[…] - Bildung für Europa 40 April 2025 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Das Jahr der Jubiläen 10 30 Jahre Erwachsenenbildung 16 Erasmus+-Halb zeitevaluation 22 Erasmus+- Statistik 2024 2 3 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de LinkedIn: Nationale Agentur Bildung für Europa Verantwortlich: Berthold Hübers Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 06.01.2025 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Druckerei im Bundesministerium für Bildung und Forschung Gedruckt auf Cocoon Silk Recyclingpapier aus 100% Altfasern Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5) - : djmaxx24/AdobeStock (S. 1); Ivan und btiger/Adobestock, NA beim BIBB / ar gum Heller, Bert-Jan Buiskool, Miteinan der in Europa e.V. (S. 5). - - Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. - - - ISSN 1616-5837 - 2 - - Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, „Bildung für ein starkes Europa“ war das Motto unserer Jahresta gung im letzten September. Welche Dringlichkeit dieses Thema im Jahr 2025 entfalten würde, haben wir seinerzeit nicht geahnt. Die weiter andauernden Kriege und vor allem die transatlantische Ver unsicherung führen dazu, dass ein starkes Europa wichtiger ist als je zuvor. Die EU-Kommission hat im März reagiert und die „Union of Skills“ vorgestellt, ein Rahmenkonzept, das sie in den nächsten Jahren weiter entfalten wird. Im Mittelpunkt der Politik steht hier das Ziel einer starken Union basierend auf ihrer Wettbewerbsfä higkeit. Insbesondere die Rolle der Berufsbildung, aber auch der Erwachsenenbildung ist in der „Union of Skills“ zentral. Es wurden zunächst nur das Rahmenkonzept mit zwei weiteren Dokumenten veröffentlicht. In den kommenden Monaten und bis 2027 wird die EU-Kommission weitere Teilstrategien publizieren. Wir werden Sie im Journal darüber informieren. Erasmus+ ist als Programm bis 2027 beschlossen. Die Vorberei tungen für das Nachfolgeprogramm haben aber schon begonnen. Deutschland hat unter der Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die nationale Zwischenevaluation vor gelegt und zugleich ein zwischen Bund und Ländern abgestimm tes Papier mit Kernforderungen für das Nachfolgeprogramm nach Brüssel übersandt. Zentral ist die Feststellung, dass das Programm seine Ziele erreicht, in vielen Punkten aber verbessert werden kann. Dies ist ein guter Ausgangspunkt, um das Nachfolgeprogramm zu erarbeiten, das auf der vorhandenen Grundlage weiterentwickelt wird. Was sich bewährt hat, was aus deutscher Sicht weiterent wickelt werden sollte und in welchem Prozess das Nachfolgepro gramm in den nächsten Jahren erarbeitet wird, stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor. Jetzt zu uns. Wir stellen uns sonst nicht in den Mittelpunkt, aber diese Ausgabe des Journals ist eine Ausnahme, da es 2025 wirklich viel zu feiern gibt. Es sind gleich vier Jubiläen: 25 Jahre NA beim BIBB, 30 Jahre Erwachsenenbildung im Rahmen der europäischen Bildungsprogramme, 20 Jahre Europass und 10 Jahre EPALE. Die 25 Jahre NA beim BIBB können mit beeindruckenden Zahlen illustriert werden: 500.000 geförderte Auslandsaufenthalte, 20.000 geför derte Projekte und 1,5 Milliarden Euro Förderung bewilligt. Die se Zahlen und alle vier Jubiläen verdeutlichen aber vor allem eins: Der europäische Bildungsraum lebt. Während es vor zwei Dekaden noch etwas Außergewöhnliches war, wenn eine Auszubildende oder ein Lehrer einer Volkshochschule ein Praktikum im Ausland machten, so ist das Programm Erasmus+ heute allgemein bekannt und viele Bildungseinrichtungen sind aktiv und in einen Prozess der kontinuierlichen Internationalisierung eingebunden. Wir als NA beim BIBB freuen uns darauf, mit Ihnen zusammen den europäischen Bildungsraum weiter zu gestalten, Europa zu stärken und Chancen für Lernende, Personal und Bildungsinstitutionen zu eröffnen! Mit einem herzlichen Gruß aus Bonn Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de 4 5 Bildung für Europa | April 2025 Inhalt 06 25 Jahre NA beim BIBB Mehr als eine Förderinstitution 10 30 Jahre Erwachsenenbildung Von Pionierprojekten zu europäischen Erfolgsmodellen 13 20 Jahre Europass Das EU-Transparenzinstrument in Zahlen 14 Wissen teilen, Erwachsenen bildung stärken EPALE feiert zehnjähriges Jubiläum Erasmus+ 16 Nationaler Bericht zur Halbzeit evaluation von Erasmus+ Wichtige Erfolge, Raum für Verbesserungen 17 Erasmus+ 2028-2034: Die nächsten Schritte Ausblick auf den Weg zum Nachfolgeprogramm 19 Entwicklungen in den Leit aktionen 1 und 2 Akkreditierung und Pauschalierung haben sich bewährt 21 Erasmus+-Antragsrunde 2024 Nachfrage nach Partnerschaften stabil oder wachsend 22 Infografik Erasmus+-Jahres statistik 2024 Ausgewählte Facts aus der Berufs- und Erwachsenen bildung kurz präsentiert 24 Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Erster transnationaler Forschungsbericht des Netzwerks RIA-AE veröffentlicht 26 European Innovative Teaching Award 2024 Frieden lehren und leben 27 Good Practice: Demokratiebildung spielerisch fördern Interesse am Kartenspiel auch außerhalb der Erwachsenenbildung 28 Good Practice: Steigerung der Kundeninnovation in KMU Weitreichende Implementierung neu entwickelter Materialien 29 Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ Zusammensetzung, Arbeitsweise und Bedeutung 30 Infosplitter 32 Antragsfristen Nr. 40 | Schwerpunkt Jahr der Jubiläen - - - - - 06 25 Jahre NA beim BIBB „[Der Erfolg der NA beim BIBB] liegt … auch darin begründet, dass sie … ein „Ermöglicher“ für europäische und internationale Zusam menarbeit geworden ist … “ 13 20 Jahre Europass (siehe auch Einleger) 20 JAHRE EUROPASS Vom Dokument zur digitalen Toolbox für Bildung, Job und Mobilität https://europass.europa.eu 14 10 Jahre EPALE 17 Erasmus+ ab 2028 24 Transnationaler Forschungsbericht des RIA-Netzwerks 27 Good Practice zur Demokratiebildung - 6 7 Bildung für Europa | April 2025 Jubiläen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Teilnehmende der NA-Jahrestagung im Gespräch © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r 25 Jahre NA beim BIBB Mehr als eine Förderinstitution V or 25 Jahren wurde die Nationale Agen tur Bildung für Europa beim Bundesin stitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) gegründet. Aber wie kam es dazu? Um dies besser zu verstehen, müssen wir uns in das Jahr 1999 zurückversetzen… Die Europäische Union (EU) hatte mit Leo nardo da Vinci und Sokrates zwar bereits Dachprogramme für die berufliche und all gemeine Bildung geschaffen, an der Um setzung in Deutschland waren jedoch eine Vielzahl von Organisationen beteiligt. Da die EU-Programme im Bildungsbereich zunächst nur sehr kleine Budgets hatten und zum Teil sehr spezifische Zielsetzungen verfolgten, wurden die Unterstützungsstrukturen in Deutschland bei bestehenden Organisati onen angesiedelt. Ergebnis war eine große Zahl von Koordinierungsstellen. 1999 gab es ein weiteres einschneidendes Ereignis: Die EU-Kommission unter Präsi dent Santer musste aufgrund von Korrup tionsvorwürfen, die auch die zentrale Ver waltung des Programms Leonardo da Vinci betrafen, zurücktreten. Die EU-Kommission war nun bereit, nicht nur die Mobilitätspro jekte, sondern auch sogenannte Pilotpro jekte mit Budgets bis zu 600.000 Euro in den Mitgliedstaaten verwalten zu lassen. All dies rief das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf den Plan, die zersplit terten Strukturen in der Berufsbildung neu zu ordnen und in einem ersten Schritt eine koordinierende Dachstruktur einzurichten: die Nationale Agentur Bildung für Europa beim BIBB. Das Bundesinstitut für Berufsbil dung (BIBB) bot sich dabei als nachgeord nete Behörde mit eigener Rechtspersönlich keit und fachlicher Expertise an. Da die EU im Bildungsbereich keine Unterscheidung in Hinblick auf die innerstaatlichen Zuständig keiten vornimmt, musste die NA auch die schulische Berufsbildung und weitere Aus bildungen außerhalb des Berufsbildungsge setzes abdecken. Hierfür war ein neutraler Status der NA gegenüber allen Akteuren einschließlich des BIBB erforderlich. Die seit dem verankerte fachliche Autonomie zählt somit zur DNA der Nationalen Agentur. Mit dem Deutschen Akademischen Aus tauschdienst (DAAD), der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWEnt) und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) wurden im Jahr 2000 zunächst Unterverträge zur Durchführung des Programms Leonardo da Vinci und Tei len des Sokrates-Programms geschlossen. Trotz der Einrichtung der NA beim BIBB als Dachkoordination war die Umsetzung der Programme jedoch weiterhin sehr aufwen dig. Dies änderte sich 2007. Das Programm für Lebenslanges Lernen (PLL) 2007-2013 brachte zwei fundamen tale Veränderungen: Einerseits war es das erste integrierte Gesamtprogramm der EU im Bildungsbereich, wenn auch mit den Bil dungssektoren als strukturierendes Element. Andererseits übernahm die NA beim BIBB die Aufgaben von InWEnt, während die vom DAAD betreuten Programmteile in den Hochschulbereich wanderten. Diese Struktur ist bis heute im Kern unverändert: Alle Akti vitäten der Berufs- und Erwachsenenbildung werden von der NA beim BIBB betreut, der DAAD, der Pädagogische Austauschdienst (PAD) und Jugend für Europa verantwor ten aufgrund ihrer fachlichen Expertise die Durchführung jeweils ihrer Bildungsbereiche in den EU-Programmen. Die NA als lernende Organisation: Professionalisierung, Kundenorientie rung und Fehlerkultur Die weitere Entwicklung der NA beim BIBB ist eng mit den europäischen Programmzy klen und politischen Initiativen auf EU-Ebene verbunden. Das zu verwaltende EU-Budget stieg seit 2000 von circa 7 Millionen über 40 Millionen im Jahr 2010 auf über 160 Millio nen Euro im Jahr 2025. Die NA beim BIBB übernahm ab 2007 die Förderung der Mo bilität von Lernenden und Lehrenden. Auch hier ist ein bemerkenswertes Wachstum zu verzeichnen: 13.000 geförderten Teilneh menden 2009 stehen 2024 circa 46.000 Förderzusagen gegenüber. Nationale Agenturen waren in den ersten Jahren der EU-Programme als Einrichtungen nicht unumstritten. Der Europäische Rech nungshof bezeichnete die Abwicklung eines Teils des EU-Haushalts durch Nationale Agenturen zu Beginn als ein Risiko. Darauf hin trieb die EU-Kommission erfolgreich eine umfassende Professionalisierung der Natio nalen Agenturen voran und verankerte die Rolle der NAs in der EU-Haushaltsordnung. Heute sind nahezu alle NAs nach ISO 9001:2015 zertifiziert. Geschäftsprozesse werden systematisch dokumentiert und mit Key Performance Indikatoren (KPI) gesteu ert. Nationale Agenturen müssen bereits seit Jahren über ein internes Audit (interne Revision) verfügen und die Jahresabschlüsse werden zusätzlich von externen Wirtschafts prüfungsgesellschaften zertifiziert. Die NA beim BIBB ist zudem die einzige Stelle in der Bundesverwaltung, die mit Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen über Ge schäftskonten bei privaten Banken verfügt, um das Programm finanztechnisch abzuwi ckeln. Während die Nationalen Agenturen fachlich eng mit den Mitgliedstaaten koo perieren, sind sie administrativ ein Teil der EU-Verwaltung geworden. Heute ist das System der Nationalen Agenturen in der EU-Haushaltsordnung fest verankert und gilt als äußerst zuverlässig, effizient und vorbildlich. Auch jenseits der europäischen Anforde rungen sind für die NA beim BIBB Transpa renz und Kundenorientierung immer zentral gewesen. Bereits 2009 wurde ein Leitbild erarbeitet, zuvor hatte sich die NA bereits Führungsgrundsätze gegeben. Die NA beim BIBB führt regelmäßige Kundenbefragungen durch und hat 2016 einen Nutzerbeirat eingerichtet, der von den Projektträgern gewählt wird und der NA Rückmeldungen zu ihrer Arbeit gibt. Von besonderer Be deutung für die Leistungsfähigkeit der NA beim BIBB ist die Fehlerkultur: Fehler sind Ausgangspunkt eines gemeinsamen Lern prozesses; ein konstruktiver Umgang mit Fehlern ist eine Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung einer Organisation wie der NA. 2011 hat die NA beim BIBB u.a. eine Ombudsstelle eingerichtet. Die NA ist mehr als eine Förderinsti tution Die EU-Bildungsprogramme sollen die bil dungspolitischen Ziele der EU in der Umset zung unterstützen, die EU-Bildungspolitik soll Impulse für die Bildungsprogramme ge ben. Es war immer Anspruch der NA beim BIBB, Brücken zwischen Programm und Po litik zu bauen. Als im Zuge der Wirtschafts- und Finanz krise 2008 die Jugendarbeitslosigkeit in der EU massiv anstieg, initiierte die NA ein europäisches Netzwerk, das die Beiträge des Programms zur Förderung des „Work- based Learning“ (NetWBL) zusammenführte. Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) und die Empfehlung zu einem europäischen 8 9 Bildung für Europa | April 2025 JubiläenJubiläen Kreditpunktesystem waren zur gleichen Zeit wichtige Impulse, um einen europäischen Bildungsraum zu schaffen. Die NA beim BIBB initiierte und leitete ein europäisches ECVET-Netzwerk, wenig später siedelte das BMBF die nationale ECVET-Koordinie rungsstelle in der NA an. Weitere Beispiele sind die Einrichtung einer zunächst „nur“ deutsch-österreichischen Projektdatenbank im Jahr 2002, die ab 2008 mit finanzieller Unterstützung der EU-Kommission als Pro jektdatenbank ADAM europaweit betrieben wurde und zunächst die einzige Plattform war, auf der im Bereich der beruflichen Bil dung Projektergebnisse zugänglich gemacht werden konnten. - - - Im Bereich der Mobilität konzipierte die NA beim BIBB sogenannte Pool-Projekte, die vor allem Auszubildenden aus KMU den Zu gang zur Mobilität eröffnen sollen. Bis heute sind Pool-Projekte unverzichtbarer Bestand teil der Förderstrukturen. - - Mit mittlerweile drei Studien zum Umfang der Mobilität in der beruflichen Bildung hat die NA beim BIBB die Grundlage für die Dis kussion um Benchmarks geschaffen. 2012 veröffentlichte die NA eine Studie zum Nut zen von Auslandsmobilität für benachteiligte Jugendliche. Es folgten u.a. Studien zu den Innovationstransferprojekten und den Wir kungen der Strategischen Partnerschaften in der Erwachsenenbildung. Gemeinsam ist den Studien, dass sie über die Ermittlung - - - des Status Quo hinausgehen und umfang reiche Handlungsempfehlungen beinhalten. - Gebündelte Kompetenz in der europä ischen Erwachsenenbildung - Eine wichtige Rolle spielten und spielen wei tere EU-Programme und insbesondere auch Initiativen und Angebote der Erwachsenenbil dung. Die NA beim BIBB nutzt Synergien zwi schen dem Förderprogramm Erasmus+ und dem Nationalen Europass Center, der Agenda für Erwachsenenbildung und der Electronic Platform for Adult Learning in Europe (EPALE), die in der NA beim BIBB angesiedelt sind. Gemeinsam mit dem von der NA beim BIBB initiierten transnationalen Forschungsnetz werk RIA-AE, das die Wirkung des Programms Erasmus+ in der Erwachsenenbildung auf europäischer Ebene systematisch erforscht, bündeln Erasmus+, EPALE und die Agenda für Erwachsenenbildung die europäische Erwach senenbildung in Deutschland und bilden ein wichtiges Standbein der Nationalen Agentur. - - - - - Nationale Projekte Die enge Zusammenarbeit mit dem BMBF hat dazu geführt, dass die NA beim BIBB auch mit Programmen und Projekten außerhalb der un mittelbaren EU-Förderung betraut wird. Diese ergänzen die EU-Programme oder sind von besonderem nationalem Interesse. - Seit 2009 unterstützt das BMBF Pool-Pro jekte mit einer nationalen Ko-Finanzierung. - Ab 2017 ergänzt das BMBF-Programm AusbildungWeltweit die EU-Mobilitätsför derung um außereuropäische Zielländer. Es zeichnet sich durch eine große Flexibilität und Kundenorientierung aus und erreicht wie kaum ein anderes Programm unmittel bar Ausbildungsbetriebe. - - Von besonderer Bedeutung sind darüber hi naus Beratungsangebote. Die Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) kam 2013 zur NA beim BIBB und bildete das Funda ment einer umfassenden Mobilitätsbera tung, die die NA heute anbieten kann. - - - Von 2013 bis 2020 betreute die NA beim BIBB darüber hinaus das Israel-Programm, das die Mobilität von Auszubildenden und die fachliche Zusammenarbeit mit der israe lischen Regierung umfasste. - Und die Zukunft? Im Jahr 2000 betrat die NA beim BIBB mit zwölf Stellen und einem kleinen Budget för derpolitisches Neuland. Heute arbeiten 116 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der NA und sie ist erste Adresse für die Mobilitäts förderung in der Berufs- und Erwachsenen bildung. In der Erwachsenen- und Berufsbil dung ist sie ein geschätzter Partner – sowohl der Bildungspolitik als auch der Akteure in der Bildungspraxis. - - - - Sicherlich hat die NA beim BIBB kein ei genständiges bildungspolitisches Mandat. Ihr Erfolg liegt aber darin begründet, dass sie sich nicht nur als effiziente Förderinsti tution verstanden hat, sondern als „facili tator“ bildungspolitische Zielsetzungen unterstützt und ein „Ermöglicher“ für europäische und internationale Zusam menarbeit geworden ist und sich dabei immer auch selbst weiterentwickelt hat. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NA haben daran einen entscheidenden An teil, denn fast alle sind „Überzeugungstäter/ -innen“ und die Arbeit in der NA ist für sie nicht nur ein Job. - - - - - Die großen Herausforderungen Klimawan del, Digitalisierung und demografische Ent - - wicklung lassen sich nicht national lösen. Es ist eine immer wichtigere Aufgabe, auch in Zukunft ein weltoffenes gesellschaftliches Klima zu fördern und ausreichend Ressour cen für europäische und internationale Akti vitäten zu sichern. - - Die Erfolgsgeschichte der NA beim BIBB ist eng mit der Internationalisierung und Glo balisierung der Gesellschaft verbunden. Die Unterstützung der europäischen Integration ist aber nicht mehr selbstverständlich, Ab schottung und Rückzug auf nationale Lö sungen haben an Attraktivität gewonnen. Die NA beim BIBB wird auch in Zukunft ihren Beitrag für ein weltoffenes, demo kratisches und modernes Deutschland und Europa leisten. - - - - Die Zeitleiste der NA beim BIBB 2000 Einrichtung der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB Dachkoordination des Programms Leonardo da Vinci und Durchfüh rung von Teilen des Programms Sokrates Grundtvig - 2007 Übernahme der Aufgaben von InWEnt, Ansiedelung des Nationa len Europass Centers - Start des Programms für lebens langes Lernen (2007-2013) mit Zuständigkeit für Leonardo da Vinci und Grundtvig - 2008 Die von der NA beim BIBB und der österreichischen Nationalagentur entwickelte Datenbank ADAM wird zur verbindlichen EU-Projektdaten bank für Leonardo da Vinci. 2009 Start der Zusatzförderung in der Berufsbildung durch das BMBF QM-Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 2010 Ansiedelung der Nationalen Koordinierungsstelle ECVET 2013 Einrichtung der Nationalen Koordi nierungsstelle Europäische Agenda in der Erwachsenenbildung - Übernahme des Israel-Programms in der beruflichen Bildung (bis 2020) und der IBS* von GIZ Start des europäischen Netzwerks NetWBL - - 2014 Start von Erasmus+ 2014-2020 mit Zuständigkeit für die Berufs- und Erwachsenenbildung 2015 Einrichtung der Nationalen Koordinierungsstelle EPALE 2016 Einrichtung des Nutzerbeirats Erasmus+ 2017 Start des Programms Ausbildung- Weltweit, zunächst als Pilotprojekt Start des EuroApprentices-Netz werks 2020 Akkreditierung der Erasmus+-Berater und -Beraterinnen 2021 Start von Erasmus+ 2021-2027 mit Zuständigkeit für die Berufs- und Erwachsenenbildung 2022 Koordination des Forschungs netzwerks RIA in der Erwachsenenbildung - * Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung // [Der Erfolg der NA beim BIBB] liegt ... darin begründet, dass sie ... ein „Ermöglicher“ für europäische und internationale Zusammenarbeit geworden ist ... // KLAUS FAHLE leitete die NA beim BIBB seit ihrer Gründung bis zu seinem Ruhestand im Dezember 2023. © N A b ei m B IB B 10 11 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - 30 Jahre Erwachsenenbildung Von Pionierprojekten zu europäischen Erfolgsmodellen Austausch unter Erwachsenenbildnerinnen auf dem europäischen Erasmus+-Vernetzungstreffen in Bensberg im Mai 2025 © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r W as verbindet das Sokrates-Programm, das 1995 als Pionierinitiative der euro päischen Erwachsenenbildung ins Le ben gerufen wurde, mit der digitalen Transformation unserer Zeit? Auf den ersten Blick scheinen die beiden in völlig unterschiedlichen Welten zu existieren. Doch bei genauerem Hinse hen offenbart sich ein faszinierender Zusammenhang: Beide stehen für den grundlegenden Wandel des Lernens, der gesellschaftlichen Teilhabe und der europäischen Zusammenarbeit. Seit den bescheidenen Anfängen von So krates hat sich die europäische Erwach senenbildung zu einem dynamischen, vielschichtigen System entwickelt. Was als Experiment begann, ist heute ein un verzichtbarer Bestandteil europäischer Bil dungs- und Sozialpolitik. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Förderprogramme, die Einführung neuer Formate und die zu nehmende Verknüpfung mit politischen Strategien haben die Erwachsenenbildung zu einem Schlüsselbereich europäischer In tegration gemacht. Ein Blick zurück zeigt, wie sich aus einem kleinen Pionierprojekt ein leistungsstarkes Netzwerk für lebens langes Lernen entwickelt hat – und wohin die Reise weitergehen könnte. Ein Pionierprojekt nimmt Fahrt auf 1995 startete Sokrates I als ein überschau bares Programm zur Förderung der nicht berufsbezogenen Erwachsenenbildung. In einer Zeit, in der die Idee grenzüberschrei tender Kooperation noch in den Kinder schuhen steckte, eröffnete Sokrates den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, Bildung über nationale Grenzen hinweg zu fördern. Diese Initiative war nicht nur ein Impuls für den europäischen Bildungsraum, sondern rief früh ein Bewusstsein für die Bedeutung des lebenslangen Lernens hervor. Mit der zweiten Phase, beispielsweise im Programm Sokrates II (2000-2006) wur den die Maßnahmen verstärkt und mit GRUNDTVIG ab 2001 ein eigenständiges Programm für die Erwachsenenbildung ge schaffen. Bildungsakteure und Zivilgesell schaft profitierten von neuen, innovativen Instrumenten wie Lernpartnerschaften und Mobilitätsprogrammen. Der Erfolg dieser Initiativen spiegelte sich in steigenden Bud gets wider – ein Vorbote für das noch be vorstehende exponentielle Wachstum der europäischen Bildungsförderung. - - - - - Transformation und Konsolidierung: Erasmus+ Im darauffolgenden Programm für lebens langes Lernen (2007-2013) gab es eine deutliche Erweiterung des Konzepts des lebenslangen Lernens, indem neben klas sischen Bildungsangeboten auch innovative Maßnahmen wie Freiwilligenprojekte und regionale Workshops in den Mittelpunkt rückten. Diese Erweiterung stellte nicht nur eine qualitative Aufwertung der Fördermaß nahmen dar, sondern offenbarte zugleich die damit verbundenen administrativen He rausforderungen, welche einen erhöhten Beratungs- und Steuerungsaufwand erfor derlich machten. - - - - - 2014 entschied die EU-Kommission die Förderprogramme der verschiedenen Bil dungsbereiche unter einem Namen zu sammenzuführen. Aus Erasmus, dem im Hochschulbereich etablierten Förderzweig, wurde Erasmus+, das Programm für allge meine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Gleichzeitig wurden mit der neuen Programmgeneration (2014-2020) ein ge waltiger Schritt in die weitere Dezentra lisierung der Aktionen unternommen. So wurden die Nationalen Agenturen auch verantwortlich für die Umsetzung größe rer Partnerschaften. Gleichzeitig etablierten sich Schlüsselaktionen wie internationale Partnerschaften (Leitaktion 2) und gezielte Mobilitätsmaßnahmen (Leitaktion 1) als tra gende Säulen im neuen Förderprogramm. - - - - - - - Im Hier und Jetzt 2021 startete die aktuelle siebenjährige Pro grammgeneration. Erneut wurde das För derportfolio angepasst. So können erstmalig auch Mobilitätsmaßnahmen von erwachse nen Lernenden gefördert werden – zunächst nur von benachteiligten Lernenden, diese Beschränkung ist jedoch seit 2023 aufge hoben. Eine wichtige Neuerung ist auch die Einführung der Akkreditierung in der Mobili tät (Leitaktion 1), denn damit soll die Interna tionalisierung der Bildungseinrichtungen vo rangetrieben werden. Die Pauschalisierung der Projektbudgets bei den Kooperations projekten (Leitaktion 2) hat das Programm vereinfacht und so für neue und unerfahrene Einrichtungen attraktiver gemacht. - - - - - - - - Finanzielle Weichenstellungen belegen die sen Wandel: Mit einem Gesamtbudget von über 1,18 Milliarden Euro und einer stra tegischen Verteilung, die vor allem gegen Ende der Laufzeit ansteigt, wird deutlich, dass hier langfristig und zielgerichtet in vestiert wird. Der Anstieg des Budgets gera de in der Erwachsenenbildung verdeutlicht auch eine gesteigerte Wahrnehmung der Wichtigkeit des Bildungssektors zur Errei chung europäischer Politikziele. - - - - - Wechselspiel Politik und Praxis Die Entwicklung der europäischen Erwach senenbildung und den Förderprogrammen ist geprägt durch ein dynamisches Wech selspiel zwischen politischen Vorgaben und deren praktischer Umsetzung in den Mitgliedstaaten. Bereits seit den frühen 2000er-Jahren flankieren Memoranden, Ratsentschließungen und Aktionspläne die Förderprogramme der EU, um strategische Leitlinien vorzugeben (Journal 26, Juni 2017). Von den neueren Politiken und Initi ativen war die erste „Agenda Erwachsenen bildung“ (2011-2020) prägend. Sie stellte mit der Einrichtung nationaler Koordinie rungsstellen, wie der NKS in Deutschland, strukturelle Weichen. Hierdurch wurden zentrale Themen wie geringe Weiterbil dungsbeteiligung und Grundbildung stär ker in den Fokus gerückt. Die Einführung der Plattform EPALE (Electronic Platform for Adult Learning in Europe) im Jahr 2015 markierte einen weiteren Meilenstein. Mit ihrem europaweiten Netzwerk aus natio nalen Koordinierungsstellen stärkt sie den - - - - - - - - Wissenstransfer und die Vernetzung in nerhalb der europäischen Erwachsenenbil dungscommunity. - - Trotz der kontinuierlichen Weiterentwick lung blieben einige zentrale Themen weit gehend unverändert. Dazu gehören zum Beispiel Inklusion, Teilhabe, Kompetenz entwicklung und Zugang zu Bildung so wie Transformation, die sich als Prioritäten im Programm Erasmus+ wiederfinden. Der „European Pillar of Social Rights“ (EPSR) von 2017 betonte das Recht auf lebens langes Lernen als zentrales Element gesell schaftlicher Teilhabe. Hier werden insbe sondere Herausforderungen