[…] Impressionen Anja Braune-Unz ist gelernte Keramikerin und hat mit Erasmus+ einen dreimonatigen Aufenthalt in Japan erlebt. Vor Ort durfte sie die traditionelle Bizen-Keramikherstellung hautnah miterleben und nutzte die Gelegenheit, um Land und Leute kennenzulernen. Dabei lernte sie eine ganz neue Seite ihres Berufs kennen und hat Erfahrungen mitgenommen, die sie fachlich wie persönlich sehr bereichert haben. Im Interview erzählt sie, wie es für sie war, in einem Land zu leben und zu arbeiten, dessen Sprache sie nicht spricht und dessen Kultur sie nur vom Hörensagen kannte. Anja, du warst 2025 drei Monate mit Erasmus+ in Japan. Als Töpfergesellin im ersten Jahr nach Ausbildungsabschluss hast du dort die japanische Keramikherstellung hautnah miterleben dürfen. Wie war das für dich – auch im Vergleich zu deiner Arbeit in Deutschland? Es war eine in jeder Hinsicht bereichernde und außergewöhnliche Erfahrung. Die traditionelle Keramik und deren weit zurückreichende Geschichte ist etwas ganz Besonderes in Japan. Ein Unterschied zu der Arbeit in Deutschland ist für mich definitiv die Demut und der Umgang mit dem Material und seine Gewinnung. Während man in Deutschland in aller Regel fertiges Material einkauft, habe ich in Japan beim Abbau des Tons mitgewirkt, welchen wir dann zu Keramik weiterverarbeitet haben. Dieses Vorgehen steigert auf jeden Fall die Wertschätzung vor dem Material, da man es vor der Verarbeitung mit den eigenen Händen aus der Erde gestochen, mit dem Holzhammer zerkleinert, gemahlen und letztlich angemischt hat. Ebenfalls ganz anders war dann auch das Brennen der Keramik im mit Holz betriebenen, traditionellen Anagama-Ofen. Dieser war 20 Meter lang und wurde von Herrn Matsui, meinem Lehrmeister und Gastvater vor Ort, selbst erbaut. Allein das Bestücken und Hochheizen dieses riesigen Ofens auf 1.000 Grad Celsius bedarf eines mehrtägigen, strengen Vorgehens. Bis die Keramikstücke dann tatsächlich fertiggebrannt sind, vergehen insgesamt zwei Wochen und man muss das Feuer durchgängig überwachen und weiter füttern. Auch dabei lernt man viel Geduld und Hingabe für den Prozess, aber auch die Flammenführung ist ein zentrales Thema ebenso wie das Wissen darüber, welche Stücke man wann und wo im Ofen platzieren muss, um verschiedene Brenneffekte zu erzielen. Insgesamt war die Arbeit sehr viel körperlicher als in Deutschland, wo ich die meiste Zeit an der Drehscheibe verbringe. In Japan hingegen haben wir viel mehr mit der Plattentechnik gearbeitet – einer Methode, bei der der Ton durch eine Walze zu dünnen Platten gepresst und anschließend geformt wird. , Gab es trotz dieser vielen Unterschiede auch Gemeinsamkeiten, die du mit Blick auf deine alltägliche Arbeit in Deutschland feststellen konntest? Ganz klar die Liebe zur Keramik! Herr Matsui und ich haben uns sofort verstanden. Bereits am ersten Tag habe ich sofort mit angepackt und Herr Matsui und ich haben den gesamten Tag zusammengearbeitet, ohne wirklich miteinander zu sprechen. Da hat man einfach gespürt, was der nächste Schritt ist und welche Unterstützung er gerade gebrauchen könnte. Das war so eine harmonische, gut funktionierende Zusammenarbeit, obwohl man sich überhaupt nicht kannte, weil einfach die Leidenschaft auf beiden Seiten da war. Das klingt nach einer sehr erfüllenden, aber auch sehr anstrengenden Arbeit. Wie wird das Keramik-Handwerk in Japan gesellschaftlich wahrgenommen? Spürt man dort, dass die harte Arbeit wertgeschätzt wird? Ja, auf jeden Fall! Mein Lehrmeister Herr Matsui präsentiert seine Werke regelmäßig auf Ausstellungen und ich hatte ganz zu Beginn meines dreimonatigen Aufenthalts die Möglichkeit, eine seiner gut besuchten Ausstellungen in Tokyo zu unterstützen. Für den Aufbau, der sowieso schon sehr umfangreich war, hatte Herr Matsui extra eine Ikebana-Meisterin beauftragt, die Keramik-Stücke in absoluter Kleinstarbeit und sehr ästhetisch mit Blumen zu dekorieren. Auch die Art, wie die Stücke angeliefert wurden – nämlich in extra angefertigten Holzschachteln – zeigte mir die extrem hohe Wertschätzung und Hingabe, die Herr Matsui für sein eigenes Handwerk verspürt. Auch die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung zeigten große Begeisterung, Achtung und Respekt beim Betrachten und Erwerben der Stücke, sowie bei den vielen Gesprächen, die sich dabei ergaben. Während ich in Deutschland oft in Gespräche über Preise von handwerklicher und künstlerisch hergestellter Keramik verwickelt werde, so ist das in Japan absolut kein Thema. Der Wert der Keramik, die in Handarbeit entsteht und jedes Stück einzigartig macht, wird nicht infrage gestellt. , Du warst zum Zeitpunkt deines Auslandsaufenthaltes bereits Gesellin und hattest deine Abschlussprüfung gerade hinter dich gebracht. Das heißt, du hast einen Ausbildungsabschluss, theoretisches Wissen und praktische Arbeitserfahrung mitgebracht, als du nach Japan gegangen bist. Hast du dich damit gut vorbereitet gefühlt auf die Arbeit vor Ort, die ja – wie wir gerade gehört haben – doch recht anders war als du es aus Deutschland kanntest? Ja, ich habe mich gut vorbereitet gefühlt und war bereit, Neues zu lernen. Aber in Japan ist das Handwerk der Keramikherstellung hochgeschätzt und hat einen ganz anderen Stand als in Europa. Die Ausbildungsdauer beträgt in Japan ca. sieben Jahre und der ausbildende Meister entscheidet, wann ein Lehrling soweit ist, Keramik selbst herstellen zu dürfen. Lange Traditionen und die speziellen Brenntechniken sind bis heute noch oftmals große Geheimnisse und werden nur bedingt weitergegeben. Sich einfach mal so über die Schulter schauen zu lassen, ist keine wirkliche Option. Wenn man also zu einem „nur” dreimonatigen Praktikum kommen möchte – und dann noch als Ausländerin, Frau und mit einer nur zweijährigen Ausbildung –, dann ist es nicht leicht, jemanden zu finden, der sich darauf einlassen möchte. Mit meinem Grundwissen über die Herstellung der Keramik habe ich mich durchaus genügend vorbereitet gefühlt. Aber meine zwei Jahre Ausbildung scheinen im Vergleich zu der Ausbildungszeit in Japan sehr kurz. Man wird wahrscheinlich nicht als ausgebildete Keramikerin wahrgenommen, eher als Schülerin. Jedes Land hat ja seine ganz eigene Kultur mit gesellschaftlichen Normen und Regeln. So gelten manche Dinge in Japan als gesellschaftlich verpönt, die in Deutschland akzeptiert sind und andersherum. Wie war es für dich persönlich, drei Monate in Japan zu leben und zu arbeiten? Insgesamt ist es mir tatsächlich leicht gefallen loszuziehen. Japan ist ein Land, in dem man sich immer willkommen fühlt. Ich hatte vor Ort das Gefühl, ich wäre schon einmal dort gewesen, obwohl das nicht stimmt. Aus meiner Erfahrung sind die Menschen sehr zugewandt und machen es einem einfach leicht, es ist eine sehr hilfsbereite und dankbare Gesellschaft. Zudem war ich früher mal in der humanitären Hilfe tätig und bin es daher gewohnt, mich in fremde Kulturen einzuleben. Eine ehemalige Kollegin aus dieser Zeit ist Japanerin und war zufällig zur gleichen Zeit auch in Japan, gerade mal eine Stadt weiter. Sie hat mich quasi als ortskundige Dolmetscherin unterstützt und mir viele besondere Orte gezeigt. Aber auch meine Gastfamilie hat mich toll mitgenommen, um mir die Kultur näher zu bringen, z. B. durch gemeinsame Mahlzeiten und Ausflüge. Auch die traditionelle Herstellung von Kimonos in Handarbeit sowie die japanische Teezeremonie durfte ich kennenlernen, was sehr beeindruckend war. So konnte ich viel mehr Eindrücke gewinnen als wäre ich eine einfache Touristin gewesen. Der Alltag in einem anderen Land stellt einen natürlich durchaus vor Herausforderungen, wie zum Beispiel der Gang in den Supermarkt. Dort wurden alle Artikel nur auf japanisch ausgestellt, sodass ich mich mit einer Übersetzer-App anfangs mühsam durch den Supermarkt gearbeitet und nur Lebensmittel gekauft habe, die ich zweifelsfrei identifizieren konnte. Aber auch hier hat mich meine japanische Kollegin unterstützt und ist mit mir gemeinsam einkaufen gegangen, das hat mir sehr geholfen. Neben den Supermärkten fand ich aber besonders die kleinen, familiengeführten Läden faszinierend, die traditionelle, handgemachte Produkte wie Kalligrafiepinsel verkauft haben. , Das klingt nach tollen Erfahrungen! Gab es neben all den tollen Momenten auch Situationen, in denen du überfordert warst oder befürchtet hast, gegen die gesellschaftlichen Verhaltensregeln verstoßen zu haben? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen? Es gab mit Sicherheit viele Momente, in denen ich mich „danebenbenommen“ habe. Aber die Menschen sind in Japan einfach zu freundlich, um es einem zu sagen. Ab und zu konnte ich anhand der Reaktionen der Mitmenschen erkennen, dass ich mich gerade nicht adäquat verhalten habe, aber gesagt hat mir das niemand. Letztlich hat dieser respektvolle Umgang mit mir dazu geführt, dass ich mich nach und nach entspannt habe. Die Freundlichkeit meiner Mitmenschen und das Wissen darüber, dass sie es mir nicht übelnehmen, wenn ich etwas falsch mache, haben den Druck rausgenommen. Japan war aber das erste Land, in das ich gereist bin, bei dem ich im Vorfeld wirklich Angst hatte, etwas falsch zu machen. Daher war es mir auch wichtig, mich gut vorzubereiten. So bin ich bereits im Vorfeld meines Aufenthalts mit meiner Gastfamilie ausführlich in Kontakt getreten. In dem Zuge bat ich meine Gastmutter darum, mir bitte mitzuteilen, wenn ich in ein Fettnäpfchen getreten bin, damit ich daraus lernen kann und niemanden verletze. Aber auch eine umfangreiche Recherche im Vorfeld hat dazu beigetragen, dass ich mich sicherer gefühlt habe. Ich habe zum Beispiel Videos geschaut, in denen die „Do’s & Dont’s“ über das Leben in Japan zusammengefasst waren. Dazu zählt unter anderem die gesellschaftliche Norm, dass in Japan auf offener Straße nicht gegessen wird, beispielsweise während des Sightseeings. Hilfreich war auch dabei wieder meine japanische Kollegin, deren Rat ich gerade zu Beginn meines Aufenthalts schnell per Handy einholen konnte, wenn ich mir unsicher war. Trotz deiner umfassenden Vorbereitung und deiner Kontakte nach Japan: Hattest du Ängste oder Sorgen vor deiner Reise? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen? Ich war zum Glück recht entspannt. Ich habe mich sehr über die Möglichkeit gefreut und wusste, dass ich durch die Erasmus+-Förderung finanziell sehr gut abgesichert bin. Ich habe mir bewusst gemacht, dass ich nicht dabei bin, mein gesamtes Leben nach Japan zu verlagern, sondern nur für eine begrenzte Zeit dort sein werde. Auch die Erkenntnis, dass ich die Reise völlig freiwillig mache und ich durchaus die Möglichkeit habe, die Rahmenbedingungen vor Ort mitzubestimmen und im äußersten Notfall frühzeitig wieder nach Hause kommen zu können, haben mir viel Sicherheit gegeben. Ein wenig Sorge hatte ich vor der Verständigung. Ich hatte im Vorfeld die wichtigsten Floskeln auf Japanisch per Sprachlern-App eingeübt, richtige Sprachkenntnisse brachte ich aber nicht mit. Das hat mich verunsichert, weil ich nicht respektlos gegenüber den Einheimischen wirken wollte. Aber vor Ort hat das alles zum Glück gut funktioniert und meine Nachbarin begrüße mich jeden Morgen sogar auf Englisch mithilfe ihrer Übersetzungs-App. Das wusste ich sehr zu schätzen. , Was möchtest du Menschen mitgeben, die auch die Chance haben, während oder nach der Ausbildung ins Ausland zu gehen, sich aber nicht trauen und sich von ihren Ängsten ausgebremst fühlen? Ich finde die Vorstellung wirklich schade, dass jemand sich wegen Sorgen und Ängsten die Chance entgehen lässt, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Ein bisschen Bauchkribbeln gehört einfach dazu – das hatte ich auch, obwohl ich zuvor schon längere Zeit im Ausland verbringen durfte. So eine Möglichkeit kriegt man später nie wieder geboten, man sollte sie wirklich ergreifen. Die Erfahrungen, die ich vor Ort gemacht habe, kann mir niemand mehr nehmen. Ich habe nicht nur beruflich dazugelernt. Ich habe auch das Gefühl – und das signalisieren mir auch meine neu gewonnenen japanischen Freundinnen und Freunde, mit denen ich noch regelmäßigen Kontakt pflege –, dass ich ein zweites Zuhause dazugewonnen habe. Wenn ich ab September die Meisterschule besuche, habe ich vor, ein weiteres Auslandspraktikum zu machen. Wenn das nur halb so schön wird wie das Praktikum in Japan, bin ich einfach froh. Ich bin absolut begeistert und würde es jederzeit wieder machen – gerade auch einen solch langen Aufenthalt. Zu sehen, dass nun andere Gesell/-innen eine ähnliche Reise antreten wie ich, freut mich wirklich sehr. Das Interview führte Nicole von dem Bach (NA beim BIBB). , Gut zu wissen: Mit der „internationalen Dimension” ermöglicht das europäische Förderprogramm Erasmus+ in einem geringen Umfang auch außereuropäische Lernaufenthalte in der Berufsbildung. Daneben bietet das BMBFSFJ-Förderprogramm AusbildungWeltweit finanzielle Unterstützung für weltweite und praxisorientierte Auslandsaufenthalte während der Berufsausbildung. Zu den Förderinformationen: Erasmus+ AusbildungWeltweit …
[…] - Bildung für Europa 42 Juli 2026 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung Werte, die Europa verbinden 12 Teilnehmende zu euro päischen Werten 21 Interview zu Future Skills 28 Trends bei AusbildungWeltweit 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de LinkedIn: Nationale Agentur Bildung für Europa Verantwortlich: Berthold Hübers Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 30.04.2026 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 5.500 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Druckerei Kriechbaumer Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus SuperWhite FSC-, EU Ecolabel zertifiziert Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5): - Davide Angelini & Bogdan/AdobeStock (S. 1); Gorodenkov, tamani C /Ado beStock; ZLB, NA beim BIBB (S. 5). - Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. - - - ISSN 1616-5837 - Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de 2 Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. - Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: - Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. : AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de 2 3 Bildung für Europa | Juli 2026 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, Europa ist ein Friedensprojekt. Nach den Erfahrungen von Krieg und Zerstörung entstand die Europäische Union aus der Überzeugung, dass Frieden, Freiheit und Wohlstand nur durch Zusammenarbeit dauerhaft gesichert werden können. Dieses gemeinsame Funda ment prägt die europäische Einigung bis heute. - Während der Vertrag von Maastricht 1993 die gemeinsamen Werte der Union noch nicht ausdrücklich definierte, wurden sie im Jahr 2000 mit dem Vertrag von Lissabon verbindlich festgeschrieben. Ar tikel 2 des Vertrags über die Europäische Union nennt die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaat lichkeit und die Wahrung der Menschenrechte als grundlegende Werte der Europäischen Union. Ergänzt werden sie durch die Char ta der Grundrechte der Europäischen Union, die ebenfalls im Jahr 2000 verkündet wurde. Gemeinsam bilden sie den normativen Rah men für das Zusammenleben in Europa. - - - - Gerade in einer Zeit, in der demokratische Gesellschaften unter Druck geraten und Kriege die europäische Friedensordnung heraus fordern, wird deutlich, wie wichtig diese Werte sind. Sie sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen vermittelt, erfahren und gelebt werden. - Bildung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Sie fördert kritisches Denken, eröffnet Räume für Begegnung und stärkt die Bereitschaft zur gesellschaftlichen Teilhabe. Das Programm Eras mus+ leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Es bringt Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammen und schafft Gelegenheiten, Europa und seine Werte unmittelbar zu erleben. - Die vorliegende Ausgabe von Bildung für Europa widmet sich des halb dem Schwerpunktthema „Europäische Werte“. Ein einfüh render Beitrag erläutert, was die Europäische Union unter ihren gemeinsamen Werten versteht und welche Bedeutung sie für die - - Bildungszusammenarbeit haben. Drei Beispiele aus Erasmus+ zei gen beispielhaft, wie diese Werte in der Praxis mit Leben gefüllt werden – etwa durch internationale Mobilitäten, interkulturelle Friedensbildung oder die Förderung demokratischer Teilhabe und des europäischen Dialogs. - Darüber hinaus stellen wir aktuelle Ergebnisse des Forschungsnetz werks RIA-AE vor. Die neue Erhebung untersucht die Umsetzung der Erasmus+-Priorität „Teilhabe am demokratischen Leben, ge meinsame Werte und bürgerschaftliches Engagement“ in der Er wachsenenbildung. Die Ergebnisse zeigen, dass Erasmus+ wesent lich dazu beiträgt, europäische Werte, demokratisches Engagement und das Gefühl europäischer Zugehörigkeit zu stärken. - - - - Die Beiträge dieser Ausgabe verdeutlichen, wie europäische Werte im Bildungsalltag erfahrbar werden. Sie zeigen, dass Europa nicht allein durch Verträge zusammengehalten wird, sondern vor allem durch Menschen, die seine Werte teilen und gestalten. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Mit einem herzlichen Gruß aus Bonn Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B Inhalt Nr. 42 | Schwerpunkt Europäische Werte 06 Europäische Werte Was meint die Europäische Union damit? 09 Kompetenzen für eine demokratische Kultur Erziehung zur demokratischen Staatsbürgerschaft und zu Menschenrechten 10 Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung Berufliche Bildung als Ort der Stärkung und des Schutzes demokratischen Zusammenlebens 12 Wie erleben Erasmus+- Teilnehmende europäische Werte Das Abstrakte wird greifbar 14 Wirkung von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Fokus auf demokratische Teilhabe, gemeinsame Werte und bürgerschaftliches Engagement 16 Infografik: „Die Europäische Union und europäische Werte – ein Stimmungsbild“ 18 Good Practice: Europäische Werte vermitteln Berufskolleg in der StädteRegion Aachen setzt auf Entsendungen 19 Good Practice: Brücken bauen für den Frieden Interkulturelle Friedensbildung 20 Good Practice: Unser Land Europa Europa im Gespräch: Ländliche Stimmen werden hörbar 21 „Future Skills als dauerhafter Entwicklungsprozess“ Wissen, Fähigkeiten und Werthaltungen in einer sich schnell wandelnden Welt Erasmus+ 22 Internationalisierung voranbringen – ein Blick in das Netzwerk der Erasmus+-Beraterinnen und -Berater in der Berufsbildung 24 Antragsrunde 2026 Mobilitätsprojekte stärker nachgefragt als je zuvor 25 „Wir wollen von anderen Bibliotheken lernen“ Wie die Erwachsenenbildung von Erasmus+ profitiert Weitere Bildungsthemen 26 Europäische Werte als Kompass Schwerpunkte der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung in Deutschland 28 AusbildungWeltweit - in der betrieblichen Berufsausbildung stark verankert 30 Infosplitter 32 Antragsfristen - - - 06 Wie definiert die EU europäische Werte? „Ein Projekt ‚im Sinne europäischer Werte‘ zu gestalten bedeutet nicht, abstrakte Be griffe zu zitieren. Vielmehr geht es darum, diese Werte in konkrete Projektentschei dungen zu übersetzen und diese erfahrbar zu machen.“ - 10 Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung 14 RIA-AE: neue Wirkungs studie vorgestellt 22 Netzwerk der Erasmus+- Beraterinnen und -Berater 25 Zentral- und Landes bibliothek Berlin zum Nutzen von Erasmus+ 26 Schwerpunkte der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung 6 7 Europäische Werte © T am an i C /p eo pl eI m ag es .c om Was meint die Europäische Union damit? Freiheit & Gleichheit Demokratie menschen rechte - rechts staatlichkeit - 6 7 Bildung für Europa | Juli 2026 W enn im Programm Erasmus+ von „euro päischen Werten“ die Rede ist, handelt es sich nicht um ein vages politisches Schlagwort. Die Werte sind im europä ischen Recht eindeutig definiert. Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union nennt als grundlegende Werte der Euro päischen Union: - - - > Achtung der Menschenwürde > Freiheit > Demokratie > Gleichheit > Rechtsstaatlichkeit > Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Minderheiten Diese Werte gelten als gemeinsames Fun dament der Mitgliedstaaten und bilden den normativen Rahmen für europäische Politik und Zusammenarbeit. - Konkretisiert werden diese Prinzipien durch die Charta der Grundrechte der Europä ischen Union. Sie umfasst eine breite Palet te von Rechten – etwa Gleichbehandlung, Meinungsfreiheit, Schutz vor Diskriminie rung oder das Recht auf Bildung. Euro päische Werte beschreiben damit sowohl grundlegende politische Prinzipien als auch konkrete Rechte, die den Alltag europä ischer Gesellschaften prägen sollen. - - - - - Für die Europäische Union spielt Bil dung eine zentrale Rolle bei der Ver mittlung dieser Werte. - - Dem Programm Erasmus+ kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, indem die dafür not wendigen Kompetenzen gestärkt werden sollen. Es bringt Menschen aus ganz Europa zusammen, fördert Austausch und eröffnet neue Perspektiven, so dass sich hier viele Möglichkeiten bieten. - Mehr als ein Häkchen im Erasmus+- Antrag Wer einen Antrag im Programm Erasmus+ stellt, muss bestätigen, dass das Projekt im Einklang mit den europäischen Werten steht. Doch was bedeutet dieses Bekenntnis in der Praxis? Zunächst ist es eine rechtliche und programmatische Verpflichtung. Der Programmleitfaden macht deutlich, dass alle Aktivitäten im Rahmen von Erasmus+ die Werte der EU einhalten müssen und diese möglichst auch vermitteln sollen. Projekte dürfen also beispielsweise keine Diskrimi nierung zulassen, keine demokratischen Grundprinzipien infrage stellen und müssen die Rechte aller Teilnehmenden gleicherma ßen achten. - - Gleichzeitig ist das Bekenntnis zu europä ischen Werten auch eine inhaltliche Erwar tung an die Projektumsetzung: Entspre chend dem Programmleitfaden sind sie im Querschnittsthema „Teilhabe und zivilgesell schaftliches Engagement“ explizit verankert und somit müssen alle Projekte dazu beitra gen, diese aktiv zu stärken. - - - - - Wie sich europäische Werte in Pro jekten umsetzen lassen - Ein Projekt „im Sinne europäischer Werte“ zu gestalten bedeutet nicht, abstrakte Begriffe zu zitieren. Vielmehr geht es darum, diese Werte in konkrete Projektentscheidungen zu übersetzen und diese erfahrbar zu machen. Gleichheit und Inklusion leben Der Wert der Gleichheit bedeutet in Eras mus+-Projekten, alle im Blick zu haben, die an den Bildungsmöglichkeiten im Projekt und darüber hinaus teilhaben können; ge zielt werden dabei Menschen mit geringeren Chancen angesprochen. Es geht darum, unterschiedliche Ausgangsbedingungen mitzudenken. Denn Barrieren können viele Formen haben und grundsätzlich jeden Menschen betreffen, etwa durch finanzielle Hürden, eine Behinderung, gesundheitliche Einschränkungen, familiäre Verpflichtungen oder fehlende Zugänge zu Bildung. Eras mus+ setzt genau hier an: Die Projekte sol len so gestaltet sein, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, an Bildung teilzuhaben, internationale Erfahrungen zu sammeln und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Ein Projekt, das Barrieren erkennt, abbaut und neue Zugänge schafft, setzt den euro päischen Wert der Gleichheit ganz konkret um. In der Praxis können beispielsweise ge - - - - - - zielte Unterstützungsmaßnahmen wie eine spezielle Begleitung vor Ort, eine Vor- und Nachbereitung, die Barrieren abbaut und die Rahmenbedingungen des Auslands aufenthalts entsprechend der Unterstüt zungsbedarfe gestaltet, angeboten werden. Darüber hinaus können flexible Teilnahme formate, z. B. hybride Angebote, geschaffen werden, um möglichst vielen Menschen die Mitwirkung zu ermöglichen. - - - Menschenwürde achten Projekte müssen sicherstellen, dass alle Teilnehmenden respektvoll behandelt und ihre individuellen Bedürfnisse berück sichtigt werden. Dies kann etwa durch die Entwicklung eines Verhaltenskodexes für alle Projektbeteiligten geschehen, der re spektvolle Kommunikation und den Schutz persönlicher Grenzen verbindlich festlegt. Ergänzend können feste Ansprechpersonen für Konfliktfälle benannt werden, um einen geschützten Raum für Rückmeldungen und Unterstützung zu gewährleisten. - - Freiheit ermöglichen und von dieser profitieren Die europäische Freiheit zeigt sich beson ders in der Reisefreiheit innerhalb der EU – einer zentralen Voraussetzung für Erasmus+. Sie ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, grenzüberschreitend zu lernen, zu leben und zu arbeiten. Erasmus+ stärkt durch Austausch und Bildung den europäischen Zusammenhalt. Die Möglichkeit, sich frei zu entfalten und Chancen in anderen Ländern wahrzunehmen, ist dabei nicht nur ein in dividuelles Recht, sondern auch ein wesent licher Baustein für ein stabiles, friedliches und solidarisches Europa. Freiheit zeigt sich im Bildungskontext zudem durch selbstbe stimmtes Lernen und die freie Meinungsäu ßerung. Teilnehmende können aktiv an der Auswahl von Themen oder Lernformaten beteiligt werden, etwa durch offene Work shopformate oder partizipative Programm gestaltung. Dadurch entsteht ein Lernum feld, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und individuelle Interessen stärker berücksichtigt sind. - - - - - - - - Demokratie im Projekt erfahrbar machen Demokratische Prinzipien werden durch Mit bestimmung, Transparenz und Beteiligung umgesetzt. Werden Teilnehmende aktiv in Entscheidungen einbezogen? Haben Partner organisationen gleiche Mitspracherechte? - - Europäische Werte menschen- rechte 8 9 Werden unterschiedliche Perspektiven ge hört? In der Praxis können Entscheidungen beispielsweise gemeinsam in regelmäßigen Abstimmungsrunden mit Teilnehmenden und Partnern getroffen werden, z. B. kann man Lerninhalte und ein Veranstaltungs programm gemeinsam mit der Zielgruppe gestalten. Zusätzlich kann die Moderation dieser Prozesse rotierend vergeben werden, so dass unterschiedliche Personen Verant wortung übernehmen und demokratische Praxis aktiv erfahren. - - - Menschenrechte und Vielfalt respek tieren - Internationale Zusammenarbeit bringt un terschiedliche kulturelle Perspektiven zu sammen. Der Schutz von Menschenrechten umfasst insbesondere den respektvollen Umgang miteinander und die Ablehnung von Diskriminierung. Beispielsweise können im Projekt zielgerichtete Workshops mit den Teilnehmenden dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu stärken. Begleitend können Reflexions formate eingeplant werden, in denen Teil nehmende ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam Lernprozesse sichtbar ma chen. - - - - - Rechtsstaatlichkeit beachten Rechtsstaatlichkeit zeigt sich in transpa renten, nachvollziehbaren und fairen Ver fahren. Die Auswahl von Teilnehmenden für Mobilitäten sollte beispielsweise anhand klar definierter und öffentlich kommuni zierter Kriterien erfolgen. Diese Kriterien sollten dokumentiert und für alle Beteiligten zugänglich sein, um Vertrauen und Nach vollziehbarkeit im Projekt sicherzustellen. - - - - Letztlich gründet das Konzept europäischer Werte auf dem Prinzip der Solidarität – ei ner Solidarität, die es braucht, um ein fried liches, demokratisches und zukunftsfähiges Europa nicht nur zu denken, sondern im All tag immer wieder neu lebendig werden zu lassen. Ein vertiefender Blick in die in diesem Journal vorgestellten Beispiele guter Praxis aus der Berufs- und Erwachsenenbildung zeigt, wie vielfältig und konkret europä ische Werte in der Projektpraxis umgesetzt werden können. Sie machen deutlich, dass die Achtung europäischer Werte – als Teil des Querschnittsthemas Teilhabe und ak tive Bürgerschaft ebenso wie die weiteren Querschnittsthemen Inklusion, Digitalisie rung oder Nachhaltigkeit – kein Selbstzweck ist, sondern aus aktuellen gesellschaftlichen - - - - - - Herausforderungen heraus entstanden ist. Erasmus+ verfolgt damit bewusst einen lö sungsorientierten Ansatz: Projekte sollen nicht nur auf diese Herausforderungen re agieren, sondern aktiv zu ihrer Bewältigung beitragen. - - Themenseite der NA beim BIBB zu Teilhabe und gemeinsamen EU-Werten: www.na-bibb.de/aus-der-praxis/ themen/teilhabe Ziele und Werte der EU auf der Website der Europäischen Union: https://european-union.europa.eu/ principles-countries-history/ principles-and-values/ aims-and-values_de SALTO-Ressourcencentrum: www.salto-youth.net/rc/particiaption Freies Online-Werte-Lexikon der Values Academy als fundiertes Nachschlagewerk für alle wichtigen Begriffe im Zusammen hang mit Werten: - www.values-academy.de/ werte-lexikon/ ANKE DREESBACH Mitarbeiterin im Team „Erwachse nenbildung: Erasmus+ Lernmobilität, Agenda“ in der NA beim BIBB dreesbach@bibb.de FREDERIK HUGO Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team "Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB hugo@bibb.de - - - Europäische Werte TORSTEN SCHNEIDER Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung: Eras mus+ Kooperationsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB torsten.schneider@bibb.de KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationali sierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/aus-der-praxis/themen/teilhabe https://european-union.europa.eu/principles-countries-history/principles-and-values/aims-and-values_de https://www.salto-youth.net/rc/participation/ http://www.values-academy.de/werte-lexikon/ mailto:dreesbach@bibb.de mailto:torsten.schneider@bibb.de mailto:hugo@bibb.de mailto:wilkens@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | Juli 2026 - - - - - - - - - - - - Kompetenzen für eine demokratische Kultur Erziehung zur demokratischen Staatsbürger schaft und zu Menschenrechten - D ie Menschen in Europa sehen sich derzeit verstärkt mit Umbrüchen, Un sicherheiten sowie zunehmender Po larisierung und Hass konfrontiert. Es gibt Tendenzen, Unterschiede nicht als bereichernd, sondern als trennend wahrzunehmen und das demokra tische Modell zu hinterfragen. Wie kann Bildung mit dieser Herausforde rung umgehen? Welche Kompetenzen benötigen die Menschen, um sich als demokratische und interkulturell kom petente Bürgerinnen und Bürger zu betätigen? Der Europarat als Europas führende Orga nisation für Menschenrechte hat 2016 ein konzeptuelles Modell der für eine demokra tische Kultur und interkulturellen Dialog er forderlichen Kompetenzen entwickelt. Das Modell ist das Ergebnis intensiver Arbeit über zwei Jahre und wurde in einer inter nationalen Konsultation mit Pädagoginnen und Pädagogen verfeinert. Das Modell um fasst insgesamt 20 Kompetenzen. Europäische Werte - - - - - - - - - - - - - - - - - KOMPETENZ WERTE Wertschätzung der Menschen würde und Menschenrechte Wertschätzung kultureller Diversität Wertschätzung von Demokra tie, Gerechtigkeit, Fairness, Gleich berechtigung und Rechtsstaat lichkeit HALTUNGEN Aufgeschlossenheit gegenüber kultureller Diversität und unter schiedlichen Überzeugungen, Weltanschauungen und Prak tiken Respekt Gemeinwohlorientierung Verantwortung Selbstwirksamkeit Ambiguitätstoleranz WISSEN UND KRITISCHES VERSTEHEN Wissen und kritisches Selbst verstehen Wissen und kritische Bewer tung von Sprache und Kom munikation Wissen und kritisches Verste hen der Welt: Politik, Rechte, Menschenrechte, Kultur, Kul turen, Religionen, Geschichte, Medien, Wirtschaft, Umwelt und Nachhaltigkeit FÄHIGKEITERN UND FERTIGKEITEN Fähigkeiten und Fertigkeiten (F&F) zu selbstständigem Ler nen F&F zu analytischem und kri tischem Denken F&F des Zuhörens und Beo bachtens Empathie Flexibilität und Anpassungsfä higkeit Sprach- und Kommunikations fähigkeiten und Mehrsprachig keit F&F zur Kooperation Konfliktlösungsfähigkeiten © Europarat, 2016, https://www.coe.int/en/web/reference-framework-of- competences-for-democratic-culture/rfcdc-volumes Nähere Erläuterungen zur Erarbeitung des Modells und den einzelnen Kompetenzen finden sich im „Referenzrahmen: Kompe tenzen für eine demokratische Kultur“, der unter https://www.coe.int/en/web/ refrence-framework-of-competences- for-democratic-culture/rfcdc-volumes im englischen Original und weiteren Spra chen abrufbar ist. https://www.coe.int/en/web/refrence-framework-of-competences-for-democratic-culture/rfcdc-volumes https://www.coe.int/en/web/reference-framework-of-competences-for-democratic-culture/rfcdc-volumes https://www.coe.int/en/web/reference-framework-of-competences-for-democratic-culture/rfcdc-volumes 10 11 © d ea gr ee z/ A do be St oc k Lernprozesse integriert werden, müs- sen eine Vielzahl rechtlicher, technischer und organisatorischer Anforderungen umgesetzt werden. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - © G or od en ko v/ A do be St oc k Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung Berufliche Bildung als Ort der Stärkung und des Schutzes demokratischen Zusammenlebens D ie Fachstelle Demokratie in der beruf lichen Bildung widmet sich der Vernet zung der Akteure und Akteurinnen im Bereich Demokratieförderung, verbrei tet Expertisen und bietet innovative Formate zur Stärkung demokratiere levanter Strukturen im Übergangsbe reich, in Ausbildung und Arbeitswelt. Ausgangslage Während die Arbeits- und Lebenswelt in Fol ge des demografischen Wandels, der Digita lisierung und Dekarbonisierung umfassende Transformationsprozesse erlebt, gewinnen zeitgleich zu folgenschweren Kriegen, wie dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine, antidemokratische Bewegungen in Europa und vielen Teilen der Welt an Einfluss. Diskri minierungen, gesellschaftliche Fragmentie rung und Spaltung nehmen zu. Gleichzeitig erfordert diese komplexer werdende Welt resiliente, kreative und engagierte Men schen. In dieser Ausgangslage bietet die be rufliche Bildung als Anknüpfungspunkt der Demokratieförderung und zur Bearbeitung gesellschaftlicher Herausforderungen ein be sonderes Potenzial: Sie erreicht eine Vielzahl an jungen Auszubildenden sowie Ausbilder und Ausbilderinnen, Lehrkräfte und weitere Zielgruppen in Betrieben und Berufsschulen. Selbstverständnis der Fachstelle Die Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung – insbesondere im Übergangsbe reich, unterstützt die Entwicklung der beruf lichen Bildung als Ort der Stärkung und des Schutzes demokratischen Zusammenlebens. In diesem Prozess knüpft die Fachstelle an die strukturellen Ebenen der beruflichen Bil dung an, um ihre Zielvorstellungen, Arbeits weisen und Organisationskulturen weiter auf Aspekte der Demokratieförderung auszurich ten. Sie strebt an, das Bewusstsein für Zu sammenhänge von Demokratie, beruflicher Bildung und Arbeitswelt nachhaltig zu för dern und innovative Konzepte und Ansätze zu etablieren. Gefördert wird die Fachstelle von der Robert Bosch Stiftung. Aktivitäten zur Stärkung der Demo kratie Im Rahmen verschiedener Netzwerkaktivi täten werden Initiativen der Demokratie förderung begleitet und Steuerungsebenen der beruflichen Bildung adressiert. In Zu sammenarbeit mit Ministerien, Verwal tungen und weiteren Akteuren der beruf lichen Bildung unterstützt sie Formate zur Entwicklung von Strukturen und Inhalten. Zusätzlich verbreitet die Fachstelle Experti sen, u.a. in Form von Handlungsempfeh lungen und Beispielen Guter Praxis. Darü ber hinaus begleitet sie innovative Formate, wie modellhafte Prozessbegleitungen an relevanten Anknüpfungspunkten der beruf lichen Bildung oder Arbeitskreise mit Mul tiplikatoren und Multiplikatorinnen aus der Praxis. Fokus: Übergangsbereich Ein besonderer Fokus der Fachstelle liegt auf dem Übergangsbereich, der eine häufig übersehene Bildungserfahrung, aber ent scheidende Phase zwischen Schule, Ausbil dung und Arbeitswelt darstellt. Aufbauend auf Erfahrungen aus dem Projekt „Demo kratieförderung im Übergangssysstem 10 11 Bildung für Europa | Juli 2026 Europäische Werte (DÜS)“ knüpft die Fachstelle an diesen Bil dungsbereich zur Stärkung von Fragen der Demokratie und Teilhabe an und weitet die dort gesammelten Erfahrungen auf die be rufliche Bildung als Ganzes aus. Durch die Fortführung zahlreicher Kooperationen und der Weiterentwicklung von Analysen und Konzepten stellt der Übergangsbereich wei terhin einen Schwerpunkt der Fachstelle dar. - - - Vorgehen und Analysen der Fachstelle Ein zentraler Baustein in der Arbeit der Fachstelle ist das systematische Einholen von Praxis-Wissen und die Verknüpfung mit theoretischen Grundlagen sowie den wert vollen Wissensbeständen im Feld. Von Inte resse ist beispielsweise, was die Menschen vor Ort beschäftigt: Welche Erfahrungen machen Menschen in der Bearbeitung von Fragen des demokratischen Zusammenle bens? Welche Ansätze funktionieren in der Praxis und lassen sich weitertragen? Aber auch, wie sich Wissen und Erfahrungen aus anderen Feldern mit der beruflichen Bildung verknüpfen lassen und was prak tische Hilfen sein können. In Fachgesprä chen, Workshops und Interviews mit Exper ten und Expertinnen sammelt die Fachstelle Wissen und Erfahrungen aus ausbildenden Betrieben, dem Berufsschulwesen, Berufs verbänden und -kammern und der Zivilge sellschaft. Ziel ist es, Leerstellen zu identi fizieren, Bedarfe klarer zu erkennen und gesellschaftspolitische Fragen gemeinsam mit den Akteuren im Feld weiter voranzu bringen. - - - - - - - - - - Veranstaltungen, Expertisen und Publikationen Auf Basis der Analysen setzt die Fachstel le gezielt Impulse. Dazu gehören Fach veranstaltungen, Austauschformate und Publikationen, die Wissen bündeln und Orientierung geben. Ein Beispiel ist die Fachgesprächsreihe zu aktuellen Fragen der Demokratie, die im Sommer 2025 star tete und auch 2026 wieder stattfindet. In Gesprächen zu den Handlungsfeldern Bil dungsarbeit, Strukturen und Forschung kommen Menschen aus Praxis, Instituti onen und Wissensproduktion zusammen, um gemeinsam zu diskutieren, zu hinterfra gen und neue Perspektiven zu entwickeln. Die Ergebnisse solcher Prozesse werden festgehalten und aufbereitet, etwa in Ana lysen oder Handreichungen. Ziel ist es, vor handenes Wissen zugänglich zu machen, erfolgreiche Praxis hervorzuheben und An regungen für die eigene Arbeit zu geben. - - - - - - - - - Unterstützungsangebote und Anknüpfungspunkte Die Fachstelle versteht sich auch als An sprechpartnerin und Unterstützungshilfe. Sie vernetzt Initiativen, Projekte und Ak teure, die sich mit Fragen der Demokratie in der beruflichen Bildung beschäftigen, und unterstützt beim Aufbau von Koopera tionen. Die Fachstelle bietet Unterstützung bei der Konzeption von Veranstaltungen, bei Analysen, Bildungsangeboten oder Prozessbegleitungen auf unterschiedlichen Steuerungsebenen der beruflichen Bildung an. Sie schafft Räume für Austausch und Zusammenarbeit und hilft dabei, Erfah rungen, Fragen und Lösungsansätze ge meinsam weiterzuentwickeln. - - - - - Kooperationen mit BIBB und bpb Die Fachstelle Demokratie in der beruf lichen Bildung kooperiert mit dem Bundes institut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Das BIBB steht für seine Expertise zur be ruflichen Bildung und bringt insbesondere Erfahrungen aus seiner innovativen Pro jektförderung zu Querschnittsthemen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit in das Projekt ein, die wichtige Voraussetzungen und Erfahrungsräume für die Förderung von Demokratiekompetenzen bilden. Die bpb möchte hingegen ihre Verbindung zur beruflichen Bildung durch Netzwerke weiterentwickeln, um Angebote der poli tischen Bildung in der beruflichen Bildung zu stärken. - - - - - - https://minor-kontor.de/fachstelle- demokratie-in-der-beruflichen- bildung/ Bei Interesse an der laufenden Fachge sprächsreihe zu Fragen der Demokratie in der beruflichen Bildung sowie an weiteren Informationen der Fachstelle kann man sich formlos für den E-Mail-Verteiler anmelden: m.woehlbier@minor-kontor.de - - Moritz Wöhlbier Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung – insbeson dere im Übergangsbereich © M in or P ro je kt ko nt or Tanja Berg Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Minor Projektkontor für Bildung und Forschung, wo sie u.a. das Projekt Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung verantwortet. © M in or P ro je kt ko nt or Meike Weiland Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung 4 „Initiativen für die Berufsbildung“ des BIBB und Geschäftsführerin der Arbeitsge meinschaft Berufliche Bildung e.V. © W ei la nd https://minor-kontor.de/fachstelle-demokratie-in-der-beruflichen-bildung/ mailto:m.woehlbier@minor-kontor.de 12 13Europäische Werte - - - - - - - - - - - - - Wie erleben Erasmus+- Teilnehmende europäische Werte Das Abstrakte wird greifbar Statements aus der Erwachsenenbildung Danyi Shen ist als freier Referent an verschie denen Volkshochschulen in Bayern tätig und führt Integrations- sowie Berufssprachkurse durch. © p riv atI m Februar habe ich mein Klassenzimmer ge gen eine Fortbildung in Lissabon eingetauscht. Auf dem Programm standen KI und ICT-Tools im schülerzentrierten Unterricht. Was zunächst ziemlich technisch klang, wurde vor Ort schnell zu etwas ganz anderem: eine sehr persönliche, inspirierende und zutiefst europäische Erfah rung. Besonders spannend war für mich die Frage, was diese ganzen digitalen Tools im VHS-Alltag bewirken sollen. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Italien, Polen und Estland habe ich verschiedene KI-gestütz te Lernplattformen ausprobiert. Dabei wurde schnell klar: Es geht nicht nur um schickere Präsentationen oder darum, Zeit zu sparen. Im Unterricht stehe ich oft vor der Herausfor derung, Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen mitzu nehmen. In Lissabon habe ich noch einmal neu verstanden, welches Potenzial in digitalen Werkzeugen steckt. Wenn eine KI einem Men schen mit Sprachbarrieren hilft, dem Unterricht zu folgen, oder Jugendlichen mit Förderbedarf den Zugang erleichtert, ist das echte Inklusion. Es geht darum, dass niemand außen vor bleibt. Teilhabe und Menschenwürde wurden plötz lich ganz praktisch erlebbar. Ein Thema, das mich besonders beschäftigt hat, war die Frage nach Medienkompetenz. Wir haben intensiv darüber gesprochen, wie KI Informationen auswählt und gewichtet. Wenn wir unsere Lernenden dazu befähigen, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, leisten wir mehr als nur Technikunterricht, wir stärken ihre demokratische Haltung. Denn eine funktio nierende Demokratie braucht Menschen, die Informationen prüfen, unterschiedliche Pers pektiven erkennen und sich nicht einfach von Algorithmen leiten lassen. In diesem Sinne ist moderner ICT-Unterricht auch immer ein Stück Demokratiebildung. Was nehme ich aus dieser Woche mit? Natür lich viele neue Ideen und Tools – aber vor allem das Gefühl von echter europäischer Verbun denheit. Es ist ein großes Privileg, sich so un kompliziert mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa austauschen zu können. Marlene Pohl ist Dozentin an der Volkshochschule Cham. p riv at © Ü ber den Bayerischen Volkshochschulver band hatte ich die Möglichkeit, im Rah men von Erasmus+ in Helsinki an dem Kurs „Nordic Education Excellence Unveiled“ teilzunehmen. Der direkte Austausch mit Teilnehmenden aus verschiedenen europä ischen Ländern sowie, ganz allgemein, mit Menschen in Finnland machte deutlich, wie selbstverständlich der europäische Gedan ke von Zusammenarbeit und gegenseitigem Respekt im Bildungsbereich verankert ist. In Gesprächen und Diskussionen zeigte sich, dass unterschiedliche Meinungen und Perspektiven offen eingebracht und ernst genommen werden. Gerade dieser respekt volle Umgang miteinander verdeutlicht, wie eng die europäischen Länder in vielen Be reichen bereits zusammenarbeiten. - - - - Der Austausch mit Menschen aus unter schiedlichen kulturellen und beruflichen Kontexten eröffnet vor allem aber auch neue Blickwinkel und bietet die Möglich keit, eigene Sichtweisen zu hinterfragen. Programme wie Erasmus+ leisten hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie unkom pliziert Mobilität innerhalb Europas ermög lichen und internationale Zusammenarbeit im Bildungsbereich für alle fördern. - - - - - - - - Reisen, Lernen und fachlicher Austausch in einem anderen europäischen Land erlauben Einblicke in unterschiedliche Bildungssyste me und Arbeitsweisen und tragen dazu bei, die Vielfalt Europas im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar zu machen. Der Mehrwert solcher Programme zeigt sich für mich auch nach der Rückkehr. Erfahrun gen, Eindrücke und neue Ideen werden im beruflichen wie im persönlichen Umfeld weitergegeben und diskutiert. Auf diese Weise wirken die Begegnungen über den eigentlichen Aufenthalt hinaus und tragen langfristig zu gegenseitigem Verständnis und europäischem Zusammenhalt bei. 12 13 Bildung für Europa | Juli 2026 Europäische Werte - - - - Statements aus der Berufsbildung Keno Wernstedt Bankkaufmann, EuroApprentice, aus Braunschweig © p riv atF reiheit und Demokratie bedeuten für mich, meinen ei genen Weg gehen und meine Meinung offen sagen zu können. Durch meine Zeit im Ausland habe ich erlebt, wie wertvoll es ist, in einem Europa zu leben, das genau das ermöglicht. Im Alltag lebe ich das durch Offenheit und echten Austausch mit anderen. Als EuroApprentice motiviere ich junge Menschen, diese Chancen zu nutzen, ihre Stimme einzubringen und Eu ropa aktiv mitzugestalten. - - - - Julia Scheele Industriekauffrau, EuroApprentice, aus Essen © p riv atF ür mich zeigt sich Europa im Alltag: im offenen Austausch, im Zuhören und im Mut, die eigene Meinung einzubringen – getragen von Freiheit, Demo kratie und gegenseitigem Respekt. Während meines Praktikums in Schweden habe ich erlebt, wie bereichernd es ist, Chancen zu ergreifen, Neues zu ent decken und voneinander zu lernen. Als EuroApprentice möchte ich genau das weitertragen: neugierig bleiben, Erfahrungen teilen und andere inspirieren, ihren eigenen Weg über Grenzen hinweg zu gehen. Florentine Majid Kauffrau für Marketingkommunikation, EuroApprentice, aus Reutlingen © p riv atA ls EuroApprentice erlebe ich die europäischen Werte täglich: Das Erasmus+-Programm ermöglicht Auszubil denden unabhängig von Herkunft oder Hintergrund einen Auslandsaufenthalt und gibt uns die Chance, neue Kulturen in Europa kennenzulernen. Jedes Mal, wenn ich andere EuroApprentices treffe, merke ich wieder, wie bereichernd dieser Austausch und wie di vers unser Netzwerk ist. Philip-Alexander Caspers Rechtsanwaltsfachangestellter, EuroApprentice, aus Kiel © p riv atD er wichtigste europäische Grundwert ist für mich die Rechtsstaatlichkeit. Denn nur in einem Rechtsstaat kann man die Rechte (u.a. aus den Grund werten resultierend) und die pluralistische Gesellschaft auch bewahren und verteidigen. Ohne Rechtsstaat ist es leicht, die anderen Grundwerte auszu höhlen – ob beabsichtigt oder nicht. Das kann ich täglich bei meiner Arbeit als Rechtsanwaltsfachangestellter erleben. Als EuroApprentice versuche ich daher, auch für abweichende Auffassungen und Meinungen Akzeptanz zu erreichen – denn nur so kann das Miteinander funktionieren. 14 15Europäische Werte Wirkung von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Fokus auf demokratische Teilhabe, ge meinsame Werte und bürgerschaftliches Engagement - U m die Wirkung von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung sowohl national als auch europäisch systematischer zu erforschen, koordiniert die NA beim BIBB seit 2022 das transnatio nale Forschungsnetzwerk RIA-AE (Re search-based Impact Analysis of Eras mus+ Adult Education Programmes). Das Netzwerk umfasst mittlerweile 21 Partnerländer aus ganz Europa und untersucht, wie sich Erasmus+-Akti vitäten auf Lernende, Mitarbeitende und Einrichtungen in der Erwachse nenbildung auswirken. - - - - - Die Forschung wird in zweijährigen Ab ständen durchgeführt, wobei sich jede Er hebungsrunde auf spezifische thematische Prioritäten und neue Trends in der Erwach senenbildung konzentriert. 2025/2026 führte das Netzwerk erfolgreich seine zwei te Datenerhebung durch. Der thematische Schwerpunkt dieser Erhebungsrunde lag auf der Erasmus+-Priorität „Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Wer te und bürgerschaftliches Engagement“. Die Erhebung wurde in allen RIA-AE-Part nerländern durchgeführt. Die Ergebnisse werden in einzelnen nationalen Berichten zusammengefasst. Die nationalen Berichte bilden im Anschluss die Datengrundlage für einen gemeinsamen europäischen Bericht. Die Ergebnisse der deutschen, nationalen Erhebung liegen bereits vor. Nachfolgend fassen wir die zentralen Erkenntnisse zum Themenschwerpunkt zusammen. - - - - - - - - - - - - - Abbildung 1: Ziele der Projekte, die ein oder mehrere Elemente der Priorität „Teilhabe am demokratischen Leben, ge meinsame Werte und bürgerschaftliches Engagement" adressiert haben - Entwicklung von Initiativen zum öffentlichen Dialog mit loka len, nationalen und europäischen Behörden - 19% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% Förderung des nachbarschaftlichen Engagements 26% Förderung der demokratischen Teilhabe und der Bürgerrechte 26% Entwicklung von Projekten zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements oder zur Interessensvertretung 32% Schaffung eines Gefühls der europäischen Identität und Zugehörigkeit 36% Aufbau und Pflege der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen 38% Förderung von kritischem Denken, Medienkompetenz und gesellschaftspolitischem Verständnis 53% Förderung des bürgerschaftlichen Engagements der Lernenden 56% Förderung gemeinsamer europäischer Werte 58% Stärkung der europäischen Dimension der Einrichtung 60% Häufigkeit der Priorität in Anträgen ausgewertet Die Studie hat analysiert, wie viele Projekte bei Antragstellung einen Themenschwer punkt in der Priorität „Teilhabe am demo kratischen Leben, gemeinsame Werte und bürgerschaftliches Engagement“ gewählt haben. So beziehen sich 13 Prozent der ge förderten Kurzzeitprojekte in der Leitaktion 1 (Mobilität) darauf. 15 Prozent der geför derten Projekte in der Leitaktion 2 (Partner schaften) haben die Priorität als erste Priorität gewählt. Sie ist damit bei den Projekten der Leitaktion 2 die am zweithäufigsten gewähl te Priorität.14 Prozent der Projekte haben sie zudem als eine von zwei weiteren adressier ten Prioritäten gewählt. Das RIA-AE-Netzwerk hat die geförderten Einrichtungen in einer Online-Umfrage ebenfalls dazu befragt, ob ihr Projekt die 14 15 Bildung für Europa | Juli 2026 Europäische Werte Priorität indirekt oder direkt adressiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich ein deutlich größerer Teil der Projekte mit die sen Themen beschäftigt, als es die Anträge vermuten lassen. Dies lässt darauf schließen, dass Erasmus+-Projekte sich auch dann in der Position sehen, zu einzelnen Aspekten der Priorität beizutragen, selbst wenn sie nicht offiziell adressiert wird. So gaben 29 Prozent der befragten Einrichtungen an, dass sich ihr Mobilitätsprojekt direkt mit der Priorität befasst, bei Partnerschaftsprojekten sind es sogar 47 Prozent. Indirekt adressie ren aus beiden Leitaktionen jeweils 29 Pro zent der Projekte die Priorität. Insgesamt befassen sich nur 27 Prozent der befragten Einrichtungen nicht mit diesem Themenfeld. - - - - - - - - - - - - - - - - - * - Abbildung 2: Auswirkungen von Aktivitäten innerhalb der Priorität auf die Mitarbeitenden Werte in % Durch die Teilnahme an Erasmus+ sind unsere Mitarbeitenden besser in der Lage... Stimme voll und ganz zu Stimme zu Stimme eher zu Stimme eher nicht zu Stimme nicht zu Stimme überhaupt nicht zu ...Lernenden dabei zu helfen, die Qualität und Glaubwürdigkeit von Medieninhalten zu analysieren und zu beurteilen. 19 30 22 19 4 5% ...Lernaktivitäten zum Thema Medienkompetenz anzuleiten. 23 32 20 17 5 3% ...die Lerneneden dabei anzuleiten, kleine Gemein schaftsaktion zu konzipieren und durchzuführen, die den lokalen Bedürfnissen entsprechen. 27 30 25 10 4 3% ...durch ihre Lernaktivitäten die Entwicklung der lokalen Gemeinschaft zu fördern. 32 34 24 8 1% 1% ...in ihren Lern- und Lehrtätigkeiten Fragen zu den gemeinsamen europäischen Werten (z. B. Men schenrechte, Demokratie) zu untersuchen. 27 35 24 8 3 2% ...in ihren Lernaktivitäten die gemeinsamen Werte Europas (Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte) zu vermitteln. 30 38 27 4 1% ...Diskussionen zum Thema demokratische Teilhabe in ihren Lernaktivitäten zu leiten. 25 29 28 9 8 2% ...demokratische Prozesse (z. B. Wahlen, Abstim mungen usw.) in ihren Lernaktivitäten zu erklären. 18 24 30 12 11 4% 4 4 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% *) Schwerpunkt auf europäische Werte Innerhalb der Priorität setzen die Projekte unterschiedliche Schwerpunkte (siehe Abbil dung 1). Mit Blick auf das Thema „europä ische Werte“ zeigt sich, dass 58 Prozent der Projekte zum Ziel haben, die gemeinsamen europäischen Werte zu fördern. 36 Prozent der Projekte wollen dazu beitragen, ein Ge fühl der europäischen Identität und Zugehö rigkeit zu schaffen. Zwei Drittel der befragten Einrichtungen ga ben darüber hinaus an, dass ihre Lernenden durch Erasmus+ mehr über Europa, die EU und die europäischen Werte gelernt haben. Über 90 Prozent der Einrichtungen bejah ten zudem, dass der Fokus auf gemeinsame europäische Werte in ihrem Lernangebot gestärkt wurde. Und noch einmal mehr Einrichtungen stimmten voll und ganz bis eher zu, dass ihre Mitarbeitenden durch Erasmus+ besser in der Lage seien, in ihren Lernaktivitäten die gemeinsamen Werte der EU zu vermitteln. Abbildung 2 zeigt, dass die Mitarbeitenden darüber hinaus weitere Kompetenzen im Bereich der Vermittlung von Fähigkeiten der demokratischen Teil habe erlangen. In Interviews mit Lernenden wurde in der Studie zudem beobachtet, dass Erasmus+-Auslandsaufenthalte für Lernende in der Erwachsenenbildung Wirkung auf die Reflexion über Werte und Ziele der EU, auf die Kenntnisse über die Institutionen der EU sowie auf ein aktives Engagement zur Förderung der europäischen Integration haben. Die Fallstudien und offenen Antwor ten der Online-Umfrage zeigten außerdem, dass Mobilitätsaktivitäten bei Lernenden das Gefühl europäischer Zugehörigkeit und die Verbundenheit mit europäischen Wer ten verstärken. In einigen Fällen wurde berichtet, wie das Bild der EU durch Eras mus+ positiv beeinflusst wird: „Erwachsene Lernende aus einem Alphabetisierungskurs konnten durch Erasmus+ erfahren, dass die EU auch für sie da ist. Durch den Aus tausch mit anderen Lernenden in der auf nehmenden Einrichtung entstand eine neue Offenheit für europäisches Miteinander.” Die einzelnen nationalen Berichte sowie den europäischen Bericht finden Sie unter: www.ria-ae.eu Tanja Möller Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Lernmobilität und Europäische Agenda für Erwachsenenbildung“ in der NA beim BIBB tanja.moeller@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.ria-ae.eu mailto:tanja.moeller@bibb.de 16 17 DE EU DE EU DE EU DE EU > - Die Europäische Union und europäische Werte Ein Stimmungsbild auf Basis von ausgewählten Statistiken Was denken die Europäerinnen und Europäer? Welche Werte haben sie und wie stehen sie zur Europäischen Union? Antworten darauf liefert u.a. das Eurobarometer. Dieses Umfrageinstrument wurde 1974 von der EU-Kommission gestartet. Es erscheint seitdem regelmäßig und wurde erweitert, z.B. durch Umfragen zu spezifischen Themen oder von weiteren EU-Einrichtungen. Wir haben einige interessante Er gebnisse aus dem Frühjahr 2026 und dem Jahr 2025 ausgewählt. Vollständige Daten sowie Details zu den Umfragen (Methode, Zeitraum, Datenbasis) können auf https://europa.eu/eurobarometer/screen/home abgerufen werden. - 82% 82% 64.35.1| 64.33.382.18.0 | 82.17.1 62.36.2 | 63.34.3|64.35.1| 64.33.382.18.0 | 82.17.1 62.36.2 | 63.34.3|64.35.1| 64.33.382.18.0 | 82.17.1 62.36.2 | 63.34.3| G5: 48.36.16.0| 45.35.19.1G4: 81.19 | 75.25 G6: 51.43.6 | 51.43.6 G5: 48.36.16.0| 45.35.19.1G4: 81.19 | 75.25 G6: 51.43.6 | 51.43.6 DE DE DE EU EU EU 01_Gibt es eine europäische „Identität“? Mehr als 60 Prozent der Befragten fühlen sich in Europa durch Gemein samkeiten verbunden. Das Meinungsbild der Deutschen entspricht fast dem für die EU als Gesamtheit. Die Menschen haben viele Gemeinsamkeiten … ...in unserem Land ...in der EU ...in Europa DE EU DE EU DE EU 62% 63% 81% 75% 48% 45% 51% 51% 64% 64% DE EU DE EU DE EU DE EU DE EU Stimme voll und ganz/eher zu 82 82 64 64 62 63 Stimme eher/überhaupt nicht zu 18 17 35 33 36 34 Weiß nicht 1 1 3 2 3 Quelle: Standard-Eurobarometer 104, Herbst 2025 Fühlen Sie sich als Bürger/Bürgerin der EU? DE EU Ja 81 75 Nein 19 25 Quelle: Standard-Eurobarometer 105, Frühjahr 2026 02_Wie stehen die Bürger/-innen zur EU? Die Mehrheit hat ein positives Bild von der EU und weiterhin hohes Vertrauen. Das Image der EU hat sich gegenüber der Herbstumfrage 2025 leicht verbessert. Ganz allgemein gesprochen, welches Bild ruft die EU bei Ihnen hervor? DE EU Gesamt „positiv“ 48 45 Weder positiv noch negativ 36 35 Gesamt „negativ“ 16 19 Weiß nicht 1 Wie viel Vertrauen haben Sie in die EU? DE EU Eher Vertrauen 51 51 Eher kein Vertrauen 43 43 Weiß nicht 6 6 Quelle: Standard-Eurobarometer 105, Frühjahr 2026 Weitere Statistiken finden Sie unter: https://europa.eu/eurobarometer/screen/home https://europa.eu/eurobarometer/screen/home https://europa.eu/eurobarometer/screen/home 16 17 Bildung für Europa | Juli 2026 03_Welche Bereiche sind wichtig für die Stellung der EU in der Welt? Die EU wird nicht nur als gemeinsamer Wirtschaftsraum gesehen. Die Befragten wünschen sich mehr Sicherheit und Unabhängigkeit, aber auch Bildung und Forschung sowie die EU-Werte sollten weiter forciert werden zur Stärkung der Stellung der EU. Stärkung der Stellung der EU in der Welt Wenn sie an die Zukunft denken, auf welche der folgenden Aspekte sollte sich die EU konzentrieren, um ihre Position in der Welt zu stärken? (max. 3 Antworten, in Prozent) DE EU Verteidigung und Sicherheit 43 40 Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft und Industrie 38 32 Energieunabhängigkeit, -ressourcen und -infrastrukturen 29 29 Bildung und Forschung 27 25 EU-Werte, einschließlich Demokratie und Schutz der Menschrechte 22 21 Landwirtschaft und Ernährungssicherheit 15 21 Klimamaßnahmen und Verringerung von Emissionen 18 19 Auswärtige Beziehungen und Diplomatie 17 17 Demografie, Migration und Alterung der Bevölkerung 13 17 Internationaler Handel 21 16 Technologie und Innovation, einschließlich KI 13 12 Kultur 6 9 Der Euro 8 8 EU-Erweiterung und Beziehungen zu Nachbarstaaten 7 7 Quelle: EP-Herbstumfrage 2025, EB104.2 04_Wie vertraut sind die Menschen mit den Rechtsgrundlagen und den Entscheidungsprozessen der EU? G9: 3.17.40.40.0 | 2.19.39.39.1G8: 15.41.44 | 12.37.51 G9: 3.17.40.40.0 | 2.19.39.39.1G8: 15.41.44 | 12.37.51 15% 12% 3% 2% Obgleich die EU-Charta seit 2009 Teil des EU-Rechts ist, kennt nur eine Minderheit der Deutschen bzw. der Europäer/-innen ihren Inhalt bzw. ihre Bedeutung. Auch bei den Beteiligungsmöglichkeiten für EU-Bürger/-innen besteht noch großer Informationsbedarf. DE EU DE EU DE EU DE EU DE EU DE EU DE EU DE EU Haben Sie jemals von der EU-Char ta der Grundrechte gehört und wissen sie, was sie beinhaltet/ist? - - DE EU Ja und ich weiß, was sie ist 15 12 Ja, aber ich weiß nicht, was sie ist 41 37 Nein 44 51 Q ue lle : E ur ob ar om et er S pe zi al 5 63 “T he C ha rt er f or F un da m en ta l R ig ht s of t he E U ” Wie vertraut sind Sie mit Aktivitäten, bei denen Menschen direkt in Entschei dungsprozesse in der EU einbezogen werden? DE EU Sehr vertraut 3 2 Eher vertraut 17 19 Nicht sehr vertraut 40 39 Überhaupt nicht vertraut 40 39 Weiß nicht 1 Q ue lle : E ur ob ar om et er S pe zi al 5 68 „S ch ut z un d Fö rd er un g de r D em ok ra tie “ D es ig n: b lu eb er ry -s ta rn be rg .d e 18 19 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Europäische Werte vermitteln Berufskolleg in der StädteRegion Aachen setzt auf Entsendungen © H el en S ch af fr at h Das Berufskolleg Simmerath/Stolberg der StädteRegion Aachen setzt seit vielen Jahren europäische Projekte um, seit 2021 mit eigener Akkreditierung. Sowohl im Rahmen der circa 100 Ent sendungen pro Jahr als auch in der re gulären Schularbeit spielen Europa und die gemeinsamen europäischen Werte eine prägende Rolle. Demokratie zum Anfassen Als Europaschule habe Europa im Schulalltag natürlich einen hohen Stellenwert, erläutern Nicole Kupka, Helen Schaffrath und Yvonne Buchenthal, Lehrerinnen und EU-Koordinato rinnen am Berufskolleg. Mittlerweile kommt Europa in der didaktischen Jahresplanung jedes Unterrichtsfachs vor. Europäische Wer te sind stets ein Teil davon und werden kon kret im Unterricht behandelt. So diskutieren Schülerinnen und Schüler u.a. im Rahmen des Politikunterrichts über Meinungsfreiheit und Demokratie und entwickeln gemeinsam Pla kate, die seither im Schulgebäude aushängen. Darüber hinaus werden schulweit Aktionen organisiert, um für die Schüler/-innen europä ische Werte erlebbar zu machen. Im Kontext der Europawahlen wurden lokale Politiker/-in nen aller Parteien zu einer Podiumsdiskussi on eingeladen. In Kooperation mit EUROPE DIRECT Aachen fanden Demokratie-Work shops statt und Wahlen wurden mithilfe des interaktiven Theaters „TakTik“ simuliert. Durch Entsendungen Europa erleben Zur Vorbereitung auf Entsendungen fokussiert sich das Berufskolleg darauf, Ängste abzubau en. „Sprache ist das Werkzeug für Offenheit! Wir bieten als Teil der Vorbereitung Sprach kurse an, z. B. in Spanisch und Türkisch“, er klärt Nicole Kupka. Offenheit heiße auch, Un terschiede zwischen den Ländern als solche anzunehmen und das Positive daraus für sich mitzunehmen. „Durch unsere interkulturelle Vorbereitung merken viele Schülerinnen und Schüler, wie gewinnbringend und schön es sein kann, sich mit anderen Kulturen zu be fassen. Oft kommt dann die Erkenntnis, dass etwas nicht automatisch schlecht ist, nur weil es anders als zu Hause gehandhabt wird“, ergänzt ihre Kollegin, Helene Schaffrath, und fügt hinzu: „Durch die Auslandserfahrung lernt man die europäischen Werte viel mehr zu schätzen und man sieht, dass die Länder durchaus unterschiedlich mit diesen Werten umgehen. Innerhalb Europas gibt es Gemein samkeiten, aber eben auch Unterschiede, die man erst so richtig versteht, wenn man sie erlebt hat.