Dokumentation „Life Skills – Zukunft der Erwachsenenbildung?" - Fachkonferenz Erasmus+, Agenda Erwachsenenbildung und EPALE vom 23. bis 24. September 2021

23. und 24. September in Erfurt

Im Sommer 2020 hat die Europäische Kommission die European Skills Agenda veröffentlicht. Die sogenannten Life Skills sind ein Teil davon. Doch was genau steckt hinter dem Begriff Life Skills, der im Programm Erasmus+ und somit auch für EPALE und für die Europäische Agenda für Erwachsenenbildung einen wichtigen Platz einnimmt?

Erster Veranstaltungstag

Thema des ersten Veranstaltungstags war der neueste Stand zum Konzept der Life Skills aus Sicht der EU-Kommission und aus wissenschaftlicher Sicht sowie die Themen zu Life Skills aus Sicht der Erwachsenenbildungspraxis.

Klaus Fahle, Leiter der NA beim BIBB, und Dr. Klaus Paffrath vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport begrüßten die Teilnehmenden. Klaus Fahle verwies in seiner Begrüßungsrede auf den größten Unterschied zwischen Life Skills und Skills for Life: Dieser bestünde darin, dass Life Skills über Themen der Grundbildung hinausgehen. Das grundlegende Ziel sei, die Teilhabe an der Gesellschaft und am alltäglichen Leben für jeden Menschen zu gewährleisten. Die Zusammenarbeit verschiedener Politikbereiche seien dabei von großer Bedeutung. Dr. Paffrath bedankte sich seitens des Landes Thüringen und freute sich, die Erwachsenenbildung durch diese Veranstaltung in Erfurt weiter ins Zentrum des Interesses rücken zu können. Life Skills bedeuteten für ihn Kooperation, Kommunikation und Mobilität und seien wichtig für Schritte hin zu einer inklusiveren Gesellschaft.

Klara Engels-Perenyi stellte in ihrem Vortrag die Adult Skills Policies der Europäischen Kommission vor. Dabei betonte sie, dass eine qualitativ hochwertige Erwachsenenbildung wichtig sei, um gesellschaftliche Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Ergänzend präsentierte sie die künftigen Initiativen der europäischen Kommission, welche das Ziel einer inklusiven Gesellschaft verfolgten.

Prof. Silke Schreiber-Barsch (Universität Duisburg-Essen) warf, als Vertreterin aus Wissenschaft und Forschung, aus der Sicht ihrer Forschung einen Blick auf das Thema Life Skills. Mit dem Zitat des französischen Schriftstellers Picabia  „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann", verwies sie auf die Relevanz eines Perspektivwechsels beim Thema Life Skills. Ausgehend davon, dass die Debatte um Schlüsselkompetenzen bereits in den 70er Jahren begonnen hat, beschäftige sie jetzt die Frage nach den Begrifflichkeiten heute und auch die Bedeutung für die Zukunft. Neben der Definition von Skills (Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen) sei es auch von Bedeutung ins Handeln zu kommen. Der Trias von „Handeln können, Handeln wollen und Handeln dürfen" sei eine wesentliche Voraussetzung fürs Lernen. Dabei solle das Lernen nicht nur auf kognitive Prozesse reduziert werden. Lernen bedeute demnach immer Lernen mit allen Sinnen, so auch motorisch. Des Weiteren ging Frau Schreiber-Barsch auf die Themen der Workshops „Digitalisierung“, „Nachhaltigkeit“, „Inklusion“ und „Partizipation“ ein und setzte sie in Beziehung zum Thema der Konferenz.

Nach diesen Inputs folgte ein virtuelles Barcamp und ein Barcamp vor Ort, zu den für die Teilnehmenden relevanten Themen rund um Life Skills. Erasmus+-Projekte wurden in einem Projektemarkt präsentiert, und zeigten, was sie in der Praxis zur Thematik Life Skills schon alles erarbeitet haben.

Am Ende des ersten Veranstaltungstages fassten Dr. Christine Bertram und Michael Marquart, die die Veranstaltung moderierten, den ersten Konferenztag zusammen und hielten fest, dass der Begriff der Life Skills greifbarer gemacht werden solle. Was der Begriff bedeuten könne und beinhalte, wurde von den Teilnehmenden in den Barcamps diskutiert und erörtert. Zudem sei es interessant zu erfahren und zu besprechen, wie eine Umsetzung auf nationaler, regionaler oder auch lokaler Ebene vollzogen werden könne.