wie niedrige Weiterbildungsquoten, unzureichende digitale Kompetenzen und die Inklusion von sozial benachteiligten Gruppen adres siert. Das ambitionierte Ziel, dass 80 Pro zent der erwachsenen Europäer/-innen zumindest grundlegende digitale Kompe tenzen besitzen sollen, wird hier formuliert. - - - - - - - - - - Die neue Europäische Agenda für Erwach senenbildung (2021-2030) baut auf den Prinzipien der ersten Agenda auf, setzt je doch neue Akzente in den Bereichen grü ne und digitale Transformation. Weiterhin setzt sie neue Benchmarks für die Mitglied staaten, darunter eine angestrebte jährliche Weiterbildungsbeteiligung von 60 Prozent der Erwerbsbevölkerung bis 2030. - - - - Gleichzeitig intensivierte sich der poli tische Fokus auf Kompetenzentwicklung und Transformation. Die Ratsempfehlung „Upskilling Pathways“ (2016) konkretisier te diesen Ansatz, indem sie gezielt Schritte empfiehlt, um geringqualifizierten Arbeit nehmenden eine Höherqualifizierung zu ermöglichen und so auch die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Probleme wie den Fachkräftemangel und den demogra fischen Wandel adressiert. Die „European Skills Agenda“ von 2020 unterstreicht die Bedeutung von digitalen und fachübergrei fenden Kompetenzen für den Arbeitsmarkt. Doch hier stehen neben soliden Grund- und Querschnittskompetenzen, auch digitale Fertigkeiten sowie Nachhaltigkeit im Fokus. Unterstützend sollen hier auch Maßnah men wie Individual Learning Accounts und Microcredentials den Zugang zur beruflichen Fort- und Weiterbildung ermöglichen. - - - - - - Insgesamt ist über die Jahre ein stetiger Shift in den europäischen Politiken und JubiläenJubiläen 12 13 Bildung für Europa | April 2025 Initiativen hin zum beruflichen Nutzen der Erwachsenenbildung zu beobachten. Die kürzlich verkündete „Union of Skills“ sieht das lebenslange Lernen und somit auch die Erwachsenenbildung als wesentlichen Fak tor für ein wettbewerbsfähiges und faires Europa. Hier ist es wichtig für die allgemeine Erwachsenenbildung eine Lanze zu brechen, denn Menschen werden selten nur über ihr berufliches Umfeld integriert und Lernen, gerade auch im interkulturellen Kontext, findet zu großen Teilen außerhalb der Ar beitswelt statt. - - Erwachsenenbildung bleibt ein Motor für Innovation und Zusammenhalt Der Blick in die Zukunft zeigt, dass die Er wachsenenbildung weiterhin einem stetigen Wandel unterliegt. Digitale Transformation, - grüne Entwicklung und gesellschaftliche Diversität fordern flexible und integrative Bildungsansätze – ein Anspruch, der bereits in den frühen Förderprogrammen angelegt war. Die Verbindung zwischen politischen Strategien und praxisnaher Umsetzung mit Hilfe der Förderprogramme wie Erasmus+, sowie den Netzwerken der Nationalen Ko ordinierungsstellen von Agenda und EPALE, bleibt dabei essenziell. Genau wie das So krates-Programm einst den Grundstein für eine Kultur des lebenslangen Lernens legte, stehen auch die heutigen Initiativen für eine dynamische und zukunftsorientierte Wei terentwicklung des europäischen Bildungs raums. Die Erwachsenenbildung ist damit nicht nur ein Spiegel gesellschaftlicher Ver änderungen, sondern auch ein Motor für Innovation und Zusammenhalt in Europa. - - - - - JubiläenJubiläen DR. CHRISTINE BERTRAM Leiterin des Teams „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Kooperationsprojekte / EPALE“ in der NA beim BIBB bertram@bibb.de - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - © p riv at - - - - - - - - - - - - - - - - - © B itt ed an ke sc hö n/ A do be St oc k | D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e wENN austausch türen öffnet Infos zu Auslandsaufenthalten in der Erwachsenenbildung gibts hier. Gleich scannen und dabei sein! www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven Erasmus+ schafft Perspektiven – auch in der Erwachsenenbildung Wenn Austausch Türen öffnet Kampagne in der Erwachsenenbildung erfolgreich gestartet Die aktuelle Programmgeneration eröffnet für die Erwachsenen bildung mit der Förderung der Lernenden neue Perspektiven: Lernreisen ins Ausland werden erstmalig für diese Zielgruppe fi nanziert. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der Förderung von Lernenden mit geringeren Chancen, seit 2023 wurde diese Opti on auf alle erwachsenen Lernenden ausgeweitet. Flankiert wur de dies mit vergleichsweise hohen und kontinuierlich steigenden Förderbudgets, die aber trotz zahlreicher Informationsveranstal tungen, Vor-Ort-Gesprächen und erhöhter Serviceleistungen der NA beim BIBB nicht im gewünschten Maße abgerufen wurden. Die Kampagne Vor diesem Hintergrund hat die Nationale Agentur eine Kampa gne ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Zahl der Teilnehmenden an Erasmus+ zu steigern und so einen besseren Einsatz der För dermittel zu ermöglichen. Unter dem Kampagnenmotto „Wenn Austausch Türen öffnet“ und dem Claim: „Erasmus+ schafft Per spektiven - auch in der Erwachsenenbildung“ werben Lernende, Bildungspersonal und Vertreter/-innen von Organisationen mit starken Textbotschaften über Plakate, Postkarten sowie kurze Vi deoclips für die Teilnahme an Lernreisen. Während das Plakat durch das Kampagnenmotto und dem Claim übergreifend wirkt und sowohl geförderte Einrichtungen und deren Mitarbeitende als auch Lernende und neue Einrichtungen anspricht, wenden sich die Postkarten gezielt an die Zielgruppen Lernende, Bildungspersonal und Einrichtungen. Mit starken Text botschaften wie „Selbst erleben ist besser als Status checken“ oder „Wir können jetzt auch Europa“ holen sie diese ab und be geistern für das Programm Erasmus+ und seine Angebote. Zehn kurze Videostatements aus der Praxis sowie die Kampagnenseite runden das Angebot ab. Geschaltet wurden zudem Anzeigen, Advertorials und redaktionelle Beiträge in Fachmedien der Er wachsenenbildung, die für Mobilität werben und auf die Kampa gnenwebsite verlinken. Darüber hinaus wird eine eigene Kampa gnenpräsentation für die Verbreitung eingesetzt. Die Kampagne „Wenn Austausch Türen öffnet“ ist in der Com munity der Erwachsenenbildung platziert und angekommen, die Antragszahlen steigen kontinuierlich, es bedarf aber weiterhin starker Stimmen aus der Praxis, die sich im Rahmen der fortlau fenden Kampagne für Lernreisen in der Erwachsenenbildung ein setzen, denn: Mitmachen lohnt sich! Auf der Kampagnenseite www.na-bibb.de/ erasmus-perspektiven können alle Medien abgerufen und bestellt werden. 20 Jahre Europass Das EU-Transparenzinstrument in Zahlen D as Europass-Rahmenkonzept wurde 2005 ins Leben gerufen, um das grenz überschreitende Lernen und Arbeiten in Europa zu erleichtern. Nach dem Start mit fünf einzelnen Dokumenten ist Europass heute eine Toolbox für Bil dung, Job und Mobilität. Das Europass-Rahmenkonzept umfasste Eu ropass Lebenslauf, Europass Sprachenpass, den Mobilitätsnachweis, die Europass Zeug niserläuterungen und das Diploma Supple ment. Mit ihnen konnten Nutzer/-innen ihre Kompetenzen transparent und europaweit vergleichbar darstellen. Im Jahr 2018 wurde infolge der Europä ischen Kompetenzagenda eine neue Rechts grundlage für Europass geschaffen mit dem Ziel, Europass zu flexibilisieren und zu digi talisieren und dabei Synergien mit anderen europäischen Instrumenten und Portalen zu stärken. Als Ergebnis schuf die Europäische Kommission 2020 das Europass-Portal, das viele Tools für Bewerbung und Jobsuche bietet, zum Beispiel Lebenslauf-Editor, per sönliches Profil, Dateiablage und die Job- und Kurssuche. Inzwischen zählt es mehr als 105 Millionen Besuche und ist damit eine der meistbesuchten Websites der EU. Im Rahmen des neuen Europass-Portals ent wickelte die EU-Kommission außerdem eine technische Infrastruktur für das Erstellen, Speichern, Überprüfen und Teilen digitaler Bildungsnachweise: die European Digital Credentials for Learning. Mit diesem Stan dard ist es möglich, fälschungssichere Zeug nisse und Zertifikate auszustellen. Weiterhin gibt es folgende Europass-Do kumente: die Europass Zeugniserläute rungen als Erläuterungen zu beruflichen Aus- und Weiterbildungen, das Diploma Supplement als Erläuterung von Studienab schlüssen sowie den Europass Mobilität als Nachweis von Lernaufenthalten im euro päischen Ausland. Seit der Einführung von Europass wurden bis Dezember 2024 mehr als 415.000 Mobilitätsnachweise in Deutschland beantragt, davon rund 95 Pro zent für Mobilitäten, die durch das EU-Bil dungsprogramm Erasmus+ und seine Vor gängerprogramme gefördert wurden. Europass-Verleihung im Roten Rathaus Berlin im Januar 2025 © M ira S ie ve rin g Festliche Europass-Verleihungen wie im Januar 2025 im Berliner Roten Rathaus, bei der mehr als 230 Auszubildende den Europass Mobilität für ihre erfolgreichen Auslandspraktika erhielten, würdigen das Engagement von Teilnehmenden, Organi satorinnen und Organisatoren und machen das Programm Erasmus+ sichtbar. ISABEL GÖTTE Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Nationalen Europass Center in der NA beim BIBB goette@bibb.de © N A b ei m B IB B 2004 Verabschiedung des Europass-Beschlusses 2005 Start des Europass- Rahmenkonzepts 2018 Verabschiedung des neuen Europass-Beschlusses 2020 Launch des Europass-Portals 2021 Launch der European Digital Credentials 2025 20 Jahre Europass http://www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven http://www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven mailto:bertram@bibb.de mailto:goette@bibb.de 14 15 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - Wissen teilen, Erwachsenen bildung stärken - EPALE feiert zehnjähriges Jubiläum JubiläenJubiläen - - - - - - - - - - - - Deutschland seit 2024 Seit 2024 hat die deutschsprachige Startseite ein neues Design mit neuer Farb gebung. bis 2020 Die deutschsprachige Startseite von EPALE bis 2020. © M on ito re : A do be St oc k. co m Abb. inks: - Abb. unten: - - - - S eit einem Jahrzehnt ist EPALE ein zen traler Treffpunkt für Fachkräfte der Erwachsenenbildung in Europa. Zum 10-jährigen Bestehen der Plattform werfen wir einen Blick auf die Meilen steine, Erfolge und Zukunftsperspek tiven von EPALE Deutschland. EPALE (Electronic Platform for Adult Learning in Europe) wurde von der Europäischen Kommis sion ins Leben gerufen, um Fachkräfte der Er wachsenenbildung europaweit miteinander zu vernetzen und den Austausch von Wissen, Res sourcen und bewährten Praktiken zu fördern und somit zur Stärkung der Erwachsenenbil dung beizutragen. Finanziert wird EPALE durch das Programm Erasmus+ und ist Teil der Strate gie der Europäischen Union, mehr und bessere Lernangebote für alle Erwachsenen zu fördern. Die Plattform dient seit 2015 als zentrale An laufstelle für Lehrkräfte, Trainer/-innen, Wis senschaftler/-innen, politische Entscheidungs träger/-innen und andere Akteure, die sich für lebenslanges Lernen engagieren. EPALE bietet eine Vielzahl von Ressourcen, wie Fachartikel, Best-Practice-Beispiele, thematische Foren und verschiedene Gruppenbereiche. Darüber hin aus gibt es eine Veranstaltungsübersicht sowie eine Projektpartnersuche. Diese Inhalte unter stützen Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit und tragen dazu bei, die Erwachsenenbildung in Europa kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die europaweite Betreuung und Weiterent wicklung der Plattform liegt in der Hand von 37 nationalen Koordinierungsstellen (NKS). In Deutschland ist die NKS in der NA beim BIBB angesiedelt. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung und Weiterentwicklung von EPALE in Deutschland, indem sie dafür sorgt, dass die Plattform auf die Bedürfnisse der deutschen Fachkräfte in der Erwachsenen bildung zugeschnitten bleibt. Zudem betreut die deutsche NKS die Nutzerinnen und Nutzer, sucht nach spannenden Themen und Stories und organisiert Veranstaltungen für die Com munity. Wachsende Nutzerzahlen und neue Angebote Seit ihrem Start ist die EPALE-Community in Deutschland auf 5.126 Personen angewach- sen (Stand: September 2024). Europaweit zählt die Plattform nach stetigem Wachstum inzwischen bereits knapp 160.000 Mitglieder. Erfreulich ist zudem, dass in den letzten Jahren immer mehr Beiträge von den Nutzerinnen und Nutzern (selbst) auf EPALE veröffentlicht wurden und auch die Teilnahme am Work- shop-Angebot zugenommen hat. Dies zeigt das zunehmende Engagement der Community und die wachsende Nutzung der Plattform als Quelle für fachliche Inhalte und Austausch. Ei- nen wichtigen Anteil an der Bekanntmachung der Plattform hatten von Anfang an die EPALE- Botschafterinnen und -Botschafter, die die NKS bei der Verbreitung und im Austausch mit der Community unterstützen. Neben dem thematischen Angebot ist die Ver- netzung der Community und der Austausch ein zentrales Ziel der Plattform. So kamen schnell neue Formate hinzu, um diese Bedarfe zu erfül- len. Hier sind besonders die EPALE-Akademien hervorzuheben, mit denen die NKS Deutsch land ein kostenfreies Weiterbildungsangebot für die Community geschaffen hat. Des Weite ren findet alle zwei Jahre im November (vormals jährlich) in Kooperation mit der Professur für Er wachsenenbildung und Weiterbildung der Uni versität Bamberg das „Bamberger Forum für Erwachsenenbildung und Weiterbildung“ statt. Dieses dient als Austausch- und Vernetzungs format für Akteurinnen und Akteure aus der Praxis, der Wissenschaft sowie Studierende der Erwachsenenbildung. EPALE ist aber auch eine Plattform, um Ideen und neue Formate zu tes ten. So erschien 2020 der erste EPALE-Podcast #epalerocks, der jetzt unter dem Titel „EPALE insights“ neu aufgelegt wurde. Erfolgreich war auch die Einführung der Ressourcen KITs, die nun mit zu den beliebtesten Downloads der deutschen Community zählen. Insgesamt hat die Plattform große Verände rungen durchlaufen. War die Ladegeschwin digkeit anfangs extrem langsam, so brachte der Umzug in die Cloud (als eine der ersten EU-Plattformen), wesentliche Verbesserungen. Auch visuell hat sich die Plattform stark verän dert, was durch den aktiven Einfluss der Nut zer/-innen vorangetrieben wurde. In den letzten zehn Jahren hat sich EPALE als unverzichtbare Plattform für den Austausch und die Vernetzung in der Erwachsenenbil dung etabliert und einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Bildungslandschaft geleistet. Dieses Jubiläum ist nicht nur Anlass, auf Erfolge zurückzublicken, sondern auch eine Einladung, die Zukunft der Erwachsenenbildung gemein sam aktiv zu gestalten. EPALE Ressourcen KITs In Kooperation mit journalistischen Dienstleistern arbeiten wir an der regel mäßigen Veröffentlichung thematischer Ressourcen KITs. Aufbauend auf den nationalen Themenschwerpunkten EPALE Deutschlands reflektieren diese Publikationen veröffentlichte Blogbeiträ ge und Ressourcen. Sie geben umfas sende thematische Einblicke in Projekte, Beispiele guter Praxis, Handlungsemp fehlungen und vieles mehr. https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ epale-deutschland-ressourcen-kits Bereits erschienene Ressourcen KITs: 1. Bildung für nachhaltige Entwicklung 2. Inklusion der alternden Bevölkerung und intergenerationelles Lernen 3. Gesundheitsbildung 4. Prävention von Rassismus und Diskriminierung 5. Grundbildung 6. Kunst, Kultur und Kreativität 7. Life Skills – Kompetenzerwerb 8. Stadt und Land 9. Wellbeing & Emotionen 10. New Learning 11. Aufbrüche I Umbrüche 12. Über I Leben I Kunst SONDERHEFT: Politische Bildung & kritische Medienkompetenz 13. Selbstwirksamkeit 14. Individualität vs. Kollektivität 15. Future Skills SONDERHEFT: Künstliche Intelligenz 16. Demokratie erleben 17. Lernort Sport 18. Organisationen nachhaltig gestalten https://epale.ec.europa.eu/de Link zu den Podcasts: https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ podcast-epale-insights-staffel-3- organisationsentwicklung-der- erwachsenenbildung LinkedIn Seite: EPALE - Deutschsprachiges Netzwerk der Erwachsenenbildung in Europa MARLENE RÖDER Wissenschaftliche Mitarbeiterin und derzeitige Leitung der NKS EPALE in der NA beim BIBB roeder@bibb.de © p riv at https://epale.ec.europa.eu/de https://epale.ec.europa.eu/de/blog/podcast-epale-insights-staffel-3-organisationsentwicklung-der-erwachsenenbildung https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-ressourcen-kits mailto:roeder@bibb.de 16 17Erasmus+ Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Nationaler Bericht zur Halbzeit evaluation von Erasmus+ - Wichtige Erfolge, Raum für Verbesserungen B - - - - - - - - - - - - - is zum 31. Mai 2024 mussten die Mit gliedstaaten der Kommission einen Bericht zur Halbzeitevaluation des Programms Erasmus+ 2021-2027 vor legen. Die in Deutschland zuständigen Behörden haben eine gemeinsame Evaluation für den Bereich Bildung so wie eine separate Evaluation für die Bereiche Jugend und Sport durchge führt. Ziele der Zwischenevaluation Die Zwischenevaluation ist verpflichtender Bestandteil der Erasmus+-Verordnung und soll das Programm auf Grundlage der Kri terien Wirksamkeit, Effizienz, Relevanz, Kohärenz und europäischer Mehrwert überprüfen. Die Europäische Kommission hat für die nationalen Evaluationen einen 36 Fragen umfassenden Prüfkatalog er stellt. Die Zwischenevaluation bot aber auch eine ideale Gelegenheit, weitere As pekte des Programms zu prüfen – so hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Zusammenarbeit mit den anderen nationalen Behörden einen spezifischen Fragebogen zur IT-Landschaft des Programms entwickelt. Insgesamt woll te das Ministerium damit feststellen, ob die Programmziele sowie die horizontalen Prio ritäten wie soziale Inklusion, der grüne und digitale Wandel sowie die Förderung der Teilhabe junger Menschen am demokrati schen Wandel erreicht werden konnten. Die zentralen Ergebnisse Das Fazit: Erasmus+ ist in der Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität unange fochtener Spitzenreiter. Das Ziel, in der lau fenden Programmgeneration zehn Millio nen Menschen in ihrer Mobilität zu fördern, wird voraussichtlich erreicht. Die Zwischenevaluation kam außerdem zu dem Ergebnis, dass die Ziele und intendier ten Wirkungen von Erasmus+ weitestgehend erreicht werden konnten. Teilnehmende be richten von besseren Schlüsselkompetenzen, Vorteilen beim Spracherwerb, einer größe ren Offenheit für unterschiedliche Kulturen und Lebenslagen und fühlen sich in ihrer europäischen Identität bestärkt. Auch die entsendenden Einrichtungen wie Berufs schulen und Betriebe bestätigen die posi tiven Effekte auf die Teilnehmenden. Aber auch auf systemischer Ebene bestätigte die Evaluation wichtige Fortschritte, insbeson dere die Flaggschiffinitiativen tragen zur Stärkung eines gemeinsamen europäischen Bildungsraums bei. Die Evaluation deckte aber auch Verbesse rungspotenzial auf, nicht zuletzt die kom plexen administrativen Abläufe, die insbe sondere für kleinere Organisationen schwer umzusetzen sind. Aber auch die Ansprache und Inklusion bestimmter Zielgruppen so wie die Verbreitung von Projektergebnissen kann noch verbessert werden. Kernforderungen für Erasmus+ ab 2028 Die Zwischenevaluation bietet neben der Retrospektive eine exzellente Chance, ei nen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Ergebnisse dienten daher auch als Grund lage für das deutsche Positionspapier zur nächsten Programmgeneration von Erasmus+. Das Papier stellt übergreifende Kernforderungen für alle Bereiche des Pro gramms sowie spezifische Forderungen für die einzelnen Sektoren auf. Übergeordne te Priorität genießt dabei die Kontinuität des Programms: Die Mobilität als stärkste Leitaktion des Programms ist zentraler Be standteil der übergreifenden Forderungen und soll beibehalten werden. Dabei spielt insbesondere die Integration unterreprä sentierter Zielgruppen eine wichtige Rolle. Neben virtuellen Angeboten sind insbe sondere die Social Top-Ups für unterreprä sentierte Zielgruppen zu betonen, die das BMBF durch eine Zusammenarbeit mit dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) be sonders stärken will. Eine Fortsetzung oder sogar ein Ausbau dieser Synergien wäre sehr zu begrüßen. Zu den übergreifenden Forderungen gehört ebenfalls der Abbau von administrativen Hürden durch den Ausbau der Akkreditie rung und vereinfachte Antragsverfahren für Schulen und kleinere sowie mittlere Unter nehmen. Zudem sollen Pauschalen genutzt werden. Das deutsche Positionspapier fordert überdies ein stabiles und optimier tes IT-System für Antragstellerinnen und Antragsteller, Begünstigte und Nationale Agenturen in allen Bereichen. Spezifische Kernforderungen für die Be reiche Berufsbildung und Erwachsenenbil dung wurden ebenfalls erarbeitet. Zu den wichtigsten Forderungen im Bereich der Berufsbildung gehören: Erhaltung der Mobilität in Drittstaaten, eigene Online-Vernetzungsplattform für Berufsbildung in Europa, Förderungen für die Verbreitung von Projektergebnissen, Ausbau der Synergien zwischen der Eu ropass-Plattform und Erasmus+. Für den Bereich Erwachsenenbildung kön nen die folgenden Forderungen hervorge hoben werden: Sondierung von Synergieeffekten so wie fachlicher Austausch mit anderen EU-Förderprogrammen wie dem ESF Plus und der Initiative der Europäischen Kom mission „Aim, Learn, Master, Achieve“ (ALMA), Berücksichtigung der Spezifika in der Erwachsenenbildung bei der Förderung, auch durch die Nutzung von Pauschalen. Ausblick Ein erster Verordnungsvorschlag für die nächste Generation von Erasmus+ wird in der zweiten Jahreshälfte 2025 erwartet. Dieser Vorschlag bildet die Grundlage für alle dar auffolgenden Diskussionen. Das BMBF ist zu versichtlich, dass Erasmus+ auch ab 2028 vie len Europäerinnen und Europäern die Chance geben wird, Europa zu erleben! - - - Nationaler Bericht zur Halbzeitevaluati on der Erasmus+-Programmgeneration 2021-2027: - https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_ upload/na-bibb.de/Dokumente/06_ Metanavigation/03_Presse/01_News/ Nationaler_Bericht_zur_Halbzeitevaluation_ ohne_Anlagen.pdf Deutsches Positionspapier zur nächsten Programmgeneration von Erasmus+: https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_ upload/na-bibb.de/Dokumente/01_ Erasmusplus_2021-2027/Dokumente_ uebergreifend/2024/Positionspapier_ Erasmus__2028-2034.pdf - KRISTIN HESS war bis zum 28.02.2025 Referentin im Referat „ERASMUS; Internationale Zusammenarbeit in der Berufsbil dung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung. © B M BF Erasmus+ 2028-2034: Die nächsten Schritte Ausblick auf den Weg zum Nachfolgeprogramm K ein anderes europäisches Programm ist so nah an den Bürgerinnen und Bürgern wie Erasmus+. Jeder kennt jemanden, der oder die durch das Programm geför dert wurde. Der hohe Bekanntheitsgrad und die Wertschätzung der Bevölkerung sind auch auf politischer Ebene deutlich, denn es gibt viel Unterstützung. So hat sich beispielsweise der Rat mit sei ner im Mai 2024 angenommenen Empfeh lung „Europa in Bewegung“ für die Stär kung von Erasmus+ ausgesprochen und konkrete Vorschläge zur Steigerung von Lernaufenthalten im Bildungssektor in allen Bereichen gemacht. Für die Berufsbildung und Hochschulbildung hat er darüber hi naus konkrete Zielwerte für 2030 formuliert (Mobilitätsquote von 12 bzw. 23 Prozent). Prominente und wichtige Fürsprecher des Programms sind darüber hinaus die beiden italienischen Politiker Enrico Letta und Ma rio Draghi. In ihren unabhängigen Berichten zur Weiterentwicklung des Binnenmarktes und zur Stärkung der europäischen Wettbe werbsfähigkeit weisen auch sie auf die Be deutung der Stärkung des Programms hin. Draghi stellt fest, dass das Erasmus+-Budget 2028-2034 verfünffacht werden müsste, um die Ziele der Ratsempfehlung in Euro pa zu erreichen. Diese Berichte sind in der Ausarbeitung der politischen Leitlinien der neuen von Ursula von der Leyen geführten EU-Kommission berücksichtigt worden. Hier findet sich auch die für Erasmus+ entschei dende Aussage: „Wir werden Erasmus+ stärken – auch für die berufliche Bildung –, sodass mehr Personen teilnehmen können. Dies ist überaus wichtig für die Menschen, damit sie Kompetenzen erwerben, gemein same Erfahrungen sammeln und einander besser verstehen können“. Erasmus+ ist da rüber hinaus das einzige Programm, das von der Leyen in ihrer Bewerbungsrede vor dem Europäischen Parlament im Juli 2024 explizit erwähnte. Das Budget: erhebliche Herausforderung Die Bekanntheit des Programms und die po litische Wertschätzung sind wichtig, dürfen aber nicht über die aktuellen budgetären Herausforderungen hinwegtäuschen. Dabei gibt es im Hinblick auf das Erasmus+-Budget 2028 bis 2034 zwei wesentliche Aspekte zu beachten. Einerseits sind auf nationaler wie auf europäischer Ebene die Haushalte unter Druck. Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz, Bildung sind hier nur einige https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/06_Metanavigation/03_Presse/01_News/Nationaler_Bericht_zur_Halbzeitevaluation_ohne_Anlagen.pdf https://www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Dokumente/01_Erasmusplus_2021-2027/Dokumente_uebergreifend/2024/Positionspapier_Erasmus__2028-2034.pdf 18 19 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+Erasmus+ Stichworte. Die Aufgaben sind groß und die Zukunft mit erheblichen Unsicherheiten be haftet. - Andererseits gilt für Erasmus+, dass eine knappe Verdopplung des Budgets praktisch Stagnation bedeuten würde. Das muss erklärt und politisch vermittelt werden. In den Jahren 2021 bis 2027 hat Erasmus+ ein Budget von insgesamt 28 Milliarden Euro. Das jährliche Budget verdoppelt sich in der Laufzeit des Programms dabei von rund 3 auf 6 Milliarden Euro. Wenn in den Jahren 2028 bis 2034 die Aktivitäten im Umfang des Jahres 2027 nur fortgeführt werden sollen, so braucht es da her einschließlich eines Inflationsausgleiches ein Budget von 46 Milliarden Euro. Der deut liche Zuwachs von 18 Milliarden Euro würde also lediglich eine Stagnation des neuen Pro gramms auf dem Niveau von 2027 sichern. Erst eine Verdopplung des bisherigen Budgets von 28 auf 56 Milliarden Euro würde zu ei ner quantitativen und qualitativen Stärkung führen. - - - - Die NA beim BIBB hat eine Abschätzung der Lernmobilität in der Berufsbildung in Abhän gigkeit vom zukünftigen Erasmus+-Budget erstellt. Dabei gehen wir von der günstigen Annahme aus, dass die Lernmobilität au ßerhalb von Erasmus+ im gleichen Umfang steigt, wie im Programm. Ein Budget von 46 Milliarden Euro ließe eine Mobilitätsquote von 6 Prozent erwarten, eine Verdopplung des Erasmus+-Budgets auf 56 Milliarden Euro eine Quote von 7 Prozent und eine Verdreifachung eine Quote von 11 Prozent. Selbst bei einer sehr günstigen Annahme bräuchte es folg lich mehr als eine Verdreifachung, um die mit „Europa in Bewegung“ gesetzten Ziele für die Berufsbildung zu erreichen. - - - Die Zwischenevaluation: Erasmus+ 2021-2027 Die Zwischenevaluation des laufenden Pro gramms zeigt, dass das Programm sehr er folgreich und der Wunsch nach Kontinuität hoch ist. Die Steigerung der Lernmobilität, die Einführung der Akkreditierung, die Stär kung europäischer Kooperationen, die vier horizontalen Prioritäten, die überwiegend dezentrale Verwaltung des Programms und die ausgeweitete Pauschalierung sind bei spielsweise Aspekte, die von allen Beteiligten positiv bewertet werden. Wichtige Impulse für eine Weiterentwicklung des Programms 2028-2034 haben die Bundesministerien un ter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und zusam men mit der Kultusministerkonferenz (KMK) - - - - - - in einem Kernforderungspapier der EU-Kom mission übermittelt. Im Mittelpunkt steht die Stärkung von Erasmus+ als bürgernahes Pro gramm, das in seiner Grundstruktur mit seinen Sektoren, Leitaktionen und horizontalen Prio ritäten erhalten bleibt. Neben der Stärkung der Mobilität gilt es die dezentralen Koope rationsprojekte zu erhalten und ihre Wirkung noch zu steigern, indem die Verbreitung be sonders erfolgreicher Projekte eigenständig gefördert wird. Das Programm ist inklusiver geworden, sollte aber die Anstrengungen in dem Bereich weiter steigern. Die Aktion Jean Monnet sollte dezentralisiert werden, um den Zugang für Bildungseinrichtungen zu erleich tern. Grundlegend ist darüber hinaus die Be reitstellung einer funktionalen IT-Umgebung. - - - - - - - Für die Erwachsenenbildung wird betont, dass der Anteil des Sektors am Gesamtbudget sta bil bleiben soll, um die Erwachsenenbildung in Europa weiter zu stärken. Angesichts der vielfältigen und sich schnell vollziehenden Umbrüche in Gesellschaft und Arbeitsmarkt hat die Erwachsenenbildung eine bedeutende gesellschaftliche Funktion. Eine Besonderheit der Erwachsenenbildung, die im neuen Pro gramm spezifischer berücksichtigt werden sollte, ist, dass Lernende und Lehrende gleich alt sind und daher auch gleich gefördert wer den sollten. - - - Die Rolle der Berufsbildung im Programm sollte angesichts ihrer Bedeutung für die Wett bewerbsfähigkeit Europas gestärkt werden. Eine Vernetzungsplattform analog zu EPALE und e-Twinning ist dringend erforderlich, um die Praktikerinnen und Praktiker der Berufsbil dung in Europa auch jenseits von Erasmus+ zu vernetzen, innovative Konzepte zu verbreiten und die Suche nach Kooperationspartnern zu erleichtern. - - Der Weg: Erasmus+ 2028-2034 Anfang 2028 startet das Nachfolgeprogramm. Bis dahin sind es noch zweieinhalb Jahre, die es aber auch braucht, um die beiden erforder lichen Gesetzgebungsverfahren abzuschlie ßen. Sowohl der siebenjährige Haushalt von 2028 bis 2034 als auch das Nachfolgepro gramm Erasmus+ werden als EU-Verordnung, also im Rahmen des europäischen Gesetzge bungsprozesses, verabschiedet. Dazu wird die EU-Kommission im Sommer 2025 zunächst einen Vorschlag für den gesamten EU-Finanz rahmen 2028 bis 2034 machen. Im Anschluss daran wird sie dann ihren Vorschlag für das EU-Bildungsprogramm in diesem Zeitraum vorlegen. Das laut Finanzrahmen verfügbare Budget ist dabei für die Ausgestaltung des Nachfolgeprogramms von besonderer Bedeu - - - - - - tung. Beide Verordnungen werden dann ab der zweiten Jahreshälfte 2025 unabhängig voneinander verhandelt. Drei Dinge können dabei als sicher angenommen werden: Ers tens bleibt keine Verordnung im parlamen tarischen Prozess unverändert. Es wird zwei tens einen engagierten sogenannten „Trilog“ zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und Rat geben und drittens werden am Ende bei de Verordnungen erfolgreich verabschiedet. Der Erasmus+-Nutzerbeirat der NA beim BIBB hat bereits im April 2024 eine Stellungnahme zum Nachfolgeprogramm erarbeitet, die auf der Website der NA beim BIBB veröffentlicht ist. Allen Projektträgern steht es frei, ihre EU-Parlamentarierinnen und -Parlamentarier über ihr Engagement im Programm und die Bedeutung von Erasmus+ für ihre Arbeit zu in formieren. Viele Abgeordnete freuen sich über konkrete Rückmeldungen, die sie in ihre Ar beit im Parlament einbringen und damit auch Entscheidungsprozesse beeinflussen können. Es beginnt nun also ein komplexer demokra tischer Prozess, an dem sich alle beteiligen können. Wenn alles gut geht, ist dieser bis zum Herbst 2027 abgeschlossen und die neue Programmgeneration Erasmus+ 2028-2034 kann pünktlich an den Start gehen. - - - - - - - Eine Darstellung des ordentlichen Gesetz gebungsverfahrens in der EU sowie aktuelle Meldungen zum Prozessfortschritt finden Sie auf der NA-Website. - Auf dieser Seite finden Sie auch Links zu wichtigen Dokumenten wie den Draghi- und den Letta-Bericht oder die Ratsempfehlung „Europa in Bewegung“. www.na-bibb.de/erasmusplus2028 BERTHOLD HÜBERS Leiter der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B Entwicklungen in den Leitaktionen 1 und 2 Akkreditierung und Pauschalisierung haben sich bewährt M it der Erasmus+-Programmgeneration 2021-2027 wurden verschiedene Än derungen in den beiden Leitaktionen 1 (Mobilität) und 2 (Kooperationen) ein geführt. Nachfolgend geben wir einen Überblick über die weitreichendsten Änderungen und ihre Entwicklungen. Insgesamt betrachtet erfährt das Pro gramm Erasmus+ aber große Kontinu ität. Teilnehmende der NA-Jahrestagung 2024 © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r Leitaktion 1 – Akkreditierung und horizontale Prioritäten des Eras mus+-Programms Eine zentrale Neuerung ist die Einführung der Akkreditierung sowohl in der Berufs- als auch in der Erwachsenenbildung. Hat eine Bildungseinrichtung die Akkreditierung ein malig erfolgreich beantragt, ermöglicht diese ihr langfristig mit reduziertem bürokratischen Aufwand Fördermittel für Mobilitätsaktivi täten anzufordern. Mit der Akkreditierung verpflichten sich die Bildungseinrichtungen, neben den geplanten Mobilitätsaktivitäten im Rahmen von Erasmus+ ihre Einrichtung systematisch und langfristig weiterzuentwi ckeln. Dazu formulieren sie in einem Eras mus-Plan individuelle Ziele, etwa in den Bereichen Inklusion, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung, die sie durch Mobilitätsmaß nahmen erreichen möchten. Neben der Akkreditierung bleiben Kurzzeit projekte eine Option, um erste Erfahrungen mit Auslandsaufenthalten zu sammeln. In der aktuellen Programmgeneration haben programmübergreifende Prioritäten an Be deutung gewonnen. Alle geförderten Akti vitäten sollen zu den gesellschaftlichen He rausforderungen Inklusion, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und demokratische Teilhabe beitragen. So geht es in der Leitaktion 1 z.B. darum, insbesondere Personen mit gerin geren Chancen einzubeziehen und zu einem gerechten Zugang zu Bildung beizutragen. Dafür kann die Organisation zusätzliche För dermittel erhalten, die sogar flexibel aufge stockt werden können. Außerdem gibt es zusätzliche Fördermittel, wenn die Teilneh menden „grüne“ Reisemittel wählen. Berufsbildung: Internationalisierung und neue Aktivitäten für Lernende und Bildungspersonal Seit 2021 werden im Rahmen von Erasmus+ Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung nicht nur in EU- oder mit dem Programm assoziierte Länder, sondern weltweit ge fördert. Dafür können akkreditierte Ein richtungen bis zu 20 Prozent ihres Budgets nutzen, um Auslandspraktika in Ländern wie den USA, Brasilien oder Indien anzubieten. Für Lernende wurden zwei neue Aktivitäten eingeführt: Kompetenzwettbewerbe und Gruppenmobilitäten. Die Teilnahme an inter nationalen Wettbewerben bietet Lernenden die Chance, sich einem transnationalen Vergleich zu stellen und ihre branchenspe zifischen Fähigkeiten zu zeigen. Gruppen mobilitäten ermöglichen Lernenden aus mindestens zwei Ländern verschiedene The men zu bearbeiten oder auch europäische Institutionen zu besuchen. Damit fördert diese Aktivität gezielt politische Bildung von http://www.na-bibb.de/erasmusplus2028 20 21 Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Lernenden im Ausland. Das Bildungsperso nal profitiert seit 2021 von der Möglichkeit, an Kursen oder Schulungen teilzunehmen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Exper tinnen und Experten aus dem Ausland ein zuladen. - - - Allgemeine Erwachsenenbildung: För derung von Lernenden mit geringen Chancen - Für die Erwachsenenbildung hat die neue Programmgeneration mit der Einbeziehung der Lernenden eine fundamentale Verände rung gebracht. Diese Zielgruppe, also Nutze rinnen und Nutzer von Bildungsangeboten in der allgemeinen Erwachsenenbildung, kann nun seit 2021 auch mobil werden und an sogenannten Lernreisen ins Ausland teil haben. Obwohl bereits im Programmjahr 2023 die Zielgruppe auf alle Lernenden er weitert wurde, liegt der Schwerpunkt auch hier auf der Förderung von Lernenden mit geringeren Chancen, also Menschen, die bisher wenig bis gar keinen Zugang zu Bil dung hatten, wie beispielsweise Teilneh mende an Grundbildungsangeboten. Für diese Zielgruppe gibt es seit 2023 ebenfalls die Möglichkeit für Auslandsaufenthalte bis zu einem Jahr. Damit sind die Aktivitäten der Zielgruppen in den verschiedenen Bildungs bereichen weitestgehend angeglichen wor den. - - - - - - - - Zudem zeigt der stark gewachsene Bud getanteil für die Erwachsenenbildung die Wertschätzung und Aufmerksamkeit für diesen die Menschen lebensbegleitenden Bildungsbereich. - Insgesamt hat in der Leitaktion 1 in beiden Bildungsbereichen neben der individuellen Förderung von Lernaufenthalten, die Inter nationalisierung und Entwicklung der In stitutionen an Bedeutung gewonnen und Mobilitätsaktivitäten dadurch in ihrer nach haltigen Wirkung gestärkt. - - - Leitaktion 2 – Pauschalisierung von Förderung und starke Ausprägung der horizontalen Prioritäten Die größte Veränderung in der Leitaktion 2 ist die Einführung der Pauschalisierung. Hierbei haben Antragstellende die Möglichkeit, zwi schen fünf verschiedenen Pauschalförder summen zu wählen. Sowohl die kleineren als auch die Kooperationspartnerschaften werden so in ihrer administrativen Abwick lung für Projektträger und Nationale Agen turen vereinfacht – eine Forderung, die be - - - - - reits im Vorgängerprogramm Erasmus+ von vielen Stakeholdern eingebracht wurde. Die Einführung der Pauschalisierung hat auch einen weiteren positiven Effekt: Die Projekt ergebnisse und Aktivitäten werden verstärkt auf ihre Qualität und auch ihre Wirkung im Bildungsbereich hin überprüft. Somit stellt das Programm sicher, dass mit Erasmus+ entwickelte Ergebnisse nachhaltig im Feld verwendbar sind sowie die bildungsbe reichsspezifische Verankerung der beteilig ten Organisationen eine hervorgehobene Rolle spielt. In diesem Zusammenhang sind auch die besonders in der Leitaktion 2 er weiterten Checks zu verstehen. Mit dem „Financial Capacity Check“, dem „Opera tonal Capacity Check“, dem „Multiple Sub mission Check“ und dem Check auf Plagia rismus wird die koordinierende Einrichtung bereits in der Antragsrunde unter die Lupe genommen und die Eignung für die Teilnah me am Erasmus+-Programm überprüft. Dies ist auch eine Antwort auf die Beobachtung, dass vermehrt Organisationen, die keinen Bildungsbezug haben oder allein kommer zielle Interessen verfolgen, versuchen, am Programm teilzunehmen. - - - - - - - - - Die Einführung der programmübergreifen den Prioritäten hat auch in der Leitaktion 2 sehr positive Effekte gezeigt. Neben den bildungsbereichsspezifischen Schwerpunk ten, die weiterhin gut bedient werden, sind die programmübergreifenden Prioritäten Digitalisierung und Nachhaltigkeit bei An tragsstellern in der Berufsbildung besonders beliebt. Die in der Erwachsenenbildung be reits länger und historisch verankerte Prio rität “gemeinsame Werte, zivilgesellschaft liches Engagement und Teilhabe“ hat mit - - - - - - dem EU-Wahl-Jahr 2024 auch in der Berufs bildung verstärkt Fuß gefasst. - Rückläufige Budgetentwicklung Trotz der in dieser Programmgeneration erstarkten Ausrichtung der Leitaktion 2 auf Inhalte und Bildungsprodukte für die Praxis, gibt es eine rückläufige Entwicklung in der finanziellen Ausstattung sowohl in der Er wachsenen- als auch in der Berufsbildung. Die durch die Covid-19-Pandemie bedingten Budgetverschiebungen in den Jahren 2020 und 2021 wurden von der Leitaktion 2 ab sorbiert und so viele Projekte gefördert wie noch nie. Mit der Wiederaufnahme von Mobilitätsaktivitäten in der Leitaktion 1 ab 2022 ist das Budget der Leitaktion 2 stetig gesunken. Dies führt dazu, dass in beiden Bildungsbereichen in den letzten Jahren eine Förderquote von 20 bis 30 Prozent zur Normalität geworden ist. Dies ist gerade mit Blick auf die große Zahl vielversprechender und qualitativ hochwertiger Anträge bedau erlich. Die Durchführung von europäischen Projekten, in denen Partnerschaften aufge baut und vor allem erprobt werden, ist auch ein vitaler Teil der Internationalisierung von Bildungseinrichtungen – einem Kernziel des Gesamtprogramms Erasmus+. - - - - www.na-bibb.de CLAUDIA LAUBENSTEIN Leiterin des Teams „Erwachsenen bildung: Erasmus+ Lernmobilität / Europäische Agenda für Erwachse nenbildung“ in der NA beim BIBB JULIA LUBJUHN Leiterin des Teams „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung / Europass“ in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B Erasmus+-Antragsrunde 2024 Nachfrage nach Partnerschaften stabil oder wachsend D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 04.02.2025 wieder. Nachdem wir im letzten Journal über die Antragsrunde 2024 im Bereich der Mobilität berichtet hatten, konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die Akkreditierung und die Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zu sammenarbeit). Akkreditierung Die Antragsfrist für die Akkreditierung ende te am 1. Oktober 2024. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass aus budgetären Grün den, genau wie im Vorjahr, maximal 100 neue Akkreditierungen in der Berufsbildung vergeben werden können. 125 Anträge er reichten die NA beim BIBB. 100 Einrichtungen erhielten die langfristige Förderzusage, womit sich die Zahl der insgesamt akkreditierten Ein richtungen auf 985 erhöhte. In der Erwachsenenbildung besitzen ins gesamt 88 Einrichtungen eine Akkreditierung und profitieren damit zukünftig von einem ver einfachten Mittelabruf für ihre Mobilitätspro jekte. 2024 sind 39 Anträge auf Akkreditierung eingegangen, 25 davon wurden positiv be schieden. Betrachtet man das Gesamtgesche hen ist erkennbar, dass in der Erwachsenenbil dung mit ihren vielen kleinen Einrichtungen der zweite Zugang zur Mobilitätsförderung, sprich die Kurzzeitprojekte wichtig bleiben, denn hier besteht eine hohe Nachfrage. Partnerschaften In der Berufsbildung wurden in den beiden Antragsrunden 2024 (Antragsfrist 05.03. und 01.10.2024) insgesamt 242 Projektanträge ein gereicht, wobei die zweite Antragsrunde aus schließlich kleinere Partnerschaften adressierte. Insgesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 44,35 Millionen Euro beantragt. Davon vertei len sich 119 Anträge auf die kleineren Partner schaften mit 6,81 Millionen Euro und 123 An träge auf die Kooperationspartnerschaften mit 37,54 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Antragszahlen somit ähnlich hoch ge blieben (2023: 246 Anträge), insbesondere im Bereich der Kooperationspartnerschaften. Aufgrund des begrenzten Budgets und nach den formalen Prüfungen erhielten 80 Projekte eine Förderzusage, davon 30 Kooperations partnerschaften mit einem Fördervolumen von 9,45 Millionen Euro und 50 kleinere Partner schaften mit 2,73 Millionen Euro. In circa einem Drittel aller Anträge wurde die Fördersumme von 250.000 Euro gewählt. Da hinter folgen mit deutlichem Abstand Koope rationspartnerschaften mit 400.000 Euro und kleinere Partnerschaften mit 60.000 Euro. Wie bereits im letzten Jahr wurden nur vereinzelt die Pauschalsummen 120.000 Euro oder 30.000 Euro zur Förderung beantragt. Am häufigsten wurden die berufsbildungsspe zifischen Prioritäten „Anpassung der berufli chen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovati on in der Berufsbildung“ adressiert. An dritter Stelle folgt mit „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“ die erste bildungsbereichsüber greifende Priorität. In der Erwachsenenbildung gingen zur ersten Antragsrunde 2024 insgesamt 273 Anträge ein, die sich auf die beiden Akti onstypen folgendermaßen verteilten: 171 Anträge bei den Kooperationspartnerschaf ten und 102 Anträge bei den kleineren Part nerschaften. Damit bewegten sich die Zahlen ziemlich genau auf dem hohen Niveau der ersten Antragsrunde von 2023. Ähnlich wie im Vorjahr musste aufgrund der zahlreichen An träge wiederum der Begutachtungszeitraum verlängert werden, sodass erst Ende August die Förderentscheidung feststand. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget und mit zusätzli chen Mitteln aus der Förderaktion Mobilität Er wachsenenbildung konnten schließlich 33 Ko operationspartnerschaften mit einem Budget von circa 9,2 Millionen Euro gefördert werden sowie 26 kleinere Partnerschaften mit einem Budget von 1,5 Millionen Euro. Für die zweite Antragsrunde 2024 stand für die kleineren Partnerschaften nur knapp eine Million Euro zur Verfügung. Nichtsdestotrotz ging eine neue Rekordzahl von 133 Anträgen ein – so viele wie noch nie zuvor in einer An tragsrunde bei den kleineren Partnerschaften. Aufgrund des zur Verfügung stehenden gerin gen Budgets konnten nur 17 kleinere Partner schaften in die Förderung gehen. Bezüglich der Förderquote konnten sich die Kooperationspartnerschaften dank des zusätz lichen Budgets im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 20 Prozent steigern. Bei den kleineren Partnerschaften ergab sich für beide Antrags runden zusammen aufgrund der enormen An tragszahlen eine Förderquote von nur rund 18 Prozent. Inhaltlich stehen bei den geförderten Projek ten, ähnlich wie im Vorjahr, die Themen digi tale Kompetenzen, grüne Kompetenzen und Klimawandel sowie Inklusion im Vordergrund. Dies spiegelt sich auch in den am häufigsten in den Projekten fokussierten Prioritäten wider: „Inklusion und Vielfalt“ wurde vor „Verbesse rung der Kompetenzen von Pädagoginnen und Pädagogen“ und „Digitaler Wandel“ gewählt. Die Bewilligungslisten können auf der NA-Web site unter „Bewilligte Aktivitäten“ bzw. „Bewil ligte Projekte“ eingesehen werden. http://www.na-bibb.de 22 23 Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+-Jahresstatistik 2024 Ausgewählte Facts aus der Berufs- und Erwachsenenbildung kurz präsentiert D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e, B ild qu el le n: © D an ie lE rn st u nd K on st ia nt yn /A do be st oc k. co m Die aktuelle Erasmus+-Programmgeneration läuft von 2021 bis 2027. Neu eingeführt mit dem Programmstart wurde die Akkreditierung – eine Art Erasmus+-Mitgliedschaft in der Mobilität. Auch seitdem hat es verschiedene kleinere Neuerun gen gegeben, wie z.B. die Einführung von Gruppenmobilitäten für Lernende in der Berufsbildung. Von der NA beim BIBB betreut werden die Leitaktionen 1 (Mobilität) und 2 (Partnerschaften) in der Berufs- und Erwachsenenbildung. Für das Antragsjahr stand dafür in Deutschland ein Förderbudget von insgesamt mehr als 130 Millionen Euro zur Verfügung. - Berufsbildung Rekord bei bewilligten Auslandsaufenthalten | Jahr Lernende | Bildungspersonal | Gesamt ... 2019 26.858 6.029 32.887 2022 18.725 5.029 23.754 2023 25.259 7.752 33.011 2024 36.720 | | 9.365 46.085 Hohe Zuwachsrate bei Lernenden 2024 im Vergleich zu 2023 45% mehr Bewilligungen für Lernende 21% mehr Bewilligungen für Bildungspersonal Gruppenmobilitäten gut angenommen 2024 - Gesamtzahl der bewilligten Lernenden36.720 4.958 Teilnehmende in Gruppen mobilitäten 14% > : - Auslandserfahrung für alle 18% Anteil der Lernenden mit geringeren Chancen an bewilligten Aufenthalten für Lernende Quelle: Dashboard zum Yearly Report (06.01.2025) Partnerschaften – Top-Prioritäten 1. Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeits markts 2. Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung Erwachsenenbildung Weiteres Wachstum bei Auslandsaufenthalten Bewilligte Auslandsaufenthalte Jahr Lernende Bildungspersonal Gesamt 2021 194 961 1.155 2022 379 1.001 1.380 2023 619 2.151 2.770 2024 883 2.731 3.614 Quelle: NA beim BIBB Gute Förderchancen > 70% Bewilligungsquote für Lernende und Bildungs personal jeweils über 70% - Partnerschaften – Top-Prioritäten: 1. Inklusion und Vielfalt 2. Verbesserung der Kompetenzen von Personal Starker Zuwachs bei Kurzzeitprojekten 2023 2024 32 bewilligte Kurzzeitprojekte +97% 63 bewilligte Kurzzeitprojekte Bundesländer mit den meisten bewilligten Kurzzeitprojekten 2024 Nr. 1 | Berlin Nr. 2 | Bayern Nr. 3 | NRW Weitere Statistiken finden Sie unter: www.na-bibb.de/presse/statistik http://www.na-bibb.de/presse/statistik 24 25 Bildung für Europa | April 2025 Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Erster transnationaler Forschungsbericht des Netzwerks RIA-AE veröffentlicht - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+Erasmus+ - - - - - RIA-Netzwerktreffen 2024 in Slowenien © B er t- Ja n Bu is ko ol D ie NA beim BIBB hat es sich in der Programm periode 2021-2027 zum Ziel gesetzt, die Wirkungen von Erasmus+ in der Erwach senenbildung systematischer zu erforschen – sowohl national als auch europäisch, um vergleichende Analysen zu ermöglichen. 2022 wurde gemeinsam mit sieben weite ren Nationalen Agenturen das transnationale Forschungsnetzwerk RIA-AE (Research-based Impact Assessment of Erasmus+ Adult Educa tion Programmes) gegründet, das mittlerwei le 20 Mitgliedsländer umfasst. 2023/2024 führte das Netzwerk erfolgreich eine erste Datenerhebung durch, deren Ergebnisse im November 2024 im ersten europäischen Bericht veröffentlicht wurden. Die Studie un tersucht die Auswirkungen der Leitaktionen 1 (Lernmobilität) und 2 (Kooperationen) auf Organisationen, Mitarbeitende, Lernende so wie den Erwachsenenbildungssektor in den teilnehmenden Ländern. Sie basiert auf einer Mixed-Methods-Methodik, die Dokumenten analyse, Online-Umfragen, Fallstudien und Interviews umfasst, und wurde in 15 Ländern durchgeführt. Nachfolgend fassen wir die zentralen Erkenntnisse zusammen. Inklusivität von Erasmus+ Die Studie zeigt, dass Erasmus+ eine Vielzahl von Organisationen und erwachsenen Ler nenden in den teilnehmenden Ländern unter stützt, wobei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Erwachsenenbildungsanbieter am häufigsten vertreten sind. Trotz Heraus forderungen wie begrenzten Ressourcen oder Schwierigkeiten, neue Teilnehmende zu gewinnen, erreichen die Organisationen viele benachteiligte Zielgruppen und erkennen den hohen Mehrwert der Förderung. Aller dings nutzen viele Organisationen nur eine der Leitaktionen, obwohl Synergien zwischen beiden ausgebaut werden könnten. Zudem bleibt das Potenzial für Mobilitätsprojekte bei erwachsenen Lernenden oft ungenutzt, was auf fehlendes Wissen über das Format, Hindernisse auf Organisationsebene und komplexe Programmanforderungen zurück zuführen ist. Wirkung auf Organisationsebene Erasmus+ hat Organisationen in Europa maßgeblich dabei unterstützt, ihre Lern angebote zu verbessern und Strukturen weiterzuentwickeln, insbesondere in den Bereichen Inklusion, Digitalisierung, grüne Transformation und demokratische Teilhabe. Viele Organisationen konnten durch das Pro gramm ihre Internationalisierungsaktivitäten stärken, internationale Netzwerke ausbauen und das Management internationaler Pro jekte verbessern. Etwa 60 Prozent der Orga nisationen entwickelten im Rahmen von Ko operationsprojekten (Leitaktion 2) Curricula, Leitfäden oder digitale Tools, die größtenteils erfolgreich genutzt werden. Herausforde rungen bleiben jedoch in der praktischen An wendbarkeit der Ergebnisse, fehlender Aner kennung und begrenzter Kapazität, die den langfristigen Impact erschweren können. Wirkung auf horizontale Prioritäten Die Analyse zeigt, dass viele begünstigte Organisationen Maßnahmen zur Förderung von Inklusion und Vielfalt, Digitalisierung, Umweltbewusstsein und aktiver Bürgerschaft umgesetzt haben. Dennoch fehlen oft spezi fische Strategien und Personal für Inklusion, digitale Unterstützung für Lernende mit be sonderen Bedürfnissen und Maßnahmen zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks. Ebenso sind Strukturen zur Mitbestimmung der Lernenden und Strategien zur Förderung aktiver Bürgerschaft weniger verbreitet. Die größten Fortschritte verzeichnen die Orga nisationen in den Bereichen Digitalisierung (66 Prozent), Inklusion und Vielfalt (65 Pro zent) sowie aktive Bürgerschaft (62 Prozent), während die Priorität Nachhaltigkeit und Kli maschutz etwas weniger Wirkung zeigt (53 Prozent). Wirkung auf Lernende und Personal Die Teilnahme an Erasmus+-Projekten er möglicht Mitarbeitenden im Bereich der Er wachsenenbildung, internationale Kompe tenzen sowie pädagogische und didaktische Fähigkeiten zu stärken. Besonders profitieren sie von den Erfahrungen, die sie im Bereich Projektmanagement, zu kulturellen Unter schieden und internationaler Zusammenar beit sammeln, was auch ihre Motivation und ihr Engagement für Mobilitätsprojekte er höht. Zudem werden Sprachkenntnisse und die Fähigkeit zur Innovation gefördert, wo bei Mitarbeitende oft als Multiplikatoren in ihren Organisationen wirken. Auch Lernende profitieren deutlich, etwa durch die Erwei terung ihres sozialen Umfelds, persönliche Weiterentwicklung und bessere Bildungs- oder Arbeitsmarktchancen. Die Qualität der Vorbereitung, Betreuung und Nachbereitung beeinflusste den Erfolg für beide Gruppen maßgeblich. Wirkung auf systemischer Ebene Erasmus+-Projekte haben positive Effekte auf Organisationen und den Erwachsenen bildungssektor, beeinflussen jedoch die po litische Entscheidungsfindung auf lokaler, re gionaler und nationaler Ebene nur begrenzt. Hauptgründe hierfür sind der geringe Umfang vieler Projekte und die Herausforderung, ihre langfristigen Wirkungen zu verfolgen. Zudem fehlen in einigen Ländern Dachor ganisationen, die den Wissenstransfer zwi schen Projekten und der Politik erleichtern könnten. Eine stärkere Einbindung von po litischen Akteuren sowie die Teilnahme an lokalen und regionalen Netzwerken könnten den politischen Einfluss von Erasmus+-Pro jekten verbessern. Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der Studie in Bezug auf bereits erreichte Erfolge und noch bestehende Herausforderungen kompakt zusammen: Erfolge Erasmus+ erreicht eine breite Vielfalt an Organisationen der Erwachsenenbildung und Lernenden. Begünstigte Organisationen schätzen Erasmus+ und bleiben dem Programm treu. Die Internationalisierung ist stärker in den Organisationen verankert. Die meisten entwickelten Ergebnisse wur den in das reguläre Angebot integriert. Projekte tragen zu den horizontalen Prioritäten von Erasmus+ bei. Erasmus+ verbessert die beruflichen Kompetenzen der Mitarbeitenden. Die Teilnahme an Erasmus+ stärkt die Fähigkeiten erwachsener Lernender und fördert ihre soziale Integration. Herausforderungen Noch nicht alle Organisationstypen werden erreicht. Potenzial zur Stärkung der Synergien zwischen Leitaktion 1 (Mobilität) und 2 (Kooperationen). Möglichkeiten, die Wirkung des Pro gramms auf Organisations-, Mitarbeiten den- und Lernendenebene zu erhöhen. Schwieriger Start der Lernreisen für er wachsene Lernende, jedoch vielverspre chende Zukunft. Begrenzte systemische Wirkung aufgrund fehlenden Dialogs zwischen Programm- und Politikebene. Den vollständigen Bericht auf Englisch finden Sie unter: https://epale.ec.europa.eu/en/ resource-centre/content/ transnational-analysis-impact- erasmus-adult-education-sector JANINA MEYER TCA-Beauftragte der NA beim BIBB meyer@bibb.de © p riv at https://epale.ec.europa.eu/en/resource-centre/content/transnational-analysis-impact-erasmus-adult-education-sector mailto:meyer@bibb.de 26 27 Bildung für Europa | April 2025 Erasmus+Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - European Innovative Teaching Award 2024 Frieden lehren und leben D as Erasmus+-Projekt PEEC (Peace Educa tion in Early Childhood to prevent Bul lying) hat 2024 den European Innovative Teaching Award (EITA) in der Kategorie "berufliche Bildung" erhalten. Die Preis verleihung fand während der Jahresta gung der NA beim BIBB statt und wür digte das Projekt für seinen innovativen Ansatz in der Friedenserziehung. Der Award wird seit 2021 jährlich von der Europäischen Kommission verliehen und zeichnet herausragende Bildungsinitiativen aus, die mit kreativen Methoden zur Ver besserung der Lehre beitragen. 2024 lag der Schwerpunkt des Preises auf der psychi schen Gesundheit und dem Wohlbefinden an Schulen. Das PEEC-Projekt überzeugte die Jury durch seinen umfassenden, praxis nahen Ansatz und die nachhaltige Wirkung der entwickelten Materialien. Das Hauptziel von PEEC besteht darin, Friedens erziehung bereits in der frühkindlichen Bildung zu verankern, um Mobbing vorzubeugen. Lars Menzel, Leiter der Johanniter-Akademie Mitteldeutschland und Initiator des Projekts, entwickelte gemeinsam mit seiner Kollegin Jana Goldberg und internationalen Partnern Lehrmaterialien, die Erzieherinnen und Erzie hern einfache und effektive Möglichkeiten bieten, Kindern die Prinzipien von Frieden und Konfliktbewältigung nahezubringen. Diese Innovation führt nicht nur zu einem besseren Verständnis von Frieden, sondern stärkt auch das Wohlbefinden der Kinder und Fachkräfte gleichermaßen. Besonders hervorgehoben wurde von der Jury, wie das Projekt systematisch Bedarfsanalysen durchführte, um die Materialien auf die täg lichen Herausforderungen von Erzieherinnen und Erziehern abzustimmen. Jana Goldberg, Fachbereichsleiterin für Internationale Bildung und Integration sowie Projektkoordinatorin von PEEC, erklärte: "Unser Ziel war es, praxis orientierte Lehrmittel zu schaffen, die ohne großen Aufwand in den Arbeitsalltag integriert werden können." Das Ergebnis ist eine mo dulare Materialsammlung, die individuell an Gruppengröße, Zeit und Lernformate ange passt werden kann. Zu den behandelten The men gehören Toleranz, Inklusion, Mitgefühl und die Prävention von Cybermobbing. Internationale Zusammenarbeit als Erfolgsschlüssel Im PEEC-Projekt arbeiteten Partnerorganisati onen aus Deutschland, Spanien, Kroatien und Litauen eng zusammen, um ein gemeinsames Verständnis von Friedenserziehung zu ent wickeln. Diese Zusammenarbeit ermöglichte nicht nur den Austausch von Best Practices, sondern auch die Entwicklung eines Fortbil dungskonzepts, das in verschiedenen Ländern Anwendung findet. In Litauen wurde das Kon zept bereits offiziell in die Ausbildung von Er zieherinnen und Erziehern integriert. Auch in den anderen teilnehmenden Ländern finden regelmäßig Schulungen statt. Nachhaltige Wirkung und Perspektiven Das Konzept von PEEC geht über die reine Materialentwicklung hinaus. Es soll langfristig als Bestandteil der Ausbildung von pädago gischem Fachpersonal etabliert werden. In Deutschland setzt die Johanniter-Akademie auf die Schulung von Multiplikatoren, die das Wissen weitertragen und in die Praxis umset zen. Goldberg berichtet, dass eine Projektteil nehmerin ganz begeistert von den Materialien war: "Die Kinder haben gefragt, wann sie so etwas wieder machen können." Solche Rück meldungen zeigen die Wirkung des Projekts und unterstreichen dessen Relevanz. Die Vision der Projektverantwortlichen reicht jedoch noch weiter. Sie streben eine feste Verankerung der Friedenserziehung in der Bildungslaufbahn von pädagogischem Personal an. "Frieden zu leh ren ist nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Verantwortung", fasst Goldberg zusammen. Das PEEC-Projekt und die Auszeichnung mit dem EITA verdeutlichen, wie innovative Bil dungsprojekte den Grundstein für eine fried lichere Gesellschaft legen können. - © N A b ei m B IB B / a rg um H el le r - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - INFO https://peec-online.eu/de/ergebnisse/ Auf unserem YouTube-Kanal finden Sie einen Kurzfilm zum Projekt: NADJA LINKE Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Information und Öffentlich keitsarbeit“ in der NA beim BIBB nadja.linke@bibb.de © N A b ei m B IB B Good Practice: Demokratiebildung spielerisch fördern Interesse am Kartenspiel auch außerhalb der Erwachsenenbildung - © M ite in an de r in E ur op a e. V. „Peter, 11 Jahre, möchte in die Schu le ab morgen einen Rock tragen. Wie gehen wir damit um?“ Das ist eine der zahlreichen Fragen, die bei dem Spiel SIMBOLO gestellt und dann anhand von verschiedenen Antwortvorschlä gen oder einer offenen Antwortmög lichkeit diskutiert werden. Die Ko operationspartnerschaft zur Förde rung der Demokratieerziehung hat mit diesem analogen Kartenspiel ein pra xisnahes Werkzeug geschaffen, das auf spielerische Weise für demokratische Werte sensibilisiert und eine aktive Ge staltung der Gesellschaft fördert. Von der Bedarfsanalyse zur Umsetzung Das Projektkonsortium aus fünf Ländern hatte sich zum Ziel gesetzt, den vielfältigen Herausforderungen und Bedrohungen für unsere Demokratie mit einem Ansatz des spie lerischen Lernens zu begegnen. Das Projekt begann mit einer umfassenden Bedarfsana lyse, bei der durch Desktop-Recherche und einer Umfrage unter 100 europäischen Eltern die Grundlage für die Entwicklung geschaffen wurde. Als zentrales Ergebnis entstand das Kartenspiel „SIMBOLO – Sag’s demokratisch" in sechs Sprachen, das grundlegende demo kratische Werte vermittelt, den Austausch un terschiedlicher Perspektiven fördert sowie zur Diskussion und Kompromissfindung anregt. Ergänzt wird das Spiel durch ein Begleitheft, das ebenfalls in sechs Sprachen verfügbar ist und Denkimpulse, Gesprächsanregungen so wie philosophische Fragestellungen enthält. Diese Handreichung unterstützt Fachkräfte in der Erwachsenenbildung, soziale Einrich tungen und Schulen bei der Integration von Demokratiebildung in ihre Arbeit. Wesentlicher Bestandteil: gezielte Verbreitung Da das Spiel nicht nur Wissen vermitteln, sondern vor allem eine aktive Auseinander setzung mit demokratischen Prinzipien be wirken wollte und will, hatte von Beginn an die Verbreitung einen hohen Stellenwert im Projekt. So waren bereits früh Politikerinnen und Politiker auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene aktiv in den Projektbeirat einbezogen und brachten sich auch in die Verbreitung ein. Zudem boten mehr als zehn Multiplikationsveranstaltungen in den ver schiedenen Ländern mit Akteuren aus Politik, Bildung und Gesellschaft Raum für Diskus sionen und Rückmeldungen zur Weiterent wicklung des Spiels. Eine wichtige Rolle für die Verbreitung nahm eine Radio-Kampagne ein, bei der regionale bzw. nationale Sender aus den beteiligten Ländern Projektvertreter/ -innen interviewten und eine breite Hörer schaft erreichten. Flankiert wurde diese durch eine umfangreiche Nutzung von Social Me dia; nach Fertigstellung des Spiels wurden bei spielsweise wöchentlich Spielkarten als „Karte der Woche“ gepostet. Große Nachfrage nach dem Kartenspiel Auch nach Projektende nutzte der deutsche Koordinator Gelegenheiten wie den 75. Ge burtstag des Grundgesetzes und präsentierte das Projekt im Rahmen der Demokratiemeile in Lüneburg an einem Infostand. So entfaltet das Projekt eine nachhaltige Wirkung: Mitt lerweile setzen nicht nur Einrichtungen der Erwachsenenbildung, wie Familienbildungs stätten das Kartenspiel ein, sondern auch bei Schulen steigt das Interesse. Und Interessierte sollten sich beeilen, denn die Nachfrage ist groß und das Kartenspiel ist aufgrund der begrenzten Stückzahl möglicherweise bald vergriffen! PROJEKTINFO Projekttitel: Förderung der Demokratieerziehung im Familienalltag Projektnummer: 2021-1-DE02-KA220-ADU-000026502 Laufzeit: 12/2021 - 11/2023 Beteiligte Länder: BG, ES, GR, DE, NO Koordinator: Miteinander in Europa e.V. (DE) Kontakt: bernd.werner@miteinander-in-europa.eu E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/pro jects/search/details/2021-1-DE02-KA220- ADU-000026502 https://peec-online.eu/de/ergebnisse/ https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2021-1-DE02-KA220-ADU-000026502 mailto:nadja.linke@bibb.de mailto:bernd.werner@miteinander-in-europa.eu 28 29 Bildung für Europa | April 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Steigerung der Kundeninnovation in KMU Weitreichende Implementierung neu entwickelter Materialien © H an se -P ar la m en t e. V. Bei der Entwicklung von kundenorien tierten Lösungen tun sich KMU im Vergleich zu Großunternehmen besonders schwer. Dabei können Kundenfeedbacks und neue Ideen, wenn sie systematisch gesammelt und ausgewertet werden, zu wert vollen Lösungen und Innovationen im Unternehmen führen. Digitalisierung eröffnet nun weitreichende Möglich keiten, durch Kunden angestoßene Innovationen auch in KMU umfas send zu nutzen. Vor diesem Hintergrund verfolgte das Ko operationsprojekt ICIinSMEs das Ziel, KMU zu befähigen, das Potenzial der von Kunden eingebrachten Innovationen auszuschöp fen sowie Lehrkräfte und Berater/-innen zu qualifizieren, diese Förderaufgaben für KMU professionell zu erbringen. Dazu wurden ver schiedene Instrumente entwickelt und den entsprechenden Zielgruppen zusammen mit Implementierungsberatungen zur Verfügung gestellt. Ausgangsbasis war z.T. die Analyse von Best Practices aus bis zu zwölf verschie denen Ländern. Die daraus gewonnenen Er kenntnisse wurden aufbereitet und ergänzt. Eine Toolbox zur Realisierung von Kunden innovationen sowie zur Nutzung digitaler Technologien richtete sich an KMU-Förderer und KMU. Speziell für den Transfer an Wei terbildungsträger wurde ein KMU-Training zur Vermittlung von Kompetenzen zur Realisie rung von Kundeninnovationen und Nutzung digitaler Technologien entwickelt. Zwei neu entwickelte Train-the-Trainer-Pro gramme zur Qualifizierung von Lehrkräften sowie Beraterinnen und Beratern der KMU (Curricula und Lehrmaterialien) wurden zu 24 Hochschulen und Universitäten in 13 Ländern transferiert. Zudem wurden Curricula, Lehr materialien und Prüfungsordnungen für zwei Trainings- und Coaching-Programme für KMU erprobt. Damit verbunden wurden einschlä gige Entwicklungsprojekte in KMU realisiert sowie eine Online-Beratung für KMU entwi ckelt und durchgeführt. Verbreitung und Implementierungs beratungen Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes betraf die intensive Durchführung von Ver breitungsaktivitäten und Implementierungs beratungen auf breiter internationaler Basis. Der Lead Partner Hanse-Parlament ist ein Zu sammenschluss von 50 Wirtschaftskammern und 24 Hochschulen/Universitäten aus 13 Ländern. Diese Mitglieder waren assoziierte Partner des Projektes, die als Transferempfän ger und Implementierungspartner während der gesamten Projektdurchführung mitwirk ten. Sie brachten laufend ihre Anregungen, Vorarbeiten, regionalen Bedingungen usw. in die Projektarbeit ein, berieten Zwischener gebnisse und nahmen an Workshops und Konferenzen teil. Die Kammern umfassen jeweils das Gebiet einer Region, sodass über die Wirtschaftskammern 50 Regionen abge deckt werden. Den Kammern gehören rund 500.000 KMU an, sodass KMU auf sehr breiter Basis erreicht wurden. Die beteiligten Hochschulen und Universitäten führen Bache lorstudiengänge durch, bilden Fach- und Füh rungskräfte für KMU aus und widmen sich der Innovationsförderung. Sie wirken auch künftig mit bei der Durchführung der im Pro jekt entwickelten Weiterbildungsprogramme und der damit verbundenen F&E-Projekte für KMU. Sie führen bedarfsorientiert die beiden Train-the-Trainer-Programme durch, sodass in den Ländern ständig in ausreichendem Um fang gut qualifizierte Trainer/-innen und Bera ter/-innen bereitgestellt werden. PROJEKTINFO Projekttitel: Digital methods, toolbox and trainings for increasing customer innovation in SMEs Projektnummer: 2020-1-DE02-KA202-007397 Laufzeit: 2020 - 2023 Beteiligte Länder: DE, DK, HU, PL Koordinator: Hanse-Parlament e.V., Hamburg Kontakt: Dr. Jürgen Hogeforster jhogeforster@hanse-parlament.eu Website: www.ci-smes.eu https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2020-1-DE02- KA202-007397 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ Zusammensetzung, Arbeitsweise und Bedeutung D - Erasmus+Erasmus+ er Nutzerbeirat Erasmus+ agiert seit 2018 als wichtiges Bindeglied zwi schen der NA beim BIBB und den Projektträgern. Ziel des Gremiums ist es, die Dienstleistungen der NA kon struktiv und kundenorientiert weiter zuentwickeln. Gleichzeitig dient der Beirat als nationaler Resonanzboden für das Erasmus+-Programm, indem er Organisationen aus der Berufs- und Erwachsenenbildung in Deutschland eine unkomplizierte Plattform bietet, um Einschätzungen, Rückmeldungen sowie Kritik und Zukunftswünsche einzubringen. © P et er D oh m en Die Mitglieder des Nutzerbeirats überneh men eine vermittelnde Rolle, indem sie An fragen, Herausforderungen und Anliegen der Projektträger sammeln und diese in den regelmäßigen Sitzungen mit der NA beim BIBB diskutieren. So wird sichergestellt, dass die Perspektiven der Projektträger in die Weiterentwicklung des Programms ein fließen. Wahlverfahren und Zusammenset zung des neuen Nutzerbeirats Das Wahlverfahren für die Amtsperiode 2024-2026 wurde im Frühsommer 2024 durchgeführt. Von den insgesamt 41 einge reichten Interessensbekundungen schaff ten es 23 Kandidatinnen und Kandidaten aus der Berufs- und Erwachsenenbildung auf die Shortlist. Die Wahlbeteiligung war mit 944 von rund 1.400 stimmberechtigten Projektträgern äußerst hoch und verdeut licht die große Bedeutung dieses Gremiums für die Stakeholder des Programms. Insgesamt wurden elf Plätze im neuen Bei rat vergeben, um der Budgetsteigerung in der Leitaktion 1 Erwachsenenbildung Rech nung zu tragen. Die Verteilung der Sitze er folgte wie folgt: Berufsbildung Leitaktion 1: 5 Plätze Erwachsenenbildung Leitaktion 1: 2 Plätze Berufsbildung Leitaktion 2: 2 Plätze Erwachsenenbildung Leitaktion 2: 2 Plätze Der neu gewählte Nutzerbeirat wurde auf der NA-Jahrestagung im September 2024 in Ludwigsburg offiziell vorgestellt. Die elf Mit glieder repräsentieren ein breites Spektrum von Institutionen, darunter große Berufs schulen, Volkshochschulen sowie kleinere Vereine und Bildungseinrichtungen. Diese Vielfalt stellt sicher, dass die Bedürfnisse der unterschiedlichen Projektträgergruppen angemessen berücksichtigt werden. Neue Sprecherin und Arbeitsweise des Beirats Zur Sprecherin des Nutzerbeirats wurde Eva-Lisa Finzi vom Institut für Internationale Kommunikation e.V. in Düsseldorf gewählt. Ihr Stellvertreter ist Andreas Steck von der Humpis-Schule in Ravensburg. Beide brin gen umfangreiche Erfahrungen aus ihren jeweiligen Bildungsbereichen mit und ste hen dem Gremium nun als zentrale An sprechpartner zur Verfügung. Alle Mitglieder des Nutzerbeirats sind mit ihren Kontaktdaten auf der Website der NA beim BIBB veröffentlicht und somit di rekt ansprechbar. Der Beirat trifft sich etwa zweimal jährlich, um aktuelle Themen und Anliegen zu erörtern. Jedes Treffen wird protokolliert, und die Ergebnisse werden transparent auf der Homepage der NA be reitgestellt. Bedeutung des Nutzerbeirats für das Erasmus+-Programm Der Nutzerbeirat spielt eine entscheidende Rolle, um die Wirkung und Effizienz des Erasmus+-Programms in der Berufs- und Erwachsenenbildung zu stärken. Er bietet Projektträgern nicht nur die Möglichkeit, ihre Anliegen gehört zu wissen, sondern sorgt auch für eine kontinuierliche Ver besserung der Dienstleistungen der NA. Mit seiner Arbeit trägt der Beirat dazu bei, dass Erasmus+ weiterhin ein starkes und zukunftsweisendes Programm für die eu ropäische Bildungszusammenarbeit bleibt. https://www.na-bibb.de/ ueber-uns/nutzerbeirat CLAUDIA LAUBENSTEIN Ansprechperson zum Nutzerbei rat in der NA beim BIBB © N A b ei m B IB B http://www.ci-smes.eu https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2020-1-DE02-KA202-007397 https://www.na-bibb.de/ueber-uns/nutzerbeirat mailto:jhogeforster@hanse-parlament.eu 30 31 Bildung für Europa | April 2025 Infosplitter - - - - - - - - - - - - - - - - - - - InfosplitterInfosplitter Veröffentlichungen © B itt ed an ke sc hö n/ A do be St oc k | D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e wENN austausch türen öffnet Infos zu Auslandsaufenthalten in der Erwachsenenbildung gibts hier. Gleich scannen und dabei sein! www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven Erasmus+ schafft Perspektiven – auch in der Erwachsenenbildung Mit einer langfristig angelegten Kampagne wirbt die NA beim BIBB für Auslandsaufenthalte in der Erwachsenenbildung (s. S. 12). So wurden u.a. diverse Materialien erstellt, die kostenlos über die Website bestellt werden können. ZUGANG FÜR ALLE> > Erasmus+-Inklusions- strategie der NA beim BIBB Umsetzung von Inklusion und Vielfalt 2021-2027 www.na-bibb.de Die NA beim BIBB hat ihre Inklusi onsstrategie überarbeitet und im September 2024 als PDF veröffent licht. Auf zwölf Seiten können Sie sich über Ziele und Umsetzungsmaß nahmen informieren. Auslandsaufenthalte in Bildungseinrichtungen verankern Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 39 Aug. 2024 23 Erste Ergebnisse RIA-AE 22 Personalmobilität 06 „Europa in Bewegung“ - - - Das Titelbild der letzten Journalausgabe zeigte eine Person, die eine historische Weltkarte betrachtete. Einige unserer Leserinnen und Leser waren von den abgebildeten Ländergrenzen bzw. -bezeichnungen irri tiert. Wir haben ihre Kritik ernst genommen und die historische Weltkar te in einem Nachdruck durch eine aktuelle Karte ersetzt. Zukünftig sind wir bei der Bildauswahl besonders wachsam. www.na-bibb.de/ publikationen - - - - © N A b ei m B IB B Ganz Ohr? Kennen Sie schon unsere Podcast-Reihe „Talking Erasmus+“? Die zwei jüngsten Fol gen beschäftigen sich mit dem Mehrwert von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung (Wenn Austausch Türen öffnet) und dem Engagement der EuroApprentices. www.na-bibb.de/ presse/podcasts Jahrestagung 2024 Alle zwei Jahre veranstaltet die NA beim BIBB eine große Jahrestagung in Präsenz – zuletzt am 18. und 19. September 2024 in Ludwigsburg. Rund 600 Teilnehmende aus der Berufs- und Erwachsenenbildung nutzten die Gelegenheit, sich zu informie ren und auszutauschen. - Eine Dokumentation mit den Policy Paper zu den Fachforen finden Sie auf unserer Website: www.na-bibb.de/service/ veranstaltungsrueckblicke NA jetzt bei LinkedIn Seit Sommer 2024 hat die NA beim BIBB ihre Aktivitäten auf X ruhen lassen und zu ihrem Account auf LinkedIn verlagert. Un seren Account auf X haben wir aufgrund der fehlenden Vereinbarkeit der aktuellen Ausrichtung der Plattform mit unseren Grundwerten abgeschaltet. Als NA setzen wir uns ein für eine faktenbasierte Kom munikation und gegen antidemokratische Kräfte, wogegen unserer Meinung nach die Veränderungen auf X sprechen. www.linkedin.com/company/ nationale-agentur-bildung- für-europa Film über das europäische EuroApprentices-Netzwerk: Mehr als 300 junge Leute aus 11 Ländern engagieren sich ehrenamtlich, um Auslands aufenthalte in der Berufsbildung bekannter zu machen. Mehr über die Motivation und Arbeit der EuroApprentices erfahren Sie in einem Film: https://youtu.be/mNDvLjEQjBY Neu auf Auslandsberatung-Aus bildung Ab sofort sind Flyer und Broschüren der verschiedenen Förderprogramme für Auslandsaufenthalte in der Berufs bildung auf unserer Website zur Auslands beratung verfügbar. www.auslandsberatung- ausbildung.de/unser-service/ publikationen Zukunftsorientiert weiterbilden Wie man die sozial-ökologische Transfor mation der beruflichen Zukunft gestalten kann, war Thema der Fachtagung am 4. Februar 2025 im BIBB, an der die Europä ische Agenda für Erwachsenenbildung als Mitveranstalterin beteiligt war. U.a. haben zwei von Erasmus+ geförderte Projekte dort gezeigt, wie man Weiterbildungsange bote für kleine und mittlere Unternehmen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft er folgreich umsetzt. © N ik ol au s H au ss er / BI BB www.agenda- erwachsenenbildung.de/ veranstaltungen/ veranstaltungsdokumentation Deutschland Nationale Themenschwerpunkte EPALE Deutschland hat für 2025 folgende Quartalsthemen festgelegt: 1. Quartal: Erwachsenenbildung im Justizvollzug 2. Quartal: Twin Transition in der Erwachsenenbildung 3. Quartal: Identität und Werte in der Erwachsenenbildung 4. Quartal: Qualität in der Lehre Zusätzlich zu Beiträgen aus der Commu nity erwarten Sie Themenwochen sowie EPALE-Akademien. Freuen Sie sich auf in teressante Impulse, neue Perspektiven und die Möglichkeit, sich mit der Community auszutauschen. https://epale.ec.europa.eu/ de/Blog/Fokusthemen-2025 © G ro un d Pi ct ur e - Sh ut te rs to ck Neue Europass-Unterrichts materialien Das Europass-Portal bietet viele Funk tionen für die Bewerbung. Wie die Tools der EU-Plattform in der Berufso rientierung und für das Bewerbungs training im fächerübergreifenden Unterricht ab Klasse 8 eingesetzt werden können, zeigen die neuen Un terrichtsmaterialien, die das Nationale Europass Center entwickelt hat. Sie bestehen aus interaktiven Übungen und Arbeitsblättern für Schülerinnen und Schüler sowie aus einer Handrei chung für Lehrkräfte. www.europass-info.de/ bildungseinrichtungen/ europass-im-unterricht/ unterrichtsmaterialien Studie zu Auslandserfahrung im Studium Eine vom Institut der Deutschen Wirtschaft im Auftrag des Deutschen Akademischen Austausch dienstes durchgeführte Studie zeigt die Relevanz von internationaler Erfahrung für Unternehmen. Zu den gefragten Kompetenzen, die Studierende während eines Auslandsaufenthaltes weiterent wickelt haben, gehören Eigeninitiative, Problemlösefähigkeit und Offenheit für Neues. https://eu.daad.de/medien/eu.daad.de.2016/dokumente/service/ medien-und-publikationen/studien-und-auswertungen/ unternehmensbefragung_2024_25_daad_iw.pdf http://www.na-bibb.de/presse/podcasts http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.auslandsberatung-ausbildung.de/unser-service/publikationen http://www.europass-info.de/bildungseinrichtungen/europass-im-unterricht/unterrichtsmaterialien http://www.agenda-erwachsenenbildung.de/veranstaltungen/veranstaltungsdokumentation https://eu.daad.de/medien/eu.daad.de.2016/dokumente/service/medien-und-publikationen/studien-und-auswertungen/unternehmensbefragung_2024_25_daad_iw.pdf http://www.na-bibb.de/publikationen https://epale.ec.europa.eu/de/Blog/Fokusthemen-2025 http://www.na-bibb.de/service/veranstaltungsrueckblicke https://youtu.be/mNDvLjEQjBY Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 LinkedIn: www.linkedin.com/ company/nationale-agentur- bildung-für-europa www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > im Bereich Erwachsenenbildung 01.10.2025, 12:00 Uhr NA beim BIBB NA beim BIBB > im Bereich Jugend 01.10.2025, 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen berufliche Bildung, Schulbildung, Erwachsenenbildung und Jugend 01.10.2025 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Virtueller Erasmus+-Austausch > im Bereich Hochschule und Jugend 29.04.2025 17:00 Uhr EACEA EACEA AusbildungWeltweit > Aufenthalte von Februar 2026 bis Januar 2027 07.10.2025 13:00 Uhr AusbildungWeltweit AusbildungWeltweit Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (14.02.2025). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A08/2024. Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu/index_de http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de https://erasmus-plus.ec.europa.eu/de http://www.eacea.ec.europa.eu/index_de Bildung für Europa 40 · April 2025 Impressum Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Titel & Inhaltsverzeichnis ISSN Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Jubiläen 25 Jahre NA beim BIBB Die NA als lernende Organisation: Professionalisierung, Kundenorientierung und Fehlerkultur Die NA ist mehr als eine Förderinstitution Gebündelte Kompetenz in der europäischen Erwachsenenbildung Nationale Projekte Und die Zukunft? Die Zeitleiste der NA beim BIBB 2000 2007 2008 2009 2010 2013 2014 2015 2016 2017 2020 2021 2022 30 Jahre Erwachsenenbildung Ein Pionierprojekt nimmt Fahrt auf Transformation und Konsolidierung: Erasmus+ Im Hier und Jetzt Wechselspiel Politik und Praxis Erwachsenenbildung bleibt ein Motor für Innovation und Zusammenhalt Wenn Austausch Türen öffnet Kampagne in der Erwachsenenbildung erfolgreich gestartet Die Kampagne 20 Jahre Europass europass (2004–2025) Wissen teilen, Erwachsenenbildung stärken Wachsende Nutzerzahlen und neue Angebote EPALE Ressourcen KITs Erasmus+ Nationaler Bericht zur Halbzeitevaluation von Erasmus+ Ziele der Zwischenevaluation Die zentralen Ergebnisse Kernforderungen für Erasmus+ ab 2028 Ausblick Erasmus+ 2028-2034: Die nächsten Schritte Das Budget: erhebliche Herausforderung Die Zwischenevaluation: Erasmus+ 2021-2027 Der Weg: Erasmus+ 2028-2034 Entwicklungen in den Leitaktionen 1 und 2 Leitaktion 1 – Akkreditierung und horizontale Prioritäten des Erasmus+-Programms Berufsbildung: Internationalisierung und neue Aktivitäten für Lernende und Bildungspersonal Allgemeine Erwachsenenbildung: Förderung von Lernenden mit geringen Chancen Leitaktion 2 – Pauschalisierung von Förderung und starke Ausprägung der horizontalen Prioritäten Rückläufige Budgetentwicklung Erasmus+-Antragsrunde 2024 Akkreditierung Partnerschaften Erasmus+-Jahresstatistik 2024 Berufsbildung Rekord bei bewilligten Auslandsaufenthalten Hohe Zuwachsrate bei Lernenden 2024 im Vergleich zu 2023 Gruppenmobilitäten gut angenommen 2024 Auslandserfahrung für alle Partnerschaften – Top-Prioritäten Erwachsenenbildung Weiteres Wachstum bei Auslandsaufenthalten Gute Förderchancen Partnerschaften – Top-Prioritäten Starker Zuwachs bei Kurzzeitprojekten Bundesländer mit den meisten bewilligten Kurzzeitprojekten 2024 Wirkungen von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Inklusivität von Erasmus+ Wirkung auf Organisationsebene Wirkung auf horizontale Prioritäten Wirkung auf Lernende und Personal Wirkung auf systemischer Ebene Erfolge Niederlagen European Innovative Teaching Award 2024 Internationale Zusammenarbeit als Erfolgsschlüssel Nachhaltige Wirkung und Perspektiven Info Good Practice: Demokratiebildung spielerisch fördern Von der Bedarfsanalyse zur Umsetzung Wesentlicher Bestandteil: gezielte Verbreitung Große Nachfrage nach dem Kartenspiel Projektinfo Good Practice: Steigerung der Kundeninnovation in KMU Verbreitung und Implementierungsberatungen Projektinfo Neuer Nutzerbeirat Erasmus+ Wahlverfahren und Zusammensetzung des neuen Nutzerbeirats Neue Sprecherin und Arbeitsweise des Beirats Bedeutung des Nutzerbeirats für das Erasmus+-Programm Infosplitter Veröffentlichungen Ganz Ohr? Jahrestagung 2024 NA jetzt bei LinkedIn Film über das europäische EuroApprentices-Netzwerk: Neu auf Auslandsberatung-Ausbildung Zukunftsorientiert weiterbilden Nationale Themenschwerpunkte Neue Europass-Unterrichtsmaterialien Studie zu Auslandserfahrung im Studium Aktuelle Ausschreibungstermine Wichtige Internet-Adressen …