“ Erasmus+ als Türöffner Das Programm macht den entscheidenden Unterschied, wenn es darum geht, europä ische Werte nicht nur theoretisch zu vermit teln, sondern praktisch erlebbar zu machen – und das für alle: „Das Besondere am Eras mus+-Programm ist auf jeden Fall die Möglich keit, dass alle teilhaben können – unabhängig von schulischer Leistung oder finanzieller Situ ation. An unserer Schule gibt es viele Schüle rinnen und Schüler, die ohne Erasmus+ nicht in der Lage wären, an Auslandsaufenthalten teilzunehmen. So haben sie die Möglichkeit, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln, Kon takte zu knüpfen und sich weiterzuentwi ckeln“, resümieren die Lehrerinnen. PROJEKTINFO Projekttitel: Mobilität im Rahmen der Akkreditierung Projektnummer: 2020-1-DE02-KA120-VET-000007783 Laufzeit: 2021 - 2027 Koordinatorin: Yvonne Buchenthal Kontakt: Yvonne.Buchenthal@bk-simmerath- stolberg.de Website: https://www.bksimmerathstolberg.de/ Europäische Werte mailto:Yvonne.Buchenthal%40bk-simmerath-stolberg.de?subject= https://www.bksimmerathstolberg.de/ 18 19 Bildung für Europa | Juli 2026 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Brücken bauen für den Frieden Interkulturelle Friedensbildung © H LA L oh ne Europäische Werte Vor dem Hintergrund von Polykrisen auf vielen Ebenen der Gesellschaft zielt das Projekt „Interkulturelle Friedensbildung an Berufsbildenden Schulen“ darauf ab, Lernenden Strategien bereitzustellen, um ihre Ideen von Frieden in einem interkul turellen Kontext zu verankern und wei terzuentwickeln. Im Vorfeld des Projekts identifizierten die zwei Projektpartner, die Handelslehranstalten (HLA) Lohne und die französische Schule „CaenSup St. Ursule“, eine gemeinsame Herausforderung: eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und Notwendigkeit, junge Erwachsene für demokratische Werte zu sensibilisieren. Da viele Lernende über wenig internationale Erfahrung verfügen, war die zentrale Mo tivation, interkulturelle Friedensbildung fest in beiden Schulen zu verankern, um eine nachhaltige Wirkung zu ermöglichen. Ein besonderes Anliegen war dabei die Ver knüpfung von Frieden mit dem Klimawan del, um die Bedeutung globaler Kooperati on für die Bewältigung ökologischer Krisen aufzuzeigen. Werte mit Erlebnissen verbinden In der Umsetzung wurde dabei auf vielfäl tige partizipative und handlungsorientierte Ansätze gesetzt: Workshops zu interkul tureller Kommunikation und Mediation führten die Lernenden in Techniken wie das „aktive Zuhören“ und die Konfliktana lyse ein. In deutsch-französischen Tandems arbeiteten sie an kreativen Projektergebnis sen wie den „Peace Chairs“ (einem Upcy cling-Projekt) und Graffiti-Kunstwerken zu friedensrelevanten Themen. Darüber hi naus produzierten die Lernenden in medi enpädagogischen Workshops authentische Video-Statements zu Themen wie Gleichbe rechtigung, Diskriminierung und Mobbing. Durch die spielerische Auseinandersetzung setzten sich die Teilnehmenden individuell mit Werten wie Freiheit und Respekt aus einander und entwickelten so eine Haltung zu europäischen Grundwerten. Digitale Austauschformate wie die Plattform Edu maps zur Dokumentation sowie ein pro jektbezogener Instagram-Kanal ergänzten die transnationale Zusammenarbeit. Die teilnehmenden Lernenden im Alter von 17 bis 18 Jahren befanden sich in einer ent scheidenden Phase der persönlichen Wer tebildung. Besonders hervorzuheben war die Auseinandersetzung der Lernenden mit der Gedenkkultur zum „D-Day“ in der Normandie. Durch den Perspektivwechsel lernten sie, kulturelle Unterschiede nicht nur zu bewerten, sondern auch zu verste hen und entwickelten sich dabei zu enga gierten „Botschafter:innen des Friedens“, die Verantwortung für die europäische Ge meinschaft übernehmen wollen. Die Begeisterung für Europa wurde zudem durch den direkten Einblick in die politische Praxis geweckt. So konnten Treffen mit re gionalen Politikerinnen und Politikern sowie einer Europaabgeordneten den Teilneh menden europäische Bürgerschaft als ge lebte Verantwortung im politischen Alltag veranschaulichen. Durch diese Praxisangebote verbesserten die Teilnehmenden nachweislich ihre Fremdsprachenkenntnisse sowie ihre so zialen Kompetenzen, insbesondere Empa thie- und Dialogfähigkeit in internationalen Kontexten. Die neu entstandenen Workshopkonzepte und Materialien zur Friedensbildung wer den nun dauerhaft in den regulären Un terricht integriert und von beiden Schulen gleichermaßen genutzt. Potenziell sind die se Materialien auch für andere Bildungsbe reiche anwendbar. PROJEKTINFO Projekttitel: Interkulturelle Friedensbildung an Berufsbildenden Schulen Projektnummer: 2023-2-DE02-KA210-VET-000176648 Laufzeit: 01.01.2024 - 31.12.2025 Beteiligte Länder: DE, FR Koordinator: Berufsbildende Schulen des Landkreises Vechta Kontakt: Ludger Ester L.ester@hla-lohne.de Website: https://www.hla-lohne.de/ mailto:L.ester@hla-lohne.de https://www.hla-lohne.de/ 20 21 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Unser Land Europa Europa im Gespräch: Ländliche Stimmen werden hörbar © P ro je kt fo to Europäische Werte In vielen ländlichen Regionen Europas fehlt es an Möglichkeiten, sich über europäische Themen auszutauschen oder aktiv an demokratischen Prozes sen teilzunehmen. Das Erasmus+-Pro jekt „Unser Land Europa“ setzte ge nau hier an: Es brachte Menschen aus ländlichen Regionen zusammen, um über europäische Werte, Teilhabe und die Zukunft Europas ins Gespräch zu kommen. Ziel war es, Europa greif barer zu machen und Bürgerinnen und Bürger zur Mitwirkung zu ermutigen. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass viele Menschen zwar Interesse an europäischen Themen haben, sich jedoch oft uninformiert fühlen oder nicht ausreichend eingebunden sind. Besonders in ländlichen Regionen fehlen leicht zugängliche Bildungs- und Austauschfor mate. Das Projekt reagierte darauf mit Ange boten zu Demokratie, Vielfalt und europäischer Identität, die speziell auf die Lebensrealität der Menschen vor Ort zugeschnitten sind. Begegnung und Beteiligung vor Ort Realisiert wurde das Projekt von Partnerorga nisationen aus Deutschland, Bulgarien und Spanien unter der Koordination von BIDA e.V. Kultur und Bildung. Gemeinsam ent wickelten sie Formate, die Begegnung und Austausch ermöglichten. In Workshops, öf fentlichen Diskussionen und internationalen Online-Seminaren setzten sich Teilnehmende mit europäischen Themen, wie beispielsweise die Geschichte, die Werte und die Errungen schaften der EU, auseinander. Mobile Ange bote sorgten dafür, dass auch kleinere und abgelegene Orte erreicht wurden. Zentral war die aktive Beteiligung der Ziel gruppe: Die Teilnehmenden brachten ihre Erfahrungen und Sichtweisen ein und ge stalteten die Diskussionen mit. Die dialog- orientierten Formate stärkten die Einbindung von Menschen, die sonst selten an Bildungs angeboten teilnehmen, und förderten den Austausch über Generationen und Län der hinweg. Ein zentrales Ergebnis ist das „UnsEU Citizens’ Paper", das die Perspektiven und Empfehlungen der beteiligten Bürge rinnen und Bürger bündelt und an europä ische Entscheidungsträgerinnen und -träger weitergegeben wurde. Zudem entstand ein Netzwerk von Organisationen und Engagier ten, das den Austausch über europäische Themen langfristig fortführt. Mehr Wissen, mehr Beteiligung, neue Verbindungen Das Projekt zeigt Wirkung: Teilnehmende ent wickelten ein besseres Verständnis für europä ische Politik. Viele gewannen mehr Vertrauen in europäische Institutionen und eine höhere Bereitschaft zur demokratischen Beteiligung. Gleichzeitig entstanden neue Verbindungen zwischen Menschen aus verschiedenen Regio nen Europas, die den interkulturellen Dialog fördern. Auch in den beteiligten Regionen wurde eu ropäische Teilhabe sichtbarer: Diskussionen über Europa fanden häufiger im Alltag statt und Bürgerinnen und Bürger brachten sich aktiver in gesellschaftliche Debatten ein. Die dabei entstandenen Strukturen und Netz werke wirken über das Projekt hinaus weiter und stärken die Einbindung ländlicher Räume in europäische Diskurse. PROJEKTINFO Projekttitel: Unser Land Europa Projektnummer: 2022-2-DE02-KA210-ADU-000095720 Laufzeit: 01.01.2023 - 30.06.2024 Beteiligte Länder: DE, BU, ES Koordinator: BIDA e.V. Kultur und Bildung Kontakt: bida2010@web.de E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2022-2-DE02-KA210- ADU-000095720 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2022-2-DE02-KA210-ADU-000095720 mailto:bida2010@web.de 20 21 Bildung für Europa | Juli 2026 „Future Skills als dauerhafter Entwicklungsprozess“ Wissen, Fähigkeiten und Werthaltungen in einer sich schnell wandelnden Welt - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Europäische Werte Ein Gespräch mit Danijel Dejanovic, seit 2021 Direktor der Volkshochschu le (vhs) Frankfurt am Main © P et er J ül ic h Herr Dejanovic, warum ist das Thema Future Skills für Sie als vhs Frankfurt wichtig? Dejanovic: Für uns ist das Thema Future Skills von zentraler Bedeutung, weil wir uns als öffentliche Weiterbildungseinrichtung inmitten tiefgreifender gesellschaftlicher, technologischer und kultureller Transforma tionsprozesse verstehen. Dabei geht es nicht nur um Fachwissen, sondern vor allem um Kompetenzen, die Menschen benötigen, um mit Komplexität, Wandel und Unsicher heit umgehen zu können. Genau hier setzen die Future Skills an. Das ist so tiefgreifend, dass es gar nicht anders geht. Vor diesem Hintergrund ist es unsere Aufgabe, als vhs in einen Entwicklungsprozess zu gehen. Dabei ist das Thema kein kurzfristiger Trend, sondern eine strategische Aufgabe. Wir haben Future Skills als pädagogisches stra tegisches Ziel im Rahmen unseres Qualitäts managements definiert. In diesem System legen wir alle vier Jahre zentrale Entwick lungsziele fest – das Thema Future Skills ge hört zu diesen prioritären Zielen. Wie wird es bisher an Ihrer Volks hochschule gelebt? Dejanovic: Ganz praktisch haben wir im Programm Herbst/Winter 2025/2026 Future Skills als ein Schwerpunktthema gesetzt. Dazu gehört bei uns immer auch eine große öffentliche Auftaktveranstaltung. Diese trug den Titel „Level Up – mit Future Skills in die Zukunft“. Dort haben wir das Thema aus un terschiedlichen Perspektiven beleuchtet und erlebbar gemacht – etwa durch Podiums diskussionen, Workshops und verschiedene praktische Zugänge. Inhaltlich ging es uns dabei um Orientierung, Handlungsfähigkeit und die Fähigkeit, Zukunft aktiv zu gestal ten, also um die Frage: Was brauchen wir, um in einer sich immer schneller drehenden Welt den Controller nicht aus der Hand zu geben? Das können Kompetenzen in Kommunika tion oder Künstlicher Intelligenz (KI) sein, aber auch gesellschaftliche und demokra tische Kompetenzen, kritisches Denken und der Umgang mit Emotionen. Wir wollten zeigen, dass Future Skills kein isoliertes The ma sind, sondern viele Lebens- und Lernbe reiche betreffen. Deshalb haben wir sie nicht nur programmatisch behandelt, sondern auch institutionell verankert, zum Beispiel über Fortbildungen für pädagogische Mit arbeiterinnen und Mitarbeiter, eine päda gogische Gesamtkonferenz zum Thema und strategische Diskussionen über Organisati onsentwicklung. Wie sehen denn konkrete Bildungsan gebote zu Future Skills aus? Dejanovic: Wir bieten natürlich keine Kurse mit dem Titel „Future Skills“ an – das würde vermutlich auch niemand buchen. Stattdes sen geht es darum, kompetenzorientiertes Lernen in unterschiedlichen Kontexten zu fördern – sei es durch Veranstaltungen zu digitaler Kompetenz und Künstlicher Intel ligenz oder auch durch Diskussionsformate zur demokratischen Kultur und Angebote zu Kommunikations- und Lebenskompetenzen. Future Skills umfassen also nicht nur be rufliche Fähigkeiten, sondern auch soziale, kulturelle und demokratische Kompetenzen, die diejenigen, die zu uns kommen, stärken. Gerade in Frankfurt mit seinen Menschen aus 178 Nationen und seiner großen kultu rellen Vielfalt ist beispielsweise Demokratie bildung ein zentraler Bestandteil. Wenn wir ein Schwerpunktthema setzen, bedeutet das zugleich mehr Angebote. Zum Thema Future Skills haben wir etwa 40 bis 70 Veranstaltungen neu entwickelt oder be sonders hervorgehoben. Gleichzeitig prüfen wir unser gesamtes bestehendes Programm darauf, inwiefern es zur Entwicklung solcher Kompetenzen beiträgt. Future Skills sind also nicht nur ein Zusatzangebot, sondern eine pädagogische Grundhaltung. Dabei spielen Kooperationen eine wichtige Rolle. Wir arbeiten beispielsweise mit Stiftungen, kulturellen Einrichtungen, der kommunalen Politik und zivilgesellschaftlichen Organisati onen zusammen. Solche Kooperationen hel fen uns, Future Skills im gesellschaftlichen Kontext zu verankern. Die Volkshochschule Frankfurt ist seit 2024 auch im Erasmus+-Programm ak kreditiert. Welche Rolle spielt Europa in diesem Zusammenhang? Dejanovic: Europa und Erasmus+ sind für uns sehr wichtig, weil Future Skills immer auch mit Perspektivwechsel, Offenheit und Internationalität zu tun haben. Wer Future Skills ernst nimmt, muss bereit sein, unter schiedliche Perspektiven einzunehmen. Euro pa bietet dazu einen hervorragenden Rah men, Stichwort transnationales Lernen. All das unterstützt Themen wie Partizipation, Teilhabe, Digitalität und letztendlich auch einen kulturellen Austausch mit anderen In stitutionen. Das passt sehr gut zu unserem Verständnis von Future Skills, weil Zukunfts kompetenzen immer auch sozial, kulturell und demokratisch sind. Die Fragen stellte Manfred Kasper. Das vollständige Interview ist auf https://epale.ec.europa.eu/de/ blog/auf-ein-wort-transformation- braucht-kompetenzen-teil-1 abrufbar. https://epale.ec.europa.eu/de/blog/auf-ein-wort-transformation-braucht-kompetenzen-teil-1 22 23 - - - - - - - - - - - - - Internationalisierung voranbringen – ein Blick in das Netzwerk der Erasmus+- Beraterinnen und -Berater in der Berufsbildung R © N A b ei m B IB B egelmäßig werden die Erasmus+-Beratenden von der NA beim BIBB zum Netzwerktreffen nach Bonn eingeladen. Für viele Beraterinnen und Berater ist dies ein weiter Weg, dennoch sind mehr als 60 Personen der Einladung ge folgt. Auf der Agenda steht neben vielen fachlichen Inputs die Suche nach einer ge meinsamen Haltung und Zukunftsvision. Die Zusammenarbeit soll durch digitale Tools kon tinuierlicher gestaltet und so mehr Synergien genutzt werden. Denn wenn ein Berater oder eine Beraterin ein bestimmtes Szenario bereits erlebt hat, kann das ganze Netzwerk von die sen Erfahrungen profitieren. Das Netzwerk der Erasmus+-Beratenden wur de bereits 2004 ins Leben gerufen mit der Zielsetzung, Informationen zum Erasmus+-Pro gramm sowohl für die Auszubildenden als auch für ihre Ausbilderinnen und Ausbilder besser verfügbar zu machen. Denn das Pro gramm war damals in der beruflichen Bildung weitestgehend unbekannt. Seitdem haben sich die Mobilitätszahlen vervielfacht, viele Berufli che Schulen sind in Deutschland inzwischen im Programm aktiv. Überzeugen und aufklären Dennoch ist das Erasmus+-Beratenden-Netz werk weiterhin von großer Bedeutung, denn auch wenn mehr Auszubildende von der Mög lichkeit wissen, während der Ausbildung ein Praktikum im Ausland machen zu können, so gibt es noch viele Hindernisse. Ein großer An teil der Erasmus+-Beratenden sind auch Teil des Netzwerks Berufsbildung ohne Grenzen, welches vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Und viele unter ihnen arbei ten an den Kammern, sind also direkt an einer wichtigen Säule des dualen Ausbildungssys tems angedockt. Durch die Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelskammern sowie den 22 23 Bildung für Europa | Juli 2026 Erasmus+ Internationalisierung voranbringen – Handwerkskammern bieten sie passgenaue Informations- und Aufklärungsarbeit für Ausbil dungsbetriebe an. Denn auch wenn ein Groß teil der Anträge im Erasmus+-Programm von berufsbildenden Schulen gestellt werden, ist es genauso wichtig, dass auch die Ausbildungs betriebe den Mehrwert eines Auslandsaufent haltes kennen. Die Beratenden leisten hier gute Aufklärungsarbeit und überzeugen mitunter zweifelnde Ausbilder/-innen davon, dass ein grenzüberschreitender Austausch persönliche sowie fachliche Entwicklungen anstoßen wird. Vermittelt werden mit dem Auslandsaufenthalt neben fremdsprachlichen und sozialen Kompe tenzen oft auch neues berufsspezifisches Fach wissen. - - - - - - Bedürfnisse der Auszubildenden im Blick Die Erasmus+-Berater/-innen, die sich an die sem Donnerstag in Bonn zusammenfinden, wissen dies natürlich. Die meisten sind schon lange im Netzwerk und haben viele herausfor dernde Gespräche mit Ausbilderinnen und Aus bildern geführt, aber auch Überzeugungsarbeit bei den Auszubildenden gehört zu ihrem Alltag. Immer mehr Jugendliche scheuen den Schritt, für eine längere Zeit im Ausland zu leben und brauchen zunächst eine Starthilfe. Ein Gefühl der Sicherheit lässt sich vor allem in persönli chen Gesprächen vor Ort vermitteln als durch Online-Angebote oder telefonische Beratung. - - - - Es ist sehr hilfreich, wenn bei einem solchen Thema alle an einem Strang ziehen und sowohl die Berufsschullehrkräfte als auch die Kammer vertretenden vom Mehrwert der Auslandsprak tika überzeugt sind. Je positiver die Reaktionen sind, die Auszubildende beim Feedback erhal ten, desto überzeugter wird auch ihre Haltung bezüglich eines Auslandsaufenthaltes werden. - - - Auch die Planung und Durchführung eines geförderten Auslandsaufenthaltes sind nicht unerheblich. Es erfordert eine gute Vor- und Nachbereitung der Auszubildenden, aber auch Unterstützung bei der Suche nach Unterkünf ten oder Praktikumsbetrieben. Dann tauchen gelegentlich noch Visa- oder Versicherungsfra gen auf und nicht zuletzt benötigt der fachliche Input, den man im Ausland erhält, eine aussa gekräftige Zertifizierung. Dies sind viele Schritte, die ein junger Mensch viel besser mit der Exper tise von Beratenden bewältigen kann. - - - - Alle Erasmus+-Beraterinnen und -Berater ha ben ein Mandat zur Beratung zu Auslandsauf enthalten und Internationalisierung in der Be rufsbildung erhalten, z. B. von einer Kammer, einem (Landes-)Ministerium, einem Arbeitge - - - - berverband oder einer Gewerkschaft. Dies ge währleistet eine unabhängige und kostenlose Beratung. Zudem werden sie regelmäßig von der NA beim BIBB zu den Förderprogrammen Erasmus+ und AusbildungWeltweit geschult, damit sie die aktuellen Entwicklungen kennen und zielorientierte Lösungen finden können. - Zurück zum Netzwerktreffen. Überall Geplau der, die Teilnehmenden stehen in Gruppen um Stehtische und bringen sich auf den neuesten Stand. Viele der Beraterinnen und Berater ken nen sich seit Jahren. Man sieht ihnen an, dass das Wiedersehen Freude macht. - - Gerade bei den derzeitigen internationalen Herausforderungen ist so ein Netzwerk wie ein sicherer Hafen zu sehen. Hier finden sich Gleichgesinnte: engagierte Lehrer/-innen und Berater/-innen, die sich für die jungen Leute einsetzen und vom europäischen Austausch überzeugt sind. Deren Motivation basiert nicht nur auf dem ausgeübten Beruf, sie sind vielmehr echte „Überzeugungstäter“, die sich durch ihr persönliches Engagement für die Ver breitung europäischer Werte einsetzen. Für das Erasmus+-Programm sind diese Multiplikatorin nen und Mulitplikatoren essenziell. Noch wich tiger aber sind sie für eine ganze Reihe junger Menschen, die ohne den persönlich gesetzten Anreiz keinen Blick über ihren Tellerrand gewor fen hätten. - - - - - Auf der NA-Website finden Sie alle akkreditier ten Erasmus+ Beratenden unter www.na-bibb.de/service/unser- netzwerk/erasmus-beratung Mehr Informationen zu Berufsbildung ohne Grenzen finden Sie hier: www.berufsbildung-ohne-grenzen.de/ © N A b ei m B IB B Anna Wendt Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationalisierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB anna.wendt@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/service/unser-netzwerk/erasmus-beratung http://www.berufsbildung-ohne-grenzen.de/ mailto:anna.wendt@bibb.de 24 25Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+- Antragsrunde 2026 Mobilitätsprojekte stärker nachgefragt als je zuvor D ieser Beitrag gibt den Informationsstand vom 2. Juni 2026 wieder. Er konzentriert sich auf die Mobilität (Leitaktion 1), weil die Förderentschei dungen für die Partnerschaften für Zusammen arbeit (Leitaktion 2) noch nicht vorliegen. Berufsbildung Auch im Jahr 2026 bleibt die Nachfrage nach Fördermitteln in der Leitaktion 1 ungebrochen groß. Mit insgesamt 1.025 Mobilitätsprojekten wurde erstmals eine vierstellige Projektanzahl bewilligt, darunter 925 Projekte im Rahmen einer Akkreditierung sowie 100 Kurzzeitpro jekte. Während die Beantragung von Teilneh menden einen neuen Rekord erzielte (rund 68.000 Personen), verblieb die Anzahl der be willigten Teilnehmenden mit 58.725 Personen ungefähr auf Vorjahresniveau. Dies ist darauf zurückzuführen, dass im Antragsjahr 2026 die Nachfrage nach Fördergeldern in der Berufsbil dung das Angebot übersteigt und nicht allen Förderwünschen vollumfänglich nachgekom men werden konnte. Insgesamt beläuft sich die Bewilligungssumme in der Leitaktion 1 für die Berufsbildung auf rund 131 Millionen Euro. Bei den Lernenden in der Berufsbildung bleibt mit 32.448 bewilligten Teilnehmenden die Kurzzeitmobilität weiterhin beliebteste Aktivi tätsart (69 Prozent aller bewilligten Aktivitäten für Lernende). Gleichzeitig gewinnt die Grup penmobilität bei den Lernenden zunehmend an Bedeutung – so macht sie unter allen be willigten Aktivitäten für Lernende mit 13.129 Teilnehmenden mittlerweile einen Anteil von 28 Prozent aus. Im Vorjahr entfielen noch 76 Prozent der bewilligten Lernenden auf die Kurzzeitmobilität und 21 Prozent auf die Grup penmobilität. Hier zeigt sich also eine Verschie bung der bewilligten Teilnehmenden weg von der Einzel- und hin zur Gruppenentsendung. Eine Verschiebung ist ebenfalls im Bereich der Personalmobilität wahrnehmbar. Auch wenn Job-Shadowings sowie Kurse und Schulungen weiterhin die beliebtesten Aktivitätsarten im Bereich Personal bleiben (mit zusammen 9.464 bewilligten Teilnehmenden entsprechen sie 95 Prozent der bewilligten Personal-Aktivitäten), sank der Anteil der bewilligten Personal-Mo bilitäten an allen bewilligten Mobilitäten von rund 20 auf gut 17 Prozent. Diese Entwicklung vollzog sich wiederum zugunsten der Lernen den-Mobilitäten: Im Vergleich zum Vorjahr können sie ein Wachstum von über drei Pro zent verbuchen, betrachtet man den Anteil der bewilligten Lernenden-Mobilitäten an allen be willigten Mobilitäten. Erwachsenenbildung Das Interesse an Mobilitätsprojekten in der Er wachsenenbildung verzeichnet auch im Jahr 2026 einen erfreulich starken Zuwachs. Allein in der ersten Antragsrunde sind 121 Anträge für Kurzzeitprojekte eingegangen. Damit hat sich die Zahl der Anträge im Vergleich zum sel ben Zeitpunkt im Vorjahr nahezu verdreifacht. Auch die beantragten Teilnehmenden verdeut lichen diesen Trend: Mit 6.761 beantragten Teilnehmenden wurde ein neuer Rekord er reicht. Insgesamt wurden 126 Projekte bewilligt. Da von entfallen 46 auf Kurzzeitprojekte und 80 auf akkreditierte Einrichtungen. Zudem wur den 12 Einrichtungen im Jahr 2025 erfolgreich im Bereich der Erwachsenenbildung akkredi tiert; 11 davon haben bereits 2026 erfolgreich Mittel beantragt und starten nun mit ihren Mobilitätsaktivitäten. Insgesamt werden 5.216 Teilnehmende gefördert, was einer Steigerung von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ent spricht. Besonders stark entwickelt sich die Zielgruppe der erwachsenen Lernenden: Mit 2.117 geför derten Teilnehmenden verzeichnet sie einen Zuwachs von 18 Prozent gegenüber dem glei chen Zeitpunkt im Vorjahr (1.791 geförderte Personen). Hierbei wird insbesondere die Grup penmobilität genutzt (1.272 geförderte Perso nen), gefolgt von individueller Kurzzeitmobilität der Lernenden (836 geförderte Personen) so wie individueller Langzeitmobilität von Lernen den (9 geförderte Personen). Im Bereich des Personals setzt sich der beste hende Trend fort: Job-Shadowings bleiben mit 1.499 geförderten Teilnehmenden die belieb teste Aktivitätsart, dicht gefolgt von Kursen und Schulungen mit 1.431 geförderten Teil nehmenden. Damit entfallen 94 Prozent aller Personalaktivitäten auf diese beiden Formate. Die Aktivitätsarten Lehr- und Schulungstätig keiten (50 geförderte Personen), Eingeladene Expertinnen und Experten (118 geförderte Per sonen) sowie die Aufnahme von in Ausbildung befindlichen Lehrkräften (1 geförderte Person) werden somit bislang noch vergleichsweise wenig genutzt. Da das verfügbare Budget aktuell noch nicht ausgeschöpft ist, bestehen weiterhin attraktive Förderchancen für engagierte Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Auch im Herbst die ses Jahres wird es daher in der Erwachsenenbil dung neben der Antragsrunde für Akkreditie rungen eine zweite Runde für Kurzzeitprojekte geben. Die Antragsfrist dafür endet am 1. Oktober 2026. Die Bewilligungslisten können auf der NA-Web site eingesehen werden: www.na-bibb.de/aus-der-praxis/ bewilligte-projekte http://www.na-bibb.de/aus-der-praxis/bewilligte-projekte 24 25 Bildung für Europa | Juli 2026 „Wir wollen von anderen Bibliotheken lernen“ Wie die Erwachsenenbildung von Erasmus+ profitiert Ein Gespräch mit Christine Kühn, Refe rentin Personalentwicklung und Pro grammkoordinatorin Erasmus+ bei der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+ Erasmus+- Antragsrunde 2026 © Z LB© M an ue l H ei nz el m an n Frau Kühn, erzählen Sie uns kurz et was zur ZLB. Kühn: Die ZLB ist die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands und die am häu figsten besuchte Kultur- und Bildungsein richtung Berlins. Entstanden ist sie aus dem Zusammenschluss der Westberliner Ame rika-Gedenkbibliothek und der Ostberliner Berliner Stadtbibliothek. Sie stellt den Nut zerinnen und Nutzern über 3,4 Millionen Medien zur Verfügung. Seit wann beteiligen Sie sich aktiv an Erasmus+? Kühn: Das begann 2024. Eine Kollegin hat te eine Infoveranstaltung der NA beim BIBB besucht und war sofort begeistert. Wir ha ben die Idee dann weiterverfolgt, wobei es von Anfang an wichtig war, möglichst viele Perspektiven einzubeziehen – Führungs kräfte ebenso wie Mitarbeitende. Daraus resultierte schließlich die Entscheidung, eine Akkreditierung zu beantragen, die wir 2025 auch erhalten haben. Diese gibt uns Planungssicherheit und erleichtert uns den Zugang zu Fördermitteln. Wir müssen nicht für jede einzelne Aktivität einen neu en Antrag stellen, sondern können flexibler agieren. Welche Ziele verfolgen Sie mit den Erasmus+-Aktivitäten? Kühn: Das reicht vom Kompetenzaufbau beim Personal über die internationale Ver netzung bis zur Innovation. Wir wollen von anderen Bibliotheken lernen, neue Ideen aufnehmen und diese in unsere Organisa tion übertragen. Gleichzeitig geht es auch darum, wie sich das Berufsbild in Biblio theken verändert und wie wir unsere Rolle in der Stadtgesellschaft weiterentwickeln können. Können Sie Beispiele für solche Lern prozesse nennen? Kühn: Bislang haben wir vier Reisen durchgeführt – nach Finnland, Estland, in die Niederlande und nach Barcelona. Ins gesamt waren 24 Mitarbeitende beteiligt. Die Reisen dauern meist zwischen zwei und fünf Tagen und beinhalten vor allem Job-Shadowings, also das direkte Mitlaufen im Arbeitsalltag vor Ort. Dabei schauen wir uns an, wie andere Bibliotheken arbeiten, wie sie organisiert sind und welche innova tiven Ansätze sie verfolgen. Welche Themen stehen dabei im Fo kus? Kühn: Digitalisierung ist ein großes Thema, ebenso Demokratieförderung, Resilienz, Personalentwicklung oder Raumgestaltung. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der Timeout Foundation aus Finnland, die eine Methode für Dialog und gesellschaftlichen Austausch entwickelt hat. Diesen Ansatz wollen wir auch in unsere Veranstaltungs arbeit und internen Prozesse integrieren. Wie bereiten Sie die Auslandsaufent halte vor und nach? Kühn: Die Reisegruppen reichen zunächst eine Ideenskizze ein, in der sie Ziele und Themen definieren. Nach der Bewilligung organisieren sie die Kontakte zu den Part nerinstitutionen und entwickeln gemein sam ein Programm. Im Anschluss an den Austausch ist uns der Wissenstransfer besonders wichtig: Es gibt interne Präsen tationen, Blogbeiträge und künftig auch Formate wie Gallery Walks, bei denen die Ergebnisse vorgestellt werden. So profitie ren auch diejenigen, die nicht mitreisen konnten. Welche Rolle spielt Erasmus+ für die strategische Entwicklung der ZLB? Kühn: Eine sehr große. Die Mobilitäten sind kein Selbstzweck, sondern Teil unserer Organisationsentwicklung. Sie helfen uns, neue Perspektiven zu gewinnen und unsere Angebote weiterzuentwickeln – etwa im Hinblick auf unsere Community-Strategie oder die Verbindung von physischer Biblio thek und digitalen Angeboten. Bibliotheken sind heute viel mehr als Orte der Wissensvermittlung. Sie sind Begeg nungsorte, an denen Menschen ohne Kon sumzwang zusammenkommen können. Gerade in Städten ist das unglaublich wich tig. Bibliotheken tragen zur sozialen Teilha be bei und bieten Räume für Austausch, Lernen und Inspiration. Besonders in Finn land und den Niederlanden sieht man, wie stark Bibliotheken in die Gesellschaft inte griert sind. Dort werden sie als zentrale Orte für Bildung und sozialen Zusammen halt verstanden. Das inspiriert uns sehr – auch mit Blick auf unsere eigene Entwick lung in Berlin. 