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Europa hat ein Gesicht bekommen

Das Erasmus+-Projekt „SPACE“ wurde mit dem European Innovative Teaching Award (EITA) ausgezeichnet

[…] Gemeinsam in die Partnerländer, Nachhaltige Wirkung durch Materialien Mit dem European Innovative Teaching Award (EITA) würdigt die Europäische Kommission seit 2021 herausragende Unterrichtspraktiken, die im Rahmen von Erasmus+-Projekten entwickelt wurden. Der Award greift jedes Jahr ein aktuelles bildungspolitisches Thema auf, 2025 stehen Demokratiebildung und bürgerschaftliches Engagement im Fokus. Dabei verlieh die Nationale Agentur Bildung für Europa den Preis in Deutschland in der Kategorie Erwachsenenbildung. Der Gewinner wurde am 15. September bekanntgegeben, es ist das Projekt „SPACE“ der Volkshochschule im Landkreis Cham e.V. . , „SPACE“ steht für „Seniors Perceive A Common Europe“, was die Idee des Projektes sehr gut beschreibt. Es geht darum, älteren Lernenden europäische Werte zu vermitteln und sie zu aktiven europäischen Bürgerinnen und Bürgern zu machen. Im Rahmen der Kooperationspartnerschaft entwickelten und realisierten Einrichtungen aus Deutschland, Bulgarien, Italien, Schweden und Spanien im Zeitraum von Dezember 2022 bis November 2024 ein Konzept, das vor allem die Traditionen und das kulturelle Erbe der jeweiligen Länder und Regionen in den Fokus nahm. Die VHS Cham koordinierte das Projekt, hier wurden Mitmachveranstaltungen durchgeführt, die sowohl Lernmöglichkeiten boten als auch die Chance, selbst etwas zu erarbeiten. Je nach Thema gab es unterschiedliche Lernumgebungen: von Computerarbeit in den Räumen der VHS bis zum traditionellen Lebkuchenbacken und Kräuterbuschen Binden, bei dem verschiedene Kräuter gesammelt und mit einem stabilen Naturfaden um eine Königskerze oder Rose gebunden werden. „Viele dieser Traditionen sind zwar noch lebendig, werden aber nicht mehr so stark wahrgenommen und praktiziert. Ich glaube, dass wir bei den Teilnehmenden etwas aufgeweckt haben“, erzählt Johanna Jankowski, die seit 2017 im Team Internationale Projekte der VHS Cham arbeitet und für das Projekt verantwortlich zeichnete. Sie ergänzt: „Wir sind auf die Menschen zugegangen mit einem Angebot, das sie in ihrer eigenen Geschichte abholt. Das war in dieser Form neu. Das Besondere aber war, dass die Ergebnisse der Arbeit anschließend im Rahmen des Austauschs in den Partnerländern vorgestellt wurden. Dabei ging es um Fragen wie: Haben die anderen Länder ähnliche Traditionen oder Rezepte? Wo sind Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es?“. , So erhielten jeweils zwei Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, an den Treffen im europäischen Ausland zu partizipieren. Ein Angebot, das anfangs Berührungsängste hervorrief, zumal die Präsentation vor Ort in Englisch erfolgen sollte. Von Kursbaustein zu Kursbaustein jedoch wurden die Seniorinnen und Senioren immer offener. Dazu noch einmal Johanna Jankowski: „Sie haben gemeinsam geübt, und nachdem das erste komische Gefühl überwunden war, sind sie richtig daran gewachsen. Das war wie eine Art Domino-Effekt. Als die ersten Leute zurückkamen und von ihren Erfahrungen erzählten, spürte man die Begeisterung. Und das machte auch die anderen immer neugieriger.“ Jankowski erinnert sich, dass es anfangs fast immer so war, dass die Gruppen beim Abendessen national zusammensaßen. Schon am zweiten Abend aber änderte sich dies, weil die Teilnehmenden spürten, wie spannend es sein kann, neue Leute und andere Kulturen kennenzulernen. Für sie war das „eine sehr schöne Form der Annäherung.“ Das bestätigen auch die Seniorinnen und Senioren selbst. So unterstreicht Anna Hauer, die am Austausch in Schweden teilnahm: „Es freut mich, dass ich über das Projekt Menschen aus anderen europäischen Ländern begegnen durfte. Besonders spannend war es, ihre Gewohnheiten, Speisen und Bräuche sowie ihre Kultur und Traditionen kennenzulernen.“ Ingeborg Tragl war sogar zweimal mit dabei, in Spanien und in Italien. Die 74-jährife sagt: „Ich habe gemerkt, wie toll Europa ist und wie wichtig es ist, europäische Werte zu leben. Der Austausch war für beide Seiten sehr bereichernd.“ Gerade beim Dialog mit Bulgarien überwog bei einigen Teilnehmenden zunächst die Skepsis. Zu fremd schien die dortige Realität. Heute pflegt man einen regelmäßigen Austausch mit den bulgarischen Seniorinnen und Senioren. Rosina Mühlbauer, die mit dem Projekt nach Sofia reiste, bekräftigt: „Ich habe schon viele europäische Länder bereist. Bulgarien hatte ich nie auf dem Schirm. Durch „SPACE“ konnte ich einen Eindruck vom Land und seinen Bewohnern gewinnen. Mein Bild von Bulgarien hat sich dadurch wirklich zum Positiven verändert.“ Auf diese Art und Weise ist Europa für die Teilnehmenden der VHS Cham greifbarer geworden. Allgemeine Bilder und Klischees wurden durch konkrete Erlebnisse ersetzt, Europa hat ein Gesicht bekommen. Gerade in ländlich geprägten Regionen trägt eine solche Form der Teilhabe dazu bei, die Bedeutung von europäischen Werten, Demokratie und kultureller Vielfalt zu stärken. Das zeigt das Projekt „SPACE“ sehr eindrucksvoll. Fast alle Beteiligten äußerten den Wunsch, „so etwas gerne noch einmal zu machen“. , Johanna Jankowski freut dies. Sie verweist zugleich darauf, dass es von Anfang an auch ein zweites Projektziel gab: das erarbeitete Wissen auch anderen zugänglich zu machen, und zwar so breit wie möglich. Erwachsenenbildner, die vom Angebot der VHS Cham fasziniert sind und selbst etwas ähnliches „auf die Beine stellen“ möchten, finden unter https://thespaceproject.eu ausführliche Materialien: vom Handbuch, in dem innovative Lernkonzepte, bewährte Verfahren und Umsetzungsideen dargestellt werden, bis zur digitalen Plattform. Hier können sie auch die Exponate, die die Seniorinnen und Senioren im Rahmen des Projekts erarbeitet und präsentiert haben, ansehen. …

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Die Chancen von Erasmus+ aufzeigen

Wie die EuroApprentices sich in Ost- und Mitteldeutschland für Erasmus+ und demokratische Werte einsetzen

