfassen Fremdsprachen: internationale Bewerbung für Auslandspraktika Politik: Einstieg in das Thema EU, Europäischer Bildungsraum und EU-Binnenmarkt Informatik: Digital Skills Test Europass-Portal: https://europass.europa.eu | Information und Beratung beim Nationalen Europass Center: www.europass-info.de mailto:bopp@bibb.de https://europass.europa.eu http://www.europass-info.de 22 23 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Personalmobilität in Europa Instrument zur Internationalisierung D ie Mobilität des Bildungspersonals gewinnt für die Internationalisierung von Bildungs einrichtungen weiter an Bedeutung. Berufsbildung: Schulen sind Vorreiter In der Berufsbildung sind es vor allem die Schulen, die ihre internationale Ausrichtung strategisch vorantreiben, indem sie dazu die vielfältigen Mobilitätsangebote des Pro gramms Erasmus+ zur Qualifizierung ihres Lehrpersonals nutzen. Häufig absolvieren die Lehrkräfte an ausländischen Schulen Job-Shadowings, die dem transnationalen Austausch und dem Voneinander-Lernen dienen. Dieser fachliche und persönliche Austausch bringt nicht nur neue Praktiken und Ideen für die eigene Lehrtätigkeit mit, sondern motiviert diese oftmals, sich in den Internationalisierungsprozess der eigenen Schule aktiv einzubringen. Großer Beliebt heit bei der schulischen Personalmobilität er freuen sich auch Kurse und Schulungen, die klar umrissene Lerninhalte vermitteln und den Erwerb fachlicher Kompetenzen durch ein strukturiertes Lernangebot ermöglichen. Die neu erworbenen Kenntnisse fließen in die Praxis ein und bereichern dadurch die Unterrichtsentwicklung. Dabei sind die the matischen Schwerpunkte vielfältig. Häufig geht es darum, neue fachspezifische Unter richtspraktiken und Ausbildungsansätze aus anderen Ländern kennenzulernen. Verstärkt spielen auch Themen des digitalen Wandels eine Rolle, z.B. der Erwerb neuer metho disch-didaktischer Ansätze für den Einsatz digitaler Tools im Unterricht. Es zeigt sich, dass Auslandsaufenthalte des Lehrpersonals verschiedene Bereiche der Internationalisierung bereichern und einen Mehrwert für die gesamte Organisations entwicklung erzeugen können, wenn sie in der Schule strategisch und langfristig veran kert werden. So entsteht ein Multiplikatoren effekt für die Lernendenmobilität, und die Integration der Internationalisierung in das Schulprofil wird gefördert. Auslandsquali fikationen für Personal an Schulen stärken zudem internationale Netzwerke, und sie können das Lehrangebot bereichern. Aus landsaufenthalte für das Bildungspersonal an Schulen sind somit auch ein Instrument der Partizipation. Sie ermöglichen dem Lehrpersonal, die Schule mitzugestalten, indem Ergebnisse der internationalen Lern erfahrungen in den Prozess der Internatio nalisierung einfließen. Erwachsenenbildung: Internationalisierung im formalen und non-formalen Bereich Die Bandbreite von Einrichtungen in der Er wachsenenbildung, die über eine Akkreditie rung den Weg der Internationalisierung ein geschlagen haben, ist groß. Allen gemeinsam ist das Bestreben, die Möglichkeiten, die das Programm Erasmus+ bietet, für ihre Bedarfe und Ziele optimal zu nutzen. Genauso viel fältig und heterogen wie die Landschaft der Erwachsenenbildung ist auch die Gruppe der Lernenden, die seit 2021 in der Erwachsenen bildung aktiv an Lernaufenthalten in Europa teilnehmen können. Wirkten sich internatio nale Mobilitäten bis dahin eher indirekt auf die Lernenden aus, profitieren sie jetzt direkt von den eigenen im Ausland erworbenen Erfahrungen, die die Entwicklung von per sönlichen sowie der Schlüsselkompetenzen befördern. Die politische Situation und gesellschaft liche Entwicklungen erfordern kontinuier liche Veränderungen. Methodisches Um denken durch den verstärkten Einsatz von digitalen Werkzeugen im Unterricht und die Nachfrage nach online-gestützten Lernum gebungen nehmen großen Einfluss auf die Professionsentwicklung der Lehrenden. Der internationale Austausch trägt stetig dazu bei, Fachwissen zu erweitern und Wettbe werbsfähigkeit zu stärken. Ein weiterer As pekt rückt zunehmend in den Blickpunkt: „Die Teilnahme an einer Auslandsfortbil dung ist mehr als eine einzelne Lehr- oder Lernerfahrung“, so die Koordinatorin eines Erasmus+-Projekts. „Sie beginnt für die Teilnehmenden schon, bevor es zur eigent lichen Reise kommt und endet nicht mit dem Kursende oder dem Ende einer Hos pitation.“ Es entstehen internationale Netz werke, die sich auf die gesamte Einrichtung auswirken. Persönliche Kontakte bei den Partnereinrichtungen führen zudem dazu, dass deutsche Einrichtungen auch Personal und Lernende aus dem europäischen Aus land empfangen. Die Einrichtungen wer den mit ihrem Bildungsangebot für andere Länder sichtbar und interessant und tragen nachhaltig zu dem Ziel eines offenen euro päischen Bildungsraums bei. FRIEDERIKE WIETHÖLTER leitet seit 1. Juli 2024 das Team „Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB. ANKE DREESBACH Mitarbeiterin im Team „Erwachsenen bildung: Erasmus+ Lernmobilität und Agenda“ in der NA beim BIBB - Internationalisierung © N A b ei m B IB B 22 23 Bildung für Europa | August 2024 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das transnationale Forschungsnetzwerk RIA-AE Erste Ergebnisse zu Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung D ie Nationale Agentur beim BIBB hat es sich mit der neuen Programmgenerati on 2021-2027 zum Ziel gesetzt, die Wir kung des Programms Erasmus+ in der Erwachsenenbildung systematischer zu erforschen. Dieses Ziel soll nicht nur auf nationaler, sondern auch auf europäischer Ebene verfolgt werden, um die Wirkung des Programms auch vergleichend analy sieren zu können. Gemeinsam mit sieben weiteren NAs wurde 2022 das trans nationale Forschungsnetzwerk RIA-AE (Research-based Impact Assessment of Erasmus+ Adult Education Programmes) ins Leben gerufen. Koordiniert wird es von der NA beim BIBB. Mittlerweile ist das Netzwerk auf 15 Mitgliedsländer angewachsen und konnte Ende 2023/ Anfang 2024 erfolgreich eine erste Da tenerhebungsrunde durchführen. Das Forschungsvorhaben ist auf drei Erhe bungsrunden ausgelegt: Auch im Jahr 2025 und 2027 soll die Wirkung des Pro gramms durch weitere Datenerhebungen gemessen werden. Internationalisierung Dieses Design zielt darauf ab, die Aktivitäten in der Erwachsenenbildung nicht nur europäisch vergleichbar zu untersuchen, sondern auch die Entwicklung im zeitlichen Verlauf zu ana lysieren. Es wurden verschiedene Methoden angewandt, um das Programm zu analysieren: Diese umfassen eine Auswertung der verfüg baren Dokumente und Tools in den NAs, eine Online-Umfrage unter den Projektträgern so wie gezielte Fallstudien und Interviews. Die Partner des Forschungsnetzwerks arbeiten aktuell an der Finalisierung und Zusammenfüh rung der Berichte. Die NA beim BIBB konnte bereits erste Einblicke aus dem nationalen Be richt zu Erasmus+ in der Erwachsenenbildung in Deutschland erhalten. Zentrale Erkenntnisse auf nationaler Ebene Der nationale Bericht lässt erkennen, dass der Mehrwert von Erasmus+ in der Erwach senenbildung langfristig überzeugt: Orga nisationen, die einmal am Programm teil genommen haben, werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weitere Förderanträge stellen. Die befragten Projektträger sehen die Internationalisierung durch Erasmus+ als große Chance, um über Innovation und Kompetenzentwicklung die eigene Orga nisation weiterzuentwickeln. Im Hinblick auf die Wirkung von Erasmus+ über die teilnehmenden Organisationen hinaus auf die Systemebene und auf die Politik der Erwachsenenbildung gibt es noch Verbes serungspotenzial: Die Reichweite ist nach Angaben der befragten Einrichtungen durch fehlende Ressourcen nach Abschluss der Projekte, Sprachbarrieren und das Feh len geeigneter Verbreitungsstrategien und -instrumente noch eingeschränkt. Auch die horizontalen Prioritäten des Eras mus+-Programms können in der Erwach senenbildung gestärkt werden, besonders die Themen Inklusion und Vielfalt sowie Digitalisierung. Das Thema Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels hat noch ein großes Ausbaupotenzial, diese Priorität wird vergleichsweise selten in den Projekten fokussiert. Auf der individuellen Ebene sehen die Ein richtungen neben der sehr positiven Wir kung des Programms auf das Personal auch die persönliche Entwicklung von Lernenden mit geringeren Chancen durch die Teilnah me an Auslandsaufenthalten als großen Vorteil. Es werden jedoch einige Hinder nisse für die Umsetzung von Mobilitätspro jekten für Lernende genannt, darunter die notwendige Finanzierung durch Erasmus+ von Kursgebühren für Lernende, die an Mobilitätsmaßnahmen teilnehmen (z. B. Sprachkurse), Unterhaltszuschüsse für Ler nende und Personal in gleicher Höhe und die Verfügbarkeit von Programmunterlagen in leichter Sprache. Zusammenfassend bescheinigt die Studie dem Erasmus+-Programm in der Erwachse nenbildung in Deutschland eine sehr posi tive Wirkung und eine hohe Relevanz, auch wenn es noch Verbesserungspotenzial in einigen Bereichen der Programmgestaltung gibt. Der Bericht zur Wirkungsstudie in Deutsch land, die nationalen Berichte der anderen beteiligten Länder sowie der europäische Gesamtbericht werden im Sommer 2024 veröffentlicht und von der NA beim BIBB zum Download zur Verfügung gestellt wer den. Zusätzlich ist ein eigenes Internetportal des Netzwerks geplant. RIA-AE ist eine Long-Term Activity (LTA) mit Forschungsausrichtung im Rahmen der Leitaktion 3. JANINA MEYER TCA-Beauftragte der NA beim BIBB meyer@bibb.de © p riv at mailto:meyer@bibb.de 24 25Internationalisierung Baukasten internationale berufliche Handlungskompetenz Ein erster Praxiseinsatz D ie Internationalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft führt zu Verände rungen beruflicher Anforderungen. Auf dem Arbeitsmarkt werden in eini gen Berufen zunehmend Kompetenzen erwartet, die ein professionelles Auf treten in internationalen Kontexten sicherstellen. Dies gilt insbesondere für Beschäftigte, die international ver netzt bzw. in Auslandseinsätzen arbei ten. Doch auch bei Erwerbstätigen ohne direkten internationalen Arbeits kontext nehmen Kommunikationssitu ationen zu, die interkulturelle Kompe tenzen erfordern. © c on tr as tw er ks ta tt _A do be St oc k - - - - - - - - Dies wirkt sich auch auf die Berufsausbildung aus; in einigen Ausbildungsberufen hat sich ein zusätzlicher Qualifizierungsbedarf erge ben, dem auf unterschiedliche Art begegnet wird. So haben Kammern ein umfassendes Angebot an regionalen Zusatzqualifikati onen mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „in ternationale Qualifikationen und Fremdspra chen“ geschaffen. Auch in den bundesweit gültigen Ausbildungsordnungen wurden in den letzten Jahren vermehrt Fremdspra chenkompetenzen sowie interkulturelle Kompetenzen aufgenommen. Allerdings handelt es sich hierbei überwiegend um vereinzelte und eher allgemein gehaltene Formulierungen. - - - - - Kompetenzbaukasten für Ausbildungsordnungen Um die Integration von internationaler be ruflicher Handlungskompetenz in Ausbil dungsordnungen zu unterstützen, hat das BIBB im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) einen Kom petenzbaukasten für die Neuordnung von Berufen entwickelt. Der Baukasten beinhal tet Formulierungsmöglichkeiten für die drei Dimensionen der internationalen beruflichen Handlungskompetenz: internationale fach liche Kompetenzen, interkulturelle Kompe tenzen sowie Fremdsprachenkompetenzen. Zu den drei Dimensionen werden jeweils mehrere mögliche Berufsbildpositionen mit zu vermittelnden Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten aufgeführt. Darüber hinaus zeigt ein konkretes Anwendungsbeispiel, wie eine Zusatz- oder Wahlqualifikation mit dem Schwerpunkt „internationale berufliche Handlungskompetenz“ formuliert werden kann. Bei der Erstellung des Baukastens wurde das BIBB von einem Beirat sowie weiteren Ex pertinnen und Experten auf dem Gebiet der internationalen beruflichen Handlungskom petenz unterstützt. Anwendung in der Praxis - - - - - - - - Die Einführung des 2022 fertiggestellten Baukastens in die Neuordnungsarbeit von Ausbildungsberufen wurde der Empfehlung des Projektbeirates folgend in einem offe nen freiwilligen Verfahren durchgeführt. Öffentlichkeitsarbeit bzw. eine umfassende Information der relevanten Akteure über das Unterstützungsangebot soll dazu führen, dass der Baukasten bei Bedarf genutzt und erprobt wird. Ein Leitfaden mit praxisorien tierten Hinweisen bietet den Sachverständi gen Unterstützung bei der Anwendung und weist u.a. darauf hin, dass der Baukasten insgesamt als freiwillig anwendbare Ideen quelle zu betrachten ist – Formulierungen können flexibel genutzt und bedarfsabhän gig modifiziert werden. Praxisbeispiel Neuordnung der Berufs ausbildung der Industriekaufleute Ein erstes Praxisbeispiel, bei dem der Bau kasten zum Einsatz gekommen ist, stellt das Neuordnungsverfahren der Berufsaus bildung der Industriekaufleute dar. Die alte Verordnung stammte noch aus dem Jahr 2002 und die Anforderungen an Industrie kaufleute haben sich unter anderem durch die voranschreitende Digitalisierung in der - - - - - - - - - 24 25 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung Industrie weiterentwickelt. Digitale Tech nologien verändern die industriellen Wert schöpfungsprozesse und erlauben eine spezifische Berücksichtigung von Kunden anforderungen und neue Geschäftsmo delle. Auch internationale Zusammenar beit wird erleichtert. Neben umfänglichen Fachkompetenzen sind verstärkt Sozial- und Selbstkompetenzen notwendig, um res sourcenbewusst mit diesen Anforderungen umzugehen und mit internen und externen Personen zielführend zusammenzuarbeiten. Die Ausbildungsbetriebe der Industriekauf leute sind sehr heterogen hinsichtlich der Branche, Betriebsgröße, Geschäftsprozesse, digitalen Ausstattung sowie internationalen Aktivitäten. In der Neuordnung musste dies berücksichtigt und geprüft werden, ob und in welcher Form die notwendigen Kom petenzen als Mindestanforderung in der Verordnung verankert werden können. Die Sachverständigen in Neuordnungsverfahren arbeiten entlang der Vorgaben aus den Eck werten sowie ergänzenden Prüfaufträgen seitens des Bundesministeriums für Wirt schaft und Klimaschutz im Einvernehmen mit dem BMBF. Im Verfahren der Industriekauf leute bezog sich einer der Prüfaufträge expli zit auf die Verankerung von internationaler beruflicher Handlungskompetenz und die Klärung, in welchem Umfang der Kompe tenzbaukasten bei den Ausbildungsinhalten berücksichtigt werden kann. Zur Verfolgung des Prüfauftrags erläuterte die Leiterin des Baukastenprojekts in einer der Sachverständigensitzungen zunächst den Baukasten. Anschließend zeigte die Verfahrensleiterin die Bedingungen für und Anforderungen an eine Schaffung von Zu satzqualifikationen in der Verordnung auf. Gerüstet mit diesem Hintergrundwissen diskutierten die Sachverständigen intensiv, welche Inhalte der internationalen Hand lungskompetenz als Mindestanforderung aufzunehmen sind und in welcher Form dies erfolgen sollte. Hierbei wurden alle Mög lichkeiten in Erwägung gezogen: sowohl eine Verankerung in den berufsspezifischen und integrativen Berufsbildpositionen als auch in einer Zusatzqualifikation. Im Verlauf der Diskussion wurde der Baukasten immer wieder zu Rate gezogen und einzelne For mulierungen entnommen. Im Laufe des Verfahrens kristallisierte sich der Konsens heraus, dass internationale Handlungskompetenzen für alle Auszu bildenden in einem bestimmten Ausmaß notwendig sind und an diversen Stellen der Wertschöpfungskette gebraucht werden, so zum Beispiel bei der Recherche von Zube hör für den Einkauf ebenso wie im Vertrieb. Daher wurden die Kompetenzen innerhalb der integrativ zu vermittelnden Berufsbild position „Zusammenarbeit, Kommunika tion und individuelle Arbeitsorganisation gestalten“ verankert. Hierbei wurden in terkulturelle Kompetenzen über “kulturelle Unterschiede im eigenen beruflichen Kon text identifizieren, mögliche Auswirkungen auf die Kommunikation reflektieren und in der Zusammenarbeit berücksichtigen“ inte griert. Mündliche oder schriftliche Fremd sprachenkompetenzen wurden in verschie denen Kontexten berücksichtigt, z. B. bei Recherche- und Auswertungstätigkeiten und bei der Zusammenarbeit mit internen und ex ternen Zielgruppen. Zusätzlich können sich noch weitere Anforderungen aus dem ge wählten Einsatzgebiet ergeben, wenn hier internationale Aspekte von Bedeutung sind. Eine Prüfung der Kompetenz „englisch sprachige Informationen und Fachbegriffe situationsbezogen anzuwenden“ erfolgt im Prüfungsbereich „Marketing, Vertrieb, Per sonalwesen und kaufmännische Steuerung und Kontrolle“. Fazit und Ausblick - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In seinem ersten Einsatz bewährte sich der Baukasten somit als Orientierungshilfe mit seinem Gesamtüberblick über die ver schiedenen Kompetenzdimensionen und als hilfreicher Fundus mit vielfältigen For mulierungsanregungen. Anhand der In dustriekaufleute wurde deutlich, dass der Baukasten in Neuordnungsverfahren für die internationale Ausrichtung der Berufsaus bildung Unterstützung bieten kann. Es wird andere Berufe geben, in denen eher nur einzelne Dimensionen maßgeblich sind, wie - - - - - - - möglicherweise im Dienstleistungssektor die interkulturellen Kompetenzen. Die wei teren Einsätze des Baukastens in der Neu ordnungsarbeit werden zeigen, ob er sich in Abhängigkeit von der Akzeptanz der Sach verständigen als Standardinstrument bei der Verankerung internationaler beruflicher Handlungskompetenz etabliert. - - - - - - - © B IB B Kompetenzbaukasten für die Ordnungsarbeit www.bibb.de/de/155594.php BIBB / DaPro - Datenbank der Pro jekte des Bundesinstituts für Berufs bildung www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_ dapro.php/detail/2.2.345 Verordnung der Berufsausbildung zum Industriekaufmann und zur In dustriekauffrau vom 12.3.2024 BIBB / Informationen zu Aus- und Fortbil dungsberufen www.bibb.de/dienst/berufesuche/de/ index_berufesuche.php/profile/apprenti ceship/indust24) DR. JULIA JÖRGENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich 1 der Abteilung 2 „Struktur und Ordnung der Berufsbil dung“ im BIBB GABRIELE JORDANSKI Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich 2 in der Abteilung 2 „Struktur und Ordnung der Berufsbil dung“ im BIBB © B IB B http://www.bibb.de/dienst/dapro/de/index_dapro.php/detail/2.2.345 http://www.bibb.de/dienst/berufesuche/de/index_berufesuche.php/profile/apprenticeship/indust24 http://www.bibb.de/de/155594.php 26 27 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Bereit für Europa? upgrade2europe unterstützt Organisationen bei der Europäisierung © u pg ra de 2e ur op e Europa bietet vielfältige Chancen und neue Möglichkeiten. Aber welche Vo raussetzungen sind notwendig, damit der Weg über die nationalen Grenzen zum Erfolg wird? Die Angebote von upgrade2europe machen es noch einfacher, die eigene Organisation weiter zu professionalisieren und die bestehenden Chancen besser zu nutzen. Bei der emcra GmbH in Berlin ist das Thema Europäisierung schon lange angekommen. „Werte europäisch leben, sich zivilgesellschaft lich grenzüberschreitend engagieren und aktiv am europäischen (Wirtschafts-)Leben teilneh men kann nur, wer seine Möglichkeiten kennt und dazu befähigt wird, diese auch zu nutzen. Vielen Organisationen fehlt dafür die notwen dige institutional readiness“. Diese Erkenntnis von Heike Kraack-Tichy, die emcra - Co-sha ring Europe seit mehr als 20 Jahren leitet, ist das Resultat eines eigenen internen Lernpro zesses. Tools für die Selbstanalyse und Umsetzung Sein Wissen wollte das emcra-Team weiter geben bzw. mit europäischen Partnern wei terentwickeln. Zusammen mit sechs Einrich tungen aus Bulgarien, Estland, Deutschland, Italien, Ungarn und Zypern wurde von 2020 bis 2023 im Rahmen eines Erasmus+-Projekts ein digitales Lerntool entwickelt, das Organi sationen aller Art praxisnah dabei unterstützt, die ersten Schritte ins europäische Ausland zu gehen oder einen bereits laufenden Europäi sierungsprozess zu optimieren. Ein Selbstanalyse-Tool wurde bereits in einem Vorgängerprojekt 2016 entwickelt und über Jahre in Weiterbildungen und bei Organisati onsberatungen erfolgreich angewandt. Hier mit können vor allem Organisationen aus dem Bildungssektor ihre institutional readiness für die transnationale Arbeit in Europa analysie ren. Was noch fehlte, waren Tipps aus der Praxis und eine schrittweise Anleitung für das weitere Vorgehen, nachdem man die Selbst analyse durchgeführt hatte. Nach der Selbstanalyse erhält die Organisa tion nun eine umfassende Auswertung und praxisorientierte Tipps für die nächsten Schrit te. Als steter Begleiter dieses Prozesses dient das von upgrade2europe erstellte Handbuch. Das Handbuch steht kostenlos auf der Projekt website zur Verfügung und bietet praktische Werkzeuge für alle wesentlichen Aufgaben der Europäisierung. Wer zuerst nur einmal in das Thema reinschnuppern möchte, kann sich bei upgrade2europe für einen E-Mail- Kurs registrieren. Über einen Zeitraum von zehn Wochen erhalten Organisationen dann jede Woche einen spannenden Einblick in die europäische Arbeit – sozusagen als Motivator und ersten Lernimpuls zum Weiterdenken. Wie geht es weiter? Die Projektteam von upgrade2europe kommt aus allen Ecken Europas, nicht allein aus der EU. Teona und Ana von der Tallinn University of Technology aus Estland haben georgische und ukrainische Wurzeln. Bisher stehen die upgrade2europe-Materialien in acht Spra chen, u. a. Deutsch und Englisch, zur Verfü gung. Nicht nur Teona und Ana freuen sich sehr über eine georgische und ukrainische Version. Daran will emcra zusammen mit den europäischen Projektpartnern als nächstes ar beiten. PROJEKTINFO Projekttitel: upgrade2europe Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007626 Laufzeit: 01.10.2020 – 31.08.2023 Beteiligte Länder: BG, EE, DE, IT, HU, CY Koordinator: emcra GmbH Kontakt: Sarah Duttenhöfer sarah.duttenhoefer@emcra.eu Website: https://upgrade2europe.eu Link zum Projekt: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2020-1-DE02- KA202-007626 Internationalisierung https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007626 mailto:sarah.duttenhoefer@emcra.eu https://upgrade2europe.eu 26 27 Bildung für Europa | August 2024 Internationalisierung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Weltweite Öffnung für akkreditierte Einrichtungen Welche Möglichkeiten bietet Erasmus+ außerhalb der EU? I nternationale Arbeitserfahrung über Eu ropa hinaus ist zunehmend gefragt. Seit 2021 werden in der Berufsbildung nicht mehr nur Aufenthalte in den EU-Mit gliedstaaten und den assoziierten Dritt ländern, sondern anteilig auch außerhalb dieser Programmländer gefördert. Berufs bildende Einrichtungen und Unternehmen, die bereits über eine Akkreditierung im Erasmus+-Programm verfügen, können bis zu 20 Prozent ihres Budgets nutzen, um ihren Auszubildenden z. B. Auslandsprak tika in den USA, in Brasilien oder aber in Indien anzubieten. Die neue internationa le Dimension wird von den akkreditierten Einrichtungen gut angenommen. So wur den im Antragsjahr 2023 im Rahmen der Akkreditierung 10,5% der Auslandsaufent halte unter den Lernenden in nicht mit dem Programm assoziierte Ländern bewilligt, bei der Zielgruppe Personal waren es 9,5% al ler bewilligter Auslandsaufenthalte. Innerhalb des europäischen Kontinents bie tet die Öffnung des Erasmus+-Programms zudem die Möglichkeit, bestehende Koo perationen mit Ländern, die nicht Teil des Programms sind, aufrechtzuhalten. Aus landspraktika im Vereinigten Königreich, ehemalig eines der beliebtesten Zielländer der Erasmus+-Projekte, sind weiterhin mög lich. Und auch die Schweiz ist mit ihrem du alen Berufsbildungssystem ein interessantes Partnerland für deutsche Einrichtungen der beruflichen Bildung. Beispiele aus der Praxis Die Möglichkeiten und der Nutzen welt weiter Auslandserfahrungen während der beruflichen Ausbildung sind vielfältig – so auch die Beispiele für internationale Quali fizierungsphasen während der Ausbildung: International aufgestellte Unternehmen können ihre Auszubildenden einen Teil ihrer Ausbildung bei weltweiten Nie derlassungen, bei Tochterunternehmen oder bei Geschäftspartnern absolvie ren lassen. Die Berufsbildende Schule Brinkstraße in Osnabrück schickte bei spielsweise drei Auszubildende über Erasmus+ in die USA. An den jeweiligen Servicestandorten ihres Ausbildungs betriebes in Wisconsin und Kalifornien konnten die Auszubildenden bei der In standsetzung und Reparatur von Land maschinen unterstützen. In den sozialen Berufen in Deutschland sind durch den wachsenden Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund zunehmend interkulturelle und sprach liche Kompetenzen gefragt. Internatio nale Betreuungseinrichtungen mit einem deutschen Sprachförderungsangebot stellen z.B. eine sinnvolle Möglichkeit für angehende Erzieherinnen und Erzie her dar, interkulturelle Kompetenzen au ßerhalb Europas zu erwerben. So hat die Erzieherin Mareike mit Erasmus+ ihr Aus landspraktikum an einem deutschen Kin dergarten in Vietnam absolviert (s. S. 28f.). Auszubildende im Bereich der Fremd sprachen finden unter anderem An stellung als Deutsch-Lehrkräfte in Unternehmen, die Fachkräfte durch sprachliche und kulturelle Bildung auf eine Anstellung in Deutschland vorbe reiten. Das Fremdspracheninstitut in München bereitet beispielsweise aktuell die Lernmobilität zweier Übersetzer-/ innen bei einem solchen Unternehmen in Bogotá (Kolumbien) vor. Die Initiative für das Projekt kommt von einer Auszu bildenden mit familiärem Hintergrund in Kolumbien, die ihre gelernten Fachkom petenzen vor Ort erproben möchte. Zu erwähnen bleibt, dass ein Auslandsauf enthalt am anderen Ende der Welt für die meisten jungen Menschen besonderes Entwicklungspotenzial bietet. In einem „grenzfreien“ Europa haben viele vielleicht bereits die europäischen Nachbarländer bereist und sehen sich als „erfahren“. Aber ein Lernaufenthalt auf einem anderen Kontinent bietet wieder neue Herausfor derungen. Erasmus+ öffnet Türen, damit Unternehmen und Bildungseinrichtungen in der Internationalisierung ihres Ausbil dungsangebots keine Grenzen gesetzt sind. Wer kann Förderungen für Auslandsauf enthalte außerhalb der EU erhalten? Einrichtungen, die durch eine Akkreditie rung bereits Zugang zum Erasmus+-Pro gramm haben, können 20 Prozent ihres bewilligten Budgets dafür verwenden, ihre Teilnehmenden aus Deutschland in nicht mit dem Programm assoziierte Länder zu senden. Zu den Programmländern gehören alle EU-Mitgliedstaaten sowie die mit dem Programm assoziierten Drittländer Island, Liechtenstein, Nordmazedonien, Norwe gen, Serbien und die Türkei. Abgedeckt ist die Entsendung von Ler nenden und Personal ins Ausland, die Ak tivitätenform „Kurse und Schulungen“ ist ausgenommen. VERENA LEHNEN Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationalisierung der Be rufsbildung“ in der NA beim BIBB - © N A b ei m B IB B 28 29 Mit Erasmus+ zum Praktikum nach Asien © M ar ei ke M ar x Sprachförderung in der Kita – das kann man auch in Vietnam lernen 28 29 Bildung für Europa | August 2024 „F reitag, Samstag, Sonntag…“, konzen triert zählt ein kleines Mädchen im Morgenkreis eines Kindergartens die Wochentage auf, um dann strahlend zu verkünden: „Montag! Montag kommt nach Sonntag!“ Die angehende Erziehe rin Mareike Marx verfolgt die Sprach übung interessiert. Denn Deutsch ist nicht für alle Kinder der Gruppe Mutter sprache, der Kindergarten befindet sich in Ho Chi Minh Stadt in Vietnam. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Mareike Marx macht dort ein Praktikum. Sie ist begeistert, als sie während ihrer Aus bildung an der Fachschule erfährt, dass sie einen Teil der Ausbildung im Ausland ma chen kann, gefördert von Erasmus+. Sofort schreibt sie 16 Bewerbungen an Kinder gärten in Europa und erhält: Absagen. Der Grund: Im Juli 2023, in dem sie mit dem Anerkennungsjahr auch ihr Praktikum star ten will, beginnen in ganz Europa die Som merferien. Sie fragt ihre Lehrerin, ob ein Praktikum auch außerhalb Europas möglich wäre. Bald ist klar: Auch das geht während der Ausbildung und gefördert werden durch Erasmus+ kann es auch! „Wie traurig, dass kaum einer weiß, dass es diese Möglichkeit gibt“, meint die 32-jährige Mareike. Wieder schreibt sie Bewerbungen, 36, und diesmal bekommt sie vier Zusagen, unter anderem aus Peru und Vietnam. Sie entscheidet sich für die Internationale Deut sche Schule (IGS) in Ho Chi Minh Stadt in Vietnam, an die auch ein Kindergarten an gegliedert ist. „Ich war vorher noch nie in Asien, es hat mich interessiert, die Kultur kennenzulernen“, erklärt sie. Ihre Ansprech partnerin an der IGS hilft ihr bei der Woh nungssuche, holt sie auch vom Flughafen ab, zeigt ihr, wo sie einkaufen kann und den Weg zur IGS. Deutsch-Unterricht zur Vorbereitung auf den Schulbesuch „Besonders viel habe ich über Sprachför derung gelernt“, freut sich die Auszubil dende. Diese steht im Mittelpunkt des Ta gesprogramms in der Vorschulgruppe, in der sie eingesetzt ist. „Ziel ist es, Deutsch zu lernen“, erklärt sie. „Kinder kommen in die Gruppe und können nur Vietnamesisch, vielleicht noch etwas Englisch und müssen auf einmal wissen, wie man zum Beispiel auf Deutsch nach einem Glas fragt.“ Ohne Deutschkenntnisse könnten die Kinder dem Unterricht an der IGS Grundschule nicht folgen, die sie zukünftig besuchen sollen. „Es gibt oft Einzelbetreuung, man setzt sich zusammen und übt mit vielen Wiederho lungen“, ergänzt Mareike. Dabei werden so genannte Kikus-Karten genutzt, Bildkarten zu Themen der kindlichen Erfahrungswelt, etwa zur Familie. Die Karten können auch spielerisch eingesetzt werden. „Über die Bil der kommt man immer gut ins Gespräch“, berichtet sie. Die vietnamesischen Eltern, so die Auszubildende, „wollen den Kindern eine bessere Möglichkeit fürs Leben geben, damit sie mit dem deutschen Abschluss in Europa studieren können.“ In der Gruppe sind aber auch Kinder, deren deutsche Eltern in Vietnam arbeiten und deren Kinder „mit der deutschen Kultur aufwachsen, zum Bei spiel die deutschen Feiertage kennenlernen sollen“, ergänzt sie. Mareike sieht deutliche Bezüge ihres Prak tikums in Ho Chi Minh Stadt zu ihrer jet zigen Arbeit im Anerkennungsjahr an der OGS einer Grundschule in der Kleinstadt St. Augustin bei Bonn. „In meiner Gruppe hier sind Kinder aus dem Irak, dem Iran, der Ukraine, aus Griechenland“, so die Auszu bildende. Zwar könnten sich die Kinder be reits auf Deutsch verständigen, erklärt sie. Einbringen könne sie aber ihre Erfahrungen aus Vietnam dennoch. Sie habe gelernt, noch einfühlsamer zu sein, sich mehr Zeit mit einzelnen Kindern zu nehmen und viel zu wiederholen. „Es gab kaum Konflikte in der Gruppe in Vietnam, das ist hier anders“, meint Mareike. Vielleicht habe es an den Sprachbarrieren gelegen, überlegt sie, oder daran, dass vietnamesische Kinder dazu er zogen würden, strebsam zu sein. Im Gegensatz zu deutschen Kindergärten spielen die Kinder in Ho Chi Minh Stadt nicht oft draußen. „Der Smog ist an den meisten Tagen zu stark“, berichtet die Auszubilden de. Zudem ist Regenzeit in Vietnam. Den noch gefällt Mareike das Land sehr, insbe sondere die Menschen seien sehr freundlich. In ihrer freien Zeit erkundet sie die Stadt und das umliegende Land. Vietnam, so betont sie, sei sehr sicher für allein reisende Frauen. Lernen durch den Vergleich mit Kitas im Ausland Wenn sie ihr Anerkennungsjahr beendet hat, will Mareike Marx zunächst in Asien reisen. „Danach möchte ich bei einer Zeit arbeitsfirma arbeiten, um verschiedene Konzepte und Einrichtungen kennenzuler nen.“ Seitdem die angehende Erzieherin herausgefunden hat, dass sie bis zu einem Jahr nach Abschluss der Ausbildung ein wei teres gefördertes Praktikum machen kann, schreibt sie wieder Bewerbungen. „Ich will noch ein dreimonatiges Praktikum in Europa machen“, so Mareike. „Zu vergleichen, das finde ich spannend und die Arbeit mit ausländischen Kindern wird in der heutigen Zeit mit Krieg und vielen Flüchtlingen weiter wichtig sein.“ Internationalisierung Julia Göhring, freie Journalistin, im Auftrag der NA beim BIBB © a lle M ot iv e: M ar ei ke M ar x 30 31Internationalisierung Steigendes Interesse an weltweiten Auslandspraktika Eine Bestandsaufnahme des Förderprogramms AusbildungWeltweit A usbildungWeltweit ist ein flexibel ange legtes Förderprogramm des Bundesmi nisteriums für Bildung und Forschung (BMBF) für weltweite Auslandsauf enthalte im Rahmen der Berufsausbil dung. In Ergänzung zum europäischen Bildungsprogramm Erasmus+ leistet es einen Beitrag zu mehr qualitätsgesteu erter Auslandsmobilität in der Berufs bildung. Das Programm startete 2017 mit einer Pilotphase. Es wurde 2018 lanciert und zeichnet sich durch Wirt schaftsnähe und gute Zugänglichkeit für berufliche Schulen sowie Kleinstun ternehmen, kleine und mittlere Unter nehmen (KMU) aus. „In der Ausbildung Brücken schla gen“ – Auszeichnung für geförderte Projekte Nicole Heimann, Global Senior Expert Train ing & Education bei Gerresheimer, erklärt, dass ihr Angebot von Auslandsaufenthalten dazu beiträgt, engagierte Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen. Koordiniert vom Standort Regensburg ent sendet Gerresheimer seit dem Jahr 2020 jähr lich Auszubildende mit AusbildungWeltweit an seinen Standort Peachtree City, USA. Für sein Engagement wurde das Unternehmen im vergangenen Jahr von der IHK Regens burg mit dem Sonderpreis „In der Ausbildung Brücken schlagen“ ausgezeichnet. „Für uns als globales Unternehmen ist die Zusammenarbeit in internationalen Teams entscheidend für den Unternehmenserfolg. Deshalb fördern wir diesen internationalen Austausch auch im Rahmen der Ausbildung bei Gerresheimer“, so Oliver Burgel, VP Op erations Procurement HR & Quality bei Gerres heimer. Eine umfassende Vorbereitung der Lernauf enthalte und die enge Zusammenarbeit mit dem Partner in Peachtree sind entscheidend für den Erfolg. Neben Sprachkursen und interkulturellen Trainings werden die Aus zubildenden frühzeitig in die Planung und Vorbereitung einbezogen und lernen die Ansprechpartner vor Ort bereits im Vorfeld über gemeinsame Videokonferenzen ken nen. Zur Sicherstellung des Lernerfolgs greift Gerresheimer auf eine gemeinsame digitale Ausbildungsplattform zurück, die auch vom Partnerunternehmen genutzt werden kann. Individuelle Lernzielvereinbarungen werden durch enge Absprachen mit den einzelnen Auszubildenden geschlossen. Globale Perspektiven im Praktikum: Neue Möglichkeiten für berufliche Schulen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Zu Beginn des Jahres 2020 wurde der Kreis der Antragsberechtigten im Programm um berufliche Schulen erweitert. Auch der Schul bereich nutzt AusbildungWeltweit mit großer Kreativität, um den Auszubildenden zusätz liche persönliche und berufliche Entwick lungsmöglichkeiten zu eröffnen. Von den Innovationsimpulsen und neuen Sichtweisen, die sich aus der internationalen Zusammen arbeit ergeben, profitieren auch die Schulen selbst. Deshalb integrieren immer mehr berufliche Schulen Auslandsaufenthalte in ihr Schulpro gramm, um die berufsbezogene Horizonter weiterung systematisch zu ermöglichen. Die Lernaufenthalte zahlen dabei auch auf das Ziel einer Bildung für nachhaltige Entwick lung ein. Am „Lernort Ausland“ erhalten Aus zubildende einen vertieften Einblick in globa le Zusammenhänge und Abhängigkeiten von Lieferketten und Produktion. „Als UNESCO-Projektschule ist es uns ein Anliegen, die jungen Menschen beim „be rufsbezogenen Hinausgehen“ zu begleiten. Gemeinsam mit unseren Partnern in Nami bia können wir so unseren Auszubildenden helfen, im Praktikum ihre Kompetenzen im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele in den Be reichen Hotel- und Gaststättengewerbe und Erziehungswesen um eine globale Perspekti ve zu erweitern“, betont Katja Türk vom Ro bert-Wetzlar-Berufskolleg Bonn. Gute Chancen für angehende Fach kräfte aus dualen und vollzeitschu lischen Ausbildungsgängen Das globale Förderprogramm Ausbildung Weltweit und das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ waren von den Einschränkungen der Pandemie stark betroffen. Seit dem Jahr 2022 nahmen die Berufsbildungsein richtungen ihre internationalen Aktivitäten jedoch zügig wieder auf. Zwischenzeitlich konnten bei AusbildungWeltweit wieder mehr als 1.300 Auslandsaufenthalte bewilligt werden, womit das vorpandemische Niveau sogar noch etwas übertroffen wurde. Die Wachstumsprognose bleibt positiv. Fast zwei Drittel der Förderanträge kommen direkt von ausbildenden Unternehmen in exportorientierten und international agie renden Branchen. Auf berufliche Schulen entfallen etwa ein Viertel der Anträge. Wei tere Anträge kommen von Kammern und Bildungsträgern. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - // Das Feedback von Auszubildenden zeigt, dass die Möglichkeit zu Auslandsaufenthal ten sie dazu motiviert hat, sich bei unseren Gerresheimer Werken in Deutschland zu bewerben. Interessierte sprechen uns auf Messen und Informationstagen gezielt auf unser Programm an. // - 30 31 Bildung für Europa | August 2024 Grundsätzlich können Auszubildende in ei ner Erstausbildung nach BBiG/HwO sowie nach Bundes- oder Landesrecht von der fi nanziellen Unterstützung profitieren. Etwa 90 Prozent der geförderten Auszubildenden befinden sich in einer dualen Berufsausbildung. Internationalisierung - - Die große Wirtschaftsnähe von Ausbildung Weltweit kommt auch bei den bevorzugt längeren Aufenthaltsdauern und den vor herrschenden Berufsbereichen zum Aus druck. Lernaufenthalte mit AusbildungWelt weit dauern im Schnitt sieben Wochen. In den Förderrunden der Jahre 2022 und 2023 zeigte sich folgende Beteiligung der Berufsbereiche: - - - - - - - - - - - - - Förderrunden 2022-2023: Anteil nach Berufsbereichen Gewerblich-technische Berufe 32% Kaufmännische Berufe 21% IT-Berufe 11% Gesundheitsberufe 10% Handwerksberufe 7% Agrarberufe 5% Laborberufe 5% Erziehungsberufe 3% sonstige Berufsbereiche 6% Seit Programmstart im Jahr 2018 wurden rund 2.900 Auslandsaufenthalte in über 60 Ländern auf allen Kontinenten bewilligt. Das Vereinigte Königreich wurde nach dem Brexit Anfang 2021 in die Liste der förder fähigen Länder von AusbildungWeltweit aufgenommen. Die zehn gefragtesten Zielländer der letzten Jahre sind: USA (28%), China (9%), die Schweiz (6%), Kanada (5%), das Vereinigte Königreich (5%), Aus tralien (4%), die Republik Südafri ka (4%), Mexiko (4%), Tansania (3%) und Indien (2%). Lernaufenthalte von Auszubildenden haben einen Anteil von 80 Prozent. Aufenthalte für Ausbildungsverantwortliche liegen bei 9 Prozent. Die restlichen Bewilligungen ent fallen auf vorbereitende Besuche (10%) und wenige Begleitpersonen. Die Bewilligungs quote lag im Schnitt bei 90 Prozent. Das BMBF startete im Dezember 2022 die Exzellenzinitiative Berufliche Bildung. Sie zielt u. a. darauf ab, die Berufsbildung durch eine noch intensivere internationale Ausrichtung zu stärken. AusbildungWeltweit trägt durch Mobilitätsförderung, Medienkampagnen, Vernetzungsaktivitäten und eine orientieren de Beratung u. a. zu Einreisebestimmungen und Versicherungsfragen dazu bei. Der Kom petenzerwerb im Ausland ist Bestandteil ei ner leistungsfähigen und attraktiven Berufs ausbildung und sollte jeder Generation von Auszubildenden ermöglicht werden. AusbildungWeltweit fördert weltweite Auslandsaufenthalte während der Berufsausbildung. Azubis: 3 Wochen bis 3 Monate Betrieblich Ausbildende: 2 Tage bis 2 Wochen Vorbereitende Besuche: 2 Tage bis 5 Tage Alle Infos zum Programm unter www.ausbildung-weltweit.de Die nächste Antragsfrist endet am 10.10.2024. Aufenthalte dieser Runde können von Februar 2025 bis Januar 2026 durchgeführt werden. STEFAN METZDORF Leiter des Teams „Stärkung der Auslandsmobilität I AusbildungWeltweit“ metzdorf@bibb.de STEPHANIE PLETSCH ist im Programm AusbildungWeltweit für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig pletsch@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.ausbildung-weltweit.de mailto:metzdorf@bibb.de mailto:pletsch@bibb.de 32 Erasmus+ 33 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+-Antragsrunde 2024 Mehr Auslandsaufenthalte als je zuvor – noch Potenzial in der Erwachsenenbildung D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 17. Juni 2024 wieder. Er konzen triert sich auf die Mobilität (Leitaktion 1), weil die Förderentscheidungen für die Partnerschaften für Zusammenar beit (Leitaktion 2) noch nicht vorliegen. Berufsbildung Mit 870 Projektanträgen, davon 750 im Rahmen einer Erasmus+-Akkreditierung, war 2024 die Nachfrage nach Fördermit teln für die Mobilität in der Berufsbildung erfreulich hoch. Die deutliche Zurückhal tung in den Jahren 2021 und 2022 wurde demnach nicht nur aufgegeben, sondern das Interesse an Auslandsaufenthalten ist so groß wie nie. Dies belegt auch die Zahl der beantragten Teilnehmenden. Mit nahe zu 53.000 war sie dieses Jahr 27 Prozent höher als im bis dahin stärksten Antragsjahr 2023. Auch die Kurzzeitprojekte stellen mit 120 Anträgen einen neuen Rekord auf, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die Anzahl der Neuakkreditierungen im letzten Jahr auf 100 begrenzt wurde und einige Einrichtungen ihre Pläne auf ein Kurzzeitprojekt umstellen mussten. Bewilligt wurden letztlich mehr als 46.000 Teilnehmende in 111 Kurzzeit- und 745 ak kreditierten Projekten und damit 40 Prozent mehr Personen als im vergangenen Jahr. Dies war nur möglich dank nicht genutz ter Mittel aus der Erwachsenenbildung, da das Budget für die Berufsbildung deutlich überzeichnet war. Insgesamt wurden in der Leitaktion 1 für die Berufsbildung nahezu 99 Millionen Euro bewilligt. Für die Zielgruppe der Lernenden wurde die neu eingeführte Gruppenmobilität sehr gut angenommen. Rund vierzehn Prozent aller Lernaufenthalte sind in diesem Format geplant, bei dem das Peer Learning mit an deren europäischen Gruppen im Rahmen kürzerer Aufenthalte im Zentrum steht. Nach wie vor ist aber die Kurzzeitmobilität die mit Abstand beliebteste Aktivitätsart; sie macht mit 30.550 Teilnehmenden rund 83 Prozent aller bewilligten Aktivitäten für Lernende aus. Beim Personal sind wie in den Vorjahren das Job-Shadowing und die Teilnahme an Kursen und Schulungen die am stärksten nachgefragten Aktivitätsarten. Von 9.364 bewilligten Aktivitäten für Personal entfal len rund 94 Prozent (8.819) auf diese bei den Formate. Die anderen Aktivitätsarten für Personal und ihr Nutzen für die Inter nationalisierung einer Einrichtung werden offenbar bisher noch unterschätzt. Eine zweite Antragsrunde wird es in der Berufsbildung 2024 nicht geben. Darüber hinaus wird wie im Vorjahr die Anzahl der Neuakkreditierungen auf 100 begrenzt. Erwachsenenbildung Der bereits 2023 zu verzeichnende positive Trend in den Antragszahlen für Mobilitäts projekte in der Erwachsenenbildung setzte sich in der ersten Antragsrunde 2024 fort. Insgesamt konnten 83 Projekte bewilligt werden. Das sind 30 Projekt mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. 46 der Pro jekte entfallen auf die akkreditierten Ein richtungen. 37 der Projekte sind Kurzzeit projekte. Besonders erfreulich ist, dass 15 der 17 Einrichtungen, die Ende 2023 neu akkreditiert wurden, direkt Mittel für ein erstes Projekt angefordert haben und somit sofort aktiv werden können. Auch die Anzahl der Personen, die die ge förderten Einrichtungen planen zu entsen den, ist weiter angestiegen. Obwohl die zweite Antragsrunde für Kurzzeitprojekte im Jahr 2024 noch aussteht, übersteigt die Anzahl der geförderten Personen schon jetzt die Gesamtzahl des Jahres 2023. Während 2023 Mobilitätsaktivitäten für gut 2.770 Personen bewilligt wurden, liegt die Zahl für 2024 bereits jetzt schon bei über 3.100. Es konnten gut 2.300 Aktivitäten für Mitarbeitende von Erwachsenenbildungs einrichtungen bewilligt werden. Die be liebteste Aktivitätsart für die Zielgruppe des Personals bleiben nach wie vor Kurse und Schulungen (1324 geförderte Personen), gefolgt von Job-Shadowings (930 geför derte Personen). Der stetige Anstieg zeigt sich auch in der Anzahl der geförderten Auslandsaufent halte für Lernende. Insgesamt konnten in der ersten Antragsrunde Aktivitäten für 775 Lernende bewilligt werden. 316 Personen entfallen auf eine Gruppenmobilität, 457 auf eine individuelle Kurzzeitmobilität und 2 auf eine individuelle Langzeitmobilität. Trotz des erfreulichen Trends besteht nach wie vor Potenzial. Erneut konnte das zur Verfügung stehende Budget nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft werden. Da für die Erwachsenenbildung weitere finanzi elle Mittel zur Verfügung stehen, wird es im Herbst 2024 neben der Antragsrunde für neue Akkreditierungen deswegen eine zweite Antragsrunde für Kurzzeitprojekte geben. Die Antragsfrist endet am 1. Oktober 2024. Die Bewilligungslisten können auf der NA-Website eingesehen werden: www.na-bibb.de/erasmus- berufsbildung/mobilitaet/ bewilligte-aktivitaeten www.na-bibb.de/erasmus- erwachsenenbildung/mobilitaet/ bewilligte-aktivitaeten http://www.na-bibb.de/erasmus-berufsbildung/mobilitaet/bewilligte-aktivitaeten http://www.na-bibb.de/erasmus-erwachsenenbildung/mobilitaet/bewilligte-aktivitaeten 32 33 Bildung für Europa | August 2024 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Neues Portal für Projektträger Ausgliederung von Inhalten aus Website sorgt für bessere Auffindbarkeit A uf der Website der NA beim BIBB waren sehr viele und umfangreiche Informati onen dargestellt. So waren dort allein mehr als 1.100 Dokumente hinterlegt. Dieser große Umfang führte dazu, dass die Übersichtlichkeit der Website litt. Die Heterogenität der Suchanfragen bzw. der Ansprüche der Nutzerinnen und Nutzer und die Regelungstiefe des Programms Erasmus+ standen immer wieder im Kon flikt zu einer präzisen und schnellen Auf findbarkeit. Während beispielsweise eine berufsbil dende Schule ein Formular für einen End bericht für ein Partnerschaftsprojekt des Jahres 2021 sucht, benötigt eine VHS-Do zentin, die erstmalig ein Mobilitätsprojekt in Erasmus+ beantragen möchte, vielmehr aktuelle Informationen über grundlegende Teilnahmebedingungen. Und dann gibt es z.B. auch noch die Mitarbeitenden eines Bildungswerks, die Vorträge zum Thema „Inklusion“ suchen, von denen sie bei einer Online-Veranstaltung der NA gehört haben. Um diesen sehr unterschiedlichen Bedürf nissen gerecht zu werden, stehen seit Juni 2024 die Informationen und Dokumente für bestehende Vertragsnehmer der NA beim BIBB auf der neuen Erasmus+-Projektplatt form gebündelt zur Verfügung, mit der die Dokumentation von Wissen und der Wis sensaustausch vereinfacht und beschleu nigt werden sollen. Da die NA beim BIBB die genutzte Wiki-Software vor vier Jahren auch für ihr eigenes Wissensmanagement eingeführt hat, versprechen wir uns hier Synergieeffekte durch das Aufeinander treffen dynamischer Arbeitsbereiche für unsere „Kunden“ auf der einen Seite und kollaborativer Lösungsmöglichkeiten für eigene Mitarbeitende auf der anderen Sei te. Die neue Plattform für Projektträger ist direkt über Eingabe der Internet-Adresse oder über die NA-Website www.na-bibb. de frei zugänglich. Auf der Website erfolgt der Zugang derzeit über einen Link auf den Unterseiten „Durchführung“. Vorteile und Aufbau der Projektplattform Seit der neuen Programmgeneration ab 2021 sind viele Neuerungen in der Mittel bewirtschaftung und Projektdurchführung des Programms (teilweise zeitversetzt) ein geführt worden; durch die zeitliche Koin zidenz mit der Corona-Pandemie und dem daraus resultierendem Informationsbedarf sowie teilweise großen Problemen in der Funktionalität zentraler IT-Werkzeuge der EU ergab sich für die NA beim BIBB ein hoher Handlungsdruck, die internen und externen Anforderungen zu verknüpfen und smarte Lösungen zu finden. Mit der Einführung des internen Wissensmanage ment-Portals im Jahr 2021 und die im Juni 2024 erfolgte Freischaltung der ersten Ar beitsbereiche im Wiki-Portal für Projektträ ger ist nun ein nächster Schritt in der digi talen Entwicklung der Nationalen Agentur gemacht. Für unsere Projektträger verbessert sich nunmehr der Zugang zu den (vertrags-)re levanten Informationen und Dokumenten, da diese nun ohne Umwege erreichbar sind. Die entscheidende Weiche in der Pro jektplattform ist die Wahl der Leitaktion, zu der Informationen und Dokumente abgeru fen werden sollen. Die Leitaktion 1 (KA1, Mobilität) teilt sich dabei in die Bildungs bereiche „Berufsbildung“ und „Erwachse nenbildung“ auf, während der Zugang zur Leitaktion 2 (KA2, Partnerschaften) beide Bildungsbereiche umfasst. In einem dritten Bereich werden den Projektträgern soge nannte FAQ-Listen angeboten sowie Infor mationen zu den Werkzeugen (Tools) der Projektverwaltung und Berichterstattung. Auf den FAQ-Seiten werden den Projekt trägern unterschiedliche Themen praxisnah erklärt. Die FAQ werden stetig ergänzt. Die Suche ist ein wichtiger Bestandteil die ser Plattform. Die Plattform wird mit den Themen kontinuierlich wachsen. Zum ein fachen und schnellen Auffinden der Inhalte – auch in den Dokumenten – ist die Platt form mit einer einfach zu bedienenden, aber mächtigen Suchunktion ausgestattet. Hinsichtlich der Strukturierung der Unter lagen und deren Verfügbarkeit verspre chen wir uns, dass die Plattform durch ihre vielfältigen Möglichkeiten eine benutzer freundlichere Darstellung ermöglicht und das Auffinden einfacher macht. Zudem gibt uns die neue Plattform die Möglichkeit, zielgruppengerechte Informa tionen, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Projektträger, noch zeitnäher zur Ver fügung zu stellen. Sie erlaubt eine schnel le Verbreitung von wichtigen Neuigkeiten, z.B. zu Änderungen in den Rahmenbedin gungen, an unsere Projektnehmer. Erasmus+ https://na-bibb.atlassian.net/wiki/ spaces/WILL/overview JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB (bis Juni 2024) © N A b ei m B IB B https://na-bibb.atlassian.net/wiki/spaces/WILL/overview https://na-bibb.atlassian.net/wiki/spaces/WILL/overview http://www.na-bibb 34 35 - - - - - Infosplitter Infosplitter - - - Neuerscheinungen Wie haben sich Erasmus+ und die anderen bei der NA beim BIBB angesie delten Programme bzw. Projekte entwickelt? Was waren Arbeitsschwer punkte? Aufschluss darüber gibt der NA-Jahresbericht, der nunmehr im zweijäh rigen Rhythmus erscheint. Kennen Sie schon unsere EuroApprentices? In einem Flyer erfahren Sie, was diese motiviert und wie die ehemaligen Erasmus+-Teilnehmenden für Auslands erfahrung während der Ausbildung werben. - Alle NA-Publikationen können kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden. www.na-bibb.de/publikationen - - Für Audio-Affine Die Podcastreihe "Talking Erasmus+" der NA beim BIBB informiert über das Förderprogramm Erasmus+, spannende Bildungsprojekte und europäische Quer schnittsthemen. Hören Sie immer die ak tuellen Folgen unter www.na-bibb.de/ presse/podcasts ErasmusDays 2024 Sie haben ein laufendes Erasmus+-Projekt im Bereich Berufsbildung oder Erwachse nenbildung oder dieses bereits abgeschlos sen? Dann machen Sie vom 14. bis 19. Oktober mit bei den ErasmusDays! Alles ist denkbar, lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und überlegen Sie, welche Aktion am besten zu Ihrer Einrichtung und zu Ihren Erasmus-Skills passt. Jetzt anmelden unter.... www.erasmusdays.eu Europa in den sozialen Medien Die NA-Social-Media-Redaktion hat ge meinsam mit Auszubildenden im BIBB eine Serie von Kurzclips erstellt, die junge Menschen motivieren sollte, an den Euro pawahlen teilzunehmen. Die Videos wur den crossmedial geteilt und fanden mit 12.000 Aufrufen große Resonanz. © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/presse/podcasts http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.erasmusdays.eu 34 35 Bildung für Europa | August 2024 Instalive aus aller Welt Die während eines Auslandsaufenthalts erzielten Lernergebnisse werden im Europass Mobilität bescheinigt. Die Lernbereitschaft junger Menschen wird besonders gewürdigt, wenn die Übergabe des Mobilitätsnachweises in fei- erlichem Rahmen erfolgt, wie in Berlin, wo die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey 160 Auszubildende ins Rote Rathaus einlud. Die jungen Menschen waren über Erasmus+ im Ausland; organisiert wurden die Prakti- ka über GoEurope. In Bild und Ton In der dreiteiligen Videoreihe „Gute Gründe für Auslandsaufent halte in der Ausbildung“ berichten die (ehemalige) Mobilitätsbe raterin Nadine Rosell, der Ausbilder und Geschäftsführer Michel Lohmann sowie der Auszubildende Henrik Bellgardt jeweils aus der eigenen Perspektive, weshalb sie von Auslandsaufenthalten überzeugt sind und diese weiterempfehlen. Nutzen Sie die Vi deos auch gerne für Ihre Arbeit! - - - www.auslandsberatung-ausbildung.de/ gute-gruende-fuer-auslandsaufenthalte - Infosplitter - - - - - - - - - - - Neues Video: Bewerben mit Europass © N at io na le s Eu ro pa ss C en te r Das neue Video erklärt, wie Nutzerinnen und Nutzer im Europass-Portal ein Profil anlegen und daraus Lebensläufe erstellen, wie sie ihre digitalen Kompetenzen testen und digitale Bewerbungsmappen anferti gen. Das Video ist auch für den Einsatz im Unterricht geeignet. 400.000ster Europass Mobilität verliehen Im März 2024 wurde der bundesweit 400.000ste Europass Mobilität überreicht. Verliehen wurde das Jubiläumsdokument von Christina Henke, Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie in der Berliner Senatsverwaltung. Empfänger war der Schüler Dominik Diehr, der im Jahr 2023 sechs Monate seiner Ausbildung in Irland absolvierte. © N A b ei m B IB B © D ie te r K ro ll Themenwoche - Demokratie erleben, Teilhabe gestalten Im April 2024 widmete sich EPALE dem Thema Demokratie und Teilhabe mit span nenden Erasmus+-Projektbeispielen und Initiativen. Diese zeigen, wie Erwachsenen bildung dazu beitragen kann, die Demokra tie zu stärken und die Teilhabe aller Bürge rinnen und Bürger zu fördern. https://epale.ec.europa.eu/de/content/ themenwoche-demokratie-erleben- teilhabe-gestalten Deutschland Lernort Sport: Mehr als Bewegung Gesundheitsbildung als ein wesent licher Teil der Erwachsenenbildung umfasst Bewegungsangebote von Yoga über Tanz bis zum Hantel training. Doch welche Möglich keiten bietet der Sport jenseits von Bewegung und Gesundheit? Im dritten Quartal 2024 liegt bei EPALE Deutschland der Fokus auf dem Thema Lernort Sport: Mehr als Bewegung. https://epale.ec.europa.eu/de/ content/themenfokus- lernort-sport-mehr-als- bewegung EPALE Akademie Am 7. und 28. November 2024 bietet EPALE Deutschland jeweils von 10:00 bis 12:00 Uhr online eine EPALE Akademie zum Thema nachhaltige Organisationsent wicklung in der Erwachsenen bildung an. In der Lernphase zwi schen den Online-Terminen können die gewonnenen Erkenntnisse ver tieft und angewendet werden. https://epale.ec.europa.eu/de/ content/epale-akademien- uebersicht http://www.auslandsberatung-ausbildung.de/gute-gruende-fuer-auslandsaufenthalte https://epale.ec.europa.eu/de/content/themenwoche-demokratie-erleben-teilhabe-gestalten https://epale.ec.europa.eu/de/content/themenfokus-lernort-sport-mehr-als-bewegung https://epale.ec.europa.eu/de/content/epale-akademien-uebersicht Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114-116 (NA beim BIBB) 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > im Bereich Erwachsenenbildung sowie Jugend 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbil dung, Erwachsenenbildung und Jugend - 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA AusbildungWeltweit > Aufenthalte zwischen Februar 2025 und Januar 2026 10.10.2024 AusbildungWeltweit AusbildungWeltweit Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu/index_de Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (01.07.2024). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A07/2023. http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de http://www.eacea.ec.europa.eu/index_de Bildung für Europa 39 · August 2024 Impressum Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Internationalisierung „Europa in Bewegung“ Europäischer Bildungsraum und Ratsempfehlung Mitgliedstaaten: Benchmarks und Systeme Unterstützung durch die EU-Kommission Besonders wichtige Zielgruppen: Lehrkräfte und Auszubildende Mobilität von Lehrkräften Mobilität von Auszubildenden Einschätzung aus Erasmus+-Perspektive Good Practice: Von Internationalisierung überzeugt Wettbewerbsfähigkeit Attraktivität Von Guter Praxis lernen Projektinfo Drei Jahre Akkreditierung in der Leitaktion 1 Was genau ist die Akkreditierung? Ziele der Akkreditierung Wie wurde die Akkreditierung bisher angenommen? Wie geht es weiter? Europa bringt Farbe ins Spiel Good Practice: VHS Rottweil stellt sich neu auf Werkzeug interner und externer Internationalisierung Impulse für neue Initiativen Blick in die Zukunft Projektinfo Good Practice: International denken Projekte miteinander verzahnen Projektinfo Internationalisierung als Instrument Schulentwicklung im Dreiklang denken Internationalisierung auf gutem Weg Berufsbildung Bewilligte Akkreditierungen Mit Erasmus+ weltweit unterwegs Beliebteste Zielkontinente 2021-2023 Incoming Mobilität:Top-5-Herkunftsländer 2021-2023 Erwachsenenbildung Top-3-Zielländer 2021 -2023 Bewilligte Akkreditierungen „Ein Tor in den europäischen Bildungsraum“ Mit Europass die Internationalisierung von Schulen fördern Organisation Personal Unterricht Personalmobilität in Europa Berufsbildung: Schulen sind Vorreiter Erwachsenenbildung: Internationalisierung im formalen und non-formalen Bereich Das transnationale Forschungsnetzwerk RIA-AE Zentrale Erkenntnisse auf nationaler Ebene Baukasten internationale berufliche Handlungskompetenz Kompetenzbaukasten für Ausbildungsordnungen Anwendung in der Praxis Praxisbeispiel Neuordnung der Berufsausbildung der Industriekaufleute Fazit und Ausblick Good Practice: Bereit für Europa? Tools für die Selbstanalyse und Umsetzung Wie geht es weiter? Projektinfo Weltweite Öffnung für akkreditierte Einrichtungen Beispiele aus der Praxis Wer kann Förderungen für Auslandsaufenthalte außerhalb der EU erhalten? Mit Erasmus+ zum Praktikum nach Asien Deutsch-Unterricht zur Vorbereitung auf den Schulbesuch Lernen durch den Vergleich mit Kitas im Ausland Steigendes Interesse an weltweiten Auslandspraktika Globale Perspektiven im Praktikum: Neue Möglichkeiten für berufliche Schulen Gute Chancen für angehende Fachkräfte aus dualen und vollzeitschulischen Ausbildungsgängen AusbildungWeltweit fördert weltweite Auslandsaufenthalte während der Berufsausbildung. Erasmus+ Erasmus+-Antragsrunde 2024 Berufsbildung Erwachsenenbildung Neues Portal für Projektträger Vorteile und Aufbau der Projektplattform Infosplitter Neuerscheinungen Für Audio-Affine ErasmusDays 2024 Europa in den sozialen Medien In Bild und Ton Neues Video: Bewerben mit Europass 400.000ster Europass Mobilität verliehen Themenwoche - Demokratie erleben, Teilhabe gestalten Lernort Sport: Mehr als Bewegung EPALE Akademie Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …

[…] Digitale Transformation gestalten – mit Erasmus+ 26 Ausgezeichnet: Max-Eyth-Schule 24 Europäische Digitale Bildungs- nachweise Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 36 Dez. 2022 07 Digitalisierung im Fokus der Projektarbeit jeweilige NA NA-Jugend jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) EACEA EACEA EACEA jeweilige NA jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Weitere Informationen 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 04.11.2022 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus Bildnachweis Titel & Inhaltsver- zeichnis (S.5): NA beim BIBB Jahrestagung / ©hristian Meyer (Titel); AdobeStock.com: metamorworks, m.m- photo, goodluz; Adb e.V., Max Fröhlich/ Liebherr-Verzahntechnik GmbH; NA beim BIBB / ©hristian Meyer (S.5) Für unverbindlich eingesandte Manu- skripte, Bildmaterial und andere Unter- lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich- net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver- ständlich darstellen – in ganz Europa. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Deutschland Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de mailto:infodienst%40bibb.de?subject= http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 3 Bildung Für Europa | Dezember 2022 © N A b ei m B IB B Liebe Leserinnen, liebe Leser, im europäischen Digitalisierungsranking ist Deutschland derzeit Mittelmaß: Gemäß dem Index für die digitale Wirtschaft und Ge- sellschaft (DESI) für das Jahr 2022 reicht es gerade einmal zum 13. Platz bei 27 EU-Mitgliedstaaten, Tendenz Richtung Abstiegszone. Diese Erkenntnis ist auch in der Politik angekommen, wie Sie täg- lich den Medien entnehmen können. Im Bildungsbereich ist Digitalisierung spätestens seit der Coro- na-Krise ein Top-Thema. Im Programm Erasmus+ hat die Europä- ische Kommission mit dem Jahr 2021 Digitalisierung zu einer der vier übergreifenden Prioritäten des Programms gemacht – unab- hängig vom Bildungsbereich und der Leitaktion. Während viele nationale Projekte gezielt Dienstleistungen und Ver- fahren digitalisieren sollen, verfolgt das Programm Erasmus+ einen anderen Ansatz. Der jährliche Aufruf zur Einreichung von Anträgen ist ein „call for proposals“: Es wird zwar ein thematischer Schwer- punkt vorgegeben, aber nicht ein spezifischer Digitalisierungsbe- reich oder eine Dienstleistung. Damit ist das Programm sehr offen für die unterschiedlichsten Ansätze und Bedürfnisse. Dies spiegelt sich in der Vielfalt und Kreativität wieder, die viele Digitalisierungs- projekte im Programm Erasmus+ auszeichnen. Und vor allem: Sie bilden Bedarfe der Bildungspraxis ab. Grundlegende systemische Veränderungen können die Projekte nicht erzielen, aber mit diesem Ansatz ergänzt das Programm die na- tionale und europäische Politik und Digitalisierung in den beteiligten Einrichtungen. Digitalisierung ist dann besonders erfolgreich, wenn sie in der Praxis auch umgesetzt werden kann. Das Journal gibt einen guten Einblick in spannende und innovative Projekte, die Erasmus+ fördert. Digitalisierung findet aber auch in der Programmverwaltung von Erasmus+ statt. Jürgen van Capelle und Bahram Kazemkhani gewähren uns in ihrem Beitrag einen Ein- blick in den Maschinenraum des Programms. Dr. Christine Bertram beleuchtet das Potenzial von EPALE für die digitale Zusammenar- beit in Europa. Machen Sie sich mit der Lektüre des Journals also auf eine span- nende Reise … Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB Editorial 4 5 Inhalt Nr. 36 | Schwerpunkt Digitale Transformation 06 10 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Digitalisierung – ein Schwerpunkt in Erasmus+ Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung Strategisches Veränderungsma- nagement in digital lernenden Organisationen In drei Schritten zu mehr Digitalisierung Good Practice: Digi4VET Immersive Medien in der beruflichen Bildung Potenziale immersiver Medien (XR) in der Berufsbildung Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung Good Practice: Digitales Bauen Einsatz neuer Technologien in der Baubranche Digitaler Wandel betrifft uns alle! Preisträgerprojekt fordert Lernen über, für und durch die Digitalisierung Good Practice: Lehren und Lernen mit dem Netz Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften Good Practice: Verstehen von künstlicher Intelligenz leicht gemacht Grundlagenkurs für die Erwachsenenbildung Good Practice: Liebherr- Verzahntechnik GmbH Ausbildung profitiert von Digitalisierung Good Practice: Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung Eine Herausforderung für Lernende und Lehrende IT-Tools in der Programm- umsetzung Mehr Transparenz und Effizienz Fünf EPALE-Tools für Ihr Projekt Erasmus+-Projektnehmer profitieren vom Angebot der E-Plattform für Erwachsenenbildung Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis EU-Kommission steht Rede und Antwort zu neuer Initiative Erasmus+ European Innovative Teaching Award 2022 Max-Eyth-Schule in der Kategorie „berufliche Schulen“ ausgezeichnet Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ gewählt Mitwirkungsmöglichkeit inzwischen gut etabliert Erasmus+-Antragsrunde 2022 Erfreuliche Entwicklung Hinweise zur Antragstellung Leitaktion 2: Einreichung von „Mandaten“ Weitere Bildungsthemen Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal Neue europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021 - 2030 Erstes Jahr der Umsetzung und Aussichten auf 2023 „Für Ihre Fachkräfte von morgen“ Medienkampagne wirbt für Auslandsaufenthalte während der Ausbildung Infosplitter Termine 22 24 26 28 29 30 30 32 33 34 36 4 5 Bildung Für Europa | Dezember 2022 „Gleichzeitig ist Digitalisierung nicht nur von oben gemacht und alternativlos, daher ist auch Lernen für die Digitalisierung wichtig.“ 19 Industrie 4.0 in der Ausbildung 10 Digitaler Reifegrad lernender Organisationen 20 Lernangebot für Lehrende und Lernende zur KI 16 Preisträgerprojekt in der Erwachsenenbildung 22 EPALE nutzen, aber wie? 33 Kampagne: Ausbildung international gestalten 28 Erasmus+- Nutzerbeirat bis 2024 Mit der Unterstützung von Erasmus+ und AusbildungWeltweit werden Auslandsaufenthalte möglich. Machen Sie Ihre Ausbildung attraktiv und profitieren Sie von Fördergeldern. www.na-bibb.de/erasmus-ausbildung www.ausbildung-weltweit.de Design: blueberry-starnberg.de | © SydaProductions/AdobeStock & camille-brodard/Unsplash Ausbildung international gestalten Für die Fachkräfte von morgen 6 7 Digitalisierung – ein Schwerpunkt in Erasmus+ Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung © B lu e Pl an et S tu di o/ A do be St oc k 6 7 Bildung Für Europa | Dezember 2022 it dem Ziel, einen digitalen Binnenmarkt und einen euro- päischen Bildungsraum zu schaffen, treibt die Europäische Kommission das Thema Digitalisierung bereits seit Jahren voran. Hier geht es vor allem darum, die europäischen Bür- gerinnen und Bürger sowie die Unternehmen und ihre Ar- beitskräfte für den digitalen Wandel fit zu machen. Der Aus- und Weiterbildung kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie muss die digitalen Kompetenzen von Arbeitskräften in Unter- nehmen und Lernenden in Bildungsinstitutionen sowie deren Lehr- personal fördern und stetig ausbauen. Gleichzeitig hat der rasante technologische Wandel große Auswirkungen auf verschiedene Be- rufsfelder, die Arbeitswelt und die Gesellschaft. Gefordert ist daher nicht nur das Individuum, sondern auch Bildungseinrichtungen und die Lehre in Theorie und Praxis müssen sich mit dem digitalen Wan- del auseinandersetzen. Digitale Bildung als Programmziel von Erasmus+ Das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ nimmt hier als bil- dungspolitisches Instrument der Europäischen Kommission eine wichtige Funktion ein. Es bietet Bildungseinrichtungen unterschied- licher Sektoren sowie Unternehmen viele Möglichkeiten, durch in- ternationale Zusammenarbeit die Digitalisierung voranzutreiben. Erasmus+ ist Teil der Digitalisierungsstrategie auf europäischer und nationaler Ebene und unterstützt die Umsetzung der politischen Ziele in die Praxis. Daher wird der digitalen Bildung sowohl in der Leitaktion Mobilität (Leitaktion 1) als auch in der Leitaktion Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2) im Pro- gramm Erasmus+ eine große Bedeutung beigemessen. Dies drückt sich auch aus in der horizontalen Priorität zur „Bewältigung des digitalen Wandels“, die alle Bildungsbereiche umfasst. Großer Digitalisierungsschub durch Corona In der Berufs- und Erwachsenenbildung haben geförderte Insti- tutionen bereits vor Corona den Schwerpunkt Digitalisierung ge- wählt. Durch die Pandemie und ihre weitreichenden Auswirkungen hat das Thema allerdings einen weiteren großen Schub erhalten. So hat sich beispielsweise die Zahl der Partnerschaften in der Er- wachsenenbildung, die im Bereich Digitalisierung arbeiten, von 2019 auf 2020 etwa verdoppelt und ist 2021 noch einmal deut- lich gestiegen. Auch bei den Partnerschaften in der Berufsbildung ist dieser Trend klar ersichtlich – nicht zuletzt befördert durch die zusätzliche Antragsrunde im Jahr 2020 zum Thema Digitalisierung. Ebenso hat das Thema für berufsbildende Einrichtungen, die mit Erasmus+ transnationale Mobilitäten für Auszubildende und Per- sonal durchführen, stark an Bedeutung gewonnen. Hier geht es um den Einsatz von digitalen Tools zur Organisation und Durch- führung von beruflichen Auslandsaufenthalten ebenso wie um die fachliche Weiterbildung des Personals, das wie die Auszubildenden für die Herausforderungen des digitalen Wandels fit gemacht wer- den muss. Dabei zeigt sich, dass der digitale Wandel mit all seinen Herausfor- derungen und auch Chancen inhaltlich auf sehr vielfältige Art und Weise von Erasmus+-Projektträgern in der Erwachsenen- und Be- rufsbildung bearbeitet wird. In den Projekten stehen insbesondere folgende Fragen im Mittelpunkt: Was bedeutet die Digitalisierung für das Lehren und Lernen in der Zukunft? Wie werden digitale Instrumente und Lernmedien genutzt? Welche Rolle übernehmen Bildungspersonal und Lernende? Welche Medienkompetenzen sind notwendig? Wie kann die digitale Transformation von Einrichtungen gelin- gen? In der Erwachsenenbildung werden sowohl im Bereich der Mobi- lität wie auch bei den Partnerschaften ganz unterschiedliche Pro- jekte zum Thema Digitalisierung durchgeführt. Wenn man trotz vorhandener Überschneidungen eine Kategorisierung versucht, ergibt sich grob folgende Einteilung: Projekte, die digitale Anwendungs-Tools für verschiedene Ziel- gruppen entwickeln. Oftmals ist damit die Inklusion von bildungs- benachteiligten Gruppen verbunden, die u.a. Personen mit Grund- bildungsbedarf, ältere Menschen, Migrantinnen und Migranten, Personen in ländlichen Gebieten sowie Menschen mit Behinde- rungen umfassen. Zudem werden bei diesen Instrumenten gele- gentlich Ansätze von Gamification verwendet, d.h. spieltypische Elemente werden in neuen Zusammenhängen eingesetzt. Bisher noch eher selten vertreten ist bei diesen Tools der Einsatz von virtu- ellen Realitäten und von künstlicher Intelligenz. Projekte, die sich mit der Professionalisierung und mit digita- len Kompetenzen für Lehrkräfte und anderes Bildungspersonal Überblick über die Projektlage in der Berufs- und Erwachsenenbildung M Digitale Transformation Digitalisierung in der Erwachsenenbildung 8 9Digitale Transformation beschäftigen. Im Fokus stehen hier verschiedene Themenfelder, wie z.B. der Fremdsprachenerwerb, die Kulturbranche, das Unter- nehmertum oder die Freiwilligenarbeit. Manchmal werden dabei vorhandene Kompetenzrahmen im Bereich Digitalisierung genutzt und weiterentwickelt. Insbesondere in den Projekten der Mobilität stehen die Fortbildung der Mitarbeitenden einer Einrichtung hin- sichtlich technischer und didaktischer Fähigkeiten sowie der Einsatz digitaler Lehr- und Lernmaterialien im Fokus. Projekte, die im Bereich von kritischer Medienkompetenz und Medienbildung arbeiten. Hier stehen dann beispielsweise die Sensi- bilisierung für Fake News oder der Umgang mit sogenannter Hate Speech, d.h. mit Aggression und Anfeindung in sozialen Netzwer- ken im Vordergrund. Ziel ist bei diesen Projekten oftmals, eine ak- tive Bürgerschaft und die Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern. Projekte, die sich mit der Wirkung von Digitalisierung auf die Ge- sellschaft und Einzelpersonen befassen sowie mit ethi- schen Überlegungen. Dabei werden in einigen Projekten gesel lschaft l iche Teilstrukturen an- gesprochen, z.B. wie sich das di- gitale Lernen auf das Zusammenle- ben in der Familie auswirkt. Oder es werden die Auswir- kungen des digitalen Lernens und Distanz- lernens auf die emoti- onale Befindlichkeit von Lehrenden und Lernenden untersucht. In den Partnerschaftsprojekten der Berufsbildung kommt die ganze Vielfalt des Digitalisierungsthemas zum Ausdruck. Exemplarisch für diese Bandbreite kann man wie folgt kategorisieren. Die Digitalisierung der Arbeitswelt erfordert von allen Erwerbstä- tigen künftig verstärkte IT-Qualifikationen. Daher liegt ein Schwer- punkt bei Projekten, die zukünftige Qualifikationsanforderungen einzelner Berufe bzw. Branchen durch diese transversalen Techno- logien antizipieren (u.a. in Gesundheit, Logistik, Bau, Mode, Che- mie, Malerei, Floristik, Landwirtschaft). Ein anderer Fokus sind Projekte, die sich mit immersiven Medien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und neuen Tech- nologien wie Künstliche Intelligenz (KI) Robotik, Simulation und 3D-Druck mit Schwerpunkt auf den Lernorten Schule (z.B. hand- lungsorientierte Medienkompetenz für pädagogische Fachkräfte, Escape Rooms, Maker Spaces) und Betrieb (z.B. Produktionsorien- tiertes Lernen mit Lehrfabriken, Industrie 4.0, Digitale Methoden, Toolboxen und Trainings) beschäftigen. Auch die Entwicklung digi- taler Kompetenz mittels der Europäischen digitalen Kompetenzrah- men (bDigCompEdu, bDigCompOrg) in der Berufsbildung auf individueller und organisationaler Ebene (digitale Transformation) fällt in diese Kategorie: Daneben gibt es einige Projekte im Zusammenhang mit Inklusi- on, die virtuelle Realität für Sehbehinderte nutzen, erweiterte Re- alitäts-Technologien zur Steigerung literarischer und sozialer Emo- tionsfähigkeiten bei Lernenden mit Autismus Störungen erproben und sich mit inklusiver Führung im digitalen Zeitalter beschäftigen. Einzelne Projekte befassen sich mit den Randbedingungen des Digitalen, z.B. rechtlichen, ethischen, psycho-sozialen und men- talen Aspekten wie Cybersicherheit, Wohlbefinden und Stressprä- vention bei digitaler Arbeit im Home Office. Einrichtungen, die im Rahmen der Leitaktion 1 Fördergelder erhal- ten, um internationale Mobilitäten für Lernende und Personal in der Berufsbildung durchzuführen, beschäftigt der digitale Wandel ebenfalls auf verschiedene Arten. Mobilitätsprojekte, die sich die- sem Schwerpunkt widmen, verfolgen dabei sehr unterschiedliche Ziele, es entsteht aber häufig ein hoher Mehrwert für alle Beteiligten und die entsendende Institution: Zunehmend werden in Mobilitätsprojekten digitale Tools ein- gesetzt und erprobt oder sogar neu entwickelt, um den adminis- trativen Aufwand bei Organisation, Durchführung und Nachberei- tung von Auslandsaufenthalten zu verringern. Dabei können solche Tools Organisations- und Kommunikationswege verkleinern und zudem die digitalen Kompetenzen derjenigen stärken, die diese anwenden. Deutlich wurde in der jüngeren Vergangenheit der hohe Bedarf an der Förderung der digitalen Kompetenzen des schulischen und betrieblichen Lehrpersonals. Der Fokus liegt auf der Entwicklung neuer technischer und didaktischer Fähigkeiten und, wie auch in der Erwachsenenbildung, auf dem Einsatz von digitalen Tools in Ausbildung und Unterricht. Überwiegend nutzt das