„Für uns war es eine große Anerkennung!“ - EPIZ-Projektkoordinatorin Janika Hartwig zur Verleihung der 2019 VET Excellence Awards in Helsinki und zur Innovationskraft des Projekts GastroINKLUSIV

Frau Hartwig, Mitte Oktober waren Sie zur Verleihung der Erasmus+ Awards in Helsinki. Welche Eindrücke haben Sie mitgebracht?

Hartwig: Es war ein faszinierendes Erlebnis, auch wenn wir am Ende nur den zweiten Platz belegt haben. Für uns war es eine große Ehre zu den Nominierten zu gehören und unser Projekt einem internationalen Fachpublikum vorzustellen. Die Veranstaltung fand in der Finlandiahalle mit rund 400 Besucherinnen und Besuchern und viel politischer Prominenz statt. Es war ein wenig wie bei einer Oscar-Verleihung. Du sitzt dort und wartest auf das Voting, das am Ende sehr knapp zugunsten eines anderen Projekts ausfiel. Natürlich ist man dann einen Moment traurig, letztlich aber überwiegen die Freude und der Stolz, dabei gewesen zu sein. Zudem habe ich spannende neue Kontakte knüpfen können.

Waren Sie überrascht, als Sie von der Nominierung für Helsinki erfahren haben?

Hartwig: Das war eine große Überraschung, weil das Projekt für mich eigentlich abgeschlossen war und wir schon mit ganz neuen Gedanken unterwegs waren. Wir wussten schon, dass das ein gutes Projekt war und die Dinge nachwirken, mit der E-Mail zur Nominierung hatten wir jedoch nicht gerechnet. Das für uns eine große Anerkennung und Ausdruck der Wertschätzung unserer Arbeit. 

Worin liegt aus Ihrer Sicht die innovative Kraft Ihres Projekts?

Hartwig: Unser Ansatz bringt die Erfahrungen unterschiedlicher Akteure aus Wirtschaft und Berufsbildung zusammen und verzahnt dabei mehrere Ebenen: vom Kapazitätsaufbau über die Kompetenzentwicklung für Lehrkräfte bis zur praktischen Anwendung durch Auszubildende. Ergebnis ist ein sehr umfassendes Modell, das vielfältige Einsatzmöglichkeiten bietet.

Was heißt für Sie Inklusiver Unterricht? Wie sieht das Ganze in der Realität aus?

Hartwig: Inklusives Lernen bedeutet, so zu unterrichten, dass alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Um dies zu erreichen, ist es relevant, Praxis und Theorie im Unterricht miteinander zu verbinden. Dabei sind Partizipation und Wertschätzung wichtige Grundprinzipien für das Gelingen von Inklusion. Indem die Auszubildenden aktiv mitwirken und mit ihren Stärken und Schwächen wahrgenommen werden, steigt auch ihre Motivation und letztlich die Qualität der Berufsbildung. 

Wie äußert sich das in den Materialien, die Sie erarbeitet haben?

Hartwig: Unser Ziel ist, mit den Auszubildenden im Bereich Gastronomie auch über Themen wie globale Zusammenhänge, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Fairen Handel zu diskutieren, zum Beispiel anhand der Geflügelproduktion oder dem Einkauf und der Lagerung von Gemüse. Wir wollen aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen und die Berufsrealität zusammenbringen.

Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit?

Hartwig: Nachhaltigkeit im Sinne von zukunftsfähigem Handeln sehe ich zum einen als eine zentrale Herausforderung für die Gastronomie. Es ist eine wichtige Aufgabe der Beruflichen Bildung, die angehenden Fachkräfte in diesem Bereich zu qualifizieren. Zum anderen wird die Nachhaltigkeit aber auch in der Wirkung der Materialien auf Lehrkräfte und Auszubildende sichtbar. Beide können daraus einen enormen Mehrwert gewinnen.

Wie verbreiten Sie die Materialien?

Hartwig: Jeder der beteiligten Partner hat die Unterrichtsmaterialien getestet und sie in der Praxis eingesetzt. Um auch anderen aufzuzeigen, was die Materialien bewirken und wie sie sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können, führen wir Workshops, Fortbildungen und Infoveranstaltungen durch. Die Resonanz diesbezüglich ist bislang sehr positiv. Zudem können alle Materialien auf unserer Website www.gastroinklusiv.eu heruntergeladen oder gedruckte Broschüren online bestellt werden. 

Das Interview führte Manfred Kasper.

 


Die Projektteilnehmenden bei der Preisverleihung auf der Bühne
© Europäische Kommission

Erfahren Sie in unserer Story, wie die Strategische Partnerschaft GastroINKLUSIV inklusives Lernen und die Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsthemen in der beruflichen Bildung möglich macht. 

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