[…] Informieren und inspirieren, Werteorientierung wird immer wichtiger, Interesse geweckt? Vom 13. bis zum 17. Oktober 2025 finden die ErasmusDays statt, die Erasmus+ und den europäischen Austausch sichtbar machen wollen. Das Motto lautet in diesem Jahr „Live our values, inspire our future“. Es steht sinnbildlich für die Arbeit der EuroApprentices, die als ehrenamtliche Botschafterinnen und Botschafter über das Programm informieren und Motivationsarbeit leisten, beispielsweise in Berufsschulen und Ausbildungszentren sowie auf Messen und Social Media. Anlässlich der ErasmusDays haben wir einmal einen Blick auf ihr Engagement in den ost- und mitteldeutschen Bundesländern geworfen. , Lena Lesanovsky ist seit 2024 bei den EuroApprentices aktiv. Die 23-Jährige aus Selmsdorf in Mecklenburg-Vorpommern hat eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolviert, während der sie 2024 für einige Wochen im irischen Dublin war. Sie sagt, dass „der Sprung ins kalte Wasser sehr viel für mein Selbstbewusstsein getan hat“. Noch im gleichen Jahr bewarb sie sich bei den EuroApprentices und wurde angenommen, im Februar 2025 erwarb sie zudem die Zusatzqualifikation zur Europakauffrau. Sie ist eine von fünf EuroApprentices in Ost- und Mitteldeutschland. Mit ihrem Engagement hat sie sich zum Ziel gesetzt, auf die Möglichkeiten des Programms Erasmus+ aufmerksam zu machen und einen Beitrag zur Stärkung europäischer Werte in ihrer Region zu leisten. Die Erfahrungen, die sie im Rahmen von Erasmus+ gemacht hat, gibt sie gerne weiter, um auch andere vom Nutzen des Programms zu überzeugen und ihnen die häufig vorhandene „Angst vor dem Neuen“ zu nehmen. Dazu Lesanovsky: „Ich bin eher eine Exotin, wenn ich von meinen Erfahrungen im Ausland und bei den EuroApprentices erzähle, doch ich möchte einfach etwas bewegen, weil mein Herz immer noch sehr in meiner Heimatregion verwurzelt ist.“ Dabei will sie vor allem Kommunikationsbrücken bauen, um jungen Menschen die Möglichkeiten näherzubringen, die Erasmus+ bietet. Dazu wird sie sich in Kürze mit einigen Berufsschulen in Rostock, Schwerin und Wismar zusammensetzen und ihnen ihre Idee vermitteln. Sie ist überzeugt: „Wir brauchen gute Beispiele, damit die Leute sehen, was alles geht. Je mehr Schulen, Unternehmen und auch Auszubildende diese Chance nutzen, desto mehr können wir auch mit unserer Arbeit als EuroApprentices bewirken. Denn am Ende ist es meist die persönliche Erfahrung, die Denkweisen und Einstellungen prägt.“ Energie für ihre Arbeit zieht Lena Lesanovsky aus den Treffen mit anderen EuroApprentices. So nahm sie im Juni 2025 erstmals am European Youth Event in Straßburg teil, zu dem alle zwei Jahre um die 10.000 junge Leute aus ganz Europa zusammenkommen. „Bei solchen Treffen spürt man, dass man nicht alleine ist. Da sind viele Gleichgesinnte, mit denen man sich austauscht und vernetzt. Das hat mir schon noch einmal einen Kick gegeben“, bringt sie ihre Begeisterung auf den Punkt. , Anna Roßband teilt diese Begeisterung. Neben dem Engagement vor Ort und den regelmäßigen Treffen mit anderen Erasmus-Botschafterinnen und -Botschaftern kümmert sie sich auch um den Social Media-Auftritt und die Podcastreihe der EuroApprentices. Sie ist 26 Jahre alt und arbeitet als Sozialversicherungsfachangestellte in Dresden. Ihre Ausbildung beendete sie im Jahr 2021, seinerzeit blieb ihr jedoch der Auslandsaufenthalt auf der zu Frankreich zählenden Überseeinsel La Reunion aufgrund der COVID 19-Pandemie verwehrt. Dank des Einsatzes ihres Berufsschullehrers konnte sie diesen ein Jahr später nachholen und Einblicke in eine faszinierende Welt gewinnen. Kurz danach begann sie ihr Engagement bei den EuroApprentices. „Ich habe in den Gesprächen in meiner Region gemerkt, dass viele Auszubildende gar nichts von der Möglichkeit wissen, einen Auslandsaufenthalt zu machen“, berichtet Roßband, die mittlerweile selbst Ausbilderin ist und vor allem informieren und inspirieren will. Ein zentraler Aspekt sei es dabei, Hemmnisse abzubauen, zum Beispiel Ängste vor der unbekannten Umgebung oder dem Auf-sich-selbst-gestellt-Sein im Ausland. Grundsätzlich wünscht Anna Roßband sich mehr Aufmerksamkeit und Offenheit für das europäische Thema. Sie betont: „Die europäischen Prinzipien sind Werte, von denen jeder profitiert, ob Freiheit, Menschenwürde oder Demokratie. Vielleicht sind wir uns dessen im Alltag gar nicht immer so bewusst. Ich finde, dass wir dankbar sein sollten, in der EU leben zu dürfen. Wir sollten uns darüber klar sein, wie cool Europa ist und immer wieder deutlich machen, wie bereichernd europäische Werte und der Austausch mit anderen sind.“ , Martin Schmidt glaubt, dass es in den letzten sieben Jahren in Erasmus+ viel Bewegung und positive Entwicklungen gab. Dennoch hält er es für wichtig, die Idee des Programms vor allem in den Berufsschulen in allen Regionen Deutschlands stärker zu etablieren. Er selbst geht häufig zu Diskussionsrunden in die Schulen, sowohl in Eigeninitiative als auch in Zusammenarbeit mit Mobilitätsberaterinnen und -beratern. Als optimal würde er es empfinden, wenn auch die Betriebe Erasmus+ intensiver bei ihren Auszubildenden bewerben würden, zumal letztlich ja alle Beteiligten von der Wirkung des Programms profitierten. Wie Lena Lesanovsky und Anna Roßband ist er überzeugt, dass es eine Vielzahl guter Ansätze gibt, um Erasmus+ in Ost- und Mitteldeutschland weiter zu stärken. Dazu brauche es jedoch insgesamt mehr Projekte. Seine Arbeit bei den EuroApprentices hat sich mit den Jahren verändert. Er bekräftigt: „Ich halte das Engagement gerade in der heutigen Zeit für wichtig, weil ich denke, dass wir als EuroApprentices unseren Beitrag zur demokratischen Teilhabe leisten können, indem wir versuchen, Werte wie Offenheit und Dialogbereitschaft zu vermitteln und damit anderen Mut für die Zukunft zu machen. Das ist etwas, das wir gerade im Kontext der ErasmusDays besonders betonen sollten.“ , Bundesweit gibt es insgesamt 45 Erasmus+-Botschafterinnen und Botschafter. Mehr zu den EuroApprentices erfahren Sie auf der Website https://www.na-bibb.de/erasmus-berufsbildung/mobilitaet/euroapprentices . Infos zu den ErasmusDays gibt es hier: https://www.erasmusdays.eu …

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Wo Demokratie und Europa gelebt werden

Ein Berufsbildungswerk in Baden-Württemberg verbindet Ausbildung und individuelle Förderung – es setzt dabei auf Demokratiebildung und europäische Werte