Personal dazu die Möglichkeit, an Fachkursen im Ausland teilzunehmen oder bei einer europäischen Partnereinrichtung im Unterricht zu hospitieren. Insgesamt zeigt sich, dass sowohl die Kompetenzerweiterung des Personals als auch der Einsatz digitaler Tools dazu beiträgt, die Organisationsentwicklung der geförderten Einrichtungen vor- anzutreiben. Nicht selten werden erfolgreiche Ergebnisse, die im Rahmen der Mobilität entstanden sind, auf ganze Organisations- bereiche oder Abteilungen übertragen. Neues technisches und didaktisches Wissen kommt dann im Unterricht zum Einsatz oder digitale Tools, die während der Mobilität erprobt wurden, werden flächendeckend eingesetzt. Es hat sich auch gezeigt, dass Blended Mobilities zwar noch nicht in großem Ausmaß, aber erfolgreich durchgeführt werden. So reduzieren zum Beispiel virtuelle Betriebsbesichtigungen oder die gemeinsame virtuelle Arbeit an einer Projektaufgabe vor dem eigentlichen Auslandsaufenthalt erste Hemmschwellen. © A nd re y Po po v/ A do be St oc k Digitalisierung in der Berufsbildung https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcompedu_en https://joint-research-centre.ec.europa.eu/european-framework-digitally-competent-educational-organisations-digcomporg/digcomporg-framework_en 8 9 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Erfreulich sind auch die in- zwischen zahlreich vorhan- denen Beispiele, in denen die jahrelange Zusammenar- beit im Rahmen von Mobili- tätsprojekten dazu geführt hat, neue digitale Ideen zu entwickeln. Dazu gehören nicht nur virtuelle Aus- tauschprojekte für Lernende, sondern zum Beispiel auch die Entwicklung digitaler Ausbildungsmodule oder die Erprobung einer ge- meinsamen Software zur Steuerung von Produktionsanla- gen im Bereich Industrie 4.0. Wie unterstützt die Nationale Agentur das Thema und die Projekte? Die Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung bleiben viel- fältig und gleichzeitig entwickeln sich die digitalen Technologien rasant weiter – sowohl national wie auch europäisch und interna- tional. Dadurch ergeben sich ständig neue Anknüpfungspunkte für Projekte in Erasmus+ und auch die Möglichkeit, von anderen Län- dern zu lernen und gemeinsam etwas Neues zu entwickeln. Die Nationale Agentur hat seit Ende 2021 eine teamübergreifende Arbeits- gruppe zu digitaler Bildung etabliert, die das vorhan- dene Wissen bün- delt und als Ziel verfolgt, Antragsteller und Projekte zum Thema Digitalisierung zu unterstüt- zen und Projektergebnisse zu vernetzen. Eine neu strukturierte Themenseite „Digitale Bildung“ auf der NA-Website zeigt, auf welche Weise Digitalisierung in Mobilitätsprojekten und Part- nerschaften aufgegriffen werden kann und welche Initiativen auf europäischer und nationaler Ebene relevant sind. Zudem findet man auf der Themenseite die neuesten Good Practice-Beispiele aus der Berufs- und Erwachsenenbildung sowie einen Film mit Experten- stimmen. Ein Blick lohnt sich! INFO www.na-bibb.de/themen/digitale-bildung MICHAEL MARQUART Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung“ marquart@bibb.de DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Koo- peration in der Berufsbildung, Europass“ dunkel@bibb.de © N A b ei m B IB B © G or od en ko ff /A do be St oc k FRIEDERIKE WIETHÖLTER Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Interna- tionalisierung der Berufsbildung“ wiethoelter@bibb.de 10 11 in digital lernenden Organisationen. In drei Schritten zu mehr Digitalisierung Strategisches Veränderungsmanagement © M et am or w or ks /A do be St oc k 10 11 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation D igitaler Reifegrad einer lernenden Or- ganisation: Die zunehmende Durch- dringung vielfältiger Lebensbereiche durch digitale Medien und Technolo- gien führt zu tiefgreifenden Verände- rungen für das Lernen und Arbeiten und berührt die Veränderungen ler- nender Organisationen im Kern. Or- ganisationen stehen vor der Heraus- forderung, den daraus erwachsenden Aufgaben mit passenden Maßnahmen der Technologie- (TE), Personal- (PE) und Organisationsentwicklung (OE) zu begegnen. Dabei geht es nicht nur darum, über kurz oder lang Digitalität in der Aus- und Wei- terbildungspraxis einer Organisation zu verankern. Ziel ist es vielmehr, den weit- reichenden Veränderungen durch die digi- tale Transformation auf der Makro- bis hin zur Mikro-Ebene der Organisation adäquat begegnen zu können. Den inhaltlichen Bezugspunkt für entsprechende TE-Maß- nahmen stellen Ansätze mit Fokus auf In- formationssysteme. PE-Maßnahmen finden ihre Verankerung in Medienkompetenzmo- dellen. Ein vergleichbarer Bezugspunkt für OE-Maßnahmen in digital lernenden Organisationen bieten Reifegradmodelle (Maturity Models). Das Konstrukt der ‚digitalen Reife‘ be- schreibt den Status quo der digitalen Transformation einer lernenden Orga- nisation. Die Reifegrade entsprechen den verschiedenen Reifestufen, die den Leistungsstand bzw. Veränderungspro- zess einer Organisation abbilden. Häufig besitzen Reifegradmodelle fünf Reifegra- de, die jeweils auf den Anforderungen der vorhergehenden Stufe aufbauen. Je höher der Reifegrad ist, desto weiter ist der Veränderungsprozess vorangeschrit- ten. Der Nutzen von Reifegradmodellen besteht darin, dass eine objektive Be- wertung eines Veränderungsprozesses der Organisation erfolgt, durch die die Abweichung zwischen der aktuellen und der angestrebten Performanz identifiziert werden kann. Mit Reifegradmodellen steht ein Werk- zeug zur Verfügung, das beim Abwägen verschiedener Zielsetzungen und bei der Entscheidungsfindung unter Berücksich- tigung der organisationalen Gegebenhei- ten hilft. Reifegradmodelle sind deshalb als eine Kombination von Modell und Methode zu sehen: Einerseits beschreiben sie den Status einer lernenden Organisa- tion in Form des Reifegrads; andererseits zeigen sie Aktivitäten auf, die für das Er- reichen der nächsten Stufe durchgeführt werden müssen. Diese Aktivitäten lassen sich durch strategisches Veränderungs- management implementieren. Strategisches Veränderungsmanage- ment Ziel des strategischen Veränderungsma- nagements ist, Systeme, Prozesse, Mecha- nismen und Stakeholder einer lernenden Abbildung: Vom Readiness Assessment zur Strategie der Implementierung 12 13Digitale Transformation PROF. DR. DIRK IFENTHALER Inhaber des Lehrstuhls für Wirt- schaftspädagogik - Technologie- basiertes Instruktionsdesign an der Universität Mannheim und des UNESCO Deputy Chair on Data Science in Higher Education Learning and Teaching an der Curtin University Organisation zielgerichtet zu koordinieren, um einen Lern- und Veränderungsprozess aktiv steuern zu können. Der Prozess des strategischen Veränderungsmanagements zeigt sich durch eine konzeptuelle, aber auch durch eine pragmatische Struktur, wobei Mitarbeitende, Inhalte, Richtlinien, Technologien sowie Strukturen integriert werden. Das strategische Veränderungsma- nagement porträtiert den Verlauf der Maß- nahmen möglichst in Echtzeit und deckt da- bei bisher unentdeckte interne und externe Kräfte, Probleme sowie Potenziale auf. Der Prozess an sich bedarf einer Struktur, die den Rahmen der Umsetzung bietet. Prozesse des strategischen Veränderungs- managements sollen beim Vorbereiten und Planen der intendierten Veränderung helfen, dürfen sich aber nicht aus dieser Rolle entfernen. Während des Entwerfens von Prozessen des strategischen Verände- rungsmanagements steht die Strukturiert- heit und gleichzeitig die flexibel angepass- te und multidimensionale Entwicklung der intendierten Veränderung im Vordergrund. Die Durchführung des strategischen Verän- derungsmanagements vollzieht sich in drei Schritten (siehe Abb. auf S. 11): 1. Planung einer Veränderungsstra- tegie Im ersten Schritt werden Instrumente zur eingehenden Überprüfung der vorhan- denen digitalen Praktiken, Verfahren und Fähigkeiten identifiziert. Die Veränderungs- strategie verlangt Entscheidungen darüber, welche Vorteile und spezifischen Merkmale von Digitalität einbezogen werden sollen und welche Infrastruktur für eine erfolgrei- che Implementierung erforderlich ist. 2. Durchführung einer eingehenden Bewertung Die eingehende Bewertung (Readiness As- sessment) erfordert belastbare Daten der Organisation, welche mittels standardisier- ter Instrumente gewonnen werden. Daten für die eingehende Bewertung werden auf organisatorischer Ebene (z.B. bestehen- de Richtlinien, Datenschutzbestimmun- gen), mit einem besonderen Schwerpunkt auf erforderliche Technologien (z.B. Data Warehouse, Systemintegration) und in Be- zug auf die Fähigkeiten, die Mitarbeitende der Organisation besitzen (z.B. Bildungsda- tenkompetenz, Digital und Data Literacy), durchgeführt. 3. Umsetzung der Strategie Basierend auf den Ergebnissen der einge- henden Bewertung deckt die resultieren- de Umsetzungsstrategie alle Bereiche der Veränderung ab. Überdies soll die schritt- weise Implementierung von Digitalität im Hinblick auf vordefinierte und messbare Key Performance Indicators (KPIs) über- wacht und bewertet werden. Entsprechend kann die Kapitalrendi- te (Return on Investment), definiert als die erwarteten Gewinne (Renditen) pro Kosteneinheit (Investition) einer Vielzahl potenzieller Maßnahmen, kalkuliert und transparent gemacht werden. Die Kapi- talrendite kann nicht nur als monetäre Rendite, sondern auch als Bindung von Mitarbeitenden an die Organisation, als Verbesserung der Zufriedenheit von Mit- arbeitenden oder als Optimierung von in- ternen Prozessen abgeleitet werden. Ausblick Digitale Transformationsprozesse beein- flussen unsere Gesellschaft nachhaltig und damit verbunden die Veränderung digital lernender Organisationen. Diese Veränderungsprozesse erwarten lebens- langes Lernen aller Stakeholder. Folglich erfordert der Prozess des strategischen Veränderungsmanagements einer digital lernenden Organisation eine längerfristi- ge Entwicklungs-, Implementierungs- und Evaluationsstrategie. Literatur Anderson, D., & Ackerman-Anderson, L. (2001). Beyond change management: Ad- vanced strategies for today's transforma- tional leaders. The Practicing organization development series. Jossey-Bass/Pfeiffer. Chanias, S. & Hess, T. (2016). How digital are we? Maturity models for the assess- ment of a company’s status in the digital transformation. Management Report, 2, 1–14. Zugriff Egloffstein, M., Heilig, T., & Ifenthaler, D. (2019). Entwicklung eines Reifegradmo- dells der Digitalisierung für Bildungsorgani- sationen. In E. Wittmann, D. Frommberger, & U. Weyland (Eds.), Jahrbuch der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung 2019 (pp. 31–44). Verlag Barbara Budrich. Gerholz, K.-H., Dormann, M. (2017). Aus- bildung 4.0: Didaktische Gestaltung der betrieblich-beruflichen Ausbildung in Zei- ten der digitalen Transformation. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online 32, 1-22. Gibson, D. C., Huband, S., Ifenthaler, D., & Parkin, E. (2018). Return on investment in higher education retention: Systematic focus on actionable information from data analytics ascilite Conference, Geelong, VIC, Australia, 25-11-2018. Ifenthaler, D. (2020). Change management for learning analytics. In N. Pinkwart & S. Liu (Eds.), Artificial intelligence supported educational technologies (pp. 261–272). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3- 030-41099-5_15 Ifenthaler, D., & Egloffstein, M. (2020). De- velopment and implementation of a maturity model of digital transformation. TechTrends, 64, 302–309. https://doi.org/10.1007/ s11528-019-00457-4 INFO dirk@ifenthaler.info © p riv at https://doi.org/10.1007/978-3-030-41099-5_15 https://doi.org/10.1007/978-3-030-41099-5_15 https://doi.org/10.1007/s11528-019-00457-4 https://doi.org/10.1007/s11528-019-00457-4 12 13 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Lehr- und Lernszenarien ermögli- chen dem Bildungspersonal die lern- haltige Einbindung von Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und 3D-Druck in die praktische Ausbildung und unterstützen den Wandel hin zum lernerzentrierten Lernen. Das Erasmus+-Projekt DIGI4VET liefert Beispiele für die Umsetzung der neuen bStandardberufsbildposition „Digitalisierte Arbeitswelt“ im Handwerk und im Handel sowie für die Wahlqualifikation „Digitalisie- rung und vernetzte Produktion“ in der Che- mie. Die entwickelten Lehr- und Lernsze- narien beinhalten einfache Anwendungen ohne Programmierung, wie das AR-ge- stützte Echtzeittraining, bei dem Experten mit audiovisuellen Anweisungen Auszubil- dende anleiten (sogenanntes „Remote Trai- ning“ mit Microsoft-App). Zur Anwendung kommen in der Floristik interaktive AR-Vi- sualisierungen für die Raumdekoration und der Pflanzenpflege, damit Lernende u. a. selbstständig Änderungen der Temperatur, von Licht und Feuchtigkeit vornehmen. Damit ist die Änderung entsprechender Parameter direkt erfahrbar und es werden vorausschauend mögliche Fehler verhin- dert. Im Malerhandwerk steht der Einsatz von VR zur Übung der Vorbereitung und Beschichtung einer Wand im Mittelpunkt. Lernhaltigkeit und didaktischer Mehr- wert als Richtschnur In drei Online-Schulungsprogrammen ste- hen u.a. folgende Fragen im Mittelpunkt: bChemie: Welche AR-Brille ist die Richtige unter Einhaltung der Arbeits- sicherheit (inklusive Beachtung des Explosionsschutzes bzw. sogenannter EX-Zonen)? Welche Kommunikations- und Kollaborationsform ist in einer Che- mieanlage sinnvoll? bMalerhandwerk: Wo kann man VR in der Ausbildung und im Marketing von Malerunternehmen sinnvoll anwenden? bFloristik: Wo eignen sich AR und 3D-Druck in der praktischen Ausbil- dung? Ein Best-Practice-Guide bündelt die lernhal- tige Integration immersiver und additiver Technologien in praktische Ausbildungsum- gebungen und gibt Ausblicke zum Einsatz von AR, VR und 3D-Druck in der praktischen beruflichen Ausbildung in Industrie und Handwerk. Stakeholder sind vom Potenzial überzeugt „Der Einsatz von Virtual Reality in der Ma- lerausbildung macht Sinn, gerade da, wo man es nicht erwartet. … Die Auszubilden- den sind dadurch besser bei der Sache. Sie sind motivierter und können sich das in VR Erlernte besser merken“, resümiert Miete Matheussen, Ausbilderin in der Malerschule in Mol, Belgien. Und Jochen Seibold, Aus- bilder im Chemiebereich, fasst die Vorteile so zusammen: „Die Auszubildenden müs- sen zum Erwerb berufspraktischer Fähigkei- ten beim Fahren einer Chemieanlage unter- stützt werden. Der Einsatz von Datenbrillen in unserem Chemietechnikum (EX-Schutz frei) ermöglicht dies technisch und pädago- gisch, u. a. durch eine verbesserte Kommu- nikation und Kollaboration unter den Aus- zubildenden." Good Practice: Digi4VET Immersive Medien in der beruflichen Bildung © S BG D re sd en PROJEKTINFO Projekttitel: Qualification needs for VET trainers and teachers for coping with industry 4.0, craftmanship 4.0 and trade 4.0 Projektnummer: 2018-1-DE02-KA202-005157 Laufzeit: 2018 - 2021 Beteiligte Länder: DE, NL, BE, UK, CY Koordination: Sächsische Bildungsgesellschaft für Um- weltschutz und Chemieberufe Dresden mbH Kontakt: Jens Hofmann j.hofmann@sbgdd.de Website: www.digi4vet.com E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2018-1-DE02- KA202-005157 http://www.bibb.de/de/139365.php http://www.bibb.de/de/139365.php https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DyLM3d8-uqJc https://www.youtube.com/supported_https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DyLM3d8-uqJcbrowsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D3YVQnmOlD8E https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Ft%3D21&v=AckSkSksbeM&feature=youtu.be https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005157 14 15Digitale Transformation er digitale Wandel ist in vollem Gange. Dieser Transformationsprozess hat Auswir- kungen auf die Arbeits- und Berufswelt und damit auch auf die Berufsbildung. Lan- ge Zeit war VR-Hardware teuer und nicht intuitiv zu nutzen. Dies hat sich geändert. XR-Technologien wie 360-Grad-Videos auf YouTube, AR-Filter auf Snapchat sowie selbst gebaute VR-Geräte wie Google Card- board ermöglichen eine niederschwellige Nutzung im Beruflichem und im Privatem. Das steigende Interesse an AR und VR in der Aus- und Weiterbildung verdeutlicht eine Befragung von 2022 unter 600 Unter- nehmen. Von diesen nutzen nach eigenen Angaben 76 Prozent VR und 57 Prozent AR für die Qualifizierung von Mitarbeitenden (BITKOM, 2022). Immersive Medien In der AR (Augmented Reality) werden virtuelle Informationen und Objekte der realen Welt überlagert. Diese Erfahrung bereichert die reale Welt mit digitalen De- tails wie Bildern, Text und Animationen, auf die mittels AR-Brille oder über Bild- schirme, Tablets und Smartphones zuge- griffen wird. VR (Virtual Reality) lässt Nutzer voll- ständig in eine simulierte, digital ge- nerierte Umgebung eintauchen. Ein VR-Headset oder ein am Kopf befestigtes Display sorgt für eine 360-Grad-Ansicht einer künstlichen Welt. XR (Extended Reality) ist ein Sammel- begriff für verschiedene Formen von AR und VR, um Erlebnisse insbesondere visuell, haptisch und akustisch wahrzunehmen. Handeln und Erfahren in der erwei- terten Realität Immersive Medien eröffnen neue inno- vative Qualifizierungsansätze und zeigen Handlungs- und Modernisierungsbedarf auf, indem sie flexibel digitale Medien zum integrierten Lern- und Arbeitsmittel ma- chen. Hier sind offene Bildungsmaterialien (OER) von Bedeutung. Diese Flexibilität bie- tet Möglichkeiten für die Entwicklung neu- er didaktischer Konzepte, pädagogischer Herangehensweisen und die Motivation der Zielgruppe junge Lernende. In der Ausbildung kann XR hyperrealis- tische Trainingswerkzeuge anbieten, um Pilotinnen und Piloten, Chemikerinnen und Chemiker oder auch medizinisches Fachpersonal dabei zu unterstützen, kol- laborativ Problemlösungen zu finden. Be- gleitendes Lernen ist durch audiovisuelle Unterstützung in Echtzeit und ohne Pro- grammieraufwand (Remote Training) z. B. für Wartungsprozesse in Anlagen möglich. Das Eintauchen bzw. die Immersion um- fasst derzeit verstärkt visuelle und audi- tive Elemente. Die Simulation von Haptik und Gerüchen wird kurz- bzw. mittelfristig möglich sein. Für das didaktische Design gilt es bei VR-Lernumgebungen zu beach- ten, dass sie den realen Gegenstand und die soziale Interaktion in der beruflichen Handlung nicht gänzlich ersetzen können. Der Fokus sollte hierbei auf der Förderung von Kommunikation und Kollaboration so- wie der Vermittlung von Handlungsabläu- fen liegen, die real z. B. zu teuer oder zu gefährlich sind. Im Handwerk hat der Einsatz von AR und VR auch Potenzial. So können in einem VR- basierten Vorabtraining nicht kodifizierte Prozesse geübt werden. Im Malerhandwerk ist es möglich, verschiedene Untergründe zu simulieren sowie die Anbringung teurer Tapeten an diese virtuellen Untergründe zu trainieren. Hierfür können neben der VR-Brille auch sogenannte „haptic gloves“ zur Anwendung kommen. Damit sind rea- litätsnähere haptische VR-Erlebnisse mög- lich. Die derzeitige Entwicklung geht dahin, dass 3D-Inhalte einfach z. B. mittels eines Smartphone-Scans eines realen Objekts er- zeugt werden. Dies ermöglicht die Einbin- dung einer Vielzahl dieser 3D-Objekte bzw. von digitalen Twins in AR- und VR-Umge- bungen. Erasmus+ unterstützt digitalen Wandel Bedarfe für immersive Medien in der Aus- und Weiterbildung können durch branchen- und länderübergreifende Schu- lungen des Bildungspersonals gedeckt wer- den. Erasmus+ fördert den Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Lern- aktivitäten und Erprobung von Lehrinhal- ten digitaler Kompetenz und den Einsatz immersiver Medien in der Berufsbildung. Europäische Kooperationsprojekte kön- nen einen wichtigen Beitrag zum Transfer guter Praxis und des Gelingens der digitalen Transformation leisten, wie exemplarisch die Projekte Digi4VET (s. S. 13) und DigiCon (s. S. 15) zeigen. INFO Presseinformation der BITKOM "Unterneh- men nutzen VR oder AR vor allem für die Weiterbildung" vom 29.08.2022 Potenziale immersiver Medien (XR) in der Berufsbildung D DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB dunkel@bibb.de JENS HOFMANN Leiter Digitalisierungsprojekte, SBG Dresden Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung 14 15 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Das Projekt DigiCon greift die aktu- ellen Herausforderungen „Digitales Bauen” und „Baustelle 4.0” für die Bauwirtschaft auf. Baufachkräfte müs- sen mit digitalen Technologien und Anwendungen umgehen können – von digitaler Kommunikation über das Handling mobiler Endgeräte bis hin zur Robotik am Bau. Die Bedeutung des digitalen und zugleich kli- maneutralen Bauens – auch beim Sanieren in Gebäuden und Quartieren – wächst ständig. Zukunftsweisende, tragfähige und umsetz- bare Digitalisierungsstrategien sind für die Un- ternehmen der Bauwirtschaft elementar, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die digitalen Kompetenzen Auszubilden- der und des Bildungspersonals zu verbessern. DigiCon beantwortet u.a. folgende Fragen: Welche einzelnen Arbeitsprozessab- schnitte können in der Ausbildung digital vermittelt werden und wie? Welche Unterprozesse gehören zu diesen Prozessen und an welcher Stelle können diese durch digitale Werkzeuge unter- stützt werden? Reicht die Digitalisierung als Hoffnungs- träger der Innovationsexzellenz der Be- rufsbildung aus, um die Fachkräfte zu sichern? Handlungsszenarien für unterschied- liche Bildungssysteme Ziel war es, die unterschiedlichen Erfah- rungen hinsichtlich des Digitalisierungsfort- schritts und der Nutzung von digitalen Tools in der didaktischen Arbeit in den beteiligten Ländern aufzunehmen und die Modernisie- rungspotenziale sichtbar zu machen. Dazu wurden zunächst die Ausbildungsumge- bungen je Land und die typischen Szenari- en entlang der Handlungsprozesse auf der Baustelle identifiziert und nach der Business Process Model Notation (BPMN) dokumen- tiert. Dabei wurden drei exemplarische Handlungsszenarien festgelegt: Herstellung einer Mauerwerkswand Herstellung eines Stahlbetonbalkens/ Stahlbetonträgers Herstellung eines Dachstuhls Für exemplarische Bauberufe entstanden darauf basierend Lernszenarien mit An- wendungsanleitungen als konkrete Umset- zungsschritte für eine sinnvolle, machbare und nachhaltige Gestaltung der Digitalisie- rung in unterschiedlichen Bildungssyste- men. In die Projektarbeit waren neben den Baufachleuten auch zuständige Behörden und Regulierungsstellen eingebunden. Verschiedene Anwendungen, u.a. Aug- mented Reality, Tools wie z.B. die digitale Bauakte zum digitalen Bauen für die Be- rufsschulen oder auch ein Leitfaden zum Capacity Building für Berufsbildungseinrich- tungen können zugleich von ausbildenden Betrieben genutzt werden. Für Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäfts- führer Bauindustrieverband Ost e. V. steht fest: „Durch digitale Lernbausteine und innovative Bildungskonzepte werden Bau- fachkräfte befähigt, sich den Herausforde- rungen des digitalen und nachhaltigen Bau- ens zu stellen.“ Good Practice: Digitales Bauen Einsatz neuer Technologien in der Baubranche Aus der Nerd-Ecke in die praktische Ausbildung © H al fp oi nt /A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: DigiCon – Digital Construction for Europe: Technologien auf der Baustelle von mor- gen in der Ausbildung von heute Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007604 Laufzeit: 2020 - 2022 Beteiligte Länder: DE, PL, BE Koordinator: BGZ Berliner Gesellschaft für internatio- nale Zusammenarbeit mbH Kontakt: Grazyna Wittgen wittgen@BGZ-Berlin.de Website: https://digicon-project.eu E+PRP: https://erasmus-plus.ec. europa.eu/projects/search/ details/2020-1-DE02-KA202-007604 mailto:wittgen%40BGZ-Berlin.de?subject= https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007604 16 17Digitale Transformation Der digitale Wan- del betrifft die ganze Gesellschaft und bringt neue Herausforderungen mit sich – in allen sozialen Rollen, in allen Alltagsfragen. Der Arbeitskreis deut- scher Bildungsstätten (AdB) hat sich darauf in der Erasmus+ Strategischen Partnerschaft DIGIT-AL konzentriert. Ein Gespräch mit Nils Zimmermann und Georg Pirker vom AdB. Warum haben Sie Ihr Projekt in der Erwachsenenbildung angesiedelt? Unter anderem, weil Erwachsene wählen gehen! Es geht darum, Perspektiven von Berufsbildung, politischer Bildung und le- benslangem Lernen integrativ zu denken, Kompetenzen aufzubauen und Fragen der Bearbeitung aufzuwerfen. Digitalisierung betrifft Demokratie und Menschenrechte grundlegend und so war es uns wichtig, Anforderungen, aber auch Chancen in Er- wachsenenbildung genauer in den Blick zu nehmen. Welche Anforderungen sind das? Viele Bildnerinnen und Bildner fühlen sich vom Thema gefordert oder überfordert: Es sei sehr komplex, technisch, immateriell – oder im Falle von Hate Speech und Fake News herausfordernd und negativ. In der Vermitt- lung und Bildung wird zudem stark auf Skills und Tools fokussiert – und auf Lernen unterstützt durch Digitalisierung. Das greift uns zu kurz. Und die Potenziale? Ein komplexes gesellschaftspolitisches The- ma wie die Digitalisierung systematisch von seiner gesellschaftlichen Wirkung her begreifen und es pädagogisch bearbeit- bar machen – damit hat politische Bildung ja viele Erfahrungen, etwa, wenn sie Klima- wandel, Wirtschaft, Gerechtigkeit themati- siert. Wir finden, dass in ähnlicher Weise das größere Bild hinter Plattformen, Tools und digitalen Playern angeschaut werden sollte: Lernen über die digitale Transformation. Gleichzeitig ist Digitalisierung nicht nur von oben gemacht und alternativlos, daher ist auch Lernen für die Digitalisierung wichtig. Welche Bedeutung hat aktive Bürger- schaft und kritisches Denken? Eine politische Bildung des Digitalen er- öffnet die Möglichkeit, das Lernen über, durch und für Digitalisierung miteinander zu verknüpfen. Allerorts wird von Politik verlangt, Menschen auf die Transformation vorzubereiten, damit sie nicht zu sozialen und politischen Verwerfungen führt. Wenn wir anerkennen, dass wir schon längst im „Neuland“ leben, in der Postdigitalität, wird klar, dass Bildung und Engagementpolitik Menschen besser unterstützen müssten, ihre Vision vom Demokratischen der Digita- lisierung erfolgreich einzubringen – Europa spielt hier eine maßgebliche Rolle. Sie haben im Projekt einige Materi- alien entwickelt. Wie nutzbar sind diese für andere? Wir haben uns bemüht, viele Perspektiven zu berücksichtigen und nutzbar für die Bildung- spraxis und Bildungspolitik in der Bandbreite der Erwachsenenbildung zu machen. Von Berufsbildung über Bibliotheken, Volks- hochschulen, Hochschulbildung und der Breite der außerschulischen Bildung benöti- gen wir einen solchen Austausch, denn zu- sammen erreichen wir ja Menschen in ihren ganz unterschiedlichen Lebenskontexten. Sie haben 2021 den Grundtvig-Award der European Association for the Education of Adults (EAEA) erhalten. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie? Erstmal ist das natürlich eine tolle Anerken- nung und Unterstützung. Die Vielfalt der Praktiken, Erfahrungen und auch Ansätze wären in einem rein national fokussierten Projekt kaum ergründbar gewesen – we- gen der unterschiedlichen Diskurse, Digital- politiken und Strukturen der Arbeitsfelder. Die Fragen stellte Michael Marquart, NA beim BIBB. PROJEKTINFO Projekttitel: DIGIT-AL – Digital Transformation and Ac- tive Citizenship in Adult Learning Projektnummer: 2019-1-DE02-KA204-006421 Laufzeit: 2019 - 2022 Koordinator: Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB) e.V. Partnerländer: BE, BG, EE, IT, LV, PT Kontakt: Nils Zimmermann zimmermann@adb.de Projektwebseite: https://www.dttools.eu Digitaler Wandel betrifft uns alle! Preisträgerprojekt fordert Lernen über, für und durch die Digitalisierung © A dB e .V . 16 17 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Das Institut für Internationale Kommu- nikation (IIK) in Düsseldorf bietet Fort- und Weiterbildungskurse für Studium und Beruf an. Die Schwerpunkte bil- den dabei Sprachkurse in Deutsch als Fremdsprache und anderen Fremdspra- chen sowie Fortbildungskurse für Lehr- kräfte Deutsch als Fremdsprache. Seit mehr als 20 Jahren nutzt das IIK europä- ische Programme wie Erasmus+, weil moder- ner Sprachenunterricht an Lehrkräfte hohe Anforderungen stellt und Fortbildungen ein zentraler Bestandteil der notwendigen perma- nenten Weiterqualifizierung sind. Der eigene Fortbildungsbereich profitiert außerdem von den Erfahrungen im Austausch mit anderen Fortbildungsträgern und die europäische Aus- richtung fördert den Perspektivenreichtum der Lehrkräfte. Digitale Medien im Unterricht Bereits seit den 90er Jahren setzt das IIK digi- tale Medien im Sprachunterricht ein. Der Fort- bildungsbereich vermittelt nicht nur in exter- nen Programmen, sondern auch intern neue Methoden des Sprachunterrichts unter Nut- zung von EduApps und Webanwendungen. „Mit dem Einbezug möglichst vieler Lehrkräf- te in Erasmus+ und sein Vorgängerprogramm wollten wir neue Anregungen für unseren Un- terricht und unsere Fortbildungsprogramme erhalten“, betont Rüdiger Riechert, Senior Consultant bei IIK. In dem Projekt wurde der Fokus auch auf die eigene Erstellung digitaler Unterrichtsmaterialien gelegt. Erreicht wurde neben dem Erwerb von neuen Fertigkeiten u. a. zur Gestaltung von Hörverstehensübungen auch eine hohe Motivation im Team. Auch die zu Hause gebliebenen Lehrkräfte haben letzt- endlich profitiert, denn die Teilnehmenden haben ihre neu erworbenen Fähigkeiten im Rahmen von internen Fortbildungen weiter- gegeben. Ergebnisse für die Praxis Bei einer Fortbildung in Portugal wurden tech- nische und didaktische Fähigkeiten zur Erstel- lung und Bearbeitung von Videos geschult. Durch die neu gewonnenen Kompetenzen konnten in der Unterrichtspraxis am IIK kleine- re Videoprojekte organisiert werden, die ein- fach mit Smartphones durchgeführt wurden. Außerdem wurden in Kursen Erklärvideos zu verschiedenen, selbst gewählten Themen eigenständig produziert. Diese sind über die Projektseite zugänglich. Die Fortbildung in Wien hatte durch den hohen Anteil an freiberuflichen Lehrkräften sowohl direkte unterrichtliche Wirkung als auch darüber hinaus weitere positive Effekte. Eva-Lisa Finzi aus der pädagogischen Leitung des IIK sagt dazu: „Die Fortbildung hat mir persönlich neue technische und didaktische Möglichkeiten z. B. in der Nutzung von H5P eröffnet, einem kostenlosen in Moodle inte- grierten Autorentool. Ich habe außerdem viel über österreichisches Deutsch erfahren, was Deutsch als eine plurizentrische Sprache cha- rakterisiert, und besonders beeindruckend war auch das Teambuilding als Folge dieser gemeinsamen Fortbildungserfahrung.“ Good Practice: Lehren und Lernen mit dem Netz Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften @ I IK PROJEKTINFO Projekttitel: Digitale Kompetenzentwicklung von Fremdsprachenlehrkräften - Lehren und Lernen mit dem Netz Projektnummer: 2019-1-DE02-KA104-005432 Laufzeit: 01.09.2019 - 31.10.2021 Beteiligte Länder: PT, AT Koordinator/Kontakt: Institut für Internationale Kommunikation e. V. Website: https://www.erasmus-plus-eu.de/ training-courses/ka1-projekt- 2019-2020-digitale- kompetenzentwicklung-von- fremdsprachenlehrkraeften- lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ https://www.erasmus-plus-eu.de/training-courses/ka1-projekt-2019-2020-digitale-kompetenzentwicklung-von-fremdsprachenlehrkraeften-lehren-und-lernen-mit-dem-netz/ 18 19Digitale Transformation Das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) zieht so langsam in die Fachdis- kussionen über zukünftige Arbeits- formen ein. Gleichzeitig ist das Thema aber häufig mit gewissen Vorbehalten oder gar Ängsten verbunden und hat noch nicht die breite Öffentlichkeit erreicht, sondern wird eher den Fach- leuten überlassen. Auch in der Er- wachsenenbildung spielt der Einsatz KI-gestützter Lernformen derzeit eine deutlich untergeordnete Rolle. Auf der anderen Seite gehen viele Menschen im täglichen Leben unbewusst, aber ganz selbstverständlich mit Systemen und Tools um, die auf künstlicher In- telligenz beruhen. Beispiele sind Chat- bots oder auch Sprachassistenten wie Alexa oder Siri. An dieser diffusen Gemengelage setzte die Strategische Partnerschaft „KI Curriculum – Künstliche Intelligenz in der Erwachse- nenbildung“ an und griff dieses innovative Thema auf. Die fünf Partnereinrichtungen aus vier europäischen Ländern setzten sich zum Ziel, einen niedrigschwelligen Grund- lagenkurs zum Thema KI zu entwickeln, an dem jede und jeder ohne Vorkenntnisse teilnehmen kann. Zudem mussten auch erst einmal die Trainerinnen und Trainer in den beteiligten Einrichtungen zu diesem Thema geschult werden. Umfangreiche Materialien zu KI entwickelt So entwickelten die Partner auf der einen Seite zwölf thematische Briefings, die sich aus fünf Grundlagenmodulen und sieben weiterführenden Modulen zusammen- setzen. Diese führen anschaulich in den Themenkomplex ein und zeigen die An- wendungsmöglichkeiten von KI in verschie- denen Bereichen auf – beispielsweise im Finanz- und Gesundheitsbereich. Auf der anderen Seite entstanden Trainings- und Begleitmaterialien für Lehrende in Form von einem Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur Durchführung von Online- und Offline-Ver- anstaltungen, einem ausführlichen Hand- buch und einem Toolkit. Abgerundet wird das Ergebnisportfolio des Projektes durch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen sowie durch Audio-Snippets, die basierend auf Interviews mit Expertinnen und Exper- ten weitere Informationen zu Themen- feldern und Anwendungsbereichen von KI geben. Um die Trainerinnen und Trainer best- möglich auf ihre Aufgaben vorzubereiten, wurden in jedem der beteiligten Länder Train-the-trainer-Workshops durchgeführt. Zudem organisierten die Projektpartner Ver- breitungsveranstaltungen, damit Einrich- tungen für das noch neue Thema sensibi- lisiert und weitere interessierte Trainerinnen und Trainer gewonnen werden. So sind durch das Projekt frei zugängliche Produkte entstanden, die nun von anderen Personen und Einrichtungen verwendet werden können, um auf dieser Basis eigene Trainings zu entwickeln. Außerdem können alle Interessierten ihr Wissen zum Thema KI erweitern und Vorurteile abbauen – auch ganz ohne Vorkenntnisse. Good Practice: Verstehen von künstlicher Intelligenz leicht gemacht Grundlagenkurs für die Erwachsenenbildung © N ic oE lN in o/ A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: AI Curriculum – Artificial Intelligence in Adult Education Projektnummer: 2020-1-DE02-KA204-007713 Laufzeit: 2020 - 2022 Beteiligte Länder: DE, IT, SI, CY Koordinator: Studio2B GmbH Kontakt: elise.vernay@studio2b.de Website: https://www.studio2b.de/aiae-en/ 18 19 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH aus Kempten im Allgäu nutzt bereits seit 2013 europäische Förderprogramme, um Auszubildenden Auslandsaufent- halte zur beruflichen Qualifizierung zu ermöglichen. So bietet das Unterneh- men unter anderem angehenden Indus- triemechanikerinnen und -mechanikern, Elektronikerinnen und Elektronikern, Technischen Produktdesignerinnen und -designern sowie Industriekaufleuten die Möglichkeit, einen mehrwöchigen Auslandsaufenthalt in Trondheim oder Fredrikstad in Norwegen zu verbringen. Dort absolvieren sie Einsätze in Betrie- ben und besuchen die Partnerschulen Strinda VGS und Glemmen VGS. Industrie 4.0 praxisnah in die Ausbil- dung integrieren Die intensive Zusammenarbeit mit der nor- wegischen Partnerschule führte auch beim verantwortlichen Ausbildungspersonal zu einem fruchtbaren fachlichen Austausch. Entstanden ist dabei bereits vor Jahren die Idee, gemeinsam eine Hebestation zu entwickeln, an der Auszubildenden unter- schiedlicher Fachrichtungen Industrie 4.0 praxisnah vermittelt werden kann. Die He- bestation ähnelt laut der Liebherr-Verzahn- technik GmbH einem Trainingsgerät im Fitnessstudio und kann „mit unterschied- lich schweren Gewichten belastet werden. Ihr Motor reagiert auf steigende Gewichte mit einer Erhöhung der Stromaufnahme, was wiederum direkt Rückschlüsse auf die Auslastung des Motors zulässt. […] In der Ausbildung können mit einer solchen Anlage die Antriebstechnik, Bustechnolo- gien wie Profinet, IO-Link-Komponenten, Messtechnik, Analogwertverarbeitung und RFID-Technologien vermittelt werden.“ Damit werden den Auszubildenden Tech- nologien vermittelt, die im zukünftigen Arbeitsalltag an Automationsanlagen der Liebherr-Verzahntechnik GmbH zum Ein- satz kommen. Ein Mehrwert ist auch, dass an der Hebestation Auszubildende und Stu- dierende verschiedener Fachrichtungen ler- nen, in interdisziplinären Teams Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Papierlose und modulare Ausbildung Die Hebestation ist ein fester Bestandteil der Ausbildung im Elektrobereich. Das gesamte Ausbildungskonzept hat das Un- ternehmen in den letzten 20 Jahren mo- dularisiert und jetzt auch digitalisiert. Die Hebestation dient als Basis für die Entwick- lung verschiedener Module, welche die Auszubildenden während ihrer Ausbildung bearbeiten müssen. Diese Module stehen vollkommen digital zur Verfügung und wer- den von den Auszubildenden auf Conver- tibles bearbeitet, die groß genug sind, um auf ihnen mit einem Stift zu arbeiten. Die Azubis bearbeiten diese selbstständig und je nach individuellem Entwicklungsstand. Neben gezielten Aufgabenstellungen und Leitfragen, enthalten sie auch unterstüt- zende Lernmaterialien zum Beispiel in Form von Fotos oder Videos. Die Module hat die Liebherr-Verzahntechnik GmbH alleine ent- wickelt, ohne Lehrmaterialien von externen Anbietern einzukaufen. Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH bietet so- mit eine qualitativ hochwertige Ausbildung an, die die Auszubildenden auf die Heraus- forderungen einer komplexen und digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Erfreulich ist, dass mit der Hebestation auch die internationale Zu- sammenarbeit mit der norwegischen Partner- schule in Trondheim einen Beitrag zu dieser innovativen Entwicklung geleistet hat. Good Practice: Liebherr-Verzahntechnik GmbH Ausbildung profitiert von Digitalisierung © M ax F rö hl ic h / Li eb he rr -V er za hn te ch ni k G m bH PROJEKTINFO Projekttitel: Qualifizierung im Ausland Laufzeit: 2013 - 2022 (verschiedene Projekte) Beteiligte Länder: DE, NO Koordinator: Liebherr-Verzahntechnik GmbH Kontakt: Matthias Fendt matthias.fendt@liebherr.com Website: www.liebherr.com/ausbildung- kempten http://www.liebherr.com/ausbildung-kempten http://www.liebherr.com/ausbildung-kempten 20 21 Digitale Technologien, die auf künst- licher Intelligenz (KI) oder maschi- nellem Lernen basieren, ermöglichen es einer Maschine, aussagekräftige Ergebnisse zu liefern, ohne ihr vorher ausdrücklich zu sagen, was sie tun soll. Infolgedessen können Aufgaben, die bisher von Menschen ausgeführt wurden, nun potenziell vollständig von Computern und computergestütz- ten Maschinen übernommen oder un- terstützt werden. Vor diesem Hintergrund vollzieht sich bran- chenübergreifend ein fundamentaler Wan- del der Arbeits- und Geschäftsprozesse. Berufliche Tätigkeiten werden sich verän- dern; eine Reihe von Arbeitsplätzen werden wegfallen, aber es werden auch neue Ar- beitsaufgaben entstehen. An diese Entwick- lungen muss sich die berufliche Aus- und Weiterbildung anpassen. Die Erasmus+-Strategische Partnerschaft TACCLE-AI hat sich unter der Koordination des Instituts Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen zum Ziel gesetzt, Lehr- kräfte sowie Ausbilderinnen und Ausbilder in der beruflichen Bildung dabei zu unter- stützen, Auszubildende auf die durch die Digitalisierung entstehenden Herausfor- derungen vorzubereiten. Gemeinsam mit Partnereinrichtungen aus vier Ländern wur- den für Lehrende Lernressourcen und eine Lernplattform entwickelt, die sie mit dem notwendigen Wissen über Künstliche Intel- ligenz ausstatten und es ihnen ermöglichen sollen, neue Lernarrangements für Schule und Ausbildung zu erstellen. Zu den Projektergebnissen gehören: Bericht über die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf die Kompetenzen von Lehrenden und Aus- bildenden in der beruflichen Bildung. TACCLE-AI-Toolkit: Das Toolkit für Lehrende und Ausbildende liefert the- oretische und praktische Informationen um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, die Anerkennung von KI-re- levanten Kompetenzen und zu digitaler Pädagogik. MOOC „ArtificiaI Intelligence and VET“: Der Massive Open Online Course (MOOC) ist ein Bildungsangebot in Eng- lisch und Deutsch für Lehrkräfte und Ausbildende, um ihnen die fachliche Grundlage für das neue Lehrgebiet zu vermitteln. Es besteht aus fünf Modu- len. Politische Empfehlungen „Künst- liche Intelligenz und Berufsbildung – Zur (Um-)Gestaltung von Lehr- plänen, Projekten, Berufen sowie der Kooperation von Lernorten“: Die Empfehlungen richten sich an In- stitutionen, die an der Ausbildung von Berufsschullehrerinnen und -lehrern be- teiligt sind, sowie an politische Entschei- dungsträger und Berufsbildungseinrich- tungen. Alle Ergebnisse wurden unter einer Offe- nen Lizenz veröffentlicht. Die meisten der Ergebnisse liegen in fünf Sprachen vor, min- destens jedoch auf Englisch. Das Projekt hat schon jetzt große Resonanz hervorgerufen. So haben mehr als 300 Personen am ersten Durchlauf des MOOCs teilgenommen. Good Practice: Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung Eine Herausforderung für Lernende und Lehrende © m .m ph ot o/ A do be St oc k PROJEKTINFO Projekttitel: „Improving skills and competences of VET teachers and trainers in the age of Artifi- cial Intelligence“ (TACCLE-AI) Projektnummer: 2019-1-DE02-KA202-006317 Laufzeit: 01.10.2019 - 31.12.2021 Beteiligte Länder: DE, GR, IT, LT, UK Koordinator: Institut für Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen Website: http://taccleai.eu/ E+PRP: https://erasmus-plus.ec. europa.eu/projects/search/details/ 2019-1-DE02-KA202-006317 Digitale Transformation https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA202-006317 20 21 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation er Einsatz zentraler digitaler Werkzeuge im Management des Programms Erasmus+ lie- fert ein extrem heterogenes Bild. Während die IT-Tools zur Projektsteuerung teilweise deutlich verspätet und/oder fehleranfällig zum Einsatz kommen (allen voran das Bene- ficiary Module), so werden die Datenvisua- lisierungen kontinuierlich ausgebaut und liefern heute eine Vielzahl an Reports zu nahezu allen Komponenten des Programms Erasmus+. Mit den unterschiedlichen Dashboards kön- nen im Prinzip alle Daten aufgerufen wer- den, die in der Laufzeit eines Projekts an- fallen und in den jeweiligen Datenbanken eingetragen sind, von der Antragstellung über die Projektdurchführung bis zum Ab- schlussbericht. Die Visualisierungen berück- sichtigen also die Daten aus den Antrags- plattformen, aus den Management-Tools (wie z.B. MobilityTool+, Beneficiary Module) und aus den Teilnehmer-Berichten. Darüber hinaus ist auch der jeweilige Status eines Projektvorhabens von der Antragstellung bis zur Vertragsschließung wählbar. Aufgrund der Mächtigkeit des Datenma- terials gibt es einige thematisch vorausge- wählte Datenvisualisierungen zu einzelnen Detailbereichen, so z.B. zu „Projekten“, „Budgets“, „Teilnehmenden“, „Mobilitäten“ und „Einrichtungen“, jedoch bietet die Soft- ware auch größte Freiheit für benutzerdefi- nierte Analysen jeglicher Anwendungsfälle im Programm Erasmus+. Dies bedeutet, dass die NA beim BIBB sowohl Auswer- tungen in größtmöglicher Aggregierung vornehmen kann (beispielsweise für die gesamte EU oder über alle Programmjahre hinweg seit 2014) als auch Analysen bis auf kleinste Ebenen durchführen kann (z.B. für einzelne Projekte oder für einzelne Regi- onen und Städte oder einzelne Aktivitäten). Neben diesen operationalen Clustern des Programms Erasmus+ werden in Kürze auch sogenannte taktische Cluster zur Ver- fügung gestellt, die auch aggregierte und konsolidierte Daten aus anderen Program- men beinhalten. Die Transparenz des För- dergeschäfts der Europäischen Union wird damit weiter gesteigert. NA-interne Anwendungen Schon vor der Etablierung dieser zentralen Werkzeuge der EU-Kommission hat sich auch die NA beim BIBB dafür entschieden, die internen Verfahren digital zu gestalten. Hierfür gab es unterschiedliche Beweg- gründe; zum einen war die Digitalisierung der Erasmus+-Verfahren in der Nationalen Agentur eine logische Folgerung der voll- ständig IT-gestützten EU-Verfahren, zum anderen war die Verschlankung und Effizi- enz der Verfahren eine unserer Prioritäten. Da es kein fertiges Produkt auf dem Markt gab, das nahtlos auf die EU-Tools bzw. EU-Datenbanken aufgesetzt werden konn- te, haben wir uns für eine Eigenentwick- lung entschieden. Das letztlich entwickelte webbasierte Tool setzt vollständig auf die zentralen Projektverwaltungsanwen- dungen der Kommission auf. Hierdurch ist gewährleistet, keine redundanten oder asynchronen Daten für weitere Verfahrens- schritte zu verwenden. Durch das hierdurch mögliche Monitoring der Verfahrensschritte können idealerwei- se Bearbeitungszeiten (z.B. hinsichtlich der Fristen) übersichtlich dargestellt wer- den. Durch den Einsatz unterschiedlicher Anwendungen soll gewährleistet werden, alle Verfahrens- und Bearbeitungsschrit- te einzelner Projekte für alle Beteiligten transparent zu halten. Nur so kann unser Ziel, allen Mitarbeitenden zu jeder Zeit an jedem Ort den gleichen Wissens- und In- formationsstand zu bieten, überhaupt er- reicht werden. Idealerweise werden durch digitale Arbeitsprozesse die unproduktiven Arbeitsschritte signifikant reduziert. Das Zusammenspiel der digitalen Prozesse der Europäischen Kommission und der Nationalen Agentur wird seit kurzem kom- plettiert durch den Einsatz der E-Akte des Bundes. Hierdurch sollen nicht nur man- che Prozesse produktiver gestaltet werden, sondern Unterlagen und Dokumente kön- nen hierdurch rechtssicher digital nachge- halten und archiviert werden. Auch wenn es sicherlich noch lange Zeit dauern wird, bis die laufenden Meter tonnenschwerer Aktenordner in den großflächigen Archi- ven der Bundesbehörden der Vergangen- heit angehören, so ist zumindest ein erster Schritt dazu getan. IT-Tools in der Programmumsetzung Mehr Transparenz und Effizienz D BAHRAM KAZEMKHANI Leiter des Teams „Finanzen und Informationstechnologie“ in der NA beim BIBB JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B un d pr iv at 22 23Digitalisierung ie sitzen an Ihrem Projektantrag für Erasmus+ und sind fast fertig. Doch dann kommt diese eine Frage: Wie werden Sie die Online-Plattformen der Europäischen Kommission (z. B. EPALE) für Ihr Projekt nutzen? EPALE… da war doch mal was? Das Angebot an Informationen und Tools der E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa ist enorm groß. Alleine die Möglich- keit, sich Inspiration aus 37 Ländern zu ho- len, lässt die Größe der Plattform erkennen. Wo also soll man als Projekt beginnen? Und wie kann man die vorhandenen Tools am Besten nutzen? Unsere fünf Tool-Tipps ge- ben Ihnen eine erste Orientierung. Tipp 1: Projektpartnersuche Die Projektpartnersuche auf EPALE ist eine Erfolgsgeschichte. Hier finden Sie Projekt- partner aus den Programmländern von Erasmus+ oder Sie können sich finden lassen. Vielfältige Filtermöglichkeiten z. B. nach Land, Thema, Art der Organisation oder Leitaktion vereinfachen Ihre Suche. Ganz neu gibt es nun die Möglichkeit für ak- kreditierte Organisationen der Leitaktion 1, sich einfacher zu präsentieren und so sicht- barer zu werden. Das Feedback aus den unterschiedlichen Organisationen ist positiv und berichtet eher von einem Überfluss an Angeboten als von einem Mangel. Tipp 2: Erasmus+ Space Der Erasmus+ Space ist das Schaufenster für Ihr Projekt. Als Micro-Site konzipiert ver- fügen Sie im Erasmus+ Space sowohl über einen internen, privaten Bereich für sich und Ihre Projektpartner als auch über einen öffentlichen Bereich, in dem Sie Neuigkei- ten, Veranstaltungen und Ergebnisse aus Fünf EPALE-Tools für Ihr Projekt Erasmus+-Projektnehmer profitieren vom Angebot der E-Plattform für Erwachsenenbildung S © g oo dl uz /A do be St oc k 22 23 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Ihrem Projekt der gesamten EPALE-Commu- nity präsentieren können. Der interne Bereich kann dabei sehr gut zum Projektmanagement genutzt werden. Der Erasmus+ Space ist be- sonders für kleinere Projekte geeignet, die möglicherweise keine eigene Website besit- zen und trotzdem eine dauerhafte Präsenz im Web haben möchten. Tipp 3: Praxisbezogene Communities Sich mit Menschen aus ganz Europa austau- schen können Sie in den Praxisbezogenen Communities. Das sind offene Räume, die speziell zum thematischen Austausch ge- schaffen wurden. Ein Thema interessiert Sie? Durch einen einfachen Klick treten Sie der Gruppe bei und können sich nun aktiv an der Diskussion und der Weiterentwicklung des Themas beteiligen. Ihr Thema gibt es noch nicht? Auch das ist kein Problem. Denn eine Praxisbezogene Community lässt sich in weni- gen Augenblicken über ein Formular anlegen. Die Praxisbezogenen Communities sind be- sonders geeignet, um vor der Antragstellung Themen zu vertiefen und zu recherchieren oder auch um neue Projekte zu entwickeln. Tipp 4: Online-Diskussionen Die circa alle sechs Wochen stattfindenden Online-Diskussionen bieten Ihnen eine Platt- form zum fokussierten Austausch und zur Vertiefung des jeweiligen Diskussionsthemas. Experteninputs legen den Grundstein für die nachfolgende Diskussion. Sie haben ein Pro- jekt zum Diskussionsthema gemacht? Umso besser, denn die Diskussion bietet auch einen Rahmen, in dem Sie Ihre Ergebnisse vorstellen bzw. sich Feedback aus der Community zu Ih- ren Ideen holen können. Tipp 5: Ressourcen-Zentrum Das Ressourcen-Zentrum ist eine wahre Fund- grube, wenn Sie gerade ein bestimmtes The- ma für Ihren Projektantrag recherchieren. Lassen Sie sich von den bereits existierenden Projektergebnissen und -materialien inspi- rieren, finden Sie die Nische, die Ihr Projekt füllen kann, oder ein Themenfeld, das Sie in Ihren Kontext transferieren möchten. Im Res- sourcen-Zentrum finden Sie z.B. Forschungs- berichte, Projektmaterialien, Zugriff auf Lern- plattformen, Unterrichtsmaterialien (als OER), Policy-Dokumente und Statistiken. Stöbern Sie doch einfach mal! EPALE ist eine offene, mehrsprachige Com- munity. Auf die meisten Angebote können Sie ohne Registrierung zugreifen. Für die interak- tiven Angebote (Projektpartner-Suche, Eras- mus+ Space, Praxisbezogene Communities, Online-Diskussionen usw.) benötigen Sie ein EPALE-Konto, für das Sie sich kostenfrei mit einer E-Mail-Adresse registrieren können. INFO https://epale.ec.europa.eu/de Digitale Transformation DR. CHRISTINE BERTRAM leitet die Nationale Koordinie- rungsstelle EPALE in der NA beim BIBB bertram@bibb.de © N A b ei m B IB B 24 25 Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis © G ra fik : B lu eb er ry & A do be St oc k EUROPEAN DIGITAL CREDENTIALS FOR LEARNING Funktionen: Mehrwert für: Jetzt starten: Beratung: www.europass-info.de Bildungsnachweise aus dem In- und Ausland einfach verstehen und überprüfen, Bewer- bungsunterlagen effizienter verarbeiten AUSSTELLEN SPEICHERN ÜBERPRÜFEN TEILEN Fälschungssichere digitale Bildungsnachweise aus- stellen und an die Lernen- den vergeben https://europa.eu/europass/de/european-digital- credentials-learning Digitale Bildungsnach- weise sicher speichern, on- und offline Digitale Bildungsnach- weise unmittelbar und automatisch auf Echtheit und Gültigkeit prüfen Digitale Bildungsnach- weise mit einem Klick an andere Personen oder Organisationen senden Zeugnisse papierlos erstellen und Bildungsnachweise aus anderen Ländern besser verstehen BILDUNGSEINRICHTUNGEN ARBEITGEBER/-INNEN Alle Bildungsnachweise sicher digital verwahren und ganz einfach für Online-Bewerbungen nutzen LERNENDE EU-Kommission steht Rede und Antwort zu neuer Initiative Die EU-Kommission hat im Oktober 2021 offiziell ihre Initiative der Europäischen Digitalen Bildungsnachweise (European Digital Credentials for Learning) gestartet. Damit stellt sie einen europäischen Standard zum Ausstellen, Speichern, Verifizie- ren und Teilen von digitalen Zeugnissen und Zertifikaten bereit. Die Initiative ist eng verknüpft mit Europass, denn im Europass-Portal können Nutzerinnen und Nutzer solche Zertifikate in ihrer Online-Bibliothek speichern und im Rahmen von Bewerbungen teilen. https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning 24 25 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Digitale Transformation arum sollten Bildungseinrichtungen ihre Zertifikate digitalisieren? Die Digitalisierung von Zeugnissen und Zertifikaten bringt Bildungseinrichtungen viele Vorteile. Nach einem anfänglichen Aufwand zur erstmaligen Einrichtung der Software kann die Umstellung auf digitale Bescheinigungen die Kosten für deren Aus- stellung signifikant senken. Sie kann ferner dazu beitragen, spätere Aufgaben wie die Bereitstellung von beglaubigten Kopien oder die Überprüfung der Gültigkeit und Echtheit der mit Bewerbungen eingereich- ten Nachweise zu verringern. Digitale Bil- dungsnachweise nach dem internationalen Standard der Verifiable Credentials sind si- cher und können nicht manipuliert werden. Bildungseinrichtungen werden auch in der Lage sein, die Nachweise von Lernenden besser zu verstehen. Schließlich kann die Digitalisierung von Zeugnissen den Einrich- tungen helfen, einen weiteren Schritt in ihrem digitalen Transformationsprozess zu gehen. Können digitale Bildungsnachweise auch für nicht-formale und informelle Lernerfahrungen erstellt werden? Europäische Digitale Bildungsnachweise (EDB) können für jede Lernleistung ausge- stellt werden. Sie sind so konzipiert, dass sie eine gemeinsame Sprache für verschie- dene Arten von Nachweisen wie Qualifi- kationen, Leistungsnachweise und Zeug- niserläuterungen bieten. Sie können auch für berufliche Nachweise, Arbeitszeugnisse und jede andere Art von Lernbestätigungen verwendet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Lernergebnisse aus formalem, informellem oder nicht-formalem Lernen resultieren. Entscheidend ist das Lernergeb- nis selbst, einschließlich der dabei erwor- benen Fähigkeiten. Mehrere Organisati- onen nutzen EDB bereits für nicht-formales und informelles Lernen – zum Beispiel das Erasmus Student Network (ESN), das EDB für die Ausstellung von nicht-formalen Zer- tifikaten für Schulungen nutzt, die es für seine Mitglieder organisiert. Welche Vorteile haben Lernende davon? Lernende können ihre Europäischen Di- gitalen Bildungsnachweise in der Online- Bibliothek ihres Europass-Profils oder in einer anderen digitalen Brieftasche sowie auf einem PC ihrer Wahl speichern. Die Online-Bibliothek von Europass ist Teil des ePortfolios und ermöglicht es den Nutze- rinnen und Nutzern, sämtliche Zeugnisse und Zertifikate dauerhaft online zu spei- chern und einzusehen sowie diese auf einfache und sichere Weise z.B. mit Ar- beitgebern, Bildungseinrichtungen oder Anerkennungsbehörden zu teilen. Die Lernenden haben dabei die volle Kontrol- le über ihre Daten; alle hier beschriebenen Prozesse sind DSGVO-konform. Gleichzei- tig werden Anerkennungsprozesse durch die digitale Überprüfbarkeit der Echtheit und Gültigkeit der Nachweise enorm ver- einfacht, was die Mobilität zum Lernen und Arbeiten in Europa erleichtert. Was sind die größten Herausforde- rungen, denen Sie bei der Umsetzung begegnen? Insgesamt zielt die Arbeit rund um die EDB darauf ab, sicherzustellen, dass digitale Bil- dungsnachweise in ganz Europa leicht ver- standen werden können. Da derzeit viele Initiativen für digitale Zeugnisse entwickelt werden, besteht eine der größten Heraus- forderungen darin, sicherzustellen, dass diese verschiedenen Systeme miteinander „sprechen“ und dieselben semantischen Standards verwenden können. Zu diesem Zweck wurde das „Europäische Lernmo- dell“ entwickelt. Eine weitere Herausforde- rung ist die Verwendung des elektronischen Siegels. EDB-Zugangsdaten werden durch ein E-Siegel digital signiert, das mit der EU-Verordnung eIDAS konform ist. Dank des E-Siegels haben EDB denselben recht- lichen Wert wie Papierzertifikate. Die Erlan- gung des E-Siegels kann manchmal eine Herausforderung sein. Das EDC-Support- team kann jedoch in diesen Fällen helfen. Die Fragen stellte Franziska Bopp vom Nationalen Europass Center in der NA beim BIBB. bobb@bibb.de INFO https://europa.eu/europass/de/ european-digital-credentials-learning CÉLINE JAMBON Referentin Referat B.2 Skills Agenda, Generaldirektion Beschäftigung und Soziales, EU-Kommission KOEN NOMDEN Teamleiter Referat B.2 Skills Agenda, Generaldirektion Beschäftigung und Soziales, EU-Kommission © E U -K om m is si on Vom Papierzeugnis zum digitalen Bildungsnachweis W https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning https://europa.eu/europass/de/european-digital-credentials-learning 26 27 s war ein bewegender Moment, als Schulleiter Harald Köster und die Leh- rer David Distelmann und Andreas Gaul von der Max-Eyth-Schule in Dreieich die Bühne auf der Jahrestagung der Natio- nalen Agentur betraten. Im Namen der Europäischen Kommission wurden sie für ihr herausragendes Engagement bei der Umsetzung von Erasmus+-Pro- jekten mit dem „European Innovative Teaching Award“ ausgezeichnet. Kurz zuvor hatten die Anwesenden die drei Preisträger noch in einer Kurzdokumentati- on auf der großen Leinwand gesehen. Dort berichteten sie voller Begeisterung von ihrem Erasmus+-Projekt „Die Brücke der Verstän- digung und Begegnung“. Die Idee – simpel und genial zugleich. Deutsche und spanische Schülerinnen und Schüler, auch mit gerin- geren Chancen, gemeinsam eine Brücke nach dem Vorbild des Ureuropäers Leonardo da Vinci bauen zu lassen und gleichzeitig den interkulturellen Austausch zu fördern. Gesagt, getan: Zusammen mit einer Schü- lergruppe stiegen die beiden Lehrer in den Flieger nach Spanien. Besonders auf- regend: Für einige der Schülerinnen und Schüler war es die erste Auslandsreise ihres Lebens. Anfängliche Berührungsängste und Sprachbarrieren wurden angesichts des gemeinsamen Projekts jedoch schnell überwunden. Alle packten mit an und nutzten die Chance, ihre individuellen Fä- higkeiten einzubringen. Am Ende standen sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrer Gaul und Distelmann sicht- lich zufrieden vor ihrem Bauwerk und sogar das spanische Fernsehen berichtete über das Projekt. European Innovative Teaching Award 2022 Max-Eyth-Schule in der Kategorie „berufliche Schulen“ ausgezeichnet E Klaus Fahle und die Preisträger Andreas Gaul, Harald Köster und David Distelmann auf der NA-Jahrestagung N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er + 26 27 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Einstimmiges Fazit: Einsatz zahlt sich aus Auf die Frage, welchen Mehrwert Eras- mus+-Projekte hätten, schließlich handelt es sich bereits um das dritte Erasmus+-Projekt, das die beiden Lehrer begleiteten, antworten beide ohne zu zögern. Für sie als Lehrer sei es unglaublich bereichernd zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler über sich hinaus- wachsen, selbstbewusster werden und zu- nehmend an sich und ihre eigenen Fähigkei- ten glauben. Das mache die Projekte in ihren Augen auch so nachhaltig. Nachhaltigkeit spielt auch sonst eine große Rolle an der Max-Eyth-Schule, wie Schullei- ter Harald Köster betont. Angefangen mit dem schuleigenen Obst- und Gemüsegarten und dem angrenzenden Biotop bis hin zum Recycling von Baumaterialien vergangener Projekte. Alles sind Initiativen, die die drei in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern ins Leben gerufen haben. Schnell wird deutlich: Es ist dem Lehrpersonal ein großes Anliegen, ein inklusives Lernum- feld zu schaffen, in dem junge Menschen ihr Potenzial nutzen können. Auch wenn dies teilweise mehr Einsatz erfordert. Am Ende lohnt es sich. Denn alle Jugendlichen, die am Projekt beteiligt waren, haben im Anschluss einen Ausbildungsplatz in der Tasche gehabt. INFO https://mes-dreieich.de Sie möchten mehr über das Projekt erfahren? Die ganze Kurzdokumentation finden Sie auf unserem YouTube-Kanal: Abb. 1: David Distelmann mit Schülern in der Werkstatt Abb. 2: Schulleiter Harald Köster auf der EITA-Preisver- leihung in Brüssel Abb. 3: Schülerinnen und Schüler vor dem Geodome (aus recycletem Material erstellt) Erasmus+ NADJA LINKE ist wissenschaftliche Mitarbei- terin im Team „Information und Öffentlichkeitsarbeit“ in der NA beim BIBB nadja.linke@bibb.de © N A b ei m B IB B © N A b ei m B IB B © S ar ah B ün n © E U -K om m is si on Der „European Innovative Teaching Award“ (EITA) wird seit 2021 jährlich von der EU-Kommission vergeben. Ausgezeichnet werden abgeschlossene Erasmus+-Pro- jekte, in denen herausragende Unterrichtspraktiken umgesetzt wurden und die zum Jahresthema der Aus- zeichnung passen. Dieses lautete 2022 „Learning to- gether, promoting creativity and sustainability“ und ist eng verbunden mit der EU-Initiative „New European Bauhaus“. EITA würdigt Leistungen in den Kategorien „vorschulische Bildung“, „Grundschule“, „Sekundar- schule“ und „berufliche Schulen“. 1 32 28 29 © B ar ba ra W ild eit 2017 dient der Nutzerbeirat Erasmus+ als ein strukturiertes Dialogangebot zwischen der NA beim BIBB und den Projektträgern; er soll die kon- struktive und passgenaue Weiterentwicklung der Dienstleistungen in der Nationalen Agentur un- terstützen. Zugleich gibt er allen Organisationen der Berufs- und Erwachsenenbildung die Chance, ohne formalen Aufwand Kritik und Wünsche für die Zukunft des Programms Erasmus+ zu formu- lieren, da die Mitglieder des Nutzerbeirats einge- hende Meldungen sammeln und auf den regu- lären Sitzungen zur Diskussion stellen. Auf der Jahrestagung in Weimar Ende Septem- ber 2022 präsentierte sich der neu gewählte Nutzerbeirat dem anwesenden Publikum. Zuvor hatten sich über 400 Einrichtungen an der Wahl beteiligt und ihre Stimme für eine oder einen der insgesamt 26 Kandidatinnen und Kandidaten abgegeben. Im Ergebnis wurden die folgenden Vertreterinnen und Vertreter in den Nutzerbeirat gewählt, der sich im Januar 2023 zu seiner konsti- tuierenden Sitzung in Bonn treffen wird. Die Wahlperiode des neu gewählten Nutzerbei- rats geht bis Ende 2024. Projektnehmer können sich mit ihren Meinungen und Anliegen direkt an die Mitglieder des Nutzerbeirats wenden. Die Kontaktdaten finden sich auf der NA-Website. INFO www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ gewählt Mitwirkungsmöglichkeit inzwischen gut etabliert S Name Institution Bildungsbereich/Aktion Dr. Wolfgang Bautz Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit, Potsdam Erwachsenenbildung - Partnerschaften Sabine Beyer Airbus Operations GmbH, Bremen Berufsbildung - Mobilität Sophia Bickhardt weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Erwachsenenbildung - Partnerschaften Bildung, Berlin Julia Francke Landesverband der Volkshochschulen Schleswig- Erwachsenenbildung - Mobilität Holsteins, Kiel Andreas Koth Internationaler Bund (IB) Region Sachsen Ost, Berufsbildung - Partnerschaften Dresden Marko Krahmer BBZ am Nord-Ostsee-Kanal – Europaschule, Berufsbildung - Mobilität Rendsburg Ursula Lieb Staatliches Berufliches Schulzentrum Kronach, Berufsbildung - Mobilität Kronach Thorsten Noelle Bezirksregierung Köln Dezernat 45 – Berufsbildung - Mobilität EU-Geschäftsstelle, Köln Robert Stolzenberg Staatsinstitut für Schulqualität, München Berufsbildung - Mobilität Andrea Wisotzki QBS Gewerkstatt, Bochum Berufsbildung - Partnerschaften Erasmus+ N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er Der neue Nutzerbeirat (nicht alle Mitglieder anwesend) stellt sich auf der NA-Jahrestagung vor. 28 29 Bildung Für Europa | Dezember 2022 © B ar ba ra W ild ieser Beitrag gibt den Informations- stand vom 9. Dezember 2022 wieder. Nachdem wir über die erste Antrags- runde des Jahres 2022 im Journal Nr. 35 berichtet hatten, geht es aktuell um die Herbst-Antragsrunde des Jah- res 2022. Mobilitäten für Einzelper- sonen und kleinere Partnerschaften konnten zusätzlich zum Februar-Ter- min ein zweites Mal zum 04.10.2022 beantragt werden. Die Frist für die Beantragung von Erasmus-Akkreditie- rungen endete am 19.10.2022. Berufsbildung Mobilität Im Bereich der Berufsbildung wurden 227 Anträge auf eine Erasmus+-Akkreditierung eingereicht. Nach rund 400 bzw. 200 An- trägen in den beiden Vorjahren zeigt sich, dass das Interesse an der Akkreditierung auch im dritten Jahr erfreulich hoch ist. Über die Vergabe der neuen Akkreditierung wird Anfang des Jahres 2023 entschieden. Im Rahmen der zweiten Antragsrunde der Kurzzeitprojekte wurden 22 Projekte mit knapp 400 Teilnehmenden und einem Bud- get von rund 1 Million Euro bewilligt. Insgesamt wurden im Jahr 2022 23.758 Auslandsaufenthalte bewilligt. Mit dem Abschluss der Antragsrunden 2022 ist es nun möglich, eine Bewertung der Entwick- lung vorzunehmen. Der bisher höchste Stand wurde im Jahr 2019 mit fast 33.000 Auslandsauenthalten erreicht. Im Jahr 2020 sanken die Aufenthalte aufgrund des Brexits auf rund 29.000 Aufenthalte ab. Im Jahr 2021 brachen die Zahlen dann wegen der Corona-Pandemie auf gut 10.000 Mobili- täten ein. Daraus ergibt sich, dass die Aus- landsaufenthalte mit dem Abklingen der Pandemie im Jahr 2022 sehr schnell auf 80 Prozent des Vor-Corona-Niveaus des Jahres 2020 angestiegen sind und bereits bei 70 Prozent des bisher höchsten Wertes vor dem Brexit im Jahr 2019 liegen. Dies ist ein erfreulicher Trend. Erwachsenenbildung Mobilität Auch in der Erwachsenenbildung fällt die Bewertung der Antragsrunden 2022 positiv aus. Im Rahmen der zweiten Antragsrun- de 2022 sind sieben Kurzzeitprojekte für 134 Teilnehmende mit einem Budget von 253.562 Euro bewilligt worden. Außerdem wurden 14 Anträge auf Akkreditierung ge- stellt, über deren Förderung Anfang 2023 entschieden wird. Im Vergleich zum Jahr 2021 ist die Anzahl der bewilligten Anträge und Mobilitäten 2022 leicht gestiegen. So konnten Auslands- aufenthalte für 1.479 Teilnehmende in 43 verschiedenen Projekten gefördert werden. 2021 waren es 1.238 Teilnehmende in 37 Projekten. Erfreulich ist außerdem, dass deutlich mehr Mobilitäten für die neue Ziel- gruppe der Lernenden mit geringeren Chan- cen bewilligt wurden. Während 2021 194 Lernenden-Mobilitäten gefördert werden konnten, waren es 2022 insgesamt 379. Berufsbildung Partnerschaften In der zweiten Antragsrunde 2022 konnten in der Leitaktion 2 ausschließlich kleinere Partnerschaften beantragt werden. In der Berufsbildung wurden 38 Projektanträge eingereicht, davon drei in der Pauschalka- tegorie 30.0000 Euro und 35 in der För- derpauschale 60.0000 Euro. Insgesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 2,19 Millionen Euro beantragt. Die Entscheidung des Auswahlausschusses erfolgt nach Re- daktionsschluss dieses Journals. Die am häufigsten adressierten Programm- prioritäten waren „Bewältigung des digi- talen Wandels durch Aufbau von digitaler Bereitschaft, Widerstandsfähigkeit und Kapazität“ (15) als horizontale Priorität gleichauf mit der berufsbildungsspezi- fischen Priorität „Anpassung der beruf- lichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ (15). Dahinter folgten die Prioritäten „Inklusion und Viel- falt“ (14) und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“ (12) als berufsbildungsspe- zifische Priorität. Die weiteren horizontalen Prioritäten „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“ sowie „Gemeinsame Werte, zivilgesellschaftliches Engagement und Teil- habe“ wurden jeweils achtmal adressiert. Erwachsenenbildung Partnerschaften Bei den Partnerschaften für Zusammenar- beit in der Erwachsenenbildung wurden in der zweiten Antragsrunde insgesamt 78 Anträge für kleinere Partnerschaften einge- reicht. Dies ist die bislang höchste Anzahl an Anträgen, die für diese Aktion zu einer Antragsfrist eingereicht wurden. Davon kamen 76 Anträge in die inhaltliche Bewertung, was einem Fördervolumen von 4.350.000 Euro entspricht. Die überwie- gende Mehrheit der Projekte beantragte die Pauschalsumme von 60.000 Euro, nur sieben Projekte entschieden sich für ein Budget von 30.000 Euro. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses befindet sich die inhaltliche Bewertung der Anträge gerade in der Endphase, sodass Mitte Dezember durch den Auswahlaus- schuss die Auswahlergebnisse bestätigt werden. Im Zeitraum von 1. Januar bis 31. August 2023 werden dann die Projekte ihre Arbeit aufnehmen. Bezüglich der adressierten Prioritäten bei den beantragten Projekten lag die horizon- tale Priorität „Inklusion und Vielfalt“ klar an der Spitze. Dahinter folgten bei den hori- zontalen Prioritäten „Gemeinsame Werte und Teilhabe“, „Bewältigung des digitalen Wandels“ sowie „Umwelt und Bekämp- fung des Klimawandels“. Spitzenreiter bei den bereichsspezifischen Prioritäten war „Verbesserung der Kompetenzen von Pä- dagogen“. Erasmus+-Antragsrunde 2022 Erfreuliche Entwicklung D Erasmus+ 30 31Erasmus+ Hinweise zur Antrag- stellung Leitaktion 2: Einreichung von „Mandaten“ In der Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zusam- menarbeit) müssen Antragsteller sogenannte „Mandate“ der beteiligten Einrichtungen einbrin- gen – idealerweise zum Zeitpunkt der Antrag- stellung, doch in Ausnahmefällen auch im Nach- gang der Antragseinreichung. Seit einigen Jahren steigen die Fallzahlen, in denen die Antragsteller aufgefordert werden müssen, diese „Mandate“ nachzureichen. Dies führt auf der Seite der Na- tionalen Agentur mittlerweile zu einer deutlichen Belastung der Folgeprozesse – von der qualita- tiven Bewertung durch Gutachtende bis zur Sit- zung der Auswahlausschüsse, da über mehrere Wochen Dokumente nachgefordert und ggf. mehrere Fristen gesetzt werden müssen. Die NA beim BIBB möchte daher alle Antragsteller auffordern, alle notwendigen Unterlagen zusam- men mit dem Antrag einzureichen, also neben der (unterschriebenen) ehrenwörtlichen Erklärung auch die (beiderseitig unterschriebenen) Manda- te aller Partner. Im Falle von Anträgen mit einem Antragsvolumen von mehr als 60.000 Euro ist darüber hinaus eine Gewinn- und Verlustrech- nung sowie die Bilanz des letzten abgeschlos- senen Geschäftsjahres eizureichen. Positiver Effekt guter Planung Die Einreichung der kompletten Unterlagen schon zum Zeitpunkt der Antragstellung führt idealerweise auch dazu, dass eine andere wahrnehmbare Tendenz der Vorhaben in der Leitaktion 2 aufgebrochen wird: der Austritt einzelner Einrichtungen aus den Konsortien der Partnerschaftsprojekte. In der neuen Programm- generation werden deutlich häufiger als in der Vergangenheit entsprechende Anträge auf Part- nerwechsel eingereicht, teilweise sogar schon vor dem eigentlichen Beginn der Projektlaufzeit. Wenn die Anforderung, signierte Mandate ein- zureichen, zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Auswahl der am besten geeigneten Partner eines Konsortiums führt, so erscheint dies als ein positiver Nebeneffekt für ein erfolg- reiches und stabiles Projektvorhaben. JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB vancapelle@bibb.de as ist ein “Scam”? Was ist der Zweck von „Clickbaiting“? Und wie erken- ne ich illegale Angebote im Internet? Digitale Kompetenzen sind heutzu- tage ein unverzichtbarer Bestandteil sowohl im Arbeitsleben also auch im Alltag. Die EU-Kommission hat ein Tool veröffentlicht, mit dem die eigenen digitalen Kompetenzen anhand eines Online-Tests systematisch eingeschätzt werden können. Das Selbstbewertungstool zur Erfassung digitaler Kompetenzen (Digital Skills Self Assessment Tool) ist Teil der erneuerten Europäischen Kompetenzagenda (07/2020). Darin wird das Ziel formuliert, dass bis 2025 der Anteil der Erwachse- nen zwischen 16 und 74 Jahren mit zumindest grundlegenden digitalen Kompe- tenzen auf 70 Prozent steigen soll (von 56 Prozent im Jahr 2019). Weitere poli- tische Initiativen in dem Kontext sind der Aktionsplan digitale Bildung (09/2020) und der Digitale Kompass 2030 (03/2021), in dem ein weiteres Ziel formuliert wird: Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent der Bevölkerung über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat 2023 zum „Europäischen Jahr der Kompetenzen“ ausgerufen. Digitales Know- how ist auch wichtig, um sich vor zunehmendem Datendiebstahl und Betrugs- maschen im Internet zu schützen. In diesem Zusammenhang bezeichnet „Scam“ einen Betrug, bei dem Opfern Geld abgeknöpft wird, oft durch per E-Mail ver- schickte Gewinnversprechen. „Clickbaiting“ setzt sich zusammen aus den engli- schen Begriffen für „Klicken“ und „Ködern“ und bezeichnet die Methode, mittels reißerischer Überschriften viel Aufmerksamkeit in Form von Klicks (und damit u.a. mehr Werbeeinnahmen) zu generieren. Doch wie genau lassen sich nun digitale Kompetenzen messen? Umfang und Funktion des Tools Das „Digital Skills Self Assessment Tool“ basiert auf dem europäischen Refe- renzrahmen für digitale Kompetenzen DigComp1 und ist sowohl über das Euro- pass-Portal als auch über die Digital Skills and Jobs Platform der EU-Kommission aufrufbar. Anhand eines dynamischen Online-Fragenkatalogs werden die Kom- petenzen in fünf Bereichen abgefragt: Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal W 30 31 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Weitere Themen Digitale Kompetenzen erfassen Neues Tool im Europass-Portal 1. Informations- und Datenkompetenz 2. Kommunikation und Kooperation 3. Erstellung digitaler Inhalte 4. Sicherheit 5. Problemlösung Am Ende erhalten die Nutzerinnen und Nutzer des Tools eine Be- scheinigung als PDF, auf der das Niveau ihrer Antworten auf einer Skala von 1 bis 6 eingestuft wird. Das Dokument enthält auch eine inhaltliche Beschreibung der jeweiligen Niveaustufe. So bedeutet Niveau 4 in der Kategorie „Sicherheit“ zum Beispiel: „Auf diesem fortgeschrittenen Niveau kannst du sowohl einfache als auch un- vorhersehbare Situationen alleine bewältigen. Dazu gehört der Schutz deiner Geräte (z. B. Mobiltelefon, Laptop), deiner persön- lichen Daten, deiner Gesundheit und der Umwelt bei der Nutzung digitaler Dienste.“ Nutzen der Kompetenzerfassung Wofür kann das Ergebnis des Tests nun genutzt werden? Wie der Name schon sagt, dient das Instrument der Selbsteinschätzung und ist keine offizielle Zertifizierung2. Das Tool ist im Wesentlichen auf drei Ebenen hilfreich: 1. Zum einen bietet das Raster eine objektive und systematische Kategorisierung des Konzepts der „digitalen Kompetenzen“. Das hilft dabei, eine gemeinsame Sprache für die verschiedenen Akteu- re zu etablieren. Mit dem Raster können zum Beispiel Kompetenzen von Bewerberinnen und Bewerbern und Anforderungsprofile von Stellenanzeigen oder Weiterbildungsangeboten besser aufeinander abgestimmt werden. 