26 27Weitere Bildungsthemen - - - - - - Wie geht es mit Erasmus+ an der ZLB weiter? Kühn: Die Nachfrage ist enorm. Für die nächste Runde planen wir 14 Reisegrup pen mit insgesamt 77 Teilnehmenden. Das zeigt, wie groß das Interesse ist. - Würden Sie anderen Bibliotheken empfehlen, sich am Programm zu beteiligen? Kühn: Auf jeden Fall. Es ist sowohl stra tegisch als auch für die Mitarbeitenden - unglaublich wertvoll. Der internationale Austausch eröffnet neue Perspektiven, stärkt Netzwerke und motiviert für die eigene Arbeit. Viele Herausforderungen sind europaweit ähnlich – umso wichtiger ist es, voneinander zu lernen. Netzwerke und motiviert für die eigene Arbeit. Viele Herausforderungen sind europaweit ähn lich – umso wichtiger ist es, voneinander zu lernen. - Mehr über die Möglichkeiten von Eras mus+ in der Erwachsenenbildung erfah ren Sie auf der Website der von der NA beim BIBB durchgeführten Kampagne „Wenn Austausch Türen öffnet“: - - www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven Das Gespräch führte Manfred Kasper. Infostand auf der Konferenz Future Skills 2025 in Jena © N A b ei m B IB B Europäische Werte als Kompass Schwerpunkte der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung in Deutschland A m 1. Januar 2026 startete die Nationa le Koordinierungsstelle der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung (NKS Agenda Erwachsenenbildung) in ihre achte Förder periode. Sie setzt damit ihre Arbeit fort, die seit 2012 darauf abzielt, europäische Bildungspolitik und nationale Praxis enger miteinander zu verzahnen. Grundlage ist die Entschließung des Rates zur Europäi schen Agenda für die Erwachsenenbildung 2021-2030. Ihr Leitmotiv „von und mit Eu ropa lernen“ bringt dabei den Kern europäi scher Zusammenarbeit auf den Punkt: den gemeinsamen Austausch, das Voneinan http://www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven 26 27 Bildung für Europa | Juli 2026 Weitere Bildungsthemen der-Lernen und die Weiterentwicklung von Bildungsansätzen im Sinne gemeinsamer Werte. Europäische Werte werden dabei nicht abstrakt vermittelt, sondern praktisch gelebt – in Projekten, Partnerschaften und Lernformaten. Ziel: Erhöhung der Weiterbildungsbe teiligung - Die Europäische Agenda Erwachsenenbil dung stärkt die Rolle der Erwachsenenbil dung, die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erreicht und befähigt aktiv an der Gesellschaft und der Demokratie teilzu nehmen. Sie informiert über europäische Strategien und aktuelle Entwicklungen – derzeit insbesondere zur „Union of Skills“ und dem „Action Plan on Basic Skills“. Gleichzeitig initiiert und unterstützt sie europäische Lernprozesse sowie den Aus tausch zwischen Akteurinnen und Akteuren auf nationaler und europäischer Ebene. Ver netzung wird so zum zentralen Instrument, um gemeinsame Herausforderungen zu be arbeiten und innovative Lösungsansätze zu entwickeln. - - - - - - Bis 2030 sollen, als ein Ziel der Europäi schen Agenda Erwachsenenbildung, min destens 60 Prozent der Erwachsenen in der EU jährlich an Bildungsangeboten teilneh men, in Deutschland liegt das nationale Ziel sogar bei 65 Prozent. Aktuell (Stand 2022) beträgt die Beteiligung hierzulande laut der Statistikdatenbank Eurostat 64,2 Prozent. Die NKS Europäische Agenda Erwachsenen bildung leistet mit ihren Aktivitäten einen Beitrag, diese Lücke zu schließen – etwa durch Impulse für niedrigschwellige Ange bote und neue Zugänge zu Bildung. - - - - - Thematische Schwerpunkte 2026/2027 Die thematischen Schwerpunkte der För derperiode 2026/2027 greifen zentrale Zu kunftsfragen auf: Künstliche Intelligenz (KI) in der Erwachsenenbildung, innovative An sprache schwer erreichbarer Zielgruppen, kritisches Denken und Demokratiebildung sowie neue Lernumgebungen für interge nerationelles und interkulturelles Lernen. Auch aufsuchende Bildungsarbeit im So zialraum und europäische Kooperationen, etwa im Rahmen des „Pact for Skills“, ste hen im Fokus. Eine begleitende Story-Reihe unter dem Motto „Promoting a culture of lifelong learning for all“ wird als Informa tionskampagne gelungene Praxisbeispie le der europäischen Erwachsenenbildung sichtbar machen. - - - - - - - - Veranstaltung: Demokratie und Künstliche Intelligenz in der Erwach senenbildung - Am 30. Juni und 1. Juli 2026, jeweils vor mittags, bietet die NKS Europäische Agen da Erwachsenenbildung in Kooperation mit dem Bayerischen Volkshochschulverband e.V. (bvv) und dem Thüringer Volkshochschul verband e.V. eine kostenfreie Online-Veran staltung an: Lernangebote für Demokratie und KI stellen die Erwachsenenbildung in Europa vor große Herausforderungen. Wel che Erkenntnisse liefert die Forschung – und welche Ansätze haben sich in der Praxis be reits bewährt? Die Veranstaltung bietet wis senschaftliche Impulse, Einblicke in europäi sche Projekte, praxisorientierte Workshops und moderierten Austausch. - - - - - - - - Europäische Werte praktisch leben In der konkreten Umsetzung zeigt sich, wie europäische Werte praktisch gelebt wer den können: Die NKS Europäische Agenda Erwachsenenbildung koordiniert dabei ein so genanntes Cluster der Nationalen Ko ordinierungsstellen aus 13 verschiedenen Ländern, die gemeinsam zum Thema inno vative Lernumgebungen und Grundbildung arbeiten. Auf nationaler Ebene kooperiert sie mit Partnern wie z.B. der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung in Nie dersachsen (AEWB), den Volkshochschul verbänden, den Ländervertretungen im Bildungsbereich und dem Deutschen Wei terbildungstag (DWT). Gemeinsam stärken sie die Erwachsenenbildung als Raum für europäische Verständigung und gesell schaftliche Entwicklung. - - - - - - - So wird deutlich: Die Förderung europäischer Werte erfolgt nicht nur durch politische Pro gramme, sondern vor allem durch konkrete Bildungsarbeit. Bei Interesse an den genann ten Themen ist die Koordinierungsstelle auch für weitere Kooperationen offen. - - Mehr Informationen unter www.agenda-erwachsenenbildung.de Union of Skills: https://commission.europa.eu/topics/ competitiveness/union-skills_de Pact for Skills: https://pact-for-skills.ec.europa.eu/ index_en?prefLang=de Action Plan on Basic Skills: https://education.ec.europa.eu/sites/ default/files/2025-03/Action_Plan_on_ Basic_Skills_COM_2025_88_1_EN_0. pdf © A xe l H er zi g - Fo to gr afi e © N A b ei m B IB B SIMONE KAUFHOLD Koordinatorin der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung in der NA beim BIBB kaufhold@bibb.de © N A b ei m B IB B https://commission.europa.eu/topics/competitiveness/union-skills_de https://pact-for-skills.ec.europa.eu/index_en?prefLang=de https://education.ec.europa.eu/sites/default/files/2025-03/Action_Plan_on_Basic_Skills_COM_2025_88_1_EN_0.pdf http://www.agenda-erwachsenenbildung.de mailto:kaufhold@bibb.de 28 29 AusbildungWeltweit – in der betrieblichen Berufsausbildung stark verankert © P ia H ar tm an n 28 29 Bildung für Europa | Juli 2026 Weitere Bildungsthemen A ls einziges Bundesprogramm ermöglicht AusbildungWeltweit Auszubildenden Lernerfahrungen auf allen Kontinenten und verbessert gleichzeitig die inter nationale Professionalität der Ausbil dungseinrichtungen. - - Komplementär zu Erasmus+ bietet das Mo bilitätsprogramm AusbildungWeltweit des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend (BMBFSFJ) angehenden Fachkräften Lernaufenthalte in außereuropäischen Regionen. Allein stellungsmerkmale sind die Wirtschafts nähe und eine starke Verankerung in der betrieblichen Berufsausbildung. Rund 60 Prozent der Förderanträge kommen von Wirtschaftsunternehmen, die Auslandsauf enthalte zur Personalentwicklung und für ihr Ausbildungsmarketing nutzen. Mehr als 80 Prozent der geförderten Auszubilden den befinden sich in einer dualen Berufs ausbildung. - - - - - - Neben branchenbezogenen Sprachkennt nissen und länderspezifischen Marktkennt nissen, die gezielt bei Partnern außerhalb Europas erworben werden, bietet der „Lern ort Ausland“ auch Einblicke in das globale Gefüge von Lieferketten und Produktion. Dies sensibilisiert Auszubildende dafür, ihr künftiges berufliches Handeln ökologisch und gesellschaftlich verantwortungsvoll zu gestalten. Projektträger berichten regel mäßig, dass sich die in der Regel sechs- bis achtwöchigen Entsendungen ausgespro chen positiv auf den Erwerb überfachlicher Kompetenzen auswirkten. Zu diesen zählen die Anpassungsfähigkeit am Arbeitsplatz, Veränderungsbereitschaft und Problemlöse kompetenz. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Auszubildendenauf enthalte nach Berufsbereich 2024 und 2025 - Gewerblich 30,0% Kaufmännisch 22,0% Information, Kommunikation, Medien 11,6% Gesundheit, Pflege 11,0% Handwerk 7,0% Labor 5,3% Erziehung und Soziales 4,7% Land- und Forstwirtschaft 3,6% Gastronomie, Tourismus 2,3% Andere 2,5% Kultursensibilität als Fachkompetenz Erwartungsgemäß sind Ausbildungsberufe im exportorientierten Maschinen- und Anla genbau sowie im Handel überdurchschnitt lich im Programm vertreten. Interessant ist, dass mittlerweile 11 Prozent der bewillig ten Auszubildendenaufenthalte aus dem Gesundheits- und Pflegebereich kommen. Im Rahmen vieler dieser Aufenthalte sol len Auszubildende einen Perspektivwechsel erfahren, ausländische Pflegesysteme (z. B. stärkere Einbindung von Angehörigen) ken nenlernen und kultursensibler werden. Kul tursensibilität ist eine wichtige Voraussetzung für die sichere und ethisch fundierte Ver sorgung einer immer diverseren Patienten schaft. Auch durch das Pflegeberufegesetz hat dieses Ausbildungsziel an Aufmerksam keit gewonnen. Ein weiterer wichtiger Anlass für Auslandsaufenthalte ist die zunehmende Internationalisierung der Pflegeteams. Einige Institutionen entsenden Auszubildende ge zielt in Herkunftsländer ihrer zugewanderten Pflegefachkräfte, um Zusammenarbeit auf Augenhöhe bzw. ein vertieftes Verständnis für andere Pflegetraditionen und kulturelle Bedürfnisse zu befördern. Wachstumstrend bei weltweiten Lernaufenthalten Mit 743 bewilligten Auslandsaufenthalten setzte sich im Jahr 2025 bei Ausbildung Weltweit ein Wachstumstrend fort. Im Ver gleich zum Vorjahresergebnis konnte eine Steigerung um vier Prozent erzielt werden. Seit der Pilotierung des Förderprogramms im Jahr 2017 wurden mehr als 4.200 Aus landsaufenthalte in über 60 Ländern auf allen Kontinenten bewilligt. Die in den Projekten entwickelte Experti se zur praktischen Umsetzung weltweiter Lernmobilität fließt auch in die Arbeit des „Beratungsservices für Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung“ der NA beim BIBB ein. Der Beratungsservice, der ebenfalls im Auftrag des BMBFSFJ umgesetzt wird, bie tet Lernenden und Ausbildungsverantwort lichen Orientierung und Unterstützung bei der Organisation und Durchführung von Auslandsaufenthalten. Bildungspolitische Relevanz Der aktuelle Koalitionsvertrag formuliert das Ziel, die internationale Mobilität in der beruflichen Bildung als Beitrag zur Gleich wertigkeit von akademischer und beruf licher Bildung auszubauen. Für die euro päische Ebene betont die Ratsempfehlung „Europa in Bewegung – Lernmobilität für alle“ aus dem Jahr 2024 die hohe Relevanz der europäischen und internationalen Lern mobilität für alle Zielgruppen der Berufsbil dung und fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, mobilitätsfreundliche Rahmenbedin gungen zu schaffen. Die Ziele der Ratsemp fehlung wurden durch die Herning Decla ration (September 2025) auch von den europäischen Sozialpartnern bekräftigt. www.ausbildung-weltweit.de Stefan Metzdorf Leiter des Teams "Stärkung der Auslandsmobilität / Ausbildung Weltweit" in der NA beim BIBB metzdorf@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.ausbildung-weltweit.de mailto:metzdorf@bibb.de 30 31 Infosplitter - - Infosplitter Print-Update Alle zwei Jahre erstellt die NA beim BIBB einen gedruckten Jahresbericht. Der Bericht für den Zeitraum 2024/2025 wurde im Mai veröffentlicht und bietet einen Überblick über das Gesamtport folio der NA beim BIBB. - Zur Erstinformation über das Programm Eras mus+ dienen Flyer im quadratischen Format. Die Broschüren zur Berufs- und Erwachsenenbildung wurden jetzt aktualisiert und neu aufgelegt. Dies gilt auch für den Azubi-Flyer, den es zusätzlich in leichter Sprache gibt. - Roadmap Lernergebnisorientierung www.na-bibb.de Schritt für Schritt zur qualitätsgesicherten Mobilität Nationales VET-Team Beratung – Schulung – Transfer - - - - - - - - Neu erstellt in Kooperation mit dem Nationalen VET-Team wurde die Broschüre „Roadmap Lernergebnisorientierung“. Diese zeigt Schritt für Schritt, wie man Lernergebnisse entwickeln, erfassen und dokumentieren kann. Alle NA-Publikationen können kostenlos bestellt und heruntergeladen werden. www.na-bibb.de/publikationen Relaunch des Webportals Die überarbeitete Portallandschaft der NA beim BIBB ist seit Anfang 2026 online. Ziel des Relaunches war es, den Nutzenden über eine klare Struktur bessere Orientie rung zu bieten. Im Hintergrund laufen der zeit noch weitere Arbeiten. www.na-bibb.de EuroApprentices berichten Im Podcast „Erasmus+ Stories – Auslands erfahrungen während der Ausbildung“ mit inzwischen 18 Folgen berichten Euro Apprentices von ihren persönlichen Erleb nissen während eines Auslandsaufenthalts in der Ausbildung. Besonders empfehlens wert ist die Sonderfolge „EuroApprentices in Brüssel“. Darin erzählen die EuroAppren tices u.a. von ihrem Besuch im Europä ischen Parlament und der Diskussion mit einer EU-Abgeordneten. https://open.spotify.com/ show/01FkDZc9lYhZVBKgSIeh QK?si=4B9Yt9Y1Rwahtj9Sl1I34w ErasmusDays 2026 Vom 12. bis zum 17. Oktober feiern wir in diesem Jahr die ErasmusDays. Unter dem Motto „6 Days to make Europe shine“ sind Erasmus+-Projekte eingela den, zusammenzukommen und entwe der Veranstaltungen zu organisieren oder daran teilzunehmen und somit Erasmus+ zu feiern. www.na-bibb.de/aktuelles www.erasmusdays.eu http://www.na-bibb.de/aktuelles https://open.spotify.com/show/01FkDZc9lYhZVBKgSIeh QK?si=4B9Yt9Y1Rwahtj9Sl1I34w http://www.na-bibb.de/veranstaltungsrueckblicke http://www.na-bibb.de/publikationen http://www.erasmusdays.eu 30 31 Bildung für Europa | Juli 2026 - - - - EPALE-Fokusthemen - - - - - - Infosplitter Deutschland Wie kann Erwachsenenbildung demokra tische Werte stärken und Menschen in einer polarisierten Gesellschaft zu verant wortungsvoller Teilhabe ermutigen? Im dritten Quartal 2026 widmet sich EPALE Deutschland der politischen Dimension der Erwachsenenbildung – mit Raum für Aus tausch, Praxisimpulse und Diskussion. Profil anlegen, Lebenslauf schreiben, Job finden. Europass – dein EU-Portal für Bewerbung und Jobsuche. BEWERBUNG IST NERVIG EASY!_____ KOSTENLOS EINFACH & SICHER Gleich scannen und testen! Kostenlos auf https://europass.europa.eu © S hu tt er st oc k/ G ro un dP ic tu re - - - Im vierten Quartal 2026 steht bei EPALE die Frage im Mittelpunkt, wie KI, digitale Formate und gesellschaftlicher Wandel die Erwachsenenbildung verändern. Vom 2. bis 6. November 2026 lädt EPALE zu einer The menwoche zur Zukunft des Lernens ein. https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ epale-deutschland-fokusthemen-2026 Termine vormerken Am 15. September und 8. Oktober 2026, jeweils 9:30 bis 12:30 Uhr, findet die EPALE-Akademie mit Jannik Veenhuis statt: „How-to-Workshop: Gute Bildung im Kon text Politik und Demokratie“. Am 28. September 2026, 13:30 bis 15:30 Uhr, folgt die NA-übergreifende Online-Veranstaltung „Neutralität oder Haltung? Politische Bildung im Spannungs feld“. Europass-Unterrichtsmaterialien übersetzt Das Europass-Portal, die EU-Plattform für Bewerbung und Jobsuche, bietet eine Vielzahl von Tools für die Bewerbung um ein Praktikum, einen Ausbildungsplatz oder ein Studium. Wie das Europass-Por tal im Unterricht genutzt werden kann, um Schüler/-innen beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen, zeigen die Europass-Unterrichtsmateria lien. Sie liegen jetzt auch in den Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch für den Einsatz im Fremdsprachenunterricht vor. www.europass-info.de/ unterrichtsmaterialien Europass-Jugendflyer aktualisiert Bewerbung ist easy: Der 2026 aktu alisierte Jugendflyer erklärt, welche Tools Europass bietet, um sich für ein Praktikum, eine Ausbildung oder einen Studienplatz überzeugend zu bewerben und wie sich mit Europass z.B. Fähigkeiten dokumentieren und die weitere persönliche Entwicklung geplant werden kann. Der Jugendflyer kann kostenlos über den Warenkorb bestellt oder auf der Website herunter geladen werden. www.europass-info.de/ jugendflyer Noch mehr EuroApprentices und Erasmus+-Beratende: In Kürze werden die Erasmus+-Botschaf ter/-innen und das Beratungsnetzwerk auch auf den Serviceportalen der NA beim BIBB zu Auslandsaufenthalten in der Berufsbil dung vorgestellt: - - MeinAuslandspraktikum.de www.meinauslandspraktikum.de/ euroapprentices www.meinauslandspraktikum.de/ beratung-in-deiner-region Auslandsberatung-Ausbildung.de www.auslandsberatung-ausbildung. de/euroapprentices www.auslandsberatung-ausbildung. de/beratung-in-ihrer-Region SALTO-Ressourcenzentren Kennen Sie die Ressourcenzen tren zu den vier Programmprio ritäten? - https://saltoinclusion.eu/ - https://saltogreen.eu/en - www.oph.fi/en/european- salto-digital-resource-centre - www.salto-youth.net/rc/ participation Passend zum Journalschwerpunkt verweisen wir besonders auf die Online-Tools im Themenfeld Par tizipation und Demokratiebildung: https://participationpool.eu/ about http://www.europass-info.de/unterrichtsmaterialien http://www.europass-info.de/jugendflyer https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-fokusthemen-2026 http://www.oph.fi/en/european-salto-digital-resource-centre http://www.salto-youth.net/rc/participation https://participationpool.eu/about https://www.meinauslandspraktikum.de/euroapprentices http://www.meinauslandspraktikum.de/beratung-in-deiner-region http://www.auslandsberatung-ausbildung.de/euroapprentices http://www.auslandsberatung-ausbildung.de/beratung-in-ihrer-Region https://saltoinclusion.eu/ https://saltogreen.eu/en Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 LinkedIn: www.linkedin.com/ company/nationale-agentur- bildung-für-europa www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > im Bereich Erwachsenenbildung 01.10.2026, 12:00 Uhr NA beim BIBB NA beim BIBB > im Bereich Jugend 01.10.2026, 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 29.09.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Zentren der beruflichen Exzellenz 03.09.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (01.06.2026). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A12/2025. Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu/index_de AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 8. Oktober 2026 für Aufenthalte zwischen 1. Februar 2027 und 31. Januar 2028 http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu/index_de https://education.ec.europa.eu/de Bildung für Europa 42 · Juli 2026 Impressum Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis ISSN Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Europäische Werte Mehr als ein Häkchen im Erasmus+-Antrag Wie sich europäische Werte in Projekten umsetzen lassen Gleichheit und Inklusion leben Menschenwürde achten Freiheit ermöglichen und von dieser profitieren Demokratie im Projekt erfahrbar machen Menschenrechte und Vielfalt respektieren Rechtsstaatlichkeit beachten Weiterführende Informationen Kompetenzen für eine demokratische Kultur Kompetenz Werte Haltungen Wissen und kritisches Verstehen Fähigkeiten und Fertigkeiten Weiterführende Informationen Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung Ausgangslage Selbstverständnis der Fachstelle Aktivitäten zur Stärkung der Demokratie Fokus: Übergangsbereich Vorgehen und Analysen der Fachstelle Veranstaltungen, Expertisen und Publikationen Unterstützungsangebote und Anknüpfungspunkte Kooperationen mit BIBB und bpb Weiterführende Informationen Wie erleben Erasmus+-Teilnehmende europäische Werte Statements aus der Berufsbildung Wirkung von Erasmus+ in der Erwachsenenbildung Häufigkeit der Priorität in Anträgen ausgewertet Schwerpunkt auf europäische Werte Weiterführende Informationen Die Europäische Union und europäische Werte 01 Gibt es eine europäische „Identität“? Fühlen Sie sich als Bürger/Bürgerin der EU? 02 Wie stehen die Bürger/-innen zur EU? 03 Welche Bereiche sind wichtig für die Stellung der EU in der Welt? Stärkung der Stellung der EU in der Welt 04 Wie vertraut sind die Menschen mit den Rechtsgrundlagen und den Entscheidungsprozessen der EU? Good Practice: Europäische Werte vermitteln Demokratie zum Anfassen Durch Entsendungen Europa erleben Erasmus+ als Türöffner Projektinfo Good Practice: Brücken bauen für den Frieden Werte mit Erlebnissen verbinden Projektinfo Good Practice: Unser Land Europa Begegnung und Beteiligung vor Ort Mehr Wissen, mehr Beteiligung, neue Verbindungen Projektinfo „Future Skills als dauerhafter Entwicklungsprozess“ Internationalisierung voranbringen – ein Blick in das Netzwerk der Erasmus+- Beraterinnen und -Berater in der Berufsbildung Überzeugen und aufklären Bedürfnisse der Auszubildenden im Blick Weiterführende Informationen Erasmus+-Antragsrunde 2026 Berufsbildung Erwachsenenbildung „Wir wollen von anderen Bibliotheken lernen“ Europäische Werte als Kompass Ziel: Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung Thematische Schwerpunkte 2026/2027 Veranstaltung: Demokratie und Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung Europäische Werte praktisch leben AusbildungWeltweit – in der betrieblichen Berufsausbildung stark verankert Kultursensibilität als Fachkompetenz Wachstumstrend bei weltweiten Lernaufenthalten Bildungspolitische Relevanz Weiterführende Informationen Infosplitter Print-Update Relaunch des Webportals EuroApprentices berichten ErasmusDays 2026 EPALE-Fokusthemen Termine vormerken Europass-Unterrichtsmaterialien übersetzt Europass-Jugendflyer aktualisiert Noch mehr EuroApprentices und Erasmus+-Beratende SALTO-Ressourcenzentren Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …
[…] Ziele der Veranstaltung, Zielgruppe, Auf einen Blick, Bewerbung, Hinweis zu den Kosten, Kontakt Sie interessieren sich für die Stärkung digitaler Kompetenzen, die Förderung von KI -Kompetenzen und die Entwicklung nachhaltiger Ansätze zur Integration von KI in Lehre, Lernen und Bildungsführung? Die finnische Nationale Agentur bietet dazu vom 09. bis 11.12.2026 in Helsinki, Finnland ein Vernetzungstreffen zum Thema „Transforming Education through Digital Pedagogy and AI - Educator Agency for Systemic Change“ an. , Diese thematische TCA-Veranstaltung richtet sich an Führungskräfte, Managementverantwortliche sowie Verantwortliche für die pädagogische Weiterentwicklung in Einrichtungen der Schulbildung ( SE ) und der beruflichen Bildung (VET). Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Frage, wie Künstliche Intelligenz und digitale Pädagogik einen systemischen Wandel im Bildungswesen unterstützen können. In Grundsatzvorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen und moderierten Networking-Formaten schlägt die TCA die Brücke von politischen und strategischen Überlegungen zur konkreten Umsetzung in der Praxis. Die Veranstaltung zielt darauf ab, das Verständnis der Teilnehmenden für den strategischen und pädagogisch sinnvollen Einsatz von KI zu vertiefen. Zugleich soll sie den europäischen Austausch und das gegenseitige Lernen zwischen dem Schulbildungs- und dem Berufsbildungssektor fördern. , Teilnehmende aus den Bereichen Schulbildung (SE) und berufliche Bildung (VET): Vertreter/-innen der Leitung und des Managements von Bildungseinrichtungen, Fachkräfte für pädagogische Entwicklung Vertreter/-innen der allgemeinbildenden Schulen können sich beim PAD bewerben: https://erasmusplus.schule/ Nach Möglichkeit wird eine gemeinsame Teilnahme von zwei Vertretern derselben Organisation empfohlen, zum Beispiel Vertreter/-innen der Leitung und Fachkräfte für pädagogische Entwicklung , Beginn: 09.12.2026 um 11:00 Uhr Ende: 11.12.2026 um 13:30 Uhr Veranstaltungsort: Helsinki, Finnland Bitte planen Sie Ihre Reise so, dass Sie von Beginn bis zum Ende der Veranstaltung anwesend sein werden. Die TCA findet auf Englisch statt. Die Teilnehmenden sollten über gute Englischkenntnisse verfügen. , Die Bewerbung zur Teilnahme erfolgt über die SALTO -Plattform. Ein entsprechender SALTO -Account ist erforderlich. Zur Bewerbung Bewerbungsfrist: 25.09.2026 , Die Kosten der Veranstaltung (Übernachtung, Verpflegung, Seminargebühren) werden für Sie von der ausrichtenden Nationalen Agentur übernommen. Die NA beim BIBB bezuschusst Ihre Reisekosten. , Weitere Informationen zur Teilnahme an TCA-Veranstaltungen finden Sie auf unserer Übersichtsseite . - Bei Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich bitte an Mika Kananen, E-Mail: mika.kananen@oph.fi Bei Fragen zur Abrechnung wenden Sie sich bitte an: NA-TCA@bibb.de . …
[…] Ziele der Veranstaltung, Zielgruppe, Auf einen Blick, Bewerbung, Hinweis zu den Kosten, Kontakt Wie können Innovation und Forschung dazu beitragen, Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps effektiver, inklusiver und wirkungsvoller zu gestalten? Welche innovativen Methoden kommen in der Forschung zum Einsatz, und wie lassen sich Innovationen in Bildungs- und Mobilitätsprogrammen untersuchen und besser verstehen? Die 10. Jubiläumsausgabe der internationalen Konferenz „Evidence-based Approach in Erasmus+ and the European Solidarity Corps“ findet vom 25. bis 26. November 2026 in Warschau, Polen, statt. Die diesjährige Ausgabe unter dem Motto „Innovations in Research, Research on Innovation“ erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Reflexion über die Zukunft von Erasmus+ (2028–2034) an Dynamik gewinnt. , Das Vernetzungstreffen bringt Forschung, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um innovative Forschungsmethoden und den Einsatz von KI in der Bildungs- und Sozialforschung zu diskutieren. Im Fokus steht, wie Innovation erforscht, gemessen und bewertet werden kann und wie KI und evidenzbasierte Ansätze die Qualität und Wirkung von Erasmus+ und dem Europäischen Solidaritätskorps stärken können. , Die Zielgruppen dieser Veranstaltung sind: Forscher/-innen, Wissenschaftler/-innen und Politikanalysten Mitarbeiter/-innen der NA Politische Entscheidungsträger/-innen Erasmus+-Projektkoordinatoren/-Projektkoordinatorinnen Projektträger öffentlicher Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen Alle, die sich für die Zukunft der europäischen Bildungszusammenarbeit und das Konzept der evidenzbasierten Politikgestaltung interessieren , Beginn: 25.11.2026 Ende: 26.11.2026 Veranstaltungsort: Warschau, Polen Bitte planen Sie Ihre Reise so, dass Sie von Beginn bis zum Ende der Veranstaltung anwesend sein werden. Die TCA findet auf Englisch statt. Die Teilnehmenden sollten über gute Englischkenntnisse verfügen. , Die Bewerbung zur Teilnahme erfolgt über die SALTO -Plattform. Ein entsprechender SALTO -Account ist erforderlich. Zur Bewerbung Bewerbungsfrist: 20.09.2026 Wichtig für Ihre Bewerbung: Für Vertreterinnen und Vertreter der beruflichen Bildung sowie der Erwachsenenbildung ist die Nationale Agentur beim BIBB zuständig. Für Interessierte aus der Hochschulbildung ( HE ) ist der DAAD zuständig: https://eu.daad.de/Deutscher Akademischer Austauschdienst - DAAD . Vertreterinnen und Vertreter der allgemeinbildenden Schulen ( SE ) wenden sich bitte an den PAD : Pädagogischer Austauschdienst (PAD): Austausch bildet: PAD . , Die Kosten der Veranstaltung (Übernachtung, Verpflegung, Seminargebühren) werden für Sie von der ausrichtenden Nationalen Agentur übernommen. Die NA beim BIBB bezuschusst Ihre Reisekosten. , Weitere Informationen zur Teilnahme an TCA-Veranstaltungen finden Sie auf unserer Übersichtsseite . - Bei Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich bitte an Jacek Kasprzak, E-Mail: jkasprzak@frse.org.pl Bei Fragen zur Abrechnung wenden Sie sich bitte an: NA-TCA@bibb.de . …