[…] Interkulturelles Interesse und die Faszination Europa, Demokratie ist ein europäisches Thema, Auslandsaufenthalte erweitern Horizonte Wer das zur Johannes-Diakonie Mosbach gehörende Berufsbildungswerk (BBW) Mosbach-Heidelberg besucht, hört an vielen Stellen das Wort „Europa“ – sei es im Unterricht, in den Lehrwerkstätten oder in den Geschichten der Auszubildenden, die während der Zeit am BBW oft zum ersten Mal in ihrem Leben Auslandserfahrung sammeln. Möglich wird dies über Erasmus+, doch die Idee der Schule reicht noch weiter, gilt sie doch als ein gutes Beispiel dafür, wie Demokratiebildung, europäische Werte und inklusive Berufsbildung sinnvoll miteinander verknüpft werden können. , „Unser Ziel ist es, junge Menschen – häufig mit Förderbedarf oder Lernbeeinträchtigungen – zu befähigen, ihre Zukunft selbstbewusst, solidarisch und aktiv mitzugestalten“, sagt Thorsten Ringwald, Leiter der Berufsschule am Berufsbildungswerk. Dies geschieht über einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem die Lernenden nicht nur berufliche Kompetenzen erwerben, sondern auch einüben, demokratisch zu handeln, sich als Teil Europas zu verstehen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Dass Demokratiebildung heute ein zentraler Bestandteil des pädagogischen Selbstverständnisses des BBW ist, hat viel mit Thorsten Ringwald zu tun. Er kam 2017 an die Schule und führte gemeinsam mit Nils Fischer, Technischer Oberlehrer am BBW, das Erasmus+-Programm ein. Seither haben die Auszubildenden die Möglichkeit, über berufspraktische Auslandsaufenthalte in Betrieben und vergleichbaren Einrichtungen im europäischen Ausland unterschiedliche Arbeitsfelder kennenzulernen und ihre fachlichen Kompetenzen zu erweitern. Dabei erleben sie neue Arbeitskulturen, andere Länder und den europäischen Austausch ganz unmittelbar – eine Erfahrung, die nachhaltig wirkt. , Thorsten Ringwald betont: „Nils Fischer und mich verband von Anfang an das interkulturelle Interesse und die Faszination Europa.“ Was als internationales Bildungsprojekt begann, entwickelte sich Schritt für Schitt zu einem umfassenden Gesamtkonzept weiter. Nachdem er 2023 zum Schulleiter ernannt worden war, führte Ringwald eine Vielzahl praxisnaher Angebote ein, die vor allem auf Beteiligung setzen. Realisiert werden diese sowohl im Unterricht als auch in Form von Projekten, deren Teilnahme freiwillig ist. Auf diese Art und Weise erleben die Jugendlichen, dass ihre Stimme gehört wird und Beteiligung grundsätzlich möglich ist, zum Beispiel bei Juniorwahlen oder Diskussionsrunden zu gesellschaftlichen Themen. Andere Formate sind die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen zur NS-Zeit, Rundgänge zu Orten jüdischen Lebens in Mosbach oder werteorientierte Projekte wie ein Coming-out-Day und Workshops zu Mobbing, Respekt und Selbstwirksamkeit. Schnell wurde sichtbar, dass viele Jugendliche bislang kaum Berührung mit politischen oder gesellschaftlichen Themen hatten. „Die Jugendlichen, die zu uns kommen, sind anfangs noch sehr unselbstständig und haben wenig Lebenserfahrung“, unterstreicht Ringwald. Das und die Beeinflussung durch soziale Medien mache sie anfällig für rechtspopulistische Inhalte. Deutlich wurde das unter anderem, als vor einigen Jahren Hakenkreuzschmierereien und rechtsradikale Symbole an der Schule auftauchten. Für Ringwald ein Wendepunkt. Ihm ist es wichtig, dass die jungen Erwachsenen am Ende erkennen: „Demokratie hat vielleicht Ecken und Kanten, aber sie ist eindeutig die bessere Staatsform als ein autoritäres Regime.“ , Nils Fischer ist heute für die Koordination des Erasmus+-Programms am BBW Mosbach-Heidelberg verantwortlich. Er glaubt, dass die Demokratiebildung und die internationale Zusammenarbeit sehr gut harmonieren, weil beide auf denselben Grundideen beruhen: Teilhabe, Offenheit, Respekt und die Erfahrung, dass Vielfalt eine Stärke ist. Gerade in einer Europaschule wie der BBW werde Demokratie als etwas verstanden, das im europäischen Miteinander gelebt werden kann. Gerade deshalb sehe er in Erasmus+ weit mehr als ein Förderprogramm für Auslandsaufenthalte. Für ihn ist es zugleich ein Instrument der Persönlichkeitsentwicklung. Konkret zeige sich das in den Auslandsaufenthalten der Auszubildenden. „Vor Ort erleben die Jugendlichen, dass sie Teil eines größeren europäischen Zusammenhangs sind“, so Fischer. Gerade diese Erfahrung stärke das Bewusstsein: Ich gehöre dazu, ich kann mich einbringen, ich kann mitgestalten. „Einige der Auszubildenden waren zuvor noch nie im Hotel. Sie waren noch nie geflogen oder sind generell noch nicht im Ausland gewesen“, bekräftigt Fischer. Vor diesem Hintergrund eröffne die Zeit des Auslandsaufenthaltes den Jugendlichen zum Teil völlig neue Welten. , Das haben auch Jasmin Hoffmann und Lukas Wäsch erlebt. Sie absolvieren am BBW eine Ausbildung zur Gärtnerin bzw. zum Gärtner und waren im März 2026 gemeinsam mit neun anderen Auszubildenden auf einer biologisch geführten Farm in der Nähe von Sevilla in Südspanien. Dort legten sie unter anderem Bewässerungsgräben an, brachten Saatgut aus und halfen bei der Ernte. Besonders wertvoll war, dass die Lernenden ihre bereits vorhandenen fachlichen Kompetenzen direkt im Arbeitsalltag einbringen und erweitern konnten. Lukas Wäsch bringt es wie folgt auf den Punkt: „Ich habe Dinge kennengelernt, die ich in Deutschland niemals kennenlernen würde. Wir mussten die Erde direkt vom Boden entnehmen, damit wir aussäen konnten. Auch das Wasser kam nicht einfach aus der Leitung – wir haben es aus dem Boden geholt“. Jasmin Hoffmann wäre am liebsten gleich in Spanien geblieben. Sie berichtet: „Es war eine tolle Erfahrung. Wir sind einfach rausgegangen, um das zu holen, das wir selbst bearbeitet hatten, und es dann mittags oder abends zu essen. Auch mit den spanischen Landarbeiterinnen und -arbeitern haben wir uns gut verstanden.“ Insgesamt gehen jedes Jahr rund zehn Prozent der etwa 260 Auszubildenden des BBW mit Erasmus+ ins Ausland. Die Ziele reichen von Spanien und Italien über Finnland und Estland bis nach Österreich. Die Programme sind bewusst inklusiv gestaltet. So helfen beispielsweise Begleitpersonen bei Unsicherheiten oder sprachlichen Hürden vor Ort. Auch die Vor- und Nachbereitung spielen eine große Rolle, denn es ist wichtig, dass die Teilnehmenden gut vorbereitet ins Ausland gehen. Dabei geht es sowohl um Reisepläne und Arbeitszeiten als auch um Erwartungen, Ängste und kulturelle Aspekte. Während der Aufenthalte gibt es tägliche Reflexionsrunden. Last but not least werden die gemachten Erfahrungen nach der Rückkehr gemeinsam ausgewertet. Dass diese weit über das Fachliche hinausgehen, wird am Beispiel von Julian Ehrlich klar. Der angehende Landwirt wurde nach Italien entsendet und sah während der Zeit dort zum ersten Mail in seinem Leben das Meer. Ein für ihn unvergesslicher Augenblick. „Gerade für junge Menschen mit Förderbedarf ist ein solches Angebot enorm wichtig“, weiß Nils Fischer, der ergänzt: „Es macht einen Unterschied, ob man hier in der Lehrwerkstatt ist oder vor Ort bei der Ernte hilft. Die Jugendlichen merken dort: Ihre Arbeit wird ernst genommen. Das ist sehr motivierend und stärkt sie für ihren weiteren Weg.“ Thorsten Ringwald ist froh über all diese Entwicklungen, die auch nach außen hin nicht unbemerkt bleiben. 2025 erhielt das Berufsbildungswerk einen Arbeitgeberpreis für sein Engagement, auch immer mehr andere Einrichtungen signalisieren Interesse an dem, was Ringwald und sein Team auf den Weg gebracht haben. Sie haben erkannt: Demokratiebildung beginnt mit dem Moment, in dem junge Menschen erleben, dass die Welt größer ist als ihr bisheriger Alltag – und dass auch sie selbst darin einen Platz haben. …

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Wie aus einer anderen Welt

Die Bildungsgesellschaft mbH Pritzwalk bietet sozial benachteiligten Jugendlichen mit Erasmus+ die Chance zur Auslandserfahrung während der Ausbildung