[…] Inklusion und Vielfalt jeweilige NA jeweilige NA EACEA EACEA NA beim BIBB/ AusbildungWeltweit jeweilige NA Weitere Informationen 32 Europäisches Jahr der Jugend 26 35 Jahre Erasmus+ Bildung für Europa Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung 35 Juli 2022 06 EU-Konzept zur Erasmus+-Priorität 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 Fax: 0228 107-2964 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de Twitter: @nabibb_de @EUEB_de Verantwortlich: Klaus Fahle Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 08.04.2022 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 7.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Kriechbaumer Druck Gedruckt auf Recyclingpapier Cyclus Silk Bildnachweis Titel & Inhaltsver- zeichnis (S.5): Sharon Pittaway/Unsplash.com (Titel); AdobeStock.com: Drobot Dean, Seventyfour, Daniel Ahrndt, EYY, Zarya Maxim; Bildercollage privat Für unverbindlich eingesandte Manu- skripte, Bildmaterial und andere Unter- lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich- net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. ISSN 1616-5837 Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver- ständlich darstellen – in ganz Europa. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Deutschland Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 3 Bildung Für Europa | Juli 2022 © N A b ei m B IB B Liebe Leserinnen, liebe Leser, vor zehn Jahren hat die NA beim BIBB eine Studie mit dem Titel „Mobilität – Kompetenzzuwachs für Benachteiligte“ veröffent- licht. Man könnte meinen, hier bestünde große Kontinuität im Programm. Vielleicht läge auch die Vermutung nahe, die Natio- nale Agentur sei ihrer Zeit schon weit voraus gewesen. Beides trifft jedoch nicht ganz zu. Vor zehn Jahren war die Beteiligung von „Benachteiligten“ alles andere als selbstverständlich. Gerade wenn es um Internationalität und Mobilität ging, waren die unausgesprochenen Zweifel groß, ob „Benachteiligte“ wirklich hierfür geeignet seien. Mobilität war in vielen Köpfen noch mit einer „Bestenauswahl“ verbunden: Nur besonders Leistungsstarke kämen hierfür in Frage, denn nur sie würden mit den besonderen Herausforderungen zurechtkommen. Damals hatte unsere Studie vor allem eine Zielsetzung: nachzuwei- sen, dass gerade auch „Benachteiligte“ von Internationalität pro- fitieren. Im Jahr 2022 hat sich der (politische) Blickwinkel geändert. Erasmus+ soll ein inklusives Programm sein, nicht zu verwechseln mit einem Inklusionsprogramm. Menschen mit geringeren Chan- cen sollen in gleichem Umfang vom Programm partizipieren wie alle anderen. Wir sprechen auch nicht mehr von „Benachteiligten“. Vielmehr sollen alle denkbaren Zugangshürden zum Programm ab- gebaut werden. Je nach Kontext können dies unterschiedlichste Hindernisse sein und nicht nur die soziale Situation oder Behinde- rungen umfassen. Inklusion wird um Vielfalt ergänzt. Damit hat die Politik einen hohen Anspruch an das Programm for- muliert. Die Umsetzung von Erasmus+ – europäisch wie national – wird sich daran messen lassen müssen, ob dieser Anspruch ein- gelöst werden kann. Damit dies gelingt, brauchen wir aber Ihre Unterstützung. Das Journal gibt hierfür Anstöße und Informatio- nen! Denn am Schluss ist immer besonders wichtig, dass Sie gut informiert sind…. Ihr Klaus Fahle Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa Editorial 4 5 Inhalt Nr. 35 | Schwerpunkt Inklusion und Vielfalt 06 10 13 14 16 19 20 22 24 25 26 27 28 30 32 34 36 Inklusion und Vielfalt: eine Schlüsselpriorität des neuen Programms Erasmus+ Zugang für alle Die Inklusionsstrategie in der neuen Programmgeneration Good Practice: SymfoS for Youth Care Symbole sagen mehr als tausend Worte Vom Jugendbereich lernen Inklusion und Vielfalt in Erasmus+ Jugend und Europäischem Solidaritätskorps Teilhabe fördern durch lebensweltorientierte Grundbildung Die AlphaDekade hat seit 2016 gering literalisierte Erwachsene im Blick LEO-Studie: Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick Aus den Möglichkeiten eine Chance machen Während der Ausbildung beim Berufsbildungs- werk ins Ausland Auslandspraktika öffnen Türen in die Arbeitswelt Integration durch Austausch (IdA) Good Practice: Auf den Weg in den Arbeitsmarkt Empowerment von Frauen mit Migrations-/ Fluchthintergrund Aus der laufenden Projekt- arbeit: Caring & Sharing Communities Öffentliche Daseinsvorsorge im ländlichen Raum Erasmus+ 35 Jahre Erasmus+ Antragsrunde 2022 Wachsendes Interesse an Mobilität, Partnerschaften gut nachgefragt Das Netzwerk der Erasmus+ Beraterinnen und Berater wächst Gemeinsam die Mobilität in der Berufs- ausbildung fördern Weitere Bildungsthemen EPALE: Nationale The- menschwerpunkte 2022 EPALE lädt die Community zum Mitmachen ein „Dein Europa – Dein Jahr!“ Das europäische Jahr der Jugend 2022 Infosplitter Antragsfristen 4 5 Bildung Für Europa | Juli 2022 „Zentrales Ziel der Inklusions- strategie besteht darin, für alle Lernenden Zugangschancen zum Erasmus+-Programm zu schaffen.“ 22 Integration durch Austausch (IdA) 14 Vom Jugendbereich lernen 20 Berufsbildungswerk fördert Auslands- aufenthalte 10 Inklusionsstrategie der neuen Programmgeneration 28 Netzwerk der Erasmus+ Beraterinnen und Berater wächst 32 „Dein Europa – Dein Jahr“ 26 35 Jahre Erasmus+ 6 7 Inklusion und Vielfalt: eine Schlüsselpriorität des neuen Programms Erasmus+ © C la ud io S ch w ar z/ un sp la sh .c om 6 7 Bildung Für Europa | Juli 2022 ie Grundsätze der Gleichheit und Inklusi- on gehören zu den wichtigsten Werten der Europäischen Union und sind in den EU-Verträgen verankert. Im Zentrum der EU-Strategien und Programme steht seit jeher die Arbeit an diesen Kernzielen, die insbesondere in der allgemeinen und beruf- lichen Bildung, aber auch im Jugendbereich ein wichtiges Ziel darstellt. Als Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihr Amt antrat, stellte sie bei ih- rer ersten großen Rede im Europäischen Parlament, bei der es um ihre politischen Prioritäten ging, ihr Ziel einer „Union der Gleichheit“ in den Mittelpunkt. „Es bedarf Gleichheit für alle und zwar Gleichheit in allen Wortbedeutungen“, so von der Leyen. Einer der Aspekte, der ihr dabei beson- ders am Herzen lag, war ein besserer Zu- gang zu Bildungsmöglichkeiten. Der erste Grundsatz der europäischen Säule sozialer Rechte, die bereits im November 2017 von den EU-Organen verkündet worden war, lautet, dass jede Person das Recht hat auf allgemeine und berufliche Bildung und le- benslanges Lernen von hoher Qualität und in inklusiver Form. Dem stimmten die EU- Staats- und Regierungschefs im Dezember 2017 zu, indem sie die EU-Mitgliedstaaten, den Rat und die Europäische Kommission explizit aufforderten, die Arbeiten weiter voranzubringen, um Mobilität und Aus- tausch zu stärken, auch durch ein wesent- lich gestärktes, inklusives und erweitertes Programm Erasmus+. Die europäischen Strategien im Bereich all- gemeine und berufliche Bildung spiegeln die strategische Ausrichtung der Europä- ischen Union auf eine stärkere Inklusion wi- der. In der Mitteilung über die Vollendung des europäischen Bildungsraums bis 2025 wird hervorgehoben, dass das Erreichen eines bestimmten Bildungsniveaus vom sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Status entkoppelt werden sollte, um sicher- zustellen, dass die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung die Fähigkeiten jedes Einzelnen fördern. Somit steht der erneute Schwerpunkt im neuen Programm Erasmus+ auf der Inklusion voll und ganz im Einklang mit den durch den europäischen Bildungsraum entwickelten Strategien und stärkt diese noch. Befasst man sich mit den Erfahrungen der letzten beiden Jahre, so haben die Auswir- kungen der Covid-19-Pandemie gezeigt, dass die Herausforderungen hinsichtlich der Gleichheit und Inklusion in allen Be- reichen und insbesondere in der allgemei- nen und beruflichen Bildung wirksam an- gegangen werden müssen, um gegen eine immer größer werdende Kluft vorzugehen, die nicht nur die digitalen Aspekte, sondern auch den Zugang zu allgemeiner und beruf- licher Bildung betrifft. Das Konzept der Inklusion „Das Ziel einer inklusiven Bildung ist es, allen Lernenden zu ermöglichen, ihr Po- tenzial voll und ganz auszuschöpfen, indem qualitativ hochwertige Bildung in allen Be- reichen angeboten wird, wobei besonderes Augenmerk auf die Lernenden gerichtet wird, die Gefahr laufen, ausgeschlossen zu werden und unterdurchschnittliche Leis- tungen zu erbringen, indem sich aktiv um deren Förderung bemüht und flexibel auf die jeweiligen Umstände und Bedürf- nisse aller Lernenden eingegangen wird, auch durch individualisierte Ansätze, gezielte Förderung und Zusammenarbeit mit den Familien und lokalen Gemeinschaf- ten.“1 Bei der Inklusion muss es daher um die verschiedenen und vielfältigen Lebens- umstände der einzelnen Lernenden gehen. Mit Vielfalt sind hier Unterschiede aller Ar- ten gemeint. Manche Arten von Vielfalt sind offensichtlicher als andere, zum Bei- spiel wenn es um die ethnische Herkunft, Religion, Kultur und Sprache geht. Die Vielfalt geht jedoch über diese Aspekte hinaus. Sie bezieht sich auch auf Unter- schiede bei den Behinderungen und Fähig- keiten, den Bildungsniveaus, der sozialen Herkunft, der wirtschaftlichen Lage, dem Gesundheitszustand oder der Herkunft – und führt somit zur Definition von „Men- schen mit geringeren Chancen“. Beim Programm Erasmus+ sollte eine stär- kere Schwerpunktsetzung auf Inklusion und Vielfalt letzten Endes zu mehr und bes- seren Projekten führen, bei denen es ent- weder direkt um Menschen mit geringeren Chancen oder um Fragen der Inklusion und Vielfalt geht. Bei beiden Projektarten sollten positive Veränderungen für Men- schen mit geringeren Chancen und für die Gesellschaft herbeigeführt werden, sodass ein Beitrag zum Abbau von Ungleichheiten geleistet wird. Wie kann dies bewerkstelligt wer- den? Der Beitrag des Programms Erasmus+ Seit 1987 haben mehr als 12 Millionen Teilnehmende von EU-Programmen in den Bereichen allgemeine und berufliche Bil- dung, Jugend und Sport profitiert. In den Jahren 2014–2017 belief sich der Anteil von Menschen mit geringeren Chancen auf durchschnittlich 11,5 Prozent aller Teil- nehmenden in allen Programmbereichen. Dabei waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Programmen allerdings er- heblich. An Jugendprojekten nahmen bei- spielsweise bis zu 30 Prozent junge Men- schen mit geringeren Chancen teil, und bei einem Drittel der Sportprojekte ging es um Fragen aus dem Bereich der sozia- eine Schlüsselpriorität des neuen Programms Erasmus+ D Inklusion und Vielfalt 1 Weitere Orientierungshilfen für die Förderung von Gleichheit und Inklusion in der allgemeinen und beruflichen Bildung bieten die Elemente eines politischen Rahmenwerks (das von den „ET2020“-Arbeitsgruppen erstellt wurde). 8 9Inklusion und Vielfalt len Integration. Und obwohl das Programm Erasmus+ hinsichtlich der Einbeziehung von Menschen mit geringeren Chancen mit bes- seren Ergebnissen aufwarten konnte als sei- ne Vorgängerprogramme, zeigte sich bei sei- ner Zwischenevaluation, dass der Zugang zu ihm ausgebaut und die Inklusion verbessert werden musste. Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Strategie Ein wichtiges Element, das Beurteilungen und Vergleiche erschwerte, war die Tatsache, dass es in den verschiedenen Sektoren sowie bei den Zielgruppen und speziell inklusions- bezogenen Zielen keine gemeinsamen De- finitionen gab. Mit dem gemeinsamen stra- tegischen Ansatz für Inklusion und Vielfalt2, der für die neuen Programme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps 2021–2027 entwickelt wurde, soll ein gemeinsames Ver- ständnis darüber geschaffen werden, wer als Mensch mit geringeren Chancen ange- sehen werden kann, wie die Hindernisse für diese Menschen abgebaut werden können, welche Merkmale das Programm Erasmus+ aufweist und welche möglichen finanziellen Anreize es gibt. Die Strategie baut auf den Erfahrungen mit der Inklusion in den einzelnen Sektoren auf und stützt sich vor allem auf die erfolgreiche Anwendung der früheren Strategie für In- klusion und Vielfalt im Bereich Jugend (aus dem Jahr 2003) als praktisches Instrument zur Förderung von Organisationen und zur Erhöhung der Inklusivität der durchgeführten Maßnahmen sowie das bewährte Know- how der beteiligten Akteure (Interessengrup- pen, nationale Erasmus+-Agenturen und Pro- jektbegünstigte). Gleichzeitig haben die Erfahrungen mit einer Strategie zur Lenkung der Arbeit auch einen soliden Referenzrahmen auf verschiedenen Ebenen erforderlich gemacht, der auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnitten ist, um die verstärkten Bemühungen um Inklusi- on und Vielfalt zu unterstützen. Als Ergebnis dessen und zum ersten Mal in unseren Pro- grammen wurde in die Verordnung für das neue Programm Erasmus+ ein eigenes Inklu- sionskapitel aufgenommen, in dem der Eck- pfeiler für die in den sieben Jahren der Pro- grammlaufzeit gemeinsam zu entwickelnden Tätigkeiten festgelegt wird. In diesem Kapitel wird die Kommission zudem aufgefordert, einen umfassenden Rahmen für Inklusions- maßnahmen auf europäischer Ebene3 zu entwickeln, der im Oktober 2021 als zusätz- liches starkes Signal für mehr Inklusion und Vielfalt im Programm angenommen wurde. Die neue Strategie beinhaltet den Grundsatz, dass Programme allen Menschen zugänglich sein sollten, unabhängig von möglichen Hin- dernissen, und bildet das Fundament für alle Chancen, die sie Einzelpersonen und Orga- nisationen innerhalb und außerhalb der EU bieten, mit dem Ziel, niemanden zurückzu- lassen und inklusivere, gerechtere, ökologi- schere und für das digitale Zeitalter gerüstete Gesellschaften herbeizuführen. Das Hauptziel dieser Bemühungen besteht in der Tat darin, mehr Menschen im Rah- men von Erasmus+ zu ermöglichen, Lerner- fahrungen im Ausland zu machen und ins- besondere mehr Menschen mit geringeren Chancen in die Projekte einzubeziehen, un- abhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozio- ökonomischem Kontext und ihrem körper- lichen und psychischen Zustand oder ihrer Gesundheit. In Anerkennung der Tatsache, dass mehr getan werden kann, um verstärkt Personen zu erreichen, die bei der Teilnahme an den Programmen noch immer mit Hin- dernissen konfrontiert sind, stellt die Strate- gie die Grundlage für die Verbesserung der Umsetzung der Inklusionsmechanismen dar. Für mehr Inklusion in der Praxis sorgen Die Kommission hat sich mit den Bedürfnis- sen an der Basis beschäftigt und die Mög- lichkeiten untersucht, die im Rahmen des Programms Erasmus+ angeboten werden können. So müsste das Programm offener für die Teilnahme verschiedener Zielgrup- pen sein und auch Schülerinnen und Schü- ler sowie erwachsene Lernende in die Mo- bilitätsaktionen einbeziehen, sich auf deren Lernbedürfnisse konzentrieren und flexiblere Lernformate beinhalten. Natürlich bedarf es für eine größere Inklusion finanzieller Unter- stützung und einer angemessenen Bereitstel- lung derselben, doch es müssen auch andere Elemente gefördert werden, beispielsweise die Zugänglichkeit der Maßnahmen durch ihre spezielle Konzeption oder eine verstärkte Unterstützung derjenigen, die Projekte dieser Art durchführen. Beispiele hierfür sind: Unterstützung der teilnehmenden Or- ganisationen: Neben der größeren finanziellen Unterstützung für Teilneh- mende mit geringeren Chancen bein- halten die Programme nun zusätzliche Hilfe für Organisationen, die an inklusi- ven Projekten beteiligt sind, und hono- riert so die zusätzlichen Bemühungen, die inklusivere Projekte und die Einbe- ziehung von Teilnehmenden, die indi- viduellere und fortlaufende Unterstüt- zung benötigen, erfordern. Maßgeschneiderte Unterstützung der Teilnehmenden in allen Phasen ihres Projekts: Sie können auf vielerlei Weise vor, während und nach ihrem Projekt oder ihrer Mobilitätsaktion unterstützt werden (z. B. durch sprachliche Unter- stützung oder vorbereitende Besuche), um den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Flexiblere Lernangebote: Die Pro- gramme beinhalten nun vielfältigere Projekt- und Mobilitätsmöglichkeiten mit unterschiedlicher Dauer und un- terschiedlichem Format (virtuell oder in Präsenz, individuell oder in der Gruppe), damit alle Teilnehmenden die für sie passendsten Angebote wahrnehmen können. Klarere Kommunikation und Berichter- stattung: Bei der Kommunikation über die Programme sind die Europäische Kommission, die Nationalen Agenturen und alle auf nationaler und lokaler Ebene beteiligten Akteure stark um be- nutzerfreundlichere, barrierefreie und mehrsprachige Dokumente und Mate- rialien bemüht. Im Einklang mit diesen Neuerungen eröff- net das neue Programm Erasmus+ neue Möglichkeiten für die Mobilität erwachse- ner Lernender. Um die Wirkung der Aktion zu maximieren, richten sich diese Aktivi- täten speziell an erwachsene Lernende mit geringeren Chancen sowie an geringquali- fizierte Erwachsene. Zu den angebotenen Aktivitäten gehören auch Gruppenmobilität und individuelle Auslandsaufenthalte. 2 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2021-12/implementation-inclusion-diversity_apr21_de.pdf 3 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/document/commission-decision-framework-inclusion-2021-27 8 9 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt Ein weiteres Beispiel für die Übertragung von Erfahrungen aus anderen Bereichen in die allgemeine und berufliche Bildung und Erwachsenenbildung zwecks Erhöhung der Inklusivität der geförderten Aktionen ist die Möglichkeit eines vorbereitenden Besuchs der Organisationen beim aufneh- menden Partner vor der Mobilitätsaktivität. Diese Besuche sind besonders interessant, um die Mobilität von Teilnehmenden mit geringeren Chancen besser vorzubereiten, die Zusammenarbeit mit einer neuen Part- nerorganisation aufzunehmen oder längere Mobilitätsaktivitäten vorzubereiten. Darüber hinaus wurde im Rahmen von Eras- mus+ kürzlich eine neue DiscoverEU-Aktion aufgelegt, um noch mehr jungen Erwachse- nen mit geringeren Chancen die Teilnahme an dieser Initiative und eine Horizont- und Wissenserweiterung durch das Bereisen verschiedener EU-Länder mit dem Zug zu ermöglichen. Dabei werden Teilnehmende, die vor kurzem das 18. Lebensjahr vollen- det haben, direkt von einschlägigen Orga- nisationen unterstützt und von gezielterer Unterstützung und entsprechenden Finan- zierungsmöglichkeiten profitieren. Aktive Rolle von Organisationen Damit all diese Mechanismen in der Praxis funktionieren, müssen wir natürlich auf die aktive Rolle und die Bemühungen aller Or- ganisationen setzen, die Erasmus+-Projekte durchführen. Von den neuen Programmen erhoffen wir uns vor allem eine verstärkte Beteiligung kleiner Organisationen, insbe- sondere von Erstantragstellern und Basisor- ganisationen auf lokaler Ebene, die direkt mit Lernenden mit geringeren Chancen al- ler Altersgruppen zusammenarbeiten, bei- spielsweise im Rahmen neuer Formate wie den kleineren Partnerschaften. Wer in diesen Bereich tätig ist, kann mit Menschen, die am schwersten zu erreichen sind, am leichtesten in Kontakt kommen und ihnen dabei helfen, die Ängste und Hindernisse zu überwinden und sie auf dem Weg zu einer einmaligen Erfahrung im Rahmen der Programme begleiten. Damit diese Inklusionsmechanismen greifen, sind wir auf Sie angewiesen! © A nd re yP op ov /A do be St oc k. co m Gebärdensprache unterstützt die Kommunikation mit gehörlosen oder stark schwerhörigen Menschen. UTE HALLER-BLOCK Leiterin des Referats "Erasmus+ Koordinierung" bei der Europäischen Kommission © p riv at & E ur op äi sc he K om is si onMARTA GUTIERREZ BENET Leiterin des Sektors "Erasmus+ Design und Umsetzung" 10 11 D © Z ar ya M ax im /A do be St oc k. co m Die Inklusionsstrategie in der neuen Programmgeneration Zugang für alle as europäische Bildungsprogramm Eras- mus+ hat für die Programmgeneration 2021 bis 2027 Inklusion und Vielfalt zu einer der wichtigsten Prioritäten und Grundprinzipien für alle Projekte und Aktivitäten in allen Programmaktionen erklärt. Inklusion bedeutet im neuen Erasmus+-Programm, bewusst und aktiv Barrieren und Hindernisse der Teilhabe, des Zugangs und der Beteiligung für Lernende sowie Gruppen mit geringeren Chancen zu beseitigen. Dabei werden verschiedene Eigenschaften und Be- sonderheiten, durch die sich Indivi- duen und Gruppen unterscheiden, anerkannt und wertgeschätzt. Es wird angestrebt, unter- schiedliche Identitäten als selbstverständlichen Teil unserer europäischen Ge- sellschaft anzusehen. 