2. Lernende oder Jobsuchende können anhand des Rasters ihre digitalen Kompetenzen erfassen und in ihrem Lebenslauf entspre- chend angeben. Das fördert auch die Selbstreflexion und Sensibi- lisierung für dieses Thema. Die Ergebnisse des Tests sind mit weni- gen Klicks in das Europass-Profil und damit auch in einen Europass Lebenslauf übertragbar. 3. Anhand des Tests können zudem mögliche Lernlücken identifi- ziert werden. Über das Europass-Portal ist es dann möglich, passen- de Kurse und Lernangebote auf der Basis des eigenen Testergebnis- ses zu erhalten oder zu suchen. Das hier vorgestellte Tool ist vor allem in Kombination mit dem Europass-Profil und der Europass-Plattform eine praktische und einfache Anwendung, die auch gut in Schulen oder in Beratungs- kontexten genutzt werden kann. Das Tool steht in 30 Sprachen zur Verfügung. Damit die digitalen Kompetenzen der Bevölkerung noch besser und die politischen Ziele erreicht werden können, hat die EU-Kommissi- on zudem angekündigt, Vorschläge zu unterbreiten für zwei neue Ratsempfehlungen: eine für bessere Vermittlung digitaler Kompe- tenzen in der allgemeinen und beruflichen Bildung3 und eine über Schlüsselfaktoren für den Erfolg digitaler Bildung4. INFO www.europass.eu 1 Vuorikari, R., Kluzer, S. and Punie, Y., DigComp 2.2: The Digital Competence Framework for Citizens - With new examples of knowledge, skills and attitudes, EUR 31006 EN, Publications Office of the European Union, Luxembourg, 2022. 2 Im Auftrag der EU-Kommission läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie für ein European Digital Skills Certificate (EDSC), siehe https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital- competence-certificate-edsc_de. 3 https://education.ec.europa.eu/de/focus-topics/digital-education/action-plan/action-10 4 https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/13207-Digital-education-enabling-factors-for-success_en FRANZISKA BOPP leitet das Nationale Europass Center in der NA beim BIBB. bopp@bibb.de © N A b ei m B IB B https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital-competence-certificate-edsc_de https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcomp/european-digital-competence-certificate-edsc_de 32 33Weitere Themen m Dezember 2021 verabschiedete der Europäische Rat die neue Entschlie- ßung für eine neue europäische Agen- da für die Erwachsenenbildung bis 2030. Diese erneuerte Agenda setzt einige neue Akzente für die digitale und grüne Transformation, beschreibt jedoch im Wesentlichen die Kontinuität der bisherigen Agenda Erwachsenen- bildung 2011-2020. Wie für die Umsetzung in den Jahren bis 2020 hat das zuständige Bundesministeri- um für Bildung und Forschung (BMBF) die Nationale Agentur beim BIBB mit der Imple- mentierung der Agenda im nationalen Kon- text beauftragt. Die Agenda-Koordinierung arbeitet weiterhin eng mit den zuständigen Landesministerien und Fachverbänden auf Bundes- und Landesebene zusammen. Fünf Prioritäten und neue Benchmarks Der Europäische Rat hat fünf Schwerpunkt- bereiche definiert, die die neue Agenda pri- oritär in den Blick nehmen soll: Bessere Governance, etwa durch inten- sivere Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Erwachsenenbildung und dem Streben nach einem ganzheit- lichen Ansatz; Verbesserung der Angebote und der Fi- nanzierung für das lebenslange Lernen und eine generelle Sensibilisierung für den Wert der Erwachsenenbildung; Steigerung der Zugangsmöglichkeiten zu Erwachsenenbildung, der Flexibilität und der Chancengleichheit; Förderung der Qualität, der Chan- cengleichheit und der Inklusion durch Professionalisierung des Bildungsper- sonals, durch Inklusion, Mobilität und Qualitätssicherung; Unterstützung des grünen und digi- talen Wandels als treibende Kraft für mehr Innovation, Nachhaltigkeit und Teilhabe. Daneben definiert die erneuerte Agenda neue Benchmarks für die Weiterbildungsbe- teiligung in den Mitgliedstaaten. Bis 2030 soll europaweit eine Beteiligungsquote von 60 Prozent erreicht sein. Hier ist Deutsch- land mit 60 Prozent Beteiligungsquote laut letztem Trendbericht des Adult Education Survey (AES)1 auf sehr gutem Weg. Die deutliche Zunahme gegenüber den Vorjah- ren war dabei nicht nur im Bereich der be- trieblichen Weiterbildung spürbar, auch bei der nicht-beruflichen Weiterbildung ließen sich deutliche Zuwächse feststellen. Dass trotz dieser positiven Entwicklung auch in Deutschland weitere Anstrengungen er- forderlich sind, ist Konsens und wird durch Initiativen wie der Nationalen Weiterbil- dungsstrategie (NWS) unterstrichen. Nationale Umsetzung 2022/23 Für die laufende Umsetzung der neuen Agenda in den Jahren 2022 und 2023 wur- de festgelegt, dass die Themen „Bildungs- beratung“ und „Skills for Life“ national Prio- rität haben. Im Bereich der lebensweltlichen Grundbildung werden wir als Nationale Ko- ordinierungsstelle uns im Besonderen mit den Themen Zukunft der Grundbildung, Bil- dung für Nachhaltige Entwicklung, Demo- kratiebildung und digitaler Grundbildung beschäftigen. Hierzu bieten wir verschie- dene Veranstaltungsformate an, die wir mit europäischen, nationalen und regionalen Partnereinrichtungen aus Politik, Praxis und Wissenschaft umsetzen. Die Ergebnisse die- ser Veranstaltungen werden auf der Web- site der Agenda Erwachsenenbildung unter www.agenda-erwachsenenbildung.de dokumentiert. Seit 2014 ist die Koordinierung der Agen- da in Deutschland ebenfalls einer der über 20 Mitveranstalter des Deutschen Weiter- bildungstags (DWT). Der nächste wird am 26.09.2023 in Berlin begangen. Das Motto 2023 „Lösungen schaffen. Zukunft sichern. Weiterbildung für die ökologisch-ökono- mische Transformation“ ist dabei passgenau für die Prioritäten der Erwachsenenbildung – national wie auch europäisch. Stärker als früher gewinnen Schnittmengen zwischen den europäisch definierten Schwerpunk- ten und nationalen Prioritäten an Kontur. So stellt die aktuelle Fortführung der NWS vom September 2022 ausdrücklich fest, dass Themen der allgemeinen Weiterbil- dung wie „Alphabetisierung und Grund- bildung“ und „Future Skills“ die Ziele aktiv unterstützen. Zwar ist die NWS weiterhin den Zielen der beruflichen Weiterbildung im gegenwärtigen Transformationsprozess verpflichtet, Themen der allgemeinen Er- wachsenenbildung gewinnen jedoch zu- nehmend an Bedeutung. Die neue Agenda Erwachsenenbildung ist weiter bemüht, diese Ziele nach Kräften zu unterstützen. INFO www.agenda-erwachsenenbildung.de Neue europäische Agenda für Erwachsenenbildung 2021 - 2030 Erstes Jahr der Umsetzung und Aussichten auf 2023 I 1S. BMBF, Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2020, Auflage August 2022 HANS GEORG ROSENSTEIN Nationaler Koordinator der Agenda Erwachsenenbildung in der NA beim BIBB rosenstein@bibb.de © N A b ei m B IB B 32 33 Bildung Für Europa | Dezember 2022 NATHALIE SCHNABEL Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Informa- tion und Öffentlichkeitsarbeit der NA beim BIBB für das Programm AusbildungWeltweit schnabel@bibb.de Weitere Themen © B ar ba ra W ild ach Rücknahme der meisten Coro- na-Einschränkungen in Deutschland und anderen Ländern nimmt das Inte- resse an Auslandsaufenthalten in der Ausbildung wieder verstärkt zu. Zuvor hatte die Pandemie ab März 2020 für einen Einbruch der internationalen Mobilität in der Berufsausbildung ge- sorgt. Darunter hatte nicht nur das globale Förderprogramm Ausbildung- Weltweit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, sondern auch das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ gelitten. Aus diesem Grund hat das Team von Aus- bildungWeltweit gemeinsam mit dem Erasmus+-Team im Sommer 2022 eine Kampagne ins Leben gerufen, um Aus- landsaufenthalte wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Die Kampagne mit dem Slogan „Ausbil- dung international gestalten – Für Ihre Fachkräfte von morgen“ startete zum Aus- bildungsstart 2022 und wurde von August bis Ende Oktober umgesetzt. Sie richtete sich insbesondere an Ausbildungsbetriebe in Industrie und Handwerk und will sie dort abholen, wo sie aktuell stehen: vor den He- rausforderungen der Fachkräftekrise. Die Anzeigen und Advertorials zeigen die Mög- lichkeit auf, die Ausbildungsattraktivität mit Auslandsaufenthalten zu steigern. Es erschienen Beiträge in zahlreichen Me- dien wie beispielsweise der Handwerks- presse sowie den Beilagen der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung. Flankiert wurde die Medienkampagne von der Kampagnen- webseite www.na-bibb.de/ ausbildung-international-gestalten. Wieder steigende Antragszahlen Erste positive Effekte der Kampagne und der nachlassenden Corona-Einschrän- kungen machen sich bereits bemerkbar: So konnten die Förderprogramme die Antrags- zahlen bis zum Herbst 2022 wieder deutlich steigern. Bei AusbildungWeltweit wurde mit über 250 beantragten Auslandsaufent- halten das beste Ergebnis seit Pandemie- beginn erzielt. Inzwischen kommt hier ein Drittel der Anträge von beruflichen Schulen und das Vereinigte Königreich gewinnt an Bedeutung. Die nächste Antragsrunde im Förderprogramm AusbildungWeltweit en- det am 9. Februar 2023 – es wird mit einer ähnlich guten Antragslage wie im Herbst 2022 gerechnet. „Für Ihre Fachkräfte von morgen“ Medienkampagne wirbt für Auslands- aufenthalte während der Ausbildung N © A rt w or k: N A b ei m B IB B, B ild m ot iv e: C on tr as tw er ks ta tt & M an dr ito iu /A do be St oc k © A rt w or k: N A b ei m B IB B, B ild m ot iv e: Sy da Pr od uc tio ns /A do be St oc k & c am ill e- br od ar d/ U ns pl as hk http://www.na-bibb.de/ausbildung-international-gestalten http://www.na-bibb.de/ausbildung-international-gestalten 34 35Infosplitter Infosplitter Stipendienfinder für Jugendliche Ab Januar 2023 finden Suchende in nur zwei Klicks das passende Förderprogramm für ihre geplanten Auslandsaufenthalte. Im Rahmen einer umfassenden Weiterent- wicklung wurden Struktur und Darstellung der bisherigen Förder- programm-Datenbank überarbeitet sowie die Erasmus+ Praktikums- platzsuche integriert. Ein Leitsystem bietet Orientierung, ob die Azubis selbst oder ihre Ausbildungsinstituti- on die Förderung beantragen. Europass-Vergabe Die während eines Auslandsaufenthalts erzielten Lernergebnisse werden im Europass Mobilität bescheinigt. Die Lernbereitschaft junger Menschen wird besonders gewürdigt, wenn die Übergabe des Mobilitätsnachweises in fei- erlichem Rahmen erfolgt, wie in Berlin, wo die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey 160 Auszubildende ins Rote Rathaus einlud. Die jungen Menschen waren über Erasmus+ im Ausland; organisiert wurden die Prakti- ka über GoEurope. Ideensammlung „Nachhaltigkeit“ Von der Praxis für die Praxis – so lautet der Gedanke hinter dieser Sammlung grüner Ideen. Dazu wurden unter ande- rem bisherige Projektträger von der NA beim BIBB befragt und „Gute Beispiele“ aus den bewilligten Erasmus+-Anträ- gen der letzten Jahre ausgewählt. www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/ praxisideensammlung An das 35-jährige Bestehen des europäischen Bildungsprogramms wurde im Laufe des Jahres 2022 auf verschiedene Art und Weise gedacht. Die Teilnehmenden der NA-Jahrestagung in Weimar kamen in den Genuss einer speziellen Geburts- tagstorte. Die Bonnerinnen und Bonner oder auch Besucher der Stadt, in der alle vier deutschen Nationalen Agenturen angesiedelt sind, können bis Mitte 2023 mit der „Erasmus+-Bahn“ fahren. Und vielleicht haben Sie ja eine der zu diesem Anlass herausgegebenen 2-Euro-Gedenkmünze in Ihrem Portemonnaie. Schauen Sie doch mal nach! 35 Jahre Erasmus © G oE ur op e/ Be rn d G as se r Armin Reinartz (Bundesministerium für Bildung und Forschung, links) und Klaus Fahle (NA beim BIBB) schneiden die Geburtstagstorte an. Die Idee, eine Bonner Straßenbahn als Werbeträger für Erasmus+ zu nutzen, ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen NAs zum Jubiläum. www.MeinAuslandspraktikum.de/stipendienfinder © N A b ei m B IB B / Fo to st ud ie H eu pe l N A b ei m B IB B / © hr is tia n M ey er http://www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/praxisideensammlung http://www.na-bibb.de/themen/green-erasmus/praxisideensammlung 34 35 Bildung Für Europa | Dezember 2022 Infosplitter Die quadratische Flyer-Serie mit Erstinformationen zu Erasmus+ ist nunmehr komplett. Zuletzt erschienen sind Flyer zu den Partnerschaften für Zusammen- arbeit in der Berufs- (1) und Erwachsenenbil- dung (2) sowie eine Broschüre, die für Auslands- aufenthalte während der Ausbildung (3) wirbt. Sie richtet sich speziell an Unternehmen und zeigt u.a. den Mehrwert auf, der sich für ihre internationale Entwicklung ergibt. Wer sich dafür interessiert, wie Erasmus+ den Inklu- sionsgedanken umsetzt und sich auch Lernenden mit geringeren Chancen stärker öffnet, der wird im Factsheet „Zugang für alle“ (4) fündig. Das Nationale Europass Center hat ein Infoblatt zu den „European Digital Credentials for Learn- ing“ (5) sowie ein Infopaket für Lehrkräfte veröffent- licht. Dieses bietet Anregungen, wie der Europass im Unterricht eingesetzt werden kann. Ein Gemeinschaftsprodukt ist der Flyer „Europä- ische Erwachsenenbildung in Deutschland“ (6). Er zeigt auf, wie sich Erasmus+ Erwachsenenbildung, NKS Agenda und EPALE ergänzen und welche Ziele sie verfolgen. Alle Produkte können kostenlos bestellt oder als PDF heruntergeladen werden: www.na-bibb.de/publikationen An die Zielgruppe der Jugendlichen richtet sich eine neue zweiteilige Postkartenserie von MeinAus- landspraktikum. Sie will bei diesen das Interesse an einem Auslandsaufenthalt während der Ausbildung wecken (7). www.MeinAuslandspraktikum.de/ infomaterial Allgemein über Auslandsaufenthalte informiert eine Broschüre des Arbeitskreises „Wege ins Aus- land.“ An der aktualisierten 2. Auflage von „In die Ferne, fertig, los: dein Weg ins Auslandspraktikum“ war auch die NA beim BIBB beteiligt (8). https://wege-ins-ausland.org/ auslandspraktika NA-Neuerscheinungen © p ok ki /A do be St oc k. co m ZUGANG FÜR ALLE> > Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+ Das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ hat für die Programmphase 2021 bis 2027 Inklusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und zu einem Grundprinzip für alle Projekte und Aktivitäten in allen Programmaktionen erklärt. Viel- falt soll zukünftig als Chance begriffen und gesamt- gesellschaftlich als Mehrwert betrachtet werden. Barrieren und Hindernisse, die eine Teilnahme am Erasmus+-Programm bislang verhindert haben, sollen ausgeräumt werden. Dazu stehen verschie- dene Instrumente zur Inklusionsunterstützung zur Verfügung. Zielgruppen: Erasmus+ folgt einem ganzheitlichen Inklusionsbegriff und um- fasst generell Lernende mit geringeren Chancen. Hindernisse zur Teilnahme an Bildungsangeboten können entstehen durch eine wirtschaftlich prekäre Situation, soziale Ungleichheit, kulturelle Unterschiede, geografische Hindernisse, gesundheitliche Einschränkungen, körperliche oder geistige Behinderungen, Lernschwierigkeiten, einen Migrationshintergrund oder einer Flüchtlingserfahrung. 1 2 3 4 6 7 5 8 http://www.MeinAuslandspraktikum.de/infomaterial http://www.MeinAuslandspraktikum.de/infomaterial https://wege-ins-ausland.org/auslandspraktika https://wege-ins-ausland.org/auslandspraktika Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Hochschulbildung, Sport (Personal) > nur Bereich Jugend 23.02.2023 12:00 Uhr 23.02.2023 04.10.2023 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA NA-Jugend jeweilige NA NA-Jugend Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften > im Bereich Sport 22.03.2023 12:00 Uhr 22.03.2023, 17:00 Uhr jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Zentren der beruflichen Exzellenz Innovationsallianzen Kapazitätsaufbau im Bereich berufliche Bildung 08.06.2023 17:00 Uhr 03.05.2023 17:00 Uhr 28.02.2023 17:00 Uhr EACEA EACEA EACEA EACEA EACEA EACEA Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Jugend 19.10.2023 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Bildung, Erwachsenenbil- dung und Jugend > im Bereich Sport 22.03.2023 04.10.2023 jeweils 12:00 Uhr 22.03.2023, 17:00 Uhr jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) jeweilige NA NA Jugend (ab 2023) Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (23.11.2022). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A10/2022. AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 9. Februar 2023 um 12:00 Uhr für Auf- enthalte zwischen dem 1. Mai 2023 und 30. April 2024 http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu …

[…] Bildung für Europa 38 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Dez 2023 Mitmischen in Europa 12 Das EuroApprentices- Netzwerk 19 Fake News und Antisemitismus 28 Neues Portal für Möglichmacher Bildung für Europa 38 Dez 2023 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 02.10.2023 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus - : - - - - - 2 - - : Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5) TCA Nachhaltigkeit in der Erwachsenen bildung, argum GbR / Falk Heller (S. 1); Martin Schmidt, Julia Essl, argum GbR / Thomas Einberger, NA beim BIBB, RochelleBrown/Unsplash.com (S. 5). Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de https://twitter.com/nabibb_de https://twitter.com/EUEB_de 2 3 Bildung für Europa | Dezember 2023 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, mit dem Schwerpunkt „Teilhabe“ schließen wir den Zyklus ab, in dem wir die horizontalen Prioritäten des Programms beleuchtet ha ben. Dass wir die drei anderen Prioritäten schon zuvor behandelt haben bedeutet keineswegs, dass hier nun die Unbedeutendste zur Sprache käme – im Gegenteil. Uns wird in den letzten Jah ren immer deutlicher, wie wichtig europäische und demokratische Werte für die Europäische Union und unser Zusammenleben sind. - - Erasmus+ kommt aus der Tradition der europäischen Programme, die die Qualität der Bildung im weitesten Sinne verbessern sollen. Dies wird auch in Zukunft so sein. Das Programm hat Europa mit einem riesigen Netz von Partnerschaften und Kooperationen über zogen, die unsere Bildungspraxis – und manchmal auch die Bil dungspolitik – verändert haben. Diese Netzwerke, Kooperationen und Mobilitätsprojekte fördern aber auch den gegenseitigen Re spekt, verringern Vorurteile und machen Menschen neugierig. Die se Dimension des Programms ist uns gerade in den letzten Jahren – manchmal auch schmerzhaft – deutlich geworden. - - - - Auch wir als NA beim BIBB müssen an uns dem Anspruch stellen, Teilhabe zu ermöglichen. Wir selber bilden die Brücke zwischen der Praxis vor Ort und den politischen Zielsetzungen und Rahmen bedingungen, denen die Europäische Kommission verpflichtet ist. Ihre Meinung ist uns wichtig, Ihnen zuzuhören macht letztlich das Programm und unsere Arbeit besser. Dafür haben wir seit dem 20.09.2017 unseren Nutzerbeirat als Ihr unmittelbares Sprachrohr eingesetzt. Er begleitet unsere Arbeit kritisch und konstruktiv und ermöglicht einen echten Dialog. Unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen, die sich für Sie stark machen und nutzen Sie dieses Angebot. - Dies ist nun das 38. und letzte Editorial, das ich für unser Journal schreibe. Zum Jahreswechsel gebe ich den Staffelstab an meinen Kollegen Berthold Hübers weiter. Ich bin sicher, dass die NA bei ihm in guten Händen ist und er der NA und der europäischen Zu sammenarbeit viele Impulse geben wird. - Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, mit denen ich in den Jahren als Leiter der NA zusammenarbeiten durfte. Mir hat es große Freude gemacht und ich glaube, dass wir gemeinsam einiges bewegen konnten. Mit dem Abschied verbinde ich auch eine Bitte: Die Europäische Union ist sicher nicht perfekt, aber sie ist die beste und friedlichste Form, in der wir Europäerinnen und Europäer jemals zusammenge lebt haben. Bitte tragen Sie dazu bei, dass dies so bleibt! Beteiligen Sie sich an der Europawahl im kommenden Jahr und helfen Sie mit, dass Erasmus+ auch in Zukunft einen großen Beitrag hierzu leisten kann. - Herzlichst, Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B 4 5 Inhalt Nr. 38 | Schwerpunkt Teilhabe und gemeinsame Werte 06 Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement 09 Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Teil des Bildungsauftrags an Berufskollegs 10 EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB Auslandserfahrungen teilen und sich für europäische Werte engagieren 12 Gemeinsam europäische Werte stärken Warum EuroApprentices sich ehrenamtlich für Erasmus+ engagieren 14 Good Practice: #GetInvolved Förderung von Demokratie und bürgerschaftlichem Engagement in der Berufsbildung 15 Good Practice: KOSMO_POLIS Job Shadowings für partizipatives Lernen 16 SALTO PI die Helpline für Partizipationsprojekte 18 Good Practice: Wires Crossed Bürgerinnen und Bürger bekämpfen Fake News vor Ort 19 : Fake News und Antisemitismus Tipps im Umgang mit Desinformation und Verschwörungserzählungen In eigener Sache - 20 Europäer aus tiefer Überzeugung Anerkennung und Dank zum Ruhestand von Klaus Fahle Erasmus+ 24 Intelligente Stromnetze für die Zukunft Erasmus+-Projekt mit European Innovative Teaching Award 2023 ausgezeichnet 25 Neue Kriterien für Kooperations partnerschaften Prüfung der operationalen Leistungsfähigkeit von Antragstellern 26 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Partnerschaften stark nachgefragt – neuer Rekord in der Erwachsenenbildung Weitere Bildungsthemen 28 Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen So werden Auslandsaufenthalte für Azubis möglich 29 Europäische Agenda Erwachsenenbildung Aufbruch in die achte Förderperiode 2024 bis 2025 30 Infosplitter 32 Termine 4 5 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe, gemeinsame Werte und zivilgesell schaftliches Engage ment 06 Was treibt EuroApprentices an? 12 Zur Programmgeneration 2021-2027: „Lassen Sie uns ehrgeizig sein und die Chancen nutzen. Wir brauchen mehr Europa in unserer Bildung, aber Europa braucht auch viele Beiträge aus Deutsch land. Es gibt viel zu tun ...“ Klaus Fahle: Abschied nach 23 Jahren 20 Projekt „Smart Grid“ ausgezeichnet 24 - - - www.Auslandsberatung-Ausbildung.de ist online28 Agenda: Schwerpunkte der achten Förderperiode 29 http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de 6 7 Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement © R oc he lle Br ow n/ U ns pl as h. co m rasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement © R oc he lle Br ow n/ U ns pl as h. co m E 6 7 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte E uropaweit ist die Tendenz einer abnehmenden Beteiligung am demokratischen Leben zu beobachten. Gerade mit Blick auf die anstehenden Europawahlen ist es brisant, dass der Kenntnisstand zu europäischen Fragen ebenso wie das Be wusstsein dafür häufig nur gering ausgeprägt sind. Gleich zeitig lässt sich bei immer mehr Menschen eine Empfäng lichkeit für radikale Ideologien oder Verschwörungstheorien erkennen und die Demokratie in Europa wird zusätzlich durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine heraus gefordert. Um diesen Problemen mit dem Mittel der Bildung zu begegnen, ist das Thema „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches En gagement“ seit dem Jahr 2021 eine horizontale Priorität im Programm Erasmus+. Der Aus- und Weiterbildung kommt in dieser Hinsicht eine zentrale Bedeutung zu. Sie hat Zugang zu einer großen und heterogenen Gruppe an Menschen und kann diesen die Relevanz der aktiven Beteiligung am politischen und gesellschaftlichen Leben näherbrin gen. Gleichzeitig werden hier Fähigkeiten vermittelt, die für das Zusammenleben in einem demokratischen und vielfältigen Europa notwendig sind, wie beispielsweise soziale und interkulturelle Kom petenzen, kritisches Denken und Medienkompetenz. Den bildungspolitischen Hintergrund bildet die Pariser Erklärung aus dem Jahr 2015 und die Jugendstrategie der Europäischen Uni on 2019 bis 2027, in denen die Förderung aktiven zivilgesellschaft lichen Engagements und europäischer Werte verankert ist. Dadurch hat das Thema im Programm Erasmus+ sowohl in der Mobilität (Leitaktion 1) als auch bei den Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2) eine besondere Bedeutung. Als Querschnittsthema im Programm ist „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement“ bei der Umsetzung der Projekte in beiden Leitaktionen zu berücksichtigten, entweder durch formale oder nichtformale Lernaktivitäten. Das Verständnis für die Europäische Union und die gemeinsamen europäischen Werte zu entwickeln oder zu verbessern sowie kritisches Denken und Medienkompetenz bei den Teilnehmenden zu stärken, ist Ziel der Aktivitäten. Für Leitaktion 2 bedeutet diese Priorität zudem, dass gemeinsam mit europäischen Partnern Lehr- und Lernmateri alien in Hinblick auf die Thematik entwickelt werden können oder bewährte Praxis ausgetauscht wird. Wachsende Bedeutung für die Projektpraxis In beiden Leitaktionen können sich Projekte zur Priorität mit allen Formen des Lernens (formal und non-formal) beschäftigen, die den Aufbau und die Weiterentwicklung zivilgesellschaftlicher und de mokratischer Kompetenzen zum Ziel haben. Diese umfassen alle Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, gesellschaftliche und politische Prozesse zu verstehen, kritisch zu beobachten und sich aktiv dazu zu verhalten. Überdies betrifft die Priorität alle so zialen und interkulturellen Kompetenzen mit direktem Bezug zur Verwirklichung einer europäischen Gesellschaft, die sich durch starken gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und allgemeine Achtung von Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität auszeichnet. Die im Vergleich zum Vorgängerprogramm wesentlich prominen tere Platzierung von „Teilhabe“ als horizontale Priorität spiegelt sich insbesondere in der Erwachsenenbildung in der Vielzahl an Pro jekten wieder, die das Thema adressieren. So arbeiten in der Leitak tion 2 der Erwachsenenbildung seit 2021 insgesamt 87 geförderte Projekte hierzu und erste kleinere Projekte sind bereits abgeschlos sen. In der Berufsbildung hingegen wird die Priorität weniger in den Fokus genommen und bisher nur in 19 Projekten aufgegriffen. Heterogenes Feld an Themen und Zielgruppen In der Leitaktion 2 gibt es sowohl in der Erwachsenenbildung als auch der Berufsbildung ganz unterschiedliche Projekte zum Thema. Grob lässt sich folgende Kategorisierung vornehmen: Bildung für Demokratie und Teilhabe am demokratischen Leben Aktive Bürgerschaft und Mitgestaltung der Gesellschaft Förderung von europäischer Identität und Stärkung europä ischer Werte (Achtung der Menschenwürde und Menschen rechte, Demokratie, Gleichheit vor dem Gesetz, Rechtsstaatlichkeit) - - Gleichberechtigung und Antidiskriminierung Überbrückung von interkulturellem, intergenerationalem und sozialem Ausschluss Bewusstsein für die Europäische Union Medienkompetenz und Prävention gegen Desinformation Soziale Innovation 8 9 Die Projekte sind äußerst heterogen, was ihre Zielgruppen betrifft, und adressieren die Kompetenzen verschiedenster Gruppen von Lernenden oder des Bildungspersonals. Das Spektrum der Ergeb nisse ist ebenfalls sehr breit und reicht von spielbasierten Metho den über Online-Lernplattformen bis hin zum Austausch bewährter Praxis. Die Einbindung von Lernenden spielt dabei meist eine ent scheidende Rolle. - - - In der Leitaktion 1 nehmen in der Berufsbildung die Teilnehmenden beispielsweise in der Regel an interkulturellen Trainings in Vorberei tung auf ihren Auslandsaufenthalt teil. Die Phase der Vorbereitung eignet sich gut, um die Teilnehmenden mit Wissen über europä ische Institutionen und europäische Werte auszustatten. In der Pha se nach einem Auslandsaufenthalt kann insbesondere die Wirkung der Mobilität in Bezug auf diese Priorität überprüft werden. So werden die Teilnehmenden beispielsweise gefragt, ob sie sich jetzt „europäischer und zugehöriger zur europäischen Gemeinschaft fühlen“ und ob ihr Interesse an der Teilnahme an Wahlen und de mokratischen Prozessen gestiegen ist, was in der Regel bejaht wird. - - - - Eine Möglichkeit für Lernende, um sich zu engagieren und die eu ropäische Idee und europäische Werte zu leben und zu verbreiten, ist die Teilnahme an der Initiative „Erasmus+-Botschafter/-innen in der Berufsbildung“, den sogenannten EuroApprentices (s. auch S. 10 ff.). EuroApprentices sind ehemalige Erasmus+-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, die aus eigener Erfahrung vom Mehrwert eines Auslandsaufenthaltes berichten. Sie engagieren sich dafür, andere Auszubildende zu motivieren, den Schritt ins Ausland zu wagen. Die NA beim BIBB bildet die Botschafter/-innen einmal pro Jahr aus. EuroApprentices gibt es mittlerweile in zehn europäischen Ländern. Durch regelmäßige Netzwerktreffen entsteht so eine länderüber greifende Zusammenarbeit von Jugendlichen, die die europäischen Werte vertreten und zivilgesellschaftliches Engagement beweisen. Die NA beim BIBB koordiniert dieses europaweite Netzwerk. - - In Erasmus+-Projekten wird das zusammenwachsende Europa ge lebt. Die Teilnehmenden nutzen die offenen Grenzen, arbeiten in transnationalen Projekten zusammen und profitieren von der Ex pertise ihrer Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern. Durch ihre Ergebnisse, den Kompetenzgewinn und die Beziehungen, die hier entstehen, tragen sie zur Stärkung des europäischen Zusam menhaltes bei. - - - Welche neuen Angebote gibt es? Die zunehmende Relevanz des Themas spiegelt sich auch in der Eröffnung des neuen europäischen Zentrums „SALTO Participation & Information“ in Estland wieder (s. auch S. 16 f.). Aufgabe des Zentrums ist die Stärkung von Synergien zwischen Politik, EU-Bil dungsprogrammen und der Bildungspraxis hinsichtlich „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsamer Werte und zivilgesell schaftlichen Engagements“. Es unterstützt und berät die Nationalen Agenturen bei der Entwicklung von passenden Angeboten für die Projektträger. Die Website des SALTO Zentrums gibt Überblick über Beispiele guter Praxis und bietet eine umfangreiche Toolbox mit vielseitigen Lehr- und Lernmaterialien zum Thema. - - Ab dem Jahr 2024 wird es eine neue Aktivität in der Leitaktion 1 in der Berufsbildung geben, die es Gruppen von Lernenden ermög licht, gemeinsam mit Lernenden aus mindestens einem anderen Land an verschiedenen Themen zu arbeiten, aber auch europäische Institutionen zu besuchen. Damit fördert diese Aktivität explizit po litische Bildung von Lernenden im Rahmen von Lernaufenthalten im Ausland. Detaillierte Informationen sind dem Programmleitfaden 2024 zu entnehmen. In der Leitaktion 1 in der Erwachsenenbildung gibt es diese Gruppenaktivitäten schon länger. - - Auch in der Arbeit der Nationalen Agentur beim BIBB erhält das Querschnittsthema zunehmende Bedeutung. So befindet sich der zeit eine teamübergreifende Arbeitsgruppe im Aufbau, die das vorhandene Wissen bündelt und zum Ziel hat, Antragsteller und laufende Projekte hinsichtlich dieses zentralen Themas zu unter stützen. Die neustrukturierte Themenseite „Teilhabe, gemeinsame Werte“ auf der NA-Website gibt Informationen und Anregungen, welche Bedeutung das Thema im Programm hat und auf welche Weise es in Mobilitätsprojekten und Partnerschaften aufgegriffen werden kann. Die Seite wird fortlaufend um neue Good-Prac tice-Beispiele aus der Berufs- und Erwachsenenbildung erweitert. - - - INFO: Themenseite der NA beim BIBB: www.na-bibb.de/themen/teilhabe Website des SALTO-Zentrums: https://www.salto-youth.net/rc/participation/ Teilhabe & gemeinsame Werte - TORSTEN SCHNEIDER Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Kooperationsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB Torsten.Schneider@bibb.de FREDERIK HUGO Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB hugo@bibb.de © N A b ei m B IB B KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationali sierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de http://www.na-bibb.de/themen/teilhabe https://www.salto-youth.net/rc/participation/ mailto:Torsten.Schneider@bibb.de mailto:hugo@bibb.de mailto:wilkens@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Teil des Bildungsauftrags an Berufskollegs © E U -G es ch äf ts st el le A rn sb er g Mit ihrer Initiative „Demokratie fördern in internationalen Projekten“ (DiP) un terstützt die EU-Geschäftsstelle Wirt schaft und Berufsbildung Arnsberg die Berufskollegs in ihrem Regierungsbe zirk bei der Umsetzung von internatio nalen Projekten im Bereich der Erinne rungskultur und Demokratieförderung. „Die Berufskollegs sind ideale Orte für attraktive Bildungsangebote, durch die junge Menschen demokratische Wer te, Toleranz und Weltoffenheit lernen. Diese Werte sollen in allen Fächern vermittelt werden. Zum Bildungs- und Erziehungsauftrag des Berufskollegs gehört es, diese Werte in das beruf lich-ethische Handeln der Auszubilden den zu transferieren“, erklärt Ludger Dieckmann, schulfachlicher Dezernent in Arnsberg. Um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sei es wichtig, diese Themen in die Schulent wicklung zu inkludieren. Neben der Plattform “NRW cConnect extern“, die eine Sammlung von Ressourcen wie z.B. Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellt, sind internationale Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Schulleitungen zentraler Be standteil der Initiative. Qualifizierung „Gedenkstättenpäda gogik“ An der aus vier Modulen bestehenden Quali fizierung „Gedenkstättenpädagogik“ nahmen 26 Lehrkräfte teil, um Impulse zu erhalten und methodisches Wissen für die Durchführung von internationalen Aktivitäten zur Förderung der Demokratie in der beruflichen Bildung zu erlernen. In Modul 1 und 2 tauschten sich die Teilnehmenden mit Blick auf den Status Quo zur Erinnerungskultur am eigenen Berufs kolleg aus, entwickelten Projektideen für ent sprechende Schulentwicklungsvorhaben und setzten sich mit der Verortung des Themas in Lernsituationen auseinander. Das dritte Modul beinhaltete ein einwöchiges Job-Shadowing in der Internationalen Begegnungsstätte in Oświęcim, Polen, mit Besuch des Konzentra tionslagers Auschwitz und dem Austausch mit polnischen Lehrkräften. Durch eine Aus einandersetzung mit dem historischen Ort Auschwitz-Birkenau lernten die teilneh menden Lehrkräfte z.B. die Wirkung päda gogischer Methoden zur Bewältigung der Eindrücke kennen und können diese in der Arbeit mit ihren Schülerinnen und Schülern einsetzen. Die Fortbildung endete mit dem 4. Modul, in welchem die Lehrkräfte ihre Er fahrungen in Polen fachlich auswerteten und erste Meilensteine zur Umsetzung von Aktivi täten an ihren Schulen planten. Die Fortbildung für Schulleiter/-innen fand in Kooperation mit dem Institut für Demokra tiepädagogik in Eupen, Belgien, statt. Neben einer Sensibilisierung für die Relevanz des Themas im Schulprogramm lernten die Schul leitungen mittels im Ausland erprobter Prak tiken Zugangswege für Lernende kennen, um dieses Themenfeld zu erschließen und Mög lichkeiten der Verknüpfung mit berufsspezi fischen und berufsübergreifenden Inhalten zu präzisieren. Die Berufskollegs im Regierungs bezirk Arnsberg sind mit neuen Kompetenzen ins Schuljahr 2023/2024 gestartet. Nun ist das DiP-Team sehr gespannt, welche Vorhaben zur Demokratieförderung in internationalen Projekten begleitet werden. PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2020-1-DE02-KA120-VET-000007909 Laufzeit: 01.06.2022 – 31.05.2024 Beteiligte Länder: BE, PL, DE Koordinatorin: EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufs bildung der Bezirksregierung Arnsberg (Dez. 45) - Kontakt: Andrea Stein, Andrea.Stein@bra.nrw.de Website: www.bra.nrw.de/bildung-schule/ schulformen-abschluesse/ schulformen/eu-geschaeftsstelle- fuer-wirtschaft-und-berufsbildung http://www.bra.nrw.de/bildung-schule/schulformen-abschluesse/schulformen/eu-geschaeftsstelle-fuer-wirtschaft-und-berufsbildung mailto:Andrea.Stein@bra.nrw.de 10 11 Workshop zu European Values während des interna tionalen EuroApprentices Treffens 2023 in Terceira, Portugal © N A b ei m B IB B Internationales Treffen 2017 in Köln mit EuroApprentices aus sechs Ländern © N A b ei m B IB B EuroApprentice Svenja auf dem European Youth Event 2023 in Straßburg © M ar tin S ch m id t (E ur oA pp re nt ic e) Deutsche EuroApprentices beim internationalen EuroApprentices Treffen 2022 in Prag, Tschechien © t sc he ch is ch e N at io na le A ge nt ur „ D ům z ah ra ni čn í s po lu pr ác e (D ZS ) EuroApprentice Anna mit NA-Mitarbeiterin auf der Messe „Einstieg Berlin 2022" © A nn a Ro ßb an d (E ur oA pp re nt ic e) - 10 11 Bildung für Europa | Dezember 2023 © t sc he ch is ch e N at io na le A ge nt ur „ D ům z ah ra ni čn í s po lu pr ác e (D ZS ) © N A b ei m B IB B © N A b ei m B IB B - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB Auslandserfahrungen teilen und sich für europäische Werte engagieren Internationales Treffen 2017 in Köln mit EuroApprentices aus sechs Ländern E uroApprentices sind Lernende in der Be rufsbildung, die als Botschafter/-innen von ihren eigenen Auslandserfahrungen mit Erasmus+ u.a. in Berufsschulen, auf Social-Media-Kanälen und Ausbildungs messen berichten. Sie sind zentraler Be standteil einer europäischen Initiative, die 2017 von der Nationalen Agentur beim BIBB zusammen mit fünf weiteren Ländern gegründet wurde. Diese will die Sichtbarkeit von Auslandsaufenthal ten in der Berufsbildung erhöhen. „Dieser Ansatz ist auch heute noch be deutsam, denn noch immer wissen viele Lernende in der Berufsbildung nicht, dass Auslandsaufenthalte während der Ausbildung gefördert werden“, erläutert Berthold Hübers, stellvertretender Lei ter der NA beim BIBB. „Zudem tragen EuroApprentices aktiv dazu bei, die At traktivität der Berufsbildung zu steigern: Ihre authentischen Berichte über ihre Auslandspraktika machen klar, dass die Berufsbildung international offen ist und persönliches Wachstum ermöglicht, wie es landläufig oft nur mit dem Studium verbunden wird. Aus der Arbeit mit den EuroApprentices haben wir außerdem gelernt, wie stark das Programm europä ische Identität und politische Teilhabe för dert. EuroApprentices möchten sich aktiv an der Weiterentwicklung des Programms und Europas beteiligen und andere moti vieren, ebenfalls daran mitzuwirken“, so Hübers weiter. 