[…] Vielfältige Gründe für Benachteiligung, Auslandserfahrung als Motivation Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz in Industrie, Handel und Gewerbe gefunden haben, zu unterstützen, das ist das Ziel der Bildungsgesellschaft mbH Pritzwalk. Sie will Schulabgängern und Schulabgängerinnen sowie Arbeitslosen in der Region eine Perspektive bieten – zum Beispiel durch berufsvorbereitende Maßnahmen. Ein wichtiger Baustein ist dabei der zweiwöchige Auslandsaufenthalt mit Erasmus+ in einer europäischen Partnerinstitution. „An unseren Projekten nehmen vor allem Jugendliche mit besonderem Förderbedarf teil“, berichtet Simone Grabow, Leiterin des Internationalen Servicebüros in der Bildungsgesellschaft. Sie ist überzeugt, dass derartige Erfahrungen gerade bei dieser Zielgruppe sehr viel bewirken können und sorgt seit nunmehr 15 Jahren für die gute Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen in verschiedenen europäischen Ländern – sei es in Zypern, Italien oder Finnland. Hier können die Jugendlichen zwei Wochen lang Auslandsluft schnuppern und, so Grabow, „für sie völlig neue Arbeits- und Lebenswelten“ kennenlernen. , Die Gründe für den Förderbedarf und die Benachteiligung der Teilnehmenden sind vielfältig. Sie reichen von Lernbeeinträchtigungen und prekären familiären Verhältnissen bis zu psychischen oder suchtbedingten Erkrankungen. Fast immer fehlt eine ausreichende Unterstützung aus dem Umfeld, sodass sozialpädagogische Hilfen unvermeidbar sind, um die Anforderungen im Rahmen einer Ausbildung erfüllen zu können und den Übergang von der Schule in den Beruf zu bewältigen. Hier setzen die Angebote der Bildungsgesellschaft an. Dazu Grabow: „Wir wollen den Jugendlichen eine Chance für den Weg in ein selbstständiges Leben und für gesellschaftliche Teilhabe bieten. Dazu ist es wichtig, ihnen Halt und Aufmerksamkeit zu geben. Das steigert das Selbstwertgefühl und schafft einen Rahmen, damit sie eigene Fähigkeiten und Kenntnisse entwickeln können. Neben fachlichen und sprachlichen Kompetenzen geht es in diesem Kontext auch um Aspekte wie Toleranz, Selbstbewusstsein oder Teamgeist.“ Eine bedeutende Rolle spielen die Auslandspraktika, die in Pritzwalk bereits seit mehr als 20 Jahren durchgeführt und stets sehr eng von Ausbildern oder Sozialpädagoginnen begleitet werden. Einer von ihnen ist Tino Gutsche, Ausbilder für Werkzeugmechaniker*innen in der Bildungsgesellschaft. Er war im Oktober 2019 im Rahmen des Projekts „Miteinander lernen – Voneinander Lernen“ mit zehn Auszubildenden – sechs Werkzeugmacher/-innen, vier Elektroniker/-innen – für zwei Wochen bei der Partnerinstitution ERCI – Educational Research & Consultancy Institute in Limassol auf Zypern. Hier arbeiteten die Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung in großen Unternehmen wie in einer Brauerei oder bei einem Safthersteller. Sie leisteten hauptsächlich konventionelle Maschinenarbeit, beispielsweise Drehen, Fräsen oder Materialzuschnitt. Für Gutsche war dies die erste Reise in seiner Tätigkeit als Ausbilder, er erinnert sich: „Wir waren alle sehr nervös. Unsere Gruppe kannte sich zum damaligen Zeitpunkt ja auch gerade erst einmal zwei Monate, da es ein Grundprinzip der Auslandsaufenthalte ist, diese zum Anfang der Ausbildung durchzuführen. Das stärkt das Gruppengefühl und zugleich auch das Vertrauen zu mir als Ausbilder.“ Um der benachteiligten Klientel ein derartiges Angebot unterbreiten zu können, sei eine vertraute Person als Ansprechpartner*in unabdingbar, unterstreicht der heute 37-jährige Ausbilder. Er habe sich ein wenig wie der „Papa“ gefühlt, der sich um alles kümmert und den Laden zusammenhält. So könne er dazu beitragen, dass die jungen Leute, die zuvor in der Regel noch nichts Vergleichbares erlebt haben, ihre Ängste verlieren und sich auf die Sache einlassen. Denn trotz intensiver Vorbereitung trauten sich die meisten Teilnehmenden kaum etwas zu. Gutsche wörtlich: „Sie bringen zum Teil heftige Geschichten mit und haben oft Probleme, mit ihrem Alltag klarzukommen. Ich staune immer wieder, wie sich dies in der kurzen Zeit des Auslandsaufenthaltes verändert und welche Fähigkeiten plötzlich sichtbar werden. Da treten Dinge zu Tage, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.“ , Die Effekte aus den Maßnahmen beeindrucken auch Denise Nickel, pädagogische Leiterin in der Bildungsgesellschaft Pritzwalk. Sie sagt: „Wenn unsere Teilnehmer*innen zurückkommen, sind sie regelrecht euphorisch, weil sie tolle Sachen erlebt und sehr viel Wertschätzung erfahren haben, sowohl in der Arbeit als auch im Miteinander. Das erhöht ihre Motivation und macht ihnen nicht selten deutlich, dass sie doch etwas können – eine gute Voraussetzung, um Zugang zu regulären Ausbildungsgängen und einer festen Beschäftigung zu finden.“ Tino Gutsche erzählt abschließend vom Beispiel des 19-jährigen Tom, der so gestärkt aus Zypern zurückgekommen sei, dass er sich selbst eine Firma aussuchte, die er interessant fand. Dort habe er sich dann erfolgreich beworben und den Einstieg ins Arbeitsleben geschafft. Gutsche glaubt, dass die Auslandserfahrung dazu „einen großen Beitrag“ geleistet habe. Vor diesem Hintergrund ist es ein Anliegen der Bildungsgesellschaft Pritzwalk, auch anderen Trägern, die mit einer vergleichbaren Klientel arbeiten, die Möglichkeiten von Erasmus+-Projekten nahezubringen und sie entsprechend zu beraten. Neben den konkreten Erfahrungen vor Ort geht es dabei letztlich allen auch darum, die Ergebnisse des Aufenthalts transparent zu machen, damit die Jugendlichen sich später damit bewerben können. …

[…] Angehende Fachinformatikerin war für drei Wochen im estnischen Tallinn, Familiäre Atmosphäre und interessante Projekte, Von Sommerfrische bis Nationalmuseum, Interesse geweckt? Erfahren Sie mehr über das Projekt Vom 26. August bis zum 18. September 2022 konnte Charlotte Oelkers Einblick in die Welt eines fortschrittlichen Digitalstaates gewinnen. Im Rahmen ihrer Ausbildung absolvierte die Fachinformatikerin für Anwendungstechnik ein dreiwöchiges Praktikum in einem IT-Betrieb in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Eine Zeit, die ihr nicht nur fachlich viele neue Anregungen brachte. , Anfang Juni hat Charlotte Oelkers ihre Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung an den Berufsbildenden Schulen Soltau ( BBS Soltau) erfolgreich abgeschlossen. In ihrem letzten Ausbildungsjahr nutzte die 25-Jährige die Chance, über Erasmus+ für ein Auslandspraktikum nach Tallinn zu gehen. Doch warum gerade Estland? Es gab verschiedene europäische Länder, die Charlotte Oelkers interessierten, letztlich habe sie sich für Estland entschieden, weil sie die innovativen Ansätze in Sachen Digitalisierung reizten und sie das Land und die Region bis dato überhaupt nicht kannte. „Da war auch ein bisschen Neugier im Spiel, ich wollte einfach wissen, was in den baltischen Staaten passiert und wie man dort lebt und arbeitet“, sagt sie, und ergänzt: „In Estland werden rund 99 Prozent der behörlichen Dienstleistungen online abgewickelt. Das reicht von der elektronischen Stimmabgabe bei Wahlen bis zum Einreichen der Steuererklärung. Der Alltag ist hier größtenteils digital organisiert“ Da das Ganze sehr sicher und transparent ablaufe, sei die Akzeptanz in der Bevölkerung groß. Oelkers glaubt, dass Estland genau deshalb in gewisser Weise auch für uns als Vorbild dienen könne, wenngleich das Land mit seinen insgesamt 1,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern noch nicht einmal so bevölkerungsstark sei wie München. Gut ein Drittel der Estinnen und Esten lebt in Tallinn. , Oelkers zeigt sich vor allem von der digitalen Infrastruktur des Landes beeindruckt, wenngleich sie im Rahmen ihres Praktikums eher mit klassischen IT -Aufgaben beschäftigt war. Sie erzählt: „Ich habe in einem relativ kleinen Betrieb gearbeitet, wir waren insgesamt knapp zehn Leute. Das war gut für mich, weil es familiär zuging und ich nah an den einzelnen Projekten war. Hinzu kam, dass mir sehr viel Vertrauen entgegengebracht wurde und ich recht eigenständig agieren konnte.“ Inhaltlich reichte das Spektrum von IT -Services bis zur Programmierung von Webanwendungen und anderen Applikationen. Obwohl sie dabei auch neue Aspekte kennenlernte, räumt Oelkers ein, dass die Abläufe in der Webentwicklung sich in der Regel an internationalen Standards orientieren. Mindestens ebenso spannend sei daher der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen gewesen, der vor allem in Englisch ablief, während die Gespräche in Alltagssituation ab und an nur in Estnisch oder Russisch möglich waren, was sehr viel Improvisationstalent verlangte. , Charlotte Oelkers lacht, als sie das erzählt. Es ist geradezu spürbar, wie bereichernd die Zeit in Estland für sie war. Gelebt hat sie in einem kleinen Appartement am Rande der malerischen Altstadt, von wo sie in 15 Minuten zu Fuß zu ihrer Arbeit laufen konnte. „Das Faszinierende war für mich das Gesamtpaket“, berichtet die 25-Jährige. „So haben wir bei der Arbeit viel über das digitale Estland, aber auch über die aktuelle politische Situation und kulturelle Fragen geredet. Gerade in diesen Bereichen habe ich viel Neues entdeckt – zum Beispiel, dass Bären und Wölfe in Estland auf der Speisekarte zu finden sind.“ Vor allem die Vielfalt des Landes hat Oelkers überrascht, zumal das Wissen über die osteuropäischen Länder bei uns oft ja recht überschaubar sei. So weise Estland eine enge Beziehung zu Deutschland auf, gleichzeitig aber sei die Grenze zu Russland nicht weit. Letzteres stelle angesichts der weltpolitischen Lage derzeit eine eher schwierige Situation dar. Dazu Charlotte Oelkers: „Interessant für mich war, wie eng die Welten manchmal beieinander liegen, und wie weit sie dann doch voneinander entfernt sind.“ , Apropos Welten. Neben der Arbeit hat Charlotte Oelkers auch sehr viel von Land und Leuten erfahren. Mit ihrem Chef und dessen Familie tauchte sie tief in die Natur und Kultur Estlands ein – von Bootstouren und Sommerfrische bis zum Besuch des Nationalmuseums und zum Genuss der estnischen Küche. Auch ein Ausflug nach Keava stand auf dem Programm. Die dortige Berufsschule ist eng mit der BBS Soltau verbandelt und hatte Oelkers zu ihrem Praktikumsplatz verholfen. Bei ihrem Kurztrip nach Keava konnte die Fachinformatikerin sogar an einer Unterrichtseinheit teilnehmen und hinter die Kulissen des estnischen Berufsschulsystem schauen. All das habe ihren Horizont sehr erweitert und ihr deutlich gemacht, wieviel sie schaffen könne, wenn sie die Dinge selbst in die Hand nehme. Manchmal sei es einfach gut, selbst „Ausländerin“ zu sein, so Oelkers. Das verändere die Perspektive und eröffne völlig neue Sichtweisen. Vor diesem Hintergrund legt sie auch anderen Azubis nahe, die Chance zum Auslandsaufenthalt während der Ausbildung zu nutzen. , Beruflich möchte sie selbst künftig gerne mit internationalem Bezug arbeiten und dabei vielleicht auch noch einmal „die Hauptstadt der Digitalisierung“ in den Fokus nehmen. Von den Ideen dort ließen sich viele auch in Deutschland umsetzen, glaubt sie. Hinzu komme, dass sie in den drei Wochen, die sie in Tallinn verbrachte, gespürt habe, wie bereichernd es sein könne, Internationalität zu leben und im Dialog mit anderen Ländern und Kulturen zu sein. …