[…] Bildung für Europa 41 Dez. 2025 Journal der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung KI in europäischen Projekten angekommen 14 SALTO Digital Resource Centre 16 KI: Zahlen und Fakten 24 Programmvorschlag Erasmus+ 2 3Impressum Herausgeber: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) 53142 Bonn Tel.: 0228 107-1608 E-Mail: infodienst@bibb.de Internet: www.na-bibb.de LinkedIn: Nationale Agentur Bildung für Europa Verantwortlich: Berthold Hübers Redaktion: Dr. Gabriele Schneider, Sigrid Dreissus-Meurer Redaktionsassistenz: Diana Katsch Redaktionsschluss: 06.10.2025 Bestellungen: Kostenlos über www.na-bibb.de/service/publikationen Erscheinungsweise: Halbjährlich Auflage: 6.000 Gestaltung: Blueberry – Agentur für Design & Markenkommunikation, www.go-blueberry.de Druck: Druckerei Kriechbaumer Gedruckt auf Recyclingpapier Nautilus SuperWhite FSC-, EU Ecolabel zertifiziert Bildnachweis Titel & Inhaltsver zeichnis (S.5): - Kazi/AdobeStock (S. 1); deagreez & ImageFlow/AdobeStock; Projekt VHS Bingen, Projekt AI in ADU, VHS Cham (S. 5). Für unverbindlich eingesandte Manu skripte, Bildmaterial und andere Unter lagen wird keine Haftung übernommen. Artikel, die namentlich gekennzeich net sind, geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. - - - ISSN 1616-5837 - 2 - - Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) besteht seit dem Jahr 2000 und arbeitet im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie ist Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ im Bereich der Berufsbildung und der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche europabezogene und internationale Aufgaben im Bereich der Berufsbildung und Erwachsenenbildung wahr. Sie arbeitet eng mit der EU-Kommission sowie auf nationaler Ebene mit Ministerien, Bundesländern, Sozialpartnern, Verbänden, Kammern, Unternehmen, Hochschulen und Bildungs einrichtungen zusammen. www.na-bibb.de www.erasmusplus.de Erasmus+ Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Auslandsaufenthalte und Bildungskooperationen im europäischen Ausland. Europäische Agenda Erwachsenenbildung: Nationale Koordinierungsstelle – europäische und nationale Themen vernetzen. Nationales Europass Center: Kompetenzen mit dem Europass ver ständlich darstellen – in ganz Europa. Deutschland EPALE: Nationale Koordinierungsstelle – ePlatform for Adult Learning in Europe. Beratungsservice für Auslands aufenthalte in der Berufsbildung: Information und Beratung für Betriebe, berufliche Schulen und Kammern. MeinAuslandspraktikum: Beratungsangebot für Auszubildende zu Auslandsaufenthalten. AusbildungWeltweit: Weltweite Auslandsaufenthalte von Auszubildenden und Ausbildern/Ausbilderinnen. Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten: Unsere Datenschutzhinweise finden Sie unter: www.na-bibb.de/datenschutz Abbestellungen oder Adressänderungen an: infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de/service/publikationen http://www.go-blueberry.de http://www.na-bibb.de www.erasmusplus.de mailto:infodienst@bibb.de http://www.na-bibb.de http://www.na-bibb.de/datenschutz mailto:infodienst@bibb.de 2 3 Bildung für Europa | Dezember 2025 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, die digitale Transformation macht in Europa keine Pause und Künst liche Intelligenz (KI) hat sich als treibende Kraft in vielen Bereichen etabliert. In dieser Ausgabe widmen wir uns einem Thema, das nicht nur Zukunftsperspektiven aufzeigt, sondern auch bereits heu te in zahlreichen Erasmus+-Projekten eine zentrale Rolle spielt: KI. - - Mit der rasanten Entwicklung von KI-Tools und -Anwendungen erleben wir eine wesentliche Veränderung der Lern- und Lehrpro zesse. Vom Sprachtraining über digitale Lernassistenten bis hin zu innovativen Anwendungen in der Berufs- und Erwachsenenbil dung – KI verändert die Art und Weise, wie wir lernen, lehren und arbeiten. In den Good-Practice-Beispielen, die wir Ihnen in dieser Ausgabe vorstellen, können Sie einen lebendigen Eindruck davon gewinnen, wie europäische Bildungsprojekte KI gezielt einsetzen, um neue Lernmethoden zu erproben und die Digitalisierung sinn voll zu gestalten. - - - Besonders spannend in der Berufsbildung ist beispielsweise die Nutzung von KI im Erasmus+-Projekt „Career Intelligence“, das einen Lernassistenten entwickelt hat, der Jugendlichen bei der Berufsorientierung unterstützt und ihre Karriereplanung indivi duell fördert. Für den Bereich der Erwachsenenbildung zeigt die Volkshochschule Bingen in einem spannenden Praxisbeispiel, wie KI gezielt zur Entwicklung von Unterrichtsmaterialien und zur Opti mierung von Lernprozessen eingesetzt werden kann. - - Gleichzeitig möchten wir Sie in dieser Ausgabe auf den Programm vorschlag für Erasmus+ 2028-2034 aufmerksam machen. Die po sitive Botschaft: Der politische Prozess zur Gestaltung des Nach folgeprogramms ist auf einem guten Weg und der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass die Mittel von 26 auf 41 Milliarden Euro steigen sollen – trotz der auch in Europa angespannten Haus - - - - haltslage. Dennoch: Angesichts der ambitionierten Ziele und mit Blick auf den Finanzierungsumfang, den wir 2027 erreicht haben werden, muss man feststellen, dass das vorgeschlagene Budget nicht ausreichen wird, um die festgelegten Ziele im Bildungsbe reich vollständig zu erreichen und weiter zu wachsen. Das ist ein Thema, das uns alle betrifft, und wir laden Sie ein, mehr über die geplanten Änderungen zu erfahren und sich aktiv an der Diskussi on zu beteiligen. - - Europa lebt von der Vielfalt der Ideen und von der Zusammen arbeit über Grenzen hinweg. Die Projekte, die in dieser Ausgabe vorgestellt werden, zeigen, wie KI als Motor für Innovation in der europäischen Bildung wirkt. Lassen Sie sich von den praxisnahen Beispielen inspirieren und entdecken Sie, wie KI dazu beiträgt, das Lernen von morgen zu gestalten. - Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und einen spannenden Einblick in die Entwicklungen, die die Zukunft der Bildung prägen werden. Mit einem herzlichen Gruß aus Bonn Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B 4 5 Inhalt Nr. 41 | Künstliche Intelligenz 06 Lernen, Lehren, Künstliche Intelligenz Neue Chancen durch Erasmus+ 09 Kompetenzmodell AIComp Künstliche Intelligenz erfolgreich in Beruf und Alltag nutzen 10 Der neue Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz Auswirkungen der KI-Verordnung auf den Bildungsbereich 13 Good Practice: Erasmus+ meets KI in Essen Impulse für Ausbildung in Informatik, Elektronik und Robotik 14 Europäisches SALTO Digital Resource Centre Auftrag: Förderung der digitalen Bildung europaweit 16 Infografik: Künstliche Intelligenz Ausgewählte Facts zur Stimmung in der Gesellschaft 18 Good Practice: Mit KI in die Bildung von morgen Volkshochschule profitiert von Austausch 19 Good Practice: Career Intelligence Entwicklung eines KI-basierten Lernassistenten für die berufliche Bildung 20 Good Practice: KI in der Erwachsenenbildung Einsatzpotenziale mit Fokus auf Sprachenlernen 21 KI in der Grundbildung Gespräch mit einem Dozenten beim Bayerischen Volkshochschulverband Erasmus+ 22 Erasmus+-Antragsrunde 2025 Rekordergebnisse bei Auslandsaufenthalten, Partnerschaften etwa auf Vorjahresniveau 24 Programmvorschlag Erasmus+ 2028-2034 Starkes Programm mit knappem Budget 26 European Innovative Teaching Award 2025 Zwei deutsche Projekte aus der Erwachsenenbildung ausgezeichnet 28 Erasmus+ vernetzt Europa Wie Teilnehmende von TCAs profitieren 30 Infosplitter 32 Antragsfristen 4 5 Bildung für Europa | Dezember 2025 - 06 Lernen, Lehren, KI 10 Europäische KI-Verordnung 18 VHS profitiert von KI 20 Sprachenlernen mit KI 26 European Teaching Award 2025 „Der European Teaching Award 2025 ver deutlicht, dass europäische Projekte nicht nur Konzepte hervorbringen, sondern konkrete Veränderungen im Leben von Menschen. “ 6 7Künstliche Intelligenz © I m ag eF lo w /A do be St oc k Lernen, Lehren, Künstliche Intelligenz Neue Chancen durch Erasmus+ 6 7 Bildung für Europa | Dezember 2025 S eit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 hat das Thema Künstliche Intelligenz (KI) weltweit an Fahrt aufge nommen. Inzwischen gibt es unzählige Tools, deren Vielfalt und ständige Wei terentwicklung es schwer machen, ei nen Überblick zu behalten. - - - Darüber hinaus wurde mit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung über Künstliche Intelli genz (AI Act) im Sommer 2024 erstmals ein europäischer Rahmen geschaffen, der für mehr Systematik sorgt. Das Programm Eras mus+ bietet in diesem Zusammenhang ein besonderes Experimentierfeld, um das The ma KI in seinen verschiedenen Facetten auf zugreifen und KI-Tools in unterschiedlichen Kontexten der Berufs- und Erwachsenenbil dung zu erproben. - - - - - KI in der Berufsbildung Die europäische Berufsbildung muss ange sichts der hochdynamischen Entwicklungen besonders im Bereich der generativen KI sowohl aus technologischer als auch didak tischer und ethischer Perspektive Kompe tenzen entwickeln. - - - Partnerschaften für Zusammenarbeit Unter den Partnerschaftsprojekten, die im Rahmen der Priorität „Digitaler Wandel“ in Erasmus+ gefördert werden, sind ab 2020 nur singulär und dann ab 2023 zunehmend KI-Themen. Die Projekte untersuchen, wie Künstliche Intelligenz Branchen bzw. Berufs bilder beeinflusst und welche Anpassungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung erforderlich sind, um mit den rasanten Ent wicklungen Schritt zu halten. - - Die Projekte können strukturiert werden nach Grundlagenwissensvermittlung, Kom petenzentwicklung, Chatbots sowie KI in ausgewählten Branchen, z.B. Landwirt - - schaft/Ernährung, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Mechanik/Industrie 4.0, Tou rismus/Gastgewerbe, Multimediasektor und Kreativwirtschaft. Dazu werden Trainings und Tools entwickelt, wie spezifische Prompt-Ka taloge und die flexible Integration von KI-Modellen in Lernplattformen. Lehr- und Lerninhalte für den Einsatz von KI und Ava taren in der praktischen beruflichen Bildung für die Bereiche der Chemie, Biologie, IT und der Mechatronik werden erarbeitet, um den digitalen Transformationsprozess zu unter stützen. Ergänzend wird für EU-Vorschriften sensibilisiert, um etwa ein besseres Ver ständnis der KI-Verordnung, einschließlich Risikoklassifizierung, Compliance, Transpa renz, Data Governance und die Gewährlei stung ethischer KI-Praktiken zu schaffen. - - - - - - - Chatbots unterstützen Jugendliche bei der Berufswahl und Einarbeitung. Neue Perspek tiven für das Mentoring von Jugendlichen entstanden in einer Kooperationspartner schaft mittels KI-gestützter Lernassistenten. Ein im Jahr 2025 gestartetes neues Projekt modernisiert die Einarbeitung internationa ler Auszubildender durch eine KI-gestützte, spielerische Plattform, die Inklusion, interkul turelle Kompetenz und berufliche Einsatzbe reitschaft fördert. Der assistierte Einsatz von KI und Avataren als Bildungstechnologie hat das Potenzial, Ausbilderinnen und Ausbilder bei repetitiven Aufgaben zu entlasten sowie Auszubildende individueller zu unterstützen. - - - - - Ein anderes Projekt kombiniert die nachhal tigkeitsbezogenen Verantwortungsbereiche von Organisationen mit KI und entwickelt zur Implementierung der ESG-Kriterien (Um welt, Soziales und Unternehmensführung) der Vereinten Nationen ein auf einer KI-ba sierten E-Learning-Plattform beruhendes zertifiziertes Weiterbildungsangebot auf Niveau 5 des Europäischen Qualifikations rahmens. - - - - Eine aktuelle Kooperationspartnerschaft hat zum Ziel, die Stärkung der Ernährungs kompetenz und Ernährungserziehung in der beruflichen Bildung mit Schwerpunkt auf verarbeitete Lebensmittel und nachhaltigem Konsum durch die Entwicklung einer KI-ge stützten App zur Ernährungsüberwachung mit Gesundheitssimulation zu fördern. - - Schließlich entwickeln einige Projekte grundlegende KI-Kompetenzen für prak tische Bedarfe in KMU, um deren Innovati onsfähigkeit zu sichern. - - Mobilitätsprojekte Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung – auch im Rahmen von Eras mus+-Mobilitätsprojekten. Während Aus landsaufenthalte in der Vergangenheit vor allem dazu dienten, interkulturelle Kompe tenzen und Sprachkenntnisse zu vertiefen, gewinnen heute technologische Erfah rungen an Bedeutung. Besonders in wirt schaftsstarken Regionen mit ausgeprägtem Mittelstand nutzen Berufsschulen und Aus bildungsbetriebe Erasmus+, um Auszubil denden aus technischen Bildungsgängen den Zugang zu neuen und anderen Techno logien zu eröffnen. - - - - - - - - Ein prägnantes Beispiel ist der Umgang mit spezialisierter KI-Software: Viele Betriebe er möglichen ihren Auszubildenden einen Aus landsaufenthalt mit Erasmus+, damit sie im Gastland mit Anwendungen arbeiten kön nen, die ihnen im Entsendeland nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Dabei geht es nicht nur um den praktischen Kompetenzerwerb, sondern auch um den Innovationsvorsprung, den internationale Mobilität ermöglicht. In einigen Bildungs gängen wird der Praxisaufenthalt gezielt mit konkreten Zusatzqualifikationen kombiniert, wie etwa bei Auszubildenden in der Elektro nik für Informations- und Systemtechnik, die zusätzlich die Qualifikation „Digitale Vernet zung und Programmierung“ erwerben. Eras mus+ Mobilität wird somit zu einem stra tegischen Baustein, um Fachkräfte auf die digitalen Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. - - - - - - - - Doch nicht nur für die Auszubildenden, son dern auch für die Lehrenden wächst die Be deutung von KI rasant. Immer stärker nach gefragt sind Inhalte, die den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Pädagogik thematisieren. So verzeichnen Kurse wie „Integrating AI into language teaching and learning“ eine hohe Nachfrage. Die Vermittlung von Medi enkompetenzen hat gerade, aber nicht nur, in technischen Ausbildungsberufen einen hohen Stellenwert. - - - - Darüber hinaus trägt KI dazu bei, Teilha be zu ermöglichen und Bildung inklusiver zu gestalten. Digitale Tools erleichtern den Zugang für Lernende mit Sprachbarrieren oder mit besonderen Unterstützungsbedar fen. Automatische Übersetzungen, adaptive Lernsysteme oder individualisierte Hilfestel lungen machen es möglich, Bildungspro zesse stärker an den Fähigkeiten und Be - - - - - Künstliche Intelligenz 8 9 dürfnissen einzelner Schülerinnen und Schüler auszurichten. KI in der Erwachsenenbildung Partnerschaften für Zusammenarbeit In den Partnerschaftsprojekten der Erwach senenbildung tauchte das Thema KI zum ersten Mal 2020 explizit in einem Projekt auf, das sich mit diesem damals ganz neuen Thema auseinandersetzte und einen modu laren Grundlagenkurs für Lehrende und Ler nende entwickelte. In den darauffolgenden Antragsjahren 2021 und 2022 war KI als ei genes Projektthema kaum und eher indirekt vorhanden. - - - - Erst im Antragsjahr 2023, kurz nach dem weltweiten Bekanntwerden von generativen KI-Modellen, zeigte sich das Thema dann in den Projekten als ein erstes Herantasten: So ging es in einer Kooperationspartnerschaft um personalisierte und flexible Lernwege durch den Einsatz von KI-Technologien insbesondere im Sprachenlernen; in einer kleineren Partnerschaft stand die Reflexion über KI und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt im Mit telpunkt. Seit dem Antragsjahr 2024 hat sich das Bild vollständig gewandelt und KI ist klar in der Projektarbeit angekommen: Sowohl in den kleineren Partnerschaften als auch in den Kooperationspartnerschaf ten wird KI auf verschiedene Kontexte und Zielgruppen angewendet. Nun reichen die - - Themen von der Begleitung von Eltern in der Medienbildung, über die Anwendung von KI im Sprachenlernen für Migrantinnen und Migranten bis hin zu Lernsettings für das Empowering von Frauen, dem Einsatz von KI für Kunst- und Kulturschaffende so wie der Stärkung von Cyber-Resilienz. 2025 stehen dabei insbesondere die Verknüpfung von KI und Inklusion von verschiedenen Ziel gruppen sowie Aspekte der Cyber-Sicherheit und eines kritisch-bewussten Umgangs mit KI im Fokus. - - Neben diesen explizit bearbeiteten KI-The men gibt es noch zahlreiche Projekte zu an deren Themen, bei denen der Einsatz von KI-Tools eine wichtige Rolle spielt – das Aus maß davon lässt sich allerdings nur schwer feststellen. - - - Mobilitätsprojekte In den Mobilitätsprojekten der Erwachse nenbildung zeigt sich ein ganz ähnliches Bild: Vor 2023 gab es immer wieder Projekte im Themenbereich Digitalisierung, aber ex plizit zu Künstlicher Intelligenz finden sich vor allem ab dem Antragsjahr 2024 mehrere Projekte. Im Fokus steht hier beispielsweise das Erproben, wie KI-Tools auf administra tive Workflows, auf die Steigerung von or ganisatorischer Effizienz und inklusiven As pekten sowie auf die Modernisierung von Lehrmethoden und die Personalisierung von Lernen angewendet werden können. Dabei spielen auch Überlegungen zur Förderung des kritischen Denkens sowie ein verant wortungsvoller und ethisch angemessener Umgang mit KI eine große Rolle. - - - - - - Fazit und Ausblick Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich Erasmus+ einerseits sehr gut dazu eignet, ein Experimentierfeld für Themen zu bie ten, eine vielseitige Plattform zum Erproben innovativer Bildungsansätze. Andererseits können im Rahmen europäischer Koope rationen gezielte Weiterbildungsangebote entwickelt und Teile der Ausbildung als Zu satzqualifikationen im Bereich Künstliche In telligenz vermittelt werden. - - - - Die NA beim BIBB unterstützt Antragsteller und Projekte dabei insbesondere durch die Themenseite zur digitalen Bildung, auf der neben einer Orientierung an verschiedenen Dimensionen von Digitalisierung auch Bei spiele guter Praxis zu finden sind. - Wichtig bleibt bei alledem, eine vernünf tige und sinnvolle Balance zu wahren: KI eröffnet nahezu unbegrenzte Chancen für die Projekte, doch ein bewusster Einsatz muss den Wert menschlicher Kreativität, kri tischen Denkens und die transnationale Zu sammenarbeit menschlicher Akteure in den Mittelpunkt stellen – genau das prägt ihren eigentlichen europäischen Mehrwert. - - - www.na-bibb.de/digitale-bildung DR. TORSTEN DUNKEL Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Innovation und Kooperation in der Berufsbildung, Europass“ in der NA beim BIBB dunkel@bibb.de MICHAEL MARQUART Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team „Erwachsenenbildung: Erasmus+ Kooperationsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB marquart@bibb.de INGA VAN DEN THILLART Mitarbeiterin im Projektmonitoring Team „Mobilität und Internationalisie rung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB - thillart@bibb.de Künstliche Intelligenz © N A b ei m B IB B http://www.na-bibb.de/digitale-bildung mailto:marquart@bibb.de mailto:dunkel@bibb.de mailto:thillart@bibb.de 8 9 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - Kompetenzmodell AIComp Künstliche Intelligenz erfolgreich in Beruf und Alltag nutzen D er Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gibt der digitalen Transformation weiter Auftrieb und stellt die Men schen in ihrer Lebens- und Arbeitswelt vor immer neue Herausforderungen. Welche Kompetenzen müssen sie haben, um fit für eine durch schnellen Wandel geprägte Zukunft zu sein? Ein Ergebnis der Forschung zu den sogenannten Future Skills ist das Kompetenzmodell AIComp (Artifi cial Intelligence Competences). Es wurde als Teil der Projekte KI-Campus und KI-Campus Hub Baden-Württemberg von NextEduca tion erarbeitet und basiert auf einer empi rischen Studie mit über 1.600 Berufstätigen in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2023. Diese wurden zu Kompetenzen befragt, die für die effektive Nutzung von KI erforderlich sind. AIComp zeigt Bedingungen für erfolg reiches berufliches und privates Handeln auf und liefert somit gleichzeitig wichtige Hin weise zu potenziellen Bildungsmaßnahmen. Nachstehend bilden wir die zwölf Kompe tenzfelder ab, die im Rahmen der Studie identifiziert wurden. Das Modell selbst be schreibt für jedes Kompetenzfeld exempla risch Wissen, Fähigkeiten und Werteeinstel lungen. Die umfassende Dokumentation des Forschungsprojektes und seiner Ergebnisse mitsamt dem AIComp-Modell finden Sie unter https://next-education.org/de/ projekte/ai-comp/ Grafik „Zwölf Kompetenzfelder im AIComp-Modell“ von NextEducation unter CC BY-NC-ND, https://next-education.org/downloads/AIComp_Part_2_Kompetenzmodell_final.pdf, S. 26 Künstliche Intelligenz https://next-education.org/de/projekte/ai-comp/ https://next-education.org/de/projekte/ai-comp/ https://next-education.org/downloads/AIComp_Part_2_Kompetenzmodell_final.pdf 10 11 © d ea gr ee z/ A do be St oc k - Der neue Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz Auswirkungen der KI-Verordnung auf den Bildungsbereich I m Juli 2024 wurde die EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz verabschiedet. Sie ist das weltweit erste umfassende Regel werk für die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Besonders strenge Vorgaben gelten für KI-Systeme, die in sensiblen Bereichen zum Einsatz kommen. Dazu zählt auch die allgemeine und berufliche Bildung. Sollen KI-Systeme künftig in Lehr- und Lernprozesse integriert werden, müssen eine Vielzahl rechtlicher, technischer und organisatorischer Anforderungen umgesetzt werden. 10 11 Bildung für Europa | Dezember 2025 Entwicklerinnen und Entwickler von KI-An wendungen sowie Bildungseinrichtungen sollten sich daher frühzeitig mit den neuen Vorgaben vertraut machen. - Schlüsselelemente des neuen Rechtsrahmens Die KI-Verordnung schafft EU-weit einheit liche Regeln für den Umgang mit Künst licher Intelligenz. KI soll sicher und ver trauenswürdig sein sowie im Einklang mit europäischen Werten und Grundrechten entwickelt und verwendet werden. Die Ver ordnung basiert auf einem risikobasierten Ansatz. Dieser stellt sicher, dass nicht alle KI-Systeme gleichermaßen reguliert wer den, sondern dass sich Art und Umfang der Vorgaben am jeweiligen Risiko orientieren. Besonders schädliche oder missbräuchliche Praktiken sind gänzlich verboten. Hierzu gehören etwa Systeme zur Verhaltensmani pulation oder zur Bewertung von Personen anhand sozialer Merkmale (Social Scoring). - - - - - - Weniger offensichtlich, aber ebenso verbo ten ist der Einsatz von KI-Systemen, die in Bildungseinrichtungen zur Ableitung emo tionaler Zustände genutzt werden, etwa durch die Analyse von Mimik, Stimme oder Körpersprache. Auch wenn der Einsatz sol cher Systeme technisch möglich und in eini gen Fällen pädagogisch geboten erscheinen mag, ist Vorsicht geboten. Bildungsein richtungen, Träger und Anbieter digitaler Lernsysteme sollten daher KI-gestützten Emotionserkennungssystemen besondere Zurückhaltung üben und im Zweifel darauf verzichten. - - - - - Hochrisikofälle in der allgemeinen und beruflichen Bildung Der Kern der KI-Verordnung liegt in der Re gulierung sogenannter Hochrisiko-KI-Sys teme. Diese sind nicht verboten, werden jedoch mit einem erhöhten Gefährdungs potenzial in Verbindung gebracht. Sie dür fen daher nur in Verkehr gebracht oder eingesetzt werden, wenn strenge Anforde rungen an Qualität, Sicherheit und Transpa renz erfüllt werden. - - - - - - Als hochriskant gelten unter anderem KI-Anwendungen, wenn sie in besonders grundrechtssensiblen Bereichen wie der Justiz oder im Beschäftigungskontext ein gesetzt werden. Erfasst sind jedoch auch - KI-Systeme im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung. Konkret betrifft dies Anwendungen, die über den Zugang zu Bildungseinrichtungen entscheiden, Lernergebnisse bewerten, Kompetenzen feststellen oder zur Prüfungsüberwachung eingesetzt werden. Der Gesetzgeber sieht in diesen Fällen ein besonders hohes Risi ko, da fehlerhafte, unausgewogene oder intransparente KI-Entscheidungen Bildungs biografien beeinträchtigen und die weite ren Berufs- und Lebenswege der betrof fenen Personen nachhaltig beeinträchtigen können, etwa indem sie den Zugang zu be stimmten Ausbildungs- oder Karrierewegen ungerechtfertigt erschweren oder zukünf tige Leistungsbewertungen verzerren. - - - - - - Aus diesem Grund gelten hohe Anforde rungen an die Entwicklung, den Betrieb und die laufende Kontrolle von Hochrisi ko-KI-Systemen. Anbieter solcher Systeme, also Unternehmen oder Institutionen, die eine KI entwickeln oder unter eigenem Namen in Verkehr bringen, müssen unter anderem ein Risikomanagementsystem einführen, die Qualität von Trainings- und Testdaten sicherstellen, eine technische Dokumentation und Gebrauchsanleitung bereitstellen sowie ein Konformitätsbewer tungsverfahren durchlaufen. Auch Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen, etwa Berufs schulen, Kammern oder Weiterbildungs träger, haben eigenständige Pflichten. Sie müssen sicherstellen, dass das System nur im vorgesehenen Rahmen genutzt wird, qualifiziertes Personal die Aufsicht über nimmt und die Nutzung überwacht wird. Treten Probleme oder Vorfälle auf, sind die se zu dokumentieren und zu melden. - - - - - - - Da mit der Einstufung als Hochrisi ko-KI-System weitreichende Anforderungen und Pflichten verbunden sind, sieht die KI-Verordnung in bestimmten Fällen eine Ausnahme vor. Nach Art. 6 Abs. 3 KI-VO entfällt die Hochrisikoeinstufung, wenn von dem System kein erhebliches Risiko für die betroffenen Personen ausgeht. Diese Aus nahme greift insbesondere dann, wenn die KI keine eigenständigen Entscheidungen trifft, sondern lediglich unterstützend wirkt, etwa bei der Datenvorverarbeitung oder der Vorbereitung menschlicher Bewer tungen. Je geringer der Einfluss der KI auf die zutreffende Entscheidung und je stärker die Kontrolle durch den Menschen, desto - - - eher kann die Ausnahme Anwendung fin den. Die Ausnahmeregelung trägt damit dem risikobasierten Ansatz der Verordnung Rechnung und stellt sicher, dass nur solche Systeme als hochriskant eingestuft werden, die tatsächlich ein relevantes Risiko für Bil dungschancen und Teilhabe begründen. - - Horizontale Pflichten: Transparenz und KI-Kompetenzen Neben den besonderen Vorschriften für Hochrisiko-KI-Systeme enthält die KI-Ver ordnung auch grundlegende Pflichten, die für alle KI-Anwendungen gelten. Sie sollen Transparenz, Nachvollziehbarkeit und ei nen verantwortungsvollen Umgang mit KI gewährleisten, unabhängig von der Risiko klassifizierung des Systems. - - - Eine zentrale Anforderung betrifft die Trans parenz gegenüber Nutzenden. Sie sollen er kennen können, ob sie mit einem KI-System interagieren oder ob Inhalte künstlich er zeugt wurden. Dies gilt insbesondere für Anwendungen, die unmittelbar mit Men schen interagieren, etwa als Chatbot oder Lernassistent. Geht aus dem Kontext nicht ohne Weiteres hervor, dass es sich um ein KI-System handelt, müssen Nutzende über den KI-Einsatz informiert werden. Gleiches gilt, wenn eine KI zur Emotionserkennung oder biometrischen Kategorisierung einge setzt wird. Auch in diesen Fällen ist ein kla rer Hinweis erforderlich. - - - - - - Neben diesen Transparenzvorgaben wurde als weitere horizontale Pflicht die Sicher stellung von KI-Kompetenz eingeführt, um einen sachgerechten und verantwortungs vollen Einsatz von KI-Systemen zu gewähr leisten. Wer KI-Systeme entwickelt, betreibt oder einsetzt, muss sicherstellen, dass die beteiligten Personen über angemessene Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Er forderlich sind kontextspezifische Kompe tenzen, um Funktionsweise, Grenzen und Risiken des jeweiligen Systems nachvoll ziehen und einschätzen zu können. Sollen KI-Systeme im Bildungsbereich eingesetzt werden, ist daher sicherzustellen, dass alle beteiligten Personen (etwa Lehr-, Fach- oder IT-Personal) die Funktionsweise der Systeme verstehen, deren Ergebnisse einordnen und mögliche Fehlfunktionen erkennen können. - - - - - - Künstliche Intelligenz 12 13 Ausblick Die KI-Verordnung bildet künftig den zentra len Bezugsrahmen für die Entwicklung und den Einsatz von KI in der Europäischen Union. Aufgrund ihres breiten Anwendungsbereichs erfordert ihre Umsetzung in vielen Bereichen neue Routinen und Verantwortlichkeiten. Da bei dürfen die neuen Vorgaben nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen mit be stehenden Regelungsbereichen, insbesondere dem Datenschutzrecht, in Einklang gebracht werden. Gerade im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung wird deutlich, dass der Einsatz von KI zunehmend nicht nur tech nische und pädagogische, sondern auch recht liche Fragen aufwirft. Einige Vorgaben, wie das Verbot bestimmter Systeme und die Sicher stellung von KI-Kompetenz, gelten bereits seit dem 2. Februar 2025. Ab dem 2. August 2026 treten zudem die Anforderungen für Hochri siko-KI-Systeme in Kraft, die insbesondere für Anwendungen zur Bewertung von Lernergeb - - - - - - - - nissen, zur Kompetenzfeststellung oder zur Prüfungsüberwachung von Bedeutung sind. Der verbleibende Zeitraum sollte genutzt wer den, um rechtzeitig geeignete Strukturen und Kompetenzen aufzubauen, Zuständigkeiten zu definieren und Verfahren zu entwickeln, die ei nen sicheren und rechtskonformen Einsatz von KI-Systemen ermöglichen. - - https://eur-lex.europa.eu/legal-content/ DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689 KI-Grundlagenschulung zum AI-Act für das Ausbildungs-und Prüfungspersonal: https://leando.de - Der risikobasierte Ansatz in der KI-Verordnung Künstliche Intelligenz Inakzeptables Risiko z.B. Social Scoring, Manipulation von Personen Verbote KI-Systeme mit einem inakzeptablen Risiko, die im Wi derspruch zu den Werten der EU und den Grundrechten stehen, z.B. Emotionserkennungssysteme in Bildungs einrichtungen. - - Für alle KI-Systeme: KI-Kompetenz Für bestimmte KI-Systeme: Transparenz Hohes Risiko z.B. Sicherheitsrelevante Komponenten von Produkten, Kritische Infrastrukturen, Bildung, Beschäftigung, Justiz Erlaubt unter strengen Auflagen KI-Systeme, die als Produkt oder Produktbestandteil sicherheitsreguliert sind oder die in einem besonders sensiblen Bereich eingesetzt werden sollen. Diese Hochrisiko-KI-Systeme unterliegen verbindlichen Anforderungen und müssen besonders sicher und vertrauenswürdig sein. Hochrisiko-KI in der beruflichen Bildung • Zugang, Zulassung und Zuweisung zu Bildungsreinrichtungen • Bewertung von Lernergebnissen • Bewertung des angemessenen Bildungsniveaus • Überwachung während Prüfungen Kein oder minimales Risiko z.B. Spamfilter, Videospiele Erlaubt ohne Einschränkungen KI-Systeme mit minimalem oder keinem Risiko unterliegen keinen regu latorischen Vorgaben durch die KI-Verordnung. - SEBASTIAN STRAUB Rechtsanwalt und seit 2018 wissenschaftlicher Berater bei der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH mit Schwer punkt Technologie- und Datenrecht. © p riv at https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689 https://leando.de 12 13 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Erasmus+ meets KI in Essen Impulse für Ausbildung in Informatik, Elektronik und Robotik © F EH Am Heinrich-Nixdorf-Berufskolleg (HNBK) in Essen zeigt sich, wie Auslandsaufenthalte im Rahmen von Erasmus+ die Ausbildung in In formatik, Elektronik und Robotik bereichern. Immer mehr Inhalte greifen direkt auf Anwen dungen von Künstlicher Intelligenz (KI) zu und machen sie für Lernende praxisnah erfahrbar. Frankreich-Projekt: KI in autonomen Systemen Besonders eindrücklich ist das Traineepro gramm mit dem Lycée Louis Armand in Frankreich. Hier entwickelten binationale Teams autonome Rover, also ferngesteuerte Fahrzeuge, sowie 3- und 4-Achsen-Roboter arme mit Kameras und Greifsystemen. Neben KI-basierten Steuerungselementen spielten auch Algorithmen, Vernetzung und Kreativität eine Rolle. Diese Praxisphasen führten dazu, dass Lernende ohne Programmier- oder Kon struktionskenntnisse bereits nach kurzer Zeit eigenständig komplexe Aufgaben im inter nationalen Kontext lösen konnten. Hürden in Sprache und Kommunikation wurden Schritt für Schritt abgebaut. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den französischen Partnern erwies sich als entscheidender Erfolgsfaktor. Während das HNBK seine Expertise in Elektronik und Pro grammierung einbringt, hat das französische Lycée Stärken in Konstruktion, Design und Ro botik. Gegenseitiges Lernen und ein offener Austausch über neue Ideen und Technologien ließen so Projekte wie den Rover stetig wach sen. Aus den EU-Erfahrungen entstand sogar eine neue Lernumgebung, die nun in beide Schulsysteme einfließt. Intelligente Häuser in Norwegen Auch in Norwegen konnten Auszubildende ihr Wissen praktisch vertiefen. Gemeinsam mit norwegischen Lernenden entwickelten sie ein Smart-Home-Modell mit Solartechnik, Sensoren, Zugangskontrolle und Vernetzung durch das Internet (Internet of Things, IOT). Besonders wertvoll waren die gemeinsame Installation und Anpassung des IOT-Brokers zur Überwachung und Steuerung des Hauses, bei der die Teams eigenständig Probleme ana lysierten und Lösungen erarbeiteten. Durch die Präsentation ihrer Ergebnisse auf Englisch wuchsen die Jugendlichen in ihrer Selbststän digkeit – fachlich wie sprachlich. Mehrfache Besuche norwegischer Schüle rinnen und Schüler sowie von Lehrkräften am HNBK führten darüber hinaus zu ge meinsamen Projekten im Bereich Robotik, Cyber Security und Europäischer Installati onsbus (KNX). Ergänzt wurde dies durch Job- Shadowings, bei denen Lehrkräfte neue Me thoden und Ansätze kennenlernten. Erasmus+ als Motor der Schulent wicklung Seit der Erasmus+-Akkreditierung ist Interna tionalität am HNBK selbstverständlich. Aus landsaufenthalte in Frankreich, Norwegen, Irland und Spanien gehören zum Schulalltag, genauso wie die Aufnahme internationaler Lernender, die an Projekten teilnehmen oder Kurse besuchen. Das EU-Team ist deutlich ge wachsen, die Projektergebnisse fließen direkt in den Unterricht ein – von neuen Methoden und Lehrmaterialien bis zu Projekten, die so wohl für die Auszubildenden in der dualen Berufsausbildung als auch für das Berufliche Gymnasium und die Höhere Berufsfachschule Anwendung finden. KI wird am Heinrich-Nix dorf-Berufskolleg nicht theoretisch im Klas senzimmer behandelt, sondern konsequent handlungsorientiert umgesetzt. PROJEKTINFO Projekttitel: Mit dem HNBK unterwegs in Europa Projektnummer: 2023-1-DE02-KA121-VET-000118936 Laufzeit: 01.06.2023 - 31.05.2025 Beteiligte Länder: FR, NO Koordinator: OStR Dr. Jörg Dixkens Kontakt: j.dixkens@hnbk.de Website: https://hnbk.de/index.php/europa/ Künstliche Intelligenz mailto:j.dixkens@hnbk.de https://hnbk.de/index.php/europa/ 14 15 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Europäisches SALTO Digital Resource Centre Auftrag: Förderung der digitalen Bildung europaweit Künstliche Intelligenz S ALTO Digital unterstützt die digitale Transformation von Bildung und Ju gendarbeit europaweit, indem es eine breite Palette an praxisnahen Mate rialien, Werkzeugen, Berichten und Publikationen bereitstellt, die auf un terschiedliche Zielgruppen wie Natio nale Agenturen, politische Entschei dungsträgerinnen und -träger sowie Erasmus+-Projektträger zugeschnitten sind. Es stellt zudem Beispiele guter Praxis aus den Programmen Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps vor, die digitale Dimensionen umsetzen. Digitale Transformation Projekte, die im Rahmen von Erasmus+ und dem Europäischen Solidaritätskorps (ESK) ge fördert werden, können eine wichtige Rolle bei der Entwicklung individueller und institutionel ler digitaler Bereitschaft sowie von Kapazitäten und Kompetenzen spielen. Sie können somit dazu beitragen, allen Menschen die gleichen Chancen auf ein erfolgreiches Leben, Arbeit und aktive Bürgerschaft zu bieten. Die besondere Bedeutung der digitalen Trans formation in Bildung und Ausbildung liegt dar in, dass sie systemische Veränderungsprozesse anstößt. Der gezielte Einsatz digitaler Techno logien, Künstlicher Intelligenz (KI) und ande rer neuer Technologien kann neue Lern- und Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen, den Zugang zu Informationen verbessern und mo derne pädagogische Ansätze fördern, um die Qualität von Lehre und Lernen in formalen wie auch nicht-formalen Kontexten zu steigern. Europäisches SALTO Digital Resource Centre Das SALTO Digital Resource Centre unterstützt die Umsetzung der digitalen Transformation als übergreifende Priorität in den Programmen Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps. Das Zentrum fungiert als Drehscheibe zwischen Politik und Praxis mit dem Ziel, die Qualität der digitalen Bildung und Jugendarbeit kontinuier lich zu steigern. SALTO Digital arbeitet in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbildung, Hochschulbildung, Erwachse nenbildung und Jugend und kooperiert eng mit 54 Nationalen Agenturen in 33 Ländern. Zu den Schwerpunkten von SALTO Digital zäh len der Aufbau eines starken digitalen Ökosys tems für Bildung, Ausbildung und Jugendar beit, die Förderung digitaler Kompetenzen, die Unterstützung digitaler und virtueller Zusam menarbeit sowie der virtuelle Austausch inner halb der EU-Programme. SALTO Digital trägt zur Umsetzung der digitalen Querschnittsprio rität bei und konzentriert sich unter anderem auf digitale Kompetenzen, Künstliche Intelli genz (KI), MINKT (Mathematik, Informatik, Na turwissenschaften, Kunst und Technik) sowie die Digitalisierung von Schulen und Bildungs einrichtungen durch europäische Initiativen. Werkzeuge, Materialien und Rah menwerke zur Unterstützung der digitalen Transformation Europäische Rahmenwerke, wie DigComp, DigCompEdu und DigCompOrg zusammen mit dem Digital Education Action Plan, können als Leitfäden für die Identifizierung von Bedar fen, Zielen und Aktivitäten bei der Projektge staltung dienen. Diese Rahmenwerke schaffen einen gemeinsamen europäischen Bezugsrah men, der es ermöglicht, institutionelle Initiati ven in einen breiteren politischen und strategi schen Kontext einzubetten. Sie bieten zudem strukturierte Instrumente zur Unterstützung von Aktivitäten im Bereich Kapazitätsaufbau digitaler Kompetenzen und institutioneller Selbstevaluierung, beispielsweise durch den Einsatz von SELFIE-Tools. Darüber hinaus för dern die Rahmenwerke die Reflexion über Projektaktivitäten und bieten Mechanismen 14 15 Bildung für Europa | Dezember 2025 zur Bewertung ihrer Wirkung auf die digitale Transformation in Bildungs- und Ausbildungs einrichtungen. - Um die digitale Transformation in Bildung, Ausbildung und Jugendarbeit voranzubringen, fördert SALTO Digital EU-Initiativen und entwi ckelt sowie verbreitet eine Vielzahl praxisnaher Ressourcen zu Themen wie MINKT, KI, Desin formation, digitales Wohlbefinden und digitale Kompetenz – und bringt bestehende Inhalte an einem leicht zugänglichen Ort zusammen. Die nachstehend genannten Formate stehen auf der Website von SALTO Digital zur Verfügung. - - > Themenkarten Themenkarten verdichten komplexe digitale Themen zu prägnanten und ansprechenden Zusammenfassungen und behandeln Bereiche wie Künstliche Intelligenz, digitale Pädagogik, MINKT, Computational Thinking und die Twin Transition (grüne und digitale Transformation). Sie sind darauf ausgelegt, Lehrkräfte, Ausbil dende und Projektverantwortliche dabei zu unterstützen, ein klares Verständnis neuer digi taler Konzepte zu entwickeln und diese in der Praxis anzuwenden. - - SALTO Digital Theme Card: Artificial Intelligence (AI) > One-Pager One-Pager oder einseitige Publikationen bieten klare und umsetzbare Handlungs empfehlungen zu zentralen digitalen The men. Dazu gehören gute Praktiken in der digitalen Transformation, das SELFIE-Tool, Strategien zur Bekämpfung von Desinfor mation und zur Förderung digitaler Kompe tenz, das DigComp-Rahmenwerk, der Digital Education Action Plan und der Europäische Digital Education Hub. Diese Ressourcen bie ten praktische Einblicke, wie europäische Rah menwerke und Strategien in institutionelle und projektbasierte Aktivitäten integriert werden können. - - - - - - SALTO Digital Onepager: How to make use of DigComp in your projects > Beispiele guter Praxis Die Sammlung von Beispielen guter Praxis prä sentiert herausragende Fälle digitaler Transfor mation aus Erasmus+- und ESK-Projekten. Die se Beispiele verdeutlichen innovative Ansätze und wirksame Umsetzungen und bieten Lehr kräften sowie Ausbildenden praktische Model le und Inspiration für die Weiterentwicklung der digitalen Transformation in ihren eigenen Initiativen. - - - - - Inspiring Good Practices on Implementing the Digital priority in Erasmus+.... > Werkzeuge und Lernressourcen SALTO Digital stellt eine Vielzahl von Lernres sourcen bereit, die darauf abzielen, digitale Kompetenzen und Wissen in allen Bereichen zu stärken. So unterstützt beispielsweise das Online-Modul zu digitalen Kompetenzen Lehrkräfte und Projektverantwortliche dabei, die Qualität und Wirkung von Erasmus+- und ESK-Projekten zu steigern. Darüber hinaus wer den KI-bezogene Lerninhalte angeboten, um kritische Reflexion und einen informierten Dia log über die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Bildung anzuregen. - - - Die genannten Materialien und weitere nützli che Ressourcen zur digitalen Transformation in der Bildung finden Sie unter: - https://saltodigital.eu PASI SILANDER leitet das European SALTO Digital Resource Centre, das bei der finnischen Nationalen Agentur angesiedelt ist. Künstliche Intelligenz © p riv at https://saltodigital.eu 16 17 Künstliche Intelligenz Ausgewählte Facts zur Stimmung in der Gesellschaft - D er D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, die von Kantar durchgeführt und vom Bundesministeri um für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird. Seit 2013 bietet der D21-Digital-Index ein jährliches Lage bild zur Digitalisierung der Gesellschaft in Deutschland. Einer der Schwerpunkte der Publikation 2024/2025 war das Thema „Künstliche Intelligenz“. Wir präsen tieren hier eine Auswahl von Infografiken aus diesem Studienbereich und eine kurze Einordnung der NA beim BIBB. Den kompletten D21-Digital-Index 2024/25 finden Sie unter: - - - https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital- index/2024-25 Zunehmende Akzeptanz KI-Anwendungen erfreuen sich zunehmender Akzeptanz. Eine Mehrheit sieht Vorteile, wie z.B. die Abnahme monoto ner Tätigkeiten. Dabei kommt KI sowohl im Alltag als auch in der Arbeitswelt zum Einsatz. Unterschiede in der Akzeptanz und Anwendungshäufigkeit gibt es nach Bildungsniveau und Tätigkeit. Spitzenreiter bei der Nutzung sind Schüler/ -innen, also die jüngere Generation, die in einem digitalen Umfeld heranwächst. Aber auch Menschen mit Bürojob nutzen KI-Anwendungen regelmäßig (mindestens einmal pro Monat). Es fällt auf, dass KI vorwiegend als Suchmaschine genutzt wird. Die Fähigkeit, KI-generierte Inhalte kritisch zu hinterfragen, ist angesichts dieser Tatsache von zentraler Bedeutung. - - - KI als Bedrohung oder Erleichterung Wahrnehmung von KI als Bedro hung oder Erleichterung nach Tätigkeiten Das könnte Sie auch interessieren https://job-futuromat.iab.de/ Auf dieser Seite des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsfor schung können Sie testen, wie digitale Technologien Ihren Job verändern. Sie können u.a. gezielt nach Berufsfeldern suchen. https://welten.ki.nrw Das Tool der Kompetenzplattform Künstliche Intelligenz NRW zeigt, wo und in welcher Form Künstliche Intelligenz in den Umgebungen „Unternehmen“, „Zuhause“ und „Kranken haus“ zum Einsatz kommen kann. https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index/2024-25 https://job-futuromat.iab.de/ https://welten.ki.nrw 16 17 Bildung für Europa | Dezember 2025 KI-Nutzung: Motivation und Hürden Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit in verschiedenen Gruppen Top-Anwendungsfälle von KI Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich? Gefragt wurde, welche von drei möglichen modernen Technologien Unternehmen – wenn überhaupt – bis heute eingeführt hätten. In Deutschland gaben 15 Prozent der Befragten an, Künstliche Intelligenz, z.B. maschinelles Lernen oder große Sprachmodelle (Large Language Models) einge führt zu haben. EU-weit waren es 14 Prozent. - https://europa.eu/eurobarometer/surveys/detail/3359 https://europa.eu/eurobarometer/surveys/detail/3359 18 19 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Mit KI in die Bildung von morgen Volkshochschule profitiert von Austausch © P ro je kt fo to Die Volkshochschule und Musikschu le Bingen am Rhein e.V. (vhs Bingen), gegründet 1946, ist mit jährlich über 79.000 Unterrichtseinheiten die dritt größte Erwachsenenbildungseinrich tung in Rheinland-Pfalz. Mit Lernenden aus 99 Ländern und internationalem Personal ist die vhs Bingen eine inter national ausgerichtete Institution. Im Rahmen des Erasmus+-Projekts „Zukunfts orientierte Weiterbildung - vhs Bingen 2030. Mobilität und Netzwerk im europäischen Raum“ führte die vhs gezielt Aktivitäten zum Thema Künstliche Intelligenz durch. Sieben Mitarbeitende der vhs nahmen an Kursen und Schulungen in Rijeka, Kroatien, teil, die sich auf den Einsatz von KI im Unterricht und in der Verwaltung konzentrierten. Diese Workshops führten in verschiedene KI-An wendungen ein. Die Teilnehmenden erlernten den effizienten Einsatz von Prompting und erprobten die Anwendungen in praktischen Übungen zur Erstellung von Lernmaterialien und zur Prozessoptimierung. Auch ethische Fragen und der Datenschutz im Umgang mit KI wurden diskutiert. Neues KI-Wissen zur Unterrichtsge staltung genutzt Zurück in der vhs Bingen wird das erworbene Wissen über KI-Tools intensiv zur Erstellung von Unterrichtsmaterialien, zur Förderung der Interaktion zwischen den Lernenden und zur Zeitersparnis in der Unterrichtsvorbereitung eingesetzt. Auch das Projekt „Lernraum 2.0“ der vhs Bin gen profitiert von den Erasmus+-Mobilitätsak tivitäten. Der „Lernraum 2.0“ ist ein kosten loses, offenes Angebot, das allen Menschen aus Herkunftsländern außerhalb der EU offen steht, die neben dem Besuch eines Deutsch kurses weitere individuelle Unterstützung beim Deutschlernen suchen. Eine Dozentin, die bei der Erasmus+-Aktivität in Rijeka dabei war, unterstützt jetzt andere Mitarbeitende des Lernraums bei der Arbeit mit KI. KI wird hier sowohl zur Arbeitserleichterung als auch bei der Arbeit mit den Lernenden eingesetzt. Der „Lernraum 2.0“ zeigt anschaulich, dass Erasmus+ zu einer internen Kapazitätsent wicklung der Volkshochschule beiträgt. Gesamte Einrichtung öffnet sich gegenüber KI Doch nicht nur der Unterricht, sondern auch die Verwaltung der vhs Bingen profitiert von Erasmus+. So widmet sich ein Erasmus+-Teil nehmer in seiner Masterarbeit dem Thema KI und begleitet andere Verwaltungsmitarbei tende, die KI in ihre Arbeit integrieren möch ten. Die Volkshochschule plant im Sinne der europäischen KI-Verordnung zudem KI-Schu lungen für Verwaltungspersonal und Lehrkräf te, um den verantwortungsvollen Umgang mit KI zu gewährleisten und die Medienkom petenz zu stärken. Auch das Kursangebot der vhs hat sich verän dert. Inzwischen wird ein KI-Kurs für Lernende angeboten. Eine Reihe in Leichter Sprache für Anfänger/-innen wird zurzeit geplant. Die vhs Bingen ist sich bewusst: Die Fähigkeit, digitale Tools und KI effektiv zu nutzen, ist entscheidend, um flexible Bildungsangebote zu schaffen, innovative Lernumgebungen zur Förderung sozialer Inklusion zu gestalten und langfristige europäische Kooperationen auf zubauen. PROJEKTINFO Projekttitel: Zukunftsorientierte Weiterbildung - vhs Bingen 2030. Mobilität und Netzwerk im europäischen Raum Projektnummer: 2023-1-DE02-KA122-ADU-000140516 Laufzeit: 01.06.2023 – 30.11.2024 Beteiligte Länder: HR, ES, IT Koordinator: Maria José Lafuente López-Seiter Kontakt: seiter@vhs-bingen.de Website: https://www.vhs-bingen.de/ Künstliche Intelligenz mailto:seiter@vhs-bingen.de https://www.vhs-bingen.de/ 18 19 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: Career Intelligence Entwicklung eines KI-basierten Lernassistenten für die berufliche Bildung Künstliche Intelligenz © P ro je kt fo to Welche Unterstützung bei der Berufs orientierung gibt es? KI, wie virtuelle Lernassistenten und intel ligente Empfehlungssysteme können dabei helfen, individuelle Stärken sichtbar zu ma chen sowie Entscheidungsprozesse zu för dern. Das Erasmus+-Projekt „Career Intelli gence“ setzt genau hier an. Ziel des Projekts war die Entwicklung eines neuen Lernkon zepts, das etablierte Best-Practice-Projekte mit KI-gestützten Innovationen verbindet. Von der Idee zur Praxis: Weiterent wicklung der digitalen Lernplattform Dabei ging es im Kern um die Weiterent wicklung der in sieben EU-Ländern erprobten digitalen Lernplattform „Karriere 4.0“. Die se wurde durch vier KI-gestützte Module (Empfehlungs-, Qualitätssicherungs-, Unter stützungs- und Prozessoptimierungsmodul) erweitert. Die Nutzung der Plattform lässt sich am besten als eine persönliche Entwicklungs reise verstehen: Die Jugendlichen stehen zu nächst vor der Frage, wohin die Reise gehen soll. Anschließend planen sie, wie sie ihr Ziel erreichen können. Zuletzt geht es um die Um setzung. Auf ihrer Reise werden die Jugend lichen nicht alleine gelassen. Ein besonders wertvolles Projektergebnis ist der virtuelle Lern assistent „Botty“, der ihnen als Ko-Mentor zur Seite steht. Ausgestattet mit interaktiven, jugendgerechten Dialogen in sechs Sprachen, der Erstellung eines persönlichen Entwick lungsplans und der Formulierung individueller SMART-Ziele gibt „Botty“ folgende personali sierte Lernempfehlungen: (1) Unterstützung der Gestaltung indivi dueller Lernprojekte durch die Empfeh lung passender Lern-Sprints; (2) Entdecken von Beschäftigungstrends durch 13 Videos, Dialoge und ein Assess ment, um persönliche Top- und Flop-Me gatrends zu identifizieren. Parallel dazu wurden sieben Selbstlernmodule (einschließlich Lernvideos) für das Mentoring entwickelt, die Themen wie Chatsbots, Big Data, KI-Akzeptanz, reflexive Handlungskom petenz, Entrepreneurship, Cybersicherheit, berufliche Bildung im Kontext der Digitalisie rung abdecken. Die Mentorinnen und Men toren sind beispielsweise qualifizierte Fach- und Führungskräfte, Wirtschaftssenioren und/ oder Experten, die die Jugendlichen beratend unterstützen. Stakeholder unterstützen den Ansatz Das Feedback zur Weiterentwicklung der Lernplattform fällt positiv aus. So betont bei spielsweise Galina Mihneva, Hauptgeschäfts führerin der Industrie- und Handelskammer in Gabrovo (Bulgarien): „Junge Menschen brauchen heute mehr als nur Informationen, sie brauchen Orientierung. Career Intelligence bietet genau das: eine Plattform, die interak tiv, persönlich und praxisnah begleitet.“ Das Projekt zeigt, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann, um Lernprozesse zu individua lisieren und Jugendliche auf dem Weg in die Berufswelt zu unterstützen. „Career Intelli gence“ trägt dazu bei, die Zukunftsfähigkeit der beruflichen Bildung zu sichern und Ju gendliche im digitalen Zeitalter zu stärken – ein Baustein für eine moderne, vernetzte und chancengerechte Bildungslandschaft in Europa. PROJEKTINFO Projekttitel: Career Intelligence Projektnummer: 2021-2-DE02-KA220-VET-000050347 Laufzeit: 2022 – 2024 Beteiligte Länder: DE, HU, BG, EL, FI Koordinator: Ruhr-Universität Bochum, Institut für Arbeitswissenschaft Kontakt: Prof. Dr. Martin Kröll martin.kroell@ruhr-uni-bochum.de Website: https://career-intelligence.eu/ E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2021-2-DE02- KA220-VET-000050347 https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2021-2-DE02-KA220-VET-000050347 mailto:martin.kroell@ruhr-uni-bochum.de https://career-intelligence.eu/ 20 21 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Good Practice: KI in der Erwachsenenbildung Einsatzpotenziale mit Fokus auf Sprachenlernen © P ro je kt fo to Künstliche Intelligenz (KI) spielt im Bildungsbereich eine immer größere Rolle. Sie eröffnet neue Chancen für fle xible und individuelle Lernprozesse. Vor diesem Hintergrund wurde das Eras mus+-Projekt „Artificial Intelligence in Adult Education and Self-Learning“ (AI in ADU) ins Leben gerufen. „AI in ADU“ bringt Partnereinrichtungen aus sechs Ländern zusammen, um die Potenziale von KI in der Erwachsenenbildung – mit be sonderem Fokus auf Sprachenlernen – zu un tersuchen. Ziel der Kooperationspartnerschaft ist es, die Bedürfnisse von Lehrenden und Ler nenden besser zu verstehen und praxisnahe Materialien zu entwickeln, die zeigen, wie KI-gestützte Lösungen sinnvoll ausgewählt und eingesetzt werden können. Projektergebnisse zeigen: KI kann Lernen bereichern Bereits in der ersten Projektphase konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden: Eine umfangreiche Literaturrecherche be leuchtete Chancen, Herausforderungen und Beispiele guter Praxis rund um den Einsatz von KI in der Erwachsenenbildung. Darauf folgte eine Online-Umfrage unter Erwachsenenbild nerinnen und -bildnern sowie Selbstlernenden aus sechs Ländern. Die Teilnehmenden be richteten, wie sie KI-Tools nutzen – etwa zur Recherche, Inhaltserstellung oder für Sprach übungen. Viele sehen klare Vorteile: höhere Produktivität, bessere Lernergebnisse und individuellere Lernwege. Gleichzeitig wurden auch kritische Aspekte genannt, darunter Bedenken zu Datenschutz, ethischen Fragen und einem übermäßigen Technologieeinsatz. Zusätzlich führten die Partner Fokusgrup pen-Interviews durch. Die Ergebnisse zeigen: KI kann Lernen bereichern, wenn sie bewusst eingesetzt wird. Besonders wichtig sind dabei digitale Kompetenzen, kritisches Denken und eine ausgewogene Kombination aus klas sischen Methoden und neuen Technologien. Darüber hinaus analysierte das Projektteam KI-Lernplattformen und zeichnete Podcasts mit Expertinnen und Experten auf. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse entstanden praxisorientierte Leitfäden für Lehrkräfte und Selbstlernende. Ergänzend wurden interaktive Inhalte entwickelt, die dabei helfen, KI-ge stütztes Lernen im Alltag gezielt auszuprobie ren. Die Pilotphase dieser Materialien ist für November 2025 geplant. Wirkung und Ausblick Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen: KI hat Potenzial für die Erwachsenenbildung – vor allem für das selbstgesteuerte Sprachen lernen. Sie kann Motivation, Lernfortschritt und Selbstorganisation stärken. Gleichzeitig ist ein reflektierter Einsatz entscheidend, der ethische Fragen, Datenschutz und pädago gische Anforderungen berücksichtigt. Inso fern trägt „AI in ADU“ dazu bei, die digitale Transformation in der Erwachsenenbildung aktiv mitzugestalten. Mit praxisnahen Leitfä den und interaktiven Materialien bietet das Projekt Orientierung für Lehrende und Ler nende – und zeigt, wie KI verantwortungsvoll, inklusiv und gewinnbringend in Bildungspro zesse integriert werden kann. PROJEKTINFO Projekttitel: Artificial Intelligence in Adult Education and Self-Learning: Providing personalized and adaptive learning experiences with emphasis on language learning Projektnummer: 2023-1-DE02-KA220-ADU-000155302 Laufzeit: 12/2023 – 05/2026 Beteiligte Länder: CY, CZ, IT, PL, TR Koordinator: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Kontakt: ai-erasmusplus@zww.uni-mainz.de Website: https://aiineducation.eu/ E+PRP: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/ projects/search/details/2023-1-DE02- KA220-ADU-000155302 Künstliche Intelligenz https://erasmus-plus.ec.europa.eu/projects/search/details/2023-1-DE02-KA220-ADU-000155302 mailto:ai-erasmusplus@zww.uni-mainz.de https://aiineducation.eu/ 20 21 Bildung für Europa | Dezember 2025 KI in der Grundbildung Ein Gespräch mit einem Dozenten beim Bayerischen Volkshochschulverband W ie kann Erwachsenenbildung gestaltet wer den, dass Lernende aktiv am ökologischen und digitalen Wandel teilhaben? Die Natio nale Koordinierungsstelle der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung (NKS Agenda Erwachsenenbildung) setzt seit 2024 u.a. ei nen Fokus auf Künstliche Intelligenz (KI). Sie kooperiert dazu eng mit dem Bayerischen Volkshochschulverband e.V. (bvv), der um fangreiche Erfahrung zum Thema einbringt. Bei einer gemeinsamen virtuellen Konferenz im Juli 2024 wurden rechtliche, ethische und praktische Aspekte des KI-Einsatzes in der Erwachsenenbildung beleuchtet. Chan cen und Herausforderungen – insbesondere für die Grundbildung – standen im Fokus. Vorgestellt wurden verschiedene Projekte, darunter der digitale Baukasten für Grund bildungsangebote. Dieser richtet sich an Lehrende und Lernende in der Grundbil dung (Alpha+) und will Letztere gleichzeitig zur digitalen Teilhabe befähigen. - - - - - - - Die Agenda hat Sascha Dowidat, Dozent für Alphabetisierung, Grundbildung und Künst liche Intelligenz beim bvv, befragt: - Wie hat sich der KI-Einsatz in der Grund bildung seit unserer gemeinsamen Kon ferenz im Juli 2024 entwickelt? - - Das Thema und die Tools haben sich rasant weiterentwickelt. Ging es vor zwölf Mo naten hauptsächlich noch um LLMs (Large Language Models) wie ChatGPT und Text erstellung, sprechen wir heute über KI-ge stützte Tutoring-Systeme, KI als interaktiven Gesprächspartner sowie kreative Audio-, Bild- und Video-Erstellung. Diese Themen wandern natürlich in die Praxis. Allerdings warne ich immer vor der sogenannten Tool ification: Es braucht nicht immer ein neues, tolles Tool, sondern in erster Linie eine gute - - - - Methodik und Didaktik, die durch KI sinnvoll ergänzt werden sollte, um einer immer he terogeneren Teilnehmerschaft passgenauen Unterricht zu ermöglichen. Arbeitsblätter lassen sich heute nicht mehr einfach nur skalieren, sondern mit Agenten interaktiv gestalten und mit Hinweisen in verschie denen Sprachen versehen. Bilder dienen zur besseren Visualisierung schwieriger Themen, und gemeinsam mit Teilnehmenden erstellte Songs bringen Bildung auf schwungvolle Weise ins Ohr. Ein echter Mehrwert! - - Welche Tools haben sich in der Grund bildungspraxis durchgesetzt? - Im Bereich der LLMs liefern sich ChatGPT und Googles Gemini ein enges Rennen. Vor allem im Bereich der Bild- und Videoerstel lung hat Gemini aktuell klar die Nase vorn. Doch auch für den Bildungsbereich liefern beide Modelle dank interner „Study-Modes“ mittlerweile gute Möglichkeiten für Teilneh mende, ohne dass KI sofort die Lösung vor gibt. Fobizz und das dazugehörige To-Teach. ai sowie auch Teachino bieten insbesondere Lehrenden einen guten Einstieg in das The ma KI. - - - - Wie gelingt es, alle Akteure mitzuneh men – und welche Rolle spielt der di gitale Baukasten für Grundbildungsan gebote? - - - Die Bedarfe der einzelnen Gruppen sind sehr unterschiedlich, bedingen sich aber gegen seitig. In der Verwaltung spielen rechtliche Bedingungen eine wichtige Rolle, für Leh rende sind es konkrete Anwendungsfälle von KI, und Lernende beschäftigen sich mit Zugangsbarrieren, etwa wenn das passende Endgerät oder das nötige Datenvolumen fehlt. Ein regelmäßiger Austausch zwischen allen Beteiligten ist deshalb zwingend not wendig. Bei der Anwendung des Digitalen Baukastens wird beispielsweise immer wie der deutlich, dass Lehrende mit dem neuen Werkzeug, das ihnen zur Verfügung steht, anfangs wenig anzufangen wissen. Dafür braucht es konkrete Schulungsangebote, - - - - die aufzeigen, wie man KI als Lerncoach ein setzt oder in wenigen Minuten individuelle Hörverständnis-Aufgaben erstellt. - Welche nächsten Schritte plant der bvv und wie wird dabei Erasmus+ genutzt? Der bvv nutzt Erasmus+-Seminare zum Thema KI, um Lehrkräften und Planungs personal den Anschluss an die rasanten Weiterentwicklungen zu ermöglichen. Da rüber hinaus empfängt der bvv regelmäßig Kolleginnen und Kollegen aus anderen eu ropäischen Ländern und nutzt die Gelegen heit, insbesondere KI im Kontext der entwi ckelten Fortbildungen im Programm des bvv für den Transfer bekannt zu machen. - - - - - KI in der Erwachsenenbildung bleibt auch wei terhin ein zentrales Thema der Europäischen Agenda Erwachsenenbildung. - Agenda Erwachsenenbildung: www.na-bibb.de/agenda- erwachsenenbildung SASCHA DOWIDAT Dozent für Alphabetisierung, Grundbildung und Künstliche In telligenz beim Bayerischen Volkhochschulverband e.V. - Künstliche Intelligenz © p riv at http://www.na-bibb.de/agenda-erwachsenenbildung 22 23 Erasmus+ - - - - - - - - © J ak ob Lu nd /A do be St oc k Erasmus+-Antragsrunde 2025 Rekordergebnisse bei Auslandsaufenthalten, Partnerschaften etwa auf Vorjahresniveau D ieser Beitrag gibt den Informations stand vom 31.10.2025 wieder. Die Förderentscheidungen für die zwei te Antragsrunde in der Leitaktion 1 (Mobilität) Erwachsenenbildung und für die Akkreditierung (beide mit An tragsfrist 01.10.2025) lagen zu die sem Zeitpunkt noch nicht vor. Berufsbildung Mobilität 2025 war mit 972 Projektanträgen, davon 845 im Rahmen einer Akkreditierung, die Nachfra ge nach Fördermitteln für die Mobilität in der Berufsbildung (Leitaktion 1) ungebrochen. Dies belegt auch die Zahl der beantragten Teilneh menden, die mit über 61.000 Personen 15 Prozent höher lag als im bis dahin stärksten Antragsjahr 2024. Auch die Kurzzeitprojekte stellen mit 127 Anträgen einen neuen Rekord auf, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die Anzahl der Neuakkreditierungen im Jahr 2024 auf 100 begrenzt war und einige Einrichtungen ihre Pläne auf ein Kurzzeitprojekt umstellen mussten. Bewilligt wurden letzt lich mehr als 60.000 Teilnehmende (48.149 Lernende, 11.902 Bildungspersonal) in 122 Kurzzeit- und 836 akkreditierten Projekten und damit 30 Prozent mehr Personen als im Vorjahr. Insgesamt beläuft sich die Bewilligungssumme in der Leitaktion 1 für die Berufsbildung auf 132 Millionen Euro. Nach wie vor ist die beliebteste Aktivitätsart bei den Lernenden die Kurzzeitmobilität mit 36.407 bewilligten Teilnehmenden (76 Prozent aller bewilligten Aktivitäten für Lernende). Beim Personal sind weiterhin das Job-Shadowing (60 Prozent der bewilligten Personal-Aktivitäten) und die Teilnahme an Kursen und Schulungen (35 Prozent der bewilligten Personal-Aktivitä 22 23 Bildung für Europa | Dezember 2025 Erasmus+ ten) mit zusammen 11.312 bewilligten Teilneh menden am gefragtesten. Die im Vorjahr neu hinzugekommene Aktivitätsart der Gruppen mobilität für Lernende erfreut sich ebenfalls weiterhin steigender Nachfrage. Während die bewilligten Teilnehmenden dieser Aktivitätsart 2024 noch einen Anteil von 14 Prozent an allen bewilligten Lernenden-Aktivitäten hatte, wurde 2025 bereits ein Anteil von 21 Prozent erreicht. - - Berufsbildung Partnerschaften In der Leitaktion 2 (Partnerschaften für Zu sammenarbeit) wurden 2025 insgesamt 211 Projektanträge im Bereich der Berufsbildung eingereicht. Diese verteilen sich auf 133 Koope rationspartnerschaften und 78 kleinere Partner schaften, wobei ein Gesamtbudget von 45,16 Millionen Euro beantragt wurde. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Anträge leicht ge sunken. Dies ist möglicherweise auf die Umstel lung auf eine Antragsrunde pro Jahr zurückzu führen, während es in den Jahren zuvor jeweils zwei Antragsrunden gab. - - - - - - Angesichts des begrenzten Budgets konnten schließlich 78 Projekte mit einem Gesamtför dervolumen von 13,45 Millionen Euro bewilligt werden. Diese setzen sich aus 34 Koopera tionspartnerschaften und 44 kleineren Partner schaften zusammen, an denen insgesamt über 300 Organisationen aus ganz Europa beteiligt sind. Die bewilligten Fördersummen verteilen sich auf 16 Projekte mit jeweils 400.000 Euro, 18 Projekte mit 250.000 Euro, 41 Projekte mit 60.000 Euro und drei Projekte mit 30.000 Euro. Wie auch in den vergangenen Jahren wur den die Förderbeträge von 30.000 Euro und 120.000 Euro nur selten beantragt. - - - - Inhaltlich liegen die Schwerpunkte der Projekte unverändert auf den gleichen Themen wie im Vorjahr. Die beiden am häufigsten gewählten Prioritäten sind „Anpassung der beruflichen Aus- und Weiterbildung an den Bedarf des Ar beitsmarkts“ und „Beitrag zur Innovation in der Berufsbildung“. Danach folgen die horizontalen Prioritäten „Bewältigung des digitalen Wandels durch Aufbau von digitaler Bereitschaft, Wider standsfähigkeit und Kapazität“ sowie „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“. - - Die Förderquote liegt insgesamt bei rund 37 Prozent, was bedeutet, dass etwa ein Drittel der eingereichten Anträge erfolgreich waren. Dabei variiert die Quote je nach Partnerschaftstyp: Bei den Kooperationspartnerschaften beträgt sie etwa 25 Prozent, während bei den kleineren Partnerschaften rund 56 Prozent der Anträge bewilligt wurden. Erwachsenenbildung Mobilität In der Leitaktion 1 (Mobilität) der Erwachsenen bildung konnte in der ersten Antragsrunde 2025 bereits ein neuer Rekord erzielt werden: Zum ers ten Mal wurden 100 Projekte bewilligt. 