10 11 Bildung Für Europa | Juli 2022 Bei der Entwicklung der Projekte und Aktivitäten in der neuen Pro- grammgeneration sind Organisationen gefordert den Zugang zu bestehenden Angeboten für Lernende mit geringeren Chancen zu sichern und ihre Projekte didaktisch inklusiver zu gestalten. Neben gezielter finanzieller und individueller Unterstützung der Teilneh- menden in allen Phasen des Programms sollen auch teilnehmende Organisationen und flexible Lernangebote unterstützt werden. Ziele der Inklusionsstrategie Zentrales Ziel der Inklusionsstrategie besteht darin, für alle Ler- nenden Zugangschancen zum Erasmus+-Programm zu schaffen. Neben der Erhöhung der Sichtbarkeit des Themas soll ein gemein- sames Verständnis der Personen und Einrichtungen mit geringen Chancen entwickelt werden. Dabei soll sichergestellt werden, dass der Fokus auf Inklusion und Vielfalt in allen Phasen des Projekts beachtet wird. Zudem soll das „Commitment“ zu Inklusion und Vielfalt von allen am Programm Beteiligten erhöht werden. Auch Instrumente von Projektträgern sowie akkreditierten Einrichtungen zur Umsetzung von Inklusionsprojekten sollen besser unterstützt werden. Des Weiteren sollen sowohl für die Teilnehmenden als auch für die antragstellenden Einrichtungen jegliche Hindernisse re- duziert werden. Auch soll die Anerkennung der Kompetenzen von Teilnehmenden mit geringen Chancen verbessert werden. Zu den Inklusionsmaßnahmen zählen dabei konkret: gezielte finanzielle Förderung, individuelle Begleitung der Teilnehmenden in allen Phasen des Programms, Unterstützung teilnehmender Organisationen und flexible Lernangebote. Barrieren und Hindernisse Mit den neuen Inklusionsmaßnahmen wird angestrebt, Barrieren und Hindernisse, die eine Teilnahme am Erasmus+-Programm bis- lang verhindert haben, auszuräumen. Erasmus+ folgt dabei einem ganzheitlichen Inklusionsbegriff. Angebote im Bildungsbereich sol- len so gestaltet werden, dass sie alle Menschen erreichen. Men- schen, die aufgrund verschiedener Barrieren und Hindernisse bisher nicht am Programm teilgenommen haben, soll der Zugang erleich- tert werden. So können diskriminierungsbedingte Hindernisse aufgrund von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Weltan- schauung, sexueller Orientierung, Behinderung oder übergrei- fenden Faktoren entstehen, wobei auch eine Kombination eines oder mehrerer der genannten Diskriminierungsgründe möglich ist. Neben Menschen mit mentalen, körperlichen, sensorischen oder sonstigen Beeinträchtigungen sowie Menschen mit anderweitigen gesundheitlichen Problemen (z.B. chronische oder psychische Er- krankungen), sprechen die Inklusionsmaßnahmen auch Menschen mit Migrationshintergrund, Geflüchtete sowie Neuzugezogene an. Des Weiteren werden auch Menschen mit familiär bedingten sozialen Hürden adressiert. Diese können beispielsweise durch be- grenzte soziale Kompetenzen, risikoreiches Verhalten oder Alkohol- und Drogenmissbrauch entstehen. Auch wirtschaftliche Faktoren, wie beispielsweise ein niedriger Lebensstandard, Langzeitarbeitslo- sigkeit oder ein geringes Einkommen, werden bei den Inklusions- maßnahmen berücksichtigt. Zugangsbarrieren können aber auch geografisch bedingt sein, wie z.B. das Wohnen in abgelegenen oder ländlichen Gebieten, in Randgebieten, in städtischen Voror- ten, in strukturschwachen Gegenden mit begrenztem öffentlichen Nahverkehr oder unzureichenden Versorgungseinrichtungen. Hin- dernisse im Zusammenhang mit Systemen der allgemeinen und be- ruflichen Bildung, können dazu führen, dass Menschen keine guten Leistungen erbringen, frühzeitig aus dem System ausscheiden oder sich nicht am Erasmus+-Programm beteiligen. Unterstützungsmöglichkeiten zur Förderung von Inklusion und Diversität Beide Leitaktionen des Erasmus+-Programms bieten Möglichkeiten, um die oben erwähnten Hürden abzubauen und somit eine Teilha- be zu ermöglichen. Des Weiteren bestehen in allen Leitaktionen für Teilnehmende mit geringeren Chancen zusätzliche Fördermöglich- keiten, welche unter dem Begriff „Inklusionsunterstützung“ gefasst werden. Diese besondere finanzielle Unterstützung für Inklusions- projekte kann beispielsweise die Übernahme von Kosten für Special Needs für alle Menschen mit geringeren Chancen beinhalten. So können erhöhte Unterkunfts-, Reisekosten, Betreuungskosten oder auch Kosten die aufgrund einer schwierigen finanziellen Situation der Teilnehmenden entstehen, übernommen werden. Auch eine Pauschale für die Organisation, flexible und verständ- liche Finanzierungsmechanismen (angepasst an Bedarfe vor Ort, Vorschüsse) oder spezielle Förderung von kleinen Organisationen und Newcomern sind Teil der Inklusionsunterstützung. Des Weiteren bietet die neue Programmgeneration auch kleine und niedrigschwellige Programmaktionen mit geringem adminis- trativem Aufwand, Kurzzeitmobilitäten und kleinere Projekte zum Einstieg in die europäische Arbeit, europäische Aktivitäten auf lo- kaler Ebene sowie den Online-Austausch über virtuelle Lernräume. Zudem unterstützt Erasmus+ beim Sprachenlernen durch das Eras- mus+-Tool „Online Linguistic Support“ wie auch Möglichkeiten des Capacity Building der Projektteilnehmenden. In der Leitaktion 1 (Mobilität von Einzelpersonen) können sowohl Lernenden als auch Bildungspersonal mit geringeren Chancen Aus- landspraktika und Lernaufenthalte ermöglicht werden. Zudem kön- Inklusion und Vielfalt 12 13Inklusion und Vielfalt nen Job-Shadowings oder Lehraufenthalte von Bildungspersonal und in Auslandspraktika von Lernenden, wie zum Beispiel ange- hende Erzieherinnen und Erzieher, gefördert werden. Auch mit der Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zusammenarbeit) sind verschiedene thematische Schwerpunkte im Bereich Inklusion und Vielfalt möglich. Während in einigen Projekten die Entwicklung von Curricula für das Bildungspersonal mit dem Ziel der Erweite- rung der Kompetenzen im Bereich der Diversität und Inklusion im Lehr- und Lerngeschehen im Mittelpunkt steht, fokussieren sich andere Projekte auf die Entwicklung und Erprobung neuer Lern- methoden oder digitale Lernumgebungen, um die Integration von benachteiligten Gruppen in die Gesellschaft und/oder die Arbeits- welt zu verbessern. Andere Träger befassen sich mit dem Aufbau und der Stärkung ihrer europäischen Netzwerke oder organisieren Lernaufenthalte im europäischen Ausland für Menschen mit gerin- geren Chancen. Die Rolle der Nationalen Agentur Bei der Umsetzung der Inklusionsstrategie nimmt die Nationale Agentur zahlreiche Aufgaben wahr. Neben der Öffentlichkeits- arbeit und Sensibilisierung bietet sie Unterstützungsangebote im gesamten Projektzyklus an (u. a. Projektbesuche, Coaches, Social Media). Des Weiteren sollen Trainings und Networking für Organi- sationen, NA-Mitarbeiter/-innen und Gutachter/-innen angeboten werden. Um bereits geförderte oder interessierte Träger näher über die Möglichkeiten im Bereich Inklusion und Vielfalt zu informie- ren, plant die NA beim BIBB in der nahen Zukunft niederschwel- lige Beratungs- und Schulungsangebote. Auch die Förderung von Synergien mit anderen Programmen, z.B. dem Europäischen Sozi- alfond (ESF), ist eine wichtige Aufgabe der NA. Es wird angestrebt, Gutachter/-innen mit besonderem Förderbedarf aktiv einzubinden. Zudem entwickelt die NA beim BIBB eine nationale Strategie zu Inklusion und Diversität und legt Indikatoren für die Inklusion im Berichtswesen der EU-Kommission fest. Die Umsetzung der Inklusi- onsstrategie wird federführend von Inclusion Officers angetrieben, welche in jeder Nationalen Agentur eingesetzt werden. INFO: https://www.na-bibb.de/themen/inklusion-und-vielfalt DR. SABRINA INEZ WELLER Inklusionsbeauftragte des Erasmus+-Programms in der NA beim BIBB weller@bibb.de Behinderungen, Beeinträchtigungen Diskriminierung Gesundheitliche Probleme Geografische HindernisseWirtschaftliche Hindernisse Kulturelle Unterschiede Soziale Hindernisse Hindernisse im System der allgemeinen und beruflichen Bildung Abb. Hindernisse und Barrieren © M as te r1 30 5| ad ob eS to ck .c om © p riv at https://www.na-bibb.de/themen/inklusion-und-vielfalt 12 13 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt Im Rahmen des Projekts „SymfoS for Youth Care“ wurde eine innovative Beratungsmethode basierend auf dem Ansatz der Symbolarbeit entwickelt. Die Einführung dieser Methode in die Systeme der Jugendhilfe verbessert die Integrationschancen benachteilig- ter junger Menschen (NEETs) in Euro- pa und fördert deren gesellschaftliche Teilhabe. „SymfoS for Youth Care“ ist ein integrativer, lernzentrierter An- satz, der Jugendliche befähigt, Wörter für Situationen zu finden, die schwer zu beschreiben sind. Es hilft ihnen, sich ein klares Bild von ihrer ei- genen Zukunft zu machen und erreichbare Ziele zu definieren. Der Ansatz hilft, "ver- steckte" Ressourcen zu entdecken, erhöht die Motivation und Eigenverantwortung und stärkt die Fähigkeit zur Problemlösung. Junge Menschen werden so befähigt, ihre Probleme zu bewältigen – sei es in Bezug auf ihre Familien oder ihre Lebenssituation, auf persönliche Gewohnheiten oder auf die Teilnahme an Ausbildung und Arbeit. Die Arbeit mit Symbolen in der Jugendhil- fe bietet jungen Menschen eine zusätzliche universelle Sprache. Kurz gesagt: Symbolar- beit bringt Menschen dazu, nach sich selbst zu suchen. Symbole sind in den Situationen hilfreich, die mit Worten oder anderen Kommunikationsmitteln nur schwer oder gar nicht beschreibbar sind. Materialien für Fachkräfte in der Jugendarbeit Die Methoden und Interventionen von „SymfoS for Youth Care“ sollen sowohl Fachkräfte in der Jugendarbeit als auch Studierende im Bereich Sozialwesen dazu befähigen, junge Menschen mit geringen Chancen wirkungsvoll zu unterstützen. Innovativ sind zum einen die Übertragung der bisherigen Methode von der Berufs- beratung auf das Jugendfürsorgesystem in jedem Partnerland und zum anderen die Erweiterung des SymfoS-Bildungsansatzes mit Webkursen zur Erstausbildung an Hoch- schulen. Mit den folgenden Produkten, Instrumenten und Angeboten, die über die Projektwebsite verfügbar sind, können diese Fachkräfte ihr berufliches Handlungsspektrum effek- tiv erweitern: Ein Interventionsset beste- hend aus großer und kleiner Intervention der Symbolarbeit, ein Curriculum für einen Face-to-Face-Trainingskurs, ein Blended- Learning-Ansatz, eine Online-Lernplattform. Das SymfoS-Peer-Buddy-System erläutert die Möglichkeiten, Grenzen und Vorausset- zungen für den Einsatz von Peers in Sym- foS-Interventionen. Um die Umsetzung der SymfoS-Methode zu erleichtern, wurde zudem ein Transferhandbuch, in dem alle Anforderungen auf organisatorischer und systemischer Ebene für die langfristige Um- setzung der SymfoS-Methode für Dienstleis- tende im Bereich der Jugendhilfe beschrie- ben werden, entwickelt. Die SymfoS-Methode wurde bereits an mehreren Hochschulen in Deutschland und Österreich in das Ausbildungsprogramm für Studierende im Bereich Sozialwesen inte- griert. Good Practice: SymfoS for Youth Care Symbole sagen mehr als tausend Worte © S t. H en ke / S W D C PROJEKTINFO Projekttitel: SymfoS for Youth Care Projektnummer: 2018-1-DE02-KA202-005183 Projektdauer: 01.09.2018 - 31.08.2021 Beteiligte Länder: DE, ES, PT, UK, AT Projektträger: Sozialwerk Dürener Christen Kontakt: Josef Loup j.loup@sozialwerk-dueren.de Website: www.symfos-youth.eu Erasmus+ Project Results Platform: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2018-1-DE02- KA202-005183 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005183 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005183 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2018-1-DE02-KA202-005183 14 15Inklusion und Vielfalt Vom Jugendbereich lernen ie gelingt die inklusive Programmum- setzung und was können Nationale Agenturen, Organisationen und Fach- kräfte dazu beitragen? Im Jugendbe- reich wurden hierzu in erfolgreichen inklusiven Projekten bereits Erfah- rungen gesammelt. Inklusiven und diversitätssensiblen Projekt- ansätzen wird in den EU-Programmen für den Jugendbereich – heute Erasmus+ Ju- gend und Europäisches Solidaritätskorps – schon seit Langem eine hohe Priorität beigemessen. Dementsprechend lag der Anteil Lernender mit geringeren Chancen in Erasmus+-Projekten im Jugendbereich in der Programmgeneration 2014-2020 in Deutschland bei etwa 40 Prozent1. Bereits im Vorgängerprogramm JUGEND IN AKTION (2007-2013) wurde eine Inklu- sionsstrategie verabschiedet, die 2014 im Rahmen von Erasmus+ als Inklusions- und Diversitätsstrategie für den Jugendbereich2 aktualisiert wurde. Seither hat die Förde- rung der Programmpriorität im Jugendsek- tor stetig an Bedeutung und Sichtbarkeit hinzugewonnen, wurde durch konkrete Maßnahmen unterlegt und durch euro- päische und nationale Gremien begleitet. Durch die Benennung von Inclusion Officers wurden in vielen Nationalen Agenturen fes- te Zuständigkeiten für das Thema geschaf- fen. Gleichzeitig wurde durch langfristige strategische Kooperationsprojekte3 und in Arbeitsgruppen auf europäischer Ebene der Austausch dazu zwischen den Natio- nalen Agenturen gefördert. Dies hat den Auf- und Ausbau entsprechender Expertise sowie gezielte gemeinsame Initiativen und Aktivitäten, wie die Schaffung einschlä- giger Weiterbildungs- und Netzwerkange- bote für Fachkräfte und Organisationen, begünstigt. Zentrale Rolle der Stakeholder und Projektträger Wichtig war und ist den Nationalen Agen- turen im Jugendbereich immer auch die Zusammenarbeit mit externen Stakehol- dern aus relevanten Arbeitsfeldern, wie der Jugendsozialarbeit oder der Behinderten- hilfe. So arbeitet JUGEND für Europa, die Nationale Agentur für die EU-Programme Erasmus+ Jugend und Europäisches So- lidaritätskorps in Deutschland, bei der Entwicklung nationaler Strategien und Maßnahmen zur inklusiven Programmum- setzung unter anderem im Rahmen der Arbeitsgruppe Inklusion und Vielfalt des Programmbeirats mit Expertinnen und Ex- perten zusammen. Zu den Maßnahmen, die weiterhin ausgebaut werden, gehören neben der unterstützenden Beratung von Antragstellenden und Projektträgern zum Beispiel die gezielte Ansprache und Beglei- tung von Organisationen, die mit unterre- präsentierten Zielgruppen arbeiten. Letztlich sind es die in den Programmen engagierten Organisationen und Fachkräf- te, welche die Programmpriorität Inklusion und Vielfalt mit Leben füllen. Neben Trä- gern, die bereits seit vielen Jahren hervor- ragende inklusive Jugendprojekte umsetzen oder Methoden und Konzepte der inklusi- ven Jugendarbeit weiterentwickeln, ist zu beobachten, dass sich immer mehr Organi- sationen auf den Weg machen, die eigene Arbeit inklusiver zu gestalten. Gleichzeitig finden, wenn auch immer noch mit Hür- den, immer mehr Einrichtungen und Or- ganisationen Zugang zu den Programmen, die nicht originär aus dem Feld der (euro- päischen) Jugendarbeit stammen, sondern aus Arbeitsfeldern, die für die inklusive Pro- grammnutzung besonders interessant sind – Hilfen zur Erziehung, Jugendsozialarbeit, Organisationen von Migrantinnen und Mi- granten usw. Gelingensfaktoren für mehr Inklusion So unterschiedlich die an der Programm- umsetzung beteiligten Akteurinnen und Akteure sowie ihre Zielgruppen – entspre- chend dem weiten Inklusionsbegriff der EU-Jugendprogramme – auch sind, zeigen die Erfahrungen doch, dass bestimmte Fak- toren für die inklusive Arbeit besonders re- levant sind. Das fängt mit Haltung, Kenntnissen und Qualifikationen aller Beteiligten an, denn nach wie vor gelten europäische Projekte eher als „Luxusaktivitäten“ und als unge- eignet für junge Menschen, die zum Bei- spiel in prekären Situationen leben oder geringere schulische Leistungen erbringen – nicht zuletzt bei den jungen Menschen selbst4. Es reicht daher nicht zu deklarie- ren, dass Projekte allen Personen offenste- hen, denn Menschen, die immer wieder Ablehnung erfahren, werden davon nicht angesprochen. Hier sind Sensibilisierung, Qualifizierung, direkte Ansprache, aber auch Peer-Vermittlung nötig und hilfreich – von Fachkräften zu Fachkräften, aber auch von ehemaligen Projektteilnehmenden zu Gleichaltrigen. Inklusion und Vielfalt in Erasmus+ Jugend und Europäischem Solidaritätskorps W 1 Zahlen für alle bereits abgerechneten Projekte aus der Programmgeneration 2014-2020 (Stand 18.01.2022) 2 Erasmus+ Inclusion and Diversity Strategy – in the field of Youth, European Commission, Directorate General for Education and Culture, 2014. www.salto-youth.net/downloads/4-17-3103/InclusionAndDiversityStrategy.pdf (13.04.2022) 3 Zum Beispiel der Strategic Partnership for Inclusion: www.salto-youth.net/rc/inclusion/inclusionfornas/spinclusion/ (20.04.2022) 4 Siehe hierzu auch die Erkenntnisse der „Zugangsstudie - Warum nicht? Studie zum internationalen Jugendaustausch: Zugänge und Barrieren“: Forschung und Praxis im Dialog – Internationale Jugendarbeit (FPD)/transfer e.V.: Die Zugangsstudie Ergebnisse des Forschungsprojektes, S. 28 (https://www.zugangsstudie.de/wp-content/uploads/2020/01/Broschüre_Die-Zugangsstudie_Ergebnisse-des-Forschungsprojektes_ Stand-August-2019.pdf) http://www.salto-youth.net/downloads/4-17-3103/InclusionAndDiversityStrategy.pdf http://www.salto-youth.net/rc/inclusion/inclusionfornas/spinclusion/ https://www.zugangsstudie.de/wp-content/uploads/2020/01/Broschüre_Die-Zugangsstudie_Ergebnisse-des-Forschungsprojektes_Stand-August-2019.pdf https://www.zugangsstudie.de/wp-content/uploads/2020/01/Broschüre_Die-Zugangsstudie_Ergebnisse-des-Forschungsprojektes_Stand-August-2019.pdf 14 15 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt Von grundlegender Bedeutung sind au- ßerdem stabile Partnerschaften und Netz- werke, sowohl auf lokaler als auch auf europäischer Ebene. So erleichtern Part- nerschaften zwischen erfahrenen Trägern europäischer Projekte und lokalen Einrich- tungen und Initiativen, die mit benachtei- ligten jungen Menschen arbeiten, letzteren den Einstieg in die EU-Jugendprogramme und ersteren die Erreichung neuer Ziel- gruppen. Durch die Einbindung lokaler Träger, zum Beispiel der Flüchtlings- oder Erziehungshilfe, können junge Menschen durch Bezugs- und Vertrauenspersonen für europäische Projekte motiviert und auf dem Weg dorthin sowie währenddessen begleitet werden. Die lokale bzw. natio- nale Vorbereitung eines Projekts und der Beziehungsaufbau mit den Projektverant- wortlichen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Hier kommt die finanzielle Inklusions- förderung in Erasmus+ ins Spiel, die zum Beispiel für eine engere Betreuung genutzt werden kann. Außerdem kann die Einbe- ziehung des persönlichen Umfelds wichtig sein, denn auch Eltern, Lehrende, Sozialar- beiterinnen und Sozialarbeiter usw. können einem Auslandsaufenthalt skeptisch gegen- überstehen oder ihn fördern. Ebenso wichtig wie die Berücksichtigung der Lebensrealität potenzieller Teilneh- mender ist deren Partizipation und Ein- bindung in die Projektvorbereitung und -gestaltung. Dadurch kann sichergestellt werden, dass ihre Bedürfnisse und Interes- sen in der Projektplanung Berücksichtigung finden, seien es Bedarfe im Zusammenhang mit einer körperlichen Beeinträchtigung oder Inhalte und Formate, die sie langfristig zur Teilnahme motivieren. Learning by Doing Sicher lassen sich viele der genannten Gelingensfaktoren auf Projekte der beruf- lichen oder Erwachsenenbildung übertra- gen. Wichtig ist dabei, dass der Aufbau inklusiver Strukturen Zeit braucht. Es geht nicht darum, von Anfang an perfekte inklu- sive Projekte umzusetzen, sondern sich auf den Weg zu machen, erste Schritte zu ge- hen und mit den Erfahrungen zu wachsen – genau wie die Teilnehmenden an europä- ischen Projekten. INFO: HANNA SCHÜSSLER Fachreferentin für Inklusion und Vielfalt bei JUGEND für Europa Programmteil Jugend in Erasmus+: www.erasmusplus-jugend.de Programmwebsite Europäisches Solidaritätskorps: www.solidaritaetskorps.de © p riv at 16 17Inklusion © P in ka se vi ch /A do be St oc k. co m Die Publikation ist als Download oder gedrucktes Buch erhältlich: wbv.de/isbn/9783763971503 http://wbv.de/isbn/9783763971503 16 17 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt esen und Schreiben stellen nach wie vor wichtige Schlüsselfertigkeiten dar, um all- tägliche Anforderungen in einer zuneh- mend digitalisierten Arbeits- und Lebens- welt selbstständig bewältigen zu können. Laut LEO-Studie 2018 der Universität Ham- burg sind 6,2 Millionen Erwachsene im Deutschen gering literalisiert, d.h. sie kön- nen allenfalls nur bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben1. Die LEO-Studie erfasst bundesweit die Lese- und Schreib- kompetenz von deutsch sprechenden Er- wachsenen im Alter von 18 bis 64 Jahren sowie literale Praktiken und Kompetenzen in den Bereichen Digitale Medien, Ge- sundheit, Finanzen und Politik; erstmalig wurde die LEO-Studie 2010 durchgeführt. Die Ursachen von geringer Literalität sind vielfältig und häufig ist es ein Zusammen- spiel verschiedener Faktoren individueller und struktureller Art, die zu den Problemen geführt haben. So werden schwierige sozi- ale und familiäre Verhältnisse, Brüche in der Schulbiografie, nicht erkannte Lese- und Rechtschreibschwächen, negative Erfah- rungen in der Schule und wenig Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten als häufigste Ur- sachen genannt. Die LEO-Studie 2018 hat gezeigt, dass die Mehrheit der gering lite- ralisierten Erwachsenen nicht vom Arbeits- markt oder sozialen Leben ausgeschlossen, sondern dauerhaft in den ersten Arbeits- markt und in familiale Strukturen einge- bunden ist. Die Studie zeigt aber auch, dass gering literalisierte Personen schriftsprach- bezogene Anforderungen des praktischen Lebens zwar häufig bewältigen können, aber die Mehrheit Schwierigkeiten damit hat, politische, gesundheitliche, finanzielle oder digitale Angelegenheiten wie z.B. die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichten oder Gesundheitsinformationen eigenständig zu beurteilen. Hier macht sich der Nachteil ge- ringer Literalität deutlich bemerkbar und es kann zu vielerlei Teilhabeausschlüssen kom- men.2 Bund und Länder haben im Jahre 2016 die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (2016 – 2026) ausgerufen mit dem Ziel, die Zahl an gering literalisier- ten Erwachsenen deutlich zu verringern und das Grundbildungsniveau zu erhöhen. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen ge- hören dazu auch digitale, finanzielle, ge- sundheitliche, familienbezogene und po- litische Grundbildung. Bund, Länder und Dekade-Partner zielen daher mit vielfältigen Initiativen und Maßnahmen in der Alpha- Dekade darauf, die Öffentlichkeit aufzuklä- ren, das soziale und berufliche Umfeld zu sensibilisieren und mehr Beratungs- und Lernangebote für gering literalisierte Er- wachsene zu schaffen. Lebensweltorientierte Grundbildung: Lernangebote an alltäglichen Anfor- derungen ausrichten Trotz des gestiegenen Bewusstseins und Angebots für Alphabetisierung und Grund- bildung in den letzten Jahren ist die Teil- nahme an entsprechenden Lernangeboten immer noch gering. Aus der Forschung weiß man, dass Nichtteilnahme nicht mit mangelndem Interesse begründet werden kann, sondern der Besuch von Kursen für bildungsungewohnte Personen eine hohe Hürde darstellt, die erst unter großem Handlungsdruck überwunden wird. Das Interesse an Lern- und Bildungsprozessen entzündet sich dabei in der Regel an alltäg- lichen Anforderungen und Themen, z.B. in der Kindererziehung, bei der Wohnungs- suche, bei Behördengängen, beim Arztbe- such oder im Arbeitskontext. Maßnahmen der Alphabetisierung und Grundbildung sind also insbesondere dann wirkungsvoll, wenn sie über den schulbil- dungsnahen Schriftspracherwerb hinaus- gehen und sich stärker an den Interessen und konkreten Bedürfnissen der Teilneh- menden orientieren. Um die Menschen in ihrem gewohnten sozialen Umfeld und mit alltagsrelevanten Themen anzusprechen, Teilhabe fördern durch lebens- weltorientierte Grundbildung Die AlphaDekade hat seit 2016 gering literalisierte Erwachsene im Blick L 1 Anke Grotlüschen, Klaus Buddeberg (Hrsg.): LEO 2018. Leben mit geringer Literalität. Bielefeld, 2020, S. 21 2 Anke Grotlüschen: Verletzbarkeit und Literalität im 21. Jahrhundert. In: Anke Grotlüschen (Hrsg.). Alphabetisierung und Grundbildung von Erwachsenen. Zeitschrift für Pädagogik. 67. Beiheft. Weinheim, 2021, S. 16-34 3 Richtlinie zur Förderung von lebensweltlich orientierten Entwicklungsvorhaben in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener vom 30. Mai 2017, Bundesministerium für Bildung und Forschung // Alphabetisierung und Grundbil- dung – im Sinne von Minimalvoraus- setzungen an Wissensbeständen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, ins- besondere im Lesen, Schreiben und Rechnen – sind Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben sowie für die Wahrnehmung demokratischer Rechte und einer aktiven gesell- schaftlichen, kulturellen und ökono- mischen Teilhabe.3 // 18 19 bieten sich aufsuchende Beratungsange- bote im Sozialraum in Kooperation mit den dort beratenden und unterstützenden Ein- richtungen an. Schlüsselpersonen können hier Mitarbeitende von sozialen Beratungs- stellen, Familienzentren oder Kirchenge- meinden sein, die das Vertrauen der Men- schen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten genießen und somit eine Brücke zu Weiter- bildung schlagen können. Neben der Förderung von Projekten der ar- beitsorientierten Grundbildung, die gezielt gering literalisierte Beschäftigte und Aus- zubildende in Betrieben sowie Arbeitssu- chende adressieren, setzt die AlphaDekade daher auch auf die Förderung von Grund- bildungsmaßnahmen in der Lebenswelt. Erkenntnisse der Entwicklungsvor- haben Von 2018 bis 2021 hat das Bundesministe- rium für Bildung und Forschung (BMBF) 20 Entwicklungsvorhaben der lebensweltori- entierten Alphabetisierung und Grundbil- dung Erwachsener gefördert, von denen 12 Vorhaben in eine Transferphase bis 2024 überführt wurden. Bildungseinrichtungen haben in Zusammenarbeit mit sozialräum- lichen Partnern neue Zugangswege zu der Zielgruppe sowie neue Lernorte identifi- ziert und niedrigschwellige und alltagsnahe Lernangebote und Materialien entwickelt, die den Menschen helfen, die erworbenen Grundkenntnisse unmittelbar anzuwenden und alltägliche Aufgaben selbständig zu bewältigen. So sind zahlreiche Material- sammlungen und Handreichungen u.a. in den Themenbereichen Gesundheit und Er- nährung, familienbezogene Grundbildung, Alltagsrechnen und Verbraucherschutz entstanden, die in vielfältigen Beratungs-, Lehr- und Lernsettings genutzt werden können. Ebenso wurden Mitarbeitende der sozialräumlichen Partner wie soziale Dienste, Familienberatungsstellen, Verbrau- cherzentralen oder Kindertagesstätten zum Thema geringe Literalität sensibilisiert und darin geschult, Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten anzusprechen und für die Teilnahme an Lernangeboten zu ge- winnen. Es hat sich gezeigt, dass über die Zusammenarbeit mit den sozialräumlichen Partnern Zielgruppen erreicht werden, die über herkömmliche Komm-Strukturen nicht erreichbar sind. Viele sozialräumliche Einrichtungen sind bereit, in ihren eigenen Strukturen Grundbildungsangebote zu rea- lisieren und auch langfristig zu etablieren. So können Orte der Beratung und Begeg- nung zu Orten der Bildung werden. Es hat sich auch gezeigt, dass in lebensweltlichen Lernangeboten durch die hohe Nutzener- wartung und das Erleben von Teilhabe z.B. beim gemeinsamen Kochen oder im Fami- lientreff, das Selbstvertrauen der Teilneh- menden erweitert und die Lernmotivation gesteigert werden können. Die Erkennt- nisse und Praxisbeispiele aus den 20 Ent- wicklungsvorhaben wurden in einem Sam- melband zusammengeführt. Erfolgreiche Ansätze in die Praxis überführen In der Transferphase zielen die Lebenswelt- projekte darauf, erfolgreiche Konzepte zu verbreiten und strukturell zu verankern. So soll beispielsweise die 1-zu-1-Lernbe- gleitung nachhaltig in zahlreichen Frank- furter Quartieren umgesetzt werden (1zu1 Basic-plus), um Erwachsene, die nicht an einem Gruppenangebot teilnehmen kön- nen oder wollen, in ihrem Sozialraum indi- viduell zu unterstützen. Dass auch Fußball- stadien zu Lernorten werden können, um fußballbegeisterte Menschen für Grundbil- dung zu gewinnen, beweist die Volkshoch- schule Dresden in Zusammenarbeit mit dem SG Dynamo Dresden (mittendrin - mit Kopf und Ball). Und im Projekt Alpha-Kooperativ Transfer werden die im Vorgängerprojekt entwi- ckelten Fortbildungen und Workshops für Lehrkräfte und planendes Bildungspersonal „Vom Lernanlass zum Lernkonzept“ landes- und bundesweit verbreitet. Auch Mehrgenerationenhäuser sind bes- tens vernetzte Orte der Begegnung, des Austauschs und der Unterstützung im All- tag. Sie sind daher wichtige Lernorte und Partner der AlphaDekade. Seit 2018 stellt das BMBF Mittel für den Sonderschwer- punkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“ im Rahmen des Bun- desprogramms Mehrgenerationenhaus des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Verfügung. Mehr- generationenhäuser entwickeln neuartige und niedrigschwellige Angebote wie bei- spielsweise offene Lerncafés, Workshops über den Umgang mit Geld, Formularhilfen oder kreative Angebote, bei denen beim Kochen oder Nähen Lesen und Schreiben geübt wird. Übergreifendes Ziel der Projektförderung ist es, lebensweltlich orientierte Alphabetisie- rung und Grundbildung als festen Bestand- teil des allgemeinen Weiterbildungssystems zu etablieren. Ein reger Austausch über neue bildungspo- litische Initiativen in anderen europäischen Ländern sowie über gute Praxis der Umset- zung findet im Rahmen des European Basic Skills Network (www.basicskills.eu) statt. INFO Webseite der Koordinierungsstelle der AlphaDekade: https://www.alphadekade.de/ BMBF-Kampagne „Lesen & Schreiben – mein Schlüssel zur Welt“: https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de 1zu1 Basics_plus: https://vhs.frankfurt.de/de/ 1zu1basics?page=1 mittendrin – mit Kopf und Ball: https://www.vhs-dresden.de/ projekte/mittendrin-2.html Alpha-Kooperativ Transfer: https://ttwportal.vhs-bayern.de/web/ ttwbvv.nsf/id/alpha-kooperativ?open BIRGIT GARBE-EMDEN Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Koordinierungsstelle der AlphaDekade im Bundesinstitut für Berufsbildung © B IB B Inklusion und Vielfalt https://www.alphadekade.de/ https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de https://vhs.frankfurt.de/de/1zu1basics?page=1 https://vhs.frankfurt.de/de/1zu1basics?page=1 https://www.vhs-dresden.de/projekte/mittendrin-2.html https://www.vhs-dresden.de/projekte/mittendrin-2.html https://ttwportal.vhs-bayern.de/web/ttwbvv.nsf/id/alpha-kooperativ?open https://ttwportal.vhs-bayern.de/web/ttwbvv.nsf/id/alpha-kooperativ?open 18 19 Bildung Für Europa | Juli 2022 LEO-Studie: Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte LEO-Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2018 untersucht die Literalität (oder Lese- und Schreibfähigkeit) erwachsener Menschen in Deutschland. Die wichtigsten Informationen finden Sie unter https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de/de/helfen/zahlen-und-fakten/zahlen-und-fakten Die LEO-Studie unterscheidet die erwachsene Bevölkerung an- hand verschiedener Stufen der Lese- und Schreibkompetenz. Rund zwei Millionen Erwachsene erreichen beim Lesen und Schreiben der deutschen Schriftsprache lediglich die Ebene von Wörtern, weitere 4,2 Millionen erreichen die Ebene rela- tiv kurzer Sätze mit gebräuchlichem Wortschatz. Diese 6,2 Mil- lionen Erwachsenen werden im Rahmen der Studie als gering literalisiert beschrieben. Durch die geringe Lese- und Schreib- kompetenz sind betroffene Erwachsene einem erhöhten Risiko ausgesetzt, von einer umfassenden gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen zu sein. Weitere zehn Millionen Erwachsene haben Schwierigkeiten mit der korrekten Rechtschreibung, die über Flüchtigkeitsfehler und Fehler bei komplizierten Wörtern hinausgehen. Im Studien- kontext wird dies als fehlerhaftes Schreiben bezeichnet. Mehr zur LEO-Studie: leo.blogs.uni-hamburg.de Geringe Literalität – eine Definition © B M BF Inklusion und Vielfalt https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de/de/helfen/zahlen-und-fakten/zahlen-und-fakten http://leo.blogs.uni-hamburg.de 20 21 er heute 27-jährige Daniel Ahrndt wurde in den Jahren 2017 bis 2020 am Berufsbildungswerk Neckargemünd zum Industriekaufmann ausgebildet. In dieser Zeit war er über Erasmus+ für ein achtwöchiges Praktikum im spanischen Granada, wo er bei einem Hersteller für Baumaschinen arbeite- te. Heute ist er in der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg beschäftigt. Herr Ahrndt, aufgrund einer hochgra- digen Hör- und Sehschädigung haben Sie sich lange Zeit schwer getan mit dem Lernen. Wie hat sich das ausge- wirkt? Ahrndt: Von meiner Hörbeeinträchtigung habe ich erst kurz vor der Einschulung er- fahren. Dennoch fiel damals die Entschei- dung, mich auf eine Regelschule zu schi- cken, was gut war. Später kam noch die Diagnose meiner Augenerkrankung hinzu, das hatte immer stärkere Auswirkungen auf mein soziales und schulisches Leben. Schließlich wechselte ich auf eine Förder- schule und habe dort mein Abitur gemacht. Meine Idee war, anschließend Physik in Aachen zu studieren. Der Sprung war je- doch zu groß, ich habe das auch ein wenig unterschätzt. Daher habe ich das Studium abgebrochen, ebenso wie den Versuch, Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni- versität Hagen zu studieren. Wie kam es zur Entscheidung, am Be- rufsbildungswerk Neckargemünd eine Ausbildung zu beginnen? Ahrndt: Das war letztlich eine Entschei- dung für mehr Struktur. Ich war seinerzeit einfach noch nicht bereit für ein Studium, da mir Disziplin und Durchhaltevermögen fehlten. Schon während des Studiums habe ich parallel nach Möglichkeiten der Berufsausbildung gesucht. Dennoch war der Schritt nach Neckargemünd eine große Herausforderung, zugleich aber auch eine kluge Entscheidung. Mir hat die Zeit dort von Anfang an Spaß gemacht. Sehr hilf- reich war dabei, dass alles nah beieinander lag: die Ausbildungsorte, die Berufsschule, das Zusammensein mit anderen Schüle- rinnen und Schülern, die ja alle Betreuung brauchten. Ein Mitarbeiter hat das einmal „das große Haus der kurzen Wege“ ge- nannt. Hier konnte ich die Unterstützung bekommen, die es braucht, um aus den Möglichkeiten eine Chance zu machen. Im Rahmen der Ausbildung haben Sie 2018 die Gelegenheit genutzt, für acht Wochen ins spanische Granada zu gehen. Warum? Ahrndt: Das Thema Ausland war für mich nicht neu. Ich hatte vorher schon ähnliche Erfahrungen gemacht, beim Praktikum in Granada ging es mir vor allem auch um die praktische Arbeit. Für mich war es eine Chance, um nachzuweisen, dass ich die Aus den Möglichkeiten eine Chance machen Während der Ausbildung beim Berufsbildungswerk ins Ausland D © D an ie l A hr nd t Inklusion und Vielfalt Im Sport wie im Leben setzt sich Daniel Ahrndt immer wieder neue Ziele. 20 21 Bildung Für Europa | Juli 2022 © A le ja nd ro /A do be St oc k. co m Inklusion und Vielfalt Kenntnisse, die ich am Berufsbildungswerk erworben habe, auch konkret anwenden kann, noch dazu in einem völlig neuen Um- feld. Wie war die Zeit in Spanien? Ahrndt: Bei einem beruflichen Auslands- aufenthalt ist man sehr unmittelbar am Alltag vor Ort beteiligt. Mein Praktikum bei einem Hersteller für Baumaschinen wurde von einem Partner des Berufsbildungs- werkes organisiert, ebenso die Übernach- tung in dem Hostel, in dem ich wohnte. Dort waren auch andere Erasmus+-Stipen- diaten, vorwiegend aus osteuropäischen Ländern. Es war ein sehr spannender Aus- tausch. Die Arbeit im Betrieb bestand hauptsäch- lich aus Sekretariatsaufgaben. So habe ich Besucherinnen und Besucher empfangen und viel telefoniert. Umso hilfreicher war es, dass ich zuvor einen Spanischkurs ab- solvieren konnte. Wie überhaupt die Vor- bereitung durch das Berufsbildungswerk sehr intensiv war. So habe ich mich schnell zurechtgefunden und konnte mich gut ein- bringen. Sie waren acht Wochen lang dort. Das ist eine lange Zeit, in der Sie sich nicht nur mit Arbeit beschäftigt haben ... Ahrndt: Neben meinem Praktikum habe ich natürlich auch Granada und die Um- gebung erkundet. Besonders beeindruckt hat mich das UNESCO-Weltkulturerbe Al- hambra. Gemeinsam mit einem Freund, der mich besucht hat, habe ich zudem die spanische Küche entdeckt. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Über Erasmus+ ist es möglich, auch Mehrbedarfe in der Betreuung zu för- dern, beispielsweise eine Begleitper- son, die vor Ort unterstützt. Ahrndt: Ja, darüber haben wir gespro- chen. Ich habe mich jedoch dagegen ent- schieden, weil ich mir den Aufenthalt auf jeden Fall allein zutraute. Für Menschen, die noch nicht über entsprechende Erfah- rungen verfügen und sich daher unsicher fühlen, oder auch für diejenigen, deren Mobilität eingeschränkt ist, ist das aber si- cher eine gute Sache. Es nimmt ihnen die Angst, wenn sie jemanden haben, der sie an die Dinge heranführt. Sie wirken auf mich wie ein Mensch, der sehr willensstark ist. Sie waren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und haben sogar die Triathlon-Lang- distanz gefinisht. Hat Ihnen das auf Ihrem Weg geholfen? Ahrndt: Nein, nein, es war bisher nur die olympische Distanz (lacht), die Langdistanz steht im Juli bei der traditionsreichen „Chal- lenge Roth“ im Frankenland an. Aber Sie haben recht, im Sport wie im Leben halte ich es für wichtig, mir immer wieder neue Ziele zu setzen und zu versuchen, diese zu erreichen. Für mich gilt: Scheitern ist eine Option, Aufgeben aber nicht. Sowohl meine Zeit bei der Feuerwehr als auch der Sport haben zu dem Selbstvertrauen bei- getragen, das ich heute habe und auch im Rahmen des Erasmus+-Praktikums anwen- den konnte. In gewisser Weise sind Sie auch ein Vorbild. So engagieren Sie sich als Euro-Apprentice, um Ihre Erfahrungen weiterzugeben und für Erasmus+ zu werben. Ahrndt: Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch von einer derartigen Erfahrung profitiert, egal ob in einem Berufsbildungs- werk oder einer normalen Berufsschule. Gerade bei Menschen, die ein physisches oder psychisches Handicap haben, kann dies jedoch einen Schub an Selbstvertrauen schaffen, den sie sonst in zehn Jahren nicht erreichen würden. Das kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Vor diesem Hintergrund engagiere ich mich seit 2020 als Botschafter für die Eras- mus+-Auslandspraktika in der beruflichen Bildung. Das ist für mich auch ein Beitrag zur Kultur- und Völkerverständigung – ein Aspekt, den ich gerade angesichts der ak- tuellen weltpolitischen Lage für äußerst wichtig halte. Wo stehen Sie persönlich heute? Ahrndt: Seit etwas mehr als einem Jahr arbeite ich jetzt in der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zum Thema Kurzar- beitergeld. Ich bin sehr froh, wie sich die Dinge entwickelt haben, möchte neben der Arbeit aber auch noch einmal meine Stu- dienpläne aufnehmen. Ich bin noch nicht sicher, in welche Richtung das Ganze ge- hen wird. Das werden wir sehen. Zunächst einmal aber will ich im Juli natürlich die Tri- athlon-Langdistanz schaffen! Herr Ahrndt, viel Erfolg dabei und vie- len Dank für das Gespräch. Das Interview führte Manfred Kasper, freier Journalist, im Auftrag der NA beim BIBB. INFO BERUFSBILDUNGSWERK Berufsbildungswerke sind Unternehmen der überbetrieblichen, dualen Berufsaus- bildung. Sie qualifizieren an bundesweit über 50 Standorten Jugendliche und junge Erwachsene mit einem individuellen För- derbedarf in über 250 Berufen. In Koope- ration mit externen Partner-Betrieben wer- den so über 15 000 junge Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet. Das Berufsbildungswerk Neckargemünd ist mit aktuell 947 Teilnehmerinnen und Teilneh- mern in über 40 Berufen einer der größten Anbieter für duale berufliche Rehabilitation in Deutschland und zudem ein Pionier in Sachen Erasmus+. Bereits vor 20 Jahren wurde hier der Nutzen von Auslands- aufenthalten erkannt. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Podcast unter www.na-bibb.de/podcast-zugang- fuer-alle http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle 22 23 icht jedem ist es von Haus aus gege- ben, geradlinig in Ausbildung und Beruf einzumünden. Mit „Integration durch Austausch (IdA)“, können junge Menschen mit besonderem Förderbe- darf, oftmals in schwierigen Lebensla- gen, denen der Weg ins Ausland nicht selbstverständlich offensteht, ein Praktikum im europäischen Ausland absolvieren, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Dieser Ansatz wurde bereits im Rahmen des Vorgängerprogramms „IdA – Integra- tion durch Austausch“ der ESF-Förderpe- riode 2007-2013 entwickelt. Er ergänzte die bisherigen europäischen Austauschpro- gramme für Studierende und Auszubilden- de erstmals um ein Austauschprogramm für benachteiligte, arbeitslose junge Men- schen. Mit IdA werden insbesondere junge Menschen im Alter von 18 bis zu 35 Jahren am Übergang Schule-Ausbildung und Aus- bildung-Beruf angesprochen, die aufgrund von beruflichen Startschwierigkeiten und oft auch sozialen Problemen von den Job- centern bzw. Agenturen für Arbeit nicht erfolgreich erreicht werden. Zentraler Bestandteil der Förderung ist ein zwei- bis sechsmonatiger begleiteter Aus- landsaufenthalt mit einem betrieblichen Praktikum in einem anderen EU-Mitglied- staat, eingebunden in einen Projektzyklus mit intensiver Vor- und Nachbereitungspha- se für die Teilnehmenden und enger Einbin- dung der Jobcenter, Agenturen für Arbeit sowie von Betrieben. Die Integration der Zielgruppe in Arbeit oder Ausbildung wird in der Nachbereitungsphase durch eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den regionalen Arbeitsmarktakteuren und Kooperationsbetrieben sichergestellt. Flan- kiert werden diese Aktivitäten durch re- gelmäßige fachliche Austausche mit den transnationalen Partnerorganisationen, an denen auch regelmäßig die Vertreterinnen und Vertreter der Jobcenter teilnehmen. Gefördert werden seit 2015 ingesamt 32 Projekte. Einige Projekte sind noch bis Juni 2022 aktiv. Das Programm läuft nun mit Ende der aktuellen Förderperiode aus. Ein Grund zurück zu blicken. Mit den IdA-Projekten wurden seit Mitte Juli 2015 bis Dezember 2021 circa 3.500 junge Menschen ins Ausland in 16 Länder entsen- det. Trotz der sehr schwierigen Zielgruppe mit teilweise erheblichen auch psychischen Einschränkungen gelingt eine hohe Arbeits- marktintegration von circa 55 Prozent. Erfolg durch Lernerfahrung im Ausland – Potenziale von Auslandspraktika Die Erfahrungen der IdA-Projekte bestäti- gen, dass die Teilnehmenden motivierter in den Bewerbungsprozess starten. Sie ge- winnen praktische Erfahrungen und entwi- ckeln darauf aufbauend klarere berufliche Zukunftsvorstellungen. Die Möglichkeit, in einem komplett anderen Umfeld Erfah- rungen zu sammeln und sich beruflich zu orientieren, stärkt gleichermaßen die per- sönlichen Kompetenzen und das Selbst- bewusstsein. Viele Teilnehmende sind das erste Mal über einen so langen Zeitraum von ihren Familien und ihrem Freundeskreis N Integration durch Austausch (IdA) Auslandspraktika öffnen Türen in die Arbeitswelt © S ev en ty fo ur /A do be St oc k. co m 22 23 Bildung Für Europa | Juli 2022 Inklusion und Vielfalt entfernt und gewinnen über das eigenstän- dige Leben in einer fremden Kultur und das mehrmonatige Praktikum eine Perspektive für die berufliche und persönliche Entwick- lung. „IDA IST DER TÜRÖFFNER ZUM PERSPEKTIVENWECHSEL. DIE JUNGEN MENSCHEN GEWINNEN AN SELBSTVERTRAUEN, PERSÖN- LICHKEIT, SOZIALEN UND FACH- LICHEN KOMPETENZEN. SIE ERLEBEN ANERKENNUNG, ACHTUNG UND ERFOLG.“ // Jobcenter Salzlandkreis IdA – Modell für weitere EU-Mitglied- staaten und -Regionen Basierend auf diesen positiven Ergebnissen führen in der jetzigen ESF-Förderperiode insgesamt acht europäische Mitgliedstaa- ten und Regionen erfolgreich korrespondie- rende Mobilitätsprogramme für benachtei- ligte junge Menschen durch (Deutschland, Polen, Schweden, Slowenien, Tschechien sowie die Regionen Galizien, Katalonien und Trento). Koordiniert werden diese Pro- gramme durch das europäische Lernnetz- werk zu Transnationalen Mobilitätsmaß- nahmen für benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene (TLN Mobility). Circa 660 Teilnehmende wurden von den IdA-Projekten aus Italien, Polen, Slowenien, Spanien, Tschechien im Rahmen dieser Pro- gramme aufgenommen. Erfolgsfaktoren Entscheidend zum Erfolg des Programms haben u.a. die Umsetzung als Kooperati- onsverbund mit aktiver und verbindlicher Einbindung von Betrieben und Jobcentern sowie anderen relevanten Arbeitsmarktak- teuren der Region in das Projekt, die von Beginn an durchgehende intensive päd- agogische Begleitung und Betreuung der Teilnehmenden, die Weitergewährung der Transferleistungen sowie insbesondere die Verlässlichkeit der transnationalen Koope- rationsbeziehungen beigetragen. Ausblick: Wie geht es weiter? Was in Deutschland bereits mit dem ESF-Programm "Integration durch Aus- tausch (IdA)" erfolgreich praktiziert wird, soll nun auch europaweit möglich werden. Mit dem neuen EU-Austauschprogramm ALMA (Aim, Learn, Master, Achieve) der Europäischen Kommission sollen junge Menschen, die weder Ausbildung noch Job gefunden haben, in Zukunft verstärkt die Möglichkeit haben, Berufserfahrung im Ausland zu sammeln. Anknüpfend an die erfolgreiche Umset- zung des IdA-Programms beteiligt sich das Bundesministerium für Arbeit und Sozia- les mit dem ESF Plus-Programm der ESF Plus-Förderperiode 2021-2027 "JUVENTUS Deutschland - Mobilität stärken - für ein soziales Europa“ an der neuen Initiative ALMA. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Mitgliedstaaten, die im Rahmen von ALMA Mobilitätsprogram- me planen, den Zugang zu Auslandserfah- rung für benachteiligte Jugendliche auch weiterhin zu ermöglichen und hierdurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ver- bessern. Ein Schwerpunkt von JUVENTUS soll daher die Verstärkung des Austauschs der Jugendlichen sein. Darüber hinaus geht es um die Vermittlung der Chancen, die ein soziales Europa bietet, dem Kennenlernen und der Wertschätzung anderer National- staaten sowie die Stärkung der transnati- onalen Zusammenarbeit der im Bereich Mobilität beteiligten Organisationen und der dort beschäftigten Fachkräfte. Die Ver- öffentlichung der Richtlinie ist für Sommer dieses Jahres geplant. Ergänzend ist ein Austausch zwischen künftigen JUVENTUS-Projektträgern und Trägern bzw. Beteiligten im Erasmus+-Pro- gramm zu den jeweiligen Rahmenbedin- gungen beider Förderstrukturen sowie den spezifischen Förderbedarfen der benachtei- ligten Zielgruppen in Abgrenzung zur Eras- mus+-Förderung vorgesehen. INFO Lernnetzwerk zu Transnationalen Mobilitätsmaßnahmen für benachtei- ligte Jugendliche und junge Erwach- sene https://www.esf.de/portal/EN/Fun- ding-period- 2014-2020/TLN-Mobili- ty/content.html Integration durch Austausch (IdA) auf einen Blick 32 Projekte Laufzeit: 2015 - Juni 2022 inkl. Verlängerungen Mittelvolumen: 78 Mio. EUR Gesamtausgaben, davon 45,5 Mio. EUR ESF und 24,7 Mio. EUR nationale Mittel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales 10 % Eigenmittel des Projektträgers EU-Programm ALMA https://ec.europa.eu/social/main. jsp?catId=1549&langId=de Die Projekte werden im Rahmen der "ESF- Integrationsrichtlinie Bund, Handlungs- schwerpunkt Integration durch Austausch (IdA)" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. MECHTHILD JÜRGENS Referentin im Referat EF2 „ESF Programmumsetzung, EHAP Verwaltungsbehörde, Digitale Transformation“ im Bundesminis- terium für Arbeit und Soziales © S ilk e Sc hw ae pp e https://www.esf.de/portal/EN/Funding-period-2014-2020/TLN-Mobility/content.html https://www.esf.de/portal/EN/Funding-period-2014-2020/TLN-Mobility/content.html https://www.esf.de/portal/EN/Funding-period-2014-2020/TLN-Mobility/content.html https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1549&langId=de https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1549&langId=de 24 25Inklusion und Vielfalt Geflüchtete und migrierte Frauen blei- ben in der öffentlichen Wahrnehmung oft unsichtbar. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen in der Gesellschaft häufig kaum als Akteurinnen am Ar- beitsmarkt wahrgenommen werden und in vielen Statistiken nicht auftau- chen – so konstatiert es ein Kurzdos- sier der Bundeszentrale für politische Bildung. Haupthindernisse bei der In- tegration in den Arbeitsmarkt liegen oft in der fehlenden Anerkennung von Qualifikationen und früheren Be- rufserfahrungen wie auch in geringen Sprachkenntnissen. An dieser Stelle setzte die Strategische Part- nerschaft EMIRE an. Das Projekt möchte Frauen mit Migrations-/Fluchthintergrund bei der Integration in den Arbeitsmarkt un- terstützen und sie für eine soziale Einglie- derung in die Gesellschaft stärken. Dazu richtet sich die Partnerschaft an zwei Ziel- gruppen: Zum einen an Frauen mit Migra- tions-/Fluchthintergrund im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, die noch nicht in den Arbeitsmarkt integriert sind, aber ein hohes Potenzial aufweisen. Zum anderen an Sozi- alarbeiter/-innen, Berater/-innen und Frei- willige, die im Bereich der Integration mit erwachsenen Migrantinnen arbeiten. Ziel ist es, innerhalb der Partnerschaft Konzepte und Instrumente zu entwickeln, die den Empowerment-Prozess der Frauen für eine positive Wahrnehmung auf dem Arbeits- markt unterstützen. Zunächst entwickelte das Projektteam eine Videoreihe mit dem Titel „Mein persön- licher Weg“. In den teilnehmenden Ländern Deutschland, Italien, Slowenien, Schweden, Österreich und Zypern wurden jeweils zwei Videos erstellt, die die unterschiedlichen Perspektiven in den Ländern zeigen. Die Videos mit den persönlichen Geschichten bieten Einblicke in die Arbeitsmarktintegra- tion und die damit verbundenen Herausfor- derungen von Frauen mit Flucht- und/oder Migrationshintergrund und berichten von Unterschieden zum Arbeitsmarkt in ihren Herkunftsländern. Sie wurden auf YouTube und Facebook veröffentlicht. Tools für die Praxis Danach begann die Arbeit an einem Toolkit für Sozialarbeiter/-innen und Berater/-innen zur Unterstützung einer weiblichen beruf- lichen Identität durch Empowerment-Pro- zesse. Das Toolkit beinhaltet unter anderem Informationen zum Rollenverständnis sowie Empfehlungen für den Umgang mit heraus- fordernden Situationen im Beratungspro- zess. Es ist auf der Projektwebsite verfügbar. Im letzten Projektjahr stehen nun die Durch- führung eines Trainingskurses für Sozialar- beiter/-innen, die Verbreitung des Toolkits in der Öffentlichkeit sowie die Erstellung einer Policy Guideline an. Diese ist auf politische Entscheidungsträgerinnen und -träger ausgerichtet und soll lokale Initiati- ven für Migrantinnen und Migranten beim Ansprechen und Erreichen dieser Personen unterstützen. Good Practice: Auf dem Weg in den Arbeitsmarkt Empowerment von Frauen mit Migrations-/ Fluchthintergrund @ K ul tu rL ife - E M IR E PROJEKTINFO Projekttitel: EMIRE – Empowerment of migrant and refugee women Projektnummer: 2020-1-DE02-KA204-007398 Projektdauer und -trägerinnen: 01.11.2020 - 31.01.2023 Beteiligte Länder: AT, CY, DE, IT, SE, SI Koordinator DE: KulturLife gGmbH Kontakt: Chiara Dickmann chiara@kultur-life.de Website: https://kultur-life.de/projekte/emire/ Facebook: https://www.facebook.com/EMIRE. ErasmusPlus.Project/ https://www.facebook.com/EMIRE.ErasmusPlus.Project/ https://www.facebook.com/EMIRE.ErasmusPlus.Project/ 24 25 Bildung Für Europa | Juli 2022 © B ar ba ra W ild Inklusion und Vielfalt In den ländlichen Regionen in Euro- pa fehlen vielerorts Einkaufsmög- lichkeiten, medizinische und soziale Versorgung, Mobilitätsangebote, Be- gegnungsmöglichkeiten, Beratungs- einrichtungen sowie Betreuungs- und Unterstützungsangebote. Dadurch ist die Lebensqualität vieler Menschen stark eingeschränkt. Vor allem ältere Menschen, aber auch Personen mit körperlichen oder psychischen Beein- trächtigungen, Menschen mit Migra- tionshintergrund, Langzeitarbeitslose oder schwer vermittelbare Arbeitssu- chende finden Barrieren vor, die ihnen die Teilhabe am öffentlichen, gesell- schaftlichen Leben erschweren. Gravierend werden die Einschränkungen, wenn die Menschen nicht (mehr) selbstän- dig mobil sind und damit nicht mehr zum Einkaufen, zum Arzt, zum Besuch von Ver- wandten und Freunden, zu Veranstaltungen oder zu Beratungseinrichtungen fahren können. Die Gefahr der sozialen Isolation ist hoch. Wenn zusätzlich Hilfe und Unterstüt- zung im Alltag benötigt wird, wird die Si- tuation prekär. Denn die älteren Menschen im ländlichen Raum sind es nicht gewohnt, eigene Bedürfnisse zu artikulieren. Sie wol- len niemandem zur Last fallen und nehmen dafür einschneidende Einschränkungen in Kauf. Der demografische Wandel verschärft die Situation, weil er die ländlichen Ge- meinden besonders hart trifft. Die auch hier veränderten Familienstrukturen bedingen ein abnehmendes familiäres Pflege- und Be- treuungspotenzial. Dadurch entsteht eine Versorgungslücke. Projektgrundlage Das Projekt geht die Herausforderungen im ländlichen Raum unter zwei Aspekten an: „Caring“ und „Sharing“. “Caring“ orientiert sich an der Definition des Bundesministeri- ums für Familie, Senioren, Frauen und Ju- gend: „Eine ‚Sorgende Gemeinschaft‘ ist das gelingende Zusammenspiel von Bürge- rinnen und Bürgern, Staat, Organisationen der Zivilgesellschaft und professionellen Dienstleistern in der Bewältigung der mit dem demografischen Wandel verbundenen Aufgaben“. „Sharing“ bezieht sich auf die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe von älteren und be- nachteiligten Personengruppen, die Aktivie- rung und das Einbringen eigener Fähigkei- ten, das Teilen und Tauschen von Zeit und Ressourcen. Ziel: Etablierung von Caring & Sharing Communities Caring & Sharing Communities entstehen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern es braucht dazu breite Beteiligungsprozesse. Für die Begleitung der Prozesse, die orts- spezifische Konzeptentwicklung, die Lei- tung und das Management einer Caring & Sharing Community sowie für die Mitarbei- tenden werden im Projekt spezifische Schu- lungen und Qualifikationen entwickelt. Aus der laufenden Projektarbeit: Caring & Sharing Communities Öffentliche Daseinsvorsorge im ländlichen Raum © S PE S e. V. PROJEKTINFO Projekttitel: Caring and Sharing Communities Projektnummer: 2021-1-DE02-KA220-ADU-000028340 Projektdauer: 01.11.2021 - 31.10.2024 Beteiligte Länder: DE, AT, IT Koordinator: SPES e.V. Kontakt: info@spes.de Website: www.spes.de Caring & Sharing Communities bieten: aufsuchende Beteiligung, zugehende Beratung, persönliche Bedarfsermitt- lung Aktivierung und Einbringen von eigenen Fähigkeiten und Ressourcen Begegnungsmöglichkeiten für alle Generationen Betreuungs- und Unterstützungsan- gebote in der vertrauten Umgebung Vernetzung und Kooperation mit anderen Einrichtungen http://www.spes.de 26 27Erasmus+ 35 Jahre Erasmus+ 12 Mio. geförderte Teilnehmende europaweit in allen Bildungsbereichen Das europäische Bildungsprogramm feiert 2022 sein 35-jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwünsch! Die Grafik vermittelt ein Bild von der deutschen Beteiligung. Zahlen für Deutschland (2007 bis 2021) und europaweit: Von deutschen Einrichtungen koordinierte Kooperationsprojekte (seit 2008) Von deutschen Einrichtungen koordinierte Kooperationsprojekte Teilnehmende an Mobilitätsmaßnahmen aus Deutschland (z.T. ab 2009) Teilnehmende an Mobilitätsmaßnahmen aus Deutschland 1.436 1.314 12 Mio. geförderte Teilnehmende europaweit seit Beginn des Programms 1987 16.148 229.862 ERWACHSENENBILDUNG ALLE BEREICHE EUROPAWEIT BERUFSBILDUNG © Y ur yV el ik an ov /A do be St oc k. co m | G es ta ltu ng : b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e 26 27 Bildung Für Europa | Juli 2022 Erasmus+ ieser Beitrag gibt den Informations- stand vom 18. Juli 2022 wieder. Die später im Jahr liegenden Antrags- fristen sind nicht berücksichtigt. Berufsbildung Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hat sich die Nachfrage nach Auslandsaufenthalten mehr als verdop- pelt. 2022 wurden im Rahmen der Akkre- ditierung und der ersten Antragsrunde der Kurzzeitprojekte insgesamt 22.563 Aus- landsaufenthalte bewilligt. Die Folgen der Pandemie hemmen damit die Mobilität in deutlich geringerem Maße. Auch bei der Anzahl der Kurzzeitprojekte gibt es einen deutlichen Anstieg von 17 im Jahr 2021 auf 63 im Jahr 2022. Diese Projektform wird vor allem von Einrichtungen genutzt, die noch keine Erfahrung mit der Durchführung von Auslandsaufenthalten haben. Neue Einrich- tungen nehmen folglich in großer Zahl erst- malig am Programm teil. Auch die Entwicklung bei den Akkreditie- rungen ist erfreulich. Zum 1. Februar 2022 haben 205 Einrichtungen die Erasmus+- Akkreditierung erhalten, knapp ein Viertel davon sind neu im Programm. Sie können damit in den kommenden Jahren im verein- fachten Verfahren am Programm teilneh- men und Auslandsaufenthalte durchfüh- ren. Im Bereich Berufsbildung haben sich in den ersten beiden Jahren fast 600 Einrich- tungen akkreditieren lassen und sind somit dauerhaft aktiv im Programm. In der ersten Antragsrunde 2022 wurden 115 Anträge für Partnerschaften für Zu- sammenarbeit (Leitaktion 2) eingereicht und Finanzmittel in Höhe von 26,83 Mil- lionen Euro beantragt. Davon fielen 31 Anträge auf die kleineren Partnerschaften und 84 auf die Kooperationspartnerschaf- ten. Insgesamt erhielten 60 Projekte eine Förderzusage, wodurch 36 Kooperations- partnerschaften mit einem Fördervolumen von 10,41 Millionen Euro und 24 kleinere Partnerschaften mit 1,41 Millionen Euro be- willigt wurden. Eine Neuerung dieser Antragsrunde stel- len die zu beantragenden Pauschalsum- men dar. Mehr als die Hälfte der Anträge der Kooperationspartnerschaften fiel in die Fördersumme 250.000 Euro, gefolgt von 400.000 Euro. Die überwiegende Mehrheit der kleineren Partnerschaften beantragte 60.000 Euro. Die geringsten Fördersum- men (120.000 bzw. 30.000 Euro) fanden hingegen kaum Interesse. Die am häufigsten adressierten horizonta- len Programmprioritäten waren „Bewälti- gung des digitalen Wandels durch Aufbau von digitaler Bereitschaft, Widerstandsfä- higkeit und Kapazität“ gefolgt von „Um- welt und Bekämpfung des Klimawandels“ sowie „Inklusion und Vielfalt“. Spitzenreiter bei den gewählten berufsbildungsspezi- fischen Prioritäten waren „Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Arbeitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“. Erwachsenenbildung In der Mobilität (Leitaktion 1) haben im Jahr 2022 von insgesamt 41 akkreditierten Einrichtungen 21 Einrichtungen für 973 Teilnehmende Aktivitäten geplant und da- für Mittel in Höhe von 2 Millionen Euro abgerufen. Die Einrichtungen planen ins- gesamt 314 Lernende und 628 Personen aus dem Bildungspersonal zu europäischen Partnern zu entsenden. Von diesen 628 Personen sollen 389 zu Kursen, 189 zu Job Shadowings und 50 zu Lehraufenthalten geschickt werden. 