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Hand in Hand mit den Partnerstädten

Internationalisierung der Erwachsenenbildung

[…] Große Nachfrage nach „German Week“, Ein innovativer Ansatz Volkshochschulen und Internationalisierung – wie passt das zusammen? Diese Frage stellte sich auch Silke Pfaller, als sie im Herbst 2017 die Leitung der Volkshochschule Ravensburg e.V. ( VHS Ravensburg) übernahm. Es war der Start für das Projekt TwinLearning, mit dem sie ihren Dozentinnen und Dozenten Mobilitätserfahrungen im europäischen Ausland ermöglicht. Realisiert wird dies in enger Zusammenarbeit mit Partnerstädten aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Es verdeutlicht zugleich den strategischen Nutzen von Erasmus+-Mobilitäten in der Erwachsenenbildung. , Volkshochschulen und Internationalisierung – wie passt das zusammen? Diese Frage stellte sich auch Silke Pfaller, als sie im Herbst 2017 die Leitung der Volkshochschule Ravensburg e.V. ( VHS Ravensburg) übernahm. Es war der Start für das Projekt TwinLearning, mit dem sie ihren Dozentinnen und Dozenten Mobilitätserfahrungen im europäischen Ausland ermöglicht. Realisiert wird dies in enger Zusammenarbeit mit Partnerstädten aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Es verdeutlicht zugleich den strategischen Nutzen von Erasmus+-Mobilitäten in der Erwachsenenbildung. , Am Projekt teilnehmen können vor allem die in der Regel freien Dozentinnen und Dozenten der VHS. Sie boten in Wales eine „German Week“ mit Schnupperkursen in Deutsch, Polnisch und Mandarin sowie Angeboten rund um Gesundheit, Entspannung und interkulturelle Kommunikation an. Speziell für die lokale Art Society wurde zudem ein Hundertwasser-Kunstworkshop durchgeführt. Mit den insgesamt 36 Veranstaltungen konnten fast 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 11 bis 94 Jahren erreicht werden – eine Nachfrage, mit der zuvor niemand gerechnet hatte. Für Pfaller bot das Projekt zudem Gelegenheit, selbst Kurse zu besuchen, in denen ihre Dozentinnen und Dozenten unterrichteten. „Jetzt kann ich Lehrmethoden und Sprachkenntnisse, aber auch die Reaktion auf unerwartete Situationen sehr viel besser einschätzen“, bilanziert sie. Dies sei eine wichtige Hilfe, um die Entwicklung und den weiteren Bedarf der Kursleiter besser einschätzen zu können. Hannah Hüttche war eine der Dozentinnen, die in Wales mit dabei waren. Die gebürtige Polin unterrichtet seit rund 25 Jahren Deutsch als Fremdsprache. 2006 kam sie nach Deutschland, wo sie sowohl Integrationskurse als auch Prüfungsvorbereitungen für Studentinnen und Studenten betreut. Bei der Teilnahme an TwinLearning ging es ihr vor allem um die eigene Sprachkompetenz und das Kennenlernen eines anderen Schulsystems. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen fand dabei gleich auf zwei Ebenen statt: zum einen mit den walisischen Lehrerinnen und Lehrern, zum anderen aber auch innerhalb der eigenen Gruppe. „Die Woche war auch eine Art Teambuilding und eine große Motivation für alle, die dabei waren“, betont die 50-Jährige, und ergänzt: „Ich bin jetzt seit zehn Jahren an der VHS in Ravensburg und kenne auch andere Volkshochschulen. So etwas wie TwinLearning gab es bislang nicht. Während der Zeit in Wales sind wir als Gruppe zusammengewachsen und haben immer wieder auch bei den anderen hospitiert.“ Sie habe viele neue Trainingsmethoden entdeckt und selbst sowohl Kinder als auch Erwachsene unterrichtet. Als besonders beeindruckend empfand sie das Interesse und die Offenheit, mit denen die walisischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihre Kurse kamen. Das habe ihr Mut gemacht, neue Methoden auszuprobieren, zum Beispiel in der Gruppenarbeit oder im Sprachunterricht. , Im Ergebnis war die „German Week“ ein voller Erfolg, den Silke Pfaller gerne in den anderen Partnerstädten wiederholen möchte. Eine „settimana tedesca“ in Rivoli und eine „semaine allemande“ in Montelimar“ waren bereits geplant, als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie ausbrach. So mussten die Termine verschoben und die Laufzeit des Projektes bis Juni 2021 verlängert werden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denn vom TwinLearning-Ansatz ist Pfaller nach wie vor überzeugt: „Das, was wir machen, bespielt eine neue Ebene in der Erwachsenenbildung. Die Idee, gemeinsam mit Partnerstädten entsprechende Angebote zu entwickeln, bezog sich in der Vergangenheit ausschließlich auf Kultur. Mit TwinLearning sind wir nun in den Bereich des Lernens vorgedrungen und können Erasmus+-Mobilitäten strategisch zum Dialog und Wissenstransfer nutzen“, unterstreicht Pfaller. Ihr Wunsch ist es, die Idee perspektivisch auch auf andere Zielgruppen und Themenbereiche auszudehnen. Denkbar seien beispielsweise eine Bürgerreise nach Rivoli, die inhaltlich bereits vorbereitet war und eigentlich Ostern 2020 stattfinden sollte, sowie Schneider-, Sport- oder Tanzkurse. Immer steht dabei die Kombination aus Kultur und Lernen im Fokus. Geographisch jedenfalls sei man mit den aktuellen Partnerstädten dazu bestens aufgestellt. …

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Neue Perspektiven für die Museumsentwicklung