120 Aktive in elf Ländern EuroApprentices gibt es aktuell in elf Län dern. Diese haben sich in einer sogenann ten LTA (eine von der Europäischen Union geförderten Langzeitaktivität) zu einem europäischen Netzwerk zusammenge schlossen, welches die NA beim BIBB ko ordiniert. Ziele sind eine „Community“ von Erasmus+-Botschafterinnen und -Bot schaftern europaweit als Vorreiter eines Alumninetzwerks aufzubauen, die Euro Apprentices in ihren Kompetenzen und Fähigkeiten zu stärken und gemeinsam die Attraktivität der Berufsbildung in Euro pa zu verbessern. Derzeit beteiligen sich die Nationalen Agenturen aus Finnland, Italien, Österreich, Ostbelgien, Polen, Portu gal, Rumänien, Spanien, aus der Slowakei, der Tschechischen Republik und Deutsch land an dem Netzwerk und bilden jedes Jahr neue Erasmus+-Botschafter/-innen aus. Die aktuell 120 EuroApprentices reprä sentieren eine vielfältige Gruppe von Teil nehmenden aus den unterschiedlichsten Regionen Europas, mit ganz unterschied lichen Berufsprofilen und vielfältigen He rausforderungen. Aktivitäten der ehrenamtlich Tätigen EuroApprentices nutzen die sozialen Medien, um über ihre Erasmus+-Erfah rungen zu berichten, z.B. auf Instagram unter „MeinAuslandspraktikum“ oder auf „euroapprentices_germany“. Außerdem können EuroApprentices beispielsweise von Unternehmen, berufsbildenden Schu len und Ausbildungszentren angefragt werden, um über ihren Auslandsaufent halt zu berichten. Darüber hinaus planen sie verschiedene Aktivitäten in ihrem lo kalen oder regionalen Umfeld zur Vernet zung wie z.B. auf einer Veranstaltung ihrer zuständigen Handwerkskammer oder in ihrer ehemaligen Berufsschule. Außerdem stehen sie für Presseanfragen zur Verfü gung. Die Botschafter/-innen sind auch auf europäischer Ebene gefragt: So vertra ten sie die Initiative unter anderem beim European Youth Event 2023. In einem Pa nel, welches von der Generaldirektion für Arbeit und Beschäftigung organisiert wur de, sprach der Erasmus+-Botschafter Mar tin Schmidt über die Vorteile einer dualen Berufsausbildung, den Nutzen, während der Ausbildung mit Erasmus+ ins Ausland zu gehen, und er erläuterte, warum sein Ehrenamt als Erasmus+-Botschafter gera de in der heutigen Zeit so wichtig ist. Wie unterstützen die Nationalen Agenturen? Nach einer erfolgreichen Bewerbung oder Auswahl nehmen die EuroApprentices an einem Training oder Treffen in ihrem Land teil. Hier erfahren sie mehr über ihre Rol le als EuroApprentice und das Programm Erasmus+. Außerdem werden verschie dene Kompetenzen wie z.B. Story Telling geschult. Dann kann es losgehen! Bei der Umsetzung ihrer Aktivitäten werden sie je nach Land von ein bis zwei Mitarbeite rinnen oder Mitarbeitern der zuständigen NA unterstützt. Ein zusätzlicher Nutzen ist, dass die ehrenamtliche Tätigkeit zerti fiziert wird – eine tolle Ergänzung für den Lebenslauf, denn ehrenamtliches Engage ment hat bei Bewerbungen deutlich an Bedeutung gewonnen. Highlight: Europäische Treffen Zu den Highlights gehören die europä ischen Treffen, an denen die EuroAppren tices jährlich teilnehmen können. Diese werden abwechselnd von den beteiligten Nationalen Agenturen durchgeführt. Bis her konnten die jungen Europäer/-innen sich in Deutschland, Österreich, Malta, in der Tschechischen Republik und in Por tugal treffen. „Hier spürt man den Eras 12 13Teilhabe & gemeinsame Werte mus+-Spirit – eine Community junger Euro päer/-innen, die etwas bewegen möchte. Das europäische Netzwerk und seine Tref fen stärken nicht nur die Kompetenz der Botschafter/-innen, sondern auch ihr En gagement für diese Aufgabe. Wir freuen uns, das Treffen endlich in Helsinki ausrich ten zu können”, sagt Sari Turunen-Zwinger, Leiterin der Abteilung Internationalisierung der Berufsbildung bei Edufi, der Finnischen NA. 2024 heißt es also „Tervetuloa Euro Apprentices“ in Finnland. - - - - - INFO Profile der deutschen EuroApprentices: www.na-bibb.de/euroapprentices Informationen zum Europäischen Netzwerk: www.euroapprentices.eu Kontakt und Koordination des LTA: Kristin Wilkens, wilkens@bibb.de, Tel.: 0228 107 2913 KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Inter nationalisierung der Berufsbil dung“ in der NA beim BIBB - - © N A b ei m B IB B Gemeinsam europäische Werte stärken Warum EuroApprentices sich ehrenamtlich für Erasmus+ engagieren Martin Schmidt (hintere Reihe, 1. v. l.), Leslie Elimbi (hintere Reihe, 3. v. l.), Cindy Klink (hintere Reihe, 1. v. r.) und Svenja Naumann (vordere Reihe, 1. v. r.) beim Netzwerktreffen der EuroApprentices 2023 © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/euroapprentices http://www.euroapprentices.eu mailto:wilkens@bibb.de 12 13 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte E uroApprentices sind junge Menschen, die während ihrer Berufsausbildung mit Erasmus+ im europäischen Aus land waren und ihre dort gemachten Erfahrungen mit anderen teilen möch ten. Als ehrenamtliche Botschafte rinnen und Botschafter informieren und motivieren sie in Berufsschulen, auf Ausbildungsmessen, in Berufsin formationszentren oder einfach auf der Straße. Doch was treibt sie an? Da rüber haben wir mit vier EuroApprenti ces gesprochen. - - - - - - Martin Schmidt engagiert sich bereits seit 2018 als EuroApprentice, er ist sozusagen ein „Mann der ersten Stunde“. Der 26-jäh rige Mechatroniker im Maschinenbau hatte während seiner Ausbildung vier Wochen im englischen Portsmouth verbracht, für ein zweites Praktikum zog es ihn Ende 2019 nach Malta. Die Arbeit als EuroApprentice hält er gerade in der heutigen Zeit für wich tig, „damit die junge Generation ihren Weg in die berufliche Bildung findet“. „Passion for Profession“ und der Wunsch nach Sicht barkeit und Wahrnehmung der dualen Be rufsbildung treiben ihn an. - - - - Hinzu kommt die gesellschaftliche Dimen sion. Schmidt wörtlich: „Wir leben in einer Zeit, in der wir die Demokratie als etwas ver stehen sollten, für das es sich zu kämpfen lohnt. Zurzeit droht es manchmal ein wenig unterzugehen, welche Freiheiten und Vor teile wir aus einem geeinten Europa ziehen können.“ Schmidt lebt heute in Magdeburg und setzt sich vor allem im mittel- und ost deutschen Raum für Erasmus+ und die euro päischen Werte ein. Zum einen, weil es sei ne Heimat ist, zum anderen aber auch, weil die Idee des Programms hier seiner Ansicht nach noch stärker verankert werden müsse, auch in den Berufsschulen. Dabei möchte er vermitteln, wie sehr Erasmus+ die Qualität und die Attraktivität der beruflichen Bildung erhöhe. - - - - - - Das motiviert auch Svenja Naumann. Die Erzieherin aus dem bayerischen Landshut glaubt, „dass wir in Europa unheimlich viel voneinander lernen können, wenn wir offen und interessiert sind“. Sie erzählt gerne von ihrer Zeit in einem deutsch-französischen Kindergarten in Paris und der Entscheidung, auch das anschließende Anerkennungsjahr im Nachbarland zu absolvieren. Seit Mai 2022 ist sie als EuroApprentice ak tiv, um auch andere Azubis zu inspirieren und für einen solchen Schritt zu ermutigen. „Im erzieherischen Umfeld nutzen immer noch viel zu wenige die Chance zum Aus landsaufenthalt während der Ausbildung“, sagt sie, und ergänzt: „Vor allem die inter kulturellen Erfahrungen und die Zweispra chigkeit haben meinen Horizont enorm erweitert“. Kürzlich war die 21-Jährige in einem Vortrag, in dem es hieß: „Ich bin nicht nur Deutsche, ich bin Europäerin“. Genauso fühle sie sich auch, lächelt Naumann. - - - - Im Zeichen der Vielfalt Szenenwechsel. Leslie Elimbi ist 27 Jahre alt und arbeitet als Kauffrau für Büromanage ment beim Chemie- und Pharmakonzern Merck KGaA in Darmstadt. Dort hat sie im Januar 2021 ihre Ausbildung abgeschlossen und zuvor die Gelegenheit genutzt, für drei Monate praktische Erfahrungen bei einem Tochterunternehmen in Finnland zu sam meln. Eine Zeit, die ihr sowohl beruflich als auch privat viele neue Impulse gegeben hat. Merck habe dies sehr unterstützt, berichtet Elimbi, auch die Arbeit als ehrenamtliche EuroApprentice finde hier viel Zustimmung. Ihr selbst gehe es vor allem darum, „andere Menschen für andere Kulturen zu begeis tern, denn ich weiß aus meiner eigenen Ge schichte, wie bereichernd Vielfalt und die kulturelle Begegnung sein können“. - - - - Das erlebe sie auch bei den Treffen im Rahmen des EuroApprentices-Netzwerkes. Dazu Elimbi: „Das Tolle dabei ist für mich, wie unterschiedlich die Leute sind, die dort zusammenkommen. Wir stammen alle aus sehr verschiedenen Berufen und Umfeldern – das ist ein spannender Mix. Zu einigen EuroApprentices pflege ich auch über die re gelmäßigen Treffen hinaus einen intensiven Kontakt.“ - Während Leslie Elimbi sich erst seit wenigen Monaten als EuroApprentice engagiert, ist Cindy Klink – wie Martin Schmidt – schon seit 2018 dabei. Die 25-Jährige aus dem rheinland-pfälzischen Weinort Maring-Novi and ist seit ihrem dritten Lebensjahr taub heitsgrenzend schwerhörig und seit einigen Jahren komplett gehörlos. An ihre Ausbil dung zur Verwaltungsfachangestellten hat - - - sie ein Studium angeschlossen, sie arbeitet zudem als Deaf Performerin und Schauspie lerin. - Durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit möchte sie vor allem Menschen mit einer Behinde rung dafür begeistern, während der Ausbil dung ins Ausland zu gehen, so wie sie selbst 2017 für fünf Wochen im irischen Cork war. Klink betont: „Meine ,Behinderung‘, wie sie oft von anderen wahrgenommen wird, hat mich nie daran gehindert, das zu tun, wo für ich brenne. Im Gegenteil, sie hat mich gelehrt, Herausforderungen anzunehmen und nach Lösungen zu suchen, die mei ne Leidenschaft und Ziele unterstützen.“ Abschließend unterstreicht sie: „Als Euro Apprentice kann ich den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Inklusion und Vielfalt aktiv unterstützen. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist, eine Welt zu schaffen, in der jeder Mensch, unabhängig von seinen Un terschieden, die gleichen Chancen und den gleichen Respekt verdient.“ - - - - - - Text: Manfred Kasper im Auftrag der NA beim BIBB NUTZERBEIRAT ERASMUS+ Teilhabe hat viele Formen. So hat die NA beim BIBB mit dem Nutzerbeirat ein strukturiertes Dialogangebot an ihre Projektträger eingerichtet. Wir freuen uns, dass dieses gut an genommen wird. Die Amtszeit des aktuellen Nutzerbeirats läuft bis 2024. Er trifft sich zweimal jährlich in Bonn. Das Protokoll der letzten Sitzung vom 26.09.2023 sowie die Kontaktdaten der zehn Mitglieder aus der Berufs- und Erwachsenenbil dung finden Sie unter: - - www.na-bibb.de/ueber-uns/ nutzerbeirat http://www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat 14 15 Good Practice: #GetInvolved Förderung von Demokratie und bürgerschaft lichem Engagement in der Berufsbildung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte © A nd re a W is ot zk i Seit einigen Jahren nehmen antidemo kratische Tendenzen, unter anderem durch das Erstarken von nationalpo pulistischen Parteien, in europäischen Staaten zu. Um dem entgegen zu wirken, hat es sich das EU-Projekt „#GetInvolved“ zum Ziel gesetzt, ins besondere bei jungen Menschen im Berufsbildungssystem das demokra tische Bewusstsein zu stärken. Dabei sollen vor allem demokratische Ge staltungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, welche sich nicht nur auf die klassischen institutionalisierten For men beschränken. Zu Beginn ging die Strategische Partnerschaft unter der Koordination der QBS Gewerkstatt der Frage nach, wo dem Bereich „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und zivilgesellschaftliches Engagement“ im Berufsbildungssystem Raum gegeben wird. Dabei hat das Projektteam, bestehend aus fünf Partnern in vier EU-Ländern, festgestellt, dass dieses Thema in der alltäglichen Praxis stark vernachlässigt wird. Im Projekt wird die se Problematik aufgegriffen, indem die Sensi bilisierung für Diskriminierung geschärft wer den soll und Methoden bereitgestellt werden, um die Erfahrung von Teilhabe entsprechend dem Konzept der Inclusive Citizenship zu er möglichen. Hierbei ist die Wertschätzung für die Perspektive der Teilnehmenden ein zen trales Element. Die Materialien richten sich da bei nicht nur an Berufsbildungseinrichtungen, sondern auch explizit an Betriebe. Materialien für Lehrende und Lernende Die erstellten Materialien bieten auf verschie denen Ebenen Methoden und Anregungen, um das Projektziel zu erreichen. In einem Train-the-Trainer-Workshop werden dem Bildungspersonal Methoden vermittelt, die sich einerseits der Sensibilisierung für Diskri minierung und Macht sowie andererseits der aktiven Teilhabe widmen. Diesen Workshop können Bildungseinrichtungen und Betriebe selbstständig mit Hilfe der Materialien orga nisieren oder bei den Projektpartnern eine Durchführung anfragen. Das Angebot be steht auch nach Projektende fort. Zur Förderung des Engagements von jungen Menschen wurde ebenfalls ein Handbuch für Schülerwettbewerbe entwickelt, das von Leh renden wie Lernenden gleichermaßen genutzt werden kann. Darüber hinaus unterstützt ein Self-Monitoring-Tool die Vermittlung einer de mokratischen Haltung in der Berufsbildung, indem unter anderem Diskriminierungspoten ziale und Machtstrukturen in Organisationen aufgezeigt werden. Zusätzlich wurde ein Konzept für eine mögliche Zertifizierung von Organisationen nach demokratischen Kom petenzen und Strukturen entwickelt. Eine Herausforderung in der Projektarbeit war es, die unterschiedlichen landesspezifischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und entsprechend bei der Produktentwicklung umzusetzen. „Im Umgang mit dem Thema Teilhabe ist die Bereitschaft zu Selbstreflexion und zum Perspektivwechsel von großer Be deutung“, betont Andrea Wisotzki, die Projekt koordinatorin. Die Partnerschaft ist derzeit be müht, das Konzept für ein „#GetInvolved“-Label in einem Folgeprojekt Wirklichkeit werden zu lassen. PROJEKTINFO Projekttitel: #GetInvolved: Supporting Democracy and Citizenship in VET Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007408 Laufzeit: 01.11.2020 – 28.02.2023 Beteiligte Länder: AT, DE, IT, PL Koordinator: QBS Gewerkstatt gGmbH, Bochum Kontakt: Andrea Wisotzki Website: https://getinvolved-project.eu/ intellectual-outputs https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2020-1-DE02- KA202-007408 https://getinvolved-project.eu/intellectual-outputs https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007408 14 15 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: KOSMO_POLIS Job Shadowings für partizipatives Lernen Teilhabe & gemeinsame Werte © w el tg ew an dt e .V . weltgewandt, das Institut für interkul turelle politische Bildung e. V. mit Sitz in Berlin-Marzahn, verfügt über ein breites Spektrum: Es lädt zu DIALOG- Cafés, Theaterprojekten, Seminaren zu wirtschaftlicher Allgemeinbildung und zur Diskussion aktueller gesellschaft licher Themen ein. In europäischen Kooperationen werden Materialien zur sozio- ökonomischen Bildung, zu Wahrnehmungen von Geschichte, Kli mawandel und ökologischen Fragen, Digitalisierung und weiteren Themen entwickelt. Die Angebote richten sich an Menschen unterschiedlichster Her kunft und verschiedener Einkommen, Lebensstile und (politischer) Auffassungen mit dem Ziel, Aufklärung, Debatte und Em powerment zu fördern, sodass Teilneh mende mitreden können und sich für Demokratie und Gemeinsinn in ihrem Umfeld engagieren. Um dieses Portfolio weiterzuentwickeln, benötigen Mitarbeitende Anregungen und geeignete Qualifizierungsangebote: Das Eras mus+-Projekt „KOSMO_POLIS“ setzt hier an und ermöglicht es, pädagogische Kompe tenzen der bei weltgewandt Mitwirkenden auszubauen. Zwei von ihnen bildeten sich beim Fremdsprachenlehren und der freien Theaterarbeit weiter. Sie erprobten während mehrwöchiger Job Shadowings neue Metho den der teilnehmerorientierten Bildungsarbeit. Lernorte: Sprachschule und Theater Bei der „Associazione di promozione sociale Asinitas Aps“ in Rom lernte Alisa Jordan eine Sprachschule für Migrantinnen und Migranten und Geflüchtete kennen, die Bildung mit sozialer Betreuung verbindet. Der intensive persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden geschieht hier auf Augenhöhe, und die Lebens- und Migra tionswege der Menschen werden in den Un terricht einbezogen. Beispielsweise werden neue Vokabeln praxisnah beim Erstellen von Einkaufslisten gelernt. Manuelle und kreative Tätigkeiten, Spiele, Tanz und Gesang sowohl im Sprachunterricht als auch in Theaterwork shops und Handarbeitskursen stimulieren das Lernen. Hinzu kommt die Begleitung zu Sozial- und Gesundheitsdiensten, Schwanger schaftskursen sowie Bildungs- und Rechts beratung. Die Zugewanderten werden moti viert, ihre Migrationserfahrung als Quelle zu betrachten, aus der sie für ihre Zukunft schöp fen können. Jordan lässt diese interaktiven, alltagsbezogenen und doch spielerischen Methoden nun in die Gestaltung der DIALOG- Cafés einfließen. Sophia Bickhardt, Leiterin von weltgewandt und Co-Trainerin von Theaterprojekten, tauchte in die Welt des professionellen The aters ein. Während ihres Job Shadowings mit der Compagnie DUANAMA in Marseille war es besonders eindrücklich, ein Stück von und mit ehemals obdachlosen Menschen zu entwickeln. Höhepunkt ihres zweiten Job Shadowings beim DAH Teatar in Belgrad war das Festival „Arts and Human Rights“. Bickhardt kam in Kontakt mit Schauspiele rinnen und Schauspielern sowie Theater macherinnen und Theatermachern. In Work shops konnte sie Methoden in Anlehnung an Jerzy Grotowski erproben: Viel Körperarbeit, konzentriert in der gesprochenen Sprache. Die Übungen regten dazu an, authentisch zu sein und so Entfremdung zu überwinden. Die Beteiligten kamen sich näher und erfuhren, wie Theater mit seinen Formen des Selbstaus drucks es erlaubt, Inhalte zur Sprache zu brin gen, die mitunter schwer sagbar sind. Die vielfältigen Anregungen durch die Job Shadowings fließen nun sukzessive in die Bil dungsarbeit von weltgewandt ein und bieten Stoff für neue Ideen und Projekte. PROJEKTINFO Projekttitel: KOSMO_POLIS Projektnummer: 2021-1-DE02-KA121-ADU-000004012 Laufzeit: 01.09.2021 – 31.08.2023 Beteiligte Länder: RS, FR, IT Koordinator: weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung e. V. Kontakt: info@weltgewandt-ev.de Website: https://weltgewandt-ev.de/kosmo_polis/ mailto:info@weltgewandt-ev.de https://weltgewandt-ev.de/kosmo_polis/ 16 17 SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte © ? ?? ?? © M ar ia V itk ov sk a/ A do be St oc k. co m SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte 16 17 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilhabe & gemeinsame Werte S ie bezeichnen sich selbst als Parti zipations-Enthusiastinnen. Joana Freitas und Kelly Hrupa erforschen im SALTO Resource Centre in Tallinn, Estland, wie echte Beteiligung in den Jugendbildungsprogrammen von Erasmus+ und Europäischem Solidari tätskorps aussehen kann. Wie gelingt Beteiligung von jungen Menschen in Projekten? Joana Freitas: Es gibt drei wichtige Be dingungen. Erstens: Es reicht nicht, die Jugendlichen zur Beteiligung aufzufordern, sondern sie müssen genau informiert sein, was sie tun sollen, was das Ziel, wie der Ablauf ist. Zweitens müssen sie sich tat sächlich mit eigenen Beiträgen zum Thema beteiligen können. Ist die Sprache verständ lich? Oder ist das Setting sehr formal? Dann fühlen sie sich vielleicht nicht eingeladen, mitzureden. Drittens muss man bereit sein, Entscheidungsgewalt zu teilen. Kelly Hrupa: Außerdem muss man unbe dingt vermitteln, ob und wie Ideen umge setzt wurden - und noch wichtiger, was die Gründe sind, wenn nicht. Nichts ist schlim mer als ein Prozess, an dessen Ende das Ge fühl zurückbleibt, dass meine Stimme doch nicht zählt. Joana, Ihr Fokus ist Partizipation in der beruflichen Bildung. Lassen sich diese Prinzipien einfach übertragen? Joana Freitas: Grundsätzlich kann man sagen, Projektlernen eröffnet mehr Räume für Beteiligung als Lernen nach Lehrbuch. Deshalb bietet gerade Erasmus+ Möglich keiten, Lernende in Entscheidungen ein zubeziehen: Mit wem wollen wir koope rieren? Wie nennen wir das Projekt? Auch die Projektergebnisse selbst können von den Jugendlichen präsentiert werden. Es ist wichtig, deutlich zu machen: Deine Mei nung ist wertvoll für uns. Auch, weil die jenigen, die eine Ausbildung machen und nicht studieren, sich vielleicht nicht in dem selben Maße von der Gesellschaft wertge schätzt fühlen. In Ausbildung und Schule steht die Vermittlung von Wissen im Vorder grund. Wo finden sich Lücken für Be teiligung außerhalb von Projekten? Kelly Hrupa: Oft ist es schon die Beteili gung an Mikro-Entscheidungen, die einen Unterschied macht. Für welches Unter richtsthema man sich entscheidet beispiels weise, welches Exkursionsziel man wählt. Joana Freitas: Natürlich liegt das Ausbil dungsziel immer auf den beruflichen Fer tig- und Fähigkeiten, auch die Lernenden selbst sind auf den Arbeitsmarkt fokussiert. Aber wenn wir sie befähigen wollen, er folgreich zu sein, sollten wir die Fähigkeit, sich zu beteiligen, immer mit in den Blick nehmen. Denn wie kann jemand eine gute Mitarbeiterin sein, die nicht gelernt hat, sich einzubringen? Wie soll jemand ein wertvolles Teammitglied werden, der in der Ausbildung niemals seine Ideen formulieren sollte? Jugendbeteiligung in der Demokratie ist seit 2021 eine der horizontalen Prioritäten von Erasmus+ und ein Schwerpunkt von SALTO PI (Partici pation and Information). Wie findet sich das Thema bislang in Projekten wieder? Joana Freitas: Um dies genauer heraus zufinden, sammeln wir zurzeit für eine Be standsaufnahme europaweit Daten bei den Nationalen Agenturen (NAs). Wie viele Pro jekte mit dieser Priorität gab es? Was war der jeweilige Hauptfokus? Was sind die Er gebnisse? Kelly Hrupa: Die Ergebnisse werden wir veröffentlichen. Dieses Wissen basiert dann nicht auf zufälligen Beobachtungen, son dern auf gezielter Recherche: Wo läuft es gut, wo müssen wir besser werden? Den SALTO Ressource Centern (Support, Ad vanced Learning and Training Opportuni ties for Youth) - liegt eben dieser Gedanke der EU-Kommission zugrunde, dass es ei nen strategischen Blick auf die Jugendbil dungsprogramme braucht, für den die NAs keine Mittel haben. Joana Freitas: Wir haben einen europa weiten Überblick und können besser iden tifizieren, welche Ressourcen für ein Thema wichtig sind. Der Gesprächskanal ist aber auch in die andere Richtung offen. NAs können sich an uns wenden mit ihrem Be darf, mit Ideen, etwa für Kooperationen. Wir versuchen auch, auf Veranstaltungen zu dem Thema präsent zu sein. Wie können Sie jetzt schon denen helfen, die Partizipation zu einem Projektschwerpunkt machen wollen? Joana Freitas: Alle, die ein Partizipa tions-Projekt planen, können sich auf un serer Website informieren, wie man am bes ten vorgeht. Grundlage dafür ist die “Youth Participation Strategy”, die wir mit Experten, NAs und NGOs entwickelt haben. Es gibt ein praktisches Tool-Kit dafür auf unserer Web site https://participationpool.eu. Wenn ein Projektträger dazu arbeiten will, kann er das Projekt mithilfe des Toolkits konzi pieren. Wie etwa schafft man die richtigen Voraussetzungen für Partizipation? Zum Beispiel, indem man Hindernisse identifi ziert und beseitigt, die eine Gruppe an der Beteiligung hindern könnte, etwa Sprach barrieren. Kelly Hrupa: Für einen Projektträger kön nen sich auch die Chancen auf Förderung des Projektes erhöhen, wenn er sich in der Konzeption auf unsere Handreichung be ziehen kann. Joana Freitas: Unser Angebot richtet sich an alle, die ein Angebot zum Thema ent wickeln wollen. Auf unserer Website findet man viele Projektbeispiele. Unsere Daten bank bietet neben Studien auch praktische Tipps. Und in einem Trainingskalender kann man Fortbildungsangebote suchen. Wir sind also eine Art Partizipations-Helpline. Das Interview führte Julia Göhring im Auftrag der NA beim BIBB. INFO www.salto-youth.net/rc/participation/ https://participationpool.eu http://www.salto-youth.net/rc/participation/ 18 19 Good Practice: Wires Crossed Bürgerinnen und Bürger bekämpfen Fake News vor Ort - - - - - - - - - - - - - - - - - - © J ug en d- & K ul tu rp ro je kt e .V . Fake News, die absichtliche Verbrei tung von Falschmeldungen, stellen zunehmend eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie dar. Weltweit nutzen populistische und radikale Gruppen un terschiedlicher politischer Richtungen Falschmeldungen ganz bewusst, um Gemeinschaften zu spalten und somit Anknüpfungspunkte zur Durchsetzung ihrer politischen Agenda zu finden. Die Strategische Partnerschaft „Wires Crossed – Developing Community Media to Mitigate the Impact of Fake News“ hat sich diesem Problem gestellt. Die insgesamt sieben Part ner aus sieben Ländern entwickelten ein Rahmenwerk, um auf lokaler Ebene Fake News durch die Verbreitung echter und faktenbasierter Nachrichten zu bekämpfen. Koordiniert wurde das EU-Projekt von Ju gend- & Kulturprojekt e.V. aus Dresden. Aufbau kommunaler Bürgermedien In den Heimatstädten der beteiligten Ein richtungen wurden Menschen zu lokalen Expertinnen und Experten qualifiziert und kommunale Bürgermedien aufgebaut, die mit eigenen Inhalten Falschmeldungen entgegentreten. Zudem wurden Lehr- und Lernmaterialien entwickelt, mit denen sich der Aufbau solcher Bürgermedien unter stützen lässt und über die die dazu not wendigen Kompetenzen vermittelt werden können. Alle Materialien stehen online auf der Projektwebseite frei zur Verfügung, so dass sie auch in anderen Städten genutzt werden können. Myrto-Helena Pertsinidi, die Koordinatorin des Projektes, empfiehlt für den Aufbau von Bürgermedien, die Si tuation vor Ort zunächst zu analysieren und die Materialien dann auf die jeweiligen Be dürfnisse anzupassen. „Aus unserer Erfahrung ist es für eine er folgreiche Umsetzung besonders entschei dend, sowohl bei der Qualifizierung der Expertinnen und Experten als auch bei der Verbreitung von Nachrichten eine möglichst einfache Sprache zu nutzen, da so deutlich mehr Menschen erreicht werden können. Zudem ist es wichtig, genau die Medien zu nutzen, über die auch Falschmeldungen ihre Zielgruppen erreichen“, so ihre Emp fehlung. Für Pertsinidi ist das Thema Fake News wei terhin von Belang. Sie sieht auch in Zukunft große Herausforderungen, beispielsweise gehe es darum, attraktive Wege zu finden, mit denen sich gerade die Zielgruppen er reichen lassen, die besonders vulnerabel für Falschmeldungen sind. Jugend- & Kul turprojekt e.V. untersucht derzeit Möglich keiten des Einsatzes spielbasierter Lernma terialien mit dem Ziel, an "Wires Crossed" anzuknüpfen und junge Menschen, aber auch Seniorinnen und Senioren zu errei chen. PROJEKTINFO Projekttitel: Wires Crossed – Developing Community Media to Mitigate the Impact of Fake News Projektnummer: 2019-1-DE02-KA204-006115 Laufzeit: 01.09.2019 – 31.12.2021 Beteiligte Länder: DE, CY, IT, HR, IE, CZ, PL Koordinator: Jugend- & Kulturprojekt e.V. Kontakt: myrto.pertsinidi@jkpev.de Website: https://wirescrossed.eu/de/startseite/ Verbreitungsdatenbank: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2019-1-DE02- KA204-006115 Teilhabe & gemeinsame Werte https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2019-1-DE02-KA204-006115 mailto:myrto.pertsinidi@jkpev.de https://wirescrossed.eu/de/startseite/ 18 19 Bildung für Europa | Dezember 2023 Teilhabe & gemeinsame Werte - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Fake News und Antisemitismus Tipps im Umgang mit Desinformationen und Verschwörungserzählungen N ach den jüngsten Angriffen der Hamas auf Israel kursieren Falschmeldungen im Internet und die damit verbundenen öffentlichen Sympathiekundgebungen zeigen, dass ein befürchteter Anstieg von israelbezogenen Antisemitismus in Deutschland nicht unbegründet ist. Im Rahmen des deutschen Side-Events „Fake News & Antisemitismus. Hand lungsstrategien im Umgang mit Ver schwörungserzählungen“ während der EPALE Community Conference diskutierten die Experten Dr. Thorben Prenzel und Jan Rathje, was es für den kritischen Umgang mit Falschinforma tionen braucht. Was versteht man unter Fake News und Antisemitismus? Um zu verstehen, warum Sympathiebekun dungen für den Terrorangriff der Hamas ein Fall für den Staatsschutz sind, ist ein Grund verständnis von Antisemitismus wichtig. Rathje erklärte, dass Antisemitismus sich nicht nur gegen Juden oder deren religi ösen Stätten richte, sondern auch den israe lischen Staat als jüdisches Kollektiv betreffe. Die terroristischen Angriffe der Hamas bezeichnete er daher als israelbezogenen Antisemitismus. In Bezug auf den Angriff kursieren auch falsche Behauptungen oder bearbeitete Bilder. Fake News sind tückisch, da sie den Anschein von echten Nachrich ten vermitteln und ein besonderes Desinfor mationsrisiko darstellen bei Jüngeren und denjenigen, die Nachrichten hauptsächlich über soziale Medien konsumieren. Was verbindet diese beiden Themen? Fake News und Antisemitismus haben eines gemeinsam: die Verwendung von Ver schwörungserzählungen. Diese bieten ein fache Antworten auf komplexe Probleme und verbreiten sich rasant über soziale Me dien. Ein kritischer Umgang mit Nachrich ten und Sprache stellt daher eine wirksame Präventionsmaßnahme gegen Verschwö rungserzählungen dar. Die Erwachsenenbil dung kann dazu beitragen, demokratische Kompetenzen zu stärken und Menschen widerstandsfähiger gegenüber Verschwö rungserzählungen zu machen. Gibt es Strategien im Umgang mit Verschwörungserzählungen? Ob beim Thema Klimawandel oder wäh rend der Corona-Pandemie, laut Prenzel be gegnen Verschwörungserzählungen einem im privaten als auch öffentlichen Umfeld. Der wichtigste Schritt im Umgang damit ist: ins Gespräch kommen. Beide Exper ten waren sich einig, dass der Dialog die effektivste Strategie sei, insbesondere bei Menschen, die gar nicht oder wenig mit Verschwörungserzählungen in Berührung gekommen sind, aber anfällig dafür sind. Rathje empfahl zudem Strategien wie „Pre bunking", also die Vorbeugung, z.B. durch die Förderung von Medienkompetenz, oder „Debunking", das Widerlegen von Falsch behauptungen, z.B. durch Faktencheck. Im Fall von hartnäckigen Verschwörungsan hängern bleibe hingegen oft nur die soziale Ausgrenzung als letzter Ausweg. Welche Tipps gibt es für Gespräche in der Endlosschleife? Beim Familienessen lässt der Onkel erneut fallen, dass die „AfD die einzige Partei ist, die sich traut, Probleme offen anzuspre chen." Prenzel verdeutlichte anhand dieses Beispiels, dass jeder solche oder ähnliche Situationen kennt, in denen Gegenargu mente oft nicht ausreichen. Hier sind eini ge Tipps zu beachten: Vergessen Sie nicht, dass Sie es mit Menschen zu tun haben und Menschen Ausreden brauchen. Bedenken Sie, dass Sie selbst nicht fehlerfrei sind und reflektieren Sie Ihre eigene Position sowie mögliche Auslöser von Frustration und Är ger. Vergegenwärtigen Sie sich, dass es keine Verpflichtung gibt, Gegenargumente zu lie fern, insbesondere als Selbstschutz. Als Ausweg aus endlosen Gesprächen empfahl Prenzel die „Tripel A-Regel": Plat zieren Sie die Kernbotschaft an den An fang, erkennen Sie die Aussage des Ge sprächspartners an und liefern Sie dann Ihr Argument. Das wichtigste Element ist die Kernbotschaft, indem Sie einen prägnanten Satz wiederholen, um diesen im Gedächt nis Ihres Gesprächspartners zu verankern, beispielsweise: „Die AfD stellt gute Fragen, bietet aber keine Antworten". Die Aner kennung der Aussage des Gegenübers, ohne sofort dagegen zu argumentieren, ist entscheidend, da Behauptungen oft auf emotionaler Ebene statt auf sachlicher Basis getroffen werden. So können Sie sich aus der Rechtfertigungsschleife be freien. Erst wenn Ihre Kernbotschaft beim Gesprächspartner verankert ist, können Sie Argumente vorbringen, die gehört werden. Auf diese Weise führen Sie einen Dialog statt eines Streitgesprächs. Weitere Informationen und Beiträge zum Thema erhalten Sie in der Sonderausgabe des EPALE Ressourcen KITs: https://epale.ec.europa.eu/de/ sonder-ressourcen-kit-politische- bildung © N A b ei m B IB B NATALIA LOHMEYER leitet die Nationale Koordinierungsstelle EPALE in der NA beim BIBB lohmeyer@bibb.de https://epale.ec.europa.eu/de/sonder-ressourcen-kit-politische-bildung mailto:lohmeyer@bibb.de 20 In eigener Sache 21 - - - - - - - - - - - - - - - Europäer aus tiefer Überzeugung Anerkennung und Dank zum Ruhestand von Klaus Fahle K laus Fahle hat die NA beim BIBB seit ihrer Gründung vor 23 Jahren geleitet. Zum Jahresende 2023 geht er in Ruhestand. Als NA beim BIBB wollen wir an dieser Stelle zusammen mit unseren Auftraggebern Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und EU-Kommission sowie nationalen und europäischen Kolleginnen und Kollegen das Wirken von Klaus Fahle würdigen und Danke sagen. 