7 der 21 Einrichtungen machen darüber hinaus von der Möglich- keit Gebrauch, Expertinnen und Experten in die eigene Einrichtung einzuladen (insge- samt 31 Personen). Die Mittelausschöpfung liegt aktuell bei 21 Prozent. In der ersten Antragsrunde der Kurzzeit- projekte im Februar 2022 konnten Aus- landsaufenthalte für 16 Lernende und 257 Mitarbeitende in Erwachsenenbildungsein- richtungen mit einem Budget von 706.801 Euro bewilligt werden. Die Mobilitäten verteilen sich auf 15 verschiedene Einrich- tungen. 149 Personen sollen zu Kursbe- suchen, 80 zu Job Shadowings und 24 zu Lehraufenthalten entsendet werden. Zwei der Einrichtungen planen Expertinnen und Experten in die eigene Einrichtung einzula- den (insgesamt 4 Personen). Die Mittelaus- schöpfung liegt derzeit bei 42 Prozent. Einrichtungen der Erwachsenenbildung haben bis dato insgesamt 149 Anträge für Partnerschaften für Zusammenarbeit eingereicht. Darunter sind 108 Anträge für Kooperationspartnerschaften, wovon 26 bewilligt wurden. Von den 42 Anträ- gen auf kleinere Partnerschaften erhielten 34 eine Förderzusage. Insgesamt wurden Finanzmittel in Höhe von 34,4 Millionen Euro beantragt (32 Millionen für Koope- rationspartnerschaften und 2,4 Millionen Euro für kleinere Partnerschaften). Für Ko- operationspartnerschaften konnten 7,61 Millionen Euro bewilligt werden, für klei- nere Partnerschaften 1,95 Millionen Euro. Wie im Vorjahr stehen die Themen Inklu- sion, Gleichberechtigung und Nicht-Diskri- minierung sowie digitale Kompetenzen im Vordergrund, gefolgt von neuen Lern- und Lehrmethoden und -ansätzen und der Ent- wicklung innovativer und neuer Curricula und Kurse. Anders als unter den Corona-Bedingungen des vergangenen Jahres gab es 2022 in deutlich geringerem Umfang Budgetum- widmungen von Mobilitätsaktionen hin zu Kooperationsprojekten. Mit einem zur Ver- fügung stehenden Budget von rund 10 Mil- lionen Euro können entsprechend weniger Projekte gefördert werden als im Jahr zuvor. 2021 standen knapp 30 Millionen Euro für 175 geförderte Projekte zur Verfügung. Erasmus+-Antragsrunde 2022 Wachsendes Interesse an Mobilität, Partnerschaften gut nachgefragt D 28 29 uslandsaufenthalte in der Berufsaus- bildung sind ein wichtiger Baustein, um die Qualität der Ausbildung zu erhöhen und wichtige Kompetenzen, wie Sprachkenntnisse oder interkul- turelle Kompetenz zu vermitteln. Die Planung und Durchführung von Aus- landsaufenthalten in der Berufsbildung erfordert Kenntnisse über die Vor- und Nachbereitung von Teilnehmenden, die Suche und Vermittlung von geeigneten Partnereinrichtungen, zur Zertifizierung der Auslandsaufenthalte und nicht zuletzt zur Existenz und den Möglichkeiten von entsprechenden Förderprogrammen, wie z.B. das Programm Erasmus+. Neben der NA beim BIBB, die den öffentlichen Infor- mations- und Beratungsauftrag für die För- derprogramme Erasmus+ und Ausbildung- Weltweit hat und einen Beratungsservice zu Auslandsaufenthalten in der Ausbildung anbietet, gibt es ein Netzwerk von mehr als 140 Multiplikatorinnen und Multiplikato- ren, die regional rund um die Antragsstel- lung zu Fördermitteln sowie zur Planung und Durchführung von Auslandsaufenthal- ten in der Berufsbildung beraten. Dieses Netzwerk wurde 2004 ins Leben gerufen. Am ersten Treffen haben seinerzeit sechs Vertreterinnen bzw. Vertreter von Kammern und Kultusministerien teilgenommen und sich ausgetauscht. Seitdem ist das Netz- werk enorm gewachsen. Ein Teil des Netz- werks besteht aus schulischen Beraterinnen und Beratern, vor allem Lehrkräfte von beruflichen Schulen, die von der zuständi- gen Landesschulbehörde oder dem Kultus- ministerium mit der Beratung beauftragt wurden. Der andere Teil des Netzwerks sind betriebliche Beraterinnen und Berater. Diese sind als Mobilitätsberaterinnen und -berater bei den Handwerks- und Indus- trie- und Handelskammern angesiedelt, im Beratungsnetzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ organisiert und werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie oder durch das Wirtschaftsminis- terium ihres Bundeslandes gefördert. Auch gibt es einzelne, zum Teil auch bundesweite Beratungsstellen bei Wohlfahrtsverbänden. Die Kontaktdaten der einzelnen Beraterin- nen und Berater können geordnet nach Bundesländern über die Mobilitätslandkar- te auf der NA-Website abgerufen werden. Akkreditierung steht für Unabhängig- keit und Qualität der Beratung Seit 2020 können sich Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Mobilität in der Berufsbil- dung als Erasmus+ Beraterin Berufsbildung bzw. Erasmus+ Berater Berufsbildung akkredi- tieren lassen. Voraussetzung ist, dass sie ein Mandat zur Beratung zu Erasmus+-Auslands- aufenthalten und der Internationalisierung in der Berufsbildung erhalten haben, z.B. von einer Kammer (zuständige Stelle), einem (Landes-)Ministerium, einem Arbeitge- berverband oder einer Gewerkschaft. Des Weiteren ist es für eine Akkreditierung als Erasmus+ Beraterin oder Berater erforder- lich, mindestens einmal pro Jahr an den halbjährlichen Schulungs- und Netzwerk- treffen der NA beim BIBB teilzunehmen. Diese Schulungs- und Netzwerktreffen informieren über Neuigkeiten zu den För- derprogrammen AusbildungWeltweit und Erasmus+ und bieten thematische Work- shops rund um die Planung und Durchfüh- rung von Auslandsaufenthalten in der Be- rufsbildung an. Ein wichtiger Baustein der Veranstaltungen ist zudem der Austausch der Beraterinnen und Berater untereinan- der und mit den zuständigen Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern der NA beim BIBB. SEIT MÄRZ 2020 HABEN MEHR ALS 100 MULTIPLIKATORINNEN UND MULTIPLIKATOREN DIE VORAUSSETZUNGEN ERFÜLLT SOWIE DIE CHANCE GENUTZT, SICH ALS ERASMUS+ BERATERIN ODER BERATER AKKREDITIEREN ZU LASSEN. 100 Erasmus+ Beraterinnen und Berater bereits akkreditiert Mit der Zusage für die Akkreditierung erhal- ten die Erasmus+ Beraterinnen und Berater eine Urkunde und ein Label, welches allen akkreditierten Erasmus+ Beraterinnen und Beratern eine gemeinsame Sichtbarkeit ver- leiht. Die Akkreditierung ist ein Qualitäts- siegel für eine unabhängige und kostenlose Beratung zu Auslandsaufenthalten in der Berufsbildung. Zudem impliziert die Ak- kreditierung einen aktuellen Kenntnisstand zum Thema Erasmus+ und Internationalisie- rung der Berufsbildung, da die akkreditier- ten Beraterinnen und Berater regelmäßig an den Schulungs- und Netzwerktreffen der NA beim BIBB teilnehmen. Die Akkreditierung als Erasmus+ Beraterin oder Berater Berufsbildung ist eine individu- elle aber auch institutionelle Anerkennung der Beratungstätigkeit zu Erasmus+. Das Netzwerk verfügt über geballte Expertise zu den Förderprogrammen Erasmus+ und AusbildungWeltweit und zur Planung und Durchführung von Auslandsaufenthalten. Nutzen Sie diese! Das Netzwerk der Erasmus+ Beraterinnen und Berater wächst Gemeinsam die Mobilität in der Berufsausbildung fördern A Erasmus+ 28 29 Bildung Für Europa | Juli 2022 Gemeinsam die Mobilität in der Berufsausbildung fördern INFO Auf der Mobilitätslandkarte finden Sie die Kontaktdaten der regionalen Beraterinnen und Berater: www.na-bibb.de/mobi-landkarte Hier finden Sie auch eine Liste mit allen akkreditierten Erasmus+ Beraterinnen und Beratern Berufsbildung. Einige Erasmus+ Beraterinnen und Berater mit ihren Akkreditierungszertifikaten KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de © N A b ei m B IB B © p riv at Erasmus+ http://www.na-bibb.de/mobi-landkarte 30 31XX Nationale Themenschwerpunkte 2022 © E PA LE D eu ts ch la nd 30 31 Bildung Für Europa | Juli 2022 Weitere Bildungsthemen o vielfältig wie die Themen der Erwachse- nenbildung ist auch die Themenlandschaft auf EPALE. EPALE Deutschland widmet sich jedes Jahr spannenden Fokusthemen, die aktuelle Fragestellungen der Erwachsenen- bildung widerspiegeln und die Community zum Mitmachen anregen. Die zahlreichen Angebote, wie die EPALE Akademie, die passend zu den Themenschwerpunkten angeboten werden, sind offen für alle in- teressierten Personen. Insbesondere Eras- mus+-Projektträger haben so die Möglich- keit, wichtige Kompetenzen zu vertiefen, die bei der Projektarbeit helfen können. Durch das gesamte Jahr 2022 begleitet EPALE Deutschland das Thema Nachhal- tigkeit. Dieses umfasst die Bereiche Klima und Umwelt, Ökobilanz der Weiterbildung sowie Green Erasmus. Gemeinsam mit der EPALE-Community wollen wir Angebote und gute Praktiken der Erwachsenenbildung im Bereich der Umweltbildung kennenlernen und auch darauf schauen, wie Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung das Thema Nachhaltigkeit in ihren Institutionen selbst leben und umsetzen. 1. Quartal: Life Skills und Kompetenzerwerb Mit Blick auf eine sich wandelnde Welt, stellen Life Skills wichtige Kompetenzen und Fertigkeiten dar, die eine aktive Teilha- be an der Gesellschaft ermöglichen. Es han- delt sich dabei um Kompetenzen, die dazu beitragen, die individuelle Lebensqualität zu erhöhen und die positive Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes haben.1 Der Fokus lag darauf, gemeinsam mit der EPALE-Community zu entdecken, wie ver- schiedene Projekte die unterschiedlichen Life Skills in ihrer Projektarbeit aufgreifen, welche Rolle Life Skills auf europäischer Ebene spielen und wie diese Kompetenzen und Fertigkeiten im lebenslangen Lernen erworben und vermittelt werden. Hierzu fand Mitte März eine Themenwoche statt. Weiterhin wurde im Rahmen der EPALE Akademie ein Workshop zum Europäischen Rahmen für persönliche, soziale und lern- bezogene Schlüsselkompetenzen (Life- Comp) angeboten. Durch die angebotenen Workshops zu den Themenschwerpunkten werden neue Kenntnisse vermittelt sowie der aktive Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden gefördert. 2. Quartal: Stadt und Land Während es in Städten und Ballungszentren breitgefächerte Bildungsangebote gibt und viele lebenslange Lernmöglichkeiten bereit- gestellt werden, gestaltet sich der Zugang zu passenden Bildungsangeboten in länd- lichen Gegenden oft schwieriger. In diesem Themenquartal möchte EPALE Deutschland sich diesen gegensätzlichen Räumen von Stadt und Land widmen und erkunden, welche innovativen Lösungsan- sätze die Erwachsenenbildung bereithält, um das Lebenslange Lernen in beiden Räu- men zu fördern: Welche Lernangebote und Unterrichtsmodelle gibt es in ländlichen Gebieten und in der Stadt? Wie stärken Initiativen des Lebenslangen Lernens in ruralen und urbanen Räumen die demo- kratischen Strukturen und das zivilgesell- schaftliche Engagement? Was bedeutet nachhaltige Mobilität in der Stadt und auf dem Land? Wie wird politische Bildung dort jeweils vermittelt? 3. Quartal: Wellbeing und Emotionen Wellbeing und Emotionen bilden einen wichtigen Bereich der Erwachsenenbil- dung, denn gesundheitsfördernde Bildung und Lebenslanges Lernen wirken sich po- sitiv auf die Gesundheit und die Lebens- zufriedenheit aus. Aber was bedeutet emotionale Intelligenz überhaupt und wie können Bildungsangebote dazu beitragen, die Lebenszufriedenheit zu erhöhen? In diesem Zusammenhang ist auch die Re- silienz eine Fähigkeit, die vor allem in der Covid-19-Pandemie immer wieder genannt wurde, um in einer sich wandelnden Welt widerstandsfähiger zu sein. In diesem Themenquartal lädt EPALE dazu ein, Projekte und Initiativen der Erwachse- nenbildung kennenzulernen, die sich da- mit befassen, wie die Erwachsenenbildung wichtige Kompetenzen vermitteln kann, die dazu beitragen unser persönliches Wohlbe- finden und somit auch den gesellschaft- lichen Zusammenhalt zu stärken. 4. Quartal: New Learning Unsere Welt befindet sich in einem stän- digen Wandel und dadurch ist auch unsere Lernwelt Transformationsprozessen un- terworfen. Somit müssen das Lehren und Lernen an immer neue Herausforderungen angepasst und innovative Lernkonzepte entworfen werden. Im vierten Quartal des Jahres 2022 liegt der Schwerpunkt daher auf neuen Lehr- und Lernmethoden und da- rauf, wie diese in der Erwachsenenbildung gelebt werden: Welche neuen Lehr- und Lernmethoden gibt es? Wie findet Lernen in Gemeinschaften statt und wie entwickeln sich Lerngemeinschaften in physischen, virtuellen und hybriden Lernräumen? Wie kann durch die Erwachsenenbildung selbst- bestimmtes Lernen in verschiedenen Lern- räumen gefördert werden? Nutzen Sie die Gelegenheit und teilen Sie Ihre Erfahrungen, Ideen und Pro- jekte mit der europäischen Erwachse- nenbildungs-Community! Wie das geht, erfahren Sie hier: https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ willkommen INFO Kontakt: epale@bibb.de EPALE: https://epale.ec.europa.eu/de S 1 Weitere Einblicke ins Thema gibt das Projekt „Life Skills for Europe“: https://eaea.org/project/life-skills-for-europe-lse/ MARLENE RÖDER Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Nationalen Koordinie- rungsstelle EPALE roeder@bibb.de © p riv at Nationale Themenschwerpunkte 2022 https://epale.ec.europa.eu/de/blog/willkommen https://epale.ec.europa.eu/de/blog/willkommen mailto:epale%40bibb.de?subject= https://epale.ec.europa.eu/de mailto:roeder%40bibb.de?subject= 32 33Weitere Bildungsthemen © I jA B, E ur od es k D eu ts ch la nd 32 33 Bildung Für Europa | Juli 2022 m Dezember 2021 wurde vom Rat der Eu- ropäischen Union und vom Europäischen Parlament das Europäische Jahr der Jugend 2022 beschlossen. Die Verantwortlichen haben damit die Hoffnung verbunden, ein Jahr auszurufen, das für junge Menschen und für Jugendorganisationen in Europa einen Aufbruch bedeutet. Mit dem Europäischen Jahr der Jugend soll die junge Generation in Europa besonders gewürdigt werden. Dabei stehen insbeson- dere auch junge Menschen mit geringeren Chancen oder aus benachteiligten Verhält- nissen im Fokus. Junge Menschen sollen nach der Pandemie neue Chancen erhalten und ermutigt werden, sich bürgerschaftlich und politisch zu beteiligen. Ihre Bedürfnisse und Ideen, aber auch die Herausforde- rungen, mit denen sie zu kämpfen haben, sollen in den Mittelpunkt der Aufmerksam- keit gerückt werden – in Europa, auf Bun- desebene und auch vor Ort. Die Möglichkeiten und Themengebiete sind dabei genauso vielfältig wie die Lebensre- alität junger Menschen selbst. So soll das Europäische Jahr auch der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen weitere Impulse verleihen und junge Menschen darin bestärken, sich für einen ökologischen, sozialen und wirt- schaftlichen Wandel in einer grünen, digi- talen und inklusiven Welt zu engagieren. Durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine gibt es darüber hinaus ein weiteres Thema, das sehr aktuell und bedeutsam für junge Menschen ist. Ein Krieg mitten in Europa, unmittelbar an den Grenzen der EU, ist nicht nur für viele junge Menschen, aber gerade für diese Generation, schwer vorstellbar und auch schwer zu verstehen. Und dennoch ist er seit einigen Wochen ein stetiger Begleiter in unserem Alltag. Dieser Krieg stellt viele unserer gemein- samen Werte auf die Probe. Er zeigt aber auch, wie sehr die Menschen in Europa bereit sind, in Krisenzeiten diese Werte zu verteidigen. Wir erleben eine Welle der Solidarität und der Unterstützung. Auch das Europäische Jahr der Jugend wird sich dieser veränderten Situation anpassen. Die Themen Frieden und Sicherheit sowie So- lidarität werden nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa ein wichtiger Be- standteil des Europäischen Jahres sein. Mitmach-Kampagne „Dein Europa - Dein Jahr!“ in Deutschland Sich beteiligen, sich einmischen, sich en- gagieren - das sind nicht nur die Ziele des Europäischen Jahres, das ist auch der Anspruch der jungen Generation an sich selbst. Das Herzstück der Aktivitäten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird daher unsere große Mitmach-Kampagne unter dem Titel „Dein Europa – Dein Jahr!“ sein. Beginnend mit dem Schuman-Tag am 9. Mai sollen bis zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August überall in Deutsch- land kurze Gesprächsformate von jungen Menschen mit Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, in der Schulklasse, im Jugendzentrum oder auf dem Marktplatz stattfinden. Ziel der Kampagne ist es, Entscheidungs- trägerinnen und Entscheidungsträger so- wie die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, was junge Menschen bewegt und welche Meinungen und Ansichten sie zu verschiedenen Themen haben. Die vielfältigen und kreativen Formate, die jun- ge Menschen und Jugendgruppen in den nächsten Monaten initiieren werden, wer- den einen Beitrag dazu leisten, den Ideen der jungen Menschen Sichtbarkeit in die- sem Jahr zu verleihen. Mit den unterschied- lichen Themen und Schwerpunkten wer- den die jungen Menschen dabei selbst ihre Agenda für das Europäische Jahr setzen und zeigen, was ihnen wichtig ist. Denn das ist das Ziel: Nicht über junge Menschen und ihre Bedürfnisse reden, sondern mit ihnen. Nutzen daher auch Sie in Ihren Betrieben und Einrichtungen die Möglichkeit, an der Kampagne „Dein Europa - Dein Jahr!“ teilzunehmen und mit jungen Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern, Auszubildenden oder Praktikantinnen und Praktikanten ins Gespräch zu kommen. INFO Mehr Informationen zum Europäischen Jahr der Jugend 2022 gibt es auf www.ejj2022.de und auf dem Europäischen Jugendportal https://europa.eu/youth/year-of- youth_de „Dein Europa - Dein Jahr!“ Das Europäische Jahr der Jugend 2022 I BETTINA BUNDSZUS Leiterin der Abteilung „Kinder und Jugend“ im Bundesministeri- um für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Nationale Ko- ordinatorin für das Europäische Jahr der Jugend 2022 © p riv at Weitere Bildungsthemen http://www.ejj2022.de https://europa.eu/youth/year-of-youth_de https://europa.eu/youth/year-of-youth_de 34 35Infosplitter Infosplitter Podcast-Serie „Inklusion“ Vor gut einem Jahr hat die NA beim BIBB ihr Angebot auf den Au- dio-Bereich erweitert. Die aktuelle Podcast-Serie fokussiert auf das Erasmus+-Querschnittsthema „In- klusion und Vielfalt“. In drei Folgen haben wir Mobilitäts- und Partner- schaftsprojekte aus der Berufs- und Erwachsenenbildung zu unter- schiedlichen Aspekten des Themas Inklusion interviewt. Wo gelingt die Umsetzung schon und wo sehen unsere Projektträger noch Hürden? Unbedingt reinhören! www.na-bibb.de/podcast- zugang-fuer-alle Fachtagung Inklusion und Diversität Am 9. Juni fand in Frank- furt die Fachtagung "Zugang für alle" statt. Die Veranstaltung im Open-Space-Format bot viel Raum für Austausch. Die Dokumentation ist online verfügbar: www.na-bibb.de/ rueckblick- fachtagung- inklusion Neue Themenseiten auf MeinAuslandspraktikum Auf dem Portal MeinAuslandspraktikum finden Auszubil- dende jetzt Informationen dazu, wie sie trotz einer Behin- derung oder Benachteiligung ins Ausland reisen können. Eine weitere Themenseite gibt Tipps, wie Azubis ihren Auslandsaufenthalt nachhaltig und klimafreundlich gestal- ten können. www.MeinAuslandspraktikum.de/inklusiv www.MeinAuslandspraktikum.de/ klimafreundlich Die neue Programmgeneration ist quadratisch, zumindest was die Infoflyer betrifft. Die ersten zwei Print-Publikationen im neuen CD informieren über die Mobilitätsmaßnahmen in Erasmus+. „Auslandsaufenthalte während der Ausbildung“ richtet sich insbesondere an die Zielgruppe der Berufsschulen, das Pendant in der Erwachsenenbildung informiert allgemein. Im Sinne der Nachhaltigkeit sind beide Flyer auf Recyclingpapier gedruckt. Erasmus+: Infoflyer im neuen Look & Feel © A do be St oc k | B G St oc k7 2 /D av id Pr ad o www.na-bibb.de/ publikationen http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle http://www.na-bibb.de/podcast-zugang-fuer-alle http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.na-bibb.de/rueckblick-fachtagung-inklusion http://www.MeinAuslandspraktikum.de/inklusiv http://www.MeinAuslandspraktikum.de/klimafreundlich http://www.MeinAuslandspraktikum.de/klimafreundlich http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.na-bibb.de/publikationen 34 35 Bildung Für Europa | Juli 2022 Infosplitter Die NA beim BIBB hat einen neuen Film mit Erfahrungsberichten zu Auslandsaufenthalten mit Erasmus+ und AusbildungWeltweit veröffentlicht. In dem Video „Von Hamburg in die Welt“ berich- tet der Ausbildungsleiter des Logistikunternehmens a. hartrodt von dem großen Mehrwert von geförderten Auslandsaufenthal- ten im Rahmen der Ausbildung – sowohl für das Unternehmen als auch für die Auszubildenden. Auch die Auszubildenden be- schreiben, was sie während ihrer Auslandspraktika in Prag, Ant- werpen und Basel erlebt und gelernt haben. Das Video finden Sie unter www.na-bibb.de/mediathek News zum Europass Die Website des Nationalen Europass Cen- ters präsentiert sich in neuem Look und mit überarbeiteten Inhalten. Die Seite in- formiert zum Europass-Portal und den Eu- ropass-Dokumenten und bietet weiterhin Zugang zur Datenbank für den Europass Mobilität. Dort gibt es mit der „Videohilfe“ jetzt einen neuen Bereich mit Erklärvideos. Die Tutori- als erläutern verschiedene Datenbankfunk- tionen und unterstützen beim Beantragen und Ausfüllen der Mobilitätsnachweise. Das Helpcenter enthält Videos u.a. zu The- men wie Signatur und Stempel hochladen, Import von Daten aus dem Mobility Tool oder Kopieren von Inhalten in andere Eu- ropässe. Zudem wurde die Datenbank für den Europass Mobilität im Hinblick auf Bar- rierefreiheit optimiert. www.europass-info.de Das EU-Portal Europass ist jetzt in insgesamt 30 Sprachen verfügbar: Hinzugekommen ist ukrainisch als Sprachversion für das e-Portfolio. Mit der neuen Sprachversion möchte die EU-Kommission ein Angebot schaffen für Menschen aus der Ukraine und ih- nen dabei helfen, ihre Fähigkeiten im Europass-Profil zu dokumentieren, Le- bensläufe zu erstellen und europaweit nach Stellen zu suchen. Forum Berufliche Bildung auf der didacta Bei der diesjährigen Bildungsmesse didacta hat die NA beim BIBB an der Diskussions- runde „Going abroad: Praktische Fragen und viel Service zum internationalen Aus- tausch in der Berufsbildung“ teilgenom- men. Bei dem Forum Berufliche Bildung informierte das Team der NA zu den Mög- lichkeiten der Förderprogramme Erasmus+ und AusbildungWeltweit. Zu den Podiums- gästen gehörte auch ein Auszubildender, der live aus den USA von seinem Auslands- praktikum mit AusbildungWeltweit zuge- schaltet war. Jetzt vormerken: EPALE Community Conference Unter dem Titel „Imagine. Enriching, Sustainible, Inclusive Europe“ findet vom 18. bis 20. Oktober 2022 die EPALE Community Conference statt. Ein spannendes Programm mit Keynotes, Interviews, Gesprächen und Workshops erwartet die Teilnehmenden. Regional sind unterstützende Live-Events in Pla- nung. Seien Sie mit dabei! https://epale.ec.europa.eu/de Deutschland © N N A b ei m B IB B © G oV ET © N A b ei m B IB B Neuer Film zur Auslandsmobilität http://www.na-bibb.de/mediathek http://www.europass-info.de/pm-digital-credentials https://epale.ec.europa.eu/de Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Tel.: 0228 107-1608 Fax: 0228 107-2964 @nabibb_de @EUEB_de @meinauslandspraktikum Aktuelle Ausschreibungstermine Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Erwachsenen- bildung und Jugend 04.10.2022 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Erwachsenen- bildung und Jugend 04.10.2022 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Zentren der beruflichen Exzellenz Innovationsallianzen 07.09.2022 17:00 Uhr 15.09.2022 17:00 Uhr EACEA EACEA EACEA EACEA AusbildungWeltweit (für Aufenthalte zwischen dem 01.02.2023 und dem 31.01.2024) 13.10.2022 12:00 Uhr NA beim BIBB/ AusbildungWeltweit NA beim BIBB/ AusbildungWeltweit Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwachsenen- bildung und Jugend 19.10.2022 jeweils 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (18.07.2022). Alle Angaben ohne Gewähr. www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu http://www.na-bibb.de …