Wie das Neanderthal-Museum die Chancen von Erasmus+ genutzt hat

[…] Empowerment und Professionalisierung, Die Chancen der digitalen Vermittlung, Nachhaltige Veränderungen durch Erasmus+, Haben wir Ihr Interesse geweckt? Erasmus+ bietet auch in der kulturellen Bildung vielfältige Möglichkeiten, durch europäischen Austausch neue Perspektiven und Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen. Das gilt sowohl für Institutionen als auch für deren Mitarbeitende. Wie es in der Praxis konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel des Neanderthal-Museums in Mettmann bei Düsseldorf. Das Museum versteht sich als Teil einer Erlebniswelt, die Inhalte zur Ur- und Frühgeschichte der Menschheit auf spannende Art und Weise vermittelt. Anregungen für die Vermittlung lieferten die Erasmus+-Kurzzeitprojekte, die das Museum in den Jahren 2022 bis 2025 gemeinsam mit Partnern aus ganz Europa realisiert hat. , „Wir haben unseren Mitarbeitenden vor allem Job-Shadowings und Sprachkurse in europäischen Museen und Institutionen ermöglicht“, beschreibt Dr. Bärbel Auffermann, Direktorin der Stiftung Neanderthal-Museum, die Idee der Projekte. Inhaltlich ging es dabei sowohl um die Stärkung europäischer Netzwerke als auch um die Weiterbildung des eigenen Personals, zum Beispiel hinsichtlich einer „nachhaltigen musealen Bildung mit digitalen Mitteln“. So hatten 20 der insgesamt 40 Mitarbeitenden des Museums die Gelegenheit, in verschiedenen europäischen Ländern Einblicke zu gewinnen, um diese anschließend in die eigene Arbeit einbringen zu können. Auffermann unterstreicht: „Zum einen wollten wir fachlich von anderen Einrichtungen lernen – insbesondere von großen Museen und Wissenschaftszentren. So waren wir beispielsweise in Finnland oder in Paris – in Häusern, in deren Foyer unser Museum vermutlich komplett Platz finden würde. Von solchen Einrichtungen kann man sehr viel lernen. Zum anderen war es uns aber auch wichtig, dass nicht nur die Museumsleitung oder einzelne Fachbereiche internationale Kontakte pflegen, sondern Mitarbeitende aus möglichst vielen Bereichen unseres Hauses die Gelegenheit zum Austausch erhalten. Deshalb haben wir Kolleginnen und Kollegen aus der Museumsvermittlung, dem Marketing, der Haustechnik, der Verwaltung und anderen Arbeitsbereichen eingebunden. Darin lag für uns ein großer Mehrwert des Programms.“ Die Umsetzung der Idee war nicht immer einfach. „Es gab schon auch Hemmschwellen, zum Beispiel wegen der Sprache oder der Vorstellung, allein in ein anderes Land zu fahren“, erinnert sich Auffermann, die ergänzt: „Wir haben dann gemeinsam nach Lösungen gesucht. Wer sich mit Englisch unsicher fühlte, konnte beispielsweise zunächst in ein deutschsprachiges Land reisen. Das nahm vielen die Angst.“ , Mareike Holtkamp, die im Bereich Marketing und Tourismus des Museums arbeitet, nutzte die Chance, um im Rahmen von Erasmus+ den Kolleginnen und Kollegen im Tiergarten Schönbrunn in Wien eine Woche lang über die Schulter zu schauen – das Ganze in Form eines Job-Shadowings. Auch wenn dies im ersten Augenblick fast ein wenig fachfremd wirkt, weiß Holtkamp: „Mein Fokus lag auf dem Tourismus. Wir verstehen uns hier als Erlebnisort für Familien und haben neben dem Museum auch einen großen Außenbereich. Da wollte ich von den Besten lernen, denn der Tiergarten Schönbrunn ist mit über zwei Millionen Besuchern aus aller Welt ein ´Big Player` in seinem Segment.“ Konkret konnte Holtkamp Erfahrungen im Busreise-Marketing sammeln, einem Bereich, mit dem man sich in Mettmann, „immer noch ein bisschen schwertue“. Mit den Erkenntnissen aus ihrer Zeit in Wien hat sie zahlreiche Busunternehmen kontaktiert und hofft, dass die Auswirkungen perspektivisch sichtbar werden. Das zeigt gleich zwei Wirkungen von Erasmus+: Zum einen das Empowerment und der Beitrag zur Motivation der Mitarbeitenden, zum anderen aber auch den Effekt auf die Professionalisierung der Museumsarbeit. Dazu Bärbel Auffermann: „Oft sind es gar nicht die großen und spektakulären Ideen, sondern viele kleine Verbesserungen, die sich unmittelbar auf die tägliche Arbeit übertragen lassen. Das können zum Beispiel Anregungen sein, wie Angebote optimiert oder Vermittlungsformate weiterentwickelt werden können.“ , Ein gutes Beispiel ist das Angebot – sowohl in den Ausstellungen als auch bei der Besucherführung und Vermittlung. Auffermann selbst war in diesem Zusammenhang im Louvre und in der Cité des Sciences et de l´industrie in Paris. Dort hat sie sich angeschaut, wie digitale Medien in Ausstellungen eingesetzt werden und welche Möglichkeiten sie für die Besucherlenkung bieten. Bei aller Begeisterung räumt sie jedoch ein: „Inwieweit man das letztlich realisiert, muss jedes Museum für sich selbst entscheiden. Manche Museen setzen inzwischen stark auf immersive Formate, andere bleiben bewusst analog. Entscheidend ist nicht die Technik an sich, sondern die Frage, wie ein Museum seine Inhalte erzählt und welche Form der Vermittlung zur eigenen Geschichte und zum eigenen Haus passt.“ Ulrike Krautz arbeitet eigentlich in der Verwaltung des Neanderthal-Museums. Sie hatte über Erasmus+ die Möglichkeit, ins Muzeikomuseum nach Sofia in Bulgarien zu gehen – ein hochmodernes Haus speziell für Kinder. „Hier konnte ich mir anschauen, wie die digitale Vermittlung von Wissen bei Kindern abläuft. Meine Erkenntnisse habe ich an unser Ausstellungsmanagement weitergegeben, das sie heute für neue und innovative Konzepte für alle Besucherinnen und Besucher nutzt. Zugleich habe ich auch persönlich von dieser Reise profitiert, weil ich als Verwaltungsmitarbeiterin selten eine derartige Gelegenheit habe." , Fragt man Bärbel Auffermann nach ihrer Bilanz aus der Arbeit mit dem EU-Bildungsprogramm, so sagt sie: „Erasmus+ hat unser Museum nachhaltig verändert – sowohl inhaltlich als auch personell. Damit meine ich fachliche Impulse, aber auch die persönliche Entwicklung vieler Mitarbeitender. Zugleichhat sich unser Netzwerk erheblich erweitert. Ich war viele Jahre im Vorstand von Ecsite (European Collaborative for Science, Industry & Technology Exhibitions), dem größten europäischen Netzwerk von Wissenschaftsmuseen. Dort habe ich anderen Museen von unseren Erfahrungen berichtet. Inzwischen haben viele dieser Einrichtungen ähnliche Projekte auf den Weg gebracht. Es waren bereits Kolleginnen und Kollegen aus Italien und Kroatien hier bei uns, die unser Vorgehen und unsere Arbeit mit Erasmus+ kennenlernen wollten.“ Auffermann wirbt auch unter Museumskolleginnen und -kollegen in Deutschland dafür, die Möglichkeiten von Erasmus+ zu nutzen. Dabei empfiehlt sie, zum Einstieg Kurzzeitprojekte durchzuführen, da diese sich im Neanderthal-Museum als sehr gewinnbringend erwiesen haben. Eine dauerhafte Akkreditierung in Erasmus+ wäre für ihr Haus zwar prinzipiell vorstellbar, scheitert aber aktuell vor allem an personellen Ressourcen. , Die NA beim BIBB informiert mit der Kampagne „Wenn Austausch Türen öffnet“ zu den Chancen und Möglichkeiten, die Erasmus+ für Auslandsaufenthalte in der Erwachsenenbildung bietet. Mehr dazu erfahren Sie unter www.na-bibb.de/erasmus-perspektiven . …

Story

Internationalisierung auf französisch

An einem Duisburger Berufskolleg können Auszubildende im Rahmen der Ausbildung im Fach Gießereimechanik eine deutsch-französische Zusatzqualifikation erwerben