76 dieser Projekte kommen von akkreditierten Einrichtun gen, 24 sind Kurzzeitprojekte. Von den 24 Ein richtungen, die Ende 2024 neu akkreditiert wur den, haben alle direkt Mittel für ein erstes Projekt beantragt und sind aktiv geworden. - - - - - Bereits ohne die zweite Antragsrunde über steigt die Anzahl der geförderten Personen die Zahlen des Vorjahres bei Weitem: Es konnten bislang insgesamt 4.879 Auslandsaufenthal te bewilligt werden – im Jahr davor waren es 3.100. Von den geförderten Personen entfallen 3.088 Auslandsaufenthalte auf das Personal von Erwachsenenbildungseinrichtungen. Die beliebtesten Aktivitäten für Personal bleiben weiterhin Kurse und Schulungen (1.520 Perso nen), dicht gefolgt von Job-Shadowings (1.346 Personen). Besonders erfreulich ist der starke Anstieg bei den Lernendenmobilitäten: Bereits ohne die zweite Antragsrunde konnten 1.791 Lernende gefördert werden – das sind über 1.000 Personen mehr als im Jahr zuvor. Davon entfallen 1.068 Lernende auf Gruppenmobili täten, 693 auf Kurzzeitmobilitäten und 30 auf Langzeitmobilitäten. - - - - Der positive Trend bei den Auslands aufenthalten in der Erwachsenenbil dung setzt sich also weiterhin fort. Die Antragsfrist der zweiten Antrags runde endete am 1. Oktober 2025. Erstmals wurde 2025 die Hälfte der verfügbaren Mittel im Bereich Erwach senenbildung beantragt. Dies ist eine erfreuliche Feststellung. Andererseits bedeutet dies aber auch, dass das För derpotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Es bleibt spannend, welche Höhen die Erwachsenenbildung im weiteren Verlauf noch erreichen wird. - - - - - Erwachsenenbildung Partnerschaften Die nachfolgende Zusammenfassung gibt den Stand nach dem Auswahlausschuss Anfang September 2025 wieder, da sich in der Ver tragsschließungsphase noch Veränderungen ergeben können. - In den Partnerschaften der Erwachsenenbil dung gingen zur Antragsrunde im März insge samt 304 Anträge ein, die sich auf die beiden Aktionstypen folgendermaßen verteilen: 162 Anträge bei den Kooperationspartnerschaften und 142 Anträge bei den kleineren Partner schaften. Damit blieb die Zahl der Kooperati onspartnerschaften im Vergleich zum Vorjahr auf einem hohen Niveau weitgehend konstant. Bei den kleineren Partnerschaften stieg die Zahl zwar in dieser Antragsrunde nochmals an und erreichte eine neue Rekordmarke; aber da durch, dass ab 2025 die zweite Antragsrunde nicht mehr durchgeführt wird, fiel die Gesamt zahl im Vergleich zum Vorjahr geringer aus. - - - - - - Ähnlich wie im Vorjahr musste aufgrund der zahlreichen Anträge der Bewertungszeitraum verlängert werden, so dass die Förderentschei dung erst Ende August getroffen werden konn te. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget konnten 44 kleinere Partnerschaften mit einem Budget von 2,6 Millionen Euro bewilligt wer den, so dass sich hier eine Förderquote von circa 30 Prozent ergibt. Bei den Kooperations partnerschaften wurde das ursprünglich zur Verfügung stehende Budget durch Restmittel aus anderen Förderaktionen fast verdoppelt, so dass 42 Projekte mit einem Volumen von 12,2 Millionen Euro bewilligt wurden. Das entspricht einer Förderquote von circa 25 Prozent und ist sehr erfreulich, da mit dem ursprünglichen Bud get nur die Hälfte der Projekte hätte bewilligt werden können. - - - - - Auffällig in dieser Antragsrunde war, dass mehr als ein Drittel der bewilligten Einrichtungen kei ne ausreichende finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen konnte. So müssen diese Projekte mit einer verringerten Vorauszahlung zurecht kommen, was für eine vollständige Umsetzung des jeweiligen Projekts herausfordernd sein kann. - - Inhaltlich wurde, ähnlich wie im Vorjahr, bei den bewilligten Projekten am häufigsten die Priorität „Inklusion und Vielfalt“ vor „Verbesse rung der Kompetenzen von Bildungspersonal“ und „Gemeinsame Werte“ in den Fokus ge nommen. - - Die Bewilligungslisten können auf der NA-Website eingesehen werden. 24 25 Programmvorschlag Erasmus+ 2028-2034 Starkes Programm mit knappem Budget - - - - - - - - - - - - - - - - Erasmus+ © C ag ka n/ A do be St oc k N och bevor sich Brüssel in die Sommer pause verabschiedete, präsentierte die Europäische Kommission zwei zentrale Dokumente für die Zukunft von Eras mus+: den Entwurf für den EU-Haushalt 2028-2034 und den neuen Programm vorschlag. Ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist, ist eine Frage der Betrachtung. In knapper Form kann man festhalten, dass es ein aus gewogener Programmvorschlag ist, für den aber nicht das erforderliche Budget zur Verfü gung steht, um die damit verbundenen Ziele zu erreichen. Das vorgeschlagene Budget Die Kommissionspräsidentin, Ursula von der Leyen, hat einen Mittelfristigen Finanzrahmen 2028-2034 von rund zwei Billiarden Euro vor geschlagen. Das sind rund 60 Prozent mehr als im aktuellen siebenjährigen Haushalt. Be gründet wird dies mit den besonderen geo politischen und wirtschaftlichen Herausfor derungen. Einige Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, haben die Gesamtsum me bereits in Frage gestellt. Bei allen Über legungen zur Verteilung des Geldes muss derzeit also berücksichtigt werden, dass die vorgeschlagenen Einzelbudgets nicht sicher sind. In den jetzt begonnenen Verhand lungen wird noch umgeschichtet und ver mutlich auch gekürzt werden. Das für Erasmus+ vorgeschlagene Budget beläuft sich auf 40,8 Milliarden Euro. Die EU-Kommission nennt das bezogen auf die laufende Programmgeneration eine Steige rung von 50 Prozent. Arithmetisch ist das nicht falsch, da das aktuelle Budget 26,4 Milliarden Euro beträgt. Der wissenschaft liche Dienst des EU-Parlaments errechnet jedoch ein Plus von lediglich rund 30 Pro zent. Er kommt zu diesem Ergebnis, da er 24 25 Bildung für Europa | Dezember 2025 berücksichtigt, dass die Inflation in den letzten Jahren erheblich war und zudem das bisher eigenständige „Europäische So lidaritätskorps“ in das Programm integriert werden soll. Eine weitere Beobachtung lässt aufmerken. Der Anteil des Programms Eras mus+ am laufenden Haushalt der EU beträgt rund 2,5 Prozent. Dieser Anteil wird aber den Vorschlägen nach zukünftig sinken. Der Ge samthaushalt soll viel stärker wachsen als das Budget des neuen Programms. Damit würde der Anteil des Erasmus+-Programms am Ge samthaushalt auf rund 2 Prozent sinken. Das ist angesichts der politisch häufig betonten Bedeutung von Bildung und des Programms überraschend. - - - - In der aktuellen Laufzeit des Erasmus+-Pro gramms (2021-2027) stehen rund doppelt so viele Mittel zur Verfügung wie in der Pro grammgeneration zuvor. Angesichts der po litischen Lage war zu erwarten, dass sich ein solches Wachstum nicht fortsetzen wird. Das starke Wachstum des laufenden Programms wird nun aber zur Herausforderung. Standen 2021 europaweit rund drei Milliarden Euro für Erasmus+ zur Verfügung, so werden es 2027 voraussichtlich rund sechs Milliarden Euro sein. Viele sehen darin die Messlatte für die Zukunft – das neue Programm ab 2028 sollte mindestens dieses Niveau halten. Die ses Wunschziel ist aber nach gemeinsamen Berechnungen vom Deutschen Akademi schen Austauschdienst (DAAD) und der Na tionalen Agentur beim BIBB nicht erreicht. Hierfür müssten knapp 44 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, es fehlen folglich der zeit drei Milliarden Euro. - - - - - - - Das vorgeschlagene Programm Wer den Programmvorschlag liest, ist zu nächst möglicherweise verwundert, wie wenig Konkretes drinsteht. Die Verordnung des Programms ist ein Gesetzestext, der nur das Notwendige regelt, wichtige Fragen der Umsetzung werden in nachgelagerten Doku menten festgelegt, wie beispielsweise in den jährlichen Programmleitfäden. - - Positiv ist festzuhalten, dass die bewährte grundsätzliche Architektur des Programms fortgeführt und modernisiert werden soll. Die bisherigen Leitaktionen werden nun Säulen genannt und davon soll es dann nur noch zwei geben. Die erste Säule für Lernmobilität und die zweite für Kapazitätsaufbau („capacity building“). Bezogen auf die Bildungsbereiche finden sich in beiden Säulen alle von den Na tionalen Agenturen umgesetzten Aktivitäten wieder, die derzeit in den drei Leitaktionen - gefördert werden. Es geht also nichts verloren. Dabei gibt es eine erfreuliche Entwicklung für die Sektoren Berufsbildung, Erwachse nenbildung und allgemeine Schulbildung. Die bisher zentral in Brüssel verwalteten Jean Monnet-Mittel sollen zukünftig im Rahmen der Mobilitätsprojekte beantragt werden können. Die Mittel werden bereitgestellt, um spezifische Aktivitäten zu finanzieren, die das Lernen über die Europäische Union fördern. Das wäre eine deutliche Vereinfachung, mit der das Wissen über die EU und die Iden tifikation mit den Werten der EU besonders unterstützt würde. - - Vier Aspekte des Programmvorschlags müs sen kritisch bewertet werden. Zum einen fehlen Regelungen, wie das Budget auf die Bereiche des Programms aufgeteilt werden wird. Für das Vertrauen der teilnehmenden Einrichtungen ist es aber wichtig, eine Plan barkeit zu haben, wie sich die finanzielle Ausstattung „ihres“ Sektors in den sieben Jahren des Programms entwickeln wird. Ein zweiter kritischer Punkt ist die veränderte De finition der Erwachsenenbildung. Sie ist im Vorschlag aufgeweicht und lässt sich kaum von der beruflichen Weiterbildung abgren zen. Diese wäre damit im Ergebnis in beiden Bildungssektoren antragsberechtigt. Für ein Förderprogramm ist es aber essentiell, dass eindeutig geregelt ist, wer die Zielgruppen der Programmbereiche sind. Des Weiteren fehlt weiterhin die Ankündigung, „EPALE für die Berufsbildung“ einzuführen. Eine Online-Plattform für die Vernetzung und den Austausch gibt es seit langem für die Er wachsenenbildung und auch für allgemein bildende Schulen, nicht aber für die Berufs ausbildung. Zudem ist festzuhalten, dass die Formulierung zur IT-Struktur des Programms irritiert. Der Start des laufenden Programms war von massiven IT-Schwierigkeiten ge prägt, die bis weit in das laufende Programm hineinreichen und zum Teil immer noch fort bestehen. In dieser Situation wäre es selbst für einen Gesetzestext angemessen, nicht nur aufzuführen, dass eine IT-Struktur zur Verfügung gestellt wird, sondern dass die se ergänzt wird mit Kriterien wie integrierte Architektur, pünktlicher Bereitstellung, sta biler Performance und nutzerfreundlichem Zugang. - - - - - - - - - - - Was nicht in den Dokumenten steht Wie das neue Erasmus+-Programm ab 2028 aussehen wird, ist damit nur in Grundzügen zu erkennen. Auch zentrale Aspekte wie die Horizontalen Prioritäten oder die Akkreditie rung findet man in den Vorschlägen nicht. - Sie stehen aber auch nicht in der Verordnung des laufenden Programms, daher kann auch in diesen Punkten von Kontinuität ausgegan gen werden. Auf der Themenseite „Zukunft von Erasmus+“ der NA-Website ist der Pro zess beschrieben, in dem nun das neue Pro gramm zwischen Europäischer Kommission, Parlament und Rat verhandelt wird. Auch die zentralen Dokumente des Prozesses sind dort veröffentlicht. - - - Abschließend lässt sich festhalten: Der Pro grammvorschlag für die Erasmus+ Generati on 2028-2034 ist inhaltlich auf einem guten Weg. Das derzeit vorgesehene Budget wird jedoch bei Weitem nicht ausreichen, um die ambitionierten politischen Ziele umzusetzen, die die Mitgliedstaaten beispielsweise in der Ratsschlussfolgerung „Europa in Bewegung“ auf Vorschlag der EU-Kommission beschlos sen haben. - - - Weiterführende und jeweils aktuelle Infos zur Programmgeneration 2028-2034 Erasmus+ www.na-bibb.de/erasmus2028 Ratsschlussfolgerung „Europa in Bewegung“ https://data.consilium.europa.eu/doc/ document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf Berthold Hübers Leiter der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB © N A b ei m B IB B https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-9804-2024-INIT/de/pdf http://www.na-bibb.de/erasmus2028 26 27Erasmus+ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - European Innovative Teaching Award 2025 Zwei deutsche Projekte aus der Erwachsenen bildung ausgezeichnet - E uropa lebt davon, dass Menschen sich begegnen, voneinander lernen und ge meinsam gestalten. Damit das gelingt, braucht es Bildungsprojekte, die Brücken schlagen – über Ländergrenzen hinweg, aber auch zwischen Generationen, Le benswelten und Sprachen. Der European Innovative Teaching Award (EITA) macht genau solche Initiativen sichtbar. Der EITA will Mut machen, Neues auszu probieren. Die Europäische Kommission zeichnet seit 2021 in mehreren Katego rien – in 2025 erstmalig in der Kategorie Erwachsenenbildung – Projekte aus, die kreative Lösungen für aktuelle Herausfor derungen finden. Ergänzend dazu wurde 2025 ebenfalls das bisher eigenständige European Language Label (ELL) in den EITA integriert. Es wird an Projekte vergeben, die innovative Wege zur Sprachförderung gehen. Dabei geht es nicht nur um klassische Fremdsprachen, sondern auch um sprachliche Teilhabe. Sprache öffnet Türen zu Bildung, Mitbe stimmung und Partizipation am gesell schaftlichen Leben. Die diesjährige Ausgabe des EITA steht unter dem Thema „Citizenship education – participation in democratic life, common values and civic engagement“. Im Mittel punkt steht damit die Frage, wie Bildung Bürgerinnen und Bürger zu aktiver Mitge staltung befähigt und demokratische Teil habe erfahrbar macht. Aus Deutschland werden in diesem Jahr zwei Projekte ausge zeichnet, die dieses Thema auf sehr unter schiedliche Weise, aber jeweils mit hoher Strahlkraft aufgreifen: das Projekt „SPACE – Seniors Perceive A Common Europe“, das den EITA in der Kategorie Erwachse nenbildung erhielt und das Projekt „Politi cal Education and Empowerment for Deaf Citizens“, das mit dem European Language Label (ELL) geehrt wurde. Ein ganzheitliches Konzept für die Zukunft Ausstellung "Europa durch die Augen von Senioren" im Projekt "SPACE" © V H S C ha m Kategorie Adult Education: Senioren entdecken Europa neu Ältere Erwachsene sind im europäischen Bildungsprogramm bislang selten im Fo kus. Das Projekt „SPACE – Seniors Perceive A Common Europe“, koordiniert von der Volkshochschule im Landkreis Cham, hat genau das verändert. Über 150 Seniorinnen und Senioren aus fünf europäischen Län dern nahmen teil. Ziel war es, ältere Men schen nicht als passive Lernende, sondern als aktive Gestalterinnen und Gestalter von Bildungsprozessen zu verstehen. Gemein sam mit Pädagoginnen und Pädagogen entwickelten sie neue Lernformate, die an ihren Lebenswelten anknüpfen und die Lust auf Europa machen. Das Projekt griff dabei auf den LifeComp zurück, das EU-Kompetenzmodell für Le benskompetenzen. In Workshops und Begegnungen setzten sich die Teilneh menden mit Themen wie europäische Iden tität, Nachhaltigkeit und kulturellem Erbe auseinander. Sie erstellten digitale Aus stellungen, dokumentierten ihre Geschich ten und entwickelten sogenannte „Digital Trails“, die eigene Biografien mit europä ischer Zeitgeschichte verbinden. Besonders eindrücklich war ein Besuch an der ehema ligen innerdeutschen Grenze, wo Geschich te nicht abstrakt vermittelt, sondern in per sönlicher Begegnung erfahrbar wurde. Die Wirkung war spürbar: Viele Teilneh mende gaben an, ihr Bild von Europa habe sich gewandelt. Aus Skepsis wurde Neugier, aus Distanz Verbundenheit. Das Projekt hat nicht nur Kompetenzen im digitalen und interkulturellen Bereich gestärkt, sondern auch ein neues Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt. Eine Teilnehmerin fasste es so zusammen: „Wir sind stolz auf das, was wir geschaffen haben – und nutzen es weiter, auch nach Ende des Projekts.“ 26 27 Bildung für Europa | Dezember 2025 Erasmus+ - Bemerkenswert ist auch die Rolle der Lehr kräfte: Sie entwickelten Materialien nicht allein, sondern gemeinsam mit den Teilneh menden. Dieses Lernen auf Augenhöhe wirkte motivierend und zeigte, dass Inno vation auch darin besteht, vertraute Rollen zu hinterfragen. Die Ergebnisse sind nach haltig: Die digitale Plattform und über 100 regionale Ausstellungen bleiben auch nach Projektende verfügbar, werden weiter ge nutzt und inspirieren andere Bildungsein richtungen. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Kick-off-Veranstaltung des Projekts "Political Education and Empowerment for Deaf Citizens" © N ET G ES T e. V. Kategorie European Language Label: Politische Bildung in Gebärdensprache Das Projekt „Political Education and Empo werment for Deaf Citizens“, getragen vom Netzwerk Gebärdensprache, Erwachse nenbildung und soziale Teilhabe e.V. (NET GEST), richtet den Fokus auf eine andere Gruppe: gehörlose Erwachsene. Ihr Zugang zu Bildung und politischer Information ist häufig von Barrieren geprägt. Klassische Angebote werden, wenn überhaupt, „zu gänglich gemacht“, indem Dolmetschende hinzugezogen werden – die Inhalte gehen aber nicht selten an der Lebensrealität vor bei. Das Projekt von NETGEST setzte hier an und veränderte die Perspektive: Politische Bildung wurde direkt in den jeweiligen nati onalen Gebärdensprachen der fünf Partner entwickelt, gestaltet und vermittelt – von gehörlosen Expertinnen und Experten für ihre Community. Rudi Sailer, Vorsitzender des Netzwerkes der Gehörlosen-Stadt verbände e.V. © N ET G ES T e. V. Das Besondere daran ist die vollständige sprachliche Barrierefreiheit. Statt Inhalte nachträglich zu übersetzen, entstanden Lernmaterialien unmittelbar in Gebärden sprache. Die Inhalte sind praxisnah: Videos greifen aktuelle politische und gesellschaft liche Themen auf, erklären sie in Gebärden sprache und stellen Bezüge zum Alltag der Community her. Ergänzend entwickelte das Projekt ein Fachvokabular in Gebärdenspra che, das politische Begriffe und Zusammen hänge erschließt, die zuvor sprachlich nicht verfügbar waren. Messenger-Dienste und Online-Plattformen dienten als Lernorte, die für Gehörlose leicht zugänglich sind. So wird politische Bildung nicht nur vermit telt, sondern in der Sprache der Community verankert. Das ist Empowerment im besten Sinne: Gehörlose Erwachsene gewinnen Zugang zu Debatten, können mitreden und eigene Standpunkte entwickeln. Auch im Hinblick auf das Jahresthema des EITA ist der Beitrag unübersehbar: Das Projekt er öffnet neue Räume demokratischer Teilha be und macht sichtbar, dass eine inklusive Gesellschaft nur dann gelingt, wenn alle Menschen mitsprechen können. Die Wirkung war unmittelbar. Viele Teilneh mende berichteten, dass sie zum ersten Mal politische Inhalte in einer Form erhielten, die für sie verständlich, relevant und inspi rierend war. Durch die digitale Verbreitung wurde zudem eine enorme Reichweite er zielt – weit über die direkte Projektgruppe hinaus. Damit setzt das Projekt Maßstäbe für inklusive Erwachsenenbildung und be weist, dass sprachliche Vielfalt nicht als Hürde, sondern als Ressource begriffen werden kann. Bildung stärkt Europa – auf vielfältige Weise Die beiden deutschen Preisträger des EITA 2025 machen deutlich, was europäische Bildungsarbeit bewirken kann. Sie öffnen Räume für Menschen, die bisher kaum im Fokus standen: ältere Erwachsene und ge hörlose Bürgerinnen und Bürger. Beide Pro jekte zeigen, wie wichtig es ist, Barrieren abzubauen, Menschen ernst zu nehmen und Bildung als gemeinsamen Gestaltungs raum zu verstehen. Europa wird hier nicht abstrakt verhandelt, sondern konkret erlebt. Ob digitale Ausstel lungen von Seniorinnen und Senioren oder politische Bildungs-Videos in Gebärden sprache: Beide Projekte machen sichtbar, dass Europa eine Sache von allen ist. Der European Innovative Teaching Award 2025 verdeutlicht, dass europäische Pro jekte nicht nur Konzepte hervorbringen, sondern konkrete Veränderungen im Leben von Menschen. Und genau darin liegt ihre eigentliche Kraft. www.vhs-cham.de www.net-gest.de DR. CHRISTINE BERTRAM Leiterin des Teams „Erwachse nenbildung: Erasmus+ Koopera tionsprojekte, EPALE“ in der NA beim BIBB bertram@bibb.de © N A b ei m B IB B http://www.vhs-cham.de http://www.net-gest.de mailto:bertram@bibb.de 28 29 Erasmus+ vernetzt Europa Wie Teilnehmende von TCAs profitieren Workshop des TCA "Green Erasmus" in Lüneburg, Mai 2025 Plenum TCA "Green Erasmus" in Lüneburg, Mai 2025 © F ot os tu d io H eu pe l Gruppenarbeit auf dem interna tionalen EuroApprentices-Treffen in Bukarest - -Teilnehmende des bundeswei ten EuroApprentices-Treffen in Heidelberg Teilnehmende in Bukarest mit Motto-Shirt der EuroApprentices © N A b ei m B IB B 28 29 Bildung für Europa | Dezember 2025 Z wischen Juni 2024 und Juni 2025 ha ben 97 Teilnehmende aus Deutschland an externen Trainings- und Koopera tionsaktivitäten (TCAs) im Rahmen von Erasmus+ teilgenommen. Finan ziert durch Erasmus+-Programmmittel reisten sie nach Italien, Frankreich, Spanien und viele weitere Länder mit dem Ziel, neue Impulse, Kontakte und Projektideen für die europäische Bil dungszusammenarbeit zu gewinnen. - - - - Die NA beim BIBB hat die Feedbackbögen der Teilnehmenden systematisch ausge wertet, um einen besseren Einblick zum Mehrwert der Veranstaltungen zu erhalten. Die Bilanz fällt eindeutig aus: 96 Prozent der Befragten bewerten ihre Teilnahme als hilfreich und nützlich. Vor allem der per sönliche Austausch überzeugte. „Persön licher Kontakt ist durch nichts zu ersetzen – deshalb sind diese Seminare so wertvoll“, bringt es eine Rückmeldung auf den Punkt. Knapp 90 Prozent der Teilnehmenden knüpften neue Kontakte, mehr als die Hälf te konnte durch die Veranstaltung konkrete Partner für künftige Projekte gewinnen. - - - - Fast ein Viertel der TCA-Teilnehmenden kam aus Nordrhein-Westfalen, jeweils gut 16 Prozent aus Baden-Württemberg und Bayern; die übrigen Bundesländer waren deutlich schwächer vertreten. Sektoral do minierte die Berufsbildung mit rund zwei Dritteln, während die Erwachsenenbildung ein Drittel ausmachte. Die Teilnehmenden brachten überwiegend bereits Erasmus+-Er fahrung mit. - - Inhaltlich standen besonders die Prioritäten Inklusion und Vielfalt sowie Partizipation am demokratischen Leben im Mittelpunkt. Auch Themen wie Nachhaltigkeit, Digitali sierung oder Gesundheitsförderung spiel ten eine wichtige Rolle. Deutlich wird: Die thematische Bandbreite der TCAs reicht von Kontaktseminaren für Mobilitätsprojekte über Workshops zur Gestaltung innovativer Lehrkonzepte bis hin zu europäischer Wer tebildung von Auszubildenden. - - - Besonders positiv hervorgehoben wurden praxisnahe Workshops, intensive Networ king-Formate und inspirierende Vorträge. Viele Teilnehmende sprechen von gewinn bringenden Erfahrungen, neuen Perspek tiven und nachhaltigen Impulsen für ihre Arbeit. - - - Als Fazit kann festgehalten werden: TCAs erweisen sich als Motor für internationale Bildungskooperationen. Sie erweitern das Fachwissen, fördern den Dialog zwischen Organisationen und schaffen konkrete Grundlagen für neue Erasmus+-Projekte. Oder, wie es ein Teilnehmender formulierte: „Das Networking war hier so stark wie bei wenigen anderen Erasmus+-Events.“ Vernetzung und Weiterbildung von Erasmus+-Botschafterinnen und -Botschaftern europaweit Neben den oben beschriebenen einzelnen Trainings- und Kooperationsaktivitäten gibt es auch Langfristige Trainings- und Koope rationsaktivitäten, sogenannte LTAs (Long term activities), die aus verschiedenen Trai nings- und Kooperationsaktivitäten (TCAs) bestehen und durch eine langfristige und strategische Zusammenarbeit von Natio nalen Agenturen gesteuert werden. - - - - Im Rahmen der Long-Term Activity (LTA) „EuroApprentices – Erasmus+ Botschaf ter/-innen in der Berufsbildung“ wurde zwischen 2022 und 2024 ein europaweites Netzwerk aufgebaut, das von der NA beim BIBB koordiniert wird und die Programm priorität Teilhabe am demokratischen Le ben adressiert. - - - Im Rahmen der LTA wurden über 300 jun ge Menschen aus elf europäischen Ländern für ihre Rolle als Erasmus+-Botschafte rinnen und -Botschafter (EuroApprentices) in der Berufsbildung geschult, die sich nun als EuroApprentices engagieren. Sie sind ehemalige Erasmus+-Teilnehmende in - - der beruflichen Bildung, die ihre Auslands erfahrungen weitergeben und andere Aus zubildende für Lernaufenthalte im Ausland begeistern. Sie berichten an Schulen, auf Messen, in Podcasts sowie über Social Me dia von ihren persönlichen Erfahrungen und sie klären auf über die Chancen, die ein von Erasmus+ geförderter Auslandsauf enthalt bietet. Kurzum: Die EuroAppren tices begegnen anderen Auszubildenden auf Augenhöhe und beantworten Fragen. Insgesamt fanden von 2022 bis 2024 in den beteiligten Ländern über 32 natio nale Trainings und Netzwerktreffen sowie acht internationale Veranstaltungen statt. Die Trainings boten praxisnahe Weiterbil dungen zu Themen wie Storytelling, Prä sentationstechniken, europäische Werte, Nachhaltigkeit, Social Media oder Medi enkompetenz. Sowohl bei den nationalen als auch bei den internationalen Trainings- und Netzwerktreffen standen nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch Teamarbeit, Netzwerken und die Stärkung europäischer Identität im Mittelpunkt. „Der Austausch mit anderen EuroApprentices ist sehr motivierend und gibt viel Inspiration für neue Aktivitäten“, so die Rückmeldung einer Teilnehmerin. - - - - - - - - - Weitere Informationen und einen Film über das europäische EuroApprentices-Netzwerk finden Sie unter - Erasmus+ www.euroapprentices.eu www.na-bibb.de/ vernetzungstreffen KRISTIN WILKENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Mobilität und Internationali sierung der Berufsbildung“ in der NA beim BIBB wilkens@bibb.de JANINA MEYER TCA-Beauftragte der NA beim BIBB meyer@bibb.de © N A b ei m B IB B & p riv at http://www.na-bibb.de/vernetzungstreffen http://www.euroapprentices.eu mailto:meyer@bibb.de mailto:wilkens@bibb.de 30 31 Infosplitter - - - - - Infosplitter Neue Publikationsreihe Um in knapper und übersichtlicher Form über wichtige Entwicklungen oder Themen zu informieren, hat die NA beim BIBB das Format „Factsheet“ ent wickelt. Den Auftakt in diesem Jahr machen Factsheets zum 25-jährigen Jubiläum der NA beim BIBB, zu 25 Jahre Erwachsenenbildung und 10 Jahre EPALE. Die NA beim BIBB hat sich über die Jahre zum Kompetenzzentrum für Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung und zur zentralen Ansprechpartne- rin für die europäische Förderung und Vernetzung der Erwachsenenbildung in Deutschland entwickelt. 2008 2007 2000 2010 2012 2013 2015 2017 2024 2025 NA beim BIBB | Fakten zum 25-jährigen Jubiläum | 2000 - 2025 Die Nationale Agentur „Bildung für Europa“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Dachorganisation für die Verwaltung europäischer Programme in der Berufsbildung eingerichtet. Sie ist zudem zuständig für Sokrates-Grundtvig, dem EU-Förderprogramm in der Erwachsenenbildung. Mit dem Start des Programms für lebenslanges Lernen (PLL) kommt es zu einer Verwaltungsstrukturänderung, die im Kern bis heute gilt: Die Zuständigkeiten für das europäische Bildungsprogramm gliedern sich seitdem nach Bildungsbereichen. Die NA beim BIBB wird alleinige Durchführungsorganisation für die Berufs- und Erwachsenenbildung in Deutschland. Das Nationale Europass Center wird in der NA beim BIBB angesiedelt. Europass als Instrument für Transparenz von Quali- fikationen ermöglicht mit seinem Mobilitätsnachweis die europaweit vergleichbare Dokumentation von Lernerfahrungen im Ausland. Das EU-Studienbesuchsprogramm fördert den Erfahrungsaustausch zwischen Entscheidungsträgern und Verantwortlichen in der Berufsbildung auf europäischer Ebene. Die NA beim BIBB konzipiert und organisiert die Incoming-Besuche (bis 2014). Das BMBF siedelt 2010 die Nationale Koordinierungsstelle ECVET in der NA beim BIBB an (bis 2015). ECVET ist das Europäische Kreditpunktesystem in der beruflichen Bildung und soll die Lernmobilität in Europa unterstützen. Die Nationale Koordinierungsstelle Europäische Agenda für Erwachsenenbildung (NKS Agenda) nimmt im Auftrag der EU-Kommission und des BMBF ihre Arbeit auf. Ihre Kernaufgabe ist es, über die Ziele und Inhalte der Agenda zu infor- mieren und zu einer Vernetzung von europäischen und nationalen Prozessen beizutragen. Die NA beim BIBB wird vom BMBF mit der Durchführung des Deutsch-Israelischen Programms zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung betraut (bis 2020). Das Programm fördert u.a. den Austausch von Auszubildenden sowie Study Tours für Fachkräfte. Die Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) wird in der NA beim BIBB angesiedelt. Ab 2021 wird die Informations- und Beratungsarbeit in den Beratungsservice für Auslandsauf- enthalte überführt und mit neuen Informationsangeboten ausgebaut. Zur europaweiten Vernetzung der Fachkräfte der Erwachsenenbildung und zum Wissensaustausch richtet die EU-Kommis- sion die elektronische Plattform EPALE ein. Die Nationale Koordinierungsstelle wird in der NA beim BIBB angesiedelt. Um internationale Berufskompetenzen durch außereuropäische Auslandsaufenthalte während der Ausbildung zu fördern, startet das BMBF das nationale Förderprogamm AusbildungWeltweit. Mit dem Projektauftrag „Stärkung der Auslandsmobilität“ beauftragt das BMBF die NA beim BIBB weitere Dienstleistun- gen und Unterstützungsmöglichkeiten zur Förderung von Auslandsaufenthalten zu eruieren und Umsetzungsempfehlungen abzuleiten. Die NA beim BIBB ist nicht nur Nationale Agentur für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ in der Berufs- und Erwachse- nenbildung, sondern verantwortet aus beiden Bildungsbereichen weitere europäische und internationale Projekte. Sie ist geschätzte Partnerin der Bildungspolitik sowie der Bildungspraxis. - Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ist die NA beim BIBB verantwortlich für die Durchführung europäischer Programme im Bereich der Erwachsenenbildung – angefangen von GRUNDTVIG bis Erasmus+. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung von Auslandsaufenthalten und grenzüberschreitender Kooperation. 25 Jahre Erwachsenenbildung Eine Vision: Austausch und Kooperation in Europa stärken Budgetentwicklung der EU-Programme für Erwachsenenbildung gesamt Beantragte Kooperationsprojekte 2000 / 2001 2025 2000 2025 0,5 Mio. € 68 32 Mio. € 304 Wirkung: Auslandsaufenthalte stärken Men- schen, Kooperationen stärken Organisationen „Wir haben 2023 eine Lernreise mit Teilnehmenden aus der Grundbildung in Schweden organisiert. Noch heute merken wir, wie die Lernenden durch diese Erfahrung gewachsen sind und wie sie immer noch davon profitieren.“ Anke Wigger, Direktorin VHS Husum „Der intensive Fokus auf das Projektthema hat zu einer ver- stärkten Wahrnehmung und einem Haltungswandel bei unseren Kolleginnen und Kollegen geführt. Die Projektergebnisse werden nun dauerhaft in den verschiedenen Organisationen genutzt.