Teilhabe

Teilhabe ist möglich

Veranstaltungen für schwerhörige Menschen barrierefrei planen

01.26.2026

Programm

Partnerschaften

Bildungsbereich

Erwachsenenbildung

Projektnummer

2022-1-DE02-KA210-ADU-000081892

Thema

Teilhabe

Kontakt

Evangelische Schwerhörigenseelsorge in Deutschland e.V.

Das Thema Schwerhörigkeit betrifft einen bedeutenden Teil der europäischen Bevölkerung. Besonders herausfordernd wird die Teilhabe schwerhöriger Menschen in öffentlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen, bei denen akustische Barrieren oft unüberwindbar sind. Das Erasmus+-Projekt „Teilhabe ist möglich – Veranstaltungen für schwerhörige Menschen barrierefrei planen und durchführen“ wurde initiiert, um die bestehenden Lücken in der Teilhabe schwerhöriger Menschen bei Veranstaltungen zu schließen.

Plastik aus Stein mit einem Ohr

Enormer Bedarf in den meisten Veranstaltungssettings

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 20 % der Menschen in Europa von Schwerhörigkeit betroffen. Während in vielen Bereichen des Lebens, wie etwa der Arbeitswelt, erhebliche Fortschritte bei der Integration der Betroffenen gemacht wurden, bleibt die Teilhabe an kulturellen und öffentlichen Veranstaltungen oft noch eine Herausforderung. Besonders die akustischen Anforderungen, die schwerhörige Menschen betreffen, sind in den meisten Veranstaltungssettings noch nicht ausreichend berücksichtigt. Dazu kommt, dass die digitale Transformation mit Formaten wie Video-Konferenzen neue Herausforderungen für diese Zielgruppe mit sich bringt.

Inklusion und transnationale Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Neben der koordinierenden Einrichtung, der „Evangelischen Schwerhörigenseelsorge in Deutschland e. V.“ waren Partnereinrichtungen aus Frankreich, Schweden, Norwegen und Polen beteiligt. Jede Organisation brachte ihre Expertise in spezifischen Bereichen wie Hörsysteme, Akustik, nonverbale Kommunikation und digitale Barrierefreiheit ein. Diese transnationale Zusammenarbeit förderte nicht nur den interkulturellen Austausch, sondern ermöglichte es, eine breite Vielfalt an Lösungen und Perspektiven zu integrieren, die in unterschiedlichen europäischen Kontexten anwendbar sind.

Inklusion nicht nur als Ziel, sondern als gelebte Praxis

Inklusion wurde in diesem Projekt nicht nur thematisiert, sondern praktisch umgesetzt. Die zentrale Projektgruppe selbst war inklusiv zusammengesetzt - 8 Personen, Menschen mit und ohne Hörbeeinträchtigung, zwischen 43 und 85 Jahren alt, haupt- und ehrenamtlich engagiert. Diese Diversität trug maßgeblich zur Entwicklung des Leitfadens bei, da die Mitglieder aus erster Hand ihre Erfahrungen und Bedürfnisse einbrachten. Diese Mischung ermöglichte einen regen Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Die Projektarbeit fand in einer inklusiven und vielfältigen Arbeitsumgebung statt, bei der nicht nur technische, sondern auch soziale und kulturelle Barrieren berücksichtigt wurden. Besonders hervorzuheben ist die barrierefreie Gestaltung der Arbeitstreffen, die durch den Einsatz von Technologien wie Höranlagen (Induktionsanlagen und mobile FM-Anlagen), Speech-to-Text und Live-Online-Mitschriften den Teilnehmenden mit unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wurde.

Schlüssel zur Barrierefreiheit – ein Leitfaden als praktische Hilfe

Hauptergebnis dieser Partnerschaft ist ein Leitfaden für die barrierefreie Planung von Veranstaltungen. Er steht auf Deutsch, Englisch, Französisch, Schwedisch und Polnisch zur Verfügung und bietet praxisnahe Tipps und Lösungsansätze, wie veranstaltende Organisationen schwerhörigen Menschen eine bessere Teilhabe ermöglichen und ihre Angebote barrierefrei planen können. Es werden wichtige Themen wie Raumakustik, die Nutzung von Höranlagen, die Bedeutung nonverbaler Kommunikation und die technischen Anforderungen an Video-Konferenzen behandelt. Zusätzlich zur gedruckten Version wurde der Leitfaden auch in digitaler Form zur Verfügung gestellt, was eine weite Verbreitung und einfache Zugänglichkeit gewährleistet.

Wirkung, die bewegt – Die ersten Erfolge in der Praxis

Die Rückmeldungen aus den teilnehmenden Einrichtungen und den Zielgruppen belegen, dass die erstellten Materialien zur Sensibilisierung für die Bedürfnisse schwerhöriger Menschen beigetragen haben. Veranstaltende in Kirchen und diakonischen Einrichtungen berichten von einer verbesserten Wahrnehmung der Herausforderungen und der praktischen Umsetzung von inklusiven Maßnahmen. Der Leitfaden hat bereits erste Anwendung in der Praxis gefunden und wird weiterhin in verschiedenen europäischen Ländern verbreitet. Gleichzeitig stärkte das Projekt die digitalen Kompetenzen der Beteiligten – vor allem älterer Personen – und machte deutlich, dass Inklusion und Digitalisierung keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig verstärken.

Warum dieses Projekt als Beispiel guter Praxis ausgezeichnet wurde

In der externen Bewertung des Projekts wurde insbesondere die hohe Qualität der Projektumsetzung und die starke Ausrichtung auf Inklusion hervorgehoben. Es wurde als ein hervorragendes Beispiel für die Förderung von Inklusion und die Bewältigung der digitalen Transformation in einem europäischen Kontext anerkannt. Die enge Zusammenarbeit mit einem deutlich spürbaren europäischen Mehrwert, die klare Zielsetzung und die konsequente Berücksichtigung der Bedürfnisse der Zielgruppe wurden als besonders positiv hervorgehoben.

Scroll to top