[…] In Duisburg hat der Austausch eine Geschichte , Erasmus+ ermöglicht Mehrwert, Internationalisierung fördert die Schulentwicklung Wie erfolgreiche Internationalisierung in der Berufsbildung aussehen kann, zeigt das Beispiel des Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs (FALBK) in Duisburg. Hier kommt seit 2021 die Deutsch-Französische Zusatzqualifikation (DFZQ PRO) zum Einsatz, die die Entwicklung und Durchführung binationaler berufs- oder bildungsgangbezogener Lernsituationen vorsieht, um die Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Schulpartnern zu stärken. Integraler Bestandteil ist dabei die konkrete Projektarbeit im Nachbarland, die über Erasmus+ realisiert wird. , „Wir nutzen DFZQ PRO sowohl strategisch als auch zum Erwerb von Sprach-, Fach- und Auslandskompetenz“, sagt Egbert Meiritz, Schulleiter FALBK. Er sieht die Zusatzqualifikation als Ergänzung zur regulären Ausbildung, die die Schülerinnen und Schüler auf den europäischen Arbeitsmarkt vorbereitet. In Duisburg erfolgt dies im Bildungsgang Gießereitechnik, wo DFZQ PRO heute fest verankert ist und mittels bi-nationaler Lernsituationen gelebt wird. Am Ende der Ausbildung gibt es neben der Zusatzqualifikation auch die Zertifizierung der “Internationalen Beruflichen Mobilität”. Mit der Entwicklung der DFZQ PRO hat das Land Nordrhein-Westfalen den Auftrag des im Januar 2019 unterzeichneten Vertrags über die „Deutsch-Französische Zusammenarbeit und Integration“ umgesetzt und das neue Instrumentarium an ausgewählten Berufskollegs etabliert. Ziele des Vertrags sind der Ausbau von Mobilitätsprogrammen in der Schul- und Berufsbildung sowie die Förderung des gegenseitigen Spracherwerbs. Er steht damit in der Tradition des Élysée-Vertrag aus dem Jahr 1963, der die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich langfristig stärken sollte. , Für das Duisburger Berufskolleg ist das Thema Internationalisierung nicht neu. Hier arbeitet man bereits seit vielen Jahren mit Programmen wie Erasmus+, der Austausch mit französischen Schulen wird bereits seit 2014 gepflegt. „Als das NRW-Ministerium uns eingeladen hat, uns an DFZQ PRO zu beteiligen, haben wir deshalb sofort zugesagt“, bekräftigt Meiritz, und ergänzt: „Da wir Französisch bereits als zweite Fremdsprache an unserer Schule eingeführt hatten, konnten wir die Zusatzqualifikation gut in unsere bestehenden Bildungsgänge integrieren. Dazu wird im dritten Ausbildungsjahr das Fach Fremdsprachliche Kommunikation komplett auf Französisch umgestellt.“ Sonja Stahlberg unterrichtet Französisch am FALBK. Sie war im März 2026 mit einer Gruppe von zwölf Auszubildenden und zwei Lehrenden aus dem Technikbereich zum vierten Mal für eine Woche zum Lernaufenthalt in Frankreich, erstmals an der neuen Partnerschule, dem Lycée Hector Guimard in Lyon. Der Wechsel war notwendig geworden, weil es für die Schülerinnen und Schülern der alten Partnerschule immer schwieriger geworden war, zum Gegenbesuch nach Duisburg zu kommen. Um die Zusatzqualifikation attestieren zu können, ist dieser Rückaustausch jedoch notwendig. Durch den Partnerwechsel konnte das Problem gelöst werden. Von ihrem Besuch in Lyon ist Stahlberg heute noch begeistert. Das liegt auch daran, dass die neue Partnerschule über Werkstätten verfügt, in denen Verfahren eingesetzt werden, die in der regulären Ausbildung der Lernenden weniger im Fokus stehen. Ein Beispiel ist der Kokillenguss, bei dem im Gegensatz zum Handformen mit Sand eine sogenannte Dauerform aus Metall hergestellt wird. „Die Methode hat in Frankreich einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland“, betont Stahlberg. „Das ist für unsere Schülerinnen und Schüler sehr interessant.“ In den konkreten Lernsituationen – der praktischen Projektarbeit – entwickeln sie gemeinsam mit den französischen Auszubildenden ein Produkt. Dazu Sonja Stahlberg: „Wir versuchen, etwas zu finden, das man im Alltag nutzen kann, zum Beispiel einen Flaschenöffner oder Einkaufschips. Zugleich sollte jedoch ein Designaspekt erfüllt werden, zum Beispiel, indem sich die deutsch-französische Freundschaft oder der europäische Gedanken widerspiegeln. Insgesamt bildet die Lernsituation den kompletten Vorgang von der Planung über die Ausgestaltung und Prüfung bis zum Abguss und zur Nachbearbeitung des Produkts ab. Das bringt eine intensive Zusammenarbeit mit sich, bei der die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen erwerben, die sie so bei uns nicht erwerben könnten.“ , Ein zentraler Erfolgsfaktor für das Gelingen von DFZQ PRO ist die Förderung der Auslandsaufenthalte über Erasmus+. Sie erleichtert die Organisation des regelmäßigen Austauschs und schafft Planungssicherheit. Egbert Meiritz ist sich sicher: „Ohne diese Unterstützung würde das Ganze nicht funktionieren“. Seit 2021 ist das FALBK in Erasmus+ akkreditiert, es setzt auf eine institutionelle Verankerung der Mobilitäten, die sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden einen Mehrwert mit sich bringen. „Die Gießereiindustrie ist ein relativ enges Geschäft, es gibt zudem nur noch wenige Schulen, die eine Ausbildung anbieten. In diesem Markt ist es nicht einfach, dauerhaft Jobs zu bekommen, noch dazu in einer Region, die jahrelang Deindustrialisierung erlebt hat und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit aufweist.“, berichtet Meiritz, der selbst aus Recklinghausen stammt und weiß, wovon er spricht. Deshalb sei es besonders wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler über nationale Grenzen hinausdenken. Durch die Zusatzqualifikation erweitern sie ihre Kompetenzen und verbessern ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt – auch international. Sie stellen fest, dass das, was sie im Rahmen ihrer Ausbildung gelernt haben, an vielen verschiedenen Orten einsetzbar ist. Einige von ihnen seien zwar anfangs unsicher, vor allem, wenn sie noch nie im Ausland waren. Nach dem Austausch aber berichteten nahezu alle, dass sie enorm davon profitiert hätten. Das gilt im Übrigen auch für die Lehrkräfte, denen der fachliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in Frankreich Einblicke in andere Ausbildungssysteme und Arbeitsweisen eröffnet. Sonja Stahlberg glaubt: „Das erweitert den Horizont und funktioniert ähnlich wie ein Job Shadowing. Aus der gemeinsamen Arbeit entstehen neue Ideen für Unterricht und Projektarbeit. Man reflektiert die eigenen Methoden und entwickelt sie weiter. Und nicht zuletzt ist es auch persönlich bereichernd: Der Austausch, die gemeinsamen Erfahrungen und das Arbeiten in internationalen Teams wirken sehr motivierend.“ , Auch wenn die Internationalisierung am FALBK bereits eine lange Geschichte aufweist, betrachtet Egbert Meiritz die Deutsch-Französische Zusatzqualifikation als einen wichtigen strategischen Baustein: „Die DFZQ PRO ist nicht nur ein Zusatzangebot, sondern Teil unserer Schulentwicklung. Sie trägt dazu bei, unsere Schule international auszurichten, unser Profil zu schärfen und die Qualität der beruflichen Bildung weiterzuentwickeln. Gleichzeitig stärkt sie unsere bestehenden Partnerschaften und eröffnet neue Möglichkeiten.“ Alexandra Donike, Schulfachliche Dezernentin in der Schulaufsicht für die Berufskollegs und Leiterin der EU-Geschäftsstelle bei der Bezirksregierung Düsseldorf, unterstreicht dies, indem sie betont: „DFZQ PRO wird seitens des Landes NRW nicht zuletzt deshalb intensiv eingesetzt, weil sie einen wichtigen Beitrag zur strategischen Schulentwicklung leistet. Das Ganze zahlt auf die Zertifizierung der Berufskollegs für ihre Aktivitäten zur internationalen Zusammenarbeit in der europäischen Berufsbildung ein. Für diese können sich Schulen jährlich bei den Bezirksregierungen bewerben, indem sie strategische Aktivitäten und Mobilitäten nachweisen. Die EU-Geschäftsstellen der Bezirksregierungen informieren und beraten die Berufskollegs zum Zertifizierungsverfahren.“ …