2022: Anschneiden der Erasmus-Geburtstagstorte auf der Jahrestagung © N A b ei m B IB B / C hr is tia n M ey er Zahlen sind evident und Evidenz ist Klaus Fahle wichtig. Daher zu nächst ein paar Zahlen. Bei ihrer Gründung im Jahr 2000 hatte die Agentur 12 Mitarbeitende und verfügte über jährliche Programm mittel in Höhe von 9 Millionen Euro. Heute, 23 Jahre später, arbei ten über 100 Personen in der NA beim BIBB und im Rahmen der Programme stehen Fördermittel von über 120 Millionen Euro zur Verfügung. Das europäische Bildungsprogramm war im Jahr 2000 der Ausgangspunkt der Gründung der Agentur und ist bis heute ihr Raison d´Être. Nach der Gründung führte Klaus Fahle die Organisati on sehr erfolgreich durch drei Programmübergänge und richtete sie systematisch als dienstleistungs- und kundenorientierte Einrichtung aus. Aus „Leonardo da Vinci“ und „Grundtvig“ wurde zunächst das „Programm für lebenslanges Lernen“ und dann „Erasmus+“, welches sich jetzt schon in seiner zweiten Programmphase befindet. Dabei war es Klaus Fahle immer wichtig, mit dem Programm einen spür baren Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufs- und Erwachsenen bildung in Deutschland zu leisten und den gemeinsamen euro päischen Bildungsraum aktiv mitzugestalten. Das veranlasste das BMBF dazu, die Agentur ab dem Jahr 2007 auch mit der Umset zung der Leitaktion Mobilität und des Europasses zu betrauen. Wichtige weitere Schritte der Entwicklung waren die ISO-Zertifizie rung im Jahr 2009 sowie 2012 die Benennung als nationale Koordi nierungsstelle der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung und 2014 für EPALE. Seit 2017 hat die NA beim BIBB darüber hinaus das BMBF-Programm AusbildungWeltweit pilothaft entwickelt und um gesetzt. Der Zuwachs an Aufgaben verdeutlicht die hohe Wertschät zung der Auftraggeber BMBF und EU-Kommission für die Arbeit der NA beim BIBB und ihre kluge, vorausschauende und strategische Leitung durch Klaus Fahle. Jede Organisation wird stark von der Person geprägt, die ihre Grün dung umsetzt. Das gilt erst recht, wenn die Leitung einen so lan gen Zeitraum umfasst. Klaus Fahle war dabei das Wachstum an sich nicht wichtig, sondern die Möglichkeit, als überzeugter Europäer am gemeinsamen Haus Europa mitzubauen. Die Nationale Agentur beim BIBB hat von seiner innovativen Kraft, seinem Gestaltungs willen und weitgespannten Netzwerken sehr profitiert. Wir haben großen Respekt vor dieser Leistung und danken Klaus Fahle. Berthold Hübers, Stellvertretender Leiter der NA beim BIBB, im Namen aller Kolleginnen und Kollegen der Nationalen Agentur 20 21 Bildung für Europa | Dezember 2023 In eigener Sache SOPHIA ERIKSSON WATERSCHOOT Direktorin der Abteilung „Jugend, Bildung und Erasmus“ bei der EU-Kommission UTE HALLER-BLOCK Referatsleiterin „Erasmus+- Koordinierung“ bei der EU-Kommission MICHAEL TEUTSCH Referatsleiter „Schulen und Mehrsprachigkeit“ bei der EU-Kommission © E U -K om m is si on // Klaus ist ein unermüdlicher Unterstützer europäischer Ko operationen im Bereich der Berufsbildung sowie der Erwachse nenbildung. Als Direktor der Nationalen Agentur beim BIBB hat er mehr als 23 Jahre lang maßgeblich die dort angesiedelten EU-Pro gramme gestaltet. Dazu zählen Leonardo da Vinci, das Programm für lebenslanges Lernen und Erasmus+. Er verfügt ohne Zweifel über ein ausgeprägtes historisches Ge dächtnis der Programme seit ihren Anfängen, was für die Gestal tung der Zukunft von immenser Bedeutung ist. Mit einer Kombination aus beeindruckendem Wissen, Kreativität, intelligenten Ideen und einem stets pragmatischen Umsetzungs ansatz hat Klaus maßgeblich dafür gesorgt, dass die Programme in Deutschland und darüber hinaus sichtbar und attraktiv waren. Er leistete einen vorbildlichen Beitrag zum Netzwerk der Nationalen Agenturen und war immer hilfsbereit bei der Lösungsfindung; und stets behielt er dabei die Programmziele im Hinterkopf. Wir ha ben oft seinen Sinn für Humor bewundert, den selbst die größ ten Herausforderungen nicht erschüttern konnten. Wir schätzten die offenen und vertrauensvollen Begegnungen mit ihm und die starken Beziehungen, die auf der Grundlage gegenseitigen Ver trauens und Austausches entstanden. All das werden wir sicherlich vermissen, wenn er uns verlässt, um neue Abenteuer zu beginnen. Einmal Erasmus, immer Erasmus: Klaus wird ohne Zweifel auch im Ruhestand ein wichtiger Botschafter des Programms bleiben! // STEFAN SCHNEIDER MinRat, Leiter des Referats 222 „Erasmus: Internationale Zusam menarbeit in der Berufsbildung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung - - - - - - - - - - © p riv at // In den über 20 Jahren als Leiter der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung hat sich Klaus Fahle in vielfältiger Weise um die europäische Bildungszusammenarbeit verdient gemacht. Ihm ist es gelungen, ein hervor ragendes Team zu formen, das Erasmus+ und seine Vorgängerprogramme in der Erwachsenen- und beruflichen Bildung exzellent und engagiert umsetzt. Dabei hat sich Klaus Fahle nie nur als Verwalter verstanden. Er hat auch viele Initiativen ergriffen, die Instrumente der Bildungspolitik der EU in Deutschland weiter zu verbreiten durch Informationsveranstaltun gen, aber auch durch dauerhafte Unterstützungsmaßnahmen wie z.B. das Nationale Europass Center. Auch die Förde rung der außereuropäischen Mobilität in der beruflichen Bildung hat er mit AusbildungWeltweit zu seiner Sache gemacht. - - - Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung war Klaus Fahle durchweg ein überaus verlässlicher, kluger, sach kundiger Ratgeber und loyaler Unterstützer, der sich unermüdlich für das Gelingen der europäischen Zusammenarbeit in der Erwachsenenbildung und der beruflichen Bildung eingesetzt hat. Klaus Fahle kann auf sein Wirken stolz sein. Das Erasmusreferat des BMBF wünscht ihm von Herzen alles Gute! - // 22 23 ERNST GESSLBAUER Direktor Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps – OeAD Agentur für Bildung und Internationalisierung, Wien © O eA D _K lim pt // - - - - - - - - Europa braucht Menschen, die sich mit Neuem auseinandersetzen, mit anderen zu sammenarbeiten und Herausforderungen annehmen wollen. Klaus Fahle ist dafür selbst das beste Beispiel: Er denkt und überlegt immer europäisch und gemeinschaftlich, ganz besonders wenn es um Berufsbildung und Erwachsenenbildung geht. Mit seinem Gespür, immer einer Pri se Humor, wenn nötig auch Kampfesgeist, gelingt es ihm seit vielen Jahren, andere zu überzeu gen, auf den gemeinsamen Weg mitzunehmen und dadurch europäische Programme positiv mitzugestalten. - - - Klaus Fahle trägt maßgeblich dazu bei, dass viele Menschen, Unternehmen und Bildungsein richtungen aus Deutschland erfolgreich am Programm Erasmus+ teilnehmen. Und noch etwas, das mir beruflich und persönlich ganz wichtig ist: Klaus Fahle hat großen Anteil an der höchst erfolgreichen deutsch-österreichischen Zusammenarbeit in Erasmus+. Aus der gegenseitigen Wertschätzung entstand in unserem Fall persönliche Freundschaft, die mir sehr wertvoll ist. - // MIKA SAARINEN Direktor Finnische Erasmus+ Nationale Agentur Nationale Agentur für Bildung EDUFI © S at u H aa vi st o // Bei den EU-Programmtreffen in Brüssel gibt es immer einen Moment, in dem Klaus um das Wort bittet. Da weiß man dann, dass ein besonders wich tiger Punkt der Tagesordnung ansteht. Wenn man Klaus zuhört, hat man die Chance, Neues zu lernen und frische Einblicke zu gewinnen. Sehr häufig hat er es auch geschafft, einen Kompromiss zu schmieden, mit dem alle Parteien vo rankommen. Das ist Klaus: Er beteiligt sich gezielt dort, wo die wichtigen Fragen ausdiskutiert werden! - - Ich hatte das Glück, Klaus viele Jahrzehnte lang zu kennen und eng mit ihm zusammenzuarbeiten. In all den Jahren war er ein unermüdlicher Unterstützer multilateraler Kooperationen zwischen unseren europäischen Staaten und Na tionalen Agenturen, auch bildungsbereichsübergreifend. Doch sein besonderes Interesse galt natürlich der Berufsbildung und dort sind uns in den vergangenen Jahren große Fortschritte gelungen. - Klaus ist ein echter Europäer. Das heißt, er versucht immer, Probleme aus der Sicht aller Mitgliedstaaten zu betrachten, wobei ein deutscher Filter hin und wieder durchscheint. Dank seiner herausragenden EU-weiten Netzwerke und Kontakte war er einer der Eckpfeiler unserer Zusammenarbeit mit der EU-Kommission. Mit einem fröhlichen und humorvollen, jedoch stets pragmatischen Augenzwinkern meistert Klaus professionelle und soziale Begegnungen. Er verfolgt Ziele mit Di plomatie sowie Entschlossenheit und agiert dabei lösungsorientiert. Ich habe sei ne Art zu arbeiten schon oft bewundert und es gibt sicherlich niemanden in der EU-Programmgemeinschaft, der mit mehr Hingabe arbeitet. - - Wenn Klaus jetzt seinen Ruhestand antritt, zieht sich nicht nur der Direktor einer Nationalen Agentur mit der längsten Amtszeit aus dem Berufsleben zurück, son dern es tritt gemeinsam mit ihm auch viel verborgenes Wissen und Kompetenz in den Ruhestand. Und ich persönlich werde sicherlich einen wahren Freund und inspirierenden Dialogpartner in unseren künftigen Brüsseler Sitzungen vermissen. - In eigener Sache // FRAUKE MUTH Leiterin der Nationalen Agentur JUGEND für Europa © K at hr in W ei de nt P ho to gr ap hy // Obwohl ich erst seit kur zem Leiterin der Nationalen Agentur JUGEND für Europa bin, fühlt es sich so an, als hätte ich Klaus Fahle bereits recht gut kennengelernt. Das liegt sicher daran, dass Klaus ein offener und engagierter Mensch ist, der sehr klare Haltungen zu den meisten Fra gen hat. Er hat sich seine große Ex pertise über lange Zeit erarbeitet und beschäftigt sich leidenschaftlich mit Themen, die für andere außerhalb der fachlichen Reichweite lägen. Klaus ist auch ein streitbarer Mensch, im besten Sinne des Wortes. In dem knappen Jahr, in dem wir uns ken nen, gab es Situationen, in denen wir uns nicht einig waren. Ich habe seine direkte und ehrliche Art in der Debat te von Anfang an geschätzt. Zweifel an gegenseitigem Respekt und Ver trauen gab es nie. Klaus´ Expertise, sein Engagement und sein Einfluss werden in der Grup pe der NA-Direktor*innen eine Lücke hinterlassen. Auf die Angelegenhei ten, denen Klaus nun sein Wirken widmen wird, werden wir ein kleines bisschen neidisch sein. // 22 23 Bildung für Europa | Dezember 2023 DR. THOMAS SPIELKAMP Direktor der Nationalen Agentur Erasmus+ Schulbildung im PAD © P A D /M ar cu s G lo ge r // Seit 1996 bin ich im Kontext der EU-Bil dungsprogramme unterwegs; und schon damals war Klaus Fahle der Doyen der EU-Programme im Bereich der beruflichen Bildung. Über mehrere Programmge nerationen hinweg hat Klaus sich kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Programme eingebracht. Seine Beiträge im „jour fixe“ der vier deutschen NA-Leitungen waren legendär und auch in den Diskussionen unter allen europäischen Nationalen Agenturen in Brüssel mit der EU-Kommission hatte Klaus stets einen proaktiven Part. - - Wir beide haben an Schnittstellen zwischen beruflicher und allgemeiner Bildung immer konstruktiv miteinan der kooperiert und viel voneinander gelernt. Vermissen werde ich sicherlich Klaus‘ strategischen Blick auf die Dinge: Immer hatte er das Große und Ganze im Blick, aber über die Details war er auch im Bilde. Wortge wandt hat er uns auf unseren „jours fixes“ auch schon mal die höhere Politik erklärt, und unsere Gespräche waren in der Sache immer eine Bereicherung. - - Lieber Klaus, vielen Dank für die Jahrzehnte der konst ruktiven Zusammenarbeit und alles Gute für den neuen Lebensabschnitt! - // DR. STEPHAN GEIFES Direktor der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD © D A A D // Seit 36 Jahren steht Erasmus+ einschließlich seiner Vorgängerprogramme für den europäischen Aus tausch junger Menschen in Europa. Über 13 Millionen Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studie renden, aber auch Erwachsenen hat sich dadurch Euro pa erschlossen. Eine Erfolgsgeschichte! - - - Klaus Fahle hat maßgeblich Anteil an diesem Erfolg. Auf europäischer Ebene für das große Ganze und auf natio naler Ebene speziell für die Berufs- und Erwachsenenbil dung. In den letzten vier Jahren seines jahrzehntelangen unermüdlichen Engagements hatte ich das Privileg und Vergnügen, sein Kollege als Direktor einer der vier deut schen Nationalen Agenturen zu sein. Und da NA beim BIBB und NA DAAD beide im Geschäftsbereich des Bun desministeriums für Bildung und Forschung angesiedelt sind, waren die Berührungspunkte noch enger als zu den anderen Agenturen. In dieser Zeit habe ich viel von Klaus gelernt und habe seinen großen Erfahrungsschatz immer zu schätzen gewusst. Die Corona-Pandemie und der Start einer neuen Programmgeneration 2021 haben viele Anlässe zum Austausch und Vorstößen geboten. Ich habe immer gerne mit Klaus zusammengearbeitet. - - - - // 2010: Teilnahme am Firmenlauf im T-Shirt „Lebenslanges Laufen“ © p riv at 2022: Zum 35-jährigen Programmjubiläum am Steuer © N A b ei m B IB B / F ot os tu d io H eu pe l In eigener Sache 2022: Am Rednerpult © N A b ei m B IB B / C hr is tia n M ey er 24 25Erasmus+ Intelligente Stromnetze für die Zukunft Erasmus+-Projekt Smart Grid mit European Innovative Teaching Award 2023 ausgezeichnet I m Jahr 2021 verlieh die Europäische Kommission erstmals den European In novative Teaching Award (EITA). Damit würdigt sie europaweit herausragende Unterrichtspraktiken von Lehrenden und Schulen, die sich in Erasmus+-Pro jekten engagieren. In diesem Jahr stan den Impulse für Bildung und Innovation und die Einführung neuer Technologien in aktuelle Bildungssysteme im Fokus. Unter den Preisträgerinnen der Rubrik Berufliche Schule, ist die Heinrich-Ema nuel-Merck-Schule aus Darmstadt mit ihrem Projekt Smart Grid. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - © J ul ia E ss l „Mit Smart Grid wollen wir das vernetzte Denken in der Berufsbildung fördern und unseren Auszubildenden Handlungskom petenzen für die Herausforderungen der Zukunft vermitteln“, berichtet Dr. Gerald Hubacek, stellvertretender Leiter der Darm städter Schule für Elektro- und Informa tionstechnik. Von 2018 bis 2021 haben er und sein Team in einer Strategischen Partnerschaft zusammen mit Institutionen aus Österreich, Italien und Tschechien ein Ausbildungskonzept entwickelt, das tech nologieorientierte berufliche Kompetenzen in den Lernfeldern Energieerzeugung, -ver teilung und -umwandlung stärkt. Beson ders nachhaltig dabei: Die Erasmus+-Part nerschaft mündete in ein transnationales Bildungsnetzwerk, das sich der Verbreitung des Smart Grid-Ansatzes auch über das Pro jektende hinaus widmet. Smart Grids unterstützen die Energie wende Ein Smart Grid, auf Deutsch intelligentes Stromnetz, steuert auf Basis von innova tiven Technologien und Kommunikations systemen die optimale Energieversorgung. Dabei wird der Energiefluss über einen Al gorithmus clever und smart gesteuert. Auf diese Weise unterstützen Smart Grids den Übergang zu einer nachhaltigen und zuver lässigen Energieversorgung – sie sind von elementarer Bedeutung für das Gelingen der Energiewende. Mit Blick auf die Berufsbildung erfordert der vernetzte technologische Ansatz neue Denk- und Arbeitsweisen in den Fachge bieten Elektro- und Informationstechnik. „Wir sind sicher ein Stück weit Vorreiter, indem wir bestehende Berufsbilder zusam menbringen und Prozesse abbilden, die gerade in den klima- und energierelevanten Arbeitsfeldern richtungsweisend sind“, un terstreicht Hubacek. Den internationalen Austausch hält er dabei auch deshalb für wichtig, weil er es ermögliche, über den eigenen Tellerrand zu blicken und stets am Puls der Zeit zu sein. Hubacek wörtlich: „Wir haben festgestellt, dass in Italien und Tschechien bereits digitale Leistungsmesser (Smart Meter) in den Haushalten installiert sind, während bei uns noch die analogen zum Einsatz kommen. Entsprechend konn ten wir sehr viel voneinander lernen und gemeinsam innovative Zukunftskonzepte entwickeln.“ Lernende spielen aktive Rolle Im Unterricht möchten die beteiligten Schulen mit dem Projekt neue Wege beschreiten. Dazu entwickelten sie modulare Lernbausteine, die neben der Vermittlung der Inhalte und der Vertiefung des vorhandenen Wissens auch zum selbstgesteuerten und selbstorganisier ten Lernen anregen. „Uns war es von Beginn an wichtig, dass die Lernenden eine aktive Rolle spielen, um sie bestmöglich auf zu künftige Anforderungen im europäischen Energiesektor vorzubereiten“, so Hubacek. „Sie erhalten eine berufliche Kompetenzen fördernde Aufgabe, bei der sie die Lern schritte selbst ableiten und planen. Die Lehr kraft oder die Ausbilderinnen und Ausbilder fungieren dabei eher als Berater/-innen und Lernpartner/-innen.“ Bei der Entwicklung der Lernmaterialien konnten die Projektakteure auf eine gewach sene und vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen aufbauen. Dazu Hubacek: „Wir hatten schon zuvor Projekte erfolgreich miteinander realisiert und sind daher aufeinander eingespielt. Unser gemeinsames Ziel in Smart Grid war es, in internationaler Zusammenarbeit ei nen Mehrwert für die Bildungsprozesse in den jeweiligen Ländern zu generieren. Das gilt sowohl in technischer und fachlich-di daktischer Hinsicht als auch bezüglich eu ropäischer Werte wie Demokratie, Frieden und den europäischen Einheitsgedanken. Diesen Gedanken wollen wir über die beruf liche Bildung auch in unsere Lernprozesse transportieren.“ Materialien stehen zur Verfügung Um die Ergebnisse von Smart Grid in den Unterricht der Berufsschulen zu implemen tieren, waren von Beginn an Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Auszu bildende in die Projektarbeit eingebunden. Die Resultate wurden im Kontext von Ver anstaltungen auch der Fachöffentlichkeit und anderen Akteuren der beruflichen Bil dung präsentiert und stehen als Download auf der Projektwebsite zur Verfügung. Die Preisverleihung durch die NA beim BIBB erfolgte am 7. November 2023 in Darm stadt. Ende November wurden die sieg reichen EITA-Projekte zudem im Rahmen eines europäischen Netzwerkevents bei der Europäischen Kommission in Brüssel vorge stellt. Manfred Kasper im Auftrag der NA Kontakt: Gerhard Hubacek hck@hems.de Website: https://leonardo-projekt.eu/ index.php/projects/smart-grid- intelligente-stromnetze-4-0/ mailto:hck@hems.de https://leonardo-projekt.eu/index.php/projects/smart-grid-intelligente-stromnetze-4-0/ 24 25 Bildung für Europa | Dezember 2023 - - - - - - Neue Kriterien für Kooperations partnerschaften Prüfung der operationalen Leistungs fähigkeit von Antragstellern E in Wesensmerkmal der Partnerschaftspro jekte (Leitaktion 2) im Programm Eras mus+ ist die Erstellung hochqualitativer Ergebnisse. Die im Projektverlauf er stellten und implementierten Produkte wiederum wirken positiv zurück auf das Leistungsportfolio und die Außen wahrnehmung der teilnehmenden Or ganisationen. Diese Wirkungsdynamik wurde sowohl in eigenen Befragungen als auch in externen Analysen des Vor läuferprogramms bestätigt. In der aktuellen Programmgeneration mit ihrem tendenziell geringeren Entwick lungs- und Managementaufwand bei ver einfachten Finanzierungsregeln durch das eingeführte Pauschalsatz-Modell hat sich ab 2021 ein deutlicher Verdichtungsprozess unter den Akteuren in der Leitaktion 2 ent wickelt. Diese Entwicklung setzte sich im Jahr 2023 auf höherem Niveau fort: Europaweit finden sich heute in über 75 Prozent aller Ko operationsprojekte hochaktive Einrichtungen mit extrem vielen parallelen Projektvorhaben als Koordinator oder Projektpartner. - - - - Der Europäischen Kommission und den Na tionalen Agenturen stellt sich in dieser Si tuation die Frage, ob weiterhin die „alte“ Wirkungsdynamik gilt, wenn Einrichtungen 20, 50, 100 oder 150 Projekte gleichzeitig durchführen. Durch sogenannte „Opera tional Capacity Checks“ soll sichergestellt werden, dass die Leistungsfähigkeit der Organisation einer Durchführung von meh reren parallelen Vorhaben angemessen ist und sich keine Einrichtung mit der Imple mentierung und dem Management von Partnerschaftsprojekten übernimmt. Nach europaweiten Diskussionen im Jahr 2023 haben wir uns für eine neue und einheit liche Strategie entschieden, die ab dem An tragsjahr 2024 umgesetzt werden wird. - - - - - - - Neue Strategie ab 2024 Alle Einrichtungen in der Leitaktion 2, die drei oder mehr Anträge für eine Koopera tionspartnerschaft einreichen, werden im Nachgang der Antragstellung aufgefordert werden, zusätzliche Informationen zur ope rationalen Leistungsfähigkeit ihrer Organi sation einzureichen. Diese Nachfragen kön nen sich auf unterschiedliche Dimensionen operationaler Kapazität beziehen, also bei spielsweise auf Angaben zu Mitarbeitenden in der Einrichtung und deren Profilen und Vertragsverhältnissen, auf Fragen zu frühe ren Projekten und deren Ergebnissen, auf Fragen zur Passung zwischen antragstellen der Einrichtung und beantragtem Vorha ben, aber auch auf Fragen zur finanziellen Einordnung des beantragten Projekts in den Gesamthaushalt des Antragstellers. - - - - - - - - Nach der Bewertung der eingereichten Un terlagen werden die Anträge dann entwe der in die Begutachtung weitergeleitet oder ggf. auch abgelehnt, falls die Prüfungen der Nationalen Agentur zu negativen Ergebnis sen führen, also z.B. die Leistungsfähigkeit der Einrichtung in Relation zur Anzahl der eingereichten Anträge nicht angemessen scheint oder die Ergebnisse in den einzel nen Dimensionen nicht zueinander passen. Idealerweise fügen sich die unterschied lichen Dimensionen in ein plausibles Ge samtbild von antragstellender Einrichtung und vorliegendem Projektvorhaben ein. Die NA beim BIBB versteht diese Überprüfung der Leistungsfähigkeit als Merkmal der Qua litätssicherung, denn die antragstellende Einrichtung verspricht mit ihrer Einreichung, dass sie über die professionelle Eignung zur Durchführung des Vorhabens verfügt. Und dies soll von jenen Antragstellern, die mehrere Anträge einreichen, nachgewiesen werden. - - - - - - - Die Europäische Kommission hat 2023 ag gregierte Daten zur Verfügung gestellt, die die Beteiligungen von Einrichtungen in ganz Europa und in jeglicher Rolle sichtbar machen. Zudem berücksichtigen die Da tenbanken auch zunehmend Vorhaben, die - - zwar eingereicht werden, aufgrund qua litativer Mängel jedoch nicht in Förderung genommen werden. Sollten die jeweiligen Anstrengungen der Nationalen Agenturen zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen, so kann die Tendenz ggf. abgewendet wer den, von vornherein nur noch eine geringe Anzahl an Anträgen je Einrichtung zuzu lassen. In der Leitaktion 2 bei den kleine ren Partnerschaften wird für das Jahr 2024 schon eine Grenze eingezogen werden, in dem pro Organisation nur noch ein Antrag eingereicht werden darf; Ähnliches wird im Augenblick auch für die Kooperationspart nerschaften diskutiert. - - - - - - In der NA beim BIBB wird eine solch starre Reglementierung nicht unbedingt präfe riert. Prinzipiell sollen die besten Anträge von den am besten geeigneten Projekt trägern genehmigt werden. Die Leitaktion 2 im Programm Erasmus+ erlebt seit 2021 je doch einen sehr starken Sog und zieht auch Antragsteller an, deren Priorität auf einer hohen Zahl von Einreichungen zu liegen scheint und nicht auf Exzellenz des einzel nen Vorhabens. Dies kann programmseitig kaum als Erfolgsstrategie gelten und des halb wird die NA beim BIBB ab dem kom menden Jahr diese Prüfungen sehr ernst haft durchführen. - - - - - - - - - JÜRGEN VAN CAPELLE Leiter des Teams „Finanzielle und vertragliche Projektbegleitung“ in der NA beim BIBB Erasmus+ © N A b ei m B IB B 26 27Erasmus+ © S tr el ci uc /A do be st oc k. co m 26 27 Bildung für Europa | Dezember 2023 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Partnerschaften stark nachgefragt – neuer Rekord in der Erwachsenenbildung Erasmus+ D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 13.11.2023 wieder. Im Vorgängerjour nal hatten wir ausführlich über die (erste) Antragsrunde des Jahres 2023 im Bereich der Mobilität (Leitaktion 1) berichtet. Daher konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die Partnerschaften für Zusammenarbeit (Leitaktion 2). - Nicht eingegangen wird dabei auf die zweite Antragsrunde. Zwar konnten zum 04.10.2023 erneut kleinere Partnerschaf ten beantragt werden, aber hierzu liegen noch keine Förderentscheidungen vor. Zur gleichen Frist konnten auch nochmals Mo bilitäten für Einzelpersonen in der Erwach senenbildung beantragt werden. Darüber ebenso wie über die neue Akkreditierungs runde (Frist 19.10.2023) berichten wir im Rahmen unserer Jahresstatistik. - - - - Berufsbildung Partnerschaften Im Bereich der Berufsbildung wurden in der ersten Antragsrunde 2023 191 Projekt anträge für Partnerschaften eingereicht. Ins gesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 45,01 Millionen Euro beantragt. Davon ver teilen sich 46 Anträge auf die kleineren Part nerschaften mit 2,9 Millionen Euro und 145 Anträge auf die Kooperationspartnerschaf ten mit 42,37 Millionen Euro. - - - - - Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Stei gerung der Antragszahlen von 66 Prozent (2022: 115 Anträge), den größten Zuwachs gab es im Bereich der Kooperationspartner schaften. - - 58 Projekte erhielten eine Förderzusage, wobei 37 Kooperationspartnerschaften mit einem Fördervolumen von 11,8 Millionen Euro und 21 kleinere Partnerschaften mit 1,23 Millionen Euro bewilligt wurden. In annähernd der Hälfte aller Anträge 2023 wurde die Fördersumme von 250.000 Euro gewählt. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand Kooperationspartnerschaften über 400.000 Euro und kleinere Partnerschaften mit einer Fördersumme von 60.000 Euro. Wie bereits im letzten Jahr wurden nur ver einzelt die Pauschalsummen 120.000 Euro oder 30.000 Euro beantragt. - Am häufigsten wurden die berufsbildungs spezifischen Prioritäten „Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“ adressiert. An dritter Stelle folgt mit „Bewältigung des digitalen Wandels durch Aufbau von digi taler Bereitschaft, Widerstandsfähigkeit und Kapazität“ die erste horizontale Priorität. - - Erwachsenenbildung Partnerschaften Einrichtungen der Erwachsenenbildung ha ben zur ersten Antragsrunde 2023 insge samt 278 Anträge eingereicht – so viele wie noch nie zuvor. Diese verteilten sich auf die Kooperationspartnerschaften mit 179 und auf die kleineren Partnerschaften mit 99 Anträgen. Die Zahl der Anträge zur ersten Antragsrunde war damit deutlich höher als in den beiden Runden 2022 zusammen und stellt eine Steigerung von über 85 Prozent im Vergleich zur ersten Runde 2022 dar. Eindeutig erklären lässt sich diese enorme Steigerung nicht; möglicherweise hängt sie mit einer gestiegenen Popularität des Pro gramms oder mit einem Motivationsschub nach der Corona-Pandemie zusammen. - - - Durch die hohen Antragszahlen und den damit verbundenen größeren Aufwand, die Anträge inhaltlich zu bewerten, verlängerte sich der Begutachtungszeitraum, so dass erst Ende August die Förderentscheidung fallen konnte. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget können nun 19 Kooperationspart nerschaften mit einem Fördervolumen von 6,1 Millionen Euro und 32 kleinere Partner schaften mit einem Budget von knapp 1,9 Millionen Euro gefördert werden. Da das zur Verfügung stehende Budget im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen ist und gleich zeitig keine Restmittel aus anderen Aktionen umgewidmet werden konnten, fällt die Förderquote in dieser Runde entsprechend niedrig aus: nur circa 10 Prozent bei den Ko operationspartnerschaften und rund 32 Pro zent bei den kleineren Partnerschaften. - - - - - Bezüglich der in den Projekten angespro chenen Themen lagen bei den Anträgen Inklusion, digitale Kompetenzen sowie Um welt und Klimawandel auf den ersten drei Plätzen. Dies spiegelt sich im Großen und Ganzen auch in der Wahl der Prioritäten wi der: Am häufigsten wurden Projekte mit der horizontalen Priorität „Inklusion und Vielfalt“ eingereicht, gefolgt von der erwachsenenbil dungsspezifischen Priorität „Kompetenzen von Pädagogen“ und den horizontalen Prio ritäten „Gemeinsame Werte“ und „Digitaler Wandel“. - - - - - Partnerschaften: Erste Antragsrunde 2022 und 2023 im Vergleich 2022 2023 B er u fs b ild u n g 115 Anträge + 66% 191 Anträge Er w ac h se n en b ild u n g 149 Anträge + 87% 278 Anträge 28 Weitere Themen 29 Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen So werden Auslandsaufenthalte für Azubis möglich - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Z u Beginn des Ausbildungsjahres 2023 startete die NA beim BIBB das neue Service-Portal www.Auslandsberatung- Ausbildung.de und ergänzt damit ihr Informations- und Beratungsangebot rund um Auslandsaufenthalte während der Ausbildung. Das Portal richtet sich an Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist eine attraktive und leistungsfähige Aus bildung für Unternehmen ein wichtiger Baustein. So sollen engagierte Schulabgän ger/-innen für den Betrieb begeistert und auch langfristig gehalten werden. Auslands aufenthalte während der Ausbildung sind ein klarer Wettbewerbsvorteil für Unterneh men, die Auslandsqualifikationen für ihren Nachwuchs anbieten. Für die Umsetzung von Auslandsaufent halten kommt den ausbildungsverantwort lichen Personen in den berufsbildenden Ein richtungen und Lernorten eine bedeutende Rolle zu: An den Schlüsselpositionen ent wickeln sie neue Angebote und motivieren Auszubildende, diese Möglichkeiten für ihre Entwicklung zu nutzen. Denn Auslandsauf enthalte in der Berufsausbildung sind immer noch nicht so selbstverständlich wie in an deren Bildungsbereichen. Ziel: Zahl der Azubis mit Auslandser fahrung erhöhen Die Europäische Union – damit auch Deutschland – hat sich zum Ziel gesetzt, die Quote von Auszubildenden mit Auslands praxis bis zum Jahr 2025 auf acht Prozent zu erhöhen. Die vom Deutschen Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission „Beruf liche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ hatte in ihrem im Juni 2021 veröffentlichten Abschlussbericht sogar eine Quote von 20 Prozent bis zum Jahr 2030 vorgeschlagen. Das Bundesministerium für Bildung und For schung hat diese Richtung im Rahmen seiner Exzellenzinitiative Berufliche Bildung aufge griffen und will noch mehr Auszubildende für einen Auslandsaufenthalt begeistern. Hierbei unterstützt das neue Service-Portal. Die „Möglichmacher/-innen“ von Auslands aufenthalten finden dort einen Überblick über die Chancen, Rahmenbedingungen und konkrete Planungsschritte für die Pra xis. Der integrierte Stipendienfinder bündelt alle Förderprogramme, die Auslandsauf enthalte in der Berufsbildung finanzieren. Zudem berichten Berufsbildungsvertre ter/-innen, die von Lernaufenthalten im Ausland überzeugt sind, aus ihrer Perspek tive zum Mehrwert von Auslandsaufenthal ten und geben Tipps für die Organisation. Doch nicht nur Auszubildende können von Auslandsaufenthalten profitieren. Auch Ausbilderinnen, Ausbilder sowie Lehrkräf te beruflicher Schulen können ins Ausland gehen und sich dort für ihre Ausbildungs tätigkeit und ihre internationale Arbeit wei terbilden. Zu diesen Angeboten und über Möglichkeiten, wie Ausbildungseinrich tungen Auslandsaufenthalte strategisch ein setzen können, informiert das neue Portal ebenfalls. Auslandsberatung-Ausbildung.de ist ein kostenfreies und unabhängiges An gebot und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Auszubildende sowie Schülerinnen und Schüler berufsbildender Schulen finden wei terhin alle Informationen rund um Auslands aufenthalte während der Ausbildung auf dem Portal MeinAuslandspraktikum.de und den dazugehörigen Kanälen @meinauslands- praktikum auf Instagram und YouTube. - - INFO www.Auslandsberatung-Ausbildung.de Beratung: 0228 107 1566 Auslandsberatung-Ausbildung@bibb.de THERESA MAYERHÖFFER Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Beratungsservice für Aus landsaufenthalte in der Ausbil dung in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de http://www.Auslandsberatung-Ausbildung.de mailto:Auslandsberatung-Ausbildung@bibb.de 28 29 Bildung für Europa | Dezember 2023 Europäische Agenda Erwachsenenbildung Aufbruch in die achte Förderperiode 2024 bis 2025 Weitere Themen D ie Europäische Agenda Erwachsenenbildung (2021-2030) ist ein Schlüsselelement der europäischen Bildungsstrategie und zielt darauf ab, Bildung im Erwachsenenalter zu fördern und Lernmöglichkeiten für alle Bür gerinnen und Bürger zu verbessern. An der Umsetzung in Deutschland arbeiten wir, die Nationale Koordinierungsstelle für die Euro päische Agenda Erwachsenenbildung, auch in der achten Förderperiode, d.h. von 2024 bis 2025. - - Für Veranstaltungen und Vernetzungen in der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung haben wir folgende drei Pri oritäten festgelegt: - Grüner und digitaler Wandel In Anknüpfung an die Fachveranstaltung zum Thema Bildung für nachhaltige Ent wicklung (s. S. 31) soll hier der Austausch in der Umweltgrundbildung verstärkt wer den. Für den Bereich digitale Transformation möchten wir die entstandene Vernetzung zum Thema Qualifizierung von Bildungsper sonal zur digitalen Bildung älterer Menschen fortführen und intensivieren. Die Konzeption von weiteren Veranstaltungen zu aktuellen Themen der Digitalisierung von nationaler oder europäischer Ebene ist möglich. - - - Innovative Lernumgebungen Das Thema innovative Lernorte soll vor allem mit Fokus auf die Zielgruppe der er wachsenen Lernenden mit niedriger Weiter bildungsbeteiligung umgesetzt und aktuelle erfolgreiche Beispiele von europäischer Ebe ne vorgestellt werden. - - - Förderung der Sichtbarkeit des Eu ropäischen Jahres der Kompetenzen im Rahmen der Nationalen Weiterbil dungsstrategie - - Die bisherige Fokussierung auf das Thema Life Skills planen wir mit der Erweiterung Future Skills fortzuführen. Hierbei handelt es sich um bereichsübergreifende Kompe tenzen, wie z.B. Kreativität, Problemlösungs kompetenz usw. Mit der Weiterentwicklung der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) möchten wir die Konzepte zu Schlüsselkom petenzen und Future Skills intensiver disku tieren und mit Blick auf ihre Anschlussfähig keit zur beruflichen und berufsbezogenen Weiterbildung überprüfen. Ein Beispiel für Future Skills ist die Demokratiekompetenz, die thematisch in Veranstaltungen einge bunden werden soll. Unser Ziel ist es, das European Year of Skills und die Rolle der all gemeinen Erwachsenenbildung in Deutsch land sichtbarer zu machen. - - - - - - - - Kooperationsmöglichkeiten für Sie Für neue Kooperationen und Veranstaltungs ideen zu den Schwerpunktthemen der eu ropäischen Agenda Erwachsenenbildung ist die Nationale Koordinierungsstelle immer offen. Dies gilt sowohl für Themen der be ruflichen Weiterbildung wie der allgemeinen Erwachsenenbildung. Wir laden Sie daher ein, die Umsetzung der Themenauswahl durch Ihre Beiträge aktiv mitzugestalten! - - - „Mission possible: Neue Wege politischer Erwachsenenbil dung“ - Was sind die aktuellen Entwicklungen und Debatten in der politischen Er wachsenenbildung? Und welche Rolle spielt Europa dabei? - In Kooperation mit Transfer für Bildung e.V. / Fachstelle politische Bildung – Transversalen hat eine Konferenz im Juni 2023 zu neuen Wegen politischer Erwachsenenbildung stattgefunden. U.a. wurde dort die Beteiligung an einem erweiterten europäischen Transformationsprozess diskutiert. Der Journalist und Schriftsteller Jürgen Wiebicke betonte, dass Erfahrungsräu me von Selbstwirksamkeit geschaffen werden müssten, in denen Menschen erleben können, dass sie Zusammen leben mitgestalten können. Wiebicke bezeichnete sie als „gute Orte“. Bezo gen auf Europa heißt das auch, dass es in der politischen Erwachsenenbildung neuer Kooperationen und Formate be darf, die Europa erlebbar machen. - - - - Veranstaltungsdokumentation: www.agenda-erwachsenenbil dung.de/Veranstaltungsdoku mentationen SIMONE KAUFHOLD Koordinatorin der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung in der NA beim BIBB kaufhold@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/Veranstaltungsdokumentationen mailto:kaufhold@bibb.de 30 31 Infosplitter - - - - - Infosplitter EUROPÄISCHE UNION Du möchtest auch dabei sein? www.na-bibb.de Infos zu Fördermöglichkeiten in der Berufs- und Erwachsenenbildung gibts hier. Gleich scannen und dabei sein! Wir sind Teil der Community! © T ur ka n Ra hi m li & ro yy im zy /A do be St oc k | D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ © N A b ei m B IB B Das Erasmus+-Projekt CorEdu sensibilisiert Auszubildende im Schneiderhandwerk sowie in der Mode- und Textilindustrie für die Herausforderungen und Chancen nachhaltigen Handelns. Das Thema Nachhaltigkeit wird dabei nicht nur in Workshops, sondern auch bei Auslandsaufenthalten behandelt. Die NA beim BIBB hat angehende Maßschneiderinnen sowohl in Leipzig als auch in Vicenza, Italien, mit der Kamera begleitet. Der Film „Geschickt eingefädelt – Nachhaltige Auslandspraktika für angehende Maßschneiderinnen“ ist online abrufbar: @nationaleagenturbildungfur3652 Poster „Wir sind Teil der Erasmus+ Community“ Passend zum Schwerpunktthema ist diesem Journal ein Poster beigelegt, mit dem Sie Ihre Beteiligung am europäischen Bil dungsprogramm nach außen kommunizieren und dafür werben können. Bei Bedarf können zusätzliche Poster über unsere Website angefordert werden. Sprechen Sie uns an, falls Sie die Druckvorlage nutzen und Ihr eigenes Logo ergänzen wollen. www.na-bibb.de/publikationen Flyer in Leichter Sprache Bereits seit Juni 2021 gibt es den Azubi-Flyer „Ein echter Gewinn für deine Ausbildung“. Dieser wirbt für Auslandsaufenthalte während der Ausbildung und beschreibt die Fördermöglichkeiten im Rahmen von Erasmus+. Er wurde jetzt in Leichte Sprache übertra gen. Unter dem Titel „Ein Vorteil für deine Berufs-Aus bildung“ liegt der Flyer als barrierefreie PDF und dem nächst als Printprodukt vor. www.na-bibb.de/publikationen Termin vormerken: Europawahl 2024 steht zum zehnten Mal die Wahl des Europäischen Parlaments an. Alle Bürge rinnen und Bürger der Europäischen Union sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Erstmals können auch Unionsbürgerinnen und -bürger wählen, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben. In Deutschland findet die Wahl am 9. Juni 2024 statt. https://elections.europa.eu/de/ https://elections.europa.eu/de/ http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.na-bibb.de/publikationen https://www.youtube.com/@nationaleagenturbildungfur3652 30 31 Bildung für Europa | Dezember 2023 Datenbank Europass Mobilität: Neue Video-Tutorials Wie lassen sich Daten aus dem Mobility Tool und Beneficiary Modul in die Europässe Mobilität importieren? Wie können in der Datenbank Teilnehmendenverträge erzeugt werden? Das Nationale Europass Center hat neue Video-Tutorials zu häufigen Fragen rund um die Beantragung und Erstellung des Mobilitätsnachweises erstellt. Insgesamt bietet die Videohilfe in der Datenbank jetzt zehn Videotutorials. https://de.europass-db.com/de/europass-mobilitaet-login.asp (Menüpunkt Videohilfe) So nutzen Sie EPALE für Ihr Projekt EPALE ist mit mehr als 100.000 Mitgliedern die größte Online-Community in Europa, die sich speziell an Menschen richtet, die in der Erwachsenen- und Weiterbildung tätig sind. Die Plattform bietet Ihnen vielfältige Möglichkeiten, sich und Ihre Projekte in ternational zu präsentieren und durch den gesamten Projektzyklus hindurch sichtbar zu machen. - Entdecken Sie die neue EPALE Matrix als interaktives Online-Dokument mit weiter führenden Informationen, Tipps und Tricks. - https://epale.ec.europa.eu/de/ resource-centre/content/so- nutzen-sie-epale-fuer-ihr-projekt Weiterbildungssuche jetzt mit Ange boten aus Deutschland - Lernende aus ganz Europa können im Eu ropass-Portal nach Weiterbildungen und Kursen suchen. Im Oktober 2023 wurden auch die Angebote aus Kursnet, dem Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesa gentur für Arbeit, an Europass übertragen. Somit können Nutzer/-innen nun nach Weiterbildungsangeboten in insgesamt 20 europäischen Ländern im Europass-Portal recherchieren. Die Kurssuche ist aktuell noch im Aufbau und wird laufend ergänzt. - - https://europa.eu/europass/ eportfolio/screen/course?lang=de „Vom Wissen ins Tun: Wie kann Europäische Erwachsenenbildung zum nachhaltigen Handeln aktivieren?" Unterstützung für Bildungsverantwortliche und Erwachsenenbildungsinstitutionen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft stand im Mittelpunkt der Fachver anstaltung von Erasmus+ Erwachsenenbildung, EPALE und der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung. Spannende Inputs u.a. von Lea Dohm (Psychologists for Future) können Sie sich noch einmal als Video anschauen. - www.agenda-erwachsenenbildung.de/ Veranstaltungsdokumentationen - - Neues EPALE Ressourcen-KIT Diskriminierung, Migration und Klimawandel - solch einschneidende Lebensereignisse oder belastende Lebensumstände erzeugen Stress. Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, aus eigener Kraft handlungsfähig zu sein und Krisen zu meistern. Entdecken Sie im neuen Ressourcen-KIT einen umfassenden Über blick über Beiträge auf EPALE zum Thema Selbstwirksamkeit und erfahren Sie, was die Erwachsenenbildung beitragen kann. - https://epale.ec.europa.eu/ de/blog/epale-deutschland- ressourcen-kits Infosplitter Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ Deutschland Europäisches Jahr der Kompetenzen Noch bis Mai 2024 steht europaweit die Förderung der Aus- und Weiterbildung im Fokus. Das Europäische Jahr der Kompetenzen adressiert den Fachkräftemangel und un terstützt Menschen dabei, ihre Kompetenzen auf die Arbeitsmarkterfordernisse auszu richten. Sie möchten sich beteiligen? Besuchen Sie die offizielle Kampagnen-Webseite: https://year-of-skills.europa.eu https://epale.ec.europa.eu/de/resource-centre/content/so-nutzen-sie-epale-fuer-ihr-projekt https://europa.eu/europass/eportfolio/screen/course?lang=de http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/Veranstaltungsdokumentationen https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-ressourcen-kits https://de.europass-db.com/de/europass-mobilitaet-login.asp https://year-of-skills.europa.eu Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Hochschulbil dung, Sport (Personal) - - > 20.02.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA nur Bereich Jugend 20.02.2024 01.10.2024 jeweils 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend > > Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 01.10.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften 05.03.2024 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA im Bereich Sport 05.03.2024, 17:00 Uhr NA Jugend NA Jugend Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbil dung, Erwachsenenbildung und Jugend - > 05.03.2024 01.10.2024 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA im Bereich Sport 05.03.2024, 17:00 Uhr NA Jugend NA Jugend : - Zentren der beruflichen Exzellenz 07.05.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Innovationsallianzen 07.03.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Kapazitätsaufbau im Bereich berufliche Bildung 29.02.2024 17:00 Uhr EACEA EACEA Wichtige Internet-Adressen Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Infor mationsstand (28.11.2023). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A07/2023. AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 15.02.2024 für Aufenthalte zwischen Juni 2024 und Mai 2025 http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu https://education.ec.europa.eu/de https://twitter.com/nabibb_de https://twitter.com/EUEB_de https://www.instagram.com/meinauslandspraktikum/?hl=de Bildung für Europa 38 Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Titel & Inhaltsverzeichnis (Seite 5) Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Erasmus+-Querschnittsthema seit 2021 Wachsende Bedeutung für die Projektpraxis Heterogenes Feld an Themen und Zielgruppen Welche neuen Angebote gibt es? Info Good Practice: Demokratie fördern mit internationalen Projekten Qualifizierung „Gedenkstättenpädagogik“ Projektinfo EuroApprentices – eine Initiative der NA beim BIBB 120 Aktive in elf Ländern Aktivitäten der ehrenamtlich Tätigen Wie unterstützen die Nationalen Agenturen? Highlight: Europäische Treffen Info Gemeinsam europäische Werte stärken Im Zeichen der Vielfalt Nutzerbeirat Erasmus+ Good Practice: #GetInvolved Materialien für Lehrende und Lernende Projektinfo Good Practice: KOSMO_POLIS Lernorte: Sprachschule und Theater Projektinfo SALTO PI: die Helpline für Partizipationsprojekte Info Good Practice: Wires Crossed Aufbau kommunaler Bürgermedien Projektinfo Fake News und Antisemitismus Was versteht man unter Fake News und Antisemitismus? Was verbindet diese beiden Themen? Gibt es Strategien im Umgang mit Verschwörungserzählungen? Welche Tipps gibt es für Gespräche in der Endlosschleife? In eigener Sache Europäer aus tiefer Überzeugung Erasmus+ Intelligente Stromnetze für die Zukunft Smart Grids unterstützen die Energiewende Lernende spielen aktive Rolle Materialien stehen zur Verfügung Neue Kriterien für Kooperationspartnerschaften Neue Strategie ab 2024 Erasmus+-Antragsrunde 2023 Berufsbildung Partnerschaften Erwachsenenbildung Partnerschaften Weitere Themen Neues Portal für berufsbildende Einrichtungen Ziel: Zahl der Azubis mit Auslandserfahrung erhöhen Info Europäische Agenda Erwachsenenbildung Grüner und digitaler Wandel Innovative Lernumgebungen Förderung der Sichtbarkeit des Europäischen Jahres der Kompetenzen im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie Kooperationsmöglichkeiten für Sie „Mission possible: Neue Wege politischer Erwachsenenbildung“ Infosplitter Neues Filmprojekt zu „Green Erasmus“ Poster „Wir sind Teil der Erasmus+ Community“ Flyer in Leichter Sprache Termin vormerken: Europawahl Datenbank Europass Mobilität: Neue Video-Tutorials So nutzen Sie EPALE für Ihr Projekt Weiterbildungssuche jetzt mit Angeboten aus Deutschland „Vom Wissen ins Tun: Wie kann Europäische Erwachsenenbildung zum nachhaltigen Handeln aktivieren?" Neues EPALE Ressourcen-KIT Europäisches Jahr der Kompetenzen Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …

[…] ZUGANG FÜR ALLE> > Erasmus+-Inklusions- strategie der NA beim BIBB Umsetzung von Inklusion und Vielfalt 2021-2027 www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de 2 3 Inhalt 2 1 Vorwort 03 2 Europäischer Hintergrund und Ausgangslage in Deutschland 04 2.1 Europäischer Hintergrund 04 2.2 Ausgangslage in Deutschland 04 3 Ziele 05 3.1 Auf europäischer Ebene 05 3.2 Auf Ebene der NA beim BIBB 05 4 Handlungsfelder 06 5 Maßnahmen zur Zielerreichung nach Handlungsfeldern 06 6 Indikatoren 07 7 Nächste Schritte und Ausblick 08 8 Referenzen und Links 10 Erasmus+-Inklusionsstrategie 2 3 1. Vorwort F ür die Programmgeneration 2021 bis 2027 wurde In- klusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und Grundprinzipien für alle Projekte und Aktivitäten in allen Programmaktionen des europäischen Bildungs- programms Erasmus+ erklärt. Inklusion bedeutet im laufenden Erasmus+-Programm, bewusst und aktiv Barrieren und Hindernisse der Teilhabe, des Zugangs und der Beteiligung für Lernende sowie Gruppen mit geringeren Chancen zu beseitigen. Erasmus+ folgt einem ganzheitlichen Inklusionsbegriff und möchte Bildungsangebote gestalten, die offen für alle Menschen sind. Menschen, die aufgrund verschie- dener Barrieren bisher nicht am Programm teilgenom- men haben, soll der Zugang zu Auslandsaufenthalten erleichtert werden. Die folgenden Hindernisse können – einzeln oder in Kombination – einer Teilnahme an Erasmus+ im Wege stehen: mentale, körperliche, sensorische oder sonstige Beeinträchtigungen; gesundheitliche Probleme (wie zum Beispiel chro nische oder psychische Erkrankungen); - Hindernisse im Zusammenhang mit Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung, die dazu füh ren, dass Menschen keine guten Leistungen erbrin gen oder frühzeitig aus diesen System ausscheiden; - - kulturelle Unterschiede gegenüber der Mehrheits gesellschaft, wie sie zum Beispiel Geflüchtete, Neuzugezogene, Angehörige einer nationalen oder ethnischen Minderheit, sprachlich und kulturell nicht integrierte Menschen erfahren; - soziale Hindernisse, die durch Anpassungsschwie rigkeiten hervorgerufen werden, wie beispielsweise durch begrenzte soziale Kompetenzen, risiko reichem Verhalten oder Alkohol- und Drogenmiss brauch; - - - soziale Hindernisse, die durch familiäre Verhältnisse entstehen; wirtschaftliche Hindernisse, wie beispielsweise ein niedriger Lebensstandard, Langzeitarbeitslosigkeit oder ein geringes Einkommen; Hindernisse im Zusammenhang mit Diskriminierung (zum Beispiel aufgrund von Alter, Geschlecht, eth nischer Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, sexueller Orientierung, Behinderung oder über greifender Faktoren (eine Kombination eines oder mehrerer der genannten Diskriminierungsgründe ist möglich)); - - geografische Hindernisse (zum Beispiel durch das Wohnen in abgelegenen oder ländlichen Gebieten, auf kleinen Inseln, in Randgebieten, in städtischen Vororten, in strukturschwachen Gegenden (be grenzter öffentlicher Nahverkehr, unzureichende Versorgungseinrichtungen)). - Personen, auf die diese oder ähnliche Merkmale zu- treffen, können zusätzliche Förderung erhalten. Zu den Inklusionsmaßnahmen zählen dabei gezielte finanzielle Förderung, individuelle Begleitung der Teilnehmenden in allen Phasen des Programms, Unterstützung teilneh- mender Organisationen und flexible Lernangebote. 1 Um die Umsetzung der Priorität Inklusion und Vielfalt in allen Programmbereichen und Leitaktionen der Be- rufs- und Erwachsenenbildung zu gewährleisten, ent- wickelte die Nationale Agentur (NA) beim BIBB im Jahr 2021 eine Inklusionsstrategie. 2 Diese beinhaltet Grund- lagen, Ziele und Maßnahmen der NA beim BIBB im Be- reich Inklusion und Vielfalt für die Programmgenerati- on 2021 bis 2027. Aufgrund der Erfahrung der letzten Jahre ergab sich das Bedürfnis, die Inklusionsstrategie zu aktualisieren und inhaltlich zu fokussieren. Zentrales Ziel der vorliegenden, aktualisierten Inklusionsstrategie besteht darin, sowohl für die NA beim BIBB als auch für die Träger ein gemeinsames Verständnis von der Umsetzung von Inklusion und Vielfalt in der aktuellen Programmgeneration festzulegen. Dabei wird der Handlungsrahmen für die realistische Umsetzung von Maßnahmen deutlich definiert und im Vergleich zu der vorherigen Strategie an die Ressourcen angepasst. Die Strategie setzt sich aus sieben Kapiteln zusammen. Auf diese einleitenden Worte folgt ein Kapitel mit der Darstellung des europäischen Hintergrunds und der Ausgangslage in Deutschland. In den nächsten Ab- schnitten werden die Hauptziele der Strategie definiert (Kapitel 3) und die Ziele nach spezifischen Handlungs- feldern (Kapitel 4) aufgeführt. In den Kapiteln 5 und 6 folgt die Darstellung der Maßnahmen zur Zieler- reichung sowie der Indikatoren. Der letzte Abschnitt schließt mit den nächsten Schritten (Kapitel 7). 1 Mehr Infos zu Inklusionsmaßnahmen: https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/06_Metanavigation/02_Service/Publikationen_Warenkorb/Flyer/Zu gang_f%C3%BCr_alle_-_Inklusion_und_Vielfalt_in_Erasmus.pdf - (11.06.2024). 2 Es handelt sich um ein unveröffentlichtes Papier. https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/06_Metanavigation/02_Service/Publikationen_Warenkorb/Flyer/Zugang_f%C3%BCr_alle_-_Inklusion_und_Vielfalt_in_Erasmus.pdf 4 5 2. Europäischer Hintergrund und Ausgangslage in Deutschland 2.1 Europäischer Hintergrund Die Grundsätze der Gleichheit und Inklusivität gehören zu den zentralen Werten der EU. Bereits im Jahr 1950 beschloss der Europarat mit der Europäischen Menschenrechtskonvention das Kernstück des Menschenrechtsschutzes (Council of Europe 2021). Das erste Zusatzprotokoll von 1952 beinhaltet u.a. ein umfassendes Diskriminierungsverbot (ebd.). Die Werte der Gleichheit, Nichtdiskriminierung, Inklusion, menschlichen Würde, Freiheit und Demokratie garantieren allen EU-Bürgerinnen und -Bürgern dieselben Grundrechte. Die in den EU-Verträgen und in der Charta der Grundrechte festge- schriebene Rechtsstaatlichkeit untermauert und schützt diese Werte (s. u.a. Europäische Union 2016). 3 In der Proklamation der europäischen Säule sozialer Rechte auf dem Sozialgipfel von Göteborg im Jahr 2017 heißt es, dass „[j]ede Person … das Recht auf allgemeine und berufliche Bildung und lebenslanges Lernen von hoher Qualität und in inklusiver Form“ hat (European Commission 2017). Dies steht im Einklang mit der Bildungsagenda 2030 für nachhaltige Ent- wicklung der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015, die u. a. das Ziel hat, eine „inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung [zu] gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle [zu] fördern“ (Europäische Kommission 2024). Mit der Schaffung eines europäischen Bildungsraums sollen u.a. widerstandsfähigere und inklusivere Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in den Mitgliedstaaten aufgebaut wer- den. Dabei soll die Inklusion von Menschen, die mit Zugangs- hindernissen konfrontiert sind oder geringere Chancen in der allgemeinen und beruflichen Bildung und in der Jugendarbeit haben, gefördert werden (Europäische Kommission 2018). Eine wichtige Initiative der EU, die zur Umsetzung des Europä- ischen Bildungsraums beitragen soll, ist das Bildungsprogramm Erasmus+. Für die Programmgeneration 2021 bis 2027 wurde Inklusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und Grundprinzipien für alle Projekte und Aktivitäten in allen Pro- grammaktionen von Erasmus+ erklärt. Die Europäische Kom- mission hat für die Mitgliedstaaten Umsetzungsleitlinien für Inklusion und Vielfalt veröffentlicht, die gemeinsam mit dem Durchführungsbeschluss der Kommission über den Rahmen für Inklusionsmaßnahmen für die Programme Erasmus+ und Eu- ropäisches Solidaritätskorps 2021 - 2027 wichtige Referenzen für die vorliegende Inklusionsstrategie darstellen (Europäische Kommission 2021a; 2021b). Auch der aktuelle Erasmus+ Programme Guide (2024) stellt ein wichtiges Dokument dar, welches bei der Aktualisierung der Inklusionsstrategie der NA beim BIBB berücksichtigt wurde (Europäische Kommission 2024 b). 2.2 Ausgangslage in Deutschland Auch in Deutschland gibt es wichtige Referenzdokumente für Inklusion und Vielfalt als gesellschaftliches und politisches Ziel. Seit 1994 ist das Benachteiligungsverbot von Menschen mit Behinderung im Artikel 3 des Grundgesetzes verankert. Seit 2002 gibt es weitere Gesetze, um Inklusion weiter voranzutrei- ben: Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) verpflichtet Behörden zum Beispiel dazu, ihre Internetseiten, Formulare und Anträge barrierefrei zu gestalten. Die Weiterentwicklung des BGG regelt auch Fragen der Barrierefreiheit in den Bereichen Bau, Infrastruktur und die Verwendung der Gebärdensprache sowie der Leichten Sprache. Im Jahr 2006 kam das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) hinzu (auch: Anti-Diskriminierungs- gesetz). Das Gesetz verbietet es, Menschen mit Behinderung zu benachteiligen. Mit der Unterzeichnung der UN-Behinder- tenrechtskonvention durch die Bundesregierung im Jahr 2009 ist Inklusion eine maßgebliche Handlungsmaxime für Bildung in Deutschland geworden (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen 2018). Am 28. Juni 2016 verabschiedete das Bundeskabinett die zweite Auflage des Nationalen Aktionsplans zur UN-Behindertenrechts- konvention (NAP 2.0). Der NAP setzt auf den ersten Aktions- plan aus dem Jahr 2011 auf und enthält 175 Maßnahmen in 13 Handlungsfeldern. Er soll dazu beitragen, dass Inklusion als in allen Lebensbereichen zu berücksichtigendes Prinzip Einzug hält. 2021 wurde die im Koalitionsvertrag vereinbarte ganzheitliche Diversitätsstrategie für die Bundesverwaltung veröffentlicht. Unter anderem soll die vielfältige Gesellschaft Deutschlands auch in der Beschäftigtenstruktur des öffentlichen Dienstes sichtbar werden. Vielfaltsmanagement und interkulturelle Öff- nung werden als wichtige Zukunftsaufgaben für den öffentli- chen Dienst benannt. Zudem wurden in der Diversitätsstrategie Handlungsschwerpunkte festgelegt. 3 Artikel 9 der konsolidierten Fassung des Vertrags über die Europäische Union. Erasmus+-Inklusionsstrategie 4 5 3. Ziele Die vorliegende Inklusionsstrategie verfolgt Ziele auf europä- ischer Ebene und auf Ebene der NA beim BIBB. Diese werden im Folgenden vorgestellt. 3.1 Auf europäischer Ebene Die Zielsetzungen der Inklusionsstrategie der NA beim BIBB basieren auf dem Durchführungsbeschluss der Kommission vom 22.10.2021 (über den Rahmen für Inklusionsmaßnahmen für die Programme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps 2021 - 2027) (Europäische Kommission 2021a; 2021b). All- gemeines Ziel des Rahmens für Inklusionsmaßnahmen ist es, Menschen mit geringeren Chancen den Zugang zum Programm Erasmus+ zu erleichtern, und dass Maßnahmen zur Beseitigung der Zugangshindernisse getroffen werden. Ausgehend von dem Grundsatz, dass das Programm anstrebt, ungeachtet etwaiger Barrieren allen Menschen zugänglich zu sein, besteht die Zielsetzung darin, niemanden zurückzulassen und einen Beitrag zu inklusiveren Gesellschaften zu leisten; Inklusion und Vielfalt als bereichsübergreifende Priorität und Leitprinzip durchgängig zu berücksichtigen; bei der Projektgestaltung und der finanziellen Ausstattung der Maßnahmen inklusive Merkmale und Mechanismen vor zusehen; - in allen Phasen der Programmverwaltung einen Schwer punkt auf Inklusion und Vielfalt zu legen; - ein gemeinsames Verständnis davon zu entwickeln, welche Personen als Menschen mit geringeren Chancen zu betrach ten sind; - begünstigte Organisationen zu unterstützen, damit diese hochwertigere, auf Inklusion und Vielfalt abzielende Pro jekte ausarbeiten und bei der Gestaltung und Durchführung der Projekte Inklusion und Vielfalt stärker berücksichtigen können; - ein Bewusstsein um die Relevanz von Inklusion im Pro gramm Erasmus+ sowie für verschiedene Optionen und Unterstützungsmechanismen für Projekte zur Förderung von Inklusion und Vielfalt zu schaffen; - die Teilnehmendenzahl aus den Zielgruppen mit geringeren Chancen sowie der Projekte mit Inklusionsbezug entspre chend der Ratsempfehlung der Europäischen Kommission zu steigern. - 3.2 Auf Ebene der NA beim BIBB Sowohl die Sensibilisierung für die Themen als auch die Be- ratung und Förderung von EU-geförderten Projekten in den Bereichen Bildung durch die NA tragen zur Erreichung der politischen Ziele bei. In diesem Sinne setzt die NA sich mittel- bis langfristig zum Ziel, das Bewusstsein um die Wichtigkeit und den Wert von Inklusion sowie der anderen Prioritäten zu fördern und zur Schaffung von mehr und besseren Projekten beizutragen, die entweder Menschen mit geringeren Chancen direkt einbeziehen oder deren Schwerpunkt auf Fragen der In- klusion, aber auch den anderen Prioritäten, liegt. Hiervon ausgehend hat die NA beim BIBB folgende übergeord- nete Ziele im Bereich Inklusion und Vielfalt für die Programm- laufzeit 2024 bis 2027 abgeleitet: 1. Erhöhung der Sichtbarkeit von Inklusion und Vielfalt im Pro- gramm. 2. Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwach- senenbildung mehr Teilnehmenden mit geringeren Chancen Auslandsaufenthalte zu ermöglichen und umzusetzen sowie ihr Personal für den Umgang mit besonderen Zielgruppen zu qualifizieren. 3. Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachse- nenbildung Inklusion und Vielfalt in der Durchführung von Kooperationspartnerschaften und kleineren Partnerschaften zu ermöglichen und umzusetzen. Die NA beim BIBB verpflichtet sich, diese Ziele im Rahmen der vorliegenden Inklusionsstrategie umzusetzen. Die Federführung für die Umsetzung der Strategie liegt bei der Beauftragten für Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+. Eine interne Ar- beitsgruppe für Inklusion und Vielfalt befasst sich regelmäßig mit aktuellen Themen und berät die Inklusionsbeauftragte. Inklusion und Vielfalt ist zudem Teil des Leitbilds der NA beim BIBB und Teil der jährlichen Qualitätsziele. Auch das restliche BIBB setzt sich für die Umsetzung von Vielfalt und Inklusion ein. Diversität stellt einen wichtigen Bestandteil der Personalpolitik und Organisationskultur des Hauses dar. Bereits im Jahr 2007 unterzeichnete das BIBB die Urkunde der Charta der Vielfalt. Durch die Unterzeichnung der Charta verpflichtet sich das In- stitut freiwillig dazu, Vielfalt zu fördern, Diskriminierung zu be- kämpfen und ein inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen. Zudem wurde 2024 ein Diversitätsbeauftragter im BIBB ernannt. Ein wichtiger anstehender Meilenstein seiner Arbeit besteht in der Initiierung einer Diversitätsstrategie des BIBB. Die Beauftragte für Inklusion und Vielfalt der NA steht im engen Austausch mit dem Diversitätsbeauftragten des BIBB. Zudem besteht ein enger Austausch mit den Inklusionsbeauftragten auf deutscher und europäischer Ebene. 6 7 4. Handlungsfelder Diese o.g. Ziele auf europäischer Ebene und auf Ebene der NA beim BIBB sollen vor allem in folgenden Handlungsfeldern um- gesetzt werden: 1. Öffentlichkeitsarbeit (Information und Verbreitung); 2. Veranstaltungen; 3. NA-interne Organisationsentwicklung; 4. Akquisemaßnahmen neuer Antragsteller. 5. Maßnahmen zur Zielerreichung nach Handlungsfeldern 1. Öffentlichkeitsarbeit (Information und Verbreitung): Geeignetes und zugängliches Informationsmaterial erstellen und verschiedene Kanäle für die Information und Öffent lichkeitsarbeit nutzen. - Themenseite der NA beim BIBB zu Inklusion und Vielfalt wird gepflegt. 2. Veranstaltungen: Beitrag zu Inklusion und Vielfalt auf allen relevanten Groß veranstaltungen der NA beim BIBB. - Unterstützung der Träger, ihre Projekte inklusiv zu gestalten. Förderung des regelmäßigen Austauschs von Projektträgern. Unterstützung und Sensibilisierung von Projektträgern zur Einbeziehung von Inklusion und Vielfalt in der Projektarbeit. Alle Veranstaltungen der NA beim BIBB sind bedarfsgerecht barrierefrei. 3. NA-interne Organisationsentwicklung: „Awareness“ zu Inklusion und Vielfalt bei Mitarbeitenden der NA beim BIBB erhöhen. 4. Akquise-Maßnahme neuer Antragsteller mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen: Neue Projektnehmer/-antragsteller mit Zugang zu Men schen mit geringeren Chancen werden auf das Thema In klusion und Vielfalt im Programm aufmerksam gemacht. - - Erasmus+-Inklusionsstrategie 6 7 6. Indikatoren Als Indikatoren für die Zielerreichung werden die folgenden vier Bereiche herangezogen: 1. Öffentlichkeitsarbeit (Information und Verbreitung): Alle neuen Online-Veröffentlichungen sind barrierefrei. Der neue Internetauftritt der NA beim BIBB ist barrierefrei. Veröffentlichung von mindestens einem Good-Practice-Bei spiel zum Thema Inklusion und Vielfalt in jedem Bildungsbe reich und jeder Leitaktion pro Jahr auf der Themenseite. - - 2. Veranstaltungen: Mindestens ein Workshop zum Thema Inklusion und Vielfalt auf jeder NA-Jahrestagung und jedem National Event. Eine Monitoring-Veranstaltung für laufende Erasmus+-Pro jekte pro Jahr. Die Durchführung erfolgt im Wechsel zwi schen Leitaktionen und Bildungsbereichen. - - Zweimal jährlich Workshops zu Inklusion und Vielfalt ab 2025. In allen Präsenz- und Onlineveranstaltungen wird bei der Anmeldung der Unterstützungsbedarf abgefragt und bei Bedarf zur Verfügung gestellt (z.B. Gebärdensprachdolmet schen, Untertitel bei Veranstaltungen, Assistenz). - 3. NA-interne Organisationsentwicklung: Mindestens ein internes Kolloquium zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden der NA beim BIBB pro Jahr. 4. Akquisemaßnahme neuer Antragsteller: Die beiden Inklusionsbotschafter im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung halten pro Jahr jeweils mindestens vier Informationsvorträge zum Thema Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+ bei Trägern mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen. 8 9 7. Nächste Schritte und Ausblick Im Folgenden wird ein Rahmenplan für die Umsetzung in den jährlichen und mehrjährigen Arbeitsprogrammen tabellarisch dargestellt (Tabelle 1). Die Tabelle beinhaltet Angaben zum Handlungsfeld und Ziel, zu Maßnahmen, zum Indikator sowie geplanten Umsetzungszeitpunkt. Tabelle 1: Aktionsplan der NA beim BIBB 2024-2027 Handlungsfeld Ziel Maßnahmen Indikator Umsetzungszeitpunkt Information und Verbreitung Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Interessierte, Projektträger und Zielgruppen werden anhand von geeigneten und zugäng- lichen Materialien für Inklusion und Vielfalt im Programm sensibilisiert. Gestaltung einer barrierearmen NA-Website, barrierearme Online-Veröffent- lichungen. Alle neuen Online-Veröffentli- chungen sind barrierefrei. Der neue Internetauftritt der NA beim BIBB ist barrierefrei. Fortlaufend Information und Verbreitung Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Themenseite zu Inklusion und Vielfalt wird gepflegt (www.na-bibb.de/themen/inklu- sion-und-vielfalt). Veröffentlichung von mindes- tens einem Good-Practice-Bei- spiel zum Thema Inklusion und Vielfalt in jedem Bildungsbereich und jeder Leitaktion pro Jahr auf der Themenseite. Fortlaufend Veranstaltungen Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Beitrag zu Inklusion auf Groß- veranstaltungen der NA beim BIBB. Mindestens ein Workshop zum Thema Inklusion und Vielfalt auf jeder NA-Jahrestagung und jedem National Event. Fortlaufend Veranstaltungen Ziel 2: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung mehr Teilnehmenden mit geringeren Chancen Auslandsaufenthalte zu ermöglichen und umzusetzen sowie ihr Personal für den Um- gang mit besonderen Zielgrup- pen zu qualifizieren Ziel 3: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung Inklusion und Vielfalt in der Durchführung von Kooperationspartnerschaf- ten und kleineren Partner- schaften zu ermöglichen und umzusetzen Unterstützung der Träger, ihre Projekte inklusiv zu gestalten. Förderung des regelmäßigen Austauschs von Projektträgern. Eine Monitoring-Veranstaltung für laufende Erasmus+-Projekte pro Jahr. Die Durchführung erfolgt im Wechsel zwischen Leitaktionen und Bildungsbe- reichen. Seit 2023 http://www.na-bibb.de/themen/inklusion-und-vielfalt Erasmus+-Inklusionsstrategie 8 9 Handlungsfeld Ziel Maßnahmen Indikator Umsetzungszeitpunkt Veranstaltungen Ziel 2: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung mehr Teilnehmenden mit geringeren Chancen Auslandsaufenthalte zu ermöglichen und umzusetzen sowie ihr Personal für den Um- gang mit besonderen Zielgrup- pen zu qualifizieren Ziel 3: Unterstützung von Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung Inklusion und Vielfalt in der Durchführung von Kooperationspartnerschaf- ten und kleineren Partner- schaften zu ermöglichen und umzusetzen Unterstützung und Sensibili- sierung von Projektträgern zur Einbeziehung von Inklusion und Vielfalt in der Projektarbeit. Ab 2025 zwei Workshops zu Inklusion und Vielfalt jährlich. Ab 2025 Veranstaltungen Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Alle Veranstaltungen der NA beim BIBB sind bedarfsgerecht barrierefrei. In allen Präsenz- und Onlinever- anstaltungen wird bei der An- meldung der Unterstützungs- bedarf abgefragt und bei Bedarf zur Verfügung gestellt (z.B. Gebärdensprachdolmetschen, Untertitel bei Veranstaltungen, Assistenz). Fortlaufend NA-interne Organi- sationsentwicklung Ziel 1: Erhöhung der Sichtbar- keit von Inklusion und Vielfalt im Programm Sensibilisierung für Inklusion und Vielfalt bei Mitarbeitenden der NA beim BIBB erhöhen. Mindestens ein internes Kollo- quium zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden pro Jahr. Ab 2024 Akquisemaßnah- men neuer Antrag- steller Ziele 1 bis 3 Neue Projektnehmer/-antrag- steller mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen wer- den auf das Thema Inklusion und Vielfalt im Programm aufmerksam gemacht. Die beiden Inklusionsbotschaf- ter im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung halten pro Jahr jeweils mindestens vier Informationsvorträge zum Thema Inklusion und Vielfalt im Programm Erasmus+ bei Trägern mit Zugang zu Menschen mit geringeren Chancen. Ab 2024 10 11 8. Referenzen und Links Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (2006): > https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ (06.06.2024). Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (2018): Die UN-Behindertenrechtskonvention Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. > Die UN-Behindertenrechtskonvention (institut-fu- er-menschenrechte.de) (11.06.2024). Behindertengleichstellungsgesetz vom 27. April 2002 (BGBl. I S. 1467, 1468), das zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 23. Mai 2022 (BGBl. I S. 760) geändert worden ist" > BGG.pdf (gesetze-im-internet.de) (11.06.2024). Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2016): „Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft“. Nationaler Aktionsplan 2.0 der Bun- desregierung zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK): > gemeinsam-einfach-machen.de/SharedDocs/Downloads/ DE/AS/NAP2/NAP2.pdf;jsessionid=B7E665D16DF8CD24DA25758063FED7D7.internet002? __blob=publication- File&v=3 (10.06.2024). Council of Europe (2021): Die Europäische Menschenrechtskonvention. In der Fassung der Protokolle Nr. 11, 14 und 15 samt Zu- satzprotokoll und Protokolle Nr. 1, 4, 6, 7, 12, 13 und 16. > https://www.echr.coe.int/documents/d/echr/convention_deu (11.06.2024). Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vom 14. August 2006 in der aktuellen Fassung von Dezember 2022. > http://www. gesetze-im-internet.de/agg/ (11.06.2024). Deutscher Bundestag (2008): Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. In: Bundesgesetzblatt Jahrgang 2008 Teil II Nr. 35, ausgegeben zu Bonn am 31. Dezember 2008 > https://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ ar61106-dbgbl.pdf (06.06.2024). Die Bundesregierung (2016): Nationaler Aktionsplan 2.0 der Bundesregierung zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). > https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Teilhabe/inklusion-nationaler-aktionsplan-2.pdf? __blob=publi- cationFile&v=2 (06.06.2024). Die Bundesregierung (2021): Diversitätsstrategie für die Bundesverwaltung. Nationaler Aktionsplan Integration Bericht zum Themenforum „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung“. > https://www.integrationsbeauftragte.de/resource/ blob/1872554/1948320/2b6f0b1a0b8fea7132c6dd8d3b54efbb/diversitaetsstrategie-data.pdf?download=1 (10.06.2024). Entschließung des Rates zu einem strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und be- ruflichen Bildung mit Blick auf den europäischen Bildungsraum und darüber hinaus (2021-2030) (ABl. C 66 vom 26.2.2021, S. 1-21). > eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021G0226(01) (11.06.2024). Europäische Kommission (2020): Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Wirtschafts- und Sozial- ausschuss und den Ausschuss der Regionen über Vollendung des Europäischen Bildungsraums bis 2025. > eur-lex.europa.eu/ legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52020DC0625 (24.04.2024). https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/PDF/DB_Menschenrechtsschutz/CRPD/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/BGG.pdf https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/SharedDocs/Downloads/DE/AS/NAP2/NAP2.pdf;jsessionid=B7E665D16DF8CD24DA25758063FED7D7.internet002?__blob=publicationFile&v=3 https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/SharedDocs/Downloads/DE/AS/NAP2/NAP2.pdf;jsessionid=B7E665D16DF8CD24DA25758063FED7D7.internet002?__blob=publicationFile&v=3 https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/SharedDocs/Downloads/DE/AS/NAP2/NAP2.pdf;jsessionid=B7E665D16DF8CD24DA25758063FED7D7.internet002?__blob=publicationFile&v=3 https://www.echr.coe.int/documents/d/echr/convention_deu https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ https://www.gesetze-im-internet.de/agg/ https://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdf https://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdf https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Teilhabe/inklusion-nationaler-aktionsplan-2.pdf?__blob=publicationFile&v=2 https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Teilhabe/inklusion-nationaler-aktionsplan-2.pdf?__blob=publicationFile&v=2 https://www.integrationsbeauftragte.de/resource/blob/1872554/1948320/2b6f0b1a0b8fea7132c6dd8d3b54efbb/diversitaetsstrategie-data.pdf?download=1 https://www.integrationsbeauftragte.de/resource/blob/1872554/1948320/2b6f0b1a0b8fea7132c6dd8d3b54efbb/diversitaetsstrategie-data.pdf?download=1 http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021G0226(01) https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52020DC0625 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52020DC0625 Erasmus+-Inklusionsstrategie 10 11 Europäische Kommission (2021 a): Umsetzungsleitlinien. Strategie Inklusion und Vielfalt – Erasmus+ und Europäisches Solidaritäts- korps. > https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_ de.pdf (24.04.2024). Europäische Kommission (2021 b): Durchführungsbeschluss der Kommission über den Rahmen für Inklusionsmaßnahmen für die Programme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps 2021-2027 vom 22. Oktober 2021: > https://eur-lex.europa.eu/le- gal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021D1877&from=MT (18.04.2024) Europäische Kommission (2024): Erasmus+ Programmleitfaden. > https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de/erasmus-pro- gramme-guide (06.06.2024). Europäische Kommission (2024 a): Ziele für nachhaltige Entwicklung. > https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/ sustainable-development-goals_de (10.06.2024). Europäische Kommission (2024 b): Programmleitfaden Erasmus+. Version 1 (2024): 28.11.2023. > https://erasmus-plus.ec.eur- opa.eu/sites/default/files/2023-11/2024-Erasmus%2BProgramme-Guide_DE.pdf (11.06.2024). Europäische Union (2016): Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SEV Nr. 005). (2016/C 202/02). > Charta der Grundrechte der Europäischen Union (europa.eu) (11.06.2024). European Commission (2017): Europäische Säule sozialer Rechte. > social-summit-european-pillar-social-rights-booklet_ de.pdf (europa.eu) (11.06.2024). Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz - BGG): > https://www.ge- setze-im-internet.de/bgg/BJNR146800002.html (06.06.2024). United Nations (2015): TRANSFORMING OUR WORLD. THE 2030 AGENDA FOR SUSTAINABLE DEVELOPMENT. > https://sus- tainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Develop- ment%20web.pdf (24.04.2024). Vereinte Nationen (1948): Allgemeine Erklärung der Menschenrechte > https://www.un.org/depts/german/menschenrechte/ aemr.pdf (06.06.2024). Vertrag über die Europäische Union (konsolidierte Fassung): In: Amtsblatt der Europäischen Union C 326/13. > Vertrag über die Europäische Union (konsolidierte Fassung) (europa.eu) (10.06.2024). https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_de.pdf https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_de.pdf https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021D1877&from=MT https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021D1877&from=MT https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de/erasmus-programme-guide https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de/erasmus-programme-guide https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/sustainable-development-goals_de https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/sustainable-development-goals_de https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2023-11/2024-Erasmus%2BProgramme-Guide_DE.pdf https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2023-11/2024-Erasmus%2BProgramme-Guide_DE.pdf https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:12016P/TXT https://commission.europa.eu/system/files/2017-11/social-summit-european-pillar-social-rights-booklet_de.pdf https://commission.europa.eu/system/files/2017-11/social-summit-european-pillar-social-rights-booklet_de.pdf https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/BJNR146800002.html https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/BJNR146800002.html https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf https://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf https://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:2bf140bf-a3f8-4ab2-b506-fd71826e6da6.0020.02/DOC_1&format=PDF https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:2bf140bf-a3f8-4ab2-b506-fd71826e6da6.0020.02/DOC_1&format=PDF Wir sind die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung - kurz: NA beim BIBB. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sind wir für die Umsetzung des europäischen Programms Erasmus+ in der Berufsbildung und Erwachsenenbildung zuständig. Darüber hinaus nehmen wir weitere zahlreiche europabezo- gene und internationale Aufgaben in beiden Bildungsbereichen wahr. Wir arbeiten eng mit der EU-Kommission sowie auf nati- onaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- einrichtungen zusammen. Mehr Informationen finden Sie unter: www.na-bibb.de Impressum Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Fon: +49 (0)228 / 107 1608 www.na-bibb.de www.meinauslandspraktikum.de www.auslandsberatung-ausbildung.de @meinauslandspraktikum Verantwortlich: Berthold Hübers Text und Konzeption: Dr. Sabrina Weller Beauftragte für Inklusion und Vielfalt (bis Ende Juni 2024) Stand: Juni 2024 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Titelbild: pokki/AdobeStock.com (S. 1) http://www.na-bibb.de http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de http://www.meinauslandspraktikum.de http://www.auslandsberatung-ausbildung.de Zugang für Alle Inhalt 1. Vorwort 2. Europäischer Hintergrund und Ausgangslage in Deutschland 2.1 Europäischer Hintergrund 2.2 Ausgangslage in Deutschland 3. Ziele 3.1 Auf europäischer Ebene 3.2 Auf Ebene der NA beim BIBB 4. Handlungsfelder 5. Maßnahmen zur Zielerreichung nach Handlungsfeldern 6. Indikatoren 7. Nächste Schritte und Ausblick 8. Referenzen und Links Impressum Verantwortlich Text und Konzeption Stand Gestaltung …

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