“ Katrin Echtermeyer, Wisamar Bildungsgesellschaft gGmbH Teilnehmende (TN) an Auslandsaufent- halten der EU-Programme Personal Lernende 2000 2024* 2021 2024* * Antragsjahr 2025 noch nicht abgeschlossen 61 TN 194 TN 3.088 TN 1.792 TN EPALE wurde 2015 ins Leben gerufen und ist virtueller Treffpunkt für alle, die beruflich mit Erwachsenen- und Weiterbildung zu tun haben: > Lehrkräfte > Projektmitarbeitende > Entscheidungsträger/-innen EPALE | Fakten zum 10-jährigen Jubiläum | 2015 - 2025 EPALE wird im Rahmen des Programms Erasmus+ von der EU-Kommission finanziert. Europaweit arbeiten 37 nationale Koordinierungsstellen zur Unterstützung und Stärkung der Community. EPALE Deutschland ist bei der NA beim BIBB angesiedelt und arbeitet sehr eng mit dem ebenfalls dort verantworteten Programm Erasmus+ Erwachsenenbildung und der Europäischen Agenda für Erwachsenenbildung zusammen. EPALE ist heute Europas größte mehrsprachige offene Online-Community für Erwachsenenbildung und Weiterbildung. EPALE Geteilte Inhalte EPALE gesamt EPALE DEEntwicklung Mitgliederzahl: Mai 2015 Juni 2025 4.484 187 150.615 5.649 Januar bis Juni 2025 > 400 Beiträge bündelt Wissen und Know-how der Erwachsenenbildungs-Community; bietet die Möglichkeit der Vernetzung; erlaubt Mitgliedern, ihre Arbeit sichtbar zu machen; bietet die Möglichkeit, die Erwachsenen- bildung in Europa mitzugestalten. Deutschland Deutschland https://epale.ec.europa.eu/de 5TOP im europäischen Ranking z.B. Blogbeiträge, Veranstaltungshinweise, Fachressourcen www.na-bibb.de/ factsheets -© N A b ei m B IB B Neue Zuständigkeit Ist Ihnen das geänderte Förderlogo auf unserer Website und unseren neuen Publi kationen aufgefallen? Seit dem 1. Novem ber 2025 liegt die Zuständigkeit für die NA beim BIBB beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Jahrestagung 2025 Die diesjährige Jahrestagung der NA beim BIBB fand online statt und stand unter dem Motto der Erasmus Days „Live our values, inspire our future“. Am 24. und 25. September 2025 kamen insgesamt über 1.000 Akteurinnen und Akteure der Erasmus+-Community zum virtuellen Aus tausch zusammen. Die Dokumentation mit den Präsentationen finden Sie auf unserer Website: www.na-bibb.de/ veranstaltungsrueckblicke Neue Podcastfolgen Seit 2022 veröffentlicht die NA beim BIBB mehrmals im Jahr einen Podcast zu The men aus ihrem Verantwortungsbereich. So entstand z.B. im Mai 2025 ein Beitrag zur Erinnerungskultur mit der Shoah-Über lebenden Henriette Kretz. Hören Sie im mer die aktuellen Folgen unter https://open.spotify.com/ show/5xFZTD087UqPafS 0qu4sTF?si=TFSo0iFPTkS wy2fA8Yg8vA https://open.spotify.com/show/5xFZTD087UqPafS0qu4sTF?si=TFSo0iFPTkSwy2fA8Yg8vA http://www.na-bibb.de/factsheets http://www.na-bibb.de/veranstaltungsrueckblicke 30 31 Bildung für Europa | Dezember 2025 - - - - - - - - - - - - - - Infosplitter - - - Podcast der EuroApprentices Kennen Sie bereits den Podcast „Eras mus+-Stories – Auslandsaufenthalte während der Ausbildung“, den unsere EuroApprentices in Eigenregie erstellen? Jeden Monat gibt es eine neue Folge, in der die EuroApprentices anderen Azubis zeigen, warum ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung nicht nur eine coole Erfahrung, sondern auch ein echter Karriere-Booster ist. Unbedingt reinhören! Den Podcast findet man z.B. auf Spotify, Podcast.de und Audible. Gutachter/-innen gesucht Für gutachterliche Tätigkeiten im Programm Erasmus+ sucht die NA beim BIBB laufend externe Gutachter/-innen. www.na-bibb.de/gutachterinnen- gesucht Neue Klima-Puzzle-Anleiterinnen Eine Mitarbeiterin der NA beim BIBB und eine VET-Expertin haben in diesem Jahr er folgreich die Schulung zu Anleiterinnen für das Klima Puzzle (Climate Fresk) absolviert. Damit haben wir die Nachhaltigkeitskom petenzen in der NA beim BIBB und für die europäischen Programme um einen weiteren Baustein gestärkt. Videobotschaften Erwachsenenbil dung Welche Erfahrungen haben Erwachse nenbildner/-innen mit Auslandsaufenthal ten gemacht? Im Rahmen der Kampagne “Wenn Austausch Türen öffnet“ haben wir erfahrene Projektnehmer befragt. www.na-bibb.de/wenn-austausch -tueren-oeffnet Inklusion in Erasmus+: NA zeigt hilfreiche Tools Am 30. Januar 2026 führt die NA beim BIBB im Rahmen einer On line-Mittagspause durch einige Hilfsinstrumente des SALTO Ressour cenzentrums für Inklusion und Viel falt in Erasmus+. Die Tools werden europaweit zur Verfügung gestellt, um Projektträger bei der Organisation von inklusiven Erasmus+-Projekten zu unterstützen. Details zur Anmeldung finden Sie unter: www.na-bibb.de/veranstaltungen Deutschland Neues Ressourcen-Kit online In einer globalisierten Welt braucht es Bil dungsräume, die Austausch fördern, Vorur teile abbauen und Zusammenhalt stärken. Das neue EPALE Ressourcen-Kit „Identität und Werte in der Erwachsenenbildung“ zeigt in Blogbeiträgen, Praxisbeispielen und Methoden, welche Werte Erwachsenen bildung prägen – und wie Sie die eigene Bildungsarbeit reflektieren und weiterent wickeln können. Alle Inhalte stehen kosten frei auf EPALE bereit: https://epale.ec.europa.eu/de/blog/ epale-deutschland-ressourcen-kits Stimmen aus der Praxis Zehn EPALE-Botschafter/-innen geben persönliche Einblicke in ihre Arbeit und sprechen über „Identität und Werte in der Erwachsenenbildung“. Die Porträts zeigen, wie vielfältig Engagement auf Europas größter Plattform für Erwach senenbildung sein kann. Mehr über die einzelnen Botschafter/-innen erfah ren Sie per Klick auf die Namen: https://epale.ec.europa.eu/ de/blog/epale-botschafter-stellen- sich-vor Literaturtipp KI Sie erkennen das Potenzial von KI, haben aber gleichzeitig Vorbehalte, weil sie Risiken sehen? Dann sollten Sie sich die kostenlose Publikation „Ethische Leitlinien für Lehr kräfte und die Nutzung von KI und Daten für Lehr- und Lernzwecke“ herunterladen. https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/d81a0d54- 5348-11ed-92ed-01aa75ed71a1 Der Frage, wie sich Arbeitsinhalte und berufliche Tätigkeiten sowie Bildungsprozesse durch KI verändern, geht u.a. die BWP-Ausgabe 4/2025 „Innovationen durch KI“ des BIBB nach. www.bwp-zeitschrift.de/4-2025 http://www.na-bibb.de/wenn-austausch-tueren-oeffnet http://www.na-bibb.de/veranstaltungen https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-botschafter-stellen-sich-vor https://www.na-bibb.de/gutachterinnen-gesucht https://epale.ec.europa.eu/de/blog/epale-deutschland-ressourcen-kits https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/d81a0d54-5348-11ed-92ed-01aa75ed71a1 http://www.bwp-zeitschrift.de/4-2025 Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) Friedrich-Ebert-Allee 114-116 53113 Bonn Tel.: 0228 107-1608 LinkedIn: www.linkedin.com/ company/nationale-agentur- bildung-für-europa www.na-bibb.de Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ Programm Antragsfrist Wo muss der Antrag eingereicht werden? Weitere Informationen Erasmus+ Leitaktion 1 Mobilität von Einzelpersonen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Hochschulbil dung - - 19.02.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA > nur im Bereich Sport (Personal) 12.02.2026, 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend > nur im Bereich Jugend 12.02.2026 01.10.2026 jeweils 12:00 Uhr NA Jugend NA Jugend - Erasmus-Akkreditierungen > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Erwach senenbildung und Jugend - 29.09.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA Leitaktion 2 Kooperationspartnerschaften > in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend, mit Ausnahme der von europäischen NGOs eingereichten Partnerschaften 05.03.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA > im Bereich Sport 05.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Kleinere Partnerschaften > in den Bereichen Schulbildung, berufliche Aus- und Weiterbil dung, Erwachsenenbildung und Jugend 05.03.2026, 12:00 Uhr jeweilige NA jeweilige NA > im Bereich Sport 05.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Zentren der beruflichen Exzellenz 03.09.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Innovationsallianzen 10.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Kapazitätsaufbau im Bereich be rufliche Aus- und Weiterbildung 26.03.2026, 17:00 Uhr EACEA EACEA Wichtige Internet-Adressen: Gemeinsame Website der Nationalen Agenturen in Deutschland: www.erasmusplus.de EU-Kommission, Allgemeine und berufliche Bildung: https://education.ec.europa.eu/de EACEA: www.eacea.ec.europa.eu/index_de AusbildungWeltweit: nächste Antragsfrist am 24.02.2026 für Aufenthalte zwischen Juni 2026 und Mai 2027 Die Angaben basieren auf dem aktuellen Informationsstand (12.11.2025). Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Antragsfristen finden Sie im Aufruf EAC/A12/2025. - http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.linkedin.com/company/nationale-agentur-bildung-für-europa http://www.na-bibb.de http://www.erasmusplus.de http://www.eacea.ec.europa.eu/index_de https://education.ec.europa.eu/de Bildung für Europa 41 · Dezember 2025 Impressum Herausgeber Verantwortlich Redaktion Redaktionsassistenz Redaktionsschluss Bestellungen Erscheinungsweise Auflage Gestaltung Druck Bildnachweis Titel & Inhaltsverzeichnis Hinweis an unsere Abonnentinnen/Abonnenten Editorial Inhalt Künstliche Intelligenz Lernen, Lehren, Künstliche Intelligenz KI in der Berufsbildung Partnerschaften für Zusammenarbeit Mobilitätsprojekte KI in der Erwachsenenbildung Partnerschaften für Zusammenarbeit Mobilitätsprojekte Fazit und Ausblick Kompetenzmodell AIComp Künstliche Intelligenz erfolgreich in Beruf und Alltag nutzen Der neue Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz Auswirkungen der KI-Verordnung auf den Bildungsbereich Schlüsselelemente des neuen Rechtsrahmens Hochrisikofälle in der allgemeinen und beruflichen Bildung Horizontale Pflichten: Transparenz und KI-Kompetenzen Ausblick Der risikobasierte Ansatz in der KI-Verordnung Good Practice: Erasmus+ meets KI in Essen Impulse für Ausbildung in Informatik, Elektronik und Robotik Frankreich-Projekt: KI in autonomen Systemen Intelligente Häuser in Norwegen Erasmus+ als Motor der Schulentwicklung Projektinfo Europäisches SALTO Digital Resource Centre Auftrag: Förderung der digitalen Bildung europaweit Digitale Transformation Europäisches SALTO Digital Resource Centre Werkzeuge, Materialien und Rahmenwerke zur Unterstützung der digitalen Transformation > Themenkarten > One-Pager > Beispiele guter Praxis > Werkzeuge und Lernressourcen Ausgewählte Facts zur Stimmung in der Gesellschaft Zunehmende Akzeptanz KI als Bedrohung oder Erleichterung Wahrnehmung von KI als Bedrohung oder Erleichterung nach Tätigkeiten Das könnte Sie auch interessieren KI-Nutzung: Motivation und Hürden Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit Nutzung von KI-Anwendungen nach Häufigkeit in verschiedenen Gruppen Top-Anwendungsfälle von KI Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich? Good Practice Mit KI in die Bildung von morgen Neues KI-Wissen zur Unterrichtsgestaltung genutzt Gesamte Einrichtung öffnet sich gegenüber KI Projektinfo Career Intelligence Welche Unterstützung bei der Berufsorientierung gibt es? Von der Idee zur Praxis: Weiterentwicklung der digitalen Lernplattform Stakeholder unterstützen den Ansatz Projektinfo KI in der Erwachsenenbildung Projektergebnisse zeigen: KI kann Lernen bereichern Wirkung und Ausblick Projektinfo KI in der Grundbildung Wie hat sich der KI-Einsatz in der Grundbildung seit unserer gemeinsamen Konferenz im Juli 2024 entwickelt? Welche Tools haben sich in der Grundbildungspraxis durchgesetzt? Wie gelingt es, alle Akteure mitzunehmen – und welche Rolle spielt der digitale Baukasten für Grundbildungsangebote? Welche nächsten Schritte plant der bvv und wie wird dabei Erasmus+ genutzt? Erasmus+ Erasmus+-Antragsrunde 2025 Berufsbildung Mobilität Berufsbildung Partnerschaften Erwachsenenbildung Mobilität Erwachsenenbildung Partnerschaften Programmvorschlag Erasmus+ 2028-2034 Das vorgeschlagene Budget Das vorgeschlagene Programm Was nicht in den Dokumenten steht European Innovative Teaching Award 2025 Zwei deutsche Projekte aus der Erwachsenenbildung ausgezeichnet Kategorie Adult Education: Senioren entdecken Europa neu Kategorie : Politische Bildung in Gebärdensprache: Politische Bildung in Gebärdensprache Bildung stärkt Europa – auf vielfältige Weise Erasmus+ vernetzt Europa Wie Teilnehmende von TCAs profitieren Vernetzung und Weiterbildung von Erasmus+-Botschafterinnen und -Botschaftern europaweit Infosplitter Neue Publikationsreihe Neue Zuständigkeit Jahrestagung 2025 Neue Podcastfolgen Podcast der EuroApprentices Gutachter/-innen gesucht Neue Klima-Puzzle-Anleiterinnen Videobotschaften Erwachsenenbildung Inklusion in Erasmus+: NA zeigt hilfreiche Tools EPALE Deutschland Neues Ressourcen-Kit online Stimmen aus der Praxis Literaturtipp KI Aktuelle Ausschreibungstermine in Erasmus+ …
[…] Ziele der Veranstaltung, Zielgruppe, Auf einen Blick, Bewerbung, Hinweis zu den Kosten, Kontakt Die EU will ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 deutlich senken und bis 2050 klimaneutral werden. Dafür braucht Europa ausreichend qualifizierte Fachkräfte mit grünen Kompetenzen. Gerade die berufliche Bildung kann durch flexible Aus- und Weiterbildungsangebote einen wichtigen Beitrag zum grünen und digitalen Wandel leisten. , Erasmus+ unterstützt die Modernisierung der Berufsbildung und die Entwicklung grüner Kompetenzen. Das Vernetzungstreffen „Greening VET“ bringt Fachleute aus verschiedenen Ländern zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, den bisherigen Beitrag von Erasmus+ zu bewerten und zu diskutieren, wie der nächste Programmzyklus eine nachhaltige und wettbewerbsfähige europäische Wirtschaft noch stärker fördern kann. Die Veranstaltung findet vom 02. bis 04.12.2026 in Rom, Italien statt. Bewerbungsfrist ist der 21.09.2026. , Ziel ist es, die länderübergreifende Reflexion und den Erfahrungsaustausch über die Rolle von Erasmus+ bei der Entwicklung strategischer grüner Kompetenzen und der Förderung eines nachhaltig wettbewerbsfähigen europäischen Arbeitsmarktes anzuregen. Dabei werden auch die Ergebnisse einer Umfrage der Erasmus+-Agentur INAPP zum Beitrag von KA 2-Projekten zur Entwicklung grüner Kompetenzen einbezogen. Zukunft gestalten: Neue europäische Ansätze für eine nachhaltige Wirtschaft diskutieren und Impulse für den nächsten Erasmus+-Programmzyklus entwickeln. , Die Teilnehmenden sollten Fachkräfte aus dem Bereich der beruflichen Bildung sein, die starkes Interesse an der Erasmus+-Priorität „Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels“ haben und sich dafür engagieren. Es sollten ausschließlich erfahrene Erasmus+-Förderempfänger ausgewählt werden. , Beginn: 02.12.2026 um 15:00 Uhr Ende: 04.12.2026 um 13:00 Uhr Veranstaltungsort: Rom, Italien Bitte planen Sie Ihre Reise so, dass Sie von Beginn bis zum Ende der Veranstaltung anwesend sein werden. Die TCA findet auf Englisch statt. Die Teilnehmenden sollten über gute Englischkenntnisse verfügen. , Die Bewerbung zur Teilnahme erfolgt über die SALTO -Plattform. Ein entsprechender SALTO -Account ist erforderlich. Zur Bewerbung Bewerbungsfrist: 21.09.2026 , Die Kosten der Veranstaltung (Übernachtung, Verpflegung, Seminargebühren) werden für Sie von der ausrichtenden Nationalen Agentur übernommen. Die NA beim BIBB bezuschusst Ihre Reisekosten. , Weitere Informationen zur Teilnahme an TCA-Veranstaltungen finden Sie auf unserer Übersichtsseite . - Bei Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich bitte an Loredana Ceccacci, E-Mail: l.ceccacci@inapp.gov.it Bei Fragen zur Abrechnung wenden Sie sich bitte an: NA-TCA@bibb.de . …
[…] Application Programme Erasmus+ Action Type Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Call 2026 Round Round 1 1 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Table of contents Context 3 Project summary 4 Budget 5 Participating organisations 6 Undefined applicant organisation 6 Partner organisations 6 Relevance of the project 7 Partnership and cooperation arrangements 8 Impact and dissemination 9 Project design and implementation 10 WP1: Project management 10 WP2 11 Annexes 14 Application conditions 15 Submission history 17 2 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Context Field Vocational Education and Training Project Title Project Start Date (dd/mm/yyyy) Project Duration Project End Date (dd/mm/yyyy) National Agency of the Applicant Organisation Language used to fill in the form 01/09/2026 Project lump sum 3 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Project summary Please provide a short summary of your project. If your project is awarded, this summary will be publicly available on the Erasmus+ Project Results Platform, and may be used by the European Commission, European Education and Culture Executive Agency (EACEA) or National Agencies in their publications. Objectives: What do you want to achieve by implementing the project? Implementation: What activities are you going to implement? Results: What project results and other outcomes do you expect your project to have? Please provide a translation in English. This summary will be publicly available in case your project is awarded. Objectives: What do you want to achieve by implementing the project? Implementation: What activities are you going to implement? Results: What project results and other outcomes do you expect your project to have? 4 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Budget The table below is automatically completed with the amounts you have assigned to each work package. Work packages Allocated amount (EUR) Project management WP2 0,00 Total distributed 0,00 Distribution of the grant amount among participating organisations WP1: Project management WP2 Total distributed (EUR) 0,00 0,00 0,00 Total distributed (EUR) 0,00 0,00 0,00 Allocated amount (EUR) 0,00 0,00 5 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Participating organisations According to the Programme Guide, each organisation (OID) can be involved in a total of 10 Cooperation partnerships in the fields of vocational education and training, school education, adult education and youth per application round. The maximum number includes all applications in the listed fields, regardless of whether the organisation is a coordinator or a partner. Once this limit is reached, it will not be possible to submit further applications with the same organisation (OID). Undefined applicant organisation Applicant organisation details Organisation ID Legal name Country City Establishment/Registration date Partner organisations 6 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Relevance of the project Priorities and topics All project proposals under the Erasmus+ Programme should contribute to one or more of the programme’s policy priorities. Please select the most relevant priority according to the objectives of your project. If relevant, please select up to two additional priorities according to the objectives of your project. How does the project address the selected priorities ? Please select up to three topics addressed by your project Project description Please describe the motivation for your project and explain why it should be funded. What are the objectives you would like to achieve and which concrete results you would like to produce? How are these objectives linked to the priorities you have selected ? What makes your proposal innovative? How is your proposal suitable for creating synergies between different fields of education, training, youth and sport or how does it have a strong potential impact on one or more of those fields? How does the proposal bring added value at European level through results that would not be attained by activities carried out in a single country? Does this project proposal represent a follow-up or evolution of a previous project or projects funded by Erasmus+ ? Is the project proposal the follow-up or the evolution of a previous project or projects funded under other funding instruments/programmes at EU, national, regional, international level ? Is the project proposal in synergy with other initiatives or funding instruments ? Needs analysis What needs do you want to address by implementing your project? What are the target groups of the project? How do the participating organisations engage with the project target groups in their activities? How did you identify the needs of your partnership and those of your target groups? How will this project address these needs? 7 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Partnership and cooperation arrangements Partnership composition Organisation ID Legal name Country City Organisation type Newcomer Cooperation arrangements How did you form your partnership? How does the mix of participating organisations complement each other and what will be the added value of their collaboration in the framework of the project? If applicable, please list and describe the associated partners involved in the project and their added-value. If applicable, please list and describe the associated partners involved in the project and their added-value to the project. What is the task allocation and how does it reflect the commitment and active contribution of all participating organisations (including the associated partners, if applicable) ? Describe the mechanism for coordination and communication between the participating organisations (including the associated partners, if applicable). 8 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Impact and dissemination How are you going to assess if the project objectives have been achieved? Explain how you will ensure the sustainability of the project: How will the participation in this project contribute to the development of the involved organisations in the long-term? How do you plan to continue using the project results or implement some of the activities after the project's end? How do you plan to disseminate the result of the project? At which level will the results of your project generate impact? Please explain in what way the expected results will generate impact for the chosen level(s). 9 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Project design and implementation Cooperation partnerships are funded with fixed lump sums. After choosing a lump sum amount, you need to break it down the into work packages and specific activities that you will carry out to successfully complete the project. Note on subcontracting: subcontracting of services is allowed if it does not cover core activities on which the achievement of the objectives of the action directly depends. If subcontracting is planned, the amount budgeted for it must be included in the description of the activities in this section. Work package ID Title Number of activities Grant (EUR) WP1 Project management WP2 1 0,00 Total 0,00 WP1: Project management How will the progress, quality and achievement of project activities be monitored? Please give information about the involved staff, as well as the timing and frequency of the monitoring activities. How will you ensure proper budget control and time management in your project? What are your plans for handling risks for project implementation (e.g. delays, budget, conflicts, etc.)? How will you ensure that the activities are designed in an accessible and inclusive way? How does the project incorporate the use of digital tools and learning methods to complement the physical activities and to improve cooperation between partner organisations? How does the project incorporate green practices in different project phases? How does the project encourage participation and civic engagement in different project phases? Grant amount allocated Project Management 10 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN WP2 In addition, Subcontracting of services is allowed as long as it does not cover core activities on which the achievement of the objectives of the action directly depends. In such cases, the amount budgeted for subcontracting must be included in the description of the activities covered by the subcontract. What are the specific objectives of this work package and how do they contribute to the general objectives of the project? What will be the main results of this work package? What qualitative indicators will you use to measure the level of the achievement of the work package objectives and the quality of the results? What quantitative indicators will you use to measure the level of the achievement of the work package objectives and the quality of the results? Please describe the tasks and responsibilities of each partner organisation in the work package. How did you determine the amount allocated to this work package? How did you verify that it is cost-effective? 11 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Activities - (WP2) Activity title Venue Estimated start date Estimated end date Leading organisation Participating organisations Allocated amount (EUR) Expected results Undefined applicant organisation Total Sum of grant (EUR) 0,00 12 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Description of the activities Describe the content of the proposed activities. Explain how these activities are going to help reach the WP objectives. Describe the expected results of the activities Expected number and profile of participants. 13 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Annexes Declaration on Honour File Name File Size (kB) Total Size (kB) 0 Total Size (kB) 0 14 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Application conditions EU Values The Erasmus+ programme’s implementation, and therefore, the programme beneficiaries and the activities implemented under the programme, have to respect the EU values of respect for human dignity, freedom, democracy, equality, the rule of law and respect for human rights, including the rights of persons belonging to minorities, in full compliance with the values and rights enshrined in the EU Treaties and in the EU Charter of Fundamental Rights: Article 2 of the TEU: The Union is founded on the values of respect for human dignity, freedom, democracy, equality, the rule of law and respect for human rights, including the rights of persons belonging to minorities. These values are common to the Member States in a society in which pluralism, non-discrimination, tolerance, justice, solidarity and equality between women and men prevail. • Article 21 of the EU Charter of Fundamental Rights: 1. Any discrimination based on any ground such as sex, race, colour, ethnic or social origin, genetic features, language, religion or belief, political or any other opinion, membership of a national minority, property, birth, disability, age or sexual orientation shall be prohibited. 2. Within the scope of application of the Treaties and without prejudice to any of their specific provisions, any discrimination on grounds of nationality shall be prohibited. • I confirm that I, my organisation and the co-beneficiaries (where applicable) adhere to the EU values mentioned in Article 2 of the TEU and Article 21 of the EU Charter of Fundamental Rights I understand and agree that EU Values will be used as part of the criteria for evaluation of the activities implemented under this project EU sanctions and restrictive measures I confirm that I/my organisation/project partner are NOT included on the list of persons/entities subject to EU sanctions [1] . I acknowledge that if I/my organisation/project partner is included on the list, the application will be rejected. I/my organisation/project partner are not established in Russia nor are any of our proprietary rights directly or indirectly owned for more than 50% by a legal person, entity or body established in Russia and therefore NOT subject to EU restrictive measures under Regulation (EU) 833/2014. OR: I/my organisation/any of my project partners ARE established in Russia or any of the proprietary rights of my organisation or project partners are directly or indirectly owned for more than 50 % by a legal person, entity or body established in Russia and therefore I/my organization/project partner is subject to EU restrictive measures under Regulation (EU) 833/2014 and in order to be eligible, need to apply to the granting authority to obtain an exemption from restrictive measures under Article 5 l (2) e) of Regulation (EU) 833/2014, failing which the application will be rejected. I/my organisation consent and acknowledge that the information concerning me/my organisation, the application and the related operational and financial capacity assessments, compliance with eligibility and exclusion criteria, and other relevant information, and, if the grant is awarded, information concerning the implementation of the project, and any monitoring thereof, can be made accessible to the authorised persons of the European Commission, EACEA and the National Agencies for the purposes of Programme implementation and protection of EU financial interests in accordance with the Financial Regulation in the context of selection and award, prevention of double funding, monitoring, and other instances in the context of supervisory controls and primary checks pursuant to Erasmus+ Regulation. [1] As per EU Sanctions Map at https://www.sanctionsmap.eu . Please note that the EU Official Journal contains the official list, and, in case of conflict, its content prevails over that of the EU Sanctions Map. Original content, authorship and other acknowledgments I confirm that this application contains original content authored by the applicant organisation. I confirm that no other organisations or individuals external to the applicant organisation have been paid or otherwise compensated for drafting the application. I acknowledge that information concerning me/my organisation/project partners, the application and the related capacity assessment, compliance with eligibility and exclusion criteria, risk assessment and other relevant information (for the purposes of protection of financial interests of the Union and in accordance with the EU Financial Regulation ), as well as information concerning the implementation of the project if it is awarded, and any monitoring thereof, can be made accessible to and shared between the European Commission, European Education and Culture Executive Agency (EACEA) and the National Agencies for Programme implementation purposes. Protection of personal data 15 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN https://www.sanctionsmap.eu https://www.sanctionsmap.eu https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=OJ:L_202402509 Please read our privacy statement to understand how we process and protect your personal data Pre-submission checklist Before submitting your application form to the National Agency, please make sure that: It fulfills the eligibility criteria listed in the Programme Guide. All relevant fields in the application form have been completed. You have chosen the correct National Agency of the country in which your organisation is established. Currently selected NA is: The documents proving the legal status of the applicant must be uploaded in the Organisation Registration System, here: Organisation Registration System (for more details, see the Programme Guide - "Information for applicants"). 16 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN https://webgate.ec.europa.eu/erasmus-esc/index/privacy-statement https://erasmus-plus.ec.europa.eu/programme-guide/erasmusplus-programme-guide https://webgate.ec.europa.eu/erasmus-esc/home/organisations/register-my-organisation Submission history Version Submission time (Brussels time) Submission ID 17 / 17 Call 2026 - Round 1 Cooperation partnerships in vocational education and training (KA220-VET) Form ID: KA220-VET-FFC6948F Deadline (Brussels Time): 05 Mar 2026 12:00:00 EN Context Project summary Budget Participating organisations Undefined applicant organisation Partner organisations Relevance of the project Partnership and cooperation arrangements Impact and dissemination Project design and implementation WP1: Project management WP2 Annexes Application conditions Submission history …