[…] © NA beim BIBB, Stand 11.11.2025 Seite 1 von 6 Fördersätze für Einheitskosten 2026 Leitaktion 1 – Mobilität in der Erwachsenenbildung für Lernende und Bildungspersonal für akkreditierte Einrichtungen KA121-ADU und Kurzzeitprojekte KA122-ADU Individuelle Unterstützung pro Tag und Zielland in EURO Lernende Bildungspersonal/ Begleitperson Gruppen-, Kurz- und Langzeitmobilität (LM-GRP- ADULT + LM-SHORT-ADULT + LM-LONG-ADULT) Job shadowing (SM-JOB-SHDW), Aktivitäten zu Lehr- und Schulungszwecken (SM-TAA), Kurse und Schulungen (SM-COUR-TRAIN) und eingeladene Experten (OA-INV-EXP) Zielland Tage 1-14 Tage 15-365 Tage 1-14 Tage 15-365 Austria, Belgium, France, Denmark, Finland, Germany, Iceland, Ireland, Italy, Liechtenstein, Luxembourg, Netherlands, Norway, Sweden 127 89 191 134 Cyprus, Czechia, Estonia, Greece, Latvia, Malta, Portugal, Slovakia, Slovenia, Spain, 110 77 169 118 Bulgaria, Croatia, Hungary, Lithuania, Poland, Romania, Serbia, North Macedonia, Turkiye, 93 65 148 104 © NA beim BIBB, Stand 11.11.2025 Seite 2 von 6 Aufenthaltskosten der Teilnehmenden und Begleitpersonen während der Aktivität. Bei Bedarf sind Aufenthaltskosten für die Reisezeit vor und nach der Aktivität förderfähig, wobei für Teilnehmende und Begleitpersonen, die den Reisekostenzuschuss für nicht umweltfreundliches Reisen erhalten, höchstens zwei Reisetage und für diejenigen, die den Zuschuss für umweltfreundliches Reisen erhalten, höchstens sechs Reisetage vorgesehen sind. Finanzierungsmechanismus: Zuschuss zu den Einheitskosten. Zuweisungsregel: nach der Anzahl der Personen, der Aufenthaltsdauer und dem Aufnahmeland. Förderfähige Kosten Distanz Standardreise „Green Travel“ Reisekosten Zuschuss zu den Kosten, die den Teilnehmern und Begleitpersonen für die Reise von ihrem Herkunftsort zum Ort der jeweiligen Aktivität und zurück entstehen. Generell gilt die Regel, dass der Teilnehmende bei einer Strecke von weniger als 500 km mit emissionsarmen Verkehrsmitteln reisen wird. Bei einer Strecke von über 500 km werden die Teilnehmer nachdrücklich dazu aufgefordert, eine Kombination verschiedener Verkehrsmittel zu nutzen, um ihre Reise nachhaltiger zu gestalten. Finanzierungsmechanismus: Zuschuss zu den Einheitskosten Zuweisungsregel: nach der Entfernung und Anzahl der Teilnehmenden und Begleitpersonen Der Antragsteller muss die einfache Entfernung (Luftlinie) zwischen dem Herkunftsort und dem Ort der Aktivität mithilfe des Entfernungsrechners der Europäischen Kommission angeben Entfernungen zwischen 10 und 99 km: 28 EUR/TN 56 EUR/TN Entfernungen zwischen 100 und 499 km: 211 EUR/TN 285 EUR/TN Entfernungen zwischen 500 und 1999 km: 309 EUR/TN 417 EUR/TN Entfernungen zwischen 2000 und 2999 km: 395 EUR/TN 535 EUR/TN Entfernungen zwischen 3000 und 3999 km: 580 EUR/TN 785 EUR/TN Entfernungen zwischen 4000 und 7999 km: 1.188 EUR/TN 1.188 EUR/TN Entfernungen von 8000 km und mehr: 1.735 EUR/TN 1.735 EUR/TN © NA beim BIBB, Stand 11.11.2025 Seite 3 von 6 Organisatorische Unterstützung Unmittelbar mit der Durchführung des Projekts zusammenhängende Kosten, die nicht unter andere Kostenkategorien fallen. Beispiele hierfür sind: (pädagogische, interkulturelle und sonstige) Vorbereitung, Mentoring, Überwachung und Unterstützung der Teilnehmenden während der Mobilität, Dienste, Werkzeuge und Ausrüstung, die für die Projektdurchführung benötigt werden, virtuelle Komponenten in gemischten Aktivitäten, Anerkennung von Lernergebnissen, Austausch von Ergebnissen und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Finanzierung durch die Europäische Union. Die organisatorische Unterstützung deckt die Kosten ab, die sowohl der entsendenden als auch der aufnehmenden Organisation entstehen (außer im Fall der Personalmobilität zum Zweck von Kursen und Schulungen). Die Aufteilung der erhaltenen Finanzhilfe wird zwischen den beiden Organisationen vereinbart. Finanzierungsmechanismus: Zuschuss zu den Einheitskosten. Zuweisungsregel: nach der Anzahl der Teilnehmenden. Begleitpersonen sind keine Teilnehmende an den Mobilitätsaktivitäten und für sie werden keine Mittel für Organisatorische Unterstützung berechnet. 350 EUR; 200 EUR ab 100 Teilnehmern an derselben Art von Aktivität - pro Teilnehmer an einer Kurzzeit-Mobilität von erwachsenen Lernenden - pro Teilnehmer an Personalmobilität zum Zweck von Job Shadowing oder einer Lehr- oder Schulungstätigkeit 500 EUR - pro Teilnehmenden an langfristiger Lernmobilität von erwachsenen Lernenden 100 EUR - pro Teilnehmer an Personalmobilität zum Zweck von Kursen und Schulungen - pro eingeladenen Experten - pro aufgenommene Lehrkraft oder pädagogische Fachkraft in Ausbildung 125 EUR - pro Lernenden im Rahmen der Gruppenmobilität Vorbereitende Besuche Reise- und Aufenthaltskosten für die Teilnahme an einem vorbereitenden Besuch. Finanzierungsmechanismus: Zuschuss zu den Einheitskosten. Zuweisungsregel: nach der Anzahl der Teilnehmenden 680 EUR pro Teilnehmer, Kursgebühren Kosten zur Deckung der Anmeldegebühren für das Format der Personalmobilität „Kurse und Schulungen“. Finanzierungsmechanismus: Zuschuss zu den Einheitskosten. 80 EUR pro Teilnehmer und Tag © NA beim BIBB, Stand 11.11.2025 Seite 4 von 6 Zuweisungsregel: nach der Dauer des Kurses. Inklusionsunterstützung Inklusionsunterstützung für Organisationen: Kosten in Verbindung mit der Organisation von Mobilitätsaktivitäten für Teilnehmende mit geringeren Chancen. Finanzierungsmechanismus: Zuschuss zu den Einheitskosten. Zuweisungsregel: nach der Anzahl der Teilnehmenden mit geringeren Chancen. ********************************************************** Inklusionsunterstützung für Teilnehmer: Zusätzliche Kosten, die unmittelbar mit Aufwendungen für Teilnehmende mit geringeren Chancen und ihre Begleitpersonen verbunden sind (einschließlich gerechtfertigter Aufenthalts- und Reisekosten, sofern für diese Teilnehmer keine Finanzhilfe in den Kategorien „Reisekosten“ und „individuelle Unterstützung“ beantragt wird). Inklusionsunterstützung kann auch Personal mit geringeren Chancen gewährt werden, dass die Rolle von Begleitpersonen übernimmt oder an einem vorbereitenden Besuch teilnimmt. Finanzierungsmechanismus: tatsächliche Kosten. Zuweisungsregel: Der Antrag muss vom Antragsteller begründet und von der nationalen Agentur genehmigt werden. 125 EUR pro TN nach Anzahl der TN ******************************************** Bis zu 100% der förderfähigen Kosten Außergewöhnliche Kosten Kosten für die Bereitstellung von Finanzsicherheiten, falls die nationale Agentur dies anfordert. Hohe Reisekosten der Teilnehmenden und ihrer Begleitpersonen, die aufgrund geografischer Abgelegenheit oder anderer Einschränkungen nicht mit dem regulären Zuschuss für „Reisekosten“ unterstützt werden können. Im Falle einer Bewilligung ersetzen die außergewöhnlichen Kosten für Finanzsicherheiten: 80 % der förderfähigen Kosten Hohe Reisekosten: 80 % der förderfähigen Kosten © NA beim BIBB, Stand 11.11.2025 Seite 5 von 6 Kosten für teure Reisen die Reisekostenunterstützung auf der Grundlage der Einheitskosten. Gebühren und sonstige Kosten in Verbindung mit der Erteilung von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen sowie Kosten für Impfungen oder ärztliche Bescheinigungen. Finanzierungsmechanismus: tatsächliche Kosten Zuweisungsregel: Der Antrag muss vom Antragsteller begründet und von der nationalen Agentur genehmigt werden. Teure Reisen liegen dann vor, wenn die Reisekostenunterstützung auf der Grundlage der Einheitskosten weniger als 70 % der Reisekosten der Teilnehmenden abdeckt. Gebühren und sonstige Kosten in Verbindung mit der Erteilung von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen sowie Kosten für Impfungen oder ärztliche Bescheinigungen: 100 % der förderfähigen Kosten Sprachliche Unterstützung Kosten für die Bereitstellung von Sprachlernmaterial und Schulungen für Teilnehmer, die ihre Kenntnis der Sprache verbessern müssen, in der sie während der Aktivität studieren oder Schulungen erhalten. Sprachliche Unterstützung ist für Teilnehmende an folgenden Arten von Aktivitäten förderfähig: Job Shadowing/Hospitationen, Lehr- und Schulungstätigkeit, pädagogische Fachkraft in Ausbildung, kurzfristige Lernmobilität von erwachsenen Lernenden und langfristige Lernmobilität von erwachsenen Lernenden. Die Unterstützung ist nur dann zu zahlen, wenn der Teilnehmende die Online-Sprachunterstützung nicht in Anspruch nehmen kann, weil die gewünschte Sprache oder das gewünschte Niveau nicht verfügbar ist oder weil für Teilnehmende mit geringeren Chancen besondere Hindernisse bestehen. Die oben genannten Bedingungen gelten nicht für 150 EUR pro Teilnehmenden. Darüber hinaus: 150 EUR an verstärkter Sprachförderung zur Unterstützung pro Teilnehmer bei langfristiger Lernmobilität von erwachsenen Lernenden. © NA beim BIBB, Stand 11.11.2025 Seite 6 von 6 die verstärkte Unterstützung für Teilnehmende an der langfristigen Lernmobilität von erwachsenen Lernenden. Finanzierungsmechanismus: Zuschuss zu den Einheitskosten. Zuweisungsregel: nach der Anzahl der Teilnehmenden. Beispiel: 10 Teilnehmende (Bildungspersonal) absolvieren eine Job-Shadowing von 14 Tagen in Athen/Griechenland. Wohnort der TN ist Hamburg Aufenthaltskosten `+ Fahrtkosten `+ Organisatorische Vorbereitung `= Förderung insgesamt 14 Tage x 169 € x 10 TN = 23.660 € 2025 km= 395 x 10 TN=3.950 € 350 x 10 TN= 3.500 € 31.110,00 € AM_Uebersicht_Foerdersätze KA121_KA122 ADU_20251111.docx …

Publikation

Mobil in Europa mit Erasmus+

Daten und Fakten zu Auslandsaufenthalten von Lernenden und Berufsbildungspersonal 2016–2018

[…] Diese Analyse macht deutlich, wie sich die Anzahl der geförderten Projekte und das entsprechende Budget in den letzten Jahren entwickelt haben. Zugleich liefert sie die wesentlichen Daten und Fakten zu Auslandsaufenthalten und international mobilen Teilnehmenden, wobei sie auch deren Perspektive auf den zurückliegenden Auslandsaufenthalt betrachtet. …

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