Zweiter Veranstaltungstag

Der Fokus des zweiten Konferenztages lag auf den Life Skills der Zukunft und der Frage: „Sind Life Skills die Zukunft der Erwachsenenbildung?“, moderiert von Sabine Bertram (Bildungsfrauen).

Gina Ebner, Generalsekretärin des Europäischen Verbands für Erwachsenenbildung (EAEA), präsentierte in ihrem Vortrag die Life Skills der Zukunft. Dabei hielt sie fest, dass die Erwachsenenbildung obligatorisch sei, um die Zukunft Europas zu gestalten. Ziele wie die green oder digital Transition können zum Beispiel nur durch das Erlernen neuer Kompetenzen erreicht werden. Um also die Ziele der Europäischen Kommission zu erreichen, muss folglich auch die Säule der Erwachsenenbildung gestärkt werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Praxis und Politik über die Zukunft der Life Skills diskutiert.

Die Zusammenfassung der Podiumsdiskussion  finden sich hier.

Gina Ebner (EAEA): „Wir müssen lernen, um die Zukunft zu verändern. Das beinhaltet auch, dass persönliche Veränderungen durch Lernen vorangetrieben werden müssen."

Elizaveta Firsova (Leibniz Universität Hannover): „Wir müssen das Konzept des Life Long Learning etablieren. Dieser Prozess muss in der Schule beginnen und darf beim Übergang zur Berufsausbildung oder zum Studium nicht unterbrochen und in der Erwachsenenbildung weitergeführt werden. Dafür muss auch das Angebot, insbesondere im Bereich der Digitalisierung, erweitert werden."

Lars Killian (DIE): „Schon in der Vergangenheit ging es beim Erwerb von Kompetenzen und Wissen um das Thema Life Skills. Und das wird auch in Zukunft so bleiben."

Evelyn Sittig (LOFT): „Life Skills werden in Zukunft eine andere Dynamik bekommen, besonders in Sachen Klimaentwicklung. Dafür sollten wir in Zukunft noch besser im Bereich der Erwachsenenbildung aufgestellt sein. Die Vision für die Zukunft beinhaltet auch, dass die Bildungsanbieter und Erwachsenenbildner*innen die Bedeutung und Komplexität erkennen und somit gezielt unterstützt werden können, um Life Skills zu stärken."

Dörte Stahl (EPALE-Botschafterin, Lernallee): „Um Life Skills zu stärken und zu etablieren, müssen Institutionen und Strukturen verändert werden. Es geht dabei nicht nur um die Teilnehmenden und Lernenden, sondern auch um alle anderen Individuen die im Bereich der Erwachsenenbildung tätig sind."

Wie Life Skills zu den Themen Digitales, Partizipation, Inklusion und umweltbewusstes Handeln/Nachhaltigkeit ganz konkret umgesetzt werden können, wurde in vier verschiedenen Workshops erarbeitet.

Die Workshops Beschreibungen finden sich hier.

Fazit der Konferenz

Dem Begriff Life Skills haben wir uns angenähert, mit Spannung wird das politische Papier der Europäischen Kommission dazu erwartet. Bei der Konferenz wurde deutlich, dass sich politische und gesellschaftliche Strukturen verändern müssen und dass die Umsetzung in die Praxis erfolgen soll. Dem Bildungspersonal in der Erwachsenenbildung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Daher ist es wichtig, dieser Berufsgruppe eine gute Weiterbildung anzubieten. Gleichzeitig muss das Thema Life Skills in den Bildungseinrichtungen selbst verankert werden und es müssen gute Wege gefunden werden, um Teilnehmende für diese Bildungsangebote zu begeistern.

Hinter die Frage dieser Konferenz „Life Skills – Zukunft der Erwachsenenbildung?" setzen wir ein Ausrufezeichen und bündeln alle Kräfte für eine starke Erwachsenenbildung, die sich immer wieder verändernden Life Skills stellt, um allen Menschen eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.



Bildergalerie

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